Bienvenue en Alsace N°1 – Alleinsam?

Alle paar Jahre, wenn mein chronisches Leiden mal wieder zu sehr drückt, schickt mich die beste Ehefrau von allen weg. Oder besser gesagt, sie duldet es, dass ich mich selbst wegschicke, weil ich bemerkt habe, dass es echt nicht mehr geht. Manchmal bemerkt sie das auch als erste – und ich bekomme das dann deutlich mitgeteilt. Dass der diesmal dazu halbwegs kurzfristig (vor ca. 2,5 Monaten) ausersehene Termin ausgerechnet mit einem Ereignis zusammenfällt, das unter dem Aspekt „nicht mehr können“ eine tragische Brisanz hat, konnte keiner kommen sehen. Und nun war’s zu spät, Pläne noch umzuwerfen. Auch, weil es einen Haufen Geld gekostet hätte, den ich nur ungern hätte abschreiben müssen. No-Show/Storno kostet halt im Gastgewerbe. Nun bin ich also hier (im Elsass) und kann den Fallout aus der Ferne rieseln sehen. Und wisst ihr was – mittlerweile ist es mir egal. Nur dass wir uns nicht falsch verstehen: die Person um die es ging/geht, ist/war mir nicht egal – wohl aber einige andere Personen und Dinge, die im Windschatten des einen Ereignisses nun geschehen. Aber ich kann das ignorieren solange die Protagonisten irgendwann verstehen, dass man manche Dinge einfach NICHT tun oder sagen kann. Aber das werden sie schon… Ergo: Schwamm drüber für’s Erste, denn ich muss mich genau JETZT um mich selbst kümmern. Tun nämlich sonst nur sehr wenige Andere – z. B. die beste Ehefrau von Allen!

Blick vom Ballond ‚Alsace

Passenderweise finden mich, jedes Mal, wenn ich über ein spezielles Thema sehr intensiv nachdenke, Artikel, Youtube-Videos, etc. wie von Geisterhand; dieser Tage etwa waren da zuerst zwei Artikel auf ZON, die sich mit der Diskussion um Alleine vs. Einsam sein und der Frage befassten, ob tatsächlich so viele (vor allem junge) Menschen in Deutschland von Einsamkeit so sehr bedroht sind, dass die Politik Handlungsbedarf hat. Zuallererst denke ich Folgendes: die Politik hat mit Bezug auf eine Neuorganisation des Gesundheitswesens, die Besserstellung seiner Mitarbeiter zur Verbesserung der Attraktivität dieser Berufe und einem Abstellen des Sparwahns (es droht DIE SCHWARZE NULL) schon mehr als genug zu tun. Stellt ihr das alles ab, habt ihr vielen (jungen) Menschen eine Perspektive gegeben, dann drückt das Alleinsein auch nicht mehr so. Und was die SCHWARZE NULL angeht – damit ist nicht nur die Schuldenbremse gemeint, sondern auch dieser sonderbare Sauerländer, der meint als Millionär sei man Mittelstand. Der ist auch keine Kunst, der kann weg! Bleibt also die Frage nach dem persönlichen Empfinden von Einsamkeit. Ich nehme als Beispiel mal die Eremiten her, die sich (früher zumeist aus religiöser Überzeugung, heute auch aus anderen Gründen) in selbstgewählte Einsamkeit zurückziehen. Davon gibt es nicht viele, weil es nicht viele Menschen gibt, die dieses Lebensmodell attraktiv finden. Daraus jetzt zu schließen, dass die meisten Menschen an Einsamkeit krank werden müssten, ist genauso großer Käse, weil es z. B, introvertierte und extrovertierte, aber auch mehr oder weniger empfindsame Menschen gibt. Und jetzt…?

Ich denke, dass man die Frage nach „nur alleine aus Gründen“ oder „schon pathologisch einsam“ nur aus einer sehr persönlichen Perspektive klären kann – und dass diese Perspektive die Politik einen Scheiß angeht! Denn das Einzige Movens, dass ich hier im öffentlichen Diskurs zu erkennen vermag, ist die Gesunderhaltung des Volkes zum Zwecke der Erhaltung möglichst günstiger Arbeitskraft für die Wirtschaftslobby. Jemand der nicht so einsam ist, dass es ihn/sie psychisch krank macht, hat weniger Krankenfehltage und ist folglich für seinen Arbeitgeber produktiver, was sich auch auf die Summe des Bruttoinlandsproduktes positiv auswirkt => man kann schöne Kennzahlen vorstellen und alle klopfen sich auf die Schulter. Nur nicht jene Menschen, die um den Willen des kapitalistischen Systems pathologisiert werden. Dazu gleich mehr. Aber schaut euch doch mal die Konjunktur an, die Artikel gegen Alkohol, Cannabis, Tabak, andere Genussmittel im Allgemeinen oder auch gerne eine als ungesund bezeichnete Ernährung heutzutage haben. Man kann gerne darüber diskutieren, welchen dieser Lastern zu fröhnen man vielleicht besser bleiben lassen sollte, um der eigenen Gesundheit und Lebenserwartung Willen. Aber jedesmal kommen Idioten aus allen Ecken gekrochen und fangen an, über „solidarisierte Kosten“ zu schwadronieren, etwa weil dicke Menschen das Gesundheitssystem im Median mehr kosten. Dabei wird dann immer gerne ausgeblendet, welche unnötigen Risiken man selbst in Kauf nimmt… Kann man endlos weiterführen, bringt aber niemanden irgendwohin

Menschen, deren Wahrnehmung anders funktioniert (Neurodivergente, also etwa Menschen mit ADS/ADHS, Störungen aus dem Autismus-Spektrum, etc.), deren Denken anders funktioniert (Beeinträchtigte, aber auch höher und hoch Begabte) und jene mit verschiedenen chronischen psychischen Erkrankungen werden stets als pathologische Störfaktoren der Gesellschaft gebrandmarkt, weil sie sich nicht so leicht FUNKTIONAL einpassen lassen, wie Otto und Ilse von Gegenüber. Mit der Folge, dass ihr ganzes individuelles Sein jeweils auf die vermeintliche Abweichung reduziert wird, wobei oft genug aus dem Blick gerät, was diese Menschen alles für die Gesellschaft leisten können. Um es mal ganz platt mit Controlling-Sprech auszudrücken: man deklariert sie zu Cost-Centern, obwohl sie sehr wohl Profit-Center sein könnten, ganz oft aber einfach eine ausgeglichene Bilanz tragen… Aber in der Politik geht es nicht um Menschen, nie um individuelle Schicksale (außer, diese lassen sich für die eigene Agenda nutzen, siehe den Polizistenmord in Mannheim), oder um die Möglichkeit, Ausgleich zu schaffen, wenn dieser gebraucht wird und Leistung abzurufen, wann und wo sie verfügbar ist. Es geht ganz platt um Kennzahlen: Wachstum (das goldene Kalb unseres Wirtschaftens ), Inflation, Zinsen. Immer nur um die eine Seite des Menschseins, nämlich die fiskalische. Dass das ganze Soziale auch essentiell und existenziell ist, spielt da keine Geige.

Und was mache ICH nun daraus? Ja Blogposts halt, nich. Ne, mal im Ernst, ich sitze hier auf dem kleinen Balkönchen meines Gîte, hacke in die Tasten, genieße den milden Abend und habe Zeit, allein zu sein um zu schauen, zu lesen, zu denken, zu schreiben. Ich habe Zeit, über Entscheidungen nachzudenken, ohne dass dauernd jemand reinplatzt, reinschwätzt, reinmanipluliert. Und ich komme zu einer analytischen Tiefe, die sonst im Tagesgeschäft zu oft verloren geht. Aber ich kann auch einfach sein; ohne Ziel, ohne Zweck, ohne Hast, ohne Last. Und ich genieße das. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen. Auf jeden Fall noch einen Post über Zwecke. Da habe ich Lust drauf. Einstweilen – schönen Abend.

Auch als Podcast…

New Work N°16 – work ethics…?

Man liest, so ungefähr seit Anbeginn der Pandemie im Frühjahr 2020 immer wieder etwas über die Themen „Home-Office“, „Work-Life-Blance“, „4-Tage-Woche“, „Renteneintritt“ usw. Und je nachdem, WER sich da gerade äußert, ist die andere Meinung Teufelswerk. Ich habe ja schon öfter gesagt, dass es total nice wäre, WENN IHR ENDLICH MAL MIT EUREM EGO-GETRIEBENEN DOGMATISMUS AUFHÖREN KÖNNTET, IHR VERF*****N A*******GEN! Ach es ist so wunderbar; manche behaupten, nachweisen zu können, das Home-Office die Produktivität steigert, andere, dass es sie senkt. Manche sagen, dass weniger Wochen- bzw. Lebens-Arbeitszeit den Gesamtwohlstand unserer Landes bedrohen würden, andere sagen jedoch, dass wir das mit gesteigerter Produktivität locker wieder reinkriegen würden. Was ist denn nun wahr? Sagen wir mal so – nichts davon wirklich vollkommen und ebenso nichts davon wirklich vollkommen nicht. Das wahre Problem dabei ist, dass auf dem Marktplatz der Interessen und Meinungen jene seit jeher ein größereres Gewicht genießen, die von so genannten „Elitenvertretern“ geäußert werden – also Menschen, die hinreichend viel Geld und/oder Macht haben, Meinungen zu kaufen, die ihren Wohlstand und ihre Macht schützen. Denn Macht ist ein autopoietisches System und versucht sich daher selbst zu erhalten. Die ganze öffentliche Debatte ist also weitgehend nutzlos, weil man entweder die eine oder die andere Seite schreien hört. Ausgewogene Berichte, Ideen und Meinungen? Weitestgehend Fehlanzeige…!

Ich las (leider auf ZON hinter der Bezahlschranke, sorry) einen Artikel, in dem vier recht junge Menschen (zwischen 21 und 26) von ihrem Einstieg ins Berufsleben, dem Clash mit der 40h-Woche und der Enttäuschung über den Verlust an subjektiver Freiheit berichten. Und natürlich von der daraus resultierenden Bereitschaft, relativ schnell den Job/Arbeitgeber zu wechseln, in der Hoffnung, dass es doch woanders schöner, chilliger, einfacher, weniger anstrengend, etc sein muss. Wer sagt es Ihnen…? Blödsinn beiseite hat der Umgang mit der eigenen abhängigen Lohnarbeit etwas mit psychologischem Framing zu tun, mit Geduld, mit Verantwortungs-Bewusstsein, mit Genügsamkeit und letzten Endes auch mit der Zurücknahme des eigenen EGOs. Insbesondere, wenn Teamwork gefragt ist. [EXKURS: Notfallsanitäter*innen glauben von sich, sie seien hoch teamfähig. Das ist eine Illusion, denn sie bilden lediglich kurzfristig (tageweise) Arbeitsgruppen, um unter Druck ebenso kurzfristige Ergebnisse für die Patienten zu erzielen. In der Theorie zumindest, denn in der Realität sind nicht wenige von ihnen eher damit beschäftigt, sich fortwährend einen auf ihr Blaulicht-Ego runterzuholen; vollkommen egal, ob Männlein, Weiblein, oder Diverslein! Das Einzige, was sie dabei hinkriegen, ist für kurze Phasen ihr EGO an die Kette zu legen, damit es so aussieht wie Teamarbeit… EXKURS ENDE] Auch, wenn der Absatz in der Wahrnehmung mancher so begonnen haben mag: das hier ist kein wohlfeiles Gen-Z-Bashing, sondern der Hinweis darauf, dass JEDE GOTTVERDAMMTE GENERATION erst einmal lernen muss, sich mit den (sehr realen) Zwängen des Arbeitslebens zu arrangieren. Daran hat sich seit der Antike wenig geändert. Was sich jedoch geändert hat, sind die Bedingungen, zu denen eben diese Zwänge u.U. verhandelbar sind. Und die jungen Leute nehmen diese Chance auch aktiv wahr!

Aus Gen-Xern wie mir spricht da manchmal einfach der blanke Neid, dass WIR diese Chance nicht hatten, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass wir sie ebenso ergriffen und uns unsere Nische etwas bequemer gemacht hätten. Ich nehme die jungen Leute heute auch nicht als weniger leistungsbereit oder belastbar wahr; sie sind jedoch – zumindest teilweise – viel kritischer, als viele meiner Altersgenossen dies jemals waren. Kommen wir also zum Anfang zurück; oder besser zur Frage nach dem eigenen Arbeitsethos und dem Umgang mit den eben angesprochenen Zwängen. Wie etwa, xx Stunden pro Woche an einem bestimmten Ort anwesend sein zu müssen (außer man ist krank, oder hat Urlaub), dort auch noch Dinge tun zu müssen, die jemand anders für einen bestimmt und sich an verschiedene Verhaltensregeln halten zu müssen. Ich sage es mal so: am Anfang stand die Berufswahl, und die ist in Deutschland laut Art. 12 GG eine persönliche Entscheidung! Also chillt mal alle eure Base und kommt klar! Es heißt „Arbeit“ und die verbraucht in jeder physikalischen Betrachtung Energie. Ihr gebt also eure Energie für das Geld, dass man euch zahlt. Fun Fact: es ist erneuerbare Energie und sie erneuert sich tatsächlich von selbst, wenn ihr ein bisschen nett zu eurem Körper seid. Sozialen Zwängen ist man überall unterworfen, nicht nur bei der Arbeit. Oder randaliert ihr in der Straßenbahn, pisst beim Fußball eurem Banknachbarn ins Bier, jagt eure Familie mit dem Auto, schlagt euren Hund und zündet den Stadtwald an…? Wenn die Arbeitsstelle und der Arbeitnehmer nicht zusammenpassen, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ein Wechsel zumindest erwogen werden muss – egal, in welchem Lebensalter. Jetzt könnte jemand sagen „Ja, aber uns Alte will doch niemand mehr haben!“. Wenn das wirklich der Fall ist, ist allerdings zumeist vorher schon so einiges schief gelaufen. Und jeder Personaler, der auch nur ein bisschen Grips im Kopf hat, weiß, dass Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist, außer durch mehr Erfahrung.

Ob wir tatsächlich so viele Arbeitsstunden brauchen, wie speziell die neoliberalen Politiker derzeit überall gerne behaupten, hängt von der Art und Organisation der jeweiligen Arbeit ab. Manche braucht Ruhe, andere Action, manche ist körperlich (und lässt einen u.U. physisch vor der Zeit altern), andere eher kognitiv, manche braucht Präsenz, widerum andere lässt sich remote erledigen, manche erfordert eine intensive Ausbildung, andere nur ein kurzes Anlernen. So vielfältig wie Menschen, das Leben, unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt sind, so vielfältig sind auch die Anforderungen an unser berufliches Handeln. Und trotzdem gibt es eine Menge Leute (insbesondere so Typen, wie Arbeitgeberpräsidenten), die glauben, alles und jeden in Schablonen pressen zu können. Ich glaube, es täte der Debatte und uns allen gut, wenn man sich einfach kollektiv folgender dreier Tatsachen erinnern könnte:

1) Wissenschaftlicher und technischer Fortschritt erzeugen eine Dynamik, die althergebrachte Arbeitsformen und -modelle nach und nach obsolet macht. Die Dynamik gesellschaftlicher Veränderungsprozesse braucht daher eine äquivalente Antwort im Handeln der Arbeitgeber.

2) Wir haben abseits produzierender Gewerke immer noch keine guten Modelle, mit denen sich die Produktivität kognitiver und kreativer Arbeit sauber bewerten lässt. Diese Frage MUSS ebenso geklärt werden, wie der Wert von Care-Arbeit.

3) Unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem produziert eine weiterhin unnötig große soziale Ungleichheit. Erwerbsloses Einkommen aus Kapitalerträgen muss mindestens äquivalent zum Erwerbseinkommen aus unselbstständiger Arbeit besteuert werden.

Was der Satz „Arbeit muss sich (wieder) lohnen!“ tatsächlich bedeutet, muss jede*r für sich selbst entscheiden. Was er NICHT bedeuten kann ist „weiter so“. Menschen vorzuwerfen, sie würden zu wenig arbeiten, während man sich an ihrer Produktivität in unzulässigem Maße bereichert, ist ASOZIAL SCHEISSE vom Feinsten. Und was machen meine Mitmenschoiden: bezeichnen andere als Schlafschafe, während sie selbst die dämlichen Schafe sind, die jenen Wolf zu ihrem Schäfer wählen wollen, der sie fressen wird. Und das nur, weil er verspricht, dass alles so bleibt, wie es ist. Was es nicht sein wird, weil es nicht mehr sein kann! Der Wandel ist da. Unsere einzige Chance ist, jetzt selbst in die Hand zu nehmen, diesen aktiv mitzugestalten. Geht wählen ihr Pappnasen; und zwar NICHT die AfD, die CDU oder die FDP. Es sei denn ihr seid Unternehmer und habt schon ein paar Mio. auf dem Konto. Dann habt ihr natürlich kein Interesse mehr am Wandel. Alle anderen sollten dieses Interesse haben. Rohe Pfingsten, ihr lustigen…

Auch als Podcast…

Happy Uplifting a.k.a. „Vatertag“…

Ich erblickte dieser Tage auf dem Wochenblattkalender „Erbauliche blöde Sprüche 2024“, welchen die beste Ehefrau von allen mir zum letzten „Sol Invictus“ – sorry, ich meinte natürlich „Weihnachten“ – vermacht hat folgendes: ES KOMMT OFT ANDERS, WENN MAN DENKT! Tja… kommt schon hin. Immer wieder passieren diese „hold-my-beer!“-Dinger, bei deren Beschreibung man sich fragen muss, wie viel Schlimmes ein einziges Kondom hätte verhindern können; insbesondere bei Kerlen. Passend dazu sah ich heute einen Beitrag über männliche Selbstüberschätzung und den Umstand, dass es eben vor allem Kerle sind, die ihr eigene Potenz in jeglicher Hinsicht maßlos überschätzen. Natürlich füllte sich die Kommentarspalte dann auch sofort mit diesen „Ohne männlichen Forscherdrang säßen wir heute noch in Höhlen“-Buddies, die den Unterschied zwischen NEUGIER und SELBST-ÜBERSCHÄTZUNG nicht mal dann verstehen würden, wenn man ihnen das mit einer von phönizischen Steinmetzen handgedrechselten Stele in ihren schlaffen Leib prügeln würde. Ja, ja Jungs, Gott weiß alles, Ihr wisst alles besser, schon klar – jetzt geht brav mit den Zwiebeln spielen, während die Erwachsenen euch euer Digitalspielzeig für den Rest des Tages wegnehmen. Echt, ich kann dieses typisch männliche EGO-Gehabe nicht mehr ab. What separates the boys from the men? Sicher kein Parfüm, aber die Weisheit, öfter mal einfach die Fresse zu halten, wenn es nix zu sagen gibt, dass der Sache dienlich ist, sondern nur dem eigenen Geltungsbedürfnis. By the way: manche boys sind 50+…

Ich habe dieser Tage eine nice Achterbahnfahrt erlebt und bin momentan schon wieder auf verschiedene Arten gefordert. Da ist es doch ganz gut, dass ich ein paar Tage am Stück Energie tanken darf, bevor es wieder richtig zur Sache geht, nicht wahr. Ich bin eines dieser faulen Schweine, die sich einen „Brückentag“ gönnen; einfach weil ich den brauche. Egal. Neue Story: ich kam gestern erst recht spät vom letzten Videocall ins Privatleben zurück und habe erst mal nach der kleineren Tochter gesehen. Die braucht im Moment etwas mehr Aufmerksamkeit, die ich leider nicht immer gebe(n kann?). Deshalb war es ein besonderer Moment. Dieser mündete darin, dass ich eine selbsterfundene Gutenacht-Geschichte mit ein paar ihrer (meiner…?) Lieblingskuscheltieren als Protagonisten erzählt habe… bis mir die Ideen ausgingen! Woraufhin sie prompt die beste Ehefrau von allen mit der gleichen Aufgabe behelligte. Der Gesichtsausdruck meiner Gattin war unbezahlbar und ich konnte nur schulterzuckend erwidern „…meine Schuld, ich hab‘ sie auf den Geschmack gebracht“. Die Moral von der Geschicht – leicht ist das Vatersein selten bis nicht! Ich habe seit jeher ein ambivalentes Verhältnis zum Vatertag: erstens sehe ich nicht ein, warum man lautstark mit einem Bollerwagen durch den Wald ziehen muss, bis man bier-/schnapsselig den Geist aufgibt und dann vom RTW abgeholt werden muss; das hat mich aus beruflicher Sicht immer brutal angekotzt. Zweitens sind viele der Teilnehmer überhaupt keine Väter und drittens müsste man als Vater erst mal seine Pflichten getan haben, bevor man sein Vatersein feiern darf; diesbezüglich ist noch VIEL Luft nach oben. Dennoch ging ich heute so meine paar Kilometer am Rhein entlang, damit ich durch meinem „supergesunden“ Lebenswandel nicht vollkommen platze und bemerkte wieder diese Mattigkeit, die mich letzthin häufig befällt, wenn da zu viele andere Menschen sind. Immerhin blieb ich von „VÄTERN“ und BOOMBOXEN verschont.

Was ist Vater-Sein? Ich weiß es nicht genau, aber es erschöpft sich NICHT darin, genug Geld zu verdienen und ab und zu einen winzigen Futzel Haushalt zu erledigen. Es bedeutet aber ebensowenig, sich in jeden Scheiß der „Lieben Kleinen“ einmischen zu müssen; immerhin sollen die ja irgendwann auf eigenen Beinen stehen können. Parenting ist also ein wenig wie Gerüstbau – nur ohne Plan, Dübel, Schrauben, Fangnetz. Dafür aber mit rostigen Stützen und morschen Planken. Schönen Dank für nix, Universum! Ich bin KEIN guter Vater, zumindest fühle ich mich nicht so, weil ich doch manchmal zu wenig präsent war und bin. Ich bin aber auch KEIN schlechter Vater, weil ich immer noch genug positriven Einfluss üben kann und das Gefühl gewinne, dass nicht alles Mühen umsonst war. Die Große erzieht sich ab jetzt eh weitestgehend selbst, scheint dabei aber einen halbwegs funktionstüchtigen Kompass mitbekommen zu haben. Mehr kann man sich kaum wünschen, oder? Was ist also der Vatertag heute für mich? Zuvorderst ein willkommener Anlass, nicht allzuviel mit anderen Menschen zu tun haben zu müssen und ein wenig Zeit für mich selbst abzwacken zu können. Also irgendwie Gelassenheit und Kraft tanken zu können für die nächsten Hürden. Auch da kann man sich wenig mehr wünschen; insbesondere mit meinem Faules-Schwein-Move Brückentag. Einstweilen genieße ich das schöne Wetter und überlege mir, was ich morgen anlässlich einer Feier über Freundschaft sagen könnte. Vielleicht erzähle ich euch das auch – aber ein anderes Mal. Bis dahin: Happy Uplifting, ihr lustigen Menschen…

Erwachsen bilden N°50 – Lesen bildet…?

Während einer Veranstaltung, der ich in den letzten Tagen beiwohnen durfte, beklagte sich ein Kollege zumindest ein bisschen darüber, dass er bei einigen seiner Schüler Qualität in der Lesekompetenz vermisse, was sich nachteilig auf den Erfolg der Ausbildung auswirken könne; immerhin müsse man sich ja mit fachwissenschaftlichen Texten auseinandersetzen, um größere Zusammenhänge durchblicken zu können. Das lies mich aufhorchen. Ich hatte vergangene Woche vor Praxisanleitern in Ausbildung meinen üblichen Vortrag gehalten über unsere Möglichkeiten, als in der Berufsbildung Tätige Lernkompetenzen der Schüler*innen zu entwickeln und/oder zu stärken. Und meine Ausführungen gingen (wie stets) in der Tat davon aus, dass die Auszubildenden schon über ausreichende Lesekompetenz verfügen würden. Offenkundig habe ich mich da jedoch getäuscht, was bedeutet, dass ich diesbezüglich noch mal ein paar Brikettts nachlegen muss. Immerhin weisen ja auch die aktuellen Studien darauf hin, dass man sich nicht darauf verlassen darf, dass das „Rohmaterial“, welches in unsere Einrichtungen strebt bestimmte – implizit in den Köpfen der Ausbildenden vorhandene – Voraussetzungen erfüllt… Man muss jetzt kein Genie sein, um zu verstehen, dass dieses Gap, welches sich hier auftut in der nahen Zukunft kein Einzelfallbefund bleiben wird; und dass daraus Konsequenzen für unser Handeln in der Berufsbildung abzuleiten sind.

Ich bin da jetzt in einem Zwiespalt: einerseits habe ich natürlich einen gewissen Anspruch an die mitgebrachten persönlichen Merkmale, wenn es an die Auswahl von Bewerbern für die Ausbildung geht. Und wir thematisieren diese idealtypischen Aspekte natürlich auch in der Weiterbildung zum/zur Praxisanleiter*in (Stichwort: Personalauswahl). Doch ich beginne an meinen eigenen Ideen zu zweifeln, denn einerseits wäre es vollkommen absurd, an evtl. nicht (mehr) erfüllbaren Voraussetzungen festzuhalten, andererseits verändert es die Herangehensweise an die Ausbildung als solche erheblich, wenn bestimmte sprachliche Kompetenzen, die für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit den fachwissenschaftlichen Themen unseres Gewerkes schlicht notwendig sind, erst von uns geschaffen werden müssen, bevor wir diese nutzen können. Werden wir vielleicht in Zukunft – ähnlich einem Berufskolleg – mit den Bewerbern*innen erst Sprachqualifizierung betreiben müssen, bevor wir mit der eigentlichen Berufsausbildung beginnen können? Ich weiß es nicht, aber es erscheint nicht so unwahrscheinlich, dass sich hier in den nächsten Jahren so einiges tun muss. Vor diesem Hintergrund bin ich jetzt auch bereits daran, meine Unterrichtsvorbereitungen dazu zu überarbeiten. Und es ist ja auch nicht so, dass das Thema nicht an vielen Stellen angekommen wäre, wie die nicht unerheblich ironischen Ausführungen dieses Podcasters hier zeigen!

Es wäre mir allzu wohlfeil, jetzt wieder zu diesem – in den antisozialen Medien nicht eben selten anzutreffenden – Gen-Z-Bashing anzusetzen. Aber zumindest der Aspekt, dass der Umfang des Medienkonsums auf digitalen Endgeräten (Smartphones) vermutlich einen Einfluss auf die Modalitäten des (Schrift)Sprachgebrauches hat, lässt sich nicht von der Hand weisen. Nicht unbedingt auf die Aufmerksamkeitsspanne. Das darf man getrost weitestgehend als Legende abtun. Jedoch offenkundig auf Wortschatz, Orthographie, Satzbau, Interpunktion; und damit mittelbar auf die Fähigkeit, den semantischen Gehalt komplexerer Sprache schnell und präzise erfassen zu können. Ist man noch dazu kein Muttersprachler, und somit nicht per se in der Lage, sein übliches Sprachniveau ohne größere Mühe unterschiedlichen sozialen Settings anzupassen, wächst das Problem plötzlich zu erheblicher Größe an. [Anmerkung: auch so mancher Muttersprachler erreicht NICHT das Sprachniveau, welches man Muttersprachlern üblicherweise unterstellen möchte…] Wie man es auch drehen und wenden möchte – die resultierenden Probleme sind real und werden in den nächsten Jahren Arbeit verursachen. Insbesondere, weil ich keinerlei Spielraum sehe, etwas am Inhalt und dem damit einher gehenden Anspruch der Ausbildung abzuknapsen. Denn das liefe allen Bemühungen, das Berufsbild endlich als echte Profession mit zugehöriger Professionswissenschaft zu etablieren vollkommen zuwider. Und das KANN NICHT der Anspruch sein!

Ich stelle immer wieder fest, dass der in mir selbst vorhandene intrinsische Drang, sich mit verschiedensten Sach- und Wissensgebieten lesend auseinanderzusetzen bei meinen Nachkommen nicht im Ansatz so ausgeprägt ist, wie bei mir. Und ich weiß nicht präzise, woran das liegen könnte. Ich würde jedoch mutmaßen, dass der deutlich eingeschränkte Zugang zu anderen Medien meine, schon immer regelmäßig Amok laufende kreative Ader in diese Richtung hat laufen lassen. Da war halt über lange Zeit wenig anderes als Bücher, um meine Fantasie zu befriedigen; und ein in Kinder- und Jugendtagen erlernter Modus der Aneignung (wie bei mir eben das „klassische Lesen“) bleibt über die gesamte Biographie hinweg wirkmächtig. Irgendwann kam dann auch Fernsehen dazu. Mein erster Computer hingegen (ein Commodore C64, den ich mir von meinem Konfirmatonsgeld kaufte) eignete sich natürlich auch zum Spielen, regte aber vor allem meine Auseinandersetzung mit der Technik an. Basic- und Assembler-Programmieren habe ich mir selbst beigebracht. Internet hingegen gab es damals noch nicht. Das lernte ich erst Ende der 90er wirklich kennen. Meine Kinder hingegen hatten, genauso wie die meisten ihrer Altersgenossen schon früh Zugang zu digitalen Medien. Die beste Ehefrau von allen und ich hatten stets versucht, das zu bremsen und zu regulieren; mit ungefähr dem gleichen Erfolg wie andere auch. Was dazu führt, dass Lesen für die zwei nur eine Kulturtechnik von vielen ist; und nicht, wie für meine Gattin und mich DIE ERSTE UND WICHTIGSTE Kulturtechnik.

Das alles ist natürlich rein anekdotische Evidenz. Aber es scheint mir zumindest teilweise zu erklären, wo die oben beschriebenen Probleme herkommen. Denn wenn man Auswahl hat, ist Lesen definitiv nicht die attraktivste Option; es erfordert Ausdauer, Konzentration und ist somit anstrengend. Ist man nicht so sehr daran gewöhnt, tut man sich damit schwerer. Wobei man das nicht als Kausalbeziehung sehen darf. Die Wahrscheinlichkeit, Lesen geil zu finden sinkt jedoch mit der ubiquitären Verfügbarkeit bunter bewegter Bilder u. U. erheblich. Und was mache ich jetzt mit diesen Gedanken…? Keine Ahnung. Wahrscheinlich versuche ICH, noch etwas mehr Literatur darüber zu finden. Und was tut/denkt IHR so…?

Auch als Podcast…

Bienvenue au pays cathare N°12 – …und sie ritten wieder heim!

Man muss eine gewisse Dankbarkeit haben für die kleinen Dinge: ich bin in diesem Urlaub (mannigfaltigen Gelegenheiten zum Trotze) NICHT auf die Fresse gefallen, ich habe mir NICHT den Rücken verdreht und wir standen (so gut wie) NICHT im Stau. Wieder nach Hause fahren zu müssen erzeugte daher in mir tiefere Wehmut, als ich zugeben möchte. So stand ich am Freitag Abend auch an der hinteren Tür unseres Häuschens und schaute insgeheim mal auf Maps, wie weit es denn eigentlich nach Italien zu unserem ehemaligen Mehrfach-Gastgeber Manfredi wäre. Es wären fast 200 KM weniger als nach Hause gewesen und ich musste doch ein bisschen mit mir ringen… Morgen ruft die Arbeit und es dauert mich, zugeben zu müssen, dass ich in mindestens einer Nacht des Urlaubes etwas wach lag und Arbeitsfragen gewälzt habe. Wie sehr dürfen wir uns von solchen Dingen vereinnahmen lassen? Wie viel ist definitiv zu viel? Und welche Alternativen hätte man? Fragen, die man sich üblicherweise VOR einem Urlaub stellt, und nicht DANACH. Was ein Hinweis darauf ist, dass ich immer noch nicht da bin, wo ich hin muss – zumindest nicht mental; räumlich bin ich mir noch nicht sicher. Theoretisch sollte man sich nach zwei Wochen der Ruhe und Erholung wieder in diesem Zustand distanzierter Gleichmut zu jenen Anfechtungen befinden, welche unsere Brötchen (und auch diesen Urlaub) bezahlen. Tja, Pustekuchen!

Wenn ich auf das Bild oben blicke und mich daran erinnere, welche Demut vor der Natur und welche Ruhe ich dort verspüren durfte, dann wird mir klar, dass wir dauernd eiligen, Zivilsations-geschädigten Menschoiden ganz langsam aber sicher dabei sind, unseren Verstand vollkommen zu verlieren. Wir rennen immerzu nur noch Dingen hinterher und vergessen dabei, was es alles zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu erleben gibt, ohne dass man dafür Unmengen an Penunze aufwenden müsste. Heute Mittag meinte zum Beispiel meine größere Tochter, dass es schon eine Menge Dinge gäbe, die man nicht mit Geld kaufen könne, wie etwa Freunschaften; aber dass es eben auch einige Dinge gäbe, die sie glücklich machen würden und die es sehr wohl für Geld zu kaufen gäbe. Und nun lässt es sich nicht mehr leugnen: Der Konsumkapitalismus im Endstadium ist auch in meiner verfluchten Küche angekommen. HIMMIHERRGOTTSAGGRAMENT! Es ist sehr schwer, in einem solchen Moment nicht den grün-sozialistischen Oberlehrer rauszukehren, der in mir schlummert. Oder seine – bekanntermaßen immer virulente – Wut im Zaum zu halten und hinauszuschreien, was einem auf der Seele brennt: KAPITALISTENSAU! Weil man so was NICHT zu seiner Tochter sagt, die noch dazu ja gar nicht alle Erwägungen kennen kann, die zu diesem Thema gehören. Immerhin findet sie Putin und Trump so richig scheiße. Wie war das noch mal mit der Dankbarkeit für die kleinen Dinge…?

Man könnte mir jetzt – mit etwas schlechtem Willen – ein bisschen Bigotterie unterstellen, wenn ich von den kleinen Dingen rede, obschon wir mal eben nach Südfrankreich entflohen sind, um Urlaub zu machen. Ich sage es mal so: für einmal nach Malle fliegen fällt an CO2 pro Person so ca. das Drei- bis Vierfache von dem an, was wir zu viert in den zwei Wochen zusammen erzeugt haben. Mein Gewissen ist diesbezüglich also ziemlich mit sich im Reinen, danke der Nachfrage. Und ich musste nicht mit diesen ganzen anderen Menschen interagieren, die zum Ballermann wollen. Pardon, aber die entsprechenden Klischees stimmen halt viel zu oft viel zu sehr. Moment, was höre ich da: ich würde auch Klischees erfüllen, z. B. das vom rotweinsaufenden Pädagogen auf Bildungsreise. Aber, aber, die fahren doch auf Goethes Spuren in die Toskana. Scherz beiseite: so viel Rotwein trinke ich gar nicht. Und wer sich beim Reisen nicht zumindest ein wenig mit dem Land und den Leuten auseinandersetzt, ist selbst Schuld, wenn er dumm bleibt. Reisen bildet ganz automatisch, man muss sich nur darauf einlassen – und das kostet weder viel Energie noch viele sonstige Ressourcen, denn es passiert, wie der Franzose sagt „en passant“, also im Vorbeigehen. Warum in drei Teufels Namen sollte ich fast 1100 KM fahren, um dann ganze Tage im Liegestuhl zu verbringen? Oder 2000 KM fliegen und dann ganze Tage am Strand liegen? Wer tatsächlich glaubt, eine Bildungsreise sei eine unnötige Anstrengung, den frage ich Folgendes: bist du schon mal IRGENDWO hingefahren, um dir IRGENDWAS anzuschauen? Falls ja, BRAVO, denn du hast dabei automatisch einen informellen Lernprozess durchlebt; ganz gleich, wie klein der Effekt auch gewesen sein mag, er war da. Falls nein – such dir endlich ein Hobby bei dem du auch mal rauskommst, damit du den Zimmerpflanzen zu Hause nicht zu viel Arbeit durch dein abgeatmetes CO2 bescherst! Mach aber bitte nicht NUR was mit Autos, denn DAS potenziert dein CO2-Problem lediglich…

Es ist die verdammte Suche nach dem Gleichgewicht, nach dem Weg zu einem besseren ICH, das trotzdem immer noch ICH ist. Urlaub, oder besser freie Zeit zur eigenen Verfügung ist dabei eine von mehreren Komponenten, welcher allerdings eine besondere Bedeutung zukommt. Denn erst wenn alles DARF aber nichts MUSS bekommt das Leben Leichtigkeit. Es ist dieses Leichtigkeit, die ich – zwei Wochen Freiheit zum Trotz – immer noch vermisse. Und es ist dieses „Vermissen“, dass mich nun melancholisch stimmt. Und es ist diese „Melancholie“, die mich mit gewisser Zurückhaltung auf das Morgen blicken lässt. Und es ist dieses „Morgen“ dass zurückblickt, dreckig grinst und sagt: „Pech gehabt, Bro, du gehörst mir, egal ob du willst, oder nicht!“ Mit DEM Dilemma muss ich wohl leben; ihr aber auch meine Lieben, daher wünsche ich euch einen verf***t gewaltigen Start in die neue Woche. C U.

Reality Reloaded!

Jeder Mensch macht sich seine eigene Realität! Man könnte diesen Satz einfach so stehen lassen, an Donald Trump und Konsorten mit ihren „alternativen Fakten“ denken und ein Schulterzucken später wieder zum „business as usual“ übergegangen sein; oder man denkt doch noch mal ein bisschen darüber nach, was das EIGENTLICH bedeutet. Ich meine, jede*r von uns (Erwachsenen) nimmt die Welt auf Basis seiner/ihrer zuvor gemachten Erfahrungen wahr. Das bisherige Erleben strukturiert somit das folgende Erleben. Jemand, der zum Beispiel in seinem ganzen Leben immer nur ausgenutzt und beschissen wurde, wird ein x-beliebiges, günstiges Angebot mit großem Misstrauen beäugen und vermutlich ausschlagen, weil hier in seiner Realität doch nur wieder eine weitere Enttäuschung lauert. Eine andere Person mit positiveren Erfahrungen hingegen… man weiß es nicht, aber es klingt plausibel, anzunehmen, dass dieser Mensch anstatt eines Risikos oder eine Falle eher eine Chance zu erkennen vermag. Das ist nur ein Beispiel, wie sich individuelle Faktoren, wie das soziale Umfeld und Kapital, Bindungserfahrungen, Peergroups deren Teil man ist, schulische und außerschulische Lernerfahrungen, etc. auf die Struktur der Wahrnehmung unserer Welt auswirken, die sich im Umkehrschluss in der Struktur der, in der eigenen Psyche rekonstruierten Realität wiederfindet! Hier allerdings Kausalität unterstellen zu wollen (er/sie ist, so, weil das Elternhaus, die Schule, der erste Lebensabschnittspartner so waren) ist aus wissenschaftlicher Sicht großer Kokolores. Bestimmte Erfahrungen steigern Wahrscheinlichkeiten, aber Menschen sind nun mal (oder doch Gottseidank) keine Maschinen, die man per Algorithmus steuern kann.

Generated with Bing Image Creator, powered bei DALL-E 3…

Ich stolperte heute beim Stöbern in einem Buchladen, für den ich von meinem letzten Geburtstag noch einen Gutschein hatte über eine Publikation von David Chalmers aus 2022: „Realität +. Virtuelle Welten und die Probleme der Philosophie.“ Und das Buch fasziniert mich, weil Chalmers (u. A.) die Hypothese vertritt, dass wir NICHT beweisen können, dass wir nicht in einer Simulation leben. Ein Hoch auf die Matrix könnte man süffisant lächelnd deklamieren. Tatsächlich geht es ihm wohl eher um die Frage, welche Haltung wir, im Angesicht einer sich dramatisch schnell ändernden Welt, die eben auch immer mehr mit Simulation angereichert wird, zur fortschreitenden Vermischung von Realitäten haben wollen? Denn mit Augmented und Virtual Reality als Teil unserer Welt, der sich immer häufiger in der Arbeitswelt, der Bildung, aber eben auch der Freizeit wieder findet brauchen wir Haltungen zu diversen komplexen Fragen: sind VR und AR Illusionen, oder andere Realitäten? Wieviel von unserem Leben ist eine Simulation, wie viel Realität und kann bzw. soll man das überhaupt unterscheiden? Wie kann man in einer simulierten Realität ein gutes, ein richtiges Leben führen (Adorno anybody: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“)? Ich denke, dass wir gut beraten sind, uns dringend mit solchen Fragen auseinanderzusetzen. Insbesondere jetzt, da Artificial Intelligence, oder zumindest ihr Herold in Form von Large Language Models Einzug in verschiedene Lebensbereiche hält.

Ich experimentiere momentan mit verschiedenen AI-Tools für meine kreativen Workflows herum, weil ich denke, dass man nicht alles zu Fuß machen muss, wenn es dafür geeignete Substitute gibt. Ich fahre ja auch nicht mit einem Eselkarren einkaufen oder in Urlaub, beleuchte Abends die Wohnung nicht ausschließlich mit Kerzen; und am RTW findet der Beladeprozess heute mit elektrohydraulischer Unterstütztung statt. In diesem Sinne sind LLMs auch nur ein Werkzeug. Das Bild weiter oben hat Bing Image Creator (unter der Haube steckt da DALL-E 3) auf Basis eines von mir vorgegebenen Prompts erstellt. Je mehr man spezifiziert, desto präziser treffen diese Kreationen die eigene Vorstellung und es bedurfte einiger Versuche für dieses Ergebnis. Insgesamt würde ich die Erfahrungen als befriedigend bis gut einstufen, sie weisen aber auf eine Eigenheit von aktuell frei verfügbaren LLMs hin, mit der man umzugehen lernen muss: diese rudimentären AI-Anwendungen brauchen hoch präzise Angaben, um das Richtige ausspucken zu können. Das bedeutet, dass der kreative Prozess sein Antlitz verändert. Ich selbst beginne eine Skizze (etwa im Bikablo-Stil) und denke mir die Elemente mit dem Stift nach und nach dazu; streiche, korrigiere, redigiere. Und während das passiert, ändert sich meine Wahrnehmung, mein Denken über das, was ich visualisieren möchte. Hier mit DALL-E 3 hingegen brauche ich eine komplett fertige Idee vor meinem geistigen Auge, die ich so treffend wie möglich beschreiben muss, damit das Ergebnis passt. Beide Workflows sind kreativ, intuitiv, spielerisch – aber dennoch grundverschieden.

Letztlich treibt mich nun die Frage um, inwieweit ich gerade die Simulation eines Arbeits-Prozesses erlebe, wenn ich verschiedene Teile einer Arbeit, die ich bislang selbst getan habe an ein LLM auslagere und im Gegenzug die Kontrolle über diesen Prozess durch eine Steigerung gedanklicher und folgend sprachlicher Präzision wiedergewinnen muss? Ich bin mir noch nicht sicher, aber den obigen Überlegungen folgend muss ich wohl oder übel bald eine Haltung dazu einnehmen. Mal sehen, ob mir Chalmers Buch dabei helfen kann.

Auch als Podcast…

Looking forward to look back…

Isn't it funny how 
day by day 
nothing changes,
but when you look back
everything is different...
(C. S. Lewis)
Bald wird das Licht wieder so schön…

Wenn du das Gefühl hast, Menschen nicht zu erreichen, gibt es dafür aus meiner Sicht drei mögliche Gründe: 1) du hast sie tatsächlich nicht erreicht, 2) du hast Zuhörer, die eine Weile länger für den Reflexionsprozess brauchen als andere, oder 3) du bist zu hart zu dir selbst. Man sollte sich ab und an den Luxus gönnen, sich dafür zu entscheiden, an Grund Nummer 3 zu glauben. Denn wissen kann man es sowieso niemals sicher. Dieser Sachverhalt ist eines der Probleme, mit denen Geschichtenerzähler in ihrer Tätigkeit öfter zu kämpfen haben – und zwar vollkommen egal, wo, wie, wem und warum sie ihre Geschichten erzählen. Ja sicher, manchmal reißt man sie alle mit und kann es auch sehen (oder besser fühlen), dass alle gerade in die Erzählung eingetaucht sind, mit dieser interagieren (wollen) und sich dabei wohl fühlen. Aber oft sitzen/stehen/gehen alle umher und du bekommst dieses Gefühl, dass, obwohl du dir mit deiner Erzählung echt Mühe gegeben hast, trotzdem nicht dabei rumkommt, was eigentlich rumkommen sollte. Und dann bin ICH der Typ, der nicht den anderen die Schuld dafür gibt, dass es nicht so gelaufen ist. In diesem Moment beziehe ich mich gerade auf eine Simulation, die ich für berufliche Bildungs-Belange inszeniert habe und mit der ich nicht zufrieden bin, ohne wirklich sagen zu können, wo das Problem lag – oder ob es tatsächlich eines gab. Es gibt einfach Teilnehmer-Gruppen, die nicht so homogen sind und bei denen es mir deswegen sehr schwer fällt, zu lesen, was da gerade vor sich geht. Und es ist jetzt nicht so, dass ich nicht regelmäßig üben würde.

Es gibt im englischen den Begriff „jaded„, der einerseits „abgestumpft“ bedeuten kann, andererseits aber auch „matt“ oder „übersättigt„. Und ich hatte irgendwie den Eindruck, dass meine Bemühungen bei einigen auf ein kaltes Lächeln gestoßen sind, weil sie einfach jaded waren; durch die begriffliche Ambiguität ist der vorgefundene Zustand einfach besser beschrieben. Oder ich täusche mich gewaltig. Was definitiv nicht ohne Präzedenz wäre. So oder so war ich gestern zwar erleichtert, die Woche endlich hinter mich gebracht zu haben, weil sie so vollgestopft war mit Arbeit und (teils unnötigen) Diskussionen. Ich war jedoch nicht so zufrieden mit dem Ergebnis meines Wirkens. Was mich in der Folge regelmäßig dazu bringt, über die Begriffe „Selbstbild“ und „Anspruch“ nachzudenken. Denn aus berufsbildnerischer Sicht bin ich mir nicht sicher, dass ich die TN so zum Lernen und Reflektieren anregen konnte, wie ich das von mir selbst erwarte. Auf der anderen Seite sitzt der weniger selbstkritsche Teil und sagt:“ Fuck off bastards. It’s on YOU, wether you succeed in the end, or not! So – let’s call it a day, I’ve got places to visit and things to do all FOR MYSELF!“ Oder etwas freundlicher: Erwachsenenbildung ist ein freibleibendes Angebot und jede’r ist seines/ihres (Un)Glückes Schmied! Dass ich gelegentlich von meiner Arbeit träume und morgens in diesem Dazwischen – noch nicht ganz wach, aber auch nicht mehr ganz in Morpheus Armen gefangen – des öfteren Job-Probleme wälze, anstatt irgendwelche netten, anregenden, unterhaltsamen Phantasien heraufbeschwören zu können, sagt hier wohl mehr als genug darüber aus, wie wenig ich die Dinge an meinem Arsch vorbeilaufen lassen kann… Anscheinend bin ICH immer noch nicht jaded!

Und bevor jetzt irgendwer mit wohlfeilem Gen-Z-Gejammer daherkommt… das ist mir als Erklärung zu kurz gedacht, auch wenn die allermeisten TN dieser willkürlich definierten Kohorte zugehörig sind. Ob sie sich allerdings dem, oft genug multimedial heraufbeschworenen „Mindset“ auch zugehörig FÜHLEN, kann ich nicht mit Sicherheit sagen; tendenziell würde ich eher für „NEIN“ plädieren. Aber das ist zu 100% gebaucht, nicht geforscht. Worauf ich allerdings hinaus will ist folgendes – ich kennen die TN schon länger und ich kann mit Sicherheit sagen, dass sich im Verlauf der Zeit sehr wohl etwas verändert hat – in Einzelpersonen, aber auch im Umgang miteinander und mit anderen. Wenn irgendwas konstant ist, dann der Wandel; und ich würde die positiv veränderten Aspekte sicher NICHT auf unsere pädagogischen Interventionen zurückführen. Vielleicht bei einen Teil, aber sicher nicht bei allen. Mit Blick auf das Anfangs aufgeführte Zitat von Clive Staples Lewis (den man üblicherweise für seine „Die Chroniken von Narnia“-Bücher kennt) wird aber klar, dass einem im day-to-day-business manchmal der Blick für diese Veränderungen abhanden kommen kann. Auch für jene Veränderungen, auf die unsere Arbeit als Lehrer im Kern abzielt! Bei einer Ausbildung werden die wahrhaft wichtigen „Kennzahlen“ halt erst nach ca. drei Jahren sichtbar; auch wenn Betriebswirte das oft nicht wirklich verstehen können.

Das Gleiche gilt übrigens auch für andere Geschichten, die ich zu erzählen beliebe. Auch deren Wirkung zeigt sich oft erst später. Und das unabhängig von der Ernsthaftigkeit. Manche Erzählungen werden unerwartet erinnernswert und verändern gleichsam die Wahrnehmung dessen, was wir taten, was wir tun – und was wir tun werden! Ich käme nie auf die beknackte Idee, Pen’n’Paper wie ’ne Lehrveranstaltung aufziehen zu wollen. Jedoch ergibt sich dieser Effekt manchmal ganz von selbst. Der wichtigste Unterschied ist, dass eine pädagogische Veranstaltung im Kern immer auf eine Verhaltensanpassung abzielt, ganz gleich ob ich dabei „klassische“ Didaktik zum Einsatz bringe, Reform-Ansätze wie Montessori oder Waldorf oder gar ganz freies Lernen. Die Prozesse der Akkomodation und Assimilation werden überall, mehr oder weniger stark moderiert, wirksam! Allerdings sieht man die Wirkung immer erst mit Verzögerung. Daher ist es wichtig, gelegentlich bewusst zurückzublicken, auch wenn die Vergangenheit nicht nur schöne Dinge enthält. Wir Menschen sind ja sehr gut darin, schlechte Erinnerungen aufzubewahren. Eigentlich sollen sie uns davor bewahren, den gleichen Fehler zwei Mal zu machen. Na ja, wenn ich mir das mit der AfD so anschaue, funktioniert das mit dem Generations-übergreifenden Lernen noch nicht so ganz. Schwamm drüber. Für mich war es mal wieder an der Zeit, zurückzublicken. Und ich denke, dass bei weitem nicht alle Anstrengungen der letzten Jahre vergeudet waren. Bis die jungen Leute das erkennen können, müssen sie allerdings erst noch lernen, dass man niemals jaded werden sollte. Sondern immer hungrig auf das Neue bleiben. Auch, wenn man von der mentalen Couch in der eigenen Komfortzone gezerrt und mit potentiellem Scheitern konfrontiert wird. Genau dann lernt man etwas dazu. Jedenfalls ging es mir so. Denn jetzt bin ich mit meiner Arbeit der letzten Tage versöhnt. Sie war definitiv NICHT UMSONST, denn ICH bin daran einmal mehr gewachsen. In diesem Sinne – schönen Samstagabend.

Auch als Podcast…

Let’s take a little hike on the bullshit mountain…

Wir lieben unsere Sterotypen wirklich: die ANDEREN sind alle blöd, aber ICH bin toll! Derlei Geschwätz ist nichts Neues, der Wahrheitsgehalt immer noch genauso niedrig, wie letzte Woche, letzen Monat, letztes Jahrzehnt und die Auswirkungen evident, wie eh und je: Menschen tun dumme Dinge, weil sie sich a) für intelligenter halten, als den ganzen Rest, b) von der eigenen Kontrollillusion geblendet werden und c) Niederlagen und Fehler einfach nicht gut zugeben können. Ich mache da keine Ausnahme. Doch was nutzt uns diese Erkenntnis, wenn wir doch alle mehr als nur gelegentlich Opfer unseres wenig frommen Selbstbetruges sind? Ehrlich – ich habe keine Ahnung. Ich meine… ich rede immerzu von Selbstreflexion und gebe (vielleicht) kluge Ratschläge, aber am Ende des Tages liegen sie trotzdem wieder da: diese blöden Bäreneisen, die wir quasi automatisch auslegen, indem wir uns an Routinen, Erfahrung und der Überzeugung, unser Leben im Griff zu haben orientieren, anstatt zugeben zu können, dass chaotische Systeme nun mal chaotische Ergebnisse erzeugen, die sich nur mit einer geringer Wahrscheinlichkeit voraussagen lassen. Oder anders formuliert – wenn du denkts du denkst, dann denkst du nur, du denkst…

Brückenbau war schon immer wichtig…

Zu wissen, dass das so ist und entsprechend zu handeln, sind leider zwei Paar Stiefel! Das wahre Problem dabei ist, dass Interaktion innerhalb sozialer Gruppen aber auch zwischen sozialen Gruppen chaotische Systeme sind; und dass leider auch unsere Arbeitswelt und unsere Kunden Menschen sind, aus denen sozialen Gruppen entstehen. Schöne Scheiße, was…? Das macht aus „Vorhersagen“ zu irgendwelchen sozialen, aber auch zu geschäftlichen Entwicklungen eine hoch komplizierte und dynamische Angelegenheit. Die Fehleranfälligkeit ist enorm, was in der Folge zu einer grandiosen Ergebnisstreuung führt. Und sowas fürchten jene Leute, die immer noch glauben, jedwede Geschäftstätigkeit ließe sich minutiös planen. Insbesondere im Gesundheits-, Sozial- und Bildungssektor ist das allerdings schwierig; ich weiß das, denn ich stecke mittendrin. Leider hören die Money-People nicht immer aufmerksam zu, wenn die Spezialisten reden und tun meine Ausführungen manchmal wortwörtlich als „Folklore“ ab. Arroganz sieht leider, egal aus welcher Richtung aus, wie Arroganz; insbesondere dann, wenn sie die Fakten einfach ignoriert. Wer Spezialisten der Folklore bezichtigt, bewegt sich nämlich unversehens in den sehr gefährlichen Bereich der „alternativen Fakten“. Habe ich nicht neulich mal erwähnt, dass „alternative Fakten“ einfach nur das Ersetzen objektiv beobachtbarer Sachverhalte durch Gefühle zu diesen Sachverhalten sind? Wie dem auch sei, wir sind schon auf dem Aufstieg zum „Bullshit Mountain“.

Tatsächliches Vermögen und die eigene Selbstwirksamkeitsüberzeugung – auch schön darzustellen mittels Eigen- und Fremdwahrnehmung – bilden dabei eine Funktion, die, gleich ob wir das Ganze nun „Dunning-Kruger-Effekt“, „Bullshit Mountain“ oder „peak of dumb“ nennen, immer auf das Gleiche hinausläuft: um Sachverhalte tatsächlich mit der notwendigen Expertise beurteilen zu können, muss man erst mal seinen eigenen Hausberg der eitlen Selbstüberzeugung hinter sich lassen und das finstere Tal des Zweifels durchschreiten, um schließlich in den Bereich relativer Realitätsnähe kommen zu können. Und manchmal ist dieser zweite, eigentlich gar nicht so steile Anstieg so schwierig zu bewerkstelligen, dass man, Sysyphos gleich, immer wieder ins Tal des Zweifels kullert; sofern man den Bullshit Mountain überhaupt schon hinter sich lassen konnte. Und da habe ich bei so manchem Individuum so meine Zweifel. Ich werde allerdings auch nicht in Abrede stellen, dass man diese Funktion für verschiedene Dinge im Leben jeweils individuell bestimmen muss: Man kann ein recht kompetenter Koch sein, aber beim Umgang mit Geld jedwede Vernunft vermissen lassen. Man kann ein guter Pädagoge sein und dennoch manchmal seinen Affekten ausgeliefert. Man kann ein ausgewiesener Führungs-Spezialist sein und trotzdem keine Ahnung von strategischer Planung haben. Schön wäre es natürlich, wenn man in allem gleich gut wäre (bitte nicht gleich schlecht, das wäre übel); aber dem widerspricht der Umstand, dass wir Menschen eben NICHT perfekt sind vehement. Und ehrlich gesagt ist es auch besser, nicht nach Perfektion zu streben, weil das allenfalls dem Burn-Out Tür und Tor öffnet.

Daraus folgt aber, dass man einerseits seine Stärken ausbauen sollte, an seinen Schwächen im Rahmen des Möglichen arbeiten – und dass man andererseits bestimmte Aufgaben im Team lösen muss, weil ja keiner von uns alles kann. Und dass es dann essentiell wird, dass alle Team-Mitglieder gemäß ihrer Stärken gehört und respektiert werden. Ansonsten brauche ich kein Team. Klingt einfach – ist unglaublich schwierig, denn wo Menschen mit Menschen leben, lieben, arbeiten, da menschelt es; und zwar gewaltig. Diese Erkenntnis nutzt mir gegenwärtig gerade einen Scheiß, denn meine Toleranzgrenzen sind erreicht. Es ist nix mehr da – Zero, Null-Level, Battery empty. Was daraus folgt: keine Ahnung. Morgen ist Montag. Adios!

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°49 – Verhaltensänderung…?

WER hat WAS getan? WARUM wurde es getan? WANN wurde es getan? WIE wurde es getan? Hat es etwas VERÄNDERT? Oder SOLLTE es überhaupt etwas verändern? Falls nein, was hätte es denn sonst tun sollen? Muss man diese Fragen überhaupt stellen…? Fragen über Fragen, die erst Sinn ergeben, wenn man weiß, worüber man hier gerade redet, oder? Denn manchmal ist eine reine Meta-Betrachtung weder angemessen noch hilfreich. Die Überschrift behauptet ja, dass es um Erwachsenenbildung gehen soll, und dann um Verhaltensänderung. Aber was hat das Eine denn nun mit dem Anderen zu tun? Ich glaube ja, dass man die Ziele seines Handelns immer im Auge behalten sollte. Nícht, weil der Opportunismus dies verlangt, sondern weil man ohne eine gute Karte nicht die richtige Ausrüstung dabei hat; oder anders gesagt, wenn ich nicht weiß, WAS ich WARUM erreichen will, wird es mit dem WIE auch schwierig… Ich stehe mal wieder im Wald hier und es gibt halt kein Altbier, weil man im Lehrsaal üblicherweise kein Ethyltoxin ingestiert. Wir sind hier ja nicht bei der Feuerzangenbowle, sondern – einmal mehr – im Praxisanleiter-Lehrgang. Und da versteht es sich von selbst, dass man sich an die Regeln hält. Schließlich sollen die angehenden Praxisanleiter ja später als Role-Models für Ihre Auszubildenden dienen können, nicht wahr…?

Einsamkeit…

Ich stieg nochmal neu in einen Gedankenpalast hinein, an dem ich schon eine Weile arbeite. Der Rohbau steht, die Fenster sind drin, das Dach ist dicht; aber es gebricht noch an der inneren und äußeren Darreichung. Will heißen, die Verständlichkeit und Übersichtlichkeit sind definitiv noch verbesserungswürdig. Denn der Sachverhalt ist genauso essentiell, wie er kompliziert zu erklären ist: wie hängen pädagogische Intervention und (gewünschte) Verhaltensänderung miteinander zusammen und wie gestaltet man den Lehr-Lern-Prozess dementsprechend Sach-, Situations- und Adressaten-adäquat? Klingt verdammt langweilig oder. Vor exakt dem gleichen Problem stand ich auch, denn das Thema ist, wie bereits erwähnt, auf den ersten bis dritten Blick wenig griffig. Der beste Weg, den ich bisher gefunden habe, besteht darin, die Leutchen mit dem Gesicht in ein Problem zu stoßen, ein gewisses Maß an Eigenbetroffenheit zu erzeugen und so (hoffentlich) Reflexionsprozesse anzustoßen. Will heißen, es ist doch eine Meta-Betrachtung, denn das, was auf der unten dargestellten Metaplanwand steht machte ich, während ich es erklärte – viel mehr kann man als Lehrkraft nicht die Motorhaube aufmachen, außer man sprengt sie ganz weg und unterlässt alles pädagogische Intervenieren ganz. Dann müsste ich mich aber auf die Macht des Zufalls verlassen; und darauf, dass die Motivation zum Verlassen der Komfortzone ganz von selbst entsteht- und DAS ist nach meiner Erfahrung im Schul-Setting weniger wahrscheinlich als ein Lottogewinn…

Manchmal klingen meine Ausführungen hier beinahe so, als wenn man alle Menschen im Lehrsaal wahlweise zu ihrem Glück prügeln oder verführen müsste; genau DAS ist natürlich nicht wahr! Meinen ganz persönlichen – und damit lediglich anekdotischen – Erfahrungen nach hängt das vom aktuellen Thema und der, hoffentlich dazu passend gewählten Herangehensweise ab. Genau deswegen verwende ich ja so viel Zeit darauf, den Methoden-Baukasten meiner Teilnehmer*innen in der pädagogischen Weiterbildung so gut wie möglich zu füllen und sie nicht mit einem wohlmeinend genuschelten „Das kriegt ihr schon irgendwie hin…“ im Regen stehen zu lassen. Interessanter Weise bringen die Meisten diesbezüglich schon einiges mit, was sie in der Zeit davor auch schon benutzt haben. Oft war die Nutzung solcher Methoden und Strategien instinktiv, vielleicht noch nicht ausgereift und eher generisch. Aber zumeist muss ich niemandem erklären, wie man etwas begreifbar machen kann, sondern eher die Sinne dafür schärfen, wie man möglichst alle Auszubildenden abholt. Oder, welche Lehr-/Lern-Hindernisse einen erwarten. In welche organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen unser Tun eingeordnet ist. Wie Lernen kognitions-psychologisch betrachtet funktioniert. Und – wie man vor Menschen spricht, ohne sich einen abbrechen zu müssen. Aber das ist alles Übungssache, wenn man sich nur darauf einlassen möchte. Die größte Kunst jedoch liegt darin, den angehenden Praxisanleitern*innen eine Haltung zu vermitteln; ein humanistisches Menschenbild.

Denn sich bewusst auf einen reflektierteren Umgang mit seiner Arbeitsumgebung und den Menschen darin einzulassen ist alles andere als einfach! Es erfordert einerseits die Resilienz, viel Ignoranz, Indolenz, Faulheit und Verweigerungshaltung zu erdulden. Andererseits aber auch den Schneid, Veränderung nicht nur zu fordern, sondern auch selbst vorzuleben. Dazu ist bei weitem NICHT jede*r gemacht. Deshalb finde ich es hoch achtbar, wenn sich jemand darauf einlässt. Okay, manche, die bei mir im Lehrgang aufschlagen, denken anfangs, sie wüssten schon alles und es wäre am Ende doch nur ein Papier, dass man halt erwerben muss, um die Zulage bekommen zu können. Ich versichere hiermit feierlich – jede*r, der mal bei mir im Praxisanleiter-Unterricht gesessen hat, konnte irgendwas mitnehmen, dass zumindest das Potential geschaffen hat, Denk- und damit Verhaltensprozesse zu verändern. Am Ende ist jedoch alles in der Erwachsenenbildung ein freibleibendes Angebot: ihr entscheidet, was ihr daraus machen wollt. In diesem Sinne einen schönen Samstagabend.

Auch als Podcast…

Der Storyschreiner N°7 – „Es ist noch kein…

…Meister vom Himmel gefallen!“ Ein altes Sprichwort, dass versinnbildlicht, dass es, um in irgendeinem Gebiet zu Expertise und Fertigkeit zu kommen, der Übung, der Erfahrung und des Überdenkens bedarf. Kann man, so glaube ich, einfach mal stehen und wirken lassen. Weil’s halt verdammt wahr ist. Mit DER Wahrheit ist das ja so eine Sache. Denn es gibt nicht die eine, sondern jeder hat seine eigene. Ich schrieb gestern über die Manipulierbarkeit, der wir durch dauernden Antisocial-Media-Konsum Tür und Tor öffnen. Das ist natürlich nur die eine Seite; auf der Anderen lauert allerdings die Erkenntnis, dass es sehr wohl Content in diesem Moloch gibt – also Nadeln im Heuhaufen und Perlen vor den Säuen – der individuell je beruhigend, inspirierend, stärkend und auf manch andere Art positiv wirken kann. Meine ganz eigene Wahrheit ist, dass ich die GEFAHREN, welche vom heute üblichen Modus Operandi des Medienkonsums ausgehen als wesentlich prägnanter wahrnehme, denn die Benefits für meine Kreativität. In der Folge suche ich – dem typischen Confirmation Bias folgend, wie viele andere auch – immer wieder ähnliche Quellen nach ähnlichen Begriffen ab. Zumindest so lange, bis mir klar wird, dass ich wieder an irgendeiner Stelle, vom eigenen Blick getunnelt falsch abgebogen und zu tief in Alice‘ Kaninchenbau getaumelt bin, um schon am Tisch des Hutmachers Tee zu trinken, anstatt selbst zu denken. Ach, wie schwach an Geist sind wir Kinder des Menschengeschlechtes doch bei Zeiten…

Piano Grand 2007 – ich will wieder dahin, dieses Jahr…

Geschichten zu erzählen bedeutet zuvorderst, im Rahmen seiner eigenen Wahrheiten zu arbeiten. Ich kann nicht für – oder gar in – den Kopf einer anderen Person schreiben! Zumindest nicht über das Bestreben hinaus, mit Bildern, Metaphern, Skripten zu arbeiten, von denen ich mir halbwegs sicher sein kann, dass sie in so gut wie jedem Menschen wirksam werden können. Wichtig an dem eben gesagten Satz ist das Wort „können“; stellt es doch die natürlich Einschränkung durch einen wirksamen Konstruktivismus dar, an dem ich beim Erzählen weder im Lehrsaal, noch beim Pen’n’Paper vorbeikommen kann. Die tatsächliche Arbeit des Autors, gleich in welchem Kontext er/sie tätig werden mag, besteht darin, die übergeordneten Themen sowie die Charaktere und deren Motive jemand anders auf der Basis eines COMMOMN GROUND verständlich zu machen. Dafür muss man diesen COMMON GROUND jedoch erst finden und zu nutzen lernen. Und das ist schon alles andere als einfach, wenn ich G’schichten aus’m Paulaner-Garten erzählen will – also aus dem Hier und Jetzt, mit dem wir alle mehr oder weniger Erfahrung haben. Kompliziert wird es, wenn ich versuche, dies in fiktionalen Geschichten greifbar zu machen, bei denen die Lebens- und Erfahrungswelt der Protagonisten unter Umständen verdammt weit weg von meiner eigenen sind.

Das Schöne an fiktionalen Erzählungen ist, dass jemand, der sich auf diese einlässt, dem Autor in aller Regel einen Vertrauensvorschuss in Form der WILLING SUSPENSION OF DISBELIEF einräumt. Damit kann man arbeiten; und solange ich diesen Vorschuss nicht als Romacier auf den ersten Seiten eines Buches oder als SL im ersten Kapitel einer neuen Pen’n’Paper-Kampagne verspiele, wird zumeist alles irgendwie gut. Allerdings ist es so, dass hier wieder das oben stehende Sprichwort greift. Matt Colville, ein Rollenspiel-Youtuber, SL und Game-Designer, dem ich schon ein paar Jahre folge, hat mal folgenden schönen Satz gesagt: „We develop taste, long before we develop skill!“ Und dass man bereit sein muss, es anfangs zu verkacken, weil man schließlich immer ein bisschen weniger verkackt, um am Ende ganz gut – mit viel Übung und etwas Talent sogar sehr gut – werden zu können. Wie verdammt recht er doch hat. Das gilt im Übrigen fast deckungsgleich auch für das pädagogische Handeln. Ich sage zu meinen Kollegen immer wieder, dass sie keine Ahnung haben, wie viele Ideen, Entwürfe, Ausarbeitungen ich im Lauf der Jahre in die Tonne gekloppt habe, weil sie bei der allerersten Berührung mit dem Feind nicht nur ein bisschen versagt haben (was laut Sunzi die Norm ist), sondern ZERMALMT wurden (was bedeutet, dass die Arbeit für den Arsch war). Nicht nur im Lehrsaal, sondern auch am Spieltisch…

Wichtig beim Umfallen ist das Wiederaufstehen! [Kurzer Exkurs: Man konnte in letzter Zeit häufiger lesen, dass ich durch meine workplace struggles im Moment mehr als nur ein bisschen depressiv bin. Das bedeutet jedoch NICHT, dass ich ich meine Arbeit als solche nicht mehr mögen würde. Im Gegenteil LIEBE ich meine Arbeit. Nur die Bedingungen, zu denen diese gegenwärtig zu erbringen ist, zermürben mich, weil manche Menschen nicht verstehen wollen, dass es mir NICHT nur um Kennzahlen geht, sondern um die Sache – und dass das die EINZIG RICHTIGE ART ist, eine solche Berufsfachschule zu führen, die nicht nur von strategischer Bedeutung für die Gesamtorganisation ist, weil sie halt junge Menschen ausbildet, die unser Gesundheitswesen dringend braucht, sondern weil wir eben diesen Menschen auch ein Mindset mitzugeben versuchen, das auf Weiterentwicklung unseres Gewerkes ausgerichtet ist. Denn so wie es ist, kann es nicht bleiben! Exkurs Ende]

Weitermachen, um besser werden zu können ist also nicht optional, sondern obligat! Was mir momentan fehlt, ist immer noch der Ausgleich. Ich komme nicht dazu, die Geschichten zu erzählen, die mich tatsächlich interessieren. Wenn etwas zu einer Muss-Aufgabe wird, killt das bei mir, zumindest nach einiger Zeit die Lust und damit auch die Kreativität. Die Bilder im Museum haben die Künstler bestimmt auch nicht gemalt, damit sie halt im Museum hängen und Menschen glauben, sie sich anschauen zu MÜSSEN, weil’s halt die Mona Lisa ist und man ja kultiviert sein möchte. Sondern weil diese Künstler die Hoffnung hatten, dass anderen Menschen ihre Kunst gefallen könnte, dass diese sie zum Nachdenken anregen und die Welt mit anderen Augen sehen lassen könnte. Kunst anzusehen ist keine Aufgabe, die man erledigen MUSS, sondern die Möglichkeit, den Ausdruck einer anderen Wahrnehmung der Wahrheit zu erleben, auf den man sich einlassen KANN, um etwas davon mitzunehmen. Andernfalls kann man sich den Museumsbesuch auch schenken. Denn aus dieser Auseinandersetzung entsteht neue Kreativität, vielleicht auch neue Kunst. Aber diese Auseinandersetzung braucht Zeit, Raum, Muse. Denn es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen… See you…

Auch als Podcast…