Nebliger Sonntagvormittag. Ein Spaziergang am Fluss offenbart nichts, was ich nicht schon zuvor gewusst hätte: Ich mag Nebel! Es ist nur ein Wetterphänomen und doch wohnt dem Schleier, welcher die Welt wenigstens für eine kurze Weile wegdämpft ein Zauber inne, den ein Introvertierter wie ich gar nicht genug schätzen kann. Die Zahl der Menschen, welche vorhin – wie auch ich – der eher unbequemen Witterung getrotzt haben, war überraschend groß. Dennoch fand ich lange Abschnitte meines Weges ganz für mich alleine vor – so wie ich es mag! Es gab heute nicht allzu viele Gedanken zu denken. Einfach nur vorwärts, Schritt für Schritt. Das genügt manchmal. Gestern habe ich unterdessen geknipst, doch heute bin ich einfach nur… gewesen. Sich selbst vollkommen genug sein zu können, ist ein Privileg, welches viele Menschen offensichtlich nicht (mehr) wirklich schätzen können. Woran das liegen mag, kann ich nicht wissen, ein Zusammenhang mit der ubiquitären Verfügbarkeit der ganzen Welt mittels der ewig präsenten Taschenwanze mag hier jedoch eine Rolle spielen. Sei’s drum. Ich spazierte, nichts passierte. Einzig ein sanfter Hauch von Wehmut durchzog meinen Geist. Wehmut ob der Tatsache, dass ich vermutlich in den nächsten Tagen nicht dieser erquicklichen Solitude werde frönen können, weil mein Terminkalender mal wieder zumindest subjektiv überquillt. Und so manches davon wird furchtbar nerven, weil es mit meinem Job zu tun hat. Habe ich letzthin eigentlich schon mal erwähnt, dass ich den Kanal vollhabe…? Nun ja, nicht von allem; aber halt so manchem, was im Moment drückt.

Ich habe neulich in einem Gespräch mit Vorgesetzten einige wessentliche Dinge benannt, um die ich mich nicht mehr kümmern müssen möchte. Nicht, weil ich faul geworden wäre, sondern weil sich offenbart hat, dass diese Dinge weder etwas zum Erfolg der Institution beitragen, welcher ich derzeit vorstehe, noch ich dort irgendetwas von dem ausrichten kann (oder noch will), was andere Menschen sich davon erhoffen. Ich bin – wie es nun scheint – doch nicht für die Politik gemacht. Folglich ziehe ich mich daraus nun zurück. Man könnte konstatieren, dass dies eine Niederlage wäre, weil ich eigentlich mal angetreten war, etwas zu verändern, dieses Ziel aber einfach nie zu erreichen vermochte. Doch… wer definiert Sieg oder Niederlage? Es gibt dieses Diktum dass die Geschichte stets von den Siegern geschrieben würde. Die für mich relevanten Fragen dabei wären: was kennzeichnet einen Sieg oder eine Niederlage denn tatsächlich? Wer macht diese Zuschreibung? Und aus welchen Gründen? Ich will mal so sagen: ich bin davon überzeugt, nur selten das Falsche getan zu haben! Vielleicht manchmal zu wenig; zumindest dann, wenn der Auftrag und die Zieldefinition unklar waren; und das passierte ziemlich oft! Vorsicht ist trotzdem so gut wie immer besser als Nachsicht. Das was ich getan habe, tat ich jedoch immer nach bestem Wissen und Gewissen. Ich lasse mir da von NIEMANDEM etwas vorwerfen. Wenn es jedoch Menschen gibt, die sich zu Höherem berufen fühlen und glauben, das alles besser zu können als ich – nur Mut! ICH werde mich nicht in den Weg stellen. An anderer Stelle entfalten meine Fähigkeiten und meine (unterdessen leider begrenzte) Energie ihre Wirkung eh besser… zum Beispiel im Lehrsaal. Auch das ist ein Ergebnis verschiedener Reflexionsprozesse der vergangenen Wochen: mich wieder auf meine Kernkompetenzen besinnen. Da gilt wahrhaftig: weniger ist mehr.

"Alles Wesentliche wurde schon gesagt, aber da niemand zuhört, muss man immer wieder von vorne anfangen."
André Gide (Nobelpreisträger Literatur 1947)
Ich denke, dass dieses Zitat meine beruflichen Bemühungen der letzten Jahre ganz gut beschreibt. Mittlerweile habe ich jedoch die Schnauze voll davon, immer wieder den Rufer in der Dunkelheit zu spielen. Ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, in welchen Dingen ich Recht habe – und die Zeit hat bewiesen, wo ich mich irrte. Welches von beiden überwiegt, mögen andere beurteilen wollen – ICH bin jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass sich beides mindestens die Waage hält. Nennt dies Arroganz, wenn ihr mögt, aber da lasse ich nicht mit mir diskutieren, denn bei Bedarf kann ich es belegen… Kurzum – ich muss nichts mehr beweisen! Also werde ich auch nichts mehr beweisen, sondern einfach meinen Job machen und nur noch bei Bedarf erklären, was ich wie und warum tue, oder auch lasse. Wem das nicht passt, der möge sich zum Teufel scheren, oder nach einem passenden Ersatz für mich suchen. Viel Spaß dabei. Unterdessen versuche ICH, mir mehr Zeit für Spaziergänge zu nehmen. Sie müssen gar nicht immer durch den Nebel führen, denn ich mag auch die Sonne und den blauen Himmel. Doch was nutzt es mir, mich vom Wetter runterziehen zu lassen, wenn (fast) jedes Ding seine eigene Schönheit hat. So auch der Nebel, wenn er es meinem Geist doch erlaubt, sich in Schweigen zu hüllen und einfach nur zu sein. Und genau das werde ich für den Rest dieses Sonntags tun – einfach nur sein. Denn Morgen geht der Huzzle-Buzzle wieder von vorne los… euch einen gediegenen Start in die neue Woche.













