Selbstversuch!

Ich habe es einmal mehrr probiert – ich habe Facbook und den dazu gehörenden Messenger auf meinem Smartphone installiert. Ich weiß wirklich nicht, welcher Teufel mich da wieder geritten hat, denn ziemlich präzise 40 Stunden später habe ich den Scheiß wieder runter geschmissen. Nicht weil ich kein Facebook mehr nutze – was vielleicht besser wäre – sondern, weil mich die subjektive Aufdringlichkeit beider Apps tierisch genervt hat!

Ich bin kein Narr; zumindest sage ich mir das immer wieder. Ich weiß, dass diese ganzen großen Internet-Konzerne vom Internet leben. Nicht so, wie die deutsche Bahn nur noch 20% oder so ihres Gesamtumsatzes mit Zügen macht. Nein Facebook, Google, etc. vermarkten Dienstleistungen und Produkte online und sind davon abhängig, möglichst laut, bunt und tief in jedermanns Leben einzudringen, um auch ja genug Profit für die Shareholder generieren zu können.

Es wäre also – auch auf Grund früherer Erfahrungen – voraussehbar gewesen, dass mir das ständige Getute und Gebrumme recht schnell auf den Sack geht. Mal ganz davon abgesehen, dass es den Akku meines mobilen Endgerätes messbar schneller leert. Und das ist, gemessen am Nutzen, einfach nur Energieverschwendung. Sowohl am Akku, als auch an mir. Immer mal wieder stelle ich mir daher die Frage, warum ich Facebook überhaupt noch nutze? Denn letztlich ist es nichts weiter als ein Zeitfresser ohne Mehrwert.

Die allermeisten Kontakte, welche ich darüber WIRKLICH pflege, kriege ich auf anderen Kanälen oder im wahren Leben genauso gut zu fassen. Browserspiele sind einfach nur die Pest für mein Zeitmanagement. Und die unfreiwillige Preisgabe eines Teils meiner Daten fuchst mich jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke. Das allerschlimmste aber sind jene Freundoiden Wesen, welche diese Platt-Form im wahrsten Wortsinn so nutzen: für ihre chauvinistischen, rassistischen, reaktionären Plattitüden. Moment, ich bin mal kurz brechen…

Was bleibt, sind zwei Dinge, die mich derzeit noch daran hindern: manche Kontakte sind halt doch nur dort halbwegs regelmäßig zu sehen und manche Informationen von ihnen  waren in der Vergangenheit durchaus wertvoll. Und ich teile meine Blogposts dort; for whatever it’s worth…! Aber das ist ganz schön wenig für den Ärger, den Frust und den Energieverlust, den dieser Kanal mir verschafft. Im Moment habe ich noch keine Lösung dafür, aber eines ist klar: für mich hat mal wieder der Kampf gegen meine eigenen schlechten Angewohnheiten begonnen – und Facebook ist eine von ihnen. In diesem Sinne – habt eine schöne Woche.

Ach ja, die gute alte…

…ja was denn eigentlich? Zeit? Gesellschaft? Kultur? Heimat? In letzter Zeit stelle ich auf Facebook einen verstärkten Trend fest, die eigene Kindheit der 70er zu glorifizieren. Psychologisch ist das einfach zu erfassen: die Kindheit wird als ein Ort begriffen, wo (subjektiv) alles besser war, man musste nicht selbst arbeiten gehen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Man war nicht in so viele andere Verpflichtungen eingebunden und die Welt wirkte zumindest überschaubar. Es lässt sich hier durchaus treffend sagen: das war sie auch, denn wir haben auf Grund der, seinerzeit begrenzten Reichweite der verfügbaren Medien einfach nicht so viel von der Welt mitbekommen.

Was die Überschaubarkeit angeht, haben wir heute echt geschissen; Infos und Meinungen aus aller Herren Länder können sehr leicht gefunden, repliziert, konsumiert aber auch selbst expliziert werden. Das Internet hat in dieser Hinsicht alle Erwartungen übertroffen – auch die negativen. Denn Meinungen finden heutzutage viel schneller sehr viel weitere Verbreitung als Fakten. Sich Tatsachen erarbeiten, sie einordnen und verstehen können, ist mühselig und zeitraubend. Sich eine Meinung zu bilden (oder eine existierende anzueignen) dauert geschätzte 12 Millisekunden; zuzüglich der Zeit, die man braucht, um auf den “Teilen”-Button zu klicken. Wenn es nach mir ginge ginge, gäbe es statt dem “Share”, den “Hate”-Button. Den würde ich viel öfter brauchen.

Wie dem auch sei; mir erschließt sich diese Sehnsucht  nach einem Ort, einer Zeit, in der die Dinge einfacher waren. Auch ich muss bei solchen Filmchen und Bilder manchmal lächeln und nicken. Denn eigentlich ist es ein zutiefst menschliches, unschuldiges Gefühl. Doch wenn ich eine Sekunde länger darüber nachdenke, beschleicht mich der Verdacht, dass man diese Emotion auch sehr gut für andere Zwecke instrumentalisieren kann.  Die auf Facebook viel geteilte Seite “Weißt du noch” z. B. gehört dem Axel Springer Verlag; der ist nun weder für seine progressive politische Haltung, noch für Qualitäts-Journalismus bekannt. Was den Verdacht nahelegt, dass durch die emotionale Hintertür eine konservative politische Agenda bedient werden soll.

Es ist dabei für die Macher unbeachtlich, für mich jedoch von pikanter Ironie dass die gesamten 70er hindurch die SPD in der Regierungsverantwortung war. Die Jahre vor dem deutschen Herbst werden als die letzten guten Jahre, die wir je hatten stilisiert, ein Sehnsuchtsraum, den wir nur durch Abkehr von progressiver “linksgrünversiffter” Politik noch Mal erreichen können. Es geht dabei weniger um die Zeit an sich. Ich bin selbst ein Kind der 70er und hatte eine schöne, weitestenteils unbeschwerte Kindheit. Aber die Verknüpfung von positiver Erinnerung und reaktionärem Weltbild ist für mich äußerst unheilvoll; weil sie durch die Hintertür ein Heimatbild zu festigen versucht, dass als guter Nährboden für Ressentiments, Chauvinismus und Rassismus dienen kann.

Ich denke hier zu weit um die Ecke? Keine Ahnung. Aber dem Axel Springer Verlag trau ich nicht weiter, als ich ein Kioskhäuschen werfen kann und ich bin NICHT Superman. Vielleicht ist es auch nur ein Werbegag eines sterbenden Printmedienfossils. Aber für mich bedeutet es, dass ich mit der Entzauberung unserer Welt durch den Fluch des Erwachsen Werdens zurechtkommen und mir meine eigenen Definition von Heimat erarbeiten muss; und das immer wieder neu. Denn wenn es stimmt, dass “die Heimat da ist, wo das Herz ist”, ist meine Heimat kein bestimmter Ort – und schon gar nicht eine, aller Multikulti´-Aspekte bereinigte Kindheitserinnerung aus  dem Hause Springer…

In diesem Sinne eine schöne Restwoche.

Fordernder…?

Nach meinem Aufruf zur Genügsamkeit im sozialen, aber vielleicht auch im wirtschaftlichen Umgang kann ich nicht umhin, nun auch den Gegenpart zu thematisieren. Wir Menschen sind als Wesen immer dualistisch angelegt. Das bedeutet, dass Widersprüche und Gegensätze stets Teil unserer Natur sind. Wir sind sozial, aber auch egoistisch. Wir sind stark, aber auch schwach. Wir herrschen und wir folgen. Oft sind diese Gegensätze so stark, so polarisierend, dass die daraus resultierende Spannung nicht aufgelöst werden kann, oder eines von beiden Prinzipien so dominant, dass es das andere verdrängt. Beide Konstellationen können uns ein Leben lang immer wieder in Probleme stürzen.

Wir können uns dem leider nicht entziehen. Und so ist man zumindest ab und an gezwungen, Entscheidungen zu treffen und dann auch durchzusetzen, die einem überhaupt keinen Spaß machen. Nun ist das Leben zwar ein Ponyhof, doch nirgendwo stand geschrieben, dass alle Ponys nett sein müssten. Im Privaten manifestieren sich solche Problem-Szenarien zumeist in unseren Beziehungen. Darauf will ich hier nicht eingehen, da ich vieles sein kann; als Beziehungsratgeber bin ich jedoch mutmaßlich nicht geeignet. Aber auch im Beruflichen kann einem so etwas passieren. Und genau da stehe ich im Moment gerade…

Wer schon mal in einer komplexeren Organisation tätig war, kennt das: es gibt Grüppchen, Seilschaften, Verbände und dazwischen ein unsichtbares Netz aus altem Scheiß. Freundschaften, Verbindlichkeiten, Sympathien. Aber eben auch Unausgesprochenes, Kränkungen, Widerspruch bis hin zur Animosität. Kommt man da quasi neu hinein, ist es anfangs manchmal wie Pogo-Hüpfen im Minenfeld. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis du den ersten Volltreffer landest. Manche Auswirkungen sind peinlich, manche amüsant; aber manche können auch alles in Frage stellen, was du zu wissen glaubst.

Ich bin, wie schon des Öfteren erwähnt, ein neugieriges Wesen. ich habe gerne das ganze Bild. Doch dazu muss man sich erst einmal mit allen unterhalten. Mit manchen kommt man leichter ins Gespräch, mit anderen weniger leicht. Doch das ändert nichts am Kommunikationsbedarf, wenn man manche Fallen von vornherein entschärfen möchte. Ich darf sagen, dass meine Trefferquote hier mittelprächtig ist. So, wie bei den meisten anderen auch. Allerdings bin ich geduldiger (vielleicht auch leidensfähiger) als viele andere. Mag am Alter liegen. Und ich habe gelernt, dass es einen bestimmten Punkt, ab dem wir uns an unsere (Er)Kenntnisse zu krallen beginnen, weil uns das eine gefühlte Sicherheit im Umgang mit dem Unbill des Alltags gibt. Das ist der Punkt an dem gefühlte Wahrheit zum Dogma wird.

Das Dogma ist immunisierte Überzeugung (gut zu beobachten bei AfD-Anhängern oder machen Gläubigen). Es gibt uns das recht, so zu tun, wie wir tun. Egal, ob wir damit objektiv Recht haben, oder auch nicht. Man neigt dazu, Menschen, die man gut leiden kann so etwas lange nachzusehen. Aber nicht unendlich lang. Irgendwann kommt der Punkt, da das eigene Autonomie-Bestreben sich des Kategorischen Imperativs erinnert und beginnt, Dinge zu fordern. Doch wie fordernd kann bzw. darf ich werden?

Es ist eine Gratwanderung; wie so vieles andere im Leben auch. Unsere Existenz ist nie ein gerader Fluss und wenn mich das Leben erwas gelehrt hat, dann, dass ich das Unerwartete erwarten muss und das Erfahrung etwas ist, das man hat, fünf Minuten nachdem man es gebraucht hätte. Nach allem, was ich in der letzten Zeit erlebt habe, stehe ich jetzt an dem Punkt, an dem ich fordernder werden MUSS. Also werde ich fordern. Und bei Nichterfüllung meine Konsequenzen ziehen. Das Leben ist zu kurz zum Warten!

Habt eine schöne Woche…

Genügsamer…?

Manche Geschichten erzählen davon, dass man mit dem Voranschreiten des Alters ein höheres Maß an Genügsamkeit erlangen würde. Das ist natürlich Käse, weil das Prinzip “One-Size-Fits-All” in der Sozialpsychologie genauso wenig funktioniert, wie beim Klamottenkauf. Und überhaupt muss man erst mal fragen – vor allem im Hinblick auf die unterschiedlichen Begriffe, die sich dahinter eigentlich verbergen – auf welchem Genügsamkeits-Sektor wir uns gerade bewegen. Ich persönlich bin z. B. sehr einfach gestrickt, wenn es um meine Ansprüche an ein Ferien-Apartment geht: ‘n Platz zum kochen, essen, schlafen und abends gemütlich sitzen. Vielleicht ein Pool, wenn ich im Sommer unterwegs bin und das Meer nicht nah genug. Das wär’s auch schon.

Geht es indes um sprachliche und inhaltliche Präzision, insbesondere bei Sachthemen von Interesse, bin ich alles andere als genügsam. Da will ich es genau wissen, will verstehen, was mein Gegenüber bewegt, warum manche Sachverhalte so sind, aber nicht anders, wie es zu gewissen Entscheidungen kommt und wie man Prozesse beschreiben kann; weil ich den einen oder anderen gerne verbessern würde.

Das klingt jetzt vielleicht zunächst ganz arg schlimm nach Arbeit, nach einer Verletzung der Work-Life-Balance ( nach längerem Nachdenken mein ganz persönliches Unwort des Jahrzehnts, direkt gefolgt von “Umvolkung” und “digital natives” – man kann Völker nicht umtopfen und ein Mensch bleibt auch bei 22h Social-Media-Konsum pro Tag am Ende immer noch ein soziales Wesen). Ist es aber nicht.

Meine Arbeit und mein Privatleben haben immer miteinander zu tun, weil ich Befindlichkeiten nicht so einfach am Schichtende ablegen kann, wie meine persönliche Schutzausrüstung. Weil Kollegen oft genug auch Freunde sind oder umgekehrt dazu werden. Weil ich viel Zeit bei der Arbeit verbringe und daraus notwendigerweise ein Bedürfnis nach etwas Harmonie an diesem Ort entsteht. Zumal Arbeit auch in meinem Gewerk nicht zwingend einen Ort hat, an den sie gekoppelt ist.

Immer wieder neu ringe ich also um Effizienz und Effektivität. Ich versuche stets, meine Zeit bewusst in das Private und das Berufliche zu trennen, wohl wissend, dass der versuch gelegentlich scheitert. Nicht etwa, weil ich ein Workaholic wäre (das hätte mein Chef vielleicht gerne), sondern, weil ich ein Mensch bin, der menschlich handelt. Humanität ist nun zwar kein Merkmal des Gesundheitswesens , in welchem ich tätig bin – wohl aber ist sie ein Merkmal von mir. Eines, das zu bewahren ich immer wieder zu Kraftakten aufgefordert bin, in dieser Welt, in der die Humanitas kein Asset von Wert ist, für das man irgendwas eintauschen kann.

Im Gegenteil ist sie ein Wert an sich, der unhinterfragbar, unhintergehbar Kompass meines Tuns sein soll; auch wenn ich manchmal vom diesem Kurs abweiche, so wie Menschen das eben tun. Doch wie kommt man von der Genügsamkeit zur Humanität? Ganz einfach, indem man sich den Aspekt der Bescheidenheit und des Verzichts zugunsten Anderer ins Gedächtnis ruft. In dem Moment wird klar, dass wir alle dazu aufgerufen sind – unabhängig vom Alter – uns dann und wann in Genügsamkeit zu üben. Denn das, was wir uns versagen, kommt in aller Regel zu uns zurück. Vielleicht auf Umwegen. Aber Karma ist, genau wie Erziehung ein Bumerang.

Bevor man Genügsamkeit also als Schwachsinn für die Schwachen abtut, jene, die ihre Ellbogen zu benutzen nicht ausreichend erlernt zu haben scheinen, sollte ich mich fragen, ganz bewusst bedenken, was dieser Verzicht für mich nun bedeutet. Und zwar jetzt. Und dann in ein paar Wochen. Und dann in ein paar Monaten. Und so weiter… Nicht in allen Dingen ist Genügsamkeit gut. es gibt auch bereiche, in denen ich fordern muss. Aber dazu ein anderes Mal mehr. Bis dahin alles Gute.

Schreibwut?

Man kann ja immer damit hadern, dass man nicht bekommt, was man sich wünscht. Oft genug geht es dabei nur um materielle Dinge. Ich wünschte, ich könnte mir dieses leisten, jenes kaufen, hierhin reisen, dorthin fahren, noch dieses Event mitnehmen, etc. Wer jetzt glaubt, dass ich diese Tatsache geißeln möchte – ein klares NEIN. Will ich nicht, denn wer ohne Sünde ist, und so weiter… So gern ich mir das einreden würde; ich bin nicht frei von solchen, allzu geschickt durch Werbung und Mundpropaganda geschürten, durch Neid und Gier entstandenen Bedürfnissen. Immerhin bin ich ein Zivilisationskind.

Müßig wäre es, darüber zu debattieren, ob ich diesbezüglich besser werden kann. Ich versuche es (mehr kann ein Mensch kaum tun), mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und tatsächlich stelle ich manchmal fest, dass kleine Erfolge, oft gar nicht mit Geld beschafft, meinem Leben Antrieb geben, so wie meine Beziehungen meiner Existenz ein (gefühlt) stabiles Fundament verschaffen.

So habe ich zum Beispiel wieder mit dem Schreiben angefangen. Nein, ich meine nicht mein Blog hier, den ich ja seit einiger Zeit wieder mit größerer Regelmäßigkeit pflege (und die letzten Wochen eben nicht). Ich meine damit mein belletristisches Tun, welches immerhin schon die Co-Autorschaft von sechs Büchern erzeugt hat. Und die nächsten Werke sind nun endlich in der Pipeline. Es hat lang gedauert, die Lust wiederzufinden, denn bloggen und Romane schreiben sind tatsächlich zwei grundverschiedene Dinge. Aber letztlich hat meine Lust auf’s Geschichten erzählen dann doch über meinen inneren Schweinehund gewonnen. Womit auch der Grund für meine geringe Tätigkeit hier erklärt wäre. Denn wenn ein Knoten geplatzt ist, muss man den Flow mitnehmen, so lange er anhält.

Ich glaube, jetzt wieder in stabilerem Fahrwasser zu sein, aber sicher ist man da als Autor nie. Im Übrigen geht es meinem lieben Freund, Co-Autor und Co-Verleger Claus ganz genauso. Auch er ist in einer anhaltenden Schaffensphase und nagt wahrscheinlich genauso wie ich an den Nägeln, wenn er daran denkt, dass es wieder vorbei sein kann. So lange also das Mana fließt, widme ich mich lieber dem einen oder anderen Buchprojekt, als hier allzu viel Energie drein zu geben. Dafür bitte ich um Verständnis. Wenn’s mich allzu sehr juckt, werde ich auch Dinge zum Besten (oder Schlechtesten) geben, die hier aus meinem Kopf wollen. Man liest sich also…

Simplify your workload!

Tja, da sind doch glatt schon wieder zwei Wochen ins Land gegangen. Und eine davon sogar mit arbeiten. Aber eigentlich kann ich mich nicht beklagen, immerhin scheint die Erholung des vergangenen Urlaubes immer noch halbwegs entspannend auf mein Gemüt zu wirken. Anders lässt es sich kaum erklären, dass ich die üblichen Anfechtungen durch Familie und  Arbeitswelt bislang einfach wegatmen konnte. Es mag aber auch daran liegen, dass ich gelegentlich fatalistische Episoden habe (vielleicht sind die auch pragmatisch, der Unterschied hängt ja eher vom Standpunkt ab und ich finde Re-Framing gut). Die Dinge sind halt manchmal, wie sie sind…

Nun schrieb ich hier, dass es in mir gerade mal wieder so einen gewissen Drang nach einem einfacheren Leben gibt. Und dass ich mal darüber meditieren müsste, wie das mit dem Entschlacken bei der Arbeit funktionieren könnte. Grundsätzlich sind wir ja soziale Wesen, d. h. miteinander arbeiten liegt in unserer Natur. Aber doch nicht mit jedem, oder? Man muss auf Arbeit immer mal wieder feststellen, dass es Kollegen gibt und Kollegoide. Diese Letztgenannten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie am gleichen Ort arbeiten, vielleicht sogar an den gleichen Dingen, dabei aber immer zuerst an ihr eigenes Fort-Kommen oder wenigstes Gut-Weg-Kommen denken. Nix gegen Egoismus, den kultiviere ich auch gelegentlich. Allerdings versuche ich die Kollateralschäden an anderer Leute Interessen dabei zu minimieren. Dem Kollegoiden jedoch ist das schnurz!

Hat man nun solche Menschen um sich, die das Angebot, ab und an mal ihre Probleme zu meinen machen zu dürfen (als Ausbilder ist man halt Trouble-Shooter) gerne und vor allem oft annehmen, kann ich das eine ganze Weile weglächeln. Wenigstens einer hat ja auch eine Berechtigung, mir regelmäßig einen Eimer Arbeit auf den Schreibtisch zu kippen – mein Boss. immerhin kriege ich Geld dafür. Mancher Kollegoide versteht das jedoch als Einladung, sein Zeug einfach daneben zu leeren. Und das mag ich nicht.

Oft passiert sowas subtil; dann ist mein Stammhirn schneller mit einem “JA, mache ich!” bei der Hand, als es gesund wäre. Insgesamt jedoch werde ich langsam immer besser darin, Dinge zurück zu delegieren. Schlicht weil mir für manches die Zeit, für manches die Expertise und für vieles das Verständnis fehlt. Ein Arbeitsplatz ist ja auch ein Lernort, an dem man durch Erfahrung und Reflexion besser werden kann (nicht muss – das hängt davon ab, ob man lernwillig ist!) Und so will ich jetzt, wenn vermutlich auch mit etwas Mühe, lernen, wie man freundlich aber entschieden “NEIN!” sagt. Ich unterrichte euch dann in einiger Zeit, wie’s gelaufen ist. Bis dahin, macht’s mal gut.

Entschlacken…?

Bevor jetzt irgendwer glaubt, ich hätte was mit Detoxen am Hut – schämt euch. Diäten sind was für Politiker. Auch dieses Entschlacken durch Heilfasten, also irgendwie der Ur-Ur-Ahn des Detoxens ist nicht meins. Nicht, weil weniger (Essen) nicht manchmal mehr (Gesundheit) ist; sondern weil ich immer noch zu oft eine disziplinlose Genuss-Hure bin. Hat halt jeder so sein Bündel zu tragen.

Ich meine mit Entschlacken eher so dieses Entrümpeln des Lebens. Jedes Mal, wenn ich durch alte Blogposts skimme, stelle ich – durchaus mit ein bisschen Wehmut – fest, dass das Reisen an andere Orte (OK, meistens die Toskana…) in mir den Wunsch nach dem einfachen Leben entfacht. Jedes Mal auf’s Neue. Und was passiert dann jedes Mal daheim? Genau! Nix! Nicht nur wegen der eben angesprochenen Disziplin-Geschichte, sondern vor allem, weil ich nicht alleine auf der Welt bin. Und meinen Lieben ist es schwer zu vermitteln, dass mir ein Zimmer mit drei Möbelstücken ohne jedweden Püschel und Tüschel eigentlich ganz gut gefällt. Das Funktionalität und Design mit klaren Linien seit der Bauhaus-Schule durchaus zusammen gehen.

Soll jetzt kein Lamento, kein Vorwurf und auch keine Entschuldigung sein. Einer Fünfjährigen ist Minimalismus nur eben so schwer zu vermitteln, wie Bedürfnisverzicht. Viel Spaß beim Versuch. Unabhängig davon, gibt es neben “Deko” im Wohnraum auch noch Ausstattungs-Artikel, von denen man sich ziemlich abhängig machen kann. Z. B. ein Boston-Shaker. Aber ich schweife ab.

Was ist denn das nun, dieses eben genannte, einfache Leben? Will ich mich ab jetzt am “Simplify-Prinzip” orientieren? Oder doch lieber am Dalai Lama? Oder an sonst welchen Ratgeber-Büchern, bei denen ich mich tief in meinem Innern eigentlich immer frage, ob die Einnahmen das Leben der Autoren und Verleger tatsächlich einfacher machen? Ich habe ehrlich keine Ahnung, was der Begriff für andere meint. Für mich jedoch ist er ganz einfach zu erklären: Klarheit über den gewinnen, der ich bin und das, was ich will. OK, einfache Worte und so viel Probleme. Denn genau an diesen simplen Fragen verzweifelten schon ganze Generationen.

Ich weiß nur so viel: zu viel stofflicher Ballast wird mir mit jedem Jahr meines Lebens lästiger; ja sogar beinahe quälend. Und ich werfe schon jedes Mal beim Renovieren und anderen Gelegenheiten viele, große Müllsäcke voll Schlacke weg, die sich als Sediment über 20-jährigen Bewohnens vermutlich  in jeder Behausung zwangsläufig “absetzen”. Zumeist an Orten, die dafür nie vorgesehen waren. Und selbst das Ergreifen von Ordnungsmaßnahmen als Bastion gegen den Tand erweist sich als schwache Krücke; werden diese doch regelmäßig von mir und meinen Mitbewohnern unterlaufen.

Was bleibt also vom “einfachen Leben”? Für mich das Bewusstsein, dass es auch mit weniger geht und dass es auch ganz langsam weniger wird. Ist wie mit Diäten. Der ganze Radikal-Kram wirkt sowieso nie. Friss die Hälfte und bewege dich mehr funktioniert auf lange Sicht immer noch am Besten. Und genauso versuche ich es mit Tand. Ich frage mich mittlerweile bei vielen Dingen so lange, ob ich das wirklich brauche, bis es keinen Spaß mehr macht, dran zu denken. Dann unterlasse ich unnötigen Konsum fast automatisch.

Demnächst muss ich noch über diese Strategie gegenüber Menschoiden und Kollegoiden meditieren.  Wird bestimmt interessant…

Das Leid Kultur #03 – Bildung

Es gehört zum guten Ton, den allgemeinen Verfall der Sitten und des guten Geistes in den nachfolgenden Generationen zu beklagen – und das ungefähr seit Platons Zeiten. Ist schon ein paar Tage her (so runde 2440 Jahre), was bedeutet, dass wir heute eigentlich in sittenfreien,  gewalttätigem, alles umfassendem Chaos leben müssten; wenn wir es dieser Deutung nach nicht schon lange geschafft haben müssten, uns selbst vollkommen auszulöschen. Nun ja, das mit dem Auslöschen werden die “Führer” unserer Welt in ihrer Propaganda- und Dogma-umnebelten Arroganz schon noch irgendwann besorgen…

Was nun jedoch die Sitten angeht, so scheinen diese, wenn in ihrem Ausdruck auch einem steten Wandel unterworfen doch einen Kern zu wahren, der mehr oder weniger unhinterfragbar über allen Menschen thront. “Du sollst nicht töten” ist so ein Grundsatz, den keiner ernsthaft anzweifelt (jene, die ihn verletzten, tun das entweder im Bewusstsein der Verwerflichkeit ihrer Tat, oder entwickeln später das dazugehörende Schuldgefühl – Ausnahmen nennen wir Soziopathen. Und echte Soziopathen sind selten!). Aber rings um die Zehn Gebote ist im Zeitenlauf ein Kanon von Wissen, Erfahrung und auch Kunst als Ausdruck dieser Errungenschaften entstanden, dessen Destillat wir gemeinhin als Basis unserer Kultur verstehen.

Ich hatte bereits gesagt, dass Kultur in ihren Verkehrs- Ausdrucksformen sehr wohl steten Veränderungen unterworfen ist, weil wir Menschen sehr wohl auf verschiedenste Weisen mit unserer Kultur interagieren. Allerdings gibt es einen Kern, um den herum sich unser Tun und Lassen, unser Bemühen und Prokrastinieren, unser Erschaffen und Vernichten gruppiert. Diese Aussage und die der Veränderlichkeit stehen nicht im Widerspruch – denn so wie ich ein immer gleiches Samenkorn im Acker ausbringe, wachsen immer neue, jedoch einander nie gleiche Pflanzen daraus. Man muss Kultur als etwas lebendiges verstehen, dass sich dauernd erneuert.

Was zur Diskussion steht ist die Frage, wie groß dieser Nukleus unserer Kultur sein soll. Aus dieser Spannung stammt die Frage, was wir als Allgemeinbildung betrachten; und was als überflüssig, nicht allgemein gültig, eventuell sogar falsch. Immer mal wieder wirft jemand seine Definition von Allgemeinbildung in den Raum und erklärt sie für gültig. Meist finden sich in diesen Antologien durchaus bedeutende Errungenschaften der Kunst, Philosophie, oder sagen wir der Wissenschaften allgemein. Kenntnisse, welche der jeweilige Autor als unerlässlich für das Funktionieren unserer Kultur erachten.

Womit wir wieder beim Dogmatismus und der Lei(d/t)kultur wären, über deren Deutungshoheit hier gestritten wird. Denn durch Inkludieren oder Auslassen von Diesem oder Jenem kann ich das Verständnis der “eigenen” Kultur durchaus manipulieren. Vielleicht nicht gleich; aber nehmen wir mal an, dass ich heute aufhöre, die Evolutionstheorie zu unterrichten. wie lange würde es wohl dauern, bis Darwin reines Spezialistenwissen wäre, was unser Verständnis von Naturzusammenhängen nachhaltig verändern würde. Hört irgendwer die Kreationisten rufen? Die Hoheit über die Bildung, speziell die Allgemeinbildung ist eine Machtfrage. Macht, nach der bei weitem nicht nur lautere Kräfte streben. Wo wären wir heute, wenn Holocaust-Leugner es auf den Stundenplan geschafft hätten…?

Ich werde mittlerweile immer misstrauisch, wenn es um diese Diskussion geht, denn viele Interessen treffen hier aufeinander. Meines wäre, dass sich am besten jeder dieser Probleme bewusst wäre.  Schönen Tag noch!

Ein verdammtes Jahr…

Immer dann, wenn Probleme auftauchen, für deren Lösung eigentlich ein Paradigmenwechsel notwendig wäre, graben Politiker in der Mottenkiste und fördern mit tödlicher Sicherheit einen Wiedergänger zutage, dessen Existenz alle besser vergessen hätten. Im Moment zum Beispiel gibt es Probleme mit ausreichender Personaldecke in der Pflege und bei der Bundeswehr. Ist ja nix neues. Nun kommt die junge Union mit einem “Gesellschaftsjahr” um die Ecke, also der Idee einer Verpflichtung aller Schulabgänger, ein Jahr lang entweder Wehrdienst zu leisten, oder im Sozial- und Gesundheitswesen tätig zu werden. Also im Endeffekt eine Neuauflage des Wehr/Zivildienstes, wie wir ihn bis 2011 Jahrzehntelang gehabt hatten. Echt innovativ…

Die Aussetzung der Wehrpflicht wurde damals u.A. auch mit mangelhafter Wehrgerechtigkeit begründet (nur noch ein kleiner Teil jeder Alterskohorte wurde tatsächlich dienstverpflichtet, was natürlich der Gleichstellungsidee widersprach). Nun möchte man jeden – und vor allem auch jede – verpflichten, entweder bei der Bundeswehr oder im Sozial- und Gesundheitswesen tätig zu werden. Kontroversen waren ja zu erwarten, aber die Diskussionen unter diesem Artikel sind schon haarsträubend. Daher wäre es vielleicht sinnvoll, die Argumente mal kurz zu analysieren:

Die Initiatoren des Vorschlages erhoffen sich ein mehr an gesellschaftlichem Zusammenhalt, wenn das Arbeiterkind und das Managerkind mal zusammen durch den Dreck robben müssen.  Man denkt, dass gemeinschaftliches Tun in mehr Solidarität, mehr sozialer Kohärenz münden würde. Sozialpsychologisch ist diese Ansicht fragwürdig, da Altruismus z.B. nicht erzeugt werden kann.  Man könnte unterstellen, dass tatsächlich der Wunsch nach einer weniger segregierten und fragementierten Gesellschaft als Motiv Pate stand, doch ich habe ob der offenkundigen Naivität einer solchen Strategie meine Zweifel, würde es doch zumindest ein sehr verkürztes Verständnis für soziale Zusammenhänge offenbaren. Und es wäre doch schade, wenn Politiker so einfach dächten, oder? Ach Moment, ich habe den Söder und den Seehofer vergessen…

Tatsächlich liegt der Verdacht nahe, dass rein ökonomische Gründe für diesen Sommerloch-Füller vorliegen: man möchte Personal-Lücken billig füllen. Und dagegen sprechen in der Tat viele Gründe:

  • Für die meisten Tätigkeiten im Gesundheits- und Sozialwesen bedarf es einer Ausbildung, die länger dauert, als das gesamte “Gesellschaftsjahr” lang wäre. Man müsste also entweder die jungen Leute nach Crashkursen monatelang mit Hiwi-Tätigkeiten langweilen, oder den Zeitraum über mehr als ein Jahr ausdehnen. Nur wenige Bereiche bieten sie Möglichkeiten, für beide Seiten nutzbringend “Freiwillige” einzusetzen.
  • Die Ausbildung bedarf auch bei Crashkursen für einfachere Tätigkeiten einer Infrastruktur: Bildungsstätten, Lehrpersonal, Sachausstattung. Das kostet Geld und insbesondere geeignete Ausbilder wachsen nicht pflückreif auf Bäumen.
  • Der Versuch hier vermeintlich einfache Tätigkeiten aus Fachberufen im Gesundheits- und Sozialwesen auszugliedern, um diese an billige Hilfskräfte weiterzureichen, wird das sowieso schon schlechte Gehaltsgefüge in diesen Professionen noch mehr unter Druck bringen. Dies konterkariert u. A. die “Bemühungen” des Bundesgesundheitsministers, der doch die Pflege attraktiver machen möchte…
  • Wehrdienstleistende bei der Landesverteidigung…?!?!? Der Gedanke hat in mir schon immer ein Gefühl irgendwo zwischen Hysterie, Belustigung und Fassungslosigkeit ausgelöst. Und in denen, die es dann ausbaden müssen vermutlich auch. Soldaten auszubilden ist eine komplexe Angelegenheit und macht nur bei Freiwilligkeit wirklich Sinn. Denn Loyalität beim Dienst an der Waffe kann man ebenso wenig erzwingen, wie Altruismus.
  • Die organisatorische Infrastruktur für ein “Gesellschaftsjahr” müsste erst neu implementiert werden: Kosten, geeignetes Personal, Räumlichkeiten?
  • Bei der aktuellen Rentendiskussion den jungen Leuten evtl. durch ein solches Konstrukt die Renten-Anwartschaften um ein Jahr zu kürzen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass man damals mit Gewalt das G8 einführen musste, damit die Jungen auch ja früh ins Erwerbsleben eintreten können, klingt irgendwie schizophren, oder?

Für dieses Modell spricht momentan lediglich die Hoffnung, so wie früher eine höhere Langzeit-Rekrutierungs-Quote erzielen zu können. Eventuell die vage Idee, mehr soziale Solidarität zu schaffen, obschon ich hierein keine allzu großen Erwartungen setzen würde. Und natürlich die Vermittlung grundlegender Tugenden wie Disziplin, Fleiß, Pünktlichkeit, etc.; yo, das hat bei der Bundeswehr ja auch immer so gut geklappt…

Ich betrachte diese Diskussion als typische Sommerloch-Totgeburt, denn eine solche Zwangsverpflichtung erzeugt gesamtgesellschaftlich wahrscheinlich mehr Kosten, als sie einsparen helfen könnte – und das bei zweifelhaftem psychologischem Nutzen. Ich lehne einen solchen Vorstoß daher entschieden ab. Wenn man die Probleme bei der Bundeswehr und im Gesundheits- und Sozialwesen wirklich angehen will, muss man die entsprechenden Fachberufe stärken. Kostet auch Geld, das aber besser angelegt wäre…

Randnotizen eines Erschöpften #03

Die Hitze hält an und mein geistige Hitze steigt, wenn ich mir unsere Gesundheitspolitik so anschaue. Herr Spahn, amtierender Minster für Gesundheit hat verschiedene Ideen vorgelegt, die allerdings für einen Praktiker wie Trostpflaster klingen. Anstatt eine Neukonzeption zu wagen, tatsächlich, wie überall sonst auch den Bürger in die Pflicht zu nehmen, die Beitragsaufkommen wieder zu solidarisieren  und die Verwaltungsapparate zu entschlacken, wird hier ein bisschen an einer Schraube gedreht und dort ein bisschen an einer Strippe gezogen. Dabei könnte es einfach sein, wenn man sich ein Herz nähme und nicht immer noch wie ein Pharmalobbyist handeln würde…

  • Einführung eines Faches Gesundheitskunde, spätestens ab der dritten Klasse mit einer Stunde Unterricht wöchentlich. Denn Kenntnisse über die Funktionen des eigenen Körpers und die Funktionen des Gesundheitswesens könnten die medizinische Selbstkompetenz der Bürger erheblich stärken. Die Hoffnung ist, dadurch die Zahl der unnötigen Leistungsinanspruchnahmen zu senken.
  • Die Medizinalfachberufe müssen gegenüber der Ärzteschaft gestärkt werden. Nur wenn sie in der Gesellschaft als eigenes Tätigkeitsfeld wahrgenommen werden, erfahren sie vielleicht auch angemessene Wertschätzung.
  • Überdies muss die Gehalts-Struktur überdacht werden.
  • Einführung einer solidarischen Krankenversicherung. Die gegenwärtige 2-Klassen-Medizin erzeugt finanzielle Anreize für Leistungserbringer, die zur Kostenexplosion im Gesundheitswesen beitragen.
  • Begrenzung des Einflusses der Pharmalobby, verbesserte Steuerung der Ausgaben und Kosten/Nutzen-Bewertung für Pharmaka.
  •  Flächendeckende Einführung des Gemeinde-Notfallsanitäters oder der Gemeindeschwester als Gatekeeper für Notfalldienstleistungen.
  • Disposition der ärztlichen Vertretungsdienste durch integrierte Leitstellen nach bundeseinheitlichem Katalog.

Wenn ich länger darüber nachdächte, fielen mir bestimmt noch mehr Maßnahmen ein. Aber mit dem von mir genannten Katalog ließen sich viele Probleme, die gegenwärtig durch die Medien  geistern (wie etwa überfüllte Notaufnahmen, Hausärzte-Mangel in den ländlichen Räumen) zumindest dämpfen. Zweifelsfrei würde das am Anfang Geld kosten. Langfristig ließen sich Gesundheitsausgaben aber zumindest stabilisieren. Und es kann nicht sein, das Gesundheit – wie derzeit praktiziert – abgesehen von einigen kosmetischen Pflästerchen als Dienstleistung einfach dem Markt überlassen wird. Das verschärft die soziale Ungleichheit weit mehr, als irgendeine andere Unterlassung der aktuellen Politik. Dem muss m,an entschieden entgegen treten, bevor sich auch bei uns lange Schlangen vor den Notaufnahmen bilden.