…just my five cents…

Ich habe eine neue Abkürzung gelernt: BIPoC. Und bin immer noch nicht am Ende mit meinen Gedanken dazu. Konkret: wenn wir Rassismus tatsächlich bekämpfen wollen, warum benutzen wir dann immer noch Label, um Personengruppen zu kennzeichnen? Wäre es nicht viel sinnvoller, die Label endlich ganz wegzulassen? Ich weiß, dass die Frage aus mehreren Gründen naiv ist, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass die ganzen Diskussionen zum Thema an den Menschen vorbei gehen, die es eigentlich betrifft. Oder noch etwas anders formuliert, beschäftigen wir Weißen, von denen, der gängigen Definition nach, der Rassismus ausgeht uns momentan fast ausschließlich mit uns selbst, anstatt auf jene zuzugehen, die darunter zu leiden haben. Seltsam.

Ich las heute morgen auf ZON ein Interview mit Susan Arndt, in welchem Sie beklagt, dass wir uns der Stigmatisierung von BIPoC durch unsere Sprache nicht bewusst wären (true!), bzw. uns weigern würden, das Problem anzuerkennen (bedenkenswert!). Dann spricht sie davon, dass Kant und Hegel auch rassistisch gewesen seien… und da bin ich ein Stück weit ausgestiegen. Unsere heutige – aus einer langen Erkenntnis-Geschichte erwachsene -Sicht der Dinge eins zu eins auf das Verständnis von Menschen des 18. und 19. Jahrhunderts projizieren zu wollen ist – meinem innigen Wunsch nach der Gleichheit aller Menschen zum Trotze – Humbug! Natürlich waren Kant und Hegel Rassisten, weil so gut wie alle Weißen damals Rassisten waren – sie wollten es nicht besser wissen. Wenn allerdings irgend jemand dadurch deren philosophische Errungenschaften entwertet sieht, kann ich nur sagen: wie engstirnig! Denn die universale Anwendbarkeit der postulierten Prinzipien der Aufklärung ist längst erkannt. Wenn auch lange noch nicht umgesetzt…

Zweifelsfrei stigmatisiert der heutige Sprachgebrauch nach wie vor in unzulässigem Maße BIPoC. Allerdings stellt sich die Frage, ob hier nicht Wirkung und Ursache verwechselt werden? Denn die anhaltende Stigmatisierung der BIPoC entsteht nicht etwa durch den Missbrauch von Sprache, sondern der Missbrauch von Sprache ist eine mehr oder weniger direkte Folge des (auch deutschen) Kolonialismus, der BIPoC überall auf der Welt über Jahrhunderte zu Menschen zweiter Klasse erklärt und dementsprechend ausgebeutet hat und dies heute noch tut; denn wer glaubt, der Kolonialismus wäre zu Ende, sollte sich mal das Geschäftsgebaren global agierender Konzerne in Afrika ansehen. Auch der Kolonialismus wird im Artikel angesprochen, ebenso wie die absolut mangelhafte Aufarbeitung deutscher Verbrechen in Namibia (damals Deutsch-Südwest): nämlich den Genozid an den Herero und Nama. Hier besteht erheblicher Bedarf. Auch an einer vernünftigen Integration solcher Themen in den Geschichtsunterricht. Das wurde in meiner Schulzeit nicht mal im Nebensatz erwähnt, wohingegen die Kolonialverbrechen anderer Nationen durchaus unrühmliche Erwähnung fanden. Sowas nennt man selektive Wahrnehmungsgestaltung.

Es wäre hoch verkürzend, jetzt zu sagen, Frau Arndt hat Unrecht, weil sie Kant und Hegel herabwürdigt; ebenso, wie es Unsinn wäre, ihr uneingeschränkt zuzustimmen, weil wir Weißen tatsächlich bis zum heutigen Tage dazu neigen, Menschen die anders aussehen zu stigmatisieren, zu benachteiligen, ja sogar zu unterdrücken – und wir gehen dabei ziemlich Empathiefrei vor, weil es uns selbst an solchen negativen Erfahrungen mangelt. Insoweit gehe ich bei dieser Argumentation voll mit. Doch was ist die Konsequenz daraus? Geben wir einfach jedem Menschen die Chance, mal ordentlich unterdrückt und stigmatisiert zu werden? Es gibt solche Trainings, welche die Vorzeichen knallhart verändern, solche, die durch Diskussion zur Selbstreflexion anregen wollen, etc. Die Zahl der Modelle ist groß, der Erfolg jedoch schwer zu evaluieren. Einstellungsänderung ist nämlich eine komplexe Angelegenheit, die normalerweise nicht mit einem Wochenendseminar erledigt ist.

Oder wollen wir es vielleicht anders versuchen? Was mich immer wieder stört, ist die (Re-)Konstruktion dieser Dichotomie: WIR vs. DIE. SCHWARZ vs. WEISS. Natürlich kommen soziale Theoriegebäude nicht immer ohne Gegensatzpaare aus, und zwar um die Problemzonen definieren zu können. Doch die Schlüsse, welche aus den Erkenntnissen gezogen werden, führen zu oft dazu, dass man naiv versucht, an der ersten gefundenen Stellschraube zu drehen, bis etwas passiert. Oder Erkenntnisse aus einem anderen Land (USA) gefühlt sehr unreflektiert auf Deutschland übertragen zu wollen. Die Mechanismen der Benachteiligung sind nämlich mitnichten überall die gleichen. Überall gleich sind allerdings die daraus entstehenden Probleme für BIPoC: Machtlosigkeit gegenüber Behörden, schlechtere Chancen auf Bildung und Jobs, soziale Stereotypisierung, etc.

Ich glaube (das ist eine Meinung, die von Wissen unterfüttert ist, aber noch empirisch belegt werden müsste), dass wir besser daran täten, einfach alle Menschen zu sein . Und vor allem: ZUEINANDER MENSCHEN ZU SEIN! Klingt leicht, ist aber schwer. Gewiss beginnt es damit, die eigene Sprache zu überdenken, denn nicht umsonst gilt die Feder als mächtiger denn das Schwert. Sieht man an der vergiftenden Verrohung des öffentlichen Diskurses durch die AfD und ihre Nazi-Kumpane. Vor allem aber sollte man die BIPoC mal fragen, was sie denn gerne geändert sehen möchten. Sie aus der Opferrolle heraus holen, die wir Weiße ihnen mit all diesem Stigmatisierungs-Geschwafel so gönnerhaft-paternalistisch zuweisen; und damit ebenso rassistisch handeln. Ich fände es erfrischend, wenn mehr BIPoC tatsächlich empowered wären. Da würde ich auch mitarbeiten. Und ihr so…?

Tränen eines Clowns…

Bei einem Gespräch heute Abend sagte ich zur besten Ehefrau von Allen sinngemäß, dass es mir manchmal zu viel würde, der “Kümmerer” zu sein. Den ganzen Tag allen möglichen (und auch unmöglichen) Menschen bei ihren Wünschen, Ideen und Anforderungen mit Rat und Tat zur Seite stehen zu müssen, weil das eben Teil meiner Jobbeschreibung ist; auch, wenn es die nirgends in Papierform gibt. Ich bin ein Troubleshooter. Ich beseitige Barrieren und Fußangeln (auch die selbst ausgelegten), besorge Ressourcen, bringe Menschen zusammen, etc. Und bleibe dabei immer schön easy, menschlich und trotzdem professionell…. und easy… und menschlich… und professionell… und easy… und mensch . . . . . . .

ICH WILL RAUS HIER! Ich möchte manche Menschen, mit denen ich regelmäßig zu tun habe gerne mal schütteln und sie fragen, ob sie eigentlich den Knall gehört haben? Ich möchte sie fragen, warum sie denken, dass jemanden nach Jahrzehnten aus dem Betrieb zu ekeln die richtige Lösung ist? Ich will wissen, warum jemand junge, motivierte Kollegen durch Ansprache gezielt demotiviert? Ich verstehe nicht, warum man immerzu über- anstatt miteinander redet? Und warum Gossip manchmal wichtiger scheint, als ehrlich und unvoreingenommen die Motive der Anderen zu analysieren. Vielleicht käme man dann nämlich an die wahren Probleme – und zu dem Schluss, bei sich selbst anfangen zu müssen. Aber wer kehrt schon gerne vor seiner eigenen Tür?

Oh, ich habe weiß Gott meine eigenen Fehler. Ich lasse die Dinge manchmal zu locker laufen. Ich kann nämlich unter Stress ganz exzellent Probleme lösen, die ich bei besserer Vorbereitung noch exzellenter ohne Stress hätte gelöst haben können. Ich vertraue zu oft darauf, dass das gesprochene Wort im Geschäftsverkehr Gültigkeit hat. Aber ich vergesse leider auch Dinge und verärgere damit Menschen, die von mir Besseres verdient gehabt hätten. Meistens habe ich meine Affekte im Griff und kriege mein Networking gut gerissen; aber gelegentlich bemerke ich diese Dämonen in mir, die gerne mal jemanden (und wenn nur verbal) in Stücke reißen und verspeisen möchten. Die Litanei könnte noch eine Weile weitergehen, doch ich will an dieser Stelle mit folgender Bemerkung schließen: ich bin doch auch nur so ein Kerl, der sich täppisch durch sein Leben schleppt und verzweifelt versucht, es hinzukriegen…

Während ich diese Zeilen schreibe, könnte ich eigentlich glücklich sein, denn alles, wofür ich hart gearbeitet habe (und immer noch arbeite) kommt nun ziemlich rasch voran. Und doch verfolgen mich stets die Geister dessen, was ich falsch gemacht habe und raten mir, mich nicht zu früh zu freuen, lassen mich nicht gut schlafen und flüstern immerzu, dass eh alles schief gehen wird. Da gibt es Menschen, die glauben, dass ich Ihnen willentlich ein Unrecht getan habe – und ich weiß bis jetzt nicht, was ich falsch gemacht habe. Doch der Weg zurück ist versperrt. Da sind Menschen, die viel erwarten – und ich bin mir nicht sicher, allen wahrhaft gerecht werden zu können. Da sind Menschen, die ich in meinem Stress vernachlässige – und ich fürchte, damit irreparablen Schaden an meinem echten Leben anzurichten. Schließlich sind da die Menschen, die mir helfen wollen – und ich weiß, dass ich ihnen manchmal falsch begegne, weil ich ihre Motive falsch interpretiere, nein, gar falsch interpretieren will.

Ich kann all das reflektieren, während es in meinem Hinterkopf immerzu schreit “LAUF WEG! LASS ALLES HINTER DIR! KÜMMER DICH UM DICH SELBST!” Wenn ich doch nur wüsste, wie das geht und wohin ich laufen sollte. Denn im Grunde meines Herzens bin ich in vielerlei Hinsicht glücklich, da zu sein, wo ich nun bin. Nur lässt mein schwarzer Hund mich das manchmal vergessen. Und er ist wieder mal zu Besuch. Im Moment liegt er in der Ecke und schaut mich nur an. Doch ich weiß, dass ich etwas dagegen unternehmen muss, sonst nimmt er mich an die Leine! Dies hier zu schreiben ist eines der Dinge, die ich dagegen tun kann. Die anderen Dinge mache ich mit meinen Lieben ab. Doch falls irgendjemand sich von meiner manchmal überdreht-lustigen Benutzeroberfläche täuschen lässt: beim Clown sind die Tränen aufgemalt – bei mir ist es oft das Lächeln… Gute Nacht.

Fresh from Absurdistan N°18 – Endlich mal raus!

Du kannst nicht nur zu Hause hocken und, trüben Gedanken nachjagend, ewig auf diese dämlich-kleinen Displays glotzen – in der trügerischen Hoffnung, dass irgendjemand die Pandemie JETZT für beendet erklärt. Egal, ob man mit den Maßnahmen insgesamt d’accord geht, oder nicht, ab und an muss man raus, also haben wir uns was angeschaut, dass wir, obschon es absolut in der Nähe liegt schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr angeschaut haben: die Hinterburg und die Burg Schadeck (auch bekannt als “Schwalbennest”) in Neckarsteinach. Hach, was war des schee… 😉

The italian tales n°10

TSCHAKKA! Ich hocke im Garten vor dem Appartamento, höre Musik und haue in die Tasten. Noise Cancelling Kopfhörer haben den Vorteil, dass man sich auf die Art von Beschallung konzentrieren kann, die man wünscht. Ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt habe, aber neben Metal, Punk, Crossover, Industrial, etc. höre ich auch sehr gerne – TADA! – 80s Wave, Synthpop und so’n Kram. Könnte an meinem Geburtsjahr liegen. Oder einfach daran, dass, zumindest gefühlt, kontemporäre Künstler vor allem recyceln, was andere vor ihn schufen. Oder ich bin einfach ein Snob, dem man nix recht machen kann. Sucht’s euch aus.

Eigentlich versuche ich mich gerade in Stimmung zu bringen, um dem Ende meines aktuellen Solo-Buchprojektes näher kommen zu können. Es ist alles da. Das Storyboard ist nachgeschliffen. Die Protagonisten funktionieren, eine erste echte Klimax hat, zumindest aus meiner Sicht, den richtigen Drive. Die Situation ist kritisch, für alle alles in der Schwebe – an Spannung sollte also auch kein Mangel herrschen. Die Figuren sind aufgestellt und alles bereit, um Schach zu bieten. Und doch… nagt der Zweifel, ob es auch für ein Matt reichen wird. Auf Seite 260 von geplanten 340-350.

Ich habe das letzte Mal ernsthaft ungefähr Ende Juni dran arbeiten können und auch mit dem Abstand von fast sieben Wochen bin ich mit meiner Schreibe sehr zufrieden. Oft ist es so; man weiß, wohin der Zug fahren soll, aber irgendwie fließt das Mana nicht. Ich hatte ehrlich gesagt auch keine großen Hoffnungen gehegt, im Urlaub groß voran zu kommen. Vielleicht, weil man andere Dinge zu tun hat. Familie, Pool, Ausflüge, knipsen, selbst was lesen und schließlich Bloggen, was das Zeug hält. Und um eine längere Geschichte zu schreiben, braucht es vor allem zwei Dinge Ruhe und Zeit. Ich kann mich bei so viel Ablenkung nicht auf meine Figuren konzentrieren, in meiner eigenen Story versinken, das vor Augen sehen, was ich in dem Moment (be)schreibe und gleichzeitig alle Handlungs-Stränge zu einem ansehnlichen Stoff verweben.

Es mag Autoren geben, die per Copy/Paste ganze Welten erstehen lassen; wenngleich diese dann auch oft etwas beliebig und blass erscheinen mögen. Ich mag meine Welt! Ich habe eine groß angelegt Pen&Paper-Kampagne auf der Basis laufen, für die ich eigens eine Modifikation meines eigenen Regelwerkes geschrieben habe. Und ich will mehr als eine Geschichte erzählen, ohne dass es sich dabei anfühlt, als wenn ich selbst alles recyceln würde (=> kontemporäre Musik und Pop-Literatur sind sich da ähnlich). Ich habe also hochfliegende Pläne und die will ich mir nicht mit einem beschissenen Debut-Roman versauen. Ist also auch ein bisschen (selbst erzeugter) Druck dahinter.

Immerhin: ich habe nicht nur das Storyboard modifiziert sondern bei der Gelegenheit auch gleich noch das für den nächsten Story-Arc meiner Kampagne entwickelt. Believe it, or not: während ich bei meinem Buch-Projekt voll digital arbeite, finden sich meine Game-Notizen in einem verdammt altmodischen, in schwarzes Leder gebundenen Moleskine. Weil gelebte Ambivalenz und kleine Anachronismen mich immer wieder auf’s Neue zum Umdenken zwingen. Portierbarkeit ist dabei durchaus gelegentlich ein Problem. Was mich auch zu etwas zwingt: nämlich ein und dieselbe Sache von mehr als einem Blickwinkel aus zu betrachten. Manchmal kommt dabei durchaus Spannendes zu Tage. Manchmal könnte ich auch kotzen, wenn ein rein digital entstandener Absatz durch meine eigene Ungeschicklichkeit im Nirvana verschwindet. Wer weiß, wofür es manchmal schon gut war…

Ich habe also das eine oder andere, worauf ich mich freuen kann, wenn ich wieder nach Hause komme, was (leider) in wenigen Tagen der Fall sein wird. Aber die Zeit, sie bleibt halt nie stehen. Auch nicht, wenn’s schöner wäre. Besonders dann nicht. Ob ich mich noch mal mit einer italienischen Geschichte melde, weiß ich noch nicht. In jedem Fall habe ich eine Menge zum Erzählen in meinem Kopf und Herzen. Und nicht alles davon passt in meine Romane, oder mein Blog. Buona notte!

The italian tales n°3 – kratzt mich das?

Jetzt mal Butter bei die Fisch! Ja, Politik ist relevant! Ja, Engagement ist relevant! Ja, selbst etwas tun ist relevant! Bin heute morgen im Fratzenbuch (Selbsterkenntnis: kuck dir im Urlaub nicht so viel Scheiße von anderen Leuten an!) über einen Kommentar gestolpert: Eckart von Hirschhausen hat Joko Winterscheidt geteilt, der sozusagen zum Generalstreik als Unterstützung für die Fridays for Future (FfF) aufruft. Und sinngemäß schrieb jemand darunter, dass er doch nicht für die CO2-Steuer streiken gehen würde, die ihn dann Geld kostet. Bitte wasch mich, aber mach mich nicht nass!

Bullshit! Eigentlich sollte ich mich nicht darüber aufregen, denn ich vermute, dass diese Person an soziale Härten durch die CO2-Steuer gedacht hat und der aktuellen Bundesregierung (irgendwie mit gutem Grund) die handwerklichen Fertigkeiten nicht zutraut, ein solches Gesetz gerecht umzusetzen UND damit auch noch den Umwelt- und Klimaschutz zu stärken. Allerdings werden Gesetze nicht von Ministern sondern von Referenten geschrieben, die in aller Regel wesentlich mehr Ahnung von der Materie haben, als das (oft unnötige) Aushängeschild vorne an der Abteilung.

Man könnte jetzt einwenden, dass die Lobbyisten sicher auch noch ihr Teil dazu beitragen werden, dass am Ende wieder nur Käse rauskommt, der die Bürger belastet und die Industrie weiter ungestraft ihr Ding machen lässt, damit Arme ärmer und Reiche reicher werden können: d’accord, diese Gefahr besteht in der Mammon-Kratie BRD natürlich immer. Doch in dieses Horn zu stoßen bedeutet, dass man nur einen Schritt davor steht, irgendwelchen Populisten auf den Leim zu gehen und seinen Denkapparat an der Garderobe des Internets abzugeben – damit der Concierge des dumpfen Hasses und der Rattenfängerei diesen direkt neben das lange abgestreifte Gewissen hängen kann…

Eigentlich sollte mir das egal sein, denn ich bin im Urlaub. Deutschland ist so weit weg, diese Menschen sind soweit weg, die Sorgen und Probleme sind soweit weg. Das müssen sie auch sein, damit ich mich irgendwann demnächst wieder mit voller Kraft damit beschäftigen kann, ohne mir gleich einen Strick kaufen zu müssen, weil ich von lauter Arschlöchern umgeben bin. Die vorgenannten Mitmenschoiden kann ich leider nur in geringer Zahl davon überzeugen, sich, bzw. ihre Denke zu ändern. Aber es tut mir selbst gut, es versucht zu haben.

Und das gilt eben auch für den kleinen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, den zu leisten ich in der Lage bin: Müllvermeidung, Mülltrennung / Recycling / Upcycling, regionale Einkäufe, möglichst viele Wege ohne Auto, Energie sparen, nicht fliegen, etc. Ich stehe dazu, mit dem Auto hierher gereist zu sein, weil es der Gattin und den Kindern (und nebenbei auch meiner wunden Seele) schwer zu verkaufen gewesen wäre, aus Gründen der Selbstkasteiung auch noch darauf zu verzichten. Die Toskana ist und bleibt ein Sehnsuchtsort, der uns allen gut tut.

Doch mein Gewissen scheint mich dennoch zu plagen und so hat mich diese Herabwürdigung einer guten Idee – nämlich für die eigene Zukunft und die meiner Kinder auch noch tatkräftiger einstehen zu wollen – in mehrerlei Hinsicht beleidigt. Der Kommentar war beileibe nicht der einzige negative, aber er stand ganz oben, also nahm ich ihn als Exempel. Ich habe mir dann nur noch einen kleinen Teil der anderen Wortmeldungen angesehen, bevor ich eine Replik drein gab, die meinem Unmut Ausdruck verleihen sollte.

Und um diesen, nach wie vor bestehenden, Unmut noch einmal zu klarifizieren: Auch im Urlaub kratzt es mich, wenn Menschen es nicht verstehen wollen, das wir etwas von unserer Lebensweise, unserem Reichtum, unseren Gewohnheiten hergeben müssen, wenn’s irgendwie weitergehen soll – insbesondere für die nachfolgenden Generationen. In diesem Sinne – einen schönen Tag noch.

Me, Self and I #08 – allzu beheimatet?

Manchmal schaut man in den Spiegel und fragt sich insgeheim, wer das wohl sein mag, der einen da anschaut. Keine Sorge, ich werde nicht langsam schizophren. Jedoch lässt sich schwer verleugnen, dass man sich angesichts der vielen Fragen zu allen möglichen Belangen des Daseins manchmal erst neu erden muss, bevor man weiter machen kann. Doch was erdet einen wirklich? Was bedeutet erden überhaupt? Rein technisch ist die Frage einfach zu beantworten, doch ich will mich natürlich mit dem psychologischen Aspekt befassen.

Übersetzt man es als Ableiten überschüssiger Energie, die wir in diesem Kontext mal als Stress denken wollen, bedeutet Erden aus menschlicher Sicht, festen Boden zu finden, auf dem sich Entscheidungen treffen lassen, weil man weiß, wer man ist und wo man hin will. Ein Zustand, um den vermutlich die allermeisten Menschen in unserer modernen ersten Welt immer wieder zu ringen haben. In einer partikularisierten Welt voller Optionen ist es nämlich oft gar nicht so einfach, zu wissen, was man will. Oder wer man eigentlich ist (bzw. sein möchte)?

Diesen sicheren Grund, den ich immer wieder mit mir selbst und denen, die mir wichtig sind aushandeln muss – den nenne ich Heimat. Mir ist bewusst, dass zu Heimat auch ein Gefühl der Vertrautheit, ein Wissen um das Funktionieren der Infrastruktur und ein Bewusstsein für die eigene Geschichte gehören. Doch all das bildet nur den Rahmen für mein eigenes Bild von der Realität. Das Bild, dass ich mir von meiner Heimat mache, kann von den Rahmenbedingungen ein Stück weit geprägt werden; ich muss es jedoch nicht davon bestimmen lassen. Denn so, wie mein Leben im Fluss ist, ist dies auch meine Heimat. Mich heimisch zu fühlen, dazu bedarf es neben der Vertrautheit (also zu spüren, dass hier andere wie ich sind) der Möglichkeit zur Verständigung (Die ist Teil von funktionierender Infrastruktur). Und hier beginnt – weil das vielen Menschen so geht – schon die Ebene der Probleme.

Was könnte man dann anfangen zu denken?

Zum Beispiel das hier: Er ist neu hier. Er sieht anders aus als ich. Er beherrscht meine Sprache nicht; oder zumindest nicht gut. Er ist fremd hier. Also ein Fremdkörper. Das bereitet mir Unwohlsein, weil es meinen sicheren Grund in Frage stellt. Denn, wenn viele von denen herkommen, ist es nicht mehr MEIN sicherer Grund, sondern es wird zu DEREN sicherem Grund und ich muss mir einen neuen suchen. Was ich nicht will. Außerdem haben die auch ganz andere Gebräuche (wiederum Teile von psychischer Infrastruktur). Die bedrohen mich, also müssen die weg!

Was könnte man stattdessen anfangen zu denken?

Nun, der ist neu hier und das funktioniert so nicht richtig. Er muss erst mal die Sprache und die hier üblichen Gebräuche lernen. Kann sein, dass er dann immer noch fremd wirkt, aber trotzdem reinpasst. Kann auch sein, dass das nix wird und er wieder dahin zurückgehen muss, wo er herkam. Sofern es da halbwegs sicher ist. Man kann, nein muss darüber diskutieren, wie sehr er sich den Gebräuchen anzupassen hat (bei Recht und Gesetz gibt es da allerdings keinen Spielraum); aber wenn er das schafft, soll er hier willkommen sein und sich in seiner neuen Heimat einrichten.

Einziger Unterschied zwischen den beiden Beispielen ist das Mindset des Betrachters. Über viele Dinge, wie etwa die Notwendigkeit, unsere Gesetze zu respektieren müssen wir gar nicht zu streiten. Doch was Heimat IST, definiert jeder für sich selbst. Und wie er mit seiner Heimat interagiert auch. Deshalb von vornherein ausschließen zu wollen, dass jemand von ganz woanders hier heimisch werden könnte, ist schlicht naiv. Wir Menschen sind verdammt anpassungsfähig, wenn es um das Überleben geht. Und bei so manchem ist das der Fall. Ob unser Staat die zusätzlichen Bürger integrieren kann, hängt von vielen Faktoren ab; strikte Ablehnung macht daraus allerdings eine selbst erfüllende Prophezeiung, so wie bei den sogenannten “Gastarbeitern”.

Letzten Endes wird es immer Streit darum geben, ob jemand von ganz woanders in MEINE Heimat passt, passen kann, oder nicht. Diesen Streit jedoch nur entlang ideologischer Dogmen zu führen, die reinen Befindlichkeiten entspringen, greift meines Erachtens zu kurz. Für mich ist Heimat ein multidimensionaler Begriff, dessen Rahmenbedingungen oft nur wenig mit meiner subjektiven Realität zu tun haben. Wenn ein Heimatminister also eine reale Aufgabe haben kann, dann die, diese Rahmenbedingungen für alle Menschen so zu gestalten, dass daraus ein individuelles Heimatgefühl erwachsen kann. Also Integrations-Hindernisse abzubauen. Sowohl für In- als auch für Ausländer. In diesem Sinne, noch einen schönen Tag, Her Seehofer…

Auch zum Hören…

Ach ja, Weihnachten…

Allen Klischees von der wenig harmonischen Familienfeier zum Trotz scheint dieses Jahr die Adventszeit meiner mentalen Gesundheit zuträglich zu sein. Man kennt mich ja eher als sarkastischen Beobachter des Christfestes, aber steigendes Lebensalter scheint mich empfänglicher für die positiven Schwingungen der hohen Festtage zu machen. Es könnte aber auch daran liegen, dass Kinder den Blick auf die Dinge nach und nach verändern. Wo ich einerseits unduldsamer gegenüber der Blödheit vieler Mitmenschoiden geworden bin (und immer noch werde) habe ich andererseits mittlerweile eine gewisse Empfänglichkeit für die eher sentimentalen Dinge des Lebens entwickelt. Ob das nun eine Schutzfunktion meines Hirns gegen den ganzen kommunikativen Müll ist, oder Einbildung ist eigentlich Wumpe; Hauptsache, ich werde nicht zu lasch zu den ganzen Idioten da draußen, oder 😉

Es ist eigentlich nicht mein Stil, aber ich wünsche allen da draußen halbwegs friedvolle Adventstage und wahrhaft frohe Weihnachten. wir sehen/hören uns.