Erwachsen bilden N°58 – Ich bin erstaunt!

Ich hatte in der abgelaufenen Woche zugleich die Bürde und das Privileg, einer Klasse, die gerade ins zweite Lehrjahr kommt einen ersten, dennoch tiefgreifenden Einblick in eine nicht ganz leichte Kost geben zu dürfen: psychosoziale und psychiatrische Notfälle im Rettungsdienst. Mit Blick auf meine eigene diesbezügliche Krankheitsgeschichte war mir dabei allerdings ein Mü unwohl; was ich übrigens auch gegenüber meinem Therapeuten erwähnte. Er meinte jedoch, dass jemand, der selbst betroffen sei, aus einer Perspektive maximaler Glaubwürdigkeit agieren könne. Ich kann, auch wenn ich heutzutage sehr oft andere Aufgaben übernehme, sehr wohl unterrichten. Doch es gab ein paar Aspekte, die mir Kopfzerbrechen bereiteten. Zum einen musste ich, weil mal wieder mit viel zu wenig Zeitressourcen ausgestattet, auf die Materialien eines Kollegen zurückgreifen. Die habe ich zwar für meine individuellen Dozentenbedürfnisse umgestrickt, dennoch steckte auch darin noch viel Arbeit, denn man muss, sofern man anderer Leute Content nutzt, den Stoff trotzdem selbst noch einmal so tief durchdringen, dass man zumindest die meisten Fragen – ja auch die ungewöhnlichen – ohne große Umschweife beantworten kann. Okay… challenge accepted. Ein zweiter Punkt war ein recht umfangreicher Vortrag zum Thema Depressionen… und einer zum Suizid. Mir wurde einmal mehr bewusst, dass Menschen, die in diesem Job arbeiten, selbst deutlich gefährdeter sind, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, als die ganzen Menschen mit Jobs, in denen man nicht mit Not, Elend, Tod und noch vielen anderen negativen Erlebnissen konfrontiert wird. Ich musste da also durch, ohne mich selbst oder meine Schüler*innen zu triggern. Und schließlich musste ich die Erwartung der jungen Leute dämpfen, hinterher wirklich in allen Situationen sofort eine Lösung parat zu haben. Daher war ich heute sehr positiv überrascht, als mir ein paar von ihnen im Plenum offenbarten, verstanden zu haben, dass ein Hauptzweck der Übung vor allem in der Sensibilisierung für eine Materie bestand, deren Betroffene uns NotSans im Umgang sehr viel Geduld abverlangen, deren soziales Stigma inclusive aller möglichen Vorurteile nach wie vor enorm präsent ist. Und denen helfen zu können oft genug durch ein hierin lausig schlecht aufgestelltes Gesundheitswesen, zumeist mangelnde medizinische Selbstkompetenz und das Störfeuer Dritter verhindert wird.

Ich durfte feststellen, dass die Selbstreflexion, die ich stets während meines Unterrichtes einfordere hier stattgefunden hat. Vielleicht, weil ich an einigen Stellen zumindest versucht habe, auch auf mögliche eigene Betroffenheit einzugehen. Vielleicht, weil der eine oder die andere auch über eigene Erfahrungen verfügt. Vielleicht, weil es erst die erste Woche des Schulblocks war. Da ist man meist noch reativ frisch im Kopf. Ganz gleich, welchem Aspekt ich das zuschreiben möchte – aus meiner Sicht war die Woche damit ein voller Erfolg. Wir haben viel Wegstrecke gemacht und keine Motivation vernichtet. Wären meine Arbeitswochen immer so, wäre ich vermutlich letzthin nicht in ein so tiefes Loch gefallen. Doch da ich meine zeitlichen, emotionalen und kognitiven Ressourcen stets zwischen verschiedenen Baustellen aufteilen muss, anstatt mich auf eine bewusst konzentrieren zu können, bleibt mir diese Genugtuung allzu oft verschlossen. Daher feiere ich das jetzt gerade ein wenig. Ulkig ist im Zusammenhang mit dieser Woche im Lehrsaal übrigens der Umstand, dass eine der Schülerinnen mich irgendwann fragte, was das immer für komische Bilder wären, mit denen ich meine Präsentationen oft einleite? (Ja, damit bin ich ertappt: ich benutze Powerpoint(c). Ich versuche allerdings, meine Präsentationen nicht als diese, so weit verbreiteten Textwüsten zu gestalten, welche der Frankfurter Allgemeinen alle Ehre machen würden…) Ich sagte ihr sinngemäß, dass ich wohl relativ häufig ein paar Schritte zu weit dächte und meine Metaphern daher vielleicht nicht für jeden Betrachter funktionieren würden. Das ist der eine Teil der Wahrheit. Der andere: Präsentationen, die nur mit unserer Coporate Identity daher kommen, sehen für mich einfach stinklangweilig aus. Ich möchte ja beim Präsentieren auch Spaß haben. Dennoch möchte ich mir hier kurz die Mühe machen, zu erklären, was ich bei der Auswahl einiger Fotos gedacht und gefühlt habe:

Und damit sei euch ein schönes Wochenende gewünscht!

Auch als Podcast…

Writing Fiction #01 – …where to begin?

Gleich vorneweg: einen Roman schreiben, einen Essay schreiben, einen Blogpost schreiben und ein TTRPG-Abenteuer schreiben, sind vier vollkommen unterschiedliche Dinge. Das eine sucht nach Antworten auf eine spezifische Frage, oder versucht, dem Leser dabei behilflich zu sein, für sich selbst die richtige Frage (oder Antwort) zu finden. Und bedient sich dafür einer logischen Struktur, die (hoffentlich) für Dritte nachvollziehbar ist. Unterhaltsamkeit mag hier ein Bestandteil sein – muss aber nicht unbedingt; das ist der Essay (“essayer” aus dem Französischen für “versuchen” mag einen Hinweis auf den Zweck solcher Texte geben.). Der Blogpost hingegen ist ein freies Medium: er kann ein Essay sein, ein Rant, ein Listicle, eine Selbstreflexion… oder wasauchimmer. Meine Schreibe hier zeigt das, wie ich glaube, recht anschaulich. Alles von den vorgenannten kam hier schon mal vor. Ich kennzeichne das auch nicht. Leser sollen das ruhig selbst herausfinden. Ein TTRPG-Abenteuer ist, so wie die meisten Blogposts eine eher kurze Textform. Zumindest, so wie ich das betreibe. Ich beschreibe in aller Regel “nur” wichtige Non-Player-Characters (NPCs), wichtige Locations, wichtige Gegenstände. Im heutigen Mainstream wird NPC gerne als negativ konnotierte Bezeichnung für Nebendarsteller im Leben des Protagonisten genutzt – der Protagonist ist man natürlich immer selbst! In meiner Wahrnehmung sind NPCs jedoch eigenständige Persönlichkeiten mit Zielen, Motivationen, No-Gos, Gefühlen… halt wie richtige Personen. Ähnliches gilt auch für die anderen u.U. wichtigen Bestandteile des Abenteuers. Denn im Pen’n’Paper entsteht die Geschichte durch die – oftmals unvorhersehbare – Art und Weise, in der die Spielercharaktere mit dieser Welt und den eben genannten Elementen darin interagieren. Ich kann ein und das gleiche Abenteuer mit drei verschiedenen Gruppen spielen und es wird drei Mal unterschiedlich ablaufen und ausgehen. Was aber bedeutet, dass ich mir über die Story vorher weniger Gedanken machen muss. Ich habe vielleicht eine vage Idee, wohin der Zug fahren KÖNNTE. Die muss aber nicht eintreffen. Der Roman hingegen ist hinsichtlich der Frage nach einer erzählten Geschichte ein GANZ ANDERES BIEST. Denn ich muss – durch die Augen eines Erzählers all das, was für den Verlauf wichtig ist greifbar machen. Und das am Besten auf eine Weise, die für die Leser*innen – kognitiv, vor allem aber auch emotional – nachvollziehbar bleibt…

…is paar Jahre her. Wir haben alle Fehler gemacht, die im Buch standen und noch ein paar mehr! Trotzdem war – und ist es immer noch – eine ziemlich geile Erfahrung!

Um diesen Prozess des Roman-Schreibens soll es hier in der Hauptsache gehen. Nun gibt es da draußen schon eine Menge YouTube-Kanäle, Blogs, etc., die ihr Geld damit verdienen, Menschen erklären zu wollen, wie man einen möglichst erfolgreichen Roman schreibt – oder auch mehrere. Content-Creator, die realistisch betrachtet versuchen, ambitionierten Hobby-Autoren eine (ihre) “Hit-Formel” aufzuoktroyieren; die jedoch zumeist lediglich eines schafft – Einheitsbrei! Denn, wann immer ein “junger” Autor (das Adjektiv bezieht sich hier bewusst auf die Dauer der Autoren-Karriere, nicht das Lebensalter der Person dahinter) anfängt, von einer ersten Veröffentlichung zu träumen, wird er/sie auch recherchieren, was andere vor ihm/ihr getan haben, um dieses hehre Ziel zu erreichen – vom Schreiben leben zu können! Ich träume davon auch – gelegentlich und nur sehr verhalten. Weil ich weiß, dass selbst die größten und bekanntesten Romanciers oft von Glück und Zeitgeist abhängig waren. Erst, wenn der eigene Name eine Marke geworden ist, verkaufen sich die Bücher dauerhaft gut. Und an diesen Punkt kommt so gut wie keiner von denen, die es versuchen! SO GUT WIE KEINER! Egal, wie viele Ratgeber-Videos sie sich anschauen mögen. Denn der Content wird heutzutage von den Lektoren nach Verkaufbarkeit durch Massengeschmack kuratiert. Deshalb wird das hier auch keine Ratgeberreihe. Sondern ein nachdenklicher Blick auf Prozesse. Auf Kreativität und Textarbeit. Auf Vorbereitung und Improvisation. Auf Mut und Angst. Auf Flow und Blockade. Auf Inspiration und Resilienz. Denn auch, wenn viele sich zum Schreiben berufen fühlen mögen, reflektieren die Wenigsten wirklich das WARUM. Aber das WARUM steht am Anfang jedes Textes! Ich setzte mich heute Vormittag an diese Tastatur und begann diesen Text zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich gebe einen Einblick in meine Erfahrungen, Ideen, Quellen. Jedoch nicht mit dem Anspruch, das irgendjemand das wichtig oder nachahmenswert finden muss. Mir genügt das Wissen, dass irgendjemand es nützlich finden KÖNNTE. Denn ich WEISS mit Gewissheit um den Wert meiner Worte. Aber oft – und dieses Geständnis bereue ich nicht – weiß ich bei den ersten Tastenhüben noch nicht, wohin mich der Text tragen wird. Denn ich denke ebenso gerne mit der Tastatur, wie mit dem Stift. Ich ergründe meine eigenen Emotionen und Kognitionen, während die Worte schon auf den Bildschirm oder die Notizbuchseite fließen. Was sich gut anfühlt – weil das WARUM klar ist.

Wenn ich also einen Roman zu schreiben beginne, dann gibt es einen Grund, warum DIESE Geschichte erzählt werden will. Das ist MEIN WARUM. Ob dieses Warum irgendjemanden berührt, oder nicht, ist zunächst völlig einerlei. Natürlich bin ich nicht frei von dem Wunsch, dass auch Andere meine Texte gut finden mögen; so viel Eitelkeit muss dann schon sein. Aber sehr oft genügt mir die Befriedigung, mir etwas von der Seele, von der Brust, aus dem Kopf geschrieben zu haben, einfach, weil es an der Zeit dazu war. Und das Gute daran ist, dass ich mir damit reichlich Übung verschaffe, denn beim Schreiben ist es so – man wird nur besser darin, wenn man es dauernd tut. Ich schaffe pro Jahr einige Hundert Seiten Text in unterschiedlichsten Genres – gewiss nicht so viel, wie professionelle Autoren, die damit tatsächlich ihr Geld verdienen. Aber ich schaffe diese paar Hundert Seiten (manchmal auch mehr) seit JAHRZEHNTEN. Will heißen – ich habe meine 10.000h bis zur Skill-Perfection zumindest theoretisch schon lange zusammen. Doch beim Schreiben gilt man – wie bei so vielen anderen Dingen auch – fälschlicherweise nur dann als Meister, wenn man einen gewissen Grad an Bekanntheit erlangt hat; oder damit Kohle verdient. Das ist mir aber wirklich und ehrlich einerlei. Ich möchte Menschen durch meine Texte kognitiv und emotional berühren; und es ist mir ziemlich Wumpe, ob es viele oder wenige sind, die ich so erreiche. Solange ich irgendjemandem etwas Gutes mitgeben konnte, habe ich mehr geschaffen, als viele Andere in ihrem ganzen verdammten Leben! Und ich WEISS, dass meine Schreibe schon den einen oder anderen Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, vielleicht auch zum Weinen gebracht hat. [EXKURS: Ich weiß übrigens auch, dass es Menschen gibt, die meine – auch verbal verfügbare – Wortgewalt fürchten, weil sie sich in ihrer Autorität bedroht fühlen. Denen kann ich nur sagen: hört mir einfach zu, denkt WIRKLICH über meine Worte nach und versteht, dass ich niemandem was Böses will. Ich will einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen! EXKURS ENDE] Ob die Feder wirklich mächtiger ist als das Schwert, wird wohl die Geschichte entscheiden müssen. Aber wenn es nach mir ginge, so brächte meine Feder vielleicht den einen oder anderen dazu, das Schwert niederzulegen und etwas vernünftigeres mit seiner Zeit anzufangen. Mich würde es jedenfalls freuen. Vielleicht würde so jemand anfangen, nach seinem WARUM zu suchen…? Wir hören uns.

Auch als Podcast…

In the long run…

Als ich 14 oder 15 war und Wünsche hatte, die über mein damaliges Taschengeldniveau deutlich hinausgingen, verschaffte mir mein Vater die Möglichkeit, ohne große Umstände selbst Geld zu verdienen. Ich ging dann in vielen Ferienzeiten malochen, während Andere andere Dinge taten. Es ist nicht so, dass ich keine Freizeit gehabt oder mein Leben nicht genossen hätte. Ich habe nur einfach einen Teil meiner Freizeit dafür geopfert, mir etwas leisten zu können. Nix besonderes, einfach nur mein kleines Stück Freiheit. Und mit der Zeit wurde daraus eine Gewohnheit. Was dazu führte, dass ich mir manchmal Dinge leisten konnte, ohne irgendwen danach fragen zu müssen, aber oft arbeiten musste, wenn ich anderes hätte tun können. Nachdem ich dann 1993 mein Abitur gemacht hatte, ging ich erst mal wieder ein halbes Jahr jobben, weil ich meine Studien-Pläne nicht so stringent vorangetrieben hatte, wie geplant; vielleicht wusste ich im Herzen auch schon, dass ich mit Menschen besser kann, als mit Maschinen. Obschon Menschen mich gleichsam immerzu anstrengen. Also landete ich im Zivildienst; im Rettungsdienst, um genau zu sein. Eine Entscheidung, die mein Leben erheblich beeinflusst hat, denn noch heute bin ich diesem Berufsfeld treu. Wenn auch in anderer Funktion als früher. Ich arbeitete 8-, 12- und 24-Stundendienste, war nie faul, hab mich weiterentwickelt und immer wieder was dazu gelernt. Im Lauf der Jahre kamen so einige Zusatzqualifikationen dazu. Doch immer noch fühlte ich mich nicht angekommen. Ich sah, dass andere Leute vorankamen, weil sie Chefs in den Arsch krochen. Eine Fähigkeit, die ich (gottseidank oder leider) nie entwickelt habe.

Also studierte ich nebenher – allerdings ohne Unterstützung oder gar Freistellung durch meinen damaligen Arbeitgeber – Bildungswissenschaft. Der alte AG hat mir damals sogar Steine in den Weg gelegt, garniert mit den unsterblichen Worten, “dass hier keine Extrawürste gebraten würden”. Ich habe einige wenige Male in den Jahren nach einer Dienstplanänderung gefragt… Wenn also jemand wissen möchte, ob ich den Laden als Arbeitgeber empfehlen könnte? Nein! Zumindest da, wo ich war, war’s früher ein kleinkarierter Saftladen, der sich NULL um das Wohlergehen oder die Entwicklung seiner Mitarbeiter*innen gekümmert hat. Dort Menschlichkeit zu bekommen, war damals ein Abenteuer, um die Catchphrase mal umzudeuten. Ich hoffe für die Kollegen, dass es heute besser geworden ist. Schwamm drüber. Ich bin dann da weg. Als mich mein damaliger Chef nach dem “Warum” fragte, habe ich nicht wirklich geantwortet. Ich wollte einfach nur meine Ruhe. Bei meiner Antwort auf die Frage, was denn noch auf meinem Zähler stünde (12 Tage Urlaub und ca. 170h Mehrstunden, was damals eher die Regel denn die Ausnahme war) wurde er ‘n bisschen blass. War im Jahr des Wechsels ein schönes 14. Monatsgehalt. Ich schloss meinen Bachelor ab, meine Aufgaben änderten sich und ich arbeitet weiter zu viel. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, jemals weniger als 120% geliefert zu haben. Oft mit, manchmal aber auch ohne gleichwertige Vergütung. Also habe ich, während ich schon in eine neue Aufgabe mit Leitungsposition und mehr als genug Arbeit gerutscht war, noch eben ein Masterstudium in Erwachsenenbildung absolviert. Nicht in Regelstudienzeit, aber trotzdem recht erfolgreich. Die Gehaltsstufe stimmte danach dann für mein Empfinden.

Doch niemand schien in den letzten Jahren so recht ernst nehmen zu wollen, wer ich bin, was mir wichtig ist, was ich kann (und was nicht) und an welchen Zielen ich arbeite. Ich meine, objektiv könnte ich fünfe gerade sein lassen. Ich bin damals zu einem recht guten Rettungsassistenten und später Notfallsanitäter geworden. Ich war ein verdammt guter Disponent für integrierte Leitstellen. Und ich bin – ohne arrogant klingen zu wollen – ein verdammt noch mal exzellenter Pädagoge. Doch das alles steht weit hinter meinen wichtigsten Lebensleistungen zurück: seit über drei Jahrzehnten glücklich mit der besten Ehefrau von allen zusammen und überdies mit zwei Töchtern gesegnet zu sein, die mich (obwohl unterdessen 13 und 17 Jahre alt) für einen gar nicht mal so üblen Vater halten. DAS müssen die dämlichen Möchtegern-Alphamales da draußen erst mal hinkriegen! Trotzdem merke ich den Zahn der Zeit; und das dauernde, nagende Gefühl, noch irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Zeigen zu müssen, dass ich mindestens genauso gut oder vielleicht auch besser bin, als andere. Was objektiv vollkommener Quatsch ist. Ich habe überdies diese verfickte protestantische Arbeitsethik in meinen Adern, die mich erst mal liefern lässt, bevor ich etwas fordere. Die mich in aller Ruhe hinter den Kulissen tun lässt, was wichtig und richtig ist, ohne darüber viel zu reden. Ich war auch nie ein Dampfplauderer, der seine Erfolge so lange schönreden kann, bis alle es glauben und ihn befördern. Peter-Prinzip bei der Arbeit. Ist halt nicht mein Stil. Was bleibt also? Dass ich hier sitze und erkennen muss, mich nutzlos immer wieder darüber geärgert zu haben, dass man mir nicht zuhören wollte, obwohl meine Argumente gut waren (und immer noch sind). Dass andere sich meine Erfolge ans Revers geheftet haben. Das man dann – kurz vor letztem Weihnachten – geglaubt hat, mich zu irgendwas nötigen zu können.

Zum ersten Mal habe ich in dem Moment meine Zähne wirklich gezeigt. Und jetzt ist etwas zerbrochen. Etwas, dass vermutlich nicht mehr geflickt werden kann. Das ich im Grunde meines Herzens aber auch gar nicht mehr flicken will. Ich habe Grenzen aufgezeigt und, um mich selbst zu schützen, Dinge von mir gewiesen und mich frei gemacht von Aufgaben, von denen ich noch vor kurzem dachte, sie seien unverzichtbar. Doch Einfluss interessiert mich jetzt nicht mehr. Die Belange meines aktuellen AG interessieren mich nicht mehr wirklich. Meine persönliche Entwicklung interessiert mich. Und die ist zum allerersten Mal in meinem beruflichen Leben nicht mehr an 120%, an MÜSSEN um jeden Preise, an liefern und dann fordern geknüpft. Sondern an das, was MIR gut tut! Ich habe 37 Jahre lang ununterbrochen Gas gegeben – und jetzt habe ich keinen Bock mehr darauf. Ich hatte gestern geschrieben, dass ich nicht so recht aus meiner Situation könnte, ohne irgendwas zu zerbrechen, das mir wichtig wäre. Stellt sich – nach einem längeren, in Gedanken versunkenen Spaziergang am Fluss heute Morgen – raus, dass ich mittlerweile doch bereit bin. Dinge zu zerbrechen. Und es wird gewiss nicht meine Familie sein. Die Zukunft bleibt offen. ‘cos, in the long run, you always got to make new decisions upon directions. Schönen Samstag.

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 5)

Einsamkeit…? Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder darüber nachgedacht, warum es mich manchmal geradezu magisch an Orte zieht, an denen sich tendenziell eher weniger Menschen aufhalten. Natürlich ist das einerseits der Tatsache geschuldet, dass ich mich als extravertierten Introvertierten erlebe; was in der Folge bedeutet, dass ich meine sozialen Batterien nur unter ganz bestimmten Bedingungen aufladen kann und ein Zuviel an sozialer Interaktion – vor allem, wenn ich mir Art und Umfang derselben nicht freiwillig aussuchen kann – mich furchtbar erschöpft. Andererseits merke ich jedoch auch dieses Verlangen nach bestimmten Stimuli, welche mir die heimatliche Hütte nicht bieten kann. Licht, Luft, immer wieder unterschiedliche Perspektiven. Wird das auch noch mit Solitude gepaart, bin ich recht schnell ein bisschen glücklicher. Draußen zeigten sich, passend zum Datum erste zarte Anzeichen von Frühling. Das bot mir eine ganze Menge der erwünschten Stimuli… allerdings nicht nur mir. Die Promenade entlang des Rheins war heute Morgen voll mit Gutwetter-Spaziergängern und ganzen Rudeln von Kampfjoggern. Zumindest bis zu einem bestimmten Punkt, ab dem es dann wieder einsamer wurde. Ich glaube, sagen zu können, dass mich die allermeisten Menschen, die ich nicht in meine Umgebung eingeladen habe, oft nur durch ihre Anwesenheit nerven. Das ist allerdings getriggert von bestimmten Erwartungen. Gestern Abend zum Beispiel war ich mit der besten Ehefrau von allen auswärts essen. Und das kuschelige kleine Restaurant war rappelvoll. Trotzdem hat mich das nicht im Mindesten gestört, weil ich mich ganz auf die Konversation mit meiner Liebsten und das köstliche Essen konzentrieren konnte – die Erwartung an die Situation war eine völlig andere und ich hatte zudem vorher zu Hause meine Ruhe gehabt. Heute Morgen jedoch hat mich die ebenfalls rappelvolle Promenade überrascht. Und damit meine, derzeit nicht sonderlich ausgeprägte Contenance auf die Probe gestellt.

Das Problem ist Folgendes: andere Menschen sind immer ein Spiegel für uns selbst. Unser Denken, unser Handeln, was wir kommunikativ und emotional alles nach außen abstrahlen, nicht selten sogar für Dinge, die uns selbst noch nicht bewusst geworden sind. Manchmal möchte man jedoch einfach nur sein… schlicht existieren, ohne alles sofort reflektieren zu müssen. Insbesondere, wenn man sich selbst im Alltag sonst zumeist als hoch reflektiert wahrnimmt. Oder besser gesagt… viel zu oft alles viel zu sehr zerdenkend. Über-analysierend. Immer einen Schritt weiter sein wollend, als alle anderen (weil man nicht selten tatsächlich einen Schritt weiter ist). Das macht einen entsetzlich müde, weil auch nach der 100. (gedanklichen) Teilung immer noch etwas da ist, dass nicht atomisiert wurde; nicht atomisiert werden KANN! Man versucht es trotzdem immer weiter. Wenn ich nun also sage, dass andere Menschen mich triggern, dann ist damit nicht irgendeine eventuell nervtötende Eigennart am Gegenüber gemeint, sondern vielmehr meine eigenen – teils subliminalen – Wahrnehmungen, die nicht nur Emotionen auslösen, wenn ich nichts fühlen möchte, sondern auch zum Nachdenken anregen, wenn ICH GAR NICHT NACHDENKEN WILL! Müßiggang ist mir ein Wert an sich, weil ich diese Zeiten des Nichtstuns brauche. Wobei Nichtstun im Grunde nicht die korrekte Bezeichnung ist, wenn man bedenkt, dass ich während so einer Phase oft mehrere Kilometer zu Fuß zurücklege. Es geht, wie so oft, um die Zweckfreiheit. Ich gehe diese Strecken NICHT, um etwas zu TUN (also etwa für meinen Körper oder so), sondern es geht darum, währenddessen NICHTS zielgerichtetes tun zu MÜSSEN. Mit niemandem kommunizieren und sich für nichts rechtfertigen müssen. Nichts bedenken zu müssen (außer dem, was mir gerade so durch den Geist treibt). Sich einfach der ewigen Effizienzjagd zu entziehen und einfach nur zu existieren. Vielleicht, weil ich mich in den letzten Monaten oft zu sehr auf meine offensichtlichen Funktionen (vor allem im Job) reduziert gefühlt habe. Weil ich immer seltener das Gefühl hatte, ich selbst sein zu dürfen, sondern immerzu nur noch irgendjemand anderes’ Zielen und Verwertungslogik dienen zu müssen…

Es ist mitnichten so, dass ich immerzu alleine sein möchte. Aber ich suche mir, sofern ich dazu Gelegenheit bekomme, gerne selbst aus, wann ich mit wem wie viel Zeit verbringe. Ich würde das unter Selbstschutz verbuchen; und an solchem habe ich derzeit immer noch erheblichen Bedarf. Die beste Ehefrau von allen fragte mich übrigens heute Morgen, ob sie mitkommen solle/dürfe. Und ich habe – aus den eben dargelegten Gründen – freundlich abgelehnt. Ich liebe sie auch nach über 30 Jahren immer noch sehr, aber heute morgen war ich auf der Suche nach Solitude. Denn bei Einsamkeit muss man immer die Frage stellen, ob diese als belastend oder als befreiend empfunden wird. MEINE Phasen der Einsamkeit sind zumeist selbst gewählt und belasten mich nicht – sie verschaffen mir im Gegenteil viel mehr Entlastung von den dauernden Anforderungen Anderer an mich. Und in letzter Zeit war mein Bedarf an Ruhe, genauso wie im Übrigen mein Schlafbedürfnis deutlich erhöht. Für mich ein deutliches Zeichen, dass ich gut daran tue, mir diese Freiräume so oft und so nachhaltig wie möglich zu verschaffen. Das vermag vielleicht nicht unbedingt Happiness zu verschaffen; aber doch zumindest ein Gefühl von Frieden, dass dem nahekommt. Ich habe mir daher ein Experiment verschafft. Normalerweise schlafe ich in den letzten Monaten in der Nacht von Sonntag auf Montag immer schlecht… vermutlich, weil normalerweise am Montag die Arbeitswoche beginnt. Dieses Mal habe ich einen Trick angewandt und mir – aus verschiedenen Anlässen – den Montag freigeschaufelt. Mal schauen, ob sich mein mieser Schlaf auf die Nacht von Montag auf Dienstag verschiebt…? Euch anderen einen guten Start in die neue Woche. Robotet morgen schön für mich mit…

Auch als Podcast…

500 Gramm gemischter Hass – weil’s raus muss!

Sollte ich mich endlich mal wieder mit dem Zustand unserer bunt-republikanischen Nation befassen? Soll ich wirklich irgendwas zu unserem Kanzloiden und seinem mittlerweile unerträglich gewordenen Bashing der Erwerbsbevölkerung sagen? Muss ich wirklich noch irgendwem erklären, dass dieser ganze Zirkus nur dem einen Zweck dient, seine alten Buddies aus der Wirtschaft noch ein bisschen reicher und die Welt für einfache Bürger noch ein bisschen schwerer zu machen? Muss man noch darüber diskutieren, wie ABSURD EKELHAFT die verzweifelten Versuche wirken, den echten Nazis von der AfD wieder Wähler abspenstig machen zu wollen, indem man ihre braune Scheiße schlecht kopiert? Wie lange müssen wir noch auf ein Verbotsverfahren gegen dieses wiederliche Faschopack warten? Kann man als Wähler wirklich so dumm und vergesslich sein, wieder und wieder und wieder die CDSU zu wählen, obwohl jeder nicht vollkommen Doktrin-verblendete Trottel sehen kann, dass es seinen ureigensten Interessen zuwieder läuft, wenn nur und ausschließlich Politik für Reiche gemacht wird? Von Tussen und Typen, die im Median nichts besseres hinbekommen, als ihr (sehr fettes) eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen? Wie lange dauert es, bis auch der Letzte versteht, dass man ein Nazi IST, wenn man einer Partei seine Stimme gibt, die verfassungsfeindlich rechts, offen rassistisch und neoliberal bis zum Erbrechen ist und dabei betrügerisch und auch ansonsten vollkommen inhuman agiert? Warum seid ihr alle so scheiße kaputt im Kopf? Weil Mutti Merkel euch 16 Jahre ins Hirn gehämmert hat, dass sich niemals was ändern wird? Und vor allem ihr euch nicht ändern müsst, aber jetzt – ganz plötzlich und unerwartet – klar wird, dass genau DAS nicht geht? Das wir uns alle anpassen müssen an eine Welt, die der allergrößte Teil von uns weiterhin gemeinsam kaputt macht? WIE VERFICKT KURZSICHTIG, ARROGANT, EGOISTISCH, UNMENSCHLICH und GRUNDDUMM KANN MAN EIGENTLICH SEIN? Wenn wieder Massen von irgendwelchen komplett verblödeten Möchtegern-Leistungsträgern eine schwarze Regierung in Baden-Württemberg erzeugen, muss ich so langsam in den bewaffneten Widerstand gegen euch lächerliche, asoziale, egoistische Tölpel!

Es ist wirklich unglaublich, dass es immer noch Menschen im sogenannten Mittelstand gibt, zu dem ich übrigens selbst zähle, die grüne und soziale Politik für ein Werk des Teufels halten und lieber Lobby-Marionetten und Faschos wählen, die ihnen einen Strohmann nach dem anderen zum Abbrennen servieren, anstatt mal das eigene Gehirn anzumachen. Und es gibt unter den Lobbyisten sehr einflussreiche Medienmacher, die gleichzeitig als Meinungsmacher fungieren, weil nicht wenige Menschen das, was in IHREM Leitmedium steht, als die letztgültige, unumstößliche Wahrheit betrachten! Wisst ihr eigentlich, wie Journalismus gemacht wird? Ich zitiere mich zu diesem Thema jetzt mal selbst:

Aber wir haben auch Medienhäuser in der Hand von Matriarchinnen (Liz Mohn => Bertelsmann & Friede Springer => BILD u.Ä.), die einen nicht unerheblichen Teil der deutschen Medienlandschaft kontrollieren (siehe hier wissenschaftlicher Dienst des Bundestages); und damit diverse, mehr oder weniger subtile Möglichkeiten zur Meinungsmache haben. Und indem solche Medienkonzerne jedes Jahr wieder zu bestimmten Zeitpunkten Scheingefechte zwischen Gesellschaftsgruppen inszenieren (Jung gegen Alt, Arm gegen Reich, Vegetarier/Veganer gegen Fleischfresser, Schwarze gegen Grüne, Böllerfans gegen Verbotsbefürworter, etc.) lenken sie immer und immer wieder vom Wesentlichen ab. Anstatt an sowas teilzunehmen, fragt euch lieber mal – WER profitiert von solchen Diskussionen? Kleiner Hinweis: in den allerseltensten Fällen die Mitglieder der Streitparteien… Das ist einfach nur ein Teil der modernen Version von Panem et Circenses…

Um es auf den Punkt zu bringen. Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Und es wundert mich angesichts dieser asozialen Zeiten, in denen die GIERIGEN ungeniert den WILLFÄHRIGEN diktieren können, was sie den AHNUNGSLOSEN zu sagen haben, damit die Gierigen die absolute Macht über die Ahnungslosen behalten können und diese damit zu OHNMÄCHTIGEN machen nicht, dass ich an einem dräuenden Burnout laboriere! Wie soll man den bitte auf dieses vollkomme absurde, zynische, Schmierentheater reagieren, welches tagtäglich aufzuführen der Möchtegern-Kanzloide zusammen mit seinen macht- und selbstverliebten Steigbügelhaltern die UNFASSBARE FRECHHEIT BESITZT? Faselt von Aufbruch. Wohin? In die verfluchten 1950er? Heimchen am Herd und in der Kinderstube, während der Macker die Kohle ranrockt und dann einen auf Patriarch macht? Kann diesen lächerlichen Typen und seine Gurkentruppe BITTE irgendjemand entsorgen? JETZT? Und, nur so am Rande… ich hab mein SPD-Parteibuch zurückgegeben. Die sind genauso Schuld an dieser Misere, weil sie NICHTS gegen ihre “Koalitionspartner” unternehmen. Machtgeiles Gesindel allesamt. SO… jetzt habe ich Blutdruck. Fantastisch. Und morgen früh muss ich wieder ran, weil ich ja trotz Burnout und kaputter Schulter noch immer nicht genug arbeite, um Reiche noch reicher und den Bundeshanswurst stolz auf “sein Land” zu machen. Wer diesem VOLLPFOSTEN – oder noch schlimmer dem dreckigen Fascho-Gesindel – seine Stimme gegeben hat, soll mich in Zukunft bitte einfach nicht mehr ansprechen. IHR SEID SCHULD! Den Restdemokraten einen akzeptablen Restsonntag… muss mich noch ausreichend erholen, damit ich roboten kann. Und Tschüss!

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Nichts mehr beweisen müssen?

Nebliger Sonntagvormittag. Ein Spaziergang am Fluss offenbart nichts, was ich nicht schon zuvor gewusst hätte: Ich mag Nebel! Es ist nur ein Wetterphänomen und doch wohnt dem Schleier, welcher die Welt wenigstens für eine kurze Weile wegdämpft ein Zauber inne, den ein Introvertierter wie ich gar nicht genug schätzen kann. Die Zahl der Menschen, welche vorhin – wie auch ich – der eher unbequemen Witterung getrotzt haben, war überraschend groß. Dennoch fand ich lange Abschnitte meines Weges ganz für mich alleine vor – so wie ich es mag! Es gab heute nicht allzu viele Gedanken zu denken. Einfach nur vorwärts, Schritt für Schritt. Das genügt manchmal. Gestern habe ich unterdessen geknipst, doch heute bin ich einfach nur… gewesen. Sich selbst vollkommen genug sein zu können, ist ein Privileg, welches viele Menschen offensichtlich nicht (mehr) wirklich schätzen können. Woran das liegen mag, kann ich nicht wissen, ein Zusammenhang mit der ubiquitären Verfügbarkeit der ganzen Welt mittels der ewig präsenten Taschenwanze mag hier jedoch eine Rolle spielen. Sei’s drum. Ich spazierte, nichts passierte. Einzig ein sanfter Hauch von Wehmut durchzog meinen Geist. Wehmut ob der Tatsache, dass ich vermutlich in den nächsten Tagen nicht dieser erquicklichen Solitude werde frönen können, weil mein Terminkalender mal wieder zumindest subjektiv überquillt. Und so manches davon wird furchtbar nerven, weil es mit meinem Job zu tun hat. Habe ich letzthin eigentlich schon mal erwähnt, dass ich den Kanal vollhabe…? Nun ja, nicht von allem; aber halt so manchem, was im Moment drückt.

Abwärts oder Aufwärts…?

Ich habe neulich in einem Gespräch mit Vorgesetzten einige wessentliche Dinge benannt, um die ich mich nicht mehr kümmern müssen möchte. Nicht, weil ich faul geworden wäre, sondern weil sich offenbart hat, dass diese Dinge weder etwas zum Erfolg der Institution beitragen, welcher ich derzeit vorstehe, noch ich dort irgendetwas von dem ausrichten kann (oder noch will), was andere Menschen sich davon erhoffen. Ich bin – wie es nun scheint – doch nicht für die Politik gemacht. Folglich ziehe ich mich daraus nun zurück. Man könnte konstatieren, dass dies eine Niederlage wäre, weil ich eigentlich mal angetreten war, etwas zu verändern, dieses Ziel aber einfach nie zu erreichen vermochte. Doch… wer definiert Sieg oder Niederlage? Es gibt dieses Diktum dass die Geschichte stets von den Siegern geschrieben würde. Die für mich relevanten Fragen dabei wären: was kennzeichnet einen Sieg oder eine Niederlage denn tatsächlich? Wer macht diese Zuschreibung? Und aus welchen Gründen? Ich will mal so sagen: ich bin davon überzeugt, nur selten das Falsche getan zu haben! Vielleicht manchmal zu wenig; zumindest dann, wenn der Auftrag und die Zieldefinition unklar waren; und das passierte ziemlich oft! Vorsicht ist trotzdem so gut wie immer besser als Nachsicht. Das was ich getan habe, tat ich jedoch immer nach bestem Wissen und Gewissen. Ich lasse mir da von NIEMANDEM etwas vorwerfen. Wenn es jedoch Menschen gibt, die sich zu Höherem berufen fühlen und glauben, das alles besser zu können als ich – nur Mut! ICH werde mich nicht in den Weg stellen. An anderer Stelle entfalten meine Fähigkeiten und meine (unterdessen leider begrenzte) Energie ihre Wirkung eh besser… zum Beispiel im Lehrsaal. Auch das ist ein Ergebnis verschiedener Reflexionsprozesse der vergangenen Wochen: mich wieder auf meine Kernkompetenzen besinnen. Da gilt wahrhaftig: weniger ist mehr.

"Alles Wesentliche wurde schon gesagt, aber da niemand zuhört, muss man immer wieder von vorne anfangen."

André Gide (Nobelpreisträger Literatur 1947)

Ich denke, dass dieses Zitat meine beruflichen Bemühungen der letzten Jahre ganz gut beschreibt. Mittlerweile habe ich jedoch die Schnauze voll davon, immer wieder den Rufer in der Dunkelheit zu spielen. Ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, in welchen Dingen ich Recht habe – und die Zeit hat bewiesen, wo ich mich irrte. Welches von beiden überwiegt, mögen andere beurteilen wollen – ICH bin jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass sich beides mindestens die Waage hält. Nennt dies Arroganz, wenn ihr mögt, aber da lasse ich nicht mit mir diskutieren, denn bei Bedarf kann ich es belegen… Kurzum – ich muss nichts mehr beweisen! Also werde ich auch nichts mehr beweisen, sondern einfach meinen Job machen und nur noch bei Bedarf erklären, was ich wie und warum tue, oder auch lasse. Wem das nicht passt, der möge sich zum Teufel scheren, oder nach einem passenden Ersatz für mich suchen. Viel Spaß dabei. Unterdessen versuche ICH, mir mehr Zeit für Spaziergänge zu nehmen. Sie müssen gar nicht immer durch den Nebel führen, denn ich mag auch die Sonne und den blauen Himmel. Doch was nutzt es mir, mich vom Wetter runterziehen zu lassen, wenn (fast) jedes Ding seine eigene Schönheit hat. So auch der Nebel, wenn er es meinem Geist doch erlaubt, sich in Schweigen zu hüllen und einfach nur zu sein. Und genau das werde ich für den Rest dieses Sonntags tun – einfach nur sein. Denn Morgen geht der Huzzle-Buzzle wieder von vorne los… euch einen gediegenen Start in die neue Woche.

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°70 – end of the line…?

Ich habe eben mal nachgeschaut. Ich schreibe hier auf diesem Blog seit bald 13 Jahren. Fast von Anfang an natürlich auch über mein Hobby N°1, das Pen’n’Paper-Rollenspiel. Obwohl es NIEMALS das Ziel gewesen war. Doch wie so oft im Leben, wenn die kreativen Energien verarbeitet werden wollen (auch beim Schreiben), ist am Anfang nicht unbedingt klar, wie das Ergebnis aussehen wird, weil es verdammt nochmal der Prozess ist, der uns wahrhaft interessiert. Herauszufinden, wie etwas funktioniert das uns neue Möglichkeiten eröffnet, das uns zeigt wie wir uns ausdrücken können, wie wir etwas über uns selbst herausfinden und mitteilen können… und darüber, wie das mit diesen ganzen anderen komischen Menschen da draußen funktioniert. Wenn man – wie zum Beispiel ich – ein extravertierter Introvertierter ist, wird der kreative Ausdruck oft zur einzigen Verbindung, über die man sich WIRKLICH mit Anderen austauschen und auch like-minded weirdoes finden kann. Ja, ich habe einen Job, ja ich ich bin anerkannter Experte darin und verdiene damit nicht nur meine Brötchen, sondern betrachte diese Tätigkeit sogar als Berufung. Aber die Wahrheit über mich…? Deren Musik spielt in einem ganz anderen Theater! Der Sani, der Schulleiter, der Lehrer, der Kollege – alles nur hochfunktionale Bedienoberfläche und Notwendigkeit. Der Geschichtenerzähler, der Barde, der Horfnarr – DAS bin ich. Durch und durch.

Immer mehr wird mir klar, wie sehr ich mich an meine beruflichen Funktionen als Sinnstifterin geklammert habe, ohne jemals auch nur im Ansatz verstehen zu können, dass dieses Monster namens Gesundheitswesen meine Seele irgendwann vollends verschlingen wird, um die dampfenden Reste auf den Friedhof der Wohlmeinenden zu scheißen, die von den Arschlöchern unserer Welt immerzu ausgenutzt werden – die bigotten, arroganten, neidischen, besserwisserischen, auf ihre eigene Karriere fixierten Arschgeigen, die man zudem auch noch viel zu oft auf sogenannten Führungspositionen findet. Ich weiß schon lange, wie das alles funktioniert und trat dennoch an, um als Antithese gegen diesen Mist anzukämpfen. Nur um herauszufinden, dass ich dabei drauf und dran bin, mich selbst zu verlieren. Ich stehe 5 Millisekunden vor einem Burnout und weiß nicht, wie es enden wird. Klingt mies? Ist es auch! Aber… das hier ist immer noch ein “Verwirrter Spielleiter”-Post, also wollen wir zum eigentlichen Thema zurückkehren, oder… Was ich jetzt sagen möchte, werden vermutlich nur die wenigen verstehen, die Pen’n’Paper tatsächlich so intensiv leben, lieben, so verstehen und so nutzen, wie ich es tue; und bei weitem nicht alle die zocken, tuen es mit dieser Leidenschaft. Ich habe schon des öfteren erwähnt, dass das Spiel mich auch durch die dunklen Stunden begleitet hat. Dass es mir heute beinahe wie eine selbstinduzierte Therapie hilft, nicht vollkommen durchzudrehen. Doch die Wahrheit ist: der ganze Eskapismus löst natürlich nicht die zu Grunde liegenden Probleme. Er überdeckt sie lediglich für eine Weile. Das macht’s zumindest für eine kurze Zeit erträglicher, weil Probleme, Sorgen, etc. hinter Dinge zurücktreten, die zwar auch Drama, Konflikte und Herausforderungen enthalten… allerdings Drama, Konflikte und Herausforderungen, welche ich mir selbst aussuche, die ich mitgestalten kann und die zumeist auf irgendeine, durchaus befriedigende Art aufgelöst werden können. Manchmal sogar mit Happy-End. Aber ziemlich oft mit einer Geschichte, an die man sich gerne erinnert. So wie an seine Lieblingsbücher oder Filme, nur dass man selbst Mitautor war.

Welcome to the uncanny valley – the most unusual bard…

Aber die Realität kommt in jeder Nacht von Sonntag auf Montag zurück, ringt mich nieder, lässt mich schlecht schlafen, fordert mich heraus, gibt keine Ruhe und ruft immerzu nach Lösungen. Lösungen, die es entweder (noch) nicht gibt, oder die viel Kraft kosten. Mehr Kraft, als ich noch habe. Das ist die berufliche Seite, die mich auszehrt. Doch dazu kommt, dass ich auch ein Forever GM bin, also derjenige, der sich immerzu Welten, Geschichten, Charaktere und ihre Dramen ausdenkt. Und ich werde nicht behaupten, dass ich das nicht mit großer Leidenschaft und Hingabe täte. Doch ich stelle fest, dass ich im Moment VIEL, VIEL, VIEL mehr daran interessiert bin, einfach nur meine eigenen Charaktere zu spielen und die Verantwortung für die ganzen Welten sein zu lassen. Weil aus dem Hobby, dass mich vor meiner Arbeit retten soll, sonst irgendwie noch mehr Arbeit wird, die mich irgendwann in den Abgrund reißt, wenn ich nicht endlich auf die Bremse trete! Und trotzdem biete ich gerade weiteren Menschen an, für sie zu spielleiten. Einfach weil Leute für das Spiel zu begeistern, selbst wenn es mich anstrengt, immer noch um Klassen besser ist, als sich immerzu mit meiner Arbeit beschäftigen zu müssen, die derzeit bestenfalls noch Broterwerb ist. Eine Notwendigkeit auf die ich, bekäme ich die Chance dazu, SOFORT verzichten würde. Na ja, das wird wohl eh nicht passieren. Aber das mit dem weniger Spielleiten und mehr selbst spielen… DAS habe ich in der Hand. Auch wenn es mir ehrlich weh täte, meine Spieler zu enttäuschen. Aber im Moment… im Moment stehe ich vor der Entscheidung, einfach so weiterzumachen und damit unweigerlich vollkommen ins Aus zu laufen, oder mich für eine Weile auf das zu konzentrieren, was mir WIRKLICH Freude bereitet und wenigstens dieses wichtige bisschen Entspannung verschafft, um nicht völlig durchzudrehen: einfach nur selbst spielen. Gerade jetzt wird mir klar, dass es eigentlich nur einen Weg gibt. Der wird jedoch unweigerlich zu Enttäuschungen führen. Wie ich damit umgehen kann, weiß ich nocht nicht, aber selbst jetzt gilt immer noch – always game on!

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Erwachsen bilden N°55 – Inseln bauen…

Wer aufhört, zu lernen, der hört auf, sich weiterzuentwickeln und wird irgendwann von der Welt überrollt, weil diese niemals aufhört sich zu verändern. Könnte man auf diese kleinen Papierchen drucken, die man in Gückskeksen findet. Da steht üblicherweise nicht allzu viel Gehaltvolles drauf, trotzdem ist die Aussage im Kern wahr. Wenn es irgendwas gibt, worauf ICH mich verlassen kann, dann MEINE intrinsische Motivation immer wieder etwas Neues lernen zu wollen. Doch, Motivation ist KEINE natürliche, in jedem Menschen reichlich und bedingungslos vorkommende Ressource. Motivation ist an unser Belohnungssystem gekoppelt und stark davon abhängig, wie intensiv wir in unserem täglichen Handeln Sinn, Selbstwirksamkeit, Anerkennung und soziale Eingebundenheit erfahren dürfen. Eigentlich ist das alles ein alter Hut, denn die Self-Determination-Theory von Decy und Ryan wurde ja schon 1993 veröffentlicht; und ihre Richtigkeit wurde danach noch mehrmals bestätigt. Jedoch scheint die Erkenntnis, dass man durch eigenes pädagogisches Handeln die eben genannten Aspekte entweder fördern oder behindern kann, noch lange nicht bei jeder Lehrperson angekommen zu sein. Und darum geht es ja gerade: nämlich, dass wir Menschen, deren (berufliche) Entwicklung uns anvertraut ist, dazu anleiten und motivieren sollten, aus eigenem Antrieb weiterlernen zu wollen. Mir geht es dabei mitnichten um Beschäftigungsfähigkeit oder Arbeitsmarktwert erworbener Kompetenzen, sondern darum, dass das eigene Menschsein insgesamt davon profitiert, sich selbst weiterzuentwickeln; am besten aus eigenem Antrieb. Denn es macht das Leben… reichhaltiger. Jene Menschen, die in Bildung nur eine Funktion sehen, Arbeitskräfte – und damit Bruttoinlandsprodukt – zu erzeugen, wie etwa unser Kanzloide, der ja letzthin uns allen unterstellt, zu wenig für die Wirtschaftskraft unserer glorreichen Exportnation zu tun, unterschlagen sowohl die Notwendigkeit des Anpassungslernens, als auch die Möglichkeiten, die sich durch stetige persönliche Weiterentwicklung eröffnen. Und diese findet NICHT ausschließlich in beruflichen Kontexten statt.

Ich hatte hier vor mittlerweile fast zwei Jahren über das Thema “Verhaltensänderung durch pädagogische Intervention” geschrieben; und über die Schwierigkeiten, die ich damit hatte – und immer noch habe – eine derart komplexe Meta-Betrachtung griffig darzustellen. Denn, genau so etwas möchte ich erreichen, wenn ich meine Auszubildenden dahin zu führen versuche, dass sie den Sinn und Wert eigenständigen Weiterlernens verstehen können. Und ich scheitere mit diesem Unterfangen immer noch zu oft. Nicht selten baue ich Inseln des Wissens, schaffe es aber nicht zur nächsten Stufe, also zum vernetzten Denken zu kommen. Bei rein medizinisch-fachlichen Themen mag das noch verhältnismäßig oft gelingen, aber spätestens, wenn wir an die Dimension der gesellschaftlichen Bedeutung des eigenen Berufsbildes kommen und vor allem der Frage, in welche Richtung sich diese denn entwickeln könnte, kommt es oft zu einer Vollbremsung. Weil irgendwann zuvor die unsäglich ewiggestrige Struktur unseres allgemeinbildenden Schulwesens und manche darin vorzufindende Lehrpersonen den bleibenden Eindruck vermittelt haben, dass man immer nur bis zur, bzw. für die nächste Klausur lernen muss, weil das ganze Zeug eh keine lebensweltlich-praktische Relevanz hat. Wie ausgesprochen traurig. Mir ist dabei bewusst, dass es Menschen gibt, die von sich sagen, dass ihnen das Lernen als solches schwer fällt. Ich entgegne diesen Leuten gerne, dass sie vermutlich nur noch nicht IHREN passenden modus operandi für’s Lernen gefunden haben. Und wir versuchen ja auch, dieses Problem im berufsfachschulischen Unterricht anzugehen. Mit welchselndem Erfolg. Denn sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale erst einmal ausgeprägt, muss man sie sehr oft, sehr intensiv und vor allem aus unterschiedlichen Blickwinkeln in Frage stellen, um die Person zu einem Umdenken bewegen zu können. Und dafür fehlt leider allzu oft die Zeit…

Zunächt die Inseln zu bauen ist der erste Aspekt; also das notwendige (Fach)Wissen in eine, zur Selbstaneignung passende Form zu bringen, zu präsentieren und dabei uno acto auf die Bedürfnisse der Lernenden situationsadäquat zu reagieren. Wir nennen diesen Vorgang übrigens Unterrichtsgespräch, wohingegen die Unwissenden “Frontalunterricht” schreien. Witzigerweise verlangen alle Schüler*innen danach. Nur um dann nach einigen Tagen zugeben zu müssen, dass die dabei transportierte Stofffülle sie mal wieder erschlagen hat. Der goldene Mittelweg ist aber auch nicht einfach zu finden… Die Vernetzung der dabei entstandenen (Wissen)Inseln ist die Kunst, an der wir Lehrenden in der Folge nicht eben selten verzweifeln müssen, weil dieser Prozess noch viel mehr von der Motivation und Mitarbeit der Lernenden abhängig ist, als das Unterrichtsgespräch. Und… Motivation ist, wie eben bereits besprochen ein wunder Punkt des Gesamtsystems. John Hattie hat in seinen Untersuchungen immer wieder gezeigt, dass es dabei vor allem auf die Lehrperson ankommt – und ihre Fähigkeit, die Lernenden abzuholen, zu begeistern, zu fördern, aber eben auch zu fordern. Hier würde sich theoretisch die Spreu vom Weizen trennen lassen, wenn wir tatsächlich Pädagogen für alle Sektoren des Bildungswesens Sach-, Fach- und Sozial-Adäquat ausbilden würden. Was leider bis heute NICHT passiert! Viel zu oft treffe ich auf Menschen, die vielleicht zwar einen Titel, aber keinerlei charakterliche oder fachliche Eignung haben. Also träume ich zunächt weiter davon, irgendwann die kognitiven Inseln, welche zu erzeugen mir unterdessen leicht fällt, noch besser miteinander zu vernetzen und die jungen Leute wirklich zum Blick über den Tellerrand zu bringen. Morgen ist Montag und ich fange an, eine noch recht kleine Insel größer zu machen. Wenigstens das wird gelingen. Auch wenn ich besser niemandem erzähle, dass ich erst heute zum Vorbereiten meines Unterrichtes gekommen bin; jeder von uns muss sich immer wieder seines Wissens und Könnens neu versichern. Irgendwann – so hoffe ich wenigstens – werden auch meine Schüler*innen dies verstehen. Bis dahin gebe ich mein Bestes und wünsche euch da draußen einen guten Start in die neue Woche.

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Monatsbilanz

Ich bin müde unruhig. Die letzte Woche war beruflich ein interessantes Auf und Ab. Die Struktur und Qualität der Herausforderungen war wie immer heterogen. Hier mal eben ein digitales Fortbildungsformat vorbereiten, da Personalentwicklung betreiben und dann zum Abschluss auch noch Fachunterricht machen. Ich weiß nicht, ob mir diese Vielfalt gerade alle Kraft raubt, oder mich beflügelt. Das klingt jetzt blöd, aber… obwohl ich sagen kann, dass jeder Einzelaspekt auch (mehr als nur) ein bisschen Spaß macht, ist das alles innerhalb einer Woche eigentlich zu viel kognitive Hin- und Herschalterei. Ich denke mittlerweile, dass es Selbstschutz ist, wenn ich in solchen Szenarien versuche, die anderen zu beeindrucken. Ich habe immer wieder das Gefühl, den beruflichen Ansprüchen an meine Person nicht gerecht werden zu können, weshalb ich mich manchmal hinter Gimmicks, methodischen Stunts, Ausweichen, Verzögern und vorwärts preschender Offensivverteidigung verstecke, um nicht als der Hochstapler entlarvt zu werden, als den ich mich gerade mal wieder fühle. Es geht dabei NICHT um objektiv verfügbare Expertise, sondern immer wieder um das Gefühl, nicht zu genügen, welches mich mittlerweile seit Jahren verfolgt. Vermutlich, weil es immer und immer wieder Menschen gibt, die Anforderungen formulieren, welche ich nicht erfüllen kann, weil entweder die strukturellen Ressourcen nicht existieren oder ich vorläufig nicht über die notwendige Expertise verfüge. Ich habe unterdessen eine Menge Expertise nachgerüstet; und auch so einiges an Ressourcen. Aber wenn man jemanden um jeden Preis bloßstellen will, findet man IMMER einen Weg. Das raubt mir jedoch Energie, Zeit, Selbstwertgefühl und damit irgendwann zwangsläufig Motivation. Und zwar nachhaltig. Mein gegenwärtiges Motivationslevel, mich mit beruflichen Themen zu befassen, liegt weiterhin bei NULL! Was mich rettet ist der große Unterschied zwischen mir und manchen anderen da draußen: ich mache einfach weiter, wenn schon LANGE alle Energie verbraucht ist. Denn im Gegensatz zu vielen meiner Kritiker bin ich KEINE faule, talentfreie, selbtgefällige PUSSY!

Klang das zu hart? Ist mir scheißegal, denn es ist genau DAS, was ich gerade fühle! Ich weiß eigentlich ganz genau, was ich kann, wo ich meine Schwächen habe und wie ich an meine Ziele komme… eigentlich! Und doch gerate ich immer wieder in diesen verfickten Strudel aus Selbstzweifeln, wenn irgendjemand meint, mich auf diese beamtenseelen-kleinliche, passiv-aggressive Art kritisieren zu müssen, die nur jene Menschen benutzen, die nicht den Arsch in der Hose haben, für ihre Überzeugungen offen einzutreten. Sie nennen das dann diplomatisch, aber faktisch ist es feige, hinterfotzig und bigott! Ist vielleicht aber auch besser so, denn ich befürchte, dass so manche Überzeugung mich unter Umstännden erschrecken könnte. Trotzdem kotzt es mich an, diese Erfahrung Jahr für Jahr, Monat für Monat wieder machen zu müssen. Ich wünschte mir, man ließe mich einfach meinen Job machen und hielte sich raus aus jenen Dingen, von denen man keine Ahnung hat. So versuche ich es auch zu halten. Aber… manchmal wird ALLES zum Politikum, weil Menschen mit kleinen Egos aber großen Ansprüchen halt die Welt regieren. Nicht nur die große da draußen… Der erste Monat des Jahres neigt sich schon wieder in ein paar Stunden dem Ende zu und ich stecke nach wie vor fest. Fest in einem melassigen Sumpf aus Ärger, massivem Mangel an Motivation und positiven Perspektiven sowie einem offenkundig unerschöpflichen Vorrat an Nickligkeiten. Was tun? Töten…? Aber, selbst wenn ich im Baumarkt unbemerkt so viel Plastikplane, Stiefmütterchen und Löschkalk kaufen könnte, so viele richtig abgelegene Waldstücke gibt’s hier halt auch nicht… Spaß beiseite. Das Einzige, was mich gerade am Laufen hält, ist der Umstand, dass ich mich derzeit wieder häufiger in Welten flüchten kann, die mit unserer Realität NIX zu tun haben. Ist derzeit meine einzige echte Entspannung. Jedem Wesen seinen eigene Form von Eskapismus, würde ich sagen. Und wenn jetzt irgendeiner aus dem digitalen Gebüsch gekrochen kommt, um mir mangelnden Realitätssinn und fehlende Fähigkeiten zu attestieren – FICK DICH! Und nur für den Fall, dass du es beim ersten Mal nicht verstanden hast – FICK DICH HÄRTER! Selbst wenn mein Hirn sich in MEINER FREIZEIT sehr viel mit fiktiven Welten beschäftigt, bin ich für meinem Job immer noch mehr als nur hinreichend gut!

Es fällt mir schwer, Sinn und Motivation aus meiner Arbeit zu schöpfen. Aber selbst unter solch miesen Bedingungen performe ICH immer noch auf hohem Niveau, weil mir die Menschen, die mich (noch) nicht enttäuscht haben, am Herzen liegen. Für DIE mache ich das alles! Selbst wenn manche von ihnen nicht verstehen können – oder verstehen wollen – wie viel Überwindung mich das alles zur Zeit kostet. So eine nice Depression und ein dräuender Burn-Out wollen ja ordentlich gefüttert sein. Im Moment läuft alles weiter seinen Gang. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Oder, bis er eine Möglichkeit findet, sich nicht mehr völlig auslaugen lassen zu müssen. Wie bereits neulich gesagt, ist MEINE emotionale Bindung zu meiner Arbeitsstelle vermutlich zerstört. Was mich hier noch hält, sind die Menschen, von denen ich gerade eben schon sprach. Es sind immer die sozialen Bindungen, welche Institutionen im Kern zusammenhalten. Selbst manche BWLer scheinen diese simple Wahrheit verstehen und sogar akzeptieren zu können. Aber… wie lange das für MICH noch genügt? Kein Ahnung. Bei meinem letzten Arbeitgeber hat mich dieses Gefühl über mehrere Jahre getragen. Letztlich musste ich trotzdem weg, weil sich halt auf dem Weg nix geändert hatte! Mal schauen, wie es im aktuellen Zirkus weitergeht. Ein paar Menschen mussten neulich schon erfahren, dass ich mich nicht einfach zum Zuschauer in MEINER verdammten Manege machen lasse. Eher reiße ich den Laden wieder ab. Ich glaube, das haben sie begriffen. Wie sie darauf reagieren wollen, findet sich. Welche Konsequenzen ich dann für mich daraus zu ziehen habe, ebenfalls. NOCH habe ich Geduld. Trübe Gedanken für einen Samstag? Vielleicht. Ich selbst empfinde es eher als nüchterne Bilanzierung des Status Quo. Und wohin mich diese Bilanz tragen wird, ist noch offen. So, wie ich als Ganzes auch wieder für alles Mögliche offen bin. In diesem Sinne – schönes Wochenende.

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New Work N°25 – Huzzle-Buzzle the Burnout-Champ!

Wenn ich in den letzten Wochen irgendetwas auf jeden Fall NICHT war, dann effektiv! Ich meine, mal ganz ehrlich, was wäre das auch – ein effektiver Urlaub? Ist das dieses medial hochglanzpolierte Action-Gezappel, bei dem telegene, schlanke Menschen in unfassbar pittoresken Kulissen jede verfügbare Minute mit irgendwelchen geilen Aktiviäten ausfüllen, die das Versprechen sofortiger, absoluter Erfüllung in sich tragen? Also quasi vom Matterhorn basejumpen direkt auf die Terasse eines Viersternehotels, wo der private Steward einen mit ‘nem schicken (aber absolut gesunden, weil alkoholfreien) Apperitivo emfpängt, um danach ein Menü aus einer dieser Hochglanzpostillen aufzufahren, wie sie in Wartebereichen ausliegen? Gefolgt von Mountainbiken, um die ganzen Kalorien zu kontern, denn man will ja begehrenswert – ähm, entschuldigung, telegen meinte ich natürlich – also… telegen zu bleiben? BÄH… GEH WEG…! Pardonnez-moi, aber fickt euch. Das geilste, absolute Erfüllung versprechende, was ich in den letzten Wochen getan habe, war sicher nicht jugendfrei, aber in jedem Fal liegend zu erledigen. Okay… ich habe auch viel gesessen, gelegentlich stand ich, oder bin ein paar KM gegangen. Aber an Fallschirme, Mountainbikes und neue, überragende Kulissen kann ich mich jetzt nicht erinnern. An gutes Essen jedoch schon – verdammt… Was ich damit sagen will? Nun, dass Effizienz VIELLEICHT in bestimmten Kontexten eine relevante Stellgröße sein kann. Aber ganz, ganz, ganz sicher nicht in der Freizeit. Denn sich soviel Zeit nehmen zu können, für jene Dinge, auf die man gerade JETZT Lust hat, ist der größte denkbare Luxus überhaupt. Effizienz hingegen bedeutet, die richtige Balance zwischen Ressourcen und Ergebnis zu suchen, um mit geringstmöglichem Einsatz von Ressourcen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen! Und Zeit ist nun mal für uns alle eine begrenzte Ressource. In der Wirtschaft kostet sie Geld; und uns Menschen kostet sie Leben!

Das will ich wieder sehen…

Ich will ehrlich sein: ALLES in mir sträubt sich dagegen, morgen wieder arbeiten gehen zu MÜSSEN! Nicht, weil ich meinen Job nicht mag. Manche Aspekte davon liegen mir sogar sehr am Herzen und machen Spaß. Andere hingegen haben auch in den zurückliegenden Urlaubstagen nicht nachgelassen, mir Kopfzerbrechen zu bereiten. Doch das Allerübelste ist, nicht mehr frei über meine Zeit verfügen zu dürfen. Nicht einfach sagen zu können: “Ich bin gerade zu diesem oder jenem inspiriert, das mache ich jetzt… das Andere kann warten!”. Denn im Grunde genommen könnte ich diese Freiheit haben, weil NICHTS in meinem Gewerk WIRKLICH zeitkritisch ist. Mein Manövrierraum wird mir jedoch durch Leute eingeengt, die meinen, mir aus niederen Beweggründen ins Handwerk pfuschen zu müssen und durch Menschen, die getroffene Absprachen kurzfristig über den Haufen werfen und die daraus unmittelbar resultierende Unmöglichkeit, für alle im Team mehr Relief zu schaffen. Oder durch die Rigidität von Strukturen, die auf dem typisch deutschen Diktum “Tradition ist Fortschritt genug!” beruhen. Kurzum – mir graust vor der kommenden Nacht, den an genau solchen Sonntagabenden finde ich üblicherweise nicht leicht in den Schlaf… wenn überhaupt! Mein Schlafbedürfnis ist unterdessen auch so eine Sache. Normalerweise pendelt sich meine Schlaflänge auf rund 8h ein, wenn ich meine Zubettgehzeit und meine Aufstehzeit frei wählen kann. Doch in den letzten Wochen waren es eher 9 – 9,5h/Nacht und ich war trotzdem häufig früh müde. Eigentlich ein unübersehbares Zeichen einer alles überschattenden, tiefgreifenden Erschöpfung. Was mache ich dagegen? Denn ab morgen wird meine Schlafzeit wieder gewalttätig auf 7 – 7,5h verkürzt. Denn ich komme einfach nicht früher zur Ruhe und muss trotzdem zwanghaft früh im Büro sein. Weil ich morgens wenigstens manche Aufgaben störungsfrei erledigen kann. Danach ist – zumindest für den extravertieren Introvertierten, der ich wohl bin – viel zu viel Huzz and Buzz ringsum. Vielleicht wäre zeitweise mehr Home-Office eine entlastende Option. Aber DAS wird eine INTERESSANTE Diskussion mit meinen Chefs…

Ich bin ausgewiesenermaßen kein großer Freund von Online-Selbsttests für dieses oder jenes Persönlichkeitsmerkmal. Und ich meine mich erinnern zu können, hier schon mehrfach sehr deutlich gemacht zu haben, was ich von Ratgeberbüchern (off-, wie online) halte. Und trotzdem habe ich mal wieder einen gemacht; also, so einen Online-Test. Ein Ratgeberbuch schreiben dauert länger… Das Ergebnis sagt, ich sollte mir Gedanken machen, weil ich möglicherweise mittelgradig von einem Burn-Out bedroht sei. Self-fulfilling Prophecy oder Wahrheit? ich werde wohl bald meinen Therapeuten darauf ansprechen müssen. Ich hatte hier neulich geschrieben, dass ich angefangen hätte, mich emotional von meiner Arbeit zu lösen. An dieser Stelle folgt nun – angemessen zerknirscht – das Eingeständnis, dass ich damit wohl doch noch keine allzugroßen Fortschritte gemacht habe. Andernfalls könnte mir das alles doch kilometerweit am Arsch vorbeigehen, nicht wahr? Tut es aber nicht, weil ich natürlich insbesondere meinem Team gegenüber eine Verantwortung verspüre, die ich nicht eben ablegen kann wie so’n gebrauchtes T-Shirt. Scheiß Arbeitsethos. Ich kann manche Dinge einfach nicht liegen lassen, weil ich dann das Gefühl bekommen, nicht zu genügen; nicht qualifiziert oder geeignet genug zu sein, für meinen Job. Versagensangst. Dabei muss ich für meinen Erfolg im Job so gut wie niemandem Danke sagen; außer vielleicht der besten Ehefrau von allen, weil sie mich immer unterstützt hat, auch wenn’s manchmal schwer war. Ich habe ziemlich hart für mein Vorankommen gearbeitet, weil ich für meine Liebsten – und natürlich auch mich – ein gutes Leben schaffen wollte; und irgendwann unterwegs habe ich verlernt, meine Erfolge zu feiern. Ich schrieb hier, wenn ich mich recht entsinne irgendwann mal, dass ich in den über 26 Jahren Einsatzdienst einen Teil meiner Seele auf den Straßen meiner Stadt gelassen hätte… in den letzten Jahren ist wohl noch ein weiterer Teil dazu gekommen. Und im Moment weiß ich ehrlich nicht, wo ich danach suchen soll. Aber hey… irgendwie geht es immer weiter, nicht wahr? Ich tue mir heute Abend noch was Gutes und dann… auf zu einem weiteren, glorreich beschissenen Arbeitsjahr 2026; auf dem Weg, endgültig zu Huzzle-Buzzle zu werden! Startet schön in die neue Woche. Wir lesen uns.

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