Wer’s nich kennt – Advent, Advent…

An dieser Stelle zuerst ein Bekenntnis: ich selbst könnte vermutlich ganz gut OHNE das ganze Tannen- und Mistelselige, übergebühr belichterte, Plätzchen- und Gänsegarnierte, mit reichlich Schenk-Konsum zum Ende gebrachte Brauchtumsbrimborium, welches sich von Ende November bis fast Ende Dezember hinzieht. Es wirkt auf mich immer so, als wolle man sich mal richtig Mühe geben, den Zug der Zeit wenigstens zu verlangsamen, innezuhalten und zurückzublicken auf das eben zu Ende gehende Jahr. Zäsur nennt man jenen Moment, in dem eine Epoche endet und eine Neue beginnt. Nun ist der bloße Datumswechsel vom 31.12 auf den 01.01 per Definition eigentlich noch kein solcher Epochenwechsel. Aber man soll Feste ja feiern, bis man fällt…oder so. Mich stört allerdings das dabei überall zu vernehmende, markerschütternde Kreischen der Bremsen des oben erwähnten Zuges; z. B. in Form von „Last Christmas, you…“ Und ich gehöre zu den lucky guys, die fast nie gewhamed werden…

Da wandern die zwei Richtung Betlehem (bzw. zum nächsten Absatz, wo die Krippe steht… 😉 )

Heute ist der 2. Advent, und das Einzige, was mir dazu einfällt ist: Scheiße, morgen ist ja schon wieder Montag! Ganz ehrlich – ich habe heuer weder die Zeit, noch die kognitiven Ressourcen, adventlich gestimmt zu sein. Vielleicht stellt sich das wieder in jenen letzten Tagen ein, wenn man sich dann doch mit Tätigkeiten wie Christbaum kaufen, aufstellen und schmücken, Geschenke einpacken und Plätzchen backen beschäftigt. Das Letztere ist bei uns eh immer ein Joint Venture. Aber im Moment bin ich noch viel zu sehr mit Problemen und Problemchen zugedeckt, als dass es sich so anfühlen würde, als wenn es jemals wieder eine Pause davon gäbe. Schuld daran ist – natürlich – mein Job. Es ist schon so, dass speziell das letzte Quartal immer in einem Dauerlauf ausartet, weil unglaublich viele Menschen unglaublich spät merken, dass sie noch unglaublich viel erledigt haben wollen. Sie vergessen etwa, dass man ja Fortbildungsstunden nachweisen muss, und sind dann erbost, wenn man ihnen auch mal sagt, dass alles ausgebucht ist, oder mangels Ressourcen abgesagt werden muss, und sie verdammt noch mal in Zukunft vorausschauender planen sollen. Anderen Menschen fällt es ein, alte Pläne und Abmachungen über den Haufen zu werfen, einfach weil sie das können, und dann sitzt man da und hat viel mehr Arbeit, als sinnvoll zu bewältigen ist. Was dann liegenbleiben muss, sind jene Dinge, die man schon lange zugesichert hatte und jetzt einmal mehr nicht hinbekommt. Denn ich weigere mich mittlerweile konsequent, mich in den Abendstunden oder am Wochenende für meinen AG hinzusetzen.; ich brauche das (gefühlt winzige) bisschen Freizeit dass ich habe, so verdammt sehr!

Da stellt man auch an der Arbeitsstelle Bäume auf, veranstaltet eine Weihnachtsfeier etc.; aber ich fühle es halt nicht! Und auch, wenn ich jetzt mal unterstelle, dass solche Dinge wirklich Wertschätzung für die Mitarbeiter*innen ausdrücken sollen, sind’s trotzdem immer die Gleichen, an denen am Ende all das hängen bleibt, was man nicht sieht; oder nicht sehen will. Ich könnte mit dem Finger zeigen und präzise benennen, woran es gerade hängt, welche Umstände (aber auch Personen) an meiner Überlastung Schuld tragen, und was es bräuchte, um dem entgegen zu treten. Jedoch… ich darf nicht einfach mal laut sagen, was ich denke. Immer schön diplomatisch bleiben, ja niemanden Gesicht verlieren lassen, gute Mine zum bösen Spiel machen und das kollegiale Miteinander beschwören. Aber wisst ihr was: ich scheiße auf das Miteinander mit ignoranten, selbstverliebten Laiendarstellern. Wer Kollegen hat, braucht keine Feinde! Schon mal gehört, oder…?

Ich bin neulich von einem Facharzt gefragt worden, ob ich Stress hätte (ich hatte einen Hörsturz und saß beim HNO-Doktor). Er musste schmunzeln, als ich sagte, wenn man den Stoff abfüllen würde, könnte ich damit einen ganzen Laden betreiben. Und so ist es immer noch. Selbst jetzt, da ich hier sitzte, und wieder einmal versuche, die Dinge für mich sinnvoll zu ordnen, kann ich die Gedanken an meinen Job nicht vertreiben. Und ich versuche es wirklich und ehrlich sehr bemüht, den ganzen Mist nicht weiter an mich ran zu lassen. Ausgerechnet ich, der immer auf dieses hohle Hoffen auf Glück herabgesehen hat, spiele neuerdings Lotto. Und gewänne ich, wäre ich vermutlich weg. Zumindest für eine ganze Weile. Das wird natürlich nicht passieren, und so sinne ich immer häufiger über Alternativen zum Status Quo nach. Bislang ist mir jedoch noch keine befriedigende Lösung eingefallen. Also hoffe ich auf Entspannung über die nun rasch herannahenden Feiertage. Und auf eine Inspiration, wie ich dieses Dilemma für mich auflösen kann. Denn – und das ist das tatsächlich Tragische daran – ich mag meine Arbeit immer noch sehr. Nur die Rahmen-Bedingungen sind im Moment schlicht grausam. Mal sehen. Vielleicht gilt ja doch: In the end hilft der Advent, because it feels right to have Weihnachtszeit… Sorry und einen schönen Sonntag.

Auch als Podcast…

Kurator N°1

In den vergangenen Tagen drehten sich meine Gedanken vor allem darum, diese Woche zu überleben, und all die verschiedenen Eimer voller Ärger und Arbeit, welche Andere auf meinem Schreibtisch auszuleeren beliebten irgendwie in den Griff zu bekommen. In einem Job, der viel mit Leiten und Organisieren zu tun hat, ist es oft NICHT so, dass am Ende eines Arbeits-Schrittes oder gar eines ganzen Prozesses ein fertiges Werkstück vorliegt, wie dies etwa bei meiner besten Ehefrau von Allen der Fall ist. Es gibt bei ihrer Arbeit ein greifbares Produkt, dessen Entstehung zeitlich von definierten Start- und Endpunkten begrenzt wird. Organisationsprozesse hingegen sind immerzu im Fluss; und sehr oft muss man (manchmal im wahren Wortsinn) aufstehen und sich umsehen, um herausfinden zu können, an welcher Stelle man sich gerade befindet. Einerseits bedeutet das viele Freiheiten bei der Gestaltung der eigenen Arbeit; andererseits aber auch ein andauerndes ambivalentes Gefühl, zwar viel getan aber nix fertig bekommen zu haben. Weil einem oft die Landmarken fehlen.

Auch hier hat der Kurator zugeschlagen… Ich würd‘ wieder hinwollen!

Leiten/Führen ist eine Dienstleistung, die grundsätzlich nach dem Uno-Actu-Prinzip funktioniert und sehr häufig von der Leitungsperson verlangt, Entscheidungen zu treffen, für die man eigentlich in die Zukunft schauen können müsste. Nun sind unsere armen kleinen Affengehirne zwar mit mehr oder weniger komplexen Heuristiken für das Überleben im Hier und Jetzt ausgestattet; eine mögliche Zukunft antizipieren zu wollen, deren tatsächliche Erscheinungsform von vielen Variablen abhängig ist, die wir allzu oft nicht einmal annähernd alle kennen, muss jedoch zwangsläufig oft zu Spökenkiekerei degenrieren. Auch wenn uns die Wirtschaftswissenschaftler das gerne anders verkaufen wollen. Vor allem die bizarren Produkte menschlicher Entscheidungsfindungsprozesse sind dabei ein riesiges Problem. Wir ticken recht oft erstaunlich irrational; selbst, wenn es um’s liebe Geld geht. Das führt dazu, dass man manchmal Entscheidungen hinauszögert, weil man sich eine noch bessere Entscheidungsbasis herbeizaubern zu können erhofft, und am Schluss nicht nur verspätet reagiert, sondern allen vordergründig rationalen Bemühungen zum Trotze dennoch objektiv suboptimale Entscheidungen trifft. Ich war dort! Ich weiß also, wovon ich rede (ich weiß, ich weiß, anekdotische Evidenz zählt nicht. Und doch… und doch…)

Sinn und Zweck ergeben sich oft erst in der Kommunikation…

Ich hatte letzthin davon gesprochen, dass man beim Decision Fallout auch immer mal wieder versucht ist, die Konsequenzen von Entscheidungen anderen aufzubürden; denn gerade im Geschäftsleben geht es oft darum, dass dieser oder jener „nicht sein Gesicht verlieren“ darf. In der japanischen (Geschäfts)Kultur kennt man hierbei die Trennung zwischen „Honne“ (tatsächlichen Gefühlen ) und „Tatemae“ (die Masken, welche wir in der Öffentlichkeit tragen). Ich würde nicht soweit gehen, zu sagen, dass auch viele Menschen in der westlichen Geschäftswelt diese Idee wirklich verinnerlicht haben. Aber wenn ich eine Argumentation höre, die nicht darauf basiert, was objektiv für eine Organisation gut ist, sondern, wie man sich am besten Gesicht erarbeitet und wahrt, bekomme ich so meine Zweifel an der Objektivität mancher Entscheidungen. Denn wenn es jemandem offenkundig zuvorderst darum geht, sich als Kurator seines Images bzw. seiner Reputation zu vermarkten, bleibt die Frage nach der wahren Substanz von Entscheidungen, nach dem wirklichen semantischen Gehalt von Kommunikation; und schließlich nach der Verlässlichkeit des Gegenübers, wenn es um die Konsequenzen solcherlei motivierten Handelns geht unbeantwortet. Oder wie Sartre gesagt hat: „Die Hölle, das sind die Anderen.“

Nur um das hier noch mal in aller Deutlichkeit gesagt zu haben: Wer ohne Sünde ist, und so weiter und so fort. Natürlich bin auch ich schon in diese Falle getappt und tue es wohl auch in Zukunft immer mal wieder. Aber mittlerweile seltener. Was daran liegt, dass meine diesbezügliche Wahrnehmung (Lernen durch Schmerz) immer besser wird. Was nichts daran ändert, dass ich mich manchmal im Decision Fallout Anderer stehen sehe, denen die Konsequenzen ihres Handelns entweder nicht bewusst sind, oder aus oben genannten Gründen in Kauf genommen werden; schließlich zahlt ja jemand anders die Zeche. Falls man meine Worte bis zu diesem Punkt als halbwegs wohl abgewogen wahrgenommen hat, habe ich mich selbst wohl halbwegs erfolgreich als Kurator meiner Reputation versucht – also mein persönliches Tatemae gepflegt. Mein Honne jedoch ist in Aufruhr, denn ich bin stinksauer, weil die rein gesichtsbasierten Entscheidungen Anderer mir Sorgen und Arbeit bescheren, für die ich im Moment weder die Nerven noch die Ressourcen habe. Und ich darf sie dafür nicht mal anschreien! Ich bin ehrlich gesagt gespannt, wie viel ich noch ertrage, bevor ich mit irgendsoeinem Headhunter auf XING doch mal ernsthaft ins Gespräch gehe. Schönen Sonntag.

Auch als Podcast…

Decision Fallout

Mit Blick auf die zunehmende Vermüllung des menschlichen Lebens durch ubiquitäre Verfügbarkeit medialer Inhalte komme ich letzthin nicht daran vorbei, a) meinen eigenen Konsum zu hinterfragen und b) die damit verknüpften Ziele anzuzweifeln. Was macht meinen Mediengebrauch, meine Suche nach Nachrichten und Informationen aus? Bin ich fokussiert, oder lasse ich mich, emergierenden Assoziationsketten folgend, einfach mal treiben? Wie lange kann ich konzentriert tun, was ich so zu tun habe? Und überhaupt – wohin bringt mich das alles? Vorwärts, seitwärts, rückwärts, in den Abgrund oder nach Oben (was auch immer dieses ominöse „Oben“ sein mag)? Zweifel nagen, Zweifel fragen: „Gut oder schlecht?“, „Nützlich oder Schrott?“, „Schön oder hässlich?“, „Heute oder morgen?“, „Will ich oder will ich NICHT?“ und schließlich „Warum stellt sich die Frage überhaupt…?“ Das Bittere daran ist, dass es keine perfekten und immerdar gültigen Antworten gibt. Auch salomonische Entscheidungen haben stets ihre Härten, von denen man manche nicht zu tragen bereit ist; wie z.B. mit einem Schwert zerschnittene Kinder.

Imperfect Beauty!

Ich war mit besten Ehefrau von allen spazieren und unterdessen kam die Frage auf, ob es nun gut oder schlecht sei, sich an Träume erinnern zu können? Meine Gattin war da ganz pragmatisch und sagte „Kannste nicht wissen, aber wenn’s ein schöner Traum war, ist es natürlich gut!“ Ich entgegnete sinngemäß, dass ein Traum, auch wenn er als Albtraum daherkäme trotzdem eine Botschaft, eine Inspiration oder eine Gelegenheit zum Lernen beinhalten könne, aber das war ihr zu abstrakt. Philosophie sei mehr so meine Domäne. Wir gingen weiter, und es war ein schöner Spaziergang. Doch die Frage nach dem Ying und Yang hängt mir nach, ist sie doch mit einer der basalsten Notwendigkeiten menschlichen Lebens verknüpft: dem dauernd von uns geforderten Treffen von Entscheidungen! Wir können uns dem nicht entziehen, auch wenn wir mit der Prokrastination eine ganze Kunstform rings um das Aufschieben, Ignorieren und Vermeiden entwickelt haben; die allerdings nicht nur beim Entscheiden ihren unheilvollen Sirenengesang entfaltet… Wie man es auch dreht und wendet, ohne (Wert)Urteile kommt man nicht aus – und (Wert)Urteile haben immer Konsequenzen. Im mildesten Fall habe ich mir halt irgendeinen nutzlosen Scheiß gekauft. Im schlimmsten Fall jedoch sterben Menschen!

Man kommt auf der Suche nach einer guten Entscheidung oft von Kuchenbacken auf Arschbacken, ohne dem Ziel näher zu sein. Wie war das noch mal mit den emergierenden Assoziationsketten? Denn eine Entscheidung bezieht sich zumeist auf etwas, dass sich im Nebel der Zukunft verbirgt. Und wir Menschen meinen ernsthaft, diesen Nebel durch das zwanghafte Sammeln von immer mehr Informationen (rational), oder wahlweise durch heuristische Extrapolation auf Basis unserer Erfahrung (intuitiv) teilen und auf das bestmögliche Ergebnis zuschreiten zu können, wie einst Moses das Rote Meer teilte, um das Volk Israel zu retten? Dass man die Bibel nicht allzu wörtlich nehmen sollte, dürfte vielen Menschen klar sein; warum zum Teufel glauben sie dann, wirklich in die Zukunft sehen zu können? Es sei zu Protokoll gegeben: ich bin Mensch und habe diesen Fehler selbst öfter gemacht, als ich zählen kann. Mittlerweile versuche ich wenigstens, bei rationalen Entscheidungen meine eigene Fehlbarkeit in die Gleichung miteinzubeziehen. Was das Ganze allerdings NOCH komplizierter macht!

Jede Entscheidung erzeugt, mal mehr mal weniger epische Konsequenzen – Decision Fallout! Manche versuchen sich dem zu entziehen, indem sie Entscheidungen jemand anders aufzwingen, oder aber Verantwortung für die Konsequenzen verschieben. Aber letztlich bleibt immer irgendwas haften. Womit wir wieder bei der Frage „Gut oder schlecht?“ wären. Vor Entscheidungen mit Veränderungspotential Angst zu haben, weil der Status Quo, allen Unzulänglichkeiten zum Trotz, halt doch wenigstens bekannt und damit subjektiv berechenbar ist, ändert nichts daran, dass die Welt sich weiter bewegt. Irgendwann wird man selbst damit unausweichlich auch weiterbewegt! Und bevor ich mich selbst zur Passivität verurteile, möchte ich lieber selbst gestalten und mein Schicksal (wenn man denn so groß denken möchte) soweit selbst in die Hand nehmen, wie dies nur eben möglich ist. Was auch die Möglichkeit beinhaltet, sich zu irren, auf das falsche Pferd zu setzen, zu verlieren, es zu verkacken – aber ebenso das genaue Gegenteil: „We are the champions, my friends…“. Viele Leute vergessen allerdings gerne, wie diese Liedzeile weitergeht „…an we’ll keep on fighting ‚til the end!“

Mit Decision Fallout umgehen zu können bedeutet, sich bewusst auf Entscheidungen und Konsequenzen einzulassen, selbst gestalten zu wollen, Veränderung als unausweichlichen Bestandteil dieses Dings namens Leben zu begreifen und sich nicht immerzu davon ins Bockshorn jagen zu lassen, dass man daneben liegen kann! Mit der besten Ehefrau von allen habe ich dieser Tage auch mal darüber sinniert, wie’s wäre, keine Leitungsposition mehr innezuhaben. Ich kaue auf diesem Gedanken jetzt erstmal eine Weile rum, weil’s im Moment tatsächlich keinen Spaß mehr macht, alles selbst kompensieren zu müssen. Wir werden sehen. Einstweilen wünsche ich einen schönen Start in die neue Woche.

Auch als Podcast…

Workplace Angst – New Work N°10 vs. Erwachsen bilden N°42

Ich las dieser Tage, rekonvaleszierend auf der Couch herumlungernd, einen Artikel über das „pünktlich Feierabend machen“. Eigentlich war es ein Artikel über die Workload-Balancing-Probleme der Autorin, aber das soll hier im Weiteren keine Geige spielen; weil sie Prozesse beschreibt, die zumindest Wissensarbeiter zumeist aus eigener Anschauung gut kennen dürften. Das Ganze mäandert irgendwo zwischen dezenter NEIN-Schwäche und gelegentlich unterstrukturiertem Zeitmanagement des Arbeitnehmers auf der einen Seite, und der Tendenz vieler Arbeitgeber, den dargebotenen kleinen Finger fest zu packen, um den Oberarm am Schultergelenk rausreißen zu können, auf der anderen. Tatsächlich gehören aber zur Entstehung ausufernder Arbeitsüberlastung in aller Regel Zwei. Niemand ist sich dieser Tatsache besser bewusst als jemand wie ich, der in seiner Führungsposition qua Stellenbeschreibung in der Hoffnung institutionalisierten Mangel verwaltet, trotzdem halbwegs gute NotSans auf die Straße bringen zu können. Im Moment fühlt es sich mal wieder an, als wenn man ohne geeignete Schutzausrüstung mit glühenden Eisen jongliert. Macht echt keinen Spaß.

Always being chased up a tree…?

Wie man es auch dreht und wendet, das Thema bleibt immer das Gleiche: wir können doch nicht anders weil wir immerzu müssen, aber leider nicht können, wie wir wohl wollten, obwohl wir eigentlich dürften, wenn wir nur könnten! Das Topos bleibt also auch immer das Gleiche: Ressourcenmangel landet auf dem Rücken des Einzelnen, weil die Institutionen schon immer so funktioniert haben. Nun könnte man MIR sagen: „DU bist doch in der Position, etwas dagegen zu tun!“ Und das versuche ich auch. Weil aber mindestens eine GENERATION vor mir es so richtig verkackt hat, denn heraufziehenden Fachkräftemangel frühzeitig und sachrichtig anzugehen, verwalte ich jetzt, wie viele andere auch, einfach erst mal den Mangel, den ich so schnell nicht beheben kann. Und neben der Tatsache, dass ich im Strahl kotzen könnte, weil ich von meinen Mitarbeitern so viel verlangen muss, beute ich mich natürlich schön selbst aus, denn wirklich geführt wird ja bekanntlich nur von vorne. Den Unterschied zwischen Leader und Boss werde ich jetzt nicht noch mal extra aufwärmen…

Hier entsteht gerade eine Kluft zwischen denen, die derzeit zu wenige sind und denen, die leider (noch) nicht genug Qualifikationen haben, um auf den richtigen Zug aufspringen zu können. Ich erlebe z. B. die Institutionen, welche sich mit dem Thema Qualifizierung von Migranten für den Arbeitsmarkt befassen als dermaßen unflexibel, an teilweise absurden Formalismen verhaftet und dermaßen unterfinanziert, dass es mich mittlerweile nicht mehr im Mindesten wundert, warum zum Teufel wir es einfach nicht hinbekommen, diese neuen Menschen im Lande zu integrieren und ihnen die Chance zu geben, tatsächlich Bürger*innen zu werden. Da ich gezwungen bin, Bildung AUCH als Wirtschaftsbetrieb zu betrachten, stehe ich gerade am Scheideweg, ein im Grunde gutes und hilfreiches Projekt sehr kritisch auf den Prüfstand stellen zu müssen, weil es sich nicht rechnet; egal, wie man den Abakus auch verdreht. Das Resultat ist, dass Menschen, die sehr wohl eine Menge Grips und auch Engagement mitbringen, aber halt nur geringe Sprachkenntnisse, in irgendwelchen Maßnahmen versauern. Das mit der Kultur, die ein Prozess ist und sich daher stetig verändert, werde ich jetzt nicht auch noch mal erklären. Ich bin es nämlich leid, mich dauernd zu wiederholen.

Wenn ich heute an Workplace Angst denke (und den Begriff in dieser Form habe gerade ICH aus der Taufe gehoben, als Amalgamat aus „Workplace“ und „German Angst“), dann sehe ich Arbeitsverdichtung bis zum Tode auf der einen Seite und die Unfähigkeit, neue Leute dazu zu ermächtigen, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten auf der anderen; und das macht mir Angst! Denn wir brauchen jeden Mann und jede Frau für die Herausforderungen, vor denen wir stehen! Also bleibt nur die Frage: Wie passen die eben beschriebenen Diskrepanzen zusammen? Nun, ungefähr genauso schlecht wie die Anforderungen und das Gehaltsgefüge in den allermeisten Gesundheitsfachberufen – wenn man diese mal mit den Bullshit-Jobs im Bereich der Wissens- und Vermögensarbeit vergleicht. Ich weiß auch nicht, wie man das Problem in Gänze lösen könnte. Aber es wäre mal ein guter Anfang, den Weiterbildungsmarkt in Deutschland zu entschlacken, zu professionalisieren, auskömmlich zu finanzieren und zu entbürokratisieren. Und als Gesamtgesellschaft mal genau darüber nachzudenken, welcher Job essentiell ist: Finanzmakler*in oder Gesundheits- und Kranken-Pfleger*in. Mir persönlich fällt die Entscheidung bezüglich Verzichtbarkeit übrigens nicht sonderlich schwer.

New Work ist derzeit nichts weiter als ein Slogan für verschiedene Ideen, wie Arbeit und ihre Rahmenbedingungen sich verändern könnten; der allerdings ungefähr so viel Substanz hat, wie ein Soufflé. Man kann das ganz gut beobachten, wenn der Ofen zu früh aufgeht. Diesen Begriff mit Leben zu füllen, könnte sinnstiftend werden. Aber nur, wenn wir uns von der Idee lösen, dass Mamon ein Gott ist, Bürokratie sein Avatar, Hierarchien ohne Leadership Ability der Weisheit letzter Schluss und Präsentismus eine unumstößliche Tradition. Ich hab die Scheiße so satt. Und ich habe fertig. Schönen Tag noch.

Auch als Podcast…

Einheit? Am Arsch…!

Feiertag. Ausgerechnet Montags. Wenn’s damals nach Gerhard Schröder gegangen wäre, hätte der „Tag der Deutschen Einheit“ (echt nur mit großem [D]) gestern stattgefunden. Weil man Anfang der 2000er fand, dass so ein Bundesfeiertag unter der Woche viel zu viel Steuereinnahmen kosten würde, wegen weniger geleisteter Arbeit und verzehrtem Konsum. Man hatte jeweils den ersten Sonntag im Oktober im Auge. Gottseidank kam das vom Tisch, ist der 03.10 doch eh der einzige Feiertag per Bundesgesetz. Für Einigkeit steht er jedoch schon lange nicht mehr. Schaut man sich die Lage der Nation an, wirkt ein Feiertag mit solchem Titel aus der Zeit gefallen, je geradezu wie ein Flachwitz. Das einzige worauf man sich vermutlich einigen kann, ist der Wert der zusätzlichen Freizeit. Sah neulich einen Tweet (Twitterperlen ist manchmal echt spaßig), wo es um dumme Fragen ging; und da hatte doch angeblich ein Chef seinen Angestellten ernsthaft gefragt, ob dem tatsächlich seine Freizeit wichtiger wäre, als die Arbeit? Was soll man darauf antworten? Lutsch dir ’ne Tüfte rund und jonglier mit den Zwiebeln? NATÜRLICH IST DIE FREIZEIT GOTTVERDAMMT NOCHMAL WICHTIGER ALS DIE ARBEIT! Oder darf ich neuerdings meine Lieben mitbringen, damit wir auch mal Zeit zusammen haben…

Ich mag meinen Job meistens! Wirklich! Aber ich mag die Zeit, in der ICH wirklich selbst bestimmen kann, was ich als nächstes tun oder lassen möchte, noch wesentlich mehr! Das hat was mit dem Gefühl von Freiheit zu tun, auch wenn diese wahrscheinlich unter dem Strich gar nicht so groß ausfällt, wie man sich das manchmal schönredet; oder schönsäuft. Im Job jedoch bin ich dazu gezwungen von xx:xx – yy:yy am Ort Z zu sein und dort Dinge zu tun, welcher der Produktivität des jeweiligen Arbeitgebers dienen – jedoch NICHT unbedingt meiner! Und da nicht jede*r von uns selbstständig sein kann – oder will – läuft’s darauf hinaus, an diesem typischen Tausch [Lebenszeit gegen Entgelt] teilnehmen zu müssen! Und ich werde nicht lügen: von xx:xx bis yy:yy am Ort Z sein zu müssen, ist dabei ein nicht unerhebliches Problem, weil ich auf dem Weg von und nach Z kostbare Lebenszeit verschwende! Ich versteige mich jetzt mal zu folgender kühner Aussage: wenn ich in diesem Leben noch einmal den Arbeitgeber wechsele, liegt es wahrscheinlich nicht an meinem Aufgabenbereich, oder dem Workload, sondern dem beschissenen Präsentismus, den man von mir verlangt! Wir leben im 21. Jahrhundert, also kommt endlich klar mit mobilem Arbeiten für diejenigen Aufgaben, bei denen das funktioniert, verdammte Axt!

Von 1954 bis 1990 feierte man den Tag der deutschen Einheit (nur echt mit kleinem [d]) am 17.06 eines jeden Jahres. Und zwar im Gedenken an die Arbeiteraufstände in der DDR vom 17.06.1953, die a) unter anderem ausbrachen, weil die Arbeitsnormen (Arbeitsleistung pro Lohn) unter dem Druck einer wirtschaftlichen Krise erheblich angehoben worden waren und b) mit blutiger Gewalt durch die sowjetischen Besatzungstruppen niedergeschlagen wurden. In der Folge begann der weitreichende Auf- und Ausbau der StaSi. Sieht man sich das Ansteigen der sozialen Ungleichheit im Lande, die Herausforderungen für viele von uns durch den nahenden Gasspar-Inflationswinter und die öffentlichen „Diskussionen“ in den „Leitmedien“ unserer Zeit an (Antisocial Media), wäre es wohl an der Zeit, den Feiertag im Sommer wiederzubeleben; immerhin hat Heinrich Lübke ihn zum „Nationalen Gedenktag des deutschen Volkes“ proklamiert! Daran hat auch der Einigungsvertrag nix geändert. Wäre doch mal einen Gedanken zum Gedenken wert, oder…?

Es gibt keine „nationale Einheit“ (was auch immer das sein könnte), folglich gibt es auch wenig, was man heute feiern könnte; außer vielleicht die Demokratie! Immerhin fand die Wiedervereinigung Ihren Startpunkt auch in einem Volksaufstand, der allerdings nicht von russischen Panzern niedergewalzt wurde, sondern vielmehr in einem friedlichen Prozess der Wiedervereinigung von BRD und DDR mündete. Und auch wenn „Blühende Landschaften“ Helmut „War doch nur Bimbes“ Kohl und die seinen so ziemlich alles falsch gemacht haben, was dem Manchesterkapitalismus der frühen Wendezeit hätte Einhalt gebieten können, bleibt die Wiedervereinigung dennoch ein demokratischer Prozess, der bis heute weltweit seinesgleichen sucht – und die Blaupause für weitere Prozesse zur Reintegration unseres Staates sein könnte. Darauf trinke ich heute noch ein paar Duppegläser weißen Bitzler und wünsche euch schon mal einen guten Start in die neue Restwoche. DI ist der neue MO. Könnt ich mich dran gewöhnen. Bis die Tage.

Auch als Podcast…

Beannachtaí na hÉireann N°7 – Bachelor of Bricklaying…?

Die beste Ehefrau von allen bemerkte dieser Tage, als wir einmal mehr auf dem Weg zu einer Alte-Steine-Besichtigung waren, dass der Mangel an Auszubildenden in so vielen Gewerken schon ein wenig traurig wäre, und dass die Akademisierung an einigen Stellen doch schon sehr seltsame Blüten triebe. Und so ganz unrecht hat sie damit natürlich nicht. Denn jedes Gewerk hat zwar Bedarf an einer gewissen Menge Akademiker, die – je nach Art und Struktur des Tätigkeitsfeldes – natürlich durchaus variieren mag. Einen Bachelor of Science in Bricklaying oder Facility Management braucht es indes vermutlich nicht unbedingt. Umso mehr aber viele junge Menschen, die dem derzeit schlechten Rénomée, etwa des Handwerkes zum Trotze, einen solchen Beruf ergreifen und erlernen möchten. Denn der Ruf nach einer dringenden Erhöhung der Akademikerquote in Deutschland, der mehr oder weniger zeitgleich mit den Bologna-Reformen erstmals erscholl, ließ stets die Erkenntnis des wahren Wertes unseres dualen Ausbildungssystems vermissen.

Die hatten auch keine Bachelor-Abschlüsse…

Das derzeit immer weniger junge Leute den Weg in eine duale Ausbildung finden, liegt allerdings weniger an der (tatsächlich durch manche Münder stattfindenden) subjektiven Entwertung der nicht-akademischen Berufe, sondern an deren oftmals wirklich nur noch als mangelhaft zu bezeichnenden Attraktivität und Bindungskraft. Auch, wenn Vertreter des Handwerkes das möglicherweise nicht offen zugeben können. Das eigentliche Problem liegt jedoch viel tiefer: wir, so als Gesamtgesellschaft, haben ein Werte-Problem! Und ein Wertschätzungs-Problem! Und ein Wertigkeits-Problem obendrein! Unsere Werte haben sich immer mehr in Richtung „Schein statt Sein“ verschoben. Wertschätzung zollen wir heute nur noch jenen, die wir respektieren; doch das sind viel weniger Menschen, als unsere Wertschätzung in Wirklichkeit verdienen. Und Wertigkeiten können wir nicht mehr einschätzen. Wie kann es sein, dass ein Influenza*rin/x fiskalisch hochgejuxt wird und eine Pflegefachkraft manchmal nur knapp über Mindestlohn verdient? Was macht einen Fußballer so viel wertvoller, als einen Gerüstbauer? Warum muss ein Manager für oftmals hochspekulative Fiat-Geld-Wetten (Hedgefonds) besser bezahlt werden als ein Zusteller, Metzger, Bäcker, Landwirt, etc.? Ja also, ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht…

Vielleicht liegt es daran, dass wir WACHSTUM IMMER NOCH ALS GOTT VERHEREN! Ebenso wie seinen (be)trügerischen, hinterhältigen Bastardbruder MAMON. Wem kommt so ein Brüderpaar noch bekannt vor? Nur mit dem Unterschied, dass Thor es schafft, ein halbwegs ordentlicher Kerl zu werden. WACHSTUM wird das nicht mehr hinbekommen. Das einzige, was dieser Gott hin bekommt ist unsere Welt. Das einzig Nachhaltige an dauerhaftem WACHSTUM ist die Vernichtung unseres Planeten! Schade, nicht wahr…? Aber so viele da draußen glauben immer noch an dieses vollkommen irre Versprechen, ihren Anteil am steten Fortschritt unseres Lebensstandards zu bekommen, wenn sie nur schön immer mitmachen bei diesem Wettlauf, gebaut auf den tönernen Füßen dauernder Ressourcenverschwendung. Ist es nicht komisch, dass jedes Problem unserer Zeit darauf hinausläuft? Man könnte einwenden, dass ich monothematisch bin, und dass, wenn man einen Hammer in der Hand hat, halt alles aussieht, wie ein Nagel. Das Einzige, worum ich bitte ist, meine Gedanken im wahrsten Wortsinn nachzudenken und zu schauen, ob, bzw. wo ich mich verrannt oder getäuscht habe. Denn ich würde mich gerne täuschen. Jedoch, mir fehlt der Glaube…

Wie auch immer, auch ein Urlaub an einem verdammt schönen, verdammt inspirierenden, verdammt ursprünglichen und verdammt gastlichen Ort wie Irland kann meinen unruhigen Geist leider nicht so beruhigen, dass ich diese Dinge vergesse. Ist vielleicht auch ganz ok, denn es gibt eh schon zu viele, die sich alle Mühe geben, diese Realität zu vergessen und sich mit unnützem Konsum zu betäuben. Nicht mit mir. Denkt doch mal drüber nach, tut was sinnvolles, anstatt einfach so weiterzumachen wie bisher – aber nehmt nicht euch selbst, sondern die Fakten ernst. Dann habt ihr trotzdem was zu lachen. So wie ich. Macht’s gut, bis die Tage.

Beannachtaí na hÉireann N°5 – quiet quitting…

Flausen im Kopp – so nannte man das in meiner Jugend, wenn jemand plötzlich komische Ideen entwickelte und/oder Sachen machen wollte, die zu diesem Zeitpunkt, an diesem Ort, oder sogar insgesamt nicht ins Konzept passten! Ist jedem Mensch schon mal passiert, sofern ein gewisses Alter erreicht wurde. Nun ist es aber natürlich so, dass solche Flausen im Kopf in den allerseltensten Fällen – wenn man mal von den frühen Ausfällen Johnny Knoxvilles und seiner Crew absieht – sonderlich neuartig oder kreativ sind/waren. Sich auf mannigfaltige Art zum Affen zu machen hat schon seit Jahrtausenden Konjunktur, also ist es heutzutage ziemlich schwierig, noch was wirklich Neues zu finden. Was dazu führt, das man relativ häufig – insbesondere dann, wenn man gerade denkt, besonders kreativ und individuell zu sein – zumeist den Quatsch vergangener Generationen kopiert; und das oft noch nicht mal besonders gut.

Solche Phänomene sind natürlich nicht auf das Privatleben, bzw. die Freizeit beschränkt, sondern finden sich auch im Arbeitsleben wieder. „Alter Wein in neuen Schläuchen“ ist ein Synonym für die Umdeklaration von Gammelware, um diese doch noch irgendeinem Trottel verkaufen zu können. Derlei Beschiss gab es anscheinend auch schon bei den Römern. Jetzt indes verwendet man dieses Sprichwort für alle möglichen kulturellen Wiedergänger, wie etwa unnötige Modetrends. Also braucht man eben diese neuen Schläuche. Und so wundert es nicht, das aus „Dienst nach Vorschrift“ neulich „Quiet Quitting“ wurde. Klingt halt Denglisch und damit Hip; und was Hip ist, ist manchmal auch Hop, meist aber nur Flop! Denn seien wir mal ehrlich: egal wie man es nennt – „innerliche Kündigung“, „quiet quitting“, „Dienst nach Vorschrift“, etc. – es ist immer ein Hinweis darauf, das Menschen von ihrer Arbeit die Schnauze voll haben. Die Gründe können allerdings sehr unterschiedlich sein…

Worauf liegt mein Fokus…?

Oft wird unterstellt, dass die Leute faul sein, Low-Performer, nicht leistungsbereit genug um „Karriere“ zu machen. Doch um was für eine „Karriere“ geht es hier? Ich verweise auf das Bukowski-Zitat von neulich. Wenn sich meine Karriere darauf reduzieren lässt, für andere Leute Geld machen zu müssen und wenig Sinn hinter meiner Arbeit sehen zu können, dann ist quiet quitting einfach nur die logische Konsequenz. Dann laufen die Tage nach folgedem Schema: Ankommen – Einstempeln – Roboten – Ausstempeln – LEBEN… Das gleiche gilt, wenn der Chef kein Leader ist, sonder ein Boss. Und das kommt, wie man ja weiß, von „bossen“. Wieder einmal sind wir an dem schmalen Grat zwischen gesunder Sinnstiftung durch Arbeit und sinnloser Selbstausbeutung angelangt. Wieder einmal stellt sich die Frage: wieviel ist GENUG? Auch, wenn die Antort auf diese Frage gewiss individuell unterschiedlich ausfallen mag: Ich stehe hier auf dem Standpunkt, dass die Arbeit innerhalb des vertraglich vereinbarten Stundensaldos zu schaffen sein muss. Andernfalls sind Stellenbeschreibung und Workload schlicht falsch beschaffen!

Wenn die Arbeit zum Berg wird, sollte man manchmal einfach drumherum gehen!

Ich möchte an dieser Stelle beruhigen: ich habe nicht still gekündigt und bin auch nicht kurz davor. Ich befinde mich allerdings seit ca. drei Jahren in einem Prozess kontinuierlicher Neubewertung. Und ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass ich nicht weiter vorwärts drängen kann und will. Wenn man auf die 50 zugeht, fängt man an, ein erstes Résumée zu ziehen; und man hat, zumindest mit etwas Glück, die charakterliche Reife erlangt, auch an die unangenehmen, die peinlichen, ja sogar die schmerzhaften Stellen des Selbst zu gehen. Ich kann unumwunden sagen, dass ich mit gewisser Zufriedenheit auf den Mann blicke, der ich geworden bin. Dennoch kenne ich meine Schwächen. Und eine davon ist, zu selten NEIN gesagt zu haben; und dies immer noch zu tun. In aller Deutlichkeit: ich mag meine jetzige Arbeit – aber es gibt Dinge, die mich noch mehr faszinieren. Wäre ich ledig und los, hätte ich vielleicht schon was anderes probiert. Aber die Verantwortung für meine Lieben nötigt mich, die Stabilität der Faszination vorzuziehen. Mal sehen, welche Optionen sich dem zum Trotze ergeben. Ich wünsche einen schönen Tag.

Von der Pein(lichkeit) der Anderen…

Verschiedene Dinge im Leben erfordern manchmal, Konzessionen zu machen, Kompromisse einzugehen, zurückzustecken – kategorischer Imperativ halt. Zumindest versuche ich selbst, so oft wie möglich auf diese Art an die Dinge heranzugehen. Meine kleine Tochter hingegen will, was sie will; HIER, JETZT und UNEINGESCHRÄNKT. Mit 9 sieht die Welt halt auch noch anders aus. Wenigstens will sie üblicherweise nur Kleinkram, und wenn es doch mal der Ruf nach einem eigenen Pony ist, frage ich sie halt, ob wir das Viech dann im Flur (Breite, ca. 1,20m) halten sollen? Beim Nachdenken über das Problem vergisst sie meist die Frage – und das Pony. Hilfreich. Klappt bei Erwachsenen leider nicht so, denn manche meiner Mitmenschoiden sind halt doch nicht ganz so dämlich, wie sie aussehen. Und sie begründen ihre, durchaus nicht selten vollkommen überzogenen Forderungen gerne mit dem Hinweis auf ihre, im Grundgesetz verbrieften Freiheiten – da hätten wir wieder den Konflikt mit dem kategorischen Imperativ, der speziell FDP-Wähler offenbar ja eher wenig schert. Und so stolperte ich heute Mittag über diese Frage auf meinem kleinen Inspirator…

Die kurze Antwort lautet: JAAAAAAAA! Die etwas elaboriertere Variante, an welcher ich mich im Folgenden versuchen möchte, beginnt mit folgendem Satz: das hängt vom Umfang des individuellen Missverhältnisses zwischen Forderung und Rechtmäßigkeit ab! Denn fordern kann man herzlich viel. Man kann auch über herzlich viel diskutieren. Zum Beispiel über die 42h-Woche, welche der ehemalige angebliche Sozialdemokrat Gabriel dieser Tage medienwirksam ins Sommerloch erbrochen hat. Es fand sich nur noch niemand, der dieses Verbal-Exkrement wirksam hätte entfernen können. Dem Fachkräftemangel durch eine Steigerung der Überforderung der noch vorhandenen Fachkräfte begegnen zu wollen, ist schlichter Humbug. Bedenkt man, dass der Senile Siggi dabei auch noch dem BDI-Präsidenten Russwurm sekundiert, der eine derartige Arbeitszeitverlängerung mit einem Hinweis auf die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage sicher gerne mit einem Almosen nahe Null entgälte, kann man ruhig mal wieder Max Liebermann zitieren. Im geschilderten Fall ist der eklatante Missbrauch der Redefreiheit durch vermutlich cerebralexsikkierte, saturierte ältere Herren in der Tat total peinlich. Allerdings ist es mit solcher Peinlichkeit wie mit der Dummheit und dem Totsein – ES TUT NUR DEN ANDEREN WEH!

Freiheit als solche kann natürlich nicht peinlich sein, weil der Begriff erst durch die jeweilige Inanspruchnahme mit Leben gefüllt wird. Wie bei Dienstleistungen wird hier das Uno-acto-Prinzip erfüllt (etwas wird verbraucht, noch während es produziert wird – gilt zum Beispiel auch für Unterricht). Womit klar wäre, dass es selbstverständlich auch die total unpeinliche Freiheit geben muss; oder besser, den total unpeinlichen Gebrauch der Freiheit! Der erfüllt sich in aller Regel allerdings, ohne dass wir diesen wahrnehmen! Dieses Problem mit der Wahrnehmungsschwelle erklärt überdies, warum so viele Covidioten immer noch glauben, dass ihre individuelle Freiheit ein uneinschränkbares Gut sei, und sich daher im Versuch der Ausübung des vermeintlich Beschnittenen total peinlich benehmen. Weil sie nämlich nicht wahrnehmen können, wie viele Freiheiten sie den ganzen Tag über als selbstverständlich in Anspruch nehmen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein: Freizügigkeit im Bundesgebiet und Schengenraum (sofern nicht wegen Infektionsgefahr eingeschränkt), Freie Berufswahl, freie Meinungsäußerung, Freiheit der Vereins- und Parteiengründung, freie Religionszugehörigkeit, freie Entfaltung der sexuellen Identität, und, und, und. Macht doch mal einen Ausflug nach Ungarn, in die Türkei oder nach Russland. Und dann viel Spaß mit dem Knüppel beim Einfordern dieser Rechte.

Nochmal zum Mitschreiben – nur der Gebrauch der Freiheit kann peinlich sein, dann aber unter Umständen wirklich total! Darum werde ich meine Freiheit dieses Wochenende und auch die nächsten Tage total unpeinlich in Anspruch nehmen und anstatt für meinen Job für mein Studium arbeiten… allerdings mit hoch angemessenen Pausen. Ansonsten wünsche ich euch ein schönes Wochenende. Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Back on track!

Gar von der Glut sommerlicher Schamotthaftigkeit meiner Heimatnekropole schwitze ich diese Zeilen auf den Bildschirm. Die erste Post-KzH-Woche (Krank zu Hause) ist vorbei, und ich habe mich bei meiner Belastungserprobung sehr genau beobachtet. Zumindest habe ich das versucht, während ein Kessel bunt-hektisches Allerlei mich zum kognitiven Duell forderte. Doch was da so liegen geblieben war, während ich der psychischen Genesung frönte, ging zum größten Teil alsbald den Weg allen elektronischen Chitter-Chatters unserer ach so schnelllebigen Zeiten => in das digitale Äquivalent der Ablage Rund; ich muss an dieser Stelle einfach sagen, dass meine Kollegen*innen das Kind in meiner Abwesenheit schon gut geschaukelt haben. Man darf sich wohl einfach nicht als unersetzbar betrachten, sondern eher als Teil eines Ganzen, dass – zur Not – auch mal ohne einen funktionieren können muss. Ich lerne das gerade noch mal; hatte es glatt vergessen. Das tut weh, aber auch gut. Solche Ambivalenzen irgendwann aushalten zu können, ist allerdings essentiell. Positiv daran (zumindest für mich): je älter ich werde, desto einfacher fällt es mir, weil mir manches, was mich vor 10 – 15 Jahren noch tierisch aufgeregt hat, heute einfach am Arsch vorbeigeht. Dafür denke ich über manch Anderes heute länger nach…

VERDAMMT GUTE FRAGE!

Ich nahm dieser Tage an einem Instruktoren-Seminar teil, bei dem es zu einem guten Stück auch um einen anderen Zugang zu non-direktiver Gesprächsführung ging – etwas, das man in einer Leitungsposition durchaus für verschiedenste Situationen gebrauchen kann. Und ich kam nicht umhin, einige meiner bisherigen Postionen zu überdenken. Ich hielt mich bislang immer für einen Team-orientierten Leader. Anscheinend bin ich aber bisweilen doch dieser Typ, den alle Kinder hassen: der Papa, der meint zu wissen, was das Beste für alle anderen ist. Das ist, wie ich rational weiß, natürlich Käse, weil man Menschen (zumindest ab einem gewissen Alter) nicht zu manipulieren versuchen sollte. Denn wie arrogant ist es wohl, sich anzumaßen, dass man wüsste, was das Beste für eine andere Person ist? Bei meinen Kindern mag das bis zu einem gewissen Alter noch angehen – nämlich genau bis zu dem Moment, da sie für ihr Handeln selbst Verantwortung übernehmen können und müssen. Ab da werde ich dann oft vermutlich nur noch Zuschauer sein. Aber bis dahin ist mir natürlich daran gelegen, die zwei vor allzu großen Dummheiten zu beschützen – ohne sie dabei einzuengen… hat das IRGENDEIN Elternteil jemals perfekt hinbekommen? Bei erwachsenen Menschen, die, genau wie ich, ihre eigenen Ziele, Wünsche und Träume haben, die man ihnen nicht auf einem Display in der Stirn ablesen kann, ist das jedoch riesengroßer Bullshit. Ich will NICHT manipulativ sein!

Dann blätterte ich gestern Nachmittag, so gegen Ende des Seminars meinen kleinen Ideen-Spender um – und da tauchte doch glatt das obige Bild auf! Karma ist schon ’ne ganz schöne Bitch, oder? „Ist Macht hässlich?“. Die Frage passte meines Erachtens zum Meta-Thema des Seminars – nämlich Sprache als Werkzeug zur Reflexionsanregung, nicht aber zur Manipulation nutzen zu wollen – wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge. Ich würde eher dazu neigen, Macht, genau wie zum Beispiel auch Technologie, als Werkzeug zu betrachten. Der Gebrauch entscheidet darüber, ob daraus etwas Hässliches – wie etwa Missbrauch – entsteht, oder eben nicht. Ich würde den Satz daher umformulieren wollen, zu „Macht macht u. U. hässlich…“ Ich behaupte ferner, dass wahre Macht nur über jene Menschen ausgeübt werden kann, welche diesen Gebrauch bewusst – oder auch unbewusst – legitimieren. Manipulation ist allerdings dazu geeignet, eine solche unbewusste Legitimation herbeizuführen, und daher für mich einer der hässlichen Aspekte von Macht, mit dem ich selbst mich nicht beschmutzen möchte. Ich bin also wieder einmal auf ein Dilemma gestoßen, weil ich natürlich in einer Leitungsposition auch Dinge durchsetzen muss, die andere tendenziell gar nicht so gut finden – vulgo Macht ausüben. Was die Frage nach der Legitimation dieses Machtgebrauchs stellt…?

Ist architektonischer Brutalismus Machtausübung…?

Man könnte jetzt platt sagen: „Weil ICH der Chef bin, und DU nicht!“ Passiert auch im 21. Jahrhundert immer noch an viel zu vielen Arbeitsplätzen. Solches Verhalten könnte nebenbei einer der Gründe für „The Big Quit“, die große Kündigungswelle sein, von der im Moment überall geschrieben wird. Ich versuche daher ziemlich oft, meine Entscheidungen zu erklären, bzw. die Kollegen*innen in diese einzubeziehen, soweit das möglich ist; was dann, wenn ich das einmal nicht tue, immer gleich zu Irritationen führt. Man kann halt nicht alles haben. Der li-la-launige Erklärbär in mir ist zwar meistens mächtig, doch manche Entscheidung treffe ich nicht selbst, muss diese aber dennoch umsetzen. Nichtsdestotrotz stelle ich, auf Grund der oben beschriebenen Erfahrung gerade mal wieder mein Führungs-Verhalten auf den Prüfstand. Was dabei herauskommen wird, weiß ich noch nicht so genau – ich denke allerdings NICHT, dass ich gleich wieder in die nächste Depressions-Spirale komme, weil ich mich selbst nämlich meistens – allen Widrigkeiten zum Trotze – als recht reflektiert empfinde… Wie dem auch sei, ich wünsche noch einen schönes Wochenende. Wir hören uns!

Auch als Podcast…

Ein Pflichtjahr für die Gesellschaft…?

Und wieder mal schwadroniert ein politischer Jemand von der Stärkung gesellschaftlicher Solidarität und dem „Für’s Leben lernen“, weil ihm im Angesicht drohender wirtschaftlicher und sozialer Probleme (durch den Ukrainekrieg, die Pandemie, die Gier der Konzerne) nichts Besseres eingefallen ist; dies bedarf selbstverständlich einer Antwort! Auch, wenn meine Meinung vermutlich von vielen als unwesentlich betrachtet wird, dürfte sie fachlich etwas fundierter ausfallen, als die unseres Bundespräsidenten. Um es kurz zu machen, denn normalerweise stellt man bei einem Abstract ja auch die gefundenen Folgerungen an den Anfang, um danach darzulegen, wie man dorthin gelangt ist, lässt sich zu Frank-Walter Steinmeiers Diskussionsbeitrag Folgendes sagen: UNAUSGEGOGERNER BULLSHIT! And here comes, why!

Eigentlich wären Nieten passender, es gab aber nur Schrauben – die halten manchmal auch unnötige Dinge fest…
  • Alle Tätigkeiten im zivilen Bereich, die für ein soziales Pflichtjahr in Frage kommen – und das sind die Gleichen, wie etwa beim Freiwillgen Sozialen Jahr FSJ – bedürfen zumindest einer minimalen Ausbildung, was den Netto-Einsatzzeitraum teilweise erheblich begrenzt. Die implizit ausgemalte Ersparnis bleibt also begrenzt.
  • Auch mit der Minimal-Ausbildung kommen eigentlich nur Hilfstätigkeiten in Betracht. Jedoch sind die Grenzen zwischen Hilfstätigkeiten und dem, was etwa eine Person mit drei-jähriger Berufsausbildung macht, oft so fließend, dass die jungen Leute u. U. in Situationen kommen, in denen sie dann Entscheidungen treffen sollen, für die sie nicht qualifiziert und nicht reif genug sind.
  • Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitswesen fordern die Tätigen nicht nur physisch, sondern auch psychisch erheblich! Bei weitem nicht jeder junge Mensch ist dafür überhaupt geeignet!
  • Nicht jeder Betrieb im Gesundheits- und Sozialwesen ist überhaupt in der Lage, solche Plätze anzubieten, weil die gesetzlichen Vorgaben für die Betreuung der jungen Leute, etwa im FSJ jetzt schon erheblich sind. Und da wurde die sonstige Ressourcenknappheit noch überhaupt nicht thematisiert. Hieraus ergibt sich ein struktureller Kapazitätsmangel, der weder umfänglich noch qualitativ sinnstiftend aufzufüllen ist. [Die Wehrgerechtigkeit – nur für die jungen Männer – war ja schon mit Aussetzen der Wehrpflicht lange nicht mehr gegeben! Wie soll das dann funktionieren, wenn auch noch die jungen Frauen dazu kommen?]
  • Solche Plätze für ein soziales Jahr dürfen dem Geist der entsprechenden Gesetze nach keine sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse verhindern oder zerstören. Dieser Grundsatz zum FSJ wird heute schon überall aus wirtschaftlichen Erwägungen unterlaufen. Wollen wir dem tatsächlich noch weiter Tür und Tor öffen – auf dem Rücken unserer Folgegenerationen?
  • Die „alternative Ableistung“ im Militärdienst entspricht natürlich der, leider niemals sterben wollenden Idee, die Wehrpflicht wieder zu aktivieren. Die Frage, ob eine allgemeine Wehrpflicht sinnvoll sein könnte, oder eben nicht, sollte man überhaupt nicht stellen. Und wenn, dann nur unter der Maßgabe, dass diese dann auch Frauen betrifft. Andernfalls widerspräche es den allgemeinen Gleichstellungsgrundsätzen. Überdies ist es Humbug, zu glauben, dass junge Menschen, die unter Zwang dazu verpflichtet werden, sich entweder militärischem Drill zu unterwerfen, oder aber sich als billige Hilfskraft im Gesundheits- und Sozialwesen missbrauchen zu lassen, dadurch auch nur ein Jota solidarischer, verträglicher oder dem Gemeinwohl zugewandter werden…

Was ein Mensch mit seinem Leben anfangen möchte, oder eben auch nicht, sollte spätestens mit Erreichen des Erwachsenen-Alters der betroffenen Person überlassen bleiben. Jedwedes Eingriffsrecht, welches sich der Staat hier einräumen möchte, ist nicht mehr als ein weiteres, höchst billig und unglaubwürdig verkleidetes Instrument sozialer Umverteilung von Unten nach Oben. Denn letzten Endes würde nur eine gesellschaftliche Gruppe davon profitieren: diejenigen, welche sich die, auf diese Weise erbrachte Frohnarbeit vergolden lassen können. Was für’s Leben lernt man auch im Rahmen einer ordentlichen Ausbildung. Und diejenigen, die etwas tun möchten, machen sowieso schon ein FSJ. Meine Sicht als Ausbilder und Schulleiter im Gesundheitswesen ist da relativ nüchtern; selbst junge Leute im FSJ sind teilweise nur schwer zu motivieren. Was soll ich dann bitte schön mit Menschen, die in meine Lehrsäle gezwungen werden? Und wer bezahlt das? Auch noch ich selbst – mit meinem Steuergeld. Vielen Dank, aber NEIN! Geh mal zu Demenz-Profilaxe Frank-Walter Und ansonsten hör auch mal auf Leute von der Basis, nicht immer nur dieses Industrie-Lobby-Gesocks. Schönen Tag noch.

Auch als Podcast…