The italian tales n°7 – no politics please!

Ich bin ein politischer Mensch. Jeder, der auch nur einen flüchtigen Blick auf dieses Blog geworfen hat, weiß, was ihn erwartet. Ich bin eine vollkommen links-grün-versiffte Demokraten-Sau, die auch noch zu ihren Überzeugungen steht. Ich diskutiere gerne (und suche mir regelmäßig zu den falschen Zeiten die falschen Gegner) und viel auf Facebook. Wo auch sonst? Ein alter Bekannter hat es neulich so formuliert: es sei ja auch eine Art Fliegenpapier für Idioten. Ich bezog das explizit auch auf mich, denn auf Fratzenbuch mit verirrten Seelen zu streiten, ist definitiv alles andere als gut für die eigene mentale Verfassung.

Sei’s drum. Wenn wenigstens ab und zu mal eine meiner Anregungen zum Hinterfragen der eigenen Meinung beim Adressaten Wirkung zeigt, habe ich mehr erreicht, als manch anderer Mensch in seinem ganzen Leben. Es ist also nicht zu erwarten, dass ich allzu bald von solcherlei Tun ablassen werde. Ich verwickle mich ja auch im wahren Leben durchaus manchmal in politische Diskussionen; und durfte selbst feststellen, dass zu Dogmen verfestigte Meinungen nicht mehr umstößlich sind. Selbst, wenn ich manchen Protagonisten für einen vernünftigen Menschen oder gar Freund halte. Aber auch diese Erfahrung stählt einen ja für’s Leben.

Nun gibt es allerdings einen Ort, der stets frei bleiben sollte von Politik: mein Lehrsaal. Ich trage vieles in meinem Herzen und manchmal auch auf meiner Zunge spazieren, aber in dem Moment, da ich in die Haut des Dozenten, Lehrers, Trainers schlüpfe, haben diese Dinge keinen Platz in meinen Äußerungen. Zumindest sollten sie das nicht haben. Allerdings ist mir durchaus bewusst – auch diesen Umstand erwähne ich, wie ich glaube nicht zu selten – dass ich verdammt regelmäßig Fehler mache. Und da kann es auch passieren, dass mir mal ein Einzeiler mit politischem Inhalt rausrutscht.

Was mich in diesem Zusammenhang geflasht hat, war die Aussage einer Kollegin, die tatsächlich eine ganze Weile gedacht zu haben schien, dass ich eher im rechten Spektrum verortet sei. Ich zeigte ihr meinen SPD-Mitgliedsausweis und damit war die Geschichte gegessen. Es gemahnt mich allerdings der Tatsache, dass Schweigen bei bestimmten Themen, aller guten Gründe zum Trotz, auch falsch ausgelegt werden kann. Unser soziales Tun ist eben stets Gegenstand der Interpretation durch Andere. Anekdote zu Ende.

Der Grundsatz: keine Politik im Lehrsaal hängt für mich eng mit dem Grundsatz zusammen, dass wir verpflichtet sind, jedem zu helfen, ohne Ansehen, seines Standes, seiner Herkunft, seiner Ethnie, seiner religiösen, politischen und sexuellen Orientierung! Falls ich was vergessen haben sollte, setzt es hier ein ………! Ich leite diese Verpflichtung für mich aus meinem Respekt für die Menschenrechte und aus meinem Berufsethos ab. Und ich habe, soweit ich mich erinnern kann, zumindest diesbezüglich noch nie versagt. Auch wenn mir immer noch die Frage einer ehemaligen Kollegin in den Ohren klingt, was das denn nun sei: die Würde des Menschen?

Nun trifft man gelegentlich die Kollegen auch online und diskutiert dort, zwangsweise, eben manchmal auch Themen, die sehr politisch sind. Und Politik wird schnell sehr persönlich, da sie Meinungen und Grundsätze berührt… Scheiß-Dilemma, kann ich nur sagen, denn im Lehrsaal sieht man sich wieder und nun steht u.U. etwas zwischen den Menschen; also dem Lehrer und dem Schüler. Haben alle Beteiligten die Größe, trotzdem einfach mit ihren Aufgaben weiterzumachen. Oder wird das zu einem greifbaren Problem? Keine Ahnung. ich werde es sicher irgendwann herausfinden und dabei versuchen, MEINEN Grundsätzen treu zu bleiben.

Memo an mich: Facebook ist böse! Lass es endlich…

Immergency…?

Einen nicht unerheblichen Teil meiner Arbeitszeit verwende ich heutzutage auf das Konzipieren und Durchführen von Simulations-Trainings. Ich arbeite in der Ausbildung von Rettungsfachpersonal und versuche dabei natürlich, mit der Zeit zu gehen. Ganz gewiss profitieren die Auszubildenden, aber auch das Bestands-Personal, welches immer wieder aufgerufen ist, seine Skills weiter zu entwickeln davon, wenn solche Szenarios möglichst nah an der Realität spielen. Möglichst nah an der Realität bedeutet allerdings u. U. einen nicht unerheblichen Ressourcen-Aufwand. Einerseits für die Materialien und Geräte – andererseits auch für die Schulung und Entwicklung der notwendigen Skills beim Ausbilder/Trainer selbst.

Die Prämisse ist, über eine Reduktion der Übungskünstlichkeit einen höheren Grad an Immersion zu erzeugen; also ein Für-wahr-nehmen des Übungs-Szenarios, was zu einem möglichst tiefen Eintauchen in die simulierte Realität führen soll. Wir wollen also quasi “Immergency” erzeugen – Immersion in emergency. Und selbstverständlich sind dem Aufwand, den man dabei betreiben kann, kaum Grenzen gesetzt. Man kann bereits heute Tausende und Abertausende Euros in Material und Ausbildung investieren. Bei hohen Investitionen in die Qualifikationen bin ich da auch dabei. Was jedoch die Ausgaben für Equipment angeht, habe ich mittlerweile den einen oder anderen Zweifel, dass wir in die richtige Richtung gehen.

Man darf mich an dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen: insbesondere das, was nicht unbedingt zu unserer alltäglichen Einsatzrealität gehört, müssen wir um so öfter üben, um im gegebenen Fall die indizierten Maßnahmen korrekt ergreifen zu können. Und ich bin stets bereit, für bestimmte Produkte Geld auszugeben, die einen leicht messbaren Mehrnutzen für die Aus- und Fortbildung erzeugen. So gehört zum Beispiel Video-gestütztes Debriefing nach der Simulation eindeutig zu den Dingen, von denen die Trainees (nicht nur subjektiv) profitieren; nämlich indem wir ihnen die Perspektive des Trainers auf ihr Tun zeigen und so den zweiten Learning-Loop anstoßen.

Doch wohin führt uns der Weg, wenn wir bei der Simulation immer mehr auf Immergency durch Technik setzen. Denn zweifelsfrei können wir mit den modernen Methoden erwartbare Reaktionen auf standardisierte Situationen drillen und durch Variationen auch das – oft notwendige – Um-die-Ecke-Denken in unseren Auszubildenden fördern. Was uns aber, wenn wir zu sehr auf technische Hilfsmittel setzen u. U. verloren geht, ist die Durchdringung der mannigfaltigen sozialen Aspekte unserer Tätigkeit. Ich brauche nicht unbedingt mehr Technik, um z. B. psychosoziale Notfälle zu simulieren, sondern vielmehr handwerkliche Skills als Ausbilder, die schon fast ans Schauspielerische grenzen.

Ich denke, erst die richtige Mischung aus Technik-Einsatz, wo er sinnvoll ist und stets entwicklungsfähigem Handwerk des Ausbilders/Trainers/Dozenten macht aus meiner Arbeit einen Gewinn für diejenigen, an denen ich sie ausübe – nämlich den jungen Kolleginnen und Kollegen, die unseren Beruf in die Zukunft führen werden. Das, was ich mir immer am meisten für meine Azubis wünsche – nämlich sie dahin zu führen, dass sie sich selbst und ihre Arbeit immer wieder reflektieren und aus eigenem Bestreben daran wachsen wollen – genau das muss ich durch mein eigenes Tun auch leben. Einerseits durch die Adaption neuer Simulations-Techniken, aber auch durch die Erweiterung meines persönlichen Methoden-Repertoires als Ausbilder. Denn auch für Ausbilder gilt – geführt wird von vorne und ich darf von niemandem mehr erwarten, als ich selbst zu leisten bereit bin. In diesem Sinne – frohe Pfingsten.

Auch zum Hören…

Gemeindenotfallsanitäter – wie läuft’s?

Vor einem knappen Jahr hatte ich einen Blogpost veröffentlicht, der sich mit dem Oldenburger Pilotprojekt befasst hatte. Mittlerweile ist das Projekt am Laufen und ich verfolge die Entwicklung mit großem interesse. Auch, weil ich immer noch die Idee verfolge, derlei auch im Südwesten umzusetzen. Daher hier Re-Blog meines damaligen Posts vom 18.05.2018:

Es ist also soweit: im Landkreis Oldenburg startet nun ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zur Etablierung eines Gemeinde-Notfallsanitäter-Systems. Und schon kommen Kommentare wie “billiger geht’s wohl nicht”. Tja, dümmer geht’s wohl nicht… Was soll ein GNFS denn tun? Hat sich mal jemand echte Gedanken über diese Frage gemacht? Wer aufmerksam liest, stellt einige Punkte fest, die interessant sind:

  • Alarmierung durch die Ortszuständige integrierte Leitstelle
  • Alarmierung bei Situationen unterhalb der Notfallschwelle
  • mehrmonatige Zusatzausbildung

Ein Gemeinde-Notfallsanitäter wird hier gedacht als Gatekeeper, der einer weiteren Überschwemmung der Notaufnahmen und des Rettungsdienstes mit unnötigen Bagatelleinsätzen Einhalt gebieten soll. Wenn ich das wenige, was bisher bekannt wurde richtig interpretiere, ist dies ein erster Schritt zur Veränderung der Akut-Versorgung, wie wir sie kennen. Und aus mehreren Blickwinkeln vermutlich der richtige: Aus ökonomischer, weil unnötige Hospitalisierungen und deren Folgekosten vermieden werden. Aus organisatorischer, weil eine Disposition aus einer Hand die Ressource RTW und NA für echte Notfälle freihält. Aus Sicht der Arbeitsgestaltung, weil es eine neue Chance zur Weiter-Qualifizierung schafft. Aus medizinischer, weil der GNFS eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Komponenten des Gesundheitswesens sein könnte. Und aus sozialer, weil es einen Teil der Sorge für die Gemeinschaft wieder näher an die Gemeinschaft trägt.

Sieht man sich nämlich amerikanische Community Paramedic Programme an (hier z.B.- aus Minnesota), so wird klar, dass diese auch für präventive Aspekte Sorge tragen sollen; also z.B. das Monitoring von chronisch Kranken, die Nachsorge nach Klinik-Aufenthalten organisieren oder auch Unterricht in medizinischer Selbstkompetenz planen und durchführen. Für diese Aufgaben ist der deutsche NFS ebenso wenig ausgebildet, wie der amerikanische Paramedic (wobei es den als Archetyp ja gar nicht gibt), was aber bedeutet, dass derjenige, der ein Curriculum für GNFS entwickeln möchte/soll tatsächlich “dicke Bretter bohren” muss, um es mal mit den unnachahmlichen Worten unseres Landesinnenministers zu sagen…

Hier mal ein Vorschlag für eine Grobstrukturierung eines solchen Curriculums:

  • 40 h Einführung in die Aufgabenbereiche des GNFS
  • 160 h Erweiterte Grundlagen der Pflege (davon 40 h Praxis-Einsatz auf Station)
  • 40 h Schnittstelle Pflege/Nachsorge – Akutversorgung
  • 360 h Krankheitslehre / Pharmakologie (davon 40 h Praxis-Einsatz in Arztpraxis und 40 h Praxis-Einsatz in einer ZNA)
  • 40 h Erstellung eines Behandlungsplans
  • 80 h Methodisch-Didaktische Aufbauschulung  zum Ausbilder für medizinische Selbstkompetenz (davon 20 h Hospitation in einer Ausbildungseinrichtung im Gesundheitswesen)
  • 40 h Rechtsfragen: u.a. Haftung und strafrechtliche Fragen, Delegation
  • 40 h Abschlusswoche mit Prüfung

Wären netto 800 h Ausbildung, die von einer E-Learning-Plattform zum Selbststudium und  weiteren Praxisbegleitungen in der Anfangsphase flankiert werden müssten. Die Voraussetzungen wären:

  • mind. 2 Jahre als NFS tätig gewesen
  • Aufnahmetest zur Ausbildung
  • Monitoring durch ein Board aus Ärzten (sowohl NA als auch aus dem hausärztlichen Bereich) und erfahrenen Pflege-, sowie NFS-Ausbildern.
  • obligate 48 h anstatt 30 h Fortbildung pro Jahr

Ich würde mich gerne an der Etablierung eines solchen Ausbildungsganges beteiligen. Sonst noch wer?

Lieber ein bitteres Ende…

…als gar keines. Ich wäre dann jetzt soweit. Nachdem meine Arbeit auf Leitstellen mich dann jetzt endlich an den Punkt gebracht hat, dass ich nicht mehr – wie früher – immer meine Contenance gegenüber den Frechheiten der Anrufer wahren kann, ist es an der Zeit, endgültig den Deckel drauf zu machen, bevor ich dran kaputt gehe. Tatsächlich öffnet sich sogar die Gelegenheit, dies bei meinem aktuellen Arbeitgeber darzustellen. Andernfalls müsste ich – vollkommen ernst und ohne jeglich weitere Zurückhaltung – den Arbeitgeber wechseln. Ich bin zu alt, zu gut in den anderen Teilen meines Jobs und zu unglücklich über manche Aspekte meiner Arbeit, um noch allzu viele Kompromisse eingehen zu können, oder zu wollen.

Ich dachte bei meiner Arbeit lange Zeit, dass man die Dinge pädagogisch angehen müsse, dass sich jede verbale Konfrontation deeskalieren lasse, dass ich als Dienstleister für allzu menschliches Geduld mit den Anrufern haben müsse – heut weiß ich, dass das Bullshit ist. Ein nicht unerheblicher Teil der Kontakte findet mit Menschen statt, deren Wertesystem so verschoben und deren Vorstellung von der Wichtigkeit des eigenen Anliegens (auch Egoismus genannt) so groß ist, dass ich damit schlicht nicht mehr klar komme. Zumindest nicht in dieser Intensität. Es macht einen großen qualitativen Unterschied, ob ich fünf bis sieben Einsätze pro RTW-Schicht abarbeiten muss, oder 140 – 160 Telefonate. Die Dosis macht, dass ein Ding ein Gift ist…

Bitte nicht falsch verstehen; mit den normal agierenden Menschen mit ihren normal vorgetragenen Anliegen habe ich überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil. Aber diese Menschoiden mit ihrer Vollkasko-Mentalität, die glauben, dass die Welt ihr ganz persönlicher Selbstbedienungsladen ist, kann ich nur noch schwer ertragen. Und da meine Fertigkeiten im Feld der Ausbildung von Rettungsfachpersonal mittlerweile ein akzeptables Level erreicht haben, sehe ich meine Zukunft – mehr oder weniger ausschließlich – in diesem Bereich. Denn als demotivierter, dauergeladener Calltaker nütze ich weder mir, noch meinen Klienten.

Ich hoffe auf die Zukunft!

Ein letztes Mal…

…kann ich nicht anders, als Herrn Ragge vom Mannheimer Morgen entschieden zu widersprechen. In seinem Kommentar spricht er davon, dass ein zu großer, ohne Wissen der Stadt eingerichteter Rettungsdienstbereich an Versorgungsproblemen in Mannheim Schuld sei. Dies Aussage ist in mehrerlei Hinsicht unzutreffend.

Erstens ist es bereits seit den frühen 2000er Jahren ausgewiesene Landespolitik, größere Leitstellenbereiche schaffen zu wollen, um Synergieeffekte im Rettungswesen nutzbar machen zu können. Vor dem Hintergrund steigender Notfallzahlen eine schlichte Notwendigkeit, um das System bezahlbar zu halten. Die dazu notwendigen Strukturen sollen überall im Land entstehen. Da es bereits seit 2006 eine Leitstelle in Ladenburg gab (und immer noch gibt), die beide Bereiche disponierte, war es eine logische Entscheidung, die schon seit Jahren in der Praxis aus einer Hand koordinierten Bereiche auch organisatorisch zusammenzuführen. Größe und Unwissenheit sind damit Strohmann-Argumente – man könnte es auch tendenziös nennen, was in diesem Zusammenhang bei den Äußerungen Herrn Ragges allerdings auch nichts neues ist.

Versorgungsprobleme gab es in Mannheim (allerdings weniger ausgeprägt als in den allermeisten anderen Bereichen Baden-Württembergs) schon lange; aber nicht wegen der Leitstellen-Struktur, sondern weil die Krankenkassen ihre Macht in den sogenannten Bereichs-Ausschüssen (das sind die Gremien, in denen die Vertreter der Leistungserbringer und die Vertreter der Krankenkassen seit Jahrzehnten ohne sinnvolle Rechtsaufsicht die Entgelte für die Leistungen der Rettungsdienste verhandeln) ausgenützt haben, um den Rettungsdienst in Baden-Württemberg kaputt zu sparen. Auf Kosten der Bürger. Erst seit das 2011-12 öffentlich ruchbar geworden ist, interessiert es überhaupt irgendjemanden.

Mitnichten jedoch haben diese Versorgungsprobleme (präzise die Nichteinhaltung der P95-Regel: 95% aller Einsatzstellen müssen in längstens 15 Minuten von einem Rettungsmittel erreicht werden) mit mangelnder Ortskenntnis, Bürgernähe oder Betriebssicherheit zu tun. Die Disponenten, welche heute ihren Dienst in Ladenburg versehen, haben allesamt zuvor in Heidelberg oder Mannheim auf den ehemaligen dortigen Leitstellen ihren Dienst versehen, oder wurden hier im Bereich für den Bereich ausgebildet. Ich kann das voller Überzeugung sagen, denn ich bin einer dieser Disponenten und habe bereits 1998, noch im Turm der ehemaligen Feuerwache Mitte meinen Dienst versehen…

Herrn Ragges Äußerungen implizieren einmal mehr, dass hier Amateure ohne Ortskenntnis tätig wären und das ist schlicht und ergreifend unwahr. Die Auftrennung des Bereiches – rein politisch motiviert, weil Politiker ihr Gesicht wahren wollen und mancher Amtsinhaber nach mehr Macht strebt – ist nicht mehr aufzuhalten. Eine Verbesserung, so wie von Herrn Ragge beschrieben bringt sie nicht. Diese entsteht allenfalls dadurch, dass das Landes-Innenministerium mittlerweile endlich seiner Aufsichtspflicht nachkommt, die das ehedem zuständige Landes-Sozialministerium über Jahrzehnte vernachlässigt hat. Was dazu führt, das allenthalben Standorte für Rettungsmittel aus dem Boden sprießen, wie Pilze in einem feuchten Sommer.

Ich sage daher – danke für nichts! Hauptsache man zerstört funktionierende Strukturen, damit man behaupten kann, etwas für die Bürger getan zu haben. Ich habe von diesem Schmierentheater die Schnauze voll. Schönes Rest-Wochenende.

Neue Wege gehen…?

Immer entlang der üblichen Pfade zu traben, gibt einem Sicherheit. Immer das Gleiche auf die gleiche Art zu tun, gibt einem Sicherheit. Es mit den gleichen Leuten zu tun, gibt einem noch mehr Sicherheit. Denn wir Menschen sind nun mal Gewohnheitstiere. Insbesondere, wenn es um unsere soziale Umwelt geht. Und auch unser Arbeitsplatz ist Teil unserer sozialen Umwelt; eigentlich sogar ein ziemlich wichtiger. Unter diesem Gesichtspunkt ist es also mehr als verständlich, wenn Menschen auf Veränderungen, die von außen an sie heran getragen werden nicht immer sehr positiv reagieren.

Man könnte jetzt lamentieren, dass manche Veränderungen nicht nur unnötig, sondern sogar schlicht blödsinnig sind. So wie zum Beispiel das Auftrennen des Rettungsdienstbereiches Rhein-Neckar, weil einfach keiner der Politiker nachgeben und damit gefühlt sein Gesicht verlieren will. Oder man erkennt, dass eben dieses Lamento nichts daran ändert, dass andere auf Basis von Sturheit und nicht von Fakten agieren; dann kann man auch einfach einen neuen Weg beschreiten.

Ich habe bislang kaum damit hinter dem Berg gehalten, dass ich die Trennung des Bereiches in Rhein-Neckar und Mannheim-Stadt für Kokolores halte. Dies ist auch immer noch der Fall. Kann man ja auch drüber schimpfen, was aber am Sachverhalt zunächst nichts zu ändern vermag. Also muss ich etwas an meiner Herangehensweise ändern, oder? Zumindest sehe ich das so. Aber welchen neuen Weg soll ich nun beschreiten?

Es gibt – wie immer – mehrere Optionen. Zum Beispiel könnte ich mich vom Publizieren zum handfesten Protest bewegen und anfangen, Politiker mit Eiern zu bewerfen. Geht immer und ist maximal mit einer Geldstrafe belegt. Oder ich fange wieder an, über Facebook mit Landespolitikern direkt zu diskutieren. Hat schon mal zum persönlichen Gespräch geführt, welches jedoch nichts zu bewirken vermochte, weil politische Beweggründe oft schwerer wiegen, als Sachgründe. Es wäre auch möglich, Hinz und Kunz mit Eingaben zu nerven, was allerdings sehr aufwendig ist und wenig Erfolg verspricht, da die Beteiligten des Debakels sich schon auf einen Modus Operandi verständigt haben.

Also bleibt mir nur gelebter Fatalismus; oder besser, mich anpassen. “Survival of the fittest” heißt allerdings nicht, wie oft angenommen “Überleben des Stärksten”, sondern “Überleben des am besten an die Bedingungen angepassten”. Und ich überlebe ganz sicher! Wenn ich nicht mehr auf einer Leitstelle arbeite(n muss), habe ich damit kein Problem; die durchschnittliche Qualität der Anrufe lässt mir diese Tätigkeit wenig attraktiv erscheinen und Ausbilden liegt mir eh mehr. Vielleicht biete ich mich als Ausbilder für ILS-Disponenten an.

Alles in allem stelle ich eine wachsende Gelassenheit an mir fest. Nicht mehr lange und es ist mir wirklich sch***egal, wohin dieser Zug fährt. Mal sehen, wer mich davon wieder abbringt…? So long.

(Des)Interesse an Wandel

Wenn man die so genannten Fachpostillen landauf, landab betrachtet, wird es leider immer noch als Wandel, als Innovation gefeiert, wenn irgendwo ein neues Blech oder ein neues Gadget in Dienst geht – vollkommen unabhängig davon, ob dieses Blech oder Gadget die Arbeit voran bringt, oder einfach nur neu ist. Diese Art von Innovation ist so ziemlich das Einzige, woran man denken kann. Vor einiger Zeit wollte ich so’ne Adhäsionsfolie in Fahrzeugen, weil allein schon Werte zu notieren Fehlern vorbeugt – denkt an Closed Loop Communication. Das war vielleicht ein Hickhack. Und warum – weil man Angst hatte, das irgendwelche Honks mit den Stiften die Wand beschriften. Ist natürlich passiert (Honks gibt’s überall), wurde natürlich wieder sauber gemacht, aber erst mal dagegen, weil: haben wir noch nie gemacht.

Ist natürlich Kleinkram im Vergleich zu den Problemen, die wir wirklich haben. Überall werben die HiOrgs einander das Personal ab; und auch, wenn ich es natürlich extrem geschmeidig finde, wenn in meinem Beritt der Dienstplan funktioniert, ist es in der Gesamtheit eine Katastrophe, dass immer noch nicht bedarfsgerecht ausgebildet wird. Dass manche Ämter sich gegen Ideen für Ausbildungs-Netzwerke über Ländergrenzen hinweg sperren, weil sich da ja vielleicht etwas ihrem Zugriff entzieht. Dass in Ba-Wü Kostenträger bei der Finanzierung von allem und jedem mauern, damit die Verhandler Provisionen einstreichen können. Dass dieses ganze beschissene System von Gestrigen, Bremsern, Profiteuren und Lobbyvertretern zu Tode administriert und verhandelt wird, ohne dass sich an der Misere etwas ändert.

Ich kann den Satz “Das können wir nicht, weil…” nicht mehr hören. Wir können nämlich nicht, wir MÜSSEN dringend von den hierorts tradierten Formen der Leistungserbringung weg, hin zu einem neuen System. Echter Wandel. Ich kenne ein paar Leute, die diese Trommel seit Jahren unentwegt schlagen und bewundere deren Durchhaltevermögen und Frustrations-Toleranz, denn wenn man zum einhundertsten Mal gesagt bekommt, es sei doch alles OK, es liefe doch super, man müsse doch gar nicht viel ändern, könnte man wohl ab und an schon davonlaufen – oder sein Gegenüber mal bei den Schultern packen und ordentlich schütteln, damit er sich wenigstens einmal im Vierteljahrhundert bewegt…

Das System Gesundheitswesen – speziell aber der Rettungsdienst im Südwesten – ist auf so vielen Ebenen krank, dass es mir schwer fällt, zu entscheiden, was ich zuerst nennen soll: Personalmangel auf Grund jahre-, ach was, Jahrzehntelangen Kaputt-Sparens der Strukturen durch die Kassen (Und ja, die HiOrgs sind allesamt zu einem nicht unerheblichen Teil, durch ihre “Mein Auto”- Sandkastenspielchen, mit daran Schuld)? Die mangelhafte Vereinheitlichung und Vernetzung der Leitstellen (in der die Idee, den Rettungsdienstbereich Rhein-Neckar wieder zu trennen nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist)? Das Jahrzehntelange Mauern des DRK gegen die Installation von ärztlichen Leitern in Ba-Wü, weil man keine externe Qualitätssicherungs-Instanz haben wollte, die einem in die Karten schauen kann? Das Trauerspiel um so genannte erweiterte Kompetenzen von Rettungsfachpersonal (Stichwort Schmerzpatient)? Eine Handhabe gegen Bagatelleinsätze bzw. die Mitnahmepflicht des RD bei solchen?

Einmal mehr kann ich nicht annähernd so viel fressen, wie ich kotzen möchte, denn wenn dieses Trauerspiel nicht in den nächsten fünf Jahren endet, werde ich meinen einstigen Traumberuf an den Nagel hängen und mich irgendwo an einer  Berufsschule oder ähnlichem als Kommunikationstrainer verdingen. Denn irgendwann ist gut. Ein Weilchen noch gebe ich mir diesen Mist, dann ist Schluss. Vielleicht kann ich den einen oder anderen noch aufwecken, aber ehrlich gesagt sind meine diesbezüglichen Hoffnungen ziemlich am Ende. Sehr schade, denn eine Menge guter Leute werden unnötig verschlissen, desillusioniert und ausgebrannt durch diesen Mist. Und alles nur wegen Geld und Standesdünkeln. Facharztstandard? Dass ich nicht lache… Tschüss.

Streiken…? Wofür…?

Oh ja, habe ich auch schon. Ist lange her. Zu lange, um genau zu sein. Ich bin ein großer Freund davon, kleine Brötchen zu backen, wenn es um’s Fordern geht. Denn bevor man irgendetwas als einem rechtmäßig zustehend reklamiert, sollte man sich sehr sicher sein, dass man auch einen adäquaten Gegenwert erzeugt hat. “So lange mein Arbeitgeber so tut, als wenn er mich bezahlt, tue ich so, als wenn ich arbeite…” Den Spruch haben bestimmt viele Kollegen schon mal gehört, oder auch von sich gegeben; und leider hat er im öffentlichen Dienst, speziell aber im Rettungsdienst durchaus seine Berechtigung – so lange die individuelle Leistung stimmt!

Das fängt damit an, dass jemand, der sich den Prüfungen zum NotSan gestellt hat (egal ob Alt-Assistent, Jung-Assistent oder Vollzeit-Ausgebildeter) auch das Gehalt für einen NotSan verdient, egal, ob in dem Bundesland die ÄLRD (sofern vorhanden, ach armes Ba-Wü, lange hat es gedauert, aber endlich, endlich…) irgendwelche Maßnahmen nach §4, Abs 2, Satz c freigegeben haben, oder nicht. Allein die Berufsbezeichnung auf dem Namensschild bedeutet, dass der Bürger einen Qualitätsanspruch erheben darf; und auch wird…

Schwamm drüber, HiOrgs orientieren sich am öffentlichen Dienst und in diesem Konstrukt ist so manches im Arsch… ähm Entschuldigung, im Argen, meinte ich natürlich. Nun haben am 15.05 in Mannheim Mitarbeiter des RD, die in Ver.di organisiert sind, die Arbeit niedergelegt. Keine Ahnung, ob es wieder so eine Wischi-Waschi-Notdienst-Vereinbarung wie 2008 gab, die dafür sorgte, dass der Streik für den Arsch war, aber wenigstens war es öffentlich und gut sichtbar. Es ist OK, wenn meine Kolleginnen und Kollegen für ihre Belange im öffentlichen Raum eintreten. Zu lange waren wir die unsichtbaren Parias des Gesundheitswesens. Das ändert sich dank der starken medialen Aufmerksamkeit für den RD im Südwesten nun deutlich – auch wenn diese Aufmerksamkeit zu oft auf den  Vergehen unserer Arbeitgeber ruht. Aber sein wir doch mal ehrlich: in vielen HiOrgs (insbesondere beim DRK) sitzen immer noch Personen auf Entscheiderpositionen, die da nicht hingehören.

Leider sitzen aber auch immer noch zu viele Leute auf RettAss-Positionen, die da nicht hingehören. Meine Hoffnung ist, dass diese Unfähigen und Unwilligen  langsam wegsterben, wenn das NotSanG ab 2021 seine volle Wirkung entfaltet. Die neuen Generationen an Kollegen sind fordernder, unbequemer, manchmal auch weniger leistungsbereit, weil sie sich von Anfang an mehr Gedanken über ihren eigenen Wert machen. Bekommen wir dieses Feuer mit dem  tradierten Berufsethos und einem positiven Anspruch an unsere Arbeit unter einen Hut, dürfen wir erhobenen Hauptes und voller Stolz ein ordentliches Plus fordern. Im Moment wäre ich da ehrlich gesagt ein wenig vorsichtig, denn noch schleppen wir viel zu viele “Altlasten” mit durch, welche die Bezeichnung “Sani” einfach nicht verdient haben!

Nur, wenn wir im eigenen Stall ordentlich ausgemistet haben, dürfen wir auf die Scheiße anderer hinweisen!

Gemein(d)e Notfallsanitäter…?

Es ist also soweit: im Landkreis Oldenburg startet nun ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zur Etablierung eines Gemeinde-Notfallsanitäter-Systems. Und schon kommen Kommentare wie “billiger geht’s wohl nicht”. Tja, dümmer geht’s wohl nicht… Was soll ein GNFS denn tun? Hat sich mal jemand echte Gedanken über diese Frage gemacht? Wer aufmerksam liest, stellt einige Punkte fest, die interessant sind:

  • Alarmierung durch die Ortszuständige integrierte Leitstelle
  • Alarmierung bei Situationen unterhalb der Notfallschwelle
  • mehrmonatige Zusatzausbildung

Ein Gemeinde-Notfallsanitäter wird hier gedacht als Gatekeeper, der einer weiteren Überschwemmung der Notaufnahmen und des Rettungsdienstes mit unnötigen Bagatelleinsätzen Einhalt gebieten soll. Wenn ich das wenige, was bisher bekannt wurde richtig interpretiere, ist dies ein erster Schritt zur Veränderung der Akut-Versorgung, wie wir sie kennen. Und aus mehreren Blickwinkeln vermutlich der richtige: Aus ökonomischer, weil unnötige Hospitalisierungen und deren Folgekosten vermieden werden. Aus organisatorischer, weil eine Disposition aus einer Hand die Ressource RTW und NA für echte Notfälle freihält. Aus Sicht der Arbeitsgestaltung, weil es eine neue Chance zur Weiter-Qualifizierung schafft. Aus medizinischer, weil der GNFS eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Komponenten des Gesundheitswesens sein könnte. Und aus sozialer, weil es einen Teil der Sorge für die Gemeinschaft wieder näher an die Gemeinschaft trägt.

Sieht man sich nämlich amerikanische Community Paramedic Programme an (hier z.B.- aus Minnesota), so wird klar, dass diese auch für präventive Aspekte Sorge tragen sollen; also z.B. das Monitoring von chronisch Kranken, die Nachsorge nach Klinik-Aufenthalten organisieren oder auch Unterricht in medizinischer Selbstkompetenz planen und durchführen. Für diese Aufgaben ist der deutsche NFS ebenso wenig ausgebildet, wie der amerikanische Paramedic (wobei es den als Archetyp ja gar nicht gibt), was aber bedeutet, dass derjenige, der ein Curriculum für GNFS entwickeln möchte/soll tatsächlich “dicke Bretter bohren” muss, um es mal mit den unnachahmlichen Worten unseres Landesinnenministers zu sagen…

Hier mal ein Vorschlag für eine Grobstrukturierung eines solchen Curriculums:

  • 40 h Einführung in die Aufgabenbereiche des GNFS
  • 160 h Erweiterte Grundlagen der Pflege (davon 40 h Praxis-Einsatz auf Station)
  • 40 h Schnittstelle Pflege/Nachsorge – Akutversorgung
  • 360 h Krankheitslehre / Pharmakologie (davon 40 h Praxis-Einsatz in Arztpraxis und 40 h Praxis-Einsatz in einer ZNA)
  • 40 h Erstellung eines Behandlungsplans
  • 80 h Methodisch-Didaktische Aufbauschulung  zum Ausbilder für medizinische Selbstkompetenz (davon 20 h Hospitation in einer Ausbildungseinrichtung im Gesundheitswesen)
  • 40 h Rechtsfragen: u.a. Haftung und strafrechtliche Fragen, Delegation
  • 40 h Abschlusswoche mit Prüfung

Wären netto 800 h Ausbildung, die von einer E-Learning-Plattform zum Selbststudium und  weiteren Praxisbegleitungen in der Anfangsphase flankiert werden müssten. Die Voraussetzungen wären:

  • mind. 2 Jahre als NFS tätig gewesen
  • Aufnahmetest zur Ausbildung
  • Monitoring durch ein Board aus Ärzten (sowohl NA als auch aus dem hausärztlichen Bereich) und erfahrenen Pflege-, sowie NFS-Ausbildern.
  • obligate 48 h anstatt 30 h Fortbildung pro Jahr

Ich würde mich gerne an der Etablierung eines solchen Ausbildungsganges beteiligen. Sonst noch wer?

Fehlerkultur…? Fehlanzeige…?

Es gibt Tage, an denen man bereits beim ersten Einsatz denkt, es wäre wohl besser gewesen, liegen zu bleiben, weil einem die offenkundig zur Schau gestellte Lebensuntauglichkeit der eigenen Klientel das letzte Fitzelchen Contenance abverlangt – und das womöglich mit zu wenig Koffein im Blut! Jeder, der den Job länger als ein paar Tage macht, wird unweigerlich mit dieser zeitgenössischen Melange aus “Ich wusste nicht, was ich bei Fieber machen soll, da habe ich halt 112 gewählt…”, “Also, die Verantwortung will ich nicht übernehmen!”, “Aber dem geht’s doch furchtbar schlecht!” und “Ich will in die Klinik, habe aber kein Geld für ein Taxi…” konfrontiert. Tagtäglich. Und ja, das geht auch mir gewaltig auf den Zeiger, nachts um 02:30 zu jemandem fahren zu müssen, der mir dann erzählt, die Flüssigkeit aus seiner Blase würde überall unter der Haut hochsteigen und er hätte schon Kopfschmerzen davon… selbst so erlebt.

All dieser Frust, den man sich bei der Arbeit holen kann, weil entweder unsere Mitbürger ein vollkommen überzogenes Anspruchsdenken an den Tag legen, Einsatzsachbearbeiter ihren Job nicht richtig machen (ich sitze auch an einer solchen Stelle und bestätige hiermit: auch das kommt manchmal vor!), oder der Mensch (meist Laie) vor Ort schlicht überfordert ist ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir dennoch berufen sind, sozial und sachlich adäquat mit jedem Einsatz umzugehen. Und aus unseren Fehlern zu lernen.

Mir ist wohl bewusst, dass die allermeisten Kolleginnen und Kollegen nach einem kurzen Blick auf bestimmte Meldebilder zumeist bereits ein Szenario im Kopf haben, dass von Stereotypen nur so strotzt. Natürlich kommt man auch zu dem klassischen “Dauerkunden”, zum Geronto-Sturz, zu “Leiden”, deren “plötzliches Auftreten” eigentlich beim besten Willen nicht den Einsatz eines Rettungswagens rechtfertigt; aber bitte, es handelt sich dennoch um ein Hilfeersuchen, das halt abgearbeitet werden muss. So viel Berufsethos muss dann schon sein, meine Damen und Herren!

Und dann kommt das Nachrichtenmagazin “Report Mainz” und sucht nach Menschen, deren Hilfe-/Transport-Ersuchen vom Rettungsdienst abgelehnt wurde – OH MEIN GOTT, WIE SCHLIMM! Wie können die nur beim heiligen Rettungsdienst Fehler suchen. Wenn ich mir die Kommentarspalten unter dem Aufruf auf Facebook so ansehe, möchte ich vor Scham ob der Äußerungen einiger Vertreter meines Berufsstandes im Boden versinken! NULL KOMMA NULL Selbstreflexion, keine Fehler-Sensibilität, mangelnde Sozialkompetenz, aber eine televerbale Goscherei, dass es einem schlecht wird!

Von Transparenz, Fehlerkultur, CRM/TRM und CIRS haben die offenkundig noch nie was gehört – oder alles falsch verstanden, so nach dem Motto: “Ja wir suchen natürlich nach Fehlern – bei den Anderen!” Solches Verhalten, insbesondere unter Betrachtung der Diskussion um das Verhalten des Kollegen in Bamberg ist unprofessionell, dem Berufsbild nicht dienlich und schlicht eines Healthcare Professional unwürdig!

Ja, es gibt Patienten, zu  denen wir mit unserem RTW hinfahren und die unsere Hilfe eigentlich gar nicht benötigen. Aber auch bei deren Begutachtung ist die gleiche Sorgfalt geboten, als bei einem, bereits auf den ersten Blick kritischen Patienten. Denn wir sollen, gestützt durch fundierte Aus- und Fortbildung, durch unsere Arbeit einen immer und überall vergleichbaren Mindeststandard der Akut-medizinischen Versorgung garantieren. Nur wenn wir diesem Anspruch gerecht werden und dennoch ungerechtfertigter Weise eines Fehlers beschuldigt werden, haben wir das Recht, uns zu wehren. Aber dies im Zweifel beweisen zu können, wird sehr schwer, wenn ich mich schon einer transparenten Begutachtung verweigere.

Genau das (plus die üblichen paar Prozent Effekthascherei für die Quote) tut Report Mainz. Anstatt also deren Anliegen von Anfang an mit Dreck zu bewerfen, sollten wir es begrüßen, dass jemand sich der Thematik überhaupt annimmt; denn ein tatsächlich Ergebnisoffen recherchierender Journalist wird dann schon beide Seiten sehen. Oder haben die werten Kolleginnen und Kollegen tatsächlich schon ein AfD-eskes Verhältnis zu den Medien? Denkt mal drüber nach. Guten Tag!