Contrast rules!

Unterschiede. Divergenzen. Dichotomien. Ambivalenzen. Kontraste sind das Salz in der Suppe unseres Lebens, weil sie sich so exzellent dazu eignen, Dinge greifbar zu machen. Indem ich die Unterscheidbarkeit von Sachen oder Sachverhalten nutze, kann ich sie oft wesentlich besser definieren und verständlich machen. Der Vergleich ist also ein ständiger Begleiter. Das Problem ist, dass die Vergleiche und Kontrastierungen, wie alles andere im Leben – abhängig von der Dosis – ein Gift sein können. Etwa die Beschreibung kultureller Unterschiede, die einfach nur dazu gedacht war, Eigenheiten des Gegenübers verständlich zu machen, wird in den falschen Händen plötzlich zu einem Werkzeug des Hasses! Wird genutzt, um ein Wir-gegen-Die-Narrativ zu begründen! Wird schließlich zu Rassismus! Und so sehr man sich auch für aufgeklärt, weltoffen, tolerant und über solch niederem Verhalten stehend halten mag – das Unterscheiden-Müssen des Unterscheidbaren ist ein Mechanismus, der von Kindesbeinen an so tief in unserer Psyche verankert wird, dass wir nicht aus unserer Haut können – wortwörtlich! Wir urteilen auf Grund der sozialen Filter, welche uns von Tag 1 an mitgegeben werden, denn unser sensorisches Register und unsere formatio reticularis mögen zwar rasend schnell unbewusst auf die verschiedensten Reize reagieren können – sie sind aber sehr wohl konditionierbar!

Irritation ist immer ein guter Lernanlass!

Gerade visuelle Reize, die noch dazu einen nicht unerheblichen Teil der Arbeitsleistung für unseren Cortex verursachen, wirken dabei als mächtige Mittel des Lernens. Aber auch alle anderen Sinne sind an solchen Leistungen beteiligt. Es sind diese Mechanismen, die wir uns in der Berufsbildung zu Nutze machen müssen. Denn viele Kompetenzen, welche die Auszubildenden erlernen sollen, sind nicht durch klassischen Unterricht, sondern nur durch moderierte Konfrontation mit der Realität und gezielte Reflexion des Erlebten möglich. Wir tun dies durch Simulationstrainings, in denen wir Auszubildende aber auch Ausbilder immer wieder an mögliche reale Belastungen heranführen, und so zum Beispiel die Limits individueller Stressresilienz anheben. Aber auch Einstellungsänderung funktioniert auf diese Art. Denn es bedarf, um als Notfallsanitäter*in sein volles Potential entfalten zu können, eines besonderen Menschenbildes, welches jedoch nur zu oft durch die, während der fachpraktischen Ausbildung am Realsubjekt unserer Arbeit erlebte, gesellschaftliche Realität beschädigt wird. Und das meint explizit nicht nur Patienten, Angehörige und Mitglieder anderer Berufsgruppen – es inkludiert auch viele Kollegoide, welche die Frustration ihrer Desillusionierung an den Azubis abreagieren. Da könnte ich kotzen!

…noch eine visuelle Spielerei!

Es ist die vornehmeste Kunst, Ambivalenzen auszuhalten und sein inneres Selbst trotzdem nicht zu verlieren. In dieser Hinsicht stellt sowohl meine heutige Tätigkeit als Ausbilder, wie auch meine vorige als Notfallsanitäter nicht unerhebliche Anforderungen. Und regelmäßig versage ich dabei, gebe den Druck an jene weiter, die diesen eigentlich nicht verdient haben und auch nicht aushalten müssen sollten; ich verliere mich selbst viel zu oft in wenig zielführenden Denk- und Argumentationsspiralen und tue Menschen manchmal schlicht Unrecht. Reziprok trifft zwar das Gleiche zu, aber das macht es ja nun kein Jota besser. Denn auch ich erliege natürlich regelmäßig der dunklen Seite der Kontrast-Macht. Nur ist Schwarzweiß-Malerei leider nicht nur ein starkes visuelles Stilmittel, sondern auch ein Mechanismus, der zu gerne von den dunklen Kräften in unserem Lande genutzt wird, um einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben; und so wieder Menschen auf eine Wir-gegen-Die-Erzählung einzuschwören, die uns in einen Zug nach nirgendwo setzt. Wo solche Feind-Narrative enden, kann man momentan bis zur zermürbenden Fassungslosigkeit, in der Ukraine beobachten. Das wirft allerdings eine Frage auf, zu der ich bis heute keine befriedigende Antwort gefunden habe: soll Berufsbildung für Erwachsene (abseits der eh schon vorhandenen Unterrichtseinheiten zum Thema Integration) auch solche Dinge thematisieren? Und falls ja, wie, wie stark und mit welcher Intention? Denn Propaganda, gleich welcher Coleur hat in einem Lehrsaal wirklich nichts verloren… Nun ja, ich grübele weiter, und wünschen allen einen guten Start in die neue Woche.

  • Roth, Gerhard (2020): Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern. Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. 3. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta.
Auch als Podcast…

Der Fluch des Spiegels…

Immer mal wieder, wenn ich mit einer neuen Teilnehmergruppe, einer neuen Klasse, neuen Menschen, die frisch in mein angestammtes Gewerk kommen konfrontiert werde – was durch meine Tätigkeit als Ausbilder einigermaßen regelmäßig passiert – geschieht etwas Seltsames. Einerseits freue ich mich stets auf diese Aufgabe, junge Menschen auf ihren ersten, eventuell prägenden Schritten durch das Labyrinth der Notfallsanitäter-Werdung zu begleiten. Andererseits verspüre ich einen gewissen Widerwillen, weil ich in denen, die da, hoffentlich erwartungsvoll, vor mir sitzen etwas sehe, dass ich auch heute noch an mir selbst hasse – Profilneurosen. Und die sind mächtig. Denn ein nicht unerheblicher Teil der „Neulinge“ kommt heutzutage mit Vorerfahrung auf die Berufsfachschule. Was bedeutet, dass wir ihnen erst mühsam die ganzen Bad Habits aberziehen müssen, die sie sich auf ihren bisherigen Wachenstandorten „erarbeitet“ haben…

Und ich sehe mich dabei selbst; oder besser gesagt, eine deutlich jüngere, arrogantere, unerfahrenere, nervtötendere Version von mir, über die hinauszuwachsen mich Jahrzehnte meines Lebens und die eine oder andere traumatisierene Erfahrung gekostet hat. Ich frage mich dann, ob es wohl eine Abkürzung dahin geben könnte, und muss mir doch jedesmal eingestehen, dass sie wohl allesamt ihre eigenen Erfahrungen machen, in ihre eigenen Untiefen stürzen, ihr eigenes Selbst finden müssen – und dafür das eine oder andere Jahr und den einen oder anderen Rückschlag werden hinnehmen müssen. Das ist der Teil an meiner Arbeit, der mich stets mit Bittersüße, mit entnervender Ambivalenz, aber auch mit einer gewissen Demut erfüllt. Weil ich in diesem Spiegel die Fallen UND die Chancen sehe. Es ist quasi ein Bundle. Du kriegst das eine nicht ohne das andere. Das ist pralles Leben. Was mir immer wieder vor Augen führt, dass dieser Job, bei allen anderen Erfahrungen, die ich gemacht habe, immer noch der Job ist, der mich in mehr als einer Hinsicht erfüllt.

If you can’t stand the heat – get out of the kitchen!

Es gemahnt mich aber auch stest daran, wie wichtig es ist, sich NICHT über diesen Beruf zu definieren. Schlosser, Kaufleute, Informatiker, Forstwirte und Floristen tun das ja auch nicht. Zumindest nicht so sehr, wie es bei den Menschen im Gesundheits- und Sozialwesen ganz offensichtlich häufig der Fall ist. Wir waren schon immer anders, heißt es dann – und viele betonen das offenkundig gerne öffentlich. Ganz so, als wenn es eine Auszeichnung wäre. Ich sehe es heutzutage eher als notwendiges Übel an, und würde mir wünschen, etwas weniger von diesem süßen Gift der Profilneurose genossen zu haben, dass dir die Idee gibt, etwas Besonderes zu sein. Primus inter Pares. Erster unter Gleichen. Denn das sind wir nicht! Ich spreche jetzt mal nur für mich: ich bin nämlich einfach nur ein Typ, der versucht im Rahmen seiner (oft genug begrenzten) Möglichkeiten ein gutes Ergebnis für jene zu erzielen, die ihm anvertraut wurden – egal ob als Patienten oder als Auszubildende. Wobei ich ja seit geraumer Zeit keine Patienten mehr zu sehen bekam. Nichtsdestotrotz gilt mir die Feststellung, einfach nur Mensch zu sein, sehr viel!

Ich war mal wieder in dieser speziellen Situation. Noch dazu in der Abgeschiedenheit eines Teambuilding-Events. Und stehe – wie stets – vor den gleichen komplexen Fragen: wie sehr ich sie an mich ranlassen möchte? Wie sehr ich manche von ihnen jetzt schon schütteln möchte? Wie ich ihre Chancen einschätze, sich NICHT von der Profilneurose bestimmen zu lassen? Wie sympathisch sie mir sind? Was es wohl kosten wird, sie auf den „rechten Weg“ zu bringen? Antworten sind Mangelware, aber meine Motivation ist groß. WIr werden sehen. Ich wünsche euch eine gute Woche; und hoffe, dass ihr auch mal in diesen verfluchten Spiegel schaut. Bis die Tage…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N° 40 – Krea…. was für’n Gedöns…?

Es fühlt sich, wenn man mal von den vorherrschenden Temperaturen absieht, fast schon ein bisschen an, wie Frühling. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und kaum ein Wölkchen zieht durch. Nice, wie manche meiner Freunde und Bekannten sagen würden. Wenngleich sich mir immer noch nicht erschließt, warum sich dieses englische Wort ausgrechnet jetzt, ausgerechnet auf diese Art in unsere Sprache geschlichen hat; die zudem streckenweise doch um einiges variantenreicher ist, als das Englische. Schwamm drüber. Jedenfalls ist das Wetter der Vitamin-D-Produktion, und damit direkt meiner Stimmung zuträglich. Selbst, wenn ich dieses Wochenende ein bisschen arbeiten muss. Wobei Arbeit ja so ein Begriff ist, den man erst mal ganz individuell definieren sollte. Um’s klar zu sagen: ich maloche nicht! Ich habe früher wesentlich mehr körperlich gearbeitet, als heute; doch mittlerweile bin ich einer von diesen privilegierten „Sesselfurzern“, wie manche Menschen das gerne nennen. Menschen, die denken, dass man nur arbeitet, wenn die Muskeln was zu tun haben und der Schweiß rinnt. Nun ja; ich bin ein Wissensarbeiter: ich denke mir aus, wie man anderen beibringt, ihren Job zu beherrschen – der übrigens auch körperliche Arbeit beinhaltet. Ist bei der Rettung halt so. Könnte ein Dilemma sein – muss es aber nicht.

Das Problem mit der Wissensarbeit ist Folgendes: man kann sie (genauso wie psychische Erkrankungen) nicht unmittelbar sehen, fühlen, riechen hören, schmecken. Nur die mittelbaren Ergebnisse, wie etwa erstellten Content (Präsentationen und so’n Kram), geplante Curriculi, gehaltene Unterrichtsstunden, korrigierte Klausuren und so was. Wie viel Arbeit in solche Bausteine unserer Pädagogen-Arbeit fließt, oder nicht, können die Rezipienten kaum beurteilen. Noch weniger können irgendwelche anderen Menschen, die an meinem Büro vorbeikommen genau wissen, wie viel oder wenig ich aktuell arbeite. Wir haben halt keine kleinen Displays auf der Stirn, die z.B. anzeigen, zu wie viel Prozent, die CPU gerade ausgelastet ist. Und es gibt bei uns keine STRG+ALT+ENTF-Tastenkombi, die den Taskmanager öffnet. Rechter Nippel, Linker Nippel, Nase funktioniert nicht – und würde in einigen Konstellationen auch zu pikanten Problemen führen… Also sind wir bei einer Black Box, welche die tatsächliche Leistung im Obskuren belässt. Das ist bei vielen sogenannten Bullshit-Jobs auch so; mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die Ausbildung von Rettungsfachpersonal in der Tat einen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert erzeugt: durch den Erstangriff zur Erhaltung von Gesundheit (und damit Arbeitskraft) von Menschen, die akut erkranken oder verunfallen. Das ist nämlich unsere eigentliche Stellenbeschreibung.

Nun erfordert diese Ausbildungsarbeit, dass wir nicht nur irgendwelches Fachwissen und isolierte Skills vermitteln, sondern auch eine Einstellung; eine Grundhaltung zu den Menschen, zum Leben, zum Gesundheitswesen, und schließlich zur Gesellschaft und der jeweils eigenen Rolle darin. Alles andere als trivial – und ohne ein paar Vorbedingungen auf Seiten der SuS eigentlich nicht zu schaffen. Und hier kommt die Kreativität ins Spiel. Wie stellt man z. B. das Begriffspaar Segregation – Integration und dessen Bedeutung für unser Gewerk Rettungsdienst so dar, dass einerseits die Begriffe verstanden werden, und andererseits die SuS beginnen, ihre eigenen Rollen zu reflektieren; damit sie irgendwann fähig sind, stets situationsadäquat zu helfen? Ich werde auf diese Frage hier keine Antwort geben, weil meine Erfahrungen zeigen, dass es verdammt viele Wege nach Rom gibt. Aber, wie Nietzsche sagte: „Dem guten Frager ist halb geantwortet.“, nicht wahr..? Es geht also darum, mit Hilfe kreativer Ideen die SuS dahin zu führen, sich die relevanten Fragen selbst zu stellen – und diese in der Folge auch ganz individuell zu beantworten. Denn der Konstruktivismus sagt ja, dass wir uns alle unsere je eigene Realität erschaffen. Dennoch bedarf es unserer Kreativität als Pädagogen, um den Leuten zu helfen, sich diese Wege zu erschließen!

Nun könnte man mir entgegnen: „DIR fällt das leicht! DU bist kreativ!“ Man könnte das auf den ersten Blick als Kompliment verstehen, tatsächlich ist es aber eine Beleidigung, denn es entwertet drei Jahrzehnte harter Arbeit, um meine persönliche Kreativität zu TRAINIEREN. (Die Inspiration hierzu kommt aus dem Buch „Teach like a PIRATE“ von Dave Burgess) Lange Stunden, die ich in meinem Arbeitszimmer verbracht habe, anstatt etwas „nices“ anderes zu tun. Techniken, in die ich mich eingearbeitet habe, weil ich einfach wissen wollte, wie man so etwas macht; und es dadurch zumindest teilweise rausgefunden habe. Gadgets, die ich von meinem eigenen Budget gekauft habe, weil ich mir davon einen Boost für meine Arbeit erhofft habe – was manchmal besser und manchmal weniger gut funktioniert hat. Content den ich erstellt habe; um ihn, nach dem ersten Einsatz noch mal neu zu erstellen. Workflows, die ich mir erarbeitet, und im Lauf der Zeit immer wieder modifiziert habe, bis sie flutschen. Und so weiter, und so fort. Man IST nicht EINFACH kreativ! Man WIRD es durch TRAINING! Und das kann jeder Mensch. Manche kostet es vielleicht mehr Anstrengung – aber kreativ werden kann jeder. Und dazu sind nur ein paar einfache Dinge notwendig:

  • Habt immer irgendein Tool zum Ideensammeln bereit! Egal ob ein Notizbüchlein, die Kamera und die Sprachmemofunktion eures Smartphones (das Ding ist nämlich nicht nur zum Spielen und Chatten da), oder ein ausgewachsenes Journal (etwa ein Scrapbook). Es sollte etwas sein, dass ihr überall mitnehmen könnte. Denn Ideen ist es nämlich egal, ob ihr gerade die Küche kehrt, durch den Pfälzerwald wandert oder einen Stall ausmistet…! Wenn sie kommen, müssen sie sofort eingefangen werden, sonst sind sie weg!
  • Gestaltet euch ein Ordnungs- und Aufbewahrungs-System! Was mir jetzt gerade nichts nutzt, ist vielleicht für ein anderes Projekt im nächsten Jahr gut. Und dann solltet ihr es wiederfinden. Spätestens jetzt schlägt, wenn ihr kein hochmobiles Endgerät wie ein Tablet habt (der Smartphonebildschirm ist für vieles einfach doch zu klein), oder wenn Strom gerade rar ist, die Stunde eines klassischen Journals oder Scrapbooks. Am besten eines mit austauschbaren Inlays.
  • Sucht nach anderen, neuen Erfahrungen! Dazu sind übrigens nicht zwingend lange Reisen notwendig. Manchmal reicht schon eine Wanderung im Wald, oder ein Spaziergang in die Stadt. Ihr müsst nur eure Augen und Ohren aufmachen, anstatt die ganze Zeit auf den Bildschirm zu glotzen, oder euch mit Noise-Cancelling-Kopfhörern auf Autopilot zu schalten. Im öffentlichen Raum haben diese Dinger eh nichts verloren!
  • Probiert neue Techniken und Gadgets aus! Denn nur, wer halbwegs am Puls der Zeit bleibt, wird mit seinen Ideen und Projekten die Menschen abholen, die sowieso schon am Puls der Zeit sind; und durch gutes Beispiel evtl. auch die anderen motivieren können, doch noch etwas dazulernen zu wollen.
  • Lest Bücher! Und dabei ist es mir egal, ob ihr die Haptik von Papier bevorzugt (so wie ich), oder einen E-Book-Reader benutzt – aber lest Bücher! Lest Bücher, die ihr nicht nach dem Cover kauft! Lest Bücher, die nicht eurem bevorzugten Themengebiet entsprechen! Lest Bücher, die ihr irgendwo findet und lasst euch überraschen! Das gilt auch für Zeitungen, Zeitschriften, und im begrenztem Maße für Bewegtbilder.
  • Verlasst bewusst eure Komfort- / Faulheitszone! Wenn ihr merkt, dass ihr feststeckt, macht was Neues! Es muss nicht unbedingt Skydiving sein (obwohl das bestimmt ein grandioser Kick ist) – aber tut etwas, dass euch andere Perspektiven eröffnet! Und bleibt nicht die ganze Zeit auf eurer Couch hocken – es sei denn ihr beherzigt gerade den voran gegangenen Ratschlag!
  • Sucht euch bei Bedarf Peer Reviews! Zumindest manchmal kann es eine gute Idee sein, ein kreatives Projekt mit jemand anders zu diskutieren; vielleicht sogar mit jemandem, der gar nicht so viel mit eurer Arbeit oder dem Thema zu tun hat. Das frischt nämlich die Meta-Perspektive auf.
  • Findet mehr Punkte für euer persönliches Kreativitäts-Trainingsprogramm! Vieleicht wollt ihr mir ja davon berichten. Einstweilen ein schönes Wochenende.
Burgess, D. (2012): Teach like a PIRATE. San Diego CA: Dave Burgess Consuling Inc.
Auch als Podcast…

Man lernt ja nie aus, nicht wahr…?

Um ehrlich zu sein – mir brummt der Schädel. Nicht etwa, weil ich zu viel gesoffen hätte, sondern weil ich TIEF in die Materialien für mein Studium eingetaucht bin, um endlich mal ein paar Hausarbeiten abliefern zu können. Irgendwann möchte man ja mal fertig werden mit dem Master. Denn um ehrlich zu sein, habe ich es im letzten Jahr schleifen lassen. Ich könnte dafür verschiedene Entschuldigungen heranziehen: häufiges Sodbrennen wegen unmäßigem Pasta- und Rotwein-Konsum zum Beispiel? Oder den subjektiven Rückgang der Eulenpopulation im Waldpark? Vielleicht auch mein gelegentliches Spielbedürfnis, dann in Verbindung mit chronifizierender Prokrastinistis? Oder meinen unbändigen Wunsch nach häufigerem Spazierengehen (allerdings nicht Montags Abends – diese Unterstellung verbitte ich mir!)? Falls das irgendjemandem unglaubwürdig vorkommt – mir auch! Aber suchen wir nicht alle gelegentlich nach faulen Ausreden…

…sehr gute Lektüre!

Nun habe ich mich jedenfalls aufgerafft, um den Rückstand aufzuarbeiten; zumindest bis auf die Couch in meinem Arbeitszimmer bin ich dabei gekommen, im gelegentlichen Wechsel mit meinem Bürostuhl am Schreibtisch (hey, ich habe heute sogar stehend gearbeitet, YIPPIE!); will heißen, ich habe meine Nase in Skripten, und Büchern und Webseiten versenkt, gelesen, nachgedacht, Fragen beantwortet – und die Antworten danach noch mal redigiert. Ich würde das ja als Arbeit bezeichnen. IN. MEINER. FREIZEIT! Aber ich wollte es ja so, rumjammern ist also nicht erlaubt! Zudem habe ich bei meinen Bemühungen mehrere Beobachtungen gemacht, die mich durchaus positiv stimmen. Immerhin muss man sich ja an irgendwas hochziehen, um nicht die Motivation zu verlieren. Und gestern Abend habe ich mir auch eine Pause gegönnt und ein wenig Pen’n’Paper gespielleitet. Falls jemand fragen möchte: JA, das ist für mich entspannend. Zumindest in der derzeitigen Konstellation. Aber dazu erzähle ich evtl. bei anderer Gelegenheit etwas.

Ich habe mich die letzten zwei Tage irritierend fleißig erlebt! Man muss dazu wissen, dass mein Fürchtegott-Justus (ihr erinnert euch: mein Über-Ich) recht häufig und ausgiebig Pause macht, wenn ihm Grimpeflgrumpf-Sozaut mal wieder eins auf die Zwölf gegeben hat. FG ist nämlich eine kleine Heulsuse – und GS alles andere als zimperlich, wenn die Sirenen der Prokrastination ihren Gesang anstimmen. GS hat nämlich NULL Probleme damit, wenn jene Projekte, die FG wichtig sind, vollkommen sang- und klanglos an den Klippen des Nucleo-Accumbianischen Küstengebirges zerschellen. Was leider nicht so selten vorkommt wie ICH mir wünschen würde. Well… that’s life! Aber im Moment bin ich tatsächlich fleißig. Und es ist mir nicht im mindesten schwer gefallen, in den akademischen Beast-Mode zu wechseln. Wobei natürlich klar ist, dass ich meinen Job mag – und daher auch mit dem hochschulisch-theoretischen Background ganz gut klarkomme. Man nennt diesen mentalen Zustand, glaube ich, „fokussiert“. Und ich hatte sogar so was wie Flow-Gefühle. Na ja – da ICH niemals ein Runner’s High spüren werde, ist der Flow beim theoretischen und kreativen Arbeiten in meinem Büro wohl so ziemlich das Nächstbeste!

Keine Sorge, das hält nicht allzu lange an. Ich gehe mal davon aus, dass mir so etwa am Freitag Mittag die Puste ausgeht. Doch wenn ich meine Arbeitspakete bis dahin alle erledigt haben sollte, wird mich das positive Gefühl danach wohl noch eine ganze Weile begleiten. Mindestens das Wochenende über. Ich empfinde es als Geschenk, Lernen und Wissen-Wollen als natürliche Bedürfnisse empfinden zu können, welche mich kaum extra Anstrengung kosten. OK – FG braucht meistens ein bisschen Anlauf und muss mit gewisser Vorsicht einen Moment abpassen, in dem er GS von Hinten erwischen kann. Aber wenn GS erstmal liegt, ist die Chose auch schon am kochen. Und wenn GS dann mitkriegt, dass auch DAS die Instinkte befriedigen kann, ist für eine Weile Frieden im Hirnkasten. Das koste ich im Moment aus – und habe sogar noch Zeit diese Zeilen zu schreiben und als Podcast aufzunehmen. Nicht übel für einen faulen, alten Sack! Ich wünsche euch allen da draußen auch eine halbwegs friedvolle und produktive Woche. Oder das, was ihr euch wünscht. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°39 – …und wie wird man nun Lehrer?

Egal, wie man es auch dreht und wendet – Ausbilder auszubilden ist die Königsdisziplin. Nicht unbedingt wegen des theoretischen Backgrounds, den man vermitteln muss. Der ist vorhanden, und was ich dazu nicht sofort aus dem Kopf weiß, findet sich in aller Regel in der kleinen Bibliothek rings um meinen Schreibtisch. Da kommt schon was an Stoff zusammen, aber didaktische Reduktion ist reine Übungssache. Dieses legendäre Herausfiltern-Können, was die Teilnehmer brauchen, und was nur Schischi ist, den man getrost zur extrinsischen kognitiven Last zählen kann, funktioniert zumeist erst dann richtig, wenn man schon ein paar Mal mit Unterrichtskonzeptionen an die Wand gefahren ist. Oder, wie ein Freund zu sagen pflegt: „Erfahrung ist etwas dass man erst hat, fünf Minuten nachdem man es gebraucht hätte!“ Mal schauen, wie es diesmal läuft.

Ich bin ehrlich – ich habe dieses Wochenende nicht ausgespannt, sondern gearbeitet. Unterrichtsvorbereitung für die kommende Woche, weil ich vorher nicht dazu gekommen bin. Manche Konzepte hat man so oder so im Kopf parat, was jedoch nichts daran ändert, dass man sich auch mal auf den Hintern setzen und Content herstellen muss, wenn man nicht alles im Kaltstart aus den Stiften in der Dozententasche auf ein schnödes Flipchart leiern müssen möchte. Nix gegen Flipcharts, by the way… Aber sowas passiert mir immer wieder. Ich habe meist mehr als genug zu tun und dann schiebt man natürlich jene Dinge, die noch Wochen weit weg sind, ein paar Wochen weit weg… ähm ich meine vor sich her; bis just zu dem Moment, da der Terminplan subjektiv im Vollbrand steht und man genau diese Zusatzarbeit eigentlich nicht auch noch brauchen kann. Wie heißt es immer so schön: unter Druck entstehen Diamanten? Ich mag meinen Kohlenstoff eigentlich lieber glühend in meinem Grill. Andererseits war das Wetter hier und heute NICHT dazu angetan…

Nächster Punkt ist, dass ich mich mit Arbeiten, die meine kreative Ader fordern, gerne in mein stilles Kämmerlein zurückziehe. Wie erklärt man etwa die Konzepte rings um die didaktische Analyse so, dass nicht alle Teilnehmer nach rund 37 Sekunden vor ihrem geistigen Auge das Bildschirmlagerfeuer zu sehen und wegzudösen beginnen? Das sind Fragen, die sich nicht in den drei bis acht Minuten zwischen zwei „Äh, hast du mal ’ne Minute…?“ beantworten lassen. Denn auch, wenn ich kundtue, dass ich die Minute gerade nicht habe, ist diese schon längst verdampft, bis ich die Person abgewimmelt oder ihr Anliegen (sofern legitim) abgefrühstückt habe. Und ich darf mich wieder neu sammeln – bis zum nächsten „Äh, hast du…?“ Deshalb mache ich sowas am Liebsten im Home-Office. Da klingelt zwar auch gelegentlich das Telefon, aber die Frequenz ist gefühlt deutlich niedriger. Außerdem – habe ich schon mal erwähnt, dass mein Heimarbeitsplatz auf Grund der technischen Ausstattung einfach deutlich ergonomischer und performanter ist? Wahrscheinlich könnte ich das irgendwo geltend machen – aber die Dual Use für diverse private Zwecke ist halt schon gegeben.

Ich habe also die letzten drei Tage an Teilen eines Lehrganges herumgebastelt, der aus Fachkollegen Lehrer – also, eigentlich Praxisanleiter – machen soll. Ich sehe das so, dass die Praxisanleiter im Rettungsdienst auch halbwegs klassisch lehren können müssen, denn in den Bereich ihrer Zuständigkeit fällt ja nicht nur die Ausbildungs-, sondern eben auch die Fort- und Weiterbildungs-Begleitung. Auch, wenn bis zum heutigen Tage manche Kollegoiden Fortbildungen anscheinend immer noch beinahe ausschließlich als Anlass zum gemeinsamen Kaffeesaufen und Dummschwätzen nehmen; wobei sich mir die Frage stellt, wo dann der Unterschied zum Alltag auf der Wache liegt? Ach ja – kein Melder am Gürtel. Da hat man ja noch mehr Zeit für Kaffee und große Reden. Ich klinge ein wenig zynisch? Könnte daran liegen dass ich a) Zyniker bin (übrigens sind Zyniker enttäuschte Romantiker, und ich empfinde mich zumindest als teil-enttäuscht) und b) diesen Job schon zu lange mache, als dass mir die Marotten meiner Mitmenschen fremd wären. Insbesondere die uncharmanten!

Nun beinhaltet, aus Menschen Lehrer machen zu wollen natürlich, wie bereits erwähnt, die Vermittlung eines gewissen theoretischen Background und verschiedener Skills; aber eben auch die Notwendigkeit, die Leute zur Selbstreflexion und ggfs. zur Änderung bestimmter Einstellungen zu bewegen. Denn ein guter Ausbilder kann man nur sein, wenn man über ein halbwegs positives Menschenbild verfügt – andernfalls könnte man auf den finsteren Pfad geraten, dass die eigenen Klienten der Mühe nicht wert seien. Hey, ich kann die Denkblasen hören: „Hat er sich nicht gerade selbst als Zyniker bezeichnet…?“ Habe ich! Und ich finde, das passt super mit einem positiven Menschenbild zusammen. Ich suche mir lediglich bewusst aus, von wem ich ein positives Bild BEHALTE – denn die Chance, von mir so wahrgenommen zu werden, bekommt jeder Mensch, dem ich begegne. Ob ich nach einer Weile (sagen wir drei Chancen, ja?) noch ein positives Bild von der jeweiligen Person HABE, liegt ganz in deren Händen!

Ich bin also nicht erholt, sondern eher immer noch geschafft; jedoch zufrieden, dass ich gut voran gekommen bin. Nicht ganz so schnell wie gehofft, aber´doch schneller als gedacht. Den Spirit will ich morgen mit in den Unterricht nehmen und einfach mal schauen, ob ich meine Botschaften, wie man den nun Lehrer wird, auch transportieren kann. Wird mal wieder ’ne lange Woche. Ich wünsche euch was Gutes. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

New Work N°10 – Die brauchen Führung!

Ich behaupte ja immer, dass man mit zunehmendem Alter ruhiger wird; schön wär’s allerdings, wenn ich mich auch selbst daran halten könnte. Heute morgen scrollte ich mal wieder auf einem mobilen Endgerät durch die Morgenzeitung und diese unseligen Antiscocial-Media Apps, mit denen man sich halt so beschäftigt, wenn man a) noch nicht ganz wach ist und b) nix besseres zu tun hat. Man kennt diese Listicles – Artikel, die stets irgendein armer Hanswurst (Volontär, Praktikant, was weiß ich) lieblos zusammenklickt, und die eigentlich nur Clickbait für Werbung sind. Manche kommen sogar semi-seriös daher. Heute morgen triggerte mich „7 Dinge, die ein guter Chef nicht tut.“ „Na gut“, dachte ich mir, „so schlimm kann’s ja nicht sein…“. Und solange sich der Hanswurst-Volontär an den Allegemeinplätzen festhält, passiert auch nichts Schlimmes. Nicht micromanagen, nicht dauerüberwachen, nicht auf Präsentismus bestehen, und so. Ein Punkt war für mich allerdings kontrovers – nämlich das Thema Feedback.

Es ist so, dass man heutzutage anders an arbeitende Menschen herantreten muss, als das zu meiner Frühzeit im Beruf der Fall war. Hat sich zwar noch nicht überall rumgesprochen, aber im manifesten Fachkräftemangel stimmen die Leute dann halt immer mit den Füßen ab, wenn sie gegängelt werden. Und die zurückbleibenden Bosse (und auch manche Kollegoiden) geben die Schuld natürlich jenen, die gehen. Ansonsten müsste man sich ja mal an die eigene Nase fassen, und das ist oft sehr schmerzhaft. Man hört dann solche Sätze wie „Die konnten sich nicht ins Unternehmen / die Abteilung einpassen!“ „Die hatten vollkommen falsche Vorstellungen vom Job.“ „Die haben zuviel gefordert, die sollen erst mal liefern!“ Besonders beliebt ist auch heute noch „Die sind zum arbeiten da, nicht zum denken!“ Habe ich auch schon von einem Vorgesetzten zu hören bekommen. Gottseidank arbeite ich nicht mehr da. Aber dieses Arschloch spielt immer noch Chef; nur in einer anderen Abteilung. [Anmerkung: Falls jemandem meine Wortwahl in diesem Zusammenhang nicht gefällt – oben ist die Browser-Suchzeile!]

Man kann Mitarbeiter natürlich auch mit einer Peitsche in der Hand vom Gelände jagen – das geht noch schneller. Dann darf man sich nur nicht wundern, wenn die eigenen, schönen hochfliegenden Pläne alle zu lahmen Enten werden, die schlussendlich beim Mitbewerber im Ofen landen. Also ist Feedback relevant! Und ich möchte es hier wirklich als Feedback verstanden wissen, denn es geht nicht nur um Lob, sondern auch um Kritik! Es ist nämlich mitnichten so, dass die jungen Leute alle Snowflakes wären, die unter Druck schmelzen. Aber die haben mittlerweile verinnerlicht, dass das Erkennen von Sinnhaftigkeit und das Entstehen von Motivation eng miteinander verbunden sind. Denen braucht man mit „Ich Chef – du Nix!“ nicht zu kommen; es sei denn man hat keine Peitsche… Was allerdings nichts daran ändert, dass Mitarbeiter trotzdem Führung brauchen. Und hier kommt einmal mehr der kleine aber feine Unterschied zwischen Bossen und Leadern zum tragen. Denn Leadership Ability bedeutet Folgendes:

  • Geführt wird von vorne! Ich erwarte nichts von meinen Mitarbeitern, dass ich nicht auch selbst zu tun bereit wäre.
  • Konflikte lösen sich nicht von selbst! Ich habe zwar manchmal die Hoffnung, aber am Ende muss man als Führungskraft alle Beteiligten an den Tisch bringen, wenn man nicht einen echten Glasl im Betrieb haben möchte.
  • Aufgaben zuteilen und machen lassen! Ich will nicht über jeden winzigen Teilschritt informiert werden. Ich will Meilensteine und Ergebnisse sehen – und wissen, wenn es Probleme gibt, bei denen ich helfen kann; oder die Ressourcen beschaffen kann, die dann helfen.
  • Mitarbeiter / Untergebene als Menschen wahrnehmen! Denn das sind sie verdammt noch mal! Menschen, wie du und ich…
  • Präzise beobachten und Feedback geben! Denn als Vorgesetzter ist man Dienstleister für seine Mitarbeiter; und zwar als Entwicklungsbegleiter. Und das funktioniert nicht einfach nebenher – dazu ist Mühe notwendig!
  • Feedback annehmen! Denn in der Organisation, in der ich z.B. tätig bin, gibt es leider kein Handbuch, in dem drin steht, wie man Abteilungsleiter ist. Werden ist unter bestimmten Voraussetzungen einfach – sein ist verdammt kompliziert! Und da kann einem simples den Mitarbeitern Zuhören gelegentlich sehr helfen.

Ja, diese idealtypischen, theoretischen Beschreibungen können einem schon ganz schön Angst einjagen. Ich habe festgestellt, dass speziell eine Sache hilft – einfach Mensch bleiben und die eigene Empathie kultivieren. Sich stets die Frage stellen: „Wie würde ich reagieren? Was würde ich denken / fühlen?“ Bei aller Autonomie im Tun und Lassen, und der Chance zur Selbstverwirklichung, nach der Menschen im Beruf angeblich heute streben, gibt es ein paar Rahmenbedingungen, die stets gleich bleiben: mit einer leeren Kasse kann ich nichts kaufen, und niemanden bezahlen. Also ist vermutlich bei allen Beteiligten ein gewisses Level an Performance notwendig, um die Kasse gefüllt zu halten. Gewiss gibt es Jobs, in denen es schwer ist, Performance zu messen. In meinem z. B. Wie misst man die Arbeitsproduktivität von Fachlehrern und einem Schulleiter? In abgehaltenen Unterrichts-Einheiten? Und was ist dann mit der Qualität der Lehre? Zählt die, oder doch nicht? Und falls ja, wie misst man die? Am Leistungszuwachs der Schüler / Teilnehmer? Und wie misst man den? In gesteigerter Arbeitseffektivität? Und, wie misst man die…?

Am Ende des Tages steht trotzdem eine Summe unter dem Strich, weil eine Dienstleistung produziert und distribuiert wurde. Dennoch bleiben Fragen offen – etwa vom Controller, warum ich so viel Geld ausgeben würde? Aber da halte ich meine Antwort ganz einfach: weil hochwertige Bildung ziemlich arbeits- und damit kostenintensiv ist. Und weil ich nebenbei auch noch Zeit in mein Personal investieren will und muss, damit sie weiterhin mit mir zusammen daran arbeiten wollen, hochwertige Bildung anzubieten, die zufriedenere, loyalere Mitarbeiter erzeugt – auch wenn nicht alle Chefs in der Organisation die oben benannten Grundsätze der Leadership Ability verstehen oder anwenden können. Manchmal braucht man einfach Geduld. Denn die Führungsparadigmen wechseln gerade. Ich bin bereit! Und ihr so…?

Auch als Podcast…

Wider besseres Wissen…?

Wir Menschen tun sehr oft Dinge wider besseres Wissen! Zu schnell Autofahren, zu viel Essen, zu viel Alkohol trinken, Versprechen brechen, kleine Notlügen nutzen, um uns ungenehmen Situationen entziehen zu können, etc. Die Liste lässt sich natürlich fortführen, und das Meiste davon passt in die Kategorie at risk behavior“ – wir kennen Risiken, und tun das fraglich Falsche trotzdem, weil wir uns entweder einen kurzfristigen Benefit – gleich welcher Natur – davon erhoffen, Schonung von subjektivem Schaden (schlechterer Laune etwa, weil wir uns einer gefühlt unnötigen Diskussion ausgesetzt sähen); oder einfach nur, weil wir es können (Autofahren); und der Meinung sind, dass wir eh viel besser als alle Anderen wissen, was hier geht, und was nicht! Der Wahrnehmungsbias ist ein mächtiger kleiner Teufel, nicht wahr…? Womit wir dem Begriff „wider besseres Wissen“ eine negative Konnotation gegeben haben, die er tatsächlich nicht immer verdient. Schließlich gibt es Situationen, in denen wir besseres Wissen aus guten Gründen ausschließen.

Wenn ich mit meinen Auszubildenden sogenannte Simulationstrainings (gleich welcher Art) durchführe, dann erwarte ich von den Teilnehmern implizit, dass sie sich bewusst auf die dabei nötige „suspension of disbelief“ einlassen, um die „Übungskünstlichkeit“ ausblenden zu können. (Das ist ein, bei allen Formen von gestellten Einsatzsituationen, abhängig vom Detailtiefegrad der Übung notwendigerweise auf verschiedenen Ebenen entstehender Mangel an Realismus.) Der Begriff „suspension of disbelief“ kommt zwar eigentlich aus der Kunsttheorie, kann uns hier aber in verschiedenen Kontexten dienlich sein, um etwas Grundlegendes verstehen zu lernen: unabhängig von der Detailtiefe der tatsächlichen Darstellung verschiedener Szenarien ist der menschliche Geist fähig, vom reellen Umfeld zu abstrahieren und ergänzend jene Komponenten „hinzuzuerzählen“, die eigentlich fehlen. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass der Grad an Immersion mitnichten ausschließlich vom fassbaren Realismus der verwendeten Simulationstechnik abhängt, sondern auch sehr stark vom narrativen Geschick der Trainer bei Aufbau und Durchführung der Szenarien! Was nicht heißen soll, dass eine hochwertige technische Ausstattung nicht auch erheblich zu einem produktiven, lernhaltigen Erlebnis für die Teilnehmer beitragen kann. Aber es ist eben nicht DER wichtigste Faktor. Der wichtigste Faktor bleibt immer der Mensch!

Meine Arbeit ist allerdings nur ein Aspekt, bei dem diese bewusste Steuerung des eigenen Erlebens (und in der Folge oft auch des Handelns) wider das bessere Wissen strukturierend zum Tragen kommt: dies betrifft auch den Konsum von allen möglichen Kulturprodukten, wie etwa Büchern, Filmen, Serien, Konsolen- und Computerspielen, etc. – und natürlich auch Pen’n’Paper-Rollenspiel. Sich auf ein fiktives Werk, gleich welcher Art, einlassen zu können, erfordert bei den Rezipienten immer ein gewisses Maß an Offenheit. Und hier haben wir auf verschiedenen Ebenen Problemquellen. Denn natürlich ist die Fähigkeit zur Abstraktion in den Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Und ebenso natürlich ist die Offenheit für Neues, als einer der Fünf Persönlichkeitsfaktoren im Big Five Model, bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein letzter Punkt ist der Grad an Dogmatismus, mit dem Menschen an ein Work of Art mit seinen differenten Ausprägungen in unterschiedlichen Kunstformen herangehen… „Der Film ist aber gar nicht wie das Buch“, „Das habe ich mir aber ganz anders vorgestellt“, „In der Originalserie von 1967 war das aber ganz anders“, „Die Fortsetzung hätte man sich aber sparen können“, etc., etc., etc. Okay, um des Friedens Willen kann man das Letztere manchmal gelten lassen. Aber das restliche Gewimmer kann ich nicht mehr hören. Dann konsumiert halt was anderes! Der überbordende Gebrauch des Wortes ABER macht nämlich niemanden zufriedener.

Kommen wir zurück zu „wider besseres Wissen“. Sich auf ein Narrativ einzulassen, ohne gleich nach den Fehlern zu suchen, in die Geschichte einzutauchen, und sie zur Eigenen zu machen – also das Szenario durch eigenes Tun dynamisch zu verändern – ist beim Pen’n’Paper wie beim Simulationstraining ein beinahe identischer Prozess. Der große Unterschied ist, dass Sim-Trainings auf Grund des Designs üblicherweise erheblich stärker Railroaden, als Pen’n’Paper; hängt natürlich vom Abenteuer- / Kampagnen-Design ab, aber bei Sim-Trainings gibt es nur ein paar wenige definierte Pfade, die zum Bestehen sinnvoll sind, und weniger Failstates, als beim Rollenspiel. Doch beide benötigen die „suspension of disbelief“ als Grundlage ihrer Funktion. Ein weiterer, nicht unerheblicher Unterschied spielt mir als Fachschullehrer und Sim-Trainer allerdings in die Hände: da die Szenarien in Sim-Trainings auf lebensweltlich realen Situationen aufbauen (wir sind schließlich in der Berufsausbildung tätig!), ist der Sprung in die Immersion auch für jene möglich, die mit Rollenspiel aber so gar nix anfangen können. Was allerdings nicht unbedingt bedeutet, dass ich in Sim-Trainings Immersion leichter herstellen kann; ich habe allerdings mit der Nähe zur Realität einen Hebel, der mir bei geschicktem narrativem Aufbau und der Schaffung eines sicheren Raumes für die Teilnehmer ziemlich weiter hilft.

„Wider besseres Wissen“ verlangt also vom Gestalter – widersinniger Weise – eine Menge Wissen über die Funktion des bewussten Nichtwissens. Klar soweit? 😉 Ich möchte an dieser Stelle allerdings auf einen Aspekt hinweisen, der mir just heute in einer Online-Diskussion mal wieder begegnet ist: Railroading ist nicht zwingend schlechtes Rollenspiel, wenn die Spieler totzdem die Freiheit haben, die Ideen ihrer Charaktere umzusetzen. Erst, wenn die Player Agency an den falschen Stellen (Selbstwirksamkeitserfahrung der Chars?) eingeschränkt wird, bewegen wir uns auf schwierigerem Territorium. Beim Sim-Training jedoch MUSS ich die Freiheiten einschränken, um höchstmöglichen Realismus und bestmögliche Reagibilität des Szenarios auf das Handeln der Teilnehmer zu erzeugen. Die Auswirkungen des eigenen Tuns werden hier wesentlich schneller und drastischer erfahrbar, um für das Handeln in realen Notfällen fit zu machen. Und das macht nicht immer so viel Spaß, wie etwa Rollenspiel, wenn sich alle auf einen Modus Operandi geeinigt haben. Es ist also nicht wider besseres Wissen, wenn ich sage – auch wir werden dem Motto „always game on!“ schon bald wieder huldigen…

Auch als Podcast…

Was heißt hier „Oldschool“…?

Ich war noch nie dieser jemand mit der hübschen Handschrift. Zu Schulzeiten musste ich mindestens bei zwei Gelegenheiten eine Klausur später abtippen, und bekam dafür eine halbe Note Abzug. Wenn heutzutage jemandem meine Notizbücher in die Finger fielen, müsste diese Person für die Dechiffrierung vermutlich einen Robert Langdon, so einen Spezialisten für Horrorglyphen anheuern. Hieroglyphen sind dem Namen nach ja heilige Zeichen… Meine Handschrift hat sich irgendwann in meinen späten Jugendtagen von dem, was man üblicherweise in der Grundschule beigebracht bekommt zu einer Art Druckschrift entwickelt, deren Hastigkeit allerdings oft der Unterscheidbarkeit der Vokale den Garaus macht. Oder einfacher ausgedrückt: je flotter, desto Sauklaue. Und das, obwohl ich mich wieder des Schreibens mit dem Füller befleissige.

Viele Dinge des beruflichen Alltages, meine Blogposts, meine Bücher, und noch manches Andere entstehen zum größten Teil ungefiltert an der Tastatur. Ich bin trotz der Vielschreiberei immer noch kein wirklich guter Maschinen-Schreiber, aber das ist mir egal; vermutlich, weil meine Denk- und Schreibgeschwindigkeit zumeist ziemlich gut harmonieren. Ich musste allerdings im Rahmen meines Studiums wieder Klausuren schreiben; und die schreibt man mit der Hand. 8-9 Seiten Din-A4 in 2 Stunden! Ich habe hinterher immer einen Krampf im Griffel. Weshalb ich angefangen habe, wieder viel mehr handschriftlich zu arbeiten. Ich habe, unter Anderem ein Journal für meine Arbeit (To-Do-Listen, Ideen, Termine, Fragestellungen, etc.) und mehrere für den privaten Gebrauch. Meine letzten Kampagnen für’s Pen’n’Paper existieren nur auf dünn beschriebenen, mit Skizzen und NSC-Stat-Blöcken durchsetzten A4-Seiten; sorgsam in Klarsichthüllen in einem Ringbuchordner verwahrt. Die Kampagnen-Notizen für meiner eigenen Charaktere landen, wie meine Arbeitsnotizen auch, in diesen klassischen Blanko-Notizbüchern mit Lederoptik-Einband und Markierungsbändchen…

Womit wir beim Thema wären. Ich frage mich immer wieder, was „Oldschool“ eigentlich bedeutet? Schwingt da so eine Nostalgie des Vermissens der guten alten Zeit mit? Die es ja nachweislich nie gegeben hat, außer man findet es toll, in zugigen Hütten ohne Strom zu leben und in einen Eimer neben dem Bett zu scheißen! Oder ist es doch eher so ein ironisches Bemitleiden des Ewiggestrigen, der Technikverweigerer, der Analog Natives…? [Wobei sich verschiedene, vornehmlich jüngere Leute folgender Tatsache gewärtig sein sollten: Leute wie ich haben JEDE technische Entwicklung seit den frühen 90ern des 20. Jahrhunderts mitgemacht, sind mit all dem aufgewachsen, und kennen mehr als nur die polierten User Interfaces – WIR sind die echten Digital Natives!] Für mich ist Oldschool auch weniger eine Begriff, denn ein ganzes Sammelsurium an Erfahrungen und Gefühlen. Kurz gesagt, derTeil meiner Persönlichkeit, der meine bisherige Biographie gegen mein tägliches Neu-Erleben austariert, und mir so jenes Gefühl von Kontinuität gibt, welches Menschsein überhaupt erst möglich macht. Wir alle sind darauf angewiesen, uns selbst in diesem komplexen Dingens namens Leben zu verorten. Und wir tun dies, indem wir eine fortlaufende Geschichte unserer Selbst erzählen. Wenn dabei die Plotholes so groß werden, wie in manchem Hollywood-Blockbustern, ist unsere identität im Arsch.

Allerdings unterliegt man dabei nur zu gerne einem Wahrnehmungs-Bias. Denn natürlich ist das tägliche Konfrontiert-Sein mit der Notwendigkeit des Weiter-Machens anstrengend! In der Folge suchen wir unterbewußt Zuflucht an jenen Orten unserer Biographie, die wir (Verklärung durch zeitliche Verzerrung inklusive) als schöne, einfache, gute Zeiten erinnern. Und da haben wir sie, die gute alte Zeit! Alles nur Psycho-Ballast! OK, das war ein bisschen böse und selbstverständlich ist es legitim, ab und zu einfach mal wieder ein Eis haben und schaukeln gehen zu wollen. Doch das ist natürlich nicht so einfach. Also ist mein Schreiben mit dem Füller in altmodisch anmutenden Notizbüchern natürlich nicht nur Übung für Uni-Klausuren, sondern Ausdruck meines unterbewussten Wunsches, die ganze Scheiße mal für eine Weile sein zu lassen und wieder Kind (oder wenigstens Jugendlicher) sein zu dürfen. Was gewiss nicht passieren wird. Aber das Ventil tut ganz gut. Und weil es zudem meinem persönlichen Lern- und Denkstil entgegen kommt, wird es auch zukünftig dabei bleiben, dass ich zwischen dem digitalen und dem analogen Pol pendele und mir das – subjektiv für mich – Beste aus beiden Welten nehme. Vielleicht täte uns allen etwas mehr Oldschool manchmal ganz gut. In diesem Sinne – eine gute und gesunde neue Woche.

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°38 – Koordination ist alles!

Et voilá, here we go again! Es wird mal wieder eifrigst über die Frage diskutiert, ob Schulen nach dem – in Baden-Württemberg noch – herannahenden Ferienende geschlossen bleiben sollen; und angesichts der steigenden Corona-Kennzahlen Fernlehre nicht besser wäre? Im Fall der spezialisierten Berufsfachschulen stellt sich diese Frage momentan nicht. 99% unserer Schülerinnen und Schüler sind immunisiert, wir haben strikte Regeln, und testen uns tot. Alles, damit wir ja nicht zumachen müssen. Weil viele Dinge, die wir schulisch vermitteln dennoch handwerklicher Natur sind, und nur mit den Händen wirklich begriffen werden können. Ich stehe dahinter, auch wenn ich mich natürlich ein bisschen unwohl fühle, da es mein Arsch ist, der gegrillt wird, wenn was schief geht. Schwamm drüber – auch das werde ich aushalten.

Der Urlaub neigt sich so langsam, aber sicher einem Ende zu, und just heute führte ich ein längeres Gespräch mit einem hoch geschätzten Kollegen. Es ging unter anderem um die Art, in der man mit Lehrkräften umgeht – und wie man Professionals transparent und vor allem wertschätzend, in alle Vorgänge einbindet. Es ist mittlerweile, zumindest wenn man ein bisschen aufmerksamer durch den Publikationswald schreitet, ein Allgemeinplatz, dass Mitarbeiter heutzutage tatsächlich MITarbeiten wollen, anstatt nur abarbeiten zu müssen. Insbesondere bei Lehrkräften, von denen man ja ein gewisses Maß an Selbstorganisation im Umgang mit ihren Schäflein erwartet, wäre es daher ein Widerspruch in sich, sie von bestimmten Planungs- und Entscheidungsvorgängen auszuschließen.

Schön wär’s…

Genau das passiert aber scheinbar mancherorts immer wieder. Vielleicht, weil man denkt, dass jemand, der führt, ALLES führen muss. Micromanagement ist jedoch der Tod jedweder Kreativität und jedweder situationsadäquater Lösung. Ich versuche wirklich, diesen Fehler nicht zu machen. Und trotzdem will ich immer noch viel zu viel selbst erledigen: weil ich glaube, es nicht richtig erklärt zu haben, mir nicht sicher bin, dass mein Gegenüber meine Vorstellung teilt, denke es besser zu können, etc. Dabei ist das ein Widerspruch zu allem, was ich im Unterrichtssaal zu leben versuche. Mir ist schließlich bewusst, dass MEINE Vorstellung einer Lösung oder eines Sachverhaltes niemals eins zu eins im Kopf meines Gegenübers als SEINE entstehen kann; schlicht weil das konstruktivistische Prinzip dies automatisch verhindert. Und wenn ich dächte, dass jemand etwas (noch) nicht so gut kann, wie ich, dann ist das ein Grund, diejenige / denjenigen dabei zu unterstützen, darin besser zu werden, anstatt ihm / ihr die Arbeit wegzunehmen, um diese selbst zu erledigen. Immerhin bin ich als Schulleiter auch Lernbegleiter meiner Mitarbeiter.

Diesen hoch idealisierten Anspruch erfülle ich natürlich nicht immer. Eigentlich nicht mal oft. Was mich ein wenig dauert. Andererseits sagt man ja, Selbsterkenntnis sei der erste Weg zu Besserung. Aber es ist wichtig. Es gibt im Umfeld einer Berufsfachschule so viele Dinge mit Koordinationsbedarf. Das fängt bei simplen Dingen wie der Personaleinsatz-Planung an (die ja auch den Bedürfnissen der Mitarbeiter Rechnung tragen muss), und geht dann über Dinge wie Lehraussagenabstimmung, Contenmanagement, Betreuungsbedarf bei den Schülerinnen und Schülern, Materialbeschaffung und -wartung, Lagerhaltung, Lehrsaalmanagement, kurzfristige Kompensation von anderen Problemen aller Art, etc. Würde mir sowas keinen Spaß machen, wäre ich schon lange davongelaufen. Dennoch geht all das – wie ich immer besser zu akzeptieren lerne – nur zusammen! Was aber bedeutet, dass Kommunikation, Interaktion und Beratung, die ich recht häufig in verschiedensten Formen und Formaten unterrichte, tatsächlich essentielle Fähigkeiten sind.

Toll wär’s, wenn es anders ginge, oder…?

So, wie ich als Vorgesetzter und Fachlehrer den Leuten etwas zutrauen muss, bin ich aber auch immer wieder dazu aufgerufen, integrativ tätig zu werden. Denn Klassenverbände und Teams entstehen nicht von allein! Es gibt immer mal selbsternannte Solisten im Team, die (genauso, wie ich manchmal heute auch noch) denken, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten – und daher immer Recht wären! Die muss ich einbremsen. Und den anderen zu verstehen geben, dass es manchmal etwas Geduld und hier und da einen kleinen Schubs braucht. Es sind ja noch keine Meister vom Himmel gefallen; weder fachlich noch sozial. Und auch, wenn nicht jeder dieses – eher non-direktive – Beraten gleich gut versteht, ist es immer die erste Eskalationsstufe. Probleme muss man erst mal erkennen und verstehen, bevor man sie lösen kann. Und dann braucht es auch hierfür nicht selten mehr als eine Person, um tatsächlich zu einer funktionierenden Lösung kommen zu können. TEAMTogether Empowered And Motivated! Mal schauen, wie’s in den nächsten Wochen so läuft… Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Losgelöst…?

Wann immer wir unsere angestammte Umgebung verlassen, wann immer wir an andere Orte gehen, setzen wir uns der „Gefahr“ aus, etwas zu missen. Zumeist denken wir dabei an liebgewonnene Gewohnheiten und Bequemlichkeiten. Ich finde ja, der Begriff „Komfortzone“ ist totgeritten, aber tatsächlich ist hier es wenigstens ein bisschen wahr: man lässt gewohnten Komfort hinter sich. Wenn man sich allerdings die Ziel-Location aussuchen darf, wartet dort das Versprechen auf anderen Komfort. Und sehr oft auf solchen, der einen das Vermissen des allzu Bekannten doch recht bald vergessen lässt. Natürlich hängt’s ein bisschen davon ab, wie verwöhnt man ist. Aber seien wir ehrlich, mal ein bisschen für sich sein zu können, ist der wahre Luxus unserer Zeit.

So verbindet sich für mich derzeit das Angenehme mit dem Nützlichen, denn da ich gerade wieder zu Ausbildungszwecken im bekannten Retreat im Pfälzerwald weile, kann ich nach Unterrichtsende mal für eine Weile die Tür zu machen, und ein wenig Ruhe tanken. Zudem ich mich gerade im Moment physisch ein wenig angeschlagen fühle; Test negativ, kein Fieber, aber halt doch ein wenig unfit. Mal schauen, wie’s die nächsten Tage wird. Die Bedingungen könnten diesbezüglich besser sein, aber ich werde das Beste daraus machen.

Der heutige Tag war anstrengend, weil der Unterrichtsstoff mir viel Vortrag abverlangt hat. Doch so langsam geht die Betriebstemperatur wieder auf Normallevel. Wenn man eine Diskussion über die ethischen Aspekte des Berufsfeldes anzettelt, muss man aber halt damit rechnen, dass Fragen auftauchen, die nicht mit einem JA oder NEIN zu beantworten sind. Ich hatte allerdings, ehrlich gesagt damit gerechnet, dass mich dieser Ritt weiter aus meiner emotional-kognitiven Komfortzone führen würde, aber das unterblieb heute auf wohltuende Art und Weise. Und nicht etwa, weil ich weniger kontrovers Material als bei anderen Gelegenheiten benutzt hätte. Ich bin tatsächlich angenehm überrascht und angetan von der Diskursfähigkeit meiner SuS.

Was ich an solchen, in vielerlei Hinsicht losgelösten Unterrichtssituationen schätze, ist die Möglichkeit, sich auch informell austauschen und so Fragen und Probleme lösen zu können, die andernorts vielleicht nicht in der Deutlichkeit zur Sprache kämen. Die richtige Mischung aus menschlicher Nähe und analytischer Distanz ist auch beim Umgang mit den SuS das A und O; denn natürlich reden wir hier von durchaus vielschichtigen sozialen Beziehungen, die man sich nicht verselbstständigen lassen sollte, weil die Ergebnisse von zu viel Laissez-Faire u. U. überraschend negativ ausfallen können. Ich habe mein Lehrgeld gezahlt…

Ich zweifele durchaus manchmal an der Tauglichkeit meiner didaktischen Konstruktionen, weil ich natürlich immer wieder mal einen anderen Weg versuche, und damit ebenso natürlich auch immer mal wieder Schiffbruch erleide; Trial and Error halt… Allerdings gilt für mich das Gleiche, wie für die SuS: der Unterricht ist auch für mich immer wieder ein Lernprozess. Genau deswegen ist der Wechsel des Lernortes auch für mich wertvoll, weil er mir die Chance gibt, andere Perspektiven auf das eigene Tun und Lassen nehmen zu können. Quasi losgelöst vom Tagesgeschäft. Genau dieser Komfortzonen-Shift hat mich durch den Tag getragen – und tut dies hoffentlich auch noch die nächsten Tage. Einstweilen bleibe ich da, wo Fuchs und Hase sich zum Kartenspielen treffen, und wünsche ein schönes Wochenende.