Ey Kollega…!

Ich kann mit jedem arbeiten; nun ja ok, mit fast jedem. Allerdings ist es mit manchen wie ein Rock’n’Roll-Konzert und mit anderen eher wie Stehwalzer beim Seniorencafé. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal darauf hinweisen, dass ich Rock’n’Roll deutlich bevorzuge. Das bedeutet für den einen Ort, an dem ich nicht so gerne arbeite, dass ein dezenter Blick in die Runde genügt, um zu wissen, wie die Schicht wird. Sehe ich gewisse Fratzen, könnte ich manchmal echt kotzen vor Glück!

Die Chemie zwischen Menschen ist ja sehr individuell. Unser limbisches System ist seit Hominiden-Zeiten auf das Erkennen von Gefahren getrimmt, was dazu führt, dass wir jeden, dem wir begegnen unbewusst diesbezüglich analysieren. Jeder kennt das: man trifft jemanden das erste Mal und es bildet sich sofort ein Eindruck; es gibt halt badische und unsymbadische, sagt man hierorts. Einerseits gibt’s für den ersten Eindruck keine zweite Chance, andererseits ist unser limbisches System ein kleiner Penner: hat es sich mal eine Meinung gebildet, ist es sehr schwer, diese zu revidieren.Selbst, wenn es gute Gründe dafür gäbe.

Nun gilt für Kollegen das gleiche, wie für Familie. Im Gegensatz zu meinen Freunden und meiner Frau kann ich mir die nicht aussuchen. Was dazu führt, dass die Arbeit auch mal zur Qual werden kann. Da fragt man sich dann schon mal: kann man dagegen etwas tun? Wenn ich ehrlich bin: NEIN! Ist aber auch nicht so schlimm, denn es ist nur Arbeit und die geht vorbei. Aber ich kann meine Gefühle  konditionieren. Gleichgültigkeit ist zwar vielleicht für den Rezipienten uncharmant, aber mir hilft sie ungemein weiter. Denn wenn ich einfach nicht zulasse, dass mich die Fratzen meiner Kollegoiden schon zu Schichtbeginn jucken, geht mein Tag viel leichter vorbei. Das ist zwar nicht leicht, aber mit Übung wird es leichter. Und wenn die Netten da sind, habe ich auch noch was worüber ich mich richtig freuen kann.

Selbstbetrug ist geil, oder? Ich löse das Problem der Low-Performance, Indolenz, Trägheit und Blödheit mancher Menschen sowieso nicht, weil das schlicht nicht möglich ist. Ich spiegele es einfach nur und warte ab. Ist mittlerweile oft besser als Fernsehen kucken. Und was macht ihr so mit euren „Lieblings-Kollegen“?

Rettung für Mannheim?

Tja, nun bekommen die Politiker wahrscheinlich doch noch ihren, von keiner Sachorientierung  getrübten Willen: der Rettungsdienstbereich Rhein-Neckar wird wieder aufgetrennt, weil sich die Bürgermeister der Städte Mannheim und Heidelberg nicht darauf verständigen konnten, wie eine gemeinsame Leitstellen-Struktur aussehen könnte, die den Ansprüchen beider Kommunen gerecht würde. Also will man nun mit Gewalt (und Kosten) auseinander reißen, was über Jahre mühsam zusammengewachsen ist.

Zweifellos hat die integrierte Leitstelle Rhein-Neckar Defizite, die dringend angegangen werden müssten – nein schon lange hätten angegangen werden müssen. Versagt hat hier jedoch nicht etwa das Personal, welches, alles Widrigkeiten zum Trotz ein halbwegs akzeptables Versorgungsniveau sicherstellen konnte. Versagt haben die Führungen der am Betrieb der Leitstelle beteiligten Institutionen ebenso, wie der Bereichsausschuß;  jene Institution, die in allen Rettungsdienst-Bereichen in Baden-Württemberg seit Jahr und Tag abseits aller staatlichen Kontrolle Budgets für Rettungsdienst und Krankentransport auskungelt. Und deren Protagonisten das institutionalisierte Kaputtsparen des Rettungsdienstes in Baden- Württemberg zu einer Kunst raffiniert haben.

Reformbedarf wurde zerredet, Transparenz wurde verhindert, Investitionen wurden verhindert; alles in Namen des Sparwahns, auf Kosten der Kollegen, die sich in diesem System kaputt machen lassen müssen. Und auf Kosten der Bürger, denen man immer und immer wieder die Lüge verkauft, dass wir alles könnten, außer Hochdeutsch.

Fakt ist, dass die alten Bedarfsgutachten vergangener Jahre immer noch nicht vollständig umgesetzt wurden, weil Krankenkassenvertreter dies zu verhindern wussten. Es wäre an dieser Stelle zu erwähnen, das manche Krankenkassen ihren Vertreten in solchen Gremien Erfolgs-Prämien für das Preisdrücken zahlen. Je kleiner dass ausgehandelte Budget (also je weniger Geld für vernünftigen Rettungsdienst zur Verfügung steht), desto größer das Plus auf dem Konto des Kassenvertreters. Solche Vorgaben sind an Zynismus wohl kaum zu überbieten. aber genau deshalb fahren immer noch weniger Rettungs-Fahrzeuge auf Rhein-Neckars Straßen, als es laut Gutachten sein müssten.  Von den gezahlten Preisen für die Dienstleistung Krankentransport ganz zu schweigen. Die Vergütung durch die Krankenkassen deckt noch nicht mal ansatzweise die Kosten für vernünftiges Personal und Fahrzeuge. Und dann wundern sich die Leute, dass nicht genug Krankentransportfahrzeuge unterwegs sind und die Wartezeiten häufig viel zu lang sind. Würden die Krankenkassen das bezahlen, was die Dienstleistung wert ist, hätten wir diese Probleme nicht.

Anstatt aber diese Probleme anzugehen, lastet man auf Mannheimer Seite die Schuld für die so entstandenen Defizite, wie etwa lange Anrückzeiten einfach der Struktur des Bereiches an und will diesen auseinander nehmen, anstatt das eigentliche Problem anzugehen; nämlich die Bereichsausschüsse unter eine einheitliche Rechtsaufsicht zu stellen und einen Vertreter der Kommune zu installieren, der endlich demokratische Entscheidungen mit einfacher demokratischer Mehrheit erlauben würde. Wenn nämlich immer genau gleich viele Vertreter von Dienstleistern und Kostenträgern drinsitzen, sind auch stets nur faule Kompromisse möglich. Wie es die letzten 20 Jahre üblich war.

Durch das Auseinandernehmen des Bereiches entstehen nur Kosten, denn an den entstehenden Bruchlinien muss man neue Redundanzen schaffen (also noch mehr Autos, obwohl doch die eigentlich veranschlagte Menge sowieso noch nicht umgesetzt wurde). Was sicherlich nicht entsteht, ist eine bessere notfallmedizinische Versorgung der Bürger, wie sie immer wieder propagiert wird. Die entsteht durch eine gute Aus- und Fortbildung ebenso, wie durch eine angemessene Ausstattung und Entlohnung des Personals. Sowohl auf der Leitstelle, als auch auf dem Rettungswagen und Krankentransportwagen.

Aber vielleicht muss man, wie so oft in der Kommunalpolitik erst mal alles an die Wand fahren, bevor man auf die Praktiker mit profunder Kenntnis der vorhandenen Strukturen hört. Politiker und Gutachter wissen ja immer alles besser, nicht wahr…?

Wohin, wohin…?

Es ist nicht leicht, dieser Tage Sozialdemokrat zu bleiben. Man möchte, nein man müsste eigentlich verzweifeln. Man möchte davon laufen, sie anschreien, vielleicht sogar ein bisschen verprügeln. Vor allem aber möchte man all die Großkopferten in der Partei fragen, ob sie den Knall gehört haben. Ich meine den Knall, als die Glaubwürdigkeit des Vorstandes und des Präsidiums endgültig ex-, oder besser implodiert ist.

Andreas Nahles? Echt jetzt? Ja bitte, ich möchte gerne eine Frau an der Spitze der SPD sehen, aber bitte keine, die sich verbraucht hat im Klein-Klein der abgelaufenen GroKo, die weder bei den politischen Kontrahenten, noch in der eigenen Mannschaft besonders wohl gelitten ist.  Diese Frau Nahles darf gern alles mögliche werden; Gardrobiere im Friedrichstadt-Palast wäre zum Beispiel durchaus angemessen. Aber nicht Vorsitzende der SPD. Es sei denn wir wollen im August 2019 das endgültige Begräbnis der alten Dame der europäischen Sozialdemokratie feiern.  Wenn es denn überhaupt so lange dauern würde.

Man möchte mich bitte nicht falsch verstehen: wenn die SPD nicht zu retten ist, dann soll sie untergehen. Ich persönlich glaube ja durchaus, dass eine Gesundung möglich ist, allerdings weder mit der momentanen Visions-Armut noch mit dem aktuellen Führungspersonal. Und da ich es leider für höchst  unwahrscheinlich halte, dass die Schuldigen von alleine von der süßen Frucht der Macht lassen können, müssen es halt erst mal 8,7% im Bund werden, bevor die Gesundung beginnen kann. Denn nur durch den Totalabsturz werden wir die ganzen Unfähigen Möchtegern-Führer los, die die wahre Bedeutung der Sozialdemokratie vergessen haben. Darauf trinke ich. Gute Nacht…

Wenn du denkst…

alles wäre erste Sahne, kommt das Schicksal und lehrt einen Eimer Arbeit auf deinem Schreibtisch aus… oder dein Chef! Und wie es der Zufall so will, kommt der Eimer voller Arbeit meistens zusammen mit seinem Zwilling zu Besuch: dem Eimer voller Ärger! Wie auch immer, der Januar war einer der verheerendsten Monate seit langem. Workload, Emotionen, externe Anforderungen, Family; alles am Limit. Ich bin froh, jetzt wieder halbwegs Land zu sehen, auch wenn manche Fragen für’s Erste ungeklärt bleiben (müssen).

Ich höre dieses kleine Männchen in meinem Hinterkopf, dass mich die ganze Zeit antreibt, doch zu bloggen, mich auszukotzen, alles rauszulassen, mal wieder richtig öffentliche Psychotherapie zu betreiben, doch irgendwie habe ich darauf im Moment keinen Bock. Von Jenen, die ich im Moment gerne auf den Mond schießen würde, sind einige viel zu sehr von ihrer eigenen Brillanz geblendet, als dass ihnen klar sein könnte, wie sehr mich ihre Ansagen und ihr kleinliches Rumgebitche nerven. Und die anderen will ich eigentlich behalten. Für gewisse Probleme gibt es halt keine einfachen Lösungen, auch wenn die Scheißequirler aus der neoliberalen und aus der neofaschistischen Fraktion uns derlei gerne glauben machen würden.

Womit ich mich darauf zurückziehen muss, es besser zu machen, besser zu werden, besser zu sein. Die Alternative ist ein Fangschuss Kaliber .44. Und auch, wenn mein Hirn gerne mal kleinbürgerliche Großmachtphantasien ausspeit (was denkt ihr wohl, warum ich Fantasy-Rollenspieler bin?), habe ich keine Lust auf die, daraus leider zwangsläufig resultierenden juristischen Implikationen. Also bleibt die Wumme im Safe und der Kopf im Achtsamkeits-Modus; zwangsweise…

By the way – das Aufbäumen im Dezember und Januar waren keinesfalls die endgültigen Todeszuckungen hier auf dieser Seite. Denkt an die eingangs erwähnten Eimer. Immerhin ist mein Studium fertig. Call me Bachelor; jedoch ohne Rosen, Rummachen und Rausschmeißen (warum haben die Macher dieses Formats eigentlich noch keinen Preis für den idiotischsten Titel bekommen? Oder ist diese Scheiße auch aus Ami-Land geklaut?). Wir hören uns bald. Macht keinen Scheiß und im Falle von Neuwahlen… denkt einfach mal nach! Gute Nacht!

PS: Der SPD geht’s wie meinem Blog: sie zuckt, ist aber noch nicht tot!

Ziele. Ziele! Ziele? #3 – Bildung

Bildung und besser werden hängen doch zusammen, oder? Sagen wir mal so: wenn man sich als Individuum, wie es gegenwärtig gerade chic ist auf seine ökonomische Funktion reduzieren lassen möchte, dann stimmt das. Das Anhäufen von mehr Bildungszertifikaten erlaubt, einer eher meritokratischen Denke folgend, höhere Erlöse auf dem Arbeitsmarkt erzielen und sich damit ein besseres Leben leisten zu können. Wobei besseres Leben hier in erster Linie die Fähigkeit zu mehr Konsum meint. Betrachtet man mal kurz den Zusammenhang zwischen Konsum und Ressourcenverbrauch, wird recht schnell klar, dass besseres Leben und Bildung vielleicht doch eher auf andere Art zusammenhängen (sollten)…

Das Versprechen sozialen Aufstiegs, das Eng mit den Bildungsreformen der jungen Bundesrepublik verknüpft war, zeigt sich heute als Chimäre. Rein wirtschaftliches Vorankommen als Gradmesser für Bildungserfolg verkennt die Notwendigkeit, zu nachhaltigem, ökologisch verantwortlichem Handeln kommen zu müssen, wenn für meine Kinder irgendwann noch eine Zukunft bleiben soll. Doch unser Bildungswesen ist mittlerweile zuvorderst darauf ausgerichtet, weitere „Funktionseinheiten“ zu produzieren, die sich möglichst reibungslos, wie Ersatzteile, in die Mechanismen der Wertschöpfungsketten integrieren lassen. Der Schutz und die Weiterentwicklung unseres Landes als Wirtschaftsstandortes sind nicht nur zur ersten, sondern mancherorts leider zur einzigen Prämisse geworden. Diskussionen über Sinn und Zweck von Bildung werden nur noch auf der wissenschaftlichen Fachebene geführt und in der Öffentlichkeit kaum rezipiert. Meist weil sie viel zu verkopft und zu abgehoben daher kommen, als dass der Otto-Normalverbraucher etwas damit anfangen könnte.

Dabei ist alles ganz einfach: Bildung soll den Menschen dazu befähigen, sich seiner Welt zu bemächtigen; und dies im positiven Sinne. Die Vermittlung des geistigen Handwerkszeuges, durch welches jeder selbst sinnvolle politische, soziale und wirtschaftliche Entscheidungen treffen kann – das sollte eigentlich die Aufgabe von Bildung sein. Das schließt explizit auch die Möglichkeit ein, sehr divergierender Meinung sein zu dürfen. Demokratie bedeutet, andere Meinungen, auch wenn man sie nicht versteht, anerkennen und aushalten zu können.  Demokratie bedeutet all diese Meinungen unter einen Hut zu bringen, um ein Zusammenleben gewährleisten zu können. und Bildung bedeutet, alle dazu zu befähigen, dieses Zusammenleben ausgestalten zu können, ohne sich gleich den Schädel einschlagen zu müssen.

Was nun für irgendjemanden ein gutes Leben ist, darüber kann man ebenso trefflich streiten, wie über die Frage, wie viel Zuwanderung unser Land braucht, bzw. verträgt, oder was Nachhaltigkeit für jeden einzelnen bedeutet. Bildung ist der Schlüssel, verstehen zu können, dass diese Fragen nicht isoliert betrachtet werden können, sondern zusammenhängen. Bildung ist ferner der Katalysator, der angemessene gesellschaftliche Reaktionen befördert – und die Diskussion darüber ermöglicht, was angemessen ist und was nicht. Und damit ist eigentlich schon klar, dass Bildung für alle eine Chance auf ein gutes (vielleicht sogar besseres Leben) ist; und für diejenigen, die sie verbreiten können eine Verpflichtung, dies auch nach bestem Wissen und Gewissen zu tun. Das will ich auch tun!

Die linke Mitte…

…unserer Gesellschaft existiert so, wie Herr Hofreiter diese denkt  nicht mehr.  Unabhängig davon, wo der Angehörige einer bestimmten Partei nach unserem alten Richtungs- und Farb-Kompass im politischen Spektrum hingehören würde, sind die Wähler schon lange nicht mehr so einfach einzuordnen. Das Fortschreiten der demokratischen Entwicklung hat hierzulande seit den 50ern des 20. Jahrhunderts zu einer Pluralisierung der Gesellschaft beigetragen. In frühen Sozialtheorien sehr homogene Gruppen wie Bürger, Bauern, Arbeiter gibt es nicht mehr – vielleicht hat es diese auch nie wirklich in der Form gegeben. Heute spricht man von sozialen Milieus, in denen jeweils auch noch Unterströmungen zu finden sind. Jedenfalls kann man aber mit Sicherheit sagen, dass eine Zuordnung wie: Arbeiter => Unterschicht => SPD-Wähler spätestens seit den frühern 90ern keine Gültigkeit mehr haben.

Es gibt die linke Mitte der Gesellschaft mit einem potentiellen Wähler-Anteil von , sagen wir mal 30-35% einfach nicht mehr, weil die gesellschaftliche Pluralität jedem Individuum heutzutage viel mehr Optionen lässt. Betrachtet man Pluralität als Folge von Demokratisierung, folgt daraus, das Karma ein Bumerang ist! Denn die ehemaligen Volksparteien, welche im Laufe ihrer eigenen Entwicklung die Demokratisierung befördert haben, erreichen damit automatisch ihr eigenes Verfallsdatum.

Das bedeutet mitnichten, dass die Demokratie fertig hat; vielmehr erscheint mir, nach längerem Überdenken aller Aspekte eine Minderheitsregierung als das passende Abbild einer solchen Gesellschaft. Eine regierende Partei wäre bei jeder größeren Entscheidung, die in der öffentlichen Debatte immer auch eine ideologische Aufladung erfährt gezwungen, neu nach Mehrheiten zu suchen. Auch Ideologien müssen im Namen der Sache verhandelbar ein. Das nährt in mir die Hoffnung, dass dadurch wieder eine sachorientiertere Politik möglich sein könnte, weil keiner an Koalitions-Zwänge oder ähnliches gebunden wäre.  Die jeweilige Sache wäre von Belang!

Natürlich ist es utopisch anzunehmen, dass Partei-Ideologie dann keine Rolle mehr spielen würde. Ganz im Gegenteil hätten alle Partein die Chance, ihre Konturen öffentlich besser zu schärfen, indem man ihren Anteil an Sachgrund-basierten Entscheidungen wieder besser wahrnehmen könnte. Es ist schon traurig, dass auf Grund der Posten und Pöstchen, die jeweils winken in der politischen Klasse überwiegend kein Interesse an der Sache, sondern nur an sich selbst herrscht [Dies ist eine Unterstellung, über Gegenbeweise würde ich mich sehr freuen!].

In jedem Fall wäre es ein Prüfstein: Totgesagte [SPD] könnten zu neuem Leben finden und angefeindete [AfD] könnten, insbesondere bezüglich Ihrer derzeit fragwürdigen ideologischen Ausrichtung an der Realität gesunden. Selbst für die FDP wäre hier ein Platz, denn auf einem freien Politikmarkt dürfte sie offen und ehrlich Klientelpolitik betreiben und würde vielleicht endlich einmal offenbaren, wofür sie eigentlich steht. Ich sehe im Moment nur Chancen, keine Risiken. Denn seien wir einmal ehrlich: noch vier Jahre GoKo halte ich wohl nicht wirklich aus! Schönen Tag noch…

Ziele. Ziele! Ziele? #2 – Gestaltungsspielräume

Was bedeutet den „Gestalten“ überhaupt? Ich meine, jemand, der sich richtig viel Mühe mit seiner Innenraum-Einrichtung gibt, der seinen Garten in ein kleines Paradies verwandelt, der seine kreative Ader mit allen möglichen Mitteln auslebt, der gestaltet doch, oder? Ja natürlich und nicht selten ist das nicht nur für denjenigen selbst, sondern auch für seine Umwelt ein nicht zu verachtender Benefit. Seien wir ehrlich: die Aufhübschung unseres privaten Raumes ist wichtig für unsere Lebensqualität! Wer will schon in einem Loch vor sich hin vegetieren. Allerdings kann man die Schraube auch überdrehen und landet dann, u. U. beim Cocooning.

Mir geht es bei Gestaltungsspielräumen nicht um die mannigfaltigen Möglichkeiten, sein Heim zu einem Ort der Geborgenheit zu machen. Mein Thema ist die Einflussnahme auf meine Umwelt. Man könnte das jetzt (vielleicht auch bewusst) missverstehen und mir manipulatives Verhalten unterstellen; oder vielleicht den Einstieg in den Lobbyismus. Auch so ein Begriff, der in den meisten Köpfen eine eher negative Konnotation hat, wenngleich es eigentlich häufig sinnvoll wäre, sich selbst zur Lobby zu werden. Genau da möchte ich hin: ich möchte auf meine Umwelt gestaltend einwirken, um sie ein bisschen besser zu machen. Ich denke dabei untere Anderem an menschenwürdiges Arbeiten, an gesellschaftliche Teilhabe, an verbesserte Lebenschancen durch Bildung (insbesondere durch lebenslanges Lernen) und auch an Verteilungsgerechtigkeit.

Die einzig sinnvolle Möglichkeit, positiv Einfluss zu nehmen ist die Einnahme einer Position (egal ob in der Gesellschaft als Ganzem, oder „nur“ in einer bestimmten Organisation), die es einem gestattet, auf die jeweiligen Rahmenbedingungen bestimmter, eben genannter Aspekte gestaltend einzuwirken. Ein Beispiel: die Arbeit in der Personalentwicklung könnte einer älter werden Gruppe Erwerbstätiger in einem bestimmten Betrieb Wege aufzeigen, sich so zu entwickeln, dass eine möglichst lange Erwerbstätigkeit unter Erhalt der Lebensqualität (durch Vermeidung Arbeits-induzierter Erkrankungen) möglich wird. [Das hier Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Interessen konfligieren können, ist mir bewusst!]

Menschen neigen dazu, ihre aktuellen Lebensumstände in einer Totalität wahrzunehmen, die es ihnen sehr scher macht, sich überhaupt vorstellen zu können, dass diese wandelbar sind. Doch das sind sie! Nicht über Nacht und nur in den seltensten Fällen in großen Schritten, aber wir können unsere Lebensumstände ändern. Die zwei Schlüssel dazu sind einerseits, eine Vorstellung davon zu haben, oder zu entwickeln, wo man hin will und andererseits den Willen aufzubringen, auch etwas dafür zu tun. Und das ist schwer! Aber nicht unmöglich! Und das Beste: zusammen geht es leichter! Denkt doch mal drüber nach. Bye-bye.

Ziele. Ziele! Ziele? #1 – Besser werden!

Selbstoptimierungszwang also? Getrieben von der dringenden Notwendigkeit, irgendwelchen fremdbestimmten Idealen hinterher rennen zu müssen, geißele ich mich nun unablässig mit dem Müssen? Mehr arbeiten müssen, abnehmen müssen, politisch korrekt sein müssen, der Gesellschaft dienlich sein müssen…? Also ganz ehrlich, da halte ich es lieber mit der Band „Großstadtgeflüster“ und deren Song „Ich muss gar nix!“ Die Darstellung des gedanklichen Konzeptes „Besser werden“ in den verschiedensten Medien, im Rahmen von Workshops und Trainings wird ideengeschichtlich mit dem Aufkommen der Allgemeinen Pädagogik z.B. durch die Arbeiten Johann Friedrich Herbarts verknüpft. Erst mit der Aufklärung trat die Idee in die Welt, dass es ein individuelles, nicht mit der christlichen Lehre verknüpftes Schicksal gibt, dass jeder – zumindest ein Stück weit – selbst bestimmen kann.

Denn erst mit einer individuellen Perspektive auf die Zukunft, die sich nicht durch die Beurteilung des Umfangs der, im Laufe der irdischen Existenz angehäuften Sündenlast beim jüngsten Gericht realisiert, wurde der Blick frei für die Entwicklung, die der Einzelne in Laufe seines Lebens nehmen kann. Die Veränderung weg von einer vormodernen Stände-Gesellschaft hin zur Demokratie beschleunigte diese Entwicklung. Doch mit der Freiheit von religiös motiviertem Fatalismus traten neue Zwänge auf den Plan. Mit der weiter bestehenden Notwendigkeit, einen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen und dem Wegfallen der alten Strukturen war die Aushandlung neuer Strukturen eine logische Konsequenz.

Aus dem Adel wurden die Unternehmer, aus den Bauern die Arbeiter, etc. Mit der zunehmenden Demokratisierung wurden bestimmte Probleme dieser neuen Strukturen (soziales Elend durch wirtschaftliche Abhängigkeit, etc.) zwar gedämpft, doch ein Zwang blieb übrig, der in den letzten zehn bis fünfzehn Generationen zum Leitmotiv unseres Zeitalters wurde: der Zwang zur Leistung! Zwar wurde dieser immer wieder mit dem Versprechen auf die Linderung, ja sogar die Aufhebung sozialer Ungleichheit verknüpft, doch wurde dieses Versprechen bis heute nicht eingelöst. (Hierzu mehr bei Harald Welzer, S. 15ff.)

Besser werden bedeutet für die allermeisten Menschen heutzutage, in den Wettbewerb mit dem Mainstream um die Werte des Mainstreams zu treten: Aufstieg durch Leistung, dadurch die Möglichkeit mehr zu konsumieren, was den Wunsch auslöst, noch mehr, noch anderes konsumieren zu können, was zu dem Antrieb führt noch mehr zu leisten, um… Man nennt so etwas einen Circulus Vitiosus, insbesondere da der Schluss, dass mehr Leistung zu mehr Einkommen und damit zu mehr Bedürfnisbefriedigung führt ein doppelter Trugschluss ist; zum einen führt ein Mehr an Leistung nur in eher schmalen Grenzen zu mehr Einkommen, oft aber zu viel mehr Arbeit und damit Last und zum anderen ist unser Belohnungszentrum ein Arschloch! Das Wettrennen um den besseren Job nutzt nur dem Boss, da es für die Teilnehmer, zumindest bezogen auf die Hirnfunktion ähnlich abläuft, wie Zwangsstörungen, oder Süchte: mehr Befriedigung löst einen Kick aus, der nach noch mehr Befriedigung verlangt. Das logische Ziel, wenn man sich nicht zur rechten Zeit unter Kontrolle bringt: eine Erschöpfungsdepression oder ein Burnout! Um diesem Blödsinn zu entgehen, sind aus meiner bescheidenen Sicht mehrere Dinge notwendig:

a) Klare Ziele, wobei ich mir den Topf nicht zu hoch hängen sollte.

b) Regelmäßiges Self-Assessment. Wo stehe ich? Wie fühle ich mich?

c) NEIN sagen lernen! Ich bin mir selbst und den anderen nur nützlich, wenn ich lange genug leistungsfähig bleibe, auch mittel- und längerfristige Zielsetzungen umsetzen zu können.

d) Zeitmanagement lernen. Wofür brauche ich wie lange? Wie viel davon passt in einen Tag? Was muss heute, was kann auch morgen (oder später)?

e) Effizienter werden. Lange im Büro zu sitzen (oder sonstwo) bedeutet mitnichten, dass auch viel erledigt wurde.

f) Falls irgendwie möglich prokrastinieren, wenn die Konzentration sinkt!

All das ist logisch, man braucht dafür eigentlich keinen Coach, keine teuren Ratgeber-Bücher, keine Workshops und auch keine teuren Gimmicks. Aber da wir Menschen manchmal nicht ohne unsere Fetische können: bitte, gebt euer sauer verdientes Geld für Gimmicks aus, die euch dabei helfen, euch besser zu fokussieren, damit ihr leistungsfähiger werden und euren Ertrag auf dem Arbeitsmarkt steigern könnt, damit ihr euch noch bessere Gimmicks…! Schon kapiert oder?

Besser werden bedeutete NICHT mehr arbeiten! Besser werden bedeutet, alles, was man tut bewusster und gewissenhafter zu tun. Dann wird es ganz von selbst auch besser. Schönen Tag noch, ihr I-Phone-Lover…

Ziele. Ziele! Ziele? #0 – Was will er denn jetzt?

Man kommt ja nicht umhin, gelegentlich mit sich selbst und seinen Lebensumständen zu hadern. Das ist, objektiv betrachtet, stets zum Scheitern verurteilt, weil man einen guten Teil seiner Lebensumstände nicht wirklich beeinflussen kann (z.B. die eigene Herkunft) und ein nicht unerheblicher anderer Teil auf den eigenen Entscheidungen basiert. Ich könnte jetzt natürlich meine Sozialisation dafür verantwortlich machen, dass ich nur ein kleiner Sani bin; aber irgendwie habe ich dann die Worte meines Vaters im Ohr: „Lern was Gescheites, mein Sohn!“. Tja, war schon ’n weiser Mann, nicht wahr?

Hadern kommt von Hapern, denn wenn man mit seinem Leben hadert, hapert es an irgendwas, also zumindest subjektiv besteht ein Mangel. Ganz oft macht man so einen Mangel im materiellen Bereich aus: die Größe der eigenen Wünsche und die Kapazität, diese zu erfüllen, wollen einfach nicht kongruent werden. Wäre ich doch nur Hedgefonds-Manager geworden, oder so…

Blödsinn bei Seite: Wenn mir irgendwas von dem, zu dem ich in den letzten sagen wir mal 30 Jahren gewachsen bin wirklich etwas wert ist (und ich rede jetzt nicht von meiner Frau und meinen Kindern, die stellen eine eigene Liga dar), dann meine Fähigkeit, mich allem pekuniären Jammer zum Trotze als wertvoll empfinden zu können, weil ich meine zutiefst humanistische Grundeinstellung, meine sozialen Fähigkeiten, meine Bildung und meine  Kreativität als Werte an sich erlebe, die keine Maßzahl haben – und auch keine brauchen! Ich realisiere mich als Individuum im Miteinander mit Anderen, in dem Gefühl gebraucht, respektiert, von manchen auch geliebt zu werden (ob platonisch oder erotisch spielt dabei keine Rolle); nicht jedoch in den Zahlen auf diesem Papier, dass mein Arbeitgeber zu jedem 15. eines Monats in meinem Personalfach zu deponieren beliebt. Sind übrigens so roundabout 2600,00€/Monat.

Das führt aber natürlich unweigerlich zu der Frage, welche Ziele ich denn habe. Man könnte meine bisherigen Ausführungen ja auch so interpretieren, dass ich mir selbst genüge, keine Ambitionen mehr habe, auch genauso gut auf BGE rumlungern könnte, etc. Was aber Käse wäre, denn immer mal wieder für eine gewisse Zeit den Zustand des in-sich-selbst-Ruhens zu erreichen, bedeutet mitnichten, dass es keine Ambitionen mehr gibt, noch etwas zu erreichen. Ich habe noch einiges vor: besser werden, in dem was ich tue! Irgendwann eine Position, die mir noch mehr Gestaltungsspielräume gibt! Mittelfristig raus aus dem Schichtdienst (denn seien wir ehrlich: gesund ist das nicht)! Etwas von dem, dass ich bekommen habe zurückgeben – denn der Staat hat mir durch Bildung alle möglichen Chancen eröffnet und dieses Geschenk sollte man positiv beantworten! Und schließlich all das in Einklang mit meinem Wollen und Sollen als Familienvater bringen!

Klingt nach einer Menge Ziele, oder? Wenn ich eines genau weiß, dann dass ich die nicht alleine erreichen kann. Aber es beginnt damit, sich Ziele zu setzen und loszuarbeiten, denn wie die alten Chinesen so schön sagen: “ Auch bei einem Weg von 1000 Meilen kommt man um den ersten Schritt nicht herum.“ Eigentlich bin ich ja nicht so der Glückskeks-Typ. Aber der Spruch stimmt einfach. und darum will ich mich in den nächsten Tagen – ohne einen besonderen Zeitplan einhalten zu wollen, oder zu müssen – mit den Begriffen „Verbesserung“, „Gestaltungsspielraum“, „Bildung“ und, einmal mehr, diesem Unwort des frühen 21. Jahrhunderts „Work-Life-Balance“ beschäftigen. Tallyho! Wir lesen uns…

Vom Staat geschenkt – dann schaff ich nix mehr…

Genau dieses Vorurteil findet man doch recht häufig, wenn die Sprache auf das Bedingungslose Grundeinkommen, kurz BGE kommt. Das Thema geistert seit einiger Zeit immer häufiger durch die Medien und scheint mittlerweile immer mehr Anhänger zu gewinnen. Und das übrigens nicht nur unter jenen, die davon profitieren würden. Ebenso selbstverständlich gibt es aber auch jene, die es ablehnen. Die Argumentation ist deswegen schwierig, weil kein Staat so etwas bisher versucht hat und alle Modelle zu den möglichen Auswirkungen auf den Erkenntnissen beruhen, die auf Basis „normaler“ Marktwirtschaft gewonnen wurden. Aus wissenschaftlicher Sicht muss man das BGE also als Wildcard betrachten, oder wahlweise auch als Büchse der Pandora. Je nachdem, wes Geistes Kind man ist.

Ein Artikel – wieder mal auf Zeit online – beleuchtet die Erfahrungen des Vereins Bedingungsloses Grundeinkommen, der bislang ca. 130 Menschen eine solche Chance zugelost hat. Die darin berichteten Erlebnisse und Entwicklungen der Menschen, denen dieses Geschenk zu Teil wurde lassen die Vermutung aufkommen, dass das im Titel benannte Vorurteil so wohl nicht haltbar ist. Wie immer findet sich der interessantere Part in der Kommentar-Spalte, wo Befürworter und Gegner sich ordentlich verbal auf die Mupfel geben. Interessant dabei finde ich, dass die Kommentatoren offenkundig besser über bundesrepublikanische Sozialpolitik bescheid wissen, als so mancher Fachmann.

Zu den Zahlen: 2016 hatte die BRD ein Soziabudget von knapp 889 Milliarden Euro. Darin enthalten sind alle Leistungen wie Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung, ALG, etc. Die Verwaltungskosten betrugen ca. 38 Milliarden Euro, oder ca 4,3%. Immer wieder wird davon gesprochen, dass wenn jeder der 82 Millionen Bundesbürger (vom Säugling bis zum Greis) in den Genuss eines BGE kämen dies ca. 1 Billion Euro/Anno kosten würde und das dies schlicht nicht finanzierbar wäre und das es den Sozialstaat kaputt machen würde und das es die Produktivität der Menschen hemmen und somit die Folgekosten noch verschlimmern würde.

Hierzu ein paar Denkanstöße:

Könnte es nicht sein, dass insbesondere jene Unternehmen, die Ihre Mitarbeiter prekär beschäftigen Angst haben müssten, noch jemand zu finden, der zu diesen Bedingungen für sie arbeitet. Und dass Vertreter dieser Branchen mit Sicherheit Lobbyisten haben, die deshalb für sie gegen ein BGE trommeln. Denn wenn ich nicht wirklich jeden Job – und sei er noch so beschissen – annehmen muss, zum über die Runden zu kommen, käme es höchstwahrscheinlich zu einer Preissteigerung in den betroffenen Wirtschafts-Segmenten (alle Dienstleistungen, wie Call-Center, Zusteller, Sicherheitsfirmen, Friseure, etc.). Ob dies aber mittelfristig zu einem Zusammenbruch einer solchen Branche führen würde, oder doch eher zu verbesserten Erwerbsmöglichkeiten der dort Beschäftigten und damit steigender Kaufkraft und ebenso steigendem Steueraufkommen – wer will das jetzt schon sagen können?

Könnte es nicht sein, dass eine solche Veränderung des Arbeitsmarktes zu einer Aufwertung der Lohnarbeit insgesamt führt? Was zur Folge hätte, dass der Stolz auf die eigene Erwerbsarbeit eher eine Motivations- und damit auch eine Produktivitätssteigerung zur Folge haben könnte.

Könnte es nicht sein, dass eine Gesellschaft, deren größter Teilnehmerkreis nicht mehr von der Angst um das Fortbestehen der eigenen Erwerbsfähigkeit regiert und gegängelt wird eine Zunahme gesellschaftlicher Teilhabe in allen Bereichen erführe: politisches und soziales Engagement könnten einen wahren Boom erleben.

Bin ich zu optimistisch? Vielleicht; aber wenn ich mir die Menschen, die ich kennen lernen durfte so anschaue, habe ich den Eindruck, dass die Meisten mich nicht enttäuschen würden. Leistungsverweigerer kennt unsere Gesellschaft auch heute schon zur Genüge. Was aber in nicht unerheblichem Umfang der Tatsache geschuldet ist, dass das Versprechen von Aufstieg durch Leistung schon lange nicht mehr gilt. Schafft man hier einen Ausweg, der die Idee von Leistung als Gradmesser für gesellschaftliche Nützlichkeit einem humanistischeren Menschenbild nachordnet, bin ich davon überzeugt, dass der Wille zur Leistung ganz von selbst entsteht. Das Entfernen von Zwang schafft Freiheit; und nur ein freier Geist leistet wirklich etwas sinnvolles und nachhaltiges. In diesem Sinne wünsche ich ein erfolgreiches und glückliches Jahr 2018!