Fresh from Absurdistan N°14 – Das Undenkbare…

…kehrt zurück in unsere Welt. Das Unaussprechliche feiert Urständ und unsere sogenannten Eliten nehmen daran teil. Ein kurzer Exkurs auf das Gebiet der sogenannten Wirtschafts- bzw. Unternehmensethik mag uns ernüchtern, falls wir glauben, dass Wirtschaftslenker die Humanität auf ihrer Agenda haben, wenn sie jetzt nach rascher Lockerung des Lockdowns rufen. Es erinnert ein bisschen an die Geschehnisse rings um den Ford Pinto in der 70ern des vergangenen Jahrhunderts. Die Firma Ford wollte aus wirtschaftlichen Erwägungen lieber Schadenersatz für verlorene Leben zahlen, als ein fehlerhaftes Fahrzeug überarbeiten zu lassen. Wer die Parallelen zur Forderung nach schneller Liberalisierung der Distanzierungs-Regeln nicht erkennt, dem kann ich auch nicht helfen.

Peter Sloterdijk, der trotz seines mittlerweile oft nur noch dreist-dämlichen Geseiers immer noch als Intellektueller von Rang betrachtet wird, schießt den Vogel ab, wenn er – zusammen mit Anderen – den Regierungen Europas vorwirft, im Angesicht einer bloßen Grippe viel zu viel zu tun. Wie zynisch muss das Menschenbild sein, wie analytisch erkaltet die Denke über unsere Welt und ihre Wesen, wenn man sich tatsächlich dazu herablässt, den Preis eines Menschenlebens ausrechnen zu wollen? Ich mag nicht ermessen müssen, was in den Köpfen dieser Menschoiden vorgeht. Es kann mit Mensch-Sein als solchem allerdings nicht mehr allzu viel zu tun haben.

Ich ging heute durch den Wald, allein mit meinen Gedanken, weil ich selbst von einer dieser Stimmungen heimgesucht wurde, die mich schon seit Jahrzehnten begleiten. Der Moment ist, da ich diese Worte schreibe, schon wieder vorbei; aber bei allem was mir heilig ist, heute war ein Scheiß-Tag! Vielleicht nagt der Lockdown auch an meinen mentalen Reserven mehr, als ich mir das eingestehen möchte. Vielleicht habe ich es auch nur in den letzten Tagen verabsäumt, ausreichend sozial-psychologische Selbst-Hygiene zu betreiben.

Ich muss für Solitude nicht weit gehen…

Mir geht es aber immer noch so, dass ich die meisten Dinge am besten mit mir selbst abmachen kann; zumindest rede ich mir das seit bald 46 Jahren mit Erfolg ein. Heute hat es einmal mehr geklappt. Der Stress fiel ab, die Traurigkeit wurde vom Wind fortgetragen; nur die Wut… meine unbändige Wut auf die Idioten dieser Welt blieb. Wie sie das immer tut. Es ist nicht so, dass ich sie nicht zähmen könnte. Die allermeiste Zeit ist sie ein Raubtier im Käfig, dass von innen herausschaut und genau weiß, dass jene, die hereinschauen viel mehr Angst haben. Doch wenn ich an das Undenkbare denke, werde ich glühend heiß wie mein kleiner Grill und meine Wut möchte alles verzehren, was an Ausgeburten der Dummheit meinen Weg kreuzt.

Ich bin ein zivilisiertes Tier. Ich kann meine Affekte perfekt kontrollieren und auch dem größten Arschloch kalt lächelnd den Olivenzweig reichen, wenn es denn sein muss. Aber die ganzen Menschoiden, die jetzt wegen der wirtschaftlichen Probleme rumheulen, hätten eventuell mal ein Geschäftsmodell ausarbeiten können, dass auf Nachhaltigkeit und nicht auf Profit ausgelegt ist. Das unsere Gesellschaft auch wirklich braucht. Das Menschen hilft, anstatt sie zum Konsum überreden zu müssen. Man könnte mir jetzt entgegnen, dass doch aber auch die ganzen lokalen Geschäfte und Gaststätten wegsterben. Ja, das ist leider sicher richtig. Doch seien wir mal ganz ehrlich – niemand hat sich in den letzten 30, 40 Jahren wahre Gedanken darüber gemacht, was wir wirklich brauchen. Wachstum war das Mantra; und damit hatte es sich auch schon.

… und kann mich einer Illusion der Weite und Menschenleere hingeben.

Jetzt sortiert Sars-CoV2, quasi als Pandemie-Beiwerk, mit beängstigender Effizienz unser Wirtschaftssystem neu und alle reden nur darüber, wie viele Verlierer das mit sich bringen wird. Dass wir als Gesellschaft auch gewinnen könnten, wenn sich unser Wirtschaften in der Zukunft mehr an Nachhaltigkeit, Brauchbarkeit und gesellschaftlichem Nutzen orientierte, wird dabei gerne allzu oft vergessen. Denn das stellt die alten Ordnungen in Frage. Und an unseren Traditionen hängen wir, ganz gleich wie viele Menschen diese töten. Nun ja, wenigstens das verdammte Oktoberfest haben sie für dieses Jahr abgesagt. Wir werden sehen, wohin der Zug fährt. Denn im Gegensatz zu meinen Bildern herrscht auf der Corona-Landkarte immer noch dichter Nebel – nur ein paar Spacken wollen schon wieder Vollgas fahren. Hoffen wir, dass irgendjemand das zu verhindern weiß.

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Fresh from Absurdistan N°11 – …ist denn gar Freitag?

“Süss und Fruchtig” steht auf einer Weinflasche, welche die beste Ehefrau von Allen zum Behufe der Herbeiführung einer “Kastrierter-Feiertag”-Amnesie mit nach Hause gebracht hat. Der Wein ist ein Trollinger; kann man zu stehen wie man will, aber mein erster Gedanke war, dass Trollinger im Internet eher “Bös und Suchtig” sind. Nun ja. Es ist wahrscheinlich, dass mein Osterfest ein ruhiges – vielleicht, vielleicht sogar harmonisches – wird, was ich allen anderen natürlich auch wünsche. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, dass die Menschen unter ruhig und harmonisch jeweils etwas anderes verstehen.

Ich hatte hier gerade neulich von der Macht der Bilder gesprochen. Und dass auch Bilder nicht nicht kommunizieren können. Nun bin ich natürlich, auch wenn ich immer gerne behaupte, dass es mir bisher noch nicht gelungen ist, auf der Erde nennenswert viel intelligentes Leben zu finden, bei weitem nicht der Einzige, der das kapiert hat. Es gibt einen ganzen Wirtschaftszweig, der sich nur um diese Erkenntnis dreht: Marketing! Welchen Schaden diese Profession manchmal anrichten kann, lässt sich an Hand dieses Artikels auf Zeit Online ganz gut erahnen: nur so viel, ernste Wissenschaft und Marketing kann man nicht Hand in Hand betreiben, weil Marketing IMMER ETWAS VERKAUFEN MUSS! Grausiger Gedanke. Nun kann man Marketing als notwendiges Übel des postmodernen Kapitalismus betrachten. Oder man liest mal dieses Buch von Mark Fisher – oder soll ich lieber k-punk sagen?

Man mag zu unserer Gesellschaftsordnung ja denken, was man will. Die oft propagierte “Alternativlosigkeit” politischen und gesellschaftlichen Handelns, welche man uns immer wieder – mal mehr, mal weniger geschickt medial aufbereitet – serviert, will mich aber nicht mehr so recht überzeugen. Dass ich Sozialdemokrat bin und das heutzutage nur noch wenig mit SPD-Wählen zu tun hat, habe ich an vielen Stellen schon durchblicken lassen. Doch der Gedanke, dass der allseits behauptete Realismus des Systems Kapitalismus nur eine Illusion ist, die uns von dessen Notwendigkeit – und damit von der Notwenigkeit der Konformität, Selbstausbeutung, Selbstoptimierung und Ökonomisierung unseres Daseins – überzeugen soll, verfängt auf mehr als einer Ebene. Ich empfehle es daher als Lektüre. Auch für jene, die einen Schrein des Kapitalismus in ihrem Herzen errichtet haben. Denn sich selbst zu hinterfragen, steht jedem gut zu Gesicht.

Mir übrigens auch und daher muss ich an dieser Stelle (Karfreitag!) natürlich auch etwas Selbst-Kasteiung betreiben. Ich nutze dieses Medium nicht selten polemisch, manchmal nachgerade agitatorisch und stets als Vehikel für MEINE Meinung. Dies geschieht jedoch und das soll an dieser Stelle deutlich kommuniziert werden, nicht etwa, weil ich diese für absolut halte, sondern weil ich sie an Anderen reiben und differenzieren möchte. Da sich leider nur selten Widerspruch ergibt, bedeutet das für mich, dass es drei mögliche Interpretationen gibt:

  1. Ich habe aus dem – auch in der Realität stattfindenden Denken und Diskutieren – ein Gedankengebäude destilliert, das Hand und Fuß hat – vulgo: ich habe Recht (wenigstens ein bisschen).
  2. Die meisten Anderen sind einfach zu faul, zu abgestumpft oder schlicht zu blöde, um zu verstehen, wovon ich rede und können oder wollen sich deswegen nicht die Mühe machen, mich hier auf meinem eigenen Felde anzugreifen – was ich absolut lieben würde!
  3. Ich habe nicht die Reichweite, die ich mir erhoffen, erwarten, zutrauen würde.

Ich befürchte, dass es eine Mischung aus zwei und drei ist, weil Recht zu haben bedeuten würde, dass auch ich langsam dem Dogmatismus anheim zu fallen beginne; etwas, dass ich mit allen Mitteln zu verhindern versuche, denn Dogmatiker haben in meiner Welt per Definition nie Recht, weil sie Arschlöcher sind! Allerdings – und das gibt mir wiederum die Energie, hier weiter zu machen – glaube ich an die Macht der Ergotherapie. Um es einmal mehr auszusprechen: das hier ist eine öffentliche Sortierung und Reifung meiner Gedanken. Wenn andere daran teilhaben wollen, sind sie dazu herzlich eingeladen und ich würde mich freuen. Im Grunde meines Herzens aber weiß ich, dass es auch vollkommen ohne Publikum das wäre, was es jetzt ist: eine Spielwiese für meine Dämonen!

Es ist übrigens – dies sei hier noch mal erwähnt – Karfreitag. Und mit Bezug auf den ersten Absatz bin ich erstaunt. Ich hatte ernsthaft in den letzten Tagen wenige (tatsächlich gar keine) Trollinger vor der virtuellen Flinte. Stattdessen habe ich mich unversehens zu einer “Kettenmail” hinreißen lassen. Aber wenn die Helferherzen schon vor den Vorhang sollen… 😉 . Denn tief drinnen bin ich ja immer noch verdammt stolz auf meinen Ursprungs-Job und glücklich, dass ich im Laufe der Jahrzehnte (verdammich, bin ich tatsächlich schon so alt…? ) eine Menge netter und ein paar wirklich außergewöhnliche Menschen kennen lernen durfte. Daher wünsche ich allen – im Rahmen der Möglichkeiten – einen stressfreien und sonnigen Karfreitag. Wir sehen uns.

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Fresh from Absurdistan N°10 – Blockwart Ahoi!

“…du kannst einen -ismus einfach nicht bekämpfen!” Jo, dem ist eigentlich nix hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich nie gedacht hätte, dass ich irgendwann mal Blockwartismus in nazi-esker Form wahrhaft erleben müsste. Nun ist es nicht so, dass ich selbst schon ausgegrenzt wurde, weil ich zu den “Systemrelevanten” zähle. Ich hatte auch noch nicht die zweifelhafte Ehre, von der Polizei kontrolliert zu werden, weil sich Nachbarn, in wohlverdienter Erregung über die dauernden Qualmfahnen von meinem Balkon zur Denunziation bei den, eh schon überlasteten, Ordnungsbehörden entschlossen hätten. Und schließlich musste mich niemand auffordern, nur eine Packung Klopapier einzukaufen. Andere produzieren wohl doch mehr Scheiße als ich…

Und doch beschleicht einen das Gefühl, dass die Leute einander im öffentlichen Raum mit Misstrauen beäugen, sich anscheinend sehr genau überlegen, ob das Gegenüber (also ich) wohl gerade ein ächtbares Verhalten an den Tag legt; oder ob das schon OK ist, wenn der Typ im Waldpark spazieren geht? Vergessen die freie Gesellschaft, vergessen auch das Sommermärchen von 2006 und schließlich wurde auch das 2015er “Wir schaffen das!” vergessen – die einzige Aktion, für die ich Frau Merkel wirklich respektiere. Es fühlt sich fast so an, als wenn diese Krankheit mit all den Maßnahmen, die gerade Gültigkeit haben, eine allzu dünne Schicht freundlichen Putzes auf dem, immer noch inhuman kalten, vom Ruch der Geschichte umwehten Zweckgebäude unserer Gesellschaft wegblasen würde, als wenn’s nix wäre.

Die Tage hatte ich – wie immer auf Fratzengedöhns, oder wie auch immer diese verdammte Zeitverschwendungsmaschine auch heißen mag – eine Diskussion um einen Artikel von Heribert Prantl, in dem er vor den möglichen Folgen eines prolongierten Lockdowns für unsere Demokratie gewarnt hat. Und natürlich kamen sofort eilfertig Leute daher, welche die “alternativlosen” Argumente der Politiker Mantra-artig zu wiederholen begannen. Nicht dass mich hier jemand falsch versteht: die Maßnahmen an sich sind absolut sinnvoll! Und dennoch hat der Lockdown Folgen für unser Gemeinwesen, die jetzt noch nicht abzusehen sind; was die bange Frage aufwirft, ab welchem Zeitpunkt wir denn nun den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

Ich möchte hier nicht als Cassandra auftreten (auch, wenn ich den Namen mag). Und doch lassen sich bereits jetzt Erosions-Prozesse unserer Demokratie wahrnehmen (wie eben der, Anfangs beschriebene, Blockwartismus), die mich zu folgenden, möglicherweise etwas verstörenden Fragen führen:

  • Wann wird die Zahl der Suizide durch zerstörte Existenzen und vernachlässigte psychisch Kranke höher sein, als die der Todesfälle durch Covid-19?
  • Wie viel – oder wenig – Zeit braucht es noch, bevor sogenannte “Gegenöffentlichkeiten” den politischen Diskurs bestimmen können?
  • Wie sehr wird sich die Meinungsbildung durch die unverantwortliche Verkürzung und Vereinfachung von Sachverhalten polarisieren und radikalisieren?
  • Warum will die Bundeskanzlerin keine öffentliche Diskussion über Wohl und Wehe des Lockdowns und die Frage, wie lange dieser noch zu dauern hat?
  • Bis wann nehmen Bürger Repressalien, die im guten Glauben, “das Richtige” zu tun verhängt wurden hin – und bis wann kann man diese wirklich schadfrei zurücknehmen?
  • Wer glaubt wirklich, dass Eltern Monate der Schulschließung überbrücken können, ohne dass unser Bildungssystem und damit ganze Jahrgänge nachhaltigen Schaden nehmen?
  • Was sage ich meinen Kindern, wenn sie fragen, warum man ihnen – subjektiv – einfach verbietet, zu leben, wie Kinder das eben tun, obwohl wir doch angeblich ein so freies Land sind? Und was macht das mit ihnen?
  • Polizisten, welche jetzt die Rechtsmaßnahmen rings um den Lockdown durchsetzen müssen: wer vertraut denen danach noch? Und was ist mit den Beamten, die genau jetzt jene repressive Macht schätzen lernen und diese vielleicht nicht mehr abgeben wollen?

Ein Haufen Fragen, dem so mancher sicher noch die eine oder andere beifügen möchte. Was mich betrifft: ich halte mich an die Ge- und Verbote, wohl wissend, dass über den Berg der Pandemie zu kommen viel, viel länger dauern wird, als bis zum 20.04. Warum die Politik solche Maßnahmen ergriffen hat, wurde ausführlich erklärt. Wer es bis jetzt noch nicht begriffen hat, dass Distanz zu wahren Leben rettet, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Und dennoch muss man die Diskussion um den Lockdown jetzt zu führen beginnen. Denn sonst nimmt unsere Gesellschaft, nimmt unsere Demokratie irreparablen Schaden. Und das kann ja auch niemand ernsthaft wollen. C U soon enough…

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Fresh from Absurdistan N°4 – Asozial…?

Wenn man durch den Strom der Social-Media-Angebote dümpelt, kann man dieser Tage verschiedene Phänomene beobachten, die durchaus ein bisschen irritierend sind. Da sind einerseits Menschen, die sich öffentlich darüber echauffieren, dass es so viele asoziale Ar*******er gibt, die ihnen was wegkaufen – also Hamsterer-Hasser. Das die Hamsterer auf Grund drohender Shit-Storms nicht ihre Einkäufe teilen, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass es sich dabei doch um halbwegs vernünftige Mitglieder unserer Spezies handelt – zumindest haben sie einen Überlebensinstinkt. Dann gibt es die Mahner, die jedes sich bietende Meme und Sharepic teilen, welches auf die Gefahren von Sars-CoV2 aufmerksam macht, ganz so, als wenn man das nicht eh schon auf jedem News-Channel bis zum Erbrechen vorgekaut bekäme. Überdies gibt es noch die Relativierer, die gerne auf einer “Das ist doch alles gar nicht so schlimm!”-Welle reiten wollen, obwohl es doch verdammt schlimm ist! Und dann gibt es noch, wie bei fast jedem relevanten Thema, die Aluhut-Träger. Ach ja, was wäre Storytelling nur ohne die Aluhut-Träger…

Wenn es nicht so verdammt traurig wäre, dass vorgeblich erwachsene Menschen sich auf derlei despektierliche, dreiste, dilettantische und ganz und gar dümmliche Art gerieren müssen, könnte man sich bei einigen Äußerungen echt wegschmeißen. Aber nach Millisekunden des Nachdenkens gehe ich dann doch lieber zu Thorsten Sträter. Der kommt wenigstens halbwegs ehrlich rüber; und seine durchaus humanistischen Betrachtungen über das Menschsein sind zumeist brüllend komisch. Das Problem ist indes, dass man sich dem Ausfluss dieser Menschoiden kaum verschließen kann, es sei denn man will vollkommen auf Social Media verzichten. Doch für mich als Pädagogen und Geschichtenerzähler ist dieser Teil des Internet ein Soziotop, auf das ich nicht verzichten kann und will. Also mime ich den Human-Tierfilmer, nehme das Gute und akzeptiere, dass ich mich dafür halt durch einen atomar großen Haufen Cerebral-Poo wühlen muss…

Genug aufgeregt. Asozial – was ist das überhaupt? Nach Buchdefinition reden wir wohl von Leuten, die ein Verhalten zeigen, welches von den gesellschaftlichen Normen abweicht. Na sauber, wir sind im Arsch, Leute. Denn Unfug teilen, aus der subjektiven Distanz der Anonymität im Internet Hasstiraden absondern und im Zweifel lieber dem Rattenfänger oder Verschwörungstheoretiker, anstatt dem ausgewiesenen Fachmann zu glauben, haben schon seit ein paar Jahren Konjunktur. All diese Verhaltensweisen hätte man noch vor zwei Jahrzehnten als schädlich für die Öffentlichkeit betrachtet und sozialer Druck hätte das Unterlassen derselben höchst wahrscheinlich gemacht. Doch heute… Man kann nun trefflich darüber streiten, ob sozial-konformes Verhalten tatsächlich gut für die Menschen und die Gesellschaft ist; und ob deviantes Verhalten nicht doch eher zu vorteilhaften Kulturveränderungen führen kann. Und mit Sicherheit sind nicht all diese Social-Media-Phänomene nur schlecht; was jedoch nicht den Umkehrschluss zulässt, dass sie automatisch gut sein müssen.

Nun kann man die Zeit nicht zurückdrehen, oder Pandoras Wunder zurück in die Büchse drängen – mal davon ab, dass wir dann ja auch die Hoffnung entsorgen müssten. Z .B die Hoffnung darauf, dass eine gewisse Zeit der Reife diese eher uncharmanten Auswüchse des Internet zurückgehen lässt. Vielleicht lachen wir in ein paar Jahren, wenn sich dann doch mal verbindliche Spielregeln durchsetzen, die nicht nach Gutdünken geändert oder re-interpretiert werden können, über diesen Zirkus und blicken mit einem nostalgischen Tränchen im Augenwinkel auf den “Wilden Westen der Informationstechnologie” zurück. Oder aber, es wird alles noch viel schlimmer und wir müssen irgendwann gar das Netz abschalten. Wie auch immer das gehen sollte….

Neulich war ich im Netz unterwegs und nach einer Weile der Diskussion mit einem selbst ernannten Historiker wurde es meinem Gegenüber zu bunt, weil seine Argumente nicht stichhaltig genug waren, mich zu überzeugen; und dann ging er zum “DU” über, was ich nicht gut fand. Ich sagte ihm das und er wurde persönlich. So läuft das heutzutage. Rezo ist fälschlicherweise der Meinung, das “DU” sei das “SIE” des Netzes, weil er davon ausgeht, das Netz stelle heute schon soziale Äquidistanz her. Das ist Bullshit! Vielleicht in 20 Jahren, aber heute noch nicht. Doch genau dieses Missverständnis befeuert die oben beschriebenen Auswüchse: Manche meinen, sich online gegenüber jedem das Gleiche herausnehmen zu können, weil das Netz gleich mache. Das Netz macht (vielleicht) anonym. Gleich macht es jedoch mitnichten. Und so lange diese soziale Gleichheit eine Illusion bleibt, wird vieles, was dort geschieht von vielen als asozial empfunden werden. Ganz gleich ob es das in der realen Welt auch ist, oder nicht.

Wir täten gut daran, mal ein bisschen Druck aus dem Propaganda-Kessel zu lassen. Vielleicht würde es helfen, eine Zeitschranke für die Beantwortung von Kommentaren einzubauen. Wenn man nämlich jedesmal 20 Minuten warten müsste, würde das so manche Amygdala-gesteuerte Dummheit unterbinden. Aber was weiß ich schon – ich bin ja auch nur ein Typ mit einer Meinung. Genug über Menschen nachgedacht – der Grill wartet. Was soll man auch sonst bei dem Wetter tun, wenn man keinen Ausflug machen kann. C U.

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Postmoderne Gedanken N°5 – Sprache de-konstruiert?

Sich “einen Begriff” von etwas machen, etwas “begreifen können”; das ist eine grundlegende Komponente des Lernens an sich. Natürlich – und das kann jeder ganz intuitiv verstehen – bedeutet es, sich Dinge durch eigene sinnliche Erfahrung aneignen zu können. Was ich anfassen, fühlen, riechen, sehen kann, dass kann ich im wahrsten Wortsinn be-greifen. Ein Begriff ist damit der Ausdruck des Verständnisses von einem Sachverhalt oder einem Gegenstand. Doch schon, wenn wir den Radius der Aneignung nur ein Wenig ausweiten und zum Beispiel eine Idee zu begreifen versuchen wollen, stehen wir bereits vor einem Problem. Denn nicht einmal den Prozess des Begreifens selbst können wir nun mit der Metapher von der Berührung beschreiben.

Schon in unserem ureigensten Kulturraum besteht also ein immanentes Problem darin, sich anderen wirklich verständlich machen zu können. Ein Bild, das in meinem Kopf wohnt, bleibt darinnen und wird nur schwerlich durch bloßes Beschreiben ein wahrhaft kongruentes Abbild im Kopf eines Anderen finden können. Natürlich gibt es sowas wie gemeinsame kognitive Landkarten; sozusagen Pläne, durch die wir Wissen, Konzepte, Ideen und vieles mehr miteinander zu teilen vermögen. Unsere Sprache selbst ist eine solche Landkarte. Kognitive Landkarten entstehen durch den sozialen Umgang, das gemeinsame Lernen und Begreifen und brauchen für ihre Reifung vor allem zwei Dinge: Zeit und Training.

Teilen Menschen eine Sprache, wird das funktionieren. Doch wir Menschen sprechen nicht alle dieselbe Sprache. Und so wie das soziale Lernen einerseits und das sinnliche Begreifen andererseits unser Denken formen, so tut dies auch unsere Sprache, indem sie Begriffe für Konzepte bereitstellt – oder auch nicht. Die Kognitionspsychologin Lera Boroditsky forscht schon seit einiger Zeit an der Frage, wie stark unsere jeweilige Sprache unsere Wahrnehmung und damit unser Denken beeinflusst. Wer’s genauer wissen will, liest den verlinkten Artikel, aber ganz kurz gesagt: um eine Vorstellung von manchen Dingen haben zu können, brauche ich dafür ein Wort. Und manche Sprachen haben Worte für Dinge, die wir nicht verstehen; dafür sind zum Beispiel zum eigenen Standpunkt relationale Zeit- oder Ortsangaben manchmal nicht vorhanden. Da kann’s schon schwierig werden, sich um 13:30 am Paradeplatz zu verabreden….

Wenn Sprache aber auf so profunde Weise unser Denken beeinflusst, dann kann man sie auch als Waffe benutzen. Und das geschieht bereits an jeden Tag, da man Faschos erlaubt, den Diskurs im öffentlichen Raum zu brutalisieren. Gegen die Meinungsfreiheit, den Rechtsstaat, das Solidarische Prinzip, die Soziale Marktwirtschaft und eine offene, pluralistische Gesellschaft, kurz, gegen alle Errungenschaften unseres demokratischen Staatswesens wird gehetzt und polemisiert. Unsere wunderbare Sprache verroht, wird der Nuanciertheit und Tiefe beraubt und von Nazisprech unterwandert. Und was tut unser Ministerpräsident Kretschmann: findet, das Rechtschreib-Unterricht nicht mehr so wichtig ist, weil intelligente Geräte uns ja korrigieren. Diese nachgerade dämliche Aussage bedarf einer klaren Antwort: NEIN!

Ich bin kein Verschwörungs-Theoretiker, der über die Möglichkeit nachdenkt, durch Algorithmen dann den Wortschatz zu steuern und so alle ins Dunkel des Faschismus zu ziehen. Obwohl das – rein theoretisch – durchaus möglich wäre. Allerdings dient der Unterricht in Rechtschreibung ja auch dazu, das Sprachgefühl und den Wortschatz der Schüler wachsen zu lassen. Und wenn ich die nicht mehr – auch und gerade – mit der Notwendigkeit des Übens konfrontiere, lassen sie’s natürlich sein. Es ist zwar nicht so, dass der Gebrauch von sozialen Medien bislang nennenswerte Erosionsspuren in unserer Sprache hinterlassen hätte. Sprache als Kulturtechnik unterliegt allerdings immer einem gewissen Wandel, der auch jetzt zu beobachten ist. Doch bevor man dort schreibend und rezipierend tätig wird, sollte man die Fähigkeit zum schriftlichen Ausdruck gefestigt haben. Und dazu braucht es nun mal Rechtschreib-Unterricht, werter Herr Kretschmann.

Der Zusammenhang zwischen dem möglichen Begreifen unserer Welt und dem Erlernen von Sprache ist Manchem offenkundig nicht klar. Ich will es ein wenig vereinfachend ausdrücken, wenn ich Folgendes sage: verarmt die Sprache, so verarmt automatisch meine Fähigkeit, mir die Welt verstehend zu eigen machen zu können. Eine solche Begrenztheit des Horizonts würde manchen Menschen, deren Pläne ein gewisses Maß an blindem Gehorsam bei ihren Anhängern voraussetzen, gut in den Kram passen. Den Neurechten Denkern zum Beispiel. Für die meint “Dekonstruktion” eine Absage an das zwanghafte “Interpretieren-Müssen” von Texten. Nehme ich Worte aber einfach für wahr, ohne Sprecher, Kontext, Intention mit einzubeziehen, ist es viel wahrscheinlicher, dass ich dem Rattenfänger mit seiner Flöte hinterher renne.

Für mich bedeutet Dekonstruktion eher eine Veränderung der Art des Interpretierens; dabei spielen eben gerade Sprecher, Kontext und Intention eine wesentliche Rolle. Denn genau die Intention interessiert mich, weil diese zu verstehen das Mittel schafft, die Methoden zu demaskieren, mit denen die Faschos unsere Sprache unterwandern. Wahrscheinlich denke ich für viele zu kompliziert. Ich möchte aber, das meine Rezipienten da draußen eines mitnehmen: der Verrohung unserer Sprache und dem Verlust an Differenziertheit im Diskurs müssen wir entgegenstehen. Immer und Überall! Bonsoir…

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Postmoderne Gedanken N°3 – öffentlich vs. privat

Öffentlich ist, wenn ich’s so mache, dass alle zukucken können – oder? Also, egal was, meine ich. Nun könnte man entgegnen, dass manche Dinge nicht in die Öffentlichkeit gehören. Liebe an und für sich z.b. – also Masturbation. Und sicher fallen jedem einige Dinge ein, die er nicht so gerne öffentlich, oder noch besser veröffentlicht sähe. Das liegt u. U. daran, dass wir stets versuchen, eine positive Geschichte unseres Selbst zu erzählen. Und da empfinden wir bestimmte Bilder eben als störend im Storyboard. Im Gegenzug versuchen wir natürlich, uns im besten Lichte strahlen zu lassen. Und hier gibt es – wie stets im Leben – ein Gleichgewicht, dass allzu schnell in die Toxizität abgleiten kann; zu wenig offenbart einen Mangel an Selbstwertgefühl, zu viel eine Narzisstische Störung. Das Erste quält vor allem einen selbst, das Letztere die Mitmenschen.

Was für den Menschen als Individuum gilt, hat auch für Organisationen Bedeutung. Zumindest insofern, als jedes komplexe Konstrukt, in dem viele Menschen an irgend einem Ziel zusammenarbeiten irgendwann die Legitimitätsfrage gestellt bekommt, oder sich diese selbst stellt. Bei einem Industrieunternehmen ist die Frage leicht zu beantworten: es geht darum, Geld zu verdienen. Da hängen Existenzen dran. Macht das Ding Kohle und verteilt diese halbwegs gerecht an alle Teilnehmer, ist alles Tacco, wie ein Kollege von mir sagen würde. Problematisch wird es hier höchstens, wenn das mit der Verteilungsgerechtigkeit nicht (mehr) funktioniert. Kann man im Moment überall in den entwickelten Industrienationen beobachten. Doch dazu später mehr.

Wie ist es mit behördlichen Institutionen? Ämter, auf denen man all diese staatlichen Dienstleistungen abrufen kann/muss, welche die Verwaltung einer Nation mit ca. 82 Millionen Menschen darin so mit sich bringt. Ich meine – Politiker werden in ihre Ämter gewählt, was eine recht direkte Form von demokratischer Legitimierung mit sich bringt. Aber die Sachbearbeiterin im Ordnungsamt? Kurz gesagt: mit dem Entstehen moderner, säkularer Staatswesen, mit welchem ein enormes Wachstum und damit die Notwendigkeit leistungsfähigerer Verwaltungen einher ging, entstand die Bürokratie als eigenständiges gesellschaftliches Subsystem, welches sich nicht nur selbst erhält (Autopoiese) sondern auch seine eigene Legitimität produziert (vgl. hierzu Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit). Das Amt macht also, dass das Amt sein muss. (Falls irgendjemand jetzt noch nicht verstanden hat, warum wir eine so ausufernde Steuergesetzgebung haben, kann ich leider auch nicht mehr helfen).

Warum nun so kompliziert Dinge herleiten, die man doch aus dem alltäglichen Leben kennt? Nun, kennen und verstehen, insbesondere das Verstehen der Zusammenhänge sind immer zwei Paar Stiefel. Und bezüglich dieser Zusammenhänge wird es haarig, wenn wir uns Private-Public-Partnerships anschauen: die öffentliche Hand (legitimiert sich selbst durch Notwendigkeit der Verwaltung) und Privatunternehmen (legitimieren sich durch Gewinnoptimierungs-Absichten) arbeiten zusammen, um Geld zu sparen. Aus unternehmerischer Sicht immer Win-Win, denn dem utilitaristischen Prinzip folgend stehen die Regularien des Staates (der ja zuvorderst den Interessen seiner Bürger verpflichtet sein soll) beim Geldverdienen im Weg. Arbeite ich mit dem Staat also direkt zusammen, habe ich (un)mittelbaren Zugriff auf diese dämlichen Regularien. Oder einfacher formuliert: mit PPPs öffne ich die Tür für die Lobbyisten so weit, dass diese mit dem Laster ins Rathaus einfallen und alles abräumen können, was ihnen in den Kram passt.

Bürokratie-Abbau, Lockerung der Arbeitnehmerschutzgesetze, verbilligter Zugang zu Energie und anderen Ressourcen, etc. Das sind zumeist die wahren Gründe, warum Unternehmen ein bisschen Kohle in die Hand nehmen und zusammen mit staatlichen Institutionen irgendwelche Projekte machen – und dafür auch noch eine positive Mediendarstellung bekommen. Doch altruistisch ist an solcherlei Aktionen gar nichts. Direktes Mäzenatentum steht im krassen Gegensatz dazu. Dabei wird, zumeist durch Stiftungen Geld für öffentliche Projekte bereit gestellt, ohne das eine Leistung durch ein gemeinsames Unternehmen generiert werden soll. Und so mancher Unternehmer kommt seiner sozialen Verpflichtung, wie sie unser GG bestimmt, in hohem Maße nach. Mit Sicherheit spendet ein Herr Dietmar Hopp auch deshalb nicht unerhebliche Teile seines Privatvermögens, weil es seinem individuellen Narrativ und damit ihm selbst gut tut; wahrscheinlich mag er auch die positive Publicity.

Was nun die Verteilungsgerechtigkeit angeht: eben PPPs verschlechtern diese in vielen Fällen, weil die Teil-Privatisierung vormals staatlicher Leistungen zumeist mit der Unterwerfung dieser Dienstleistung unter das Primat des Marktes einher geht. Insbesondere das Gesundheitswesen leidet, seit der marktwirtschaftlichen Wende Mitte bis Ende der 90er des letzten Jahrhunderts, unter einer Dehumanisierung und qualitativen Verschlechterung seiner Dienstleistungen für jene, die nicht extra zahlen können. Et voilá: Zweiklassen-Medizin.

Ich muss hier nicht explizieren, an welchen anderen Stellen derlei Auswirkungen noch zu beobachten sind. Ich empfehle an dieser Stelle zwei Buchtitel: Michael Sandel “Gerechtigkeit” und Colin Crouch “Postdemokratie”; und überdies bitte ich darum, sich selbst via Recherche ein Bild zu machen. Ich kann für mich sagen, dass ich PPPs zutiefst misstraue, weil ich stets unlautere Absichten unterstelle. Ich mag mich ab und an irren, aber in der Gesamtschau muss man demgegenüber kritisch bleiben; denn es geht hier oft nicht um Bürokratie-, sondern um Demokratie-Abbau! Schönen Tag noch.

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Ein Sieg…?

Entwickelt sich für das Berufsbild “Notfallsanitäter” nun doch alles zum Guten? Ich weiß nicht; und wenn ich ehrlich bin, will ich noch nicht einmal spekulieren. Immer wieder wird, insbesondere von manchen Vertretern meines Berufsstandes, über den Lobbyismus der Ärzte gegen eine Substitution ärztlicher Maßnahmen durch Medizinalfachpersonal hergezogen. Es scheint manchmal, als wenn ständische Vertretungen der Ärzteschaft auf Standpunkten aus dem vergangenen Jahrhundert beharren, weil sie um ihre Pfründe fürchten. Doch ist dies tatsächlich der Fall?

Könnte es nicht eher so sein, dass diese Ständevertreter – angesichts ihres Alters und ihrer durchschnittlichen Positionen – einfach nicht mitbekommen haben, dass sich der Berufsstand des Rettungsfachpersonals in den vergangenen 25 Jahren erheblich weiter entwickelt hat? Dass der NotSan von heute mit dem RettSan von damals nur noch wenig gemein hat? Denn betrachten wir die Situation einmal nüchtern, sind die neueren Vertreter meiner Disziplin keine einfachen Befehlsempfänger mehr, sondern werden mit dem Handwerkszeug ausgestattet, selbst qua-wissenschaftlich die immer neuen Erkenntnisse der Evidenz-basierten Medizin sich anzueignen.

Zweifellos können manche das besser und andere weniger gut. Dennoch bleibt im Mittel eine deutlich verbesserte Fähigkeit, auf die Neuerungen und die damit einher gehenden Anforderungen des Feldes reagieren zu können. Doch diese Erkenntnis ist bei den Herren Standesvertretern der Ärzteschaft, in deren Köpfen wir immer noch dämliche Krankenträger sind, einfach noch nicht angekommen. Dies zu verändern, ist eine der Herausforderungen.

Ich habe mir heute morgen im Parlamentsfernsehen die öffentliche Anhörung des Gesundheitsausschusses angesehen und musste ja ein bisschen schmunzeln, als der Vertreter der Bundesärztekammer sagte, dass man die Notwendigkeit sähe, auch andere hochschulisch-pädagogisch gebildete Menschen, nämlich z.B. Ärzte in die Leitung von OTA-Schulen berufen zu können. Um es aus der Sicht des studierten Berufspädagogen noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Ärzte sind allein Kraft ihres Studiums NICHT befähigt, pädagogisch tätig zu werden! Dazu mangelt es ihnen an der dazu notwendigen Ausbildung. Es mag von Fall zu Fall Ärzte geben, die dies zumindest teilweise durch Begabung ausgleichen können; aber das reine Fachwissen genügt nicht, um dieses auch didaktisch sinnvoll und dem Adressaten angemessen vermitteln zu können. Und es wäre mir sehr recht, wenn manche – allzu arrogante – Vertreter der ärztlichen Zunft dies endlich einmal zur Kenntnis nähmen.

Alle gestrigen Darlegungen wurden nun gewürdigt und heute morgen haben die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD ihren gemeinsamen Antrag auf Änderung des NotSanG zurückgezogen. Das heißt, die Bundesratsinitiative, welche von Bayern und Rheinland-Pfalz initiiert wurde, ist wieder im Rennen. Man könnte das als einen Sieg betrachten. Wäre da nicht der Umstand, dass das Einfügen einer begrenzten Befugnis zur Ausübung der Heilkunde im Rahmen der in der Ausbildung vermittelten Fähigkeiten in das NotSanG vermutlich zu kurz greift.

Eine Novelle des Heilpraktikergesetzes (HPG), welche für einzelne nicht-ärztliche Medizinalfachberufe jeweils – stets am Stand der medizinischen Forschung und der Tiefe der Ausbildung orientierte – Kompetenzen freigibt, wäre wesentlich sinnvoller und würde auch andere Berufsgruppen mit ähnlichen Problemen, wie etwa die Hebammen, Physiotherapeuten, etc. aus der Schusslinie nehmen. Aber das würde ja bedeuten, dass man zugeben müsste, dass a) unser Gesundheitswesen ziemlich kaputt ist und b) die deutsche Form der Arztausbildung auch nicht mehr der Weisheit letzter Schluss… Und so was glaubt ja keiner. Oder?

Komme es wie es mag, ich kann noch lange keinen Sieg erkennen. Dennoch bin ich froh, dass dieser halbherzige Quatsch von den GroKo-isten erstmal vom Tisch ist. In jedem Fall bleibt noch viel zu tun. Habe ich erwähnt, dass ich mich in die Schöpfung einer zweiten Braunwalder Erklärung involviere? Schönen Tag noch.

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Was war heute noch…?

Tag der deutschen Einheit. Feiertag. Irgendwelche – selbst gefühlt wichtigen -Menschen schwingen Reden über das Tun, das Lassen, das Müssen, das Dürfen; über Klima und Greta, über Flucht und Merkel, über alles Mögliche und vor allem das Unmögliche, weil angeblich nicht bezahlbare – nur nicht über die Menschen, denen zu dienen diese Volksvertreter eigentlich aufgerufen wären.

Dies wird mitnichten eine Hassrede über unsere Politiker. Das überlasse ich gerne den Faschisten, den Nazis, den Ewiggestrigen, die wie ein Herbststurm über unser Land gekommen sind und sich berufen fühlen, alles nieder zu reißen, was Generationen vor ihnen aufzubauen vermochten. Denn diese Randfiguren der Globalisierung werden kein Vermächtnis erschaffen, dass zu erinnern auch nur eine Sekunde wert wäre. Ebenso wenig, wie ihre Nazi-Vorbilder. Wenn noch einmal einer von Autobahnen anfängt, vergesse ich mich öffentlich und gewalttätig…

Nein! Dies ist der Ausdruck tief empfundener Scham über den Zustand unserer Nation. Über Menschen, die nicht mehr zu einander finden, weil Dogmen schwerer wiegen, als Menschlichkeit. Über die idiotische Journaille, die den Faschisten nach dem Maul redet, weil sie Scheu vor einer Konfrontation haben. Als wenn man neo-faschistische Knallchargen wie Gauland (der Name ist offensichtlich Programm), Höcke und Bierlein auch nur im Ansatz programmatisch oder inhaltlich ernst nehmen könnte? Diese Menschoiden faseln vom vierten Reich und sogenannte Reporter sagen “Ja, diese Bedenken muss man ernst nehmen…”. Bitte? Geht’s noch?

Ferner empfinde ich Scham über mich selbst. Zu lange habe ich gedacht, dass man diesen Menschen zuhören, ihre Ängste verstehen lernen muss; dass es einen Weg gibt, ihnen zu helfen, ihre Chancen auf Teilhabe wieder auf wirklich demokratische Weise wahrnehmen zu können. Was für ein Narr ich doch war! Die wollen Feuer. Also werden sie von mir Feuer bekommen. Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn mehr, zwischen Menschen zu unterscheiden, die von wahrhaft neofaschistischer Gesinnung sind und denen, die einfach nur nach einfachen Lösungen für die komplexen Probleme unserer Zeit suchen. Denn es macht am Ende keinen Unterschied, auf wessen Schultern die nächste Machtergreifung stattfindet.

Ich bin Sozialdemokrat! Einer, der immer wieder an den neoliberalen Vollidioten wie Scholz verzweifelt, die in der CSU programmatisch zweifellos besser aufgehoben wären. Und ich habe es satt, dass in Diskussionsrunden des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Menschen ihren Geifer verspritzen dürfen, deren einziges Programm darin besteht, alles zu hassen, was ihnen fremd vorkommt und was sie nicht verstehen können. Und wenn man die öffentlich demonstrierte Blödheit und Indolenz Alexander Gaulands und die Unverschämtheit Björn Höckes in Betracht zieht, verstehen die aber auch gar nix. Wie man solche Vollpfosten wählen kann, die ein Parteiprogramm voller noch neoliberalerem und kosnservativerem Nonsens geschrieben haben, als man das von der CSU gewöhnt ist, verstehe ich bei allem gutem Willen nicht mehr.

Tag der deutschen Einheit? Ein Fanal ist dieser Tag. Eine gottverdammte Schande für jeden, der nicht aufsteht und den Faschisten die Stirn bietet. Irgend jemand schrieb in der Kommentarspalte eines Zeitartikels dieser Tage, dass es falsch sei, wenn man den Faschisten keine Bühne biete, immerhin hätten wir die freie Meinungsäußerung in den Grundrechten verbrieft. Was er dabei übersieht ist der Umstand, dass die AfD-Faschisten auf dieses Grundrecht pochen, jedoch selbst nur wenig davon halten, wenn es gegen sie selbst eingesetzt wird. Wer immer noch nicht begriffen hat, dass diese AfD keine bürgerlich-konservative Partei ist, sondern ein Sammelbecken für Nazis, Rassisten, Identitäre, Reichsbürger und was weiß ich noch alles, dem kann ich leider nur schweren Realitätsverlust attestieren.

Facebook-Entfreunden werde ich solche Leute trotzdem nicht. Da wo Faschos Hetze präsentieren, kriegen sie von mir Contra. Und witziger Weise verschwinden sie nach kurzem Schlagabtausch zumeist und suchen sich andere Orte, an denen sich ungestörter Hetzen lässt. Um es mit Alexander Gaulands unsterblichen Worten zu sagen: Lasst sie uns jagen, wo immer der Faschos hässliche Fratze sich zeigt. Treibt sie zurück in ihre Löcher und überlasst ihnen nicht die Öffentlichkeit. Die sind nicht das Volk – die sind einfach nur traurige, hasserfüllte Gestalten, denen es den Raum zu nehmen gilt. Wer sich bemüssigt fühlt, mir zu helfen, oder dies zu teilen: ich habe keine Angst vor Menschen, die – wie Höcke – armselig mit Konsequenzen drohen, die eintreten, wenn sie dann endlich an der Macht sind. Die haben keine Ahnung, worauf sie sich einlassen, denn sie werden die Macht nie erringen, wenn wir das verhindern. Gemeinsam! Schaffen wir das, können wir auch wieder stolz erhobenen Hauptes die “deutsche Einheit” feiern…

Auch zum Hören…

The italian tales n°8 – Satire Ahoi!

Eigentlich ist mehr als ausreichend diskutiert worden, ob Satire wirklich alles darf. Ich sage dazu (ja, das ist meine Meinung die ich habe auf der Basis langer Überlegungen gebildet habe): NEIN. Denn es gibt Grenzen der Pietät und der guten Sitten (vielleicht gibt’s da draußen ja noch Menschen, die wissen, was das ist), die zu überschreiten nicht mehr der (vorgeblich) humoristischen Zuspitzung von Sachverhalten dient, sondern lediglich dem Wunsch des Äußernden, sein Ziel zu verletzen; und zwar so tief, hart und nachhaltig es geht.

Immerzu wird über die Verrohung der Sprachkultur und die sich dadurch öffnenden Spielräume diskutiert. Wo früher ein öffentlicher Diskurs stattfand, das Aushandeln von Kompromissen zu Sachfragen, stets im Respekt für den politischen Gegner, da herrschen heute Emotionen. Es wird nicht mehr gewusst – und in der Folge eines entdeckten Nichtwissens dazu gelernt (=> Selbstreflexion), sondern da wird geglaubt. Und zwar an die steilsten Thesen, so lange diese nur das jeweils dominante Gefühl hinreichend gut bedienen.

Nun ist es so, dass Populismus aus meiner Sicht von allen Seiten benutzt wird: den Linken, den Rechten, den Ökologischen, den Anarchisten, etc. Benutzt man das Wort Populismus, nimmt der solcherart gescholtene stets an, dass man ihn in die rechte Ecke rücken wollte. Dabei ist der Populismus als solcher nur ein Symptom für die eben beschriebene Tendenz, Fakten Fakten sein zu lassen, wenn es auf dem Acker der Emotionen der Zuhörer viel mehr zu gewinnen gibt; und in viel kürzerer Zeit. Und das betreiben mittlerweile alle. Was den politischen Diskurs, wie er zum gegenwärtigen Zeitpunkt stattfindet vollkommen entwertet hat. Montgolfieren könnte man mit der Abluft steigen lassen – mehr auch nicht…

Eines der Probleme ist, dass jede Menge Otto-Normal-Verbraucher mittlerweile – speziell auf Facebook – das Recht für sich in Anspruch nehmen, wie Satiriker agieren zu dürfen und ihre persönlichen personae non gratae, wie zum Beispiel Greta Thunberg auf unterschiedlichste Weise zu bashen. Weil’s halt einfacher ist, als sich in die Löwengrube eines echten, sachorientierten, öffentlichen Diskurses zu begeben. Und natürlich unter dem wohlfeilen Hinweis auf Art. 5, Abs 1 und 3 GG. Der Inhalt von Absatz 2 wird dabei recht oft und gerne vergessen

Ehrlich gesagt habe ich derlei Tun bislang zumeist eher gelassen betrachtet. Habe diejenigen gesperrt, die mir entweder zu unwichtig oder zu blöd waren. Habe mit denen, von denen ich dachte, dass die Sache es wert sein könnte das Gespräch gesucht. Und natürlich gelegentlich auch selbst den einen oder anderen kleinen Shitstorm geerntet, den ich dann mit einem Schulterzucken weginhaliert habe. [Der Hinweis, dass ich mit gewissen Leuten nicht “per du” bin und darüber hinaus auch noch exzellent Rechtsschutzversichert, hat in aller Regel die Ausflüge meiner Gegenüber in das Reich der kleinbürgerlichen Großmachtträume inclusive Verbal-Ejakulation schnell und sauber beendet.]

Mittlerweile aber habe ich die Faxen dicke!

Ich hatte tatsächlich mit der letzten Aussage gerechnet. Sie haben recht, dass ein Herr Böhmermann ein anderes Standing in unserer Gesellschaft hat als der Normalbürger. Allerdings steht seine Meinungsäußerung rechtlich nicht über der von Ihnen oder meiner. Das Gesetz unterscheidet da nix. Desweiteren muss man bedenken, dass die Äußerungen eines Herrn Böhmermann von Tausenden der Normalbürger in den sozialen Netzwerken geteilt oder zitiert werden und somit auch nicht zur Verbesserung der Streitkultur beitragen. Ich hab mir wenigstens die Mühe gemacht, selber was zu kreieren. Und so, wie es Ihnen mit der AfD geht, geht es mir mit grünroter Politik und den dazugehörigen Parteien. Deshalb kann ich Ihre Gedanken absolut nachempfinden. Und in einem Punkt haben sie auch recht: ernsthaft betrachtet geht es mir gar tatsächlich nicht um Greta, sondern um uns und das, was wir aus und mit ihr machen. Aber für die satirische Auseinandersetzung kommen wir nicht an der Person vorbei, die der Grund für das zu behandelnde Thema ist. Das ist bei Witzen oder Karikaturen über Gott und Jesus nicht anders.

Facebook-Diskussion von heute…

Die Ausfälligkeiten überall in den Medien, die Rechtsbrüche (vorbestrafte Nazis im Team Baden-Württembergischer Abgeordneter, Parteispenden, etc.), die ekelerregende Vernichtungs-Rhetorik (“Wir werden Sie jagen”) gegenüber den anderen Parteien, die tatsächliche Unfähigkeit des Personals (wählen sich selber aus Hauptausschüssen) und die Art der Selbstinszenierung des immer mehr an Macht gewinnenden rechtsnationalen Flügels suchen ihresgleichen; und zwar bei der NPD, den Republikanern, dem Dritten Weg, und wie die Nazis alle heißen! Von handwerklicher politischer Sach-Arbeit jedoch, von Konsens-Suche und dem Willen zur konstruktiven Gestaltung? Kaum eine Spur.

Ich dachte, die 10-15% echte Nazis schreibst du ab und mit den 15-20% blinden Mitläufern kann man schon noch reden. Aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher. Denn, wenn selbst kluge Menschen diese gequirlte Scheiße tatsächlich als Alternative zur etablierten Politik in Betracht ziehen, bin ich mit meinem Argument-Latein am Ende. Und mit meiner Kraft auch. Es ist die Zeit und die Arbeit nicht wert. Lieber gehe ich in den bewaffneten Untergrund, wenn die Blinden es tatsächlich fertig bringen, diese Rassisten, Chauvinisten, Lügner und Betrüger endlich an die Macht gewählt zu haben. Ich habe fertig!

Geopolitisches Kampf-Schach

Die Administration Trump hat mittlerweile in ihren Konflikt-Eskalations-Spiralen eine Geschwindigkeit erreicht, die es gelegentlich fragwürdig erscheinen lässt, ob bestimmte Teile der Erde Weihnachten 2020 noch erleben. Immerhin müssten sie dort dann keine zweite Inauguration des dummen Donald als Präsident von Säbelrasslistan, aka USA erdulden. Man verstehe mich bitte nicht falsch; ich weiß das große Teile der Bevölkerung des “land of the free” gerne free from Donald wären und dass auch dort Demonstrationen nur sehr bedingt dazu geeignet sind, politische Teilhabe zu erzwingen. Wir leben in Zeiten, in denen wir alle vier Jahre glauben wollen, das jeweils kleinere Übel zu wählen. Stets in der Hoffnung, dass die Lobbyisten in der Zwischenzeit unseren Planeten und unser Leben nicht vollkommen versauen – oder eben vernichten.

Eigentlich müsste man die Weltordnung von den Füßen auf den Kopf stellen, doch jetzt ist das realistischerweise nur noch mit Gewalt zu erzwingen. Soweit sind wir noch nicht. Und doch – allein die Tatsache, das Kinder auf die Straße gehen, dass Macht überhaupt in Frage gestellt wird und dass wir langsam anfangen zu begreifen, dass Geld uns regiert und nicht irgendwelche “vom Volk gewählten” Politiker gibt mir Hoffnung, dass wir es noch schaffen, unsere Welt den Klauen derer zu entreißen, die gegen unser aller Interessen handeln, nur um noch fetter werden zu können. Denn das letzte Übel, welches Pandora – entgegen dem Mythos – noch aus ihrer Büchse auf die Welt losließ, war bekanntermaßen die Hoffnung.

Als Vater weiß ich, dass man manchmal glaubt, das Beste für jemand anders zu wollen, weil man davon überzeugt ist, dass diese Person (zumeist das eigene Kind) noch nicht bereit sei, zu wissen, was das Beste für sie ist. Nenne man es Paternalismus oder was auch immer; das ist einerlei, denn das Ergebnis ist das gleiche: Bevormundung! Das ist, was manche Menschen mit viel Geld so tun. Die Welt um sich herum bevormunden, weil sie auf Grund ihres Erfolges so narzisstisch sind, zu glauben, sie wüssten, was das beste für die Welt ist. Frei geklaut: an meinem Wesen soll die Welt genesen…

Nun glauben Teile der amerikanischen Administration schon immer, dass die einzig legitime Antwort auf alle Probleme in der Welt amerikanische Waffengewalt ist. Diese Doktrin ist mittlerweile fast zwei Jahrhundert alt, wird aber immer noch gelebt; oder besser, sie wird wieder intensiver gelebt. Was allerdings teuer ist. Und wenn man seinen Wählern Geschenke machen möchte, um noch mal Präsident werden zu können, muss man eben anderen Nationen Teile der Last aufbürden. Also fordert man Deutschland auf, Truppen nach Syrien zu entsenden. Kostet ja deren Geld. Geld, dass wir für unsere eigenen sozial- und bildungspolitischen Probleme wesentlich besser einsetzen könnten. Oder vielleicht für die Stärkung Europas? Gott behüte, die EU könnte tatsächlich zu einem ernst zu nehmenden globalen Polit-Player werden…?

Verdammte Axt! NEIN! Keinen Scheiß-Cent für irgendwelche deutschen Militär-Aktivitäten in Syrien, oder sonstwo noch in der Region. Mir klingen heute noch die Ohren, wenn ich an den apoplektischen SPD-Kriegsminister Struck denke: “Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt.”. Was für ein entsetzlicher Käse! Ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass wir schon in einer Welt leben, die kein Militär braucht. Aber dieses Militär, so es denn zur Landesverteidigung aufgestellt ist, hat in den, durch die Politik der USA aufgeworfenen Krisenherden dieser Welt nichts verloren! Wenn amerikanische Politiker und Militärs meinen, geopolitisches Kampf-Schach um Ressourcen und Macht führen zu müssen (z.B. hier, hier und hier) , dann sollen sie die Suppe gerne selber auslöffeln.

Was war sonst noch…? Ach ja, die Rackete…! Zweifellos ist es hoch unethisch, aus innenpolitischem Kalkül Flüchtlinge im Mare Nostrum ersaufen zu lassen. Ebenso zweifellos hat Frau Rackete gegen bestehendes Recht verstoßen. Und jetzt? Die junge Frau zur Märtyrerin zu stilisieren, halte ich für vollkommen überzogen. Insbesondere, weil sie potentielle physische Schäden anderer in Kauf genommen hat, um ihre Agenda durchzudrücken (im wahrsten Wortsinn). Doch die ganze Diskussion um diesen einen Vorfall ist Bullshit, weil sie vom eigentlichen Problemkomplex (Fluchtursachen -> Flüchtlinge -> humanitäre Fragen -> Innen- und Außenpolitik in Europa) ablenkt und durch Polarisierung komplexer Sachverhalte mal wieder nur den radikalen Rechten in die Händen spielt. Bravo Herr Steinmeier, Bravo Herr Maaß, ihr habt’s mal wieder verkackt. Ach und der Seehofer, der wie ein Dackel hintendrein trabt, sowieso.

Auch an diesem Konflikt offenbart sich nur eines: Partikularinteressen sind die einzig wahre Währung unserer Zeit. Wer diese bei den Richtigen (denen mit Macht, Reichtum oder Massen mit genug undifferenzierter Wut im Bauch) zu bedienen weiß, bleibt an der politischen Macht, oder erlangt diese. Wann genau wurde der Konflikt dem Kompromiss überlegen? Ich werde darüber nachdenken. Bis dahin Tschüss…

Auch zum Hören…