a snipet of hate (for cellphones)

Ich lief dieser Tage durch meinen Stadtteil und wurde von einem Schaudern erfasst, als ich wieder mal eine Person (dass es sich dabei um eine hässliche, mit einem überaus nervtötenden Sprachduktus ausgestattete Person handelte, ist eigentlich ohne Belang) wahrnehmen musste, die laut über irgendwelche Unwichtigkeiten ihres Privatlebens schwadronierend durch die Fußgängerzone stapfte. Früher hätte man die Cops und die Sanis gerufen und dann weg damit in die Klapse (falls sich irgendjemand mit ernsthaften psychologischen Problemen an dieser Stelle auf den Schlips getreten fühlt: komm klar, die habe ich manchmal auch!).

Dann wurde mir jedoch klar, dass diese Person ja nur am telefonieren war. Früher gab’s da diesen Witz: „Chef: Wer schreit denn da so rum? Sekretär: Dass ist der Schulze, der spricht mit Paris. Chef: Warum nimmt er dann nicht das Telefon?“. Der ging mir dann gerade durch den Kopf, weil mich das wer mit wem und warum oder auch nicht anderer Menschen ja nun zum einen eigentlich nichts angeht, aber bei den allermeisten Menschen auch nicht die Bohne juckt. Was interessiert es mich, ob Mandy nun mit Kevin rummacht, oder mit Jaden-Pascal?

Jedenfalls gehören diese Freisprechdingens für überall schlicht verboten. Es führt zu Unaufmerksamkeit gegenüber anderen Menschen (unhöflich bis tödlich), oder gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern (gefährlich bis tödlich). Jeder darf sich jetzt raussuchen, was er oder sie schlimmer findet. Ich für mein Teil finde, das Privates ins Private gehört und nicht auf die Straße. Da diese immer-erreichbar-Apparate aber das Private entgrenzen (auf so viele Arten), werde ich nun täglich mit dem Privaten vollkommen wildfremder Menschen belästigt. Und das kotzt mich so richtig an.

Leider ist es nicht legitim, jemandem einfach sein Smartphone wegzunehmen und so weit wie möglich wegzuwerfen. Zumal diese Freisprechdingens leider auch funktionieren, wenn das Handy in der Tasche steckt, was die Außenwirkung noch viel schlimmer gestaltet => weg damit in die Klapse. Die Fragen die bleiben sind folgende: werde ich immer unduldsamer, oder die anderen immer Blöder? Und wie kriege ich eine Axt in die Tasche, ohne dass es auffällt…? Au revoir.

A snipet of IoT

Mein Kühlschrank soll also in Zukunft im Internet was zu Futtern bestellen können, wenn’s alle ist. Bestellt mein Handy dann auch Nutten, wenn’s mich zufällig beim Wichsen beobachtet? Meine Heizung soll ich schon von unterwegs bedienen können, bzw. sie soll mit meinem Auto absprechen, wann ich von der Arbeit kommend zu Hause eintreffe, damit ich wohltemperiert auf der Couch vor meiner bereits anlaufenden Lieblingsserie darnieder sinken kann; schließlich hat das Auto auch meinem Infotainmentsystem Bescheid gesagt. Liest Alexa dann auch meinen Kindern die Gute-Nacht-Geschichte vor, ohne, dass ich was dazu tun muss? Falls ja, müsste ich vermutlich schreiend davonlaufen! Denn dieser himmelschreiende Irrglaube, dass dieses ganze Techno-Spielzeug mein Leben einfacher oder gar besser machen würde, kotzt mich an.

Wer mal William Gibson, oder auch manch anderen Protagonisten des Genres Cyberpunk gelesen hat, bekommt eine Ahnung davon vermittelt, wie eine Welt aussehen könnte, in der wir unsere Autonomie und unsere soziale Deutungshoheit auf dem Altar der Technikgläubigkeit geopfert haben. Der Weg dorthin ist mittlerweile schon ziemlich gut geteert. Ich bin tatsächlich kein Luddit, auch ich nutze Tech-Gadgets und akzeptiere, dass es technische Artefakte gibt, die unser Leben verbessern. Aber ich würde dabei Folgendes zu bedenken geben:

Meinen Töchtern selbst etwas vorzulesen beinhaltet mehr, als den reinen Transport in Schallwellen transponierter Information. Ein Glas Wein in guter Gesellschaft, auf einer von warmer Abendsonne durchfluteten Terrasse wird durch ein Selfie nicht besser, sondern entweiht. Die Flüchtigkeit des besonderen Augenblicks ist es erst, die ihn besonders macht. Folglich beraube ich den speziellen Augenblick seines Zaubers, wenn ich ihn mit Gewalt einfangen muss, oder durch Maschinen extern steuern lasse. Insbesondere, weil z.B. diese Smartphoneknipserei nichts als ein sinnentleerter Ausdruck hemmungs- und grenzenlosen Narzissmusses ist. Wer wissen will, wohin sowas führt, muss sich nur die aktuelle US-Politik anschauen. Übergebe ich aber nun die Kontrolle über meinen Narzissmus auch noch einer ganzen Kohorte miteinander flüsternder Geräte, ist mein Dasein nicht nur in Gefahr, im Namen der Selbstoptimierung entweiht zu werden, sondern ich gebe sogar noch die Kontrolle über meine eigene Oberflächlichkeit ab. Und wenn ich bei Style-over-Substance sogar die Macht über den Style abgebe, dann ist mein Menschsein auf einem sehr niedrigen Niveau angelangt. Was für ein grandioser Akt der Selbstachtung…

Nee, nee, nee… mit dem IoT, so wie es sich Ingenieure und geldgeile Tech-Konzern-CEOs vorstellen, will ich nix zu tun haben. In diesem Sinne einen schönen Tag.

A snipet of Interview

Nachdem ich die Idee mangels Zeit, mangels Interesse, ja auch mangels Kraft für eine ganze Weile ad acta gelegt hatte, habe ich nun, nach einer Weile der Introspektion neue Lust darauf bekommen, Interviews zu führen. Leider hat es ja bis heute nur ein einziges auf mein Blog geschafft und das ist schon eine Weile her. Dennoch bedeutet aufgeschoben ja üblicherweise nicht aufgehoben. Darum erneuere ich hiermit meinen Aufruf an Leute, die Lust haben sich von mir zu allen Dingen des Lebens befragen zu lassen. Wie sich so etwas anhören kann, erfährt man hier!

Ich bin da ganz offen: ich möchte das einerseits machen, um meine Skills als Sozialwissenschaftler zu schärfen, aber auch, weil mir daran gelegen ist, die verschiedensten Menschen zu Wort kommen zu lassen. Das einzige Problem ist, dass ich bislang kein richtig gut funktionierendes und vor allem auch juristisch unbedenkliches Tool gefunden habe, mit dem sich Telefon-Interviews führen lassen, so dass ich hier darauf angewiesen bin, zu Besuch zu kommen, oder besucht zu werden.

Die Sache liegt mir deshalb am Herzen, weil ich der Meinung bin, dass man in den Medien zu oft so genannte Experteninterviews findet, also solche, wo ein ausgewiesener Spezialist zu irgendeinem Sachverhalt befragt wird. Ist ja auch ganz nett, wenn man in seiner Sendung jemanden hat, der den Leuten die Welt erklärt. So was will ich aber gerade nicht. Mich interessieren Menschen wie du und ich und wie sie ihre Welt sehen. Selbstverständlich ist dabei garantiert, dass man sich vorher darüber unterhält, ob es Fragen gibt, die der Interviewpartner vielleicht nicht öffentlich beantworten möchte; religiöses Bekenntnis und sexuelle Orientierung sind hier oft problematisch. Ebenso ausgeschlossen ist eine so genannte Zweitverwertung, also zum Beispiel eine Textanalyse für wissenschaftliche Zwecke. Es sei denn natürlich, der Interviewte stimmt dem ausdrücklich zu. Von Anfang an mitgedacht habe ich es allerdings nicht.

Ich möchte vielmehr versuchen, über die Zeit eine Art kondensiertes Panoptikum aufzubauen. Unter anderem, weil Menschen mir am Herzen liegen. Und weil soziologische Quer- oder Längsschnitts-Untersuchungen irgendein spezielles Forschungsziel haben, dem sie gerecht werden müssen. Ich möchte mich einfach nur mit Menschen unterhalten und sehen, was dabei herauskommt. Wer also Lust hat, darf sich gerne bei mir melden!

A snipet of holidays

Bloggen, so wie ich es betreibe, ist eine ziemlich persönliche Angelegenheit und es ist immer ein bisschen wie eine Gratwanderung. Einerseits möchte man natürlich auch ein persönliches Echo in den Rezipienten auslösen, andererseits begibt man sich stets in Gefahr ein bisschen zu viel von sich selbst Preis zu geben. Wir leben in einer Zeit, in der man sich mit kritischen Anmerkungen zum Tage nicht NUR Beifall verschafft…

Trotzdem ist es mir wichtig kund zu tun, wie es kommt, dass ich im Moment wieder so viel Output produziere: Zum einen hat sich die Situation meiner Mutter, die nun in einer betreuten Wohnanlage lebt stabilisiert und ich habe den Eindruck, dass sie wenigstens wieder etwas neuen Lebensmut geschöpft hat. ich kann nicht mal im Ansatz ermessen, wie das ist, jemanden zu verlieren, mit dem über 60 Jahre seines Lebens zugebracht hat. Meine FRau und ich sind gerade mal knapp 23 zusammen und ich wüsste nicht, wie das gehen sollte. Und bei Leibe nicht nur wegen unserer Kinder!

Neben dieser durchaus positiven Entwicklung genieße ich aber auch gerade mal die Gelegenheit, ein paar Tage wirklich Ruhe zu haben. Alle paar Jahre schickt mich meine Gattin auf Urlaub, wenn sie merkt, dass ich mal wieder am Rädchen drehe. Und darum weile ich derzeit im schönen Sonthofen im Oberallgäu. Ist nett da. Eine Landschaft, die zum Laufen und zum Fotografieren anregt. Jede Menge Ruhe zum Lesen und Schreiben. Und das Bier schmeckt mir auch. Ich empfehle – weil gerade eines neben mir steht und ich überdies bekennender Starkbier-Fanatiker bin – den „Doppelhirsch“ von der Sonthofener Privatbrauerei „Der Hischbräu“. Ein überaus süffiges, dunkles Bockbier mit 18,5% Stammwürze und 7,2% Alc.

Man muss manchmal raus, um zu sich selbst zurückfinden zu können. Funktioniert anscheinend ganz gut. In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Abend, eine gute Zeit, Langmut und Kraft. Wir sehen uns!

PS: Für all jene, die jetzt auf mich Egosau schimpfen und meine Frau bemitleiden, die mit den Blagen allein zu Hause sitzen muss; sie kriegt ihren Ausgleich im Spätsommer. Da ist es draußen auch noch viel schöner… 😉

A snipet of Christmas – oder „Advent, Advent, der Kittel brennt…“

Sind Weihnachten, der Advent, das Nikolausfest tatsächlich nur noch eine riesige, von der Industrie und vom Handel gepushte Konsumshow? Oder gibt es ihn doch noch irgendwo, den Geist der Weihnacht, der Ebenezer Scrooge zum besseren Menschen gemacht hat, der die Menschen einander näher und die Mildtätigkeit in uns zum Glänzen bringt? Sind wir, all der Geschäftigkeit und all dem Stress zum Trotz doch in der Lage, zum Jahresende mal zu entschleunigen, uns zu besinnen und den besseren Teil unserer Selbst ans Steuer zu lassen, um die Jahreszielgerade mit Augenmaß zu befahren? Und sind wir fähig, über unseren Schatten zu springen und die durch unser Christsein (sofern, wir tatsächlich welche sind) und die somit gebotene Barmherzigkeit und Nächstenliebe auch auf jene auszudehnen, die eines anderen, oder gar keines mosaischen Glaubens sind?

Natürlich, um dies gleich vorweg zu nehmen, kann ich diese Fragen, wenn überhaupt nur für mich selbst beantworten. Jeder mag für sich selbst feststellen, wie er dazu steht. Ich glaube allerdings, dass die Beschäftigung mit diesen Fragen wichtig und fruchtbar für jeden von uns sein kann. Ob das allerdings ausschließlich aus dem Anlass des heran nahenden Weihnachtsfestes sein muss, kann man diskutieren, denn eigentlich sollte man ja das ganze Jahr über Christ sein und nicht nur, wenn der wohlschmeckende Glühwein daran erinnert, dass man mal wieder mit den Kindern in die Kirche gehen könnte…

Ich habe kleine Kinder und die freuen sich auf Weihnachten. Natürlich auch wegen der Geschenke (Konsum: Check!); aber ich kann genau spüren, wie sie die Stimmung der Erwachsenen aufsaugen und wenn diese eine gewisse Festlichkeit zeitigt, spüren die Kinder das und machen mit. Außerdem lieben wir das Brauchtum, auch wenn es bedeutet, mit der Familie zusammen sein zu MÜSSEN (Freunde kann man sich halt aussuchen, Verwandte nicht!). Ich spüre die festliche Stimmung meist erst dann, wenn es wirklich soweit ist (Entschleunigung: Check!) und lasse mich dann auch gerne zum Spenden hinreißen (Mildtätigkeit: Check!). Ob ich mich wie ein Christ verhalte, oder nur mein Gewissen beruhige, darüber müssen andere richten! Zu einem besseren Menschen macht mich Weihnachten allerdings sicherlich nicht, denn ich bin davon überzeugt, dass ich meinen Umgang mit anderen Menschen jeglicher Herkunft nicht von einem religiösen Fest abhängig machen möchte. Dafür bin ich zu sehr säkular orientiert und ebenso sehr humanistischen Werten verpflichtet.

Wie auch immer, ich wünsche allen eine erquickliche Adventszeit und wenn’s dann soweit ist auch frohe Weihnachten! Wir können es alle brauchen…

A snipet of sincerity!

Zunächst einmal eine aufrichtige Entschuldigung an alle, bei denen ich mich nicht so regelmäßig melde, wie es einer sozialen Beziehung eigentlich angemessen wäre! Ich bin einfach vergesslich, von meiner eigenen Agenda gesteuert, von meinen alltäglichen Verrichtungen vereinnahmt und manchmal schlicht faul. Aus dieser Mischung entsteht eine milde Form von Sozialautismus (nicht zu verwechseln mit der echten Krankheit, die übrigens nicht durch’s Impfen entsteht, auch wenn es da draußen immer noch genug ignorante Idioten gibt, die irgendwelchen Scharlatanen hinterherrennen wollen). Und dieser Sozialautismus führt dazu, dass ich manchmal, wenn ich schlecht schlafe, nachts um halb Drei mit dem Gedanken wach liege, dass man doch mal mit dem, oder dem was Nettes unternehmen müsste; einfach weil… Das Schöne, wie auch Schlimme daran ist, dass solche Gedanken, genauso wie Träume zumeist eine Minute nach dem morgendlichen Erwachen zerfasern, um wieder im Limbus des Unbewussten zu verschwinden. Na ja, ich träume vermutlich gelegentlich tagsüber schon zu viel, um auch noch so was meine Aufmerksamkeit schenken zu können.

Sich zu unpassenden Gelegenheiten seiner gefühlten sozialen Verpflichtungen zu erinnern ist ja sowieso eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Zum einen, weil wir dazu neigen, auch aus einer eventuell eher losen Verbindung mit Jemandem eine Notwendigkeit zur Kontaktpflege ableiten, die der Andere vielleicht schon lange nicht mehr so deutlich wahrnimmt. Zum anderen, weil soziale Medien einen ungeheuren Druck aufbauen, für andere präsent sein zu müssen. Dazu fällt mir nur Großstadtgeflüster ein: „Ich muss gar nix, außer atmen, trinken, essen und ficken und ab und zu nachts um vier nen Burger verdrücken…“. Bloß, weil ich jemanden bei einer der unzähligen Gelegenheiten die unser Leben dazu feilbietet kennengelernt habe, heißt das nicht, dass diese Person an meinem Leben teilhaben darf – außer ich lade sie explizit dazu ein. Und, NEIN – eine Facebook-„Freundschaft“ bedeutet nicht, tatsächlich befreundet zu sein!

Überdies verändern sich unsere Beziehungen im Zeitlauf immer wieder. Nicht nur qualitativ (der Umgang mit meinem besten Freund aus Schultagen ist heute anders als vor 20 Jahren), auch unsere Beziehungspartner verändern sich. Oder hängt ihr alle noch mit euren Homies von der Grundschule ab? Und diese Komplexität unserer individuellen sozialen Netze, die überdies eine gewisse Tendenz aufweist, zur Lebensmitte hin immer unübersichtlicher zu werden führt zu zwei Mechanismen: sozialer Überforderung, die wiederum dazu zwingt, zwischendrin einfach mal abzuschalten und selektiverem Umgang mit den Kontakten; man meldet sich einfach bei denen, mit denen jetzt gerade was Gutes läuft und blendet die anderen aus. Jeder von uns hat nur eine begrenzte Menge Zeit zur Verfügung und möchte zumindest in seiner Freizeit einen möglichst großen „Nutzen“ erzielen. Also eine gute Zeit mit netten Menschen verbringen. Und die Definition von „Nett“ ändert sich ebenso wie die Menschen, die diese in unseren Augen erfüllen sollen.

Wenn ich mich also mal länger nicht melde, weiß ich vielleicht mit einer bestimmten Person jetzt gerade nichts anzufangen, bin anderweitig ausgelastet oder schlicht vergesslich. Seht mir dies bitte einfach nach, denn ihr seid kein Jota besser…

A snipet of travel

[Achtung – absolut subjektive, persönliche Meinung!]

Die Straße ist dunkel und mit wenig anderen Verkehrsteilnehmern bevölkert. Kilometer um Kilometer frisst sich der Diesel durch die Strecke, während der Fahrer in stiller Dankbarkeit für die Stille im Fahrzeug, die lange genug auf sich hatte warten lassen, mit seinen Gedanken um die Wette fährt. Nach einer Weile stellt sich dank der Monotonie der Autobahn eine gewisse Mattigkeit ein. Doch Routine im Bewältigen von Langstrecken und die Sorge, einmal mehr in einem Riesenstau zu landen, treiben den Fahrer zum Weitermachen.

Wer quasi durch Zufall immer und immer wieder die höchsten italienischen Feiertage zum Reisen erwischt, tut gut daran, den größten Teil der Strecke geschafft zu haben, wenn sich die Uhr der Mittagsstunde nähert. Meide Mailand zu Mittag! Wenn man bis zum späten Vormittag das Emilia Romagna zur Hälfte durchpflügt hat, dürfen die Pausen häufiger werden (immerhin reisen Kinder mit), denn der Fahrer braucht nun auch immer wieder Auszeiten, um runter zu kommen.

Auf der Autobahn fahren ist überall anstrengend, wenn mehr als 3 Fahrer pro Kilometer unterwegs sind; aber auch, wenn es in Deutschland jede Menge bornierter Idioten gibt, fasziniert es immer wieder, wie wenig der durchschnittliche italienische Automobilist von Verkehrsregeln hält. Benutzung der Fahrtrichtungsanzeiger? Fehlanzeige – und zwar im wahrsten Wortsinn! Die Spur halten? Unnötig! Abstände halten? Für Spießer! Gleichmäßig das Tempo halten? Wie geht denn das? Die zischen zwischen den Spuren hin und her, wie’s ihnen gerade passt, die Geschwindigkeiten mäandern in unvorhersehbarer Weise zwischen 50 und 150 (erlaubt sind 130) und sie kleben einem an der Stoßstange, nur um dann entweder mit 2 Km/h mehr zu überholen, oder nach eigenem Spurwechsel weiter an der Stoßstange zu kleben, wenn man für sie die Spur freigemacht hat. Ich verstehe die nicht, zumindest beim Autofahren nicht.

Und ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass sie wesentlich mehr Aufmerksamkeit darauf verwenden, cool auszusehen, als tatsächlich Auto zu fahren – eine besonders gefährliche Variante von style over substance, die noch dazu bei beiden Geschlechtern in beinahe gleichem Maße vorkommt. In der Tat ist es, bezogen auf alles bisher Gesagte vollkommen egal, ob Männlein oder Weiblein am Steuer sitzt. Es ist meine ganz private Meinung, aber Inlands-Italiener können NICHT Autofahren. Wer eine andere Meinung hat, darf sie sehr gerne für sich behalten! Bleibt einzig zu sagen: die Rückfahrt durch den italienischen Teil der Strecke findet, Gott sei Dank, nachts statt. Da ist so gut wie keiner von denen auf der Autobahn unterwegs, weil es Geld kostet…

A snipet of fan-atism!

[Eigentlich hatte ich den vorbereitet für den Fall, dass Deutschland ins Finale einzieht. Nun ist dies nicht der Fall – kommt drüber hinweg, erschafft euch endlich ein eigenes Leben und lasst uns mit was Sinnvollem weitermachen. Was ich zu sagen habe stimmt trotzdem!]

Würden die Fans des deutschen Tischtennis-Nationalteams im Falle eines KO-Rundensieges ihrer Jungs anfangen, so gegen Mitternacht ausdauernd rum zu böllern und auch sonstwie grauenhaften Krach zu machen, wäre mit Sicherheit ruck zuck eine Polizeistreife da, um das Treiben zu beenden. Würden angetrunkene Fans des örtlichen Handballclubs in einem Bundesbahn-Zug weibliche Fahrgäste belästigen, säßen diese ganz schnell in Gewahrsam. Und wenn sich Massen enthemmter Menschen an einem öffentlichen Ort zum gemeinsamen Saufen mit Ruhestörung träfen, ohne Fußballtrikots zu tagen, gäbe es ebenso Ärger mit der Ordnungsmacht. Wenn aber so genannte Fußballfans – insbesondere während internationaler Turniere – so etwas tun, dann ist das wohl OK. Zumindest tun sehr viele Menschen in semi-öffentlichen Diskussionen, zum Beispiel auf Fratzenbuch so, als wenn es so wäre. Eines mal vorweg: NEIN, DAS IST NICHT IN ORDNUNG!

Ich bin, um es noch mal jedem klar und deutlich mitzuteilen, der Letzte, der irgendjemandem sein Recht auf ein bisschen Eskapismus absprechen würde. Und das der Fußball das moderne Äquivalent des römischen Gladiatorenzirkus darstellt, ist mir auch klar. Anstatt „panem et circenses“ heißt es heutzutage halt „cervisia et circenses“, denn Brot ist zumeist nicht mit im Spiel. In der heimatlichen Hütte kann man ja schon ganz gut feiern und ich habe auch nichts gegen Public-Viewing-Arenen. Selbst ein Auto-Korso geht noch in Ordnung, wenn es nicht zu sehr ausufert. Aber…

Ja, aber dabei irgendwie maßvoll zu Werke zu gehen, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Die Freiheit des einen – vor allem anderen die zur Selbstentfaltung in der Öffentlichkeit – endet stets dort, wo die seiner Nächsten beginnt. Das ist ein alter Grundsatz, der in so gut wie allen Lebenslagen Gültigkeit besitzt; aus gutem Grund, denn würden wir einfach immer machen (dürfen), worauf wir jetzt gerade Lust haben, gäbe es kein Gemeinwesen mehr. Man nennt so einen Zustand Anarchie und ich glaube ehrlich gesagt, dass selbst die meisten Hardcore-Fußballfans ein solches Gesellschaftsmodell nicht gut fänden. Denn Angst haben zu müssen, morgens beim Bäcker mit einem Blattschuss weggeputzt zu werden, weil irgendjemand die Schlange vor dem Tresen zu lang ist, findet wohl kaum einer wirklich prall…

Tja, aber vollgesoffen anderen Menschen die Nachtruhe zu rauben, die öffentliche Sicherheit – und die Umwelt – durch dämliches im Kreis fahren zu gefährden und Nicht-Fans zu nötigen oder gar zu bedrohen ist vollkommen in Ordnung, wenn es nur um Fußball geht? Es müssen doch alle Feiern, es ist doch UNSERE Mannschaft? Das müssen die wenigen, die sich nicht für Fußball interessieren mal aushalten? Hey, ihr Spacken – GEHT’S NOCH?
Ich muss gar nix! Aber ihr habt euch an Gesetze und Normen zu halten, ihr habt die Bedürfnisse eurer Mitmenschen zu respektieren und zu akzeptieren, dass es andere Meinungen, Lebensentwürfe, Vorlieben, etc. gibt. Es gibt genug Leute hier, die ihr Fußball-Fest feiern und dabei nicht andere Menschen belästigen, bedrohen oder gefährden, nehmt euch an denen ein Beispiel und werdet wenigstens ein bisschen vernünftiger. Niemand verlangt, nicht zu feiern, aber vollkommener Kontrollverlust ist weder lustig, noch sexy, noch geil, noch irgendwie zu verstehen, sondern einfach nur egoistisch und dumm. Und ihr seid doch keine egoistischen Deppen, oder…?

A snipet of healthcare.

Ich bin Sani. Das ist schon lange so, daran wird sich auch alles in allem nie groß was ändern, weil ich meinen Job halt schon ziemlich mag. Gewiss könnte auch ich manchmal am echt vollkommen überzogenen Anspruchsdenken mancher Mitmenschoiden verzweifeln. Natürlich ist es schon ein wenig bigott, der Pharmaindustrie Jahr für Jahr Milliarden in den Arsch zu schieben und auf der anderen Seite Pflegepersonal unter teilweise lausigsten Bedingungen für ein Almosen schuften zu lassen, was den Beruf wenig attraktiv escheinen lässt. Und es ist mir absolut unverständlich, warum man die Arztausbildung nicht schon lange reformiert hat, obwohl wir schon seit Jahren sehenden Auges auf einen eklatanten Mangel zusteuern. Aber kein Politiker sagt gerne die Wahrheit, wenn’s ihn Mehrheiten kostet.

Was für das Pflegepersonal gilt, gilt auch für die Sanis. Die Arbeitszeiten sind unangenehm, die Entlohnung ist teilweise ein Witz (oder findet jemand von euch einen Zuschlag von ca. zwei Euro für die Stunde Nachtarbeit angemessen; immerhin sterben Schichtarbeiter im Mittel 5-7 Jahre früher), die Anforderungen sind hoch und die Verantwortung groß. Und dann sind da noch die operativ-organisatorischen Schwierigkeiten wie Personalfluktuation und das Modell des freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) im Rettungsdienst, dass meiner Meinung nach mehr Probleme macht, als es löst.

Einst war der Zivildienst (sozusagen die Vorgängerinstitution des FSJ) die Rekrutierungsmaschine des Rettungsdienstes. Zukünftige Haupt- und Ehrenamtliche Kräfte wurden hier gefunden und gebunden. Man erhofft sich das auch vom FSJ, aber es funktioniert nicht mehr so wie früher, weil die jungen Leute Rettungswagen fahren wollen, in der Hauptsache aber Krankenwagen fahren, wo man nicht so viel Action hat. Das ist so, weil es verdammt schwer ist, die jungen Leute in der kurzen Zeit für den Einsatz im Rettungsdienst tauglich zu bekommen, denn die Anforderungen an das hauptamtliche Personal, welches die FSJler neben der Einsatzabwicklung beaufsichtigen und anleiten muss, sind heute höher, als noch vor ein paar Jahren.

Ich bilde selbst aus (sowohl Fachpersonal als auch Ausbilder) und das mit dem nicht richtig tauglich bekommen hat damit zu tun, das ein Teil der Ausbildung zum Rettungssanitäter im realen Einsatzdienst stattfindet, wo man die jungen Leute eigentlich behutsam in die „tricks of the trade“ einweihen müsste, wozu es allerdings zweier Dinge bedarf: motivierter Auszubildender und motivierter, selbst in allen Belangen gut ausgebildeter Ausbilder. Wenn man nun zwei und zwei zusammenzählt (vom Job gestresste Sanis, die dann auch noch Azubis hüten sollen und dies zudem unter Zeitdruck) ist sofort klar, dass das nicht immer gut funktionieren kann. Es funktioniert nicht mal wirklich oft gut, aber an den Umständen etwas zu ändern, ist sehr schwer. Ohne ins Detail gehen zu wollen mangelt es vor allem an Motivation, an persönlicher Perspektive und an soliden pädagogischen Kenntnissen der Ausbilder. Da sind also dicke Bretter zu bohren und das ohne ausreichende Zeit oder ein Budget…

Na ja, was wäre das Leben schon ohne richtige Herausforderungen?

A snipet of stress!

Scheuklappen. Es fühlt sich an, als trüge man Scheuklappen. Man rennt fort und fort seiner Zeit hinterher, hetzt von Termin zu Termin, sieht nur noch Aufgaben, Anforderungen, Projekte und vergisst dabei nicht nur seine Lieben, sondern manchmal sogar sich selbst. Alle Welt spricht seit einer Weile immerzu von Arbeitsverdichtung, aber was dies Wort tatsächlich bedeutet…? Sicher ist, dass es für jeden andere Schmerzgrenzen gibt, dass weitaus nicht jeder gleichviel abkann, dass nicht jeder das eigene Belastungslevel gut justieren kann. Aber selbst wenn man normalerweise weiß, was man sich zumuten darf und was nicht, verrennt man sich gelegentlich unversehens in seinen eigenen Plänen. „Das krieg ich (auch noch) hin!“ ist meistens dann eine dumme Aussage, wenn man es zum dritten oder vierten Mal hintereinander sagt…

„Blöd bleibt blöd, da helfen keine Pillen…“. Schon mal gehört? Ganz bestimmt… und es stimmt immer noch. Denn selbst Psychopharmaka versagen. Ich nehme zwar keine mehr, aber falls ich meine Work-Life-Balance nicht bald wieder ein bisschen besser auf die Reihe kriege, könnte es wieder nötig werden. Ich will hier nicht jammern. Alles läuft gut. Vielleicht ist sehr gut aber zu gut, wenn es mich dazu bringt, mir zu viel aufzuladen. Das Gefühl, wieder obenauf zu sein, gepaart mit einer dezenten NEIN-Schwäche führt mich immer mal wieder an den Rand des Wahnsinns. Doch wenn man beginnt, sich zu fragen, ob das alles auch seine Richtigkeit hat, ist es schon zu spät, weil man wieder in diesem Hamsterrad steckt und rennt und rennt und rennt…

Dies ist kein Hilferuf! Es ist eher ein öffentlicher Versuch, mit mir selbst zu klären, dass ich jetzt – bildlich gesprochen – wieder auf die Bremse steigen und drauf stehen bleiben muss, auch wenn ich dabei ein paar Beläge opfere. Anders gesagt musste und muss ich noch immer verschiedene Dinge zurückstellen, die mir eigentlich am Herzen liegen; wenigstens so lange, bis ein paar Etappenziele, die jetzt langsam in greifbare Nähe gerückt sind, erreicht worden sind. Da geht’s vor allem um das Bloggen, das Zocken, bestimmte Engagements und manchen sozialen Kontakt, denn höchste Priorität genießen, neben meinen drei Mädels daheim, aktuell mein Studium, aber auch mein Job und mein – zumindest gefühlt – immer noch neuer Arbeitgeber, für den ich einige andere Aufgaben übernommen habe.

Wie gesagt, damit hadere ich nicht, ich habe es bewusst so gewollt! Ich habe mich einfach verzettelt und muss das jetzt büßen. Aber bald werde ich wieder Morgenluft schnuppern, ich kann sie schon fühlen. Dann werde ich bald darüber lachen können, während ich euch allen mit einem feinen Pot Still Whisky zuproste und sage: „Waren doch nur ein paar Schnipsel Stress…“