Gleich vorneweg: einen Roman schreiben, einen Essay schreiben, einen Blogpost schreiben und ein TTRPG-Abenteuer schreiben, sind vier vollkommen unterschiedliche Dinge. Das eine sucht nach Antworten auf eine spezifische Frage, oder versucht, dem Leser dabei behilflich zu sein, für sich selbst die richtige Frage (oder Antwort) zu finden. Und bedient sich dafür einer logischen Struktur, die (hoffentlich) für Dritte nachvollziehbar ist. Unterhaltsamkeit mag hier ein Bestandteil sein – muss aber nicht unbedingt; das ist der Essay (“essayer” aus dem Französischen für “versuchen” mag einen Hinweis auf den Zweck solcher Texte geben.). Der Blogpost hingegen ist ein freies Medium: er kann ein Essay sein, ein Rant, ein Listicle, eine Selbstreflexion… oder wasauchimmer. Meine Schreibe hier zeigt das, wie ich glaube, recht anschaulich. Alles von den vorgenannten kam hier schon mal vor. Ich kennzeichne das auch nicht. Leser sollen das ruhig selbst herausfinden. Ein TTRPG-Abenteuer ist, so wie die meisten Blogposts eine eher kurze Textform. Zumindest, so wie ich das betreibe. Ich beschreibe in aller Regel “nur” wichtige Non-Player-Characters (NPCs), wichtige Locations, wichtige Gegenstände. Im heutigen Mainstream wird NPC gerne als negativ konnotierte Bezeichnung für Nebendarsteller im Leben des Protagonisten genutzt – der Protagonist ist man natürlich immer selbst! In meiner Wahrnehmung sind NPCs jedoch eigenständige Persönlichkeiten mit Zielen, Motivationen, No-Gos, Gefühlen… halt wie richtige Personen. Ähnliches gilt auch für die anderen u.U. wichtigen Bestandteile des Abenteuers. Denn im Pen’n’Paper entsteht die Geschichte durch die – oftmals unvorhersehbare – Art und Weise, in der die Spielercharaktere mit dieser Welt und den eben genannten Elementen darin interagieren. Ich kann ein und das gleiche Abenteuer mit drei verschiedenen Gruppen spielen und es wird drei Mal unterschiedlich ablaufen und ausgehen. Was aber bedeutet, dass ich mir über die Story vorher weniger Gedanken machen muss. Ich habe vielleicht eine vage Idee, wohin der Zug fahren KÖNNTE. Die muss aber nicht eintreffen. Der Roman hingegen ist hinsichtlich der Frage nach einer erzählten Geschichte ein GANZ ANDERES BIEST. Denn ich muss – durch die Augen eines Erzählers all das, was für den Verlauf wichtig ist greifbar machen. Und das am Besten auf eine Weise, die für die Leser*innen – kognitiv, vor allem aber auch emotional – nachvollziehbar bleibt…

Um diesen Prozess des Roman-Schreibens soll es hier in der Hauptsache gehen. Nun gibt es da draußen schon eine Menge YouTube-Kanäle, Blogs, etc., die ihr Geld damit verdienen, Menschen erklären zu wollen, wie man einen möglichst erfolgreichen Roman schreibt – oder auch mehrere. Content-Creator, die realistisch betrachtet versuchen, ambitionierten Hobby-Autoren eine (ihre) “Hit-Formel” aufzuoktroyieren; die jedoch zumeist lediglich eines schafft – Einheitsbrei! Denn, wann immer ein “junger” Autor (das Adjektiv bezieht sich hier bewusst auf die Dauer der Autoren-Karriere, nicht das Lebensalter der Person dahinter) anfängt, von einer ersten Veröffentlichung zu träumen, wird er/sie auch recherchieren, was andere vor ihm/ihr getan haben, um dieses hehre Ziel zu erreichen – vom Schreiben leben zu können! Ich träume davon auch – gelegentlich und nur sehr verhalten. Weil ich weiß, dass selbst die größten und bekanntesten Romanciers oft von Glück und Zeitgeist abhängig waren. Erst, wenn der eigene Name eine Marke geworden ist, verkaufen sich die Bücher dauerhaft gut. Und an diesen Punkt kommt so gut wie keiner von denen, die es versuchen! SO GUT WIE KEINER! Egal, wie viele Ratgeber-Videos sie sich anschauen mögen. Denn der Content wird heutzutage von den Lektoren nach Verkaufbarkeit durch Massengeschmack kuratiert. Deshalb wird das hier auch keine Ratgeberreihe. Sondern ein nachdenklicher Blick auf Prozesse. Auf Kreativität und Textarbeit. Auf Vorbereitung und Improvisation. Auf Mut und Angst. Auf Flow und Blockade. Auf Inspiration und Resilienz. Denn auch, wenn viele sich zum Schreiben berufen fühlen mögen, reflektieren die Wenigsten wirklich das WARUM. Aber das WARUM steht am Anfang jedes Textes! Ich setzte mich heute Vormittag an diese Tastatur und begann diesen Text zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich gebe einen Einblick in meine Erfahrungen, Ideen, Quellen. Jedoch nicht mit dem Anspruch, das irgendjemand das wichtig oder nachahmenswert finden muss. Mir genügt das Wissen, dass irgendjemand es nützlich finden KÖNNTE. Denn ich WEISS mit Gewissheit um den Wert meiner Worte. Aber oft – und dieses Geständnis bereue ich nicht – weiß ich bei den ersten Tastenhüben noch nicht, wohin mich der Text tragen wird. Denn ich denke ebenso gerne mit der Tastatur, wie mit dem Stift. Ich ergründe meine eigenen Emotionen und Kognitionen, während die Worte schon auf den Bildschirm oder die Notizbuchseite fließen. Was sich gut anfühlt – weil das WARUM klar ist.
Wenn ich also einen Roman zu schreiben beginne, dann gibt es einen Grund, warum DIESE Geschichte erzählt werden will. Das ist MEIN WARUM. Ob dieses Warum irgendjemanden berührt, oder nicht, ist zunächst völlig einerlei. Natürlich bin ich nicht frei von dem Wunsch, dass auch Andere meine Texte gut finden mögen; so viel Eitelkeit muss dann schon sein. Aber sehr oft genügt mir die Befriedigung, mir etwas von der Seele, von der Brust, aus dem Kopf geschrieben zu haben, einfach, weil es an der Zeit dazu war. Und das Gute daran ist, dass ich mir damit reichlich Übung verschaffe, denn beim Schreiben ist es so – man wird nur besser darin, wenn man es dauernd tut. Ich schaffe pro Jahr einige Hundert Seiten Text in unterschiedlichsten Genres – gewiss nicht so viel, wie professionelle Autoren, die damit tatsächlich ihr Geld verdienen. Aber ich schaffe diese paar Hundert Seiten (manchmal auch mehr) seit JAHRZEHNTEN. Will heißen – ich habe meine 10.000h bis zur Skill-Perfection zumindest theoretisch schon lange zusammen. Doch beim Schreiben gilt man – wie bei so vielen anderen Dingen auch – fälschlicherweise nur dann als Meister, wenn man einen gewissen Grad an Bekanntheit erlangt hat; oder damit Kohle verdient. Das ist mir aber wirklich und ehrlich einerlei. Ich möchte Menschen durch meine Texte kognitiv und emotional berühren; und es ist mir ziemlich Wumpe, ob es viele oder wenige sind, die ich so erreiche. Solange ich irgendjemandem etwas Gutes mitgeben konnte, habe ich mehr geschaffen, als viele Andere in ihrem ganzen verdammten Leben! Und ich WEISS, dass meine Schreibe schon den einen oder anderen Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, vielleicht auch zum Weinen gebracht hat. [EXKURS: Ich weiß übrigens auch, dass es Menschen gibt, die meine – auch verbal verfügbare – Wortgewalt fürchten, weil sie sich in ihrer Autorität bedroht fühlen. Denen kann ich nur sagen: hört mir einfach zu, denkt WIRKLICH über meine Worte nach und versteht, dass ich niemandem was Böses will. Ich will einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen! EXKURS ENDE] Ob die Feder wirklich mächtiger ist als das Schwert, wird wohl die Geschichte entscheiden müssen. Aber wenn es nach mir ginge, so brächte meine Feder vielleicht den einen oder anderen dazu, das Schwert niederzulegen und etwas vernünftigeres mit seiner Zeit anzufangen. Mich würde es jedenfalls freuen. Vielleicht würde so jemand anfangen, nach seinem WARUM zu suchen…? Wir hören uns.










