Verwirrtes Herz…

Es gibt Momente im Leben, die man nicht vergisst. Viele Menschen können sich zum Beispiel genau daran erinnern, wo sie am 11.09.2001 waren, als jene grausigen Bilder über die Mattscheiben flimmerten und offiziell davon kündeten, dass die Zeit des Wegschauens vorbei war. Das ist natürlich ein öffentliches Beispiel, weil ich kaum in die Köpfe so vieler Menschen hinein sehen kann, um zu wissen, was jeden einzelnen in seinem tiefsten Innern bewegt. Ich wollte eine solche Kraft auch gar nicht, denn mit ihr ginge große Verantwortung einher. Aber mir ist bewusst, dass jedes menschliche Wesen Erfahrungen macht, auf die es lieber verzichtet hätte.

So trägt ein jeder ungesehen und unbeachtet sein eigenes Bündel von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr und ganz gleich, WO wir auch hingehen mögen, die Last der vorangegangenen Tage ist immer schon da. Wartet auf uns, wie eine alte Wolldecke auf der heimatlichen Couch, bereit uns einzuhüllen, um uns zuvorderst daran zu erinnern, woran wir gescheitert sind… und warum. Eigentlich ist die Erinnerung an die eigenen Fehler ja nur ein Schutzmechanismus unseres Gehirns, um uns davor zu bewahren, in genau diese Falle noch mal zu tappen. Doch manchmal sind wir einfach zu blöd, die Chiffren unseres eigenen Hirns zu entziffern.

Und manchmal kommen auch einfach neue Fehler hinzu; getreu Donald Ducks altem Motto “Aus Fehlern wird man klug, drum ist einer nicht genug!”. Als Mensch ist mir die Erfahrung, neue Fehler “zu erfinden” nicht unbekannt. Doch natürlich besteht unsere Sammlung solch mächtiger Bilder nicht nur aus Schnappschüssen unserer Fehler, sondern eben auch aus Wahrnehmungen, die so gewaltig sind, dass sie sich gleichsam in unser aller Gedächtnis graben. Wie eben die zusammenstürzenden Twin Towers…

Gelegentlich teilen wir diesen mentalen Ballast, in der vagen Hoffnung, dass er dadurch leichter würde – geteiltes Leid sei halbes Leid, sagt man. Ob das stimmt? Ganz ehrlich – Ich weiß es nicht. Dennoch ist es mir in diesem dunklen Augenblick ein Bedürfnis, meine Trauer in Worte zu fassen, da ich rational natürlich absolut verstehe, was gerade passiert ist. Doch emotional… da stehe ich vor einem Trümmerfeld, dass ich erst sortieren muss, bevor ich es verstehen kann…

Mein Mutter ist gestern Abend (also genauer vor wenigen Stunden) gestorben. Ich kann nicht sagen, dass man es die letzten Tage nicht kommen sehen konnte. Mir ist auch bewusst, dass es für sie einen Frieden bedeutet, den sie hier auf Erden nicht mehr finden konnte. Und doch… bei all meiner beruflichen Erfahrung im Umgang mit dem Leiden und dem Tod, haut es mich um. In mehr als nur einer Hinsicht bin ich erschöpft und erschüttert. Ohne das hier weiter thematisieren zu wollen, oder zu können: es gibt ein paar Menschen, die ich auf den Mond schießen könnte. Und wiederum andere, die sich einmal mehr als so wertvoll erwiesen haben, dass ich mein Glück kaum fassen kann.

Ich weiß nicht, ob ich der Sohn war, den sie gewünscht oder verdient hatte. Aber ich bin mir sicher, dass alles irgendwann gut wird; denn wohin auch immer der Weg von nun an führen mag – ich bin bereit ihn zu gehen, loszulassen und das Leben, welches gelebt wurde genauso zu feiern, wie jenes, dass auch weiterhin gelebt werden wird. Mögen die guten Erinnerungen nicht verloren gehen. Denn über die Gegangenen schlecht zu reden, zeugt bestenfalls von der eigenen Schlechtigkeit. Ich wünsche uns allen Frieden und eine verheißungsvolle Zukunft.

Amen

Erwachsen bilden #14 – Schulstress?

Das Leben als Schüler oder Auszubildender ist nicht einfach. Man ist – mal mehr, mal weniger – ständig einem Erwartungsdruck ausgesetzt. Allein der Gedanke an die Abschluss-Prüfungen lässt manchem Probanden den Magen flau werden, sind doch zumeist unfassbar viele Faktoren damit verknüpft,die auf den weiteren Lebensweg wirken können. Ich sage bewusst “können”, weil insgesamt gar nicht so sicher erscheint, dass eine einmal getroffene Entscheidung soviel Wirkmacht auf Wohl und Wehe unserer Existenz hat.

Das mit dem Druck beginnt manchmal ja schon vor der allgemein bildenden Schule. Einmal mehr bin ich über einen Artikel auf Zeit Online gestolpert, der exzellent illustriert, welche Denke mittlerweile den Umgang mit Schule und Ausbildung dominiert schneller, höher, weiter, besser, mehr… Und mit gewisser Beunruhigung musste ich in einem Moment der Selbstreflexion feststellen, dass meine Frau und ich als Eltern nicht selten einem ähnlichen Druck anheim fallen und unsere Kinder “knechten”, wenn es doch besser wäre, den Dingen gelassener entgegen zu sehen. Keine andere Bevölkerungsgruppe hat in der BRD anscheinend so viel Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg, wie der so genannte Mittelstand, zu dem wir als Familie uns – im krassen Gegensatz zu Friedrich Merz – zählen dürfen.

Was ist denn die Konsequenz, wenn die Bildungskarriere nicht straight zu einem Einser-Abi führt? Endet man dann als Heizer auf einem panamaischen Seelenverkäufer, als eingesperrter T-Shirt-Näher in Bangladesch oder als LKW-Fahrer im Hindukusch? Und falls ja, warum erscheint uns dieses “Schicksal” so dramatisch? Seien wir mal ehrlich – selbst wenn ich in der BRD ins soziale Netz fiele, ginge es mir objektiv immer noch wesentlich besser, als den vorgenannten Menschen. Und doch haben wir so entsetzliche Angst davor, als Versager zu gelten, wenn wir es uns nicht Kraft Abschluss aussuchen zu können, wer oder was wir sein wollen. Die Saat der meritokratischen Illusion ist vollends in uns erblüht. Wir sollten uns folgende, einfache Tatsache ins Gedächtnis rufen: Diesen Luxus haben die allerwenigsten Menschen auf diesem Planeten!

Der eine oder andere mag sich fragen “Und was hat das nun mit dem sonstigen Thema “Berufsbildung” an dieser Stelle zu tun?”. Es ist eigentlich ganz einfach: wir sollten uns einmal über Erwartungshaltungen unterhalten. Über Lernziele und den Druck, den wir in den jungen Leuten aufbauen; leider oft genug, ohne diesem geeignete Ventile zum Abbau zu verschaffen. Denn schon in der Berufsschule beginnt der Kampf – Noten. Sie sind dazu gemacht, einander zu vergleichen und eine Taxonomie zu generieren, die letztlich nur dazu geeignet ist, folgendes auszusagen: “DU bist schlechter als ICH!”; oder vice versa. Exzellente Voraussetzungen, um die lern- und improvisationsfähigen, lebensklugen, empathischen, stressfesten Sanis zu erzeugen, die wir uns doch so sehr wünschen, oder…? Oder…?

Wir haben uns so sehr in Regularien, Curricula, Evidenz, Leistung und deren Messbarkeit vergraben, dass wir manchmal nicht mehr sehen, was das wahre Kernstück unseres Berufes ist: wir sind Menschen, die mit Menschen an Menschen für Menschen arbeiten. Und eben nicht nur Vitalparameter-Maschinisten, Logistik-Manager, Rennfahrer und Algorithmen-Puzzler. Doch genau das erzeugen die Schulen landauf, landab im Moment: junge Menschen mit der Mission, den ganzen technokratischen Krempel auch endlich anwenden zu dürfen; leider oft genug jedoch ohne einen Plan, wie man abseits der “Handlungsempfehlungen” handlungsfähig im Sinne des Patienten bleibt. Denn neben dem ganzen Wissen um Notfallmedizin wird auch die allseits dominante ökonomische Logik mit indoktriniert. Der Mensch ist in der Humanmedizin heutzutage oft genug nicht mehr als ein 62-prozentiger Wassersack mit einer Kontonummer drauf.

Indem wir die Lehre mit Druck betreiben, bereiten wir unsere zukünftigen Kolleginnen und Kollegen auf ein Leben unter Druck vor, denn letztlich ist klar, wohin unser Gesundheitswesen im Moment steuert: noch mehr Arbeitsverdichtung, noch weniger Humanität, noch mehr Controller, anstatt Menschen. Und der NotSan wird Aufgaben zugewiesen bekommen, die heute noch gar nicht absehbar sind, weil er zu einer, beliebig vor Ort einsetzbaren, sozial-medizinisch-psychatrischen Feuerwehr umgebaut werden wird. Ist billiger, als überall Ärzte hinzuschicken. Und obendrein ist das Personal schneller ausgebildet. Über den Verschleiß macht sich dabei kaum einer Gedanken.

Wie wäre es, wenn wir als Ausbilder uns dafür einsetzen, eine eigene Disziplin zu begründen, Rettungsdienst als eigenes Forschungs-, Wissens- und Ausbildungs-Fach zu betreiben und uns so von den Interessen Dritter zu emanzipieren. Jener, die uns eh nur als unangenehmes, aber leider notwendiges Anhängsel betrachten, dem man besser nicht zu viel Freiraum gibt, weil es sonst womöglich auf eigene Ideen kommt. Lasst uns genau das tun: eine Disziplin begründen, die eigene Wege gehen und vor allem ihre Auszubildenden besser zu behandeln vermag. Sapere aude im besten Sinne Kants! Das wäre doch mal ein Projekt… Ach ja – gibt’s ja schon! Schaut doch mal bei der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft im Rettungsdienst vorbei. Wir würden uns freuen!

Der verwirrte Spielleiter #17 – Go down in style!

Ja verdammich – jetzt sind wir in den “New Roaring Twenties”, da müssen wir doch auch was für den Stil tun, oder? Immerhin waren die 20er des 20. Jahrhunderts sowas wie die Initialzündung eines neuen Individualismus. Abseits solcher real-weltlicher Betrachtungen sind der jeweilige visuelle Stil und das Setting im Pen&Paper natürlich untrennbar miteinander verbunden. Ansonsten würde es für die Verlage wenig Sinn machen, eigene Art&Design-Abteilungen zu unterhalten. Wobei deren Arbeit im Zusammenspiel mit dem Fluff der Regelwerke natürlich für Bilder in unseren Köpfen sorgen soll. Die Gamedesigner möchten ihre Vorstellungen schließlich zum Spieler transportiert wissen.

Eine Welt voller rosa Knuddeleinhörner, in der sich Vampirclans übelst bekämpfen, klingt wahrscheinlich nicht nur für mich ein bisschen kontraintuitiv… Damit sei gesagt, dass man stets nach einer Passung zwischen visuellem Stil und Setting sucht. Nicht selten werden dabei Stereotypen bemüht, die manchmal doch schon ein bisschen Rost angesetzt haben. Natürlich wirkt “The Matrix” auch heute noch ziemlich frisch; doch seien wir mal ehrlich: das Lack und Leder-Thema für den Cyber-Punk ist mittlerweile schon ein bisschen abgedroschen, oder? Ach ich kann in meinem Hinterkopf das große “ABER…” aufbranden hören. Und natürlich war der Film – zusammen mit diversen Animes und Coverart – auch für meine Vorstellungen diesbezüglich stilbildend. Und doch… doch bleibt die Frage, ob’s auch noch anders geht.

Ich gestehe, dass ich ganz gut im Geschichten-Entwickeln und Erzählen bin. Meine visuellen Skills sind jedoch eher begrenzt, so dass ich mir meine Anregungen im Netz suchen, oder meine Frau um Unterstützung mit dem Zeichenstift bitten muss. Und an dem, was da gesprochen wird, beweist sich einmal mehr, dass ein Bild aus meinem Kopf nicht so leicht in einen anderen hinüber gelangen kann. Aber vielleicht ist das ja einer der Hauptreize am Pen&Paper? Das die Geschichte in jedem beteiligten Kopf ein Eigenleben hat, dass sich u. U. von den Vorstellungen der anderen an manchen Punkten gravierend unterscheidet. Und ziehen wir mal den Bereich der Fan-Art mit in Betracht, ist es höchst wahrscheinlich, dass ich bei weitem nicht der Einzige bin, in dessen Kopf die Geschichten zwischen den einzelnen Sitzungen – manchmal auf recht auf schräge Weise – weiter gesponnen werden. Und das ist auch absolut legitim. Jeder hat schließlich ein Recht auf seine Fantasie.

Nun ist es so, dass sich in solchen Side-Stories das Bild, dass man von seinem Charakter hat, ausdifferenziert und weiter reift. Bei Chars, die mehr als nur ein paar Mal gespielt werden, entsteht dabei mit der Zeit eine gewisse Verbundenheit mit der Figur. Und so, wie wir auch im echten Leben einen gewissen Stil entwickelt haben – Kleidung, Musikgeschmack, Vorlieben, Abneigungen, das ganze Ding eben – wird auch der Charakter in solcher Weise… nun ja… Charakter bekommen. Blödes Wortspiel, aber trotzdem wahr! Ein diesbezügliches Problem entsteht, wenn der SL und die Spieler unterschiedliche Vorstellungen von diesem Reifungsprozess haben.

Ich als SL habe ja nicht nur eine Vorstellung von “meiner” Welt, in der die Chars ihr Unwesen treiben – so, wie ich die Geschichte vorantreibe, indem ich die Spieler immer wieder an Nexuspunkte heranführe und schaue, was sie mit den Möglichkeiten anstelle, so mache ich mir auch über die Entwicklung ihrer Charaktere Gedanken. Das dabei auch visuelle Gesichtspunkte eine Rolle spielen, steht außer Frage. Wenn aber der Spieler seine Figur in eine völlig andere Richtung entwickeln möchte, als ich dies antizipiert habe, steht mir ein verdammt schwieriger Sprung über meinen Schatten bevor. Denn natürlich ist die Vorstellung des Spielers die relevante und ich muss mich womöglich von einer lieb gewonnenen, fixen Idee trennen. Der Satz ist ganz einfach zu verstehen – ICH MUSS! Nicht mein Spieler, sondern ich!

Was für die Story-Elemente gilt, gilt natürlich ebenso für die visuelle Vorstellung über den Charakter. Wenn der Spieler etwas ausprobieren will, einen bestimmten Style im Kopf hat, den er ausprobieren will, dann tut er oder sie das und es geht mich als SL nur insofern etwas an, als die Welt eventuell darauf reagiert. Das ist dann, wie in einem vorangegangenen Post dieser Serie bereits thematisiert, Teil der Spielmechanik. Was daraus wird, hängt vom Spiel ab. Es darf jedoch nicht von meiner fixen Idee abhängen, wie etwas, bzw. jemand sein muss. Denn das wäre Railroading.

Das bedeutet nicht, dass die Wirkung, welche zum Beispiel eine bestimmte Outfit-Wahl haben könnte, deshalb unbedingt freundlich ausfallen muss. Wenn jemand im Latex-Nonnen-Kostüm zu einer Bar Mirzwa erscheint, muss er sich nicht wundern, wenn das im Eklat endet. Aber nehmen wir mal das kurz das Thema Superhelden-Kostüme: Sie dienen in Comics einerseits der Wiedererkennbarkeit eines Charakters, andererseits dem Schutz der, in solchen Kreisen üblichen Geheimidentität. Transponieren wir das auf Pen&Paper, kommt es auf das Setting an. Aber nehmen wir mal an, die Chars hätten Kräfte außerhalb der menschlichen Norm; dann könnte die Annahme eines solchen Alias sinnvoll sein. Und wenn sich jemand nun derart betätigen, oder einen bekannten Style kopieren möchte, dann soll er das doch tun. Ich würde mir dieses Recht auch rausnehmen. Zwar glaubt ja keiner, dass man jemanden unter einer Halbmaske, wie Daredevil eine trägt, nicht erkennt. Aber der Effekt ist trotzdem ganz nett.

Ich glaube vor allem, man muss sich einfach von der Idee verabschieden, dass man Stile nicht mischen darf. Natürlich gibt es Dinge, die unique sind und bleiben sollen; so wie Lichtschwerter. Und Raumschiffe im Fantasie-Setting sind vielleicht auch nicht der Bringer (man denke an die Ufo-Szene aus “Life of Brian“). Aber ansonsten sollte erlaubt sein, was Spaß macht. Wohin das dann jeweils führt, kann ja ein Abenteuer für sich sein, bzw. werden. So, wie plötzlicher Ruhm durch omnipräsente Kameras. In diesem Sinne – alwas game on!

Auch zum Hören…

Erwachsen bilden #13 – Was treibt einen eigentlich zum Lernen?

Schönen Palindromsonntag wünsche ich (02.02.2020). Ich stecke momentan mitten in einem Studienbrief, der u. A. thematisiert, wie für Erwachsene Zugänge zu Bildung aussehen, und was einen dazu bringt, sich (weiter) zu bilden. Studium im besten Sinne bedeutet, dass es Fragen aufwirft, die den Studenten selbst betreffen. So wie dies beim Lernen insgesamt der Fall sein sollte. Mensch lernt, wenn das, was zu lernen angeboten wird, sich irgendwie an seine vorbestehenden Erfahrungen anschließen lässt, einen für den Lerner erfahrbaren Sinn hat und der Lerner eine Motivation erfährt, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Das ist natürlich eine verkürzende und überaus vereinfachende Darstellung von mehreren 100 Seiten Material; für die folgende (Selbst)Betrachtung sollte es jedoch als Einstieg genügen…

Es gab – und gibt immer noch – die Idee des Fahrstuhleffektes; nämlich das durch das Wohlstands-Wachstum seit dem II. WK alle Teile der bundesrepublikanischen Bevölkerung materielle Verbesserungen erfahren haben, obschon die sozialen Unterschiede kaum abgenommen hätten. Es war Teil der sozialdemokratischen Bildungspolitik in den 60ern, 70ern und frühen 80ern, sozialen Aufstieg durch breitere Teilhabe, vor allem an akademischer Bildung, ermöglichen zu wollen. Folglich ist der Akademiker-Anteil in der Bevölkerung seitdem erheblich gestiegen. Und tatsächlich hat sich der materielle Wohlstand seit damals gemehrt. Doch seit der neoliberalen Wende Anfang der 80er wurde dieses Versprechen in immer geringerem Maße eingelöst, obwohl nach wie vor alle bildungspolitischen Bemühungen auf eine Steigerung der Akademiker-Quote zielten.

Diese ist in anderen Ländern allerdings u. A. deshalb um einiges höher, weil es dort kein Duales Ausbildungssystem gibt. Wie dem auch sei, Studieren ist immer noch “in” und auch die Wege zum berufsbegleitenden Hochschulstudium auf dem zweiten Bildungsweg sind vielfältiger und der Einstieg einfacher geworden. Zumindest das hat der Bologna-Prozess als Gutes gehabt. Ich persönlich profitiere davon, hätte ich doch mit 20 gar nicht gewusst, dass mich Erwachsenenpädagogik jemals so begeistern könnte. Und dennoch bleibt natürlich die Frage: ist meine Begeisterung echt, oder doch nur Notwendigkeitsgeschmack im Sinne Bourdieus; also dem Umstand geschuldet, dass ich gerne noch etwas erreichen, jemand sein möchte, was auf Grund meiner Herkunft nur durch Leistung möglich ist…?

Natürlich rede ich mir gerne ein, dass es nur meine eigene, ganz persönliche Entscheidung ist, mir dies abzuverlangen. Und tatsächlich empfinde ich es als wenig quälend. Ja – Zeitmanagement ist kritisch. Und ja – meine Familie leidet darunter (vermutlich mehr, als ich mir eingestehen möchte). Und ja – ich habe ein paar spezielle Ziele, die ich in meinem Leben noch verwirklichen möchte; einfach nur, um zu sehen, ob ich das kann. Aber ist es nicht dennoch einfach nur dieser Wunsch nach etwas mehr materieller Sicherheit für uns; meine Frau, unsere Kinder, mich…?

Ich war in den vergangenen Jahren immer mehr der Meinung, dass ich nicht so ein materialistischer Konsum-Krüppel wäre, wie so viele Andere. “Leistungsträger”. Dieser Begriff geistert immer wieder durch Foren, in denen ich mich rumtreibe und letzten Endes meint dieses Wort Folgendes: “ICH leiste mehr als du, also darf ICH mir auch mehr gönnen!” Was für ein wundervoller Ausbund an narzisstischem Ego-Trip. Ich könnte im Strahl kotzen, wenn ich so was lese und distanziere mich innerlich mit Schaudern von solcherlei Äußerungen. Und doch… ist da dieses kleine Männchen in meinem Hinterkopf, das etwas ähnliches ruft: “Schaut her, was ich alles erreicht habe! Ich bin…” Verdammte Axt…!

Es ist mir wichtig, Menschen dahin zu führen, dass sie ihr eigenes Handeln und Unterlassen bewusst reflektieren und informierte Entscheidungen treffen lernen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Und während ich das versuche, lerne ich ebenfalls etwas dazu. Lehren ist immer ebenso ein Lernprozess. Und manchmal demaskiert dieser Lernprozess Seiten an einem selbst, die man gerne maskiert gelassen hätte. Weil es manchmal echt wehtut, der Wahrheit ins Auge zu sehen. In meinem Bemühen, etwas über das Lehren zu lernen, habe ich also einmal mehr etwas über mich selbst gelernt; und es macht keinen Spaß, das zuzugeben. Aber ich muss meine Beweggründe noch einmal reflektieren.

Natürlich wollte ich schon seit Jahren in eine echte Führungsposition, weil diese Gestaltungskompetenz mit sich bringt – und damit die Chance, jene Dinge besser zu machen, die man seit Jahr und Tag bei Anderen suboptimal ausgeführt gesehen hat. Oder bin ich doch selbst nur auf einem narzisstischen Ego-Trip und will einfach Macht, weil Macht zu haben geil ist? Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ich habe mächtige Emotionen, die manchmal zum Spielen raus wollen, auch wenn ich meine Affekte heute ganz gut im Griff habe. Aber könnte es nicht sein, dass mein Wunsch nach Gestaltungskompetenz nicht einfach nur Ausdruck kleinbürgerlicher Großmacht-Träume ist…?

So lange ich offen darüber rede, ist vermutlich noch alles OK, aber meine internen Checks and Balances werden sicher noch das eine oder andere zu tun bekommen. In jedem Fall muss mir irgendjemand da draußen Bescheid geben, wenn ich anfange, zum “Leistungsträger” zu mutieren. Wir hören uns.

Auch zum Hören…

Hey Du – mach mich an!

Es ist, wie es ist, die Welt ist im Wandel begriffen. Das “DU” ist jetzt die Konvention. Sagt zumindest Rezo auf Zeit Online. Und mit Bezug auf Social Media weiß er Bescheid. Allerdings – und das entwertet seine Argumentation für mich ein bisschen – rekurriert er lediglich auf dem Umstand, das Social-Media-Nutzer das Personalpronomen “Sie” für unhöflich halten, weil es dem Versuch gleichkäme, realweltliche Machtdifferentiale in die Online-Welt mitzunehmen; egal, ob diese nun wirklich wirksam sind, oder nur durch den Nutzer eingebildet.

[Exkurs:] Eine der Domänen der Genderforschung ist die Demaskierung von sprachlich verfassten Machtdifferentialen, die z.B. – aber nicht nur – Frauen in eine Defensiv-Position drängen und patriarchalische Machtansprüche festigen sollen. Inwieweit solche Strategien tatsächlich funktionieren, ist immer noch umstritten. Zweifelsfrei hat Sprache aber die Macht, Macht zu verteilen, oder aber Menschen auszuschließen. Insofern hat Genderforschung sehr wohl eine Daseinsberechtigung. [Exkurs Ende]

Schauen wir uns Rezos Argumentation mal näher an: Jemand, der altmodisch denkt, betritt einen Chatroom, ein Forum, eine Kommentarspalte und siezt seine Gegenüber. Die fühlen sich irritiert, ja sogar unhöflich behandelt, weil das “DU” dort die Konvention ist. Rezo unterstellt Unhöflichkeit, weil man ja doch wissen können müsste, dass das in der digitalen Welt nun mal so ist. Ich unterstelle ihm – und seinen Kollegen, die vielleicht genauso denken – mangelndes Interesse an Soziologie. Denn um irgendeinen Machtanspruch, egal ob dieser nur subjektiv existiert, oder tatsächlich ein reales Analogon hat, dergestalt in die digitale Welt transponieren zu wollen, müsste ich a) mir bewusst sein, dass “SIE” dort einen anderen Wert (nämlich keinen) hat und b) von den Leuten dort etwas wollen, dass es lohnt, verbal auf die Kacke zu hauen.

Realistisch betrachtet ist die unterstellte Verkettung von Wissen und Intention zu einer Kausalität möglich; jedoch hoch unwahrscheinlich, weil vielen Leuten a) nicht bewusst ist, dass das “DU” dort die Norm ist und b) sie Machtfragen nicht interessieren… Sie sprechen so, wie sie es gewohnt sind, weil sie es irgendwann, irgendwo so gelernt haben. Man nennt das Sozialisation – und ehrlich gesagt kann man von jemandem wie Rezo, der doch ansonsten ein ganz cleverer Kerl zu sein scheint, erwarten, dass er solche Dinge in seine Überlegungen einbezieht. Solche “falschen” Ansprachen passieren mir selbst übrigens auch regelmäßig, weil ich zugegebenermaßen beim Posten in Foren, etc nicht so bewusst darüber nachdenke, wie meine Sprache auf andere wirkt, wie ich das in meinem Blog tue.

Was mir aber viel wichtiger ist: das “SIE” schafft Distanz im Diskurs, wenn ich diese brauche. Und seien wir mal ehrlich – wenn ich mich mal wieder online mit Faschos kabbele ist es ganz griffig, diese Spacken für ein “DU” abzustrafen. Denn das verstehen diese Möchtegern-konservativen Rassisten ziemlich gut. Wir haben noch nie ein Bier zusammen getrunken und werden das unter dem Vorzeichen “der Fascho” vs. “ich Soze” wahrscheinlich auch nie tun. Aber man soll ja nicht ausschließen, dass der Fascho sich entwickeln kann.

Was mich betrifft: ich halte Rezos Argumentation dieses Mal für Bullshit. Ich verstehe, dass er von Boomern, bzw. älteren Menschen ganz im Allgemeinen enttäuscht ist, weil sie seiner Meinung nach (und die wird von vielen geteilt) unsere Welt in die Scheiße geritten haben. Und zum Teil ist das auch wahr. Dass die Macht, diese Welt durch den Einsatz von Social Media zu Veränderung zu zwingen allerdings auch von diesen alten Menschen geschaffen wurde und erst ganz allmählich reifen konnte, bzw. musste, entgeht ihm in seinem selbstgerechten Furor leider.

Tja Junge – dieses Mal hast du’s verkackt. Immer nur auf seine eigene Filterblase rekurrieren können anscheinend auch die jugendlichen Weltverbesserer. Mach’s das nächste Mal einfach besser, Verbesserer. Denk’s erst zu Ende, bevor du’s ins Internet scheißt. Dann ist es mir auch vollkommen egal, ob du mich duzt oder siezt. Und Tschüss.

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Der verwirrte Spielleiter #16 – …und wenn’s nicht klappt?

Von drin, vom Wohnzimmer komm ich her und muss euch sagen, es menschelt sehr. In mehr als einer Hinsicht. Man kommt zum Spielen zusammen. Manchmal kocht man zusammen, öfter isst man zusammen. Natürlich wird nicht nur über spielrelevante Dinge gesprochen. Wir haben beim Pen&Paper also in der Regel ein soziales Event vor uns. Ich nehme wahr, dass es heute nicht unüblich ist, Spielrunden aufzubauen, indem man in sozialen Medien inseriert und dann schaut, ob man zusammen kann – also spielen, meine ich. Was mich betrifft – früher war’s das schulische Umfeld, heutzutage rekrutieren sich meine (Mit)Spieler aus einem über Jahre, sogar Jahrzehnte gewachsenen Umfeld. Manchmal kommt jemand neu dazu. Aber auch diese Leute kenne ich aus dem einen oder anderen Kontext vorher schon eine Weile. Man könnte mich da durchaus als schnäkig bezeichnen.

Das hängt damit zusammen, das Ereignisse am Spieltisch – also Dinge, welche die Charaktere erleben – nicht selten auch auf das Seelenleben ihres Spielers wirken; im Guten, wie im Schlechten. Mies drauf zu sein, weil der Char gerade einen Tiefpunkt hat, ist quasi Teil des Designs. Denn ohne ein gewisses Maß an emotionalem Investment in Charakter und Geschichte kann man auch Hallen-Halma spielen. Also ist es geschickter, sich mit bekannten Gesichtern zu umgeben, dann ist es einfacher, diesen Stress auszuhalten. Und oft bin ich als SL dabei eher ein vermittelnder Pol. Allerdings geht es auch andersherum. Ist mir neulich als Spieler passiert.

Ich muss dazu sagen, dass mir Körpertausch-Geschichten noch nie besonders gut gefallen haben. Was bei Steve Martins “Der Mann mit den zwei Gehirnen” noch irgendwie lustig anzuschauen ist, stellt für mich als Spieler einen Einschnitt in meine Autonomie bei der Entfaltung meines Charakters dar. Das kann tatsächlich manchmal nötig sein, wenn für die Geschichte ein spezielles Flair – also Fluff – gebraucht wird.

[Exkurs:] Als Fluff bezeichnet man üblicherweise die Teile eines Pen&Paper-Buchs, oder auch eines Charakterblattes, die sich mit Beschreibungen befassen, welche für die Spielmechaniken erst mal nicht von Belang sind. Zum Beispiel ein Flavour Text, der erklärt, woher Tamillos der Barbar kommt, und warum sein Volk Kriegshämmer Äxten vorzieht. Ist ja eher unerheblich, womit er Höllentrollen den Schädel einschlägt, oder? Komplementär dazu wird der Begriff Crunch gebraucht, womit die harten Fakten gemeint sind; also Statistika, Regelmechaniken, etc. [Exkurs Ende]

Nun jedenfalls war es dem Spielleiter wichtig, ein paar Fähigkeiten unserer Charaktere für einen definierten Abschnitt auszublenden, weil die Detektiv-Geschichte, die er sich ausgedacht hatte sonst nicht – oder zumindest nicht so gut – funktioniert hätte. Soweit legitim und auch ganz lustig. Insbesondere auf Grund eines Story-Twists, der so nicht vorhergesehen werden konnte: ich spielte eine Frau, die dann im Körper eines Mannes landete. Bei meiner Gattin war es genau umgekehrt, was für gewisse Erheiterung sorgte. Wir lösten den Plott mit gewissen Umwegen und kamen dahin zurück, wo wir hingehörten. Soweit kein Problem.

Doch der nächste Plott-Abschnitt war ein “edge of tomorrow”-Szenario, in welchem uns unsere Fähigkeiten, die ja für einen Charakter konstituierend wirken, schon wieder genommen wurden. Ich bin wahrscheinlich selbst Schuld, weil ich echt etwas anderes erwartet hatte, aber meine Reaktion war nicht gut – was den SL, der ein guter Freund ist, verständlicherweise verstimmt hat; insbesondere, weil er sich große Mühe gegeben hatte, ein wirklich buntes Spektakel vor uns auszubreiten. Man sollte dazu sagen, dass er zwar schon sehr lange spielt, aber noch nicht so lange spielleitet.

Ich habe das früher auch des Öfteren gemacht: die Chars mancher Fähigkeiten beraubt und ihnen gewisse Wege aufoktroyiert. Das Problem hier ist die Dosis. Man ist da ganz schnell beim Railroading – und dagegen sträubt sich in mir heutzutage, sowohl als Spieler, wie auch als SL alles. Ich will als Spieler keine vorgegebenen Lösungswege abarbeiten, sondern meinen eigenen Weg finden dürfen. Und wenn der SL den nicht vorhergesehen hat, muss er trotzdem klappen können, wenn das denn halbwegs plausibel wäre. Als SL lasse ich sie meistens machen. Natürlich gibt’s gewisse Grenzen, aber innerhalb dieser Grenzen können sie mehr oder weniger tun und lassen, was sie wollen. Manchmal zahlt man für sein Handeln oder Unterlassen einen Preis, aber das ist Teil von Leben. Im Spiel genauso, wie in der Realität.

Nun ist es so, dass er mir böse war. Ich habe meine Beweggründe erklärt und denke, dass er sie verstanden hat. Was nix daran ändern konnte, dass er mir erst mal sauer war. Aber ist das schlimm? Ich finde nicht, denn man kann a) nicht erwarten, dass es immer so läuft, wie geplant. Weder als Spieler, noch als SL. Und b) haben natürlich beide Seiten das Recht, einander mitzuteilen, wenn sie nicht gut fanden, was gelaufen ist. Ich bin muffelig vom Spieltisch aufgestanden, in die Küche gegangen und habe die Geschirrspülmaschine eingeräumt. Nicht nett, aber für mich hilfreich, um kurz von meinem Ärger zu entkoppeln. Wichtig ist, später miteinander zu reden. Ich werde hier jetzt keinen Exkurs über Deeskalation einfügen. Nur so viel: manchmal ist es gut, ein paar Tage zu warten, bevor man irgendwas klärt.

Wenn ich mir einen Char mache, will ich den Char spielen. Mit allen Vor- und Nachteilen. Natürlich kann ich Min-Maxen, insbesondere in den Systemen, in denen ich als Spieler und SL groß geworden bin. Und natürlich optimiere ich meine Chars auf die eine oder andere Weise. Und trotzdem sind sie (zumindest heutzutage – als Rotzlöffel war ich da schlimmer) keine annähernd omnipotenten Killermaschinen. Als SL muss man mühsam lernen, die Anforderungslevel Situations-Adäquat und Charakter-Adäquat fließend anzupassen. Das erfordert viel Übung. Und wenn einem erfahrene Spieler ein Szenario mit scheinbar lässiger Leichtigkeit auseinander nehmen – dann ist das so. Wenn sie dabei trotzdem ihren Spaß haben, ist alles gut!

Ich weise nochmal darauf hin, dass der SL Fan seiner Spieler sein sollte und nicht ihr Gegner. Wir spielen stets mit-, nicht gegeneinander. Auch sollte der SL Fan seiner Spieler und nicht seiner Geschichte sein. Denn die Geschichte erzählen die Spieler; der SL liefert lediglich den Rahmen für das Bild, das nun gemalt werden wird. In diesem Sinne – always game on!

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Postmoderne Gedanken N°5 – Sprache de-konstruiert?

Sich “einen Begriff” von etwas machen, etwas “begreifen können”; das ist eine grundlegende Komponente des Lernens an sich. Natürlich – und das kann jeder ganz intuitiv verstehen – bedeutet es, sich Dinge durch eigene sinnliche Erfahrung aneignen zu können. Was ich anfassen, fühlen, riechen, sehen kann, dass kann ich im wahrsten Wortsinn be-greifen. Ein Begriff ist damit der Ausdruck des Verständnisses von einem Sachverhalt oder einem Gegenstand. Doch schon, wenn wir den Radius der Aneignung nur ein Wenig ausweiten und zum Beispiel eine Idee zu begreifen versuchen wollen, stehen wir bereits vor einem Problem. Denn nicht einmal den Prozess des Begreifens selbst können wir nun mit der Metapher von der Berührung beschreiben.

Schon in unserem ureigensten Kulturraum besteht also ein immanentes Problem darin, sich anderen wirklich verständlich machen zu können. Ein Bild, das in meinem Kopf wohnt, bleibt darinnen und wird nur schwerlich durch bloßes Beschreiben ein wahrhaft kongruentes Abbild im Kopf eines Anderen finden können. Natürlich gibt es sowas wie gemeinsame kognitive Landkarten; sozusagen Pläne, durch die wir Wissen, Konzepte, Ideen und vieles mehr miteinander zu teilen vermögen. Unsere Sprache selbst ist eine solche Landkarte. Kognitive Landkarten entstehen durch den sozialen Umgang, das gemeinsame Lernen und Begreifen und brauchen für ihre Reifung vor allem zwei Dinge: Zeit und Training.

Teilen Menschen eine Sprache, wird das funktionieren. Doch wir Menschen sprechen nicht alle dieselbe Sprache. Und so wie das soziale Lernen einerseits und das sinnliche Begreifen andererseits unser Denken formen, so tut dies auch unsere Sprache, indem sie Begriffe für Konzepte bereitstellt – oder auch nicht. Die Kognitionspsychologin Lera Boroditsky forscht schon seit einiger Zeit an der Frage, wie stark unsere jeweilige Sprache unsere Wahrnehmung und damit unser Denken beeinflusst. Wer’s genauer wissen will, liest den verlinkten Artikel, aber ganz kurz gesagt: um eine Vorstellung von manchen Dingen haben zu können, brauche ich dafür ein Wort. Und manche Sprachen haben Worte für Dinge, die wir nicht verstehen; dafür sind zum Beispiel zum eigenen Standpunkt relationale Zeit- oder Ortsangaben manchmal nicht vorhanden. Da kann’s schon schwierig werden, sich um 13:30 am Paradeplatz zu verabreden….

Wenn Sprache aber auf so profunde Weise unser Denken beeinflusst, dann kann man sie auch als Waffe benutzen. Und das geschieht bereits an jeden Tag, da man Faschos erlaubt, den Diskurs im öffentlichen Raum zu brutalisieren. Gegen die Meinungsfreiheit, den Rechtsstaat, das Solidarische Prinzip, die Soziale Marktwirtschaft und eine offene, pluralistische Gesellschaft, kurz, gegen alle Errungenschaften unseres demokratischen Staatswesens wird gehetzt und polemisiert. Unsere wunderbare Sprache verroht, wird der Nuanciertheit und Tiefe beraubt und von Nazisprech unterwandert. Und was tut unser Ministerpräsident Kretschmann: findet, das Rechtschreib-Unterricht nicht mehr so wichtig ist, weil intelligente Geräte uns ja korrigieren. Diese nachgerade dämliche Aussage bedarf einer klaren Antwort: NEIN!

Ich bin kein Verschwörungs-Theoretiker, der über die Möglichkeit nachdenkt, durch Algorithmen dann den Wortschatz zu steuern und so alle ins Dunkel des Faschismus zu ziehen. Obwohl das – rein theoretisch – durchaus möglich wäre. Allerdings dient der Unterricht in Rechtschreibung ja auch dazu, das Sprachgefühl und den Wortschatz der Schüler wachsen zu lassen. Und wenn ich die nicht mehr – auch und gerade – mit der Notwendigkeit des Übens konfrontiere, lassen sie’s natürlich sein. Es ist zwar nicht so, dass der Gebrauch von sozialen Medien bislang nennenswerte Erosionsspuren in unserer Sprache hinterlassen hätte. Sprache als Kulturtechnik unterliegt allerdings immer einem gewissen Wandel, der auch jetzt zu beobachten ist. Doch bevor man dort schreibend und rezipierend tätig wird, sollte man die Fähigkeit zum schriftlichen Ausdruck gefestigt haben. Und dazu braucht es nun mal Rechtschreib-Unterricht, werter Herr Kretschmann.

Der Zusammenhang zwischen dem möglichen Begreifen unserer Welt und dem Erlernen von Sprache ist Manchem offenkundig nicht klar. Ich will es ein wenig vereinfachend ausdrücken, wenn ich Folgendes sage: verarmt die Sprache, so verarmt automatisch meine Fähigkeit, mir die Welt verstehend zu eigen machen zu können. Eine solche Begrenztheit des Horizonts würde manchen Menschen, deren Pläne ein gewisses Maß an blindem Gehorsam bei ihren Anhängern voraussetzen, gut in den Kram passen. Den Neurechten Denkern zum Beispiel. Für die meint “Dekonstruktion” eine Absage an das zwanghafte “Interpretieren-Müssen” von Texten. Nehme ich Worte aber einfach für wahr, ohne Sprecher, Kontext, Intention mit einzubeziehen, ist es viel wahrscheinlicher, dass ich dem Rattenfänger mit seiner Flöte hinterher renne.

Für mich bedeutet Dekonstruktion eher eine Veränderung der Art des Interpretierens; dabei spielen eben gerade Sprecher, Kontext und Intention eine wesentliche Rolle. Denn genau die Intention interessiert mich, weil diese zu verstehen das Mittel schafft, die Methoden zu demaskieren, mit denen die Faschos unsere Sprache unterwandern. Wahrscheinlich denke ich für viele zu kompliziert. Ich möchte aber, das meine Rezipienten da draußen eines mitnehmen: der Verrohung unserer Sprache und dem Verlust an Differenziertheit im Diskurs müssen wir entgegenstehen. Immer und Überall! Bonsoir…

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Übergänge im Nebel…

Irgendwann am Sylvester-Abend, den unsere Kinder zum allerersten Mal bis zum bitteren Ende – oder ist es vielleicht doch ein Anfang – mitmachen durften, stellte ich meiner älteren Tochter die Frage, ob sie denn denken würde, dass am nächsten Tag alles anders wäre, nur weil Sylvester sei. Wir waren darauf gekommen, weil sie diese unbändige, kindliche Freude auf das Neue auslebte und ich Depp mir dachte, eine kleine Dosis Realität wäre nicht das Schlechteste. Sie dachte jedenfalls einige Augenblicke nach und antwortete dann sinngemäß, dass es wohl darauf ankäme, was ich gerade meinen würde. Kluges Kind!

Jedes Jahr wieder feiern wir unsere hergebrachten Rituale. Ich hatte bereits neulich darüber gesprochen, wie sehr ich solche kleinen Zeichen brauche; Zeichen, die mir klar machen, dass in all den Wirren, all der Unsicherheit, all den Wagnissen ein Ort wartet, der Frieden und Ruhe schenkt. Selbst, wenn dieser Ort nicht unbedingt räumlich zu beschreiben ist, weil er sich erst im Tun wahrhaft realisiert. Ob das in unserem Wohnzimmer zu Weihnachten stattfindet, oder auf einem sonnenumfluteten Weingut im toskanischen Sommer, ist dabei einerlei.

Doch zurück zum Jahreswechsel. Er verlief erwartbar und ohne größere Pannen – will heißen, es gab zweierlei Fondue, Familienspiele, ein paar wenige bunte Lichter am Himmel (ja, ja, steinigt mich, wenn ihr wollt) und ‘ne Buddel Sekt. Soweit, so normal. Auch das Zusammenkommen mit den Kollegen zum Neujahrsfeuer auf der Wache, bei dem meine Kinder die Gelegenheit bekamen, meinen Arbeitsplatz zu erkunden und alle anderen davon zu überzeugen, dass sie nicht von mir sein können, weil sie so wild sind, verlief harmonisch und stressfrei.

Doch was immer ich tat, oder auch unterließ – mit jedem Morgen, da die Arbeit näher rückte, wurde ich unruhiger, weil die Vielzahl der einzelnen Tasks, die mit meiner neuen Aufgabe einher gehen würden auf mich zunächst beinahe beängstigend wirkte. Da kam – subjektiv – ein Bulldozer auf mich zugerauscht, an dessen Steuer ein durchgeknallter Koffein-Junkie auf einem 42-Stunden-Trip saß. Ich behaupte ja immer, dass ich dem Prinzip “SATAN” = Sicheres Auftreten Trotz Absoluten Nichtwissens huldige. Tatsächlich weiß ich meistens theoretisch ziemlich genau, was zu tun ist. Nur, wenn so viel auf einmal daher kommt…

Ich darf verraten, dass es dann doch nicht so schlimm geworden ist. Geschäftige Tage? OH JA! Heillose Panik? OH NO! Stress? OH DOCH! Womit wir irgendwie bei Louis de Funés angelangt wären, klingt ja schließlich schon etwas nach “NEIN – DOCH – OH!”. In vielerlei Hinsicht war es für mich ein Übergang im Nebel. Fahren auf Sicht. Die Dinge auf sich zukommen lassen. Denn wer lang genug in diesem Geschäft namens Leben unterwegs ist, weiß nur zu gut, das Pläne selten eins zu eins umgesetzt werden können, oder von vornherein falsch formuliert waren; Murphys erstes Gesetz und so.

Mittlerweile lichtet sich der Nebel etwas. Was nicht heißt, dass plötzlich eitel Sonnenschein herrschen würde. Andererseits geht’s mir gut. Ich muss lediglich meine Emotionen davon überzeugen, zu erkennen, was meine Ratio schon weiß. Womit ich ganz sicher nicht alleine bin. Also machen wir doch einfach alle zusammen unseren Frieden mit den schönen neuen Roaring Twenties und schauen einfach mal, was es wird. Wie sehen uns…

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Erwachsen bilden #12 – Auch noch erziehen…?

Oh weh! Immer wieder begegne ich der Frage, was der Praxisanleiter auf der Wache denn mit seinen Zöglingen anstellen soll? Was er tolerieren darf und was er korrigieren soll? Wie sich die aktuelle Tiefe und Komplexität des Ausbildungsstandes mit dem eigenen Tun und Lassen auf der Wache versöhnen lässt? Denn eines ist bei der NotSan-Ausbildung sicher: Theorie und Realität liegen oft um Welten auseinander. Und dabei rede ich noch nicht einmal von dem Disput um die Frage, welche (Be)Handlungs-Kompetenzen man Notsan zugestehen möchte, oder auch nicht. In dieses Dilemma werden die jungen Leute schon noch früh genug hineingezogen. Nein – mir geht es um die Frage, was den Azubis auf der Wache vorgelebt wird; und inwieweit das mit dem Unterricht zusammenpasst?

Den jungen Leuten wird am Anfang ihrer Ausbildung erklärt, was ein Spiralcurriculum ist und was das mit ihrer Ausbildung zu tun hat. Sodann beginnt man verschiedene Grundlagen aufzubauen und entlässt sie nach den ersten 8 – 10 Wochen Unterricht auf die Rettungswache, wo sie dann oft zum ersten Mal erleben, wie Kollegen den Job machen, welche die Erlaubnis zum Töten schon erworben haben. [OK, viele, die in die NotSan-Ausbildung kommen, haben vorher schon als RS gearbeitet. Aber eigentlich war das so nie gedacht. Und es bringt Probleme mit sich, über die ich an anderer Stelle reden möchte] Und das Drama nimmt seinen Lauf…

Beginnen wir einmal mit der Frage, ob ein 18-, 19-jähriger Mensch schon charakterlich reif ist? Nehmen wir Erik Erikson, lautet die Antwort: es hängt davon ab… Manche werden früher, andere später reif im herkömmlichen gesellschaftlichen Sinne. Was für uns als Ausbilder bedeutet, dass wir uns mitnichten auf die Position zurückziehen können, dass das Elternhaus es schon gerichtet haben wird und wir ihnen nur Skills eintrichtern müssen. Ein Ausbilder ist – in vielerlei Hinsicht – ein Role-Model. Eine Figur, an der sich Auszubildende orientieren. Auch jene, die schon eine gewisse Erfahrung oder ein höheres Lebensalter mitbringen. Denn auch für einen 23-jährigen RS gilt, dass er sozial erwartbares Verhalten produzieren wird, um mit den Wölfen heulen zu dürfen. Der Wunsch und Wille eines jeden Azubis ist nämlich zuvorderst, im Team ankommen zu dürfen.

Der Auszubildende muss also diese neue Rolle erst erlernen; ebenso, wie er die Rolle des verantwortlichen Teamführers im Laufe seiner Ausbildung erst erlernen muss. Manchen fällt das leichter, andere kämpfen während der gesamten Ausbildung damit. Die ständige Notwendigkeit, das Rollen-Gleichgewicht neu zu finden lässt in vielen Menschen eine Überforderungs-Situation entstehen. Das ist in der Berufsbildung umso wahrer, als hier auch noch Leistungsdruck hinzutritt. Beidem entgegen zu wirken, ist eine der wichtigsten und vornehmsten Aufgaben des Praxisanleiters und Fachschullehrers gleichermaßen.

Doch was erlebe ich in dieser Hinsicht? Manche Praxisanleiter scheinen echt der irrigen Meinung zu sein, dass die Persönlichkeitsbildung abgeschlossen zu sein hat, wenn das “Rohmaterial” in ihre kundigen Hände gelegt wird; und sie bestenfalls noch die Grate schleifen müssen, um den Diamant zu Funkeln zu bringen. So ein Käse! Zuallererst muss ich als Ausbilder an meiner eigenen Einstellung arbeiten, denn sie wirkt auf meine Azubis; im Guten, wie im Schlechten! Und ich nehme mich selbst da nicht aus. Auch an mir erlebe ich dann und wann, dass ich ungeduldig reagiere, mir nicht genug Zeit nehme, die Sorgen meiner Azubis ignoriere, sie stehen lasse, etc. Nicht schön, aber wahr. Denn mir ist bewusst, dass sie mir nur folgen, wenn sie mir vertrauen. Und Vertrauen baut man nicht auf, indem man sie einfach machen lässt.

Natürlich müssen sie manche Fehler selber machen, um zu wissen, wie man diese in Zukunft vermeidet. Aber ich lasse sie doch nicht sehenden Auges in die Jauchegrube stürzen. Mache ich mit meinen Kindern ja auch nicht. Und selbst, wenn das Bild natürlich nicht ganz passt, denn weder sind sie noch Kinder, noch sind sie MEINE Kinder – die Verantwortung, die ich für sie übernehme, ist jener als Elternteil ziemlich ähnlich. Ein Umstand, dessen Kenntnis manche meiner Kollegen oft vermissen lassen. Ebenso, wie die gelegentlich nötige Distanz. “Tue, was ich sage, nicht was ich tue!” ist in diesem Kontext ein bescheuertes Credo. Ausbilden Können hat was mit Leadership Ability zu tun. Und geführt wird von vorne!

Ich stehe an dem Punkt, da ich auf manche dieser Dinge bald etwas mehr Einfluss nehmen kann und ganz gewiss wird die Fortbildung von Praxisanleitern einer der Punkte auf meiner Agenda sein, dem ich besonderes Augenmerk widmen möchte. Denn ich kann – und das ist eine wichtige Message – vielen Praxisanleitern gar keinen Vorwurf machen, da sie es selbst nicht besser gelehrt bekommen haben! Hier liegt noch viel Arbeit vor der Community und ich will gerne meinen Beitrag dazu leisten, dem notwendigen Erziehungsaspekt der beruflichen Bildung die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die ihm gebührt. Bis die Tage.

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Ein geschäftiges Jahrzehnt

Retrospektiven stehen zum Jahresende immer hoch im Kurs; dieses Mal natürlich unter dem besonderen Aspekt, dass auch ein neues Jahrzehnt anbricht. Im vergangenen Jahrhundert wahren die Zwanziger ein Zeitalter des Umbruches. Wenn die Zwanziger dieses Jahrhunderts in dem Zusammenhang allerdings noch eine Steigerung der eben abgelaufenen Zehner darstellen sollten, na dann Prost Mahlzeit! So einen Standard-Rückblick auf Politisches und Gesellschaftliches werde ich mir übrigens schenken, denn den kann man ja allenthalben schon in den üblichen Postillen und im Fernsehen in zig-facher Ausführung “genießen”: Das’n privates Blog hier, also is auch mein Rückblick privat, verdammich…

Was mich in den Zehnern bewegt hat? Nun zunächst einmal, meine ältere Tochter größer werden und bis in die weiterführende Schule kommen zu sehen. Die Geburt der jüngeren Tochter 2013 und ihr Weg bis in die Grundschule. Das Gefühl, darüber älter zu werden und sich dennoch immer noch jung genug für manchen Quatsch zu fühlen. Die dabei gewonnene Erkenntnis, dass ich mein Leben tatsächlich selbst manage, obwohl ich eigentlich gar nicht weiß, wie das gehen soll. Ich denke, eines der wichtigsten Themen und Motive war damit das Wachstum als Familie; und vor allem die damit verbundene Verwunderung darüber, wie sehr ich zu einem Papa geworden bin, ohne mir das je so vorgestellt zu haben. Irgendwie ganz schnuffig.

Ich beklage mich manchmal darüber, dass man beim Leben mit Kindern ganz allmählich vom Individuum zu dieser speziellen Rolle – in meinem Fall “Vater” – kondensiert wird und darob selbst in manchen Dingen mächtig zurückstecken muss. Ohne Frage ist ja nix so beständig, wie der Wandel, also ist dieses Klagen eigentlich sinnfrei. Ich hab doch keine Ahnung, wie’s mir ohne Kinder ergangen wäre. Schwamm drüber. Denn von der Besten Ehefrau von Allen höre ich manchmal ganz ähnliche Töne. Same, but different. Unserer Beziehung scheint es indes nicht nennenswert geschadet zu haben; auch, wenn wir manchmal recht hart geprüft wurden.

Doch meine Zehner bestanden nicht nur aus Kindern und Kochen – was ich wirklich leidenschaftlich gern tue. Auch beruflich hat sich einiges getan. Ich habe nebenher ein Studium absolviert. Und man muss wirklich nebenher sagen, denn mein vorheriger Arbeitgeber hat mich in dieser Hinsicht Null unterstützt. Dennoch konnte ich einen Abschluss in Bildungswissenschaft erwerben und drauf aufbauend in den Bereich der Ausbildung wechseln. Ich mag’s, für das, was ich tue ein solides Fundament zu haben, also bin ich den langen Weg gegangen; und es hat sich gelohnt. Nebenbei hat dieses Studium mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich selbst immer noch gerne lerne. Also bin ich wieder am Lernen, denn ein Masterabschluss muss auch noch her.

Was nicht gut war an meinen Zehnern war? Die Erkenntnis, dass ich die Veranlagung eines Elternteils zu Depressionen offensichtlich vererbt bekommen habe. 2014 war ein wirklich beschissenes Jahr: Erschöpfungs-Depression bis in die Krankengeldzahlung, mit anschließender Wiedereingliederung und der Erkenntnis, dass ich da, wo ich stand, weg musste. Dann, Anfang Dezember ein Telefonat, dass vieles verändert hat und wenige Tage vor Heiligabend der Abschluss mit der einen und der Beginn einer neuen beruflichen Ära. Alles im Geschwindschritt und mit einem gewissen Leibgrimmen.

Sich aus dem eigenen, fast zwei Jahrzehnte lang gesponnenen Kokon zu befreien, kann sehr heilsam sein. Es ist aber auch furchteinflössend. Wäre es eine radikalere Veränderung gewesen; ich weiß nicht, ob ich den Mut aufgebracht hätte. So ehrlich muss man schon mit sich sein. Doch retrospektiv darf ich sagen: alles richtig gemacht. Heute bereitet mir mein Original-Job wieder Freude und der neue Job entwickelt sich prächtig. Was kann man von diesem Teil seines Lebens schon mehr verlangen? Geld war nie so wirklich mein Motor. Ich verdiene es, damit meine Familie und ich ein schönes Leben haben können. Und meine Ansprüche an “schön” sind heutzutage – abseits essentieller Bedürfnisse – eher weniger materieller Natur.

Ich hatte das Privileg, die Zehner hindurch auch die wenigen, wirklich wichtigen Freundschaften pflegen zu können, die meinem Leben schon lange und bis heute Halt und Balance geben. Sehr zu meiner Freude konnte ich auch manch neuen Kontakt knüpfen. Und selbst wenn ich den Menschen, mit denen ich nun schon ein Stück des Weges gegangen bin nicht immer die Aufmerksamkeit schenken konnte und kann, die sie eigentlich verdienen, so bleibt doch das Gefühl, nicht allein sein zu müssen. Und die Hoffnung, auch anderen Menschen dieses Gefühl geschenkt zu haben und immer wieder neu schenken zu dürfen. Natürlich nicht nur meiner Frau, meinen Kindern, meinen Freunden, sondern auch denen, die – auf die eine oder andere Weise – meiner Hilfe bedurft haben.

Ich könnte also wirklich, wirklich lauter klagen, wie ich immer sage. Doch warum? Es geht mir – objektiv betrachtet – besser, als vielen Anderen. Und nach den Tief-Phasen des vergangenen Jahrzehnts bin ich auch subjektiv gut dabei. Also richtet sich der Blick nun nach vorn. Und da kann ich nur Folgendes sagen: Ich wünsche uns allen einen erfolgreichen, gesunden und gesegneten Start in 2020! Mögen es die besseren Roaring Twenties werden…

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