Teenage meltdowns – adult problems?

Wenn ich so auf die letzten 12 Jahre meines Lebens halbwegs ehrlich zurückblicke, dann kommt immer wieder die Frage auf, was zum Teufel ich hier eigentlich mache. Ich meine… unter dem Strich steht unterdessen ein Leben, frei von existenziellen Ängsten. Sozialer und wirtschaftlicher Aufstieg. Die Erfüllung des einen oder anderen Wunsches. Doch bei den Aufwendungen, da finden sich mittlerweile chronifizierte Arbeitsüberlastung, Depression… und seit neuestem auch die zunehmende Entfremdung vom ältesten Kind. Nun ist mir bewusst, dass sehr viele Teenager zwischenzeitlich zu dogmatischen, unempathischen, asozialen, arroganten, durch und durch egoistischen Miststücken mutieren. Ich kann meine Eltern leider nicht mehr fragen, wie ausgeprägt das bei mir selbst war; sie sind beide schon seit Jahren hinnieden. Ich denke jedoch, dass meine Eskapaden ihnen dann und wann auch Kopfzerbrechen gemacht haben mögen, wenngleich ich mich selbst – natürlich! – immer eher als pflegeleichtes Kind wahrgenommen hatte. Keine Ahnung, wieviel Körnchen Wahrheit an DiESER Legende sind. Aber ich selbst als Vater… ja ich fühle mich im Moment überfordert. Ich habe in letzter Zeit immer wieder gesagt, dass mit der berufsinduzierten Depression ließe sich noch wegatmen, weil zu Hause ja alles in Butter sei. Doch das scheint nun glatt gelogen. Heute Morgen war es mal wieder soweit: eine Petitesse, die sich durch drei Handgriffe aus der Welt räumen ließe mutierte zum Hornberger Schießen zwischen Tochter und bester Ehefrau von allen. Und ich saß da – und wusste nichts zu sagen! Zum einen weil beide Recht und Unrecht zugleich hatten. Und zum anderen, weil in mir ein derartiger Widerwille aufstieg, mich in diese UNNÜTZE BULLENSCHEISSE einzumischen, dass es mehr Energie gebraucht hätte, in die “Diskussion” einzusteigen, als ich derzeit insgesamt aufzubringen vermag. Ich werde mich dieses Wochenende mit der Arbeit befassen müssen, da habe ich nicht auch noch Lust, mich mit Menschen zu streiten, mit denen eigentlich besser kein Streit herrschen sollte…

Hier sitze ich nun eine Weile später vor dem Rechner und weiß immer noch nicht, was ich von all dem halten soll. Denn eigentlich beschäftigt mich eine vollkommen andere Frage: wofür reisse ich mir überhaupt noch den Arsch auf? Warum… ja warum haue ich nicht ein einfach in den Sack und schaue mal, was das Leben MIR noch zu bieten hätte? Warum tue ich mir das immer noch an, obwohl ich merke, dass ich das nicht mehr will und nicht mehr kann? Weder at work noch at home? Warum in drei Teufels Namen halte ich – hüben wie drüben – die Stellung, obschon ich dafür in den letzten Jahren gefühlt immerzu nur auf die Fresse bekomme? Was mache ich hier überhaupt noch? Ich weiß es nicht mehr! Ganz verschissen ehrlich – ich weiß es nicht mehr! Ich bin eine Woche dienstlich weg und meine Wiederkehr ist eine bloße Randnotiz. Das Leben fährt vorbei, während ich, wie hypnotisiert, aus dem Fenster schaue und wahrnehme, dass so vieles, was ich bislang als Landmarke zum Navigieren nutzen konnte, verschwindet – oder schon verschwunden ist – und das ich mir schwer tue, neue Landmarken zu finden. Das unfreiwillig Ironische daran ist, dass man mir im Alltag meine Richtungslosigkeit zumeist nicht anzumerken scheint, weil meine Haltung und meine Überzeugungen noch funktionieren; ich würde vermuten, weil ein humanistisches Menschenbild recht zeitlos ist. Doch in mir drinnen, da ist Chaos! Aufbruch! Übergang! Und ich weiß noch nicht wohin. Bin ich meiner Tochter darin ähnlich? Wäre möglich, denn als sozialpsychologisch geschulterm Menschen ist mir natürlich bewusst, dass solche Transitionsphasen im Leben des Menschen häufiger vorkommen. Ich glaube nur, mich nicht entsinnen zu können, dass es schon mal so wild war. Als ich aus der Schule ins Arbeitsleben überwechselte, da war das, im Vergleich zu jetzt, ein “Soft Opening”, weil ich zuvor ja schon für Geld gearbeitet hatte. Mir war vorher nur nicht bewusst gewesen, wie viele machtgeile, selbstgefällige Arschlöcher in Hilfsorganisationen an Entscheiderstellen sitzen. Doch so habe ich schließlich eine Ahnenreihe an miesen Chefs aufgehäuft, von der ich dachte, sie hätte mich stressfester gemacht. Weit gefehlt…

Jetzt im Moment, da fahre ich auf Sicht und weiß nicht, wohin ich will. Ich denke immer noch, immer wieder darüber nach, hinzuschmeißen und mir einen anderen Job zu suchen. Ich ertrage diese selbstgefälligen, egoistischen, intriganten Amateure an anderer Stelle im Land einfach nicht mehr. Und ich weiß wirklich NICHT, wie ich mit diesem Kind umgehen soll. Nun gibt es bestimmt irgendwo so einen NEUNMALKLUGEN BESSERWISSERISCHEN FLACHWICHSER, der irgendwas davon faselt, dass das doch nur Luxusprobleme wären, weil irgendwo anders Menschen verhungern, die gerne meine Probleme hätten. Fair enough, Arschloch – allerdings bringen diese Luxusprobleme auch Menschen um. Schon mal was von psychischen Erkrankungen und Suizidalität gehört, du dummes Schwein? Ganz ehrlich – ich will keine Ratschläge von besserwisserischen Küchenpsychologen, die keine Ahnung haben, wie sich das anfühlt. Ich will auch keine fertige Lösung. Ich suche nach der Kraft, selbst damit fertig zu weren. Und es hier aufzuschreiben, ist für mich ein Teil dieser Suche. Ob ich mich jetzt schon besser fühle? Kein bisschen! Ob ich schon klarer sehe? Nicht wirklich! Aber solche Prozesse brauchen Zeit. Ich glaube, mir ist gerade erst WIRKLICH bewußt beworden, dass ich in einigen Wochen 52 werde und damit offiziell weit mehr als die Hälfte rum ist. Und ich frage mich – wenn derzeit auch noch weitgehend unbewusst – geht diese Scheiße jetzt einfach immer so weiter, bis ich irgendwann (endlich) in die Kiste fallen darf? Läuft es tatsächlich darauf hinaus, dass ich ab jetzt – immer schön passiv, duldsam und friedlich – auf den Undertaker warten soll? NO – FUCK YOU – NO! Das werde ich nicht akzeptieren! Aber, was aus dieser Nichtakzeptanz folgen soll… das muss ich erst noch rausfinden. Für heute muss mir genügen, mich vor weiteren Anfechtungen zu schützen und wenigstens ein bisschen Erholung zu finden. Wie auch immer das im Moment gehen soll. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°59 – Aus dem Handgelenk…?

Man neigt einfach zu oft dazu, das Rad neu erfinden zu wollen. Es gibt ja dieses Sprichwort: “If you want the job done well, do it yourself!” Und als Mensch in einer Leitungsposition huldige ich diesem Credo immer noch, weil ich viel zu oft dem Irrtum aufsitze, Dinge viel besser zu können als andere. In manchen Belangen mag das ja von Fall zu Fall zutreffen, doch eben nur in manchen… und es macht einem das Leben schwer, weil der Workload dadurch halt NICHT kleiner wird… Im Grunde genommen zeigt es überdies einen Mangel an Vertrauen in die Skills der eigenen Kolleg*innen. Daher versuche ich unterdessen, mich in diesem Punkt zu bessern. Aktuell noch mit wechselndem Erfolg, aber es ist ja auch noch nicht aller Tage Abend. Insbesondere jetzt wäre es auch dumm, alles selbst machen zu wollen. Ich bin einmal mehr mit einer neuen Klasse auf Einführungswoche und habe auch – wie eigentlich immer – einen Teil des Unterrichtes übernommen. Doch ich stelle fest, dass es viel einfacher wird, wenn ein zweiter Kollege dabei ist, der Input gibt und ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie eine solche Veranstaltung abzulaufen hat. Man hat gar nicht die Chance, alles so zu machen “wie immer”. Mannomann… dass ausgerechnet ICH hier feststellen muss, dass ich beinahe diesen dämlichsten aller Sätze gesagt hätte “Das haben wir schon immer so gemacht!”. Na ja, ist ja nicht passiert. Aber einige Male war es schon so, dass ich ein Programm abgespult habe und nicht immer war ich dabei flexibel genug, auf die Bedürfnisse der Schüler*innen richtig einzugehen. Und ich war oft zu sehr auf mich gestellt… alle möglichen Fehler inclusive. Das ist nun besser. Und es entlastet mich so sehr, dass ich den Unterricht, der mir nächste Woche eben zugefallen ist jetzt tatsächlich wenigstens einigermaßen vorbereiten kann, ohne das komplette Wochenende opfern zu müssen! Yay…

Ich glaube, hier schon des öfteren erwähnt zu haben, dass auch jemand mit Berufs- und Lehrsaalerfahrung sich für manche Themen immer wieder an die Bücher setzen muss, um keinen Mist zu erzählen. Das geht mir nicht anders; auch wenn ich schon so einiges ohne viel Tralala performen kann. Aus dem Handgelenk schüttelt man Unterricht dennoch so gut wie nie. Zumindest nicht ab einem gewissen fachlichen Niveau. Was man als erfahrene Lehrkraft aus dem Handgelenk schüttelt, sind Unterrichtsverlaufspläne, die passenden Methoden, das Classroom-Management, die Souveränität und den gelassenen Umgang mit Fehlern und Störungen. Der fachliche Content jedoch – der muss immer wieder überprüft und überarbeitet werden. Zum einen, weil Wissen als solches überaltert, vor allem aber, weil mein Gedächtnis mich manchmal bei den Details im Stich lässt. Theoretisches Wissen, das man nicht so oft in der Realität nutzt, degeneriert nämlich automatisch. Ich merke das an meinen Französischkenntnissen. Ich habe diese Sprache mal auf Leistungskursniveau bis zur allgemeinen Hochschulreife erlernt, aber wenn ich heute Konversation machen soll, frage ich mich, wie ich damit mein Abi geschafft habe…? DAS ist zwar schon Jahrzehnte her, aber beim medizinischen Fachwissen merke ich, dass oft nur ein paar wenige träge Monate bereits genügen, um Lücken entstehen zu lassen, die erst gestopft sein müssen, bevor ich meinen Schüler*innen entgegentreten und glaubwürdig referieren kann. Ich fahre halt nicht mehr aktiv draußen, sondern habe in der Hauptsache andere Aufgaben.

Nun ist da aber auch noch ein anderer Aspekt, der eine Rolle spielt. Ich bin, wenn ich ehrlich zu mir sein möchte, ein eher introvertierter Mensch. Ich hatte noch nie Probleme, auch mal für mich zu sein und mir selbst zu genügen. Tatsächlich sind größere Menschengruppen für mich NICHT unbedingt mein bevorzugtes Habitat. Als Lehrer stehst du aber nun mal volles Programm in der Bütt. Da vorne, wo die Musik spielen sollte, DA bist du. Und oft strengt es mich deshalb unendlich an, manchmal bin ich furchtbar gestresst, regelrecht gelähmt und fahrig und habe das Gefühl eine entsetzliche Performance abzuliefern. Könnte natürlich auch an meiner perfektionistischen Ader liegen – aber vor allem liegt es daran, dass ich diese ganze Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht möchte. Da können jetzt natürlich die Schüler*innen nix für, die haben einfach ein Recht auf Unterricht. Also unterrichte ich, auch wenn es schwer fallen mag. Genau deswegen schüttele ich einen Unterricht aber nicht mal so eben aus dem Handgelenk – eben weil es meine sozialen Batterien sehr schnell und nachhaltig lehrt. Vor allem, wenn ich gleich mehrere Wochen am Stück muss. In so einer Berufsfachschule unterrichten wir nämlich so ca. von 08:30 – 15:30 und werden auch in unseren eigenen Pausen beansprucht, wenn wir dem nicht entgegentreten. Und die Vor- und Nachbereitung findet zusätzlich statt; davor, danach, oder am Wochenende. Deshalb bin ich dankbar, momentan nicht alles selbst machen zu müssen. Man hat ja auch gerne mal Freizeit.

Ich bin wirklich gespannt, wie sich diese neuen Schüler*innen, welche ich in den letzten Tagen schon etwas besser kennenlernen durfte unter der Führung und Anleitung durch meinen Kollegen entwickeln. Aber ich bin ganz ehrlich auch froh, wenn ich morgen Mittag wieder gen Heimat fahren kann. Zum einen bin ich mit den Vorbereitungen für nächste Woche noch nicht fertig und zum anderen brauche ich dann meine heimatliche Höhle; incl. der wenigen Menschen, denen ich immer gehöre. In diesem Sinne – freut euch schon mal ein bisschen auf’s Wochenende. Heute ist ja Kleiner Freitag…

Quo vadis, magister?

Ordnung in all das zu bringen, was mir derzeit durch den Kopf geht, ist nicht einfach. Da ist so viel, dass passiert, ohne dass ich daran beteiligt bin oder irgendeinen einen Einfluss darauf hätte; und dass einem gleichzeitig Sorge bereiten kann, dass es jeder Beschreibung spottet. Und dann ist da noch der ganze andere Schlonz, den ich tatsächlich aktiv im Auge behalten muss, weil es mich ansonsten Freunde, Nerven, Geld, meinen Job oder was auch immer kosten kann. Leben passiert, während wir eifrig Pläne schmieden und die Götter sich gleichzeitig über unsere Naivität kaputtlachen. So weit, so normal. Ich glaube, gestern darüber geschrieben zu haben, dass man sich mit manchen Dingen einfach abfinden sollte, wenn man (immer noch) danach heischt, glücklich(er) zu werden. Das könnte man jetzt als billigen Fatalismus abtun. Oder man beginnt, ernsthaft über die Frage nachzudenken, wie viel Kontrolle wir wirklich wirklich über unsere Existenz haben. Disclaimer: das Ergebnis könnte in weniger stressfesten Individuen eventuell Unbehagen auslösen. Und trotzdem machen wir Pläne. Meine Familie und ich wollen etwa über Pfingsten in Urlaub fahren. Ist alles schon gebucht und soweit vorbereitet. Aber sicher wissen, dass es auch klappt tue ich erst, wenn ich unter der Pergola sitze, ins Tal schaue und an meinem vino rosso nippe; oder was mir sonst so zur Entspannung in den Sinn kommt. Ich erinnere hier mal wieder an das, unterdessen gut abgehangene Stereotyp des rotweinsaufenden Paukers auf Italienfahrt… Mir sind all diese kleinen und großen Unwägbarkeiten des Lebens schmerzlich bewusst. Mein großer schwarzer Hund namens Depression erinnert mich halt immerzu daran. Doch, all dem Gejammer zum Trotze ist da im Kern ein Teil von mir, der Reframing beherrscht, der sich auf die guten Dinge besinnen und sie wenigstens zeitweise ins Rampenlicht meines Gehirnzirkus’ rücken kann. Was auch immer diese guten Dinge von Fall zu Fall sein mögen. Denn auch das variiert, je nach Tageslage, teils erheblich. Mein Leben ist also eine verdammt ambivalente Angelegenheit. Aber ich habe die vage Ahnung, dass ich DAMIT nicht allein bin…

Vor meinem geistigen Auge fahre ich gerade über eine baulich waghalsig serpentinierte, panoramisch Atemnotfördernde, von Sonnenlicht überflutete Passstraße, die Fenster unten, die Musik laut, der Tag noch nicht zu spät. Ziel? Unbekannt! Ist auch nicht wichtig; Hauptsache, nicht hier! Was ich dort will? Nun… vielleicht ist das Ziel unwichtig, weil der Weg so viel Spaß macht? Ob ich jemanden dabei habe? Vielleicht… vielleicht auch nicht. Das hängt vom Tag und vom Ort ab. Möglicherweise fahre ich nur einkaufen. Oder aber, ich suche gerade Ruhe, selbst vor den Menschen, die mir grundsätzlich am Herzen liegen, weil ich nun mal so bin. Manchmal brauche ich etwas Einsamkeit. Ich kann geradezu die Sonne auf der Haut spüren… und die Wärme des Windes. Und dieses wunderbar unbestimmte, unbeschwerte, unvernünftige, unverplante Gefühl von Freiheit. Stattdessen werde ich heute jedoch noch mal in die Dienststelle tingeln und meinen Dienstwagen fertig packen, denn ab morgen bin ich mal wieder auswärts unterwegs, um eine neue Klasse zusammen mit ihrem Klassenlehrer durch die Einführungswoche zu begleiten. Es geht dabei darum, einander kennenlernen, den Ablauf der Ausbildung zu verstehen, die Wichtigkeit sauberer Kommunikation zu begreifen (oder wenigstens damit zu beginnen), sich an verschiedene Modalitäten des Unterrichts an unserer Institution zu gewöhnen. Alles keine Nuklearphysik. Aber zeitaufwändig. Und ein Stück von Zuhause entfernt. Ich weiß gerade nicht, ob ich mich darauf freuen, mich darüber ärgern oder mich davor fürchten soll, dass ich in den nächsten Wochen noch ein paar Mal dienstlich im Ländle unterwegs sein werde. Weil ich gerade mal wieder mit der Frage ringe, was ich eigentlich will. Klingt komisch aber… der Gedanke, all das einfach sein zu lassen und stattdessen was völlig anderes zu machen lässt mich seit einer Weile nicht mehr los. Und auch, wenn ich im Grunde WEISS, dass das sehr schwer würde (weil wahrscheinlich Gehaltseinbusse, weil Jobsuche für über 50jährige schwierig, weil woanders ist es auch scheiße, weil neu starten anfangs noch mehr Stress mit sich bringt), dreht mein Kopf trotzdem Extrarunden. Was auch sonst, wenn man eigentlich Ruhe haben möchte…?

Ich will wirklich und ehrlich versuchen, mit dem was ich habe meinen Frieden zu machen. Aber ich bin immer noch, immer wieder, immerzu erschöpft unruhig. Mein Kopf will JETZT in drei verschiedene Richtungen davonlaufen, während mein Körper schreit “LASS DEN SCHEISS! WILLST DU, DASS ICH KAPUTTGEHE?” Was also tun? Wohin soll er gehen, der Herr Lehrer? Derzeit versuche ich meinen Geist mit meinem Lieblingshobby zu beruhigen. Stabil ein bis zwei Spielrunden pro Woche, abwechselnd spielen und spielleiten, das ist hier das Ziel. Denn meinen Job – sorry, wenn ich jetzt arrogant klinge – kriege ich zumeist hin, ohne dass das Hemd dabei nass wird. Und der ist mir im Moment – wenn man mal von meinem Commitment für mein Team und jene Schüler*innen absieht, die es ernst meinen und mit uns zusammen an ihrem Ziel eines Berufsabschlusses arbeiten wollen – auch nur insofern wichtig, als er die Brötchen verdient… Also bin ich wieder bei jenen kreativen Dingen gelandet, die mir schon seit jeher Freude bereiten. Momentan habe ich einen riesigen Spaß daran entdeckt, aus meinen Campaign-Journals für die ganze Runde eine Art Notizbuch zu machen. Digital erstellt – aber alt aussehend. Macht total Laune. Und für mich ist dieses Erstellen von Zusammenfassungen auch ein Teil des Spiels, weil man sich vieler Aspekte der eigenen Figur erst in einer solchen Reflexion bewusst wird. Das würde meine Azubis jetzt zwar schocken aber… das mit dem selbst erarbeiten und reflektieren, um besser – oder überhaupt – verstehen zu können, funktioniert wirklich! Krass, oder…? Für’s Erste hilft das. Aber irgendwann MUSS ich mich der Systemfrage stellen und eine Entscheidung darüber treffen: Quo vadis, magister? Should I stay, or should I go? (Hell yes, “The Clash” wussten schon 1982 Bescheid!) Euch Eumeln da draußen einen schönen Start in die neue Woche. Ich starte morgen früh erst mal den Diesel Richtung Südosten…

Auch als Podcast…

What about happiness (Part 6) meets New Work 26!

Heute Morgen, als ich trotz Wochenende ein bisschen arbeiten musste, fragte mich ein alter Weggefährte, wie es mir gerade ginge. Ich sagte sinngemäß, dass meine Depression seit ca. 9 Monaten wieder kicken würde (was der Wahrheit entspricht), dass ich daher derzeit einen Therapeuten aufsuche (was ebenfalls korrekt ist) und dass ich dächte, langsam über den Peak zu sein – worüber ich mir mir ehrlich gesagt noch nicht im Klaren bin. Ich glaube eigentlich nicht, dass das wahr ist. Aber mit Depression ist das so eine Sache: es gibt verschiedene Typen und verschiedene Darreichungsformen. Bei mir ist es vielleicht eine hochfunktionale Depression, für die es jedoch, auf Grund der noch nicht ausreichenden Befundlage in der Forschung keinen Diagnoseschlüssel gibt. Es geht mir aber auch gar nicht so sehr um ein Label für meinen Zustand. Wir Menschen suchen ja immerzu nach griffigen Schlagworten, um verschiedene Aspekte unseres Selbst, unseres Lebens, unserer Arbeit unserer Befindlichkeiten den Anderen einfacher beschreiben zu können. In der Hoffnung dass es a) irgendeine Sau interessiert und b) dann auch Verstehen oder gar Verständnis erzeugt. Klappt, wenn ich so auf meine persönliche Erfahrung zurückblicke mal so, mal so. Aber ganz ehrlich, mir sind – bis auf wenige Ausnahmen – diese Anderen vollkommen schnuppe. ICH will verstehen, was mit MIR los ist. Und fertig. Denn wenn ich bis hierher eines festgestellt habe, dann dass ich mir sehr wohl auch mal selbst genug sein kann. Ist auch so eine Sache: ich bin eigentlich oft lieber allein. Der soziale Umgang mit größeren Gruppen erschöpft mich recht schnell. Eigentlich keine gute Voraussetzung für jemanden, der eine Bildungseinrichtung im Gesundheitswesen leitet und dabei regelmäßig selbst im Lehrsaal steht. Dennoch kann ich performen. Kann den Austausch gestalten, sobald ich in der Bütt stehe und empfinde manchmal sogar Freude daran, jungen Menschen als Reflexionsfläche für ihr Wachstum dienen zu können. Nur um danach JEDES MAL in ein Loch zu fallen. Irgendso ein Psychoheini hat dafür auch ein neues Label gefunden, aber ich weigere mich, mir das Etikett “otrovertiert” aufkleben zu lassen, weil mache Aspekte einfach nicht stimmen… Wie gesagt, Label sind mir egal.

Um auf den alten Weggefährten zurückzukommen: solche, durchaus ehrlich gemeinten Nachfragen werfen mich jedes Mal in Denkschleifen, von denen ich mir nicht sicher bin, dass die irgendwohin führen (können). Ich meine, ja verdammt, ich bin ein großer Freund ehrlicher Selbstreflexion. Ich weiß aber auch, dass man bei übertriebener Intensität direkt die Vorhölle der Selbstzerfleischung geraten kann. Und da will ich nicht hin. Dafür habe ich noch viel zu viel auf meiner Liste von Dingen, die ich gerne noch sehen, hören tun, erleben, schmecken möchte. Trotzdem bemerke ich immer noch die Freudlosigkeit, einen Mangel an Selbstwertgefühl (obwohl ich WEISS, was ich kann und wer ich bin) und gelegentliche Episoden, in denen ich aller Dinge überdrüssig bin. Es ist ehrlich gesagt anstrengend, jeden Morgen aufzustehen, die Maske des Machers aufzusetzen, für andere stark zu sein und neue Wege zu finden, wo andere nur Sackgassen und Risiko sehen – wenn ich mich doch innendrin so entsetzlich leer fühle. Hey… ich schreibe diese Zeilen an einem Samstagvormittag, während aus dem Bluetoothspeaker auf meinem Schreibtisch Musik ertönt, die ich mag, draußen die Sonne scheint und sich am Rande meines Bewusstseins eine Aura von Gemüsereis und gebratener Lammhüfte positioniert. Objektiv geht es mir gut! Ich habe im Gegensatz zu sehr vielen Anderen keine existentiellen Sorgen (außer ein paar idiotischen Autokraten als Mächtigen dieser Welt – und ja Fritze: du führst dich auch auf wie ein idiotischer Autokrat!). Ich habe ein paar sehr tolle Menschen in meinem direkten Lebensumfeld. Und auch, wenn mein Job mich in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht an den Rand und manchmal auch darüber hinaus getrieben hat, bin ich immer noch nicht bereit, die Flinte ins Korn zu werfen. Vielleicht ist das der Fehler? Vielleicht ist das der Grund, warum es mir schlecht geht? Dennoch gibt es Entwicklungen, die mich diesbezüglich Hoffnung schöpfen lassen. Aber… was hat das alles nun mit Happiness zu tun?

Ich glaube mittlerweile für mich herausgefunden zu haben, dass Happiness, dass Glück oder Erfüllung, oder weiß der Geier, wie man es nennen will, daraus entsteht, dass man lernt, Dinge zu akzeptieren, an denen man eh nichts ändern kann. Damit meine ich explizit nicht Nazis. Die MUSS man zu ändern versuchen, oder sie bekämpfen, vertreiben oder ihnen auf’s Maul geben, bis sie aufgeben. Diese Energie MUSS investiert werden, egal, wie depressiv ich werde. Aber… ganz ehrlich, bei der Arbeit… Scheißegal, wie oft irgendjemand Loyalität, Gute Wege und was-weiß-ich-nicht-noch-alles beschwört – für deinen AG ist Loyalität allzuoft eine Einbahnstraße – die bei DIR startet. Dein AG nimmt dich nicht in den Arm und tröstet dich, wenn es dir gerade dreckig geht. Dein AG will nicht wirklich wissen, dass du gerade nicht zu 100% funktionieren kannst, weil du krank bist, sondern ab wann du wieder 110% Leistung für 90% Gehalt geben kannst. Dein AG ist NIEMALS dein Freund, sondern IMMER nur eine Instanz, bei der du Lebenszeit gegen Geld eintauschen MUSST. Dein AG mag vordergründig ein freundliches Gesicht und warme Worte für dich haben, aber am Ende geht es immer nur um Zahlen, Zahlen, Zahlen. Am Ende des Tages bist du nur eine Nummer: austauschbar, stetiger Kosten-Nutzen-Betrachtung unterworfen und nur gut behandelt, solange du lieferst. Wenn du das verstanden hast, wirst du langsam freier. Weil du dir genau überlegst, wofür du deine Energie einsetzt, welche Kämpfe du kämpfst und ab wann es Zeit ist, Segel zu setzen, um neue Küsten zu erforschen. Ich habe es hier schon ein paar Mal gesagt: wenn ich könnte, wie ich wollte, keine Verpflichtungen hätte, würde ich was vollkommen anderes machen – weil es mir verdammt noch mal viel besser täte als mein jetziger Job. Aber ich HABE Verpflichtungen, die ich ernst nehme. Und ich empfinde echte Loyalität für mein Team und die mir anvertrauten Schüler*innen. Also habe ich angefangen, Grenzen zu setzen. Momentan weiß man noch nicht so genau, was man davon halten soll. Aber ich bin noch nicht fertig mit dem Grenzen setzen. Nochmal ganz ehrlich: selbst wenn ich mich damit der Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt aussetze: ein paar dieser lächerlichen Figuren, die mir seit Jahren auf die Eier gehen bekommen dieses Jahr ganz sicher noch ihr Fett weg. Vielleicht bin ich danach wieder fähig, mehr Freude zu empfinden. Gute, altmodische RACHE hat schon so ihre Reize. Ich wünsche ein sonniges Wochenende… und ein viel sonnigeres Gemüt, als ich eines habe…

Auch als Podcast…

Gott, bin ich männlich…?

Ich denke, ehrlich gesagt, nicht oft über die Frage nach, ob ich männlich bin. Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, war ich zumindest noch männlichen Geschlechts. Aber was bedeutet das schon? Ich bin aufgewachsen in einer Zeit (den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts), als dümmliche Blondinen-Witze, das Seite-Eins-Girl auf dem (leider) extrem reichweitenstarken Boulevardblättchen BLUT – ähm, ich meine natürlich BILD – und Oben-Ohne-Kalender in der Werkstatt noch die Regel waren. Ich bekam demnach eine unhealthy dose of Alltagssexismus von Kindesbeinen an serviert. Und natürlich habe ich auch meinen ungesunden Anteil an den dämlichen Sprüchen gerissen und mich manchmal aufgeführt wie ein egoistischer Arsch, weil das damals jeder “Kerl” so gemacht hat. Gottseidank fing ich irgendwann an, die Dinge zu hinterfragen. Spätestens, seit ich Pen’n’Paper als meinem Lieblingshobby nachgehe, habe ich auch angefangen, mit dem Thema Rollenübernahme zu experimentieren. Das und vor allem der Umstand, dass mein Interesse für die Sozial- und Geisteswissenschaften schon früh geweckt wurde, führten dazu, dass ich irgendwann mit Sexismus immer weniger anfangen konnte; und das, obwohl ich damals dann in einem noch ziemlich männerlastigen Milieu gearbeitet habe. Der Rettungsdienst in der 90ern war zum größten Teil eine Spielwiese für eisenharte Macho-Sanis… oder diejenigen, die sich (meist zu Unrecht) für welche hielten. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann begann ich wohl zu verstehen, dass derartiges dummes, stereotypes Verhalten auf lange Sicht niemanden irgendwohin bringt. Dass meine beste Ehefrau von allen sich von mir noch nie irgendwas Dummes hat gefallen lassen, tat sein Übriges.

Wenn ich mich heute so umsehe, dann erschrecke ich. Ich erschrecke, wenn ich sehe, dass in Umfragen ein nicht unerheblicher Anteil (wir reden von einem DRITTEL!) der befragten jungen Männer Gewaltanwendung als legitimes Mittel zum Erreichen von Dominanz innerhalb heterosexueller Beziehungen sieht. WHAT! THE! FUCK! Warum habt ihr DUMMEN KINDER völlig vergessen, dass Männer und Frauen – rein rechtlich – gleichberechtigt sind? Warum glaubt überhaupt irgendein Kerl, dass es legitim sei, sich in einer Beziehung gegegnüber irgendwem mit Gewalt durchzusetzen? Und nein… nur der Umstand, dass Gruselgestalten wie Andrew Tate in den asozialen Medien höchst präsent sind und dort ein völlig absurdes Frauenbild, Misogynie und toxische Männlichkeitsideale predigen, trägt nicht allein daran Schuld, dass wir hinsichtlich der Emanzipation gerade einen reaktionären Rollback in die 50er und 60er des vergangenen Jahrhunderts erleben. Wobei mich das Aufkommen der sogenannten Tradwifes als Randphänomen des Reaktionismus schon mehr als nur ein bisschen irritiert. Ich erschrecke darüber, dass auch politische Strömungen, die man noch vor einigen Jahren als evtl. insgesamt konservativer, aber ansonsten den demokratischen Werten und damit auch der Emazipation verpflichtet wahrgenommen hätte, heute mit einer derartig gestrigen Propaganda um die Ecke kommen, dass es einem die Schuhe auszieht. Sorry, aber die CDU/CSU mit ihrem “Heimchen muss an den Herd”-Blackrock-Mittelstands-Kanzloiden Fritze “damals war die Welt noch in Ordnung” Merz kann ich als demokratische Kraft nicht mehr ernst nehmen! Das ist keine Kunst – das kann weg. Auf den Müllhaufen der Geschichte, zusammen mit seinen Blaubraunen Freunden aus AFF-DE-istan. Widerliches, reaktionäres, dem eigenen Volk ein Feind seiendes, antidemokratisches Geschmeiß, angetriebenen lediglich vom niedersten aller Instinkte: Gier! Vor allem Gier auf Macht. Aber ich schweife gerade mal wieder ab.

Es ist heutzutage en vogue, dass am einen Ende des Diskussionsspektrums Leute über “toxische Maskulinität” sprechen, die einfach keine Ahnung haben, was Maskulinität im 21. Jhdt. bedeuten könnte oder müsste, sondern einfach nur – oft um des Clickbait oder des eigenen Dogmas Willen – (junge) Männer bashen; oft genug ohne NOT und ohne zu wissen, was sie den jungen Leuten damit antun.. Und am anderen Ende toben sich jene Männer aus, die das unterdessen widerlegte Märchen vom Alpha-Wolf (in freier Wildbahn ist das Verhalten ein vollkommen Anderes), dem einsamen Entscheider, dem Macher, dem Macho immer wieder und immer wieder aufkochen, um sich und andere darüber hinwegtäuschen zu können, dass sie im Grunde ihres Herzens einfach nur verängstigte Würstchen sind, die andere (vor allem Frauen) unterdrücken MÜSSEN, um sich so wenigstens ein bisschen Selbstwertgefühl verschaffen zu können. Und dazwischen? Da liegt, wie so oft heutzutage, ein Niemandsland voll scharfer Shitstorm-Minen, die nur darauf warten, dass irgend so ein Fuzzi daher kommt und fragt, ob es auch anders geht! By the way… geht es eigentlich auch anders? Spaß beiseite. Junge Männer – oder besser Jungs, die sich für solche halten – haben in der beschriebenen Situation keine wirklich sinnvolle Wahl. Doch die eigene Maskulinität kann sich nur im spielerisch-ambivalenten Messen mit Anderen entwickeln. Väter leisten hierbei heutzutage oft keinen sehr guten Dienst. Und die anderen zur Verfügung stehenden Idole? Tja… die heißen manchmal Andrew Tate und manchmal nicht. Zweifelsohne müssen Männer und Frauen sich auf mannigfaltige Art ausprobieren können, um sich selbst finden zu können. Maskulinität ist für jeden Mann Teil seiner Persönlichkeit! Aber was macht einen Mann denn nun männlich?

Sagen wir mal so: darüber kann und sollte man streiten. Männer dürfen gerne stark sein, wenn sie ihre Stärke nutzen, um etwas sinnvolles zu erschaffen, humanistische Haltung und Werte weitergeben, oder ihre Lieben vor Unheil schützen. Was einen Mann aber in keinem Fall männlich macht sind: Misogynie und Chauvinismus bis hin zur tatsächlichen Ausübung von Gewalt gegen Frauen! Das Verlangen nach Dominanz in Paarbeziehungen! Das Ignorieren oder Negieren der eigenen Verantwortung für eine gelingende Beziehung – oder Erziehung, sofern man Kinder in die Welt gesetzt hat! Das Durchsetzen der eigenen Bedürfnisse um jeden Preis! Das alles macht einen bestenfalls zu einem ekelerregend machomäßigen, egoistischen Stück Scheiße, dass besser alleine in einer Höhle im Wald wohnen sollte, ohne jemanden mit seiner vollkommen verqueren Ideologie auf den Sack oder die Eierstöcke zu gehen! Wie man dahin kommt? Wir könnten mit dem ernsthaften Versuch anfangen, für unsere Kinder und Jugendlichen eine Onlinewelt zu schaffen, die wenigstens weitgehend frei von misogynen, chauvinistischen, rassistischen, faschistischen und sonstwie menschenverachtenden Inhalten ist… Das wäre doch schon mal was. Und ansonsten ist es eine Aufgabe ALLER Eltern, ihren Kindern jeden Tag die humanistische, demokratische und emanzipatorische Haltung vorzuleben, die es braucht, damit aus Jungen starke, anständige, selbstbewusste Männer werden, die es nicht nötig haben, überhaupt irgendwen zu unterdrücken. Diese Feststellung führt gerade dazu, dass ich mich grusle, denn vielen da draußen gebricht es ja gerade an diesen Werten. Also muss ich selbst ran! Alles andere hilft nix. In diesem Sinn – Frohe Ostern. Und denkt immer daran: man(n) kann auch ohne dicke, bunte Eier männlich sein…

Auch als Podcast…

Writing Fiction #02 – In style!

“You develop taste, long before you develop skill” Matt Colville sagte das vor mittlerweile über sechs Jahren in einem seiner Videos. Und ich hatte noch nicht gleich verstanden, was das für mich bedeuten sollte. Heute weiß ich: man entwickelt, wenn man viel liest, zuerst ein sehr feines Sensorium für Stil, für semantischen Gehalt, für Satz- und Textaufbau; eben für all diese Dinge, die ausmachen, ob man einen Text mag, oder nicht. Nicht jeder Autor spricht einen dabei an, selbst wenn dieser alle Ratschläge aus dem Youtube-Lektoren-Handbuch gewissenhaft umgesetzt hat. Denn der offenkundige Versuch, servil um die vermeintlichen “Lesegewohnheiten” dieses oder jenes Publikums herum zu scharwenzeln mag vielleicht irgendwelche Easy-Reading-Opfer zum Kauf veranlassen. Es killt jedoch auch die Seele der eigenen Schreibe. Natürlich kippt niemand einfach so den First Draft eines Textes in die Welt. Aber seinen Text polieren zu wollen, um dieses oder jenes Kriterium zu erfüllen, macht zumeist weder den Autor glücklich, noch ist es eine Garantie, so erfolgreich zu werden, dass man davon leben kann. Es geht in allererster Linie darum, etwas zu schreiben, dass einem selbst gefällt! Dass dabei auch ausdrückt, was in einem selbst gerade gesagt werden möchte! Dass einen selbst als Mensch reflektiert! Dass die eigene Geschichte so erzählt, wie man sie auch woanders als auf dem bedrucktem Papier oder dem digitalen Display erzählen würde. All diese Aspekte bewusst beim eigenen Schreiben erleben zu können, bedarf jedoch der Übung; oder vereinfacht gesagt: ihr müsst schreiben, schreiben und noch mal schreiben, um besser schreiben zu können. So wie bei allen anderen Skills auch! Ich habe folglich sehr viele Texte geschrieben, die NIEMALS irgendjemand zu Gesicht bekommen wird, weil sie alle Fehler machen, die man in einem Text machen kann: sie nehmen einem die Fantasie, weil sie zu viel erklären. Sie ersticken in ihren eigenen Klischees, und hantieren mit Charakteren, die anstatt eigenständiger Figuren bloße Schablonen sind, die sich überdies nicht entwickeln. Sie mixen Genreaspekte, die man besser nicht mixen sollte. Sie arbeiten mit Deus Ex Machina und Zufällen, die ich keinem Serienautor heute noch abnehmen würde. Und so weiter und so fort. Jeder Mensch, der sich mit dem Schreiben etwas ernsthafter befasst, besitzt irgendwann einen reich gefüllten Giftschrank des Unlesbaren. Und jetzt kommt auch noch KI dazu…

Was mich persönlich in diesem Zusammenhang am meisten abschreckt, ist der Umstand, dass mittlerweile Bücher auf den Markt drängen, die so offenkundig mit Hilfe der Chatbots von Large Language Models (dass, was wir blöderweise künstliche Intelligenz nennen) erzeugt wurden, dass man sich fragen muss, wann irgendjemand endlich OpenAI und dieses ganze andere Tech-Bro-Geschmeiß aus den Faschistischen Staaten von Amerika so derbe zu Rechenschaft zieht, dass sie für den Rest ihres Lebens beim Scheißen Schmerzen haben… Die haben Texte geklaut – und tun dies immer noch – und ihre kackfreundlichen Algorithmen verwursten und verunstalten die Textfragmente, mit denen man sie “trainiert” hat auf so grauenhaft uninspirierte Weise, dass man sich ehrlich zu wünschen beginnt, künftig nur noch Grundschüleraufsätze lesen zu müssen! Die wurden wenigstens von einem Menschen geschrieben. Nur noch mal zum Mitschreiben für all die Trottel, die das noch nicht verstanden haben: KI kann keine Creatio ex nihilo! Diese beherrschen nur Menschen! ALLES, was KI produziert, ist ein Mash-Up., Re-Mix oder schlicht nur ein unverschämter Klau von Dingen, die MENSCHEN ZUVOR ERSCHAFFEN HABEN! Merkt euch das – und wenn ihr ein Buch verkaufen wollt, dann schreibt es gefälligst selbst! Und nur, um das an dieser Stelle klarzustellen – ich selbst nutze auch KI. Ich habe sogar ein Bezahl-Abo. Ich nutze dieses beruflich, um Fachtexte analysieren und mir einfache repitive Aufgaben abnehmen zu lassen, bei denen es keine Probleme mit Datenschutz, Betriebsgeheimnis, Kultursensibilität und halluzinierenden Chatbots gibt. Und privat vor allem, um Bilder für meine Game-Settings im TTRPG-Hobby zu bearbeiten. So gut wie nix davon findet man dann im, eh schon überaus AI-Slop-reichen Netz wieder. Und ganz gewiss lasse ich meine Geschichten oder Blogposts, wie etwa auch diesen Text hier NICHT von KI schreiben…

Den eigenen Stil zu finden ist ein Teil dessen, was durch das stetige Schreiben-Üben quasi en passant passiert. Jeder von uns hat eine innere Stimme, die sich auf eine spezielle Art äußert. Viele dieser Stimmen mögen zuerst ähnlich klingen, aber Wortschatz, Wortwahl, Sprechrhythmus, Satzbau und -länge, humorige Anteile, Blumigkeit oder Direktheit – eben all das, was einen Schreibstil im Kern ausmacht, variiert von Person zu Person erheblich, wenn man genau hinschaut. Und festigt sich eben erst mit der Menge der geschriebenen Texte und der damit einhergehenden Erfahrung. Stil ist somit einerseits eine Frage von individueller biographischer Realität und zwangsweise ebenso ein prozessuales Konstrukt, wie die ganze (erwachsene) Persönlichkeit. Andererseits aber abhängig von beständiger Übung und reflektierter (Selbst)Kritik. In diesem Spannungsfeld emergiert etwas, dass keine Maschine bislang erreichen kann: echtes, kreatives Schreiben! Wenn dieser Text also irgendeinen Sinn hat, dann den, nicht nur nach dem eigenen Warum zu suchen (das war Part 01 dieser neuen Serie), sondern auch nach der eigenen Stimme. Erst wenn wir diese beiden Elemente für uns selbst beisammen haben, können wir uns dem eigentlichen Prozess des Schreibens zuwenden, der – und damit erteile ich dem Thema “Ratgeber” erneut eine Absage – hier aus meiner Warte beschrieben wird! Ob das irgendjemandem nutzt? Keine Ahnung. Wir werden sehen. (F)rohen Karfreitag noch…

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°72 – Bedienungsanleitung?

Braucht man überhaupt eine? Als ich in das Spiel eingeführt wurde, so um den Sommer 1989 rum, da war das ein Prozess, der keinen Namen hatte; der überdies auch keinen Namen brauchte. Wir wussten nicht, was “Onboarding” ist. Es gab damals keine echten Starterboxen, die den Namen verdient hätten, keine Erklärbärvideos, keine Blogs, etc. Denn es gab kein Internet! Es gab ein paar wenige Rollenspielläden. Wenn du Glück hattest, wohntest du in der großen Stadt, wo die Wahrscheinlichkeit einen zu finden größer war. Es gab Spieler, Spielleiter und solche die – nicht durch die mangelhaften Erklärungsversuche der anderen Nerds abgeschreckt – es werden wollten. Es gab RPG-Conventions, wo man sich traf, austauschte und vor allem zockte. Und fertig! Die Welt war da recht überschaubar. Nicht nur, was Rollenspiel anging; aber ich schweife ab. Das Spiel wurde damals in Form einer Erzähltradition weitergegeben. Es gab zwar für verschiedene Systeme eine Unmenge Bücher und Kaufabenteuer, die einem Inspiration verschaffen konnten. Aber nur durch das Studium der Bücher war nicht klar, wie das Spiel funktionierte. Dazu bedurfte es stets einer Sache: Ausprobieren. Sich von den anderen, die schon spielten mitreißen lassen. Und dann dabei bleiben – oder es irgendwann ad acta legen. Ich habe neulich die recht erfrischende Erfahrung gemacht, dass jene, die schon damals zu den wahren Nerds gezählt hatten, auch heute noch dabei sind. Blicke ich auf jene Zeit zurück, so waren es die Erfahrungen in diesen vielen verschiedenen Spielrunden, denen ich beiwohnen, bzw. die ich spielleiten durfte, die meine Herangehensweise und mein Verständnis für das Spiel geprägt haben. Und wenn ich heute die Ehre und das Vergnügen habe, jemanden neu in das Spiel einführen zu dürfen, dann versuche ich vor allem jene ersten Erfahrungen zu nutzen, die ich damals gemacht habe. Denn man lernt das Spiel vor allem durch… SPIELEN. Es gibt jedoch ein ABER dazu.

Ich konsumiere heutzutage das eine oder andere Youtube-Video aus der TTRPG-Sphere; und ich muss manchmal den Kopf schütteln, wie leichtfertig so mancher Content-Creator die eigene – anektdotische – Erfahrung zur wahren Weisheit zu verklären neigt. Ich bin ehrlich verblüfft, mit welcher Anspruchshaltung manche Menschen durch die allwissende Müllhalde gurken. Und ich bemerke, dass TTRPG-Streaming zwar einerseits das Hobby neu belebt hat – auf der anderen Seite aber vielen (potentiellen) Spielern eine vollkommen überzogene Vorstellung davon vermittelt, wie es am Tisch aussehen und zugehen sollte. ICH bin weder ein professional voice-actor, noch benutze ich – bis heute! – eine echte Battlemap oder Minis. Es gibt viele Möglichkeiten, Szenarien lebendig werden zu lassen. Und… das Kämpfen ist nur EIN Teil des Spiels! Es sei denn du spielst DnD. Dann ist für so manchen der Kampf das Spiel. Viel Spaß dabei. Ja, viele TTRPGs können bis heute ihre Herkunft als “Kinder” des Tabletop-Wargaming kaum verleugnen. Wie gesagt, wenn’s den Leuten Spaß macht, bitteschön. Das sind auch die Aspekte, die man heutzutage am ehesten in Starterboxen oder im Internet findet. Optimale Subclasses und Builds für diese oder jene Charakterklasse, die zumeist auf optimalen Damage-Output ausgelegt sind, so gemäß dem Motto “Wie zerlege ich dem Spielleiter am schnellsten seine Abenteuer!” Dabei übersehen die Leute – geblendet von ihrer eigenen Powerfantasy – häufig, dass es die GESCHICHTE ist, die das Spiel im Kern zusammenhält und spannend macht. Es geht nicht darum, ob ich in der Lage bin, die Wächter des Ganghangouts in zwei Kampfrunden zu überwinden, sondern ob ich die Hinweise zusammenpuzzeln kann, warum ich überhaupt dahingefunden habe… nämlich, weil eine andere Gang mich gerade benutzt hat, um Rivalen aus dem Weg zu räumen. Das ganze Geballer und Gemetzel ist stets nur Mittel zum Zweck – um Spannung, um Drama zu erzeugen. Um dir Fragen zu stellen, die sich NICHT mit den Werten auf den Charakterblatt beantworten lassen.

Always working on something new…

Wird mein Charakter verhindern können, dass jemand anders für einen Fehler bezahlen muss, den ich gemacht habe? Werde ich einen Weg zurück nach Hause finden? Werde ich herausfinden, warum ich da überhaupt gelandet bin? Welche Rätsel warten noch auf mich? All das findet man im GESPRÄCH heraus! Natürlich sind dann und wann Würfel im Spiel, wenn es um die Frage geht, ob eine bestimmte Aufgabe gemeistert werden kann. Und ebenso natürlich lauern Konsequenzen, wenn etwas nicht klappt. Wenn ich mir bei neuen Spieler*innen etwas wünschen dürfte, dann wäre dies, dass sie Freude daran finden, sich in ihren Charakter hineinzuversetzen, um zu denken und zu handeln wie der Charakter – und mit den Konsequenzen ihres Tuns und Lassens umzugehen, wie ihr Char es tun würde. Das man dabei jemand anders sein kann, der über völlig andere Mittel zur Konfliktbewältigung verfügt, ist dabei aber nur ein Reiz des Spiels! Ein anderer ist die Übernahme anderer Rollen; also so tun als ob und “was-wäre-wenn”-Fragen beantworten. Doch das alles lernt man nur am Modell. Durch zu- und abschauen. Durch selber machen (scheitern inclusive). Durch Kommunikation und Interaktion. Denn Rollenspiel ist im Kern, wenn man den ganzen Regelcrunch mal wegpellt, ein soziales Spiel, dass sich nur im DIALOG realisieren kann. Im MITEINANDER! Ich habe neulich irgendwo auf Youtube jemanden gesehen, der sich darüber mockierte, dass die neue DnD-Starterbox den Spieler*innen nicht erklärt, wie das Spiel funktioniert. Und ich verstehe seinen Ansatz, dass potentielle Neulinge auf Grund der medialen Präsenz von “Stranger Things” und “Critical Role” und den ganzen anderen DnD-Apologeten dann über diese Starterbox stolpern mögen und dort hinsichtlich dieser Frage enttäuscht werden. Ich glaube jedoch auch, dass die Box, selbst wenn sie manche Dinge besser erklären würde, das Erlernen der Erzähltradition durch andere Nerds kaum ersetzen könnte; denn dazu braucht es die anderen Nerds. Braucht es also eine “Bedienungsanleitung” für TTRPGs? Ja, sicher – aber keine geschriebene. Auch wenn viele Rollenspielbücher dies heutzutage versuchen. Für mich geht nichts darüber, von einem erfahrenen Nerd mit offenem Geist an Bord geholt zu werden. In diesem Sinne – always game on!

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°58 – Ich bin erstaunt!

Ich hatte in der abgelaufenen Woche zugleich die Bürde und das Privileg, einer Klasse, die gerade ins zweite Lehrjahr kommt einen ersten, dennoch tiefgreifenden Einblick in eine nicht ganz leichte Kost geben zu dürfen: psychosoziale und psychiatrische Notfälle im Rettungsdienst. Mit Blick auf meine eigene diesbezügliche Krankheitsgeschichte war mir dabei allerdings ein Mü unwohl; was ich übrigens auch gegenüber meinem Therapeuten erwähnte. Er meinte jedoch, dass jemand, der selbst betroffen sei, aus einer Perspektive maximaler Glaubwürdigkeit agieren könne. Ich kann, auch wenn ich heutzutage sehr oft andere Aufgaben übernehme, sehr wohl unterrichten. Doch es gab ein paar Aspekte, die mir Kopfzerbrechen bereiteten. Zum einen musste ich, weil mal wieder mit viel zu wenig Zeitressourcen ausgestattet, auf die Materialien eines Kollegen zurückgreifen. Die habe ich zwar für meine individuellen Dozentenbedürfnisse umgestrickt, dennoch steckte auch darin noch viel Arbeit, denn man muss, sofern man anderer Leute Content nutzt, den Stoff trotzdem selbst noch einmal so tief durchdringen, dass man zumindest die meisten Fragen – ja auch die ungewöhnlichen – ohne große Umschweife beantworten kann. Okay… challenge accepted. Ein zweiter Punkt war ein recht umfangreicher Vortrag zum Thema Depressionen… und einer zum Suizid. Mir wurde einmal mehr bewusst, dass Menschen, die in diesem Job arbeiten, selbst deutlich gefährdeter sind, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, als die ganzen Menschen mit Jobs, in denen man nicht mit Not, Elend, Tod und noch vielen anderen negativen Erlebnissen konfrontiert wird. Ich musste da also durch, ohne mich selbst oder meine Schüler*innen zu triggern. Und schließlich musste ich die Erwartung der jungen Leute dämpfen, hinterher wirklich in allen Situationen sofort eine Lösung parat zu haben. Daher war ich heute sehr positiv überrascht, als mir ein paar von ihnen im Plenum offenbarten, verstanden zu haben, dass ein Hauptzweck der Übung vor allem in der Sensibilisierung für eine Materie bestand, deren Betroffene uns NotSans im Umgang sehr viel Geduld abverlangen, deren soziales Stigma inclusive aller möglichen Vorurteile nach wie vor enorm präsent ist. Und denen helfen zu können oft genug durch ein hierin lausig schlecht aufgestelltes Gesundheitswesen, zumeist mangelnde medizinische Selbstkompetenz und das Störfeuer Dritter verhindert wird.

Ich durfte feststellen, dass die Selbstreflexion, die ich stets während meines Unterrichtes einfordere hier stattgefunden hat. Vielleicht, weil ich an einigen Stellen zumindest versucht habe, auch auf mögliche eigene Betroffenheit einzugehen. Vielleicht, weil der eine oder die andere auch über eigene Erfahrungen verfügt. Vielleicht, weil es erst die erste Woche des Schulblocks war. Da ist man meist noch reativ frisch im Kopf. Ganz gleich, welchem Aspekt ich das zuschreiben möchte – aus meiner Sicht war die Woche damit ein voller Erfolg. Wir haben viel Wegstrecke gemacht und keine Motivation vernichtet. Wären meine Arbeitswochen immer so, wäre ich vermutlich letzthin nicht in ein so tiefes Loch gefallen. Doch da ich meine zeitlichen, emotionalen und kognitiven Ressourcen stets zwischen verschiedenen Baustellen aufteilen muss, anstatt mich auf eine bewusst konzentrieren zu können, bleibt mir diese Genugtuung allzu oft verschlossen. Daher feiere ich das jetzt gerade ein wenig. Ulkig ist im Zusammenhang mit dieser Woche im Lehrsaal übrigens der Umstand, dass eine der Schülerinnen mich irgendwann fragte, was das immer für komische Bilder wären, mit denen ich meine Präsentationen oft einleite? (Ja, damit bin ich ertappt: ich benutze Powerpoint(c). Ich versuche allerdings, meine Präsentationen nicht als diese, so weit verbreiteten Textwüsten zu gestalten, welche der Frankfurter Allgemeinen alle Ehre machen würden…) Ich sagte ihr sinngemäß, dass ich wohl relativ häufig ein paar Schritte zu weit dächte und meine Metaphern daher vielleicht nicht für jeden Betrachter funktionieren würden. Das ist der eine Teil der Wahrheit. Der andere: Präsentationen, die nur mit unserer Coporate Identity daher kommen, sehen für mich einfach stinklangweilig aus. Ich möchte ja beim Präsentieren auch Spaß haben. Dennoch möchte ich mir hier kurz die Mühe machen, zu erklären, was ich bei der Auswahl einiger Fotos gedacht und gefühlt habe:

Und damit sei euch ein schönes Wochenende gewünscht!

Auch als Podcast…

Writing Fiction #01 – …where to begin?

Gleich vorneweg: einen Roman schreiben, einen Essay schreiben, einen Blogpost schreiben und ein TTRPG-Abenteuer schreiben, sind vier vollkommen unterschiedliche Dinge. Das eine sucht nach Antworten auf eine spezifische Frage, oder versucht, dem Leser dabei behilflich zu sein, für sich selbst die richtige Frage (oder Antwort) zu finden. Und bedient sich dafür einer logischen Struktur, die (hoffentlich) für Dritte nachvollziehbar ist. Unterhaltsamkeit mag hier ein Bestandteil sein – muss aber nicht unbedingt; das ist der Essay (“essayer” aus dem Französischen für “versuchen” mag einen Hinweis auf den Zweck solcher Texte geben.). Der Blogpost hingegen ist ein freies Medium: er kann ein Essay sein, ein Rant, ein Listicle, eine Selbstreflexion… oder wasauchimmer. Meine Schreibe hier zeigt das, wie ich glaube, recht anschaulich. Alles von den vorgenannten kam hier schon mal vor. Ich kennzeichne das auch nicht. Leser sollen das ruhig selbst herausfinden. Ein TTRPG-Abenteuer ist, so wie die meisten Blogposts eine eher kurze Textform. Zumindest, so wie ich das betreibe. Ich beschreibe in aller Regel “nur” wichtige Non-Player-Characters (NPCs), wichtige Locations, wichtige Gegenstände. Im heutigen Mainstream wird NPC gerne als negativ konnotierte Bezeichnung für Nebendarsteller im Leben des Protagonisten genutzt – der Protagonist ist man natürlich immer selbst! In meiner Wahrnehmung sind NPCs jedoch eigenständige Persönlichkeiten mit Zielen, Motivationen, No-Gos, Gefühlen… halt wie richtige Personen. Ähnliches gilt auch für die anderen u.U. wichtigen Bestandteile des Abenteuers. Denn im Pen’n’Paper entsteht die Geschichte durch die – oftmals unvorhersehbare – Art und Weise, in der die Spielercharaktere mit dieser Welt und den eben genannten Elementen darin interagieren. Ich kann ein und das gleiche Abenteuer mit drei verschiedenen Gruppen spielen und es wird drei Mal unterschiedlich ablaufen und ausgehen. Was aber bedeutet, dass ich mir über die Story vorher weniger Gedanken machen muss. Ich habe vielleicht eine vage Idee, wohin der Zug fahren KÖNNTE. Die muss aber nicht eintreffen. Der Roman hingegen ist hinsichtlich der Frage nach einer erzählten Geschichte ein GANZ ANDERES BIEST. Denn ich muss – durch die Augen eines Erzählers all das, was für den Verlauf wichtig ist greifbar machen. Und das am Besten auf eine Weise, die für die Leser*innen – kognitiv, vor allem aber auch emotional – nachvollziehbar bleibt…

…is paar Jahre her. Wir haben alle Fehler gemacht, die im Buch standen und noch ein paar mehr! Trotzdem war – und ist es immer noch – eine ziemlich geile Erfahrung!

Um diesen Prozess des Roman-Schreibens soll es hier in der Hauptsache gehen. Nun gibt es da draußen schon eine Menge YouTube-Kanäle, Blogs, etc., die ihr Geld damit verdienen, Menschen erklären zu wollen, wie man einen möglichst erfolgreichen Roman schreibt – oder auch mehrere. Content-Creator, die realistisch betrachtet versuchen, ambitionierten Hobby-Autoren eine (ihre) “Hit-Formel” aufzuoktroyieren; die jedoch zumeist lediglich eines schafft – Einheitsbrei! Denn, wann immer ein “junger” Autor (das Adjektiv bezieht sich hier bewusst auf die Dauer der Autoren-Karriere, nicht das Lebensalter der Person dahinter) anfängt, von einer ersten Veröffentlichung zu träumen, wird er/sie auch recherchieren, was andere vor ihm/ihr getan haben, um dieses hehre Ziel zu erreichen – vom Schreiben leben zu können! Ich träume davon auch – gelegentlich und nur sehr verhalten. Weil ich weiß, dass selbst die größten und bekanntesten Romanciers oft von Glück und Zeitgeist abhängig waren. Erst, wenn der eigene Name eine Marke geworden ist, verkaufen sich die Bücher dauerhaft gut. Und an diesen Punkt kommt so gut wie keiner von denen, die es versuchen! SO GUT WIE KEINER! Egal, wie viele Ratgeber-Videos sie sich anschauen mögen. Denn der Content wird heutzutage von den Lektoren nach Verkaufbarkeit durch Massengeschmack kuratiert. Deshalb wird das hier auch keine Ratgeberreihe. Sondern ein nachdenklicher Blick auf Prozesse. Auf Kreativität und Textarbeit. Auf Vorbereitung und Improvisation. Auf Mut und Angst. Auf Flow und Blockade. Auf Inspiration und Resilienz. Denn auch, wenn viele sich zum Schreiben berufen fühlen mögen, reflektieren die Wenigsten wirklich das WARUM. Aber das WARUM steht am Anfang jedes Textes! Ich setzte mich heute Vormittag an diese Tastatur und begann diesen Text zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich gebe einen Einblick in meine Erfahrungen, Ideen, Quellen. Jedoch nicht mit dem Anspruch, das irgendjemand das wichtig oder nachahmenswert finden muss. Mir genügt das Wissen, dass irgendjemand es nützlich finden KÖNNTE. Denn ich WEISS mit Gewissheit um den Wert meiner Worte. Aber oft – und dieses Geständnis bereue ich nicht – weiß ich bei den ersten Tastenhüben noch nicht, wohin mich der Text tragen wird. Denn ich denke ebenso gerne mit der Tastatur, wie mit dem Stift. Ich ergründe meine eigenen Emotionen und Kognitionen, während die Worte schon auf den Bildschirm oder die Notizbuchseite fließen. Was sich gut anfühlt – weil das WARUM klar ist.

Wenn ich also einen Roman zu schreiben beginne, dann gibt es einen Grund, warum DIESE Geschichte erzählt werden will. Das ist MEIN WARUM. Ob dieses Warum irgendjemanden berührt, oder nicht, ist zunächst völlig einerlei. Natürlich bin ich nicht frei von dem Wunsch, dass auch Andere meine Texte gut finden mögen; so viel Eitelkeit muss dann schon sein. Aber sehr oft genügt mir die Befriedigung, mir etwas von der Seele, von der Brust, aus dem Kopf geschrieben zu haben, einfach, weil es an der Zeit dazu war. Und das Gute daran ist, dass ich mir damit reichlich Übung verschaffe, denn beim Schreiben ist es so – man wird nur besser darin, wenn man es dauernd tut. Ich schaffe pro Jahr einige Hundert Seiten Text in unterschiedlichsten Genres – gewiss nicht so viel, wie professionelle Autoren, die damit tatsächlich ihr Geld verdienen. Aber ich schaffe diese paar Hundert Seiten (manchmal auch mehr) seit JAHRZEHNTEN. Will heißen – ich habe meine 10.000h bis zur Skill-Perfection zumindest theoretisch schon lange zusammen. Doch beim Schreiben gilt man – wie bei so vielen anderen Dingen auch – fälschlicherweise nur dann als Meister, wenn man einen gewissen Grad an Bekanntheit erlangt hat; oder damit Kohle verdient. Das ist mir aber wirklich und ehrlich einerlei. Ich möchte Menschen durch meine Texte kognitiv und emotional berühren; und es ist mir ziemlich Wumpe, ob es viele oder wenige sind, die ich so erreiche. Solange ich irgendjemandem etwas Gutes mitgeben konnte, habe ich mehr geschaffen, als viele Andere in ihrem ganzen verdammten Leben! Und ich WEISS, dass meine Schreibe schon den einen oder anderen Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, vielleicht auch zum Weinen gebracht hat. [EXKURS: Ich weiß übrigens auch, dass es Menschen gibt, die meine – auch verbal verfügbare – Wortgewalt fürchten, weil sie sich in ihrer Autorität bedroht fühlen. Denen kann ich nur sagen: hört mir einfach zu, denkt WIRKLICH über meine Worte nach und versteht, dass ich niemandem was Böses will. Ich will einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen! EXKURS ENDE] Ob die Feder wirklich mächtiger ist als das Schwert, wird wohl die Geschichte entscheiden müssen. Aber wenn es nach mir ginge, so brächte meine Feder vielleicht den einen oder anderen dazu, das Schwert niederzulegen und etwas vernünftigeres mit seiner Zeit anzufangen. Mich würde es jedenfalls freuen. Vielleicht würde so jemand anfangen, nach seinem WARUM zu suchen…? Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Was, schon so lange…?

Beziehungen sind etwas höchst kompliziertes. Insbesondere, wenn sie zeitlich signifikant über eine hitzige Nacht und ein genuscheltes “…aber der Kaffee war okay…” hinausgehen. Ich meine, wenn man sich – vor allem in den Unterhaltungsmedien – aufmerksam umsieht, wird einem da sehr häiufig ein völlig unrealistisches Bild der Dinge gezeichnet. Da ist von ewig währender Verliebtheit über absurde Personen-Konstellationen und unmögliche Schwüre bis hin zur Selbstaufgabe einer beteiligten Partei alles dabei, was eine Beziehung u.U. richtig ungesund macht. Und nur, um das gleich vorweg klarzustellen: ich habe weder ein Patentrezept noch irgendeine geheime Formel. Warum die beste Ehefrau von allen und ich auch nach Jahrzehnten immer noch ein Paar sind, ist uns beiden selbst zwar nicht ganz so schleierhaft, wie externen Beobachtern. Aber ich darf hier versichern, dass weder Magie, noch Geld oder irgendwelche Leichen im Keller eine Rolle spielen. Wenn irgendetwas als ausschlaggebender Faktor für den “Erfolg” unserer Ehe – was auch immer das sein soll – gelten darf, so ist es die richtige Mischung aus Nähe und Distanz. Aus Neugier und Ignoranz. Aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Aus Reden und Schweigen. Und vielleicht noch aus manchem mehr, denn Langzeitbeziehungen sind wie ein Tanz, bei dem Takt, Tempo und Instrumentierung immer wieder wechseln.

…unter Mistelzweigen…?

Nähe und Distanz dynamisch wechseln zu können, wenn man entweder einander oder aber seine Ruhe, bzw. etwas Quality-Time mit anderen Menschen braucht, ist eine Kunst. Denn nicht immer wird auf den ersten Blick klar, was gerade angesagt ist. Manchmal muss man auch erst für sich selbst herausfinden, dass man genau jetzt für sich (oder mit anderen) sein möchte, anstatt mit dem “significant other” irgendwas zu unternehmen; oder auch nur Zeit zu verbringen. Herauszufinden, in welche Richtung es gerade geht, bedarf der Neugier. Wer nicht fragt, bleibt dumm sagt schon die Sesamstraße. Manche vergessen das wohl. In jedem Fall bleibt man stets dazu aufgerufen, neugierig auf seine*n Partner*in zu bleiben. Denn wir verändern uns im Laufe des Lebens auf vielfältige Weise. Interessen kommen und gehen. Bekanntschaften und Freundschaften kommen und gehen. Auf beiden Seiten. Das zu akzeptieren, brauche ich manchmal auch Ignoranz; und zwar im Sinne eines nicht immer auf kleine Fehler, Probleme, Macken eingehens, sofern diese keine signifikante Bedrohung darstellen, sondern lediglich nervtötend sind. Anfangs mögen es die Unterschiede sein, die uns aufeinander anziehend wirken lassen. Doch auf Dauer sind es Gemeinsamkeiten, die den Kitt einer Beziehung bilden – aber eben, wie alles andere auch, dem ständigen Wandel des Lebens unterworfen sind. Wir kommen also um das Reden nicht herum. Aber auch, wenn Kommunikation natürlich der Schlüssel zum Erfolg bezüglich sehr vieler Aspekte des Lebens ist, kann Schweigen die bessere Lösung sein. Herauszufinden, wann ich reden und wann besser schweigen sollte, bleibt allerdings über die gesamte Lebensspanne (einer Beziehung) hinweg eine kritische Aufgabe, die mitnichten immer erfolgreich gemeistert wird… Manchmal ist der schlimmste Gegner von gut gemacht eben gut gemeint.

So gehen die beste Ehefrau von allen und ich manchmal auf doch sehr unterschiedlichen Hochzeiten tanzen – im übertragenen Sinne, denn geheiratet hat in unserem Umfeld schon eine Weile keiner mehr. Doch auf Grund divergierender Interessen, unterschiedlicher Arten, die eigene Kreativität auszuleben und eines nicht immer auf eitel Sonnenschein gepolten Geistes brauchen wir beide gelegentlich Freiräume, Zeit für uns selbst, Ruhe. Genauso, wie wir auch Nähe, Austausch und gemeinsame Aktivitäten brauchen. Aber alles zu seiner Zeit. Und vielleicht ist ein weiterer Aspekt, dass ich zumindest stets versuche, meinen fair share an der Carework zu erledigen. Zu meiner Schande muss ich gestehen: nicht immer so umfänglich, wie ich wohl sollte. Aber ich bleibe dran! Blicke ich zurück, so sehe ich, dass wir uns beide mehrfach sehr grundlegend geändert haben. Durch die Geburten unserer Töchter. Durch einschneidende berufliche Veränderungen. Durch die Erkenntnis, dass die menschliche Psyche ein fragiles Konstrukt sein kann. Durch Erfahrungen mit Menschen von früher, die wir einst Freunde genannt hatten; aber auch durch Erfahrungen mit neuen Menschen, die wir heute Freunde nennen. Und durch das Nachsinnen über das, was dies alles mit uns gemacht hat. Unten am Fluss hat jemand auf einen Container ein Tag mit einem Symbol und zwei Textfragmenten gespayed: “Temet Nosce” – “Erkenne dich selbst!” und “Panta Rhei” – “Alles fließt!”. Mir fallen kaum passendere Worte ein, um diesen Text zu beenden… außer vielleicht die Bitte an jene, die dies lesen mögen, in ihren Beziehungen stets offen für das Neue und neugierig auf die Veränderung zu bleiben – in der Welt, in uns selbst und in unserem Gegenüber. Auf bald.

Auch als Podcast…