Ich wünscht‘, ich stünd‘ im Wald…

Der Blick aus dem Fenster offenbart jene ambivalente Malaise dieser Tage, die mich geradewegs in den Schlund der Verzweiflung blicken lässt. Die Tage seit der Heimkehr aus dem wirklich tollen Urlaub in Irland waren angefüllt mit Arbeit; aber nicht einfach nur [clock-in => work => clock-out] sondern purem Termin-Stress, unnötigen kleinteilig-fruchtlosen Diskussionen, Anfeindungen von Menschen, die offenkundig denken, dass man ihnen an der Stirn ablesen kann, was sie von mir erwarten, persönlichen Enttäuschungen und der erheblich ernüchternden Entzauberung von Hoffnungen. Alles in allem habe ich gerade ungefähr überhaupt keinen Bock mehr und würde am liebsten davon rennen. Soweit also alles wieder im Normalzustand der letzten zwei Jahre. Ich würde nicht behaupten wollen, dass Desillusionierung nicht sowieso schon lange eine alte Bekannte ist, die mich stets wohlwollend begleitet – aber im Moment sind wir über diese typische, ein wenig nervende Dosis schon ein Stück hinaus. Noch ist sie nicht tödlich; aber wer weiß schon, was noch alles um die Ecke kommt…?

Über die Pandemie, die jetzt eine Endemie ist und nur noch als fragiles Feigenblättchen für die schlechte Gesundheitspolitik der letzten 6 Legislaturen herhalten muss, mag ich nichts mehr sagen, sonst muss ich in den bewaffneten Untergrund (Kaputtsparen können wir, das muss man schon sagen!). Über die politische Weltlage und die Frage, ob wir nicht doch lieber einem dämlichen, dreisten Diktator nachgeben sollen, damit die Wirtschaft weiter brummen kann (wovon der Otto-Normalverbraucher, Korporatismus und Lobbyismus sei Dank ja dann trotzdem nichts hat, weil nur die Fetten immer fetter werden) werde ich an dieser Stelle auch keine weiteren Worte verlieren – sie wären verschwendet. Die, denen ich was zu sagen hätte, ignorieren das langsame Aufkochen der Stimmung lieber um munter weiterkassieren zu können, als wenn es keine Morgen gäbe. Man nennt dieses Gefühl, welches sich gerade in meinen Worten Weg bricht, glaube ich, Weltschmerz. Und ich wäre jetzt dankbar für ein Mittel dagegen.

Ich habe mit der besten Ehefrau von allen schon häufiger mal darüber sinniert, dass es manchmal ganz schön wäre, dumm zu sein. Denn dann würde man sich nicht über so vieles Gedanken machen, weil man’s schlicht nicht auf dem Schirm hätte. Wenn mein Horizont nur bis zum Rand des Sonnenschirms geht, kommt halt kaum Erleuchtung ins Oberstübchen. Auf der anderen Seite ist die Wahrscheinlichkeit, dann zum Nazi-Arschloch zu werden auch nicht gerade geringer. Man muss sich schon fragen, was da in Italien gerade passiert. Faschos wählen, um soziale und wirtschaftliche Probleme zu lösen ist, als wenn man einen Fünfjährigen mit Magnesiumfackeln jonglierend ins Benzinlager schickt. Gibt’n Knall und wenn der Rauch sich verzogen hat, fragen sich alle, warum sie schon wieder, auf die eine oder andere Weise, etwas eingebüsst haben. Wenn doch nur wenigstens die Dummen dabei mitstürben. Womit sich der Kreis schließt. Auch wenn dumm sein dieser Tage ein wenig Entspannung brächt, bleibe ich lieber der Geschehnisse gewahr und hoffe, an Lösungen mitwirken zu können.

Als „white middle-aged cis-gender male“ bin ich ja, dem gängigen Narrativ der woken Medien zufolge Teil des Problems. Was soll ich jetzt sagen? Dass die Woken zu dumm sind, mich zu verstehen? Für manche, die Wokeritis zum Dogma erhoben haben, mag das wohl stimmen. Man betrachte nur die Diskussion um kulturelle Aneignung – ALLE KULTUR IST ANEIGNUNG. Unser ganzes verdammtes Leben ist ein ziemlich beschissener Remix von Beethovens Neunter – vom Götterfunken keine Spur mehr! Will heißen, dieses ganze Generationen-Gebashe, dieses ständige Auf-Andere-Zeigen, Strohmänner bauen, Whataboutism pflegen, jede Diskussion sofort ins Persönliche tragen, anstatt an der Sache zu bleiben ist es, was mich langsam wahnsinnig macht. DAS MUSS AUFHÖREN! Denn nur, wenn die Öffentlichkeit tatsächlich wieder zu einem Marktplatz des „zwanglosen Zwangs des besseren Argumentes“ wird (Danke Habermas!), werden wir den Karren, der sich WELT nennt aus dem Dreck der gegenwärtigen KRISEN ziehen können – GEMEINSAM! Und da ist er wieder der Zweifel, aus dem Verzweiflung wird! ich wünsche euch ein zwanglos schönes Wochenende. Wir alle brauchen ab und an mal ’ne Pause. Allein im Wald zu stehen hätte jetzt was!

Auch als Podcast…

Von der Pein(lichkeit) der Anderen…

Verschiedene Dinge im Leben erfordern manchmal, Konzessionen zu machen, Kompromisse einzugehen, zurückzustecken – kategorischer Imperativ halt. Zumindest versuche ich selbst, so oft wie möglich auf diese Art an die Dinge heranzugehen. Meine kleine Tochter hingegen will, was sie will; HIER, JETZT und UNEINGESCHRÄNKT. Mit 9 sieht die Welt halt auch noch anders aus. Wenigstens will sie üblicherweise nur Kleinkram, und wenn es doch mal der Ruf nach einem eigenen Pony ist, frage ich sie halt, ob wir das Viech dann im Flur (Breite, ca. 1,20m) halten sollen? Beim Nachdenken über das Problem vergisst sie meist die Frage – und das Pony. Hilfreich. Klappt bei Erwachsenen leider nicht so, denn manche meiner Mitmenschoiden sind halt doch nicht ganz so dämlich, wie sie aussehen. Und sie begründen ihre, durchaus nicht selten vollkommen überzogenen Forderungen gerne mit dem Hinweis auf ihre, im Grundgesetz verbrieften Freiheiten – da hätten wir wieder den Konflikt mit dem kategorischen Imperativ, der speziell FDP-Wähler offenbar ja eher wenig schert. Und so stolperte ich heute Mittag über diese Frage auf meinem kleinen Inspirator…

Die kurze Antwort lautet: JAAAAAAAA! Die etwas elaboriertere Variante, an welcher ich mich im Folgenden versuchen möchte, beginnt mit folgendem Satz: das hängt vom Umfang des individuellen Missverhältnisses zwischen Forderung und Rechtmäßigkeit ab! Denn fordern kann man herzlich viel. Man kann auch über herzlich viel diskutieren. Zum Beispiel über die 42h-Woche, welche der ehemalige angebliche Sozialdemokrat Gabriel dieser Tage medienwirksam ins Sommerloch erbrochen hat. Es fand sich nur noch niemand, der dieses Verbal-Exkrement wirksam hätte entfernen können. Dem Fachkräftemangel durch eine Steigerung der Überforderung der noch vorhandenen Fachkräfte begegnen zu wollen, ist schlichter Humbug. Bedenkt man, dass der Senile Siggi dabei auch noch dem BDI-Präsidenten Russwurm sekundiert, der eine derartige Arbeitszeitverlängerung mit einem Hinweis auf die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage sicher gerne mit einem Almosen nahe Null entgälte, kann man ruhig mal wieder Max Liebermann zitieren. Im geschilderten Fall ist der eklatante Missbrauch der Redefreiheit durch vermutlich cerebralexsikkierte, saturierte ältere Herren in der Tat total peinlich. Allerdings ist es mit solcher Peinlichkeit wie mit der Dummheit und dem Totsein – ES TUT NUR DEN ANDEREN WEH!

Freiheit als solche kann natürlich nicht peinlich sein, weil der Begriff erst durch die jeweilige Inanspruchnahme mit Leben gefüllt wird. Wie bei Dienstleistungen wird hier das Uno-acto-Prinzip erfüllt (etwas wird verbraucht, noch während es produziert wird – gilt zum Beispiel auch für Unterricht). Womit klar wäre, dass es selbstverständlich auch die total unpeinliche Freiheit geben muss; oder besser, den total unpeinlichen Gebrauch der Freiheit! Der erfüllt sich in aller Regel allerdings, ohne dass wir diesen wahrnehmen! Dieses Problem mit der Wahrnehmungsschwelle erklärt überdies, warum so viele Covidioten immer noch glauben, dass ihre individuelle Freiheit ein uneinschränkbares Gut sei, und sich daher im Versuch der Ausübung des vermeintlich Beschnittenen total peinlich benehmen. Weil sie nämlich nicht wahrnehmen können, wie viele Freiheiten sie den ganzen Tag über als selbstverständlich in Anspruch nehmen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein: Freizügigkeit im Bundesgebiet und Schengenraum (sofern nicht wegen Infektionsgefahr eingeschränkt), Freie Berufswahl, freie Meinungsäußerung, Freiheit der Vereins- und Parteiengründung, freie Religionszugehörigkeit, freie Entfaltung der sexuellen Identität, und, und, und. Macht doch mal einen Ausflug nach Ungarn, in die Türkei oder nach Russland. Und dann viel Spaß mit dem Knüppel beim Einfordern dieser Rechte.

Nochmal zum Mitschreiben – nur der Gebrauch der Freiheit kann peinlich sein, dann aber unter Umständen wirklich total! Darum werde ich meine Freiheit dieses Wochenende und auch die nächsten Tage total unpeinlich in Anspruch nehmen und anstatt für meinen Job für mein Studium arbeiten… allerdings mit hoch angemessenen Pausen. Ansonsten wünsche ich euch ein schönes Wochenende. Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Mir fehlen die Worte!

Das ist natürlich eine contradictio in adjecto, weil hier Wörter stehen, die ich zu Bildschirm brachte. „Oh Sprache, du mächtigste aller Waffengattungen, deren Werkzeug, die Zunge das einzige ist, welches m. W. durch ständigen Gebrauch schärfer wird; könntest du mir wohl den Gefallen tun, und dich meinem Sinnen unterwerfen, um dich zu meinem Wohle und Gefallen nutzen zu lassen?“ Mächtiges Gebet des Schreiberlings; wird allerdings nicht allzu oft erhört. Ob das gut ist, oder schlecht, bleibt dem Betrachter / Zuhörer überlassen. Denn wohlverstanden wird sofort klar, dass derart Betende vor allem nach Macht mittels Manipulation streben; oder sollte ich lieber sagen – nach Influence… Und die weitaus meisten influenzestuösen Menschoiden da draußen, wollen vor allem eines: Kohle scheffeln. Was aber nur funktioniert, wenn sie ihre Werbeaufträge erfüllen, und Kunden generieren. Denn Konsum, die kleine Bastardschwester des allmächtigen Mamon will angebetet werden; und die Hochämter der Verehrung werden heute durch die digitalen, schnitt-optimierten Liturgien willfähriger, selbstoptimöser Möchtegern-Celebrities abgebildet. Schön schnell, ungefähr so authentisch wie die Titten der meisten Porno-Darstellerinnen und so nachhaltig wie Seifenblasen. Womit diese Inszenierungen ja wenigstens auf’s Trefflichste zu den angeblich nicht beworbenen Produkten passen.

…ob diese Konstruktion nachhaltiger ist? Zumindest macht es den Anschein.

Nun leben wir in einem hoch virtusualisierten Zeitalter [Spoiler: neues Kunstwort aus virtuell und visualisiert]; Sprache wird im Rahmen der oben beschriebenen Nutzung oft zu einem Hilfsvehikel für die Bildgewitter degradiert. Mit dem lästigen Nebeneffekt, dass zumindest die in anti-sozialen Medien genutzte Sprache sich derzeit sehr schnell verändert. Ich werde an dieser Stelle keine wissenschatlichen Studien zitieren, sondern mich ganz allein auf meine anekdotische Evidenz verlassen, denn dies ist MEIN verdammtes Blog! Und ich sehe vor allem Folgendes: grammatikalische Simplifizierung, mehr Neologismen und importierte Redewendungen. All das sind Moden, wie ich sie auch in meiner Jugend schon erlebt habe – und das Allerwenigste davon hat sich bis heute erhalten. Doch der aktuelle Sprachwandel scheint mir eine andere Qualität zu haben, die tatsächlich in nachhaltiger Veränderung münden könnte. Das für sich betrachtet wäre kein Thema, denn Sprache ist gelebte Kulturpraxis – und das Kultur nun mal immer ein weiterlaufender Prozess und nichts statisches ist, habe ich hier schon so oft gesagt, dass ich’s nicht mehr zählen kann. Problematisch ist lediglich der allzu häufig auf beiden Seiten ideologisch aufgeladene Umbau hin zu einer geschlechtersensiblen, gewaltfreieren Sprache. [Exemplarisch hier Martenstein vs. Arndt in ZON (paywall)]

Denn genau da fehlen mir Worte. Nicht etwa solche, wie das N-Wort, das Z-Wort oder das M-Wort. Ich verstehe und respektiere, dass manches sprachliche Diktum voran gegangener Zeiten heute einfach nicht mehr gebraucht werden sollte. Was mir fehlt, ist die historische Einordnung. Ja verdammt, Kant war ein Rassist und Chauvinist. Wie allerdings so gut wie alle anderen seiner Zeitgenossen auch. Und sein Rassismus ändert absolut gar nichts daran, dass seine moralphilosophischen Einlassungen bis heute Bestand und Geltung haben. Weil sie – ganz im Gegensatz zu vielen seiner alltäglichen Äußerungen – universell les- und deutbar sind; und damit alle Menschen inkludieren. Auch, wenn er das vielleicht gar nicht so wollte. Oder aber, er konnte tatsächlich so weit abstrahieren, dass er sich zumindest gelegentlich eine andere Welt vorzustellen vermochte als die, in welcher er nun mal lebte. Klingt komisch, ist aber durchaus denkbar. Denn klug war er allemal.

Ich will hier beileibe nicht jenen Menschen nach dem Munde reden, die eine Umkehr hin zur guten alten Zeit der richtigen deutschen Sprache fordern; denn das ist unverhohlen rechtsnational-identitätspolitischer Nazi-Quatsch. Aber ich würde mir wirklich wünschen, dass man sich des „eigentümlich zwanglosen Zwang des besseren Arguments“ erinnerte, den Habermas in seiner Theorie des kommunikativen Handelns formulierte. Indem wir jedoch einfach alles, was auch nur des leisesten Hauches potentiell kontroverser Bedeutung verdächtig sein könnte, auf den Müllhaufen der Geschichte werfen, berauben wir uns einerseits notwendiger Referenzpunkte für das Verständnis eben jener Geschichte; was in der Verunmöglichung des Lernens aus der Geschichte enden könnte. Und andererseits verhindern wir eben jene Kontroversen, die einen echten öffentlichen Diskurs überhaupt erst konstituieren. Ich will kein influenzialisiertes, verashtaggtes Abziehbild einer kritischen Öffentlichkeit. Denn eine wehrhafte Demokratie lebt von dieser kritischen Öffentlichkeit, die gerade mal von der einen, mal von der anderen Seite diskreditiert wird.

Ich will streiten können, notfalls dabei auch mit der groben Verbalkelle austeilen und scheue mich nicht, dann auch einzustecken. Jedoch – und das sei an dieser Stelle ausdrücklich betont – an der Sache und an den Taten der jeweils Streitenden orientiert. Nicht an irgendwelchen prominenten physischen oder sozialen Merkmalen. Kriegen wir das vielleicht irgendwann wieder hin? Ich versuche gerne das Meine. Und wünschte mir, mal Kommentare zu bekommen, die tatsächlich eine Diskussion entstehen lassen. Aber vermutlich haben es bis hierhin gar nicht alle geschafft. Also verhallt auch dieser Aufruf im Zeitalter der aberzogenen Aufmerksamkeit vermutlich ungehört. Drauf geschissen. Ich kriege euch schon noch dazu, mit mir zu diskutieren. Schönen Abend.

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Links, zwo, drei, vier – in den Abgrund laufen wir…!

Irgendwo zwischen spät-krenzianischem [für die unbeleseneren: Egon Krenz] Ostalgismus, selbstgerechtem Teufelslob durch bedingungslose Pazififiererei, der Stringenz des „… ja aber …“ und der absolut Metareflexionsfreien Selbstgerechtigkeit des Dogmatismus mäandert Die Linke – leider verdienterweise – in den Abgrund. Ist das noch Politik, oder kann das weg? Ich bin Soze, aber dieser Laden hat sich nunmehr (im Rahmen seines Parteitages) vollkommen selbst demontiert, und seine realpolitische Unfähigkeit eindrucksvoll demonstriert. Die rotbraune Sarah reißt auch schon wieder ihr Schandmaul auf; die hört man ja auch nur noch, wenn es um’s Dreckwerfen geht! Und das, obwohl wir in Deutschland eine ernstzunehmende demokratische Kraft links neben der SPD dringend brauchen könnten! Denn sozialer Wandel erschöpft sich im Moment in almosenartiger Flickschusterei im Angesicht des größenwahninnig-putinesken Imperialismus. Die letzte Bastion des ungezügelten Kapitalismus auf dem Erdenrund – Russland. Nirgendwo sonst regiert das Geld skrupelloser und gewalttätiger als dort. Die führen ohne den leisesten Anflug von Schamesröte einen profitorientierten Angriffskrieg gegen ein Nachbarland; und behaupten dann auch noch, andere seien daran Schuld. Da können sich selbst die Amis noch ’ne Scheibe abschneiden. Das würde immerhin erklären, wieso der ehemalige, leider immer noch nicht weggesperrte Präsidentendarsteller Krampf, ähm, sorry, Trump sich so zum Lobe Wladimirs verstiegen hatte… Man kann einmal mehr sehen, wie sehr sich die Autokraten ähneln, egal, aus welcher Himmelsrichtung des Polit-Spektrums sie auch zu kommen behaupten mögen.

„Aus alt mach neu!“ funktioniert nicht immer – insbesondere, wenn man nur die Fassade streicht…!

Sabbernde Kommentarspalten der asozialen Medien vergleichen natürlich mal wieder die Linke mit den Grünen, obschon DIE wenigstens eine gewisse, an realen Notwendigkeiten orientierte Wandlungsfähigkeit bewiesen haben. Was widerum die grünen Dogmatiker zum geifernden Agitieren veranlasst. Man kann’s halt nie allen Recht machen. Der französische Schauspieler Henri Tisot hat mal gesagt: „Bei der Politik und bei der Fischsuppe sollte man nicht zuschauen, wie sie gemacht werden…“ Vielleicht liegt es an genau dieser medialen Omnipräsenz solcher Prozesse, kombiniert mit der gewaltsam kaputt gezüchteten menschlichen Aufmerksamkeitsspanne, dass alles und jeder zerrissen werden, bevor man überhaupt zum sachinhaltlichen Part eines Diskurses kommen kann. Und fünf Minuten später klingelt der multimediale Eiswagen schon wieder, um vor unseren staunenden Augen und Ohren neue Sorten Leid, Elend, Hass und Absurdität auf den Jahrmarktsplatz der einander jagenden Ungeheuerlichkeiten zu erbrechen. Ich glaube wirklich, dass verzögernde Techniken in den sozialen Medien hier helfen könnten. Nachrichtenredaktionen sollten nur eine gewisse Menge Artikel pro Tag zum gleichen Thema veröffentlichen dürfen- Dopplungen würden automatisch entfernt! Und DU musst erst drei Inhaltsfragen zum Text richtig beantworten und fünf Minuten warten, bevor du liken, haten, teilen, kommentieren, oder sonstwas darfst. Es würde so viel unnötige Trollerei verhindern. Und mit der Zeit eventuell sogar dazu führen, dass wir insgesamt wieder etwas geduldiger und aufmerksamer werden. Unserer Gesellschaft könnte NICHTS BESSERES passieren!

Wo war ich…? Ach ja, bei Die Linke. Sauladen. Kann weg. Ich brauche keine Oligarcho-Kleptokratie-liebenden Möchtegern-Salon-Pazifisten, die in den 60ern des vergangenen Jahrhunderts auf einem schlechten Tripp Mao-Stalinkraut hängen geblieben sind. Diese degenerierten Möchtegern-Erben Rosa Luxemburgs brauchen dringend mal ein heftiges Realitätsupgrade. Und bis dahin – raus aus allen Parlamenten mit diesem vollkommen verantwortungslosen Volk. Habe fertig. Schönen Start in die Woche.

Auch als Podcast…

Oh, ihr Seligen…

Es passiert mir nicht selten, dass ich einen Gedanken fasse, den ich für interessant genug halte, darüber einen Blogpost lang zu räsonieren. Das Problem ist, dass ich manchmal bin, wie Hamilton das Eichhörnchen aus „Ab durch die Hecke“ – schnell gedacht, noch schneller vergessen, weil von irgendwas anderem abgelenkt! Und wenn’s nur so was banales ist, wie etwa Hausarbeit. Manchmal verfängt sich ein Rest des Gedanken aber im Spülsieb meines Cerebralsyphons und wird so später wiedergefunden. Wie etwa meine Gedanken zu Wolfgang Kubickis Äußerung, dass an einer allgemeinen Impfpflicht die freiheitliche Gesellschaft zu Grunde ginge. Er macht zwar den sinnvollen Punkt, dass auch Geimpfte sich verdammt noch mal überall testen lassen sollten. Aber ansonsten übersieht er schlicht, dass dieser Wahnsinn ohne eine generelle Impfpflicht noch zwei, drei Jahre weiter gehen wird. Wie erklärt er das seinen wirtschaftsliberalen Jüngern? Und, hat er tatsächlich vergessen, warum es obligatorische Pocken-Impfungen gab? Selig sind, die selektiv vergessen können, wenn es um ihre persönliche Bedeutung und Macht geht…

Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wenn ausgerechnet Juristen, die den Geist des kategorischen Imperativs, welcher durch unsere gesamte Gesetzgebung weht, eigentlich als Muttermilch aufgesogen haben sollten, dann anfangen, das Individuum um jeden Preis über das Kollektiv stellen zu wollen. So wie jene, die das Kollektiv über das Individuum stellen wollen, in aller Regel dabei irgendwann anfangen, das Individuelle ausrotten zu wollen (ein Blick in die VR China genügt, um zu verstehen, wovon ich rede) kommen mir manche FDP-Politiker vor, wie erzegoistische Nihilisten, die das Solidarische eliminieren wollen, damit der Markt alles regeln kann. Der Markt jedoch, so man diesen denn dummerweise entfesselt, regelt nur eines: Umverteilung von denen, die eh zu wenig haben, hin zu denen, die eh schon zu viel haben. Und falls sich jetzt jemand über den Passus „ZU VIEL“ mit Bezug auf individuellen Besitz aufregen möchte: wie sinnvoll ist es, Touristen mit Feststoffraketen ins All zu schießen (und dabei selbst mitzufliegen), wenn hier unten sowieso schon das Klima umkippt?

Das Besitz verpflichtet, steht in unserem Grundgesetz (Art. 14, Abs. 2). Amis ist das natürlich egal. Aber unseren Besitzenden ist es offenkundig zumeist ebenso egal. Wo ist da die, zwingend notwendige, juristische Konsequenz, wenn es um den Erhalt der Solidargemeinschaft geht? Typen wie Kubicki geht es immer nur um die „Freiheit, die ICH meine“, nicht um die Freiheit aller Bürger, wenigstens halbwegs gleiche Chancen beim Start ins Leben haben zu dürfen. Und dann redet dieser freche Faktenallergiker über eine allgemeine Impfpflicht, als wenn die Unversehrtheit meines linken Oberarms die letzte Demarkationslinie der Demokratie wäre! Was genau raucht derTyp? Und dann schwadroniert er auch noch davon, dass Menschen wie ich, die eine generelle Impfpflicht fordern, Jakobiner wären, denen es lediglich um die Bestrafung der Ungeimpften ginge. Was für ein verdrehtes Verständnis von Rechtsstaat hat dieser aufgeblasene Amateur?

Wir haben da draußen eine Schwurblerszene von etwa ein paar 10.000 Menschen, welche durch gezielte Desinformation über alle möglichen Kanäle in den letzten 21 Monaten bundesweit ein Klima des Misstrauens verbreitet haben, dass auch so manchen eigentlich Vernünftigen zum Impfskeptiker gemacht hat. Weil wir denen viel zu viel Raum in unserer Wahrnehmung einräumen. Dabei ist deren Signifikanz für die Gesamtgleichung Gesellschaft unbedeutend! Sie sind nur viel lauter als die meisten anderen. Und dann kommt die FDP und wittert im Angesicht der redlich verdienten Bedeutungslosigkeit Morgenluft… Und wenn man in so einer Situation einen Apologeten für die übersimplifizierte Verschlagwortung des, im Kern stets unscharfen Begriffes, Freiheit braucht, eignet sich der selbsternannte nordische Freigeist Kubicki natürlich exzellent.

Ob ich wütend bin? Aber hallo! Warum ist mir die Ampel mit diesen unerträglichen Selbstdarstellern Lindner, Kubicki und Wissing nicht erspart geblieben? Und dann muss ich auf ZON auch noch lesen, dass ausgerechnet DIE bei jungen Leuten richtig geil gescored haben. Soviel zu meinem Vertrauen in die junge Generation. Ich vermute mal, dass deren Bedürfnis nach Selbstwirksamkeitserfahrung (bei manchen Vertretern der Generation Z nach meiner persönlichen Erfahrung durchaus stark ausgeprägt) sie zu denen getrieben hat, die sich schon immer dieses Wort Freiheit (wie schon gesagt, ein höchst unscharfer und daher stets auf’s Neue definitionsbedürftiger Begriff) auf die Fahne schreiben und dabei stets verabsäumen, auch anzugeben, wessen Freiheit sie eigentlich meinen! Na ja, da die nicht wirklich irgendwas liefern, habe ich immer noch Hoffnung, dass sie das nächste Mal wieder hinter der Bühne verschwinden müssen. Oder ich werde zur Abwechslung mal wirklich positiv überrascht. Das hätte nach 30 Jahren schon was. Jedoch mir fehlt der Glaube. Da wünsche ich euch lieber schon mal einen schönen vierten Advent.

Auch als Podcast…

Alles zerreden müssen…?

Unsere neue Bundesregierug ist kaum einen Tag im Amt, schon zerreissen sich die Medien ob der Frage, welches Amt nun für die Deutungshoheit in der Außenpolitik zuständig ist, das Maul: das Außenministerium, oder doch das Bundeskanzleramt? Das hier schon gleich zu Beginn um Macht gerungen wird, ist den Verlierern der letzten Wahl (zumindest vordergründig) ein Omen, dass die Bundesrepublik ohne deren erleuchtete Führung dem sicheren Untergang geweiht ist. Nichts könnte der Realität ferner liegen, nachdem die CDUdioten im Bund 16 Jahre lang wirklich alles Mögliche getan haben, um Wandel aktiv zu verhindern. Dass in der Politik Claims abgesteckt werden, ist nichts Neues. Das dies unter dem dauer-sezierenden Blick der Journalisten und dem unvermeidlichen Echo der (a)sozialen Medien geschieht, ist ein Symptom unserer Zeit. Und so sind diese televerbalen Scharmützel kaum eine hochgezogene Augenbraue wert. Spiegelfechterei und gezielte Provokation, um die Erregungsmaschine am Laufen zu halten. Denn hier muss ich den Fantastischen Vier widersprechen*: du bist tot, sobald du nicht mehr in allen Köpfen bist! [„Feinde oder Freunde, es gibt viele Stars. Sterben kannst du nicht, wenn du in aller Leute Köpfe warst“ Die Fantastischen Vier, „Populär“ vom ’95er Album „Lauschgift“]

Quelle Pixabay

Das Problem ist nicht, dass Politiker Aufmerksamkeits-Huren sein müssen. Das Problem ist, dass sie dabei die Sachargumente zerstören, und ihr Handeln irgendwann nur noch aus rhetorischen Figuren besteht, die inhaltsentleertem Influenzerismus gleich, höchstens dazu geeignet sind, Emotionen zu triggern. Und weil jede Seite Ihre Follower, ihre Die-Hard Fangirls- und Boys hat, bevölkert hoch emotionaler Bullshit-Terrorismus die Kommentarspalten unserer (a)sozialen Medien. Die gewünschte Funktion, die Menschen einander näher zu bringen, die einst als große Hoffnung an das Internet geäußert wurde, wird hier nicht nur verfehlt, sondern auf’s Brutalste in das Gegenteil verkehrt. Und alle glauben, sie hätten Recht, wären im Recht, wüssten worum es geht – und haben doch nur sinnlose Überschriften geliked oder gehatet, ohne zu verstehen, was wirklich Phase ist. Das Internet hat die Welt tatsächlich in einer Hinsicht demokratisiert: es hat die Möglichkeit, Partikular-Interessen zu äußern und zu promoten, aber auch diese anzugreifen und deren Vertreter zu mobben an jeden verteilt, der einen Netzzugang hat. Und dabei die Eintrittsschwelle hierzu, und zu den unweigerlich folgenden Diskussionen, auf das niedrigst mögliche Niveau gesenkt: man muss nur eine Maus bedienen, oder auf einem Bildschrim rumwischen können. Das kriegen auch Affen hin…

Man darf mich natürlich (gezielt) missverstehen – eine der möglichen Varianten, wie man „Gegner“ im Internet „bloßstellen“ kann – oder man nimmt einfach zur Kenntnis, dass ich NICHT denke, dass alle Nutzer sozialer Medien Affen sind, die keinen Durchblick haben. Allerdings genügt ein relativ kleiner Prozentsatz, um einem die Laune zu torpedieren. Denn natürlich sind die Apologeten der televerbalen Unverschämtheit noch dazu „Lautsprecher“ im wahrsten Wortsinn. Das wahrhaft Bedauerliche ist, dass dabei dies hohle Geschwafel ihrer „Volksvertreter“ in ihnen ausreichend Energie erzeugt, um selbst massenweise rhetorische Montgolfieren aufsteigen zu lassen; und doch erzeugen sie allesamt nur heiße Luft… Im Moment triggert mich das nicht etwa, weil ich mich so sehr für die (a)sozialen Medien interessiere (das tue ich, andernfalls wäre das hier nicht auch auf FB zu finden), sondern weil dieses dysfunktionale Ego-Geficke schon wieder eine antidemokratische Unwucht erzeugt, die meine ureigensten sozialen und politischen Instinkte in Wallung bringt. Um es auf den Punkt zu bringen: ich würde gerne jedem Grünen-Basher persönlich eine auf’s Maul geben. Und ich bin, verfickt noch mal, Sozialdemokrat. Noch mal Voltaire gefällig: „Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.“

Ich wollte mich nicht aufregen, ich weiß, ich weiß. Aber wenn man sich diesen Mist jeden Tag anschaut, einfach weil man nicht daran vorbeikommt, wenn man nicht in einem Erdloch ohne jedwede Verbindung zu Außenwelt überwintern möchte (und ich fände Winterschlaf wirklich toll), muss man halt irgendwie darauf reagieren. Und Leute durch meine Schreibe derbe anschreien, ist gar nicht mal so schlecht als Ventil. Darum jetzt noch mal grobe Kelle: AN ALLE ARSCHMADIGEN KOGNITIONSALLERGIKER DA DRAUSSEN; DIE MIT EINIGEN KOMPONENTEN DER NEUEN REGIERUNG NICHT KLARKOMMEN: VERZIEHT EUCH IN EURE ERDLÖCHER, UND GEHT EUCH GEGENSEITIG MIT EUREM IRRELEVANTEN GEJAMMER AUF DEN SACK. NIEMAND MIT VERSTAND BRAUCHT EUCH. UND TSCHÖ! Und ganz ehrlich; ich warte darauf, dass mich endlich mal jemand entfreundet, blockiert, oder gar beschimpft und bedroht, und sich so offen zu seiner / ihrer ewiggestrigen, antidemokratischen, asozialen und an allen Realitäten und Notwendigkeiten unserer Zeit vorbeigehenden Ideologie bekennt. Es wäre mir ein Fest, euch aus meinem Leben scheiden zu sehen. Denn wer immer noch nicht kapiert hat, dass die Uhr unserer Welt auf drei NACH Zwölf steht, dem ist jetzt auch nicht mehr zu helfen. Ich habe fertig…

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Das Politische ist privat!

Dieser Tage las ich einem Artikel (Buchrezension, Autorinnen und Titel sind unten benannt), in dem es um die Frage ging, inwiefern, bzw. auf welche unterschiedlichen Arten Sex politisch sei. Und um gleich der Augenscheinlichsten, weil am häufigsten sabbernd zitierten Variante eine Absage zu erteilen: persönliche Sexyness als Kapital zu instrumentalisieren (vulgo: sich hochzubumsen), ist dabei nicht die wichtigste Form, in der sich Sex als objektifizierte Ressource einsetzen lässt, um Macht zu gewinnen, oder zu verteilen. Und um mit einem weiteren Vorurteil an dieser Stelle aufzuräumen: es geht nicht nur um weibliches Sexhandeln, sondern um Sexhandeln an sich; bzw. einen kontrollierten Mangel daran. Es sind also explizit alle Geschlechter angesprochen. Denn so wie sich Idealvorstellungen von Sexyness und Beziehung im Lauf der Zeit, im Wechselspiel mit unseren Kulturtechniken immer wieder wandeln, wandelt sich selbstverständlich auch der Tauschwert dieser Idealvorstellungen. Doch gehen wir zunächst einen Schritt zurück.

Manchmal braucht man eine neue Perspektive…

Das Private ist politisch!„, ist ein Slogan, der zuerst aus der Frauenbewegung kam. Sachverhalte des Alltags wurden plötzlich in der Öffentlichkeit diskutiert und so nach und nach politisiert. Gerade für die politischen Ziele des Feminismus war die „Politik der ersten Person“ (also aus der Individualperspektive) eine Möglichkeit, Ungleichheit, und vor allem ungleiche Behandlung transparent zu machen, um so unter aller Augen für die Rechte der Frauen kämpfen zu können. Das Ungesehene sichtbar zu machen war eigentlich auch damals schon nichts Neues mehr; neu war jedoch die Idee, Dinge aus der Privatsphäre in die Öffentlichkeit zu ziehen. Die Möglichkeiten, einen öffentlichen Diskurs anzustoßen, haben sich natürlich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Vor allem auch pluralisiert. Sprach ich die Tage nicht von der fraglichen Demokratisierung im Literaturbetrieb, durch sich stetig weiter entwickelnden Technologien des Internets? Nun, was dort nicht wirklich funktioniert hat, klappt bei den sogenannten Graswurzelbewegungen zumindest ansatzweise ganz gut. Und so fand natürlich das Konzept in den letzten Jahren auch vermehrt Eingang in anders gelagerte gesellschaftliche Bewegungen.

Quelle: Pixabay

Das Soziologinnen nun die Rückbindung auf das (zumindest theoretisch) privateste aller Dinge vornehmen – nämlich die erotische Beziehung als intimste Zone zwischen Menschen – erscheint unter diesen Vorzeichen nur konsequent. Und ist irgendwie auch nicht neu. Immerhin dreht sich die Frauenbewegung von Anfang an immer auch um den Kampf für die sexuelle Selbstbestimmung. Ein Kampf, der allerdings mitnichten zu Ende gefochten ist. Und so verwundert es wenig, wenn das Thema mal wieder prominent auftaucht. Die Autorinnen fassen (mal wieder ganz im Geiste Bourdieus) Sexualität als eine Form von Kapital auf, und unterscheiden vier Formen:

  • Keuschheit: das mag verwundern, aber das verschleierte Versprechen auf die Defloration (man möchte mir das Wortspiel bitte verzeihen) entfaltet erhebliche soziale Macht und hat in bestimmten Gesellschaften einen sehr hohen Tauschwert.
  • Sexarbeit: die direkte Umwandlung von sexuellem in pekuniäres Kapitals bedarf vermutlich keiner weiteren Erläuterung; auch wenn jedem klar sein sollte, dass dies allzu oft unter prekären Bedingungen und in Abhängigkeitsverhältnissen passiert.
  • Verkörpertes sexuelles Kapital: hier geht es wieder um das bloße Versprechen, dass für die Funktion der kapitalistischen Marktlogik dienstbar gemacht wird, ohne dass es zum Vollzug des Aktes als solchem kommt: SEX SELLS!
  • Neoliberales sexuelles Kapital: ein (hier unterstellt) abwechslungsreiches Sexleben der Mittelklassen, welches durch die Bereicherung der individuellen Selbstentfaltung positiv auf die kreative Leistung (auch) im Job wirken soll. Zudem ist es marktwirksam (Porno, Toys, Inanspruchnahme von Dienstleistungen, etc.).

Ganz ehrlich: aus persönlicher Betrachtung halte ich den letzten Punkt für grandiosen Buillshit. Einerseits, weil die Autorinnen tatsächlich selbst in die Falle der Objektifizierung individueller Intimität tappen – und damit paradoxerweise den Boden der Objektivität verlassen. Und zum anderen, weil ich es für höchst unwahrscheinlich halte, dass man hierzu aussagekräftige Daten erheben kann. Denn Männer stellen sich gerne als tolle Hechte dar, wohingegen Frauen sich – meiner Erfahrung nach – eher ungern dem Leistungsdruck durch Vergleiche in diesem speziellen Lebensbereich aussetzen wollen. Selbst wenn man also Daten zusammenbekäme, wäre ein großer Prozentsatz vermutlich schlicht erstunken und erlogen. Keine gute Basis. Denn hier ist, um den Zirkel zu schließen, das Politische eben doch privat genug, nicht allzu viel darüber reden zu wollen. Und auch, wenn das jetzt wahrscheinlich für Manchen ein wenig altmodisch klingt: das ist auch gut so. Ich wünsche eine gute Nacht, egal mit was sie auch erfüllt sein mag…

Dana Kaplan/Eva Illouz: Was ist sexuelles Kapital? A. d. Engl. v. Michael Adrian; Suhrkamp, Berlin 2021

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The networked mode – what about groups?

Dieser Tage saß ich abends mit der besten Ehefrau von allen bei geistigen Getränken auf dem Balkon und wir parlierten so über dies und das. Irgendwann kam das Gespräch darauf, dass es mich ein wenig amüsieren würde, dass bei einer Fortbildungsveranstaltung in der Vorstellungsrunde alle TN auf ihre beruflichen Funktionen rekurriert haben, um sich den Anderen zu präsentieren. Und das es mich grundlegend irritieren würde, dass Menschen so sehr auf dieses Distinktionsmerkmal „Beruf“ fixiert seien. Die Replik meiner Gattin war eine Frage: wodurch sollten sie sich denn sonst definieren? Und so ganz unrecht hat sie damit ja auch nicht. Denken wir das ganze mal in Gruppenprozessen, geht es neben der Distinktion der eigenen Person von Anderen ja auch um die Zugehörigkeit zu einer Peergroup. Und da wir nicht mehr in marodierenden Nomadenstämmen durch die Gegend ziehen, um dann in Clans gegeneinander Krieg um Land und Vieh zu führen, ist die eigene Berufsgruppe als Platz der Zugehörigkeit ein dankbarer Ersatz. Man muss dafür halt auch niemandem den Schädel einschlagen…

Das Problem mit Gruppenprozessen aller Art ist, dass sie in der Folge nicht selten dazu verführen, um der Zugehörigkeit in der eigenen Peergroup Willen Dinge zu tun, die nicht ganz so schön sind. Eine auch heute noch beeindruckende Beschreibung solcher Prozesse lieferte Norbert Elisas in seinem (mittlerweile wohl als Klassiker der Sozialwissenschaften betrachteten) Buch „Etablierte und Außenseiter“ von 1965. Merkmale der eigenen Gruppe werden dabei als positiv stilisiert, Merkmale anderer Gruppen hingegen abgewertet, um einerseits den subjektiven Wert der eigenen Gruppe zu erhöhen und andererseits durch den daraus entstehenden Konformitätsdruck („Willst du drin sein, oder draußen?“) den Zusammenhalt zu steigern. Eine Gruppe wird so zu einem selbsterhaltenden sozialen System (Autopoiese), dass allerdings – sofern der oben beschriebene Mechanismus wirksam wird – die Betonung des Andersseins gegenüber anderen Gruppen für die eigene Kohäsion benötigt. In der Folge kann es z. B. zur Stigmatisierung der Mitglieder anderer Gruppen kommen. Insbesondere, wenn die Gruppe, von welcher diese Art von Aggression ausgeht, die Mehrzahl der Menschen in einem Bereich stellt.

Doch, was hat das nun wieder mit Netzwerken zu tun? Betrachten wir zunächst die Beziehungen innerhalb einer solchen Peergroup, weicht die Punktualisierung als zufällig emergierende soziale Verbindung mit u. U. unabsehbaren Auswirkungen und ungewisser Zukunft einer Ritualisierung, ja beinahe Formalisierung der Beziehungen – und in der Folge auch der genutzten Kommuniaktionsformen (Bro-Fist, Special Handshakes, Running Gags und Insider Gags, etc.). Ein weiterer möglicher Aspekt ist die Entstehung einer – vielleicht formellen, oft aber eher informellen – Rangordnung innerhalb der Gruppe. In der Folge kann es wiederum zu Machgefällen kommen, welche dazu führen, dass eine (Subjektive) „Elite“ innerhalb der Gruppe Macht über die anderen Mitglieder erlangen und schließlich Herrschaft über diese ausüben könnte. Nun kann man Herrschaft über andere Menschen allerdings üblicherweise nur dann ausüben, wenn die Beherrschten die Beherrschung selbst legitimieren. Da innerhalb einer Peergroup jedoch Konformitätsdruck herrscht, kann eine hinreichend gute Begründung (z.B. durch gemeinsame Feindbilder) für die eigenen Ziele so viel Zustimmung einwerben, dass der eben beschriebene Prozess in Gang kommt. Ein prominentes Beispiel ist die Vereinnahmung der AfD durch Nazis.

Gegenüber anderen Gruppen verändert sich dadurch natürlich das Auftreten. An die Stelle der (natürlichen) Suche nach Konsens mit anderen Gruppen durch öffentlichen Diskurs tritt die öffentliche Verneinung der Legitimation anderer Standpunkte ohne inhaltliche Diskussion; der eigene Standpunkt wird als „letzte Wahrheit“ verabsolutiert und alles andere als schädlich verworfen (=> Grünen-Bashing). Was Stigmatisierung mit anderen Menschen macht, kann man exzellent an der Diskussion um Intergration in unserem Lande sehen. Es wird immer wieder dieser widerliche Begriff „Leitkultur“ verwendet, bei dem nicht wenige Menschen so ein bestimmtes Bild im Hinterkopf haben: lauter weiße Menschen, Bierzelt, Schützenfest, Spanferkel „Mei, is des deitsch!“. Alternativ darf man natürlich die Reihenhaus-Vorstadt-Siedlung mit akkurat gestutzem Rasen und deutschem Markenfabrikat in der Auffahrt nicht vergessen. Was nicht in dieses Bild einer Mehrheits-Kultur passt, wird verachtet und demgemäß gedisst. Dass Kultur ein Prozess ist – nun ich habe es schon tausend Mal gesagt, und werde das gewiss noch tausend Mal tun – bedeutet jedoch, dass diese Bilder von der „guten alten Zeit“ eine Illusion sind. Ein Schritt von vielen in der Entwicklung unseres Landes…

ACHTUNG: Gruppenprozesse sind mitnichten immer böse! Dass sieht man am kameradschaftlich-altruistischen Handeln vieler, vieler Menschen in den von der Flutkatastophe betroffenen Gebieten. Aber die beschriebenen Mechanismen können eben genauso wirksam werden – und sie tun dies jedesmal, wenn jemand Facebook aufruft, weil der Algorithmus dies begünstigt. Da kann man noch so viele Anti-Hate-Crime-Gesetze auf den Weg bringen. So lange asoziale Medien nicht anders strukturiert werden (und damit unrentabel für die Betreiber werden, weil der Algorithmus Werbeeinnahmen generiert), bleiben sie asozial. Das ist nur ein Netzwerk-Aspekt, aber damit wollen wir’s mal gut sein lassen. Peace

  • Elias, N.; Scotson, J. 2002: Etablierte und Außenseiter. Frankfurt/Main: Suhrkamp.

Zwischenruf N°8 – Robuster Diskurs

Um es kurz zu machen: allenthalben kommen die Apologeten der Reinheit des Kanzlerwahlvereins – a.k.a. CDU – aus ihren Löchern gekrochen und beginnen ihr hysterisch-beleidigtes Gekreische: „Wir werden alle untergehen, wenn der Baerbock nicht sofort geschossen wird!“. „Nur wir können das WAHRE Deutschland vertreten!“. „Lieber tot als rot!“. „…mit den Blauen koalieren wir nur, wenn es gar nicht anders geht, an die Macht zu kommen…“ Ups. Sorry, das letzte haben sie ja (noch) gar nicht gesagt. Aber wenn der Kanzlerkandidat seinen nordrheinwestfälischen Staatskanzleichef Nathanael Liminski mitnimmt, haben wir einen astreinen Erzkatholiken mit Opus Dei-Verbindung in Berlin sitzen. Nimmt man dann noch (F)Laschets Unfähigkeit hinzu, sich vom unerträglichen Rechtsaußen Maaßen endlich richtig zu distanzieren, sehe ich hier eine Blaue Stunde heraufziehen, die sich gewaschen hat. Wo kriegt man nur all das Fressen her, dass ich gerade im Strahl kotzen möchte?

Klipp und Klar: Vertreter aller Parteien haben zu verschiedenen Zeitpunkten bei allen möglichen Gelegenheiten ihre Schäfchen ins Trockene gebracht, Seilschaften gebildet, unredlich gehandelt, das Wahlvolk nach Strich und Faden beschissen, und so weiter und so fort. Aber wenn unsere beste Antwort als Gesellschaft darauf lediglich ein müdes „…weiter so…“ für den größten Haufen Flaschen, Betrüger und Luftpumpen ist (JA, ICH MEINE DIE VERDAMMTE CDU, DIE VERDAMMT NOCHMAL ENDLICH DAS C DURCH EIN B ERSETZEN SOLLTE!), dann haben wir es nicht besser verdient, als bald wieder von stramm marschierendem Faschistenpack gepiesackt zu werden, während unweit von Köln kurze Zeit später neue Grundstücke mit Meerblick erschlossen werden können. Wenigstens müssen wir unsere Orangen dann nicht mehr aus Italien importieren, sondern können sie in der oberrheinischen Tiefebene selber züchten…

Aber Hauptsache, ICH kann auf Facebook die Grünen bashen, weil ICH Angst habe, dass ICH nach der „Machtübernahme“ dann nicht mehr mit MEINEM SUV durch die Stadt cruisend Radfahrer anpöbeln kann, welche die Frechheit besitzen, MEINE freie Fahrt als freier Bürger aufzuhalten. Und dann auch noch diese Parkgebühren, für Plätze, auf denen MEINE Scherbe von den Ausmaßen eines M2 Bradley gar keinen Platz findet. Empörend ist das, Menschen mehr Raum geben zu wollen, wenn ICH den doch für MEIN überteuertes, überschweres, übergroßes, übergefährliches Blech brauche. JA, MEINE wahre Freiheit kann es nur in einem extra-autofreundlichen Deutschland geben. Und weil es keine anderen Götter neben MEINEM Blech geben kann, sollen die Baumkuschler verdammt noch mal verschwinden – JAWOLL! Und überhaupt, MEINEN Lebensstandard für das Wohl kommender Generationen – was ist das überhaupt für ein bekackter Begriff, ICH lebe JETZT – auch nur ein Futzel zu senken, kommt ja überhaupt nicht in Frage. IHR nehmt MIR nichts weg, verstanden linksgrünversifftes Pack! [Für alle, die zu blöd sind, semantisch zu denken: das war IRONIE!]

Jeden Tag, an dem ich solchen Menschen ihre eigenen Denke präsentiere, muss ich mir diesen Schwachsinn anhören. Hey Leute, ich gehöre zur Generation X (klares Feindbild der FfF-Aktivisten, weil ich’s verkackt habe), und habe trotzdem verstanden, dass wir vom Gas runtermüssen, dass wir Ressourcen schonen müssen, dass wir uns zurücknehmen müssen, dass wir auf Bio, Öko, nachhaltig umstellen und weniger verbrauchen müssen. Und das die einzige Partei, die auch nur halbwegs in die richtige Richtung geht (und sich dennoch dem demokratischen Kleinklein des Kompromisses wird beugen müssen), sind halt die Grünen. Schmeckt mir auch nicht in allen Punkten. Aber weiter so ist keine Option! Gelber Marktliberalismus ist keine Option. Rotes „Wir wollen über alles mögliche reden, nur nicht über Ökologie“ ist keine Option. Und endloses, weltfremdes, dogmatisches Marxisten-Geschwafel ist auch keine Option! Und BLAU – HERRGOTT BLAU IST WEDER EINE OPTION, NOCH EINE ALTERNATIVE, SONDERN NUR FASCHISTENMÜLL! Ich bin gespannt, wie schlimm es wird, denn leider denken die allermeisten Menschen, dass grüne Politiker Ihnen etwas wegnehmen wollen. Wenn Sie sich für weiter so entscheiden, wird die Welt evtl. Ihnen, spätestens aber ihren Kindern und Kindeskindern noch viel, viel mehr wegnehmen. Wegen diesem verschissenen Egoismus, der heute als Maß aller Dinge gilt. Denkt mal drüber nach, Leute…

The networked mode – (anti)social media?

Bezogen auf den Umfang meines persönlichen Wirkens in den sozialen Medien, der durchaus nicht gering ist, müsste man annehmen, dass ich mich mit manchen Eigenheiten mittlerweile angefreundet hätte; vielleicht aber zumindest meinen Frieden gemacht. Au contraire, liebe Leser… au contraire! Wie im letzten Post bereits im Nebensatz angeklungen sein mag, ist der Gebrauch solcher Netzwerke für mich stets mit ambivalenten Gefühlen versehen. Einerseits versuche ich – so wie jede Oberflächenpolierte Influencer-Blödfliege auch – meine Reichweite zu steigern, indem ich meine Posts zum Beispiel auf Facebook teile, obwohl ich weiß, dass die Zuckerberg’sche Aufregungs- und Beleidigungsschleuder das Letzte ist und ich damit auch noch einen Anbieter unterstütze, der echte Partizipation und nachhaltiges Handeln mit Füßen tritt. Ich erweise der Demokratie also gerade einen Bärendienst. Andererseits wüsste ich nicht, wie ich sonst an mehr potentielle Leser kommen sollte, um Ideen für mehr Partizipation und bewussteren Umgang mit der eigenen Existenz zu streuen. Tolles, Dilemma, aber für SEO bin ich halt zu blöd. Oder zu wenig Verkäuferseele.

Folgen wir den Meta-Überlegungen zu Netzwerken, die ich im letzten Post angestellt habe, spiegelt mein Bemühen um Reichweite den Wunsch wieder, die Emergenz von Interaktion, also die Entstehung von Punktualisierungen anzuregen, zu beschleunigen, und bestenfalls sogar zu lenken. Das ist grundsätzlich weder unmöglich noch falsch. Andernfalls könnte ich zum Beispiel als Lehrer einpacken, weil alle Versuche der Lern-Ermöglichung für meine SuS bereits im Kern sinnlos wären. Aber dazu in einem anderen Post mehr. Indem ich also meine Sichtbarkeit steigere, vergrößere ich die Wahrscheinlichkeit der Konvergenz anderer Akteure mit mir, bzw. dem, was ich von mir preisgebe. Das Prinzip kennen wir auch aus der Werbung – in unnachahmlicher Weise vom „Seitenbacher-Mann“ auf die Spitze getrieben. Oder anders gesagt: man kann es auch übertreiben. Denn natürlich ist es möglich, dass ein bewusster Versuch, Konvergenz zu erzeugen als unerwünschtes Eindringen in die so genannte Intime Zone oder die Privatsphäre interpretiert und entsprechend unterbunden oder gar sanktioniert wird.

Dabei entsteht das Problem, dass speziell in der digitalen Kommunikation, die einerseits oft anonym, vor allem aber asynchron abläuft, die Wahrnehmung dieser Begriffe verschoben sein kann, oder aber diese von manchen sogar als schlicht irrelevant betrachtet werden, weil ja zumeist keine Face-to-Face-Gespräche stattfinden. Dieser soziale Aspekt von Kommunikation, den unter anderem Paul Watzlawick in seinem 2., 4. und 5. Axiom sehr präzise beschrieben hat, kann dabei vollkommen entkoppelt werden. Die Folgen können wir – höchst eindrucksvoll – in den Kommentarspalten auf Facebook betrachten. Und weil nur einen Stein werfen darf, wer ohne Sünde ist, sei hier angemerkt: auch meine Contenance ist gelegentlich erschöpft und ich begebe mich auf das televerbale Schlachtfeld des Nazi- und Querdenker-Bashings. Wenn man diese Knalltüten auf die richtige Art triggert, kann man sie danach sperren lassen. Jeder braucht halt ein Hobby und gelegentlich ist das für ein Stündchen mal ganz unterhaltsam. Mein Druck steigt dabei mittlerweile kaum noch…

Es ist jedoch diese – zumeist unbewusst vollzogene – Entkopplung von Kommunikation und echter Beziehungsarbeit (die unteilbarer Aspekt der Face-to-Face-Kommunikation ist), welche Phänomene wie Amok laufende Foren-Trolle und Influencer (ich sehe beides auf ungefähr der gleichen Evolutionsstufe) erst möglich macht. Indem ich mich beim Sehen, Hören, Schreiben, Posten in den (Anti)sozialen Medien mit meinen Äußerungen nur selbstreferentiell auf meine individuellen derzeitigen Emotionen beziehen kann, weil mir durch die Asynchronizität die tatsächliche Gemütslage meines Gegenübers verborgen bleibt, sitze ich in einer hausgemachten Echokammer. Dabei verkümmert einer der Hauptaspekte menschlichen Miteinanders vollkommen: die Empathie! Im digitalen Netzwerk werden Menschen sehr schnell zu Machiavellisten: der Zweck (andere zu treffen, herabzusetzen, die eigene Position zu stärken, etc.) heiligt die Mittel (des Internet-Trolls)! Und damit ist die Idee des Netzwerkes als Modell für soziale Beziehungen zur Disposition gestellt. Möchte man daran festhalten, muss man – mit Resignation – Soziale Medien als zumindest in nicht unerheblichen Teilen dysfunktionale Netzwerke betrachten. Ein weiteres Problem dabei ist, dass die, beim beschriebenen Mechanismus zu Tage tretenden Affekte der Protagonisten nur schwer zu kontrollieren sind.

Diesen Mechanismus der individuellen, aber auch der Kleingruppen-Selbstreferentialität bespielen die Apologeten der Anti-Demokratie (im Moment vor allem Rechte Gruppen) virtuos. Ängste werden getriggert und selbst ansonsten eher nicht diesem politischen Spektrum zuzuordnende Menschen teilen und liken übelste Propaganda, und posten auch noch ihren – leider allzu oft unreflektierten – Senf dazu, ohne zu verstehen, dass sie gerade hinterhältig manipuliert und instrumentalisiert werden, um eine Agenda zu betreiben, die ihnen am Ende noch mehr Schaden zufügen wird. Sogenannte Kleinbürger, welche die AfD als Besitzstandswahrer wahrnehmen und sie deshalb der SPD oder den Linken vorziehen (soziologisch gleichen sich die beiden Wählerklientel ziemlich!), würden ihr wahrhaft blaues Wunder erleben, wenn diese neoliberale Agenda zum Tragen käme. Aber dazu soll hier nichts weiter gesagt werden, es kann ja jeder das Wahlprogramm lesen – wenngleich ich befürchte, dass das vielen zu mühsam ist…

Was also in den (anti)sozialen Medien passiert ist, dass der Meta-Begriff „Netzwerk“ seiner Kommunikationskomponente „Empathie“ beraubt und stattdessen auf Ereiferung getrimmt wird. Insbesondere der Zeitaspekt spielt hierbei eine wichtige Rolle; die Ausbildung einer Punktualisierung braucht, wie letzthin gesagt, Zeit und bewusste Pflege; also ab einem bestimmten Zeitpunkt ein aktives Investment der Akteure in deren Erhalt. In ein Ereiferungs- und Wut-Netzwerk hingegen muss ich nicht mehr investieren, als ein paar Mikrogramm Adrenalin und Cortisol, sowie ein paar Mausklicks – und fertig ist der Hass! Ich wünsche einen schönen Tag – und die Muse, nachzudenken, bevor man sich äußert.

  • Watzlawick, P.; Beavin Bavelas, J.; Jackson, D. 2011: Pragmatics of Human Communiaction. New York: W. W. Norton & Company Inc.
  • Machiavelli, N. 2001: Der Fürst. Frankfurt/Main: Insel Verlag.