Es ist immer wieder faszinierend, wie leicht man sich selbst in eine Abwärts-Spirale hinein denken, schreiben, leben kann; objektiv können die Dinge oft noch so schön, entspannend, faszinierend, inspirierend sein, doch du kannst es nicht fühlen. Das ist einer der Aspekte von Depression, den man Menschen nicht erklären kann, die diese Erfahrung nicht selbst gemacht haben. Man kann es den “Uneingeweihten” auch nicht zum Vorwurf machen, denn objektiv betrachtet ist es wesentlich besser, NICHT über diese Erfahrung zu verfügen. Nun ist es halt so, dass sich meine Gedanken manchmal auch dann in diese Richtung bewegen, wenn ich objektiv betrachtet eigentlich im Himmel sein müsste. Denn so ein Urlaub in den Pyrenées-Orientales bietet so ziemlich alles, was man sich nur wünschen kann. Höchst beeindruckende Landschaften, da ist innerhalb 50 KM Fahrtstrecke von Gebirge bis Meer alles dabei. Baden gehen in schattigen Felsenschluchten oder an den feinen Stränden des Mittelmeers. Kultur zum erwandern, anfassen, erleben. Egal ob eher geschichtsträchtig oder doch modern, man findet hier wirklich alles. Und natürlich das Essen. Denn egal, ob man nun einkaufen geht, um selbst zu kochen, oder sich im Restaurant verwöhnen lässt, der Gaumen findet hier seine Freude. Niemand will irgendwas von mir, keine tickende Uhr, die auf Termine hinweist, kein Druck von irgendwelchen Chefoiden; bestenfalls die Tochter und die beste Ehefrau von allen hegen gewisse Ansprüche. Und die sind hinreichend nah an meinen eigenen Bedürfnissen. Man sollte also meinen, dass alles gut ist. Doch diese Aufs und Abs in meiner Seele, die ich auch im Urlaub unterdessen immer wieder erlebe, sind für mich zu einem Marker dafür geworden, wie dringend ich etwas an meinem Leben ändern sollte. Ist das alles nicht einfach bloß Gejammer auf sehr hohem Niveau? Sagen wir mal so: nicht, wenn man gewisse Prinzipien hat.

Oh ja, ich kann es in meinem Hinterkopf hören: “Stell dich nicht so an!”, “Ach je, mal wieder die Schwermut des rotweinsaufenden Paukers!”, “Heul leise in dein Cassoulet!”, “Ich hätte auch gerne so einen Urlaub – kannst das nächste Mal die Reise ja verschenken, wenn du es nicht zu würdigen weißt!”, “Dann komm halt besser drauf!”. Ich sag mal so: fast 12 Monate Therapie, Journaling, Gespräche mit guten Freunden, gelegentliches Entgegenkommen durch meinen Arbeitgeber haben an der Situation in meinem Kopf bislang leider nur wenig verbessert. Ich weiß das, was ich habe und das was ich gerade tue SEHR zu schätzen. Ich habe auch lange und hart genug dafür gearbeitet, damit wir uns solche Dinge leisten können. Mittlerweile weiß ich außerdem, was ich eigentlich alles tun müsste; und die Dinge, die sich halbwegs zügig umsetzen lassen, setze ich auch um. Doch… der Hauptbrocken, nämlich meine stetig wachsende Unzufriedenheit im Job, der wird nicht besser vom Warten und Weiter-so. Doch alles hinschmeißen und weiterziehen ist nicht so einfach, wie manche Hoi-Dois da draußen das gerne darstellen. Und dann kommt auch noch dieser Idioten-Sommer dazu, der mir klar aufzeigt, dass es nicht 5 vor 12 ist, sondern 2 nach… und wir bestenfalls noch verhindern können, dass die Hölle uns alle schon demnächst verschlingt. Okay, okay, das war leicht übertrieben., denn es gibt tatsächlich so einiges, was wir noch tun können. Aber das alles kostet jemanden wie mich, der gerade nicht wirklich auf sich selbst klarkommt unfassbar viel Kraft. Denn es liegt mir fern, irgendjemanden im Stich zu lassen; selbst dann, wenn das bedeutet, dass ich noch mehr von der knappen und kostbaren Ressource meiner Energie darauf verwenden muss, Dinge am Laufen zu halten, die mich nicht unbedingt irgendetwas angehen müssten. Verdammich!

Ich bin weit davon entfernt, zu verzweifeln. Lediglich nachts, wenn Hitze und Schwüle des Tages derzeit nur sehr langsam weichen und ich mich fühle wie ein Braten im Sous-Vide-Garer, dann kommen, dem langsam im Ruhemodus versinkenden präfrontalen Cortex sei Dank die Gedanken, die Sorgen, die Zweifel – eben das ganze Rundum-Sorgenvoll-Paket. Wenn die Affektkontrolle schwindet, dann feiern unsere ungezügelten Emotionen Urständ. Ein Grund mehr, dass spätabendliches Saufen eigentlich keine gute Idee ist, betankt man sich dabei doch eh schon mit DEM Kontrollverlust-Nektar schlecht hin. Nun ja… hier ein kleiner Hinweis: ich trinke schon seit geraumer Zeit eher wenig Rotwein. Ist einfach nicht gut für meine Magenschleimhaut. So viel zum Rotweinsaufenden Pauker. Und wohin in Drei Teufels Namen führt das alles nun? Genau hier und jetzt ist es nicht mehr, als ein bisschen Ergo-Therapie. Gib deinem Frust einen Namen, eine Form und verbrenne ihn gedanklich oder symbolisch. Ritualisiere einen Abschluss mit den Dingen. Insofern ist mein Blog manchmal also auch so etwas wie eine digitale Voodoo-Puppe. Schade nur, dass meine Nadeln bislang kaum Wirkung zeigen. Was gesagt wird, hilft mir zwar, die Dinge klarer zu sehen. Doch an Struktur und Funktion meines Gehirns kann ich ebensowenig etwas ändern, wie an meiner generellen Unzufriedenheit mit bestimmten Aspekten meines Daseins – okay, meinem Job! Ich kann also nur an meinem Dasein etwas ändern und hoffen, dass die Unzufriedenheit dann abnimmt oder gar ganz verschwindet. Aber wer kann schon wissen, auf welchen grandiosen Mist sich meine CPU dann einschießt…? Wie dem auch sei, es ist heiß und schwül, es ist meistenteils sonnig und es ist Urlaub. Ich re-frame also meine Sicht auf die Dinge, kehre zurück in den Urlaubs-Modus und SCHEISSE auf alles, was mich unglücklich macht. Denn mein Cassoulet war definitiv nicht zum Weinen. Ebenso wenig wie unsere bisherigen Ausflüge. Die Gegend hier hat nämlich in jedem Fall meine positive Aufmerksamkeit verdient. In diesem Sinne… macht’s mal gut








