Time for a barbecue…?

Wann immer, wo auch immer ein Artikel zum Thema Tierrechte/Vegane Lebensweise veröffentlicht wird, kann man den Sekundenzeiger nur ganz kurz beobachten und schon tobt in der Kommentarspalte eine Schlacht biblischen Ausmaßes. Das Thema triggert einfach jeden, weil es unsere Art zu leben in ihren Grundfesten berührt. Natürlich hat jeder und jede dazu eine Meinung; genauso, wie natürlich jeder und jede ein super Bundestrainer, Virologe und Pädagoge ist…NICHT!

Ich versuche es mal mit persönlicher Ehrlichkeit: die Art und Weise, wie in weiten Teilen Fleisch als Nahrungsmittel erzeugt wird, widert mich an. Ich sehe die Bilder, lese die Reportagen und verstehe rational, dass wir den Konsum von Fleisch, der vor sehr langer Zeit zum evolutionären Wachstum der Hominiden-Gehirne und damit zur Entwicklung des heutigen Homo Sapiens Sapiens beigetragen hat, heutzutage vollkommen pervertiert haben. Wir bräuchten, objektiv betrachtet, heutzutage kein Fleisch mehr essen. Oder bestenfalls einen kleinen Bruchteil der Menge, die tagtäglich verzehrt wird.

Und dennoch esse ich immer noch Fleisch und Wurst. Das ist bigott und ich weiß es. Ich versuche den Schmerz, welchen mein Gewissen mir dabei verursacht durch bewusstere Beschaffung zu lindern; will heißen, ich kaufe Bio, beim Erzeuger und versuche ganz allmählich den Konsum umzustellen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es nie schaffen werde, ganz auf Fleisch zu verzichten – aber zumindest den Konsum reduzieren und in eine gesündere Richtung lenken, dass wird mir gelingen. Nicht heute und morgen nicht gleich, aber ganz gewiss in den nächsten ein bis zwei Jahren.

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Und dennoch prallen zwei Welten voller Dogmen so unversöhnlich heftig aufeinander, dass man meinen könnte, dass der nächste Weltkrieg zwischen Veganern und Fleischessern ausgefochten werden wird. Weil auf der einen Seite jene stehen, für die der Umstand, sich Fleisch leisten zu können ein Zeichen ihres heutigen Wohlstandes ist. Ein Symbol für das persönliche Fortkommen, die subjektive Sicherheit, dass es ihnen (immer noch) gut geht. Gewachsen aus den dunklen Tagen des Krieges, verfestigt in Zeiten des “Wirtschaftswunders”, verankert als tradierte “Tatsache”, die heute fester Bestandteil der Sozialisation in Wohlstandsgesellschaften ist. Diese Menschen bilden die Mehrheit. Und diese Mehrheit fühl sich durch die Thesen der Anderen bedroht!

Denn diese Anderen sind jene, die angefangen haben, unsere Art zu leben und zu wirtschaften nicht nur analytisch durchdringen und darüber reden zu wollen, was wir alles falsch machen, sondern auch etwas gegen die Fehler tun zu wollen. In unserer Welt läuft so unfassbar viel falsch, woran ein Individuum (subjektiv) wenig ändern kann. An den eigenen Ernährungs-Gewohnheiten indes kann jeder etwas ändern. Die sind quasi der individuelle Einstieg dazu, die Welt (doch) verbessern zu können. Und viele der vorgebrachten Thesen und Argumente sind richtig und stimmig. Dieser Umstand – sich nicht zu Unrecht im Recht fühlen zu dürfen – zeitigt oft ein Sendungsbewusstsein, dass von der Mehrheit allzu oft als Dogmatismus wahrgenommen wird; recht oft ist es das auch…

Recht zu haben bedeutet nicht, die eigene Meinung auch mit Macht durchsetzen zu können, oder das zu müssen. Gesellschaftliche Veränderungsprozesse gehen nämlich zumeist nur mit der Geschwindigkeit kontinentaler Plattendrift voran, wohingegen viele Veganer gerne JETZT den Rest der Bevölkerung von ihren Argumenten überzeugen würden. Wer sich mal mit Change-Management befasst hat, dem wird schnell klar, dass hier einige psychologische und sachliche Barrieren sind, die man so leicht nicht wird überwinden können. Et voilá: Krieg in der Kommentarspalte. Zweifelsohne wäre es für unsere Wert von Vorteil, wenn wir unseren Fleischkonsum schnell einschränken und zumindest an Nachhaltigkeit orientieren würden. Aber selbst das wird schon eine gewaltige soziale, wirtschaftliche und politische Aufgabe, die eng mit dem Klimaschutz verbandelt ist.

Je früher wir alle lernen, lieb gewonnene aber im Kern tatsächlich blöde Angewohnheiten langsam loszulassen, umso besser werden unsere Folgegenerationen hier leben können. Da unser Leben und Wirtschaften aber an der möglichst schnellen Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet sind (“Geiz ist geil!”, “Ich will alles und das jetzt”, etc.), ist das eines der dicksten Bretter, die wir in den nächsten Jahren werden bohren müssen. Was bedeutet, dass beide Seiten aufeinander zugehen müssen. Das heißt nicht, dass Veganer Fleisch essen müssten; aber sie müssen etwas duldsamer mit uns Mehrheitsmenschen sein und ihre Argumente an der richtigen Stelle mit Bedacht vortragen. Und wir Mehrheitsmenschen müssen endlich wahrhaft begreifen, dass die Ressourcen der Natur endlich sind und dass “sich die Erde untertan machen” auch die Verantwortung für den Erhalt derselben beinhaltet. Dann könnten wir alsbald zu einer besseren Version der Menschheit werden. Aber mit Krieg in der Kommentarspalte wird das nix. Schönes Wochenende. Grillt ihr auch?

Der verwirrte Spielleiter N°22 – roleplaying and racism

Es wäre gut, wenn man zunächst eine Unterscheidung trifft. Reden wir über Rassismus im Rollenspiel – also gegen bzw. durch die Charaktere? Oder reden wir über Rassismus durch Rollenspiel – also eine Stigmatisierung bzw. Benachteiligung von Spielern oder Dritten durch Aspekte des Spiels? Wenn es um den zweiten, gesellschaftlich relevanten Aspekt geht, kann ich nur mein, vor ein paar Tagen unter diesem Post getroffenes Statement wortgetreu wiederholen:

“Ach Herrjeh, wo fang’ ich an…? Gehen wir erst mal zu den neurophysiologischen Ursprüngen: Xenophobie – also die Angst vor dem Unbekannten – als eine unserer Basisemotionen ist im limbischen Cortex verankert und wird für uns, von der Amygdala im Mesolimbischen Cortex vermittelt, zu einem spürbaren Gefühl, dass wir zunächst nicht präzise einordnen können. Das soziale Framing ethnischer Gruppen, etwa durch Identitäts-Politik führt dazu, dass dieses zunächst nur diffuse Gefühl, welches daher rührt, dass wir das Fremde dank unseres Hominiden-Erbes primär als Gefahr einstufen allzu leicht in Abneigung oder gar Hass umdeuten und in der Folge anfangen, z. B. PoC zu stigmatisieren. Das betrifft andere Bevölkerungsgruppen, die soziale oder physische Merkmale außerhalb einer – z. B. von Menschen als völkische Zugehörigkeit definierten – Norm aufweisen genauso. LGTBQIA+-Personen etwa haben ja leider oft mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Dagegen anzugehen muss als gesamtgesellschaftlicher Prozess passieren und wird Zeit in Anspruch nehmen. Dass wir jetzt auch im RPG über das Thema nachdenken, ist natürlich und richtig. Die Frage, die jeder nur für sich individuell beantworten kann, ist die, inwieweit das Thema seine/ihre Spielrunden überhaupt tangiert und falls ja, ob es tatsächlich Spieler*innen gibt, die sich bei der aktuellen Art, damit umzugehen unwohl oder sogar benachteiligt fühlen? Hier kann eigentlich nur ein offenes Gespräch zur Klärung führen. Was nun das Individuelle angeht: auf Grund meines Alters und meiner Sozialisation würde ich davon ausgehen, dass ich zumindest früher einmal Alltagsrassist war. Es ist mir so vorgelebt worden und Kinder imitieren ihre Umwelt. Ein bewusstes Reframing, um die eigene Wahrnehmung des/der Anderen zu modifizieren ist allerdings ein umständlicher und langwieriger Prozess, der manchmal nicht die Ergebnisse erzielt, die man sich wünscht. Das sollte einem allerdings ein Ansporn sein, den Weg trotzdem zu gehen.”

Dem hier gesagten habe ich einstweilen nichts beizufügen. Wollen wir uns also stattdessen über Rassismus im Rollenspiel unterhalten, einverstanden? Jedem, der Pen’n’Paper mehr als ein paar Wochen spielt, ist bewusst, dass man bis heute auf Seiten der Game-Designer, speziell im Fantasy-Bereich gerne und häufig mit ethnischen Stereotypen hantiert hat: eilige Elfen, olle Orks, zwanghafte Zwerge, tranige Trolle, etc. Die dabei entstandenen Beschreibungen und Zuschreibungen waren vor allem dazu angetan, natürlich Feinde für die Spieler zu erzeugen, um ein gewisses physisches Herausforderungs-Level für die Charaktere erzeugen zu können, ohne dafür mehr als das “Monsterhandbuch” bemühen zu müssen. Ich selbst stehe da mehr auf Hausmacher-Drama. Der Mensch ist sich meistens ja selbst der schlimmste Feind; und der Umwelt gleich mit. Aber weil es halt geschmeidig war, so genannte Monster-R****n [ACHTUNG, heutzutage gefährliches R-Wort] zu haben, deren Mitglieder man den Spielercharakteren als Adversary of the week servieren konnte, war das über Jahrzehnte ein Standard. Experience to go, sozusagen.

Nun glauben wir heutzutage, ziemlich aufgeklärte Burschinnen und Burschen zu sein und wollen ja auch niemandem weh tun. Es ist ein Hobby, aber es genießt immer mehr Publicity, also müssen wir aufpassen, schön politically correct zu agieren, gell? Ich sach jetzt einfach ma: nö, muss ich nich! Im gegenteil halte ich es für absolut sinnvoll, Rassismus, wenn es sich ergibt, als Teil des Spiels zu benutzen. Selbst eine Second-Hand-Stigmatisierungs-Erfahrung hat tendenziell ihren Wert für das wahre Leben. Und davon ab stelle ich immer wieder fest, dass ein bisschen schwarz-weiß im Spiel noch keinem weh getan hat. Im Gegenteil verlangen Spieler gelegentlich sogar nach einer erkennbar dualistischen Struktur der Spielwelt, weil sie gerne mal jemanden mit Recht vermöbeln dürfen wollen, ohne dafür real-weltliche Sanktionen befürchten zu müssen. Jeder, der sich ab und an mal zum Pixeltöten vor seine Playse setzt, weiß genau, wovon ich rede: Eskapismus.

Und seien wir mal ehrlich: wir kommen doch üblicherweise zum Zocken zusammen, weil wir für eine definierte Zeit den Sorgen, Anforderungen und Problemen des Alltags entfliehen wollen; manchmal sogar entfliehen müssen. Man könnte jetzt natürlich argumentieren, dass die, in Spielsettings benutzten Stereotypisierungen lebensweltliche Analogien haben, die es u.U. vereinfachen, Handlungsmuster aus dem Spiel auf die Realität zu übertragen – womit wir wieder bei der leidigen “Ballerspiele machen Kinder zu Mördern”-Diskussion wären. Und ich sage einfach mal: für diese These gibt es bislang keine brauchbare wissenschaftliche Fundierung. Eher für das Gegenteil. Aber kommen wir zurück zum eigentlichen Thema: gefunden habe ich bei einer Recherche, ob Rollenspiel denn nun rassistisch macht ein Projekt, welches von der Antonio Amadeu-Stiftung unterstützt wird – und das Gegenteil bewirken soll….

Auf den Punkt – ich glaube, wir SL und Spieler täten gut daran, aller Selbstreflexion und allem wünschenswerten Wachstum als Menschen zum Trotze eines nicht zu vergessen: es ist nur ein Spiel! Und manchmal sollte man die Kirche im Dorfe lassen. Ohne Zweifel werde ich Rassismus gegen (Mit)Spieler nie dulden oder laufen lassen. Und ebenso zweifelsfrei steuere ich das sehr bewusst, wenn meine NSCs sich rassistische, chauvinistische oder faschistische Ideologie zu eigen gemacht haben und das im Spiel auf die Charaktere wirkt. In aller Regel ist es ja deren Auftrag, dem entgegen zu wirken. Und wenn die Spieler nun im Spiel selbst andere SCs oder NSCs stereotypisieren und stigmatisieren? Dann hängt der Ausgang einerseits sehr von den Prämissen des Settings ab. Andererseits muss für mich jederzeit erkennbar bleiben, dass zwischen Charakter und Spieler unterschieden wird und niemand wirklich etwas zu erdulden hat, was er/sie nicht will. Das magische Zauberwort hierzu lautet: Kommunikation!

Ich denke, dass meine Sichtweise gewiss davon beeinflusst wird, dass ich ein (mittel)alter weißer Sack bin, der mit Oldschool-RPGs aufgewachsen ist, dass ich dem Thema jetzt nicht so viel Brisanz entnehmen kann, wie manch anderer in der oben abgebildeten Diskussion das tut. Aber ich lasse mich durch wohl abgewogene Argumente gerne eines Besseren belehren. Einstweilen denke ich jedoch, dass es ganz clever wäre, wenn wir im Rollenspiel zwar gerne real existierende Probleme spielerisch abarbeiten können, uns dabei manchmal aber nicht zu viele Gedanken um den realen Meta-Kontext machen sollten. Das zerstört für viele nämlich das Spiel. Zum Beispiel für mich. In diesem Sinne: always game on… thoughtfully

Fresh from Absurdistan N°25 – Rassisten-Bullshit-Bingo

Ganz ehrlich – ich hatte eigentlich daran gedacht die FFA-Reihe leise weinend sterben zu lassen, weil es den allermeisten Menschen offenkundig schwer fällt, zu verstehen, dass wir immer noch in Absurdistan sind. Spätestens in dem Moment, in dem Kinn-Accessoire-Träger, Distanz-Verweigerer und Gesundheits-Diktatur-Rufer mich daran gemahnt haben, dass wir noch lange nicht über den Berg sind und dennoch allenthalben die Menschen tun, was sie halt so tun – anderen Menschen mit ihrem Verhalten auf die Nerven gehen, sinnlos konsumieren, Vernunft als nutzlos weil Spaß-bremsend diffamieren und was weiß ich nicht noch alles – wurde mir aber klar, dass ich genau diese Reihe weiterführen muss. Wir brauchen andere Aspekte in der Diskussion.

Im Moment ist es mal wieder ein “Merkel muss weg”; als wenn der Austausch einer politischen Führerin am System irgendwas ändern würde. Hinter Trump stehen – so peinlich er manchmal auch sein mag – ja auch jede Menge Menschen, die ihn pausenlos dafür feiern, dass er mit aller Gewalt eine nationalistische Zeitenwende in den USA einzuläuten versucht. Politik ist ein seltsames Geschäft, über welches der französische Komiker Henri Tisot mal folgendes sagte: “Bei der Fischsuppe und bei der Politik sollte man nicht zuschauen, wie sie gemacht werden.” Mir schmeckt beides nicht besonders…

Und mitten in diese seltsamen Zeiten platzt die altbekannte Erkenntnis, dass es bei unseren Sicherheitsbehörden faule Äpfel gibt. Nun, die gab es leider schon immer, die gibt es jetzt offenkundig in zu großer Zahl und die wird es vermutlich auch noch eine ganze Weile geben. Diesen Umstand jedoch als Grund zu gebrauchen, nicht darüber reden zu wollen, ist schlicht dämlich. Denn der Satz “Das haben wir aber schon immer so gemacht!” bringt halt weltweit die meisten Menschen um. Genauso wenig, wie es keinen latenten Rassismus bei Mitarbeitern unserer Sicherheitsbehörden gibt, gibt es nur gute Menschen mit Migrationshintergrund. Jedoch diese beiden Sachverhalte mittels Whataboutism gegeneinander auszuspielen, wie das gerade in der Diskussion um die Ereignisse von Stuttgart vom letzten Wochenende geschieht, wird weder den, auf Grund ihrer Herkunft stigmatisierten und benachteiligten in unserer Gesellschaft, noch dem leider notwendigen Vorgehen gegen kriminelles Handeln gerecht. Und nichts Anderes waren die Krawalle von Stuttgart. Man kann das natürlich sozial-psychologisch begründen, warum ausgerechnet junge Männer zu solchem Verhalten neigen. Das ändert nichts daran, dass es sanktioniert werden muss.

Die Gemengelage zündfähiger Befindlichkeiten, welche sich im Verlauf des Lockdowns gebildet hat, wird gerade durch die Einkehr des Sommers potenziert. Die Menschen möchten wieder mehr Mensch sein dürfen, weil sie sich durch Abstandsregeln, Masken und viele andere Einschränkungen der persönlichen Entfaltung sozial amputiert fühlen. Die Regelungen zu Corona haben den Zweck, uns Menschen vor uns selbst zu beschützen, weil wir als Spezies im Median ziemlich schlecht darin sind, auf uns selbst – vor allem aber auf die Schwächeren unter uns – Acht zu geben. Anders kann man sich den Zustand unserer Welt auch schwerlich erklären. Aber nun ist es sehr vielen einfach genug! Ich verstehe das – Empathie meint zuvorderst, sich in die Gefühls-Welt des Gegenübers rational hinein denken zu können. Mitgefühl, oder gar Mitleid reserviere ich mir gerne für jene, die mir wirklich nah sind, aber ich kann wohl durchdenken, was die Menschen landauf, landab so umtreibt, weil ich selbst einer bin. Und das Gefühl der behinderten Selbstentfaltung habe ich in den vergangenen Wochen auch dann und wann erlebt.

Was haben aber nun diese beiden Phänomene miteinander zu tun? Aus meiner ganz bescheidenen Sicht Folgendes: wir projizieren unsere Gefühle und suchen Schuldige für das, was uns gerade am Menschsein hindert. Wir wollen unsere Freiheit verteidigen; unbeachtet der Tatsache, dass sie eigentlich gar nicht bedroht ist. Wer in den Lockdown-Maßnahmen eine Bedrohung der Demokratie, bzw. seiner individuellen Freiheit sieht, darf gerne mal ein Austauschjahr in Nordkorea machen. Frustration und Wut über die eigene Lage vermengen sich mit diffuser Xenophobie und Wumms => Rassismus. Oder Frustration und Wut über den Mangel an Freiheit vermengen sich mit einem, hierorts allerdings in den allermeisten Fällen ungerechtfertigen ACAB-Gefühl und Wumms => Randale in Stuttgart. Angst ist nur ein guter Ratgeber, wenn sie dazu führt, dass ich mich einer Auseinandersetzung entziehe. Angst und Wut zusammen sind meist ein guter Grund für unnötiges Leid; egal bei wem…

Wie man es auch dreht und wendet – der Lockdown lässt diese alten Gefühle seit Wochen hochkochen und niemand hat bisher ein gutes Rezept gefunden, wie man diese Bombe entschärft. Fest steht jedoch, dass sie da ist und irgendwelche Idioten immer wieder versuchen, die Lunte anzuzünden. Möglicherweise ist es doch wahr, dass es immer ein paar Menschen gibt, die die Welt einfach nur brennen sehen wollen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Soziopathen und Psychopathen nicht die Oberhand gewinnen. Denn weitere solche Unruhen wie in Stuttgart in Verbindung mit Corona wären in ihren Auswirkungen noch viel schlimmer als die sozialen und hygienischen Abgründe, welche sich beim Skandal-Schlachter Tönnies offenbart haben. Kauft eigentlich noch irgendwer von euch beim Discounter Fleisch? Schönes Wochenende mit Steaks vom Grill…

Fresh from Absurdistan N°24 – Der kleine Sozial-Autist

Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, versuche ich es mit etwas Chillen. Man unterstellt den etwas gewichtigeren Menschen – und zu dieser Subkategorie unserer Spezies zähle ich – ganz gerne, dass sie einfach zu faul seien. Und darum habe ich neulich mal nachgerechnet. Ich komme, wenn man meine 100%-Stelle und das Studium zusammennimmt im Mittel auf 55-60 Stunden/Woche. Was daran jetzt faul sein soll, weiß ich beim besten Willen nicht; zumal man ja auch noch etwas Zeit für die Pflege seiner sozialen Kontakte braucht.

Keine Frage: ich könnte etwas weniger essen und noch mehr laufen und vor allem Fahrrad fahren, als ich das im Moment tue. Der Ratschlag ist angekommen. Wobei ich tendenziell mit Ratschlägen immer ein Problem habe. Ich gebe manchmal selbst welche – wenn ich danach gefragt werde. Ansonsten ist es mir lieber, die Leute von selbst auf die richtigen Fragen kommen zu lassen. Denn die eventuell passenden Antworten sind in aller Regel so individuell, dass ICH sie höchstens für mich selbst geben kann. Und auch dann sind sie oft genug einfach falsch…

Doch zurück zum eingangs erwähnten Chillen. Faulheit hat für mich einen Selbstzweck. Nämlich, sich bewusst und absichtsvoll den Zwecken Anderer zu entziehen. Viel zu oft rennen wir heute den Idealen und Ideen nach, die eben Andere uns vorgeben. Wenn man auf der Suche nach etwas Sinn für sein Leben ist, stolpert man leider recht schnell über Menschoiden, die einem erzählen wollen, was gut für einen ist. One-Size-Fits-All ist und bleibt jedoch Bullshit! Ich werde es immer wieder sagen; solange, bis die Menschoiden um mich herum es endlich zu verstehen beginnen.

Wenn ich also von Chillen rede, bedeutet das mitnichten, dass ich den ganzen Tag in der Hängematte liege und nichts tue. Zum einen kann der Mensch genauso wenig nicht denken, wie er nicht kommunizieren kann (siehe Watzlawick); jeder, der schon mal von seinem Gedanken-Zirkus um 03:25 in der Früh mit Macht am Wieder-Einschlafen gehindert wurde, weiß genau, wovon ich gerade rede. Zum anderen sprach ich ja auch von Sinn. Der kann sich zwar auch mal in einem verluderten Nachmittag der Prokrastination finden lassen. Häufiger jedoch tue ich dann etwas , einfach, weil ICH das tun will und es mir im Gegenzug gut tut. Schreiben zum Beispiel.

Allzu häufig finde ich mich dann aber dabei wieder, etwas zu erledigen, dass auch mit meiner Arbeit (also dem Vorbereiten, Nachbereiten, Planen, Unterrichten) oder meinem Studium zu tun hat. Ich hielt mich bislang nie für einen Workaholic – und dennoch bereiten mir solche Tätigkeiten häufig Freude. Oder ich erledige diese jetzt, damit ich später entspannter prokrastinieren kann. Na ja, es könnte schlimmer kommen… Nun ist es so, dass der Corona-Lockdown mich etwas mehr auf mich selbst und mein kleines Reich (also mein echtes Home-Office) zurückgeworfen hat, als dies üblicherweise der Fall ist. Ich habe hier viel Zeit zugebracht und dabei etwas herausgefunden, dass mir eine Zeit lang gar nicht bewusst war: ich könnte das noch viel länger! Und mein Arbeitgeber müsste keine Angst haben, dass die Arbeit nicht erledigt wird. Denn irgendwie gehen meine ganzen kreativen Tätigkeiten Hand in Hand. Denn man kann nicht nur nicht denken und nicht kommunizieren – ich kann auch nicht wirklich gut faul auf meinem Allerwertesten sitzen. Sitzen schon – aber bitte nicht faul!

Ich habe mich mehr als einmal über diese Work-Life-Balance-Gurus lustig gemacht. Und ich stehe noch immer auf dem Standpunkt, dass die allermeisten von denen weg können, weil das, was sie betreiben keine Kunst ist, sondern allenfalls gesunden Menschenverstand und etwas Selbstreflexion braucht. Nun ist klar, dass manche Leute weder über das eine, noch das andere verfügen – die sind aber zumeist auch nicht in der Position, Home-Office arbeiten zu dürfen, bzw. zu müssen, weil das doch eher Jobs mit gewissen kognitiven Anforderungen vorbehalten ist. Klingt das arrogant? Vielleicht, aber das ist mir gerade egal. ICH komme gut klar und meine Balance hat sich wieder ausgepegelt.

Paradoxerweise sind jene, die viel mit Menschen arbeiten oft auch jene, die lernen müssen, dass Menschen insgesamt gar nicht so toll sind und es sich deswegen rausnehmen, abseits des Jobs bezüglich ihrer Sozialkontakte sehr eklektisch zu sein. Gilt auch für mich. Und manchmal wäre ich auch während der Arbeit gerne eklektisch. Weshalb ich sehen werde, ob ich das mit dem Home-Office beibehalten kann. Es tut mir und meiner Leistung nämlich gut. Und der Weg vom Prokrastinieren zur Arbeit und zurück ist auch kürzer. Spart Zeit, Nerven und Geld. In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes, stressfreies und von den Ansprüchen Anderer unberührtes Wochenende!

Auch zum Hören…

The new normal bullshit mountain…

Gewöhnung ist eingetreten. Gewöhnung an physical distancing, an Schließungsmaßnahmen, Maskenpflicht, Versammlungsbeschränkungen, etc. Allerdings lässt dieser Gewöhnungs-Effekt stark nach, weil die Leute wieder Normalität haben wollen. Ich meine neulich schon mal gesagt zu haben, dass die alte Normalität scheiße war und dass die Neue nicht danach aussieht, wesentlich besser zu werden – oder, präziser gesprochen: in wesentlichen Belangen besser zu werden. Nichtsdestotrotz gehen die Leute auf die Straße, weil sie mit den Maßnahmen nun nicht mehr einverstanden sind. Und demonstrieren dabei nicht nur für ihre Rechte, sondern auch, dass sie weder den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation, noch die Bedeutung von Solidarität verstanden haben. Wie ausgesprochen traurig.

Selbst das “Handelsblatt” – seiner Funktion nach nicht gerade ein Hort des Gemahnens der sozialen Ungleichheit liefert dieser Tage einen ungewöhnlich ausgewogenen Teil-Artikel darüber ab, dass vor allem Kinder durch die Corona-Maßnahmen benachteiligt würden; um im Nachgang dann doch noch die, vom Ifo-Institut einfach mal ohne nennenswerte wissenschaftliche Solidität in den Raum geworfenen 5,4 Billionen sozialer Kosten durch das Absinken des Bildungsniveaus zu verwursten. Na ja… “Wirtschaftswissenschaftler” machen bei Prognosen halt vor allem Voodoo… Dass hier wieder eifrig das Bild des Homo Oeconomicus gepflegt und alles auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit des Individuums verengt wird, stimmt mich ebenfalls traurig.

Doch die anderen Argumente des Artikels sind durchaus bedeutsam: es ist Kindern und Jugendlichen schwer zu erklären, warum sich alles andere schrittweise normalisiert, ihr Leben jedoch nach wie vor erheblich eingeschränkt bleibt – mit dem diffusen Argument, dass ihre generelle Verantwortungslosigkeit keinen Normalbetrieb zulässt. Nun ja, diese können sie dieser Tage vor allem bei den Erwachsenen beobachten, die den Mund-Nasen-Schutz für ein Kinn-Accessoire halten, allenthalben und sehr lautstark ihre unfassbaren Einschränkungen beklagen und beim Abstand-Halten bestenfalls auf eine 5+ kommen. Was jedoch die, implizit unterstellte kindliche Verantwortungslosigkeit angeht: ist es nicht eher so, dass wir “Erwachsenen” – was auch immer dieser Begriff bedeuten mag – unsere eigenen Defizite auf unsere Nachkommen projizieren?

Mein Kerngebiet als Pädagoge liegt zwar definitiv im Bereich der Berufsbildung; doch auch meine dort im Zusammenhang mit dem Lockdown gemachten Erfahrungen bringen mich zu der Auffassung, dass die sozialen Kosten – und damit meine ich explizit nicht vermutete volkswirtschaftliche Ausfälle, sondern die sozial-psychologischen Auswirkungen auf jeden Einzelnen von uns – einen Break-Even haben. Wir müssen hier tatsächlich Art. 1, Abs, 1 GG gegen Art. 2, Abs. 2 abwägen. Was beinhaltet denn die Würde eines Menschen? Folgt man della Mirandola, so liegt die Würde des Menschen gegenüber der Natur darin begründet, dass er sein Wesen selbst erschafft. Man könnte das verstehen als die Fähigkeit zur Schöpfung der eigenen Identität und des eigenen Zweckes aus sich selbst heraus. Ob irgend ein anderes Wesen dazu im Stande ist, konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Kant begründet die Würde in der gegebenen Vernunft des Menschen, durch die dieser sich sein eigenes Gesetz geben und damit autonom (von der Natur) werden kann. Nach diesen Überlegungen ist die weitere Vernachlässigung des Schul- und KiTa-Betriebes gegenüber den, rein wirtschaftlich begründeten, anderen Lockerungen ein bewusstes Unterlassen der Bildung unserer Kinder und Jugendlichen – mit der Konsequenz, dass sie u. U. wichtiger Ressourcen zur Entwicklung ihrer Identität und Reifung ihrer Vernunft beraubt werden. Und das ist ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde! Was nun einzig bleibt, ist die Frage, ob die Würde unserer kommenden Generationen, zumindest in Teilen für die körperliche Unversehrtheit zugegebenermaßen schwer abgrenzbarer Teile unserer Bevölkerung geopfert werden darf?

Ganz ehrlich – ich weiß es auch nicht! Aber jeder, der aus purem Egoismus, oder aber aus persönlicher Überforderung nach Lockerungen ruft, begibt sich ebenso auf den “new normal bullshit mountain” der Unreflektiertheit, wie jene, die unsere Kinder aus Angst um die Gesundheit der Risikogruppen am liebsten bis zur unbegrenzten Verfügbarkeit eines sicher wirksamen Impfstoffes wegsperren würden. Ich halte das auch nicht mehr lange aus: das Warten auf die Entwicklung der Vernunft bei all den vielen Meinungen. Na ja, vielleicht ist da doch gar nicht so viel schützenswerte Würde (und damit Vernunft) in den Menschen. Zumindest ist sie oft nur sehr schwer auszumachen. Ich gehe jedenfalls morgen wieder unterrichten. In Präsenz. Mit Hygienemaßnahmen. Aber ohne Angst. Und ihr so…?

Auch zum Hören…

Ich rufe in die Weite – du willst doch nur Likes für deine Seite…

Das Netz ist eine Echokammer. Diese Feststellung ist eine Binse, denn alles, was ich – etwa über Antisocial-Media-Kanäle – hineintue, wird zwangsläufig in irgendeiner Form bewertet. Und wenn dies nur durch eklatante Nichtbeachtung geschieht. Man kann nicht nicht kommunizieren. Watzlawick ist anscheinend also auch in den Weiten des Internets gültig. Allerdings ist ja auch genau das der Zweck vieler dieser Äußerungen. Wir heischen nach Aufmerksamkeit, wie ein Kind, dass uns sein neuestes “Kunstwerk” präsentiert; selbst wenn die liebenden Augen der Eltern in die ungelenken Striche und schreienden Farben nur mit großer Mühe eine Blume interpretieren können, werden wir unsere Brut loben, denn positive Bestätigung braucht jeder. Vor allem ein Kind.

Im Netz jedoch ist nur eines gewiss, nämlich das mein Nucleus Accumbens und meine Amygdala im ständigen Wettstreit liegen, wenn ich z.B. Facebook öffne. Wie wird das Echo ausgefallen sein? Lieben sie mich noch? HASSEN SIE MICH JETZT? Und diesen Scheiß tuen sich sehr viele von uns täglich an; während wir gleichzeitig über Suchtkranke die Nase rümpfen. Der zu Grunde liegende Mechanismus ist jedoch der selbe! Ich bin nun bei weitem nicht der Erste, der sich darüber beklagt, nicht der Lauteste und ich werde auch gewiss nicht der Letzte sein. Aber mir geht es auch gar nicht so sehr um den Aspekt der Sucht; sondern vielmehr um den der Identitätsbedrohung.

In der Psychologie kennt man den pathologischen Prozess der Identitätsdiffusion. Man darf sich die individuelle Identität nicht als starres Konstrukt vorstellen. Es ist eher ein ein ständiges Austarieren des Gleichgewichtes zwischen den Anforderungen, welche die verschiedenen Rollen an uns herantragen, die wir im Laufe des Tages spielen müssen: Kind, Elternteil, Freund, Feind, Kollege, Mentor, Auszubildender, Chef, Angestellter, etc. Jede dieser Rollen beinhaltet ein spezielles Portfolio akzeptablen (und inakzeptablen) Verhaltens, welches wir durch Erfahrung erlernen. Aus den Erfahrungen formieren sich mentale Landkarten, die uns helfen, durch die Anforderungen zu navigieren.

Als Produkt dieser vielen externen Anforderungen und unserer internen Bedürfnisse entsteht unsere Identität als Prozess. Sie verändert sich mit unseren Erfahrungen und unserem Umfeld immer wieder. Allerdings geschieht diese Veränderung nicht nur schleichend. Dann und wann geraten Menschen in Krisen – etwa durch Verlusterfahrungen (Partner, Job, etc.), Krankheit, das Älterwerden als solches (Midlife-Crisis); oder, weil die Persönlichkeit noch nicht ausgereift ist (Jugend- und Adoleszenzalter). In solchen Krisensituationen sind wir, weil auf der Suche nach (neuer) Orientierung, besonders empfänglich für externe Trigger. Und dann kommt Antisocial-Media daher…

Natürlich suchen Menschen in kritischen Situationen – selbst, wenn ihnen dies gar nicht bewusst wird – besonders verzweifelt nach Bestätigung. Krisen entwerten oft das, was wir als Gewissheiten wähnten, zerschmettern unseren Lebensentwürfe und zwingen uns, wirklich ALLES auf den Prüfstand zu bringen. Das ist purer Stress, Cortisol im Überfluss, das uns krank macht und wir wollen das nicht. Niemand will das! In solchen Stress-Situationen suchen Menschen oft nach externen Befriedigungen. Manche gehen shoppen, andere springen, nur mit einem Gummiseil am Fuss, von ‘ner Brücke (manche auch ohne Gummiseil…) – und viele nutzen die Echokammer der eigenen (Anti)Social-Media-Blase, um besser drauf zu kommen.

Man könnte jetzt sagen: Das ist doch nicht verwerflich! Ist es grundsätzlich auch nicht. Da diese Menschen aber psychisch vulnerabel sind, werden sie empfänglich für die Dogmen, mit denen nicht wenige Verschwörungs-Bummsköppe heutzutage um sich werfen. Oder sie rutschen in die Social-Media-Sucht. Das Tückische dabei ist, dass man auch ein hohes Maß an Konsum noch sehr leicht begründen kann. Doch die Grenze ist fließend und die Gefahren mannigfaltig. Mir geht es nicht darum Social-Media-Nutzung zu verteufeln. Da müsste ich mich ja selbst exorzieren… Aber einmal mehr – gerade im Zusammenhang mit dem, nun langsam ausschleichenden Cornona-Lockdown und dem daraus resultierenden Online-Hype – will ich dazu aufrufen, bewusster mit diesen Medien umzugehen und gerade jetzt, wenn das vielen auch paradox klingen mag, mal Digital Detox zu versuchen. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.

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Fresh from Absurdistan N°23 – Old Blues…

Es ist wieder mal Melancholie-Zeit. Morgen müssen wir schon wieder nach Hause fahren. Wenigstens schmeißt uns das Wetter hier gerade raus. Was nicht etwa bedeuten soll, dass man nicht auch bei lausig kaltem Regen was unternehmen könnte. Heute haben wir uns zum Beispiel mit den Kindern einen Wildpark angeschaut. Hübsche Viecher können einen wahnsinnig erden. Sie machen einem nämlich klar, dass man manchmal seine ganze Existenz auf die grundlegenden Funktionen zurückführen muss: Futter suchen, essen, trinken, schlafen – und das andere mit der Reproduktion… na, ihr wisst schon!

Immer von Entschleunigung zu reden ist jedoch ziemlich beknackt. Übrigens genau so, wie im Zusammenhang mit so Schlümpfen wie Hildmann und Naidoo von Verschwörungs-“Theoretikern” zu reden. Hasnain Kazim merkte neulich an, dass man sie bestenfalls Verschwörungs-Fuzzis nennen könnte, denn Theoriebildung hat was mit Wissenschaft zu tun; und was diese Honks betreiben, ist in etwa so wissenschaftlich, wie sich mit Kuhmist beschmiert beim Sonnentanz im Feuer für Ishtar zu opfern, damit man die nächste Schlacht gewinnen kann. Nun ja, witzig ist die Vorstellung schon, dass Hildmann und Naidoo sich zugedröhnt ins… na ja, lassen wir das.

Aber zurück zur Ent-Schleunigung, welche ja eine zuvor abgelaufene Be-Schleunigung voraussetzen würde. Diese Marketing-Schlachtrufe derer, die gerne Achtsamkeits-Ratgeber, Coachings und anderen Tand verkaufen wollen, suggerieren, dass man sich unwillentlich von der Welt und ihrem stets rasanten Tempo so beschleunigen lässt – bzw. lassen muss, dass man dann gar keine andere Wahl hat, als unter Zuhilfenahme (teurer) Lifestyle-Produkte wieder auf den Boden kommen zu können. Wir sind – so unterstellen diese Menschen durch ihre Angebote – allesamt zu dumm, zu unaufmerksam und auch noch eingespannt, um unsere eigenen Bedürfnisse erkennen zu können. Zugegeben, das ist eine schöne Marketing-Masche. Ich fühle mich jedoch durch dieses allzu oft inhaltsleere Geschwurbel beleidigt.

Ich hab meine persönlichen Erfahrungen mit einer echten psychiatrischen Erkrankung gemacht und mir sind diese Typinnen und Typen, die nutzlose One-size-fits-all-“Lösungen” für Zivilsations-müde “Leistungsträger” als Ersatzreligion für spirituelle Krüppel anbieten, ehrlich gesagt ziemlich zuwider. Einerseits, weil Hilfe in problematischen Lebenslagen stets maßgeschneidert sein muss und andererseits weil auch die Unterstellung, als moderner Mensch zu blöd für eine eigene Spiritualität zu sein mich brüskiert. Wie wenig reflektiert und bar jeden Verständnisses für das eigene Bedürfnis nach Spiritualität viele Menschen sind, ist mir bewusst; jedoch gerade damit Kasse machen zu wollen, ist in meinen Augen eine bodenlose Frechheit. Insbesondere, weil hier “Wahrheiten” verkauft werden, die brandgefährlich sind.

Wahrheit ist – wenden wir den Blick zurück auf Hildmann und Naidoo – etwas sehr subjektives. Es gibt keine letztgültigen, immer gleichen Wahrheiten. Nur dass, was man für sich selbst fürwahr herausfindet. Und das kann im Laufe eines Lebens sehr wohl einem Wandel unterworfen sein. Menschen, die vorgeben (einfache) Wahrheiten anzubieten, verkaufen zumeist Dogmen – also ihre ganz persönliche, verabsolutierte Meinung! Wie leicht hier an Menschen, die einfach nur auf der Suche nach Antworten für die schwierigen Fragen im Leben (Wer bin ich? Wer will ich sein? Warum bin ich? Wohin führt das Alles? Was bedeute ich für Andere? etc.) sind, Manipulationen vorgenommen werden können, erklärt sich von selbst. Denn, bin ich im Bezug auf meine Identität im Zweifel, sauge ich den Mist, den manche Ratgeber-Fuzzis absondern besonders neugierig auf und beginne unter Umständen, das fürwahr zu nehmen.

Für den aufmerksamen Beobachter ist damit einer der Mechanismen, der Verschwörungs-Kacke ans Laufen bringt auch schon (populärwissenschaftlich) erklärt. Ich bevorzuge es seit jeher, selbst zu denken und selbst zu fühlen. Und ich fühle jetzt gerade Melancholie, weil ich weiß, dass ein paar Tage mehr Urlaub an diesem friedlichen Ort mich als Mensch wieder ein bisschen kompletter machen würden. Aber so ist das – wir bekommen selten, was wir uns wünschen. Und wenn, dann steht es nicht zwischen zwei überteuerten Buchdeckeln, sondern wir erfahren es in den Dingen die wir wahrnehmen, durchdenken und dann teilen – damit andere sie auch durchdenken können. Ohne Dogmen, ohne Verkaufsabsicht, einfach so. Denn die wichtigen Dinge im Leben kosten Mühe, keine Euros.

Auch zum Hören…

Fresh from Absurdistan N°22 – Back to normal – really…?

Allenthalben hört man davon, dass die coronesken Beschränkungen zurückgefahren werden können, dass ein Stück Normalität zurückkehren könnte, würde, sollte, müsste… Aber zum einen ist “ein Stück weit” ein Begriff, der, seit Torsten Sträter sich damit befasst hat (ihr müsst es ein paar Minuten in die Sendung schaffen) nicht mehr so leicht über meine Zunge oder meine Tasten kommt; und zum Anderen weiß ich beim besten Willen nicht, zu welcher Normalität ICH zurückkehren wollen würde.

Gegängelte Fachkräfte im Gesundheitswesen und im Einzelhandel, denen nun wieder keiner Beachtung schenkt (und leider auch kein Geld)? Power-Shopper auf Ego-Trips? Flugmeilen, bis Mutter Erde kollabiert? Neid, Gier, Missgunst und ihre kleinen Bastard-Schwestern Arroganz, Besserwisserei und Protz? Na vielen Dank auch. Wenn es nach mir ginge, könnte der Lockdown zumindest für manche Menschoiden noch bis 2025 weiter gehen – aber bitte ohne Internet-Zugang.

Zweifelsfrei kann ich sagen, dass die Schulschließungen weder meinen Nerven, noch denen der besten Ehefrau von allen sonderlich gut getan haben. Und dass unsere Kinder sicherlich nicht so sehr vom Homeschooling durch uns profitiert haben, wie sie von normalem Präsenz-Unterricht mitgenommen hätten. Auch wenn die Größere den einen oder anderen Klassenkameraden offenkundig überhaupt nicht vermisst hat. Obercoole Vollidioten gibt’s anscheinend auch schon in der Fünften… Immerhin wissen wir jetzt, welche Lehrer mit Distance-Learning können – und welche nicht! Ob das für die Zukunft irgendwie nützlich ist, kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Aber, wenn ich ehrlich bin, will ich das eigentlich auch nie herausfinden müssen…

Wird es also nun ein neues “Normal” geben? Vermutlich. Und leider, leider, wird es kaum anders aussehen, als das Alte, denn alle Hoffnungen auf eine Wende hin zu einer besseren Menschheit, zu mehr Solidarität miteinander, zu mehr Verantwortung füreinander und unsere Umwelt zerschlagen sich mit jeder noch so kleineren Justierung des Lockdowns. Die Leute wollen IHRE FREIHEIT. Sie haben zwar keine Ahnung, was das Wort wirklich bedeutet und dass es eine Schwester namens Verantwortung hat. Aber hey, Schwamm drüber. Hauptsache, man kann mal ohne jede Sachkenntnis auf die Kacke hauen und aus dem Grundgesetz zitieren, nicht wahr…? Nicht wahr, ihr Kognitions-Amateure?

Der Kategorische Imperativ ist in unserem Staat nicht ohne Grund eine der wichtigsten rechts-philosophischen Figuren. Aber die ganzen Jubler sehen nur, dass sie ab bald wieder ihre ganz normale Ausbeutung unserer Umwelt betreiben dürfen. Ach Lockdown, was hast du mir nicht Freude beschert. Fast ganz alleine, nur von meinen Gedanken gejagt durch den Waldpark spazieren hatte schon was. Und auch an Home-Office für bestimmte Aufgaben konnte ich mich gut gewöhnen. Zum einen, weil mein “Home-Office” (Also der Raum, in dem mein Arbeitsplatz steht) wesentlich besser ausgestattet ist, als dass “im Büro”. Und zum anderen, weil manche Arbeiten Muse erfordern, die bei ständigem Kontakt mit den Kollegen nicht immer so Recht aufkommen will. Aber ich schweife ab…

Wie auch immer das neue Normal aussehen mag – wenn ich Wünsche äußern dürfte, wären diese einfach: mehr Wertschätzung für die Berufsgruppen, die uns durch den Lockdown gerettet haben und das nicht nur durch dämliches Geklatsche, sondern durch substantielle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen (JA, das meint auch mehr Geld). Weniger Ego-Trips. Mehr Geld für Bildungsinfrastruktur und Lehrerbildung. Weniger Geld für nutzlose Dienstleistungen (Flugreisen) und Tand (jedes Jahr ein neues IPhone – habt ihr sie noch alle?). Mehr WIR. Weniger ICH. So einfach könnte das sein. Gott sei Dank bin ich noch im Urlaub, da kann man ja mal träumen…

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Fresh from Absurdistan N°21 – another Absurdistan…

Es fällt einem erst auf, wie surreal die gegenwärtigen Umstände sind, wenn man sich mal ein Stück aus der eigenen Homezone herausbewegt. Zumindest mir ist in den letzten Wochen natürlich aufgefallen, um wie viel komplizierter und langwieriger manche alltäglichen Verrichtungen geworden sind und wie wenig empathisch die Menschen neuerdings miteinander umgehen. Online natürlich noch viel mehr als im wahren Leben. Aber selbst gemessen an den eh schon beschissenen Umgangsformen auf Facebook ist es in den letzten Wochen nochmal ein ganzes Stück schlechter geworden. Eigentlich gehört der Dreck samt und sonders ohne Entschädigung enteignet und abgeschaltet.

Nun sind wir ein paar Kilometer gefahren. Auch in Deutschland gibt’s ja schöne Fleckchen, die man besuchen kann, wenn man’s in den eigenen vier bis zwanzig Wänden nicht mehr aushält. Das letztgenannte war schon seit Wochen der Fall; das mit dem Besuchen machen wir jetzt – man benennt das mit einem Fremdwort aus Prä-coronesken Zeiten übrigens recht klangvoll als “Urlaub”. Unser Weg führte uns gestern ein Stück den Rhein hinab bis in die Vulkaneifel. Ist hübsch hier und ruhig obendrein. Und unsere Vermieter sind reizende, höchst gastfreundliche Leute, die sich darüber beschwert haben, dass sie im Moment nicht so gastfreundlich sein können, wie sonst. Ich habe ehrlich gesagt nichts vermisst. Aber so unterscheidet sich die Wahrnehmung…

Jedenfalls sitze ich in einem zauberhaften kleinen Garten unter alten Weinreben, Vögel zwitschern, Bienen summen, der Wind rauscht – und sinniere über den Einkauf gestern, in dem kleinen Supermarkt im nächsten Ort, mit Maske, wie überall in Deutschland sinnvollerweise vorgeschrieben. Und erinnere mich: Corona ist im Moment überall und soweit ich auch fahren, fliegen, schwimmen oder sonstwas könnte, ich käme dem Virus nicht davon. Zumindest räumlich nicht. Aber ist das die ganze Wahrheit?

Allüberall schwadronieren sie immer lauter, dass jemand ihnen die Grundrechte genommen hat, faseln von Diktatur und erregen sich immer noch darüber, solidarisch sein zu müssen. Soviel zu der Behauptung, die Pandemie könne etwas zum Guten ändern. Menschen bleiben Menschen; sie können nicht einfach nett zueinander sein, anderen etwas gönnen, einander helfen, wenn das angezeigt wäre und ihre Bedürfnisse hintenan stellen, weil im Moment Anderes wichtiger ist. Sie können es nicht. Sie konnten es nie, und sie werden es auch fürderhin nicht können, weil sie Menschen sind! Soweit bin ich mit der Sache versöhnt. Was nichts daran ändert, dass ich jedem dieser Covidioten auf Fratzenbuch jeden Morgen eine in die Fresse schlagen könnte für ihren Egoismus, ihre Dummheit, ihre Arroganz, ihre Indolenz und ihre Beleidigungen. Aber es gibt so viele von denen, dass ich Angestellte bräuchte, um alle gleich behandeln zu können, also muss ich das wohl lassen…

Was tue ich also nun? Ich mache Urlaub. Nicht etwa in der Eifel, sondern in Indolentien und Ignoranzien, lass die Deppen schwadronieren und mache mein Ding. In aller Ruhe, höflich und mit Maske, sofern nötig. Gott möge mir noch etwas mehr Gelassenheit geben, dann könnte da was draus werden. Ich werde mich NICHT, wie mancher aus meiner Timeline in unnötige Diskussionen um das Für und Wider der Alltagsmaske verstricken lassen und nur die Quellen rezipieren, die meine Meinung bekräftigen. Das systemische Denken geht in Zeiten des Auf-sich-selbst-zurückgeworfen-Seins, wie etwa jetzt, offenkundig verloren. Es wäre an der Zeit, dieses wieder zu kultivieren. Auch, wenn man sich fragen sollte, ob tatsächlich das Leben oberstes Primat allen politischen Handelns sein sollte, oder doch die Menschenwürde; und wie man Beide unter einen Hut bekommt? Ich wünsche frohe Pfingsten. Möge beim Nachdenken über solche Fragen der Heilige Geist auch über euch kommen…

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Fresh from Absurdistan N°20 – Breaking Point!

Es gibt diese Momente im Leben eines und einer jeden, die man am liebsten ungeschehen machen, oder wenigstens aus dem Gedächtnis streichen möchte. Nun ist es so, dass wir uns an genau diese Momente natürlich stets am Besten erinnern, da sie uns – quasi als Fehlerfilter – daran gemahnen sollen, was man besser bleiben lässt. Funktioniert voll gut – NICHT! Wer mich näher kennt weiß, dass unter der zumeist gediegen-lustig daher kommenden Benutzeroberfläche Dämonen lauern, die uncharmant, unbeherrscht, laut und niederträchtig sind und manchmal zum Spielen nach draußen MÜSSEN…

Wie das Leben so spielt, gelingt es jenen Menschen, die uns am nächsten stehen, auch am leichtesten, solche Dämonen aus ihren Käfigen der Zivilisiertheit zu lassen. Zum Beispiel meine Kinder. Im Moment kann ich sie gerade mal wieder überhaupt nicht leiden, weil sie sich aufführen, als wenn Mama und Papa ein Selbstbedienungsladen wären, dessen Einrichtung man auch noch nach Belieben misshandeln kann. Ist ja nicht so, dass Eltern im Moment durch den Spagat zwischen Job und Homeschooling nicht sowieso schon extrem belastet wären. Und wenn die “lieben Kleinen” dann noch ‘ne Extraschippe obendrauf legen. Was soll ich sagen – heute ist dicke Luft und ich bin fast froh, dass ich später mal wieder im Einsatzdienst aushelfen muss.

Corona nötigt uns einfach zu viel Nähe auf und lässt zu wenig Platz für Distanz. Ist so ein Allgemeinplatz, der einfach noch mal gesagt werden musste. Aber da ist noch etwas, dass einfach mal gesagt werden muss, und zwar all den Kinderlosen da draußen, welche die unsägliche Frechheit besitzen, mir und meinesgleichen zu sagen, dass wir nicht so rum heulen sollen, wir hätten ja keine Kinder kriegen brauchen… HALTET… [Hier stand zuvor etwas sehr Unflätiges, dass ich durch folgenden frommen Wunsch an die vorgenannten Individuen ersetzen möchte: Mögen 1000 hungrige Termiten auf eurem mit Honig beschmierten Popo Samba tanzen, während eure Arme von zeitweiliger Parese befallen sind…] Wer zahlt in Zukunft eure Rente? Wer pflegt euch im Altersheim? Wer serviert euch das Essen, füllt eure Supermarktregale auf, erzeugt euren Strom, löscht eure Feuer und rettet eure Angehörigen vor dem Infarkt? Ich könnte hier noch beliebig viele andere Berufe einpflegen und ihnen allen ist eines gemein: ohne Nachwuchs gibt’s keine Dienstleistung und keine Produktion.

Jedes Mal wieder, wenn irgendwelche neuen Widrigkeiten auftauchen, die euch Sozial-Amateuren die Bequemlichkeit versauen, oder euch (subjektiv) irgendwas wegnehmen wollen, haut ihr auf die “Gefühlte-Ungerechtigkeits-Kacke”; und damit auf die Eltern. Und benehmt euch damit kein Jota besser, als meine 7- und 11-jährigen Töchter! Was ist nur in euch gefahren, dass ihr – genau wie die zwei – eurem Gegenüber die Wurst auf dem Brot nicht gönnt? Hattet ihr als Kinder zuwenig Liebe? Ist auch egal. Denn ich bin am Breaking Point! Ich kann und ich will nicht mehr:

Ich will mir nicht mehr das Gejammer anhören müssen, wie schlecht es irgendjemand geht! Ich will nicht mehr irgendwelche verschwubelte Verschwörungskacke in meiner Timeline sehen müssen! Ich will nichts mehr über Diktatur durch die Hintertür hören, wenn keiner von euch auch nur den leisesten Schimmer hat, wie sich Leben in einer Diktatur anfühlt – zieht nach Nord-Korea! Ich will kein Genöle über den Sommerurlaub, der wegen der Pandemie vielleicht storniert werden muss! Ich will nicht blöd angeschaut werden, wenn ich Menschoiden darauf hinweise, dass ein Mund-Nasen-Schutz auch Mund und Nase bedecken sollte, weil man den ansonsten auch genauso gut als Flatulenz-Filter tragen könnte! Und – Ich will keine Milliarde an die Lufthansa verschwendet sehen!

Ich will mehr Freundlichkeit! Ich will mehr Solidarität! Ich will mehr Vernunft! Ich will mehr Verständnis für die Sorgen der existenziell bedrohten Menschen! Ich will, dass meine Kinder begreifen, dass all das auch für mich extrem belastend ist! Ich will einfach mehr gesellschaftlichen und privaten Frieden – und habe einfach keinerlei Energie mehr übrig, mit jenen idiotischen, asozialen, egoistischen Menschoiden zu streiten, die solche Wünsche nicht verstehen können! Fahrt zur Hölle – aber bitte mit Ökostrom! Schönen Tag noch…

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