(Des)Interesse an Wandel

Wenn man die so genannten Fachpostillen landauf, landab betrachtet, wird es leider immer noch als Wandel, als Innovation gefeiert, wenn irgendwo ein neues Blech oder ein neues Gadget in Dienst geht – vollkommen unabhängig davon, ob dieses Blech oder Gadget die Arbeit voran bringt, oder einfach nur neu ist. Diese Art von Innovation ist so ziemlich das Einzige, woran man denken kann. Vor einiger Zeit wollte ich so’ne Adhäsionsfolie in Fahrzeugen, weil allein schon Werte zu notieren Fehlern vorbeugt – denkt an Closed Loop Communication. Das war vielleicht ein Hickhack. Und warum – weil man Angst hatte, das irgendwelche Honks mit den Stiften die Wand beschriften. Ist natürlich passiert (Honks gibt’s überall), wurde natürlich wieder sauber gemacht, aber erst mal dagegen, weil: haben wir noch nie gemacht.

Ist natürlich Kleinkram im Vergleich zu den Problemen, die wir wirklich haben. Überall werben die HiOrgs einander das Personal ab; und auch, wenn ich es natürlich extrem geschmeidig finde, wenn in meinem Beritt der Dienstplan funktioniert, ist es in der Gesamtheit eine Katastrophe, dass immer noch nicht bedarfsgerecht ausgebildet wird. Dass manche Ämter sich gegen Ideen für Ausbildungs-Netzwerke über Ländergrenzen hinweg sperren, weil sich da ja vielleicht etwas ihrem Zugriff entzieht. Dass in Ba-Wü Kostenträger bei der Finanzierung von allem und jedem mauern, damit die Verhandler Provisionen einstreichen können. Dass dieses ganze beschissene System von Gestrigen, Bremsern, Profiteuren und Lobbyvertretern zu Tode administriert und verhandelt wird, ohne dass sich an der Misere etwas ändert.

Ich kann den Satz “Das können wir nicht, weil…” nicht mehr hören. Wir können nämlich nicht, wir MÜSSEN dringend von den hierorts tradierten Formen der Leistungserbringung weg, hin zu einem neuen System. Echter Wandel. Ich kenne ein paar Leute, die diese Trommel seit Jahren unentwegt schlagen und bewundere deren Durchhaltevermögen und Frustrations-Toleranz, denn wenn man zum einhundertsten Mal gesagt bekommt, es sei doch alles OK, es liefe doch super, man müsse doch gar nicht viel ändern, könnte man wohl ab und an schon davonlaufen – oder sein Gegenüber mal bei den Schultern packen und ordentlich schütteln, damit er sich wenigstens einmal im Vierteljahrhundert bewegt…

Das System Gesundheitswesen – speziell aber der Rettungsdienst im Südwesten – ist auf so vielen Ebenen krank, dass es mir schwer fällt, zu entscheiden, was ich zuerst nennen soll: Personalmangel auf Grund jahre-, ach was, Jahrzehntelangen Kaputt-Sparens der Strukturen durch die Kassen (Und ja, die HiOrgs sind allesamt zu einem nicht unerheblichen Teil, durch ihre “Mein Auto”- Sandkastenspielchen, mit daran Schuld)? Die mangelhafte Vereinheitlichung und Vernetzung der Leitstellen (in der die Idee, den Rettungsdienstbereich Rhein-Neckar wieder zu trennen nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist)? Das Jahrzehntelange Mauern des DRK gegen die Installation von ärztlichen Leitern in Ba-Wü, weil man keine externe Qualitätssicherungs-Instanz haben wollte, die einem in die Karten schauen kann? Das Trauerspiel um so genannte erweiterte Kompetenzen von Rettungsfachpersonal (Stichwort Schmerzpatient)? Eine Handhabe gegen Bagatelleinsätze bzw. die Mitnahmepflicht des RD bei solchen?

Einmal mehr kann ich nicht annähernd so viel fressen, wie ich kotzen möchte, denn wenn dieses Trauerspiel nicht in den nächsten fünf Jahren endet, werde ich meinen einstigen Traumberuf an den Nagel hängen und mich irgendwo an einer  Berufsschule oder ähnlichem als Kommunikationstrainer verdingen. Denn irgendwann ist gut. Ein Weilchen noch gebe ich mir diesen Mist, dann ist Schluss. Vielleicht kann ich den einen oder anderen noch aufwecken, aber ehrlich gesagt sind meine diesbezüglichen Hoffnungen ziemlich am Ende. Sehr schade, denn eine Menge guter Leute werden unnötig verschlissen, desillusioniert und ausgebrannt durch diesen Mist. Und alles nur wegen Geld und Standesdünkeln. Facharztstandard? Dass ich nicht lache… Tschüss.

Midlife-was…?

Im aktuellen “Stern” (ja ich lese die Postille immer noch) ist ein Artikel über die Midlife-Crisis. DIE … MIDLIFE … CRISIS … OhgottohgottohgottIhgittihgittihgitt! Witziger Weise geht der Artikel nur am Rande auf die legendären – zumeist mit dem männlichen Geschlecht assoziierten – Entgleisungen dieses wichtigen Lebensabschnitts ein: ‘ne Harley kaufen, ‘ne jüngere Frau suchen, allerlei Dummheiten machen, sich “auf Teufel komm raus” noch mal jung fühlen wollen, weil das kann doch nicht schon alles gewesen sein, … oder?

Wohltuend finde ich, dass der Artikel explizit beiden Geschlechtern das Recht auf Midlife-Crisis zuerkennt und auch beide Geschlechter zu Wort kommen lässt. Ebenso positiv finde ich, dass man nicht mit der Brechstange nach Lösungen des Problems sucht, sondern anerkennt, das Menschen in der Lebensmitte halt irgendwann feststellen müssen, dass sie jetzt zumeist schon eine Weile in einem Lebensmodell stecken und sich – durchaus bang -fragen, ob das der wahre Jakob ist, oder nicht vielleicht doch ein Anlass, was Neues zu wagen, weiterzuziehen, noch mal neu anzufangen? In Nachbars Garten wachsen schließlich die süßeren Kirschen, andere Mütter haben auch hübsche Töchter (oder Söhne) und überhaupt wollte ich schon immer mal wissen, wie sich … anfühlt (man setzte hier einen speziellen Traum ein).

In jungen Jahren denkt man immer, alles geht. Mit dem “Erwachsen-Werden” – was auch immer das für einen selbst bedeuten mag – merkt man, das nicht alles geht, möchte aber herausfinden, was alles geht. Und wenn man an der Lebensmitte angekommen ist, möchte man wissen, ob man nun die richtige Alternative gewählt hat. Zudem ist unsere Persönlichkeit kein starres Konstrukt. Sie verändert sich im Laufe des Lebens mehrfach und immer ist der Wandel die Reaktion auf eine Krise. Jeder, der sich gut an seine Pubertät oder die Suche nach dem eigenen Platz in diesem Ding “Gesellschaft” erinnern kann (oder vielleicht noch drin steckt), weiß genau, was ich meine. Ein interessantes wissenschaftliches Modell dazu sind die Entwicklungsstufen nach Erik Erikson, die ein recht gutes Bild von der Krisenhaftigkeit des Sich-Entwickelns zeichnen.

Die Midlife-Crisis hat was mit der Suche nach (neuem) Sinn in Leben zu tun, der nach der Bilanzierung des bisher Erreichten gebraucht wird, um sich neu zum Weiterleben motivieren zu können. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen dramatisch, aber auch Erwachsene sind bei weitem nicht immer so souverän, wie sie tun. Den größten Teil unseres Lebens fahren wir (zwangsweise) auf Sicht und reagieren halbwegs pragmatisch auf die Brocken, die im Weg liegen. Die Ergebnisse sind nicht immer befriedigend, aber wären wir immer nur Sieger, wüssten wir gar nicht, wie sich der Geschmack des Sieges anfühlt!

In jedem Fall ist sie eine sehr individuelle Angelegenheit, diese Midlife-Crisis und sicher oft für den einen oder anderen Betroffenen mit sehr unschönen Erlebnissen verknüpft. Aber sie ist notwendig, um uns am Laufen und im Gleichgewicht zu halten, also sollten wir das alles nicht zu hoch hängen. Außer, wenn meine Alte sich jetzt plötzlich einen jüngeren (knackigeren) Macker sucht – dann flipp ich aus…! Mal im Ernst, es gibt keine Vollkasko für’s Leben, denn das Leben ist eine Lektion, die du lernst, während du es tust (Fragt “Limp Bizkit”), also muss ich es nehmen wie’s kommt und das Beste draus machen. Und manchmal eben nachrechnen, ob alles noch passt.

Was mich an dem Artikel stört, ist seine Existenz! Warum verschwendet ein Magazin für investigativen Journalismus 12 Seiten auf ein Thema, das außer mir keinen was angeht. Oh ja, da sprechen Menschen über ihre Erfahrungen, um anderen Schmerzen und Probleme zu ersparen…? Bei einem Thema, das weder Verallgemeinerungen noch vorgefertigte Antworten zulässt? Lasst die Menschen doch Menschen sein und hört auf mit eurem Lifestyle-Gesundheit-Workbalance-Paternalismus, ihr Narren in Hamburg. Berichtet über kaputte Krankenkassen, politmissbrauchte Polizisten, sanierungsbedürftige Schulen und so was. Aber lasst die Menschen Menschen sein… Schönes Wochenende!

Ich seh’ überall Gewinner…

Es ist schon seltsam. Natürlich auch menschlich, aber trotzdem seltsam. Immerzu wollen wir uns selbst in einem guten Licht dargestellt sehen. Kein Makel, keine Schwäche, keine Kratzer im hochglanzpolierten Lack. Ich hätte zumindest, seit ich mich bewusster mit social media befasse nicht bemerkt, dass die Menschen eine besondere Tendenz hätten, etwas anderes als ihre Erfolge zu promoten. Zugegeben, es gibt Ausnahmen, aber die sind sehr, sehr selten; meistens sieht man allenthalben Gewinner!

Natürlich spielt dabei auch die Definition von Gewinnen eine Rolle. Für manche ist es schon ein Sieg, sich von der Couch zu erheben. Zum Beispiel mich, wenn es draußen heiß ist. Ich habe mich neulich dabei ertappt, wie ich ein Bild von einem Spaziergang am Rhein gepostet habe, mit der Unterschrift “Der Weg ist das Ziel…” und erfuhr dafür tatsächlich Zuspruch. Ich dachte dabei an die inspirierende Solitude der freien Natur direkt am Ende meiner Straße. Das Setting hatte einfach was.

Nun sind Bilder aber eigentlich von Natur aus Interpretationsraum für den Betrachter. Jeder kann darüber denken, was er möchte, darin sehen, was er möchte. Manche Menschen denken, ein Bild von einem Baum ist einfach nur ein Bild von einem Baum. Ein Foto trägt aber neben dem abgebildeten Objekten oder Subjekten immer auch bereits einen Interpretationsversuch des Fotografen, dessen Intentionen und Gedanken in sich, ohne dass diese ausgesprochen werden. Und so wurde aus dem Foto vom Spazierweg am Rhein ein Symbol, in das jeder sich was r(h)ein denken konnte.

Man hätte zum Beispiel, um auf meine Eingangsworte zurückzukommen denken können: “Ah, der Zimbo bewegt sich endlich mal!”. Oder, etwas netter: “Och, da würde ich jetzt auch gerne hin!”. Vielleicht auch: “Mannheim ist doch nicht so hässlich, wie alle sagen!”. Ich mag es, wenn meine Fotos so weite Spielräume lassen. Wenn ich meinen Runtastic-Screenshot poste, sind die Interpretationsmöglichkeiten abseits von “Oh, wie langsam!” bis “Oh, wie schnell!” und “Da, läuft der lang?” eher begrenzt. Weil auch hier (natürlich) eine Intention des Veröffentlichenden mittransportiert wird: “Seht her, ich kann!”

Wie bedauerlich das doch ist. Denn SCHEITERN ist eine Notwendigkeit des Lebens, ohne welche echte Persönlichkeitsentwicklung nicht stattfinden kann. Aus unseren Niederlagen, unseren Fehlern unseren Ausrutschern lernen wir wesentlich mehr, als aus unseren Siegen. Und vor allem lernen wir aus dem offensiven Umgang mit unseren Fehlern und Schwächen viel mehr über die Menschen, die uns umgeben. Denn Reaktionen auf offen kommunizierte Fehler und Niederlagen sagen viel mehr als die höflichen Ahs und Ohs, wenn wir – mal wieder – reüssiert haben. Das Fehlen von Reaktionen sagt natürlich auch etwas aus.

Reden wir doch noch mal über die Definition von Gewinnen. Ich persönlich betrachte es schon als Sieg, dass ich meinen Alltag gut hin bekomme. Familie Job, sonstige soziale Kontakte Studium (irgendwann folgt auch der Master), das alles bringt einen Wust an Verpflichtungen, Problemen, Arbeit mit sich, der manchmal macht, dass man sich Abends ins Bett legt und vor lauter Nachdenken erst mal eine Weile die Decke anschaut, bevor man dann, durch die Gnade der Müdigkeit doch wegdämmert. Aber ich stehe meinem Mann.

Andere definieren sich über Sport. Ist heute hip, an seinem Äußeren zu arbeiten und es alle wissen zu lassen. Ich vermute allerdings, dass jene, die das recht exzessiv betreiben, manchmal Abends genauso an die Decke kucken wie ich und das Polieren ihres Egos als eskapistische Strategie benutzen, so wie andere ihre intellektuellen Fähigkeiten rauskehren und wieder andere ihre Kochkünste… and so on… Die dabei entstehenden Erfolge optisch aufbereitet der “Öffentlichkeit” zukommen zu lassen ist menschlich. Ich fände es aber schön ehrlich – vielleicht auch ehrlich schön? – wenn man die Niederlagen auch öffentlich machte. Diejenigen, die so etwas als Anlass zur Häme nutzen sind dumm und sicher keine “Freunde”. Aber die anderen, die neutral oder gar nett darauf reagieren, darf man zumeist als wohlmeinend betrachten.

Denn Scheitern ist unvermeidlicher Bestandteil unseres Daseins. Und so wie wir aus unsern Fehlern (hoffentlich) klug werden und mit unseren Aufgaben wachsen, so wachsen unsere (wirklichen) Beziehungen dadurch, dass wir diese Menschen auch tatsächlich an unserem Dasein teilhaben lassen. Wenn ihr also schon unbedingt posten müsst, was das Zeug hält, dann bitte nicht nur den Hochglanz-Schrott… Danke!

Rückkehrerblues…?

Ach ja, Urlaub… Man fährt mal weg, man erlebt Dinge, man kommt wieder und erzählt allen davon. Oder aber – Zeichen unserer ach so modernen Zeit – man teilt seine Impressionen, was das Zeug hält, in den sozialen Medien. Paris? Ja, hab ich bei Manu gesehen. London? Ja, dieses hammergeile 360-Grad-Panorama von Kalle war schon schön. Und hast du dieses Selfie von Richard aus’m Central Park gesehen? Und noch unendlich viel weiterer (denkbarer) Chitter-Chatter ohne jegliche Substanz.

Soziale Medien sind asozial! Wer tatsächlich glaubt, dass das Skimmen durch die Fotostrecken Anderer das Reisen ersetzen kann – oder gar die dabei selbst gemachten Erfahrungen – dem ist nicht mehr zu helfen. Und bevor jetzt die “Aber das soll doch einfach nur Lust auf’s selber Reisen machen”-Fraktion aus ihren Löchern gekrochen kommt: NÖ. Das ist einfach nur ein narzisstisches Zur-Schau-Stellen der eigenen Reise-Virilität. Schaut her, wo ICH überall hinkomme. Ekelerregende Eigenego-Streichlerei, sonst nix.

Aber Zimbo, du hast doch auch schon Fotos von Urlaubsorten auf deinem Blog gepostet! Was ist denn jetzt mit dir? Ja habe ich. Und je mehr ich darüber nachdenke, ärgere ich mich darüber. Denn zum einen geht es eigentlich keine Sau was an, wohin ich reise, außer jene Personen, denen ich es offensiv mitteile. Und außerdem waren es jeweils Auswahlen, die online kamen, nachdem ich wieder zu Hause war und die so geschnitten waren, dass so gut wie keine Personen drin vorkamen – vor allem nicht ich, denn ich bin nicht sonderlich fotogen! Narzissmus? Fehlanzeige, fürchte ich…

Dafür kann ich mich noch genau erinnern, wie ich mit 18 über den Père-Lachaise gestolpert bin, auf der Suche nach dem Grab von Jim Morrison; oder welche Erfurcht ( ja altmodisches Wort, aber absolut angebracht, um meine Emotionen in dem Moment zu beschreiben) mich ergriffen hat, als ich vor ein paar Jahren bei vielleicht 1500 Höhenmetern über einen Pass gefahren bin und dann den ersten Blick auf das Piano Grande tun konnte… Scheiß auf Kameras! Tipp: Hochtal in Umbrien, ein Stück hinter Nursia. Oder als ich zum ersten Mal auf die Piazza il Campo in Siena getreten bin. Und, und, und…

Ich bin, obschon hoch Technik-affin, dabei, ein immer stärkerer Gegner der Selbstverdatung zu werden. Ich sehe keinen Nutzen darin, dauernd mein Essen zu präsentieren (am Besten noch mit Vorher-Nachher-Strecken…), oder alle meine Facebook-“Freunde” an jedem noch so kleinen Rülpser meines Egos teilhaben zu lassen. Das ist auch so schon groß genug. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich auf eben jenem Portal Dinge poste, die unnötig sind, weil sie niemandem einen Mehrwert bringen. Noch häufiger erlebe ich allerdings, dass ich vorbereitete Posts wieder lösche, weil ich mir denke “Was machst du Depp gerade?”. Ich hoffe inständig, dass meine internen Korrektive noch länger halbwegs funktionieren.

Wer hatr denn etwas von dauernder Öffentlichkeit meines Selbst? Mein Ego? Meine Freunde (wie real auch immer die sein mögen)? Mein Konto? Oder doch eher die Konten des Dienst-Anbieters. Ein nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse bringt einen zumindest manchmal im Leben einen Schritt weiter.

Ich stehe mal wieder an diesem Punkt, dass ich aus Facebook raus will; ist ca. ein mal im Jahr so. Aber wer liest dann schon noch mein Blog…? Ich bin also auch, allerdings nicht emotional, von asozialen Medien abhängig. Scheiß neue Welt. Schönen Tag auch…

Datensch(m)utz…

DSGVO! Ich kann es nicht mehr hören! Datenschutzgrundverordnung! Und alle laufen Amok. Die einen, weil sie glauben, dass ihr Business jetzt geschlossen wird, weil es auf der Verarbeitung personenbezogener Daten beruht, deren Erfassung und Verarbeitung jetzt in wesentlich engere Grenzen gehegt wurde. Ja zum Teufel, dann handelt halt ehrbar, dann braucht ihr auch keine Angst haben, wegen un-ehrbaren Verhaltens belangt zu werden, ihr Schmocks! Die anderen, weil sie fürchten, wegen jedem Furz und Feuerstein abgemahnt zu werden. Schließlich sind einige Artikel der DSGVO ziemlich weit auslegbar. Und weil es halt immer noch zu viele Winkeladvokaten gibt, die zu dumm, zu faul oder zu geldgeil sind, um ihre Brötchen mit echter juristischer Arbeit zu verdienen, muss man halt aufpassen. Diesen Parias der Judikative sei Folgendes gesagt: ich kann auf potenten Beistand zählen.

Ansonsten mache ich mir recht wenig Sorgen. Die Bilder, welche sich auf meinen Seiten finden, sind alle von mir. Die Texte sind bis heute alle von mir; und auch, wenn man vielleicht über deren Schöpfungshöhe streiten können mag, so bin ich doch zumindest kein Plagiator, wie so manch anderer.

Selbstverständlich begrüße ich die Stärkung der Persönlichkeitsrechte auch im virtuellen Raum. Was ich jedoch stark bezweifeln möchte ist, dass die durchschnittlichen Nutzer von Social-Media-Plattformen auf einmal intelligent im Umgang mit ihren Daten geworden sind, nur weil heute ein Gesetz bin Kraft getreten ist. Denn so, wie mancher Plattform-Betreiber ein Blender, Abzocker, oder Ausnutzer ist, so sind leider viele Plattform-Nutzer leichtsinnig bis zur Dämlichkeit, wenn es um die Preisgabe persönlicher Informationen geht. Aber was ist daran schon neu…?

Es mag zwar als ehrenwert erscheinen, auch jene schützen zu wollen, denen die Erhebung ihrer Daten vollkommen Wumpe ist und die mit ihren Bildern, Vorlieben, Abneigungen, politischen Einstellungen, etc. hausieren gehen, als wenn sie dafür Geld bekämen – was nur in den allerseltensten Fällen passiert. Mir stellt sich jedoch eher die Frage, ob solcher Paternalismus angebracht ist? Immer mehr versuchen Politiker die freie Handlungsfähigkeit der Bürger, den freien Austausch auf welchem Marktplatz auch immer (und nichts anderes ist z. B. Facebook) einzuschränken und in Bahnen zu lenken, welche für die Behörden besser kontrollierbar sind. Sicherheit wird immer als Schlagwort genannt. Doch weder hier, noch sonstwo konnte auch nur irgendeine Abhör-, Bespitzelungs- und Bürgerrechteaushebelungs-Verordnung einen Anschlag oder ähnliches verhindern.

Hier werden keine Bürgerrechte gestärkt! Die staatliche Ausforschung seiner Bürger wird gestärkt. Schönen Dank auch für gar nichts, ihr dämlichen Narren! Und auch wenn ich’s nur ungern sage – schon wieder ist ein Grüner mit Schuld. Die kriegen meine Stimme nicht mehr…

Ach käm ich doch zur Ruh’…

Ja Urlaub ist was Tolles. Insbesondere, wenn man braindead durch die Wallachei stolpert (ich hoffe, ich tue dieser Gegend in Ungarn kein Unrecht, indem ich mal wieder in die Sprichwortkiste greife). Geistloses dahin schlurfen in Tatunion mit Auslöserdauerfeuer an der Handycam, dezent begleitet von gelegentlichem “Ah” und “Oh”, wahlweise aber auch “Man, ist das teuer?”, “Da hätte ich aber mehr erwartet…”, oder ebenfalls gerne “Ist hier aber viel los!”. Tja, auf die Idee mit dem Reisen kommen in der Reisesaison halt auch andere, daran könnte man sich schon mal gewöhnt haben.

Aber ja, die anderen Urlauber nerven nicht nur die Einheimischen, die ich gelegentlich mit sehr verkniffenem Gesicht an mir vorbei mäandern sehe; sondern auch mich. Es könnte an der vorgenannten Melange aus teils abwertenden Bemerkungen, grauenhaften Outfits und einer fast aggressiven Erwartungshaltung liegen – mein Urlaub, meine Stadt, Burg, Freizeitpark, was auch immer. Ganz so, als wenn das anmieten eines Ferienappartements an der Mecklenburgischen Seenplatte dazu berechtigt, die Müritz mit heim zu nehmen. Oder zumindest ein Exklusivnutzungsrecht daran erworben zu haben. Und dann sind da plötzlich noch andere Menschen…

Ja, manchmal fällt es mir, meiner ganzen humanistischen Gesinnung zum Trotze sehr, sehr schwer, Menschen zu mögen. Vielleicht liegt es daran, dass ich in meinem Arbeitsalltag so viel mit ihnen zu tun habe, dass einsame Einkehr in der Abgeschiedenheit eines Bergklosters für mich – zumindest ab und an mal für ein zwei Tage – nicht die schlechteste Alternative wäre. Inclusive Internet-Karenz! Ich habe allerdings herausgefunden, dass ich mir auch im Familienurlaub meine kleinen Freiräume schaffen kann, in denen ich mit niemandem interagieren muss. Zum Beispiel, indem man in den scheiß kalten Fleesensee hinaus schwimmt; na ja, eigentlich eher watet, ist das Ding doch 70 Meter vom Ufer für mich immer noch maximal hüfttief.

Sei’s drum, in solchen Augenblicken hat man Klarheit. Und wenn es doch nur für sehr kurze Zeit dauert. Und dann musste ich wieder feststellen, dass man die Tretmühle einfach nicht aus dem Kopf kriegt. wenigstens im Moment nicht. was mich vielleicht sogar weniger belastet, als meine Lieben. Wenn ich aus dem Urlaub komme, muss ich eine Entscheidung treffen, bzw. erzwingen. Man kann nicht Diener vieler Herren sein und allen gleich gut dienen. Das geht unweigerlich schief. Mal sehen, was draus wird…

Frisch von der Leber weg…

Kinder sind ein Segen! Für die Bekleidungsindustrie, weil das ständige durch die Größen Wachsen neuer Generationen für stetes Einkommen sorgt. Für Kinderbetreuer aller Art, weil es deren Jobs sichert. Für die Spielzeugindustrie sowieso, weil es die (und natürlich auch uns) ohne Kinder nicht gäbe. Und, ganz wichtig, natürlich auch für Psychologen, Pädagogen und Soziologen, weil man immer noch dauernd neue Theorien darüber entwickeln kann, wie Kind-Sein und Erwachsen-Werden funktionieren. Kurz und gut gesagt: Kinder generieren für einen erheblichen Prozentsatz der Bevölkerung deren Lebensunterhalt. Könnte daran liegen, dass ohne Kinderkriegen die Menschheit schon lange ausgestorben wäre.

Betrachtet man das ganze aus Sozial- und Ordnungspolitischer Sicht, wird die Sache mit dem Segen plötzlich sehr nüchtern. Erzeugt ein Staat durch seine Geburtenrate nicht einen steten (und vor allem ausreichenden) Nachschub an Netto-Zahlern für die Sozialsysteme, kommt er irgendwann in erhebliche Schwierigkeiten; das geht im Moment im Übrigen allen entwickelten Staaten in Europa so. Amore ist in Italien anscheinend auch nicht mehr die, welche sie mal war. Man kann das Problem umgehen, indem es einfach keine staatlichen Sozialsysteme gibt (fast alle Staaten der 2. und 3. Welt), oder indem man sie demontiert (Vereinigte Staaten). Will bei uns aber keiner, also bleibt es ein Problem, für das bislang keiner eine probate Lösung zu haben scheint (also eigentlich gibt es die schon, aber wer gibt schon gerne was von seinem, so sauer den, tatsächlich Werte schöpfenden, Menschen aus der Tasche gezogenen Geld her…).

Darum schafft der Staat auf Kosten derer, denen er eigentlich helfen sollte (vermeintlich) immer neue Anreize, sich doch stärker zu vermehren (Herdprämie, etc.), die jedoch alle am eigentlichen Problem vorbei laufen: in der BRD Kinder zu bekommen bedeutet, gegenüber denen ohne Kinder zurückstecken zu müssen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Flexible Kinderbetreuung? Zumeist Fehlanzeige! Überhaupt einen Betreuungsplatz bekommen, insbesondere in der Stadt? Auweiauwei… Betreuungskosten, Verpflegung, Kleidung, Urlaube, der ständige Hype um die richtige Förderung der Brut, die elterliche Angst vor dem “Versagen” des Kindes (allüberall durch die Medien verstärkt, die einem den Eindruck vermitteln, dass wir alle morgen verhungern werden, wenn die süßen Kleinen nicht schon im Kindergarten Chinesisch, Klavierspielen und Programmieren lernen).

On Top kommen noch die ganzen Sponks und Pfosten, die sich entweder über die nervtötende Lautstärke aufregen, oder ungefragt Erziehungsratschläge geben, obwohl sie selbst über keinerlei Expertise verfügen – diese Menschen dürfen sich, sofern sie überhaupt über die kognitiven Fähigkeiten verfügen, sich in meinen Worten zu erkennen, von mir ein 100% biologisch abbaubares, vollkommen authentisches und – dieses Mal tatsächlich – böse gemeintes “FICKT EUCH!” abholen.

Ja, mich nerven meine Kinder manchmal auch so sehr, dass ich sie gerne in ein feuchtes, dunkles Loch sperren und den Schlüssel vergessen würde. Oder wenigstens mit Klettband an die Wand kleben und ein bisschen schreien lassen. Tue ich aber nicht, weil ich sie trotzdem liebe. Auch wenn sie mir meinen Urlaub weniger erholsam gestalten, als ich es mir wünschen würde. Wenn ich nach den Gründen suche, warum meine Gattin und ich uns vermehrt haben, dann bleibt am Schluss nur eines übrig: das Gefühl, dass wir ohne eigene Kinder furchtbar viel verpasst haben würden. Und das meint nicht nur Ärger, Erschöpfung, Geldknappheit und andere Sorgen. Kinder sind schon ein Segen – nur nicht immer. Und auch nicht für alle Aspekte des Lebens. Wenn man sich damit arrangiert hat, geht’s ganz gut. Schönen Tag noch.

True punks don’t need cyberware…

Every now and then I get to read, that cyberpunk is dead. It’s a janus-creature of prediction and conclusion that arises in more than one text committed to the topic. In some eery way that’s an oxymoron, because if you relate an entire text to a literary genre, just to declare it dead, you’re reviving it in the same time. At least kind of… To be honest, I was always oblivious to this declaration.

I made my first contact with cyberpunk in my mid-teens, something around summer 1990. Media reception was different back then, because the “old” channels of communication and distribution never neared the ubiquity of contemporary social media. So, in a sense, we are in the cyberpunk age, although I must commit, it doesn’t look anything like what was described, for example, in the novels of William Gibson. Maybe it’s better that way.

What little of the true meaning, most people conceived of the wealth of social criticism in cyberpunk was by far overweighed by the impact, the visual descriptions could deliver, back in the time. Interpretations took their ways, and out of the ashes of a dystopia, full of downtrodden loosers amidst a new wonder age of technological advancement rose an image, that – also by far – missed the inherent sense of angst regarding the possibly impending wake of artificial intelligence. What most people saw, simply was a latex clad, neon bright clash of technologically enhanced protagonists/antagonists, who simply fought the same fights, as they did before, in the archetypical action movies of the 80s. The essence of cyberpunk was butchered for flashing imagery, the masses could relate to.

As always, when financial interest meets artistic affluence, the product is styled to meet the financiers desires, thus exchanging meaning for mass compatibility. To be truthfully honest, when I was a teen, I was captivated by the imagery, too. It was cool, it was different, it had style. And the style lived on, being copied, adapted and incorporated to be part of the main stream. Hell yeah, it got duplicated so often, that it became boring. If somebody, his or her mind just fixed on the aforementioned style at this moment says, cyberpunk is dead, I must confess, that’s right. Because hyperbole use of the style killed it’s attitude, as of lately.

But that’s not cyberpunk. It’s just part of the described imagery, that some greedy media ravengers exploited for so long, that it’s not really of use any more. Again being honest, I still use the flashy, flamboyant style, because, I’m somewhat old school. I use it telling my stories, still being a pen and paper gamemaster since summer 1989… damn, you might call me a professional. But speaking of the essence of cyberpunk, we must recognice it is to be found underneath that polished surface. And our world has become – in quite more than one way – that dystopia full of the downtrodden.

Maybe, technological advancement didn’t follow predicted paths, as that never was the case in any way. But globe-spanning mega-cons, massive social inequality and dwindling social coherence, strange subcultures and no-go-areas – it’s all there. I simply need to take a look at the daily news and can walk away with a billion ideas, as to what story to tell. But I need to add a little glitz, because it would get to dark an gritty, if I simply used the world as is.

And here kicks in the main idea of cyberpunk: the lo-teks and the depraved, the loosers and the maladjusted, they are all able to find ways to defeat the just seemingly allmighty system. Whatever power thrown at them, they cope, they adapt, they survive – and sometimes they even succeed to the very best. Hope is the cure for society’s illnesses; not chrome, not drugs, not tech, but simply hope. If you ever become able, to come to that conclusion, you have become a cyberpunk yourself. And thus, in a somewhat complicated, sometimes lonely and always awesome way, I became one myself…

Streiken…? Wofür…?

Oh ja, habe ich auch schon. Ist lange her. Zu lange, um genau zu sein. Ich bin ein großer Freund davon, kleine Brötchen zu backen, wenn es um’s Fordern geht. Denn bevor man irgendetwas als einem rechtmäßig zustehend reklamiert, sollte man sich sehr sicher sein, dass man auch einen adäquaten Gegenwert erzeugt hat. “So lange mein Arbeitgeber so tut, als wenn er mich bezahlt, tue ich so, als wenn ich arbeite…” Den Spruch haben bestimmt viele Kollegen schon mal gehört, oder auch von sich gegeben; und leider hat er im öffentlichen Dienst, speziell aber im Rettungsdienst durchaus seine Berechtigung – so lange die individuelle Leistung stimmt!

Das fängt damit an, dass jemand, der sich den Prüfungen zum NotSan gestellt hat (egal ob Alt-Assistent, Jung-Assistent oder Vollzeit-Ausgebildeter) auch das Gehalt für einen NotSan verdient, egal, ob in dem Bundesland die ÄLRD (sofern vorhanden, ach armes Ba-Wü, lange hat es gedauert, aber endlich, endlich…) irgendwelche Maßnahmen nach §4, Abs 2, Satz c freigegeben haben, oder nicht. Allein die Berufsbezeichnung auf dem Namensschild bedeutet, dass der Bürger einen Qualitätsanspruch erheben darf; und auch wird…

Schwamm drüber, HiOrgs orientieren sich am öffentlichen Dienst und in diesem Konstrukt ist so manches im Arsch… ähm Entschuldigung, im Argen, meinte ich natürlich. Nun haben am 15.05 in Mannheim Mitarbeiter des RD, die in Ver.di organisiert sind, die Arbeit niedergelegt. Keine Ahnung, ob es wieder so eine Wischi-Waschi-Notdienst-Vereinbarung wie 2008 gab, die dafür sorgte, dass der Streik für den Arsch war, aber wenigstens war es öffentlich und gut sichtbar. Es ist OK, wenn meine Kolleginnen und Kollegen für ihre Belange im öffentlichen Raum eintreten. Zu lange waren wir die unsichtbaren Parias des Gesundheitswesens. Das ändert sich dank der starken medialen Aufmerksamkeit für den RD im Südwesten nun deutlich – auch wenn diese Aufmerksamkeit zu oft auf den  Vergehen unserer Arbeitgeber ruht. Aber sein wir doch mal ehrlich: in vielen HiOrgs (insbesondere beim DRK) sitzen immer noch Personen auf Entscheiderpositionen, die da nicht hingehören.

Leider sitzen aber auch immer noch zu viele Leute auf RettAss-Positionen, die da nicht hingehören. Meine Hoffnung ist, dass diese Unfähigen und Unwilligen  langsam wegsterben, wenn das NotSanG ab 2021 seine volle Wirkung entfaltet. Die neuen Generationen an Kollegen sind fordernder, unbequemer, manchmal auch weniger leistungsbereit, weil sie sich von Anfang an mehr Gedanken über ihren eigenen Wert machen. Bekommen wir dieses Feuer mit dem  tradierten Berufsethos und einem positiven Anspruch an unsere Arbeit unter einen Hut, dürfen wir erhobenen Hauptes und voller Stolz ein ordentliches Plus fordern. Im Moment wäre ich da ehrlich gesagt ein wenig vorsichtig, denn noch schleppen wir viel zu viele “Altlasten” mit durch, welche die Bezeichnung “Sani” einfach nicht verdient haben!

Nur, wenn wir im eigenen Stall ordentlich ausgemistet haben, dürfen wir auf die Scheiße anderer hinweisen!

Gemein(d)e Notfallsanitäter…?

Es ist also soweit: im Landkreis Oldenburg startet nun ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zur Etablierung eines Gemeinde-Notfallsanitäter-Systems. Und schon kommen Kommentare wie “billiger geht’s wohl nicht”. Tja, dümmer geht’s wohl nicht… Was soll ein GNFS denn tun? Hat sich mal jemand echte Gedanken über diese Frage gemacht? Wer aufmerksam liest, stellt einige Punkte fest, die interessant sind:

  • Alarmierung durch die Ortszuständige integrierte Leitstelle
  • Alarmierung bei Situationen unterhalb der Notfallschwelle
  • mehrmonatige Zusatzausbildung

Ein Gemeinde-Notfallsanitäter wird hier gedacht als Gatekeeper, der einer weiteren Überschwemmung der Notaufnahmen und des Rettungsdienstes mit unnötigen Bagatelleinsätzen Einhalt gebieten soll. Wenn ich das wenige, was bisher bekannt wurde richtig interpretiere, ist dies ein erster Schritt zur Veränderung der Akut-Versorgung, wie wir sie kennen. Und aus mehreren Blickwinkeln vermutlich der richtige: Aus ökonomischer, weil unnötige Hospitalisierungen und deren Folgekosten vermieden werden. Aus organisatorischer, weil eine Disposition aus einer Hand die Ressource RTW und NA für echte Notfälle freihält. Aus Sicht der Arbeitsgestaltung, weil es eine neue Chance zur Weiter-Qualifizierung schafft. Aus medizinischer, weil der GNFS eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Komponenten des Gesundheitswesens sein könnte. Und aus sozialer, weil es einen Teil der Sorge für die Gemeinschaft wieder näher an die Gemeinschaft trägt.

Sieht man sich nämlich amerikanische Community Paramedic Programme an (hier z.B.- aus Minnesota), so wird klar, dass diese auch für präventive Aspekte Sorge tragen sollen; also z.B. das Monitoring von chronisch Kranken, die Nachsorge nach Klinik-Aufenthalten organisieren oder auch Unterricht in medizinischer Selbstkompetenz planen und durchführen. Für diese Aufgaben ist der deutsche NFS ebenso wenig ausgebildet, wie der amerikanische Paramedic (wobei es den als Archetyp ja gar nicht gibt), was aber bedeutet, dass derjenige, der ein Curriculum für GNFS entwickeln möchte/soll tatsächlich “dicke Bretter bohren” muss, um es mal mit den unnachahmlichen Worten unseres Landesinnenministers zu sagen…

Hier mal ein Vorschlag für eine Grobstrukturierung eines solchen Curriculums:

  • 40 h Einführung in die Aufgabenbereiche des GNFS
  • 160 h Erweiterte Grundlagen der Pflege (davon 40 h Praxis-Einsatz auf Station)
  • 40 h Schnittstelle Pflege/Nachsorge – Akutversorgung
  • 360 h Krankheitslehre / Pharmakologie (davon 40 h Praxis-Einsatz in Arztpraxis und 40 h Praxis-Einsatz in einer ZNA)
  • 40 h Erstellung eines Behandlungsplans
  • 80 h Methodisch-Didaktische Aufbauschulung  zum Ausbilder für medizinische Selbstkompetenz (davon 20 h Hospitation in einer Ausbildungseinrichtung im Gesundheitswesen)
  • 40 h Rechtsfragen: u.a. Haftung und strafrechtliche Fragen, Delegation
  • 40 h Abschlusswoche mit Prüfung

Wären netto 800 h Ausbildung, die von einer E-Learning-Plattform zum Selbststudium und  weiteren Praxisbegleitungen in der Anfangsphase flankiert werden müssten. Die Voraussetzungen wären:

  • mind. 2 Jahre als NFS tätig gewesen
  • Aufnahmetest zur Ausbildung
  • Monitoring durch ein Board aus Ärzten (sowohl NA als auch aus dem hausärztlichen Bereich) und erfahrenen Pflege-, sowie NFS-Ausbildern.
  • obligate 48 h anstatt 30 h Fortbildung pro Jahr

Ich würde mich gerne an der Etablierung eines solchen Ausbildungsganges beteiligen. Sonst noch wer?