Erwachsen Bilden N°36 – Pädagokratie gefällig?

Nachdem wir heute Morgen Besuch von lieben Freunden gehabt hatten, ging ich vorhin eine Weile im Herbsbelaubten Waldpark spazieren. Ein paar Spuren des Sturms vom Donnerstag waren auch zu besichtigen. Das war mir allerdings eher Wumpe, denn ich ging mal wieder los, um den Kopf frei zu kriegen und ein paar Gedanken zu ordnen. Zuvor hatten wir nämlich, wie soll es auch anders sein, beim Brunchen über den Job gesprochen. Die liebe Freundin arbeitet im allgemeinbildenden Schulwesen und hat das gleiche Problem wie ich: es ist verdammt, schwer geeignetes Personal – also Lehrkräfte – zu finden! Und es ist noch viel schwerer, Leute zu finden die bleiben, weil so manche potentielle Lehrkraft mit den Arbeitsbedingungen so gar nicht zufrieden ist. Über das Thema der Arbeitszeit-Problematik hatte ich an anderer Stelle schon mal gesprochen; damit sind aber andere Problemzonen noch überhaupt nicht angesprochen.

Wie ich also ging, fragte ich mich, warum wir einen so großen Fachkräftemangel im Bildungswesen haben, und die Antwort, die ich gefunden habe, erscheint verblüffend einfach: weil Bildung und Erziehung zur Carework gerechnet werden, und Carework nach wie vor nicht den gesellschaftlichen Stellenwert hat, den sie eigentlich haben müsste. Schauen wir uns zunächst die Berufsfachschule an. Wenn ich Facharbeiter für die Auto-Industrie ausbilde, dann ist klar, dass die danach in einer Wertschöpfungskette eingesetzt werden, die zumindest gedanklich hoch transparent ist. Zu gewissen Stückkosten (SK) werden Automobile gebaut, die ich später für einen Preis (VK) an die Kunden bringen kann. In den Stückkosten sind Lohnkosten, Betriebskosten (für die Maschinen, Gebäude, Grundstücke, etc.), Aus- Fort- und Weiterbildungskosten, Abschreibungen für Anschaffungen, Rückstellungen für künftige Investitionen, Marketing und whatnot enthalten. VK – SK – WVR (Wiederverkäuferrabatt) = Umsatzrendite vor Steuern. Ist eine vereinfachte Darstellung, aber es wird schnell klar, dass hier ein Verdiensthorizont entsteht, für dessen Realisierung die Aus-, Fort- und Weiterbildung des Personals essentiell ist.

Ein etwas naiver Blick auf meinen Arbeitsplatz… 😉

In meinem Gewerk, das zum Gesundheitswesen gehört, ist das schon schwierig, denn natürlich werden Betreiber des Rettungsdienstes entlohnt, weil man hochprofssionelle Arbeit nicht für Lau bekommt, auch wenn manche Menschen das bis heute zu glauben scheinen. ABER… der individuelle Aufwand, welcher für Aus-, Fort- und Weiterbildung getrieben werden muss, damit die Dienstleistung auf dem Niveau bei den Patienten ankommt, welches diese verdient haben (nämlich am aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik orientiert und auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt), entspricht im Gegensatz zur Auto-Industrie nicht einem direkten Benefit in der Kasse der Betreiber. Den Kostenträgern ist es nämlich verdammt egal, wie gut oder schlecht die Versorgung war. So lange nicht gerade ein Kunstfehler zur Anzeige kommt, wird immer der gleiche (per Bereich verhandelte) Satz bezahlt. Ob die Sanis kompetent und nett zu Oppa Schnippenfittich waren, fragt dabei niemand…

Kommen wir zum allgemeinbildenden Schulwesen. Auch hier entstehen Kosten in nicht unerheblichem Maße. Den Benefit zu beziffern, ist hier aber noch ungleich schwerer, als bei den beiden vorherigen Beispielen. Denn den meisten Menschen ist offenbar nicht klar, dass die Hauptaufgabe der Schule mitnichten ist, die Kinder fit für die Tretmühle Kapitalismus zu machen, sondern ihnen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Viele Eltern sind nämlich mangels Sozial- und Bildungskapital nicht dazu in der Lage, ihren Kindern diesebzüglich eine große Hilfe zu sein. Die Teilhabe möglichst großer Gruppen der Gesellschaft ist aber die Voraussetzung für den Fortbestand von Demokratie. Und der Fortbestand der Demokratie ist die Voraussetzung für den Fortbestand wirtschaftlicher Prosperität. Wenn es einem autokratischen Regime nämlich von heute auf morgen einfällt, bestimmte Geschäftsfelder “zu regulieren”, erzeugt das eine (vor allem juristische) Unsicherheit, welche sich schlecht auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Staates auswirkt. Bis hin zum Totalversagen. Kann man bei Acemoglu und Robinson (“Warum Nationen scheitern”) nachlesen.

Das bedeutet, abseits des hehren Humboldt’schen Bildungsideals ist die alte Diskussion um die Hauptaufgabe von Schule (humanistische Bildung vs. Arbeitsmarktchancen) eigentlich schon lange obsolet. Meritokratie ist eine schöne Illusion, doch ohne Demokratie ist sie nichts weiter als eine gestaltlose Hirnschimäre, die ohne rechtsphilosophisches und gesellschaftliches Fundament in sich zusammenfällt, wie das Soufflé, wenn man die Ofentür zu früh geöffnet hat. Womit wir zum Anfang zurückkomen: diese Erkenntnis ist leider noch nicht in allzu vielen Köpfen angekommen. Oder sie kam an – und wurde zugunsten anderer Dinge wieder vergessen. Jedenfalls genießen Pädagogen als Fachkräfte für den Erhalt der Demokratie (wenn man mal vom alten Fascho Höcke absieht, der träumt vom 4. Reich) und damit als Bereitsteller gesellschaftlichen Kitts keinesfalls die soziale Anerkennung, die ihnen gebührt. Was sich Lehrer*innen tagtäglich von den “lieben Kleinen” und ihren Erzeugern anhören dürfen, spottet dafür jeder Beschreibung.

Deshalb der Titel. Ich wäre bereit für was Neues. Eine Pädagokratie könnte Schulen zu den Orten des individuellen Wachstums und der Solidarität machen, die sich eigentlich schon immer sein müssten; wenn wir nicht schon von Kindesbeinen an zwanghaft ettikettieren und auf “Normmaß”zurechtstutzen müssten. Ich wäre dabei. Und wenn potentielle Lehrkräfte mitbekämen, dass es auf einmal ganz geil ist, Lehrer zu sein, hätten wir vielleicht alsbald auch keinen Fachkräfte-Mangel mehr. Denkt doch mal drüber nach…

Erwachsen bilden N°35 – Flight of the Motivator…

Wer sich ein Weilchen mit Erwachsenenbildung im beruflichen Kontext befasst hat, weiß sehr genau, dass junge Erwachsene sich oftmals nur hinsichtlich der Größe und des Besitzes eines Führerscheins von Kindern unterscheiden. Und dabei spielt das Geschlecht kaum eine Rolle. Sie spielen “Mama-hat gesagt-Papa-hat-gesagt!”, versuchen die Honorar-Dozenten zur Stimmungsmache zu instrumentalisieren, fordern allerlei Mögliches (und auch Unmögliches) ein und jammern rum, dass es ja gar nicht wie in der “richtigen” Schule wäre; man sähe überhaupt keinen roten Faden. Mit Ihnen dann eine Diskussion über lernfeldorientiert vs. fachzentriert und konstruktivistische Didaktik führen zu wollen, führt ins Nichts – ich hab’s schon mehr als einmal probiert. Das liegt zum einen sicher daran, dass solche Strategien woanders zweifellos funktionieren, und das vermutlich mit gewissem Erfolg; andernfalls würden sie den Scheiß nicht auch mit mir abzuziehen versuchen. Zum anderen sitzen sie der – von Anfang an stest auch von Kollegen und Ausbildern und Chefs befeuerten – Illusion auf, dass die dreijährige Ausbildung ein Wettlauf zum Examen sei.

Ich will ehrlich sein: selbstverständlich ist ein halbwegs gutes Zeugnis und die damit heutzutage sichere Anstellung bei irgendeinem Dienstleister im Gesundheitswesen als Motivation nicht von der Hand zu weisen. Denn schließlich muss jede*r irgendwie seinen/ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Diese, stark am Bild des Homo Oeconomicus orientierte Sicht auf die Funktion des Berufsbildungswesens hat gewiss ihre Berechtigung, wenn man das Bild des meritokratisch organisierten Deutschland aufrecht erhalten möchte. Sie klammert jedoch die tatsächliche Aufgabe aus: nämlich zu erlernen, wie man patientenzentriertes Handeln mit den sozialen, ökonomischen und ökologischen Erfordernissen unserer Zeit in Einklang bringen kann. Und das ist weder für die Lernenden, noch für die Lehrenden eine triviale Aufgabe Denn seien wir ehrlich – als allererstes muss man herausfinden, wie man die zumeist jungen Leute abseits des Paychecks am Ende der Straße motivieren kann, mehr zu sein, als nur eine Funktion, die im bunten Jäckchen mit dem großen, lauten Auto und fancy Gadgets durch die Stadt brennt, um sich selbst cool finden zu können…

Ich klinge ein wenig zynisch? Vielleicht. Doch nicht selten kommt mir die Bezeichnung in den Sinn, die ein alter Kollege von mir in einem anderen Zeitalter gerne mal für manche Vertreter unseres Berufsstandes genutzt hat: “Bauch- und schwanzgesteuerte, profilneurotische, blaulichtgeile Krankenträger”; an dieser Stelle sei erwähnt, dass es damals nur sehr wenige Kolleginnen gab. Allerdings weist sich, dass mittlerweile in diesem Zusammenhang auch Frauen manchmal so daher kommen. Doch selbst, wenn ich unterstelle, dass die allermeisten SuS nicht so eindimensional gestrickt sind, bleibt immer noch die Frage, wie man in ihnen die notwendige intrinsische Motivation erzeugt, den eben beschriebenen Weg zu gehen, und auch im Angesicht wirtschaftlicher Zwänge ein human agierender Healtcare-Professional zu werden, und zu bleiben? Und ich muss zugeben, dass ich immer noch an der Lösung arbeite. Manche Erfahrung sagt mir, dass das evtl. ein zu hoch gestecktes Ziel ist. Andererseits sehe ich schon zu viele Kollegen*innen, die mit a) vollkommen falschen Zielvorstellungen hinsichtlich ihres beruflichen Handelns, b) irritierend schlecht ausdifferenziertem beruflichem Selbstbild und c) viel zu viel Ego an den Job herangehen; nur um dann wenige Jahre später desillusioniert das Berufsfeld zu wechseln. Oder zum zynischen Abziehbild eines Sanis degeneriert ihren Frust an den Menschen abzulassen, die ihnen fortan tagtäglich begegnen müssen.

Es genügt nicht, ihnen Selbstreflexionsaufgaben über Schnittstellen zu geben und ihnen den Begriff der doppelten Handlungslogik vorzubeten; die anderen Beteiligten an der Ausbildung müssten ihnen eine Art des Handelns im Gesundheitswesen vorleben, die leider noch viel zu selten tatsächlich stattfindet. Immerzu stöhnen alle, wenn z.B über Kommunikation, Interaktion, Beratung und ethische Fragen gesprochen wird. Warum? Weil in viel zu vielen Köpfen immer noch dieses Bild des Hero-Action-Sanis (m/w/d) dominiert, dass so verdammt falsch, so verdammt gefährlich, so verdammt inhuman, so verdammt unnötig ist, dass es mir die Galle hochtreibt; weil nämlich immer noch viel zu viele Hero-Action-Sanis mit Egos, groß wie Wolkenkratzer da draußen ihr Unwesen treiben und eine positive Weiterentwicklung des Berufsbildes aktiv verhindern. Und – um mich hier mal selbst zu zitieren – deren Horizont ist zu beschränkt, um die Beschränktheit ihres eigenen Horizonts erkennen zu können. DIE MÜSSEN SICH ÄNDERN!

Denn so lange sie existieren, werden sie durch falsches Beispiel in meinen Azubis ein, für alle Beteiligten schädliches Selbstbild fördern, gegen dass unentwegt im Unterricht anzukämpfen unendlich viel Kraft und Nerven kostet. Wenn’s nach mir ginge, würde man diese Kollegoiden samt und sonders entsorgen. Weil das aber nicht geht, bleibt mir nichts Anderes übrig, als nach den besseren Methoden und Argumenten zu suchen. In einer idealen Welt würde das nicht so lange dauern, aber ich schätze mal, dass wir noch mindestens eine Generation brauchen, bevor unser Berufsbild sich tatsächlich zu dem entwickeln kann, was es sein sollte: der bestmögliche Erstkontakt unserer Patienten mit dem Gesundheitswesen bei Notfällen und Krisen. Wer träumt mit…?

Erwachsen bilden N°34 – Curri-Curra-Curriculum…

Rahmenlehrpläne sind genau das – ein Rahmen für die Lehre. Man kann sich viele Dinge ausdenken und seine eigenen Unterrichte dann dementsprechend vorbereiten. Dafür entsteht ein gewisser Zeitaufwand, der in den Controllern jedoch immer wieder Begehrlichkeiten weckt, weil Arbeitszeit Geld kostet. Die Betriebswirte in gewerblich betriebenen Berufsfachschulen verstehen nicht, warum z. B. ein Gymnasiallehrer normalerweise 26 Unterrichtseinheiten (à 45 Minuten) pro Woche unterrichtet und keine 40 Zeitstunden. Das die sogenannten 26 Deputatsstunden dabei je einer UE Unterricht zuzüglich einer UE Vor- und Nachbereitungszeit entsprechen, weil man diese Zeit einfach häufig braucht, wollen sie nicht hören. 26 Deputate x à 1,5h = 39h. Das ist die übliche Wochenarbeitszeit. Nach dieser Rechnung würde ein Fachlehrer drei Tage die Woche unterrichten und wäre zwei Tage mit Vor- und Nachbereitung beschäftigt. Und eigentlich ist das ein guter Ansatz, insbesondere, wenn neue Thematiken aufbereitet werden müssen. Gehe ich zum 10. Mal in eine neue Klasse für den Basisunterricht im ersten Schulblock, brauche ich selbst nicht mehr so viel Vorbereitung. Ein Rookie vielleicht schon.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Dozent bzw. Fachlehrer diesen Unterricht exakt auf die gleiche Art hält wie ich, oder aber sich darauf einlässt, den von mir vorbereiteten Content zu benutzen, ist gering. Das hat damit zu tun, dass es bei der Vorbereitung nicht nur darum geht, hübsche Präsentationen zu bauen, Handouts vorzubereiten, etc.; sondern eben auch darum, sich selbst noch mal seines eigenen Wissens zu vergewissern, sich auf die Fragen der SuS vorzubereiten, zu WISSEN, wovon zum Teufel man gerade spricht. Ein Comedian kann auch nicht mit Programmteilen anderer Comedians auf die Bühne gehen, um den Shit zu rocken! Woher sollte er/sie denn wissen, wann und wie die Pointen am besten funktionieren. Auch ein gut gemachter Unterricht hat eine Spanungskurve, ab und an mal eine Pointe und einen Abschluss. Und die kann man nur selten improvisieren, ohne dass die SuS sich hinterher verschaukelt fühlen. Die haben nämlich ein feines Näschen dafür, wenn der Dozent / Fachlehrer eine fragwürdige Performance abliefert…

Davon ab arbeite ich in einer Branche, in der das zu vermittelnde Fachwissen regelmäßig überaltert und folglich Updates der Unterrichtsinhalte notwendig werden. Selbst up to date zu bleiben, ist also eine Grundvoraussetzung für guten Unterricht. Was bedeutet, dass das Lehrpersonal auch noch Fortbildungsstunden braucht, die – oh Wunder – vom Arbeitgeber bezahlt werden müssen. Ja – MÜSSEN! Denn sogar der Gesetzgeber hat erkannt, dass auch das Lehrpersonal sich kontinuierlich fortbilden muss, und sodann – wenn aus meiner Sicht auch Jahrzehnte zu spät – entsprechende gesetzliche Vorschriften erlassen. Wir machen momentan die größten Forschritte in der Professionalisierung meines Berufes, die ich je erleben durfte. Das macht mich einerseits glücklich und stolz – andererseits bereitet es schlaflose Nächte, weil ich zu denen gehöre, die diese Fortschritte mit gestalten müssen. Eine Aufgabe, vor der ich, aller Freude zum Trotz, Respekt habe.

Ein weiterer Punkt neben dem “immer-wieder-durchdenken-müssen” des Standardstoffes ist der Umstand, dass die Ausbildung von Ausbildern ein kreatives Herangehen an die, zur Lernermöglichung nötige Metaperspektive auf Prozesse der Wissens- und Einstellungs-Aneignung erfordert; Kreativität kann man aber nicht immer erzwingen. Man kann sie trainieren, so wie andere Skills auch, aber das erfordert zwei Dinge: die Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen und Neues auszuprobieren, auch wenn man damit manchmal Schiffbruch erleidet! Und (auch, wenn so mancher das jetzt wahrscheinlich nicht gerne hört) ein gewisses Talent für den Lehrsaal! Und das hat bei weitem nicht jeder, der sich gegenwärtig als Dozent / Fachlehrer versucht. Die teilweise sehr heterogenen Ergebnisse und Berichte von Auszubildenden geben mir hierbei leider Recht. Und damit sind wir wieder bei den eingangs erwähnten Betriebswirten: die glauben nämlich, dass man – so wie früher in der allgemeinbildenden Schule – einfach den Stoff runterrattert, und fertig ist der Lack. Können wir versuchen, aber dann erzeugen wir schlechte, bisweilen evtl. sogar untaugliche NotSans.

Ich versuche wirklich, das mit der doppelten Handlungslogik auch an die Leute mit den Geldbeuteln heran zu tragen, aber einfach ist anders, denn Geld regiert nun mal die Welt. Und doch stelle ich fest, dass es hin und wieder Leute gibt, die allen wirtschaftlichen Notwendigkeiten zum Trotz verstehen, dass es gute Lehre a) nicht billig, b) nicht ohne ordentliche Vor- und Nachbereitung und c) nur mit motivierten SuS und Dozenten gibt. Die Vor- und Nachbereitung steht so aber nicht in den Lehrplänen, und um Motivation zu erzeugen, muss man oft tief in die Trickkiste greifen (und gelegentlich auch ins Portemonaie). Weshalb man diese Umstände geduldig wieder und wieder erklären muss. Dann klappt es vielleicht irgendwann auch mit der stets vollmundig beschworenen, hohen Aus- und Fortbildungsqualität. In diesem Sinne einen schönen September…

The networked mode – what about groups?

Dieser Tage saß ich abends mit der besten Ehefrau von allen bei geistigen Getränken auf dem Balkon und wir parlierten so über dies und das. Irgendwann kam das Gespräch darauf, dass es mich ein wenig amüsieren würde, dass bei einer Fortbildungsveranstaltung in der Vorstellungsrunde alle TN auf ihre beruflichen Funktionen rekurriert haben, um sich den Anderen zu präsentieren. Und das es mich grundlegend irritieren würde, dass Menschen so sehr auf dieses Distinktionsmerkmal “Beruf” fixiert seien. Die Replik meiner Gattin war eine Frage: wodurch sollten sie sich denn sonst definieren? Und so ganz unrecht hat sie damit ja auch nicht. Denken wir das ganze mal in Gruppenprozessen, geht es neben der Distinktion der eigenen Person von Anderen ja auch um die Zugehörigkeit zu einer Peergroup. Und da wir nicht mehr in marodierenden Nomadenstämmen durch die Gegend ziehen, um dann in Clans gegeneinander Krieg um Land und Vieh zu führen, ist die eigene Berufsgruppe als Platz der Zugehörigkeit ein dankbarer Ersatz. Man muss dafür halt auch niemandem den Schädel einschlagen…

Das Problem mit Gruppenprozessen aller Art ist, dass sie in der Folge nicht selten dazu verführen, um der Zugehörigkeit in der eigenen Peergroup Willen Dinge zu tun, die nicht ganz so schön sind. Eine auch heute noch beeindruckende Beschreibung solcher Prozesse lieferte Norbert Elisas in seinem (mittlerweile wohl als Klassiker der Sozialwissenschaften betrachteten) Buch “Etablierte und Außenseiter” von 1965. Merkmale der eigenen Gruppe werden dabei als positiv stilisiert, Merkmale anderer Gruppen hingegen abgewertet, um einerseits den subjektiven Wert der eigenen Gruppe zu erhöhen und andererseits durch den daraus entstehenden Konformitätsdruck (“Willst du drin sein, oder draußen?”) den Zusammenhalt zu steigern. Eine Gruppe wird so zu einem selbsterhaltenden sozialen System (Autopoiese), dass allerdings – sofern der oben beschriebene Mechanismus wirksam wird – die Betonung des Andersseins gegenüber anderen Gruppen für die eigene Kohäsion benötigt. In der Folge kann es z. B. zur Stigmatisierung der Mitglieder anderer Gruppen kommen. Insbesondere, wenn die Gruppe, von welcher diese Art von Aggression ausgeht, die Mehrzahl der Menschen in einem Bereich stellt.

Doch, was hat das nun wieder mit Netzwerken zu tun? Betrachten wir zunächst die Beziehungen innerhalb einer solchen Peergroup, weicht die Punktualisierung als zufällig emergierende soziale Verbindung mit u. U. unabsehbaren Auswirkungen und ungewisser Zukunft einer Ritualisierung, ja beinahe Formalisierung der Beziehungen – und in der Folge auch der genutzten Kommuniaktionsformen (Bro-Fist, Special Handshakes, Running Gags und Insider Gags, etc.). Ein weiterer möglicher Aspekt ist die Entstehung einer – vielleicht formellen, oft aber eher informellen – Rangordnung innerhalb der Gruppe. In der Folge kann es wiederum zu Machgefällen kommen, welche dazu führen, dass eine (Subjektive) “Elite” innerhalb der Gruppe Macht über die anderen Mitglieder erlangen und schließlich Herrschaft über diese ausüben könnte. Nun kann man Herrschaft über andere Menschen allerdings üblicherweise nur dann ausüben, wenn die Beherrschten die Beherrschung selbst legitimieren. Da innerhalb einer Peergroup jedoch Konformitätsdruck herrscht, kann eine hinreichend gute Begründung (z.B. durch gemeinsame Feindbilder) für die eigenen Ziele so viel Zustimmung einwerben, dass der eben beschriebene Prozess in Gang kommt. Ein prominentes Beispiel ist die Vereinnahmung der AfD durch Nazis.

Gegenüber anderen Gruppen verändert sich dadurch natürlich das Auftreten. An die Stelle der (natürlichen) Suche nach Konsens mit anderen Gruppen durch öffentlichen Diskurs tritt die öffentliche Verneinung der Legitimation anderer Standpunkte ohne inhaltliche Diskussion; der eigene Standpunkt wird als “letzte Wahrheit” verabsolutiert und alles andere als schädlich verworfen (=> Grünen-Bashing). Was Stigmatisierung mit anderen Menschen macht, kann man exzellent an der Diskussion um Intergration in unserem Lande sehen. Es wird immer wieder dieser widerliche Begriff “Leitkultur” verwendet, bei dem nicht wenige Menschen so ein bestimmtes Bild im Hinterkopf haben: lauter weiße Menschen, Bierzelt, Schützenfest, Spanferkel “Mei, is des deitsch!”. Alternativ darf man natürlich die Reihenhaus-Vorstadt-Siedlung mit akkurat gestutzem Rasen und deutschem Markenfabrikat in der Auffahrt nicht vergessen. Was nicht in dieses Bild einer Mehrheits-Kultur passt, wird verachtet und demgemäß gedisst. Dass Kultur ein Prozess ist – nun ich habe es schon tausend Mal gesagt, und werde das gewiss noch tausend Mal tun – bedeutet jedoch, dass diese Bilder von der “guten alten Zeit” eine Illusion sind. Ein Schritt von vielen in der Entwicklung unseres Landes…

ACHTUNG: Gruppenprozesse sind mitnichten immer böse! Dass sieht man am kameradschaftlich-altruistischen Handeln vieler, vieler Menschen in den von der Flutkatastophe betroffenen Gebieten. Aber die beschriebenen Mechanismen können eben genauso wirksam werden – und sie tun dies jedesmal, wenn jemand Facebook aufruft, weil der Algorithmus dies begünstigt. Da kann man noch so viele Anti-Hate-Crime-Gesetze auf den Weg bringen. So lange asoziale Medien nicht anders strukturiert werden (und damit unrentabel für die Betreiber werden, weil der Algorithmus Werbeeinnahmen generiert), bleiben sie asozial. Das ist nur ein Netzwerk-Aspekt, aber damit wollen wir’s mal gut sein lassen. Peace

  • Elias, N.; Scotson, J. 2002: Etablierte und Außenseiter. Frankfurt/Main: Suhrkamp.

Der verwirrte Spielleiter / Erwachsen bilden N°33 – Spielleiter meets Lehrer!

In dem Moment, da es gelingt, die Teilnehmer eines Lehrganges mit auf eine Reise zu nehmen, an der alle Beteiligten, inklusive des Dozenten wachsen können, wird die Artverwandtschaft meiner Arbeit zu meinem Lieblingshobby Pen’n’Paper am deutlichsten sichtbar. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten müsste, dass mir mein Job genau dann keinen Spaß macht. Wenn ich das allerdings zu laut sagen würde, müsste ich womöglich einen Vergnügungs-Abzug auf mein Gehalt hinnehmen… 😉 Aber mal im Ernst: natürlich bin ich im Lehrsaal, genauso wie auf dem SL-Sessel am besten, wenn ich Spaß an dem habe, was gerade passiert. Und das hängt natürlich davon ab, ob die Geschichte, welche ich gerade erzähle die TN/Spieler so zu packen vermag, dass sie mitmachen (wollen). Allen sozialen Reibungsverlusten zum Trotze, die in gemischten Gruppen entstehen können, emergiert dann im Lehrsaal und am Spieltisch gleichermaßen der Stoff, aus dem meine Welt gemacht ist: Immersion. Das Fürwahrnehmen und Eintauchen in die Erzählung.

Das ist kein Selbstläufer. Auch wenn ich nur mit begrenzten technischen Mitteln simuliere (beim Pen’n’Paper sind das z. B “nur” die Kraft meiner Stimme und die wohlwollende Fantasie meiner Spieler:innen) genügen u. U. ein paar Kunstgriffe, um den Buy-in der Spieler:innen oder Teilnehmer:innen auszulösen und aktiv zu halten. Buy-in ist hier ein ambiger Begriff. Einerseits ist die Motivation zur Teilnahme an einer Erfahrung gemeint, andererseit die Akzptanz der Rahmenbedingungen dieser Erfahrungen. Das heißt allerdings im Klartext, wenn ich meinen Spielern/Teilnehmern einen Haufen unglaubwürdigen Bullshit als Voraussetzung für das Training/Spiel präsentiere, und gleichzeitig von ihnen verlange, sich vollends darauf einzulassen, wird das Ding in die Binsen gehen! Um dem vorzubeugen, kann Buy-in, aus dem erst die Immersion entstehen kann, durch drei Dinge erzeugt werden:

  • a) Relevanz [Spielern/Teilnehmern ist das behandelte Thema wichtig, weil es Bezug zu ihren bisherigen Erfahrungen hat, gleich ob diese virtuell oder real erworben wurden!]
  • b) Konsistenz [Spieler/Teilnehmer können sich darauf verlassen, dass die Regeln des Spiels bzw. der Simulation immer gleich bleiben, damit ein verlässliches Umfeld bilden und gleichartige Handlungen in diesem Setting stets gleichartige Ergebnisse poduzieren!]
  • c) Transparanz [die Regeln des Spiels sind für die Spieler/Teilnehmer vorab bekannt und wurden als fair und gültig anerkannt!]

Für mich ist der entscheidende Unterschied zwischen Simulations-Trainings und Trainer-Lehrgängen aus meinem beruflichen Umfeld und dem Pen’n’Paper-Rollenspiel die Wirkung des Einsatzes von technischen Ressourcen. Pen’n’Paper benötigt diese NICHT. Man kann natürlich mit Schischi wie Ambient Light, Soundeffekten, Requisiten, etc. arbeiten. Ob dies die Spielerfahrung für SL und Spieler:innen reichhaltiger gestaltet, ist allerdings sehr von den Protagonisten am Spieltisch abhängig. In meinen Spielrunden genießt es keinen Stellenwert mehr. Bei Simulationstrainings hingegen ist der Situationsadäquate Einsatz von Technik notwendig, um jene Realitätsnähe in der Simulation darzustellen zu können, die ich beim Pen’n’Paper-Rollenspiel als Freizeitbeschäftigung u. U. gar nicht haben möchte. Auch hier gilt allerdings als Voraussetzung, dass die drei oben genannten Faktoren (Relevanz, Konsistenz, Transparenz) beachtet werden; andernfalls ist es vollkommen egal, ob mein Simulations-Studio 5.000.00€, 50.000€ oder 5.000.000,00€ gekostet hat! Und hier sind wir bei der Qualifikation der Trainer. Verstehen Trainer bzw. Spielleiter ihr Handwerk als Erzähler einer Geschichte nicht, ist es vollkommen Wumpe, wie viel Aufwand mit den Requisiten betrieben wird – das Setup wird keine guten, nachhaltigen Erfahrungen für die Spieler/Teilnehmer erzeugen!

Man muss ehrlicherweise sagen, dass ein gewisser Ressourcen-Aufwand bei Simulations-Trainings notwendig ist. Wo man die Grenze zwischen notwendig und nice-to-have ziehen möchte, ist allerdings in der Tat immer noch Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Dennoch lassen sich auch mit vergleichsweise geringem Aufwand für das eigentliche Setup der Trainings-Situationen anständige Ergebnisse erzielen. Keine Abstriche jedoch sollte man bei der Technik machen, die das Debriefing von Simulationen erleichtert. Aber dazu bei anderer Gelegenheit mehr. Womit wir auch schon beim zweiten, für mich entscheidenden Unterschied zwischen diesem Teil meiner Arbeit und Pen’n’Paper angelangt wären: eine Rollenspielrunde kann man nachbesprechen, bzw. zusammenfassen, damit Story-Infos nicht verloren gehen; man kann es aber auch bei Notizen belassen. Bei Sim-Trainings MUSS ich ein strukturiertes Debriefing durchführen, welches alle Aspekte der Simulation noch einmal aus verschiedenen Perspektiven aufgreift, um die Entwicklungs-Potentiale der TN darstellen zu können. Ansonsten kann ich das Simulieren auch bleiben lassen…

Wenn man sich mal ein bisschen Zeit nimmt, gewisse Aspekte der eigenen Arbeit und der Hobbies analytisch zu durchdringen, und dann dabei auch noch feststellen darf, dass es Schnittmengen zwischen Arbeit und Hobby gibt, resultiert daraus manchmal ein nicht zu unterschätzender Motivationsschub für beide Felder. Ich kann nur empfehlen, mal drüber nachzudenken. Einstweilen wünsche ich einen schönen Fortgang der Woche und viel Spaß; im Job, wie auch in der Freizeit…

Erwachsen bilden N°32 – a nice retreat…

Glaubt man der “theory of inquiry” von John Dewey, ist Lernen an jedem Ort möglich, und vollzieht sich in einem Prozess, der mit Fragen beginnt. Ohne an dieser Stelle weiter in die Thematik einsteigen zu wollen, meint das natürlich auch den Lehrer. Denn die “richtigen” Fragen stellen die Lerner oft erst dann, wenn ich sie dahin geführt habe. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass ich selbst als Lehrer zuerst einige Fragen beantworten muss. Das ist der Part an pädagogischer Arbeit den ich liebe – den Chefs aber oft nicht verstehen; denn es ist auch der Part, der oft die meiste Zeit benötigt und manchmal für Außenstehende eher wie Spielerei aussieht. Aber man kann nicht jeden Sachverhalt mit beliebigen Methoden darstellen. Es sei denn, das Ergebniss ist egal. Und bevor man die passenden Methoden beschreiben kann, muss man den Sachverhalt erst einmal selbst analytisch durchdrungen haben. Das kostet Zeit.

Ein weiterer Aspekt neben den Methoden und Sozialformen (siehe weiter unten, die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit), die ich im Unterricht verwende, ist der Ort, an dem ich mein Setup aufbaue. Räumlicher und zeitlicher Kontext sind oft limitierende Faktoren, denn ich kann in meinem Büro oder einem kleinen Übungsraum nicht so agieren, wie in einem offen Lehrsaal oder auf einem Freigelände. Zudem muss ich mir – abhängig von den räumlichen Gegebenheiten und dem Lerngegenstand – für das Feedback zum Output der Lernenden immer wieder überlegen, ob ich technische Hilfsmittel benötige, oder freestyle debriefe; nur gestützt durch mein handschriftliches Protokoll. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Wahl des Lernortes ist die momentane Auswirkung auf das Teambuilding und die spätere Teamkohäsion. Und da kann es nützlich sein, mal außer Haus zu gehen.

Ich habe in den letzten Tagen angehende Mentoren ausgebildet; und mit ein wenig Nachdenken erschließt sich einem schnell Folgendes: einerseits muss man für die pädagogischen Inhalte andere Ansätze wählen, als für harte medizinische Themen (das gilt im Übrigen auch für CRM/TRM und positive Fehlerkultur). Andererseits sollte man die gezeigte Bereitschaft, durch eine Steigerung der Ausbildungsqualität auf verschiedenen Ebenen einen Mehrwert für den Betrieb zu erzeugen, auch irgendwie honorieren. Und wenn man das nur dadurch tut, dass man mal nett ins Grüne fährt und den Kolleginnen und Kollegen die Gelegenheit gibt, sich auch im informellen Kontext auszutauschen (und dabei hoffentlich wohlzufühlen). Manchmal sind es diese ungeplanten Anteile solcher Zusammenkünfte, die ungeahnte Synergien zu erzeugen vermögen (und damit meine ich explizit nicht den, üblicherweise gemeinten betriebswirtschaftlichen Aspekt gesteigerter Effizienz beim Ressourceneinsatz). Auch wenn kein Chef, der bei Verstand ist, übersehen kann, dass hier viel für die Betriebsbindung getan werden kann, was einen Sack voll Opportunitätskosten (Recruiting, Einarbeitung, Know-How-Verluste, etc.) verhindern hilft. Aber was weiß ich schon.

Ich selbst empfinde es als Wertschätzung, wenn ich Anderen eine solche Gelegenheit bieten kann. Im Übrigen aber auch, wenn ich solche Veranstaltungen wahrnehmen darf. Da haben wir noch ein wenig Diskussionsbedarf, denn auch mit einer hochwertigen (hochschulischen) Ausbildung ist man immer noch ein Mensch, der immerzu dazu lernen kann – und muss. Denn wer stehen bleibt, den überholt die Welt! Ich habe dieses mal übrigens auch etwas dazu gelernt: nämlich eine neue theoretische Herangehensweise an die – von manchen meiner Kolleginnen und Kollegen gerne uncharmant als “Bullshit-Einsätze” titulierten – Versorgungs-Probleme, die mangels besserer Ressourcen(kenntnis) viel zu oft zu RTW-Einsätzen führen. Aber darüber rede ich vielleicht ein anderes Mal ausführlicher. In jedem Fall, vielen Dank dafür, Julian. Und ich durfte feststellen, dass im Unterrichtsgespräch zu gendern mir immer leichter fällt. Bin wohl doch noch nicht zu alt für neue Tricks… 😉

Ich habe mich jedenfalls an diesem Ort wohl gefühlt und die Energie anscheinend genutzt, um sie an die TN weiterzugeben. Zumindest hatte ich zum Schluss der Veranstaltung das Gefühl, dass es doch noch eine runde Sache geworden war. Dafür gehe ich auch gerne mal verspätet ins Wochenende. Es ist übrigens kaum zu glauben, aber auch nach über einem Jahr fällt es mir immer noch schwer, mich an den 8-to-5-Job zu gewöhnen. Obwohl’s ja eigentlich gesünder ist. Mal schauen, was noch kommt. Morgen geht es erstmal im Büro weiter. In diesem Sinne wünsche ich eine gute Woche.

  • Methode (Unterricht):
  • Eigenvortrag (technisch unterstützt, grafischer Aufbau am Flipchart, Pinnwand, Whiteboard, oder nur Stimme)
  • Schülervortrag (siehe Sozialformen, Darstellung von Arbeitsergebnissen)
  • Plenumsdiskussion (siehe Sozialformen, eigent sich für die Selbstreflexion von Einstellungen, Normen, Werten)
  • Demonstration (eigene Darstellung einer handwerklichen Technik, mit dem Zweck zur => Imitation überzuleiten)
  • Skilltraining (=> Imitation der Demonstration, festigung handwerklicher Skills)
  • Simulation (Darstellung einer ganzheitlichen Einsatzsituation, Komplexität abhängig vom Lernstand der Teilnehmer)
  • Exkursion (Sichtbarmachen des Realitätsbezuges durch Realdarstellung von Komponenten des Berufsfeldes und Schnittstellen zu anderen Professionen)
  • Spiel (zur physischen Aktivierung bei Ermüdung der TN, oder um abstraktere Gedankenmodelle besser greifbar zu machen => Selbsterfahrung)
  • Experiment (wie beim Spiel, jedoch mit einem direkteren Bezug zur Arbeitsrealität; etwa bei der Arbeit mit Tierorganen)
  • Lernbüro (selbstständiges Organisieren-Müssen einer virtuellen RW oder strukturelle Darstellung eines RDB, um eine Vorstellung von der Komplexität der Stellgrößen und Einflüsse zu bekommen)
  • Sozialform (Unterricht):
  • Frontalunterricht / Unterrichtsgespräch (Vortrag durch den Lehrer)
  • Plenumsarbeit (Gesamtgestaltung durch die Teilnehmer, etwa in Form einer moderierten Diskussion, einer Abstimmung, o.Ä.)
  • Gruppenarbeit (Erarbeitung einzelner Sachverhalte in Kleingruppen, mit dem Ziel später vergleichend Einstellungen und/oder Inhalte aus den Gruppen zu einem Gesamtkonsens zusammenführen zu können)
  • Tandemarbeit (wie bei der Gruppenarbeit, jedoch in zweier-Teams. Eher für Prüfungs-vorbereitungen geeignet
  • Einzelarbeit (alle Teilnehmer:innen erarbeiten sich die vorgegebenen Inhalte selbst und es findet im weiteren verlauf ein Ergebnisabgleich statt. Eignet sich für theoretische Inhalte)

The networked mode – does it make sense…?

Ein – mir selbst immer wieder unterlaufender – sprachlicher Lapsus ist der Ausspruch: “Das macht Sinn.” Sinn kann man nicht machen, oder herstellen. Er ergibt sich – oder auch nicht – aus dem, was wir tun oder lassen. Ich las heute morgen einen Artikel, der sich um diese magische Frage nach dem Sinn des Lebens drehte und der Autor kommt zu der durchaus erfrischenden Erkenntnis, dass diese Frage nach dem Sinn der Sylversterabend unter den Fragen sei – total überschätzt! Wenngleich meine eigene Erkenntnis zu dieser Frage ganz simpel lautet: Der Weg ist das Ziel. Oh, wie ich Glückskekssprüche manchmal liebe 😉 . Nein, ernsthaft; die Suche nach dem Sinn ergibt dann welchen, wenn man unterwegs die Fragen findet, die für einen selbst wirklich relevant sind. Wie zum Beispiel “Will ich das wirklich?”, “Wohin bringt mich das?”, “Macht mich das zufrieden(er) oder gar glücklich(er)?”, “Brauche ich das wirklich?”, “Ist das Kunst, oder kann das weg?”… [Hier ist noch der gedankliche Platz für eure relevanten Fragen]

Was hat das aber nun mit “dem Netzwerken” zu tun? Ich finde, die Antwort liegt auf der Hand. Da wir uns als soziale Wesen in und durch unsere Beziehungen realisieren, ist der Netzwerkmodus wahrscheinlich die Urform unseres Daseins. Das Eingebettetsein in das Miteinander bot unseren hominiden Vorfahren Schutz vor den Fährnissen einer verdammt gefährlichen Welt. Mit jedem Jahrhundert, jedem Jahrtausend, das verging, wurde unsere Spezies etwas besser darin, mit diesen Gefahren umzugehen. Aus der (objektiv) existenziellen Bedrohung auf dem Weg zu einer Quelle mit trinkbarem Wasser ist die (subjektiv) existenzielle Bedrohung des Egos durch zu wenig Insta-Likes geworden. Es wäre vermutlich ein wenig sehr darwinistisch, wenn ich in diesem Zusammenhang schon von Degenerierung spräche, aber… so ganz von der Hand zu weisen ist der Gedanke nicht. So richtig in argumentative Schieflage käme ich jetzt, wenn ich anfinge davon zu sprechen, dass die Menschen mal wieder eine echte existenzielle Bedrohung bräuchten, um wieder zu einem besseren Selbst zu finden, oder?

BÄM – schiefgelaufen. Denn diese Bedrohung ist da. Nennt sich Pandemie. Und was sie hervorgebracht hat, war bislang, neben dem erhofften Altruismus, den es tatsächlich auch hier und da gab, vor allem ein krudes Surrealitäten-Kabinett voll von monströsen sozialen Entgleisungen. Facebook ist so ein schönes Biotop… Ich versteige mich jetzt mal zu der Vermutung, dass wir heutzutage so scharf auf digitales Sozialleben inclusive Lagerfeuer sind, weil wir verlernt haben, wie das enge Miteinander unter schwierigen Bedingungen funktioniert. Wir leben (zumindest hier in Deutschland) in solchem Überfluss, dass sich jeder für den König / die Königin seines kleinen Reiches hält und keine Kompromisse mit all den anderen Herrschern*innen eingehen möchte, weil das hieße erkennen zu müssen, dass man so individuell gar nicht ist. Denn, wenn das Licht ausgeht, sind wir alle grau – und im Liegen sehen wir alle gleich aus (übliche Serienschwankungen sind in dieser Aussage einkalkuliert).

Dieses Selbstverständnis – genährt aus den Missverständnissen über die tatsächliche Beschaffenheit von Netzwerken – ist es, was uns so viele Probleme schafft. Wenn ich in einem Land 82.000.000 Individualisten habe (und wir tun unser Bestes, unsere Kinder auch diesbezüglich nach unserem Ebenbild zu erziehen), treibt alles auseinander, weil jeder für sich reklamiert, immer und überall im Recht zu sein; und das Netzwerk in seinem Kopf nicht mehr aus echten, anstrengenden sozialen Beziehungen besteht, die gepflegt werden wollen, sondern aus einem unerschöpflichen Scrollbalken voller geteilter Bildchen, Memes, Texte, Videos und Werbung, der uns vorgaukelt, so etwas wie ein Abbild unserer Welt zu sein. Natürlich ist das eben gezeichnete Bild übertrieben, denn die allermeisten von uns pflegen immer noch soziale Kontakte. Aber es ist so unfassbar leicht, sich auf irgendwelche Empörungswellen einzulassen, weil – wie ich andernorts schon mal dargestellt habe – echte und subjektive Sozialrealität entkoppelt werden, sobald ich auf der Taschenwanze (a.k.a. Smartphone) irgendeine Social-Media-App starte. Weil ich auf der Suche nach Sinn bin.

Denn wir projizieren unsere Suche nach Bestätigung, nach Einbettung in das Soziale, nach etwas, dass sich gut anfühlt – mithin also unsere Suche nach Sinn im Leben – in die Virtualität. Die war jedoch nie dazu gemacht, uns Sinnsuche zu ermöglichen. Diese Apps sollen für ihre Macher Geld verdienen, indem sie Werbung streuen. Und sie machen es ganz leicht Sinn und Zweck zu verwechseln. Sinn ist das, was sich aus unserem Tun und Lassen ergibt. Zweck ist die Motivation, aus der heraus wir etwas tun oder lassen. Wir aktivieren also irgendeine (Anti)Social-Media-App zu dem Zweck nach etwas zu suchen, was wir dort – by design – nicht finden können: Sinn. Je früher man das versteht, desto einfacher wird es, den Mist abzuschalten; oder ihm wenigstens nicht so viel Raum und Macht über das eigene Leben zu geben. Denn scrollend, rezipierend dazusitzen, ist rein passiv. Rausgehen und etwas tun ist aktiv. Nur aus der Aktivität aber kann sich Sinn ergeben. Oder, wie Erich Kästner mal gesagt hat “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!” In diesem Sinne – eine schöne Woche.

Erwachsen bilden N°31 – Anspruchshaltungen…?

Ich hatte neulich das Vergnügen, im Rahmen des 1. Symposium zur Förderung der Wissenschaft im Rettungsdienst zu sprechen – und ich habe einige hochinteressante Vorträge hören dürfen, die mir bereits jetzt Lust auf die nächste Veranstaltung machen. Einer davon hatte es in sofern in sich, als ein Thema behandelt wurde, dass genau an der Schnittstelle zwischen Fachschule und Ausbildungsbetrieb (und ein wenig später für die fertig ausgebildeten NotSans beim Übergang in ein Anstellungsverhältnis als Fachkraft) angesiedelt ist: wie führt man die Generation Z? Abseits des Umstandes, dass es innerhalb von sogenannten Alterskohorten – was der Volksmund eben so als Generationen bezeichnet – erhebliche Streuungen gibt, weil Menschen nun mal Menschen sind, ist die Frage deshalb von Interesse, weil der Kollege, welcher sich des Themas angenommen hatte in der Tat einige interessante Ergebnisse vorweisen konnte.

Diese jungen Menschen streben wohl nach mehr Transparenz im Führungsverhalten, nach mehr Partizipation in der Gestaltung möglichst großer Bereiche ihrer Arbeitsumgebung und nach Respekt für ihr bisheriges Accomplishment; und ganz nebenbei wahrscheinlich auch noch für das Mensch-Sein an sich. Letzteres hatte schon Carl Rogers in den 30ern des vergangenen Jahrhunderts gefordert; also Menschen einfach anzunehmen und ihnen mit natürlichem Respekt zu begegnen. Dass es daran häufig hapert, darf man getrost als Allgemeinplatz bezeichnen. Insoweit decken sich die Ergebnisse mit meinen persönlichen Erfahrungen. Die jungen Leute lassen sich heute nur noch ungerne mit einem “weil das halt so ist” abspeisen. Und hiertreffen wir auf einen Haufen Probleme, der von beiden Seiten verursacht wird…

Einerseits kann ich aus eigener leidvoller Erfahrung bestätigen, dass wir speziell in meiner Branche noch nahezu flächendeckend weit von Just Culture und Leadership Ability entfernt sind. Also von einer fairen Fehlerkultur, die nicht – typisch deutsch – erst mal jemanden sucht, den man punishen kann, wenn was verrutscht ist, anstatt gemeinsam nach den Ursachen zu forschen, die entstandenen Schäden zu reparieren und Vorkehrungen für die Zukunft zu treffen, die sich nicht in einer verbalen, (oft öffentlichen) Auspeitschung des betreffenden Mitarbeiters erschöpfen. Über Leadership will ich mich lieber nicht zu sehr auslassen, sonst komme ich in Rage. In meiner idealen Welt führt man von vorne, verlangt von seinen Mitarbeitern nichts, was man nicht auch selbst zu geben bereit ist, und kann ein “NEIN” ohne Groll akzeptieren. Mal schauen, wann ich es schaffe, meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Um das hier abzuschließen: es werden alle Fehler gemacht, die das Handbuch beschreibt: intransparentes, willkürlich erscheinendes, forderndes, in vielerlei Hinsicht intolerantes, den Wünschen der Mitarbeiter negativ begegnendes und zu oft auch noch erratisches Führungs-Handeln. Das einem da die Leute wegrennen, ist vollkommen normal. Insbesondere, wenn dann noch mein Lieblingssatz fällt: “Das haben wir schon immer so gemacht!”

Allerdings beobachte ich auch auf der “Gegenseite”, also bei den jungen Azubis und frischen hauptamtlichen Mitarbeitern einige Verhaltensweisen, die ich ganz persönlich nicht gut finde und denen ich – wenn’s mal wieder übertrieben wird – auch offen ablehnend gegenüber stehe! Und das Hauptproblem ist hier fordern, fordern, fordern! Ich lehne keine Forderung einfach so ab. Aber ich behalte mir vor, über die Legitimation nachzudenken und dann auch entsprechend zu entscheiden. Wir ermöglichen viel. Ich habe noch nie davon gehört, dass es an allgemeinbildenden Schulen so genannte Kann-Listen für Klausuren gibt. Es kommt der Stoff dran, der durchgenommen wurde. Und die Lehrer WISSEN, welcher Stoff durchgenommen wurde. Wir kümmern uns um die Unterbringung. Und ich muss ehrlich sagen: ich hatte schon Ferienwohnungen für gutes Geld gemietet, die schlechter waren, als das, was wir bieten. Niemand kann zaubern; nicht mit dem hiesigen Immobilienmarkt. Und die Ausstattung im Lehrsaal ist nicht genauso, wie daheim. Und, und, und… An manchen Tagen würde ich gerne jemanden aus dem Kreis der SuS dahin stellen, wo ich gerade steh und mich dem stellen muss. Spaß bei der Arbeit geht anders!

Ein substanzielles Problem aber habe ich, wenn ich höre, dass man sich in gewissen social media Kanälen immer und immer wieder gegenseitig anheizt, so nach dem Motto “Mal schauen, was noch geht!” Falls irgendeiner meiner Azubis das hier liest, kann ich an dieser Stelle klipp und klar in aller Deutlichkeit sagen: NICHTS MEHR! DAS LIMIT IST IN JEDER HINSICHT ERREICHT! Ich weiß, dass die Ausbildung anspruchsvoll ist, dass man sich gerne auf die Inhalte konzentrieren können möchte etc. Und ich habe auch Verständnis dafür, dass so eine Azubi-WG sich auch ein bisschen wohnlich anfühlen soll. Kein Ding. Und mir ist ebenso klar, dass meine Generation anders erzogen und ausgebildet wurde. Aber auch 2021 gilt immer noch: Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Ich respektiere meine Azubis, begegne ihnen (zumindest denke ich das) auf Augenhöhe, und versuche Probleme im Rahmen meiner Möglichkeiten schnell und unkompliziert zu lösen. Im Umkehrschluss erwarte ich aber auch, dass sie nicht nur mich, sondern auch die Limits, an denen ich mich orientieren muss, respektieren. Andernfalls reden wir nicht mehr von einem fairen und transparenten Miteinander. Das Verhältnis zwischen den Azubis und den Lehrkräften ist nämlich keine Dienstleistungs-Einbahnstraße!

Mag sein, dass dieser Post weniger metatheoretisch und sehr stark von meinen Erfahrungen der letzten Wochen und Monate geprägt ist, aber auch solche Dinge muss man gelegentlich zur Diskussion stellen. Denn eigentlich kann ich nicht glauben, dass ich der einzige sein soll, bei dem die SuS ihre Macht austesten, “Mama hat gesagt – Papa hat gesagt” spielen, versuchen, die Honorar-Dozenten auf ihre Seite zu ziehen, etc. Kennen bestimmt auch andere. Würde mich freuen, mal drüber sprechen zu können. Ansonsten: für alle, denen das möglich ist, ein schönes verlängertes Wochenende.

Zufriedenheit N°6 – Bleib rätselhaft!

Es ist, milde formuliert, irritierend, mit was für einem Scheiß sich das Feuilleton des Öfteren auseinandersetzt. Ich las heute morgen, dass die ARD ein Unterformat ihrer Reihe “Wissen vor Acht” mit dem Titel “Sprüche vor Acht” plant. Da sollen Redensarten erklärt werden. Nun weiß ich, dass es jede Menge Menschen gibt, die in Ermangelung besserer Ideen immer noch die gruseligen Hauptprogramme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks konsumieren. Eben jener Anstalten, die immer wieder (grundlos) rumjammern, dass die Zwangsabgabe nicht hoch genug sei, produzieren dabei mit Hilfe ihres unfassbar riesigen, und unfassbar nutzlosen Verwaltungsapparates nicht selten kapitalen Bullshit. So mancher Redakteur bei ZON und anderswo wäre ohne die Ausfälle des ÖR wahrscheinlich arbeitslos. Unter Beachtung des Umstandes, wie viele Menschen in Deutschland ein Smartphone besitzen, und wahrscheinlich zumindest googeln können, stellt sich mir nun die Frage, welchen Sinn oben genanntes Format haben sollte?

Glaubt die ARD, damit ihrem Bildungsauftrag nachzukommen? Das käme dann ein paar Jahrzehnte zu spät. So was hätte vielleicht vor 25 Jahren noch Sinn gemacht, aber heute? Versucht man dem eigenen Anspruch als Hüterin von Kultur gerecht zu werden? Was soll dann der Tatort, der mittlerweile nur noch aus (falschen) Milieustudien und kaputten Kommissaren:innen besteht? Versuchen die dann etwa witzig zu sein? Sorry, aber die Domäne haben die Spartensender und eigenen Landesanstalten schon seit Jahr und Tag besetzt. Und das immer noch besser, als die Privaten. Ich glaube ja, dass in manchen Köpfen von so genannten Verantwortlichen immer noch diese strikte Trennung von Hochkultur und Populärkultur existiert, die – PARDON – Unfug ist. Obsolet, Kann auf den Müll. Ich habe vor ein paar Jahren mal einen Artikel über Recycling-Kreativität geschrieben, der mir gerade wieder in den Sinn kam. Warum gibt es überhaupt so eine gedankliche Trennung: Oper ist Kunst, Heavy-Metal ist Geschmackssache, “Faust” ist Literatur, Comics sind Schund, “Panzerkreuzer Potemkin” ist ein Zeitdokument, “Guardians of the Galaxy” hingegen irrelevante Unterhaltung, usw.? Ich zitiere mich mal selbst:

“Zum einen vermisse ich einen wichtigen Aspekt der Prozessualität von Leben und (menschlichem) Schaffen, nämlich den der je individuellen wie auch zeitgenössischen Eigenheiten der kreativ tätigen Menschen. Methoden ändern sich, Materialien und Techniken ändern sich; und natürlich ändern sich auch die Menschen. Das was wir als tradierte Güter ehemaligen Kulturschaffens mit uns herum tragen mag eine gewisse Präsenz haben doch es diktiert nicht mein eigenes schöpferisches Tun. Ich nutze Geschriebenes, Gemaltes nicht als Blaupause für meine eigenen Werke, so wenig wie die viele andere dies tun. Vielmehr ist diese dem Wandel innewohnende Varianz Motor für Vielfalt, für Innovation. Mag sein, dass einmal Gedachtes oder Gemachtes hie und da seinen Widerhall in den Kreationen kontemporärer Künstler findet, doch dies entwertet die Kunst in keinster Weise, wenn die Idee und Erkenntnis des Künstlers in ihm selbst gereift ist und so seinem Werk zur Kraft gereicht, Idee und Erkenntnis zu transportieren. Wie oft denkt man einen Gedanken, nur um später herausfinden zu müssen, dass ein Anderer diesen auch schon hatte. Dennoch ist der vielleicht auf ganz anderem Wege dahin gelangt und wird für sich reklamieren, von selbst darauf gekommen zu sein, selbst wenn es auch vor ihm schon mal jemanden gegeben haben sollte, usw.”

http://unlimited-imaginations.com/recyclingkreativitat-gibts-sowas-uberhaupt

Doch das ist ja nur der eine Aspekt. So sehr ich dafür eintrete, Leben, Kultur und Kunst als Prozesse zu betrachten, die ständig neue Iterationen durchlaufen, um dabei immer wieder neue, erstaunliche, schöne, gruselige, widersinnige, widerspenstige, fordernde und sonst wie spannende Produkte hervorzubringen, möchte ich mich der Ergebnisoffenheit dieser Prozesse verpflichten. Die politische Bedeutung von “ergebnisoffen” wird von den Menschen ja oft mit “haben die doch schon im Hinterzimmer ausgekungelt und jetzt tun sie nur noch für eine Weile so, als wenn sie nach einer tollen neuen Lösung suchen” übersetzt. Und so ganz falsch ist das ja leider oft auch gar nicht, wenn man sich auf eine geringe Anzahl mehr oder weniger opportuner Lösungen festlegt, anstatt wirklich über den Tellerrand zu schauen. Die Suche nach einem Atommüllendlager in Deutschland illustriert das höchst eindrucksvoll. Kultur und ihre Produkte (die wir manchmal als Kunst wahrnehmen) sind jedoch tatsächlich ergebnisoffene Prozesse im besten – manchmal auch schlimmsten – Sinne des Wortes. Forrest Gumps Pralinenschachtel in riesengroß…

Für mich macht das den Reiz aus. Die “Klassiker” der Weltliteratur werden in Schulen in dem – nicht selten vergeblichen – Versuch genutzt, grundsätzliche Prinzipien menschlichen Miteinanders zu versinnbildlichen. Beim “Fänger im Roggen” geht es nicht um das Sezieren der Worte, sondern um’s Erwachsenwerden, um die Kritik an der nivellierten Mittelstandsgesellschaft der USA in den 50ern. Ich habe das Buch nie gemocht, weil ich “Holden Caulfield” vom ersten Moment an für einen Idioten, einen narzisstischen, selbstmitleidigen Schwafler hielt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und ich denke, ich war nicht der Einzige. Im Musikunterricht müssen sie immer noch unnötigerweise soziodemographische Fakten zu Komponisten auswendig lernen. Die Liste ließe sich noch ein Stück weiterführen, doch was ich eigentlich sagen will, passt in einen Satz: etwas ist kein Klassiker, nur weil es mal irgendwann für irgendwen eine gewisse Relevanz besessen haben mag. Ich tue mir schwer damit, in Songs von “Capital Bra” irgend eine nennenswerte Schöpfungshöhe zu erkennen. Und dennoch reflektiert der dämliche Bruder den Zeitgeist. Zeitgeist muss einem halt nicht unbedingt gefallen…

Kulturprodukte und Kulturpraktiken ändern sich, Sinnzusammenhänge und Relevanz ändern sich, doch so lange Kunst die Funktion erfüllt, Menschen zum Denken und Fühlen anzuregen, bleibt ihr Zweck auch unter sich verändernden Vorzeichen erhalten. Sie soll faszinieren, Fragen stellen, ohne gleich platt eine Antwort mitzuliefern. Sie soll uns unsere Gefühle bewusst werden lassen; die Guten wie die Schlechten. Sie soll uns mithin dazu bringen mehr Mensch zu sein. Und dazu darf Kultur auch gerne mal rätselhaft bleiben. Viel zu oft ziehen wir unsere Taschenwanze hervor, um eine Frage instant beantworten zu können, wenn ein wenig Kontemplation enthüllen könnte, dass nicht die Antwort das Ziel war, sondern der Denkprozess. Wie beim Wandern, so ist auch beim Denken oft der Weg das Ziel, weil wir am Weg wachsen! Am Ziel wächst höchstens mein Ranzen, wenn es dann ans Schnabulieren geht… Bitte nicht missverstehen: ich schnabuliere auch gerne. Aber mehr Zufriedenheit erfahre ich entlang des Weges. Und Zufriedenheit ist mir im Moment noch immer ein rares Gut, für welches ich gerne Mühen auf mich nehme – solange ich das selbst bestimmt tun kann! Ich wünsche ein schönes Wochenende.

New Work N°7 – Gimmicks rule?

Es ist, wenn man sich mit der Angelegenheit mal eine Weile befasst hat, ziemlich bald klar, dass Gimmicks in der Arbeitswelt als symbolische Währung für Status, Standing, etc. in Organisationen missverstanden – manchmal auch missbraucht – werden, obschon sie doch eigentlich nur Werkzeuge sind (bzw. sein sollten) , mit denen sich Arbeit etwas effizienter gestalten lässt; durch bessere Erreichbarkeit etwa. Weshalb mein Arbeitgeber mir ein Smartphone stellt, welches mir im Gegenzug Zugriff auf die Unternehmenskommunikation gestattet. Er nutzt dafür ein vergleichsweise einfaches Gerät aus der Samsung XCover-Serie. Ich mag das Teil, denn es ist robust, bietet für den Administrator zusätzlichen Schutz vor Malware, etc. und macht ebenso klaglos wie zuverlässig, was es soll. Schönes Ding.

Ich höre in meinem Hinterkopf gerade Stimmen; die eine Fraktion sagt “Wie? Mit so einem popeligen Teil lässt du dich abspeisen…?” Die Andere fragt wahrscheinlich, warum ich ein Smartphone brauchen sollte, andere Leute (z.B. sie selbst) sind doch viel wichtiger. Beide machen den gleichen, oben schon erwähnten Fehler: sie verwechseln Schein und Sein. Soll ich ehrlich sein. Am Anfang habe ich mir keine Gedanken drüber gemacht, wie wenig teuer, prestigeträchtig, etc. das Dings ist, sondern habe mich gefreut, dass ich nicht für jede Mail in mein Büro laufen muss.. Der Prestige-Gedanke hat sich übrigens immer noch nicht eingestellt. Aus oben genannten Gründen. Hochglanzpolierte Oberflächen sind nämlich nach meiner Erfahrung meistens genau das: oberflächlich glänzend, aber auch nicht mehr! Mal davon abgesehen, dass ich mir auch privat nie irgend so ein schweineteures High-End-Gerät kaufen würde. Mir erschließt sich bei durchschnittlichen Nutzungsprofilen der allermeisten Konsumenten nicht wirklich, wofür sie die überstylte, überdimensionierte Taschwenwanze brauchen sollten. Die meisten nutzen die Dinger doch eh nur zum Zocken, Fotografieren, ein bisschen surfen und Messengern. Dafür langt auch mein privates Galaxy A41.

Ich werde ja nicht müde, zu sagen dass das Phone halt nur so smart wie sein Benutzer sein kann; bezogen darauf tragen sehr viele Leute einen Supersportwagen in der Tasche, wo ein Minivan locker gereicht hätte. Und das Statusargument werde ich hier nicht gelten lassen. Denn tatsächlich konstituiert sich Status völlig anders, als durch überflüssige sichtbare Zeichen. Aber auch das zu lernen wird dir Menschheit noch eine ganze Weile brauchen. Für mich wird derweil immer wichtiger, auf welche Weise ich irgendwelche Apparate, Apps, etc. produktiv nutzen kann. Zum einen, weil privat, wie auch beruflich ein endliches Budget zur Verfügung steht; und zum anderen, weil ich keine Lust darauf habe, mir meinen Arbeitsplatz (egal ob im Home- , oder im Workplace-Office) mit unnötigem Tinnef vollzustellen. Da hat sich in meinem Kopf in den letzten Jahren ein gewisser Wandel vollzogen. Früher war ich doch manchmal schon arg verspielt, und ließ mich leicht zu irgendwelchen Dingen hinreißen. Heutzutage bin ich etwas weniger Affekt-inkontinent, dafür jedoch zielgerichteter bei Anschaffungen. Insbesondere, wenn’s um Spielzeuge geht, deren Nutzen sich erst noch herausstellen muss.

Zugegeben: ich bin bis heute nicht frei von einer gewissen Spielfreude und der stetigen Suche nach etwas Neuem, das mir helfen könnte, meine Kreativität besser zu entfalten. Man rennt dabei gelegentlich in Sackgassen und verbrennt etwas Geld. Doch im großen und ganzen bemerke ich, dass weniger tatsächlich mehr ist. Neulich haben sich meine Schülerinnen und Schüler ein bisschen über ein Bild aus meinem Home-Office lustig gemacht, weil nur zwei Monitore, ein Festnetztelefon und ein einsames Mikro draufstehen. Die sind halt noch arg jung. Das wichtigste Gimmick auf meinem Home-Office-Desk ist derzeit ein Kalender, bei dem man durch zufälliges Aufblättern Fragen erzeugen kann; hier ein Ergebnis:

Übrigens wirklich eine geile Frage…

Womit wir an der Frage angelangt wären, was ein Gimmick eigentlich ist? Der Tech-affine Typ in mir (wie auch in vielen anderen) denkt dabei natürlich spontan an irgendwelche elektronischen Spielzeuge, Apps, Software, etc. Wie unglaublich kurzsichtig. Das Bild oben zeigt ein Device, dass trotz der einfachen Ausführung ziemlich smart ist. Smarter jedenfalls, als die meisten Phone-User! Nicht das Dingliche an sich macht einen Gegenstand zum Gimmick, sondern die Arten, auf die man diesen benutzen kann. Und oft findet man die spannendsten erst durch ausprobieren. Der wirkliche Wert eines Devices liegt in dem, was wir mit dem Ding anstellen, nicht im Ding an sich. Je mehr sich die Menschen das wieder ins Gedächtnis rufen, desto früher kommen wir vielleicht wieder zu mehr Nachhaltigkeit. Ich fände es zudem ziemlich erfrischend, wenn wir anfingen, darüber nachzudenken, was wir wirklich brauchen – nicht nur bei der Arbeit, sondern überhaupt – und weniger Wert auf Oberflächen zu legen; denn die sind allesamt vergänglich. So, wie wir! In diesem Sinne wünsche ich eine produktive Woche. Apropos – Produktivität…was ist das eigentlich?