Was vom Tage übrig blieb…

…hab ich selten wirklich lieb. Ich sammle – wie wir alle das vermutlich tun – stets große Stapel unerledigter Dinge, die ich vor mir her schiebe, wie ein Eisbrecher die Schollen. Sie bleiben eine Weile am Rumpf kleben, um dann langsam, aber unaufhaltsam fort getrieben zu werden und alsbald außer Sicht zu geraten. Denn der Eisbrecher bewegt sich ja immer weiter, immer vorwärts. Wohin auch immer.

Diese unerledigten Dinge sind meistens von solcher Insignifikanz, dass es keinen Unterschied macht, ob man sich ihrer erinnert, oder nicht. Ich müsste mal wieder: den Keller aufräumen, dieses oder jenes Buch fertig lesen (und es gibt wirklich so manches, dass diese Mühe nicht wert ist), mich mal wieder bei xyz melden (man hat ja Angst, was zu verpassen, oder seinem sozialen Umfeld beim Schrumpfen zusehen zu müssen); und schließlich mal wieder was schreiben.

Zum Beispiel zur “sozialen Kehrtwende” der SPD. Haben andere allerdings schon erledigt und wenn das einzig amüsante, wie substantielle an einem Sachverhalt die Kommentarspalten unter der Berichterstattung dazu sind, brauche ich meinen Senf nicht auch noch dazu zu geben. Verschwendete Lebenszeit. Oder die Frage nach der Relevanz der Geisteswissenschaften in aktuellen Diskursen. Ich könnte eine Buch dazu füllen, aber a) haben das schon andere getan (und vermutlich besser, als ich es je könnte) und b) ließt überhaupt irgendwer meine Kommentare? Zu so einem “schweren” Thema? Ich glaube nicht, denn die leichte Kost wird doch bevorzugt.

Abgesehen davon passiert es mir immer wieder, dass ich beim Lesen meiner üblichen Postillen, oder beim Recherchieren im Netz BRILLANTE Ideen habe, was ich als nächstes Sujet in einem Blogpost beackern könnte. Nur bin ich keiner von diesem Typen mit einem Diktiergerät oder einem Notizblock in der Brusttasche (mein üblicher Habit hat keine Brusttasche); also vergesse ich meine Epiphanien oft genug wieder, ohne, dass ich den Kairos packen und das Eisen schnell schmieden könnte. Was für ein entsetzlicher Verlust für die Menschheit… nicht wahr? Blödsinn. Wenn ich’s vergessen habe, wird’s so gut schon nicht gewesen sein.

Trotzdem bleibt oft so ein schaler Geschmack zurück, ein Gefühl der Kapitulation: vor dem Alltag, vor meinen eigenen Faulheit und Unorganisiertheit und letztlich oft auch vor meiner Zeitnot. Selbst jetzt, wo ich ein paar Tage durch eine fiese Grippe ans Haus gebunden war, bringe ich kaum was sinnvolles zustande; OK, zugegeben, die ersten sechs Tage meiner Krankheit habe ich gar nichts zustande gebracht außer rumliegen und einen auf Männerschnupfen machen. Aber auch heute Abend scheint es nicht so, als sei ich inspiriert. Oder?

Ich muss zugeben, dass ich mittlerweile tatsächlich den boshaften Biss bei den Tagesthemen vermissen lasse. Zum einen wird man mit dem zunehmenden Alter angeblich duldsamer (hierzu eine Einlassung: DULDSAMKEIT? SEHE ICH AUS, ALS HÄTTE ICH ZEIT FÜR DEN SCHEISS?); ok, daran liegt’s wohl nicht. Dann vielleicht doch eher am gewachsenen Interesse an anderen Themen? Zum Beispiel meiner anderen Schreiberei? Das wird es wohl sein. Wie dem auch sei; die anderen Themen haben mich anscheinend nicht ausreichend fasziniert, sonst hätte ich wohl was dazu sagen können. Ich bin nicht traurig drum, vielleicht rege ich mich ja die Tage über etwas anderes auf. Dann bekommt ihr lieben Leser das bestimmt mit.

So ein Kinderkram!

Ich schreibe keine Rezensionen – ja, es heißt Rezension, nicht Rezession, die hat was mit Wirtschaftswissenschaft zu tun – weil ich die meisten Kritiker und große Teile des Feuilletons mittlerweile zu verachten gelernt habe. Man kann, nein soll, eine eigene Meinung zu den Dingen haben. Bis heute hat sich mir nicht erschlossen, welchen Wert es für meine, oder irgendjemand anderes Entwicklung haben sollte, wenn ich nur Dinge schaue, lese, zocke, konsumiere, von denen irgendwelche geschwätzigen, möchtegern-intellektuellen Dogmatiker behauptet haben, sie seien “wertvoll”. Ich verstehe das Konzept nicht! Die Idee des Kritikers entspringt vermutlich der, noch vor 100 Jahren allgegenwärtigen Zensur. Und genauso benehmen sich die meisten Rezensierenden dann auch…

Hätte ich nicht meinen eigenen Kopf, wäre ich nicht der Mensch, der ich bin und das gilt natürlich auch uneingeschränkt für meinen kulturellen Konsum. Wobei ich gerne zugeben möchte, dass manche Dinge, die sich in meinen Regalen finden bei den Apologeten der Hochkultur wahrscheinlich bestenfalls Stirnrunzeln auslösen würden. Im Übrigen empfinde ich diese kanonische Unterscheidung in Hoch- und Populär-Kultur sowieso als Egogewichse. Den wahren Wert eines Kulturproduktes kann man erst mit einem gewissen Abstand ex post überhaupt zu ermessen beginnen. Und vieles, was heute als Teil von Hochkultur betrachtet wird, war zu seiner Zeit Pop – wenn sie das Wort denn gekannt hätten.

Heute stolperte ich wieder über so eine Perle der Kulturkritik; natürlich auf Zeit Online, da wo der Feingeist Urständ feiert… Es geht in dem Artikel um den aktuellen Blockbuster “Alita: Battle Angel” basierend auf einem Manga gleichen Namens. Der Autor offenbart im Text, dass er weder versteht, warum die Suche eines Cyborgs (eines Zwitterwesens aus Mensch und Maschine) nach seiner Identität eine Metapher auf die Suche nach Zugehörigkeit und nach Sinn in uns allen darstellt; noch versucht er, zu akzeptieren, dass “Der Gott des Gemetzels” – so genial dieses Kammerspiel auch sein mag – NICHT die einzige Möglichkeit ist, menschliche Emotionen heraus zu arbeiten. Man darf sich ruhig auf CGI einlassen und trotzdem das Menschliche suchen und finden. Und dass die hauptsächlich thematisierten riesigen Augen nun mal ein Bestandteil des Manga und das Anime sind, womit man Rodriguez und Cameron zumindest etwas Werktreue vorwerfen kann.

Comic- oder Mangavorlagen sind immer schwierig. In “Sin City” hat Frank Miller seinen eigenen Comic Panel für Panel kopiert und ich hasse den Film bis heute; obwohl er, rein visuell betrachtet großartig ist. “Alita: Battle Angel” krankt an den gleichen Problemen, denn das, was in den Panels einer Graphic novel, eines Comics, eines Mangas zwischen den Bildern und Textzeilen passiert, folgt ganz anderen erzählerischen Gesetzen. Wer sich mal mit dem Thema auseinandersetzen möchte, dem sei “Understanding Comics” von Scott McCloud empfohlen. Es erklärt gut, warum nicht alles Buddenbrookesk toterklärt und totbeschrieben werden muss (Entschuldigung, Thomas Mann) und warum Abweichungen vom normal aussehenden menschlichen Darsteller manchmal notwendig sind. Unter dem Aspekt könnte man das Geschwafel von den Augen im verlinkten Artikel auch für Kultur-Xenophobie halten.

Jedenfalls nervt es mich, dass Journalisten ohne Kenntnis der Kunstformen und tieferes Verständnis für visuelles Erzählen ihre irrelevante Meinung absondern dürfen. Dem durchschnittlichen Feuilletonisten muss man wohl ein eher konservatives, ab und an sogar reaktionäres Denken unterstellen. Aber Filme, in denen CGI vorkommt sind ja auch fast immer nur Kinderkram. Interessant in dem Zusammenhang ist der fast lobende Hinweis auf die Neuauflage von “Planet der Affen”, präzise auf die Qualität des Affen “Cesar”. Da wird Entwicklung gesehen. Aber der Stoff ist ja auch schon älter und stammt aus unserem Kulturkreis… also doch Xenophobie. Sollte man mal drüber nachdenken, denn auch Kulturseiten beeinflussen unsere Denke. Schönen Tag noch.

Das Auto in Nachbars Auffahrt…

Bundesarbeitsminster Heil hat ein Konzept zur Grundrente vorgelegt. Diese Aufgabe war im Koalitionsvertrag vereinbart worden, weil allzu augenfällig geworden ist, dass die Altersarmut in Deutschland zunimmt. Nun hat dieses Konzept, wie es in der Politik Usus ist, eine Kontroverse ausgelöst; und wie man in den Kommentarspalten zu diesem Artikel ganz gut ablesen kann, eine heftige! Man mag mit der Meinung des Autors (Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung) d’accord gehen, oder auch nicht; interessant ist aus meiner Sicht weniger das Konzept, oder was es vielleicht (hoffentlich) für Renten aus kleinen Einkommen bedeutet, als vielmehr die Vehemenz, mit der darob eine Neiddebatte ausgefochten wird.

Nicht wenige Mitmenschoiden vertreten (natürlich geschützt von der subjektiven Anonymität des Internets) hier, oft nur unzureichend mit dem Etikett “Lowperformer” versehene, sozialdarwinistische Thesen, die in mir das kalte Kotzen aufsteigen lassen. Offensichtlich wähnen sich diese Kommentatoren als “Highperformer” und halten von der Idee sozialer Solidarität, die eigentlich eine Grundeigenschaft von Gesellschaften sein sollte genau NICHTS. Wer im Hier und Jetzt viel verdient, hat auch im Später viel mehr verdient als die anderen, die ein geringeres Salär hatten und folglich weniger in die Renten- und Sozialkassen einbezahlen konnten. “Dann sollen sie halt mehr verdienen!”. Auf welchem Planet lebt so ein Mensch…?

Mal ganz davon ab, dass das Gehalt zumeist in keinster Weise die soziale Nützlichkeit einer beruflichen Tätigkeit abbildet (denn dann müsste eine Krankenschwester mehr bekommen, als ein Hedgefond-Manager), wird auch die Idee humanitärer Grundwerte (wonach jeder Mensch gleichviel “wert” ist) einfach mal in die rhetorische Mülltonne geworfen… BRAVO! Überdies wirft es einmal mehr die Frage auf, was sogenannte “Highperformer” überhaupt ausmacht? Und ob es überhaupt nötig ist, sich dieses Etikett zu verdienen, um als Mensch respektiert werden zu können? Ich persönliche verneine das, denn jemand der tagein, tagaus klaglos und ohne großen Bohei seinen Job macht, ist mir eigentlich viel lieber, als so eine Möchtegern-Turbodüse, die neben ihrer Arbeitsleistung auch noch unendlich viel heiße Luft produziert. Wäre die nutzbar, könnten wir den Individualverkehr auf Montgolfieren umstellen.

Aber anstatt an der Sache zu diskutieren, wird sofort über Leistungsgerechtigkeit schwadroniert. Als ob diese selbsternannten Helden der Arbeit tatsächlich so viel mehr leisten würden, als der prekär auf Zeitarbeit beschäftigte Kommissionierer, der nach 40 Wochenstunden noch aufstocken muss; und folglich irgendwann, sofern Herr Heil seine Pläne umsetzen darf dann in den “Genuss” der Grundrenten-Leistungen kommen wird: 977€ für 40 Jahre Vollzeit bei Niedriglohn empfinde ich persönlich jetzt nicht gerade als spätrömische Dekadenz. Ich hoffe doch mal, dass die ganzen “Highperformer” mehr als 30,5 Entgeltpunkte zusammenbekommen…oder?

Wie dem auch sei: diese Diskussion entlarvt Deutschland mal wieder gnadenlos als Heimat der “dem-Anderen-die-Butter-auf-dem Brot-Missgönner”, als Hochburg der Arroganz und der Asozialität. Ich SCHÄME mich für solche Mitmenschoiden in Grund und Boden. Eigentlich müssten sie alle mal auf Grundsicherung angewiesen sein, damit sie am eigenen Leib erfahren, wie das ist. Ich jedenfalls finde – allen handwerklichen Mängeln am Konzept zum Trotz – den Grundgedanken gut und richtig. Wir sitzen nämlich alle im selben Boot – ob es euch passt oder nicht. Guten Abend.

Facebo klingt wie Placebo…

Lustig, was einem alles so auffällt wenn man – einmal mehr und bestimmt viele Male zu oft – auf sein Smartphone-Display schaut. Ist bestimmt nicht smart, so oft drauf zu schauen, aber so sind wir halt; das Belohnungszentrum muss stimuliert werden. Und wenn das nur durch insignifikantes Social-Media-Geschnatter, ist das halt so.

Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass Facebook © auf meinem Display tatsächlich oft mit Facebo abgekürzt wird. Höhö, dachte ich mir: ein Facebo ist also ein (in der Realität) unwirksames Mittel. Nämlich zur Selbstdarstellung. Besser kann man, zumindest für meinen Geschmack, die Wirkung von Facebook © wirklich nicht zusammenfassen. Ich selbst habe bereits mehrmals versucht, dem Zuckerberg’schen Datenkraken auf Dauer zu entkommen und bin jedes Mal kläglich gescheitert. Mal, weil ich die Möglichkeit, meine Blogposts dort zu teilen nicht missen wollte; mal, weil man bestimmte (durchaus wertvolle) Kontakte offline so schlecht pflegen kann. Und mal, weil ich mich immer noch zu gerne in nutzlose Filterblasen-Diskussionen einmische. Scheiß-Nazis muss man entgegentreten, egal, wo man sie findet!

Und doch – auch wenn man all diese eigentlich sinnhaft klingenden Begründungen zusammennimmt, bleibt dieses unangenehme Gefühl, dass das alles nur hohler Mist ist und mich nirgendwohin bringt. Nicht, dass ich das Bedürfnis hätte, den fatalen Versuch zu unternehmen, meine eigene (subjektive) Wichtigkeit zu pimpen, indem ich online Präsenz zeige. Ich bin kein “Influencer” (klingt das nicht wie “Influenza”, also Grippe und müsste damit als Krankheit eingestuft werden?). Ich würde nur gerne mehr Menschen zum selbst Denken anregen. Wenn das schon als influencing, also Beeinflussung gilt, sollte ich mich wohl vor meinen eigenen Worten in Acht nehmen.

Was nun aber das “nirgendwohin bringen” angeht – wenn wir mal davon ausgehen (wollen), dass jeder Mensch nach Verbesserung strebt, also mehr Wissen, mehr Können (vermutlich auch mehr Liquidität), um vorwärts zu kommen, stellt sich die Frage, ob auch jeder mensch dabei über die Nachhaltigkeit seines Tuns und Lassens nachdenkt? Ich meine, etwas zu erlernen, um im Job besser zu werden und damit vielleicht etwas mehr Geld für den Lebensunterhalt der Familie einwerben zu können würde ich als legitim und nachhaltig betrachten, da die Person etwas dazulernt und damit insgesamt “besser” wird. Die Verbesserung der Person wirkt aber auch auf die Gesellschaft um die Person herum. Direkt, durch mehr verfügbares Einkommen, das zum Beispiel den Kindern die Mitgliedschaft im Sportclub ermöglicht; indirekt durch das Ankurbeln der Volkswirtschaft auf Mikro-Niveau. Damit ist natürlich noch nicht gesagt, ob das auch ökologisch nachhaltig geschieht. Aber nehmen wir mal an, dass ein besseres Wissen um die Zusammenhänge irgendwann auch diesen Bereich berührt.

Auf Facebook©, Instagram ©, oder sonstwo einfach irgendwelche stundenlang nachbearbeiteten “casual shots” hochzuladen und sein Aussehen dazu zu benutzen, um schnelles Geld zu machen, schult bestimmt auch in manchen Bereichen: Beauty, Styling, Fitness, Bildbearbeitung… einen rechten Nutzen für die Gesellschaft kann ich daran aber noch nicht ableiten. Eher das Gegenteil, wenn noch leichter beeinflussbare Teenager irgendwelchen Idolen hinterher hecheln, an denen so gut wie alles Fake ist. (=> Bildbearbeitung: auch “Influencer” sehen morgens um 05:00, direkt nach dem Wecker aus, wie explodierte Fraggles).

Womit wir wieder beim Facebo wären. Denn die subjektive Wirkung dieses ganzen visuellen Betruges ist wie Parfüm: riecht gut und verflüchtigt sich im Nu. Denn schon morgen stehen die nächsten “Influencer” mit dem nächsten “heißen Trend” parat. Danke für nichts, wenn die Illusion sich verflüchtigt, denn das Geld habt ihr trotzdem mitgenommen. Ich vermute, dass ich auch in Zukunft nicht von Facebook loskommen werde. Aber ich gelobe, dass ich alles dransetzen werde, meine Töchter darauf vorzubereiten, Fake von Echt unterscheiden zu lernen. Bis die Tage.

Brennen oder Rennen?

Ich liebe meine Arbeit! Das ist, wenn man manchen Autoren Glauben schenken möchte ein Satz, der Gefahr birgt. Denn wenn wir uns unserem Job verschreiben, kann es gut passieren (und ist durchaus auch vom AG beabsichtigt), dass wir zu schnell und zu heiß brennen, uns verausgaben und so viel von uns preis- und hergeben, dass wir uns selbst verlieren; oder zumindest einen wichtigen Teil von uns. Der hier beschriebene Weg ist für den Arbeitgeber opportun, den der bekommt zum Normaltarif einen maximal performenden Mitarbeiter. Für eben diesen Mitarbeiter ist das allerdings ein recht sicherer Weg in den Burnout.

Ich kann mir nun, weil reine Selbstbespiegelung in solchen Situationen nicht so aufschlussreich ist, wie man das gerne denkt, anfangen Sorgen zu machen, denn ich brenne für meinen Job – immer noch! Ich mache meine Arbeit gerne und ich gehe manchmal auch gewisse Längen dafür, dass alles klappt; vielleicht gelegentlich zu große Längen. Ich bekam vor ein paar Jahren schon mal eine Quittung für mein Engagement und möchte diese Erfahrung nicht wiederholen. Was nach den Ausführungen eines Artikels in der Zeit ein hinreichender Grund wäre, beruflich das Weite zu suchen. Wozu ich aber, ehrlich gesagt keine Lust habe.

Es ist ein bisschen wie die Hand im Honigtopf; man kommt schwer davon los und irgendwie ist es ja auch lecker. Doch man weiß instinktiv, dass man gerade übertreibt. Was also tun? Weiter brennen? Natürlich mit dem Risiko, wieder voll über’s Ziel hinaus zu schießen. Oder doch rennen? Aber wohin? Ideen und Pläne hätte ich ja mehr als genug. Das bekommt man als kreativer Typ quasi als Fluch mitgeliefert. Aber es fehlt momentan an zwei Dingen: ausreichend Leidensdruck und Startkapital. Also mach ich erstmal weiter und bitte jene Menschen, die mich kennen und schätzen, mir bescheid zu sagen, bevor es schief geht. Wozu hat man denn Freunde…? In diesem Sinne, ein frohes neues Jahr!

Hoch die Hände – Jahresende?

“Hajo, des Johr is glei rum!” wie man bei uns in Mannheim so schön sagt. Zeit für einen Rite de Passage mit reichlich Geballer; egal ob ethyltoxisch, oder mit Schwarzpulver, woll’? Lieber Himmel, wenn man irgendwas über den Zustand unserer Gesellschaft wissen will, schreibt man einfach in irgendein Forum “Böllern ist geil!” und wartet, bis sich die Kommentarspalte füllt. Was man da findet, sagt einfach alles. Überall nur Dogmen, Beleidigungen, Engstirnigkeit, Arroganz und – oh Wunder – außer Meinung wenig Substanz.

Ich bekenne: früher habe ich gerne und manchmal auch viel Geld für die Knallerei ausgegeben. Heutzutage ist mir das einfach zu stressig. Vielleicht auch, weil sich die Zahl der Arschlöcher auf der Straße nicht nur proportional zum Alkoholgehalt sondern auch mit jedem vergehenden Jahr automatisch zu erhöhen scheint. Viele Menschen missgönnen heutzutage ihrem Gegenüber die Butter auf dem Brot und halten sich selbst für den Gipfel der Evolution. Zumindest im Internet. Stünde mir so ein Forentroll in persona gegenüber, wäre vermutlich ganz schnell die Luft aus, denn eine gute alte Face-to-Face-Konfrontation können die ja gar nicht mehr. Dann rennen sie entweder gleich heulend zu Mami, oder – anderes Extrem – ziehen ein Messer. Was für Zeiten…

Mal ganz davon abgesehen, dass wir mit Leben und Leben lassen viel einfacher führen und einmal im Jahr semi-kontrollierter Überdruckabbau ohne große Kollateral-Schäden möglich sein sollte, stellt sich folgende Frage: wozu der ganze Scheiß?

Heute ist ein Tag! Morgen ist auch ein Tag! Nur das Datum ändert sich…

Und für eine Datumsänderung braucht’s an den anderen 364 Tagen auch keinen Bohei. OK, ein neues Jahr beginnt. Mit den gleichen Fratzen bei der Arbeit, in der Zeitung, im TV, in den social media und was weiß ich noch wo. Mit den gleichen Problemen. Die AfD ist immer noch da, die sozialen Probleme sind immer noch da, die bröckelnde EU ist immer noch da, mein Stress im Job ist immer noch da; verdammte Axt! Da hilft kein Schönsaufen und kein Bleigießen. Es sei denn, irgendjemand lässt sich selbst komplett in Blei gießen… dann sind die Probleme für denjenigen natürlich weg.

Seien wir ehrlich, es ist eine Übung in Eskapismus, die gemeinsam viel mehr Spaß macht, als allein, da wir halt – allen Auswüchsen der Moderne zum Trotz – immer noch soziale Wesen sind. Ich habe meinen Frieden mit diesem Remmidemmi gemacht. So wie ich auch meinen Frieden mit Fasching gemacht habe. Ich hasse diese Narretei immer noch wie die Pest, aber wenn andere das brauchen, sollen sie doch. Und ich denke, genauso muss man Sylvester sehen: kommt, geht vorbei, hinterlässt kaum Spuren. Ich nutze es für einen netten Abend mit Freunden; so wie manchen anderen Abend im Jahr auch.

Und was das Gezeter über die Feinstaubbelastung und den Müll angeht: ich glaube, dass ich so manche bigotte Seele, die hier Armageddon herbei redet auf einem Faschingsumzug finden kann – die machen genauso viel Dreck und Lärm, erzeugen noch wesentlich mehr Trunkene und Verletzte und haben keinerlei weiteren Wert für die Gesellschaft – außer dass sie eine Übung in Eskapismus sind. Die heuchlerischen Spacken, die jetzt so wüst auf’s Feuerwerk schimpfen, sollten mal drüber nachdenken… an jene, die eh auf alles schimpfen: locker bleiben und an Leben und Leben lassen denken hilft enorm. Ihr werdet auch das überstehen.

In diesem Sinne: rutscht alle schön!

Selbstversuch!

Ich habe es einmal mehrr probiert – ich habe Facbook und den dazu gehörenden Messenger auf meinem Smartphone installiert. Ich weiß wirklich nicht, welcher Teufel mich da wieder geritten hat, denn ziemlich präzise 40 Stunden später habe ich den Scheiß wieder runter geschmissen. Nicht weil ich kein Facebook mehr nutze – was vielleicht besser wäre – sondern, weil mich die subjektive Aufdringlichkeit beider Apps tierisch genervt hat!

Ich bin kein Narr; zumindest sage ich mir das immer wieder. Ich weiß, dass diese ganzen großen Internet-Konzerne vom Internet leben. Nicht so, wie die deutsche Bahn nur noch 20% oder so ihres Gesamtumsatzes mit Zügen macht. Nein Facebook, Google, etc. vermarkten Dienstleistungen und Produkte online und sind davon abhängig, möglichst laut, bunt und tief in jedermanns Leben einzudringen, um auch ja genug Profit für die Shareholder generieren zu können.

Es wäre also – auch auf Grund früherer Erfahrungen – voraussehbar gewesen, dass mir das ständige Getute und Gebrumme recht schnell auf den Sack geht. Mal ganz davon abgesehen, dass es den Akku meines mobilen Endgerätes messbar schneller leert. Und das ist, gemessen am Nutzen, einfach nur Energieverschwendung. Sowohl am Akku, als auch an mir. Immer mal wieder stelle ich mir daher die Frage, warum ich Facebook überhaupt noch nutze? Denn letztlich ist es nichts weiter als ein Zeitfresser ohne Mehrwert.

Die allermeisten Kontakte, welche ich darüber WIRKLICH pflege, kriege ich auf anderen Kanälen oder im wahren Leben genauso gut zu fassen. Browserspiele sind einfach nur die Pest für mein Zeitmanagement. Und die unfreiwillige Preisgabe eines Teils meiner Daten fuchst mich jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke. Das allerschlimmste aber sind jene Freundoiden Wesen, welche diese Platt-Form im wahrsten Wortsinn so nutzen: für ihre chauvinistischen, rassistischen, reaktionären Plattitüden. Moment, ich bin mal kurz brechen…

Was bleibt, sind zwei Dinge, die mich derzeit noch daran hindern: manche Kontakte sind halt doch nur dort halbwegs regelmäßig zu sehen und manche Informationen von ihnen  waren in der Vergangenheit durchaus wertvoll. Und ich teile meine Blogposts dort; for whatever it’s worth…! Aber das ist ganz schön wenig für den Ärger, den Frust und den Energieverlust, den dieser Kanal mir verschafft. Im Moment habe ich noch keine Lösung dafür, aber eines ist klar: für mich hat mal wieder der Kampf gegen meine eigenen schlechten Angewohnheiten begonnen – und Facebook ist eine von ihnen. In diesem Sinne – habt eine schöne Woche.

Ach ja, die gute alte…

…ja was denn eigentlich? Zeit? Gesellschaft? Kultur? Heimat? In letzter Zeit stelle ich auf Facebook einen verstärkten Trend fest, die eigene Kindheit der 70er zu glorifizieren. Psychologisch ist das einfach zu erfassen: die Kindheit wird als ein Ort begriffen, wo (subjektiv) alles besser war, man musste nicht selbst arbeiten gehen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Man war nicht in so viele andere Verpflichtungen eingebunden und die Welt wirkte zumindest überschaubar. Es lässt sich hier durchaus treffend sagen: das war sie auch, denn wir haben auf Grund der, seinerzeit begrenzten Reichweite der verfügbaren Medien einfach nicht so viel von der Welt mitbekommen.

Was die Überschaubarkeit angeht, haben wir heute echt geschissen; Infos und Meinungen aus aller Herren Länder können sehr leicht gefunden, repliziert, konsumiert aber auch selbst expliziert werden. Das Internet hat in dieser Hinsicht alle Erwartungen übertroffen – auch die negativen. Denn Meinungen finden heutzutage viel schneller sehr viel weitere Verbreitung als Fakten. Sich Tatsachen erarbeiten, sie einordnen und verstehen können, ist mühselig und zeitraubend. Sich eine Meinung zu bilden (oder eine existierende anzueignen) dauert geschätzte 12 Millisekunden; zuzüglich der Zeit, die man braucht, um auf den “Teilen”-Button zu klicken. Wenn es nach mir ginge ginge, gäbe es statt dem “Share”, den “Hate”-Button. Den würde ich viel öfter brauchen.

Wie dem auch sei; mir erschließt sich diese Sehnsucht  nach einem Ort, einer Zeit, in der die Dinge einfacher waren. Auch ich muss bei solchen Filmchen und Bilder manchmal lächeln und nicken. Denn eigentlich ist es ein zutiefst menschliches, unschuldiges Gefühl. Doch wenn ich eine Sekunde länger darüber nachdenke, beschleicht mich der Verdacht, dass man diese Emotion auch sehr gut für andere Zwecke instrumentalisieren kann.  Die auf Facebook viel geteilte Seite “Weißt du noch” z. B. gehört dem Axel Springer Verlag; der ist nun weder für seine progressive politische Haltung, noch für Qualitäts-Journalismus bekannt. Was den Verdacht nahelegt, dass durch die emotionale Hintertür eine konservative politische Agenda bedient werden soll.

Es ist dabei für die Macher unbeachtlich, für mich jedoch von pikanter Ironie dass die gesamten 70er hindurch die SPD in der Regierungsverantwortung war. Die Jahre vor dem deutschen Herbst werden als die letzten guten Jahre, die wir je hatten stilisiert, ein Sehnsuchtsraum, den wir nur durch Abkehr von progressiver “linksgrünversiffter” Politik noch Mal erreichen können. Es geht dabei weniger um die Zeit an sich. Ich bin selbst ein Kind der 70er und hatte eine schöne, weitestenteils unbeschwerte Kindheit. Aber die Verknüpfung von positiver Erinnerung und reaktionärem Weltbild ist für mich äußerst unheilvoll; weil sie durch die Hintertür ein Heimatbild zu festigen versucht, dass als guter Nährboden für Ressentiments, Chauvinismus und Rassismus dienen kann.

Ich denke hier zu weit um die Ecke? Keine Ahnung. Aber dem Axel Springer Verlag trau ich nicht weiter, als ich ein Kioskhäuschen werfen kann und ich bin NICHT Superman. Vielleicht ist es auch nur ein Werbegag eines sterbenden Printmedienfossils. Aber für mich bedeutet es, dass ich mit der Entzauberung unserer Welt durch den Fluch des Erwachsen Werdens zurechtkommen und mir meine eigenen Definition von Heimat erarbeiten muss; und das immer wieder neu. Denn wenn es stimmt, dass “die Heimat da ist, wo das Herz ist”, ist meine Heimat kein bestimmter Ort – und schon gar nicht eine, aller Multikulti´-Aspekte bereinigte Kindheitserinnerung aus  dem Hause Springer…

In diesem Sinne eine schöne Restwoche.

Fordernder…?

Nach meinem Aufruf zur Genügsamkeit im sozialen, aber vielleicht auch im wirtschaftlichen Umgang kann ich nicht umhin, nun auch den Gegenpart zu thematisieren. Wir Menschen sind als Wesen immer dualistisch angelegt. Das bedeutet, dass Widersprüche und Gegensätze stets Teil unserer Natur sind. Wir sind sozial, aber auch egoistisch. Wir sind stark, aber auch schwach. Wir herrschen und wir folgen. Oft sind diese Gegensätze so stark, so polarisierend, dass die daraus resultierende Spannung nicht aufgelöst werden kann, oder eines von beiden Prinzipien so dominant, dass es das andere verdrängt. Beide Konstellationen können uns ein Leben lang immer wieder in Probleme stürzen.

Wir können uns dem leider nicht entziehen. Und so ist man zumindest ab und an gezwungen, Entscheidungen zu treffen und dann auch durchzusetzen, die einem überhaupt keinen Spaß machen. Nun ist das Leben zwar ein Ponyhof, doch nirgendwo stand geschrieben, dass alle Ponys nett sein müssten. Im Privaten manifestieren sich solche Problem-Szenarien zumeist in unseren Beziehungen. Darauf will ich hier nicht eingehen, da ich vieles sein kann; als Beziehungsratgeber bin ich jedoch mutmaßlich nicht geeignet. Aber auch im Beruflichen kann einem so etwas passieren. Und genau da stehe ich im Moment gerade…

Wer schon mal in einer komplexeren Organisation tätig war, kennt das: es gibt Grüppchen, Seilschaften, Verbände und dazwischen ein unsichtbares Netz aus altem Scheiß. Freundschaften, Verbindlichkeiten, Sympathien. Aber eben auch Unausgesprochenes, Kränkungen, Widerspruch bis hin zur Animosität. Kommt man da quasi neu hinein, ist es anfangs manchmal wie Pogo-Hüpfen im Minenfeld. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis du den ersten Volltreffer landest. Manche Auswirkungen sind peinlich, manche amüsant; aber manche können auch alles in Frage stellen, was du zu wissen glaubst.

Ich bin, wie schon des Öfteren erwähnt, ein neugieriges Wesen. ich habe gerne das ganze Bild. Doch dazu muss man sich erst einmal mit allen unterhalten. Mit manchen kommt man leichter ins Gespräch, mit anderen weniger leicht. Doch das ändert nichts am Kommunikationsbedarf, wenn man manche Fallen von vornherein entschärfen möchte. Ich darf sagen, dass meine Trefferquote hier mittelprächtig ist. So, wie bei den meisten anderen auch. Allerdings bin ich geduldiger (vielleicht auch leidensfähiger) als viele andere. Mag am Alter liegen. Und ich habe gelernt, dass es einen bestimmten Punkt, ab dem wir uns an unsere (Er)Kenntnisse zu krallen beginnen, weil uns das eine gefühlte Sicherheit im Umgang mit dem Unbill des Alltags gibt. Das ist der Punkt an dem gefühlte Wahrheit zum Dogma wird.

Das Dogma ist immunisierte Überzeugung (gut zu beobachten bei AfD-Anhängern oder machen Gläubigen). Es gibt uns das recht, so zu tun, wie wir tun. Egal, ob wir damit objektiv Recht haben, oder auch nicht. Man neigt dazu, Menschen, die man gut leiden kann so etwas lange nachzusehen. Aber nicht unendlich lang. Irgendwann kommt der Punkt, da das eigene Autonomie-Bestreben sich des Kategorischen Imperativs erinnert und beginnt, Dinge zu fordern. Doch wie fordernd kann bzw. darf ich werden?

Es ist eine Gratwanderung; wie so vieles andere im Leben auch. Unsere Existenz ist nie ein gerader Fluss und wenn mich das Leben erwas gelehrt hat, dann, dass ich das Unerwartete erwarten muss und das Erfahrung etwas ist, das man hat, fünf Minuten nachdem man es gebraucht hätte. Nach allem, was ich in der letzten Zeit erlebt habe, stehe ich jetzt an dem Punkt, an dem ich fordernder werden MUSS. Also werde ich fordern. Und bei Nichterfüllung meine Konsequenzen ziehen. Das Leben ist zu kurz zum Warten!

Habt eine schöne Woche…

Genügsamer…?

Manche Geschichten erzählen davon, dass man mit dem Voranschreiten des Alters ein höheres Maß an Genügsamkeit erlangen würde. Das ist natürlich Käse, weil das Prinzip “One-Size-Fits-All” in der Sozialpsychologie genauso wenig funktioniert, wie beim Klamottenkauf. Und überhaupt muss man erst mal fragen – vor allem im Hinblick auf die unterschiedlichen Begriffe, die sich dahinter eigentlich verbergen – auf welchem Genügsamkeits-Sektor wir uns gerade bewegen. Ich persönlich bin z. B. sehr einfach gestrickt, wenn es um meine Ansprüche an ein Ferien-Apartment geht: ‘n Platz zum kochen, essen, schlafen und abends gemütlich sitzen. Vielleicht ein Pool, wenn ich im Sommer unterwegs bin und das Meer nicht nah genug. Das wär’s auch schon.

Geht es indes um sprachliche und inhaltliche Präzision, insbesondere bei Sachthemen von Interesse, bin ich alles andere als genügsam. Da will ich es genau wissen, will verstehen, was mein Gegenüber bewegt, warum manche Sachverhalte so sind, aber nicht anders, wie es zu gewissen Entscheidungen kommt und wie man Prozesse beschreiben kann; weil ich den einen oder anderen gerne verbessern würde.

Das klingt jetzt vielleicht zunächst ganz arg schlimm nach Arbeit, nach einer Verletzung der Work-Life-Balance ( nach längerem Nachdenken mein ganz persönliches Unwort des Jahrzehnts, direkt gefolgt von “Umvolkung” und “digital natives” – man kann Völker nicht umtopfen und ein Mensch bleibt auch bei 22h Social-Media-Konsum pro Tag am Ende immer noch ein soziales Wesen). Ist es aber nicht.

Meine Arbeit und mein Privatleben haben immer miteinander zu tun, weil ich Befindlichkeiten nicht so einfach am Schichtende ablegen kann, wie meine persönliche Schutzausrüstung. Weil Kollegen oft genug auch Freunde sind oder umgekehrt dazu werden. Weil ich viel Zeit bei der Arbeit verbringe und daraus notwendigerweise ein Bedürfnis nach etwas Harmonie an diesem Ort entsteht. Zumal Arbeit auch in meinem Gewerk nicht zwingend einen Ort hat, an den sie gekoppelt ist.

Immer wieder neu ringe ich also um Effizienz und Effektivität. Ich versuche stets, meine Zeit bewusst in das Private und das Berufliche zu trennen, wohl wissend, dass der versuch gelegentlich scheitert. Nicht etwa, weil ich ein Workaholic wäre (das hätte mein Chef vielleicht gerne), sondern, weil ich ein Mensch bin, der menschlich handelt. Humanität ist nun zwar kein Merkmal des Gesundheitswesens , in welchem ich tätig bin – wohl aber ist sie ein Merkmal von mir. Eines, das zu bewahren ich immer wieder zu Kraftakten aufgefordert bin, in dieser Welt, in der die Humanitas kein Asset von Wert ist, für das man irgendwas eintauschen kann.

Im Gegenteil ist sie ein Wert an sich, der unhinterfragbar, unhintergehbar Kompass meines Tuns sein soll; auch wenn ich manchmal vom diesem Kurs abweiche, so wie Menschen das eben tun. Doch wie kommt man von der Genügsamkeit zur Humanität? Ganz einfach, indem man sich den Aspekt der Bescheidenheit und des Verzichts zugunsten Anderer ins Gedächtnis ruft. In dem Moment wird klar, dass wir alle dazu aufgerufen sind – unabhängig vom Alter – uns dann und wann in Genügsamkeit zu üben. Denn das, was wir uns versagen, kommt in aller Regel zu uns zurück. Vielleicht auf Umwegen. Aber Karma ist, genau wie Erziehung ein Bumerang.

Bevor man Genügsamkeit also als Schwachsinn für die Schwachen abtut, jene, die ihre Ellbogen zu benutzen nicht ausreichend erlernt zu haben scheinen, sollte ich mich fragen, ganz bewusst bedenken, was dieser Verzicht für mich nun bedeutet. Und zwar jetzt. Und dann in ein paar Wochen. Und dann in ein paar Monaten. Und so weiter… Nicht in allen Dingen ist Genügsamkeit gut. es gibt auch bereiche, in denen ich fordern muss. Aber dazu ein anderes Mal mehr. Bis dahin alles Gute.