Allein, allein…? Ist’s manchmal schön zu sein…

Ich meine natürlich nicht den Song von Polarkreis 18. Und ich will ganz sicher auch nicht wie Diogenes in einem Faß leben. Henry David Thoreaus Idee, sich ‘ne Hütte im Wald zu bauen, die nur ein paar Kilometer von der (damaligen) Zivilisation entfernt lag, um dann Sonntags mit der Familie zu essen erscheint da schon attraktiver. Allerdings bräuchte es dazu a) ein regelmäßiges Einkommen aus irgendwas mit ohne Menschen, b) einen Wald, in dem nicht zu viele Menschen (am besten gar keine) unterwegs sind und c) ‘ne Baugenehmigung, denn wir sind in Deutschland. Und damit ist das Projekt auch schon gescheitert, bevor es überhaupt begonnen hat. Denn wenn ich echt meine sozial induizierte Depression in so einer Hütte auskurieren wollen würde, hinge ich an einem der Bäume ringsum, bevor die Baugenehmigung da wäre. Die einzige Frage bliebe, was zuerst zu spät käme – die Baugenehmigung oder die Zusage für einen Therapieplatz. Keine Sorge, mir geht es im Moment soweit ganz gut, auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie und vor allem wann ich die ganzen Probleme am Arbeitsplatz lösen soll, die sich einmal mehr ganz von allein aufgehäuft haben. Ist mal wieder wie mit den Pilzen im Wald nach einem feuchten Sommer: drehst dich einmal um und SCHWUPPS steht alles voll! Augen auf bei der Jobwahl kann ich da nur sagen…

Allein sein zu dürfen ist heutzutage oft ein Luxus. Ich bemerke das vor allem, wenn ich in Urlaub fahre. Ich suche heutzutage bewusst Orte aus, an denen man eher wenigen Menschen begegenet, wenn man nicht gerade auf DIE Ausflüge geht, die alle Anderen auch machen, weil’s da, wo man hinfahren kann halt im wahrsten Wortsinn pittoresk ist. Schuldig im Sinne der Anklage, da ich ja auch gerne und viel knipse. Ich las neulich in einem Interview mit einer Restauratorin, dass sie keine Bilder von ihren Auflügen in Museen machen würde, weil die Linse zwischen Auge und Objekt den Blick auf die Essenz des gerade betrachteten Kunstwerk versperre. Ich weiß was sie meint. Und bei bestimmten Exponaten ist das auch wahr. Die Abbildung sagt nicht so viel, wie tatsächlich davor zu stehen, allein schon, weil selbst gut komponierte Bilder dazu neigen, die wahren Größenverhältnisse zu verschleiern. Doch ich habe gelernt, die Welt – vermittelt durch die Begrenzung des eben genutzten Objektives – auf eine bestimmte Art wahrzunehmen, Spannung, Widersprüchlichkeit, Verspieltheit, Ästhetik zu suchen, wo man diese nicht unbedingt vermutet (aber natürlich auch da, wo diese explizit angeboten wird). Einerseits, weil ich ab und an gerne ein solches Bild teile, andererseits, weil es das Auge auch für die Details in anderen Kontexten schult. Es macht einen empfindlicher für das Rauschen, welches von Störungen ausgeht – ich bin heute recht gut darin, systemisch zu sehen. Ich bezahle dafür auf der anderen Seite immer wieder Lehrgeld, weil ich noch glaube, dass Menschen nur ausreichende und passende Denkanlässe benötigen, um ihr Handeln anzupassen, wenn selbiges nicht sozial-, sach- oder fachadäquat war. Das könnte daran liegen, dass das viele soziale Handeln, welches meine Arbeit mir abverlangt mich bisweilen erschöpft. Und im sozial erschöpften oder übersättigten Zustand sagen wir manchmal zu schnell JA zu Dingen, zu denen wir laut und deutlich NEIN hätten sagen sollen. Und wieder: schuldig im Sinne der Anklage.

Zurück zum allein sein – gerade an einem Tag wie heute, wo jeder Hans und Franz meint, seine Meinung zur deutschen (Un)Einheit kundtun zu müssen, ist es mir verdammt lieb, keinen einzigen Schritt vor die Tür machen zu müssen. Alle Erledigungen müssen warten – denn es ist Feiertag; außerdem wurde gestern alles eingekauft, was man so braucht um auch Freitag zu überleben (wenngleich ich dabei nicht so kriegerisch vorging, wie manch anderer gestern Nachmittag…). Alle Mühsal und Anforderungen der Arbeit müssen warten – denn es ist Feiertag; und ich bin nicht mehr im Einsatzdienst tätig, was bedeutet, das NICHTS von meiner Arbeit tatsächlich zeitkritisch im echten Wortsinn ist! Alle Hetze muss warten – denn es Feiertag! Was nicht warten kann, ist das Kochen für die Familie und ein bisschen leichte Hausarbeit – ich lüfte ja ganz gerne. Nein, Spaß beiseite, an einem freien Tag unter der Woche wird erledigt, was sonst auf Grund der Zeitnot liegen bleibt. Das ist aber nie so viel, dass man nicht doch noch etwas Zeit für sich selbst findet. Die Familie trifft sich zu den Mahlzeiten, ansonsten kommuniziert man, wenn was Interessantes ansteht, oder man die Anderen an etwas teilhaben lassen möchte (kleine Tochter und Ehefrau tun dies gerne, die Teenagerin eher eingeschränkt und ich, wenn mir etwas einfällt…). Aber genau jetzt, da diese Zeilen entstehen, bin ich allein. Nicht einsam, denn ich könnte jederzeit Gesellschaft haben, sondern allein, weil ich die Sozialpause brauche, bevor morgen der Terror arbeitsinduzierter Dauererreichbarkeit wieder losgeht. Gott, ich freu mir grad ‘n zweites Loch in den Hintern…

Gerade wenn man ganz gut im systemischen Denken ist, fällt einem leicht auf, wie viel Zeit manchmal mit Laberei und Bedenkenwälzerei und Abwarterei und (unnötig langwieriger) Fehlersucherei verschwendet wird, anstatt man einfach Dinge tut. Wenn manche Dinge sehr erfolgreich getan werden, ist es meist EINE Person, die alleine die Situation analysiert, einen Plan fasst, diesen umsetzt, die Zielerreichung überprüft, den Plan nachjustiert und wieder umsetzt. Solange, bis es passt. Denn der Spruch “Viele Köche verderben den Brei” kommt nicht von ungefähr, beschreibt er doch wunderbar dieses, stets in Lenkungs- und Planungs- und Entscheidungs-GREMIEN zu beobachtende Phänomen der Verantwortungsdiffusion. Kombiniert mit Angst um die eigene Position, einer “Wasch mich aber mach mich bitte nicht zu nass”-Attitüde und einer Gruppengröße, die das Bystander-Phänomen wahrscheinlich werden lässt haben wir den Salat: Stillstand allerorten! Beschreibe ich gerade persönliche Erfahrungen aus der Arbeitswelt oder den Zustand unserer Nation an diesem heutigen Feiertag eben jener Nation…? Ist auch egal, denn am Ende kriege ich weder meine Hütte im Wald, noch die Entscheidungsgewalt, die es manchmal bräuchte, um die Dinge einfach tun zu können. Ohne unnütze Gremien, ohne Übervorsichtigkeit, ohne die typischen “Reichsbedenkenträger” – und vor allem ohne diese panische Angst, sein Gesicht zu verlieren. “If you can’t stand the heat, get out of the kitchen!” Ich weiß, wo ich hin will (da gibt es manchmal sogar nur wenige Menschen, so wie ich es eigentlich mag) – und mir ist es in der Küche nicht zu heiß! Ich wünsche euch allen einen verfickt schönen TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT! Feiert es oder verdammt es, ganz wie euch beliebt. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°58 – Ein AI-Experiment…

Um es kurz zu machen und das Wichtigste an den Anfang zu stellen – ich habe einfach mal zum Ausprobieren DnD 5e mit ChatGPT 4o als SL gespielt… und DAS war eine in der Tat ungewöhnliche Erfahrung. And here comes why! Bevor ich in den Teil einsteige allerdings noch ein paar wenige Kontext-Informationen vorweg: Ich nutze ChatGPT 4o schon seit einer Weile für berufliche Zwecke und auch einfach so zum rumexperimentieren. Es erschien mir nämlich sinnig, etwas über eine Technologie wissen zu wollen, die manche als dämlichen, nutzlosen Tech-Fetisch betrachten, andere als Doomsday-Maschine, die BWLler natürlich als Gelddrucker und wieder andere als das geilste Ding seit dem Buchdruck. Ob generative KI mittels Large Language Models tatsächlich die von McLuhan beschriebene Gutenberg-Galaxis endgültig zerstört hat, bleibt noch abzuwarten. Aber aus dem Alltag vieler Kreativer ist sie bereits nicht mehr wegzudenken. Und auch als Pädagoge kann man damit durchaus produktiven Quatsch anstellen. Aber als mein Gegenüber am Pen’n’Paper-Spieltisch…? Da hilft nur selbst ausprobieren. Die Erfahrung war interessant und tatsächlich alles andere als langweilig; und ich habe über den Pen’n’Paper-Chat mit GPT ein paar Aussagen zu treffen…

  • Die Regelmechaniken von DND 5e scheint GPT 4o zumindest weitgehend zu kennen, vergisst jedoch regelmäßig, dass das Würfeln zum Spiel dazu gehört. Man muss GPT 4o also regelmäßig daran erinnern, dass NICHT alles funktioniert, nur weil man es (gut?) beschrieben hat und die Maschine regelrecht auffordern, einem Würfe abzuverlangen. Und der sportliche Ehrgeiz verlangt natürlich, dass hier NICHT gefudged wird! (Versteht sich von selbst, oder?)
  • Die Korrekturen, die ich GPT 4o vornehmen ließ, wenn ich gemerkt habe, dass die Maschie es sich – und auch mir – zu leicht macht, wurden schnell und weitestgehend sauber in den Spielfluss implementiert. Trotzdem blieb das Gefühl, mit einem Lazy Gamemaster zu spielen, der lieber alles handweaved und die einzelnen Szenen bullshittet, um so etwas wie einen Spielfluss aufrecht zu erhalten. Doch dazu gleich noch etwas mehr.
  • Die Beschreibungen, welche GPT 4o verfasst, sind oft blumig, gelegentlich redundant, aber das LLM bemüht sich wenigstens redlich um den Versuch, dramatische Spannung durch stimmungsvollen Fluff zu unterstützen. Aber ja, Wiederholungen passieren dauernd, wenn man die Maschine nicht daran erinnert, dass es auch noch mehr Variationen bestimmter Themen gibt. Es wirkte ein bisschen so, als wenn die Maschie irgendwann mal Walter Ong (Buchreferenz unten) gelesen hätte, weil die Texte teilweise wirkten, wie die rein mündlich überlieferten Erzählungen der griechischen Antike; Überzeichnung von Merkmalen, Adjektiv-Überfluss, Dopplungen und so verstärkte Bilder waren als Mnemotechniken für die rein aus dem Gedächtnis rezitierenden Erzähler jener Zeit wichtig. Hier wirkte das des Öfteren ungewollt komisch.
  • Die Abenteuer, welche sich die Maschine ausdenkt, sind streckenweise sehr generisch und ein bisschen zu einfach. Man muss allerdings auch bedenken, dass die Maschine einerseits eine Lernkurve absolvieren muss, auf Material aus dem Netz zurückgreift (von dem bei weitem nicht alles gut ist) und von mir zumindest am Anfang nur recht wenig Kontextinformationen abseits der gewünschten Spielwelt, des Spielstils und der Charakterbeschreibung bekommen hatte, einfach weil ich neugierig war, was GPT 4o so zusammenbullshitten würde… Bald wusste ich, wenn du auf einer Mission bist, die urbane Informationsbeschaffung und Sabotage gegen irgendwelche Söldner beinhaltet, gibt’s in der ganzen Stadt plötzlich nur noch Lagerhäuser… Aber ich will ehrlich sein – ich habe von menschlichen SL (allerdings auch sehr unerfahrenen) schon schlechtere Szenarien serviert bekommen.
  • Die technische Reaktionszeit sinkt allerdings, je länger der Thread des Spiels wird deutlich und es kommt auch zu Bearbeitungsabbrüchen, was ein Neuladen des Threads notwendig macht. Bislang habe ich GPT 4o allerdings noch nicht dazu bekommen, den Thread durch technische Fehler komplett zu killen. Es wirkt so, als wenn die Maschine jedesmal den ganzen Thread noch mal von vorne durchgeht.

Natürlich habe ich dieses kleine Experiment zum Zwecke meiner eigenen Unterhaltung begonnen. Wenn ich jetzt allerdings so darüber nachdenke, drängt sich mir einmal mehr die Frage auf, welchen Sinn die Nutzung von Large Language Models wie GPT 4o überhaupt haben soll. Welchen Zweck ich damit verfolge, ist per Anwendungsfall klar: wenn ich das beruflich nutze, erstelle ich oft Grafiken für Präsentationen, ich lasse mir größere Datenmengen (Studien, Leitlinien, etc.) zum Überblick und/oder Vergleich zusammenfassen und wenn man etwas Handarbeit zum Feinschliff investiert, kan man sich auch für verschiedene Themengebiete Multiple-Choice-Fragenkataloge zusammenstellen lassen. GPT 4o schreibt dir theoretisch auch einen Unterrichtsverlaufsplan, wenn du die Maschine mit genügend Kontextinformationen fütterst. Man darf dann allerdings nicht mehr als Standardkost erwarten, weil die Maschhine das mit vernünftigem Methoden-Pluralismus nicht so drauf hat. Aber als Inspiration ist es manchmal ganz okay. Alles bisher genannte sind jedoch lediglich klar definierte Einsatzzwecke, bei denen eine bestimmte Partikularaufgabe aus einem Arbeitspaket an die Maschine delegiert wird, um Zeit und Nerven zu sparen. Und ich darf davon ausgehen, dass ich solche Handlungsoptionen nicht exklusiv nutze. Aber der Sinn dahinter, dass ist es doch, womit die Menschen hadern; wir fremdeln mit der Idee, dass ein Algorithmus in der Lage sein soll, eine Aufgabe zu erledigen, für die es bislang einen Menschen brauchte. Doch eigentlich ist das lediglich eine Weiterentwicklung. Einer der ersten Computer – Colossus – wurde in Großbritannien während des 2. Weltkrieges entwickelt, um die Codes der Enigma– und Lorenz-Maschinen zu knacken; weil Menschen viel zu lange gebraucht hätten, um dies zu tun. Man hatte ja eine zeitliche Dringlichkeit, weil es um laufende militärische Operationen ging. Konsequent weiter gedacht nutzen ich und viele andere Menschen auch heutzutage sogenannte KI-Anwendungen einfach nur, um bei der Arbeit Zeit zu sparen. Wie die Leute in Bletchley Park damals auch. Okay soweit.

Und jetzt habe ich KI einfach benutzt, um damit zu spielen? Ja klar – das tue ich doch auch, wenn ich irgendein x-beliebiges Videospiel an der Playse zocke. Oder was glaubt ihr, wie die Reaktionen eurer Gegner generiert werden. Dahinter steckt ein – zumeist zugegeben sehr einfach gestricktes – Small Reasoning Model, dass versucht (je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad, fall das Spiel so etwas hat) eine glaubwürdige, taktisch halbwegs sinnvolle Antwort auf mein Handeln als Spieler zu finden – und das bitte schnell! Ist im Kern das gleiche, wie ein LLM, nur dass man nicht das Gefühl hat, in der Maschine würde jemand sitzen und mit mir Konversation betreiben. Dem Einsatz von künstlicher Intelligenz – oder dessen, was wir heute darunter verstehen – einen Sinn zu geben, davon sind wir noch sehr weit entfernt. Was vermutlich daran liegt, dass viele Menschen nicht verstehen können, was in diesen Algorithmen passiert – und das die Ergebnisse bislang nicht viel mehr sind, als ein zufälliger, durch meine Eingaben in eine gewisse Richtung manipulierter Remix oder Mashup von Quellmaterial, dass im Internet zu finden ist – und das in den allermeisten Fällen von Menschen stammt. Letztlich ist ein großer Teil dessen, was KI heute alles kann und macht also nur geklaut. Das wird sich irgendwann ändern. Aber wie schnell und was daraus erwächst… keine Ahnung! Aber wir Menschen waren schon immer toll darin, Dinge zu entwickeln, weil wir GLAUBEN, damit ein (oft hoch individuelles) Problem zu lösen und dann einfach mal zu schauen, was man damit alles anstellen kann. Genau das passiert jetzt. Und ich habe mich zu einem Zeil davon gemacht, indem ich, von einer Mischung aus Neugier, forensischem Interesse und Spieltrieb motiviert die Maschine trainiere, als Spielleiter für Pen’n’Paper fungieren zu können. Ich bin mal gespannt, welchen Sinn ich darin finden werde. Euch einen schönen Start in die neue Woche.

  • Buchreferenz: Ong, Walter (1987, 2016): Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes. 2. Auflage. Wiesbaden: Springer Fachmedien, Kapitel 4.2, S. 31 ff.

The Critic N°5 – Oh yeah, drama baby!

Es ist mir wohl irgendwann in den letzten zwei Jahren klar geworden, dass ich manche Auswüchse unserer kontemporären Popkultur-Industrie nicht mehr mitmachen möchte, weil ich sie nicht verstehe; oder verstehen möchte! Einer davon ist, eine mangelhafte Geschichte in so viel schlecht inszenierter Action zu ertränken, dass die Zuschauer hoffentlich – schwindelig von dem wüsten Gewimmel auf dem Bildschirm – das Denken abschalten und die lauwarme, lieblos hingeklatschte, geschmacklose Visual-Kost einfach schlucken. Dann werden immer und immer wieder Zufälle am laufenden Meter zu komfortablen Plotdevices, Charaktere wachsen, bzw. verändern sich nicht (sie sind z. B. oft nicht in der Lage, aus ihren Fehlern zu lernen, weil man als fauler Erzähler denselben Fehler auch zweimal zur Ausweitung der Geschichte nutzen kann) und Wendungen in der Story werden durch ungesunde Dosen Retconning nachträglich so dämlich hingezimmert, das jedwede Glaubwürdigkeit der Secondary World flöten geht. Wir reden also von richtig schlechtem Storytelling, von richtig schlechter Kinematographie und von unpassendem Einsatz digitaler Effekte. Das alles würde ich ja möglicherweise bei Studenten des Handwerks im ersten Lehrjahr noch akzeptieren – aber bei sogenannten Profis, die dafür auch noch einen Haufen Kohle kassieren…? Würde ich jemals so mies abgeliefert haben, hätte das u. U. Menschenleben gekostet. Aber hier kostet es ja nur die Nerven der Zuschauer…

Der WEG ist das ZIEL!

Um es klar zu sagen: ich rede hier gerade von Film und Fernsehen. Ähnliches gilt aber natürlich auch für andere Formen kontemporärer Gebrauchskunst, wie Unterhaltungs-Literatur, Graphic Novels, Videospiele, etc. Und ich sage es an dieser Stelle noch einmal in aller Deutlichkeit für jene, die sich so gerne als gelehrsam (und damit dem Pöbel überlegen) darstellen, weil sie klassisches Zeugs konsumieren (vulgo in Museen oder die Oper gehen und im Urlaub einen auf Bildungsbürger machen): ES. GIBT. KEINEN. UNTERSCHIED. ZWISCHEN. HOCHKULTUR. UND. POPKULTUR! Die Hochkultur von heute war die Popkultur der Menschen von damals. Ein Vincent van G. hat sich nicht hingestellt, Sonnenblumen auf eine Leinwand geklatscht und sich gedacht “Och, das wird sich zukünftig in einem Museum total gut machen und nach meinem Tod bin ich dann ja irgendwann berühmt…” Der wollte damit seinen Lebensunterhalt verdienen, weil er das EGO besaß anzunehmen, dass SEIN künstlerisches Schaffen so gut wäre, dass andere es auch gut finden könnten. Manche seiner zeitgenössischen Kollegen wie Paul Gaugin teilten diese Ansicht übrigens. Ich bin mir ziemlich sicher, dass etwa John Williams Filmmusiken in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten auch als klassische Musik veehrt werden; und warum auch nicht…? Um seine kreative Arbeit mit anderen teilen zu wollen, bedarf es gewiss eines positiven Selbstverständnisses um die Qualität der eigenen Schöpfungen. Das ist die Quelle des Mitteilungsbedürfnisses. Im Sinne der oben angedeuteten Krise kreativer Schaffenskraft entsteht daraus aber auch ein Problem; nämlich wenn auf einmal Unfähige auf die Idee kommen, ihre Produkte wären gut…

Ich schaue mir gelegentlich Videos des “Critical Drinker” an. Und in den letzten Jahren hat er sich dauernd darüber beklagt, dass man in Hollywood häufig nur noch “The Message” verbreiten wolle, anstatt gute Geschichten zu erzählen. Er ist halt anscheinend Antifeminist und glaubt, dass man Maskulinität positiver (in seinem Duktus klingt es manchmal nach: eher so wie früher) darstellen sollte. Darüber kann man mit Blick auf die gegenwärtigen Antisocial-Media-Debatten um toxische Maskulinität und die weibliche Angst davor sicher trefflich diskutieren; in DER Hinsicht wünsche ICH mir die 80er allerdings definitiv NICHT zurück. Von wüsten Alpha-Males und hilf- wie planlosen Damsels in Distress habe ich genug für zwei Lebenspannen gesehen. Der Drinker macht allerdings seine Punkte, wenn es um lausiges Storytelling geht. Logiklöcher werden, wie oben bereits beschrieben, mit Blödsinn gestopft. Und fast jedes Mal, wenn eine Geschichte gerade eben noch – meist durch explizite Exposition, anstatt einfach die Handlungen und Interaktionen der Pro- und Antagonisten für sich sprechen zu lassen – schön betont hat, was für tolle Wesen da doch gerade zu Gange sind, machen diese tollen Wesen irgendetwas saudummes; z. B. Dinge, die für einen angeblich ach so guten Taktiker keinen Sinn ergeben, unnötig exzessive Gewaltanwendung, nutzfreie Show-Offs (also Groß tun, auch wenn man ein dämliches Würstchen ist), in offensichtliche Fallen oder Honeypots tappen und wasweißichnichtnochalles an anderem Quatsch, der für mich die Suspension of Disbelief erheblich stört. Genauso übrigens wie dieses hektische Schnittgezappel, mit dem man versucht Dynamik vorzutäuschen, wenn man offenkundig nicht mal weiß, was Dynamik ist! LERNT. CENTERFRAMING. GODDAMIT! Oder schreibt halt “Der neue hektische Actionfilm mit Dididummdala – und Krampfanfall-Garantie!” dran, ihr Honks…

Charaktere, deren Beziehungen, deren Entwicklung, deren Ambitionen und Ziele, die normalerweise durch die Dramatik der daraus entstehenden Konflikte eine Geschichte tragen sollten, spielen in vielen “kreativen” Köpfen anscheinend keine große Rolle mehr, da für diese Personen Gesichter austauschbar sind, jeder Stoff schon mal (besser?) erzählt wurde, man alles in (schlecht gemachter) CGI oder den oben schon erwähnten Brechreiz-förderlichen Schnittfluten ersäufen kann und Masse eh immer wichtiger ist als Klasse… oder? ODER? Ich kann diesen Klickzahlen-nivellierten Einheits-Dreck, der letzthin wohl nur noch von Gewinnmargen-Kalkül diktiert wurde einfach nicht mehr sehen. Viele andere übrigens mittlerweile auch nicht mehr, was die financial struggles ALLER etablierten Streamingdienste sowie die daraus resultierende Preispolitik des letzten Jahres oder aber die oft leerbleibenden Kinosäle recht eindrucksvoll belegen. Ob sich das bald ändert? Keine Ahnung. Nur eines ist sicher. Mit noch mehr von derselben Kost tun sich die Medien-Schaffenden sicher keinen Gefallen. Denn im großen und ganzen sind die visuellen Aspekte tatsächlich ausgereizt. Mehr Effekt bringt heute keinen größeren WOW-Faktor mehr, weil sich alle an CGI sattgesehen haben; und sich stattdessen wieder Figuren wünschen, auf die man sich einlassen kann, weil sie durch ihr Handeln, ihr Fühlen, ihr Interagieren glaubwürdig werden; also tatsächlich CHARAKTER bekommen und nicht nur hübsche Hüllen sind, welche durch Szene um Szene wirbeln, ihre Sprüchlein aufsagen und am Ende irgendjemanden killen. Willing Suspension of Disbelief, also das Füh-Wahr-Nehmen einer noch so fiktiven Geschichte braucht nämlich eben diesen Willen, in die servierte Fiktion einzutauchen, der aber nur dann entsteht, wenn die Geschichte MICH als Zuschauer, als Mit-Erlebenden ernst nimmt und mir nicht nur optisch aufgehübschten halbgaren Unfug serviert, mit dem man VIELLEICHT noch Sechsjährige beeindrucken kann…

Ich mag es durchaus dramatisch. Wobei: man kann Drama auch übertreiben, wie die derzeit ach so beliebten K-Dramen dauernd auf’s Neue beweisen. Schwamm drüber; wenn man’s halt mag. Ich wünschte mir einfach, das Storyteller den Intellekt ihrer Konsumenten respektierten und nicht so täten, als wenn wir mittlerweile allesamt zu Smartphone-sedierten, optisch dauerübersättigten, Aufmerksamkeits-defizitären Kapitalismus-Drohnen degeneriert wären, die jeden Scheiß fressen, denen man ihnen serviert. Das wäre doch mal ein Anfang. Ob derlei Überlegungen auch für mich als Pen’n’Paper-SL eine Rolle spielen? Aber hallo, Freunde der Nacht! Aber darüber habe ich andernorts schon viel geredet. Habt einen schönen Rest-Samstag und lasst euch von einer GUTEN Geschichte entspannen.

Auch als Podcast…

…und dann rannte ich davon!

Ich hatte gestern Abend mit der besten Ehefrau von allen eine Diskussion darüber, ob das neuerdings so häufig verwendete Label “neurodivergent” für die betreffenden Menschen gut oder schlecht ist. Ich selbst habe bislang nie eine solche Diagnose bekommen, sehe aber gelegentlich Anzeichen dafür, dass ich vielleicht ein wenig anders bin, als die anderen Kinder im Block. Ob das etwas an meiner bisherigen persönlichen Entwicklung bzw. meinem Leben in seiner Gesamtheit bewirkt hat, bzw. ob irgendein spezifizierendes Etikett aus diesem Sammelsurium der Neurodivergenz etwas daran geändert hätte, wie die Dinge für mich gelaufen sind, weiß ich nicht. Will ich aber auch gar nicht wissen, denn am Ende des Tages bin ich mit dem Mann, der ich geworden bin recht zufrieden – neurodivergent oder nicht! Mal davon abgesehen, dass die allzu einfach gestrickten Menschen da draußen (und von denen gibt es leider verdammt viele, wie die Wahlergebnisse aus Thüringen und Sachen beweisen) eh nicht verstehen können, dass Neurodivergenz nicht ON/OFF funktioniert – also jeder mit ‘ner Diagnose ein unführbarer Zappelphilipp o. Ä. ist – sondern wie so ein Schieberegler an einem Graphic Equalizer; für diejenigen, die nicht wissen was das ist: damit kann man einzelne Frequenzbänder einer Tonausgabe regeln und so z.B MEHR BASS geben… 😉

A place to dream about…

Wie dem auch sei, ich WEISS, dass ich nicht immer so ticke, wie der Mainstream der Anderen um mich herum, egal in welcher sozialen Gruppe ich mich gerade bewege. Jahrzehnte der (beruflichen ) Erfahrung im Umgang mit Menschen haben mir hier zu einem gewissen evidenzbasierten Erfahrungsschatz verholfen; und geben mir so wenigstens die Chance, meine Bedienoberfläche etwas geschmeidiger zu gestalten, wenn die Situation dies erfordert. Gerade im professionellen Umfeld ist das (leider) des Öfteren von Nöten. Wenn ich sage, dass ich anders ticke, dann bedeutet das spezifisch einerseits, dass ich mit einer ausgeprägten Empathie ausgestattet wurde, deren Verarbeitung mich im Umgang mit anderen Menschen nach einer gewissen Weile emotional ÜBERLÄDT. Ich hatte die Tage mal davon gesprochen, dass ich mich als Ausgleich dafür manchmal treiben lassen muss; das war kein Scherz, sondern die bittere Wahrheit. Wenn ich zu viel mit Menschen zu tun haben MUSS, deren Gesellschaft ich mir nicht explizit ausgesucht habe, macht mich das ganz wortwörtlich vollkommen fertig. Andererseits hat mich die Natur dafür mit einem ziemlich feinen Analyse-Näschen für Strategie, Organisation und Führung ausgestattet. Und ich gebe es offen zu – wenn ich bei gleicher Faktenlage zu völlig anderen Ergebnissen komme, als mein Gegenüber, macht mich das entweder fuchsig (wenn ich objektiv weiß, dass ich Recht habe, und die andere Person nicht) – oder schickt mich in eine immer tiefer zirkelnde Selbstzweifel-Spirale (wenn ich mir NICHT sicher bin). Und beides macht keinen Spaß.

Ich bin mein ganzes bisheriges Leben deswegen immer wieder angeeckt. Ich meine, es ist nicht so schlimm wie es klingt, aber wenn du oft genug das Gefühl hast, verarscht zu werden, weil die Anderen im Raum einfach nicht sehen können (oder wollen), was DIR schon lange vollkommen klar ist, dann beginnst du halt irgendwann an dir selbst zu zweifeln. Gestern war wieder so ein Moment. Ein Kollege hat in einem Gespräch eher persönlichen Charakters, dass für mich dennoch auch aus Arbeitssicht relevant war – vollkommen zu recht – Kritik daran angebracht, dass ich zu einer bestimmten Zeit nicht so geführt habe, wie es notwendig gewesen wäre; und das dabei emotionaler Schaden entstanden sei, der zumindest implizit auch auf meinen Deckel geht! Und dabei kamen auch Dinge zur Sprache, derer ich mir bislang gar nicht gewärtig gewesen war. Und die ich natürlich auch nicht ungeschehen machen kann – and now they will cost me dearly! Das alte Konzept ist für die Tonne, es wird mir Nerven rauben, und Mehrarbeit erzeugen, die zu geben ich im Moment eigentlich weder Willens noch in der Lage bin, weil mein Geist schon länger nach anderen, neuen Zielen sucht… und dann rannte ich davon! Ich glaube, Ich habe noch nie in meinem Leben kurzfristiger einen freien Tag beantragt

Und so stehe ich gerade in meinem heimatlichen Arbeitszimmer, während ich diesen Artikel schreibe, um meinen kopf wieder richtig frei zu kriegen, während sweet 80s Retro-Synth aus dem Lautsprecher auf meinem Schreibtisch erklingt. Ich habe bislang heute alles getan, um NICHT wieder in eine Negativ-Spirale zu geraten und bislang sieht es so aus, als wenn ich damit Erfolg gehabt hätte. Was aber bedeutet, dass ich mich morgen mit dem Fallout meiner “Flucht” auseinandersetzen und einige Dinge regeln muss. Ist es nicht eine verdammte Scheiße, dass ich im Moment viel zu selten bessere, fröhlichere, andere, nicht mit Arbeit assoziierte Themen finde? Aber wenn diese Blogposts rings um meine eigenen Fehler herum wenigstens irgendjemanden davor bewahren, in die gleichen Fallen zu tappen, ist es die Zeit trotzdem wert. Ich wünsche euch einen verfickt schönen Abend im langsam sterbenden Spätsommer. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

…in my dreams!

Sich treiben lassen zu können – und sei es auch nur in den eigenen Gedanken – ist oft leider ein Luxus, den man sich nicht allzu oft leisten kann. Habe ich dieser Tage über “******** als Wert an sich” gespochen, dann würde ich an dieser Stelle ergänzen wollen, dass eben das sich-treiben-lassen-können für mich auch ein Wert an sich ist. Und dafür habe ich sogar eine Begründung parat! Es gibt Menschen, deren Gefühlswelt unter vielen Lagen Professionalität, Selbstbeherrschung, Starksein-Müssen für Andere, Selbstreflexion und auch einem Schuss Schüchternheit verborgen liegen. ICH bin so ein Mensch! Anderen komme ich oft vor wie eine Rampensau, weil ich diese Rolle (zwangsweise) im Laufe der Zeit beinahe meisterhaft zu spielen gelernt habe. Zwangsweise wegen der Berufswahl. Aber im Kern bin ich ein ein eher introvertierter Mensch. Ich halte es da mit Bukowski: ich hasse Menschen nicht (wirklich). Ich fühle mich nur (oft) besser, wenn sie nicht da sind. Eine Arbeitswoche wird für mich umso intensiver und erschöpfender, je mehr Sozialkontakte ich abwickeln muss, die ich mir nicht gezielt aussuchen kann. Und intelligente Gespräche sind, wie einer meiner Kollegen gerne zu sagen pflegt, manchmal wirklich rar gesät… Habe ich eine solche Woche (wie jene, die ich gerade abzuschließen im Begriffe bin) hinter mir, dauert es lange, meine Batterien für Contenance, Empathiefähigkeit und Resilienz wieder aufzuladen. Eigentlich deutlich länger, als das Wochenende Zeit bietet. Insbesondere, wenn dann auch noch andere (familiäre) Dinge anstehen.

Dann BRAUCHE ich solche Perioden, in denen mein Geist treiben kann, wohin der Fluss auch gerade fließen mag! Die beste Ehefrau von allen versteht manchmal nicht, wieso ich keine Lust auf einfachen Eskapismus wie ein bisschen Fernsehen habe, weil man dabei doch abschalten könne (und wir sind hier im nationalen Vergleich jetzt beileibe keine Vielkucker). Aber ich funktioniere da GANZ ANDERS! Ich brauche gelegentlich ein Ventil für all die aufgestauten Emotionen, die ich da draußen in der realen Welt nicht ablassen kann und will. Ich setze dann in meinem Arbeitszimmer meine Noise-Reduction-Headphones auf – Vollschalen, denn ich kann diese in-ear-Dinger auf den Tod nicht ausstehen! – und lasse mich durch meinen erratisch-eigenwilligen Musikgeschmack so lange von Song zu Song traiben, bis ich Katharsis erfahre, weil das Werk mich berührt. Für all jene, die jetzt nicht wissen, was eigenwillig-erratisch meint: in meinem Fall springt das munter zwischen Metal, Blues, Punk, Crossover, Klassik, Boogaloo, Funk, Gothic, Post-Punk, Psy-Trance, Techno und was weiß ich nocht allem anderen hin und her, bis es in meinem Kopf KLICK macht und ich merke, wie die Schleusen sich öffnen – und ich WILL dafür allein sein! Sonst klappt das nicht! Denn das sind MEINE Gedanken, MEINE Emotionen, MEINE Katharsis, MEINE Entspannung, und die gehören alleine MIR! Wie könnte ich das vor einem Fernseher mit einer anderen Person teilen? Der Fernseher liefert MIR Unterhaltung für eine andere Ebene meines Geistes, und im Gegensatz zur besten Ehefrau von allen schaue ich nicht fern, um abschalten zu können, sondern kann mich nur darauf einlassen, wenn ich vorher schon abschalten durfte – quasi genau anders herum!

Während ich da so Musik höre, laufen in meinem Kopf Tagträume, deren Inhalt ebenfalls mir gehört; allerdings tauchen dabei manchmal auch Ideen auf, die sich dann z. B. in meinen Blogposts oder anderen Schrifterzeugnissen, den von mir gespielleiteten Pen’n’Paper-Runden und manchmal sogar in meiner Arbeit wiederfinden. Wobei Letzteres ein eher seltenes Ereignis darstellt. Und viele dieser Tagträume sind einfach nur flüchtige Fetzen von Geschichten, die mich in dem Moment, da sie passieren unterhalten, mich ablenken, mir helfen, wieder besser drauf zu kommen. Und damit erfüllen sie auch schon ihren wichtigsten Zweck. Denn genau dabei füllen sich meine Batterien für Contenance, Empathiefähigkeit und Resilienz wieder auf; einfach dadurch, dass ich meine Gedanken, katalysiert durch die Musik auf meinen Ohren wild, irrational, frei assoziierend. kreativ und vollkommen ohne Notwendigkeit irgendwelcher Effizienz, Produktivität oder eines anderen Nutzens von Alpha nach Omega und wieder zurück treiben lassen kann. Für mich sind das manchmal die besten Minuten meines Tages, weil dabei all die anderen Dinge, die mir hinterher hecheln wie Höllenhunde, die meine Seele verbrennen wollen einfach abfallen und im Orkus verschwinden. Klar, am nächsten Tag, oder irgendwann später sind sie wieder da. Aber dann bin ich auch wieder dafür gewappnet. Und dann kann ich auch Fernsehen schauen, mit den Charakteren mitfiebern, mir Ideen für meine eigenes kreatives Handeln suchen und in die Geschichten eintauchen.

Letztlich sind das zwei der Säulen, auf denen meine Nerd-Seele ruht. Die dritte, das sind die wenigen, aber wirklich wichtigen sozialen Verbindungen, die ICH mir aussuche, um sie zu pflegen, in ihnen Validation, Unterstützung und konstruktive Kritik zu finden und diese gleichsam auch zurückgeben zu können. Denn so sehr ich mich manchmal auch – sogar beinahe lustvoll – an meine Introversion klammern mag, bleiben wir Menschen dennoch soziale Wesen und können nicht vollkommen allein existieren. Ich suche mir nur gerne aus, welche anderen Menschen das sind, mit denen ich meine Zeit und meine Energie teile. Denn, wie weiter oben schon erwähnt – manchmal sind intelligente Gespräche sehr rar gesät. Und ich mag intelligente Gespräche wirklich gern! in diesem Sinn, gehabt euch wohl und genießt das Rest-Wochenende.

Auch als Podcast…

New Work N°18 – Ein Wert an sich…?

Hört man immer mal wieder: “******** sei ein Wert an sich!” ; man kann hier alles Mögliche einsetzen, und der Satz mag dann für den jeweils Einsetzenden einen Sinn ergeben; die Anderen werden jedoch oft zu einem divergierenden Ergebnis kommen. Das Problem mit Debatten über “******** als Wert an sich” ist nämlich, dass sie niemals beendet sein können! Da ein ETWAS, das IRGENDJEMAND als “Wert an sich” definiert damit nicht automatisch einer Legaldefinition unterworfen ist, sondern schlicht dem Gutdünken des jeweils tätigen Definitors. “Definitor” klingt in diesem Fall nicht nur ähnlich wie “Dementor”, es hat auch die gleiche Wirkung: man vergisst wesentliche Dinge. Wie etwa die Notwendigkeit, Konsens herstellen zu müssen, wenn alle diesen eben definierten “Wert an sich” dann auch als einen solchen respektieren sollen. Ich dekliniere das einfach mal kurz für mich selbst durch und setze an Stelle der ******** den Begriff “Wachstum” ein. Ach ja, was soll ich denn jetzt noch sagen. Lest doch einfach mal “Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit”. Wir wissen erst seit 52 Jahren, dass Wachstum als Wert an sich NICHT FUNKTIONIERT, SONDERN DIE MENSCHHEIT IN DEN ABGRUND TREIBT! Nehmt das endlich zur Kenntnis und versteht, das Nachhaltigkeit absolut NICHTS mit dauerndem Wachstum sondern mit anhaltendem Konsolidieren, mit Degrowth, Recycling, Upcycling, Refurbishing und damit geringerem Ressourcen-Verbrauch zu tun hat. Und das Marktanteile, egal in welchem Wirtschaftsbereich damit auch kein Wert an sich sein können. NIEMALS!

Der Biene in dem Bild zuzusehen hatte einen Wert an sich, weil es mich an verschiedene Aspekte des Lebens gemahnte, die des ständigen Erinnertwerdens wert sind: a) meine geringe Rolle im großen Zyklus des Lebens, b) meine Vergänglichkeit und c) die unfassbare Wichtigkeit kleiner Dinge. “Bildung” zum Beispiel hat einen Wert an sich – aber nur, wenn diese nicht zur Ware degradiert wird. Immer wieder wird geredet über die pädagogische Exzellenz, die man in manchen Einrichtungen der beruflichen Bildung vorfindet. Und dann wird im nächsten Atemzug nur noch über wirtschaftliche Entwicklung gesprochen – und die pädagogische Entwicklung spielt KEINE Rolle mehr, weil BWL-Menschen nur KPI im Kopf haben. Mein Key Performance Indicator ist die Menge an Zeit, welche wir tatsächlich damit verbringen können, den jungen Menschen Entwicklungsanlässe zu geben, Ihnen Entwicklungsrouten zu zeigen, ihre Entwicklungsfortschritte auf diese Routen sichtbar zu machen und ggfs. die individuellen Entwicklungsrouten anzupassen. Aber all das passiert nicht auf dem einem vorgegebenen Weg, sondern ist Ergebnis hoch dynamischer, iterativer Anpassungsprozesse, die Expertise, Geduld und Führungsstärke seitens des Lehrpersonals brauchen. All diese Dinge müssen mühsam kultiviert und entwickelt werden; denn Lehrende sind zugleich auch immer auch Lernende. Etwas, das BWL-Menschen gelegentlich zu vergessen scheinen. Und noch etwas wir immer sehr gern ignoriert: Jede einzelne abgehaltene Unterrichtsstunde erzeugt automatisch eine weitere Unterrichtsstunde an Vor- und Nachbereitungsbedarf; und diese Zeit taucht in keiner Berechnung wirklich vollumfänglich auf. Weil man dann nämlich die Idee, das Bildung Geld verdienen muss endgültig ad acta legen müsste.

Denn… die berufliche Bildung, die wir leisten, ist ein Wert an sich! Eine Investition in die Zukunft. Eine Hypothek, die wir aufnehmen in der Hoffnung und dem guten Glauben, in jungen Menschen die Haltung, die Humanität, die Professionalität und das Können entstehen zu lassen, die es braucht, um der Gesellschaft wirklich dienlich sein zu können. Wirtschaftlich sinnvolles, verantwortungsbewusstes Handeln ist ein notwendiges Übel, um diese Hypothek bezahlen zu können; nicht weniger – aber auch kein Jota mehr! Wachstum hingegen ist eine Schimäre, der nachzujagen lediglich dazu führt, dass das notwendige Übel die Oberhand über den Umfang der Hypothek bekommt – und damit den Wert an sich verkleinert, bis er kaum noch zu sehen ist. Und ich komme immer mehr zu der Erkenntnis, dass ich derzeit den Schimären diene. Was mich in ein Dilemma führt. Denn den Schimären zu dienen, ist in unserer heutigen Gesellschaft der EINZIGE Weg in jene Jobs, die so gut bezahlt werden, dass man ehedem durchaus greifbare existenzielle Ängste einfach ablegen kann. Oder anders formuliert – ich verhure mich gerade, während meine Überzeugungen einen langen, langen Urlaub machen müssen. Wäre ich ein weniger duldsamer und verantwortungsbewusster Mensch, hätte ich schon lange hingeschmissen!

Die beste Ehefrau von allen liegt mir schon seit Monaten in den Ohren, dass ich mir was Anderes suchen soll. Vermutlich könnte ich das. Aber… zum einen mag ich mein Team, zum anderen habe ich diese Stelle angetreten, um gestalten zu können. Und ich habe diese Hoffnung noch nicht aufgegeben, auch gegen die Widerstände des Geldes gestalten zu können, weil ich von der Wichtigkeit der Kernaufgabe – nämlich berufliche Bildung richtig zu betreiben – nach wie vor überzeugt bin! Außerdem habe ich Rechnungen zu bezahlen und mit 50 wird es halt schwieriger, einen neuen, äquivalent bezahlten Job zu finden. Wer sagt mir überdies, dass es woanders nicht schlechter oder auf andere Art Scheiße ist…? Wie man es auch dreht, einfacher wird es nicht. Also kämpfe ich weiter gegen anderer Leute Schimären und versuche ihnen eine andere Wahrnehmung der Realität aufzuzeigen. Ansonsten wäre ich als Konstruktivist ja auch am falschen Platz. Aber für BWL-Menschen gilt halt: wenn du einen Taschenrechner und eine Tabelle hast, sieht alles aus wie eine Kennzahl… Schönen Tag noch.

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°57 – Don’t be an asshole!

In den über 35 Jahren, seit ich das erste Mal einer Pen’n’Paper-Sitzung beigewohnt habe, hat sich so einiges verändert. Die Art der angebotenen Regelwerke hat sich verändert, vor allem aber deutlich erweitert. Waren es ab Mitte der 1990er zuerst die ganzen Fantasy-Heartbreaker (mehr oder weniger gut identifizierbare Hausregel-Bastarde von D&D, die mit der Verfügbarkeit von Desktop-Publishing auf dem Home-PC aufkamen), fluteten in den 2000ern viele Indy-Systeme auf den Markt, die a) nach neuen Themen abseits der bekannten Topoi suchten und b) andere Herangehensweisen an den Crunch (also die Regeln als solche) suchten. Der Raum, welchen die Regeln einnahmen, wurde schmaler, der Fluff (also die Weltbeschreibungen) nahm dafür mehr Raum ein und auch ungewöhnliche Spielwelten wurden zugänglich. Es wurde damals viel mehr entwicklerische Innovation betrieben, aber deutlich weniger Leute als heute spielten das Spiel. Wenn ich damals versucht habe, jemandem das Spiel zu erklären, der noch keine Ahnung hatte, klang ich immer wie ein Nerd; nun ja, das stimmt ja auch. Man befand sich in einer Nische. Und eigentlich war das auch gut so.

Dann kamen die 2010er. Oft war das Hobby totgesagt worden (was MICH nie besonders gejuckt hat, denn ICH hatte Spaß), aber dann passierten drei Dinge. 2014 kam D&D 5E raus, was zunächst nicht viel änderte. Im März 2015 wurde das erste Mal “Critical Role” auf Twitch gestreamt (für alle, die das nicht kennen: ihr werdet im Netz rausfinden, was das ist). Im Juli 2016 liefen dann die ersten Episoden von “Stranger Things” auf Netflix. Und die letzten zwei Dinge haben das Hobby für immer verändert! Denn sie haben eine ganze Generation von neuen Spielern entstehen lassen – und eine verdammt große noch dazu. Letztlich waren es diese zwei Popkultur-Phänomene, die Pen’n’Paper quasi in den Mainstream geholt haben. Das hat aber auch die komplette Wahrnehmung verschiedener Aspekte des Spiels an sich verändert, weil es immer mehr Leute gab, die sich Sessions im Stil von “Critical Role” mit Stimmen wie von professionellen Voice-Actors wünschten; was SL und Spieler*innen von “Critical Role” nun mal sind, die meisten anderen incl. mir aber nicht. Sagen wir mal so: es gibt ein paar Ingredenzien, welche eine Pen’n’Paper-Soup zwingend braucht, um Freude zu bereiten – “Doing the Voice” gehört nicht dazu, “Don’t be an asshole” aber schon!

So stellt sich DALL-E 3 eine Pen’n’Paper-Session vor…

Was ich damit meine ist Folgendes: wenn sich ein paar Menschen an einen Tisch setzen, um miteinander Geschichten zu erzählen, dann ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, dass sich alle eine ähnliche Geschichte wünschen und auch an dieser teilzunehmen bereit sind. Also eine, bei der die Prämissen (die Welt, in welcher die Geschichte spielen sollen; der Meta-Plot, welcher dieser Welt Tiefe gibt; schließlich die Core-Story, in welche die Chars verwickelt werden – und die daraus resultierenden möglichen Konzepte für Spieler-Charaktere) allen klar sind – und auch respektiert werden. Sich dann mit einem Char an den Tisch setzen zu wollen, der zu nichts und niemandem passt und nur SEIN DING machen will, wird zwangsläufig für alle Beteiligten zu Problemen führen. Auch Pen’n’Paper lebt von Kompromissen. Ein echtes Problem sind dabei Charaktere, die zwar in der gegebenen Welt funktionieren, letztlich aber darauf ausgelegt sind, allen anderen auf die Nerven zu gehen. Das D&D Dragonlance-Setting hatte eine ganze Spezies, die wie dafür gemacht war: Kender. Es geht aber auch mit anderen Spezies und Konzepten. Ich bin wirklich der Letzte, der irgendjemandem seinen Spaß verbieten möchte – aber ALLE wollen und sollen Spaß haben, das muss man dann einfach akzeptieren. Andernfalls spielt man halt woanders. Denn das Problem hierbei ist nicht der Charakter – sondern der Spieler! Damit ein für alle schönes, erinnerungswürdiges, spaßiges Erlebnis entsteht, müssen die Spieler und die Spielleitung die Charaktere ihrer Mitspieler hinreichend gut mögen können!

Das mag jetzt fast zu platt klingen, um wahr zu sein, aber… Pen’n’Paper ist ein soziales Spiel, welches von der Einhaltung eines sozialen Vertrages innerhalb der Spielerschaft getragen wird, zu welcher selbstverständlich auch die SL gehört! Dieser beinhaltet, allen anderen am Tisch ihren Spaß zu gönnen, ihnen nicht über Gebühr auf den Wecker zu gehen, dem SL wenigstens dann und wann die Chance einzuräumen, eine zur Situation passende STIMMUNG aufzubauen, nicht alles mit einem Witzchen oder einer Anekdote zu dekonstruieren – und insgesamt zu versuchen, ein wenig (mehr) in die dargebotene Welt einzutauchen. Denn ICH mache das wirklich wegen der Immersion. Ich will andere Welten in meinem Kopf sehen dürfen! Die, in der ich real lebe ist mir nämlich manchmal viel zu Depressions-förderlich (ich verweise hierzu auf andere Posts in diesem Blog, welche sich NICHT mit Pen’n’Paper befassen)! Ich möchte dazu all meine Sinne benutzen und auch in meinen Spielern ansprechen. Was mir nicht immer leicht gemacht wird. Schwamm drüber. Ich habe viele verschiedene Spielstile erlebt und selbst durchlaufen, von den SL meiner Anfangszeit, die eher wie Gegner der Chars agiert haben (incl. meiner selbst) hin zu einem kollaborativen Erzählen, welches die Herausforderungen in den Hintergrund gestellt hat – und schließlich heute zu einer, immer schwierig auszutarierenden Balance zwischen den beiden Extrempolen.

Mit dem Spiel als solchem haben sich auch die individuelle Wahrnehmung meines Tuns und meine eigenen Wünsche an das Spielerlebnis verändert; ein vollkommen normaler Prozess, der einerseits meiner (hoffentlich) gewachsenen persönlichen Reife geschuldet ist und andererseits natürlich sich verändernden interessen. Dass ich dem Hobby so lange treu geblieben bin, ist aus meiner Sicht Beweis genug, wie viel Wandlungsfähigkeit darin steckt. Ich bin im Herzen eben schon immer ein Geschichtenerzähler gewesen. Und ich gebe mir immer Mühe, die Chars meiner Spieler*innen gern zu haben, auch, wenn es nicht immer leicht fällt. Wenn sich alle darauf einlassen, dass es eine GEMEINSAM erzählte Geschichte werden soll, ist die halbe Miete schon drin. In diesem Sinne – don’t be an asshole while always gaming on!

Auch als Podcast…

From Hell – a little tale about dys-democracy!

Am Ende des Tages schreiben so viele Leute über das, was da am Wahlsonntag in Sachsen und Thüringen passiert ist, dass ich meinen Senf eigentlich nicht mehr dazu geben müsste. Aber “eigentlich” ist einer der Endgegner, an denen wir genausowenig vorbeikommen, wie am Wäscheberg, wenn sich das werte Auditorium entsinnen möchte… Und ich finde, dass ein Aspekt mindestens ebenso unterbelichtet geblieben ist, wie die Wahlentscheidung pro AfD. Adolf Höcke hat sich inszeniert und die AfD (Arbeitsgemeinschaft für Demokratie-feindlichkeit) hat leider ihre antisocial-media-Arbeit so richtig gut gemacht. So gut, dass über 40% Jungwähler ihr Kreuz bei diesem Faschistengeschmeiss gemacht haben! Und der EINZIGE Grund dafür ist, dass unser Bildungssystem es immer und immer wieder vergeigt, Trends in das Klassenzimmer zu holen, junge Menschen da zu packen, wo sie tatsächlich unterwegs sind und den sogenannten Bildungs-Kanon einfach mal Kanon sein zu lassen. Nehmt bitte endlich mal Folgendes zur Kenntnis: Bildung und Kultus sind NICHT Ländersache! Bildung und Kultus müssen von Menschen organisiert werden, die verstehen, wie ihre Zielgruppen ticken, ohne dabei grundlegende Ideale aus den Augen zu verlieren – niemals jedoch von irgendwelchen Hobos, die ausschließlich wegen des Parteiproporzes in Ämter gehievt werden, um von dort dann ihr Ahnungs- und Talentlosigkeitsinduziertes Unheil verbreiten zu dürfen. Gell, Frau Eisenmann und Frau Schopper…? Kann solche selbstgefälligen Idioten als Kultusminister bitte mal irgendjemand entsorgen; und am besten einen nicht geringen Teil der Ministerialbeamten gleich mit.Parteipolitiker und Verwaltungsjuristen haben nämlich in den allermeisten Fällen von Bildung so viel Ahnung, wie Schweine vom Fliegen!

Anstatt die Lebensrealität des frühen 21 Jahrhunderts einfach mal zur Kenntnis zu nehmen und Medienanalyse, Medienkritik und Mediennutzung so nachhaltig in den Unterricht zu integrieren, dass die Schüler*innen auch etwas von dem zur Kenntnis zu nehmen bereit wären, worüber da gesprochen wird, arbeitet man sich vielerorts immer noch an einem Curriculum aus der Steinzeit ab – und wundert sich dann, dass die derart Beschallten abschalten oder sich mit anderem Schall ablenken, um in den Pausen sodann schallend über die Realitätsferne ihrer Lehrer zu lachen… Ja, kann man so machen. wenn man aber nun wenigstens gelegentlich neuere Studien liest, könnte einem klar sein, dass die Gen-Z heutzutage nicht mal mehr googelt, sondern TikTokt, um sich Infos zu besorgen. Und wer ist jetzt auf TikTok noch mal besonders präsent? Ach ja – die Faschos, stimmt ja…! Ja so ein Mist aber auch. Ganz ehrlich: auch ICH habe schon als 14-, 15-jähriger nicht verstanden, wozu es gut sein soll, Gedichte interpretieren zu können. Vermutlich deshalb habe ich auch alles vergessen. Das Einzige, was mir von damals noch präsent ist, sind die Begriffe Jambus, Daktylos und Trochäus; aber wie diese Versmaße noch mal genau gingen…? Es hat mein Leben (und das war bis in meine 20er Prä-Internet) in KEINSTER WEISE beeinflusst. Genausowenig, wie die interpretation, der “Leiden des jungen Werther”. Ich habe schon lange Depressionen und weiß daher heute worum es da geht, aber dieser dämlichen Pussy aus dem Buch habe ich trotzdem von Herzen den Tod gewünscht! Wir versuchen junge Menschen von HEUTE mit Material von GESTERN für die Fragen von MORGEN fit zu machen und wundern uns, das alles den Bach runtergeht? Ja, kann man schon so machen, aber dann wird’s halt Scheiße; von der Farbe her passt es ja schon!

Die Antisozialen Medien haben eine Aufmerksamkeitsökonomie geschaffen, die viele von uns Gen-Xern nur unzureichend verstehen. Eines kann einem aber klar werden: so geht es nicht weiter! Interesse an Kunst und Kultur wecke ich nicht, indem ich den Leuten immer wieder das Gleiche serviere. Die Künstler von damals (etwa Da Vinci) haben ihre Werke nicht geschaffen, damit 550 Jahre später Massen daran vorbeigeschleust werden, damit diese enkulturalisiert werden – das funktioniert sowieso nicht. Denn Menschen suchen sich selbst aus, welche Kulturartefakte für sie relevant und damit interessant sind. Es mag den einen oder anderen jetzt irritieren, aber die subjektiven Ziele des Individuums verändern sich im Lebenslauf ganz von selbst. Und so ist es auch mit Schule. Ich kann nicht erwarten, dass Inhalte von gestern oder gar vorgestern die Kids hooken, selbst wenn diese mit Methoden von heute präsentiert werden. Fehlt der Bezug zur aktuellen Lebensrealität, funktioniert das einfach nicht. Und diesen Bezug herzustellen, ist vielen sogenannten Pädagogen offenkundig nicht gegeben; ich erlaube mir diese Kritik als einer, der selbst Pädagoge ist und vage versteht, wie Bezugsherstellung funktioniert.

Was ist also in Sachsen und Thüringen passiert? Ganz einfach: junge Menschen, die sehr wohl sehen und verstehen können, dass unsere Gesellschaft heute reale Probleme hat, bekommen auf TikTok vermeintlich schnelle Lösungen präsentiert, sind aber auf Grund ihrer Bildung und Erziehung (oder beser des Mangels daran) – und natürlich auch auf Grund ihrer Jugend – nicht in der Lage, differenziert zu sehen, dass Faschisten einen nirgendwohin führen, außer ins Verderben. Ihr haltet das für zu sehr vereinfacht? DANN ERKLÄRT MIR, WAS TATSÄCHLICH PASSIERT IST? Bis irgendjemand mit einer besseren Erklärung um die Ecke kommt, bleibe ich dabei, dass unser Bildungssystem gerade scheitert; und dass die verpopulistisierten (und teilverblödeten) Marktfetischisten von der Käsepartei (FDP heißen die glaube ich) auch noch Investitionen in Bildung kaputtsparen wollen, weil ihre Lobbyisten von solchen Investitionen keinen direkten Return of Investment generieren können. Ich kann verstehen, dass man die Ampel nicht gut findet. Ich finde sie vor allem wegen des kleinsten Lichtes nicht gut. Aber das war mit einem narzisstischen Idioten wie Christian Lindner als Finanzminister auch nicht anders zu erwarten. Genug geschimpft. Starten wir in eine tolle neue Woche und hoffen, dass die Blauen trotzdem NICHTS zu melden haben werden. Adieu!

Auch als Podcast…

Benvenuti nelle Marche N°8 – Arrivederci Marche!

Hat man sein ganzes Gepäck beisammen? Hat man auch wirklich nichts vergessen? Dieses und jenes müssen noch verstaut werden, damit ja nix von dem zurückbleiben muss, was man mitgebracht hatte (wie immer eigentlich zu viel). Die Äußerlichkeiten gewinnen schnell die Oberhand und man findet sich unversehens in jenem Stress wieder, der einen auf den ersten paar 100 Kilometern der Reise hierher noch begleitet hatte; und der dann doch irgendwann die Gnade besaß, nach und nach von einem abzufallen. Und abgefallen soll er noch ein bisschen bleiben, daher ist es der Moment darüber nachzudenken, was man von hier mitnimmt, dass sich in keiner Reisetasche wiederfindet, nicht zu Hause gewaschen, verstaut oder aber verzehrt werden werden muss. Ich habe eine Menge Dinge, die ich von hier mitnehme. Zuallererst die Gastfreundschaft unserer Gastegeber hier in den Marken – ohne die ich nicht so einfach zu einem wieder flott gemachten Familienauto gekommen wäre! Oder die Landschaft – ganz anders als die Toskana, weil oft viel schroffer, ursprünglicher und überraschender, aber mindestens genauso schön!

Die Zeit – so sagt man – heile alle Wunden. Das ist natürlich einfach gelogen, denn Wunden (egal ob innen oder außen) heilen – oder manchmal auch nicht – aber die Zeit macht zumeist, dass der Schmerz besser erträglich wird. Ein Urlaub wie dieser ist dabei absolut förderlich, wieder auf ein erträgliches Level herunter zu kommen und sich beinahe auf das freuen zu können, was einen zu Hause erwarten mag. Auch das ist natürlich gelogen, denn meine Lust, mich mit anderer Leute erheblich differierender Wahrnehmung von Realitäten beschäftigen zu müssen, ist immer noch unterausgeprägt. Ich kann das aber vermutlich aushalten und meinen Unmut zumindest meistens ganz gut überspielen. Daher denke ich, dass ich auch ein schönes Bündel Langmut aus den Marken mitnehme. Insbesondere, weil ich weiß, dass wir nächsten Frühsommer wiederkommen werden, um noch mehr von dieser besonderen Landschaft kennenzulernen. Und ich durfte feststellen, dass der hiesige Menschenschlag diese eine Eigenschaft hat, von der ich noch mehr brauche: Serenità, bzw. die Gelassenheit, Dinge auf sich zukommen lassen, zu schauen was funktioniert und auch mal Fünfe gerade sein lassen; im privaten genauso wie im geschäftlichen Leben.

Was ich hierlassen muss, sind meine allmorgendlichen Bahnen im Pool, die mir verdammt gut getan haben. Aber irgendwas ist ja immer. Man findet ja aber, wenn man nur ausgiebig genug sucht auch immer irgendwas, dass man z.B. an seinem Ferienhäuschen aussetzen kann. Derartige Erbsenzählerei ist mir jedoch fremd, ich bin vollauf glücklich, selbst wenn ich hierorts den Abwasch wieder von Hand machen muss wie früher, gelegentlich Krabbel-Viecher vor die Tür gesetzt werden müssen und der Kühlschrank nach dem Befinden der besten Ehefrau von allen viel zu klein ist. Who cares? Wegfahren ist schön, Heimkehren ist schön, die Zeit dazwischen jedoch muss das Herz mit Glück, den Geist mit Freiheit und die Seele mit Ruhe erfüllen – dann hat man alles richtig gemacht! Und ich hätte mit Blick auf diese Überlegung da jetzt wenig zu beklagen!

Morgen früh rollt der Diesel gen Heimat. Und ganz gleich an welcher Stelle uns der Stau auch erwischen mag (A14 zwischen Rimini und Bologna, A50 Stadtring Mailand, A9 an der Grenze vor Como, A2 vor dem Gotthard oder auf der Stadtdurchfahrt von Luzern, oder auf der A5 in irgendeiner Baustelle) – Hauptsache wir kommen heil heim! Alles andere findet sich dann am Sonntag, wenn der September beginnt. Ich würde gerne sagen “Wake me up, when September ends”, aber vielleicht ergibt sich – der Arbeit zum Trotze – noch die eine oder andere schöne Spätsommererfahrung daheim! In diesem Sinne – habt ein schönes Wochenende.

Benvenuti nelle Marche N°7 – In Style?

T-Shirts in gedeckten Farben… okay, fast alle sind schwarz, nur manche haben (aus meiner Sicht lustige) Mottos aufgedruckt. Jeans (oder im Sommer wegen akuter Verdampfungs-Gefahr auch Shorts) in gedeckten Farben. Hier dominieren Blau- und Grautöne; natürlich neben Schwarz. Sneaker, meistens uni, oft grau oder schwarz, aber niemals weiß. Ergänzt durch Socken, deren Länge und Stoffstärke tatsächlich die Außentemperatur reflektieren. Das ist meine übliche “Uniform”. In der Dienststelle wechsele ich das T-Shirt zumeist gegen eines unserer Dienstpolos, oder manchmal gegen ein richtiges Hemd, wenn der Anlaß dies erfordert. Und an zwei bis drei Tagen im Jahr trage ich einen Anzug: bei meiner Statur selbstverständlich einen dunklen Einreiher, Maßanfertigung und dazu echte Lederschuhe in … tadaaaa… schwarz. Oxfords, keine Budapester; ist eine Entscheidung fürs Leben. Bin ich also stylisch? Ich würde sagen, aus Sicht junger Menschen in etwa so sehr wie der Bauhaus-Katalog, aber das ist mir wumpe. Denn Hübschheit vergeht – Gehirn besteht! Und ab einem bestimmten Punkt im Leben (nicht erst mit 50) muss man sich optisch für niemanden mehr zum Affen machen, weil das schlicht peinlich ist.

Ich finde ja Menschen, die offenkundig älter sind als ich, jedoch immer noch krampfhaft versuchen, sich zu (ver)kleiden wie meine Schüler*innen ehrlich gesagt ziemlich lächerlich. Zumal diese äußerliche “Jugendlichkeit” meist mit Balearen-ledriger Knusprigkeitsbräune einher geht, bei der viele Kids, deren Wochenverbrauch an LSF 50 mittlerweile in Litern gemessen wird heutzutage einfach nur noch “IGITT” sagen. Die “gemachte” Optik in all ihren Spielarten und Ausprägungen hat als Distinktions-Merkmal schon seit eh und je Hochkonjunktur. Aber je “individueller” sich die Menschen herrichten, desto häufiger stelle ICH mir die Frage, ob das nur eine “Phase” ist – oder schon ein Schaden? Ich weiß, ich weiß, “lass dem Kind die Puppe!”. Wenn sich jemand unbedingt auf eine bestimmte Art stylen möchte, dann hat das in aller Regel seinen Grund (ich nehme mal an, dass z.B. Lady Gagas “Schnitzkleid” nicht allzu bequem gewesen sein dürfte) und ist damit Ausdruck von Persönlichkeit; womit sich das jeglicher Diskussion entzieht. Und doch steht/sitzt/liegt man manchmal da und kommt nicht umhin, sich “Was zum *******…?” zu denken. Und genau damit hat der fragliche Style dann ja auch schon wieder einen Zweck erfüllt: er hat Aufmerksamkeit erregt! Übers Botoxen, Nail- und Hair-Extensions und manch anderen Quatsch für die Optik werde ich jetzt hier allerdings nichts sagen.

Bleibt die Diskussion um die Angemessenheit bestimmter Kleidung an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten. Spielt immer der Male Gaze die erste Geige, wenn Hotpants, Miniröcke, bauchfreie Tops, etc. in Bausch und Bogen verdammt oder sogar institutionell verboten werden? Wie steht man zu einem genderfluiden Style, bzw. der bewussten Konterkarierung tradierter Gender-Stereotype (Stichwort: Conchita Wurst)? Bedeutet Hochzeit automatisch weißes Kleid und Anzug (und Todesdrohungen für Brautjungfern, die ebenfalls weiß tragen…!)? Muss meine optische Darreichungsform heute auch noch alle möglichen Befindlichkeiten in meinen Gegenübern antizipieren und respektieren? Oder kann ich nicht einfach so sein, wie ich möchte? Ich meine, ganz ehrlich, ICH habe damit wenig Probleme, da mein oben beschriebener Nicht-Style a) wenig kontrovers ist, b) bei den meisten Gelegenheiten vollkommen ausreicht, c) nicht gerade nach Aufmerksamkeit heischt und d) bei einem white, middle-aged cis-gender-male von gewissem Format die “Problemzonen” nicht über Gebühr betont! Abgesehen davon ist er günstig und die Auswahl am Kleiderschrank geht in Nullkommanix. Mir tun diejenigen ehrlich leid, die sich Gedanken um so etwas wie Style machen zu müssen glauben, weil diese Mühe ihr Leben vermutlich erheblich verkompliziert. Aber wenn es halt zum persönlichen Asudruck und vor allem den Balzritualen gehört… Mehr Sorgen mache ich mir um diejenigen, denen ihre Individualität Probleme bereitet, weil andere nicht einfach akzeptieren können, das Optik einfach nur das ist – Optik! Sie sagt über das Innenleben der Person NICHTS aus. Gar nichts… Und wenn das Licht ausgeht, sind wir alle grau – einfach nur Menschen.

Hier in Italien, wo, wie man sagt, JEDE*R sich angeblich stylisch kleide, habe ich durchaus auch ein gewisses Maß an Eitelkeit an einem Teil der Menschen bemerkt (zumeist den Jüngeren). Ebenso viele Andere (eher die Älteren) scheinen sich aber weniger bis (gelegentlich) gar keine Gedanken um ihr Äußeres zu machen, womit sich das kein Jota von meinen Erfahrungen in Deutschland unterscheidet. Ich werde hier dennoch treffsicher als Deutscher erkannt – so gut wie niemand rennt hier in Schwarz rum! Und meine Italienisch-Kenntnisse sind überschaubar. Erwischt! An meinem Italienisch arbeite ich, an meinem Aussehen wird sich in absehbarer Zeit jedoch nichts ändern: keine weißen Sneaker und Tennissocken für mich; da winken mir die 80er zu hart, deren Musik ich liebe, aber deren Kleidungsstil nicht selten heute noch aufgerollte Zehennägel erzeugt. Wenn ich Vintage höre, muss ich meistens ziemlich Lachen, weil das was damals schon scheiße war, heute kaum besser daher kommt. Wenn ich etwa junge Kerle mit blodiertem Vokuhila und Tom-Selleck-Gedächtnisbalken in der Fresse sehe… ach schwamm drüber. Soll jeder nach seiner Facon selig werden – sie dürfen sich nur nicht wundern, wenn ich zu kichern anfange. In diesem Sinne – styleyourself well, you little baby-bell…