Beannachtaí na hÉireann N°5 – quiet quitting…

Flausen im Kopp – so nannte man das in meiner Jugend, wenn jemand plötzlich komische Ideen entwickelte und/oder Sachen machen wollte, die zu diesem Zeitpunkt, an diesem Ort, oder sogar insgesamt nicht ins Konzept passten! Ist jedem Mensch schon mal passiert, sofern ein gewisses Alter erreicht wurde. Nun ist es aber natürlich so, dass solche Flausen im Kopf in den allerseltensten Fällen – wenn man mal von den frühen Ausfällen Johnny Knoxvilles und seiner Crew absieht – sonderlich neuartig oder kreativ sind/waren. Sich auf mannigfaltige Art zum Affen zu machen hat schon seit Jahrtausenden Konjunktur, also ist es heutzutage ziemlich schwierig, noch was wirklich Neues zu finden. Was dazu führt, das man relativ häufig – insbesondere dann, wenn man gerade denkt, besonders kreativ und individuell zu sein – zumeist den Quatsch vergangener Generationen kopiert; und das oft noch nicht mal besonders gut.

Solche Phänomene sind natürlich nicht auf das Privatleben, bzw. die Freizeit beschränkt, sondern finden sich auch im Arbeitsleben wieder. „Alter Wein in neuen Schläuchen“ ist ein Synonym für die Umdeklaration von Gammelware, um diese doch noch irgendeinem Trottel verkaufen zu können. Derlei Beschiss gab es anscheinend auch schon bei den Römern. Jetzt indes verwendet man dieses Sprichwort für alle möglichen kulturellen Wiedergänger, wie etwa unnötige Modetrends. Also braucht man eben diese neuen Schläuche. Und so wundert es nicht, das aus „Dienst nach Vorschrift“ neulich „Quiet Quitting“ wurde. Klingt halt Denglisch und damit Hip; und was Hip ist, ist manchmal auch Hop, meist aber nur Flop! Denn seien wir mal ehrlich: egal wie man es nennt – „innerliche Kündigung“, „quiet quitting“, „Dienst nach Vorschrift“, etc. – es ist immer ein Hinweis darauf, das Menschen von ihrer Arbeit die Schnauze voll haben. Die Gründe können allerdings sehr unterschiedlich sein…

Worauf liegt mein Fokus…?

Oft wird unterstellt, dass die Leute faul sein, Low-Performer, nicht leistungsbereit genug um „Karriere“ zu machen. Doch um was für eine „Karriere“ geht es hier? Ich verweise auf das Bukowski-Zitat von neulich. Wenn sich meine Karriere darauf reduzieren lässt, für andere Leute Geld machen zu müssen und wenig Sinn hinter meiner Arbeit sehen zu können, dann ist quiet quitting einfach nur die logische Konsequenz. Dann laufen die Tage nach folgedem Schema: Ankommen – Einstempeln – Roboten – Ausstempeln – LEBEN… Das gleiche gilt, wenn der Chef kein Leader ist, sonder ein Boss. Und das kommt, wie man ja weiß, von „bossen“. Wieder einmal sind wir an dem schmalen Grat zwischen gesunder Sinnstiftung durch Arbeit und sinnloser Selbstausbeutung angelangt. Wieder einmal stellt sich die Frage: wieviel ist GENUG? Auch, wenn die Antort auf diese Frage gewiss individuell unterschiedlich ausfallen mag: Ich stehe hier auf dem Standpunkt, dass die Arbeit innerhalb des vertraglich vereinbarten Stundensaldos zu schaffen sein muss. Andernfalls sind Stellenbeschreibung und Workload schlicht falsch beschaffen!

Wenn die Arbeit zum Berg wird, sollte man manchmal einfach drumherum gehen!

Ich möchte an dieser Stelle beruhigen: ich habe nicht still gekündigt und bin auch nicht kurz davor. Ich befinde mich allerdings seit ca. drei Jahren in einem Prozess kontinuierlicher Neubewertung. Und ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass ich nicht weiter vorwärts drängen kann und will. Wenn man auf die 50 zugeht, fängt man an, ein erstes Résumée zu ziehen; und man hat, zumindest mit etwas Glück, die charakterliche Reife erlangt, auch an die unangenehmen, die peinlichen, ja sogar die schmerzhaften Stellen des Selbst zu gehen. Ich kann unumwunden sagen, dass ich mit gewisser Zufriedenheit auf den Mann blicke, der ich geworden bin. Dennoch kenne ich meine Schwächen. Und eine davon ist, zu selten NEIN gesagt zu haben; und dies immer noch zu tun. In aller Deutlichkeit: ich mag meine jetzige Arbeit – aber es gibt Dinge, die mich noch mehr faszinieren. Wäre ich ledig und los, hätte ich vielleicht schon was anderes probiert. Aber die Verantwortung für meine Lieben nötigt mich, die Stabilität der Faszination vorzuziehen. Mal sehen, welche Optionen sich dem zum Trotze ergeben. Ich wünsche einen schönen Tag.

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