The italian tales n°10

TSCHAKKA! Ich hocke im Garten vor dem Appartamento, höre Musik und haue in die Tasten. Noise Cancelling Kopfhörer haben den Vorteil, dass man sich auf die Art von Beschallung konzentrieren kann, die man wünscht. Ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt habe, aber neben Metal, Punk, Crossover, Industrial, etc. höre ich auch sehr gerne – TADA! – 80s Wave, Synthpop und so’n Kram. Könnte an meinem Geburtsjahr liegen. Oder einfach daran, dass, zumindest gefühlt, kontemporäre Künstler vor allem recyceln, was andere vor ihn schufen. Oder ich bin einfach ein Snob, dem man nix recht machen kann. Sucht’s euch aus.

Eigentlich versuche ich mich gerade in Stimmung zu bringen, um dem Ende meines aktuellen Solo-Buchprojektes näher kommen zu können. Es ist alles da. Das Storyboard ist nachgeschliffen. Die Protagonisten funktionieren, eine erste echte Klimax hat, zumindest aus meiner Sicht, den richtigen Drive. Die Situation ist kritisch, für alle alles in der Schwebe – an Spannung sollte also auch kein Mangel herrschen. Die Figuren sind aufgestellt und alles bereit, um Schach zu bieten. Und doch… nagt der Zweifel, ob es auch für ein Matt reichen wird. Auf Seite 260 von geplanten 340-350.

Ich habe das letzte Mal ernsthaft ungefähr Ende Juni dran arbeiten können und auch mit dem Abstand von fast sieben Wochen bin ich mit meiner Schreibe sehr zufrieden. Oft ist es so; man weiß, wohin der Zug fahren soll, aber irgendwie fließt das Mana nicht. Ich hatte ehrlich gesagt auch keine großen Hoffnungen gehegt, im Urlaub groß voran zu kommen. Vielleicht, weil man andere Dinge zu tun hat. Familie, Pool, Ausflüge, knipsen, selbst was lesen und schließlich Bloggen, was das Zeug hält. Und um eine längere Geschichte zu schreiben, braucht es vor allem zwei Dinge Ruhe und Zeit. Ich kann mich bei so viel Ablenkung nicht auf meine Figuren konzentrieren, in meiner eigenen Story versinken, das vor Augen sehen, was ich in dem Moment (be)schreibe und gleichzeitig alle Handlungs-Stränge zu einem ansehnlichen Stoff verweben.

Es mag Autoren geben, die per Copy/Paste ganze Welten erstehen lassen; wenngleich diese dann auch oft etwas beliebig und blass erscheinen mögen. Ich mag meine Welt! Ich habe eine groß angelegt Pen&Paper-Kampagne auf der Basis laufen, für die ich eigens eine Modifikation meines eigenen Regelwerkes geschrieben habe. Und ich will mehr als eine Geschichte erzählen, ohne dass es sich dabei anfühlt, als wenn ich selbst alles recyceln würde (=> kontemporäre Musik und Pop-Literatur sind sich da ähnlich). Ich habe also hochfliegende Pläne und die will ich mir nicht mit einem beschissenen Debut-Roman versauen. Ist also auch ein bisschen (selbst erzeugter) Druck dahinter.

Immerhin: ich habe nicht nur das Storyboard modifiziert sondern bei der Gelegenheit auch gleich noch das für den nächsten Story-Arc meiner Kampagne entwickelt. Believe it, or not: während ich bei meinem Buch-Projekt voll digital arbeite, finden sich meine Game-Notizen in einem verdammt altmodischen, in schwarzes Leder gebundenen Moleskine. Weil gelebte Ambivalenz und kleine Anachronismen mich immer wieder auf’s Neue zum Umdenken zwingen. Portierbarkeit ist dabei durchaus gelegentlich ein Problem. Was mich auch zu etwas zwingt: nämlich ein und dieselbe Sache von mehr als einem Blickwinkel aus zu betrachten. Manchmal kommt dabei durchaus Spannendes zu Tage. Manchmal könnte ich auch kotzen, wenn ein rein digital entstandener Absatz durch meine eigene Ungeschicklichkeit im Nirvana verschwindet. Wer weiß, wofür es manchmal schon gut war…

Ich habe also das eine oder andere, worauf ich mich freuen kann, wenn ich wieder nach Hause komme, was (leider) in wenigen Tagen der Fall sein wird. Aber die Zeit, sie bleibt halt nie stehen. Auch nicht, wenn’s schöner wäre. Besonders dann nicht. Ob ich mich noch mal mit einer italienischen Geschichte melde, weiß ich noch nicht. In jedem Fall habe ich eine Menge zum Erzählen in meinem Kopf und Herzen. Und nicht alles davon passt in meine Romane, oder mein Blog. Buona notte!

Schaffensprozess

Es ist ein offenes Geheimnis, dass kreatives Arbeiten bei vielen Leuten nach ähnlichen Mustern abläuft. Den wenigsten stürmen einfach drauf los und machen etwas; vielmehr ist es üblich, sich zunächst einen Plan zurecht zu legen. Nicht, weil wir Deutschen ohne Plan nix auf die Reihe bekämen, sondern weil – insbesondere bei etwas größeren Projekten – ich am Ende weniger Probleme habe, meine losen Enden einzufangen. Zuvorderst, wenn ich komplexe Geschichten erzählen möchte, ist es immer ratsam, sich ein Storyboard oder etwas ähnliches zu machen.

Bei mir geschieht das in Form einer Tabelle, die vier Spalten enthält:

  • Charakter: Hier findet sich zu jedem Hauptcharakter, aber auch zu den wichtigen Nebenfiguren eine kurze Beschreibung, welche die essentiellen Bestandteile der Persönlichkeit kurz einfängt.
  • Schlüsselszenen: Hier umreiße ich die Momente der Geschichte, an denen ein wichtiges Treffen oder eine wichtige Veränderung eines Hauptcharakters eintritt. Und tatsächlich nur die, bei denen mir von Anfang an klar ist, dass sie für den Verlauf der Erzählung geschehen müssen.
  • Nexuspunkte: Ganz einfach; wer begegnet wem wo und warum?
  • Konflikte: Hier finden sich neben den Problemen, welche einzelne Charaktere miteinander haben auch die Beschreibung ihrer jeweiligen Motivationen, weil sich in der Abgrenzung zu den anderen Teilnehmern einer Erzählung am besten heraus arbeiten lässt, warum Protagonisten und Antagonisten tun, was sie tun.

Da hab ich also, ziemlich am Beginn meines aktuellen Projektes (und es handelt sich NICHT um ein belletristisches Werk, das sich mit Rettungsdienst befasst, soviel darf ich sagen!) eine solche Tabelle entwickelt. Sie hängt an meinem Whiteboard im Arbeitszimmer und dann und wann werfe ich auch einen Blick darauf, um mich zu vergewissern, dass ich tatsächlich noch die Geschichte erzähle, die ich zu Beginn im Kopf hatte. Und stelle fest JA und NEIN…

Einerseits bewege ich mich entlang der beschriebenen Charaktere und ihrer Konflikte. Andererseits habe ich neue Elemente angefügt und andere weggelassen, schlicht, weil die Entwicklung der Figuren dies gebot. Überdies habe ich die Geschichte um ein paar Twists und Figuren angereichert, weil sie sonst zu schnell auserzählt gewesen wäre. Ich habe versucht, meinen Stil etwas einzuschränken. Der Meister des Schachtelsatzes hat versucht, nicht zu ausufernd zu schreiben. Doch ich schaffe es nicht stringent. Weil manche Dinge sich nicht so einfach in Subjekt – Prädikat -Objekt ausdrücken lassen. Trotzdem darf man nicht zu viel beschreiben, sonst lässt man der Fantasie des Lesers ja zu wenig Raum. Und das ist es, was für mich ein gutes Buch ausmacht. So viel zu geben, dass es eine Kohärente Idee von der Welt und den Figuren vermittelt; aber eben doch so wenig, dass jeder Leser theoretisch die Möglichkeit hat, sich ein Teil dazu zu denken.

Ich habe schon öfter über diesen Bias zwischen den Kunstformen Buch und Film referiert und es bleibt dabei – was ein Leser in seinem Kopf mit meiner Geschichte anstellt, kann ich kaum beeinflussen. Wohingegen ein Film einen großen Teil dieser Fantasie-Arbeit eliminiert, weil seine Macher sie vorweggenommen haben. Damit muss man leben.

Jedenfalls muss ich für meinen Teil feststellen, dass kreatives Schreiben stets eine Eigendynamik entwickelt und dass ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, meinen Instinkten zu folgen, wann immer ich das vorbeschriebene Terrain meiner Tabelle beim Schreiben verlasse. Und ich hoffe ehrlich, dass das Ergebnis irgendjemand interessiert. In diesem Sinne, bis die Tage.

Schreib-Arbeit…

Keine Ruhe! Man findet einfach keine Ruhe! Und das ist auch gut so. Kaum dass die eine Sache abgefrühstückt ist (Studium) und andere Projekte nach vorne drängen (was mach ich jetzt damit?) hat sich auch wieder die Lust am Schreiben eingestellt. Nicht nur bei mir; und nicht nur hier auf meinem Blog. Vielmehr ist es so, dass mein Kompagnon Claus und ich tatsächlich, nach Jahren der (Zwangs)Abstinenz wieder angefangen haben, an neuen Projekten des Faerie’s Inkpot Verlag zu arbeiten.

Ja, es gibt den Verlag noch! In den letzten Jahren zwar nur als juristische Figur, jetzt aber auch wieder als funktionierende Einheit, deren Mitglieder es sich zu Ziel gesetzt haben, in den nächsten Zwölf Monaten mindestens ein, vielleicht auch zwei Publikationen auf den Markt zu bringen. Wir werden sehen, ob diese Ziele nicht doch zu hoch gesteckt sind. Wir würden uns aber sehr freuen, den einen oder anderen Besucher begrüßen zu können, da wir unsere Backlist (na ja, zumindest den belletristischen Teil) wieder mit Anlesern vorstellen. Vielleicht kennt’s der eine oder andere ja noch nicht.

Und hier geht’s in den nächsten Tagen auch weiter. Bis dahin bitte nicht sterben…

Den Faerie’s Inkpot Verlag gibt’s noch!

Wie sich’s ergibt, tut sich jetzt nach längerer Pause auch auf der Autoren-Seite http://www.faeries-inkpot.de endlich mal wieder was. Mein Kompagnon und ich wollen mal eine andere Art der Publikation versuchen und würden uns sehr freuen, wenn auch ein paar Besucher kämen um sich das anzuschauen. Enjoy, it’s for free!

Ein Epilog?

Tick…

Der Blick schweift durch den Raum und bleibt hängen an dem alten Regulator in der Ecke, und wie sein Pendel langsam, geradezu bedächtig hin- und her schwingt, im hypnotisierenden Rhythmus des einzigen, universalen Herzschlags – das letzte, das einzige Limit, das wir Menschen noch nicht überschritten haben, aber nur weil selbst unsere kühnsten wissenschaftlichen Wagnisse uns dies Geheimnis noch nicht enthüllen konnten.

Tack…

Wie dicke Regentropfen, die an einem kalten, nebeligen Herbsttag auf einen kleinen Teich hernieder prasseln, so passieren die ankommenden Eindrücke meine Augen, um in den See meiner Erinnerungen hineinzufallen. Und so wie die Tropfen schlägt jeder Moment, jeder Gedanke, jede Emotion Wellen – Wellen, welche die Oberfläche verwirbeln, und es unmöglich machen tiefer in den See hinein zu schauen, zu sehen was er wohl enthalten mag.

Tick…

Die Augen seien das Tor zur Seele des Menschen, doch was ist eine Seele. Ist sie einfach nur die Summe alles Erinnerten und Gedachten, eine Art sich selbst programmierende Handlungsmatrix? Sind es die Emotionen, die zweifellos all unser Tun leiten, ganz gleich wie logisch zu Handeln wir auch glauben? Oder ist sie vielleicht doch eine abstrakte Form von Energie, gegeben von einer namenlosen Schöpferkreatur, gedacht uns auch die Kraft zur Schöpfung zu geben? Ganz gleich was sie auch sein mochte, einen Blick durch dieses Portal könnten wir nur tun, wenn das Individuum sich vor all diesen störenden Einblicken abschotten könnte, doch selbst unsere Beobachtung wäre Stimulus genug, dies Vorhaben zum Scheitern zu verdammen.

Tack…

Wieder kommen die alten Fragen hoch, die Zweifel, die Ängste, sie zerreißen mich, zerreißen das sorgfältig gewobene Gespinst welches ich meine Existenz nennen möchte, doch nicht länger kann. Immerzu wollte ich Antworten, doch gleich wie viel ich in Erfahrung brachte, wie viel mehr ich auch lernte, gab es keine Befriedigung und auch keinen Frieden. Meine Vendetta gegen dieses Sein, sie war verloren, einmal mehr und doch … doch konnte ich keinen Groll verspüren, keinen Hass. Wie sollte man auch etwas hassen, das keinen Körper, keine definierte Form, keine … Wahrhaftigkeit besaß?

Tick…

Meine Seele ist verloren. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass ich je eine besessen habe. Eigentlich ist es auch gleichgültig, denn ich hätte eh nicht begriffen, was ich verloren hätte, bevor die letzte Chance, es zu ändern vorüber gegangen war. Immerhin hatte ich diesbezüglich Konsequenz gezeigt. Nun wie dem auch sei, dieser letzte Moment, bevor es soweit ist, bevor das Unausweichliche beginnt, er fühlt sich an wie eine verdammte Ewigkeit. Ich fühle nicht, ich atme nicht, ich denke nur. Und in der Zeit, die sie gebraucht haben, die unwesentlichen, nichtsdestotrotz mit beinahe unendlicher Geschwindigkeit produzierten Projektionen meiner cerebralen Tätigkeit zu konsumieren, ist der letzte Schritt getan, und nichts, rein gar nichts wird … nein kann je wieder so sein, wie es war. Ganz so, als ob der Rhythmus des universalen Herzschlags ins Stolpern gekommen wäre…

Ta…

 

Gedanken im Flug…

Lebend sterben oder sterbend Leben – wo ist der Unterschied, wenn ich nichts fühle…? Ich haste vorwärts, auf der Suche, nein auf der Jagd… doch nach was? Nach Sinn vielleicht, nach Erkenntnis, oder doch nur nach einer neuen Möglichkeit die Zeit, die mir geschenkt ist sinnlos anzufüllen. Sinnvoll anzufüllen? Doch mit was? Mit Worten oder mit Taten? Mit Gedanken oder mit Aktion? Vielleicht einfach mit Nichts; was süßer sein kann als alles andere zusammen, aber einen unangenehmen Geschmack im Mund hinterlässt, metallisch wie Blut, wenn man sich auf die Zunge gebissen hat. Habe ich verschwendet? Zeit, Geld, Ressourcen nicht optimal ausgenützt? Manage ich mich als Unternehmen im Kampf gegen all die anderen Ich-Unternehmen erfolgreich genug oder wirft mein Leben doch nicht ausreichend Profit ab? Was ist der Lebensprofit überhaupt?

Ich haste weiter auf der Jagd. Stelle ich überhaupt die richtigen Fragen oder drehe ich mich nur im Kreis, drehe ich mich um mich selbst, so wie es meine Natur ist, so wie es des Menschen Natur war, seit er glaubt, das Denken gelernt zu haben; was aber nicht mehr tolerierbar ist in einer Welt, in der sich alles irgendwie um etwas dreht, aber nichts mehr bedeutet als das, was es kostet. Koste ich oder werfe ich ab – und falls ja was oder wie viel und für wen? Belaste ich, oder entlaste ich? Auf welche Art verlaste ich? Nämlich all die Fragen auf meiner Seele, auf die keine Antworten gegeben werden, es sei denn, ich suche sie selbst; in mir, in dem was ich tue, darin wie ich es tue, wen ich damit auf welche Weise berühre und was das für mich bringt oder was es mich kostet. Denke ich also überhaupt? Und falls ich es zustande bringe, komme ich damit irgendwann irgendwo an…?

Und wieder treiben mich meine Gedanken weiter, denn diese bleiben nicht stehen; sie kommen stets schneller, als meine Finger sie der Tastatur zu schenken vermögen, weitaus mächtiger, als alles, was meine dürren Worte zu vermitteln fähig sind, komplexer, lieblicher, grausamer, seltsamer, verschlungener, verstörender, verführender, immer anders und doch stets gleich, denn es sind meine Gedanken und ich kann sie teilen oder es lassen. Ganz wie es mir beliebt! Empfinde mich plötzlich als reich, denn ich bin der Herr all des Gedachten, das sie vielleicht nie erfahren können, denn ich schenke nicht alles, was mich ausmacht, nur soviel, das es eben genügt, Bilder in den anderen Köpfen ringsum entstehen zu lassen.

So lebe ich sterbend, denn mit jedem Gedanken, der mich verlässt und in der Welt sein Unheil anrichtet schenke ich einen Teil meiner Energie her und auch wenn das Feedback einen Teil dieser Kraft vielleicht recycelt – war das geäußerte nur originell genug, kann es nicht reproduziert werden und eine neue Originalität kostet neue Kraft; Ich will ich mich doch stets aufs neue selbst finden, in dem was ich denke und sage, will schaffen, will erschaffen und wieder finden, was ich beim herschenken meiner Worte zu verlieren glaube. Bin doch Narr genug, bis heute nicht verstanden zu haben, warum der Krug denn ich so gerne ausgieße sich immer aufs Neue füllt, ohne, dass ich mich dafür anstrengen muss. Bin gesegnet mit vielen Dingen, mit wundervollen Menschen um mich, und manchmal mit Inspiration und dem Wunsch diese zu teilen, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen, ohne Ziel aber immer mit der Angst sie ungenutzt verglühen zu lassen, wenn ich sie nicht rechtzeitig teile.

Haste also weiter, atemlos, überwältigt von dem was mich treibt, unfähig zu begreifen warum, und ebenso chancenlos, vorher zu erfahren wohin, also lasse ich mich einfach treiben, genieße den Ritt wie eine Zugfahrt mit dem Glacier-Express, die Landschaft rauscht vorbei, zu schnell um jedes letzte Detail einsaugen zu können, aber doch langsam genug um zu begreifen, dass ich dieses Panorama nicht begreifen kann, denn was hier erschaffen wurde, ist zu gewaltig um es verstehen zu können. Bestenfalls habe ich genug Kraft es zu würdigen; also würdige ich nach Kräften, während der Sog mich fortzieht, denn das Leben ist zu kurz um es an einem Panorama zu verschwenden, wenn es doch noch so viele andere gibt, an deren Schönheit man verzweifeln möchte, weil sie einem die eigene Unzulänglichkeit, die eigene Schwäche zeigen, ohne einen bösartig zu verhöhnen. Man erkennt einfach nur eine Grenze. Es gibt so viele Grenzen, aber diese eine, die vermutlich mächtiger ist als alle anderen, die muss jeder irgendwann begreifen lernen.

Sterbe ich also tatsächlich lebend? Biologisch betrachtet jeden Tag ein bisschen, da ich das zarte Alter von 25 schon lange hinter mir gelassen habe aber das ficht mich nicht, denn noch ist der angebliche Verfall ohne Zeichen einhergegangen. Und doch kann ich nicht leugnen, dass ein Teil stirbt. Die Leichtigkeit, das unerhört freie Gefühl der Unsterblichkeit, das lässige Drauf-Scheißen, die Spontaneität; all diese sündigen Vorzüge der frühen Jugend sterben tatsächlich mit jedem Tag ein bisschen, weil mit jedem Tag das Leben ein winziges Mehr an Verantwortung, an Notwendigkeit, an Kompromissbereitschaft injiziert. Ohne, dass man es fühlen kann. Und plötzlich ist sie da, die Ohnmacht, wenn man begreift, dass man etwas verloren hat, von dem man sich immer geschworen hat, es stets im Herzen festzuhalten.

Es drückt, es würgt mich, wirft mich nieder, lässt mich entsetzt, atemlos und zugleich vollkommen leer zurück. Narretei! Vergiss die Freiheit, denn du bist ein Rädchen im Getriebe der Welt und ohne diese Rädchen gibt’s auch die Welt, in der du es dir so schön eingereichtet hast nicht mehr. Höhnisch klingt die Stimme der Ratio in meinem Schädel, verlacht mich ob meinem kindischen Wunsch nach mehr Freiheit, nach frischem Geist, nach all dem, was ich mir verloren glaube. Ich will schreien, will aus dem grauenhaften Alptraum erwachen, will fort, will nicht mehr sterbend leben – doch plötzlich fühle ich!

Ich entdecke nun, dass der Funke nicht fort ist, ich habe ihn nur unter dem Gebirge der Verpflichtungen verkramt, auf dem Schreibtisch meiner Seele unter den ganzen Rechnungen gestorbener Träume und enttäuschter Hoffnungen vergessen. Doch er glimmt nicht nur, er strahlt, hat kaum an Kraft und Glanz verloren. Plötzlich wird die Hast zur Ruhe, die Rastlosigkeit zur Gewissheit. Begreife plötzlich, woher die Kraft kommt, die gerne hergeschenkte und darob niemals verschleuderte. Weis, was mich treibt, was mich hetzt, was mich nicht stillstehen lässt. Und plötzlich ist egal, ob ich lebend sterbe oder sterbend lebe, denn ich fühle – fühle die unbändige Lust, auf’s neue Bilder in die Köpfe der Menschen zu schicken. Bilder, die – so hoffe ich – Kraft in sich tragen und vielleicht den einen oder anderen dazu bringen, nach seinem eigenen Funken zu suchen. Denn er ist ganz sicher da … und wartet nur darauf, wieder gefunden zu werden.