The italian tales n°10

TSCHAKKA! Ich hocke im Garten vor dem Appartamento, höre Musik und haue in die Tasten. Noise Cancelling Kopfhörer haben den Vorteil, dass man sich auf die Art von Beschallung konzentrieren kann, die man wünscht. Ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt habe, aber neben Metal, Punk, Crossover, Industrial, etc. höre ich auch sehr gerne – TADA! – 80s Wave, Synthpop und so’n Kram. Könnte an meinem Geburtsjahr liegen. Oder einfach daran, dass, zumindest gefühlt, kontemporäre Künstler vor allem recyceln, was andere vor ihn schufen. Oder ich bin einfach ein Snob, dem man nix recht machen kann. Sucht’s euch aus.

Eigentlich versuche ich mich gerade in Stimmung zu bringen, um dem Ende meines aktuellen Solo-Buchprojektes näher kommen zu können. Es ist alles da. Das Storyboard ist nachgeschliffen. Die Protagonisten funktionieren, eine erste echte Klimax hat, zumindest aus meiner Sicht, den richtigen Drive. Die Situation ist kritisch, für alle alles in der Schwebe – an Spannung sollte also auch kein Mangel herrschen. Die Figuren sind aufgestellt und alles bereit, um Schach zu bieten. Und doch… nagt der Zweifel, ob es auch für ein Matt reichen wird. Auf Seite 260 von geplanten 340-350.

Ich habe das letzte Mal ernsthaft ungefähr Ende Juni dran arbeiten können und auch mit dem Abstand von fast sieben Wochen bin ich mit meiner Schreibe sehr zufrieden. Oft ist es so; man weiß, wohin der Zug fahren soll, aber irgendwie fließt das Mana nicht. Ich hatte ehrlich gesagt auch keine großen Hoffnungen gehegt, im Urlaub groß voran zu kommen. Vielleicht, weil man andere Dinge zu tun hat. Familie, Pool, Ausflüge, knipsen, selbst was lesen und schließlich Bloggen, was das Zeug hält. Und um eine längere Geschichte zu schreiben, braucht es vor allem zwei Dinge Ruhe und Zeit. Ich kann mich bei so viel Ablenkung nicht auf meine Figuren konzentrieren, in meiner eigenen Story versinken, das vor Augen sehen, was ich in dem Moment (be)schreibe und gleichzeitig alle Handlungs-Stränge zu einem ansehnlichen Stoff verweben.

Es mag Autoren geben, die per Copy/Paste ganze Welten erstehen lassen; wenngleich diese dann auch oft etwas beliebig und blass erscheinen mögen. Ich mag meine Welt! Ich habe eine groß angelegt Pen&Paper-Kampagne auf der Basis laufen, für die ich eigens eine Modifikation meines eigenen Regelwerkes geschrieben habe. Und ich will mehr als eine Geschichte erzählen, ohne dass es sich dabei anfühlt, als wenn ich selbst alles recyceln würde (=> kontemporäre Musik und Pop-Literatur sind sich da ähnlich). Ich habe also hochfliegende Pläne und die will ich mir nicht mit einem beschissenen Debut-Roman versauen. Ist also auch ein bisschen (selbst erzeugter) Druck dahinter.

Immerhin: ich habe nicht nur das Storyboard modifiziert sondern bei der Gelegenheit auch gleich noch das für den nächsten Story-Arc meiner Kampagne entwickelt. Believe it, or not: während ich bei meinem Buch-Projekt voll digital arbeite, finden sich meine Game-Notizen in einem verdammt altmodischen, in schwarzes Leder gebundenen Moleskine. Weil gelebte Ambivalenz und kleine Anachronismen mich immer wieder auf’s Neue zum Umdenken zwingen. Portierbarkeit ist dabei durchaus gelegentlich ein Problem. Was mich auch zu etwas zwingt: nämlich ein und dieselbe Sache von mehr als einem Blickwinkel aus zu betrachten. Manchmal kommt dabei durchaus Spannendes zu Tage. Manchmal könnte ich auch kotzen, wenn ein rein digital entstandener Absatz durch meine eigene Ungeschicklichkeit im Nirvana verschwindet. Wer weiß, wofür es manchmal schon gut war…

Ich habe also das eine oder andere, worauf ich mich freuen kann, wenn ich wieder nach Hause komme, was (leider) in wenigen Tagen der Fall sein wird. Aber die Zeit, sie bleibt halt nie stehen. Auch nicht, wenn’s schöner wäre. Besonders dann nicht. Ob ich mich noch mal mit einer italienischen Geschichte melde, weiß ich noch nicht. In jedem Fall habe ich eine Menge zum Erzählen in meinem Kopf und Herzen. Und nicht alles davon passt in meine Romane, oder mein Blog. Buona notte!

The italian tales n°9 – not enough tales?

Es wäre so schön, wenn ich manchmal meinen Mund halten, oder wenigstens meine Tasten nicht so heftig bearbeiten könnte. Tatsächlich habe ich in diesem Urlaub doch unter den obigen Titel über Dinge geschrieben, die a) nichts mit dem Toskana-Urlaub zu tun hatten und b) auch noch nicht mal lustig waren. Natürlich hat mich die beste Gattin von allen darauf hingewiesen.

Man kann es nun drehen und wenden wie man möchte, aber ich bin im Arsch, denn unter Druck liefern ist gar nicht einfach. Das werde ich nicht reißen können, da bin ich mir zieml… halt Moment mal! Bin ich denn nicht Geschichtenerzähler. Habe ich nicht schon bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, dass ich’s drauf habe [Ich werde jetzt nix verlinken, aber jeder, der hier schon öfter zu Gast war, wird über den einen oder anderen Post zum Geschichtenerzählen / Rollenspiel gestolpert sein].

Also muss ein Thema her. Nehme ich die Einkaufswut der Italiener, durch die ich auch nach verschiedensten Versuchen nicht zu einem stressfreien Einkauf gelangt bin? Sie scheinen wahrhaft komplexe Zyklen zu haben… Oder die talentfreien Versuche vieler Möchtegern-Schumis, denen es doch erheblich an Fahrzeug und Fahrkunst mangelt? Ach, beknackte Autofahrer gibt’s doch überall. Oder vielleicht die – allerdings hoch charmante – Wurstigkeit unseres Vermieters, der einfach alles mit einem Lächeln wegzuinhalieren scheint? Und das auch noch schneller, als seine Zigaretten…?

Wir haben ja immerzu Sterotypen dabei, über die Orte, die wir bereisen und die Menschen, welche wir dort treffen. Da gibt’s die diebischen Vulgaren, die faulen Nixraffier, die unzuverlässigen Indolentaner und schließlich die Langsamen aus Kannitverstan. Diese Bilder tragen wir im Kopf umher, wie der Messdiener die Monstranz zu Ferragosto. [Für die Nichteingeweihten: der 15.08, einer der höchsten Feiertage des Jahres – nämlich Maria Himmelfahrt – den viele Italiener dazu nutzen, den Sommer mit einem Inlandsurlaub zu zelebrieren; eigentlich also eine ganz beschissene Zeit, dahin zu reisen. Den schulpflichtigen Kindern sei aufrichtiger Dank].

Allein über unseren Filou von Vermieter könnte ich ein paar Schoten bringen. Und doch; seine Gastfreundschaft, die unkomplizierte Art, mit der er Probleme löst und Fünfe gerade sein lässt, machen den Aufenthalt hier zu etwas Besonderem. Dass er immerzu mit seinem SUV durch die weitläufigen Weinberge donnert, in denen unser Feriendomizil liegt – auf Staubstraßen, welche diesen Namen wahrhaft verdienen – kann ich ihm nachsehen. Er ist ja auch schon 60. Doch dann schenkt er mir ein anerkennendes Lächeln für mein Bistecca a la Fiorentina und schon ist meine Welt hier wieder in Ordnung.

Auch mit den inländischen Autofahrern habe ich mich nach zwei, drei Tagen zumeist versöhnt. Ich fahr ja selbst oft wie eine Sau, da ist man dann halt unter sich, hupt sich auch mal an, gestikuliert wild (aber nie unflätig), flucht laut (was die beste Gattin von allen bis heute nicht verwinden kann; Gott sei Dank liebt sie mich!) und fertig. Wobei ich mich hier tatsächlich an Speed-Limits halte. Nicht nur des Geldbeutels wegen, denn manche Straße hat es echt in sich. So sehr, dass meiner größeren Tochter dann auch mal schlecht wird. Aber ich liebe Serpetinen. Was soll man da machen? Immerhin haben wir Brechbeutel und Vomex-Dragees…

Nein, mir fällt doch keine Geschichte ein, die ich jetzt erzählen könnte. Ich habe also mal wieder versagt und werde mich zum Schmollen jetzt zurücklehnen. Im Garten vor dem Appartamento. Bei angenehmen Temperaturen. Und Rotwein. Vielleicht spricht sie ja mit trotzdem mit mir. Und wenn nicht…habe ich den Rotwein erwähnt ;-)?

Gute Nacht.

The italian tales n°8 – Satire Ahoi!

Eigentlich ist mehr als ausreichend diskutiert worden, ob Satire wirklich alles darf. Ich sage dazu (ja, das ist meine Meinung die ich habe auf der Basis langer Überlegungen gebildet habe): NEIN. Denn es gibt Grenzen der Pietät und der guten Sitten (vielleicht gibt’s da draußen ja noch Menschen, die wissen, was das ist), die zu überschreiten nicht mehr der (vorgeblich) humoristischen Zuspitzung von Sachverhalten dient, sondern lediglich dem Wunsch des Äußernden, sein Ziel zu verletzen; und zwar so tief, hart und nachhaltig es geht.

Immerzu wird über die Verrohung der Sprachkultur und die sich dadurch öffnenden Spielräume diskutiert. Wo früher ein öffentlicher Diskurs stattfand, das Aushandeln von Kompromissen zu Sachfragen, stets im Respekt für den politischen Gegner, da herrschen heute Emotionen. Es wird nicht mehr gewusst – und in der Folge eines entdeckten Nichtwissens dazu gelernt (=> Selbstreflexion), sondern da wird geglaubt. Und zwar an die steilsten Thesen, so lange diese nur das jeweils dominante Gefühl hinreichend gut bedienen.

Nun ist es so, dass Populismus aus meiner Sicht von allen Seiten benutzt wird: den Linken, den Rechten, den Ökologischen, den Anarchisten, etc. Benutzt man das Wort Populismus, nimmt der solcherart gescholtene stets an, dass man ihn in die rechte Ecke rücken wollte. Dabei ist der Populismus als solcher nur ein Symptom für die eben beschriebene Tendenz, Fakten Fakten sein zu lassen, wenn es auf dem Acker der Emotionen der Zuhörer viel mehr zu gewinnen gibt; und in viel kürzerer Zeit. Und das betreiben mittlerweile alle. Was den politischen Diskurs, wie er zum gegenwärtigen Zeitpunkt stattfindet vollkommen entwertet hat. Montgolfieren könnte man mit der Abluft steigen lassen – mehr auch nicht…

Eines der Probleme ist, dass jede Menge Otto-Normal-Verbraucher mittlerweile – speziell auf Facebook – das Recht für sich in Anspruch nehmen, wie Satiriker agieren zu dürfen und ihre persönlichen personae non gratae, wie zum Beispiel Greta Thunberg auf unterschiedlichste Weise zu bashen. Weil’s halt einfacher ist, als sich in die Löwengrube eines echten, sachorientierten, öffentlichen Diskurses zu begeben. Und natürlich unter dem wohlfeilen Hinweis auf Art. 5, Abs 1 und 3 GG. Der Inhalt von Absatz 2 wird dabei recht oft und gerne vergessen

Ehrlich gesagt habe ich derlei Tun bislang zumeist eher gelassen betrachtet. Habe diejenigen gesperrt, die mir entweder zu unwichtig oder zu blöd waren. Habe mit denen, von denen ich dachte, dass die Sache es wert sein könnte das Gespräch gesucht. Und natürlich gelegentlich auch selbst den einen oder anderen kleinen Shitstorm geerntet, den ich dann mit einem Schulterzucken weginhaliert habe. [Der Hinweis, dass ich mit gewissen Leuten nicht “per du” bin und darüber hinaus auch noch exzellent Rechtsschutzversichert, hat in aller Regel die Ausflüge meiner Gegenüber in das Reich der kleinbürgerlichen Großmachtträume inclusive Verbal-Ejakulation schnell und sauber beendet.]

Mittlerweile aber habe ich die Faxen dicke!

Ich hatte tatsächlich mit der letzten Aussage gerechnet. Sie haben recht, dass ein Herr Böhmermann ein anderes Standing in unserer Gesellschaft hat als der Normalbürger. Allerdings steht seine Meinungsäußerung rechtlich nicht über der von Ihnen oder meiner. Das Gesetz unterscheidet da nix. Desweiteren muss man bedenken, dass die Äußerungen eines Herrn Böhmermann von Tausenden der Normalbürger in den sozialen Netzwerken geteilt oder zitiert werden und somit auch nicht zur Verbesserung der Streitkultur beitragen. Ich hab mir wenigstens die Mühe gemacht, selber was zu kreieren. Und so, wie es Ihnen mit der AfD geht, geht es mir mit grünroter Politik und den dazugehörigen Parteien. Deshalb kann ich Ihre Gedanken absolut nachempfinden. Und in einem Punkt haben sie auch recht: ernsthaft betrachtet geht es mir gar tatsächlich nicht um Greta, sondern um uns und das, was wir aus und mit ihr machen. Aber für die satirische Auseinandersetzung kommen wir nicht an der Person vorbei, die der Grund für das zu behandelnde Thema ist. Das ist bei Witzen oder Karikaturen über Gott und Jesus nicht anders.

Facebook-Diskussion von heute…

Die Ausfälligkeiten überall in den Medien, die Rechtsbrüche (vorbestrafte Nazis im Team Baden-Württembergischer Abgeordneter, Parteispenden, etc.), die ekelerregende Vernichtungs-Rhetorik (“Wir werden Sie jagen”) gegenüber den anderen Parteien, die tatsächliche Unfähigkeit des Personals (wählen sich selber aus Hauptausschüssen) und die Art der Selbstinszenierung des immer mehr an Macht gewinnenden rechtsnationalen Flügels suchen ihresgleichen; und zwar bei der NPD, den Republikanern, dem Dritten Weg, und wie die Nazis alle heißen! Von handwerklicher politischer Sach-Arbeit jedoch, von Konsens-Suche und dem Willen zur konstruktiven Gestaltung? Kaum eine Spur.

Ich dachte, die 10-15% echte Nazis schreibst du ab und mit den 15-20% blinden Mitläufern kann man schon noch reden. Aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher. Denn, wenn selbst kluge Menschen diese gequirlte Scheiße tatsächlich als Alternative zur etablierten Politik in Betracht ziehen, bin ich mit meinem Argument-Latein am Ende. Und mit meiner Kraft auch. Es ist die Zeit und die Arbeit nicht wert. Lieber gehe ich in den bewaffneten Untergrund, wenn die Blinden es tatsächlich fertig bringen, diese Rassisten, Chauvinisten, Lügner und Betrüger endlich an die Macht gewählt zu haben. Ich habe fertig!

The italian tales n°7 – no politics please!

Ich bin ein politischer Mensch. Jeder, der auch nur einen flüchtigen Blick auf dieses Blog geworfen hat, weiß, was ihn erwartet. Ich bin eine vollkommen links-grün-versiffte Demokraten-Sau, die auch noch zu ihren Überzeugungen steht. Ich diskutiere gerne (und suche mir regelmäßig zu den falschen Zeiten die falschen Gegner) und viel auf Facebook. Wo auch sonst? Ein alter Bekannter hat es neulich so formuliert: es sei ja auch eine Art Fliegenpapier für Idioten. Ich bezog das explizit auch auf mich, denn auf Fratzenbuch mit verirrten Seelen zu streiten, ist definitiv alles andere als gut für die eigene mentale Verfassung.

Sei’s drum. Wenn wenigstens ab und zu mal eine meiner Anregungen zum Hinterfragen der eigenen Meinung beim Adressaten Wirkung zeigt, habe ich mehr erreicht, als manch anderer Mensch in seinem ganzen Leben. Es ist also nicht zu erwarten, dass ich allzu bald von solcherlei Tun ablassen werde. Ich verwickle mich ja auch im wahren Leben durchaus manchmal in politische Diskussionen; und durfte selbst feststellen, dass zu Dogmen verfestigte Meinungen nicht mehr umstößlich sind. Selbst, wenn ich manchen Protagonisten für einen vernünftigen Menschen oder gar Freund halte. Aber auch diese Erfahrung stählt einen ja für’s Leben.

Nun gibt es allerdings einen Ort, der stets frei bleiben sollte von Politik: mein Lehrsaal. Ich trage vieles in meinem Herzen und manchmal auch auf meiner Zunge spazieren, aber in dem Moment, da ich in die Haut des Dozenten, Lehrers, Trainers schlüpfe, haben diese Dinge keinen Platz in meinen Äußerungen. Zumindest sollten sie das nicht haben. Allerdings ist mir durchaus bewusst – auch diesen Umstand erwähne ich, wie ich glaube nicht zu selten – dass ich verdammt regelmäßig Fehler mache. Und da kann es auch passieren, dass mir mal ein Einzeiler mit politischem Inhalt rausrutscht.

Was mich in diesem Zusammenhang geflasht hat, war die Aussage einer Kollegin, die tatsächlich eine ganze Weile gedacht zu haben schien, dass ich eher im rechten Spektrum verortet sei. Ich zeigte ihr meinen SPD-Mitgliedsausweis und damit war die Geschichte gegessen. Es gemahnt mich allerdings der Tatsache, dass Schweigen bei bestimmten Themen, aller guten Gründe zum Trotz, auch falsch ausgelegt werden kann. Unser soziales Tun ist eben stets Gegenstand der Interpretation durch Andere. Anekdote zu Ende.

Der Grundsatz: keine Politik im Lehrsaal hängt für mich eng mit dem Grundsatz zusammen, dass wir verpflichtet sind, jedem zu helfen, ohne Ansehen, seines Standes, seiner Herkunft, seiner Ethnie, seiner religiösen, politischen und sexuellen Orientierung! Falls ich was vergessen haben sollte, setzt es hier ein ………! Ich leite diese Verpflichtung für mich aus meinem Respekt für die Menschenrechte und aus meinem Berufsethos ab. Und ich habe, soweit ich mich erinnern kann, zumindest diesbezüglich noch nie versagt. Auch wenn mir immer noch die Frage einer ehemaligen Kollegin in den Ohren klingt, was das denn nun sei: die Würde des Menschen?

Nun trifft man gelegentlich die Kollegen auch online und diskutiert dort, zwangsweise, eben manchmal auch Themen, die sehr politisch sind. Und Politik wird schnell sehr persönlich, da sie Meinungen und Grundsätze berührt… Scheiß-Dilemma, kann ich nur sagen, denn im Lehrsaal sieht man sich wieder und nun steht u.U. etwas zwischen den Menschen; also dem Lehrer und dem Schüler. Haben alle Beteiligten die Größe, trotzdem einfach mit ihren Aufgaben weiterzumachen. Oder wird das zu einem greifbaren Problem? Keine Ahnung. ich werde es sicher irgendwann herausfinden und dabei versuchen, MEINEN Grundsätzen treu zu bleiben.

Memo an mich: Facebook ist böse! Lass es endlich…

The italian tales n°6 – voll Alpha!

Wenn ich mir so ansehe, womit andere Menschen ihr Geld verdienen (und vor allem große Mengen davon) werde ich immer ein bisschen melancholisch; nicht etwa, weil ich so wenig bekomme, sondern weil man offensichtlich aus Scheiße Gold machen kann. Der Rapper Kollegah gibt, wie die Zeit berichtet anscheinend jetzt Seminare für Alpha-Tier-Aspiranten; also Männer, die sich damit etwas schwer tun, zum Oberchecker-Macho-Brüllaffen zu werden.

Zum einen ist es entlarvend, wenn Männer sich selbst für Betas halten und dann einem ausgewiesenen Experten in Anstand und guten Sitten hinterher rennen, um etwas über Womanizing zu lernen. Männer (aber auch Frauen), die diesem Niveau anhängen, kann ich bestenfalls als armselig betrachten. Die Sufragetten? Für die Katz. So was wie Gleichberechtigung? Braucht doch keine Sau! Hauptsache ER darf bestimmen, wo’s lang geht. Schaue ich mir unsere aktuelle Politik so an, die insbesondere bei den Rechten und Ultrakonservativen von solchen selbsternannten Alphas wie Matteo Salvini, oder auch Donald Trump dominiert wird, muss ich mich ernsthaft fragen, wieso irgendein mit Hirn gesegneter Mann solchen Vollpfosten sondergleichen hinterher laufen kann?

Der Machtanspruch des Alphas ist total. Da gibt es keine Erwägungen, ob man mit seinem Tun irgendjemanden benachteiligt, beleidigt oder ausnutzt, kein Erfragen oder Berücksichtigen anderer Interessen (insbesondere derer der Frau). Der Alpha kommt, erobert, nimmt sich, worauf er Lust hat und erwartet dann auch noch, dass alle anderen das geil finden. müssen, weil er der Mojo-Man ist. Abscheuliche Scheiße ist das!

Ich kann führen. Weil ich niemals etwas von jemandem, der mir unterstellt ist erwarte, dass ich nicht selbst zu tun bereit bin. Ich höre zu, wenn andere etwas sagen. Ich modifiziere meine Strategien, wenn das dazu führt, dass jemand, der mir folgt (folgen muss) dadurch in seinem Output, seinen Erfolgen und seinem persönlichen Wachstum unterstützt wird. Natürlich mache ich auch (jede Menge) Fehler, vergoofe oder vergesse Dinge und bin nicht jeden Tag 100% meines optimalen Selbst. Wer ist das schon? Aber ich versuche dennoch, meine Probleme und Fehler nicht an Anderen auszulassen, auch wenn es manchmal einfacher wäre. Ich führe, also bin ich ein Alpha – princeps ergo alpha… 😉

Und ich brauche dafür kein sauteures Seminar von einem Typ, der mit – aus meiner Sicht – fragwürdiger Musik Kohle scheffelt, anstatt der Gesellschaft zu dienen. Ich brauche dafür eine fundierte Ausbildung, sinnvolle Vorbilder, harte Arbeit (an mir selbst), Freunde, die mich regelmäßig zurechtschubsen und meinen gesunden Menschenverstand. Weniger Alpha und mehr Leadership Ability täten unserer Welt wirklich gut. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen Tag.

The italian tales n°4 – Leonardo hätt’s gewusst.

Wie das so beim Reisen geht, besucht man Orte, an denen man noch nicht war. Ist ja auch einer der Gründe, warum man überhaupt verreist. Also… zumindest in meiner Agenda. Gewiss ist es so, dass Menschen auch in der Ferne oft das suchen, was sie kennen, denn immerhin gibt es uns ein (wenn gelegentlich auch trügerisches) Gefühl von Sicherheit. Die landestypische Sprache wenigstens ein bisschen zu beherrschen und zu wissen, was man wo finden kann, tut ein Übriges.

Natürlich ist Italien jetzt nicht gerade ewig weit weg. Man fährt zwar einen ganzen Tag mit dem Auto, aber im Großen und Ganzen ist es in vielerlei Hinsicht meiner Heimat ähnlich. Und auch wieder nicht. Vielleicht macht diese, nicht allzu ausgeprägte Ambivalenz einen Teil jener Spannung aus, die mich schon so oft hierher gezogen hat. Zweifelsfrei hat die Toskana sowohl landschaftlich als auch kulturgeschichtlich einiges zu bieten. Ich fotografiere halt gerne alte Steine und hübsche Berge und davon gibt’s hier reichlich. Ebenso wie man hier gute Speisen und Getränke findet.

Da waren wir also die Tage in Vinci. Ja genau – der Ort aus dem Leonardo da (aus) Vinci herkommt. Man kann sich vorstellen, dass die Leutchen dort eine große Sache daraus machen, denn immerhin war er – aus meiner Sicht – das bedeutendste Universalgenie der Renaissance. Sechs Museen in und um Vinci widmen sich also den verschiedenen Facetten seines Schaffens. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu der Auffassung, dass wir so jemanden in unsere Zeit gut gebrauchen könnten. Also jemanden, der tatsächlich zu fast allem etwas sinnvolles und oft sogar relevantes beitragen kann…

Natürlich ist mir bewusst, dass die Menge des verfügbaren Wissens sich seit Leonardos Zeitalter exponentiell vervielfacht hat und es allein deshalb schwer möglich sein dürfte, etwas wie ein Universalgenie in der Menschheitsgeschichte noch mal zu erleben. Und wenn es eines gäbe, würde es auf Facebook wahrscheinlich so lange gemobbt werden, bis es sich in eine Höhle ohne Strom zurückzieht, um alle Probleme unserer Zeit theoretisch zu lösen und dann mit einem dreckigen Lachen auf den Lippen zuzusehen, wie seine Aufzeichnung verbrennen, während er dahin scheidet. Ich würde das feiern, wenn ich es denn erführe.

Ich bin mir nicht sicher, ob ein Universalgenie zwangsläufig zum Misanthropen werden würde; die Chancen stehen allerdings angesichts des Scheiße-Levels auf unserem Erdenrund nicht schlecht. JA – ich gebe es zu, ich war wieder auf Facebook, habe es bereut und schnell wieder zugemacht. Denn um ehrlich zu sein: auch im Urlaub wird mir jedes Mal kotzübel, wenn ich diese rassistischen, chauvinistischen, propagandistischen Dreckfratzen von der AfD auch nur aus der Ferne sehen muss. Undemokratisches Gesindel allesamt; bei denen und ihren Anhängern verliere ich langsam jedwede Hoffnung. Wenn auch (eigentlich) intelligente Menschen nicht mehr aus ihrem Kokon der Verblendung auschecken können, bleibt mir nur zu sagen: Leonardo hätte euch gesagt, dass ihr ins Verderben rennt.

Um das zu komplettieren: auch in der Ferne lassen meine heimatlichen Leidenschaften mich offenbar nicht genug los, als das ich vollkommen ausblenden könnte, was daheim passiert. Vielleicht ist das ein Teil meiner Persönlichkeit, auf den ich verzichten könnte. Andererseits wäre ich dann wohl nicht der, der ich bin. Also geht’s munter weiter. Mir fällt die Tage bestimmt noch was ein, worüber ich reden muss. Bis dahin: gute Zeit!

The italian tales n°2 – mach’s einfach!

Um beim Reisen zu bleiben – manchmal ist der Weg nicht gerade und manchmal kann man ihn noch nicht mal erkennen. Als wir letztes Jahr schon mal die gleiche Location besucht haben, gab uns der Besitzer per Telefon recht präzise Informationen, wie sein Anwesen in den Hügeln oberhalb von Certaldo zu finden sei. Und trotzdem sind wir volle vier mal falsch abgebogen. Retrospektiv betrachtet eine meiner weniger ruhmvollen Anfahrten… Immerhin liebe ich die toskanischen Dustroads.

Wir wurden mit der berühmten Gastfreundschaft, einem Appartement mit Charme und angemessener Ausstattung, wundervoller Landschaft (inclusive dieses typischen Geruchs von südeuropäischen Koniferen, Macchia und Lavendel, der mich stets durchatmen lässt) und einem Pool empfangen, in dem ich täglich meine Runden ziehen konnte. Alles easy. Nicht so das Wetter, das uns mit idiotischen 42°C begrüßte. Na ja, da war ja der Pool.

Dieses Mal war klar, was uns vor Ort erwartet, denn wenn man einen Urlaubsort gefunden hat, an dem auch die Kinder zufrieden sind, denkt man zwei Mal über die Alternativen nach. Das Wetter hätte unterschiedlicher jedoch nicht sein können. Schon während der ganzen Anfahrt hatte es immer mal wieder geschauert, aber die letzten 35 KM ersoffen in Wasser. Hab schon ewig keinen solchen Regensturm mehr gesehen. Nun sind die letzten paar Kilometer, wie oben erwähnt eine Dustroad. Und von der fehlten Teile, was fast zu einem Schaden am Familien-Gefährt geführt hätte.

In der BRD würden sie jetzt noch diskutieren, wer den Schaden zu zahlen hat, um dann anzufangen, Angebote für die Ausbesserungsarbeiten einzuholen. Vielleicht könnten die Arbeiten dann so in vier bis sechs Wochen beginnen. Und man würde mir ein Unterlassungs-Erklärung hinlegen, damit ich ja keine Kohle zurückfordern kann. Hier regelt man sowas unter Gentlemen. Und überdies kamen heute morgen fünf Mann, ein kleiner Bagger, ein Traktor mit Kippmuldenanhänger und legten los. Jeder Bauer im Tal gab sozusagen was dazu. Abzüglich der typischen Siesta zwischen 12:00 und 16:00 war die Beere gegen 19:00 geschält! Ratzfatz. Vielleicht hätte eine Baufirma das noch besser gemacht; aber für meinen Bedarf ist es absolut ausreichend. Und der Mülllaster hat’s auch schon ausprobiert.

Das ist der Grund, warum ich mich der italienischen (speziell der toskanischen Mentalität) oft viel näher fühle, als der deutschen. Dieses ewige Arbeitskreise bilden, Varianten erörtern und alle nach ihrer Meinung fragen kann in manchen Situationen hilfreich und sinnvoll sein. Aber ganz gewiss nicht da, wo eine zügige Aktion gefragt ist. Deshalb lebe ich nicht gerne im Land der Reichs-Bedenken-Träger. Jeder muss seinen Senf dazu geben, egal, ob er irgendwas zum Thema beitragen kann, oder nicht. Hauptsache, man hat mal einen rausgehauen. Sieht man in den Kommentarspalten der Online-Postillen und bei Fratzenbuch ja auch jeden Tag auf’s Neue. Ziemlich viel Meinung für verdammt wenig (Sach)Kenntnis.

Die Kunst ist, unterscheiden zu können, wo ich mir die Zeit nehmen kann (und u. U. auch nehmen muss), die Dinge zu bedenken und wo ich es einfach machen kann (bzw. muss). Letzten Endes ist das eine Funktion von Lebenserfahrung; was allerdings Kenntnis über das betroffene Sach- / Fachgebiet nicht weniger notwendig macht. Die Jungs hier auf dem Hügel wissen schon, wie sie ihre Dustroads in Schuss zu halten haben. Bei anderen Problemen jedoch fragen auch sie einen Fachmann. Aber nur einen. Und sie wissen welchen man fragt. Wohingegen bei uns vieles (unnötigerweise) im Stillstand zu Tode diskutiert und alternativlos ausgesessen wird: z.B. kommunale Bauprojekte. Oder kommunale Kunst- und Kulturförderung. Oder die Renovierung des Clubhauses.

Diese angenehme Mischung aus ars vivendi, Gelassenheit und etwas Fatalismus, die bei Bedarf jedoch durchaus vom südländischen Temperament beschleunigt werden kann, ist es, die mich immer wieder hierher zieht. Zumindest zu einem nicht unerheblichen Teil. In jedem Fall hilft sie mir, meine anderen Leidenschaften wieder richtig zu fühlen. Und jetzt ist auch das Wetter wieder gut. Was will man mehr? Bis die Tage.

The italian tales n°1 – Welcome back to tuscany…

Das muss noch fertig werden, dass kann ich nicht liegen lassen und dieses Projekt muss auch noch abgeschlossen sein; oder zumindest soweit vorbereitet, dass ein anderer es zu Ende bringen kann. Und dann – husch, husch – umschalten in den Ferien-Modus und Deutschland für ein paar Wochen tschüss sagen. It’s as simple that…?

Sagen wir mal so: es hat auch dieses Mal nicht lange gedauert, bis ich mich ausschließlich auf das Ziel der Reise konzentriert und meine Arbeit habe Arbeit sein lassen. Doch was ist eigentlich das Ziel der Reise, wenn man mal Urlaub macht? Der Ort, in dem man ein Appartement/Zimmer gebucht hat? Die Ausflüge, die man unternimmt, incl. voll Touri-mäßigem Rumgeknipse bis zur Erschöpfung? Der Genuß landestypischen Essens, incl. dessen Zubereitung? Irgendwas anderes? Alles zusammen? Oder gar nix davon?

Ich hörte die Tage, als ich in meiner Hood die Straße runter ging, zufällig einige Fetzen einer Konversation zwischen zwei Frauen mittleren Alters und eine von Ihnen sagte sinngemäß, ihre Bekannte mache ja auch nur den Job, den sie eigentlich gar nicht möge. Das setzte bei mir eine Denkspirale in Bewegung. Natürlich hadere ich manchmal mit meinen Aufgaben und ebenso natürlich habe ich regelmäßige Motivations-Tiefs. Das ist bei Menschen nicht die Ausnahme, sondern die Regel, denn Arbeit ist nun mal eine Notwendigkeit um sich morgens auf dem Weg zur Arbeit ankleiden und sich Brötchen leisten zu können…?

OK, das war böse. Arbeit ist nicht nur schlimm und eine Zumutung und stört beim Chillen. Sie ist ebenso ein Ort, wie eine Zeit an/zu der wir mit anderen zusammen kommen, (zumindest manchmal) sinnvolles tun und auch Spaß haben können. Es strukturiert unseren Tag und fördert unsere sozialen Beziehungen. Mag sein, dass manche Arbeit einem sinnvoller erscheint, als die eigene, was am uralten “Die-Kirschen-in Nachbars-Garten”-Paradox liegt. Ich darf an dieser Stelle gestehen, dass ich meine Arbeit mag – insbesondere, weil sie sich immer mal wieder verändert und entwickelt. Ain’t I a lucky guy…?

Aber dieses Verhältnis zu meiner Arbeit hat etwas mit Leidenschaft zu tun. Ich brenne für meinen Job. Nicht nur den des Notfallsanitäters, sondern vor allem für den des Berufspädagogen. Ich kann dabei meine Lust am Geschichten-Erzählen mit meiner Freude, mit Menschen an Menschen für Menschen zu arbeiten auf’s Trefflichste verbinden. Ich vermute jetzt also, dass die Dame meinte, in ihrer Bekannten keine Leidenschaft für deren Arbeit erkennen zu können. Und das ist natürlich bedauerlich, aber meine Lebenserfahrung sagt mir, dass bei weitem nicht jeder Leidenschaft für seine Arbeit empfindet. Mehr so etwas wie Bedarfsgeschmack (siehe Pierre Bourdieu). Kann man in einer Möchtegern-Meritokratie wie der unseren, die schon in Kindern Leistungsfähigkeit messen will recht häufig sehen.

Was hat das nun mit dem Italien-Urlaub zu tun? Ganz einfach: eine Leidenschaft kann man auch dann nicht abschalten, oder verleugnen, wenn sie Leiden schafft. Was für meine Urlaubsfahrten regelmäßig bedeutet, dass ich mich zwar auf den Ort fokussiere, den es bei einer 1000 KM-Fahrt zu erreichen gilt (insbesondere, wenn vor dem Gotthard-Tunnel fast 10 KM Stau sind); doch eigentlich geht es darum , meine anderen Leidenschaften zu wecken, sie mir wieder ins Gedächtnis zu rufen- schließlich, sie zu reaktivieren. Denn wer nur für seine Arbeit brennt, kann auch verbrennen.

Für mich ist die Autofahrt tatsächlich der Beginn der Reise, die gleichzeitig ihr eigenes Ziel ist: Rückbesinnung! Zu sehen wie langsam über den Schweizer Alpen die Dämmerung hochkommt erinnert mich daran, wie klein der Mensch, wie insignifikant sein Streben nach Selbst-Verwirklichung und -Optimierung ist. Die ganzen drei Wochen sind eine Reise zurück zu mir selbst. Denn nur, wer sich erdet, kann auch wirklich “Energie tanken”.

Wie paradox! Die meisten von uns reisen, um ihre Batterien zu füllen, damit sie die Arbeit bestehen können, bis sie wieder Reisen dürfen, um die Batt…. Work. Holiday. Repeat. Ich reise, um mich daran zu erinnern, dass die Arbeit nur eine von vielen Facetten meines Daseins ist. Und ich versuche meine verschiedenen Leidenschaften miteinander zu versöhnen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Aber es gemahnt mich, meine Tage mit immer mehr Leben zu füllen und nicht mit immer mehr Arbeit. Wollt ihr das auch mal versuchen…? Wir lesen uns die Tage auf jeden Fall noch öfter. Bis dahin: Buonasera!

Keep your distance, buddy…

Man muss es einfach mal sagen: mit 45 bin ich kein junger Hüpfer mehr. Also, ich fühle mich nicht alt (nur manchmal, nach einer Woche des frühen Aufstehens vielleicht) und habe immer noch jede Menge Spaß an Musik, an Kino, am Zocken, etc . Aber manche Expressionen der zeitgenössischen Jugendkultur verstehe ich nicht mehr so, wie noch vor 10 Jahren. Könnte daran liegen, dass mich dieses ganze trendige Gesummse und Gebrumse einfach nicht interessiert. Aber manche Sachen kapiere ich einfach nicht. Z.B. nackige Knöchel bei -2°C.

Nun ist es so, dass ich – berufsbedingt – viel mit jungen Menschen zu tun habe. Und ich gewinne den Eindruck, dass die meisten von denen mich, den grauen Haaren und der Plautze zum Trotz, dennoch nicht als alten Sack sehen, sondern eher auf Augenhöhe. Irgendwie ist das schmeichelhaft. Aber leider auch gefährlich. Denn obschon ich durchaus Sympathien für meine jungen Kolleginnen und Kollegen (egal, ob noch in Ausbildung, oder schon fertig mit der Welt) empfinde, bin ich als Ausbilder dazu aufgerufen, professionelle Distanz zu wahren.

Man kann miteinander arbeiten, miteinander Quatsch machen, miteinander über alles mögliche reden und auch mal miteinander ein Bier trinken; was heute Abend der Fall sein wird. Und doch bleibt da eine unüberbrückbare Distanz zwischen uns. Denn ich diene in meiner Funktion, egal, ob ich und die anderen das wollen oder nicht, als Role-Model, also als Vorbild und irgendwie auch als Respektsperson. Auch wenn ich mir mit meiner flapsigen Fletsche manchmal alle Mühe geben, das zu untergraben.

Doch, wie man es auch dreht und wendet: diese Distanz muss ich wahren. Tue ich das nicht, so wie mancher Ausbilder-Kollege vor mir es getan hat und gewiss auch noch mancher nach mir es tun wird, endet das unweigerlich in einem Desaster. Die schlimmste denkbare Entgleisung ist dabei eine Beziehung zu einem der eigenen Azubis einzugehen. Denn das unterminiert den Respekt für die eigene Funktion auch bei den Anderen und konstituiert, zumindest aus meiner Sicht, die Ausnutzung eines Schutzbefohlenen. Das mag altmodisch klingen und ich gebärde mich auch gewiss nicht als jemandes Papa; aber mit so einer Aktion verspielt man seinen ganzen Kredit.

Und wer ein solches Szenario zu Ende denkt, kommt am Schluss ganz schnell bei einem sehr unschönen Vorwurf heraus: sexuelle Belästigung/Nötigung. Denn, wenn in einem solchen Verhältnis die Luft raus ist und es eventuell zu Streitigkeiten kommt, oder aber jemand seine Meinung ändert, ist ratzfatz eine solche Anschuldigung ausgesprochen. Diese stigmatisiert (u. U. Beide), ist nur sehr schwer aus der Welt zu schaffen und kann eine Existenz zerstören. Das wäre es mir niemals wert!

Das ist der Grund, warum ich so gut wie nie jemanden weiblichen Geschlechts in meinem beruflichen Umfeld berühre (dazu sei gesagt, dass ich mich selbst als streng heterosexuell einordne). Das klingt jetzt vielleicht paranoid, aber auch ich bin nicht aus Eis. Und daher versage ich es mir, etwas zu tun, das vielleicht falsch ausgelegt werden könnte. Mal davon ab, dass ich glücklich verheiratet bin… Nun ja, manchmal muss man seine Gedanken einfach mal ordnen und aussprechen. Das ist hiermit getan und ich wünsche allen ein schönes Wochenende!

Auch zum Hören…

Stress vs. Angst…?

Es ist seit Ulrich Beck’s Diktum von der Risikogesellschaft ein Allgemeinplatz, dass die steigende Komplexität unseres sozialen Umfeldes die Menschen ängstigt. Weniger – und vor allem auch weniger prägnante – Landmarken, höhere Anforderungen, eine schnellere Taktung; all das fordert unsere Sinne tagtäglich heraus, lässt unser ARAS (Aufsteigendes reticuläres Aktivierungs-System) heißlaufen und gibt unserem Hirn bisweilen mehr Futter, als es zu verarbeiten in der Lage ist. Erst, wenn wir eine Situation oder einen Sachverhalt als bedrohlich empfinden und außerdem feststellen, dass wir zu wenig, oder gar keine Ressourcen zur Verfügung haben, damit umzugehen, wird aus der Anforderung Stress.

Doch es gibt natürlich auch eine Feedbackschleife (in diesem Modellbild blau). Diese erlaubt es uns, aus bisher erlebtem Stress zu lernen und resilienter gegenüber später auftretenden Situationen zu werden. Das ist der Grund, warum High-Risk-Teams unter (weitestgehend) realen Einsatzbedingungen trainieren. Denn auch unsere individuelle mentale Resilienz ist – zumindest teilweise – wie ein Muskel, den man aufbauen kann. Doch man kann sich nicht auf alle Situationen vorbereiten. Es gibt viele soziale und politische Rahmenbedingungen, auf die wir keinen Einfluss haben und an denen wir primär nichts ändern können. Den daraus entstehenden Stress zu ertragen lernen funktioniert zwar auch durch Exposition; jedoch nur begrenzt.

Angst hingegen ist eine Grundemotion, die üblicherweise mit einer physischen (sympatho-adrenergen) Reaktion einhergeht und zumeist einen klar benennbaren Auslöser hat. Neuere Forschungen zeigen, dass es wohl einen physiologischen Zusammenhang zwischen Stress und Angst gibt; allerdings ist dieser noch nicht vollständig entschlüsselt. Wohl aber darf man davon ausgehen, dass ständiger Stress mit pathologischer Angst einher geht. Sehr individuell ist jedoch die Frage, was als Stressor auf uns wirkt. Es gibt verschiedene Theorien, die auch Einstellungen und andere sozialpsychologische Dispositionen in die Genese von Stressoren einbeziehen. Letztlich geklärt ist diese Frage nicht.

Wie komme ich überhaupt darauf? Nun, ich las dieser Tage mal wieder Zeitung und stolperte über einen Artikel, der die Geschichte rechtsextremistischen Terrors in der BRD seit Ende des zweiten Weltkrieges beleuchtet. Für sich betrachtet interessant, aber jetzt nichts ultimativ Neues. Interessant fand ich jedoch die Diskussion, die sich um die Eigenart rechten Terrors dreht, dass es eigentlich fast immer Lone-Wolf-Täter waren, die sich zudem so gut wie nie öffentlich zu ihren Taten bekannt haben, wie man das z.B. von der RAF oder der Action Directe kannte. Und das man gegen den allein operierenden Terroristen eigentlich nichts tun könne. Was leider eine korrekte Annahme darstellt.

In der Darreichungsform ist islamistischer Terror also von rechtsextremistischem Terror nicht zu unterscheiden. Beide Tätertypen radikalisieren sich zumeist alleine, heutzutage im Online-Umfeld und betätigen sich aus intrinsischer Motivation heraus als Verbreiter von Gewalt. Interessant daran ist, dass beide Gruppen jeweils eine tatsächliche Wahrnehmung der Realität des anderen vollkommen ausblenden und nur das Gegner-Klischee verinnerlichen. Die menschliche Grundfähigkeit Empathie wird – im Hinblick auf den vermeintlichen Feind – quasi abtrainiert. Der Stress beim Anblick dieses – für wahr genommenen – Zerrbildes nimmt zu, kann nicht mehr verarbeitet werden und kulminiert in dem Bedürfnis, zu zerstören, was einen ängstigt.

Es gibt für den Begriff “Terrorismus” keine eindeutige Definition; die allermeisten von uns verstehen darunter aber üblicherweise hinterhältige, unvorhersehbare Gewaltakte gegen ein Gemeinwesen, mit dem Ziel, die Menschen darin in Angst und Schrecken zu versetzen, um so bestimmte politische Ziele durchsetzen zu können. Und die Frage, die mich seit dem Lesen umtreibt ist folgende: Haben wir uns mittlerweile so sehr an Terror gewöhnt, dass uns das hasserfüllte, rassistische, durch und durch verachtende Treiben und Skandieren des rechten Mobs einfach nicht mehr kratzt? Hat uns die Erfahrung tatsächlich so sehr gegen die Angst vor einer Wiederholung der Geschichte imprägniert, dass wir das alles nurmehr als riesige Reality-Soap begreifen?

Denn der Stress im Umgang mit den anderen, die Ängste, die daraus entstehen, sind ja durchaus ernst zu nehmen. Denn Angst als solches manifestiert sich für diejenigen, die unter dauerndem Stress stehen als vollkommen real. Ich unterstelle jetzt nicht jedem Rechten oder Nationalkonservativen eine Psychopathologie im Sinne einer Angst-Störung. Jedoch scheint mir der Mechanismus ähnlich. Und ich frage mich, wie wir als Gesellschaft diesen Kreislauf durchbrechen können, um wieder zu einem normalen Miteinander zu kommen. Denn wenn die Verrohung des Umgangs weiter zunimmt, kommen wir irgendwann an einen sehr finsteren Ort. Einen Ort, an dem ich nicht leben will. Denken wir doch mal gemeinsam drüber nach…

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