Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

…dass ich so grüblerisch bin? Gemessen am Zustand der Welt geht es mir objektiv nämlich immer noch verdammt gut. OK, meckern geht immer. Mein Impftermin ist durch die Quarantäne flöten gegangen und meine Laune ist mittelobermies. Könnte evtl. daran liegen, dass ich mir derzeit dezent verarscht vorkomme. Das will ich hier zunächst aber gar nicht weiter ausführen, sonst müsste ich euch wegen der Geheimhaltung alle erschießen; aber die Munition ist alle. Zusammengefasst: objektiv ordentlich vs. subjektiv unterirdisch. Klingt das nach Depression? Na ja, vielleicht ein kleines bisschen…

Eigentlich ist die Überschrift gelogen. Ich weiß, warum ich so grüblerisch bin. Es ist einfach Teil meiner Natur. Hatte ich im letzten Post nicht etwas über den problematischen Begriff ICH referiert? Ja hallo habe ich das! Neue Frage: Wenn’s kein ICH gibt, wie kann’s dann ein Grübeln über Träume, Ziele, Sorgen etc. geben. Wenn ICH nicht existiert, sind auch die auf ICH bezogenen Probleme nichtig – oder? ODER? Tja. Die Kognitionswissenschaft und die Psychologie sind halt doch zwei unterschiedliche Disziplinen. Und wenn ICH, so wie Kultur, Religion, etc. eher ein Prozess anstatt eines statischen Konstruktes zu sein scheint (jede Person, die sich schon mal WIRKLICH in Selbstreflexion geübt hat, weiß das im tiefen Grunde ihres Herzens), so realisiert sich unsere Persönlichkeit im Vollzug dieses Prozesses. Wir sind nicht nur, indem wir DENKEN (Descartes: „cogito ergo sum“), sondern indem wir unsere Realität aus unseren Wahrnehmungen ständig re-konstruieren (stark verkürzte Beschreibung) – und dabei lernen, bewusst zu WOLLEN (Schopenhauer: „Kann der Mensch wollen, was er will?“). Oder besser: dies zu unterlassen, wenn das Wollen destruktiv wird. Wenn also aus dem Ego ein EGO zu werden droht (was in der Realität den Meisten irgendwann passiert).

Das Problem ist Folgendes: ich weiß, dass ich an diesem Punkt bin, an dem mein Wollen zu einem Problem zu werden droht, weil sich eine gewisse Gier meiner bemächtigt. Die Gier nach einem unklaren MEHR… ja, aber mehr wovon eigentlich? Kohle vielleicht? Aber Geld ist doch letzten Endes nur ein Mittel zum Zweck. Allerdings eines, dessen Besitz zugegeben die kleinen Dämonen der existenziellen Sorge recht gut zu besänftigen weiß. Dann eventuell Einfluss? Also die Möglichkeit, Dinge und Prozesse nach meinem Bilde gestalten zu können? Oh, das ist ein gefährliches Terrain. Denn aus Einfluss wird gelegentlich Macht. Und aus Macht erwächst in aller Regel nichts Gutes, weil diese nicht nur zum GEBRAUCH sondern leider auch zum MISSBRAUCH geeignet ist. So komme ich zu dem Punkt, da mir klar wird: ja ich möchte gestalten und dafür auch Verantwortung übernehmen! Aber ich weiß nicht, ob, bzw. wie viel Macht ich innehaben möchte. Vielleicht wäre ich zu schwach, sie nur zu gebrauchen? In jedem Fall weiß ich, dass ich Lehren möchte. Denn Lehren ist – zumindest so, wie ich es zumeist tue – wie Geschichtenerzählen. Und das ist meine wahre Leidenschaft. War es immer und wird es immer sein!

Daraus erwächst für mich allerdings ein Dilemma: wo ist der Ort, an dem ich dieser Leidenschaft (auch wenn sie meine Leiden schafft) produktiv frönen kann, ohne mich verschiedenen Anfechtungen ausgesetzt zu sehen? Und diese beinhalteten in letzter Zeit die Forderung nach (unnötigem und gegenwärtig überdies medizinisch unsinnigem) Präsentismus. Ferner das Störfeuer anderer Protagonisten, die mit meiner Art, die Dinge anzugehen nicht zufrieden waren. „Das haben wir schon immer so gemacht!“ ist das beste Beispiel für langsam oder unzureichend lernende Organisationen; und diese verbrennen ihre beste Ressource – nämlich ihre Mitarbeiter – unnötig schnell durch Desillusionierung und Unzufriedenheit. Doch ein solcher, unzufriedene Geist beginnt alsbald, nach den sprichwörtlichen „Kirschen in Nachbars Garten“ zu suchen. Worin das mündet, muss ich hier vermutlich nicht weiter ausführen.

Ich suche nicht nach ungefragt erteilten Ratschlägen; obschon ich manchen Menschen durchaus zuhöre. Ich lese ja aber auch keine Ratgeberbücher vom Grabbeltisch, sondern möchte mir meine (informierte) Meinung selbst bilden dürfen. Gerne auch im Diskurs. Ich muss hier nur einfach meinen Frust und meine Grübelei auf die digitale Leinwand gießen, weil mir das gut tut. Wie schon mal irgendwann gesagt: es ist ein bisschen wie öffentliche Therapie. Ein Schüler hat heute im Distanzunterricht angemerkt, dass morgen ja der „Tag der Arbeit“ sei. Ich werde diesen auf meine Art begehen – durch (wenn auch nur geistige) Arbeit! Und wahrscheinlich kippe ich mir dabei ein, zwei Hopfenkaltschalen auf die „Internationale“ hinter die Binde. In diesem Sinne: FREUNDSCHAFT!

Über sich selbst hinaus wachsen…?

Ich denke, es schon oft gesagt zu haben – oft, aber vielleicht noch nicht oft genug – dass Wachstum um des Wachstums Willen Käse ist. Konsumkapitalistische Bullshit-Rhetorik, sonst nix. Fatalerweise überträgt man diese Metapher endloser Wachstumsfähigkeit auch auf die Opfer des Konsums – uns kleine Pappnasen, die allesamt mit Zeit, die wir anders nutzen könnten Geld zu verdienen versuchen, das nichts wert ist, um Dinge kaufen zu können, die wir nicht brauchen, und die uns nicht glücklich machen; was uns die Werbung dennoch so vehement weißzumachen versucht. „Heidewitzka-Trallala, das neue Phone, das ist schon da!“ Also strecken wir uns noch ein bisschen mehr, oder…?

Kann ich wollen, was ich will? Oder will (und bin) ich, was andere wollen? (Danke Schopenhauer!)

In dem Moment, da ICH diese Worte schreibe, frage ICH mich, wonach ICH eigentlich strebe. Wenn das dauernde Streben nach Performance- und damit Marktwert-Steigerung doch wahrscheinlich nach Nirwanowska führt, bestenfalls jedoch in die Ehrenhalle der Bornout-geplagten High-Performer (ja, auch die Russen brauchen ein Nirwana; und wenn’s noch keines geben sollte, würde Waldimir Wladimirowitsch der alte Superheld bestimmt eines erfinden – und die besten Plätze für sich, seine Jagdtrophäen und seine Oligarchen-Apparatschiks reservieren). Doch zurück zu MIR. Was ist das denn überhaupt, dieses ICH? Ein Wort ohne Bedeutung, ohne Ort, ohne Substanz? Ein Prozess, der sich im Zeitlauf immer und immer wieder neu realisiert? Ich weiß es doch auch nicht so recht. Kann mir einer von euch sagen, was ihr, oder sein, oder hen ICH tatsächlich ist, wo man es findet und was es bedeutet? Und jetzt labert nicht irgendwas sinnlos-poesiealbenwürdiges wie „das Spiegelbild meiner Seele“, „die Summe meiner Träume (auch der gestorbenen)“ oder „das Produkt meiner Gedanken“. Alles Käse. Zumindest aus Kognitionswissenschaftlicher Sicht.

Wenn also ICH ein so schwierig bestimmbares Dingenskirchens ist, etwas unfassbares, unnahbares, unbestimmbares – warum in drei Teufels Namen mache ICH mir dann so viele Gedanken darum, was ICH noch erreichen will? Gibt’s kein ICH, gibt’s auch keinen Grund für diesen riesigen Aufriss, der nur materielle und immaterielle Ressourcen verschwendet, ins Burnout-Nirwanowska führt (Wladimir, wenn du es wagst, diesen Begriff zu klauen, wirst du Kalaschnikowiert!), und sonst nix produziert außer Abraum und Verschwendung. Denn es sind immer die Egos, die schlimme Fehler und in der Folge Leid, Elend und Not verursachen. Denkt kurz etwas über 100 Tage zurück. Da gab es diesen Typen mit dem toten orangefarbenen Tier auf seinem Kopf. Was für ein Ego – was für ein Desaster. Ist es wirklich das, was ein jedes Menschlein braucht – sein ICH?

Ich sollte erwähnen, dass ich im Moment im Quarantäne-Home-Office bin. Ich nehme das mit der Absonderung ernst, weshalb meine Work-Life-Balance gerade vollkommen im Arsch ist. Ich habe total entgrenzt. Aber wenn man den ganzen Tag alleine in seinem Corona-Apartment-Büro mit angegliedertem Bad drin hockt, und mit seinen Gedanken, Ideen, Büchern und dem Computer alleine ist, was soll man da auch schon groß machen. Musst dich ja beschäftigen, wenn de nich meschugge werd’n willst! Also wird gemacht und getan und überhaupt. Aber die Gedanken sind da und man wird sie nicht mehr so leicht los. Kann ICH wollen was ICH will, wenn es dieses ICH nicht gibt? Und falls das wirklich so ist, was treibt mich dann überhaupt an, außer der bloßen Notwendigkeit zur Subsistenz, was ohne Kohle in unserer bekloppten Welt halt nicht funktioniert? Das was mich ausmacht (was auch immer das sein mag) weiß es immer noch nicht. Aber wenn es zu einer Erkenntnis kommen sollte, werdet ihr anderen ICHs da draußen es erfahren. Bis dahin allerdings hätte ICH einen Ratschlag – lasst es UNS mal mit weniger EGO probieren! Könnte der Welt und uns allen helfen. Gute Nacht…

Zwischenruf N°4 – Alles dicht machen?

Da haben so ungefähr dreiundfickdich Kulturschaffende darauf aufmerksam machen wollen, dass manche von Ihnen den Querdenkern näher stehen, als dem gesunden Menschenverstand; ist ihnen gelungen! Danke Jan-Josef Liefers, dass du nun endlich auch für die tumbe Rechtsnationalisten-Postille „Tichys Einblick“ zitierfähig geworden bist. Würde ich political correctness so ernst nehmen, wie manches möchtegern-linksliberales Vorstadtgemüse (sendungsbewusste, trend-ökologische Ex-Hippster und so’n Gedöns), dürfte ich nie wieder eine Sendung anschauen, an deren Entstehung du rechts, links oder vor der Kamera beteiligt warst. Macht man neuerdings so. Pippi Langstrumpf ist ja jetzt auch kolonial-rassistisch… (sorry, Paywall).

Was erlaubt sich diese Bühnen-Bourgeoisie? Die machen doch nicht auf die Nöte Ihrer Zunft aufmerksam, sondern sie heulen ganz klar im Namen ihrer ganz persönlichen Partikular-Interessen rum. Typisch deutsch – Jammern auf hohem Niveau. Hätten sie mit ihrer teils enormen Reichweite eine Bühne für die Sorgen und Nöte derer gebaut, die unser Land tatsächlich am Laufen halten, wie etwa erst kürzlich Joko und Claas mit der überlangen Pflege-Doku, hätten sie aber nicht so schön ironisch in jene Kerbe schlagen dürfen, welche momentan die FDP und die AfD in unnachahmlicher Art bedienen! Angebliche Sorge um Bürgerrechte als Mäntelchen für das eigene Schäfchen, das noch ins Trockene muss. Verfassungsklage gegen die „Bundesnotbremse“? Dass ich nicht lache. Das Bremspedal wurde allenfalls sachte gestreichelt und die haben nichts besseres zu tun, als das auch noch kippen zu wollen? Müssen wir wirklich erst Leichen mit Militärlastern wegkarren, bevor die begreifen, was sie anrichten?

Mal davon ab dass dieses möchtegern-intellektuelle Bildungsfernsehen, welches speziell der öffentlich-rechtliche Rundfunk der BRD allzu häufig inszenieren zu müssen glaubt eh tot ist. Wenn’s nur darum geht, dass ihr damit eure Brötchen verdient, wie wäre es mit einem frischen Ansatz? Vielleicht solltet ihr lauten Nullnummern mal darüber nachdenken, dass es auf der Welt nichts beständigeres gibt, als den Wandel – und in der Konsequenz anfangen, sich mal mit zu wandeln. „Danke den Medien, das sie seit einem Jahr den Alarm oben halten“ (sinngemäß zitiert)? Herr Liefers – bist du so dumm, glaubst du das wirklich, oder entschuldigst du dich mal wieder mit dem wohlfeilen Argument der Satire, die alles darf? Ist mir egal, wie du diesen Scheiß begründest – ein einziges Mal noch ist es notwendig, diesen anderen Schlaubi-Schlumpf Nuhr zu zitieren: „Wenn man von irgendwas keine Ahnung hat – einfach mal Fresse halten!“

Ich habe es so satt, dass dauernd noch irgendein Hanswurst aus seinem Loch gekrochen kommt und meint, Politik machen zu müssen. Viel zu vielen Menschen in diesem Lande geht es offensichtlich trotz Krise immer noch viel zu gut. So sehr zu gut, dass sie vollkommen aus den Augen verloren haben, wie privilegiert und watteweich eingepackt sie sind, weil andere sich den Arsch dafür aufreißen, dass die ihr gepudertes Näschen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in irgendwelche Kameras halten können. ES IST JETZT ENDGÜLTIG GENUG… und es ist für mich endgültig bewiesen: social Media ist der Fluch, der das Ende unserer Zivilisation besiegeln wird! Weil plötzlich wirklich jeder seine Meinung mit ungeahnter Reichweite versehen kann. Und weil manche, die schon Reichweite haben, diese ungeniert (und ungestraft) für ihre ganz persönliche Agenda missbrauchen können. Vielleicht wird die neue Woche ja besser. Bis bald.

Der verwirrte Spielleiter N°31 – Auf Entzug!

Könnte ein heikles Thema sein. Das hängt allerdings stark von den persönlichen Erfahrungen der Spieler und der/des SL ab: nämlich Charaktere mit Suchtproblemen. Zum einen ist es verdammt leicht, hier ins Land der allzu seichten Klischees abzugleiten, weil vielen Menschen First-Hand-Experience mit Suchtproblematiken schlicht fehlt. Und damit ist auch gleich eine der Gefahren offengelegt: nämlich Spieler mit Suchtproblematiken im echten Leben (gleich ob derzeit im Griff oder nicht) durch das Spiel implizit zu verletzen. Beides sind Killer für den Spielspaß, und damit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn natürlich möchte ich Geschichten erzählen, die für alle eingängig sind, nicht zu seicht daherkommen, aber auch nicht für irgendjemand am Tisch zur Beleidigung werden. Wenn ich mich also dazu entschließe, mehr oder weniger kaputte Chars zuzulassen, muss ich diese Risiken im Hinterkopf behalten. Und dann ist da noch eine Sache, über die wir später zu reden haben: ist (Pen’n’Paper)Rollenspiel an sich suchtgefährdend?

Ganz grundsätzlich ist jedwede Sucht – gleich ob stofflicher Natur, oder auf bestimmte Handlungsmuster bezogen – im echten Leben kein Spaß, und niemandem ernsthaft zu wünschen. Hier ist mit Blick auf das Spiel jedoch eine gewisse Differenziertheit notwendig. Denn natürlich werden psychische Probleme dieser Art in Literatur, Film und Fernsehen nur zu gerne als stilistisches Mittel benutzt. Zum Beispiel als Hindernis, welches der Held überwinden muss, um den Tag retten zu können. Oder als Möglichkeit, die Erfolge eines Teams zu entwerten und damit die Spannung zu steigern. Gelegentlich auch als Reaktion auf einen Verlust der Protagonisten. Die erzählerischen Möglichkeiten sind vielfältig. Problematisch ist dabei, dass (Drehbuch)Autoren allzu gerne in das Schema verfallen, eine psychische Erkrankung als Charakterfehler hinzustellen – was sie nicht ist! Das zu erklären ginge jetzt hier zu weit. Wichtig ist jedoch, dass das Stilmittel nur dann funktioniert, wenn es nicht mit ungerechtfertigtem Moralisieren verbunden wird.

OK, hier haben wir also wieder so eine kaputte, dysfunktionale Type oder Typine, weil’s halt gerade wieder in Mode ist, keine strahlenden Helden haben zu wollen. Kein Thema. Dann muss der Spieler aber auch akzeptieren, wenn er mit Abzügen für dies oder jenes belegt wird, weil der Char gerade high, oder aber im Cold Turkey ist. Und das bestimmte Handlungen für sie/ihn schwieriger sind, als für andere. Ich setze jetzt mal voraus, dass die meisten Pen’n’Paper-Spieler schon mal mit Nachteilen für Ihre Chars experimentiert haben – wenn sie dafür Vorteile kaufen konnten. In meinem System gibt’s sowas nicht. Weil ich das Konzept ganz grundsätzlich beknackt finde. Ja, der Gedanke, ausbalancierte Chars zu haben ist schön. Aber wenn ich Spieler dahin zu zwingen versuche, werden sie seltsame Dinge tun, welche ihre Chars nicht unbedingt besser – oder besser spielbar – machen. Die allermeisten werden solche Regeln, mehr oder weniger unbewusst, zum Min-Maxen nutzen.

Ich kann euch schreien hören: „ICH min-maxe doch nicht!“ Ja klar. Noch nie ’n Char optimiert, damit er/sie in irgendeinem Bereich besonders effizient ist? Glaube ich euch nicht! Ist aber auch egal. Biete ich die Möglichkeit systemseitig gar nicht erst an, sondern jeder Char wird halt gebaut, wie er/sie gebaut wird, kommt es manchmal auch zum Min-Maxen. Oft ist es aber bei meinen Spielern so, dass sie am Schluss selbst den Wunsch äußern, dem Char eine besondere Macke verpassen zu wollen; und geben mir damit einen Haufen Plothooks an die Hand, die ich nur zu gerne nutze. Dabei entstehen, weil ich das so designt habe, auch mit eingebauten Schwächen, Chars, mit denen man Lustbarkeiten in episch-cinematischer Breite veranstalten kann, ohne dass sie gleich kaputt gehen. Und die trotzdem verletzbar genug sind (und auch bleiben), dass das Wort „Vorsicht“ für sie und ihre Spieler trotzdem nie seine Bedeutung verliert. Einen Charakter in diesem Kontext nach irgendwas süchtig zu machen, funktioniert dann zumeist tatsächlich als reines Story-Instrument. JA – es steigert eventuell die Verwundbarkeit! NEIN – dadurch müssen nicht unbedingt in Zahlen abbildbare Vorteile entstehen; weil die Chars auch so gut genug sind! Ich habe dieses „Chars zu Beginn möglichst fragil machen“ eh nie verstanden. Wo zum Henker ist der Spaß, wenn eine verdammte Kanalratte dich totbeißen kann?

Und was ist jetzt mit der Rollenspiel-Sucht? Ist das überhaupt ein Thema, oder hat er jetzt wieder ’n Ei am Wandern? Sagen wir mal so: eine kurze Recherche ergab nur belastbare Zahlen zum Thema MMORPGs. Klassisches Pen’n’Paper ist als Forschungsdomäne noch vollkommen unterrepräsentiert; auf Grund des anhaltenden D&D 5E-Booms ist es aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Klientel (also auch Typen wie ich) wieder ins forschende Blickfeld der Sozialwissenschaften rücken werden. Ich persönlich möchte dazu aber ein paar Anmerkungen treffen:

  • Ich bemerke den Mangel an tatsächlicher Spielzeit seit Beginn der Pandemie für mich persönlich als belastend. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Pen’n’Paper ein ausgesprochen soziales Spiel ist; aber sicher nicht nur…
  • Ich habe, quasi als Ersatzbefriedigung, angefangen an meinem Regelwerk zu feilen, Chars zu bauen und insgesamt Designwork anderen Tätigkeiten vorgezogen, die im realen Leben durchaus wichtig sind. Ich habe dadurch zwar kein Absinken meiner sonstigen Arbeitsproduktivität erzeugt, aber der Hang zur Alltagsflucht ist deutlich.
  • Tendenziell fanden/finden solche eskapistischen Eskapaden zu nachtschlafender Zeit statt, was sich leider gelegentlich auf meine Tageswachheit auswirkt.
  • Zocken an der Konsole oder am Computer kann das Verlangen nicht in ausreichender Tiefe und Qualität befriedigen, dämpft aber zumindest die Symptome.

Um es kurz zu machen – ich leide an Pen’n’Paper-Entzug. Gott sei Dank hat das aber keine solchen Auswirkungen, wie der Entzug von anderen Handlungen oder Stoffen. Ich bin deswegen nur manchmal etwas traurig. Vielleicht auch etwas öfter und etwas mehr. Und so ist das einer der vielen Gründe, aus denen ich das ENDE DIESER SCHEISSPANDEMIE so furchtbar herbeisehne. Ich will endlich wieder mit meinen Spielern zusammen hocken und zusammen zocken. Und ich bin sicher nicht allein. In diesem Sinne: I would love to game on!

New Work N°7 – Gimmicks rule?

Es ist, wenn man sich mit der Angelegenheit mal eine Weile befasst hat, ziemlich bald klar, dass Gimmicks in der Arbeitswelt als symbolische Währung für Status, Standing, etc. in Organisationen missverstanden – manchmal auch missbraucht – werden, obschon sie doch eigentlich nur Werkzeuge sind (bzw. sein sollten) , mit denen sich Arbeit etwas effizienter gestalten lässt; durch bessere Erreichbarkeit etwa. Weshalb mein Arbeitgeber mir ein Smartphone stellt, welches mir im Gegenzug Zugriff auf die Unternehmenskommunikation gestattet. Er nutzt dafür ein vergleichsweise einfaches Gerät aus der Samsung XCover-Serie. Ich mag das Teil, denn es ist robust, bietet für den Administrator zusätzlichen Schutz vor Malware, etc. und macht ebenso klaglos wie zuverlässig, was es soll. Schönes Ding.

Ich höre in meinem Hinterkopf gerade Stimmen; die eine Fraktion sagt „Wie? Mit so einem popeligen Teil lässt du dich abspeisen…?“ Die Andere fragt wahrscheinlich, warum ich ein Smartphone brauchen sollte, andere Leute (z.B. sie selbst) sind doch viel wichtiger. Beide machen den gleichen, oben schon erwähnten Fehler: sie verwechseln Schein und Sein. Soll ich ehrlich sein. Am Anfang habe ich mir keine Gedanken drüber gemacht, wie wenig teuer, prestigeträchtig, etc. das Dings ist, sondern habe mich gefreut, dass ich nicht für jede Mail in mein Büro laufen muss.. Der Prestige-Gedanke hat sich übrigens immer noch nicht eingestellt. Aus oben genannten Gründen. Hochglanzpolierte Oberflächen sind nämlich nach meiner Erfahrung meistens genau das: oberflächlich glänzend, aber auch nicht mehr! Mal davon abgesehen, dass ich mir auch privat nie irgend so ein schweineteures High-End-Gerät kaufen würde. Mir erschließt sich bei durchschnittlichen Nutzungsprofilen der allermeisten Konsumenten nicht wirklich, wofür sie die überstylte, überdimensionierte Taschwenwanze brauchen sollten. Die meisten nutzen die Dinger doch eh nur zum Zocken, Fotografieren, ein bisschen surfen und Messengern. Dafür langt auch mein privates Galaxy A41.

Ich werde ja nicht müde, zu sagen dass das Phone halt nur so smart wie sein Benutzer sein kann; bezogen darauf tragen sehr viele Leute einen Supersportwagen in der Tasche, wo ein Minivan locker gereicht hätte. Und das Statusargument werde ich hier nicht gelten lassen. Denn tatsächlich konstituiert sich Status völlig anders, als durch überflüssige sichtbare Zeichen. Aber auch das zu lernen wird dir Menschheit noch eine ganze Weile brauchen. Für mich wird derweil immer wichtiger, auf welche Weise ich irgendwelche Apparate, Apps, etc. produktiv nutzen kann. Zum einen, weil privat, wie auch beruflich ein endliches Budget zur Verfügung steht; und zum anderen, weil ich keine Lust darauf habe, mir meinen Arbeitsplatz (egal ob im Home- , oder im Workplace-Office) mit unnötigem Tinnef vollzustellen. Da hat sich in meinem Kopf in den letzten Jahren ein gewisser Wandel vollzogen. Früher war ich doch manchmal schon arg verspielt, und ließ mich leicht zu irgendwelchen Dingen hinreißen. Heutzutage bin ich etwas weniger Affekt-inkontinent, dafür jedoch zielgerichteter bei Anschaffungen. Insbesondere, wenn’s um Spielzeuge geht, deren Nutzen sich erst noch herausstellen muss.

Zugegeben: ich bin bis heute nicht frei von einer gewissen Spielfreude und der stetigen Suche nach etwas Neuem, das mir helfen könnte, meine Kreativität besser zu entfalten. Man rennt dabei gelegentlich in Sackgassen und verbrennt etwas Geld. Doch im großen und ganzen bemerke ich, dass weniger tatsächlich mehr ist. Neulich haben sich meine Schülerinnen und Schüler ein bisschen über ein Bild aus meinem Home-Office lustig gemacht, weil nur zwei Monitore, ein Festnetztelefon und ein einsames Mikro draufstehen. Die sind halt noch arg jung. Das wichtigste Gimmick auf meinem Home-Office-Desk ist derzeit ein Kalender, bei dem man durch zufälliges Aufblättern Fragen erzeugen kann; hier ein Ergebnis:

Übrigens wirklich eine geile Frage…

Womit wir an der Frage angelangt wären, was ein Gimmick eigentlich ist? Der Tech-affine Typ in mir (wie auch in vielen anderen) denkt dabei natürlich spontan an irgendwelche elektronischen Spielzeuge, Apps, Software, etc. Wie unglaublich kurzsichtig. Das Bild oben zeigt ein Device, dass trotz der einfachen Ausführung ziemlich smart ist. Smarter jedenfalls, als die meisten Phone-User! Nicht das Dingliche an sich macht einen Gegenstand zum Gimmick, sondern die Arten, auf die man diesen benutzen kann. Und oft findet man die spannendsten erst durch ausprobieren. Der wirkliche Wert eines Devices liegt in dem, was wir mit dem Ding anstellen, nicht im Ding an sich. Je mehr sich die Menschen das wieder ins Gedächtnis rufen, desto früher kommen wir vielleicht wieder zu mehr Nachhaltigkeit. Ich fände es zudem ziemlich erfrischend, wenn wir anfingen, darüber nachzudenken, was wir wirklich brauchen – nicht nur bei der Arbeit, sondern überhaupt – und weniger Wert auf Oberflächen zu legen; denn die sind allesamt vergänglich. So, wie wir! In diesem Sinne wünsche ich eine produktive Woche. Apropos – Produktivität…was ist das eigentlich?

Zwischenruf N°3

Immer wieder irritierend, was für Verläufe „Diskussionen“ auf Facebook nehmen. Hatte jemand drauf hingewiesen, dass unverpixelte KFZ-Kennzeichen Käse wären. Als Antwort darauf geht’s gleich ad hominem: „Lass doch mal die Kirche im Dorf“, es wird ein 14! Jahre altes, von der EU-DSGVO lange überholtes Urteil rausgezogen, und das Bild sei ja schon uralt; und wenn ich mir die Frechheit rausnehme, dem Mensch zu widersprechen, kommt gleich noch’n Anderer und weiß es auch besser. Man fühlte sich im Recht – und tat es mir kund. Dass ich mir erlaube, darauf nicht direkt zu antworten, wird dann wahrscheinlich auch noch als Bestätigung für die eigene Berechtigung gewertet, Gesetze so zu interpretieren, wie’s einem halt gerade in den Kram passt. Könnte aber auch daran gelegen haben, dass ich „nur“ Pädagoge bin. Da war es wieder, das Schachspielen mit Tauben…

Butter bei die Fisch: es gibt bei uns in Deutschland diesen einen, zufällig akademisierten Berufsstand, in dem immer mal wieder einzelne Vertreter glauben, dass Arzt zu sein bedeutet, alles besser zu können, besser zu wissen und folglich auch mehr zu dürfen, als alle Anderen. Ausdrücklich weise ich hiermit darauf hin, dass ’n fauler Apfel leider die ganze Kiste verderben kann. Mit anderen Worten: diese Einzelfälle erweisen dem Berufsstand einen Bärendienst, weil ich ehrlich gesagt wohl nicht der Einzige bin, der mittlerweile grundsätzlich Ärzten (außer wahrscheinlich Medizin) erst mal gar nichts zutraut, bis sie mir das Gegenteil bewiesen haben. Insbesondere, wenn es um die geistes- und sozialwissenschaftliche Themen geht. Denn seien wir mal ehrlich, weder das, noch Betriebswirtschafts- oder Führungslehre sind Bestandteil der Arztausbildung. Wenn Vertreter dieses Berufsstandes dort auch glänzen können, dann nur, weil sie sich abseits ihrer eigentlichen Profession weitergebildet haben. Auch das gibt es; Gott sei Dank genauso oft wie die anderen, von denen ich gerade sprach.

Warum mir das überhaupt einen – zugegeben etwas polemischen – Blogpost wert ist? Weil leider in manchen Gremien, deren Entscheidungen ich mich auch in beruflicher Hinsicht unterwerfen muss, gelegentlich Vertreter der „Kann alles besser – weiß alles besser!“-Fraktion sitzen, die sicher viele Qualitäten haben; jedoch oft nicht die, welche das Gremium gerade braucht. Und dann driften eigentlich sachlich zu führende Diskussionen und Output-orientiert zu gestaltende Prozesse in ständisches Geplänkel ab. Das hält auf, verschwendet Ressourcen und mach nichts besser. Gott sei Dank mache ich diese Erfahrung in letzter Zeit immer seltener. Die meisten Ärzte sind abseits irgendwelcher Titel pragmatisch und menschlich genug, an der Sache Fortschritt erzielen zu wollen. Und das tut gut!

Die Eingangs erwähnte Diskussion auf Facebook geht mir übrigens nachgerade mit Wucht am Arsch vorbei, weil mich die Meinung der anderen Protagonisten dort einfach nicht interessiert. Sollen sie doch glauben was sie wollen. Ich erkenne allerdings ein Problem, welches für mich daraus erwächst: wenn immer mehr Menschen, denen ich intellektuelle Leistungsfähigkeit zur Metareflexion ihres Tuns zumindest zugetraut hätte, mich vom Gegenteil überzeugen, indem sie implizit „Meine Förmchen, mein Sandkasten!“ oder wahlweise auch „Du bis blöd!“ schreien, anstatt über das Problem zu reden, oder einen anderen Standpunkt auch nur zu erwägen, tötet das langsam aber sicher mein Interesse an sachlicher Auseinandersetzung; weil ich eh nur noch allen möglichen Menschen unterstelle, selbstgefällige Dummschwätzer zu sein! Und eigentlich will ich das nicht…

Warum in drei Teufels Namen bin ich eigentlich noch bei Facebook? Weil ich meine Blogposts dort zur Kenntnis gebe? Ich schreibe das hier doch vor allem für mich… Wird vielleicht doch endlich Zeit zu gehen und diese ganzen Wesen, die ich als arrogante, unreflektierte Selbstdarsteller wahrnehme, sich selbst zu überlassen. Wenn ich Ihnen damit nur nicht auch den Rest der Welt überließe. Schließlich zählt kurzer Ruhm heute mehr als nachhaltiges Tun. „good fight – good night!“

Symbolik für Anfänger – Part 3

Gerade zu einem der höchsten christlichen Feste stehen Zeichen (und ihre jeweilige Bedeutung) natürlich hoch im Kurs. Interessant ist es dabei, festzustellen, dass viele Leute „ganz klassisch“ ein Osterlamm verzehren, ohne sich der Bedeutung (das Opfer Christi durch die Kreuzigung am Karfreitag) je tatsächlich bewusst zu werden. Die Semiose hat durch die Reflexion von Alltagsrealitäten für die meisten Menschen aus der Auferstehung Christi einfach 4 freie Tage am Stück zuzüglich leckerem Braten gemacht. Man mag sich über den Verfall des Glaubens aufregen, oder einfach feststellen, das christliche Symbolik heute keine so große Rolle mehr spielt, weil die Pluralisierung der Gesellschaft auch die Pluralisierung unserer Spiritualität voran getrieben hat – das ist allerdings genug Diskussionsstoff für einen anderen Post. Denn wir sind immer noch bei den Zeichen…

„Wenn Synonymisierungen im Privaten und in der Arbeitswelt eine so bedeutsame Rolle spielen, dann findet man sie doch sicher auch im öffentlich Raum, Sherlock? Oh, mein lieber Doktor Watson, sie ahnen ja gar nicht, auf wie vielfältige Art wir durch Zeichen belogen und behumst werden…“ Sagen wir mal so: alle Akteure im öffentlichen Raum arbeiten mit Vereinfachungen und Verkürzungen der tatsächlichen Sachverhalte; und zwar in der Annahme, dass eine Komplexitätsreduktion mit höherer Wahrscheinlichkeit zu breiterem Verständnis für das jeweilige Anliegen führt. Das dabei unter Umständen eben jene Aspekte unter den Tisch fallen, die als contra zur eigenen Position angeführt werden könnten, ist natürlich purer Zufall [Ironie aus]. Die eigentlich interessante Frage dahinter ist doch nicht, wie politischer Wille konstruiert wird (hierzu empfiehlt es sich Herman und Chomsky „Manufacturing Consent“ zu lesen) , sondern von wem er ausgeht? Diese Frage bleibt hier mit Absicht unbeantwortet!

Beschaut man sich, wie unterschiedliche Akteure im öffentlichen Raum Symbole nutzen, um ihre jeweilige Agenda zu betreiben, fällt als erstes auf, wie leicht Menschen sich durch die verwendeten Symbole triggern lassen und wie wenig es ihnen danach gelingt, hinter das Symbol zu sehen. Schauen wir uns dazu doch mal die Grünen an. Die weltweite Initialzündung für die ökologischen Bewegungen, aus denen später die heutige Partei hervorgehen sollte war der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome. Die nüchterne Berichterstattung über die Vernichtung unserer Lebensgrundlagen durch den kapitalistischen Raubbau, die bereits 1972 erstellt wurde, hat leider bis heute, fast 50 Jahre später kein Jota an Bedeutung verloren. Doch was nehmen wir von den Grünen wahr? „Verbotspartei!“ „Ökodiktatur!“ „Pädophilenpartei!“ Liest man sich die Artikel durch, bzw. macht man sich die Mühe, noch etwas tiefer zu graben, stellt man fest, dass die Schlagworte oft wenig mit der Realität zu tun haben.

Politische Gegner durch plakativ-polemisches Agieren (also die aktive Verwendung starker Symbolik) zu bekämpfen, zu diskreditieren, um Stimmenpunkte zu bringen ist Alltag des politischen Geschäfts. Interessant ist, dass insbesondere die AfD, die ja gerne austeilt nur schlecht einstecken kann. Insbesondere, wenn sie mit eigener Realität konfrontiert wird. Der Kabarettist Volker Pispers hat mal sinngemäß gesagt: „Wenn ich Angela Merkel lächerlich machen will, muss ich sie nur zitieren.“ Das Gleiche gilt für so gut wie jeden anderen Politiker, so gut wie jeder Partei (auch derer, die ich regelmäßig wähle). Das Problem, welches dabei allerdings entsteht, dürfte mittlerweile klar sein: unzulässige Synonymisierung von Propaganda / Agitation und Sachinhalt. Denn natürlich werden so manche Menschen irgendwann das öffentliche Framing des politischen Gegners durch die favorisierte politische Kraft so vollkommen übernehmen, dass dadurch auch eine mentale Imprägnierung gegen – u.U. auch legitime – Sachargumente des politischen Gegners entsteht. Oder einfacher: das oft dämonisierende Bild, welches MEINE Partei vom Gegenüber zeichnet, wird für mich zum Synonym für alles und jeden der ANDEREN Partei. Kann man ganz gut am Green-Bashing in Facebook ablesen.

Und damit sind wir am Endpunkt angekommen: Dogmatismus! Der Glaube an eine selbst gewählte Wahrheit, neben der keine anderen Argumente mehr existieren dürfen, ganz gleich, wie gewichtig diese auch sein mögen. Denn ICH darf keinen schnellen Verbrenner mehr fahren. Denn ICH darf nicht zwei Mal im Jahr nach Malle fliegen. Denn ICH soll auf meinen Fleischkonsum – meinen Konsum überhaupt – achten. ICH, ICH, ICH. Also ich sehe überall nur noch Egos, die verdächtig nach Vierjährigen klingen, denen man das Eimerchen und das Schäufelchen weggenommen hat – weil sie damit den anderen Vierjährigen verprügelt haben. Aber das Elend gehört natürlich ganz und gar MIR, denn es wahren MEIN Eimer und MEINE Schaufel. Hört ihr euch eigentlich reden? Wo habt ihr die zweite Erde versteckt, die wir benutzen können, wenn die hier kaputt ist? Ach, das interessiert euch nicht, denn dann seid ihr ja schon tot? Ihr habt also alle keine Kinder, ja…?

Es ist Ostersonntag, Fest der Auferstehung Christi. Könnte ein schönes Symbol sein, wenn wir doch in der Lage wären, es als dass zu Erkennen, was es ist: einfach ein Zeichen, dass uns daran gemahnen soll, dass jedes Ende auch ein Anfang sein kann! Wäre es nicht schön, wenn man zur Abwechslung mal wieder damit anfinge, einander zuzuhören, anstatt dauernd die eigenen Dogmen wie Monstranzen von sich her zu tragen und jeden zu verdammen, der nicht das gleiche Lied singt? „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“, hieß es mal. Ich habe in letzter Zeit mehrfach Leute entfreundet und blockiert, weil mir das symbolische Handeln ihrer Alter Egos im virtuellen Raum unerträglich wurde. Unerträglich dogmatisch, selbstgefällig und niederträchtig. Wäre es heute an der Zeit, denen zu vergeben? Ich fürchte nein. Denn selbst, wenn ich es könnte, zweifle ich das am anderen Ende an. Denn da habe ich fast nur noch Synonymisierungen und fast keine (Selbst)Reflexion mehr gesehen. Vielleicht trifft man sich in der realen Welt mal wieder, das fände ich spannend. Ansonsten bleibt mir folgende Erkenntnis: wir leben nun wahrhaftig in einem Zeitalter der falschen Götter und ihrer falschen Zeichen. Frohe Ostern…

Symbolik für Anfänger – Part 2

Ich hatte gestern über die Synonymisierung von Fortschritt und Konsum gesprochen, welche das Werbedauerfeuer der letzten 100 Jahre in unseren Köpfen hat entstehen lassen; und von der wir uns nur sehr schwer lösen können. Was im Privatbereich gilt (und nebenbei desaströse Auswirkungen auf das hat, was wir „öffentliche Meinung“ nennen, doch dazu ein anderes Mal mehr), findet aber natürlich im Kontext der Arbeitswelt genauso statt. Ein ZON-Artikel im letzten Sommer (sorry, Paywall) titelte denn auch so schön: „Ich habe einen Bullshitjob in einer Bullshitbranche.“. Da ging es eigentlich darum, dem Begriff Systemrelevanz und dem für manche Menschen daraus resultierenden Gefühl der Nutzlosigkeit ihrer eigenen Tätigkeit nachzuspüren. Man könnte, nicht ganz zu Unrecht sagen, dass ein Job, der einem Spaß macht und Erfüllung bringt purer Luxus ist, und das Broterwerb nun mal mit negativen Dingen zu tun hat, wie etwa, irgendwann irgendwo sein zu müssen, um dort irgendwas tun zu müssen. Oder wir reden weiter über Zeichen und ihre Wirkung.

Wir Menschen lassen uns gerne von einem besonderen Zeichen blenden: man nennt dieses gemeinhin Geld. Den Besitz einer, eher willkürlich definierten Mindestmenge davon bezeichnen wir als Wohlstand. Aber was ist Geld eigentlich? Es ist das Versprechen, Waren im Gegenwert der gegebenen Summe beziehen zu können. Geld ist damit ein Symbol für Kaufkraft. Entstanden ist es, weil es irgendwann zu mühsam wurde, mit einem Korb Hühnereier zum Schmied zu gehen, um den Pflug reparieren zu lassen. In einer komplexen Welt, wie unserer ist es als symbolisches Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen einfacher zu handhaben, als Naturalien. Aber ist genauso manipulierbar, wie es manipulativ ist. Um die Manipulierbarkeit und das sinnlose Generieren von Fiat-Geld soll es hier nicht gehen. Sondern um den manipulativen Aspekt dieses Symbols.

Wir neigen, dem Calvinismus sei hier zumindest teilweise Dank immer noch dazu, den Wert einer Person an der Höhe ihres Einkommens festmachen zu wollen. Insbesondere unter Menschen, die sich selbst als Leistungsträger sehen wollen, ist derlei Gang und Gäbe. Unter ethischen Aspekten ist das natürlich genauso Kokolores wie die finanzmathematische Berechnung des Wertes eines Menschenlebens. Passiert trotzdem. So wie wir Konsum mit Fortschritt verwechseln, missinterpretieren wir ein hohes Salär als Indikator für große Leistung; oder, noch schlimmer, als Hinweis auf den Wert des Empfängers für die Gesellschaft. Das Problem ist, dass wir Menschen allesamt eine mehr oder weniger starke, narzisstische Ader haben und derlei inhaltsloses Geschwätz nur zu gern als Wahrheit akzeptieren. Was dazu führt, dass auch die unzulässige Synonymisierung von Kaufkraft und gesellschaftlichem Wert uns in vielerlei Hinsicht funktional beeinflusst.

Systemtheoretisch betrachtet reproduzieren sich solche mentalen Landkarten innerhalb jeder komplexen Organisation von Generation zu Generation, weil Machtstrukturen der landläufigen Annahme nach für das Gefüge jeder Organisation von Bedeutung sind und sich Macht am einfachsten durch das Symbol Geld ausdrücken lässt. Ein dabei gemachter, äußerst fataler Fehlschluss ist, dass man wiederum Symbole für die Entscheidung heranzieht, wer Machtpositionen besetzen darf; nämlich Papierqualifikationen wie Zeugnisse, Urkunden, etc., die, dem gesellschaftlichen Konsens folgend ein bestimmtes Maß an Können und Wissen repräsentieren sollen. Weil man an die ikonische Messbarkeit indexikalisch kodierter Kompetenzen glaubt. Sei’s drum. Es gibt da dieses Meme im Internet, dass man auch mit Hochschulabschluss dumm wie drei Meter Feldweg sein kann. Bezogen auf tatsächlich messbare Kompetenzen (die gibt es) ist das Blödsinn, denn jemand, der ein entsprechendes Zeugnis erworben hat, hat damit auch bewiesen, dass er die dort beurteilten Kompetenzen zumindest bis zu einem gewissen Grad beherrscht / besitzt.

Was ist jedoch so gut wie nie Bestandteil solcher Prüfungen? Menschliche Qualitäten, Kreativität, Improvisationstalent, Stresstoleranz, Führungsverhalten etc. werden, wenn überhaupt, nur implizit abgebildet. Was dazu führt, dass ich mir mit einer rein symbolisch motivierten (also an Hand der Papierlage getroffenen) Entscheidung ganz leicht einen Soziopathen auf eine Schlüsselposition setzen kann. Also stimmt das Meme doch wenigstens ein bisschen. Jetzt rufen, nicht ganz zu unrecht, die Personaler „Aber dafür gibt’s doch Assessment-Center und Vorstellungsgespräch!“. Ihr wisst aber schon, dass Soziopathen ganz fantastische Schauspieler sein können und eure Menschenkenntnis nie so gut ist, wie ihr glaubt…? Noch immer verlässt man sich nämlich viel zu gerne auf sein tolles Näschen, anstatt auf psychologisch und sozialwissenschaftlich recht gut validierte Messinstrumente. Na ja, das muss jeder selbst wissen.

Damit man mich bitte nicht missversteht: es gibt jede Menge gute Führungspersonen, die sich tatsächlich um ihre Mitarbeiter kümmern, Entwicklungspfade unterstützen, bei Krisen moderierend und tolerierend wirken, statt fordernd und sanktionierend. Die mit der Zeit gehen und auf Äußerlichkeiten nicht so viel Wert legen. Und trotzdem – für jede gute Führungsperson gibt es nach meiner Erfahrung eine toxische. Toxisch in dem Sinne, dass sie durch Druck zu führen versucht und mehr Wert auf Symbolik legt, denn auf das, was tatsächlich getan / geleistet wird. Und natürlich kommt dann auch noch das gute alte „net g’schennt isch g’nug g’lobt!“ zum Tragen. Wenn ich so was höre, kann ich nicht annähernd so viel fressen, wie ich kotzen möchte! Was aber für Führungspersonen gilt, möchte ich für die „lieben“ Kollegen genauso verstanden wissen. Soziales Trittbrettfahren, Mobbing, Intrigen, Lorbeeren für anderer Leute Arbeit einstreichen; all dass sind auch auf der gleichen ebene leider keine Unbekannten. Das sind dann die „Kleiderständer“ von denen ich gestern sprach.

Das ich mit diesen Beobachtungen nicht alleine stehe, also am Ende der Synonymisierung von vorzeigbarem Zertifikat und tatsächlicher Leistung für die jeweilige Organisation, zeigt die weiter oben erwähnte Feststellung, „Ich habe einen Bullshitjob in einer Bullshitbranche.“ Denn zu viel Toxizität am Arbeitsplatz tötet letztlich die Motivation, die Loyalität und damit die gute Arbeit! Also z. B. solche Dinge wie zu viele talentlose Selbstdarsteller, die ihre Arbeit auf andere abwälzen, und dafür beim Boss auch noch die Anerkennung bekommen. Zu wenig Freiräume und zu viele Restriktionen, die Flexibilität und Kreativität killen. Der Kampf um Ressourcen. Vollkommen unterschiedliche Zielvorstellungen und Maßgaben. Und noch manches mehr.

Ich beginne gerade meine Prioritäten neu zu sortieren. Und ich muss leider feststellen – ich bin im Moment nicht zufrieden. Mir ist bewusst, dass das zum Teil an Rahmenbedingungen liegt, auf die keiner im Hause einen Einfluss hat. Auch tradierte Handlungsweisen, die es in jeder komplexen Organisation gibt spielen eine Rolle. Bekannterweise sterben schlechte Angewohnheiten langsam. Und natürlich wirft einem niemand Geld einfach so nach, um „mal was auszuprobieren“; auch, wenn es nur ein Symbol ist. Am Ende des Tages brauchen alle was zu beißen auf dem Tisch, ein Dach über dem Kopf und was zum anziehen. Allright, bin ich absolut einverstanden mit. Aber wenigstens mal über „das machen wir schon immer so“ nachdenken wäre doch schon ganz schön. Ist nämlich immer noch der Satz, der weltweit die meisten Menschen umbringt – und vermutlich auch die meisten produktiven Mitarbeiter frühzeitig verscheucht… Wir werden sehen. Ich wünsche schon mal viele dicke, bunte Eier!

Symbolik für Anfänger – Part 1

Ich habe in meinem letzten Post einen Nebensatz hingeworfen, der nach längerem Überdenken vermutlich einer Erläuterung bedarf: „…in dem die Äußerlichkeit der Dinge und deren Bedeutung dauernd miteinander verschmolzen werden, …„. Man merkt, dass ich mal wieder tiefer in das Thema Zeichenbedeutung eingestiegen bin. Aber Semiotik fasziniert mich, nicht nur des Berufes wegen, schon länger. Worauf ich damit hinweisen wollte, ist der Umstand, dass unser durchschnittlich konsum-kapitalistisches Verhalten uns allzu oft dazu bringt, den Inhalt mit der Verpackung zu verwechseln. Und das ist eine der stärksten Nachwirkungen des Jahrhunderts des Modernismus (des 20. Jahrhunderts): die teilweise unfassbare Wirksamkeit moderner Werbung!

Warum wollen Menschen jedes Jahr das neueste Smartphone? Weil sie dessen Leistung tatsächlich benötigen? Wenn man die Tatsache in Betracht zieht, dass das Phone als solches maximal so smart sein kann, wie sein Benutzer, kommen wir mit dieser Erklärung bei den weitaus meisten Menschen (leider) nicht sehr weit. Na gut; dann halt geplante Obsoleszenz? Physisch sicher nicht, denn abseits der üblichen Produktionsfehler-Wahrscheinlichkeit machen die meisten mobilen Endgeräte 3-4 Jahre täglichen Gebrauch selbst bei fest verdrahtetem Akku klaglos mit. Zumindest die Geräte, die ich im letzten Jahrzehnt hatte. Und die gehörten nicht zur Oberklasse. Psychisch jedoch schon eher. Denn natürlich wird in den hochglanzpolierten Anzeigen in jedwedem Medium geflissentlich verschwiegen, wie groß (oder eher klein) der Performance-Gewinn tatsächlich ausfällt, und für welche Nutzergruppen sich das tatsächlich lohnen könnte. Und weil auch die Redakteure der vielen Test-Portale sich dem Sirenen-Gesang des Fortschrittsversprechens nicht entziehen können, gibt es viel zu oft riesige Lobeshymnen auf marginale Entwicklungsschritte.

Fortschrittsversprechen. Da haben wir es. Das Movens Maximus unserer Zeit. Alles muss weiter gehen, alles muss besser werden; wobei besser dabei mit „schneller, höher, weiter, etc.“ synonymisiert wird. Doch ist ein performanteres Smartphone – oder irgendein anderes neues Tech-Gadget – tatsächlich Fortschritt? Führt es zu einer echten Verbesserung des menschlichen Daseins? Oder wird uns hier von der Werbung nicht vielmehr ein ziemlich dicker Bär aufgebunden? Denn wenn wir uns den aktuellen Zustand der Welt anschauen, der sich ziemlich gut mit einem einzigen Wort beschreiben lässt, darf man daran starke Zweifel hegen; dieses Wort lautet übrigens „RESSOURCENVERSCHWENDUNG“…

Ich will hier gar nicht anfangen, darüber zu diskutieren, dass echte Nachhaltigkeit, die unseren folgenden Generationen eine Zukunft schenken würde, vermutlich anders aussieht. Mir geht es um die Zeichen, welche unsere Zeit durchdringen und damit das Denken sehr vieler Menschen (un)nachhaltig beeinflussen. Denn natürlich arbeitet die Werbung mit den – von uns selbst – in diese Bilder hineininterpretierten Bedeutungsüberschüssen. Semiose, also (vereinfacht) die Entstehung von Zeichenbedeutungen im Interpretanten (uns) ist von vielen Faktoren abhängig. Gleich ist aber fast allen Menschen, aus fast allen Kulturkreisen eines: das Streben nach mehr oder weniger bescheidenem Wohlstand; weil dieser uns ein Gefühl der Sicherheit vor den schlimmsten existenziellen Sorgen und Ängsten gibt. Und im Kern ist das ja auch wahr.

Da Konsumkapitalismus aber das oben beschrieene „schneller, höher, weiter, etc.“ braucht, weil er sonst zusammenbricht, begann man im Zuge seines Wachstums im 20. Jahrhundert mittels des, damals noch neuen Mediums Werbung, dieses Mantra in die Köpfe aller Menschen zu transportieren – bis zu dem Punkt, dass wir alle es so sehr verinnerlicht haben, dass wir Konsum mit Fortschritt verwechseln; und die Verpackung mit dem Inhalt. Oder noch besser: Dinge subjektiv mit einem Sinn füllen, den sie objektiv nicht haben. Wie das oben beschriebene jährlich neue Smartphone. Und bevor jetzt irgend jemand wieder anfängt, über moralinsauer erhobene Zeigefinger zu schwadronieren: ich selbst bin mehr als oft genug in diese Falle getappt, bevor ich erkennen durfte, wie grundlegend diese Synonymisierung von Konsum und Fortschritt auch mein Denken von Kindesbeinen an durchzieht. Doch wenn man genau sucht, ist da eigentlich keine Leere, die es zu füllen gilt.

Fortschritt als Begriff ist nicht begreifbar. Er verweist immer auf irgendwas (gutes?), dass (vielleicht?) in der Zukunft passiert. Fortschritt ist also Kontingenz (ein gedachter Raum von Möglichkeiten) in Reinform. Alles kann – nichts muss! Und dieser Raum voller gedachter Möglichkeiten war schon immer der Motor aller Entwicklungen, welche die Menschheit hervor gebracht hat. Doch seit unsere Gesellschaft mehr und mehr der oben beschriebenen konsumkapitalistischen Logik unterworfen wird, erzeugt allein der (sogar oft unbewusste) Gedanke an Fortschritt einen Sog auf uns alle; einen Sog in die Zukunft, der das Jetzt unvollkommen erscheinen lässt! Werbung bespielt diesen, sowieso schon vorhandenen Drang nach vorne jetzt schon so lange, dass es ihr ohne größeren Aufwand möglich ist, Begierden in uns zu wecken, die jedwedes realen Bedürfnisses entbehren. Das bedeutet, wir synonymisieren mittlerweile (unzulässigerweise) nicht nur Konsum und Fortschritt – wir wollen Konsum ALS Fortschritt…

Diese Gedanken sind weder neu, noch sind sie besonders originell. Aber sie müssen anscheinend immer wieder neu gedacht und kommuniziert werden. Was das mit der (meiner) Arbeitswelt zu tun hat, darüber rede ich schon sehr bald in Part 2. Bis dahin fröhliche Katharsis am Karfreitag…