Und es geht doch noch…

Ich bin auch einer dieser (schwachen) Menschen, die manchmal das unheilige Gefühl bekommen, eine Leere in sich selbst ausfüllen zu müssen und dann manchmal (na ja, eher zu oft) zur dämlichsten Lösung von allen greifen: nämlich sinnlosem Konsum. Dass ich gelegentlich gerne knipse ist ein alter Hut. Dass ich dazu bestimmtes Equipment benutze, habe ich vielleicht irgendwann mal irgendwo erwähnt. Also ich bin ein keine Marken-Hure, wenn es um Kamera-Präferenzen geht; aber es hat sich irgendwann ergeben, dass ich mich bezüglich meiner DSLR für Canon entschieden hatte. Folglich habe ich im Laufe der Zeit ein wenig Geld in das Hobby investiert (nur einen mittleren vierstelligen Betrag, ich bin ja nur Hobbyist), bekam aber irgendwann in letzter Zeit das Gefühl, nicht mehr so viel Gewicht rumschleppen zu wollen. Folglich liebäugelte ich mit einer spiegellosen Systemkamera – und natürlich der Anschaffung weiteren Equipments. Es gibt kein “Immer-Drauf”-Objektiv. Das ist eine Legende.

Weil man aber nicht unbegrenzt Geld hat, um es für Hobbykram auszugeben, und weil ich überdies in letzter Zeit eh über so einiges am Grübeln bin, dachte ich mir: “Verdammt Junge, du warst schon ewig nicht mehr einfach so zum Spaß knipsen!” Und tatsächlich, ohne Grund und Ziel, einfach, um mal wieder ein bisschen zu üben und Spaß zu haben hatte ich meine Kamera bestimmt schon 7 Monate nicht mehr in der Hand! Ziemlich lange für jemanden, der behauptet, Fotografie sei eines seiner Hobbies, oder? Also habe ich ein solides Sigma 17-70mm 1:2,8-4,5 auf die angejahrte 60D geschraubt und bin einfach los gegangen, um zu knipsen. Und was soll ich sagen – es ist toll, wenn man feststellt, dass man eigentlich schon das richtige hat. ‘ne Kamera ohne allzu viel Schischi, die einfach Bilder macht. Viellicht kaufe ich mir irgendwann doch noch was Leichtes für unterwegs (eine einfache MFT wäre auch zum Filmen ganz ok…); aber für den Moment habe ich mich nochmal neu in mein Bestandequipment verliebt. Vielleicht liegt’s am Frühling…

The italin tales n°5 – macht euch ein Bild…

Wer reist, der sieht. Wer sieht, der fühlt sich bemüßigt, die Erinnerung zu konservieren => et voilá: Fotos. Natürlich entspricht es unserem Naturell, dabei selektiv vorzugehen, nach dem besten Blickwinkel zu suchen, das Motiv gewaltig in Szene setzen zu wollen. Insbesondere, wenn wir vom Anblick selbst beeindruckt worden sind. Als soziale Wesen wollen wir natürlich Andere an unserer Freude teilhaben lassen. Oder ist die Motivation vielleicht doch eine andere? Etwa etwas sinisteres, wie Geltungssucht? So nach dem Motto “Schaut her, wo ich gerade bin, bewundert, was ich alles anschauen und erleben darf! Bewundert mich!”.

Mag sein, dass derlei den einen oder anderen umtreibt. Und ich wäre ein Lügner, wenn ich behauptete, mich nicht über den einen oder anderen netten Kommentar zu meinen Fotos zu freuen. Aber wenn ich irgendjemanden zu irgendetwas anregen möchte, dann dazu, sich diese Freude selbst zu erarbeiten. Denn in der Tat ist die Toskana nicht nur wunderschön, sonder auch alles andere als flach – ein gutes Bild möchte also des öfteren erwandert werden. Und wenn wir uns den Weg als Ziel auserkoren haben, was – zumindest für mich – im Urlaub Grundvoraussetzung ist, so bedeutet dies, dass der Werte Leser/Zuschauer bitte auch die Hitze spüren, den würzigen Duft der Vegetation erahnen und die Seele baumeln lassen soll. Viel Spaß.

PS: By the way: ich photoshope meine Bilder nicht. Ich schneide sie lediglich mit GIMP für das Web zu. Überoptimierten Mist findet man im Web schon genug; insbesondere auf Instagram…

Anderes Jahr – gleiche Leier…

Die Fakten:

  • Mittelitalien, genauer gesagt Toskana – check!
  • Jeden Tag 1 KM im Pool zurücklegen – check!
  • Lecker kochen und essen (also mediterran) – check!
  • Nicht an die Arbeit denken; nach ein paar letzten Mitteilungen über Telegramm und Whatsapp – check!
  • Mal was belletristisches lesen – check!
  • Blogbeiträge schreiben – oh ja, check!
  • Ein paar Photos von rings um das Anwesen posten:

C U sometime (too) soon…

Warum ich profane Architektur spannend finde…

Nun, weil sie dem Betrachter einen kritischen Blick abnötigt. Weil man sich immer wieder mit der Frage konfrontiert sieht, ob einem diese vollkommen profanen Bauwerke gefallen müssen, oder ob die bloße Notwendigkeit ihres Zweckes die Form der Darreichung rechtfertigt? Oder ob man dennoch wenigstens gewisse ästhetische Ansprüche hegen darf/muss?

Ich meine, dass die Auseinandersetzung mit unserer Umwelt auch bedeutet, dass wir solche Fragen stellen müssen. Weil unsere Umwelt unser Denken und unsere Empfindungen beeinflusst. Weil unsere Art zu leben durchaus auf den Prüfstand darf. Weil wir, wenn wir diese Entscheidung den Architekten der Industrie-Architektur überlassen einen Teil der Kontrolle über unser Dasein hergeben.

Ich gehe deswegen gerne nachts photographieren, weil einerseits zumeist weniger Menschen durch meine Motive latschen und weil ich die technischen Herausforderungen spannend finde. Ob ich diese angemessen meistere, darüber müssen andere urteilen.

In jedem Fall sollen Bilder nicht nur zum schauen, sondern auch zum Denken über das dargestellte und die Intentionen des Darstellenden anregen. Vielleicht muss ich doch mal über die Mythen des Alltages sprechen, die mich zu solchen Bildern animieren…

Immer wieder Photos…

Immer mal wieder, wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr weiter zu kommen, überall nur noch gegen Wände zu rennen oder mich müheselig dahinzuschleppen zu müssen, hilft es aus der Routine auszubrechen. Es ist für mich auf Grund meiner familiären Verpflichtungen schwer, mal eben einen Wellnessurlaub zu buchen und mich für ein paar Tage vom Acker zu machen – obschon meine Frau mich schon mal sozusagen dazu genötigt hat. Aber es geht auch eine Nummer kleiner. In solchen Momenten betrachte ich manchmal ganz gerne jene Orte, welche ich eigentlich intim zu kennen glaube einfach mal durch den Sucher meiner Kamera. In meiner eigenen Stadt gehe ich dafür zumeist nachts auf die Jagd nach einem guten Motiv und dies aus mehreren Gründen: zum einen erfordert die Nachtphotographie Geduld; man kann nicht einfach knipsend durch die Gegend rennen, sondern muss sich das gewünschte Motiv erarbeiten, an Einstellungen und Perspektive schrauben, bis das Ergebnis halbwegs den eigenen Vorstellungen entspricht. Nimmt man zudem wie ich ganz bewusst nur ein Objektiv mit (zumeist ein Weitwinkel-Zoom), so bedeutet dies auch Laufarbeit, denn den subjektiv richtigen Blickwinkel findet man oft nur durch mehrfaches Probieren. „Reduce to the max“ bedeutet dann, die selbstauferlegte Beschränkung spielerisch-gestalterisch einzusetzen. In der Kombination wird man entschleunigt und gleichzeitig zur Einnahme anderer Perspektiven genötigt. Und das gilt nicht nur im wortwörtlichen Sinne.

Denn beim richtigen Photographieren wird nicht nur Licht reflektiert (Spiegelreflexkamera!) sondern auch die eigene Einstellung zum Objekt kommt auf den Prüfstand. Indem ich aber meine Beziehung zu meiner Stadt und verschiedenen Objekten darin bedenken muss, wenn ich hoffentlich nicht atemlos durch die Nacht eile, sondern bedächtig wandere entsteht auch eine – möglicherweise übrigens durchaus kritische – Selbstreflektion. Ich habe allerdings wirklich keine Ahnung, ob meine Bilder etwas über mich aussagen; wenn aber irgendjemand eine wohlfeile Interpretation parat haben sollte, so würde er sie mir vielleicht besser nicht öffentlich mitteilen. Das könnte für alle Beteiligten allzu enthüllend wirken… Mir bedeuten meine Bilder aber tatsächlich etwas, sie zeigen mir, dass Schönheit manchmal erst konstruiert werden muss und dass man sich die wahre Gestalt der Dinge – und auch der Personen um einen herum – manchmal erst erarbeiten muss. Wie dem auch sei, für mich sind diese Nachtspaziergänge so was wie Meditationen, die mir helfen, zur Ruhe zu kommen, Gleichgewicht zu finden und wieder eine Freude an mir selbst zu entdecken, die ich manchmal missen muss. Weil ich aber auch irgendwie ein sozialer Mensch bin, teile ich die Ergebnisse gerne, darum hier ein paar Shots aus meiner letzten Session von vorgestern…