An manchen Tagen, möchte man fort…

Schaukel mich rüber, über den Fluss!
Ich will nicht fort hier, ich muss!
Ich spür‘ kaum noch, leb‘ kaum noch,
den Zahn der Zeit, den spür ich jedoch.

Suche nach Willen, suche nach Kraft,
die, was zu tun, irgendwie schafft.
Existiere im Jetzt, sehn‘ mich nach Morgen.
Was wahres Leben, bleibt grad‘ verborgen.

Wie dunkles Tuch, kühl und dumpf.
In meinem Kopf ein einziger Sumpf.
Trüg mich die Schaukel doch über den Fluss
Aus dem Morast hier, fort ich muss!

Es bleibt mir ein Rätsel, was kann ich tun?
Geh immer noch vorwärts, müsste doch ruhen.
Lieg nachts wach, schau auf den Mond,
dieser Anblick ist mir lang schon gewohnt.

Doch im Morgen, nach dem ich mich sehnte,
mich einmal wieder bess’rer Dinge wähnte,
ist doch nur wieder der Sumpf, ohne ein Ende.
Wann kommt sie wohl, meine Gedankenwende?

Seh‘ ich die Schaukel, wird mir bald bewusst,
sie schwingt immerfort, quert doch nie den Fluss.
Also bleiben wir zusammen, im Hier und Jetzt
Besser wär’s dann wohl, wenn man das schätzt…

Grantel in the Bronx!

[VORSICHT RANT! ] „Is‘ so still hier… HALLO – jemand da?“ Leise verklingen die verzagten Rufe in den weiten Hallen des Gedankenpalastes, sich dabei nur mit dem eigenen Echo unterhaltend. So, oder so ähnlich kam ich mir selbst die Tage vor. Einsam. Obwohl so viele Andere da waren. Weil wir alle auf uns selbst, unsere elementaren Ängste und diese anderen, niemals offen artikulierten Emotionen zurückgeworfen sind. Denn der moskowitische Deckenwilly, dieser geschichtsklitternde KGB-Hanswurst und seine Oligarchokratie drehen hohl – und machen, dass wir alle mit hohl drehen! Hab gesten auf Zeit Online (wo sonst) einen Essay vom nicht vollkommen unprominenten Soziologen Armin Nassehi gelesen; seine Deutung: wir haben die Demokratie zu lange als Selbstbedienungsladen und den Staat als Dienstleister interpretiert und genutzt. Und kommen jetzt nicht damit klar, dass Demokratie AUCH bedeutet, sich eine eigene Meinung BILDEN, diese VERTRETEN und auf dieser Basis selbst ENTSCHEIDEN zu MÜSSEN. Wir haben verlernt, dass Demokrat zu sein, anstrengend ist. Anstrengend sein MUSS! Denn die aktuelle Beliebigkeit und die „alternativlosen“, rein Konsumentenorientierten Entscheidungen, wie sie die Politiker derzeit treffen („…es darf UNS nicht zu sehr wehtun…“) versuchen jede Anstrengung, jeden Diskurs, jedes Vertreten demokratischer Grundüberzeugungen (wie etwa die Gültigkeit des Völkerrechts auch für beknackte Russen-Diktatoren) tunlichst zu vermeiden. Democracy light to go sozusagen. Wasch mich, aber mach mich nicht nass… Können wir uns nicht alle hinstellen und sagen – NO PASARÁN – sie kommen nicht durch! Als Weltgemeinschaft diesen Wahnsinn stoppen, bevor er noch weiter eskaliert? Putin demilitarisieren und in irgendein tiefes, gottverlassenes Loch werfen und einfach vergessen? Warum können wir das nicht? WARUM GOTTVERDAMMTNOCHEINS? Ja, das hier ist nicht Spanien in den 30ern des letzten Jahrhunderts. Und er heißt Putin, nicht Franco. Aber auf welcher Seite das Unrecht kämpft, auf welcher Seite tatsächlich die Nazis stehen, ist sonnenklar; auch wenn der Möchtegernbärentöter Putin natürlich eine andere Geschichte erzählt. Ich habe die Schnauze davon voll, dass es egal ist, wen du wählst, weil sie ALLE nur den Göttern „Mamon“ und „Umfragewerte“ dienen. Nicht der Demokratie! Nicht dem Völkerrecht! Nicht den Menschen, deren Vertreter sie eigentlich sein sollten! Das Wort Partikularinteresse wird uns als Menschheit alsbald endgültig zu Grunde richten. Und der beschissene, ungerechte, unverhinderte Krieg gegen die Ukraine ist nur ein Aspekt davon… Ich habe fertig… [RANT ENDE!]

[Die andere Seite!] Ich habe in letzter Zeit viel über Verpflichtungen nachgedacht. Über die Frage, warum ich tue, WAS ich tue? Warum ich es tue, so WIE ich es tue? Ob ich mir nicht etwas Anderes vorstellen könnte? So diese typischen Fragen, die im Jahres- oder Zweijahresrhythmus wiederkehrend schlechte Laune, schlechten Schlaf und (zumindest manchmal) schlechte Entscheidungen mit sich bringen. Ich bin tatsächlich mit mir übereingekommen, dass ich am richtigen Platz bin, als ich dieser Tage Praxisanleiter in Ausbildung auf ihrer Reise durch die Welt der Berufspädagogik begleitet habe. Denn ich habe gespürt, dass ICH für so einen Lehrsaal gemacht bin. Das ich auch die anderen, weniger glamourösen, weniger öffentlichen Aspekte meines Jobs als Schulleiter immer besser beherrschen lerne, durfte ich diese Woche auch erfahren. Was mir aber am wichtigsten ist: ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels hoher Belastungen. Wieder in ruhiges Fahrwasser kommen, wieder mehr für meine Lieben und mich selbt da sein können – das passiert gerade. Und das macht mich glücklich. Ich schrieb dieser Tage unter einem Facebookpost zum Ukrainekrieg, dass die Welt sich nur für die direkt Betroffenen zu drehen aufgehört habe! Ich würde nun ergänzen wollen, dass wir uns vermutlich auch deswegen schlecht fühlen, weil es für uns einfach normal weitergeht. Obwohl dystopisch-gewalttätige Szenarien, die den machtdementen Kleptokraten Putin als Nemesis ganz Europas sehen wollen, momentan eine gewisse mediale Konjuntur haben. Da phantasieren sich ein paar sendungsbewußte Journaillen gerne einen auflagenstarken Untergang herbei. Kein Wunder, dass ich dieser Tage morgens mit dem berühmten Satz Robert Oppenheimers im Kopf aufgewacht bin „Ich bin der Tod geworden, Zerstörer von Welten!“ (im Original aus der hinduistischen Schrift „Bhagavad Gita“). Journalismus ist genau wie Geopolitik offensichtlich ein Geschäft mit der Angst. Ich habe keine Ahnung, wie’s weiter, oder gar ausgeht. Ich glaube jedoch, DASS es weitergeht. Auf die eine oder andere Art und Weise. Und ich weiß, dass ich mir und meinen Lieben – so lange das möglich ist – gerne etwas Glück konservieren würde. Schaue ich gerade aus dem Fenster, scheint da die Sonne. Davon möchte ich gerne mehr. Denn je länger wir in Schockstarre auf die Ereignisse im Osten blicken, umso länger wird es dauern, bis sich eine Bewegung findet, den Wahnsinn zu beenden. Hoffnung ist des Menschen vornehmste und zugleich schrecklichste Bürde. Ich habe nochmal fertig… [Herzlich willkommen auf der anderen Seite!]

PS: Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Gegrantel ist – und die Bronx ist in Mannheim ein anderer Stadtteil. Aber ein Jackie Chan, der jetzt den Bösewicht verkloppt, hätte etwas erfrischend Erheiterndes. Denn eigentlich sollte man den kleinen Mann und seine großen Machtträume einfach nur auslachen und stehenlassen – nachdem man ihm alle Waffen weggenommen hat. Schönen Samstag.

Auch als Podcast…

Unkreativer Samstagmorgen…

An manchen Tagen fange ich einfach mit dem Schreiben an, und schaue mal, wo mich der Flow hinträgt. Heute ist das nicht anders. Oft läuft nebenbei leise irgendwelche, tendenziell chillige Musik; wobei die Kategorisierung „chillig“ ja sehr subjektiv ist. Im Moment benutze ich „Stranger Synths“ auf YouTube. Wer hier eine Namensverwandschaft zu einer recht bekannten Netflix-Serie zu erkennen glaubt – STRIKE! Bin halt ein Kind der 80er. Und ein großer Popculture-Nerd. Ist gerade von Vorteil, denn ich habe mich die Tage durch ein tiefes Eintauchen in mein wohl wichtigstes Hobby von Sorgen und Problemen abgelenkt, die eventuell durch den Umstand ausgelöst sein könnten, dass mein Vater am Montag 88 geworden wäre. An solchen Punkten denkt man immer nach. Nach gängigen Taxonomien hätte ich damit wohl eher eine dysfunktionale Coping-Strategie angewendet. Nun ja, drauf geschissen… Das neue Jahr hat – zumindest beruflich – angefangen, wie das alte geendet hat: viel Arbeit, viele Anforderungen, und nicht immer ausreichende Ressourcen. Ich laufe mal wieder auf Messers Schneide – ABER, ich finde dennoch immer wieder und immer noch meinen Weg. Und ich stelle fest, dass mir das Ablegen schlechter Angewohnheiten langsam aber sicher etwas besser gelingt. Mehr Zug fahren, weniger Bier trinken, weniger Prokrastinieren und mehr gerissen kriegen. Bleibt nur die Frage, wann das mit dem Schaffen wieder zu viel wird? Auch darauf wird es bald eine Antwort geben. Aber genug des Vorgeplänkels!

Ich hatte eine kurze Konversation mit meiner Frau, in welcher sie über einen Forumseintrag erzählte: Eine andere Künstlerin berichtete davon, dass ihre Freunde ihr absprächen, „wirklich zu malen“, weil sie Teile ihre Bilder von Vorlagen abpausen würde. Was mich zu der Aussage verleitete, dass man ja alleine in die technischen Skills des Malens und Zeichnens erstmal eine Menge Zeit investieren müsse. Selbst bloßes „Kopieren“ erfordert ja schon gewisse Fertigkeiten. Anlass für die Unterhaltung war übrigens der Umstand, dass die beste Ehefrau von allen gerade – als Geschenk – einen Manga-artigen Charakter aus einem Videospiel mit Acryl auf einen Keilrahmen zaubert. Ich könnte das nicht; und ich habe sie schon öfter bei solchen Aktionen beobachtet. Ich bin zwar ein sehr visueller Mensch und übe schon eine Weile das Fotografieren; aber Malen ging immer an mir vorbei. Jedenfalls war ich gleich wieder drin in einer Denkspirale über das Thema Recyclingkreativität. Ich hatte dazu schon vor Jahren mal was geschrieben.

Das Künstler ältere Werke „re-mixen“ ist – mit Blick auf die Musik – ein alter Hut. Die Kulturschaffenden sind dabei immer auf dem schmalen Grat zwischen Schaffenskraft und Plagiarismus unterwegs. Nicht selten fallen sie dabei runter. Nichtsdestotrotz finde ich es frech, jemanden dafür abzuqualifizieren, dass er oder sie re-mixt. Insbesondere, wenn man nicht im Ansatz über die gleichen Skills verfügt, die dieses „Plagiieren“ ermöglichten. Bei wissenschaftlichen Arbeiten ist es einfach nur schäbig, denn dazu braucht man heutzutage nur noch <copy> & <paste>. In der Kunst besteht natürlich die Gefahr, dass die Recyclingkreativität zu <copy> & <paste> degeneriert. Aber da ist kein Kausalzusammenhang. Ich muss hier immer an meinen Musikunterricht in der gymnasialen Oberstufe denken. Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ (mein Lieblingsbild bis heute ist der „Gnomus“) – und was Isao Tomita ziemlich genau 100 Jahre später mit einem (1975 noch sehr neuen) Sythesizer daraus gemacht hat. Damals wusste ich die Lektion noch nicht zu schätzen. Heute umso mehr! Das war Recycling-Kreativität, denn das Originalwerk hat inspiriert, wurde auch zu Teilen kopiert, aber nie plagiiert. [An dieser Stelle wurde das Schreiben eine Weile unterbrochen und anstatt „Stranger Synths“ Tomitas „Pictures at an exhibition“ gelauscht. Doch diese Musik forderte mich kognitiv zu sehr, die konnte ich nicht nebenbei hören…]

Ich habe irgendwo gelesen, dass Recyclingkreativität oder „recreativity“ auch zum Problem für den Künstler selbst werden kann, wenn man sich in einer Feedbackschleife fängt, weil man immer wieder sein eigenes Werk zitiert. Und dadurch vielleicht andere Einflüsse unterbindet, die einen weiter bringen könnten. Ich denke nicht, dass Selbstplagiat ein Vergehen ist, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der Lern- bzw. Übungseffekt bei redundantem Selbstzitat irgendwann zum Erliegen kommt; man wird zunächst nicht mehr besser, dann langsam uninteressant und in der Folge irgendwann irrelevant. Das gilt übrigens nicht nur für Künstler, sondern auch für Lehrer. Vielleicht ist es das, was mich manchmal so kribbelig macht? Dieses Gefühl, nichts Neues, Originelles, Relevantes mehr beizutragen, weil meine Inspiration träge und selbstgefällig geworden ist? Das Problem dabei ist, dass Inspiration und Kreativität Muskeln sind, die regelmäßig trainiert werden MÜSSEN. Steckst du aber in der Tretmühle des LIEFERN-MÜSSENS fest, ist dein Kopf nicht frei für Originalität. Denn auch der originellste Geist braucht immer wieder neuen, externen Input, um selbst Neues schaffen zu können. Kunst und auch Lehre waren schon immer Zitat, Re-Mix, Collage, Interpretation, etc. Deshalb ist der oben beschriebene Vorwurf „nicht wirklich zu malen“, auch substanzlos. So lange man sich bemüht, die Vorlage als Inspiration zu betrachten…

Wenn ich auf meine Schreibe und mein Storytelling im Pen’n’Paper schaue, dann ist vieles davon auf den ersten Blick Plagiat. Weil ich natürlich über Jahrzehnte eine Unzahl an Science-Fiction-, Fantasy- und Horror-Romanen gelesen habe: und in der Folge manche Motive von stärkeren Erzählern entlehnt habe, als ich einer bin. Andererseits sind manche Themen, Erzählfiguren und Archetypen mittlerweile universal geworden. Also, was soll’s? Ich habe mich im Laufe dieses Textes mal wieder selbst zitiert; bin ich also noch kreativ? Mal schauen, was mir dazu einfällt. Einstweilen ein schönes Wochenende.

Auch als Podcast…

Happy new… whatever…

Das alte Jahr endete, wie bei verdammt vielen anderen Menschen auch, durch das ausdauernde Überbacken mit Käse. (Fast) Alles ist mit Käse überbacken besser; der Genuss ethyltoxischer Getränke half aber auch ein bisschen dabei. Das neue Jahr begann, wie bei vielen anderen Menschen auch, wie Tage eben beginnen: aufstehen, frischmachen, anziehen, frühstücken, etc. Der Unterschied zwischen dem Leben am 31.12.xx und dem am 01.01.xx besteht im Datum – allein im Datum! Neujahrsspaziergang, Restevernichtung am Mittagstisch, und exzessives, Wohlstandsverwahrlosung zelebrierendes Gammeln rundeten das Programm sorgsam ab. Soweit im Südwesten nichts Neues.

Raclette der Stufe 3… es hat nicht alles auf den Tisch gepasst.

Ich war morgens zu früh aufgewacht. Mitnichten das, nach derartig käsigen prandialen Detonationen durchaus erwartbare Albdrücken trug jedoch daran Schuld. Vielmehr hatte der Gedankenzirkus unversehens geöffnet; und der Zirkusdirektor meiner privaten Hölle gab eine To-Do-Listen-Galavorstellung. Am 01.01 gegen 06:40 kann ich auf sowas echt verzichten. Es gemahnte mich daran, dass ich für ’22 viel auf dem Zettel habe. Vielleicht zu viel? Ich weiß es nicht. In dem Moment wirkte es allerdings so einschüchternd, dass ich mit einem Schweißausbruch da lag und gerne spontan in ein anderes Universum gewechselt wäre. Selbst Bogenschütze in der ersten Reihe in Helms Klamm wäre in Ordnung gewesen. Wie das mit SOLCHEN Wünschen halt so ist – ich blieb genau da liegen, wo ich war. Und durfte weiter meinen, sich eintrübenden Gedanken nachhängen.

Wir neigen immer in den ungünstigsten Momenten dazu, uns selbst zu martern; und zwar, weil Entspannung oft dafür sorgt, dass unser Gehirn anfängt, nach weiteren Gefahren zu suchen. In unseren Schlafzimmern gibt es nun aber nur in sehr seltenen Fällen noch Säbelzahntiger (und noch seltener greifen uns diese physisch an). Und weil wir heute zu wenig physisch existenzielle Gefahrenquellen haben (warum gehen Menschen wohl Bungee-Springen, Fallschirmspringen, Downhill-Biken, etc….?), werden dann die Dinge greifbar, die wir (unserer Wahrnehmung nach) nicht gut, nicht gut genug, oder sogar gar nicht hinbekommen haben – könnte ja zu Problemen in unserem privaten oder Jobumfeld führen! Und schreiben uns die Schuld natürlich immer selbst zu, damit das schlechte Gefühl auch schön mächtig bleibt. Dass objektiv Manches einfach deshalb liegen bleibt, weil wir weder vier Arme, noch 48h-Tage zur Verfügung haben, gerät dabei zumeist aus dem Blick. Zumal diese Marter ja für andere auch durchaus nützlich ist. Was würden unsere Chefs denn ohne Mitarbeiter machen, die bei unerledigten Dingen Scham empfinden.

Ich möchte an dieser Stelle mal eine Lanze für das Nicht-Schaffen brechen. Wir leben in einer Zeit, in der Arbeitsverdichtung, zumindest in manchen Gewerken, keine Ausnahme mehr bleibt, sondern vielmehr die Norm geworden ist. Sich selbst eingestehen zu können, dass es JETZT gerade zuviel ist, sollte von den Anderen als Zeichen der Stärke, nicht der Schwäche wahrgenommen werden. Meine Mitarbeiter und ich haben in den letzten Monaten diesbezüglich (subjektiv) jedes Limit gerissen. Woran ich tatsächlich niemand speziellem die Schuld geben könnte – oder wollte! Ich habe es allerdings offen nach außen kommuniziert. Mal schauen, wie die Nachlese dazu ausfällt. Ich kann an dieser Stelle allerdings zwei Dinge ganz klar sagen: ich schäme mich für nichts! Und ich sehe auch nichts, dass man mir vorwerfen könnte – mit der möglichen Ausnahme, dass ich nicht früher personellen Entsatz besorgen konnte. Aber das der Markt schwierig ist, hatte ich ja prophezeit.

Ich rede immer wieder davon, dass ich meine Prioritäten neu sortieren möchte. Im Großen und Ganzen habe ich das getan. Letztlich gibt es da gar nicht so viel, was man bedenken muss: die existenziellen Bedürfnisse moderner Zivilisationsmenschen (Unterkunft, Sanitäranlagen, Essen, Kleidung, etc.) müssen gestillt sein; insbesondere, wenn man Verantwortung für seine Familie trägt. Alles, was der so genannten „Selbstverwirklichung“ dient, ist (so bitter das jetzt auch klingen mag) disponibel, nachgeordnet. Da ich meine abhängige Lohnarbeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht aufgeben kann – und, zumindest zu einem gewissen Anteil auch noch nicht aufgeben möchte, weil sie spannend ist – um meinen bekloppteren Ideen nachzugehen, werde ich wohl noch eine Weile Sklave der Notwendigkeiten sein. Wäre ich allein auf der Welt, sähe das tendenziell anders aus. Wie’s auch laufend wird – ich stelle fest, dass meine Energie langsam aber sicher zurückkehrt. Und mit Hummeln im Arsch kann es eigentlich nur besser werden. Vielleicht sogar gut. Denn, um noch einmal ein wahrhaftiges Bonmot zu Wort kommen zu lassen: „…wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!“ Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Countdown to Christmas #3

Hab ich übrigens mal erwähnt, dass ich Nerd bin? Also, so ein richtiger, Sci-Fi und Fantasy abfeiernder, Pen’n’Paper-Rollenspiel betreibender, manche abseitige Dinge des Lebens durchforschender Erz-Nerd und Alt-Gothic? Nun…, falls das bisher noch nicht erwähnt worden sein sollte (muhahahahaha…) – es ist einfach wahr! Und als solcher bin ich – selbstredend – natürlich auch Anime-Fan. Seit ca. 1990. Da war es noch sehr schwer, an diesen Stoff zu kommen. Ein paar Jahre später, als „Cowboy Bebop“ dann rauskam, war Anime schon zu einem weithin bekannten Phänomen geworden; und der Konsum dieser Cartoons, mit ihrer, streckenweise durchaus gewöhnungsbedürftigen Dramaturgie und Optik, nichts allzu ungewöhnliches mehr. Ich müsste vermutlich nicht erwähnen, dass der Anime „Cowboy Bebop“ hinter mir im Regal steht. Was viele andere Fans jetzt vermutlich verwundern wird, ist jedoch der Umstand, dass ICH über das frühzeitige Absetzen der Live-Action-Adaption auf Netflix enttäuscht und auch ein bisschen traurig bin.

Dass unterschiedliche Medien unterschiedliche Erzählstile fordern, habe ich an anderer Stelle schon mal ausgeführt. Dennoch möchte ich mich selbst an dieser Stelle zitieren: „An dieser Stelle ein kurzer Exkurs für all Jene, die sich immer wieder mit solchen Sätzen wie den Folgenden hervor tun: “Das Buch war viel besser als die Verfilmung!”, “So hatte ich mir meinen Lieblingscharakter überhaupt nicht vorgestellt!”, “Die haben die gute Geschichte ruiniert!”, “Das kam SO doch gar nicht im Buch vor!”, “DAS hätten die aber auch zeigen müssen!”. Kommen solche Bemerkungen bekannt vor? Nun das dürfte daran liegen, dass ein Buch und ein Film bzw. eine TV-Serie zwei vollkommen unterschiedliche Kunstformen sind, und auch dann nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben müssen, wenn sie die gleiche Geschichte behandeln. Beim Buch kann man sich die beschriebenen Orte, Personen und Sachverhalte in seinem Kopf so ausmalen, wie man Lust hat. Beim Film haben der Regisseur, Produzent, Setdesigner und die Schauspieler zusammen ihre Version der Geschichte entwickelt, um diese dann in Szene setzen und dem Zuschauer präsentieren zu können. Beide Vorgänge involvieren die Phantasie, nur dass beim Film die Phantasie Anderer in den Vordergrund tritt. Zumindest tut sie das vordergründig. Auch eine visuelle Erzählung kann allerdings die eigene Vorstellungskraft anregen. Man sollte also eine [neue] Verfilmung als eine andere Weise betrachten, wie die Grundgeschichte interpretiert werden kann. Dann kann man sich unnötig Atemluft verschwendendes Verfilmungsbashing schon von vorn herein sparen – zwei VERSCHIEDENE Kunstformen! Klar soweit…?“

Nun ist es so, dass eine Anime-Serie als Live-Action-Serie adaptiert wurde. Und man kann den Machern sicher so manches vorwerfen, aber sicherlich nicht, dass sie das Original nicht präzise studiert hätten. Und sie haben es zitiert. Aber eben nicht Wort für Wort. Denn dann wäre das Erlebnis sicherlich repititiv und redundant gewesen. Was ICH gesehen habe, war eine Adaption, die das Ur-Werk mit seinen unfassbar vielen eingebauten Gags, Schrullen, Anachronismen, und vor allem seiner, eher an die – uns oft fremd vorkommenden – kulturellen Gewohnheiten des fernöstlichen Publikums adaptierten Dramaturgie und Bildgestaltung sehr ernst nimmt; und dabei die Geschichte dennoch an einigen Stellen anders aufrollt. Man könnte einige der Action-Szenen als lahm charakterisieren. Man könnte sich darüber aufregen, dass Daniella Pineda als Faye Valentine nicht die ganze Zeit halb nackt rumrennt (oder aber, sich freuen, dass die Kostümdesignerin der völligen Objektifizierung des weiblichen Hauptcharakters einen Riegel vorgeschoben hat). Man könnte dieses und jenes am sonstigen Produktionsdesign bekritteln, und kommt trotzdem nicht zu dem Punkt, der viele andere eigentlich stört: man hat den Anime nicht eins zu eins verfilmt. Aber, wie verf***t langweilig wäre DAS denn gewesen? Was mich am meisten stört, ist allerdings, dass solche Produktionen heutzutage bereits lange vor dem Erscheinen totgeredet und totgeschrieben werden, weil viele Menschen offensichtlich mittlerweile glauben, irgendwelche „Kritiker“ könnten besser beurteilen, was MIR gefällt, und was nicht! Das sind auch nur Menschen – und die meisten davon sind Feuilletonisten, weil sie für etwas ernsthafteres oder wichtigeres nicht getaugt haben! ICH hätte mehr von dieser Adaption gefeiert!

Warum ich über sowas Belangloses im Countdown bis Weihnachten rede? Ganz einfach: weil ich von den „schweren“ Themen die Schnauze voll habe! Was gibt es denn zum Zustand unserer Welt und dem Fortgang der Pandemie noch großartig zu sagen, was Andere nicht schon gesagt hätten? Und noch dazu manche von denen sogar weit stärker, wortgewaltiger und treffender, als ich das je könnte. Wem Cowboy Bebop – egal, ob als Anime, oder als Live-Action – zu seicht, zu strange, zu bunt, zu wild, zu zahm, zu blöd oder zu sonstwas ist, sei Folgendes gesagt: es ist ein arschgeiler Ritt durch verschiedene Genres, der die üblichen Themen einer Heldenreise (Liebe, Eifersucht, Gier, Hass, Sucht, etc.) incl. Katharsis auf erfrischende Weise neu zitiert. Sci-Fi sei innovativer als Fantasy, haben irgendwelche Honks mal behauptet. Dem gehe ich die Tage auch noch nach. Einstweilen jedoch kann ich sagen, dass ICH anscheinend mal wieder eine vollkommen andere Show gesehen haben, als 90% der sogenannten „Kritiker“ da draußen. Dann bin ich ich halt doch das Kind, das irgendwie anders ist – der NERD eben. Macht nix. Ich werde den Rest des Tages damit zubringen, rauszufinden, ob das Boostern bei mir auch knallt. Denn Heiligabend muss ich fit sein. Peace! Out!

Auch als Podcast…

Schreiben ist Leben!

Um es gleich vorweg zu schicken: für mich ist mein Schreiben auch (aber nicht nur) ein Vermittlungs-Prozess zwischen meinem ES und meinem ÜBER-ICH. Für diejenigen, welche mit Freud nicht so vertraut sind: das ES, das sind unsere Triebe, unsere Instinkte, unsere irrationalen, nicht prämeditierten Bedürfnisse; vielleicht könnte man bei verschiedenen Gelegenheiten auch sagen: unsere niederen Dämonen. Das ÜBER-ICH hingegen ist jene Sicherungs-Instanz, welche durch die Sozialisation, Erziehung, Imitationslernen zu jenem moralinsauren, ewig rationalen, erhobenen Zeigefinger erwächst, der unseren niederen Dämonen den Spaß verderben möchte; oder anders formuliert: unser innerer Kerkermeister. In der Mitte zwischen den niederen Dämonen und ihrem Kerkermeister sitzt der ärmste Tropf von allen: unser ICH, also jener fluide Prozess der ewigen Gleichgewichts-Suche, den wir gerne als Persönlichkeit bezeichnen; und von der wir fälschlicherweise so gerne annehmen, sie sei stabil… Tja, dumm gelaufen. Die Sicht ist hier bewusst dramaturgisch verzerrt und ironisch überspitzt, denn ganz so einfach ist es nun doch nicht. Aber für den Zweck dieses Posts mag diese Beschreibung vorerst genügen…

Ich fing an, über diese Fragen nachzudenken, als ich mit der Lektüre des abgebildeten Buches begann (ich bin noch nicht fertig, ist ein ganz schöner Wälzer…). Die Autorin stellt, unter Berücksichtigung verschiedener Perspektiven, Schreiben als einen Akt dar, der einerseits in die kreative Sphäre eingebettet ist, andererseits aber auch der Verwertungs-Logik des Marktes unterworfen wird; sofern man denn überhaupt an den Markt geht. Meine diesbezüglichen Erfahrungen sind ambivalent. Einerseits ist es schön, von einem größeren Personenkreis als der eigenen Familie oder den nahen Freunden rezipiert zu werden. Andererseits macht man relativ schnell die Erfahrung, dass man in den anderen Menschen den Bewertungsreflex auslöst – und selbstverständlich ist es für dieses mühsam kultivierte Pflänzchen names „Selbstwertgefühl“ ein waschechtes Waterloo, wenn man dann die ersten (unvermeidlich) weniger schmeichelhaften Kritiken bekommt. Denn wie so vieles andere auch, sind die Meinungen über literarische Produkte Geschmackssache.

Es ist mir wichtig, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass ich die häufig angeführte Distinktion zwischen Hochkultur (und damit klassischer Literatur) und Populär-Kultur (und der damit assoziierten Trivila-Literatur) riesengroßen Käse finde. Nicht etwa, weil mir die Klassiker öde wären, sondern weil Kultur (wie schon so verdammt oft gesagt) ein fluider Prozess ist, ein dynamisches System, eine Verstetigung des Wandels, die damit im Kern ihres Seins jedweder ewig verehrenden Zurschaustellung von Kulturartefakten widersprechen müsste; aber wer bin ich schon… Ich ziehe es vor, jedwedes Kulturprodukt im Kontext seines Entstehungszeitraumes betrachten zu wollen. Damit entfällt auch ein nicht unerheblicher Teil dieser Wokeness-Debatten als unnötig, selbstreferentiell und arrogant. Wo „Kunstwerke“ zur Stigmatisierung oder Benachteiligung beitragen, müssen diese immer kritisch kommentiert werden. Aber dächte ich den Wokeness-Gedanken in seiner heutigen Darreichungsform konsequent zu Ende, dürfte es auch keine kritisch kommentierte Ausgabe von „Mein Kampf“ geben. Ich finde jedoch, dass man sich genau mit solchen Dingen bewusst auseinandersetzen sollte. Ich möchte hier an Adornos Diktum erinnern „[…] dass Auschwitz sich nicht wiederhole […]“

Ich bin weit davon entfernt, mein Schreiben als Kunst bezeichnen zu wollen, ganz sicher aber ist es ein komtemporäres Kulturartefakt. Das Publizieren in seiner Gesamtheit hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert. Manche Leute sprechen gerne von einer Demokratisierung des Literaturbetriebes, befeuert durch die wachsenden Möglichkeiten des Selfpublishings. Die Unabhängigkeit von der etablierten Verlagsbranche wird als Sieg über die Macht der Lektoren gefeiert. Ich sehe ehrlich gesagt eher eine Prekarisierung. Denn, wer Literatur verkaufen möchte (oder gar muss), um seine Existenz zu finanzieren, unterliegt plötzlich der oben bereits benannten Verwertungslogik und den (bei Bourdieu so treffend beschriebenen) Notwendigkeiten des Massengeschmackes. Und das vollkommen unabhängig davon, ob mit Verlagsvertrag, oder doch als Selbstverramscher bei einem kleinen Onlinekaufhaus mit Regenwaldnamen… Denn beim Selfpublishing mag zwar das unternehmerische Risiko überschaubar wirken – es liegt dennoch zu 100% beim Autor. Und nur die Wenigsten schaffen tatsächlich Margen, die sich lohnen. Mal davon abgesehen, dass die handwerkliche Qualität auf diesem Markt der literarischen Ich-AGs sehr inhomogen ist, und nicht selten im eher überschaubaren Rahmen bleibt.

Für mich ist es eine Mischung aus Hobby, Selbstverwirklichung, Storytelling-Übung und Ergotherapie, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ich bin kein leichtgläubiger Narr, der glaubt, dass ihm irgendwann die Verlage die Tür einrennen und alsbald danach Hollywood wegen der Filmrechte anklopft. Ich mache es zuerst, um wenigstens gelegentlich meinen inneren Kerkermeister austricksen zu können; und natürlich, weil ich irgendwann 2022 doch mal wieder was Eigenes veröffentlichen möchte, um herauszufinden, auf welchem Level ich denn nun tatsächlich stehe. Davor stehen aber noch einige andere Dinge an, die auf meiner Prioritäten-Liste höher angesiedelt sind. Wir werden sehen. Und wir lesen uns…

Auch als Podcast…

#zimbocompodcast

Die Gedanken treiben lassen…

In Anbetracht der gegenwärtigen Lage ist es Zeit, sich eines Zitates von Mark Twain zu erinnern: „Mensch: das einzige Lebewesen, das erröten kann. Es ist aber auch das einzige was Grund dazu hat.“ Ich werde der Angelegenheit hier nur einen Paragraphen widmen, weil alle Argumente ausgetauscht, alle notwendigen Diskussionen geführt und alle sinnigen Angebote gemacht sind: WER BIS JETZT AUS EIGENEM ANTRIEB, UND OHNE JEDE MEDIZINISCHE NOTWENDIGKEIT FÜR SICH ODER FAMILIENMITGLIEDER DIE IMPFUNG GEGEN COVID VERWEIGERT, IST EINE ASOZIALE ARSCHTROMPETE! Ende der Durchsage! Wenn sich irgendjemand dadurch beleidigt fühlt, darf er mich gerne blocken oder sonstwas. Geht mit den Zwiebeln spielen, Schwurbler. Euch braucht eh keiner! Nachdem das nun für mich ein für alle Mal geklärt wäre – now to something completely different…

Wir steuern, einmal mehr, vollkommen unverschuldet auf Weihnachten zu. Auch hier hat die Politik nichts getan: Spekulatius und Lebkuchen gab’s schon im September. Das ist ja fast noch kränker, als diese öffentlichen Besäufnisse namens „Weihnachtsmarkt“. Vom Sodbrennen wegen des Glühweins mal abgesehen, dieses Jahr auch aus anderen Gründen Schwachsinn, da hin zu gehen. Wenn ich in Stimmung kommen will, schmücke ich meine Bude, und trinke selbstgemachten Glühwein. Ist eh besser. Scheiß auf das Sodbrennen. Aber auch andernorts ist der Konsumwahn auf vollen Touren. Heute ist dieser nervtötende, seit Wochen angekündigte Black Friday und ich frage mich immer noch, was diese Scheiße soll? Kriegen die Leute denn nicht mit, dass die Einzelhändler über das dritte und vierte Quartal langsam die Preise anheben, damit es zu Thanksgiving dann aussieht wie ein Schnäppchen?

Ich las heute auf Zeit Online ein Interview mit Gerald Hüther, diesem nervtötenden Neurodingensbummens, der immer meint, zu allem seinen Senf dazugeben zu müssen, Er könnte ruhig mal bei Würstchen bleiben, aber dieses Mal hat er zumindest einen halbwegs soliden Punkt gemacht: Konsum ist psychologisch wie eine Sucht. Seine Begründung ist abgedroschen (bei ihm findet immer alles zwischen Nucleus Accumbens, Amygdala und mesolimbischem System statt), die Folgen sind jedoch in der Tat real: je mehr man hat, desto mehr will man! Zumindest gilt das für einen nicht unerheblichen Teil der Menschen. Und, wenn ich mich mal so in meinem Büro umschaue, dann gebe ich zu, dass ich auch nicht unschuldig bin. Ich rede mich ja immer damit raus, dass ich Neues ausprobiere, und vieles in meinem Home-Office sich mittlerweile um Content-Production dreht. Was bedeutet, dass ein gewisser Professionalitätsanspruch auch gegenüber meinen Werkzeugen besteht. Zumindest in der Theorie.

Ich bin kein Streamer oder Youtuber. Jedenfalls nicht im klassischen Sinne. „Let’s Play“ wäre bei meinen miserablen Reflexen vermutlich auch eher langweilig anzusehen. Ich produziere kommentierte Präsentationen und How-Tos für meinen Job, die Ausbildung von Rettungs- und Notfallsanitätern*innen. Ich blogge und gerne möchte ich auch wieder öfter podcasten. Ich habe zwei Argumente, die jedenfalls für mich alle anderen schlagen: Arbeitsergonomie und Wohlfühlen. Ich stehe einfach gerne an meinem überarbeiteten Tisch, um kreativ zu werden (natürlich sitze ich auch gerne dran, aber allein diese Wahl zu haben…). Nach meiner Wahrnehmung braucht es bestimmte Umgebungsparameter, um überhaupt kreativ werden zu können. Zum Wohlfühlen gehört dabei für mich die Ruhe. Diese Ruhe, wenn niemand einfach so in dein Büro gelatscht kommen kann. Unbezahlbar für meine Produktivität.

Und doch hadere ich natürlich mit meinem Konsum. Einerseits kann man sagen, ich habe die Binnenkonjunktur anheizen geholfen und somit zur Stabilisierung unserer Wirtschaft beigetragen. Andererseits habe ich meinen CO2-Footprint wieder angeheizt. Und bin selbst in die zuvor beschriebene Falle getappt. Und ich werde es nicht leugnen. Allerdings bin ich jetzt auch für den nächsten Lockdown und vermehrtes Home-Office gut gewappnet. Denn solange niemand eine Impfpflicht und einen echten Lockdown JETZT durchsetzt, wird der wieder verschleppt bis Ultimo und dauert dafür dann extra lange. Weil unsere Politiker immer noch meinen, in einer Pandemie müsse man auf die Umfragewerte, anstatt auf die Fakten achten. Was das bringt, hat die CDU (Gottseidank) gerade am eigenen Leib erfahren müssen.

Ganz ehrlich – ich bin noch nicht in Weihnachtsstimmung. Zum einen, weil der Stress nicht abreißt. Und zum anderen, weil mein Körper gerade nicht so möchte, wie ich. Ich gehe davon aus, dass er mir damit etwas sagen will – und bin dementsprechend mal zu Hause geblieben. Irgendwie kriegt man den Laden immer ans Laufen. Was Weihnachten betrifft: es kommt, wie es kommt. Gerne mit wenigen, ausgewählten (geimpften und getesteten) Familienmitgliedern und Freunden. Alles Andere findet sich, wenn es soweit ist. Ein bisschen Konsum muss dann doch noch sein, weil es einige wenige gibt, denen ich gerne etwas Schönes schenken möchte. Herr Hüther meinte hierzu, man schenkt ja doch nur, um sich selbst gut zu fühlen; um sich an den positiven Gefühlen der Beschenkten zu bedienen. Solange das ein Handel auf Gegenseitigkeit ist, der nicht vollkommen aus dem Ruder läuft, bin ich dabei, scheiß auf Herrn Hüther. In diesem Sinne – mittlerweile ist draußen Black Friday. Gehabt euch wohl.

Auch als Podcast…

#zimbocompodcast

Storytelling Reloaded…

So lange ich mich entsinnen kann, war Geschichtenerzählen ein wichtiger Teil meines Lebens. Als Knabe war ich enthusiastisch, aber nicht sonderlich gut darin. Als junger Adoleszenter war ich selbstüberzeugt, aber bestenfalls so lala. Mit der Zeit wurde es jedoch immer besser – und ich immer kritischer. Heutzutage kann ich zumindest eine Geschichte aus dem Stehgreif hinwerfen, und sie klingt üblicherweise sogar halbwegs plausibel. Das sind allerdings immer nur Snippets of Story, also quasi Appetithäppchen des Erzählens, oder Amuse-Gueule der Dichtkunst. Es ist eine vollkommen andere Hausnummer, einen Roman zu schreiben. Hab ich schon ausprobiert. Von den vielleicht zwei Dutzend angefangenen Manuskripten (eigentlich sind es ja Tastatuskripte, denn ich schreibe nur selten viel mit der Hand, weil meine Schrift grässlich ist!) haben es immerhin drei Romane und drei Bändchen mit Episodengeschichten in Druck und unter Menschen geschafft. Und die hatten immer was mit meiner sonstigen Profession zu tun, auch wenn es sich dabei um Werke der Fiktion handelte. Zudem habe ich sie zusammen mit einem anderen Autor verfasst…

Nun ringe ich mit mir und meinen Autoren-Instinkten. Denn der kleine Urlaub am Bodensee hat meine kreativen Kanäle freigeblasen; so sehr frei geblasen, dass das ursprüngliche Schriftstück nun seine zweite Überarbeitung hinter sich hat und jetzt ca. 13 Seiten mehr aufweist. Nicht übel für drei halbe Abende am Bildschirm. Hab im Urlaub ja auch noch was anderes zu tun. Aber so sehr ich auch den Wunsch verspüre, es fertig zu bringen (und dieses Buch hat jetzt aber auch gar nichts mit meinem Job zu tun, denn es ist ein Sci-Fi-Roman), hadere ich mit dem Gedanken, es zu veröffentlichen, wenn’s dann doch recht bald fertig werden sollte. Man malt sich in seinem Kämmerlein ja immer so komische Sachen aus: dass man mal ein Buch schreibt, das dann knallt, und richtig Kohle bringt. Man kann plötzlich vom Schreiben leben, dann kommt Hollywood wegen der Filmrechte, man macht einen auf J.K. Rowling und verbringt seinen Lebensabend auf einem eigenen Weingut in der Toskana. Träume sind Schäume, oder…?

Die Meersburg

Das setzt dann solche unguten Hätte-Hätte-Kaskaden im Kopf in Bewegung, die einen nirgendwo hin führen, denn in der Regel wird das Ergebnis (m)einer Veröffentlichung bei rund 90.000 Titeln pro Jahr vermutlich eher ernüchternd ausfallen. Drum bin ich dann auch so böse und denke mir „Den Scheiß will eh keiner lesen!“, dann tut’s nicht so weh, wenn das eben Gedachte hinterher wahr wird. Aber die Hoffnung! Wie war das doch gleich noch mit den Übeln, die aus Pandoras Büchse entfleucht und über die Menschen gekommen sind…? Sei’s drum, irgendwann muss ich diese Denke überwinden, und es einfach wagen. Also ein Buch veröffentlichen, dass ich ganz alleine geschrieben habe – und in dem (so gut wie) nix über den Rettungsdienst steht. Denn ein paar kleine Seitenhiebe auf den Sparwahn im Gesundheitswesen konnte ich mir auch im Genre Science-Fiction echt nicht verkneifen. Allerdings wird es wohl noch bis nächstes Jahr dauern, denn der November und Dezember werden arbeitstechnisch noch mal heftig. Da habe ich vermutlich kaum bis keine Zeit für meine aufwendigeren Hobbies.

Staatsweingut Meersburg

Womit eines der großen Dilemmata unserer Zeit angesprochen wäre: Arbeitsverdichtung, Stress, Anforderungen vs. Selbstbestimmung, Selbstenfaltung, Sinn. Manchmal kriege ich die vielen Kontrahenten unter einen Hut, im Moment jedoch gerade mal wieder nicht; einer der Gründe, warum ich (wie schon erwähnt, mit dem Segen meiner besten Ehefrau von allen) eine kurze Flucht angetreten habe. Eigentlich hatte ich nur Wandern, Knipsen, Lesen und Chillen im Hinterkopf, als ich mir die Location ausgesucht habe. Doch das Buch „Plot and Structure“ von James Scott Bell, welches neulich schon mal hier Erwähnung fand, hat mir so richtig Lust gemacht, es anzugehen. Nachdem das Manuskript fast zwei Jahre unbearbeitet und ungesehen auf dem Massenspeicher meines Desktops vor sich hin gesintert hatte, brauchte es Überwindung und einen Anstoß, damit fortzufahren. Und die Anstrengung hat sich aus meiner Sicht gelohnt. Selbst wenn Andere hinterher sagen, dass es ihnen nicht gefällt – in erster Linie werde ich es zu Ende bringen, um mir zu beweisen, dass ich auch noch was anderes kann, als im Lehrsaal den Hemden-Ständer spielen…

Blick auf die Unterstadt

Ich mag meinen Job. Und ich nehme die Herausforderungen, die er mit sich bringt immer wieder gerne an. Ebenso gerne habe ich aber auch Wochenden oder Urlaube, um mal, mehr oder weniger ungehindert mein eigenes Ding machen zu können. Mal davon abgesehen, dass ich die Gemeinsamkeiten zwischen meinen Hobbies Storytelling / Pen’n’Paper-RPG und meiner pädagogischen Arbeit schon bei mehr als einer Gelegenheit herausgearbeitet habe. Womit ich zumindest die Gelegenheit bekomme, beim Storytelling in Übung zu bleiben. Nichtsdestotrotz fiebere ich schon jetzt, da ich noch am schönen Bodensee weile, schon dem Weihnachtsurlaub entgegen. Einige Stunden davon werde ich nämlich sicher in meiner Kammer sitzen, und an einem Buch schreiben. Seid jedoch versichert, bis dahin lesen wir uns noch öfter. Das hier sind schließlich keine Romane. Ich wünsche übrigens allseits abgefahrene Allerseelen – „All Hallows Eve“ á la americaine kann mir gestohlen bleiben. Gute Nacht…

Zwischenruf N°1

Um’s kurz zu machen: Thea Dorn ist KEINE Philosophin. Die Frau ist Krimi-Autorin, Moderatorin und ziemlich unpassender Weise von sich selbst überzeugt. An dieser Stelle sei betont: Richard David Precht ist auch kein Philosoph! Er ist ein ganz ordentlicher Speaker und geschmeidig lesbarer Autor populärwissenschaftlicher Titel; aber zum Format eines Habermas oder Luhmann fehlen ihm dann doch ein paar Meilen. Schwamm drüber. Wenn man sich aber, wie Frau Dorn, zu solchen Aussagen versteigt, wie in dem hier lesbaren Meme, muss man zur Einordnung einfach mal kurz wissen: DIESE FRAU IST UNWICHTIG! Ich würde mich total freuen, wenn wir endlich, nach einem Jahr, mit einem gesamtgesellschaftlichen Dialog darüber begännen, wie wir mit dem Rest des Lebens in, um und nach der Pandemie umzugehen gedenken. Der zitierte Imperativ: „Hauptsache gesund und lang sei das Leben.“ ist nämlich – hätte Frau Dorn das nur mal zu Ende gedacht – nichts weiter als eine Facette des kategorischen Imperativ, auf dem unsere gesamte Rechtsphilosophie fußt… und noch einiges mehr.

Was mich daran ärgert, ist nicht die Aussage an sich. Was mich daran ärgert ist, dass man Menschen in irgendwelche Studios lädt, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, dafür aber viel Meinung. So wie Frau Dorn. Natürlich ist das redaktionelles Kalkül. Wenn ich mir ein paar hübsche Dogmatiker in die Show hole, passiert wenigstens verbal was und die Leute erkennen die Insignifikanz des Formates nicht schon nach den ersten drei Minuten. Wenigstens in der Theorie. Man könnte argumentieren, dass den Dialog (oder auch mal den Streit) über kontroverse Themen anzuheizen eine Kern-Aufgabe öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei. Stimmt auch. Nur werden hier keine gesellschaftlichen Diskurse abgebildet (sofern denn überhaupt welche stattfinden), sondern medienwirksame Säue durch’s Dorf getrieben, so dass jeder mal seine fünf Minuten zum Aufregen hat. Wahnsinn, ich hol mir mal Popcorn…

Jetzt mal im Ernst: haben wir nix besseres zu tun, als Geld, Strom, Arbeitszeit, Schminke und erwärmte Luft zu verschwenden, damit ein paar Möchtegern-Feuilletonisten ihren Scheiß in unsere Wohnzimmer projizieren können? Vermutlich schon, dass will nur keiner sehen. Es wäre einfach ehrlich, wenn man das ganze nicht als Talkrunde mit gewissem Anspruch laufen ließe, sondern als das, was es eigentlich ist – verbalen Gladiatorenkampf. Dann dürften die Gäste auch mal mit Teilen der Einrichtung werfen, das ganze hätte also im Wortsinn Schmiss und die Zuschauer bekämen, wofür sie – wenn sie ehrlich wären – wirklich einschalten: geistlose Unterhaltung durch leidlich bekannte Mitmenschoiden. Schönen Sonntag.

Unvollendeter Sommer…

Das Herz ist mir schwer, die Feder jedoch leicht, 
im Wissen dass mancher Traum bleibt unerreicht.
Ich wünschte mir manchmal, nur wenig zu wissen,
dann müsste ich nicht die Leichtigkeit missen.

Die Freiheit, die einst meinen Geist beflügelt;
von den Eisen des Lebens nun flach gebügelt.
Doch ganz gleich wer, wie, wohin und auch warum?
Wenigstens macht all dies Sinnen mich nicht stumm!
So bleibt mir die Hoffnung auf waches Denken,
auf neue Chancen das eigene Schicksal zu lenken.
zu geben, zu leben, zu lieben, zu lehren.
Diesen Dingen werd ich niemals den Rücken kehren!

Klingt dir nicht nach Vergnügen, dafür nach Bürde?
Nimm's einfach als Prüfung und trag es mit Würde!
Aber nehmen würde ich, wenn's den Anderen denn recht,
auch ein kleines Stück Glück mir - das fänd ich gerecht.

Denn für Glück, ihr Menschen, da braucht es nicht viel.
einen lauschigen Ort, gute Freunde, Zeit für ein Spiel,
Speis, Trank und Staunen, vielleicht etwas Sonne,
doch auch Zeit zur Einkehr befördert manchmal die Wonne.

Auch wenn die Verse für andere Ohren gedrechselt klingen mögen, sind sie, zumindest für mich um nichts weniger wahr. Ich wünsche euch daher ein schönes Wochenende.