Midlife-was…?

Im aktuellen “Stern” (ja ich lese die Postille immer noch) ist ein Artikel über die Midlife-Crisis. DIE … MIDLIFE … CRISIS … OhgottohgottohgottIhgittihgittihgitt! Witziger Weise geht der Artikel nur am Rande auf die legendären – zumeist mit dem männlichen Geschlecht assoziierten – Entgleisungen dieses wichtigen Lebensabschnitts ein: ‘ne Harley kaufen, ‘ne jüngere Frau suchen, allerlei Dummheiten machen, sich “auf Teufel komm raus” noch mal jung fühlen wollen, weil das kann doch nicht schon alles gewesen sein, … oder?

Wohltuend finde ich, dass der Artikel explizit beiden Geschlechtern das Recht auf Midlife-Crisis zuerkennt und auch beide Geschlechter zu Wort kommen lässt. Ebenso positiv finde ich, dass man nicht mit der Brechstange nach Lösungen des Problems sucht, sondern anerkennt, das Menschen in der Lebensmitte halt irgendwann feststellen müssen, dass sie jetzt zumeist schon eine Weile in einem Lebensmodell stecken und sich – durchaus bang -fragen, ob das der wahre Jakob ist, oder nicht vielleicht doch ein Anlass, was Neues zu wagen, weiterzuziehen, noch mal neu anzufangen? In Nachbars Garten wachsen schließlich die süßeren Kirschen, andere Mütter haben auch hübsche Töchter (oder Söhne) und überhaupt wollte ich schon immer mal wissen, wie sich … anfühlt (man setzte hier einen speziellen Traum ein).

In jungen Jahren denkt man immer, alles geht. Mit dem “Erwachsen-Werden” – was auch immer das für einen selbst bedeuten mag – merkt man, das nicht alles geht, möchte aber herausfinden, was alles geht. Und wenn man an der Lebensmitte angekommen ist, möchte man wissen, ob man nun die richtige Alternative gewählt hat. Zudem ist unsere Persönlichkeit kein starres Konstrukt. Sie verändert sich im Laufe des Lebens mehrfach und immer ist der Wandel die Reaktion auf eine Krise. Jeder, der sich gut an seine Pubertät oder die Suche nach dem eigenen Platz in diesem Ding “Gesellschaft” erinnern kann (oder vielleicht noch drin steckt), weiß genau, was ich meine. Ein interessantes wissenschaftliches Modell dazu sind die Entwicklungsstufen nach Erik Erikson, die ein recht gutes Bild von der Krisenhaftigkeit des Sich-Entwickelns zeichnen.

Die Midlife-Crisis hat was mit der Suche nach (neuem) Sinn in Leben zu tun, der nach der Bilanzierung des bisher Erreichten gebraucht wird, um sich neu zum Weiterleben motivieren zu können. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen dramatisch, aber auch Erwachsene sind bei weitem nicht immer so souverän, wie sie tun. Den größten Teil unseres Lebens fahren wir (zwangsweise) auf Sicht und reagieren halbwegs pragmatisch auf die Brocken, die im Weg liegen. Die Ergebnisse sind nicht immer befriedigend, aber wären wir immer nur Sieger, wüssten wir gar nicht, wie sich der Geschmack des Sieges anfühlt!

In jedem Fall ist sie eine sehr individuelle Angelegenheit, diese Midlife-Crisis und sicher oft für den einen oder anderen Betroffenen mit sehr unschönen Erlebnissen verknüpft. Aber sie ist notwendig, um uns am Laufen und im Gleichgewicht zu halten, also sollten wir das alles nicht zu hoch hängen. Außer, wenn meine Alte sich jetzt plötzlich einen jüngeren (knackigeren) Macker sucht – dann flipp ich aus…! Mal im Ernst, es gibt keine Vollkasko für’s Leben, denn das Leben ist eine Lektion, die du lernst, während du es tust (Fragt “Limp Bizkit”), also muss ich es nehmen wie’s kommt und das Beste draus machen. Und manchmal eben nachrechnen, ob alles noch passt.

Was mich an dem Artikel stört, ist seine Existenz! Warum verschwendet ein Magazin für investigativen Journalismus 12 Seiten auf ein Thema, das außer mir keinen was angeht. Oh ja, da sprechen Menschen über ihre Erfahrungen, um anderen Schmerzen und Probleme zu ersparen…? Bei einem Thema, das weder Verallgemeinerungen noch vorgefertigte Antworten zulässt? Lasst die Menschen doch Menschen sein und hört auf mit eurem Lifestyle-Gesundheit-Workbalance-Paternalismus, ihr Narren in Hamburg. Berichtet über kaputte Krankenkassen, politmissbrauchte Polizisten, sanierungsbedürftige Schulen und so was. Aber lasst die Menschen Menschen sein… Schönes Wochenende!

Ich seh’ überall Gewinner…

Es ist schon seltsam. Natürlich auch menschlich, aber trotzdem seltsam. Immerzu wollen wir uns selbst in einem guten Licht dargestellt sehen. Kein Makel, keine Schwäche, keine Kratzer im hochglanzpolierten Lack. Ich hätte zumindest, seit ich mich bewusster mit social media befasse nicht bemerkt, dass die Menschen eine besondere Tendenz hätten, etwas anderes als ihre Erfolge zu promoten. Zugegeben, es gibt Ausnahmen, aber die sind sehr, sehr selten; meistens sieht man allenthalben Gewinner!

Natürlich spielt dabei auch die Definition von Gewinnen eine Rolle. Für manche ist es schon ein Sieg, sich von der Couch zu erheben. Zum Beispiel mich, wenn es draußen heiß ist. Ich habe mich neulich dabei ertappt, wie ich ein Bild von einem Spaziergang am Rhein gepostet habe, mit der Unterschrift “Der Weg ist das Ziel…” und erfuhr dafür tatsächlich Zuspruch. Ich dachte dabei an die inspirierende Solitude der freien Natur direkt am Ende meiner Straße. Das Setting hatte einfach was.

Nun sind Bilder aber eigentlich von Natur aus Interpretationsraum für den Betrachter. Jeder kann darüber denken, was er möchte, darin sehen, was er möchte. Manche Menschen denken, ein Bild von einem Baum ist einfach nur ein Bild von einem Baum. Ein Foto trägt aber neben dem abgebildeten Objekten oder Subjekten immer auch bereits einen Interpretationsversuch des Fotografen, dessen Intentionen und Gedanken in sich, ohne dass diese ausgesprochen werden. Und so wurde aus dem Foto vom Spazierweg am Rhein ein Symbol, in das jeder sich was r(h)ein denken konnte.

Man hätte zum Beispiel, um auf meine Eingangsworte zurückzukommen denken können: “Ah, der Zimbo bewegt sich endlich mal!”. Oder, etwas netter: “Och, da würde ich jetzt auch gerne hin!”. Vielleicht auch: “Mannheim ist doch nicht so hässlich, wie alle sagen!”. Ich mag es, wenn meine Fotos so weite Spielräume lassen. Wenn ich meinen Runtastic-Screenshot poste, sind die Interpretationsmöglichkeiten abseits von “Oh, wie langsam!” bis “Oh, wie schnell!” und “Da, läuft der lang?” eher begrenzt. Weil auch hier (natürlich) eine Intention des Veröffentlichenden mittransportiert wird: “Seht her, ich kann!”

Wie bedauerlich das doch ist. Denn SCHEITERN ist eine Notwendigkeit des Lebens, ohne welche echte Persönlichkeitsentwicklung nicht stattfinden kann. Aus unseren Niederlagen, unseren Fehlern unseren Ausrutschern lernen wir wesentlich mehr, als aus unseren Siegen. Und vor allem lernen wir aus dem offensiven Umgang mit unseren Fehlern und Schwächen viel mehr über die Menschen, die uns umgeben. Denn Reaktionen auf offen kommunizierte Fehler und Niederlagen sagen viel mehr als die höflichen Ahs und Ohs, wenn wir – mal wieder – reüssiert haben. Das Fehlen von Reaktionen sagt natürlich auch etwas aus.

Reden wir doch noch mal über die Definition von Gewinnen. Ich persönlich betrachte es schon als Sieg, dass ich meinen Alltag gut hin bekomme. Familie Job, sonstige soziale Kontakte Studium (irgendwann folgt auch der Master), das alles bringt einen Wust an Verpflichtungen, Problemen, Arbeit mit sich, der manchmal macht, dass man sich Abends ins Bett legt und vor lauter Nachdenken erst mal eine Weile die Decke anschaut, bevor man dann, durch die Gnade der Müdigkeit doch wegdämmert. Aber ich stehe meinem Mann.

Andere definieren sich über Sport. Ist heute hip, an seinem Äußeren zu arbeiten und es alle wissen zu lassen. Ich vermute allerdings, dass jene, die das recht exzessiv betreiben, manchmal Abends genauso an die Decke kucken wie ich und das Polieren ihres Egos als eskapistische Strategie benutzen, so wie andere ihre intellektuellen Fähigkeiten rauskehren und wieder andere ihre Kochkünste… and so on… Die dabei entstehenden Erfolge optisch aufbereitet der “Öffentlichkeit” zukommen zu lassen ist menschlich. Ich fände es aber schön ehrlich – vielleicht auch ehrlich schön? – wenn man die Niederlagen auch öffentlich machte. Diejenigen, die so etwas als Anlass zur Häme nutzen sind dumm und sicher keine “Freunde”. Aber die anderen, die neutral oder gar nett darauf reagieren, darf man zumeist als wohlmeinend betrachten.

Denn Scheitern ist unvermeidlicher Bestandteil unseres Daseins. Und so wie wir aus unsern Fehlern (hoffentlich) klug werden und mit unseren Aufgaben wachsen, so wachsen unsere (wirklichen) Beziehungen dadurch, dass wir diese Menschen auch tatsächlich an unserem Dasein teilhaben lassen. Wenn ihr also schon unbedingt posten müsst, was das Zeug hält, dann bitte nicht nur den Hochglanz-Schrott… Danke!

Rückkehrerblues…?

Ach ja, Urlaub… Man fährt mal weg, man erlebt Dinge, man kommt wieder und erzählt allen davon. Oder aber – Zeichen unserer ach so modernen Zeit – man teilt seine Impressionen, was das Zeug hält, in den sozialen Medien. Paris? Ja, hab ich bei Manu gesehen. London? Ja, dieses hammergeile 360-Grad-Panorama von Kalle war schon schön. Und hast du dieses Selfie von Richard aus’m Central Park gesehen? Und noch unendlich viel weiterer (denkbarer) Chitter-Chatter ohne jegliche Substanz.

Soziale Medien sind asozial! Wer tatsächlich glaubt, dass das Skimmen durch die Fotostrecken Anderer das Reisen ersetzen kann – oder gar die dabei selbst gemachten Erfahrungen – dem ist nicht mehr zu helfen. Und bevor jetzt die “Aber das soll doch einfach nur Lust auf’s selber Reisen machen”-Fraktion aus ihren Löchern gekrochen kommt: NÖ. Das ist einfach nur ein narzisstisches Zur-Schau-Stellen der eigenen Reise-Virilität. Schaut her, wo ICH überall hinkomme. Ekelerregende Eigenego-Streichlerei, sonst nix.

Aber Zimbo, du hast doch auch schon Fotos von Urlaubsorten auf deinem Blog gepostet! Was ist denn jetzt mit dir? Ja habe ich. Und je mehr ich darüber nachdenke, ärgere ich mich darüber. Denn zum einen geht es eigentlich keine Sau was an, wohin ich reise, außer jene Personen, denen ich es offensiv mitteile. Und außerdem waren es jeweils Auswahlen, die online kamen, nachdem ich wieder zu Hause war und die so geschnitten waren, dass so gut wie keine Personen drin vorkamen – vor allem nicht ich, denn ich bin nicht sonderlich fotogen! Narzissmus? Fehlanzeige, fürchte ich…

Dafür kann ich mich noch genau erinnern, wie ich mit 18 über den Père-Lachaise gestolpert bin, auf der Suche nach dem Grab von Jim Morrison; oder welche Erfurcht ( ja altmodisches Wort, aber absolut angebracht, um meine Emotionen in dem Moment zu beschreiben) mich ergriffen hat, als ich vor ein paar Jahren bei vielleicht 1500 Höhenmetern über einen Pass gefahren bin und dann den ersten Blick auf das Piano Grande tun konnte… Scheiß auf Kameras! Tipp: Hochtal in Umbrien, ein Stück hinter Nursia. Oder als ich zum ersten Mal auf die Piazza il Campo in Siena getreten bin. Und, und, und…

Ich bin, obschon hoch Technik-affin, dabei, ein immer stärkerer Gegner der Selbstverdatung zu werden. Ich sehe keinen Nutzen darin, dauernd mein Essen zu präsentieren (am Besten noch mit Vorher-Nachher-Strecken…), oder alle meine Facebook-“Freunde” an jedem noch so kleinen Rülpser meines Egos teilhaben zu lassen. Das ist auch so schon groß genug. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich auf eben jenem Portal Dinge poste, die unnötig sind, weil sie niemandem einen Mehrwert bringen. Noch häufiger erlebe ich allerdings, dass ich vorbereitete Posts wieder lösche, weil ich mir denke “Was machst du Depp gerade?”. Ich hoffe inständig, dass meine internen Korrektive noch länger halbwegs funktionieren.

Wer hatr denn etwas von dauernder Öffentlichkeit meines Selbst? Mein Ego? Meine Freunde (wie real auch immer die sein mögen)? Mein Konto? Oder doch eher die Konten des Dienst-Anbieters. Ein nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse bringt einen zumindest manchmal im Leben einen Schritt weiter.

Ich stehe mal wieder an diesem Punkt, dass ich aus Facebook raus will; ist ca. ein mal im Jahr so. Aber wer liest dann schon noch mein Blog…? Ich bin also auch, allerdings nicht emotional, von asozialen Medien abhängig. Scheiß neue Welt. Schönen Tag auch…

Ach käm ich doch zur Ruh’…

Ja Urlaub ist was Tolles. Insbesondere, wenn man braindead durch die Wallachei stolpert (ich hoffe, ich tue dieser Gegend in Ungarn kein Unrecht, indem ich mal wieder in die Sprichwortkiste greife). Geistloses dahin schlurfen in Tatunion mit Auslöserdauerfeuer an der Handycam, dezent begleitet von gelegentlichem “Ah” und “Oh”, wahlweise aber auch “Man, ist das teuer?”, “Da hätte ich aber mehr erwartet…”, oder ebenfalls gerne “Ist hier aber viel los!”. Tja, auf die Idee mit dem Reisen kommen in der Reisesaison halt auch andere, daran könnte man sich schon mal gewöhnt haben.

Aber ja, die anderen Urlauber nerven nicht nur die Einheimischen, die ich gelegentlich mit sehr verkniffenem Gesicht an mir vorbei mäandern sehe; sondern auch mich. Es könnte an der vorgenannten Melange aus teils abwertenden Bemerkungen, grauenhaften Outfits und einer fast aggressiven Erwartungshaltung liegen – mein Urlaub, meine Stadt, Burg, Freizeitpark, was auch immer. Ganz so, als wenn das anmieten eines Ferienappartements an der Mecklenburgischen Seenplatte dazu berechtigt, die Müritz mit heim zu nehmen. Oder zumindest ein Exklusivnutzungsrecht daran erworben zu haben. Und dann sind da plötzlich noch andere Menschen…

Ja, manchmal fällt es mir, meiner ganzen humanistischen Gesinnung zum Trotze sehr, sehr schwer, Menschen zu mögen. Vielleicht liegt es daran, dass ich in meinem Arbeitsalltag so viel mit ihnen zu tun habe, dass einsame Einkehr in der Abgeschiedenheit eines Bergklosters für mich – zumindest ab und an mal für ein zwei Tage – nicht die schlechteste Alternative wäre. Inclusive Internet-Karenz! Ich habe allerdings herausgefunden, dass ich mir auch im Familienurlaub meine kleinen Freiräume schaffen kann, in denen ich mit niemandem interagieren muss. Zum Beispiel, indem man in den scheiß kalten Fleesensee hinaus schwimmt; na ja, eigentlich eher watet, ist das Ding doch 70 Meter vom Ufer für mich immer noch maximal hüfttief.

Sei’s drum, in solchen Augenblicken hat man Klarheit. Und wenn es doch nur für sehr kurze Zeit dauert. Und dann musste ich wieder feststellen, dass man die Tretmühle einfach nicht aus dem Kopf kriegt. wenigstens im Moment nicht. was mich vielleicht sogar weniger belastet, als meine Lieben. Wenn ich aus dem Urlaub komme, muss ich eine Entscheidung treffen, bzw. erzwingen. Man kann nicht Diener vieler Herren sein und allen gleich gut dienen. Das geht unweigerlich schief. Mal sehen, was draus wird…

Frisch von der Leber weg…

Kinder sind ein Segen! Für die Bekleidungsindustrie, weil das ständige durch die Größen Wachsen neuer Generationen für stetes Einkommen sorgt. Für Kinderbetreuer aller Art, weil es deren Jobs sichert. Für die Spielzeugindustrie sowieso, weil es die (und natürlich auch uns) ohne Kinder nicht gäbe. Und, ganz wichtig, natürlich auch für Psychologen, Pädagogen und Soziologen, weil man immer noch dauernd neue Theorien darüber entwickeln kann, wie Kind-Sein und Erwachsen-Werden funktionieren. Kurz und gut gesagt: Kinder generieren für einen erheblichen Prozentsatz der Bevölkerung deren Lebensunterhalt. Könnte daran liegen, dass ohne Kinderkriegen die Menschheit schon lange ausgestorben wäre.

Betrachtet man das ganze aus Sozial- und Ordnungspolitischer Sicht, wird die Sache mit dem Segen plötzlich sehr nüchtern. Erzeugt ein Staat durch seine Geburtenrate nicht einen steten (und vor allem ausreichenden) Nachschub an Netto-Zahlern für die Sozialsysteme, kommt er irgendwann in erhebliche Schwierigkeiten; das geht im Moment im Übrigen allen entwickelten Staaten in Europa so. Amore ist in Italien anscheinend auch nicht mehr die, welche sie mal war. Man kann das Problem umgehen, indem es einfach keine staatlichen Sozialsysteme gibt (fast alle Staaten der 2. und 3. Welt), oder indem man sie demontiert (Vereinigte Staaten). Will bei uns aber keiner, also bleibt es ein Problem, für das bislang keiner eine probate Lösung zu haben scheint (also eigentlich gibt es die schon, aber wer gibt schon gerne was von seinem, so sauer den, tatsächlich Werte schöpfenden, Menschen aus der Tasche gezogenen Geld her…).

Darum schafft der Staat auf Kosten derer, denen er eigentlich helfen sollte (vermeintlich) immer neue Anreize, sich doch stärker zu vermehren (Herdprämie, etc.), die jedoch alle am eigentlichen Problem vorbei laufen: in der BRD Kinder zu bekommen bedeutet, gegenüber denen ohne Kinder zurückstecken zu müssen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Flexible Kinderbetreuung? Zumeist Fehlanzeige! Überhaupt einen Betreuungsplatz bekommen, insbesondere in der Stadt? Auweiauwei… Betreuungskosten, Verpflegung, Kleidung, Urlaube, der ständige Hype um die richtige Förderung der Brut, die elterliche Angst vor dem “Versagen” des Kindes (allüberall durch die Medien verstärkt, die einem den Eindruck vermitteln, dass wir alle morgen verhungern werden, wenn die süßen Kleinen nicht schon im Kindergarten Chinesisch, Klavierspielen und Programmieren lernen).

On Top kommen noch die ganzen Sponks und Pfosten, die sich entweder über die nervtötende Lautstärke aufregen, oder ungefragt Erziehungsratschläge geben, obwohl sie selbst über keinerlei Expertise verfügen – diese Menschen dürfen sich, sofern sie überhaupt über die kognitiven Fähigkeiten verfügen, sich in meinen Worten zu erkennen, von mir ein 100% biologisch abbaubares, vollkommen authentisches und – dieses Mal tatsächlich – böse gemeintes “FICKT EUCH!” abholen.

Ja, mich nerven meine Kinder manchmal auch so sehr, dass ich sie gerne in ein feuchtes, dunkles Loch sperren und den Schlüssel vergessen würde. Oder wenigstens mit Klettband an die Wand kleben und ein bisschen schreien lassen. Tue ich aber nicht, weil ich sie trotzdem liebe. Auch wenn sie mir meinen Urlaub weniger erholsam gestalten, als ich es mir wünschen würde. Wenn ich nach den Gründen suche, warum meine Gattin und ich uns vermehrt haben, dann bleibt am Schluss nur eines übrig: das Gefühl, dass wir ohne eigene Kinder furchtbar viel verpasst haben würden. Und das meint nicht nur Ärger, Erschöpfung, Geldknappheit und andere Sorgen. Kinder sind schon ein Segen – nur nicht immer. Und auch nicht für alle Aspekte des Lebens. Wenn man sich damit arrangiert hat, geht’s ganz gut. Schönen Tag noch.

True punks don’t need cyberware…

Every now and then I get to read, that cyberpunk is dead. It’s a janus-creature of prediction and conclusion that arises in more than one text committed to the topic. In some eery way that’s an oxymoron, because if you relate an entire text to a literary genre, just to declare it dead, you’re reviving it in the same time. At least kind of… To be honest, I was always oblivious to this declaration.

I made my first contact with cyberpunk in my mid-teens, something around summer 1990. Media reception was different back then, because the “old” channels of communication and distribution never neared the ubiquity of contemporary social media. So, in a sense, we are in the cyberpunk age, although I must commit, it doesn’t look anything like what was described, for example, in the novels of William Gibson. Maybe it’s better that way.

What little of the true meaning, most people conceived of the wealth of social criticism in cyberpunk was by far overweighed by the impact, the visual descriptions could deliver, back in the time. Interpretations took their ways, and out of the ashes of a dystopia, full of downtrodden loosers amidst a new wonder age of technological advancement rose an image, that – also by far – missed the inherent sense of angst regarding the possibly impending wake of artificial intelligence. What most people saw, simply was a latex clad, neon bright clash of technologically enhanced protagonists/antagonists, who simply fought the same fights, as they did before, in the archetypical action movies of the 80s. The essence of cyberpunk was butchered for flashing imagery, the masses could relate to.

As always, when financial interest meets artistic affluence, the product is styled to meet the financiers desires, thus exchanging meaning for mass compatibility. To be truthfully honest, when I was a teen, I was captivated by the imagery, too. It was cool, it was different, it had style. And the style lived on, being copied, adapted and incorporated to be part of the main stream. Hell yeah, it got duplicated so often, that it became boring. If somebody, his or her mind just fixed on the aforementioned style at this moment says, cyberpunk is dead, I must confess, that’s right. Because hyperbole use of the style killed it’s attitude, as of lately.

But that’s not cyberpunk. It’s just part of the described imagery, that some greedy media ravengers exploited for so long, that it’s not really of use any more. Again being honest, I still use the flashy, flamboyant style, because, I’m somewhat old school. I use it telling my stories, still being a pen and paper gamemaster since summer 1989… damn, you might call me a professional. But speaking of the essence of cyberpunk, we must recognice it is to be found underneath that polished surface. And our world has become – in quite more than one way – that dystopia full of the downtrodden.

Maybe, technological advancement didn’t follow predicted paths, as that never was the case in any way. But globe-spanning mega-cons, massive social inequality and dwindling social coherence, strange subcultures and no-go-areas – it’s all there. I simply need to take a look at the daily news and can walk away with a billion ideas, as to what story to tell. But I need to add a little glitz, because it would get to dark an gritty, if I simply used the world as is.

And here kicks in the main idea of cyberpunk: the lo-teks and the depraved, the loosers and the maladjusted, they are all able to find ways to defeat the just seemingly allmighty system. Whatever power thrown at them, they cope, they adapt, they survive – and sometimes they even succeed to the very best. Hope is the cure for society’s illnesses; not chrome, not drugs, not tech, but simply hope. If you ever become able, to come to that conclusion, you have become a cyberpunk yourself. And thus, in a somewhat complicated, sometimes lonely and always awesome way, I became one myself…

Ich unhöflicher Mensch…

Ich muss das einfach voran stellen, weil es mir wichtig ist: Ich liebe meine Frau sehr! Ich liebe auch meine Kinder sehr, aber die Beziehung zu meiner Gattin ist etwas Besonderes. So was muss man ja auch mal sagen in dieser Welt voller Hass, Chauvinismus und Rassismus! Jawoll!

Nun ist es aber so, dass die beste Ehefrau von allen (geklaut von Kishon, ich weiß) mich neulich darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich in letzter Zeit ein paar meiner Posts hier mit “Ihr Lappen” beendet habe und dass sie das jetzt irgendwie beleidigend findet und das dieser Umstand für sie die gesamte Argumentation entwerten würde. Wie immer, wenn so ein Einwand kommt, habe ich gelächelt und gesagt, dass das jetzt halt so sei. Gedacht habe ich wohl, dass die Welt halt voller Lappen ist und man das ruhig auch sagen kann; insbesondere, wenn ich davon ausgehe, dass jeder von uns schon mal wie ein Lappen gehandelt hat.

Natürlich will ich meine Frau nicht beleidigen, das hat sie ja aus meiner Sicht nicht verdient. Trotzdem nehme ich den “Lappen” nicht zurück – and here comes, why: Spinnen wir den Gedanken weiter und nehmen mal an, dass mein bösartiger Generalverdacht der Lappigkeit keine Substanz und ich damit nun zu Unrecht jede Menge Menschen beleidigt hätte. Keiner von denen – außer meiner Gattin – hat das je kundgetan. Und warum? Weil der getroffene Hund bellt! Ich nehme mich ausdrücklich, wie ich hier schon des Öfteren betont habe, von den Inhalten meinen kritischen Tiraden nicht aus. Wir sind Menschen und damit extrem Fehlerbehaftet. Wir stolpern oft genug, einem trunkenen Festheimkehrer gleich von einem Fettnapf zum nächsten, dabei im Minutentakt Ressourcen und Befindlichkeiten vernichtend, als wenn es kein Morgen gäbe. Wir sind keine Menschen, sondern vielmehr überdimensionierte Elefanten in einer Welt aus Porzellan.

Meine Worte sind Waffen, die stechen sollen, weil ich hoffe, damit ein paar Lethargie-Opfer aus ihrem Merkelmüdigkeits-Topor aufzuwecken; sie dazu bringen möchte, sich ihres Verstandes und ihrer Stimme zu bemächtigen und auch nur das allerkleinst denkbare in Angriff zu nehmen, um diese Scheiße von Welt etwas erträglicher zu machen. Wenn ich dabei – nicht zu selten – wenig höflich zur Sache gehe, ist die Kritik meiner Gattin dafür ein Preis, den ich zahlen muss. Denn ich bin nicht bereit, einfach aufzuhören; kommt es mir doch so vor, als wenn die tatsächlich kritischen Stimmen immer leiser würden. Jene, die denken bevor sie posten. Jene, die nicht auf die billigste und plumpste Hass-Propaganda reinfallen. Jene, die eigene Ideen entwickeln und vielleicht sogar die eine oder andere umzusetzen versuchen. Jene, die nicht mehr Hass und Partikularisierung wollen, sondern mehr Solidarität und Integration.

“Sei du selbst der Wandel, den du in der Welt sehen willst!”.  Viel poetischer wird es hier nicht mehr – weder heute noch sonst wann. Keine Sorge, es wird immerhin auch nicht viel profaner als “IHR LAPPEN”. Aber das muss man als Leser hier abkönnen. Und wenn das jemand nicht passt, weil er sich doch beleidigt fühlt, darf er mir das gerne sagen. Ob’s was an meinem Verhalten ändert, sehen wir dann…

Death-Dislike…

Nehmen wir mal an, Facebook würde einen Dislike-Button einführen. Erscheint geschmeidig, oder? Endlich könnte ich diesen ganzen Idioten, die mich Tag für Tag mit Katzenvideos und stumpfsinniger Nazi-Scheiße fluten mal zeigen, wie sehr mich das nervt. Sounds perfect, doesn’t it? Nehmen wir nun weiterhin an, dass das Nutzen dieses Dislike-Buttons dazu führen würde, dass derjenige, dessen Beitrag ich disliked habe plötzlich einen schlechten Schufa-Eintrag bekommt, deswegen seine Wohnung gekündigt wird, seine Kredite platzen und er mitsamt seiner Lieben auf der Straße steht. Vielleicht wird er sogar entlassen…? Oha, dass wollte ich aber gar nicht – oder vielleicht doch?

Die so genannte Volksrepublik China führt gerade in einigen Modellstädten ein Social Rating System ein, in dessen Punktevergabe zum Beispiel der Konsum kritischer Medien, Freundschaft zu Systemkritischen Individuen, oder gar eigenes abweichlerisches Verhalten zu Abzügen führen. Je niedriger das Rating, desto schwieriger ist an höhere Bildung, Arbeit, Kredite, Wohnungen zu kommen. Das bedeutet, dass nicht sozial erwünschtes Verhalten dazu führt, dass man alle Chancen verspielt, Teil der Gesellschaft sein zu können. Teilhabe ist überall auf der Welt von bestimmten Ressourcen abhängig und wenn ich nicht über diese verfügen kann, gibt es für mich keine Teilhabe.

Momentan fließen “nur” Informationen aus verschiedenen Datenbanken ein, aber letztlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es die Möglichkeit geben wird, andere Menschen direkt up- oder downzuvoten. Der Mechanismus ist einfach. Der Staat definiert in China, was sozialkonformes Verhalten ist, nicht jedoch, wie hier bei uns üblich, die Zivilgesellschaft. Wenn ich staatliche Sanktionen zu fürchten habe, die meine Teilhabe und meinen Wohlstand be- oder verhindern, überlege ich mir drei Mal, bevor ich etwas sozial (oder besser staatlich) nicht erwünschtes tue. Die Folge ist ein Klima der Angst vor Repressalien.

Das gibt es in China auch jetzt schon, doch so ein social rating system ist eine extrem perfide Methode, den Mechanismus der Unterdrückung weitgehend an die Unterdrückten outzusourcen. Denn indem ich den erst Wunsch nach Konformität und daraus resultierendem gesellschaftlichem Erfolg kultiviere und danach die Überwachung der Einhaltung der Spielregeln an die Spieler delegiere, spare ich mir einen Haufen Ressourcen. In dem Moment, da die Menschen an das gegenseitige up- und downvoting adaptiert sind, werden sie dessen Vorzüge für sie selbst entdecken. Unliebsame Konkurrenz? Da aktiviere ich doch mal mein individuelles Netzwerk und lasse einfach den Konkurrenten rausvoten. Und das ist nur eine denkbare Möglichkeit.

Man erzeugt dadurch eine weitgehende soziale Partikularisierung, die das Prinzip “divide et impera” (teile und herrsche) auf perverse Art zu Ende denkt. Wenn meine Bürger damit beschäftigt sind, sich gegenseitig zu beobachten, zu beurteilen und gegebenenfalls zu denunzieren, brauche ich viel weniger Polizei etc., um sie im Zaum zu halten. Das tun die schon selbst. Schaurige Zukunftsvision; zumindest für mich!

Und was sagt uns das über Facebook? Man versucht die – immer wieder laut beschworene – Flut von Hasskommentaren einzudämmen. Was lediglich dazu führt, dass mehr Menschen versuchen auszutesten, was so an Provokation geht. Und der Algorithmus produziert weiter munter soziale Blasen und betreibt so gesellschaftliche Partikularisierung und das sogar ohne die Möglichkeit des Dislikens. Für mich ist Facebook seit jeher eine Wundertüte der Sozialbeobachtung, ein Biotop des eigentlich Undenk- und Unsagbaren. Wenn es nach mir ginge, würde man alle Regulierungsversuche gegen Hate-Speech einfach sein lassen, denn wenn der Pulverdampf sich hebt, haben die Kombattanten dann wenigstens Gelegenheit, sich mal richtig die Meinung zu sagen. Uns fehlt direkter gesellschaftlicher Diskurs. Wie oft tauschen Rechts und Links (wenn man politische Spektren echt so simpel denken will) denn tatsächlich Argumente aus und nicht nur Worthülsen ohne Inhalt?

Wir brauchen sicher keinen social death dislike wie in China; aber wir brauchen wieder echte Diskussion. Hart aber fair, wütend aber ehrlich, ohne denk- und sprechverbote. Sollen doch alle mal sagen, was tatsächlich ihre Meinung ist und dann sehen wir weiter. Ich denke, so ein klärendes Gewitter braucht unser Land dringender, als eine weitergehende Kriegsbeteiligung in Syrien. Schönen Tag noch…

Gemeinde-Notfallsanitäter…?

Auf Facebook zu diskutieren, ist weiß Gott nicht immer fruchtbar, doch in diesem Fall ist es ein muss, dass ich ein Statement veröffentliche, weil es mir am herzen liegt, darauf aufmerksam zu machen, dass das Gesundheitswesen der BRD ein grundlegendes Umdenken braucht und keinen konservativen Sachwalter à la Jens Spahn. Zur Erläuterung: es geht darum, dass in England Advanced Paramedics nach entsprechende Schulung per Gesetzesänderung jetzt auch Medikamente verschreiben dürfen. Artikel und Diskussion finden sich hier! Hier nun meine Replik:

Ich weiß wirklich nicht, warum speziell Vertreter unseres Berufsstandes so entsetzt tun? Es gab schon immer mehrere Gruppen innerhalb des RFP: Jene, die am liebsten ohne jegliches Tiefenwissen pharmakologisches Jugend forscht spielen wollen; jene, die am liebsten alle Verantwortung auf den Arzt abwälzen, aber trotzdem als Retter gefeiert werden möchten; jene, die sich einfach nur eine Nische gesucht haben, in der sie dachten, vom Rest der Welt nicht allzu sehr behelligt zu werden; und tatsächlich auch jene, die sich seit Jahr und Tag FREIWILLIG fortgebildet haben, an ihrem Horizont arbeiten und mit Bedacht an einer Verbesserung des Status Quo für das RFP gearbeitet haben.

Ich muss Ihnen sicherlich nicht erklären, das das Ergreifen heilkundlicher Maßnahmen einer geeigneten Schulung und einer Kompetenz-Delegation bedarf. Mehr habe ich oben nicht gesagt. Wie eine solche Ausbildung aussieht (z.B. die in GB) ist damit nicht ausgesagt. Dass ein NotSan ohne Zusatzausbildung nicht Verschreiber sein kann, versteht sich schon durch NotSanG §4, Abs 2, Satz c. Aber wo steht, dass diese Ausführungen der Weisheit letzter Schluss sind.

Demographischer und Gesellschaftlicher Wandel fordern in (von vielen) nicht geahnter Weise ihren Tribut an das Gesundheitswesen und es ist an der Zeit, quer zu denken, um geeignete Lösungen zu finden. Der so genannte Gemeinde-NotSan könnte Teil der Lösung sein. Und er wäre nicht ohne Präzedenz auf deutschem Boden; man denke bitte an die Gemeindekrankenschwester…

Und der ständige Hinweis auf die Anzahl der Tätigkeitsjahre im RD ist kein hinreichendes Qualitäts-Kriterium, um Ideen abzuqualifizieren. Denn der Satz, der weltweit die meisten Menschen umbringt lautet “Das haben wir schon immer so gemacht!” “

Aus meiner Sicht ist damit alles gesagt.

Generation was-auch-immer…?

Menschen lieben Trends. Trends zu folgen gibt einem in einer (gefühlt) immer entgrenzteren Welt die Gewissheit (das Gefühl), irgendwo dazugehören zu können. Und das hilft doch bei der Bewältigung des Weltschmerzes, oder? Immerhin wissen wir ja seit dem nicht ganz folgenlos gebliebenen Buch von Ulrich Beck, dass wir in einer “Risikogesellschaft” leben. Soziologen, die sich mit ihren Publikationen ins helle Licht der nicht-fachlichen Öffentlichkeit trauen, ergehen sich gerne in Gesellschafts-Diagnosen und legen ebenso gerne auch gleich einen Lösungsvorschlag bei. Wichtig zu wissen ist dabei, dass auch Geisteswissenschaftler Trends lieben – insbesondere, wenn man jeweils ihrem eigenen folgt.

So ist das mit den Bezeichnungen für so genannte Jahrgangskohorten. Ich zum Beispiel gehöre nach üblicher soziologischer Meinung zur Generation X! Wir wären die ersten (und vermutlich auch Einzigen), die ohne den Eindruck des Krieges, dafür aber in dauerhaft wachsendem, allgemeinem Wohlstand groß geworden sind, denkt man. Menschen im nahem Osten, Schwarzafrika und Südamerika mögen das tendenziell anders sehen, aber wenn wir schon wissenschaftlich arbeiten, dann bitte mit reiner Nabelschau, was scheren mich denn die Probleme der restlichen Welt in meinem Elfenbeinturm. Man mag mir meine Polemik verzeihen, denn im Allgemeinen habe ich wohl nichts gegen Soziologen. Manches, was sie beizutragen haben, hilft mir sogar bei meiner Arbeit. Aber so manches möchtegern-kluge Büchlein kommt da doch mit einer arg verkürzten Weltsicht daher stolziert.

Das gilt auch für diesen lächerlichen Trend mit der Generation Y. Man soll es “Generation Why” aussprechen, weil die angeblich alles hinterfragen würden. Tut mir leid, aber wenn ich mir diese “Millenials” oder “Digital Natives” so anschaue und ihnen zuhöre, dann offenbaren nicht wenige von denen – speziell, wenn es um neue (soziale) Medien geht – ein überraschend großes Maß an Naivität im Bezug auf die reale Welt. Dazugehören scheint vielen da wesentlich wichtiger, als Dahinterschauen oder gar selber denken… Womit wir wieder beim Trend wären. Es scheint zum Zeitgeist zu gehören, mehr für sich zu fordern, seinen Wert zu reklamieren, zu widersprechen und Hierarchien anzuzweifeln. Warum das jedoch notwendigerweise so sein muss, diese Erklärung bleiben die Soziologen und auch die Vertreter der “Generation Warum” selbst einstweilen schuldig.

Man könnte konstatieren, dass tradierte Formen des Sozialen sich überlebt haben, weil ja jetzt alles hip und chic und digital und so weiter ist. Wenn man moderne Periodika liest, fragt man sich schon, ob es irgendwo noch Orte gibt, an denen malocht wird – so ganz klassisch im Sinne von Wertschöpfung im Schweiße des eigenen Angesichts. Denn auch in einer Wissensgesellschaft gibt es Arbeit, die manuell erledigt werden muss; die Pflege zum Beispiel. Da gibt es flache Hierarchien schon recht lange. Lässt man seinen Blick eine Weile schweifen, findet man heraus, dass es jede Menge Jobs gibt, die auch heute noch so funktionieren, wie seit Jahrzehnten. Nicht weil es dort keinen Innovationswillen gäbe, sondern weil manche Dinge halt so sind, wie sie sind und die Neuerfindung das Rad nicht runder macht. Und dann kommt so ein Schwafler wie der hier daher und will mir weismachen, dass ich ein sauteures Kommunikations-Seminar brauche, um mit Menschen reden zu können, nur weil die nach 1990 geboren sind…? Echt jetzt?

Sorry, Leute, die Generation Y gibt es so wenig, wie fliegende Schweine ohne Katapult-Benutzung. Und auch, wenn der eine oder andere das jetzt nicht gerne hört: auch die so genannten “digital natives müssen” sich mal daran gewöhnen, dass man Leistung zeigen muss, BEVOR man die Lorbeeren dafür ernten kann. Dass man sich auch einfach mal unterordnen können muss, weil es jemanden gibt, der über einem steht (und das vielleicht sogar mit gutem Recht) . Dass das abgefahrene neue Konzept für jemanden mit viel Erfahrung auch nix anderes mehr ist, als alter Wein in neuen Schläuchen. Und das das Rad an sich, so als Design betrachtet halt einfach schon saugut ist. Denn egal, in welchem Jahr ich geboren wurde – ein bisschen Demut hat noch keinem geschadet.

Ich sage nicht, dass wir keine Innovatoren brauchen, also Leute, die Dinge verändern (wollen). Doch bevor ich verändere, sollte ich mir darüber klar sein, mit welchen Mitteln, auf welchen Wegen ich welches Ziel erreichen will; und ob dieses Ziel eine Verbesserung des Status Quo darstellt. Und das kriegen Leute meiner Generation meist besser hin, weil wir halt ein bisschen mehr Erfahrung mitbringen. Und Tschüss, ihr Lappen.