Music was my first love…

I’ll start with a confession on this one: maybe the years as a paramedic have damaged my mind more, than just a taint bit. Nowadays it seems to me, as if i can only cry and scream, when music unlocks those hallways in my mind, where raw emotions are tucked away safely, for noone else to see. I don’t think, this happened for convenience. I’d rather believe, it’s a subconsciously implemented safeguard against even more mental damage. In my trade, you get to experience people in their darkest hours on a quite regular basis. And even though today, I’m more occupied with teaching the skills of my art to trainees, I still live through those intense moments, from time to time.

It doesn’t happen intentionally, but sometimes, when I’m wandering the internet, I almost naturally take a stop on one of those sites, where you can listen to music. My taste is somewhat simple: I like music, that is made with hearts and hands. I don’t dig most contemporary pop music too much, although I happen to find single pieces, which appeal to me. But for the most part, I like old school rock and metal. And yes, I espacially like the oldies and classics.

All the while drifting from song to song, not always staying to the end, I might reach that point – it doesn’t happen always, not even often – where those previously mentioned hallways open up, to let out those tears, held back for a thousand and one reasons. And although I always feel a little odd afterwards, it’s always a liberating experience. Because it give’s me proof, that my emotions haven’t died yet, despite all the crazy shit, I have seen in more than 25 years in prehospital emergency care.

One of my favourite songs of all times is “Strange World” from Iron Maiden’s first album. When bass and guitar beginn to sing with each other, I always get the feeling, I should have become a bass player instead. Steve Harris is a freaking genius as bass player and song writer also; I know, this is only my little opinion, but to me it has a meaning, and there are a some feelings transported through this song, that I can relate to far too easy. I read it as a song about depression, and I had visitations from the darkness – my old friend – often enough, to recognice it in other people…

I would bet, I’m not the only one, who has his mind opened up by music like that. And although other people will most certainly like different kinds of music, the basic principle stays the same. I obviously don’t talk too much about those moments, because I feel, they’re private. And I most certainly wouldn’t invite anybody, to share them with me. Not even my wife. Because there are things, that need to stay private, no matter how intimate you might be with someone else. And I love my wife very much. But if I should guess, she has those special private moments too, that she would never share with anyone. Not even me. And that’s OK!

Music really was my first love. My lady was my second and thankfully, I don’t know, which of both will be my last, to stay true to the song. If I had any saying in that, both would come to an end at exactly the same moment. That would be fates greatest possible present to me. If you like to share your thoughts, feel welcome. Otherwise, simply have a good time.

Auch zum Hören…

Die große Le(e/h)re…

Selbstzweifel sind ein alter Bekannter, der immer mal wieder zu Besuch kommt. Geht vermutlich jedem so. Und so lange man sich nicht gerade darin ertränkt, ist das auch keine große Sache. Mit sich zu hadern, die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse noch mal überprüfen zu wollen (im Zweifel auch durch jemand anders), ist doch irgendwie ein Zeichen für die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Allerdings sagt Paracelsus ja, dass jedes Ding ein Gift ist; nur die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist…

JA, er meinte das pharmakologisch. Und trotzdem ist es für viele andere Dinge des alltäglichen Lebens ebenso wahr. So auch mit Bezug auf das Selbstwertgefühl. Zu viel ist nicht gut (=> Egoismus, Narzismus), zu wenig ebenso wenig (=> Selbstzweifel bis zur Depression). Um den gesunden – also den, nach Paracelsus, nicht-toxischen – Bereich zu finden und beibehalten zu können, braucht es einiges an Selbstdisziplin; und manchmal auch externe Hilfe.

Wir alle erzählen gerne eine positive Geschichte unserer selbst. Man möchte ja mit sich selbst im Reinen sein. In der Sozialpsychologie spricht man von der Selbstwirksamkeit des individuellen Narrativs. Unsere Persönlichkeit besteht, von außen betrachtet, aus vielen verschiedenen Rollen, die wir miteinander integrieren müssen: Elternteil, Kind, Lebensgefährte, Freund, Feind, Kollege, etc. Alle Rollen tragen in sich unterschiedliche Anforderungen an uns. Vom Praxisanleiter oder Ausbilder wird etwas anderes erwartet, als vom Vater oder Ehemann. Klingt logisch, oder?

Dennoch wirken diese unterschiedlichen Rollen aufeinander; immerhin sind sie alle gleichzeitig ein Teil von uns, der zu gewissen Zeiten rausgeholt und präsentiert wird. Das heißt, Handlungsmuster einer Rolle können durchaus auf eine andere Rolle überstrahlen und diese so modifizieren. Oft geschieht das unbewusst und solche Muster, die sich in all unseren Rollen wiederfinden, sind hoch integrierende Bestandteile unserer Persönlichkeit. Manchmal ist es eine charmante Macke, die zu einem persönlichen Kennzeichen wird; manchmal eine Handlungsressource (wie etwa Ordnungssinn), die uns sogar hilft, unseren Alltag besser zu bestreiten.

Gehen wir mit unseren Rollen allerdings zu bewusst um – d.h. “spielen” wir eine Rolle bewusst aus – kommen wir vermutlich als wenig authentisch rüber. Sind wir einfach nur wir selbst, geben wir uns u.U. gegenüber unseren Mitmenschen der Lächerlichkeit preis, oder machen uns durch den hohen Grad an Selbstoffenbarung angreifbar für jene, die Schwächen ihrer Mitmenschen gerne ausnutzen. Psychopathologisch betrachtet sind solche Menschen, die ihre Stärke aus der Schwäche anderer ziehen wollen oder müssen, natürlich eigentlich die schwächeren Menschen…

Mich persönlich treibt, mit Blick auf diese Gedankengänge die Frage um, wie ich auf jene Menschen wirke, die mir zur Ausbildung/Betreuung anvertraut sind. Sieht man sich das Auftreten der sogenannten Generation Z an, aus der sich mittlerweile fast alle Azubis in meinem Berufsfeld rekrutieren, so stelle ich fest, dass die jungen Leute sich ihres Marktwertes besser bewusst sind, das auch einsetzen und insgesamt häufig fordernder gegenüber ihren Ausbildern und dem Betrieb sind. Das lässt Menschen meiner Generation (der Definition nach Generation X) oft ratlos zurück. Ich wurde von meinem Vater mit Arbeit als Wert an sich vertraut gemacht und lebe das bis heute. Es ist quasi teil meiner professionellen DNA. Doch diese jungen Menschen fragen – ohne dass ich das hier bewerten möchte – zunächst, was der Betrieb für sie tun kann. In meiner Generation wurde dieses Frage noch umgekehrt gestellt. Und so gut wie alle Entscheider, die ich kenne, stammen ebenso aus meiner Generation. Was zu Konflikten führen kann…

Denn einerseits bin ich natürlich aufgerufen , “ihnen etwas beizubringen” (wer weiß, dass ich konstruktivistisch denke, dem wird klar sein, dass “etwas beibringen” eine vollkommen verkehrte Vorstellung von Lernen ist); andererseits ist Berufsbildung immer auch, ein Stück weit, Persönlichkeitsbildung. Und der Generation-Gap stellt manchmal einen nebligen Ozean dar, auf dem sich’s nur schwer navigieren lässt. Denn natürlich muss jeder, neben den universellen, unverhandelbaren Werten (wie etwa den Menschenrechten), die ich natürlich auch beim Unterrichten vertrete, seinen eigenen moralischen Kodex entwickeln. Sie dabei zu unterstützen, ist eine meiner Aufgaben. Und keine leichte…

An dieser Stelle sei angefügt, dass ich keinen weltanschaulichen Unterricht mache. Politik, Ethnie und Religion haben keinen Platz, wenn man Notfallsanitäter ausbildet, weil diese Dinge keinen Platz im Rettungswagen haben. Vor den Naturgewalten und dem Rettungsdienst sind alle Menschen gleich. Ich will lediglich, dass meine Azubis in der Lage sind, sich stets eine informierte Meinung zu bilden.

Also versuche ich, sie zur Selbstreflexion zu führen. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Aber nun wird hoffentlich klar, das Selbstzweifel sowohl ein alltägliches, als auch ein Meta-Problem meiner Arbeit darstellen. Denn im trüben Wasser der fortlaufenden Entwicklung des Berufsfeldes Rettungsdienst, sowie der Gesellschaft und ihrer Kultur, in die es eingebettet ist fischen zu müssen, ist für mich selbst gleichsam ein Lehr- und Lernprozess. Dabei tagtäglich sozial adäquat, fachlich korrekt und Bedürfnis-orientiert zu handeln, ist eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle, denn ich empfinde dabei durchaus Erfüllung. Allerdings ist nicht immer ganz klar, ob ich im jeweiligen Subjekt meines Tuns Lehre oder Leere erzeuge. Aber ich versuch’s weiter. In diesem Sinne, noch ‘n schönen Tag.

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Krieg, Kommerz, Kunst oder Krempel?

Podcasting. Man setzt sich vor ein Mikrofon und spricht hinein. Digitales Equipment, das viele Menschen sowieso zu Hause stehen haben (Desktop-Rechner, Laptop, Convertible, Tablet, grad egal) besorgt die Aufzeichnung und für lau, bzw. wirklich schmales Geld zu mietender Webspace dient als Plattform zur Verteilung der Inhalte. Das gibt’s schon seit bald 20 Jahren, ich selbst mache das seit ca. 2007. Mal mehr, mal weniger intensiv. Momentan nutze ich selbst Podcasting nur als komplementäres Angebot im Rahmen dieses Blogs. Sozusagen als “Hör-Blog to go”. So war es eigentlich ursprünglich auch gedacht, allerdings ohne die lesbare Variante.

Nun kommt Bewegung in das Thema, weil es Media-Plattformen gibt, die Geld in die Szene pumpen. Es geht darum, auch dieses publizistische Phänomen, das Soziologen lange als ein möglicher Beweis der Long-Tail-Theory galt, zu monetarisieren. Weil man nun mal mit allem Kohle machen können muss. Der verfickte Mamon regiert unsere Welt. Wie ich dazu stehe, muss ich vermutlich nicht erklären. Allerdings gehen mir dazu ein paar Gedanken durch den Kopf, mit denen ich nicht hinter dem Berg halten möchte.

Für mich hatten Bloggen und Podcasten immer was mit der Demokratisierung der Medienlandschaft durch das Internet zu tun. Natürlich ist das politologisch und soziologisch gesehen eine Sichtweise, die deutlich zu kurz greift. Wie Evgeny Morozov in seinem viel beachteten Buch “The Net Delusion” schreibt, ist die Chance, im Internet zu publizieren für sich betrachtet schön, aber kein Selbstläufer, der zu mehr Freiheit, Demokratie oder Liberalismus führen würde. Einerseits, weil Vertreter unterschiedlichster Interessen die Weiten des Netzes nutzen können, um ihre Agenda voranzutreiben. Man denke dabei z.B. an Breitbart News. Zum Anderen bedeutet, eine Meinung zu haben und diese öffentlich vertreten zu können noch lange nicht, das diese deshalb automatisch legitim, fundiert oder gar relevant wäre.

Diese Ausführungen im Hinterkopf erscheinen soziale Medien gar nicht mehr so sozial. Öffentliche Meinung ist etwas, dass man gezielt manipulieren kann. Die Meinungen darüber, ob das legitim im Sinne des Erhalts einer Gesellschaft und ihrer Kultur ist, gehen weit auseinander. Am einen Ende stehen jene, die eine auf frei verfügbaren Informationen fußende öffentliche Meinung für gefährlich halten. Walter Lippmann legte dazu 1922 in seinem Buch “Public Opinion” eine mögliche Blaupause dar, die von autokratisch orientierten Kräften auch heute noch gerne genutzt wird. Edward S. Herman und Noam Chomsky haben die Wirksamkeit solcher Prozesse 1988 in ihrem Buch “Manufacturing Consent” in erster Linie beschrieben, um solche verdeckt ablaufenden Prozesse entkräften zu können. Ich empfehle, beide im englischen Original zu lesen. Fakt ist, dass die Zahl der Markteilnehmer, die auf solche Art ihre Ziele verfolgen, durch die Medienformen Blog, Podcast und Vodcast exponentiell zugenommen hat. Ob zum Guten oder zum Bösen, muss sich erst noch entscheiden.

Dennoch darf man getrost davon ausgehen, dass die Auswirkungen, welche das Netz auf Teilhabe-Prozesse in Gesellschaften hat, noch lange nicht erkannt werden können. Die Analysen rings um den Cambridge-Analytica-Skandal z.B. sind nicht ansatzweise abgeschlossen und das Rätsel, ob die damals abgeschöpften Daten tatsächlich zur Wahl Donald Trumps beigetragen haben, wird wahrscheinlich erst irgendwann gelöst werden können. Realistischerweise werden wir erst in ein paar Jahrzehnten wirklich verstehen, was im Moment in den sozialen Medien gerade passiert. Zum einen, weil die Dynamik der Entstehung öffentlicher Meinung Walter Lippmann und auch andere, spätere Theoretiker mittlerweile in ihrer Wucht lügen straft. Und weil die Psyche des Menschen, aller Forschung zum Trotze in vielerlei Hinsicht immer noch eine Black Box ist, deren Inhalt wir oft nur schätzen können.

Was nun das Bloggen und Podcasten angeht: etwas realistische Selbsteinschätzung tut jedem gut. Was ich hier veröffentliche, ist selbst in einem guten Monat maximal ein Nischenprodukt. Nicht, weil ich hier dauernd vollkommenen Blödsinn von mir gebe – was von Fall zu Fall möglich sein mag – sondern, weil die Aufmerksamkeit an sich eine sehr wankelmütige Geliebte ist. Zu viele Angebote stürmen tagtäglich auf unsere Sinne ein und lassen unser ARAS allzu oft rat- und rastlos zurück. Steigt vielleicht deshalb die Zahl der Krankenfehltage auf Grund psychiatrischer Erkrankungen nach wie vor stark an? Ich weiß es nicht, aber von der Hand zu weisen ist der Gedanke wohl kaum. In jedem Fall konkurriere ich mit vielen anderen Angeboten, von denen – ein wenig Arroganz gestatte ich mir dann doch – so manches deutlich zweifelhafter ist, als meines. Vermutlich denkt so manch anderer das auch von seinem eigenen.

Jetzt diese Domäne des Self-Publishing mit Kommerz fluten zu wollen, macht mich dennoch ehrlich gesagt wütend. Wieder wird ein Bereich des Webs, in dem man mit etwas Geduld durchaus hochwertige, interessante und relevante Nischenpublikationen finden kann zugekleistert mit kommerzieller Kacke. Womöglich muss ich dann solche Gruselfiguren wie Mario Barth als Blogger erleben? Reicht es nicht, dass sich mit Seiten wie “Tichys Einblick” schon die Faschos in die Blogospäre trauen? Muss ich dann auch noch irgendwelche sendungsbewussten Schwachmaten und Möchtegern-Komiker ertragen?

Schaut euch den Fußball an. Das große Geld macht ihn seit Jahrzehnten immer kaputter. Wird beim Bloggen auch nicht lange dauern. Spätestens, wenn jetzt irgendeines von diesen chronisch überbewerteten, nur am Börsengang orientierten Start-Ups daher kommt und Hektoliterweise Gehirn-Jauche ins Netz pumpt; schön dekoriert als “authentische Blogs von echten Menschen”. Wohin auch immer der Zug fährt – ich bleib noch ‘ne Weile hier und mach mein Ding. Vielleicht ziehen die Zecken irgendwann weiter und fahren woanders das nächste große Ding für ihre Konten. C U!

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Was war heute noch…?

Tag der deutschen Einheit. Feiertag. Irgendwelche – selbst gefühlt wichtigen -Menschen schwingen Reden über das Tun, das Lassen, das Müssen, das Dürfen; über Klima und Greta, über Flucht und Merkel, über alles Mögliche und vor allem das Unmögliche, weil angeblich nicht bezahlbare – nur nicht über die Menschen, denen zu dienen diese Volksvertreter eigentlich aufgerufen wären.

Dies wird mitnichten eine Hassrede über unsere Politiker. Das überlasse ich gerne den Faschisten, den Nazis, den Ewiggestrigen, die wie ein Herbststurm über unser Land gekommen sind und sich berufen fühlen, alles nieder zu reißen, was Generationen vor ihnen aufzubauen vermochten. Denn diese Randfiguren der Globalisierung werden kein Vermächtnis erschaffen, dass zu erinnern auch nur eine Sekunde wert wäre. Ebenso wenig, wie ihre Nazi-Vorbilder. Wenn noch einmal einer von Autobahnen anfängt, vergesse ich mich öffentlich und gewalttätig…

Nein! Dies ist der Ausdruck tief empfundener Scham über den Zustand unserer Nation. Über Menschen, die nicht mehr zu einander finden, weil Dogmen schwerer wiegen, als Menschlichkeit. Über die idiotische Journaille, die den Faschisten nach dem Maul redet, weil sie Scheu vor einer Konfrontation haben. Als wenn man neo-faschistische Knallchargen wie Gauland (der Name ist offensichtlich Programm), Höcke und Bierlein auch nur im Ansatz programmatisch oder inhaltlich ernst nehmen könnte? Diese Menschoiden faseln vom vierten Reich und sogenannte Reporter sagen “Ja, diese Bedenken muss man ernst nehmen…”. Bitte? Geht’s noch?

Ferner empfinde ich Scham über mich selbst. Zu lange habe ich gedacht, dass man diesen Menschen zuhören, ihre Ängste verstehen lernen muss; dass es einen Weg gibt, ihnen zu helfen, ihre Chancen auf Teilhabe wieder auf wirklich demokratische Weise wahrnehmen zu können. Was für ein Narr ich doch war! Die wollen Feuer. Also werden sie von mir Feuer bekommen. Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn mehr, zwischen Menschen zu unterscheiden, die von wahrhaft neofaschistischer Gesinnung sind und denen, die einfach nur nach einfachen Lösungen für die komplexen Probleme unserer Zeit suchen. Denn es macht am Ende keinen Unterschied, auf wessen Schultern die nächste Machtergreifung stattfindet.

Ich bin Sozialdemokrat! Einer, der immer wieder an den neoliberalen Vollidioten wie Scholz verzweifelt, die in der CSU programmatisch zweifellos besser aufgehoben wären. Und ich habe es satt, dass in Diskussionsrunden des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Menschen ihren Geifer verspritzen dürfen, deren einziges Programm darin besteht, alles zu hassen, was ihnen fremd vorkommt und was sie nicht verstehen können. Und wenn man die öffentlich demonstrierte Blödheit und Indolenz Alexander Gaulands und die Unverschämtheit Björn Höckes in Betracht zieht, verstehen die aber auch gar nix. Wie man solche Vollpfosten wählen kann, die ein Parteiprogramm voller noch neoliberalerem und kosnservativerem Nonsens geschrieben haben, als man das von der CSU gewöhnt ist, verstehe ich bei allem gutem Willen nicht mehr.

Tag der deutschen Einheit? Ein Fanal ist dieser Tag. Eine gottverdammte Schande für jeden, der nicht aufsteht und den Faschisten die Stirn bietet. Irgend jemand schrieb in der Kommentarspalte eines Zeitartikels dieser Tage, dass es falsch sei, wenn man den Faschisten keine Bühne biete, immerhin hätten wir die freie Meinungsäußerung in den Grundrechten verbrieft. Was er dabei übersieht ist der Umstand, dass die AfD-Faschisten auf dieses Grundrecht pochen, jedoch selbst nur wenig davon halten, wenn es gegen sie selbst eingesetzt wird. Wer immer noch nicht begriffen hat, dass diese AfD keine bürgerlich-konservative Partei ist, sondern ein Sammelbecken für Nazis, Rassisten, Identitäre, Reichsbürger und was weiß ich noch alles, dem kann ich leider nur schweren Realitätsverlust attestieren.

Facebook-Entfreunden werde ich solche Leute trotzdem nicht. Da wo Faschos Hetze präsentieren, kriegen sie von mir Contra. Und witziger Weise verschwinden sie nach kurzem Schlagabtausch zumeist und suchen sich andere Orte, an denen sich ungestörter Hetzen lässt. Um es mit Alexander Gaulands unsterblichen Worten zu sagen: Lasst sie uns jagen, wo immer der Faschos hässliche Fratze sich zeigt. Treibt sie zurück in ihre Löcher und überlasst ihnen nicht die Öffentlichkeit. Die sind nicht das Volk – die sind einfach nur traurige, hasserfüllte Gestalten, denen es den Raum zu nehmen gilt. Wer sich bemüssigt fühlt, mir zu helfen, oder dies zu teilen: ich habe keine Angst vor Menschen, die – wie Höcke – armselig mit Konsequenzen drohen, die eintreten, wenn sie dann endlich an der Macht sind. Die haben keine Ahnung, worauf sie sich einlassen, denn sie werden die Macht nie erringen, wenn wir das verhindern. Gemeinsam! Schaffen wir das, können wir auch wieder stolz erhobenen Hauptes die “deutsche Einheit” feiern…

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Speeding kills…?

Ich bin ein böser, böser Verkehrssünder. Ich war zu schnell. Geschätzt 5-7 km/h. Dumm, ärgerlich, und zweifelsohne primär meine Schuld. ABER… warum zum Teufel steht eine solche Geschwindigkeits-Messeinrichtung an einem Freitag Morgen um 08:00 an einer Ausfallstraße, während die meisten anderen Ausfallstraßen im Stadtteil durch Baustellen teilweise oder ganz versperrt sind; an einer Stelle, an welcher sich ein Kinderspielplatz befindet, dessen üblich Nutzer zu dieser Zeit entweder in der Schule, in Ihren Kindertagesstätten, oder auf dem Weg dahin sind, weil deren Eltern – genau wie ich – eilig der Arbeit zustreben müssen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt? Mitnichten. Das ist kalkulierte Abzocke!

Seit die Stadt Mannheim, vertreten durch ihren kommunalen Ordnungsdienst das Gros der Geschwindigkeitsmessungen durchführt (die dürfen nicht in fließenden Verkehr eingreifen, wohl aber diesen beobachten), finden solche nicht mehr, wie früher durch die Polizei, an gefährlichen Stellen und bekannten Unfallschwerpunkten statt, sondern dort, wo es für Behörde und damit Stadt fiskalisch opportun ist. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass man nicht schneller fahren darf, als am jeweiligen Ort erlaubt. Die Behörde ist sich jedoch ebenfalls der Tatsache bewusst, dass die Menschen auf dem Weg morgens viele Dinge im Kopf haben und deshalb oft leichtsinnigerweise etwas zu schnell fahren. An einem Ort mit geringem Gefährdungspotential zu blitzen, ist also vor allem eines: moderne Wegelagerei.

Kritiker werden jetzt argumentieren, dass ich mir des Risikos doch bewusst bin, wenn ich zu schnell fahre. Für Speeding gibt es fast überall auf der Welt ein Ticket. Dass ich, wenn ich mich riskant verhalte, das Für und Wider abgewogen und mich ebenso bewusst für mein riskantes Verhalten entschieden habe. Ich sage: Jein. Einerseits weiß ich sehr wohl um diese Dinge. Andererseits treffen wir unsere Entscheidungen nicht immer bewusst. Jeder, der sich mal aufmerksam beobachtet hat, weiß, dass Speeden nicht immer als Entscheidung, sondern oft unwillkürlich auf Grund eines subjektiven Drucks passiert, dessen Ursprung verborgen bleibt, bis wir die Zeit haben, das zu reflektieren. Ich behaupte jetzt mal, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht.

Hinzu kommt, dass die erwähnten Kindertagesstätten im gegebenen Fall alle im Bereich der alten Wohnbebauung liegen und nicht da, wo geblitzt wird; weil die Firma Diringer & Scheidel, vermutlich auch aus fiskalischen Interessen in ihrem – von der Stadt Mannheim sehenden Auges genehmigten – Bebauungsplan für das sogenannte Glückstein-Quartier keine solchen Einrichtungen vorgesehen hat. Die würden nämlich kostbare Büro-Fläche kosten , die man in Hauptbahnhofsnähe so schön teuer verhuren kann. Hier darf der Schelm Böses denken, wenn man dafür jetzt eine der kostbaren Grünflächen in der alten Bebauung opfern will, um dort eine drauf zu bauen, weil der Bedarf bei vielen zuziehenden jungen Familien halt gegeben ist. Ein Hoch auf die wachsende Bodenversiegelung.

Systemisch betrachtet wurde ich also von der Stadt und dem Bauträger beschissen und abgezockt und soll auch noch still sein, weil ich ja etwas falsch gemacht habe. Ne, schönen Dank, Ja-Sager haben wir schon genug. Wenn mein Speeden (potentiell) tötet und ich deswegen dafür bestraft werden muss, bestehe ich darauf, dass die Stadt und die Baufirma samt Investoren für das Töten der Natur, die meinen Stadtteil lebenswert macht auch bestraft werden müssen. Unter anderem auch wegen des Rheindamms. So genug gemuffelt, weiter geht’s. Muss ja erst mal die Kohle verdienen, die mir andere ungerechtfertigter Weise aus der Tasche ziehen. Danke für nix Stadt Mannheim!

Menschenskinder…

…lernen die Welt zu (be)greifen, laufen los, streiten, schließen Freundschaften, kommen in die Schule, werden älter, reifen und werden – schließlich – irgendwann zu denen, die, wie ich, darüber reflektieren, was Menschenskinder für die dazugehörigen Großen bedeuten. Rein biologistisch gesehen geht’s ja nur um den Erhalt der Spezies. Dies so eng zu betrachten, wäre dennoch Käse. Nicht nur mir ist bewusst, dass Generation um Generation immer wieder nach dem Sinn des Lebens sucht und sich dabei jenes Intellektes bedient, mit dem Mutter Natur uns auszustatten die unfassbare Blödheit besessen hat. Denn ohne diesen Intellekt würden wir weder immer noch versuchen, uns die Erde Untertan zu machen, noch gäbe es dieses unnötig verschwenderische Suchen nach Sinn überhaupt.

Meine kleinere Tochter wurde gestern eingeschult und wie ich diesen, wohl eingeübten, Ritualen beiwohnte, die dazu gedacht sind, das Kind im neuen Lebensabschnitt zu begrüßen, der – mit dem trainiert bösartigen Auge des Zynikers betrachtet – in der unausweichlichen Einsortierung in eine Schublade mündet, wurde mir etwas bewusst: nämlich dass Sinn in den Anderen (z. B. unseren Kindern) zu suchen, ungerecht ist. Ungerecht gegenüber den Anderen, weil wir dann Sehnsüchte auf sie projizieren, die wir – aus welchen Gründen auch immer – nicht aus uns selbst heraus befriedigen können. Ungerecht uns selbst gegenüber, weil im direkten Vergleich immer irgendwelche (vermeintlichen) Unzulänglichkeiten des Selbst sichtbar werden, die dennoch vielleicht ein Teil sind, der dazu beiträgt, uns die sein zu lassen, die wir sind.

“Hätte, hätte, Fahrradkette!” Wir leben nicht im Konjunktiv, sondern im Hier und Jetzt. Und all diese Überlegungen, was man z. B. täte, wenn man seinem 20-jährigen Ich mit den bereits gemachten Erfahrungen zur Seite stehen könnte, sind ebenso Käse, wie die oben erwähnte biologistische Weltsicht und das Projizieren. Solche Träumereien stellen lediglich den verzweifelten Versuch dar, sich mit der gelegentlich auftretenden subjektiven Sinnlosigkeit des eigenen Tuns gut zu stellen. “Hätte ich das vorher gewusst, wäre alles besser geworden!” Blödsinn. Sinn muss man nicht suchen. Denn betrachtet man es fatalistisch, ist unsere Existenz ein kosmischer Wimpernschlag, in welchem wir, auf einem zufällig habitablen Klumpen Gestein, mit einem Affenzahn durch unser Sonnensystem rauschen und uns ebenso zufällig so weit entwickelt haben, dass wir uns fragen können, was das soll. Doch es soll nichts. Es passiert einfach. Und es ist an uns, dieses bloße Passieren mit Sinn zu FÜLLEN…!

Meine Tochter muss sich solchen Überlegungen noch nicht stellen. Sie ahnt nicht, wie viel für die Eltern mit dem Wachsen des Kindes zusammenhängt. Und damit meine ich bewusst nicht die fiskalischen Herausforderungen. Unsere Kinder sind, im Guten, wie im Bösen Spiegel unserer Selbst, denen wir nur schwerlich entfliehen können. Einen physischen Spiegel kann man abhängen, verschenken, im Keller verstecken, wenn uns das Bild nicht gefällt; doch ein Kind… nun, Keller wäre in dem Fall keine Lösung. Also wäre es doch eine gute Idee, unserem Leben Sinn zu geben, indem wir Dinge tun, die uns und anderen helfen. Zuvorderst unseren Kindern. Das jeder sich jetzt darunter etwas anderes vorstellen kann, erfüllt mich mit einer gewissen Zuversicht. Denn es bedeutet, dass der eine oder andere sehr wohl einen Sinn für sich definiert hat und nun versucht, diesen weiterzugeben.

Solche Menschen sind es, die – all ihren eigenen Fehlern und Irrungen zum Trotz, oder wegen dieser Fehler und Irrungen – als Idole, als Exempel, als Vorbilder fungieren und funktionieren. Die uns gemahnen, dass man seinen Sinn nur in sich selbst findet und, im besten Fall, andere daran teilhaben lassen kann. Das gilt natürlich im Guten, wie im Bösen. Denn Menschen, die andere zum Bösen anstiften können, gab und gibt es genug. Aber die meine ich nicht. Die will ich nicht vergessen, sondern mich gegen ihr Gift immunisieren. Mir geht es um jene, die andere Menschen zum Guten anstiften; dazu, der Welt etwas zu geben, dass tatsächlich nachhaltig und bereichernd zugleich wirkt – die Inspiration und den Willen etwas füreinander zu tun. Wenn wir – meine Frau und ich – das bei unseren Kindern noch schaffen, haben wir mehr für unsere Welt getan, als man hätte erwarten können. Ich wünsche noch einen schönen Sonntag.

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…schon wieder Herbst :-(

Man muss den Dingen ins Auge sehen. Zeit vergeht. Würde man jetzt mal rüber in den Bereich der Physik wandern, müsste man wohl zugeben, dass unser Empfinden von einer linear verlaufenden Zeit zumindest nicht vollständig ist. Aber für meine heutigen Betrachtungen soll genügen, dass wir Zeit als lineares Konstrukt wahrnehmen. Ich mag wissenschaftliche Beiträge, die mein Weltbild in Frage stellen, denn nur, wenn wir es zulassen, um die Ecke zu denken, finden wir dort auch etwas Neues. Ist meiner Erfahrung nach allerdings nicht wenigen Menschen zu mühselig. Die wählen dann AfD. ‘tschuldigung, aber die Spitze musste nach Nachwahl-Montag einfach sein…

Wo war ich? Ach ja, bei der fließenden, oder wie der Lateiner sagen würde – tempus fugit – der entfliehenden Zeit. Ich möchte behaupten, dass ich, allem Schweiße zum Trotz ein Sommer-Mensch bin. Draußen leben (und auch arbeiten), bis spät in den Abend hinein, dass ist mein Ding. ich bin so’ne Eule. Ihr wisst schon… Nun neigt sich diese Zeit des Jahres dem Ende und man könnte natürlich in eine Art frühe Post-Sommer-Depression verfallen, sich schon mal einigeln und dem Leben entsagen.

Allerdings ist der Herbst für mich eine Zeit großer Geschäftigkeit. Sowohl beruflich, als auch privat. Weil Manches halt im Spätjahr stattfinden muss, wie z.B. die Planung für das nächste Jahr. Aber im Kalender stehen auch viele andere Dinge, die Teils mit der Familie, teils mit dem Job und teils mit der Aufnahme eines Master-Studiums zu tun haben. Ich habe einfach noch keine Lust, mich in irgendeiner Nische zu gemütlich einzurichten. Das bekäme mir gar nicht gut, denn was rastet, das rostet. Und faul sein kann ich, wenn man mich lässt. 😉

Mir ist schon vor ein paar Jahren klar geworden, dass ich manche Dinge nicht wieder haben kann, die mir früher viel Freude bereitet haben. Ich gehe zum Beispiel nicht mehr mit meiner Frau Clubben, seit wir Kinder haben. Diese Lücke wurde damals erst durch Dauermüdigkeit und dann, nach und nach durch familiäre Aktivitäten ersetzt. Auch mein größtes Hobby, das Pen&Paper-Rollenspiel nimmt heute einen sehr viel geringeren Teil meiner Zeit in Anspruch, als vor 10-15 Jahren. Immerhin hat sich die Qualität dafür subjektiv deutlich verbessert. Ich könnte diese Liste fortführen, aber das wäre nicht zielführend.

Vielmehr geht es mir darum, mich selbst – und auch alle anderen, die hier mitlesen – daran zu erinnern, dass das Leben ein Kreislauf war, ist und bleibt. Egal, ob wir das gut finden und immer schön mitlaufen wollen, oder halt nicht. Bleiben wir stehen, rennt die Welt uns nämlich davon. Und vielleicht ist es auch ein Hinweis für die Lebensgeister, dass ich nun wieder in einer frischen Brise in meinem Arbeitszimmer stehen kann, während ich diese Zeilen schreibe.

Man könnte den Herbst natürlich als Zeit des Sterbens der alten Dinge betrachten. Oder man akzeptiert, dass er eine Gelegenheit zum Kräftesammeln für die dunkelsten Stunden des Jahres ist und uns auffordert, jetzt umso mehr raus zu gehen und das Leben noch einmal zu feiern. Ich will den (meteorologischen) Herbst hiermit offiziell begrüßen und lege es allen ans Herz: lasst es euch noch mal gut gehen. In diesem Sinne, schöne Woche noch!

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My way to more kindness #0

Von Zeit zu Zeit nimmt man Trends wahr, lässt sich von Strömungen in den Medien oder in seiner ganz privaten Echokammer mitziehen. Das stößt die Neugierde an und man beginnt sich zu informieren, darüber nachzudenken, etc. Ich meine dabei bewusst keine Klamotten-Trends, denn mein Äußeres kommt meist in etwa so modisch daher, wie ein IFA W50. Ich denk halt immer, dass Baggy-Pants, T-Shirts und Sneaker schon reichen (außer, bei bestimmten Anlässen, natürlich). Wenn man(n) unbedingt zum Fashion-Victim werden will (so mit zu kurzen, zu engen Hosen, oder aber dem genauen Gegenteil, dass bis in die Kniekehlen hängt), bitte gerne. Is’ nur nix für mich.

Nein, ich meine soziale Trends, Bewegungen, neue Netzwerke und neues Wissen. Dabei muss es nicht immer um Politik gehen. Dem Thema werde ich für eine Weile abschwören, sonst – bei Gott – werde ich gewalttätig gegen dumme Menschen. Aber auch abseits der Politik gibt’s genug zu erforschen und zu erfahren; insbesondere dann, wenn man, wie ich, in der Erwachsenenbildung und im Gesundheitswesen zeitgleich tätig ist. Beide Arbeits-Felder erfahren immer wieder Veränderungen durch die Menschen, welche in Ihnen tätig werden. Manchmal aus echten Notwendigkeiten heraus, manchmal auch einfach nur, weil eine Person etwas Wichtiges erkennt und Wege findet, die Botschaft zu verbreiten.

Menschen, die mich näher kennen wissen, dass unter dem Clown, der fast alles in seiner Umgebung mit einer Mischung aus Ironie und Zynismus kommentiert eine Seele steckt, die’s gerne harmonisch hat. Den Wunsch nach Harmonie darf man hier bitte nicht mit Konfliktscheue verwechseln. Ich kann auch böse, wenn’s denn unbedingt sein muss. Aber ich mag es nicht. Mein durchaus gelegentlich etwas cholerisches Naturell reitet mich dabei öfter in den Dreck, als mir lieb ist. Aber wer dauernd mit Menschen arbeitet, muss wohl darauf gefasst sein, dass es menschelt… nicht wahr?

Nun bin ich, nachdem ich bei Recherchen für etwas völlig anderes über Dave Burgess gestolpert bin, bei “A passion for kindness” von Tamara Letter gelandet. Ich vermute mal, dass mein Unterbewusstsein mir irgendwas mitteilen wollte, denn der Titel und die Beschreibung sprachen mich irgendwie an:

Quelle: amazon.com

Ich lese gerne echte Bücher. Diese Dinger aus Papier und Druckerschwärze, ihr wisst schon. Man kann nicht wischen, man muss blättern. Dafür kann man reinkritzeln (sofern sie einem selbst gehören) und so seine Gedanken zum Gelesenen festhalten. Ja ich weiß, dass geht auch mit PDFs; aber das ist einfach nicht das Gleiche… Außerdem müssen wir ja auch nicht für alles dauernd Strom verbrennen. Mein CO2-Fußabdruck ist auch so schon groß genug. Jedenfalls finde ich die Art, wie die Autorin über “kindness”, diese schlecht ins Deutsche übersetzbare Mischung aus Freundlichkeit, Güte und Großzügigkeit denkt und auch danach handelt großartig und inspirierend.

Ich stelle nämlich einerseits immer wieder fest, dass ich in die selbst ausgelegten Bäreneisen tappe, wenn ich mit meinen Lieben interagiere. Eigene Kinder können einen ja so leicht aus der Reserve locken. Andererseits ist in meinem Arbeitsumfeld letzthin oft eine Atmosphäre gespannter Nervosität zu verspüren, die allen dort auf’s Gemüt und damit die Höflichkeits-Sensoren schlägt. In einem Hochrisiko-Job wie dem Rettungsdienst keine optimalen Voraussetzungen für die – üblicherweise von uns erwarteten – guten Ergebnisse.

Ich will gar nicht groß auf den Inhalt eingehen, denn auf den muss man sich als Leser schon bitte selbst einlassen. Nur so viel: auch bei kindness gilt: wie man in den Wald hineinruft… Und so will ich dies zum Anlass nehmen, zu versuchen, es selbst noch besser zu machen. Nicht nur zu Hause, sondern auch für und mit meinen Kollegen und Azubis. Besser geht nämlich immer. Und wenn es dazu beiträgt, das Arbeitsklima zu verbessern und damit auch unser Outcome als Organisation, bin ich gerne vorne mit dabei. Ihr werdet davon hören. Und vielleicht wollt ihr ja auch mitmachen? Schönen Abend noch!

Auch zum Hören…

Kulturwandel olé

Jeder, der ein bisschen was von Marketing versteht, weiß, dass man mit dem richtigen Konzept auch abseitige Ideen an den Mann bringen kann. Der zunehmende Erfolg rechts-nationaler Politik überall in Europa und auch auf der restlichen Welt spricht diesbezüglich Bände. Und so ist es kein Wunder, dass manches Konzept, welches bei näherer Betrachtung wertvoll ist, zunächst meinen Widerwillen erregt, weil es vermarktet wird. Nicht mal wegen der Art der Vermarktung, sondern einfach nur, weil jemand dafür wirbt. Soweit ist es mit meiner Social-Media-Konditionierung also schon gekommen. Und das bedaure ich, denn gelegentlich stolpert man in der Masse von Publikationen, welche sich selbst auf die Fahnen schreiben, Game-Changer sein zu wollen, tatsächlich über eine Perle.

Whack – a – mole.

Die Bezeichnung für dieses Spiel, bei der man mit einer Schaufel auf den Maulwurf kloppt, der so blöd ist, seinen Kopf aus einem Loch zu stecken. Das ist David Marx’ Analogie zu unserer vorherrschenden Fehlerkultur im Gesundheitswesen. Wer einen Fehler begeht, wird dafür bestraft, anstatt sich den Fehler zum Anlass zu nehmen, daraus zu lernen, um zukünftige Wiederholungen dieses Fehler vermeiden zu helfen; und demjenigen, der diesen gemeldet hat, für seine Ehrlichkeit zu danken.

Das Buch ist mitnichten neu. Im Original von 2009, in einer zweiten Auflage von 2014 nun auf meinem Schreibtisch liegend, thematisiert es zunächst die Fehlbarkeit des menschlichen Individuums. Insbesondere in Berufsgruppen, in denen von den Tätigen nicht weniger als Perfektion erwartet wird. Zu unrecht erwartet wird! Denn Perfektion ist ein Ziel, nach dem viele Menschen streben und das doch noch keiner erreicht hat, weil es unabdingbarer Teil der menschlichen Natur ist, fehlbar zu sein. Und damit ganz automatisch immer und immer wieder Fehler zu machen. Auch – vielleicht sogar besonders dort – wo Perfektion als Voraussetzung für die Beschäftigungsfähigkeit angesehen wird. Zum Beispiel im Gesundheitswesen, wo Fehler zweifelsohne zu Schäden an Leib und Leben der uns anvertrauten Patienten führen können. Was – allem Training zu Trotze – nichts an der Fehlbarkeit des Menschen ändert.

Und so ist David Marx’ Buch denn auch ein Plädoyer, einerseits zu verstehen, dass 100% Fehlerlosigkeit in keinem Berufsfeld und unter keinen Umständen erwartbar ist. Und andererseits in der Folge dieser Feststellung zu einem neuen Umgang mit Fehlern zu finden; weg von der sinnlosen Bestrafung des unabdingbaren menschlichen Makels Fehlerhaftigkeit, hin zu einem konstruktiven Umgang damit. Zum beispiel durch die Schaffung besserer Systeme zur Fehlerprävention. Und indem ich Menschen dahin führe, bei kritischen Entscheidungen die bessere (sichere) Option zu wählen. Das ist jedoch nur möglich, wenn ich aufhöre, Menschen für Fehler, die sie im Rahmen ihrer Verrichtung nach bestem Wissen und Gewissen begangen haben zu bestrafen, als wenn sie mit Vorsatz gehandelt hätten. Und ihnen so die Chance gebe, über den Fehler offen zu reden. Die dann möglichen präzise Analysen und daraus resultierenden Veränderungen an Arbeitsabläufen führen zu besserer Fehlervermeidung.

Es ist ein Aufruf zum Systemwandel. Und auch, wenn seit der Erstpublikation schon 10 Jahre ins Land gegangen sind und Marx’ Analysen natürlich primär seine Heimat USA betreffen, hat das Buch dennoch weder etwas an Aktualität verloren, noch ist es für unser bundesrepublikanisches Gesundheitswesen irrelevant, da wir vielerorts exakt die gleichen – falschen – Methoden im Umgang mit Fehlern und Beinahe-Fehlern pflegen, die hier beschrieben wurden.

Ich mache wirklich selten Werbung, aber dieser Titel ist für jeden healthcare-professional einen Blick wert. Insbesondere, wenn man ein Interesse daran hat, Patienten-Benefit UND Arbeitsbedingungen gleichzeitig zu verbessern. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Auch zum Hören…

The italian tales – series terminated!

Wenn man durch die nächtliche Toskana, die Emilia Romagna und die Lombardei eilt, weil halt noch viele 100 KM vor einem liegen, hat man Zeit zum Nachdenken. Zum einen, weil die anderen Fahrzeuginsassen das tun, was ich auf keinen Fall tun sollte, nämlich schlafen. Und zum anderen, weil speziell die A1 Bologna – Milano schlicht stinklangweilig ist. Und worum drehten sich die Gedanken: wann und wo der nächste Urlaub stattfinden soll. Wie war das noch gleich? “Du warst doch gerade erst?” – “Ja, weißt du, das ist mehr so, wie eine Sucht…” 😉

Es ist nun leider so, dass wir erstmal wieder zu Hause angelangt sind, nachdem wir mit großem Bedauern drei wundervollen Wochen Urlaub ade gesagt hatten. Ich persönlich bin hochzufrieden mit dem Ergebnis: Erholung und (weitesten Teils) Entsagung von den Fährnissen des Alltages. Die holen mich spätestens morgen früh, wenn ich an meinem Schreibtisch Platz nehmen darf, wieder ein. Die Kinder haben ja noch Ferien, aber auch die beste Gattin von allen, darf sich morgen früh wieder zur Arbeitsstelle schleppen. Wenigstens muss sie dabei nicht immer die 15° Steigung auf dieser Brücke überwinden,

Ponte della Maddalena – Provinz Lucca (auf dem Weg in die Garfagnana)

Ich werde heute morgen keine großen Reden schwingen. Nachdem ich mich in den Italian tales N°7 und N°8 an politischen Diskussionen auf Facebook abgearbeitet habe und auch in den Tagen zuvor wenig über den Urlaub an sich zu berichten wusste, gibt’s heute nur ein short statement in Stichpunkten:

  • Olivenöl, Rotwein & Weißwein vom Vermieter – sauber!
  • Jeden Tag mindestens 1000 Meter im Pool schwimmen – check!
  • Viele schöne und vor allem auch neue Orte entdecken – jawoll!
  • Dabei auch noch knipsen wie ein Gestörter – erledigt!
  • Jeden Tag lecker kochen – oh ja (mit insgesamt 8 x Grillen dabei)!
  • Lesen – 3,5 Bücher!
  • Immerzu in den Tag hineinleben und nicht zu viel planen – … und wie!
Fortezza del Girifalco, Cortona – Provinz Arezzo

Stellt euch mal vor, wie schön es sich unter den alten Kastanienbäumen vor dem Palas dieser Burg sitzen und essen lässt. Ungeplant, aber dennoch hoch willkommen.

Vielleicht ist es das, was mir ab morgen am meisten fehlen wird: Strukturlosigkeit. Sich treiben lassen; nicht nur im Pool nach dem Schwimmen, sonder überhaupt durch den Tag, durch die Landschaft, durch’s Leben. Wiewohl mir bewusst ist, dass ein zu wenig an Struktur einen sozial und kognitiv verelenden lässt, ist es das zuviel, dass mich in letzter Zeit beinahe geschafft hätte. Abseits der Dinge, die ich nach bestimmten Mustern erledigen MUSS, werde ich mal versuchen, es im privaten mit etwas weniger Struktur zu versuchen. Vielleicht hilf das, länger mit den Entzugsphasen (also den Zeiträumen ohne Urlaub) klar zu kommen. Das könnte eine der Säulen sein, die mich auch weiterhin tragen…

Abbazia di San Galgano, Chiusdino – Provinz Siena

Ihr anderen da draußen solltet euch über eure eigenen Säulen möglicherweise auch mal Gedanken machen. Muss ja nicht nachts im Auto sein. In diesem Sinne wünsche ich allen noch einen schönen Tag – the italien tales, over and out!