A Propos

Neue Texte, neues Gewand, alte Leier. Auf Grund dezenter technischer Probleme mit der alten Installation musste ich ein bisschen umbauen. Auch werde ich Podcasts in Zukunft nur noch im Rahmen von Interviews o. Ä. anbieten. Ist einfach zu viel Arbeit. Ansonsten hoffe ich jetzt, da meine Abschlussarbeit schon seit einigen Wochen im Prüfungsamt liegt wieder zu einem regelmäßigeren Rhythmus des Veröffentlichens zu kommen. Wir werden sehen, ob das wirklich klappt… 😉

So oder so macht der Dezember alles neu. Nicht alles funktioniert schon so, wie es bislang gewohnt war, aber die Mucken werde ich der neuen Installation schon noch abgewöhnen. Bis dahin trotzdem viel Spaß und bis die Tage wieder!

Man müsste mal…

Es wird ja immer viel geredet. Über die unterschiedlichsten Themen. Und vor allem darüber, dass man ja hier oder dort etwas tun müsste. Nur bleibt es meist beim Gerede. Das ist so eine „Gute Vorsätze“-Geschichte. Diese Sachen, die man sich angeblich vornimmt, wenn ein altes Jahr stirbt und ein neues geboren wird. Alles Käse, denn tatsächlich haben gute Vorsätze ungefähr die Halbwertszeit von Speiseeis in der Sahara, mittags um Zwölf. So ist es auch mit dem Gerede in meinem Beruf. Ich habe das schon das eine oder andere Mal kolportiert, wie die lieben Kolleginnen und Kollegen am „Wasserloch“ – vulgo in der Fahrzeughalle einer ausreichend großen Klinik mit freiem Zugang zu Kaffee und/oder Wasser – rumstehen und schwadronieren. Meist erzählen sie „Warstories“, tauschen sich also, die großen Augen ihrer Auszubildenden genießend, über die grauslichsten oder spannendsten Einsätze der letzten Zeit oder auch mal ihres Dienstlebens aus (zumeist ist eben dieses noch nicht allzu lang). Ich persönlich bevorzuge ja eher die witzigsten Geschichten, aber bitte, auch ich habe schon die eine oder andere Splatter-Anekdote zum Besten gegeben.

Irgendwann kommt dann das Gerede aber darauf, wie schlecht es einem doch geht, wie Scheiße manche ihre Vorgesetzten finden (ich hatte im Lauf der Zeit auch ein paar, auf die ich dankend hätte verzichten können) und überhaupt, wie kaputt dieses System doch ist, in dem man sich da abrackern muss. Ja, da stimmen dann (fast) alle zu, man sagt sich gegenseitig, wie gut es doch wäre, wenn mal jemand was täte, alle nicken, schlürfen ihren Kaffee (oder was auch immer), bei irgendeiner der versammelten Besatzungen bimmelt der Melder und weiter geht`s im Hamsterrad. Und was passiert dann tatsächlich? Nix! Ich selbst habe es schon ein paar Mal auf unterschiedliche Weise versucht, diese Menschen dazu zu bringen, aktiv an der Gestaltung ihrer Arbeitsumwelt teilzunehmen, doch die Resonanz zu diesen Bemühungen passt, über Jahre hinweg akkumuliert, auf einen Bierdeckel. So viel zur Substanz dieses Gelabers am Wasserloch.

Der Schlüssel zum Erfolg von Aktionen, die Veränderung bewirken sollen hat zwei Seiten: zum einen muss es die Menschen tatsächlich betreffen. Da darf nicht nur ein vages, diffuses „könnte mich was angehen“ sein, sondern es muss drängen und immer wieder nach vorne kommen. Offensichtlich sind die Probleme des Rettungsfachpersonals so gelagert. Da kommt die zweite Komponente ins Spiel: man muss auch einen Weg sehen, etwas zu tun. Und dafür muss man sich manchmal ein wenig anstrengen und sich was ausdenken.

Hier kommt mein Vorschlag: ich möchte eine Petition beim Baden-Württembergischen Landtag einreichen, welche die Veränderung des §5 im Landesrettungsdienstgesetz zum Ziel hat; nämlich die Installation einer stimmberechtigten Rechtsaufsichtsperson in jedem Bereichsausschuss, die in den häufig strittigen Kostenverhandlungen eine Entscheidung herbeiführen kann. Ferner ist die, derzeit mögliche, 40%ige Anrechnung des Einsatzes ehrenamtlicher Kräfte auf die Benutzungsentgelte in §28, Abs. 2 zu entfernen. Und überdies muss für die Ausbildung von Rettungsfachpersonal (also Notfallsanitätern) ein eigener Paragraph oder Absatz geschaffen werden, in welchem die jeweils notwendige Refinanzierung für den Ausbildungsaufwand den Kostenträgern als gesetzliche Verpflichtung auferlegt wird.

Weil Petitionen aber mehr Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie eine gewisse Zahl Unterstützer mitbringen, möchte ich hiermit um eure Unterstützung bitten. Wenn es auch unwahrscheinlich ist, damit sofort Erfolg zu haben, rüttelt es vielleicht den einen oder anderen Verantwortlichen auf. Danke für eure Aufmerksamkeit!

Rückkehrer-Blues…

Ich habe gerade einen Regenbogen gesehen! Einen kompletten, von Boden zu Boden und in allen Farben… nun des Regenbogens eben. Klingt nicht gerade spektakulär, oder? Für mich jedoch war dieses eher seltene Naturschauspiel geradezu magisch. So magisch, dass ich im Nieselregen stehen blieb und ihm beim Verblassen zusah, während die Sonne hinter dem Waldrand am Versinken war. Für einen Moment war ziemlich klar, warum unsere Vorfahren der Natur einst etwas Mystisches zusprachen, denn, wenn man nie Physik in der Schule gehabt hat (und selbst bei Manchem, bei dem dies der der Fall war, und er’s trotzdem nicht kapiert hat), wirkt das Spiel der Spektralfarben am Himmel irgendwie magisch. Und wenn man sich ein klein wenig Mühe gibt, kann man das olle Prisma vergessen und es wirkt auch für uns Zivilisationsverseuchte Moderniker wieder irgendwie mystisch.

Ich fühle in solchen Momenten, wie sich das wenige an Spiritualität in mir regt. Ich war nie der große Kirchgänger und mich als praktizierenden Christen zu bezeichnen, ginge wohl ein bisschen weit. Und doch weiß ich – wie viele andere vermutlich auch – dass es da mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir uns mit unserer heiß geliebten Empirik zu erklären wissen. Ich mach da keinen Bohei drum, weil’s privat ist. Außerdem leben wir in einer medial despiritualisierten Welt, in welcher der Glaube, gleich welcher Art entweder nur zur romantisierten filmischen Darstellung taugt, oder aber schlicht negiert wird, weil an das Göttliche zu glauben so ganz und gar nicht zu unserem Glauben an die Notwendigkeit ewiger Jugendlichkeit, Virilität und Leistungsfähigkeit passen mag.

Der faktische Umstand, dass das Leben ein Kreislauf ist (aus dem Staub geboren, zu Staub geworden), geht vielen Menschen am Arsch vorbei, bis eben diese Tatsache sie selbst am Arsch packt und sie dann erstaunt feststellen müssen, dass wirklich alles endlich ist – wie eben Jugendlichkeit, Virilität, Leistungsfähigkeit, Nützlichkeit, Wichtigkeit, etc.; kurz das Leben. Sich dessen vor dem Terminalpunkt bewusst zu werden, führt mittelfristig zwangsweise dazu, dass man auch bestimmte andere Dinge bewusster wahrnimmt. Das macht das Leben zwar nicht immer leichter – zum Beispiel, wenn einem die lieben Kleinen auf der Nase Tango tanzen – aber in jedem Fall reichhaltiger. Und man kommt irgendwann (ich wahrscheinlich nie ganz, aber ich bin ja auch kein ommender Mönch, sondern einfach nur Zimbo, der durchaus gelegentlich seinen Affekten ausgeliefert ist) zu dem Punkt, dass man weiß, wie man aus den Zitronen des Lebens wenigstens halbwegs schmackhafte Limonade macht…

Wir müssen dann mal zurück. Der Toskana einmal mehr Lebewohl sagen und back to good old Mannheim touren. Das kann einen auch sauer wie eine Zitrone machen. Andererseits ist der Zeitpunkt da, die Kohle ist alle, meine Gattin muss Montag schon wieder ran und ich muss nächste Woche nämliche lieben Kleinen beim Tangotanzen auf meiner Nase hüten. Wahrlich, sage ich euch, das sind Zitronen! Aber meine Zitruspresse, das Sodawasser und der Zucker stehen schon bereit! Ich habe so meine Pläne, wie ich meine Kinder zufriedenstellen kann, weiterhin noch ein wenig Zeit für mich selbst abgeknappst kriege und so die sonnigen Tage in meinem Herzen wenigstens so lange konservieren kann, bis ich das erste Mal wieder arbeiten gehen muss. Jeder kennt das – der Erholsamkeitseffekt des Urlaubs verdampft an der Arbeitsstelle mit der gleichen Geschwindigkeit, wie Zitronenlimo in der Sahara: verdammt schnell und beinahe Rückstandsfrei. Da dürfte ich schon den Rückkehrer-Blues kriegen, nicht wahr? Aber wisst ihr was: drauf geschissen! Es gilt, wie stets: Et kütt, wie et kütt, on es han noch immer jotjejange! Wir sehen uns…

Über’s Wetter reden?

Ja, kann man mal machen. Ich selbst habe mich zwar schon des Öfteren über „das Wetter“ als ausgemacht seichtes Small-Talk-Thema ausgelassen. Allerdings muss ich zugeben, dass diese Betrachtungsweise dahingehend überholt ist, als Wetterphänomene, die allenthalben zum Nachteil gereichen immer häufiger werden. Man denke an die ungewöhnlich hohe Zahl extrem schwerer Gewitter in Süddeutschland im Juno dieses Jahres; die überdies mit einer, für deutsche Verhältnisse unverhältnismäßig hohen Zahl an Unwettertoten einhergingen. Überraschend waren vor allem die Intensität des Regens und die nun zu Tage getretene Unzulänglichkeit der örtlichen Infrastruktur, diese zu kanalisieren. Das hätte wohl tatsächlich keiner geglaubt.

Natürlich fangen dann wieder alle zu reden an. Sie reden aber nicht davon, dass die Klimaerwärmung uns nun mit einer Phase des Klimazonenwandels endgültig davon zu überzeugen sucht, dass sie real ist. Und dies Phase des Wandels äußerst sich gegenwärtig ganz offenkundig in immer extremeren Mikrowetterphänomenen. Oder hat irgendjemand schon mal so einen Juni erlebt? Ich nicht und ich habe auch keine Erinnerung an derart schnell heranrollende, mit solchen Temperatur-Amplituden einhergehende und derart schnell wechselnde Wetterperioden. Mag sein, dass meine subjektive Sicht alleine nicht aussagekräftig erscheint, aber tatsächlich haben Wissenschaftler ja immer wieder darauf hingewiesen, dass in der Klimaerwärmung Transitionsphasen mit Extremen in beide Richtungen (also Warm vs. Kalt und Trocken vs. Nass) immer wieder möglich sind und wir gerade erst am Beginn einer solchen Phase stehen. Aber kurzfristige wirtschaftliche Belange waren ja schon immer wichtiger und man kann auf Klimakonferenzen noch so viele schöne Worte absondern und noch so viele – von manchem Nachrichtengollum dann hinterher auch noch als „ambitioniert“ bezeichnete – Abkommen schließen; so lange die Wirtschaft diktiert wo’s langgeht, werden wir weiter in den Abgrund steuern.

Ich bin ein alter Soze, aber beim besten Willen kein Linksromantiker. Ich weiß, dass irgendwie essen auf die Tische der Menschen kommen muss und dass Wirtschaftsunternehmen dies quasi en passant durch ihre Wertschöpfung mit erledigen. Es ist aus meiner Sicht auch nichts daran auszusetzen, wenn man seine Arbeitskraft für den Erwerb des Lebensunterhaltes verhuren muss. Nur haben sich die Maßstäbe einmal mehr zu Ungunsten jener verschoben, die am unteren Ende dieses Prozesses stehen. Fast ein Jahrhundert des Kampfes für Arbeitnehmerrechte und gegen eine willkürliche Ausbeutung nicht nur der Menschen, sondern auch unserer natürlichen Ressourcen durch die Wirtschaft sind in den letzten 15 Jahren durch das Mantra der Organisation aller gesellschaftlichen Prozesse nach dem Bilde der Marktwirtschaft zunichtegemacht worden.

Was das mit dem Wetter zu tun hat? Nun, mit den Arbeitnehmerrechten rückten zunehmend auch Umwelt- und Verbraucherschutz in den Fokus der politischen Regulierungsabsicht. Vollkommen zu Recht, denn was ein entfesselter Kapitalismus mit seinen Kindern anstellt, kann man in der so genannten Volksrepublik China gerade sehr gut beobachten. Ausbeutung breiter Schichten insbesondere der ungebildeten Landbevölkerung geht mit massiver Umweltverschmutzung einher. Der Turbokapitalist tritt also nicht nur die Rechte seiner Angestellten (Sklaven wäre hier wohl die passendere Bezeichnung) mit Füßen, sondern auch das Wohl der Natur. Das erzeugt verseuchte Flüsse, ausgelaugte Erde und Treibhausgase, die zur Klimaerwärmung beitragen, auch wenn von den Konzernen bezahlte Wissenschaftler immer wieder statistische Nebelkerzen werfen. Die Klimaerwärmung erzeugt Wetterkapriolen und diese erzeugen schlechte Ernten, erschwerte, bzw. im schlimmsten Fall ausgelöschte Existenzen, erhebliche Infrastrukturschäden und alles in allem verschlechterte Lebensbedingungen. ABER NÖ, das hat ja alles nichts miteinander zu tun. Na ja, aber so lange die Arbeitsausfälle durch dauerschuftende freiwillige Feuerwehren, das THW und andere, sowie die Versicherungsfälle billiger sind, bzw. von anderen Teilen der Gesellschaft (also von uns!) getragen werden müssen, als tatsächlich wirtschaftlich umzudenken zu müssen, kann man ja immer so weitermachen. Pfui Teufel!

Ja, das Wetter ist schon lange kein Small-Talk-Thema mehr, zumindest nicht für mich. Ich unterhielt mich dieser Tage mit unserem Vermieter am Urlaubsort, der meinte, in der Region habe es seit zwei Monaten nicht mehr geregnet. Zwei Monate kein Regen? OK, das ist hier die Toskana, aber dennoch, dennoch… insbesondere, wenn man bedenkt, dass ich letztes Jahr, um dieselbe Zeit dieselbe Auskunft von einem anderen bekommen hatte, zusammen mit dem Hinweis, dass dies schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen sei! Jeder man sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Für mich klingt das allerdings nach einer sehr großen Menge schlechten Karmas.

Ich könnte mich jetzt einfach freuen, dass seit über einer Woche jeden Tag die Sonne aus allen Kopflöchern scheint und meine Familie sich jeden Tag am/im Pool vergnügen kann, was mit kleinen Kindern eine gewisse Entspannung bedeutet. Aber leider kann ich das Auge für’s große Ganze nicht abschalten und so dräuen in meinem Hinterkopf die Probleme; zumindest ein bisschen, denn jetzt muss ich erst mal in den Pool, es ist nämlich verdammt heiß hier…

Post-Trauer?

Bevor die letzten Wochen zu einem Parforce-Ritt in interfamiliärer Gefühlsbewältigung wurden, hatte ich eigentlich an verschiedenen Projekten gearbeitet und rumgedacht, die im weiteren Sinn mit meinem Studium zu tun haben. Denen wollte ich mich jetzt wieder zuwenden, nachdem die letzten Wochen mir schon, durch verschiedenste Aufgaben, wenig Gelegenheit zur Kontemplation gelassen hatten. Allerdings gab und gibt es immer noch Unerledigtes und Ablenkungen, die mich nicht so recht zur Ruhe kommen lassen. Einerseits musste ich, allen Sorgen zum Trotz, eine Hausarbeit für mein Studium abschließen, weil der Termin dräute und ich beim besten Willen keinen Nerv habe, über die Regelstudienzeit zu prolongieren. Das mag abgebrüht klingen, aber wem nützt es, wenn ich alles liegen lasse und den sterbenden Schwan spiele? Meinem leider verstorbenen Vater? Wohl kaum.

Andererseits war es letzthin nicht einfach mit manchem umzugehen und verschiedentlich hatte ich den Eindruck, dass die Menschen ringsum eine spezielle Art der Trauerbewältigung von mir erwarten würden; ganz so, als wenn es für Emotionen aller Couleur Schalter gäbe, die man einfach nur umlegen muss. Oder als wenn es obligat wäre, eimerweise zu greinen. JA – ich habe einen Verlust erlitten! NEIN – ich muss nicht so trauern, wie es in irgendwelchen schlauen Büchern über die Psyche steht. Ich kenne diese Bücher, ich musste selbst oft genug anderen Menschen – vor allem Angehörigen von Patienten – Trauer in Extremsituationen kanalisieren helfen. Und mitnichten findet man die beschriebenen Phasen tatsächlich in signifikanter Häufigkeit. Trauer als Arbeit zu bezeichnen, ist übrigens nach meiner persönlichen Erfahrung auch Käse. Ich muss keine mentalen Steine bewegen, ich muss lernen, zu akzeptieren, dass ein Mensch, mit dem ich vielleicht gerne noch das eine oder andere geteilt hätte jetzt nicht mehr da ist. Wann und wie ich darauf reagiere, ist allerdings verdammt nochmal mein ganz privates Bier!

Ich habe Emotionen und ich bin auch spirituell, jedoch nicht auf allzu plakative Weise. Damit kommen manche nicht klar. Sie glauben, ich würde alles in mich hineinfressen und müsste daran dann jämmerlich zu Grunde gehen. Vielleicht lesen die einfach nicht mein Blog? Wie dem auch sei, es liegt mir nicht besonders, einen riesigen Bohei um meine Gefühlswelt zu machen; zum einen, weil sie privat ist und zum anderen, weil mir das, was andere Menschen zeigen allzu oft aufgesetzt, ja manchmal nachgerade falsch vorkommt. Wer weiß, wie man unter meine Oberfläche schaut, der ahnt, dass es da durchaus brodelt…

Es gibt vielleicht den Zustand der Prä-Trauer; also quasi jenen, bevor man einen großen Verlust erdulden muss. Der hält in aller Regel an vom Erlangen eines echten Bewusstseins für das Miteinander bis zum ersten Blutsverwandten, den man selbst zu Grabe tragen muss. Das Schicksal hat mich bis zu meinem 43 Lebensjahr davor bewahrt und mir so die Chance gegeben, zu einer gefestigten Persönlichkeit zu werden. Einen Zustand der Post-Trauer wird man danach aber nie wiedererlangen können. Denn das, was man als Hinterbliebener mit dem Verstorbenen geteilt hat, bleibt für immer. Der Schmerz wird blasser, bis er zu einer Narbe auf der Seele abheilt, die nur noch zu bestimmten Gelegenheiten schmerzt. Doch wenn der private Lord Voldemort auftaucht, muss man das ertragen.

Man könnte also sagen, dass es einen Zustand der Trauer-Unschuld gibt, der mit dem ersten familiären Trauerfall endet. Ich empfinde das im Moment als sehr zwiespältig, denn einerseits hätte ich mir natürlich gewünscht, dass noch ein wenig aufschieben zu dürfen. Andererseits sollte jemand aus meinem beruflichen Milieu eigentlich wissen, dass das Leben nun mal endlich ist. Vielleicht ist es aber auch genau dieses, durch jahrzehntelange Erfahrung verfestigte Wissen, dass mich in anderer Leute Augen als abgebrüht erscheinen lässt. Wer kann das schon so genau wissen…? Im Moment nehme ich es, wie’s kommt und pfeife weitestgehend auf die Meinungen Anderer; auch wenn man mich dann wohl als noch weniger empathisch wahrnimmt. Da gibt es keine Patentlösung. Nur so viel: diejenigen, die für mich emotional relevant sind, werden es erfahren, wenn ich dann doch zusammenbrechen sollte. Alle anderen jedoch dürfen bitte ab jetzt davon Abstand nehmen, mich taxierend zu beobachten, denn es nervt mich total und ist überhaupt nicht hilfreich. Schönen Dank und schönes Leben noch!

Eine sehr private Bekanntmachung.

Heute Morgen war meine Welt noch in Ordnung, wenn man einmal von dem Umstand absieht, dass gegen 07:30 zwei kleine Mädchen mit einem, für ihre Verhältnisse durchaus subtilen Auftritt jeden weiteren Gedanken an prolongiertes Lümmeln in der Bettstatt ad absurdum geführt haben. Sei’s drum, soweit war alles in Ordnung. Der Rest des Tages jedoch verlief weitaus weniger erquicklich; nun eigentlich ist dies ein ziemlich dicker Euphemismus, denn heute Morgen ist mein Vater verstorben! Vollkommen unerwartet und sehr schnell.

Es fällt mir schwer, meine Gefühle dazu zu ordnen, weil das Ordnen von Gefühlen mir oft schwer fällt. Nicht, weil ich keine hätte, sondern weil sie sich gerne Zeit lassen, um an Wucht zu gewinnen und mich im Nachgang niederzuringen. Ich kann jedoch abwarten, es wäre nicht das erste Mal, darin habe ich schon Übung. Meine Gedanken jedoch, sie kreisen wie Helikopter über dem keineswegs mehr jungfräulichen Gottesacker der Träume und Pläne in meinem Hinterkopf; und über meinen Erinnerungen… Nun vielleicht ist schon dieser Blogpost ein Teil meiner Art, mit dem Verlust fertig zu werden, es sähe mir wohl ähnlich.

Ich glaube, so gut wie jeder Sohn hat ein ambivalentes Verhältnis zu seinem Vater, was darin begründet liegen mag, dass wir sie zuerst als Meister unseres Universums erleben, um dann im Laufe der Zeit mitbekommen zu müssen, wie sich dieses Blatt wendet und sie u.U. irgendwann auf unsere Hilfe angewiesen sind – zwei Bilder, die nur schwerlich miteinander in Einklang zu bringen sind, zumal, wenn dieser Umstand von einer, oder beiden Seiten nicht anerkannt wird. Die Autonomie in allen Angelegenheiten ist eines der wichtigsten Güter und erst in dem Moment, da man diese wieder einbüßt – oder noch schlimmer, wieder abgesprochen bekommt – ist man wohl wirklich alt.

Ich habe meinen Vater in meiner Kindheit und Jugend als starken Mann erlebt, als Prinzipientreu bis hin zur Sturheit und in mancherlei Dingen oft sehr konservativ. Ebenso war er aber auch liebevoll und fürsorglich. Manch gesellschaftlicher Wandel bereitete ihm Sorge, gar Ärger, denn er stammte aus einem anderen Zeitalter. Andererseits machten Herkunft oder Ethnie für ihn kaum einen Unterschied; er maß die Menschen an ihren Taten. Ich erinnere mich noch gut, dass ich eine sehr behütete Kindheit hatte, auch wenn meine Eltern vermutlich Fehler gemacht haben; ich mache als Vater leider, weiß Gott, auch oft genug welche.

Als ich als Jugendlicher mit verschiedenen Wünschen zu ihm kam, sagte er mir, er wüsste, wie ich dazu käme und gab mir die Gelegenheit, sie mir selbst zu verdienen. Er lehrte mich so und durch andere Dinge verschiedene Tugenden, die mancher vielleicht jetzt geringschätzig als altmodisch abtun wird: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß, den Wert der eigenen Arbeit zu kennen und stets gerecht zu handeln (oder es wenigstens zu versuchen). Und er lehrte mich, wie echtes Leadership wirklich funktioniert, ohne das Wort je gekannt zu haben; nämlich nichts von den Kollegen bzw. Untergebenen zu verlangen, dass man nicht selbst zu tun bereit wäre. So hat er seinen Job als Führungsperson gemacht und seine Männer (ja, es war eine wahrhaft patriarchalische Berufswelt, in der mein Vater lebte) respektierten ihn und folgten ihm stets.

Wir waren im Laufe der Jahre über so manches uneins, doch er war und blieb stets mein Vater und auch wenn Männer das sehr oft nicht so zeigen können, und es auf andere Art tun, als Frauen, habe ich ihn geliebt. Und jetzt ist er für immer fort! Also warte ich, bis die gefürchteten Gefühle kommen, um ihren Tribut zu fordern, werde einstweilen weiter mein Leben leben und versuchen, ihn zu ehren, indem ich meinen Kindern ein guter Vater bin, auch wenn sie mich am Wochenende vor der Zeit wecken. Ich weiß sowieso, dass er nicht gewollt hätte, dass man so ein Aufheben darum macht, sondern einfach auf sein gutes Leben anstößt und sich der schönen Dinge erinnert. So werde ich es halten und auf’s Beste hoffen…

PS: Danke für die Aufmerksamkeit und ich bitte es zu entschuldigen, dass die vorgelesene Version noch ein paar Tage dauert. Ich denke, jeder versteht das.

Und mal ein Gedicht…

Weihnacht, was bist du ein seltsames Fest,
verrückt, so scheint‘s wird der Menschheit Rest.
Sie hetzen, sie rennen, missachten sich ganz,
denken nur an des schönen Scheines Glanz.
Geschenke, Pakete, soviel Stress durch Konsum,
das Gerenne und Gekaufe haut so manchen um.
„Hab ich das Richtige, wird man sich freuen?“
Bange Gefühle unter dem Christbaum dräuen.
Wie wäre es, wir ließen diesen ganzen Mist,
feierten dieses Fest, so wie es eigentlich gemeint
in Liebe zueinander und in Frieden vereint
und wären tatsächlich, nicht nur mit den Lippen, ein Christ.
„Aber die Kinder, die Kinder, sie freuen sich doch,
auf Geschenke und Zeichen, das ganze Drumrum!“
Tönen sie dann alle, mit sehr lautem Gebrumm –
und stürzen geschäftig in den Weihnachtsmoloch.
Was über’s Jahr nicht wirklich harmonisch verläuft,
wird vom Kugeln am Christbaum kaum besser.
Wer glaubt, es hilft wenn man Gaben aufhäuft,
läuft dann vielleicht in ein hübsch verpacktes Messer.
Auch ich hab Familie und Päckchen und Braten und Baum.
Und denk so bei mir, jetzt sehe ich ihn aber kaum;
doch der Geist der Weihnacht kommt trotzdem zu Gast,
wenn im Herzen ihr nur ein Plätzchen ihm lasst.
So ertrag ich meist gelassen das Brimborium,
denn am 26. so gegen Abend ist es schon wieder rum.
Und solange die Menschen ihre Freude dran haben,
geht’s auch nächstes Jahr weiter – mit neuen Gaben.

Vor dem Reden zu denken, würde helfen!

Aus gegebenem Anlass hier eine kurze Lektion in Sachen Flüchtlinge, vielleicht auch, weil viele die folgenden Sachverhalte gerne vergessen. Dazu ein kurzer Rückblick ins Zeitalter des Kolonialismus. Das war jene Zeit, als die alten Nationen Europas es schick fanden, rings um den Globus zu segeln, um sich Land unter den Nagel zu reißen, welches ihnen nicht gehörte, die dort lebende Bevölkerung entweder durch eine Zweiklassengesetzgebung gegenüber den neuen Herren – die einfach nur den Vorteil überlegener Waffentechnik besaßen, jedoch keinerlei moralische oder sonstige Rechtfertigung für ihr Tun – wirtschaftlich, politisch und sozial zu benachteiligen oder gleich zu versklaven. Das daraus gewonnene Kapital wurde dann wiederum für Kriege in Europa oder direkt in den Kolonien verbrannt. Dieses Zeitalter dauerte übrigens, noch mal zur Erinnerung vom Ende des 15. Jahrhunderts bis in die 60er des 20. Jahrhunderts. Wir Europäer rühmen uns ja häufig damit, die Wiege der Demokratie zu sein und so moralisches Gewicht zu haben. Spanien war allerdings bis 1974 eine Militärdiktatur, Portugal bis 1975 und Griechenland bis 1981…

Wie dem auch sei, die Kolonialisierung „der Wilden“ zerstörte funktionierende, teils hoch entwickelte Staatsgebilde, vernichtete lokale Eliten und hinterließ, vor allem durch Landumverteilung insgesamt schwierige, manchmal auch verheerende soziale und wirtschaftliche Probleme, die bis heute nach wirken. Dass nach dem teils hastigen Abzug der ehemaligen Herren entstehende Machtvakuum begünstigte zudem oft genug, das Individuen und Gruppen an die Macht gelangen konnten, die alles Mögliche, aber nur selten das Beste für ihr Volk im Sinn hatten. Für jene Leute, die jetzt nicht zu Unrecht nach Quellen fragen: das Buch „Warum Nationen scheitern“ von Daron Acemoglu und James Robinson illustriert diese Prozesse in einem geschichtlichen Querschnitt sehr anschaulich. Die so entstandenen Staaten mögen heute Völkerrechtlich keine Kolonien mehr sein; da die meisten wirtschaftlich aber in nicht unerheblichem Umfang direkt oder indirekt vom IWF und ausländischen Konzernen (aus der ersten Welt) abhängig sind, darf von Freiheit keine Rede sein. Dass es dann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überdies en vogue war, in Ex-Kolonien Autokraten an die Macht zu helfen, damit diese den wirtschaftlichen Interessen eben jener ehemaligen Kolonialherren dienlich zu sein hätten – oder den USA, je nach dem wer schneller am Drücker war – hatte die soziale Situation der Bevölkerung nicht verbessert.

Zu uns nach Deutschland kommen nun in erster Linie Flüchtlinge vom Balkan, aus Afrika, Arabien und dem vorderasiatischen Raum. Für die Menschen aus dem Balkan taugen meine Erklärungen übrigens auch, insofern das mit dem wilhelminischen Kaiserreich aufs Engste verbandelte Habsburgerreich dort Land zusammengefügt hat, welches nicht zusammengehörte und während des Balkankrieges auch deutsche Blauhelme mehr oder weniger tatenlos danebenstanden, als es unter gewalttätigen Umständen wieder zerfiel. Europa und Deutschland haben seitdem wenig gegen die politische und soziale Katastrophe in unserem Vorgarten getan. Dass Menschen vor dem so entstandenen Elend davon rennen, ist menschlich, insbesondere, wenn man dort zu lange auf eine Perspektive hoffte, die niemals erschien, allen warmen Versprechungen der EU-Oberen zum Trotz. Abgesehen davon, dass sie hier sowieso wieder weg geschickt werden, haben sie kaum einen schlechteren Grund herkommen zu wollen: weg aus weitgehend gescheiterten Staaten, die vom alten Europa vergessen und abgekanzelt wurden, nachdem man dort seine Agenda abgearbeitet hatte. Hauptsache, kein Ostblock mehr, was aus den Menschen würde, war egal.

Menschen, die Not leiden, sind für Heilsverspechen, gleich welcher Couleur anfällig, ob diese nun im religiösen Gewand daherkommen, sich in einen uralten Stammeskonflikt institutionalisieren, oder in die Fremde weisen. Die einen machen Dschihad, die anderen rennen unter anderem davor davon. Und was hat das mit dem Flüchtlingsproblem zu tun? Nun sagen wir mal so, auch Deutschland besaß Kolonien und hat dort ziemlich grausig gewütet. Deutsche Außenpolitik orientierte sich nach 1945 über Jahrzehnte am großen Bruder USA und dessen Weltbeherrschungsagenda und auch heute interessiert sich zum Beispiel unser Wirtschaftsminister nur für das, was der Wirtschaft gut tut und kaum für Fragen der Menschenechte, die doch angeblich bei uns so groß geschrieben werden.

Wer also glaubt, dass er dennoch stolz auf unsere Nation sein möchte, dem sei dies unbenommen, er sollte sich jedoch daran erinnern, dass ein solches Gefühl der Verbundenheit mit dem Konstrukt Deutschland auch bedeutet, durch die Geschichte nicht nur mit den Errungenschaften, sondern auch mit den Fehlern und Missetaten verbunden zu sein; woraus Verantwortung erwächst. Nämlich die Verantwortung, eben die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und deshalb in der Gegenwart Recht an denen zu tun, die aus Gründen der Not zu uns kommen. Ich hasse das Etikett „Wirtschaftsflüchtling“, weil es unterstellt, es sei unlauter, aus bitterem sozialem Elend zu fliehen. Man übersieht dabei gerne, dass Deutschland nach dem 2. Weltkrieg nicht ohne Hilfe von außen wieder auf die Beine gekommen ist; Stichwort „Marshall-Plan“. Nirgendwo in Deutschland herrscht solche Not, wie jene, vor der diese Menschen davon laufen.

Noch ein Wort an jene, die jetzt gleich von der überbordenden Menge an Gewalttaten durch Migranten reden: lest die Kriminalstatistik des BMI, die Zahlen von 2014 sind online. Ja, es gibt – seit Jahren zum ersten Mal – einen Anstieg bei nichtdeutschen Tätern im adoleszenten Alter. Inwieweit das mit Neu-Migranten zusammenhängt ist noch nicht untersucht aber wer jetzt ohne Sachkenntnis vorverurteilt, muss damit rechnen, das ich das gleiche mit ihm tue: DU BIST EIN NAZI!

Denjenigen, die Leute mit braunem Gewäsch aus ihren Freundeslisten löschen: das bringt nix, weil sie dann dumm bleiben! Daher hier meine Lösung: Jeder, der sich ab heute in den sozialen Medien oder sonst wo mit meiner Kenntnis der dummen Nachrede von braunem Geschwätz, der Hetze gegen Migranten oder Andersdenkende oder schlicht der unreflektierten, nicht von Sachkenntnis gezeichneten Äußerung schuldig macht, der kommt auf meine persönliche Watchlist. Wiederholungstäter dürfen gerne damit rechnen, dass ich sie öffentlich des Nazi-Seins beschuldigen werde. Soweit alles klar? Dann bis die Tage…