Nichts mehr beweisen müssen?

Nebliger Sonntagvormittag. Ein Spaziergang am Fluss offenbart nichts, was ich nicht schon zuvor gewusst hätte: Ich mag Nebel! Es ist nur ein Wetterphänomen und doch wohnt dem Schleier, welcher die Welt wenigstens für eine kurze Weile wegdämpft ein Zauber inne, den ein Introvertierter wie ich gar nicht genug schätzen kann. Die Zahl der Menschen, welche vorhin – wie auch ich – der eher unbequemen Witterung getrotzt haben, war überraschend groß. Dennoch fand ich lange Abschnitte meines Weges ganz für mich alleine vor – so wie ich es mag! Es gab heute nicht allzu viele Gedanken zu denken. Einfach nur vorwärts, Schritt für Schritt. Das genügt manchmal. Gestern habe ich unterdessen geknipst, doch heute bin ich einfach nur… gewesen. Sich selbst vollkommen genug sein zu können, ist ein Privileg, welches viele Menschen offensichtlich nicht (mehr) wirklich schätzen können. Woran das liegen mag, kann ich nicht wissen, ein Zusammenhang mit der ubiquitären Verfügbarkeit der ganzen Welt mittels der ewig präsenten Taschenwanze mag hier jedoch eine Rolle spielen. Sei’s drum. Ich spazierte, nichts passierte. Einzig ein sanfter Hauch von Wehmut durchzog meinen Geist. Wehmut ob der Tatsache, dass ich vermutlich in den nächsten Tagen nicht dieser erquicklichen Solitude werde frönen können, weil mein Terminkalender mal wieder zumindest subjektiv überquillt. Und so manches davon wird furchtbar nerven, weil es mit meinem Job zu tun hat. Habe ich letzthin eigentlich schon mal erwähnt, dass ich den Kanal vollhabe…? Nun ja, nicht von allem; aber halt so manchem, was im Moment drückt.

Abwärts oder Aufwärts…?

Ich habe neulich in einem Gespräch mit Vorgesetzten einige wessentliche Dinge benannt, um die ich mich nicht mehr kümmern müssen möchte. Nicht, weil ich faul geworden wäre, sondern weil sich offenbart hat, dass diese Dinge weder etwas zum Erfolg der Institution beitragen, welcher ich derzeit vorstehe, noch ich dort irgendetwas von dem ausrichten kann (oder noch will), was andere Menschen sich davon erhoffen. Ich bin – wie es nun scheint – doch nicht für die Politik gemacht. Folglich ziehe ich mich daraus nun zurück. Man könnte konstatieren, dass dies eine Niederlage wäre, weil ich eigentlich mal angetreten war, etwas zu verändern, dieses Ziel aber einfach nie zu erreichen vermochte. Doch… wer definiert Sieg oder Niederlage? Es gibt dieses Diktum dass die Geschichte stets von den Siegern geschrieben würde. Die für mich relevanten Fragen dabei wären: was kennzeichnet einen Sieg oder eine Niederlage denn tatsächlich? Wer macht diese Zuschreibung? Und aus welchen Gründen? Ich will mal so sagen: ich bin davon überzeugt, nur selten das Falsche getan zu haben! Vielleicht manchmal zu wenig; zumindest dann, wenn der Auftrag und die Zieldefinition unklar waren; und das passierte ziemlich oft! Vorsicht ist trotzdem so gut wie immer besser als Nachsicht. Das was ich getan habe, tat ich jedoch immer nach bestem Wissen und Gewissen. Ich lasse mir da von NIEMANDEM etwas vorwerfen. Wenn es jedoch Menschen gibt, die sich zu Höherem berufen fühlen und glauben, das alles besser zu können als ich – nur Mut! ICH werde mich nicht in den Weg stellen. An anderer Stelle entfalten meine Fähigkeiten und meine (unterdessen leider begrenzte) Energie ihre Wirkung eh besser… zum Beispiel im Lehrsaal. Auch das ist ein Ergebnis verschiedener Reflexionsprozesse der vergangenen Wochen: mich wieder auf meine Kernkompetenzen besinnen. Da gilt wahrhaftig: weniger ist mehr.

"Alles Wesentliche wurde schon gesagt, aber da niemand zuhört, muss man immer wieder von vorne anfangen."

André Gide (Nobelpreisträger Literatur 1947)

Ich denke, dass dieses Zitat meine beruflichen Bemühungen der letzten Jahre ganz gut beschreibt. Mittlerweile habe ich jedoch die Schnauze voll davon, immer wieder den Rufer in der Dunkelheit zu spielen. Ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, in welchen Dingen ich Recht habe – und die Zeit hat bewiesen, wo ich mich irrte. Welches von beiden überwiegt, mögen andere beurteilen wollen – ICH bin jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass sich beides mindestens die Waage hält. Nennt dies Arroganz, wenn ihr mögt, aber da lasse ich nicht mit mir diskutieren, denn bei Bedarf kann ich es belegen… Kurzum – ich muss nichts mehr beweisen! Also werde ich auch nichts mehr beweisen, sondern einfach meinen Job machen und nur noch bei Bedarf erklären, was ich wie und warum tue, oder auch lasse. Wem das nicht passt, der möge sich zum Teufel scheren, oder nach einem passenden Ersatz für mich suchen. Viel Spaß dabei. Unterdessen versuche ICH, mir mehr Zeit für Spaziergänge zu nehmen. Sie müssen gar nicht immer durch den Nebel führen, denn ich mag auch die Sonne und den blauen Himmel. Doch was nutzt es mir, mich vom Wetter runterziehen zu lassen, wenn (fast) jedes Ding seine eigene Schönheit hat. So auch der Nebel, wenn er es meinem Geist doch erlaubt, sich in Schweigen zu hüllen und einfach nur zu sein. Und genau das werde ich für den Rest dieses Sonntags tun – einfach nur sein. Denn Morgen geht der Huzzle-Buzzle wieder von vorne los… euch einen gediegenen Start in die neue Woche.

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 4)

Ist nun schon ein paar Wochen her, aber die Frage treibt mich immer noch um. Oder schon wieder. Da sich die Umstände nur sehr langsam ändern, ist DAS eine Frage des aktuellen Blickwinkels. Was mir aber immer mehr bewusst wird, ist mein verzweifeltes Bemühen, die Kontrolle über meinen kreativen Output wiederzuerlangen. Für eine ganze Weile herrschte Funkstille. Anstatt etwa mal wieder die Kamera in die Hand zu nehmen und loszuziehen, verdödelte ich meine Tage mit Doomscrolling und anderem Quatsch, wöhrend ich mir durchaus glaubhaft zu versichern versuchte, dass entweder das Wetter zu schlecht, mein Körper zu müde, mein Ideenreichtum derzeit nicht verfügbar sei, oder ich wichtigeres zu tun hätte. Ausreden gibt es ja in großer Fülle und Varietät. Ich begriff unterdessen meine Ausflüge in die Kreativität abseits meiner beruflichen Tätigkeit als… ja wie soll ich sagen… als Prokrastination. Doch ich kann nun voller Überzeugung versichern – das ist Quatsch! Ich musste der Wahrheit ins Auge blicken: Kreativität ist für mich Lebenssinn – jeder Verzicht schadet mir sehr! Ich hatte mich in der Illusion eingerichtet, dass ich immerzu FUNKTIONIEREN müsse, bin irgendwelchen falschen Ideen von wichtig und unwichtig hinterhergelaufen, habe gedacht, ich könnte Dinge bewegen, die von vielen anderen einfach nicht bewegt werden wollen. Doch da lag ich falsch! Und die einzig richtige Reaktion darauf ist, diese Illusionen zu vergessen, mich wieder auf mich selbst, meine Stärken und meine Leidenschaften zu besinnen. Darin liegt zumindest ein Teil der Heilung, die ich nach diesem ganzen Mist brauche. Und kreatives Handeln, gleich welche Ausprägung es auch jeweils nehmen mag, ist eine meiner größten Leidenschaften. Insbesondere, das Knipsen.

Ich nenne es Knipsen, weil ich mir echt nicht anmaßen möchte, tatsächlich fotografieren zu können. Ich bin ein ambitionierter Hobbyist, kenn mich ein bisschen aus und versuche aus meiner Ausrüstung was rauszuholen. Aber zuvorderst geht es mir überhaupt nicht um die Vorzeigbarkeit irgendwelcher Ergebnisse, sondern um das, was der Prozess der Kreativität mit MIR macht. Wenn ich also spazieren gehe und endlich mal wieder der Idee folge, meine Kamera mitzunehmen, dann beschränke ich mich dabei oft auf eine (sehr) kleine Ausrüstung. Eine Linse, deren Abbildungsmöglichkeiten mich eher einschränken. Ich gehe nun durch diese Welt, besuche Orte, die ich zu kennen glaube und manchmal klickt es – nicht zuerst der Auslöser, aber meine Wahrnehmung, weil ich Orte und Gegenstände auf neue Art zu sehen lerne. Ich sehe zuerst mit meinen Augen und überlege, wie meine Kamera diesen Moment wohl ablichten wird. Ich probiere, gehe vor, gehe zurück, gehe in die Hocke und wenn das gewählte Objektiv es zulässt, verändere ich auch die Brennweite. Noch interessanter wird es allerdings, wenn ich nur eine Festbrennweite mitnehme. Das verlangt wesentlich tiefgreifendere gestalterische Überlegungen und Stunts. Doch wenn ich auf die Beschränkungen meiner Technik zurückgeworfen bin, erfahre ich oft spannende Details über die Dinge und Orte, erspüre Texturen mit dem Auge. Das Bild, welches dabei entsteht, zeigt nie einfach nur den abgebildeten Gegenstand, weil jeder Betrachter die jeweilige Abbildung mittels seiner Empfindungen mit einem Bedeutungs-überschuss auflädt. Oder um es semiotisch auszudrücken: es besteht niemals eine echte, unmittelbare Beziehung zwischen dem Ding an sich (oben im Bild z. B. der Kopf eines Begrenzungspfahls mit Sperrketten) und seiner Abbildung. Jeder, der das sieht, wird mit einer eigenen Interpretation an das Bild herantreten: Waren die Wassertropfen warm oder kalt? Regnete es noch? Fühlt sich die Lackierung so glatt an, wie sie hier aussieht? Kenne ich die Umgebung, auch wenn der Hintergrund im Bokeh weichgezeichnet ist…?

Doch darüber mache ich mir tatsächlich während der eigentlichen Entstehung jedes Bildes überhaupt keine Gedanken, weil bei den vielen Aufnahmen, die während eines solchen Spazierganges entstehen vorher gar nicht klar sein kann, welche davon etwa später hier in meinem Blog Verwendung finden – und welche als digitale Kopien ein langes, ungesehenes Leben in Dunkelheit fristen werden. Im Moment der Entstehung fließen meine Emotionen, mein gestalterischer Wille und mein (begrenztes) technisches Können mit der Kamera in einem einzigartigen, unwiederholbaren Prozess zusammen, an dessen Ende ein – wie auch immer geartetes – Bild steht, dass all diese Aspekte einfängt. Und damit auch für mich zu einem semiotischen Katalysator wird, weil ich selbst DIESES EINE BILD ja auch mit einem Bedeutungsüberschuss auflade, wenn ich es eine Weile später betrachte. Was ich im Moment der Aufnahme gefühlt, gedacht, getan habe vermengt sich mit dem, was ich im Moment der neuerlichen Betrachtung gerade denke, fühle, tue; wodurch sich auch für mich der semiotische Kreis schließt. Denn, wann immer ich mir die alten Aufnahmen anschaue, kann ich vorher nicht wissen, wie mein aktueller Kontext gerade aussieht und was die heutige Betrachtung mit mir machen wird. Oft sind das nur kleine Dinge, wie ein Schmunzeln, eine hochgezogene Augenbraue, ein Gefühl der Irritation, warum ich das SO geknipst habe und nicht anders. Aber ab und zu wird aus dem bloßen Akt der Betrachtung eine emotionale Achterbahnfahrt par excellence. Es ist für mich diese, dem Hobby Fotografie innewohnende Spannung, die den Reiz ausmacht. Nicht jeder Spaziergang erzeugt spannende Aufnahmen. Wobei man wohl nie so genau wissen kann, welche Bilder später einmal spannend werden können. Aber das ist Zufall, wie so vieles andere im Leben auch. Und vielleicht ist es genau diese Zufälligkeit – die Möglichkeit unerwarteter Ergebnisse – die den kreativen Prozess für mich so wichtig macht. Ich möchte mich dann und wann vom Leben noch positiv überraschen lassen können. Mal schauen, was das Rest-Wochenende diesbezüglich noch mit sich bringt. Einen schönen Samstagabend wünsche ich…

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°70 – end of the line…?

Ich habe eben mal nachgeschaut. Ich schreibe hier auf diesem Blog seit bald 13 Jahren. Fast von Anfang an natürlich auch über mein Hobby N°1, das Pen’n’Paper-Rollenspiel. Obwohl es NIEMALS das Ziel gewesen war. Doch wie so oft im Leben, wenn die kreativen Energien verarbeitet werden wollen (auch beim Schreiben), ist am Anfang nicht unbedingt klar, wie das Ergebnis aussehen wird, weil es verdammt nochmal der Prozess ist, der uns wahrhaft interessiert. Herauszufinden, wie etwas funktioniert das uns neue Möglichkeiten eröffnet, das uns zeigt wie wir uns ausdrücken können, wie wir etwas über uns selbst herausfinden und mitteilen können… und darüber, wie das mit diesen ganzen anderen komischen Menschen da draußen funktioniert. Wenn man – wie zum Beispiel ich – ein extravertierter Introvertierter ist, wird der kreative Ausdruck oft zur einzigen Verbindung, über die man sich WIRKLICH mit Anderen austauschen und auch like-minded weirdoes finden kann. Ja, ich habe einen Job, ja ich ich bin anerkannter Experte darin und verdiene damit nicht nur meine Brötchen, sondern betrachte diese Tätigkeit sogar als Berufung. Aber die Wahrheit über mich…? Deren Musik spielt in einem ganz anderen Theater! Der Sani, der Schulleiter, der Lehrer, der Kollege – alles nur hochfunktionale Bedienoberfläche und Notwendigkeit. Der Geschichtenerzähler, der Barde, der Horfnarr – DAS bin ich. Durch und durch.

Immer mehr wird mir klar, wie sehr ich mich an meine beruflichen Funktionen als Sinnstifterin geklammert habe, ohne jemals auch nur im Ansatz verstehen zu können, dass dieses Monster namens Gesundheitswesen meine Seele irgendwann vollends verschlingen wird, um die dampfenden Reste auf den Friedhof der Wohlmeinenden zu scheißen, die von den Arschlöchern unserer Welt immerzu ausgenutzt werden – die bigotten, arroganten, neidischen, besserwisserischen, auf ihre eigene Karriere fixierten Arschgeigen, die man zudem auch noch viel zu oft auf sogenannten Führungspositionen findet. Ich weiß schon lange, wie das alles funktioniert und trat dennoch an, um als Antithese gegen diesen Mist anzukämpfen. Nur um herauszufinden, dass ich dabei drauf und dran bin, mich selbst zu verlieren. Ich stehe 5 Millisekunden vor einem Burnout und weiß nicht, wie es enden wird. Klingt mies? Ist es auch! Aber… das hier ist immer noch ein “Verwirrter Spielleiter”-Post, also wollen wir zum eigentlichen Thema zurückkehren, oder… Was ich jetzt sagen möchte, werden vermutlich nur die wenigen verstehen, die Pen’n’Paper tatsächlich so intensiv leben, lieben, so verstehen und so nutzen, wie ich es tue; und bei weitem nicht alle die zocken, tuen es mit dieser Leidenschaft. Ich habe schon des öfteren erwähnt, dass das Spiel mich auch durch die dunklen Stunden begleitet hat. Dass es mir heute beinahe wie eine selbstinduzierte Therapie hilft, nicht vollkommen durchzudrehen. Doch die Wahrheit ist: der ganze Eskapismus löst natürlich nicht die zu Grunde liegenden Probleme. Er überdeckt sie lediglich für eine Weile. Das macht’s zumindest für eine kurze Zeit erträglicher, weil Probleme, Sorgen, etc. hinter Dinge zurücktreten, die zwar auch Drama, Konflikte und Herausforderungen enthalten… allerdings Drama, Konflikte und Herausforderungen, welche ich mir selbst aussuche, die ich mitgestalten kann und die zumeist auf irgendeine, durchaus befriedigende Art aufgelöst werden können. Manchmal sogar mit Happy-End. Aber ziemlich oft mit einer Geschichte, an die man sich gerne erinnert. So wie an seine Lieblingsbücher oder Filme, nur dass man selbst Mitautor war.

Welcome to the uncanny valley – the most unusual bard…

Aber die Realität kommt in jeder Nacht von Sonntag auf Montag zurück, ringt mich nieder, lässt mich schlecht schlafen, fordert mich heraus, gibt keine Ruhe und ruft immerzu nach Lösungen. Lösungen, die es entweder (noch) nicht gibt, oder die viel Kraft kosten. Mehr Kraft, als ich noch habe. Das ist die berufliche Seite, die mich auszehrt. Doch dazu kommt, dass ich auch ein Forever GM bin, also derjenige, der sich immerzu Welten, Geschichten, Charaktere und ihre Dramen ausdenkt. Und ich werde nicht behaupten, dass ich das nicht mit großer Leidenschaft und Hingabe täte. Doch ich stelle fest, dass ich im Moment VIEL, VIEL, VIEL mehr daran interessiert bin, einfach nur meine eigenen Charaktere zu spielen und die Verantwortung für die ganzen Welten sein zu lassen. Weil aus dem Hobby, dass mich vor meiner Arbeit retten soll, sonst irgendwie noch mehr Arbeit wird, die mich irgendwann in den Abgrund reißt, wenn ich nicht endlich auf die Bremse trete! Und trotzdem biete ich gerade weiteren Menschen an, für sie zu spielleiten. Einfach weil Leute für das Spiel zu begeistern, selbst wenn es mich anstrengt, immer noch um Klassen besser ist, als sich immerzu mit meiner Arbeit beschäftigen zu müssen, die derzeit bestenfalls noch Broterwerb ist. Eine Notwendigkeit auf die ich, bekäme ich die Chance dazu, SOFORT verzichten würde. Na ja, das wird wohl eh nicht passieren. Aber das mit dem weniger Spielleiten und mehr selbst spielen… DAS habe ich in der Hand. Auch wenn es mir ehrlich weh täte, meine Spieler zu enttäuschen. Aber im Moment… im Moment stehe ich vor der Entscheidung, einfach so weiterzumachen und damit unweigerlich vollkommen ins Aus zu laufen, oder mich für eine Weile auf das zu konzentrieren, was mir WIRKLICH Freude bereitet und wenigstens dieses wichtige bisschen Entspannung verschafft, um nicht völlig durchzudrehen: einfach nur selbst spielen. Gerade jetzt wird mir klar, dass es eigentlich nur einen Weg gibt. Der wird jedoch unweigerlich zu Enttäuschungen führen. Wie ich damit umgehen kann, weiß ich nocht nicht, aber selbst jetzt gilt immer noch – always game on!

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°55 – Inseln bauen…

Wer aufhört, zu lernen, der hört auf, sich weiterzuentwickeln und wird irgendwann von der Welt überrollt, weil diese niemals aufhört sich zu verändern. Könnte man auf diese kleinen Papierchen drucken, die man in Gückskeksen findet. Da steht üblicherweise nicht allzu viel Gehaltvolles drauf, trotzdem ist die Aussage im Kern wahr. Wenn es irgendwas gibt, worauf ICH mich verlassen kann, dann MEINE intrinsische Motivation immer wieder etwas Neues lernen zu wollen. Doch, Motivation ist KEINE natürliche, in jedem Menschen reichlich und bedingungslos vorkommende Ressource. Motivation ist an unser Belohnungssystem gekoppelt und stark davon abhängig, wie intensiv wir in unserem täglichen Handeln Sinn, Selbstwirksamkeit, Anerkennung und soziale Eingebundenheit erfahren dürfen. Eigentlich ist das alles ein alter Hut, denn die Self-Determination-Theory von Decy und Ryan wurde ja schon 1993 veröffentlicht; und ihre Richtigkeit wurde danach noch mehrmals bestätigt. Jedoch scheint die Erkenntnis, dass man durch eigenes pädagogisches Handeln die eben genannten Aspekte entweder fördern oder behindern kann, noch lange nicht bei jeder Lehrperson angekommen zu sein. Und darum geht es ja gerade: nämlich, dass wir Menschen, deren (berufliche) Entwicklung uns anvertraut ist, dazu anleiten und motivieren sollten, aus eigenem Antrieb weiterlernen zu wollen. Mir geht es dabei mitnichten um Beschäftigungsfähigkeit oder Arbeitsmarktwert erworbener Kompetenzen, sondern darum, dass das eigene Menschsein insgesamt davon profitiert, sich selbst weiterzuentwickeln; am besten aus eigenem Antrieb. Denn es macht das Leben… reichhaltiger. Jene Menschen, die in Bildung nur eine Funktion sehen, Arbeitskräfte – und damit Bruttoinlandsprodukt – zu erzeugen, wie etwa unser Kanzloide, der ja letzthin uns allen unterstellt, zu wenig für die Wirtschaftskraft unserer glorreichen Exportnation zu tun, unterschlagen sowohl die Notwendigkeit des Anpassungslernens, als auch die Möglichkeiten, die sich durch stetige persönliche Weiterentwicklung eröffnen. Und diese findet NICHT ausschließlich in beruflichen Kontexten statt.

Ich hatte hier vor mittlerweile fast zwei Jahren über das Thema “Verhaltensänderung durch pädagogische Intervention” geschrieben; und über die Schwierigkeiten, die ich damit hatte – und immer noch habe – eine derart komplexe Meta-Betrachtung griffig darzustellen. Denn, genau so etwas möchte ich erreichen, wenn ich meine Auszubildenden dahin zu führen versuche, dass sie den Sinn und Wert eigenständigen Weiterlernens verstehen können. Und ich scheitere mit diesem Unterfangen immer noch zu oft. Nicht selten baue ich Inseln des Wissens, schaffe es aber nicht zur nächsten Stufe, also zum vernetzten Denken zu kommen. Bei rein medizinisch-fachlichen Themen mag das noch verhältnismäßig oft gelingen, aber spätestens, wenn wir an die Dimension der gesellschaftlichen Bedeutung des eigenen Berufsbildes kommen und vor allem der Frage, in welche Richtung sich diese denn entwickeln könnte, kommt es oft zu einer Vollbremsung. Weil irgendwann zuvor die unsäglich ewiggestrige Struktur unseres allgemeinbildenden Schulwesens und manche darin vorzufindende Lehrpersonen den bleibenden Eindruck vermittelt haben, dass man immer nur bis zur, bzw. für die nächste Klausur lernen muss, weil das ganze Zeug eh keine lebensweltlich-praktische Relevanz hat. Wie ausgesprochen traurig. Mir ist dabei bewusst, dass es Menschen gibt, die von sich sagen, dass ihnen das Lernen als solches schwer fällt. Ich entgegne diesen Leuten gerne, dass sie vermutlich nur noch nicht IHREN passenden modus operandi für’s Lernen gefunden haben. Und wir versuchen ja auch, dieses Problem im berufsfachschulischen Unterricht anzugehen. Mit welchselndem Erfolg. Denn sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale erst einmal ausgeprägt, muss man sie sehr oft, sehr intensiv und vor allem aus unterschiedlichen Blickwinkeln in Frage stellen, um die Person zu einem Umdenken bewegen zu können. Und dafür fehlt leider allzu oft die Zeit…

Zunächt die Inseln zu bauen ist der erste Aspekt; also das notwendige (Fach)Wissen in eine, zur Selbstaneignung passende Form zu bringen, zu präsentieren und dabei uno acto auf die Bedürfnisse der Lernenden situationsadäquat zu reagieren. Wir nennen diesen Vorgang übrigens Unterrichtsgespräch, wohingegen die Unwissenden “Frontalunterricht” schreien. Witzigerweise verlangen alle Schüler*innen danach. Nur um dann nach einigen Tagen zugeben zu müssen, dass die dabei transportierte Stofffülle sie mal wieder erschlagen hat. Der goldene Mittelweg ist aber auch nicht einfach zu finden… Die Vernetzung der dabei entstandenen (Wissen)Inseln ist die Kunst, an der wir Lehrenden in der Folge nicht eben selten verzweifeln müssen, weil dieser Prozess noch viel mehr von der Motivation und Mitarbeit der Lernenden abhängig ist, als das Unterrichtsgespräch. Und… Motivation ist, wie eben bereits besprochen ein wunder Punkt des Gesamtsystems. John Hattie hat in seinen Untersuchungen immer wieder gezeigt, dass es dabei vor allem auf die Lehrperson ankommt – und ihre Fähigkeit, die Lernenden abzuholen, zu begeistern, zu fördern, aber eben auch zu fordern. Hier würde sich theoretisch die Spreu vom Weizen trennen lassen, wenn wir tatsächlich Pädagogen für alle Sektoren des Bildungswesens Sach-, Fach- und Sozial-Adäquat ausbilden würden. Was leider bis heute NICHT passiert! Viel zu oft treffe ich auf Menschen, die vielleicht zwar einen Titel, aber keinerlei charakterliche oder fachliche Eignung haben. Also träume ich zunächt weiter davon, irgendwann die kognitiven Inseln, welche zu erzeugen mir unterdessen leicht fällt, noch besser miteinander zu vernetzen und die jungen Leute wirklich zum Blick über den Tellerrand zu bringen. Morgen ist Montag und ich fange an, eine noch recht kleine Insel größer zu machen. Wenigstens das wird gelingen. Auch wenn ich besser niemandem erzähle, dass ich erst heute zum Vorbereiten meines Unterrichtes gekommen bin; jeder von uns muss sich immer wieder seines Wissens und Könnens neu versichern. Irgendwann – so hoffe ich wenigstens – werden auch meine Schüler*innen dies verstehen. Bis dahin gebe ich mein Bestes und wünsche euch da draußen einen guten Start in die neue Woche.

Auch als Podcast…

Monatsbilanz

Ich bin müde unruhig. Die letzte Woche war beruflich ein interessantes Auf und Ab. Die Struktur und Qualität der Herausforderungen war wie immer heterogen. Hier mal eben ein digitales Fortbildungsformat vorbereiten, da Personalentwicklung betreiben und dann zum Abschluss auch noch Fachunterricht machen. Ich weiß nicht, ob mir diese Vielfalt gerade alle Kraft raubt, oder mich beflügelt. Das klingt jetzt blöd, aber… obwohl ich sagen kann, dass jeder Einzelaspekt auch (mehr als nur) ein bisschen Spaß macht, ist das alles innerhalb einer Woche eigentlich zu viel kognitive Hin- und Herschalterei. Ich denke mittlerweile, dass es Selbstschutz ist, wenn ich in solchen Szenarien versuche, die anderen zu beeindrucken. Ich habe immer wieder das Gefühl, den beruflichen Ansprüchen an meine Person nicht gerecht werden zu können, weshalb ich mich manchmal hinter Gimmicks, methodischen Stunts, Ausweichen, Verzögern und vorwärts preschender Offensivverteidigung verstecke, um nicht als der Hochstapler entlarvt zu werden, als den ich mich gerade mal wieder fühle. Es geht dabei NICHT um objektiv verfügbare Expertise, sondern immer wieder um das Gefühl, nicht zu genügen, welches mich mittlerweile seit Jahren verfolgt. Vermutlich, weil es immer und immer wieder Menschen gibt, die Anforderungen formulieren, welche ich nicht erfüllen kann, weil entweder die strukturellen Ressourcen nicht existieren oder ich vorläufig nicht über die notwendige Expertise verfüge. Ich habe unterdessen eine Menge Expertise nachgerüstet; und auch so einiges an Ressourcen. Aber wenn man jemanden um jeden Preis bloßstellen will, findet man IMMER einen Weg. Das raubt mir jedoch Energie, Zeit, Selbstwertgefühl und damit irgendwann zwangsläufig Motivation. Und zwar nachhaltig. Mein gegenwärtiges Motivationslevel, mich mit beruflichen Themen zu befassen, liegt weiterhin bei NULL! Was mich rettet ist der große Unterschied zwischen mir und manchen anderen da draußen: ich mache einfach weiter, wenn schon LANGE alle Energie verbraucht ist. Denn im Gegensatz zu vielen meiner Kritiker bin ich KEINE faule, talentfreie, selbtgefällige PUSSY!

Klang das zu hart? Ist mir scheißegal, denn es ist genau DAS, was ich gerade fühle! Ich weiß eigentlich ganz genau, was ich kann, wo ich meine Schwächen habe und wie ich an meine Ziele komme… eigentlich! Und doch gerate ich immer wieder in diesen verfickten Strudel aus Selbstzweifeln, wenn irgendjemand meint, mich auf diese beamtenseelen-kleinliche, passiv-aggressive Art kritisieren zu müssen, die nur jene Menschen benutzen, die nicht den Arsch in der Hose haben, für ihre Überzeugungen offen einzutreten. Sie nennen das dann diplomatisch, aber faktisch ist es feige, hinterfotzig und bigott! Ist vielleicht aber auch besser so, denn ich befürchte, dass so manche Überzeugung mich unter Umstännden erschrecken könnte. Trotzdem kotzt es mich an, diese Erfahrung Jahr für Jahr, Monat für Monat wieder machen zu müssen. Ich wünschte mir, man ließe mich einfach meinen Job machen und hielte sich raus aus jenen Dingen, von denen man keine Ahnung hat. So versuche ich es auch zu halten. Aber… manchmal wird ALLES zum Politikum, weil Menschen mit kleinen Egos aber großen Ansprüchen halt die Welt regieren. Nicht nur die große da draußen… Der erste Monat des Jahres neigt sich schon wieder in ein paar Stunden dem Ende zu und ich stecke nach wie vor fest. Fest in einem melassigen Sumpf aus Ärger, massivem Mangel an Motivation und positiven Perspektiven sowie einem offenkundig unerschöpflichen Vorrat an Nickligkeiten. Was tun? Töten…? Aber, selbst wenn ich im Baumarkt unbemerkt so viel Plastikplane, Stiefmütterchen und Löschkalk kaufen könnte, so viele richtig abgelegene Waldstücke gibt’s hier halt auch nicht… Spaß beiseite. Das Einzige, was mich gerade am Laufen hält, ist der Umstand, dass ich mich derzeit wieder häufiger in Welten flüchten kann, die mit unserer Realität NIX zu tun haben. Ist derzeit meine einzige echte Entspannung. Jedem Wesen seinen eigene Form von Eskapismus, würde ich sagen. Und wenn jetzt irgendeiner aus dem digitalen Gebüsch gekrochen kommt, um mir mangelnden Realitätssinn und fehlende Fähigkeiten zu attestieren – FICK DICH! Und nur für den Fall, dass du es beim ersten Mal nicht verstanden hast – FICK DICH HÄRTER! Selbst wenn mein Hirn sich in MEINER FREIZEIT sehr viel mit fiktiven Welten beschäftigt, bin ich für meinem Job immer noch mehr als nur hinreichend gut!

Es fällt mir schwer, Sinn und Motivation aus meiner Arbeit zu schöpfen. Aber selbst unter solch miesen Bedingungen performe ICH immer noch auf hohem Niveau, weil mir die Menschen, die mich (noch) nicht enttäuscht haben, am Herzen liegen. Für DIE mache ich das alles! Selbst wenn manche von ihnen nicht verstehen können – oder verstehen wollen – wie viel Überwindung mich das alles zur Zeit kostet. So eine nice Depression und ein dräuender Burn-Out wollen ja ordentlich gefüttert sein. Im Moment läuft alles weiter seinen Gang. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Oder, bis er eine Möglichkeit findet, sich nicht mehr völlig auslaugen lassen zu müssen. Wie bereits neulich gesagt, ist MEINE emotionale Bindung zu meiner Arbeitsstelle vermutlich zerstört. Was mich hier noch hält, sind die Menschen, von denen ich gerade eben schon sprach. Es sind immer die sozialen Bindungen, welche Institutionen im Kern zusammenhalten. Selbst manche BWLer scheinen diese simple Wahrheit verstehen und sogar akzeptieren zu können. Aber… wie lange das für MICH noch genügt? Kein Ahnung. Bei meinem letzten Arbeitgeber hat mich dieses Gefühl über mehrere Jahre getragen. Letztlich musste ich trotzdem weg, weil sich halt auf dem Weg nix geändert hatte! Mal schauen, wie es im aktuellen Zirkus weitergeht. Ein paar Menschen mussten neulich schon erfahren, dass ich mich nicht einfach zum Zuschauer in MEINER verdammten Manege machen lasse. Eher reiße ich den Laden wieder ab. Ich glaube, das haben sie begriffen. Wie sie darauf reagieren wollen, findet sich. Welche Konsequenzen ich dann für mich daraus zu ziehen habe, ebenfalls. NOCH habe ich Geduld. Trübe Gedanken für einen Samstag? Vielleicht. Ich selbst empfinde es eher als nüchterne Bilanzierung des Status Quo. Und wohin mich diese Bilanz tragen wird, ist noch offen. So, wie ich als Ganzes auch wieder für alles Mögliche offen bin. In diesem Sinne – schönes Wochenende.

Auch als Podcast…

Addicted to gaming…?

Ich sitze hier an einem Samstagnachmittag im späten Januar vor meinen Bildschirmen und frage mich einmal mehr, ob ich gerade Zeit verschwende, oder einfach nur mein Leben lebe. Der Tag bisher bestand daraus, mit meiner Familie nicht allzu zeitig zu frühstücken, danach hat jeder ein bisschen Seins gemacht; irgendwie muss der Huzzle und Buzzle der Woche ja von einem abfallen. Irgendwann bin ich in die Küche und habe Essen aufgesetzt (Gulasch braucht ja vor allem Übung und Geduld), um während des Garvorganges ein paar KM in der Sonne spazieren zu gehen. Die Welt ringsum, so scheint es, spielt unterdessen gerade mal wieder verrückt, was ja an sich nichts Ungewöhnliches mehr ist. Das hat sie vermutlich auch früher schon getan. Heute kriegts nur jeder gleich mit. Aber irgendwie… ja irgendwie kratzt mich das alles gerade nicht. Könnte an meiner Depression liegen, die mich schon seit einem halben Jahr wieder besucht – und offensichtlich Gefallen an der Einrichtung meines Kopfes gefunden hat. Steht ja auch genug Futter rum: Stress, Ärger, Sorgen… alles von der Arbeit mitgebracht. Tatsächlich, jedenfalls fühle ich das so, ausschließlich von der Arbeit! Da ist es wenig verwunderlich, dass ich mich an diesem langsam dunkler werdenden Samstag-Nachmittag lieber mit Kram beschäftige, der mir Ablenkung verschafft und Freude bereitet. Kram, der mit dem aktuellen Zustand unserer realen Welt NICHTS zu tun hat. Also… zumindest nicht vordergründig. Doch dazu später mehr.

Ich sitze hier also und arbeite am Kampagnenjournal meiner neuesten Spielrunde. Ich darf mal wieder selbst zocken und die Geschichte fesselt mich. Könnte daran liegen, dass sich die Spieler und der Spielleiter gegenseitig die Bälle zuspielen und das Ganze so zu einer höchst kreativen Übung in kollaborativem Storytelling wird. Ich hatte in meinem letzten Post über die Verwendung von visuellen Medien in der Szenenbeschreibung gesprochen und hier ist es so, dass nicht nur der SL das tut, sondern auch manche Spieler ihren Input geben. Z. B. ich, weshalb ich gerade mit generativer KI rumbastele, um meine Ideen vom Look and Feel dieser frisch entdeckten Welt und ihrer Herausforderungen greifbarer zu machen. Und gleichzeitig das Spiel für mich selbst weiter zu spielen, wie ich es erst kürzlich im letzten Post beschrieben hatte. In den Augen mancher Menschen, wie etwa des ausschließlich zahlenfixierten aktuellen Kanzloiden, verschwende ich damit vermutlich tatsächlich gerade Zeit, die ich doch viel lieber für Wertschöpfung verwenden sollte. Das Problem ist nur – der Kanzloide kann mich mal am Arsch lecken! Ich schöpfe unter der Woche schon mehr als genug Wert. Aber wenn die vereinbarte Arbeitszeit rum ist, dann schöpfe ich lieber durch spielerisches Ausleben meiner Kreativität Kraft, um durch die Runden im Hamsterrad nicht vollständig auszubrennen und durchzuknallen. Und das bedeutet für mich, zu zocken – FUCK YEAH! Pen’n’Paper ist meine Leidenschaft, denn es gibt KEIN anderes Hobby, bei dem man soviel Spaß mit seinem Verstand und seiner Fantasie haben kann! Ob ich eventuell eine gewisse Abhängigkeit vom Zocken entwickelt habe? Möglich wär’s. Falls ja, ist diese allerdings ungefähr genauso beschaffen, wie die aller halbwegs klugen Menschen von halbwegs intelligenten Gesprächen; irgendwann hat man nämlich einfach keinen Bock mehr, sich mit Idioten abgeben zu müssen. Und von denen rennen da draußen ja nun mehr als genug rum…

Addicted to gaming? Ich nehme diese Diagnose sogar mit Stolz an und empfinde sie mehr als Auszeichnung, denn als Stigma, beweist sie doch, dass ich mir auf meine ganz spezielle Art einen gesunden Anteil meines inneren Kindes erhalten habe. Es könnte aus meiner Sicht wahrlich schlimmer kommen. Ich darf immer wieder neue Welten erforschen und mich Herausforderungen stellen, die mit erkennbaren Zielen verknüpft sind, welche einen befriedigenden Endzustand erreichen können. Etwas, das im realen Leben so gut wie nie eintritt, weil vor der Arbeit nach der Arbeit vor der Arbeit ist und die Wäsche-, Geschirr- und Rechnungsberge die mächtigsten Endgegner aller Zeiten bleiben. Davor möchte, wie ich glaube, jeder Mensch dann und wann entfliehen; Pen’n’Paper-Zocker tun dies halt auf eine sehr spezielle Art. Doch… so ganz verschwindet der Bezug zu unserer realen Welt auch im Spiel niemals. Denn die Themen und Erzählfiguren, welcher wir uns im Spiel bedienen, sind stets ein Spiegel der Realität – handeln unsere Geschichten doch oft von Bösewichten, die aus einer Überzeugung heraus handeln, dieses oder jenes für ein bestimmtes Ziel tun zu müssen. “Die schlimmsten Verbrechen werden aus den besten Absichten begangen.” ist vermutlich eine ziemlich präzise Beschreibung dessen, was unsere Welt im Kern antreibt. Putin, Trump, Netanyahu anybody…? Und das ist in den Spielwelten auch greifbar. Allerdings mit dem Unterschied, dass WIR dabei Figuren spielen, die an diesen Bedingungen durch ihr Tun etwas zu ändern vermögen. Wenngleich sie dafür oft einen hohen – fiktionalen – Preis zahlen müssen. Aber ohne Drama, ohne Spannung, ohne Konflikt gibt’s halt keine guten Geschichten. Damit die Geschichten wahrhaftig gut werden, braucht es halt den Input aller Beteiligten. Weshalb am Wochenende manche Stunde dafür drauf geht, unsere Stories weiter zu entwickeln. In diesem Sinne – always game on! And never forget the WHY…!

Der verwirrte Spielleiter N°69 – hybride Spielleitung…?

Wann immer Geschichten erzählt werden, ist unsere Phantasie gefragt. Denn erst in der einsamen Innenwelt unseres Kopfes wird eine erzählte Geschichte “wahr”, indem Bilder entstehen, welche unser je individuelles Verständnis dieser Story reflektieren. Auch beim Storytelling spielt der Konstruktivismus also eine Rolle. Denn Phantasie beschreibt den kreativen Akt, sich eine (zumeist bildliche) Vorstellung von dem zu machen, was wir gerade hören. Nun ist mein Hobby N°1 – das Pen’n’Paper-Rollenspiel – heutzutage immer noch ähnlich strukturiert, wie vor 20, 30, 40 Jahren: Es gibt eine (in einem anderen Post viel ausführlicher beschriebene) Sequenz aus: Situationsbeschreibung (SL) – Statement of Intent (Spieler) – Interpretation und Beurteilung (SL) – Würfeln (Spieler) – Erzählung der Ergebnisse (SL und Spieler), die weitestgehend immer wieder gleich ist. Wobei allerdings ein Aspekt heutzutage häufiger diskutiert wird, nämlich die Notwendigkeit des Würfelns. Also wann, wie oft und wofür man denn nun würfeln lässt, weil verkackte Würfe doch den Fortgang der Geschichte stören würden. Kann man geteilter Meinung drüber sein, denn “Failing Forward” kann auch Spaß machen. Doch strukturell ist es immer noch ähnlich zu früher, wenngleich die Geschichten heutzutage etwas “erwachsener” sind… was auch immer DAS heißen mag. Was sich allerdings in meiner Wahrnehmung ändert, ist die Art und Weise, auf welche die Situationsbeschreibung durchgeführt wird, die ja schließlich unsere Phantasie anregen soll! Früher haben wir ausschließlich das “Theatre of the mind” genutzt, also verbales Erzählen, leicht unterstützt durch Musik oder Ambience, bei manchen Leuten Raumdeko und vielleicht gelegentlich mal ein analoges Handout, um visuelle Stimmung zu erzeugen und gleichzeitig Infodumps zu transportieren. Doch heute…? Nun, heute wird die Situationsbeschreibung häufig zu einem Medienspektakel…

Ich meine das gar nicht despektierlich. Seit jedoch das Internet uns SLs eine Vielzahl an verfügbaren visuellen Stimuli liefern kann, nutzen wir diese nur zu gern, in dem Versuch, die Bilder aus UNSEREN Köpfen in die der ANDEREN zu transportieren, um so ein “Shared Model” jener Welt zu erschaffen, in der wir uns gemeinsam bewegen wollen. Das hat allerdings früher mal so, mal so funktioniert, weil es natürlich nicht zu jeder meiner Ideen ein passendes Bild gab. Bei Unterhaltungsliteratur ist es vollkommen in Ordnung, wenn selbst die Hauptcharaktere eher vage beschrieben sind, damit alle Konsumenten sie als Identifikationsfigur (oder auch als etwas anderes…) nutzen können. Doch bei TTRPGs sind gemeinsame Ideen von Orten und NPCs oftmals essentiell, da diese “Shared Imagery” Entscheidungen der Spieler beeinflussen kann! Es macht nämlich einen erheblichen Unterschied, ob ein angesagter Sprung 4m oder 20m in die Tiefe führt, wie überhaupt mögliche Wege hinein in ein Objekt und wieder hinaus aussehen, ob der Anblick des Monsters, welches gerade angegriffen werden soll vielleicht Hinweise auf dessen Stärke gibt (NEIN, ich verwende KEIN Monster Manual; meine Spieler sollen sich verdammt nochmal schwitzend fragen, womit sie es zu tun haben, anstatt in einem dämlichen Buch rumzublättern…); und ob ich diese Gegenstände, die zu looten ich gerade angesagt habe wirklich anfassen würde, wenn ich vorher ein Bild gesehen hätte… Und da kommt- zumindest bei machen Gruppen – heutzutage generative KI ins Spiel. Ich hatte vor ein paar Monaten von meinem, retrospektiv betrachtet eher frustrierenden Versuch berichtet, mit ChatGPT als SL zu spielen. Hier noch mal zum Mitschreiben: wenn man einen gewissen Anspruch an die Sache hat, kannste das einfach knicken. Wofür das Gedöns jedoch tatsächlich unterdessen taugt, ist die Erstellung von Visuals (sowohl Bilder als auch kurze Videos), die wesentlich besser meine Vorstellungen des Geschehens und der Welt wiedergeben, als es irgendwelche zusammengeklaubten Bildchen aus dem Internet je könnten – und zwar unabhängig davon, ob ich dies als Spieler oder Spielleiter tue.

Es steht außer Frage, dass dabei unter Umständen auch massenweise AI-Slop entstehen kann. Der Unterschied von Shared Imagery zur Anreicherung der eigenen Spielerfahrung zu dem AI-Slop, der teilweise irgendwelche Plattformen im Netz flutet, ist allerdings, dass die Bilder, die ich für mein Spielsitzungen erarbeite – egal, ob ich dort als Spieler oder als SL agiere – nur für mich und vielleicht den Rest der Gruppe gedacht sind! Und dass sie mir tatsächlich helfen, meine Vorstellung von bestimmten Charakteren, Szenen und Szenarien weiter zu entwickeln. Indem ich mit dem Chatprompt interagiere und meine Beschreibung immer weiter raffiniere, weil so gut wie nie der “First Shot” schon passt, befasse ich mich mit den Spielinhalten. Weil ich diese ja möglichst präzise beschreiben muss. Aus der Meta-Perspektive spiele ich damit also schon das Spiel. Und habe hinterher, mit etwas Glück auch noch ein vorzeigbares Ergebnis erzeugt, welches der Pflege eines “Shared Model” der Spielwelt dient. Wem das jetzt zu enthusisastisch klingt, den kann ich leicht beruhigen. Es gibt ein paar sinnvolle Use-cases für solche digitalen Augmentierungen des Spiels. Genauso gibt es aber ein paar Aspekte, bei denen ich niemals generative KI einsetzen würde. Etwa bei der Entwicklung meiner Geschichten, der Core-Story, des Meta-Plots, der Herausforderung des individuellen Spielabends. Die denke ich mir immer noch selbst aus. Ebenso wie meine Spielercharaktere und NPCs. Aber um ein passendes Abbild mancher Chars zu erzeugen, oder um mir Szenen zu vergegenwärtigen, ist es grandios.

Man muss das nicht tun. Auch im 21. Jahrhundert genügt das “Theatre of the mind” theoretisch immer noch vollkommen; allerdings stelle ich letzthin fest, dass es einige Spieler und SLs gibt, denen gerade taktische Szenarien leichter fallen, wenn sie ein visuelles Äquivalent haben. Mein eigenes Regelwerk nutzt, im Gegensatz zu anderen am Markt, kein tactical Battlegrid und keine Minis. Doch auch ich arbeite heute einerseits immer noch mit einfachen, analogen visuellen Medien, welche on-the-fly-Visualisierung des Terrains und anderer Aspekte zulassen (etwa meine Glasplatte mit Kreidestiften für schnelle Karten am Tisch). Weil mir selbst für kurze Sitzungen der Aufwand mit digitalen Karten einfach zu viel ist. Andererseits aber sind Virtual Table-Tops (VTTs), Distanzsitzungen via Conferencing-Tool, etc. heutzutage nicht mehr wegzudenken. Ebensowenig wie die Arbeit mit generativer KI. Ich bin also ein hybrider Spielleiter; und immerzu auf der Suche nach einer noch geschmeidigeren Lösung. Denn eines darf jede mögliche Technik am Spieltisch auf keinen Fall tun: wichtiger sein als das Spiel und seine Teilnehmer selbst! Jede Technik, gleich wie archaisch oder modern darf nur einem Zweck dienen – die Spielerfahrung für die Menschen am Tisch verbessern! Denn ansonsten kille ich den Spaß. Und DER steht immer noch im Mittelpunkt. In diesem Sinne – always game on!

New Work N°25 – Huzzle-Buzzle the Burnout-Champ!

Wenn ich in den letzten Wochen irgendetwas auf jeden Fall NICHT war, dann effektiv! Ich meine, mal ganz ehrlich, was wäre das auch – ein effektiver Urlaub? Ist das dieses medial hochglanzpolierte Action-Gezappel, bei dem telegene, schlanke Menschen in unfassbar pittoresken Kulissen jede verfügbare Minute mit irgendwelchen geilen Aktiviäten ausfüllen, die das Versprechen sofortiger, absoluter Erfüllung in sich tragen? Also quasi vom Matterhorn basejumpen direkt auf die Terasse eines Viersternehotels, wo der private Steward einen mit ‘nem schicken (aber absolut gesunden, weil alkoholfreien) Apperitivo emfpängt, um danach ein Menü aus einer dieser Hochglanzpostillen aufzufahren, wie sie in Wartebereichen ausliegen? Gefolgt von Mountainbiken, um die ganzen Kalorien zu kontern, denn man will ja begehrenswert – ähm, entschuldigung, telegen meinte ich natürlich – also… telegen zu bleiben? BÄH… GEH WEG…! Pardonnez-moi, aber fickt euch. Das geilste, absolute Erfüllung versprechende, was ich in den letzten Wochen getan habe, war sicher nicht jugendfrei, aber in jedem Fal liegend zu erledigen. Okay… ich habe auch viel gesessen, gelegentlich stand ich, oder bin ein paar KM gegangen. Aber an Fallschirme, Mountainbikes und neue, überragende Kulissen kann ich mich jetzt nicht erinnern. An gutes Essen jedoch schon – verdammt… Was ich damit sagen will? Nun, dass Effizienz VIELLEICHT in bestimmten Kontexten eine relevante Stellgröße sein kann. Aber ganz, ganz, ganz sicher nicht in der Freizeit. Denn sich soviel Zeit nehmen zu können, für jene Dinge, auf die man gerade JETZT Lust hat, ist der größte denkbare Luxus überhaupt. Effizienz hingegen bedeutet, die richtige Balance zwischen Ressourcen und Ergebnis zu suchen, um mit geringstmöglichem Einsatz von Ressourcen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen! Und Zeit ist nun mal für uns alle eine begrenzte Ressource. In der Wirtschaft kostet sie Geld; und uns Menschen kostet sie Leben!

Das will ich wieder sehen…

Ich will ehrlich sein: ALLES in mir sträubt sich dagegen, morgen wieder arbeiten gehen zu MÜSSEN! Nicht, weil ich meinen Job nicht mag. Manche Aspekte davon liegen mir sogar sehr am Herzen und machen Spaß. Andere hingegen haben auch in den zurückliegenden Urlaubstagen nicht nachgelassen, mir Kopfzerbrechen zu bereiten. Doch das Allerübelste ist, nicht mehr frei über meine Zeit verfügen zu dürfen. Nicht einfach sagen zu können: “Ich bin gerade zu diesem oder jenem inspiriert, das mache ich jetzt… das Andere kann warten!”. Denn im Grunde genommen könnte ich diese Freiheit haben, weil NICHTS in meinem Gewerk WIRKLICH zeitkritisch ist. Mein Manövrierraum wird mir jedoch durch Leute eingeengt, die meinen, mir aus niederen Beweggründen ins Handwerk pfuschen zu müssen und durch Menschen, die getroffene Absprachen kurzfristig über den Haufen werfen und die daraus unmittelbar resultierende Unmöglichkeit, für alle im Team mehr Relief zu schaffen. Oder durch die Rigidität von Strukturen, die auf dem typisch deutschen Diktum “Tradition ist Fortschritt genug!” beruhen. Kurzum – mir graust vor der kommenden Nacht, den an genau solchen Sonntagabenden finde ich üblicherweise nicht leicht in den Schlaf… wenn überhaupt! Mein Schlafbedürfnis ist unterdessen auch so eine Sache. Normalerweise pendelt sich meine Schlaflänge auf rund 8h ein, wenn ich meine Zubettgehzeit und meine Aufstehzeit frei wählen kann. Doch in den letzten Wochen waren es eher 9 – 9,5h/Nacht und ich war trotzdem häufig früh müde. Eigentlich ein unübersehbares Zeichen einer alles überschattenden, tiefgreifenden Erschöpfung. Was mache ich dagegen? Denn ab morgen wird meine Schlafzeit wieder gewalttätig auf 7 – 7,5h verkürzt. Denn ich komme einfach nicht früher zur Ruhe und muss trotzdem zwanghaft früh im Büro sein. Weil ich morgens wenigstens manche Aufgaben störungsfrei erledigen kann. Danach ist – zumindest für den extravertieren Introvertierten, der ich wohl bin – viel zu viel Huzz and Buzz ringsum. Vielleicht wäre zeitweise mehr Home-Office eine entlastende Option. Aber DAS wird eine INTERESSANTE Diskussion mit meinen Chefs…

Ich bin ausgewiesenermaßen kein großer Freund von Online-Selbsttests für dieses oder jenes Persönlichkeitsmerkmal. Und ich meine mich erinnern zu können, hier schon mehrfach sehr deutlich gemacht zu haben, was ich von Ratgeberbüchern (off-, wie online) halte. Und trotzdem habe ich mal wieder einen gemacht; also, so einen Online-Test. Ein Ratgeberbuch schreiben dauert länger… Das Ergebnis sagt, ich sollte mir Gedanken machen, weil ich möglicherweise mittelgradig von einem Burn-Out bedroht sei. Self-fulfilling Prophecy oder Wahrheit? ich werde wohl bald meinen Therapeuten darauf ansprechen müssen. Ich hatte hier neulich geschrieben, dass ich angefangen hätte, mich emotional von meiner Arbeit zu lösen. An dieser Stelle folgt nun – angemessen zerknirscht – das Eingeständnis, dass ich damit wohl doch noch keine allzugroßen Fortschritte gemacht habe. Andernfalls könnte mir das alles doch kilometerweit am Arsch vorbeigehen, nicht wahr? Tut es aber nicht, weil ich natürlich insbesondere meinem Team gegenüber eine Verantwortung verspüre, die ich nicht eben ablegen kann wie so’n gebrauchtes T-Shirt. Scheiß Arbeitsethos. Ich kann manche Dinge einfach nicht liegen lassen, weil ich dann das Gefühl bekommen, nicht zu genügen; nicht qualifiziert oder geeignet genug zu sein, für meinen Job. Versagensangst. Dabei muss ich für meinen Erfolg im Job so gut wie niemandem Danke sagen; außer vielleicht der besten Ehefrau von allen, weil sie mich immer unterstützt hat, auch wenn’s manchmal schwer war. Ich habe ziemlich hart für mein Vorankommen gearbeitet, weil ich für meine Liebsten – und natürlich auch mich – ein gutes Leben schaffen wollte; und irgendwann unterwegs habe ich verlernt, meine Erfolge zu feiern. Ich schrieb hier, wenn ich mich recht entsinne irgendwann mal, dass ich in den über 26 Jahren Einsatzdienst einen Teil meiner Seele auf den Straßen meiner Stadt gelassen hätte… in den letzten Jahren ist wohl noch ein weiterer Teil dazu gekommen. Und im Moment weiß ich ehrlich nicht, wo ich danach suchen soll. Aber hey… irgendwie geht es immer weiter, nicht wahr? Ich tue mir heute Abend noch was Gutes und dann… auf zu einem weiteren, glorreich beschissenen Arbeitsjahr 2026; auf dem Weg, endgültig zu Huzzle-Buzzle zu werden! Startet schön in die neue Woche. Wir lesen uns.

Auch als Podcast…

What’s amazing…?

Um auf den Post von vorgestern direkt Bezug zu nehmen, wollte ich heute noch anfügen, was mich selbst denn nun fasziniert, weil ich davon überzeugt bin, dass es diese Faszination ist, die mich im Kern antreibt; und zwar in fast allem, was ich tue. Ob es nun meine Aufgaben im Job sind – zumindest jene, die mich immer noch erfüllen, weil sie über all die Zeit im besten Sinne zu meiner Berufung geworden sind – oder meine Hobbies, wie das Fotografieren, das Schreiben, das Storytelling an sich; all diesem Tun wohnen einige Eigenschaften inne, die sich kaum verleugnen lassen; zumindest gegenüber jenen, die hier öfter mitlesen, bzw. mithören. Wie etwa das Bedürfnis, sich kreativ auszudrücken. Der andauernde Versuch, wenigestens ein paar Menschen zu besserem Denken anzuregen. Das innige Verlangen, ein paar wenige, dafür aber bedeutsame Beziehungen pflegen zu dürfen. Die Verpflichtung, in Wort und Tat so oft wie nur möglich wahrhaftig zu sein. Und schließlich… die Suche nach etwas Frieden für den Kampf, der immerzu in meinem Innersten tobt. Ich strebe nicht nach Macht. Ich strebe nicht nach Reichtum. Und ich strebe auch nicht nach Ruhm. Anerkennung und Respekt würden mir völlig genügen, wenngleich selbst dieses bescheidene Ziel letzthin nicht zu erreichen war. Doch davon habe ich hier schon mehr als genug geredet. Heute soll es um das gehen, was mich antreibt, was mich energetisiert, was mich weitermachen lässt und was ich BRAUCHE, um nicht wahnsinnig zu werden.

Es mag zunächst seltsam klingen, doch Ich erzähle Geschichten in fast allem und durch fast alles, was ich tue! Denn ich bin davon überzeugt, dass es uns zu besseren Menschen machen kann, all jene Geschichten entdecken zu WOLLEN, welche in den Kreaturen und Dingen um uns herum existieren. Das macht uns allerdings nicht unbedingt zu guten Menschen, denn so manches Wissen lässt sich natürlich auch missbrauchen. Jene, die sich gutgläubig solchen bösartigen Menschen öffnen, können dabei beschädigt werden! Nun sind jedoch – Gottseidank – nicht allzu viele Menschen in ihrem Kern wirklich bösartig. Kombinieren wir also Neugier mit Haltung, werden wir zu Individuen, denen Begriffe wie Solidarität und Humanität nicht fremd sind. Denn in dem Moment, da ich mein Herz bewusst für die Geschichten anderer öffne, öffne ich gleichzeitig auch meinen Geist für die Wahrheiten anderer. Auch hierin liegt eine gewisse Gefahr, weil manche subjektive “Wahrheit” unschön, verletzend und manchmal sogar hassenswert sein kann, wenn wir über Chauvinismus, Rassismus, Verschwörungsmythen und derlei Mist reden. Aber auch derlei ist – entgegen manchen Mediennarrativen – nicht allgegenwärtig. Es gibt gewiss zuviel davon, aber es gibt weit mehr gute Menschen, als man gemeinhin glauben möchte. Was ich allerdings schon lange beobachte ist, dass die Medien, auf welche Zuhörer*innen anspringen stark variieren. Manche holt man tatsächlich nur mit dem Klang der Stimme ab, manche mit audiovisuellen Reizen und anderen muss man etwas für die Finger geben. Was in bestimmten Kontexten schwieriger ist, als in anderen. Womit Storytelling eine hoch wandlungsfähige Herausforderung bleibt; das macht es für mich allerdings auch so spannend.

Wenn ich nun also sage, dass ich immerzu Geschichten erzähle, dann dienen diese natürlich nicht allesamt der Unterhaltung; wenngleich dies durchaus für einige gilt. Und ich erzähle nicht überall auf die gleiche Art. Stil, Inhalt, Darbietungsform und gewünschte Wirkung wandeln sich natürlich mit der Zusammensetzung und Größe des jeweiligen Auditoriums. Und selbstverständlich verändert sich auch mein Sprachniveau. Manchmal möchte ich Auszubildenden bzw. Teilnehmenden etwas vermitteln, manchmal möchte ich Andere für eine Idee oder ein Projekt gewinnen, manchmal möchte ich einfach nur die Stimmung heben, manchmal möchte ich Spannung aufkommen und meine Spieler am Tisch etwas erleben lassen. Storytelling ist also immer anders. Allen Geschichten wohnt jedoch eine Eigenschaft inne, die ich für unverhandelbar halte – Zugewandtheit. Ich hatte irgendwann mal meine “Three-Strikes”-Regel erwähnt, also das Menschen von mir immer einen schönen Vertrauensvorschuss erhalten – jedoch sofern sie mich drei Mal enttäuschen, sofort auf die, unterdessen sehr lange, Arschloch-Liste kommen. Die Zugewandtheit ist in meinem humanistischen Menschenbild verankert und damit eine Haltung, die für mich unverhandelbar ist. Menschen sind zuallererst Menschen (Ausnahmen hiervon mache ich nur für tyrannische Diktatoren-Arschlöcher, wie Putin, Trump, Erdogan, Netanyahu, etc. – das sind allesamt Monster, die bestenfalls einen Gnadenschuss verdient haben). Daraus erwächst, dass immer Figuren, Charaktere, Menschen aber nur sehr selten Sachen im Mittelpunkt meiner Geschichten stehen. Herausforderungen, Hindernisse, Motive, Träume, Emotionen, Entwicklung… eben das menschliche Drama ist es, dass mich fasziniert (und ja, wenn wir Fantasy Pen’n’Paper spielen, subsummiere ich das, was den Mitgliedern anderer Spezies wie Elfen, Zwergen, Orks, etc. wiederfährt auch unter menschlichem Drama).

Das ist der Kern. Außenherum finden sich die Geschichten, die aus dieser Suche nach dem menschlichen Modus, nach Drama und Entwicklung entstehen; und die manchmal witzig, manchmal spannend und manchmal auch traurig sind. Jedoch mitnichten immer so, wie ich sie geplant hatte. Gestern Abend etwa habe ich gespielleitet und zwischendrin wurde es thight für die Charaktere. Das Ende kam dann jedoch ein wenig antiklimaktisch daher, da ich den Eindruck hatte, dass jetzt noch einen Knaller draufzusetzen alle Beteiligten eher nerven als noch mal hooken würde. Ob ich damit Recht hatte, werden wir nie rausfinden. Was ich damit allerdings sagen möchte ist, dass meine Geschichten mitnichten immer so funktionieren, wie intendiert. Oder dass ich am Ende immer bekomme, was ich brauche/will. Aber der Versuch zählt, Denn, wenn ich aufhören würde, Geschichten zu erzählen, wenn ich aufhören würde, diesen – meinen – speziellen Ausdruck von Kreativität zu leben, dann würde ich vermutlich ganz und gar aufhören zu leben. Für mich ist diese Faszination, welche das Storytelling mit all seinen Facetten in mir selbst immer wieder auslöst wie Sauerstoff. Ohne Kreativität stirbt die Seele! In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen und hoffentlich wenigestens etwas kreativen Tag.

Auch als Podcast…

Next stop – fascination…!

Was bedeutet Faszination? Ich meine genügt es, von irgendetwas überrascht zu sein, um sich fasziniert zu fühlen? Muss dazu eine Erfahrung entstehen, die ich noch niemals zuvor gemacht habe? Oder kann mich auch etwas faszinieren, dass ich eigentlich bereits zu kennen glaubte? Was ist das denn überhaupt – Faszination? Und… fühlt es sich für jeden von uns gleich an? Ist überhaupt jeder von uns „faszinierbar“? Zumindest bezüglich dieser Frage denke ich eine Antwort zu haben, wenngleich auch keine befriedigende: Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir modernen Menschen die Fähigkeit verlieren, von den Dingen, die uns umgeben und denen wir begegnen, fasziniert zu werden. Das könnte an unserem üblichen Modus der Medienrezeption liegen, über den ich bereits bei mehreren Gelegenheiten gesprochen habe. Aber das ist lediglich eine Vermutung. Warum ist es dann überhaupt wert, extra darüber nachzudenken, was uns fasziniert und warum? Hilft uns die Fähigkeit fasziniert werden zu können denn bei irgendwas? Ist es für den „menschlichen Modus“ in irgendeiner Weise von Bedeutung? Und falls dem so wäre, welche individuellen Auswirkungen hätte es dann? Da habe ich nun eine Menge Fragen aufgeworfen, rings um einen Begriff, der für die meisten Menschen, wenn überhaupt nur einen, schwer zu beziffernden Stellenwert zu haben scheint. Wie so oft sind die Antworten auf all diese Fragen nicht in meinem Kopf zu finden, weil jeder und jede diese für sich selbst selbst beantworten muss, um überhaupt irgendetwas über sein Selbst herausfinden zu können. Denn eines scheint gewiss: auch Faszination ist ein höchst individuelles Thema.

Ich werde nicht nochmal auf den Modus der Medienrezeption eingehen. Dem habe ich hier neulich relativ viel Raum gewidmet. Worauf ich allerdings eingehen möchte, ist die Frage nach der Faszinierbarkeit; insbesondere unter dem Aspekt, dass ich ja eben einen nicht unerheblichen Teil der Menschen unterstellt habe, dass sie eben nicht fasziniert werden könnten. Und da sind wir schon bei einer interessanten Unterscheidung: sind wir eher fasziniert aus uns selbst heraus (aktiver Vorgang), oder werden wir fasziniert durch extrinsische Reize (passiver Vorgang)? Nach meiner persönlichen, rein anekdotischen Evidenz ist es natürlich eine Mischung aus beidem. Allerdings ist das Mischverhältnis von Mensch zu Mensch verschieden! Das hat mit den individuellen Interessen zu tun, dem Umfang des „Weltwissens“ (nicht Allgemeinbildung im klassischen Sinne, sondern Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Wissensgebieten, Kulturen und Situationen), sowie der individuellen Ausprägung insbesondere der Persönlichkeitsmerkmale „Offenheit“, „Extraversion“ und „Verträglichkeit“. Kommen wir nun zur Faszinierbarkeit zurück, so wird einem der gesunde Menschenverstand bei der Erkenntnis weiterhelfen, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Wahrnehmungen reagieren, allerdings umso leichter fasziniert sein können, je mehr sie bereit und fähig sind, sich auf Neues einzulassen… klingt komisch, ist aber so. Vor allem unter dem Aspekt, dass man Neues auch im Bekannten finden kann, wenn man die Sinne nur weit genug offenlässt. [EXKURS: Scheiß-Nazis sind also nicht nur dämliche Rassisten, Chauvinisten und Mysogynisten, sondern auch noch überaus arme Schweine, weil Veränderung ihnen Angst macht; und sie deshalb NICHT in den Genuss kommen, sich WIRKLICH faszinieren lassen zu können. Noch ein guter Grund, kein Scheiß-Nazi zu sein! EXKURS ENDE]

Nehmen wir das Beitragsild weiter oben. Ich kenne diesen Ausblick mittlerweile seit über 28 Jahren (ja, so lange wohne ich schon am gleichen Fleck, meine Fresse…); und dennoch finde ich dort, von der Balkontür in der Küche aus, immer mal wieder neue Einblicke, neue Farben, neue Details, neue Gedanken und Inspirationen, die mich immer wieder zu diesem Ort gehen und einfach nur schauen lassen. Nicht jeden Tag, aber doch immerhin oft genug, um sagen zu können, dass ich des Anblickes immer noch nicht müde geworden bin. Man könnte nun sagen, dass es einfach nur gelernte Gewohnheit ist – “Konditionierung”, wenn man so will – die mich an das allzu Bekannte fesselt, weil das allzu Bekannte uns Sicherheit gibt. Wir Menschen haben und pflegen Traditionen, weil diese uns im ewigen Zyklus einer sich stetig weiter ändernden Welt einen Anker bilden, den wir als stabilen Haltepunkt für unsere Identität nutzen können! Man könnte meine Gewohnheit, immer wieder diesen Ausblick zu studieren nun also als Ausdruck meines Sicherheitsbedürnisses im Angesicht der Unsicherheit unserer Zeit und Welt deuten. Fair Game… allerdings gibt es einen kleinen, jedoch alles entscheidenden Unterschied zwischen mir und dem Scheiß-Nazi, der auch aus seinem Küchenfenster kuckt, und ganz sicher ebenso ein Bedürfnis nach Sicherheit hat. Denn anders ist sein Hass auf alles Neue und Fremde kaum zu erklären! ICH schaue hinaus und sehe den Ausblick als das, was er ist – ein Abbild des stetigen Wandels, nicht nur der Jahreszeiten, sondern der Welt an sich. ICH sehe die Veränderungen – und auch, wenn ich nicht jede von ihnen mag, nehme ich sie an und reflektiere ihre Bedeutung für mein Sein. Der Scheiß-Nazi jedoch… der steht einfach nur da und blubbert stumpf vor sich hin, weil die Welt sich halt ändert – und er das aber partout nicht wahrhaben will! Nur, damit das an dieser Stelle klar ist: ich verstehe den Mechanismus. Aber Verstehen bedeutet keinesfalls Verständnis! Der Scheiß-Nazi bleibt immer noch ein Scheiß-Nazi, dem ich mit Ablehnung und Kampf begegnen werde.

Faszination ist also einerseits eine weitere Facette von Verständnis; und andererseits die Bereitschaft, immer wieder staunen zu können… und zu wollen! Also die aktiven Seite von Faszination zu leben. Denn, wenn ich mich immerzu nur berieseln lasse, in der Erwartung, dass irgendwas mir schon ein WOW entlocken wird, dann stirbt dieser Teil. Und damit ist es doch irgendwie auch wieder eine Meditation über Kreativität. Allerdings dieses mal mit dem Spin, dass bewusst kultivierte Kreativität in vielen Fällen auch davor schützt, sich von den falschen Predigern (Fascho-Gesocks, Bible-Basher, windige Coaches und ihr Gefolge) vereinnahmen zu lassen; nämlich indem wir weiter denken, wenn die anderen sich schon ihr rein extrinsisches WOW abgeholt haben und geblendet von Fake-Faszination anfangen, seltsame Dinge zu tun. Apropos… waren die Heiligen Drei Könige schon bei euch…? Ich wünsche einen faszinierenden Tag.

Auch als Podcast…