Wechselbäder

Ich wünschte, mir wäre humorig zumute, doch dies ist nicht der Fall. Ich versuche ja immer, meine eigenen kleinen Verstimmungen auf die leichte Schulter zu nehmen; funktioniert mal so, mal so. Aber im Mittel läuft in meinem Leben eigentlich alles geschmeidig. Eigentlich… Wenn ich jedoch im Moment an meine Kinder denke, könnte ich die glatte Wand hochgehen. Die eine ist dauernd bockig, weil sie – eben in die Grundschule gekommen – ernsthaft glaubt, dass Mama und Papa keine Autoritäten mehr sind. Wobei “mehr” da eher so eine Floskel im Satz ist. Eigentlich hat sie das nämlich noch nie so recht akzeptieren können. Aber im Moment ist so richtig Bambule. Und ihre große Schwester? Die hat Stimmungsschwankungen, die selbst mich als Depressionserfahrenen ratlos zurück lassen.

Um an dieser Stelle eines vorweg zu nehmen: ich brauche und will keine Erziehungs-Ratschläge. Die Besten bekommt man ja üblicherweise von Leuten, die keine Kinder haben. Und die dürfen jetzt alle – mit Verlaub – bitte die Fresse halten, weil sie einfach NULL Ahnung haben.

Morgens ist man also der Papa, der genauso lieb gehabt wird, wie er ist… und Abends, wenn man die Härte des Lebens (vulgo Hausaufgaben) durchsetzen muss, ist man das böse Arschloch. Was man da vorgeworfen bekommt, spottet der Beschreibung und manchmal auch der Realität. Zumindest meiner. Aber wie war das noch mal mit dem 3. Axiom nach Watzlawick: der Empfänger macht die Botschaft? Und was sie denkt und fühlt, ist halt IHRE Realität. Wir haben hier also offensichtlich ein Missverständnis am laufen und es gibt keine Möglichkeit, dieses aufzulösen. Ganz gleich, welche – für mich durchaus emotional nachvollziehbaren – Argumente und (Zu)Geständnisse ich nutze; es bringt einfach nichts, denn das Kind will mich hassen. Bis es dass nächste Mal kommt, weil es kuscheln möchte.

Da stehe, sitze, liege ich nun und weiß irgendwie nicht recht weiter. Ist das quasi der normale Beginn dieses Eltern-Kind-Wahnsinns, den man gemeinhin als Pubertät bezeichnet? Eigentlich ist sie dafür noch zu jung, aber was weiß ich schon darüber. Ich hatte zwar selber mal eine, aber die ist verdammt lang her. So knapp 30 Jahre. War ich da auch so? Keine Ahnung, vermutlich schon. Meine Mutter kann ich zwar fragen, aber das Gehirn neigt ja dazu, die Vergangenheit zu verklären; positives Selbstbild und so. Also bleibt die Erkenntnisausbeute dabei eher dürftig. Ratgeber-Bücher lesen? Um Gottes Willen, never ever. Da lande ich womöglich bei irgend so einem Skandinavier, der die Kindheit als Heiligtum verklärt, um dann bei der feierlichen Deklamation der kindlichen Menschenrechte geflissentlich zu vergessen, dass es unsere Aufgabe als Eltern ist, Grenzen zu setzen, damit sich die Blagen nicht aus Versehen töten.

Wir haben uns für unsere Kinder bewusst entschieden. Und ich stehe immer noch dazu, weil ich denke, dass wir durch sie etwas Positives in die Welt zurückgeben können. Wenn die sich nicht gerade so aufführen, wie eben jetzt. Ich mache kein Yoga und diesem ganzen Achtsamkeits-Wahn stehe ich eher reserviert gegenüber. Also atme ich bei solchen Gelegenheiten wie vorhin tief durch die Hose und versuche mich daran zu erinnern, dass ich eigentlich an Güte und Gerechtigkeit glaube. Fällt mir momentan zwar schwer, aber es hilft, wenn man es mit ein wenig physischem Abstand kombiniert und der Angelegenheit ein Weilchen zum Abkühlen gibt. Funktioniert ja auch bei Gussstahl.

Gott hat Humor – nicht weil er, wie Hagen Rether mal bemerkte, die Meerschweinchen gemacht hat – sondern weil er etwas, dass am Anfang so süß und Unschuldig daher kommt, wie ein Baby, mit einem Nukleus der Boshaftigkeit versehen hat, der sich immer bei Reibung entzündet. In meinem Geiste sitzt ER an einer Art himmlischem Fernseher und lacht sich gerade scheckig über meine nur langsam verrauchende Wut. Drauf geschissen. Mein Kind bleibt mein Kind auch wenn sie mich gerade mal wieder hasst. Wenigstens noch für eine Weile kommt sie ja irgendwann wieder kuscheln. Wenn’s damit allerdings auch vorbei ist, ziehe ich vielleicht lieber für zwei, drei Jahre ganz in mein Arbeitszimmer, damit ICH niemanden töte. Schönen Abend noch.

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Postmoderne Gedanken N°2 – Partikula…was?

Es gab mal eine Zeit, die ist noch gar nicht so lange her, da war die Welt einfach. Es gab zwei Machtblöcke: die Kommis und die Kappis. Die hatten Bomben und Panzer und was weiß ich nicht alles und standen sich gegenüber. Unversöhnlich! Feinde für immer, weil der Dogmatismus das so wollte. Man könnte es, euphemistisch, als weltanschauliche Differenzen beschreiben, oder man sagt einfach, wie es war: Zwei Gruppen von Idioten, die mit der Ideologie des jeweils anderen nichts anfangen konnten, hätten dafür bei erster sich bietender Gelegenheit die Welt gesprengt. Das Potential dazu hätten sie auf dem Höhepunkt des kalten Krieges in ca. 71-facher Ausführung gehabt.

Man kann Gott oder irgendeinem anderen mythologischen Prinzip danken, dass es bis heute nicht dazu gekommen ist. Weltanschauliche Differenzen gibt es allerdings immer noch zuhauf. Oder, besser gesagt: es gibt heute davon mehr denn je. In der eben von mir beschriebenen Zeit, die laut Geschichtsbüchern mit dem Mauerfall 1989 und dem damit einhergehenden Zerfall der UdSSR zum 25.12.1991 endgültig endete, war das nicht so. Die größte Differenz zwischen den beiden Machtblöcken war stets der Umstand gewesen, dass in den Staaten des Westens über weite Strecken der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinweg eine Demokratisierung stattfand, die erst mit dem Beginn der neoliberalen Ära unter Reagan und Thatcher den Anfang ihres Endes fand.

Mit dem Zerfall des Ostblocks jedoch kamen das alte Blockdenken und damit eine komplette Weltordnung zu ihrem Ende. Als Jugendlicher erlebte ich 1989/90 die Wende intensiv mit (wir waren ’90 auf Klassenfahrt nach Berlin mit Boxenstop in der thüringischen Provinz), ohne dass mir damals bewusst wurde, wie unfassbar das Ganze wirklich war. Erst viel später begriff ich, dass das Ende des Ostblocks für die Nationen Europas und ihrer Bewohner gleichzeitig auch das Ende aller Gewissheit war. Vorher gab es – zumindest subjektiv – ein geregeltes Welt- und Feindbild. Danach gab es nur noch die Notwendigkeit, eine eigene Haltung finden zu müssen. Und das hat nicht immer so gut geklappt…

Das ist natürlich nur eine Seite der Medaille. Jener Prozess, der uns alle als Individuen unserer Orientierung beraubt hat und den Ulrich Beck – nicht ganz untreffend, aber auch nicht annähernd umfassend korrekt – in seiner “Risikogesellschaft” beschrieb, begann letzten Endes schon mit der Aufklärung und den ihr folgenden politischen Umwälzungen: die französische Revolution und ihre Kinder, Kriege in Europa, eine neue Ordnung der alten Welt, etc. Er kulminierte nun erneut mit dem abermaligen Zerfall einer, als unumstößlich betrachteten, Weltordnung.

Wenn man so will, war der Beginn der Moderne, der für die westlichen Nationen durch die Aufklärung in Europa markiert ist, auch der Beginn der Individualisierung und Partikularisierung unserer Gesellschaften. Wenn man einmal wirklich darüber nachdenkt, ist die politische Aufteilung einer Gesellschaft in drei, oder gar nur zwei politische Großlager (vulgo: Volksparteien) von Anfang an hanebüchener Quatsch. Denn sie bildet die gesellschaftlichen Realitäten nicht ansatzweise ab! Wer einen kurzen Blick in die soziologische Milieuforschung riskiert, dem fällt auf, dass dort bis zu 10 solcher unterschiedlicher Lebensstile differenziert werden, die selbstverständlich auch mit unterschiedlichen politischen Grundhaltungen einher gehen. Sieht man sich die dazu gehörenden Beschreibungen einmal genauer an, wird einem rasch klar, warum die “Volksparteien” ihre Bindungskraft verloren haben: es gibt Alternativen.

Genau das zeichnet das Wahlergebnis in Thüringen vom gestrigen Abend nach. Es gibt da für mich keine Verwunderung. Allerhöchstens darüber, dass viele Andere so verwundert sind. Denn vom sozialwissenschaftlichen Standpunkt aus ist das Ergebnis ebenso verständlich wie vorhersehbar. Aber darüber will ich hier gar nicht reden.

Achten Sie auf die Farben…

Mich interessiert die Partikularisierung unserer Gesellschaft; und dabei vor allem, wie wir diese wahrnehmen. Dem geneigten Leser wird nicht entgangen sein, dass die Färbung des Tortendiagramms nicht der üblichen politischen Farbenlehre entspricht. Und was wäre, wenn genau das der Fall wäre? Wenn Menschen nicht nach bewusster parteipolitischer Präferenz entscheiden, sondern nach Gefühl? Nach Einzelpersonen, die eben sympathisch oder unsympathisch sind? Politiker neigen immer dazu, Erfolg für sich zu reklamieren und Niederlagen auf das Team zu schieben. Aber ich bin mir sicher , von den 31% Wählern, welche sich gestern für die Linke entschieden haben, gaben die wenigsten Bodo Ramelow, oder der Arbeit der Rot-Rot-Grünen Koalition ihre Stimme. Die allermeisten entschieden sich für den Kandidaten vor Ort, der Ihnen am besten in den Kram passte; ohne Ansehen der Landes- oder Bundespolitischen Auswirkungen.

Weil Partikularisierung der Gesellschaft eben auch ein Zurückgeworfen-Sein des Individuums auf sich selbst in seiner unmittelbaren Lebensrealität bedeutet; und damit auch eine Individualisierung und Entsolidarisierung der jeweiligen Interessen einhergeht. Wenn es in meinem Dorf gerade nicht so gut läuft, ist es mir doch Wumpe, ob die Zahlen im Land stimmen, denn es ist meine Hood, die gerade den Bach runtergeht, weil keine Sau sich für den Thüringer Wald interessiert – außer man geht gerne Wandern. Das ist natürlich nur ein Beispiel und lässt sich in anderen Regionen Deutschlands beinahe 100% analog durchdeklinieren. Volksparteien sind deshalb keine Volksparteien mehr, weil es das eine Volk sowieso nie gab und heute eben Alternativen zu CDU/CSU und SPD existieren, die als randständig zu bezeichnen, wie Matthias Dell heute morgen auf Zeit online korrekt bemerkte, an der Lebensrealität voll vorbei geht.

Doch was hat das mit der Postmoderne zu tun? Ganz einfach: So wie die Moderne, wie im ersten Beitrag dieser Reihe ausgeführt ein uneingelöstes Versprechen geblieben ist, so ist auch die parlamentarische Demokratie viele Lösungen schuldig geblieben, die zu liefern sie angetreten war. Der öffentlich dokumentierte Verfall der ehemaligen Volksparteien ist somit ein Zeichen gesellschaftlichen Wandels, das ernst genommen werden muss; und zwar gerade nicht, indem man sich auf alte Werte zurück besinnt und wieder Politik wie in den 50ern macht, sondern die aktuellen Fragen wieder in einer Tiefe und Sinnhaftigkeit diskutiert, die tatsächlich Sachlösungen zulässt, anstatt jede Woche eine neue Sau durchs mediale Dorf zu treiben. Das wäre für eine Weile eine Zumutung sowohl für die Bürgerinnen und Bürger, als auch für die Politiker. Doch es ist eine Notwendigkeit, denn im Moment verwechseln die allermeisten Politiker Gestaltungsanspruch und Machtanspruch in unzulässiger Weise miteinander. Doch über das Thema reden wir ein anderes Mal. Der nächste Beitrag befasst sich mit der Frage nach der Legitimität von Private-Public-Partnerships. Bis dahin eine gute Zeit.

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Postmoderne Gedanken N°1 – Was ist modern?

Unsere Zeiten sind schon schwierig. Strukturkrisen in der Wirtschaft. Klimawandel. Faschisten allenthalben. Und zwischendrin wir Menschen. Nicht wenige von uns sehnen sich nach der “Guten alten Zeit”; einem Sehnsuchtsort, der in etwa aussieht wie… ja wie sieht denn dieser Ort aus? So wie die 50er und 60er? Mit ihrem Alt- Nazis in jeder Verwaltung, mangelhaften Frauenrechten und fragwürdiger Mode – aber keinen Fragen, weil sich alle wieder Schweinebraten leisten können? Wie die 70er mit ihren Protesten, dem Terrorismus und noch fragwürdigerer Mode? Oder etwa wie die 80er, als sich alle im subjektiven Wohlstand eingeigelt hatten, während die aufkommenden Reaganomics anderorts bereits den neoliberalen Niedergang der (angeblichen) Post-WK II.-Blütezeit einläuteten? (Und das bei teilweise wirklich allerfragwürdigster Mode…)

Sicher hat jeder ein etwas anderes Bild von diesem Ort, der höchstens jenseits von Raum und Zeit jemals existieren konnte, im Kopf. Und es ist auch hoch wahrscheinlich, dass dieses Bild von Kindheitserinnerungen durchdrungen ist, die bekanntermaßen nicht allzu präzise sind. Das macht diese nicht weniger wertvoll. Nur sind sie als Basis eines Verlangens nach gesellschaftlichem Wandel eine eher dürftige Angelegenheit. Einigen wir uns also darauf, dass diese “Gute alte Zeit” so, wie wir sie annehmen, wenn überhaupt jemals, so nur in unserer Phantasie existiert hat. Was uns nun leider ratlos im Hier und Jetzt zurücklässt. In den modernen Zeiten. [An dieser Stelle ist aus meiner Sicht ein kleiner Hinweis auf den Film “Modern Times” von und mit Charles Chaplin von 1936 angezeigt…]

Die “Moderne” war damals und ist es noch heute, ein hoch diskussionswürdiger Begriff, denn die Grundlagen, die sie geschaffen hat, wie etwa die Trennung von Kirche und Staat, die Aufklärung, technischen Fortschritt und schließlich das Entstehen moderner, rechtsstaatlich-demokratischer Staatswesen werden heute dadurch konterkariert, dass die Macht, die in der Demokratie ja angeblich vom Volke ausgehen soll, wohl eher in den Händen jener liegt, welche die wirtschaftlichen Strippen ziehen. Diese Zusammenhänge sind ja nicht neu; andernfalls hätte es Denker wie Karl Marx und Friedrich Engels, sowie etliche, sich auf deren Werke beziehende, politische Umwälzungen des 20. Jahrhunderts niemals gegeben. Und nicht umsonst gab es dann in den 80ern wieder Dystopien zu lesen, in denen Mega-Konzerne die faktische Weltherrschaft übernommen hatten und die einfachen Menschen zusehen durften, wie sie zurecht kommen. Lest mal William Gibsons Neuromancer-Trilogie. Ätzende Gesellschaftskritik im Science-Fiction-Gewand.

Die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen 30 Jahren nochmals verschärft. Die Globalisierung (in diesem Zusammenhang als Globalisierung des Kapitals zu verstehen, nicht etwa als eine Bewegung, welche Menschen aus aller Welt einander näher bringt) hat die Möglichkeiten geschaffen, Dystopien wie bei Gibson wahr werden zu lassen. Und auch, wenn wir noch nicht ganz so weit sind, zeigen sich doch bereits beunruhigende Tendenzen in diese Richtung; nur ohne Cyborgs… Colin Crouch z.B. zeigt in seinen Büchern zum Begriff “Postdemokratie” einen weitgehenden Rückbau des Staates zugunsten privatwirtschaftlicher, am Markt orientierter Strukturen auf. Nun werden die ganzen “Leistungsträger” und Kapitalistenunken wieder rufen, dass der Markt es auf lange Sicht schon regeln wird. Wie wahrscheinlich der Eintritt dieser Behauptung ist, kann man am deutschen Gesundheitswesen beobachten, dass seit Ende der 90er dereguliert wurde und jetzt – mit Verlaub – vollkommen im Arsch ist.

Und immer noch stehen die Menschen – und ich natürlich mit ihnen – im Hier und Jetzt und fragen sich, wie es weitergehen soll, bzw. welche Fragen die richtigen sind. Denn nicht einmal darüber herrscht Konsens. Die Welt ist – auch, wenn das wie eine Binsenweisheit klingt – tatsächlich so unüberschaubar geworden, so multioptional und divers und komplex, dass wir uns davon überfordert, geängstigt und gehetzt fühlen. Nicht ganz zu Unrecht. Und nun… nun klammern wir uns an jene, die uns versprechen, die “Gute alte Zeit”, diese Illusion aus 1001 kindlichen Nacht zurückzuholen. Und wir folgen denen, wie die Ratten dem Mann mit der Pfeife

Was ist also modern? Oder besser, die Moderne? Sie ist ein gedankliches Konstrukt, losgelöst von Raum und Zeit. Einst war sie ein Versprechen. Das Versprechen, dass es allen Menschen irgendwann gut gehen würde, dass alle Probleme gelöst und die Leiden der Welt beendet werden würden. Selbstverständlich wurde dieses Versprechen nie eingelöst, denn die Moderne ist keine göttliche Kraft, sondern lediglich eine von Menschen gemachte Idee. Und wie das mit dem Menschen so ist…; jeder macht Seins. Worte wie Solidarität, Gemeinwohl, Teilhabe genießen in einer Gesellschaft, deren Teilnehmer durch und durch auf sich selbst zurückgeworfen sind keinen allzu hohen Stellenwert. Die “Leistungsträger” höhnen laut, dass die weniger Glücklichen wohl nicht genug geleistet haben. Und ein jeder versucht, sein Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Betrachten wir die Moderne also als ein Versprechen, dass von Opportunisten um deren eigenen Profites Willen gebrochen wurde, bleibt nur übrig, sich zu fragen, was denn danach kommt. Im Kopf vieler Menschen ist die Moderne ja ein stetiges Hier und Jetzt, dass sich mit jedem Tag weiter in eine (oft ungewisse) Zukunft transzendiert. Diese Denke aufzubrechen und Wege abseits der ausgetreten Pfade aufzuzeigen, war und ist das Begehren der Postmoderne. Zu zeigen, dass auf eine überkommene Idee zu warten nicht unsere einzige Option ist! Darüber möchte ich in nächster Zeit ein bisschen weiter nachdenken und euch daran teilhaben lassen. Keine Sorge, es wird nicht zu kompliziert…

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Music was my first love…

I’ll start with a confession on this one: maybe the years as a paramedic have damaged my mind more, than just a taint bit. Nowadays it seems to me, as if i can only cry and scream, when music unlocks those hallways in my mind, where raw emotions are tucked away safely, for noone else to see. I don’t think, this happened for convenience. I’d rather believe, it’s a subconsciously implemented safeguard against even more mental damage. In my trade, you get to experience people in their darkest hours on a quite regular basis. And even though today, I’m more occupied with teaching the skills of my art to trainees, I still live through those intense moments, from time to time.

It doesn’t happen intentionally, but sometimes, when I’m wandering the internet, I almost naturally take a stop on one of those sites, where you can listen to music. My taste is somewhat simple: I like music, that is made with hearts and hands. I don’t dig most contemporary pop music too much, although I happen to find single pieces, which appeal to me. But for the most part, I like old school rock and metal. And yes, I espacially like the oldies and classics.

All the while drifting from song to song, not always staying to the end, I might reach that point – it doesn’t happen always, not even often – where those previously mentioned hallways open up, to let out those tears, held back for a thousand and one reasons. And although I always feel a little odd afterwards, it’s always a liberating experience. Because it give’s me proof, that my emotions haven’t died yet, despite all the crazy shit, I have seen in more than 25 years in prehospital emergency care.

One of my favourite songs of all times is “Strange World” from Iron Maiden’s first album. When bass and guitar beginn to sing with each other, I always get the feeling, I should have become a bass player instead. Steve Harris is a freaking genius as bass player and song writer also; I know, this is only my little opinion, but to me it has a meaning, and there are a some feelings transported through this song, that I can relate to far too easy. I read it as a song about depression, and I had visitations from the darkness – my old friend – often enough, to recognice it in other people…

I would bet, I’m not the only one, who has his mind opened up by music like that. And although other people will most certainly like different kinds of music, the basic principle stays the same. I obviously don’t talk too much about those moments, because I feel, they’re private. And I most certainly wouldn’t invite anybody, to share them with me. Not even my wife. Because there are things, that need to stay private, no matter how intimate you might be with someone else. And I love my wife very much. But if I should guess, she has those special private moments too, that she would never share with anyone. Not even me. And that’s OK!

Music really was my first love. My lady was my second and thankfully, I don’t know, which of both will be my last, to stay true to the song. If I had any saying in that, both would come to an end at exactly the same moment. That would be fates greatest possible present to me. If you like to share your thoughts, feel welcome. Otherwise, simply have a good time.

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Krieg, Kommerz, Kunst oder Krempel?

Podcasting. Man setzt sich vor ein Mikrofon und spricht hinein. Digitales Equipment, das viele Menschen sowieso zu Hause stehen haben (Desktop-Rechner, Laptop, Convertible, Tablet, grad egal) besorgt die Aufzeichnung und für lau, bzw. wirklich schmales Geld zu mietender Webspace dient als Plattform zur Verteilung der Inhalte. Das gibt’s schon seit bald 20 Jahren, ich selbst mache das seit ca. 2007. Mal mehr, mal weniger intensiv. Momentan nutze ich selbst Podcasting nur als komplementäres Angebot im Rahmen dieses Blogs. Sozusagen als “Hör-Blog to go”. So war es eigentlich ursprünglich auch gedacht, allerdings ohne die lesbare Variante.

Nun kommt Bewegung in das Thema, weil es Media-Plattformen gibt, die Geld in die Szene pumpen. Es geht darum, auch dieses publizistische Phänomen, das Soziologen lange als ein möglicher Beweis der Long-Tail-Theory galt, zu monetarisieren. Weil man nun mal mit allem Kohle machen können muss. Der verfickte Mamon regiert unsere Welt. Wie ich dazu stehe, muss ich vermutlich nicht erklären. Allerdings gehen mir dazu ein paar Gedanken durch den Kopf, mit denen ich nicht hinter dem Berg halten möchte.

Für mich hatten Bloggen und Podcasten immer was mit der Demokratisierung der Medienlandschaft durch das Internet zu tun. Natürlich ist das politologisch und soziologisch gesehen eine Sichtweise, die deutlich zu kurz greift. Wie Evgeny Morozov in seinem viel beachteten Buch “The Net Delusion” schreibt, ist die Chance, im Internet zu publizieren für sich betrachtet schön, aber kein Selbstläufer, der zu mehr Freiheit, Demokratie oder Liberalismus führen würde. Einerseits, weil Vertreter unterschiedlichster Interessen die Weiten des Netzes nutzen können, um ihre Agenda voranzutreiben. Man denke dabei z.B. an Breitbart News. Zum Anderen bedeutet, eine Meinung zu haben und diese öffentlich vertreten zu können noch lange nicht, das diese deshalb automatisch legitim, fundiert oder gar relevant wäre.

Diese Ausführungen im Hinterkopf erscheinen soziale Medien gar nicht mehr so sozial. Öffentliche Meinung ist etwas, dass man gezielt manipulieren kann. Die Meinungen darüber, ob das legitim im Sinne des Erhalts einer Gesellschaft und ihrer Kultur ist, gehen weit auseinander. Am einen Ende stehen jene, die eine auf frei verfügbaren Informationen fußende öffentliche Meinung für gefährlich halten. Walter Lippmann legte dazu 1922 in seinem Buch “Public Opinion” eine mögliche Blaupause dar, die von autokratisch orientierten Kräften auch heute noch gerne genutzt wird. Edward S. Herman und Noam Chomsky haben die Wirksamkeit solcher Prozesse 1988 in ihrem Buch “Manufacturing Consent” in erster Linie beschrieben, um solche verdeckt ablaufenden Prozesse entkräften zu können. Ich empfehle, beide im englischen Original zu lesen. Fakt ist, dass die Zahl der Markteilnehmer, die auf solche Art ihre Ziele verfolgen, durch die Medienformen Blog, Podcast und Vodcast exponentiell zugenommen hat. Ob zum Guten oder zum Bösen, muss sich erst noch entscheiden.

Dennoch darf man getrost davon ausgehen, dass die Auswirkungen, welche das Netz auf Teilhabe-Prozesse in Gesellschaften hat, noch lange nicht erkannt werden können. Die Analysen rings um den Cambridge-Analytica-Skandal z.B. sind nicht ansatzweise abgeschlossen und das Rätsel, ob die damals abgeschöpften Daten tatsächlich zur Wahl Donald Trumps beigetragen haben, wird wahrscheinlich erst irgendwann gelöst werden können. Realistischerweise werden wir erst in ein paar Jahrzehnten wirklich verstehen, was im Moment in den sozialen Medien gerade passiert. Zum einen, weil die Dynamik der Entstehung öffentlicher Meinung Walter Lippmann und auch andere, spätere Theoretiker mittlerweile in ihrer Wucht lügen straft. Und weil die Psyche des Menschen, aller Forschung zum Trotze in vielerlei Hinsicht immer noch eine Black Box ist, deren Inhalt wir oft nur schätzen können.

Was nun das Bloggen und Podcasten angeht: etwas realistische Selbsteinschätzung tut jedem gut. Was ich hier veröffentliche, ist selbst in einem guten Monat maximal ein Nischenprodukt. Nicht, weil ich hier dauernd vollkommenen Blödsinn von mir gebe – was von Fall zu Fall möglich sein mag – sondern, weil die Aufmerksamkeit an sich eine sehr wankelmütige Geliebte ist. Zu viele Angebote stürmen tagtäglich auf unsere Sinne ein und lassen unser ARAS allzu oft rat- und rastlos zurück. Steigt vielleicht deshalb die Zahl der Krankenfehltage auf Grund psychiatrischer Erkrankungen nach wie vor stark an? Ich weiß es nicht, aber von der Hand zu weisen ist der Gedanke wohl kaum. In jedem Fall konkurriere ich mit vielen anderen Angeboten, von denen – ein wenig Arroganz gestatte ich mir dann doch – so manches deutlich zweifelhafter ist, als meines. Vermutlich denkt so manch anderer das auch von seinem eigenen.

Jetzt diese Domäne des Self-Publishing mit Kommerz fluten zu wollen, macht mich dennoch ehrlich gesagt wütend. Wieder wird ein Bereich des Webs, in dem man mit etwas Geduld durchaus hochwertige, interessante und relevante Nischenpublikationen finden kann zugekleistert mit kommerzieller Kacke. Womöglich muss ich dann solche Gruselfiguren wie Mario Barth als Blogger erleben? Reicht es nicht, dass sich mit Seiten wie “Tichys Einblick” schon die Faschos in die Blogospäre trauen? Muss ich dann auch noch irgendwelche sendungsbewussten Schwachmaten und Möchtegern-Komiker ertragen?

Schaut euch den Fußball an. Das große Geld macht ihn seit Jahrzehnten immer kaputter. Wird beim Bloggen auch nicht lange dauern. Spätestens, wenn jetzt irgendeines von diesen chronisch überbewerteten, nur am Börsengang orientierten Start-Ups daher kommt und Hektoliterweise Gehirn-Jauche ins Netz pumpt; schön dekoriert als “authentische Blogs von echten Menschen”. Wohin auch immer der Zug fährt – ich bleib noch ‘ne Weile hier und mach mein Ding. Vielleicht ziehen die Zecken irgendwann weiter und fahren woanders das nächste große Ding für ihre Konten. C U!

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Speeding kills…?

Ich bin ein böser, böser Verkehrssünder. Ich war zu schnell. Geschätzt 5-7 km/h. Dumm, ärgerlich, und zweifelsohne primär meine Schuld. ABER… warum zum Teufel steht eine solche Geschwindigkeits-Messeinrichtung an einem Freitag Morgen um 08:00 an einer Ausfallstraße, während die meisten anderen Ausfallstraßen im Stadtteil durch Baustellen teilweise oder ganz versperrt sind; an einer Stelle, an welcher sich ein Kinderspielplatz befindet, dessen üblich Nutzer zu dieser Zeit entweder in der Schule, in Ihren Kindertagesstätten, oder auf dem Weg dahin sind, weil deren Eltern – genau wie ich – eilig der Arbeit zustreben müssen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt? Mitnichten. Das ist kalkulierte Abzocke!

Seit die Stadt Mannheim, vertreten durch ihren kommunalen Ordnungsdienst das Gros der Geschwindigkeitsmessungen durchführt (die dürfen nicht in fließenden Verkehr eingreifen, wohl aber diesen beobachten), finden solche nicht mehr, wie früher durch die Polizei, an gefährlichen Stellen und bekannten Unfallschwerpunkten statt, sondern dort, wo es für Behörde und damit Stadt fiskalisch opportun ist. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass man nicht schneller fahren darf, als am jeweiligen Ort erlaubt. Die Behörde ist sich jedoch ebenfalls der Tatsache bewusst, dass die Menschen auf dem Weg morgens viele Dinge im Kopf haben und deshalb oft leichtsinnigerweise etwas zu schnell fahren. An einem Ort mit geringem Gefährdungspotential zu blitzen, ist also vor allem eines: moderne Wegelagerei.

Kritiker werden jetzt argumentieren, dass ich mir des Risikos doch bewusst bin, wenn ich zu schnell fahre. Für Speeding gibt es fast überall auf der Welt ein Ticket. Dass ich, wenn ich mich riskant verhalte, das Für und Wider abgewogen und mich ebenso bewusst für mein riskantes Verhalten entschieden habe. Ich sage: Jein. Einerseits weiß ich sehr wohl um diese Dinge. Andererseits treffen wir unsere Entscheidungen nicht immer bewusst. Jeder, der sich mal aufmerksam beobachtet hat, weiß, dass Speeden nicht immer als Entscheidung, sondern oft unwillkürlich auf Grund eines subjektiven Drucks passiert, dessen Ursprung verborgen bleibt, bis wir die Zeit haben, das zu reflektieren. Ich behaupte jetzt mal, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht.

Hinzu kommt, dass die erwähnten Kindertagesstätten im gegebenen Fall alle im Bereich der alten Wohnbebauung liegen und nicht da, wo geblitzt wird; weil die Firma Diringer & Scheidel, vermutlich auch aus fiskalischen Interessen in ihrem – von der Stadt Mannheim sehenden Auges genehmigten – Bebauungsplan für das sogenannte Glückstein-Quartier keine solchen Einrichtungen vorgesehen hat. Die würden nämlich kostbare Büro-Fläche kosten , die man in Hauptbahnhofsnähe so schön teuer verhuren kann. Hier darf der Schelm Böses denken, wenn man dafür jetzt eine der kostbaren Grünflächen in der alten Bebauung opfern will, um dort eine drauf zu bauen, weil der Bedarf bei vielen zuziehenden jungen Familien halt gegeben ist. Ein Hoch auf die wachsende Bodenversiegelung.

Systemisch betrachtet wurde ich also von der Stadt und dem Bauträger beschissen und abgezockt und soll auch noch still sein, weil ich ja etwas falsch gemacht habe. Ne, schönen Dank, Ja-Sager haben wir schon genug. Wenn mein Speeden (potentiell) tötet und ich deswegen dafür bestraft werden muss, bestehe ich darauf, dass die Stadt und die Baufirma samt Investoren für das Töten der Natur, die meinen Stadtteil lebenswert macht auch bestraft werden müssen. Unter anderem auch wegen des Rheindamms. So genug gemuffelt, weiter geht’s. Muss ja erst mal die Kohle verdienen, die mir andere ungerechtfertigter Weise aus der Tasche ziehen. Danke für nix Stadt Mannheim!

Menschenskinder…

…lernen die Welt zu (be)greifen, laufen los, streiten, schließen Freundschaften, kommen in die Schule, werden älter, reifen und werden – schließlich – irgendwann zu denen, die, wie ich, darüber reflektieren, was Menschenskinder für die dazugehörigen Großen bedeuten. Rein biologistisch gesehen geht’s ja nur um den Erhalt der Spezies. Dies so eng zu betrachten, wäre dennoch Käse. Nicht nur mir ist bewusst, dass Generation um Generation immer wieder nach dem Sinn des Lebens sucht und sich dabei jenes Intellektes bedient, mit dem Mutter Natur uns auszustatten die unfassbare Blödheit besessen hat. Denn ohne diesen Intellekt würden wir weder immer noch versuchen, uns die Erde Untertan zu machen, noch gäbe es dieses unnötig verschwenderische Suchen nach Sinn überhaupt.

Meine kleinere Tochter wurde gestern eingeschult und wie ich diesen, wohl eingeübten, Ritualen beiwohnte, die dazu gedacht sind, das Kind im neuen Lebensabschnitt zu begrüßen, der – mit dem trainiert bösartigen Auge des Zynikers betrachtet – in der unausweichlichen Einsortierung in eine Schublade mündet, wurde mir etwas bewusst: nämlich dass Sinn in den Anderen (z. B. unseren Kindern) zu suchen, ungerecht ist. Ungerecht gegenüber den Anderen, weil wir dann Sehnsüchte auf sie projizieren, die wir – aus welchen Gründen auch immer – nicht aus uns selbst heraus befriedigen können. Ungerecht uns selbst gegenüber, weil im direkten Vergleich immer irgendwelche (vermeintlichen) Unzulänglichkeiten des Selbst sichtbar werden, die dennoch vielleicht ein Teil sind, der dazu beiträgt, uns die sein zu lassen, die wir sind.

“Hätte, hätte, Fahrradkette!” Wir leben nicht im Konjunktiv, sondern im Hier und Jetzt. Und all diese Überlegungen, was man z. B. täte, wenn man seinem 20-jährigen Ich mit den bereits gemachten Erfahrungen zur Seite stehen könnte, sind ebenso Käse, wie die oben erwähnte biologistische Weltsicht und das Projizieren. Solche Träumereien stellen lediglich den verzweifelten Versuch dar, sich mit der gelegentlich auftretenden subjektiven Sinnlosigkeit des eigenen Tuns gut zu stellen. “Hätte ich das vorher gewusst, wäre alles besser geworden!” Blödsinn. Sinn muss man nicht suchen. Denn betrachtet man es fatalistisch, ist unsere Existenz ein kosmischer Wimpernschlag, in welchem wir, auf einem zufällig habitablen Klumpen Gestein, mit einem Affenzahn durch unser Sonnensystem rauschen und uns ebenso zufällig so weit entwickelt haben, dass wir uns fragen können, was das soll. Doch es soll nichts. Es passiert einfach. Und es ist an uns, dieses bloße Passieren mit Sinn zu FÜLLEN…!

Meine Tochter muss sich solchen Überlegungen noch nicht stellen. Sie ahnt nicht, wie viel für die Eltern mit dem Wachsen des Kindes zusammenhängt. Und damit meine ich bewusst nicht die fiskalischen Herausforderungen. Unsere Kinder sind, im Guten, wie im Bösen Spiegel unserer Selbst, denen wir nur schwerlich entfliehen können. Einen physischen Spiegel kann man abhängen, verschenken, im Keller verstecken, wenn uns das Bild nicht gefällt; doch ein Kind… nun, Keller wäre in dem Fall keine Lösung. Also wäre es doch eine gute Idee, unserem Leben Sinn zu geben, indem wir Dinge tun, die uns und anderen helfen. Zuvorderst unseren Kindern. Das jeder sich jetzt darunter etwas anderes vorstellen kann, erfüllt mich mit einer gewissen Zuversicht. Denn es bedeutet, dass der eine oder andere sehr wohl einen Sinn für sich definiert hat und nun versucht, diesen weiterzugeben.

Solche Menschen sind es, die – all ihren eigenen Fehlern und Irrungen zum Trotz, oder wegen dieser Fehler und Irrungen – als Idole, als Exempel, als Vorbilder fungieren und funktionieren. Die uns gemahnen, dass man seinen Sinn nur in sich selbst findet und, im besten Fall, andere daran teilhaben lassen kann. Das gilt natürlich im Guten, wie im Bösen. Denn Menschen, die andere zum Bösen anstiften können, gab und gibt es genug. Aber die meine ich nicht. Die will ich nicht vergessen, sondern mich gegen ihr Gift immunisieren. Mir geht es um jene, die andere Menschen zum Guten anstiften; dazu, der Welt etwas zu geben, dass tatsächlich nachhaltig und bereichernd zugleich wirkt – die Inspiration und den Willen etwas füreinander zu tun. Wenn wir – meine Frau und ich – das bei unseren Kindern noch schaffen, haben wir mehr für unsere Welt getan, als man hätte erwarten können. Ich wünsche noch einen schönen Sonntag.

Auch zum Hören…

…schon wieder Herbst :-(

Man muss den Dingen ins Auge sehen. Zeit vergeht. Würde man jetzt mal rüber in den Bereich der Physik wandern, müsste man wohl zugeben, dass unser Empfinden von einer linear verlaufenden Zeit zumindest nicht vollständig ist. Aber für meine heutigen Betrachtungen soll genügen, dass wir Zeit als lineares Konstrukt wahrnehmen. Ich mag wissenschaftliche Beiträge, die mein Weltbild in Frage stellen, denn nur, wenn wir es zulassen, um die Ecke zu denken, finden wir dort auch etwas Neues. Ist meiner Erfahrung nach allerdings nicht wenigen Menschen zu mühselig. Die wählen dann AfD. ‘tschuldigung, aber die Spitze musste nach Nachwahl-Montag einfach sein…

Wo war ich? Ach ja, bei der fließenden, oder wie der Lateiner sagen würde – tempus fugit – der entfliehenden Zeit. Ich möchte behaupten, dass ich, allem Schweiße zum Trotz ein Sommer-Mensch bin. Draußen leben (und auch arbeiten), bis spät in den Abend hinein, dass ist mein Ding. ich bin so’ne Eule. Ihr wisst schon… Nun neigt sich diese Zeit des Jahres dem Ende und man könnte natürlich in eine Art frühe Post-Sommer-Depression verfallen, sich schon mal einigeln und dem Leben entsagen.

Allerdings ist der Herbst für mich eine Zeit großer Geschäftigkeit. Sowohl beruflich, als auch privat. Weil Manches halt im Spätjahr stattfinden muss, wie z.B. die Planung für das nächste Jahr. Aber im Kalender stehen auch viele andere Dinge, die Teils mit der Familie, teils mit dem Job und teils mit der Aufnahme eines Master-Studiums zu tun haben. Ich habe einfach noch keine Lust, mich in irgendeiner Nische zu gemütlich einzurichten. Das bekäme mir gar nicht gut, denn was rastet, das rostet. Und faul sein kann ich, wenn man mich lässt. 😉

Mir ist schon vor ein paar Jahren klar geworden, dass ich manche Dinge nicht wieder haben kann, die mir früher viel Freude bereitet haben. Ich gehe zum Beispiel nicht mehr mit meiner Frau Clubben, seit wir Kinder haben. Diese Lücke wurde damals erst durch Dauermüdigkeit und dann, nach und nach durch familiäre Aktivitäten ersetzt. Auch mein größtes Hobby, das Pen&Paper-Rollenspiel nimmt heute einen sehr viel geringeren Teil meiner Zeit in Anspruch, als vor 10-15 Jahren. Immerhin hat sich die Qualität dafür subjektiv deutlich verbessert. Ich könnte diese Liste fortführen, aber das wäre nicht zielführend.

Vielmehr geht es mir darum, mich selbst – und auch alle anderen, die hier mitlesen – daran zu erinnern, dass das Leben ein Kreislauf war, ist und bleibt. Egal, ob wir das gut finden und immer schön mitlaufen wollen, oder halt nicht. Bleiben wir stehen, rennt die Welt uns nämlich davon. Und vielleicht ist es auch ein Hinweis für die Lebensgeister, dass ich nun wieder in einer frischen Brise in meinem Arbeitszimmer stehen kann, während ich diese Zeilen schreibe.

Man könnte den Herbst natürlich als Zeit des Sterbens der alten Dinge betrachten. Oder man akzeptiert, dass er eine Gelegenheit zum Kräftesammeln für die dunkelsten Stunden des Jahres ist und uns auffordert, jetzt umso mehr raus zu gehen und das Leben noch einmal zu feiern. Ich will den (meteorologischen) Herbst hiermit offiziell begrüßen und lege es allen ans Herz: lasst es euch noch mal gut gehen. In diesem Sinne, schöne Woche noch!

Auch zum Hören…

My way to more kindness #0

Von Zeit zu Zeit nimmt man Trends wahr, lässt sich von Strömungen in den Medien oder in seiner ganz privaten Echokammer mitziehen. Das stößt die Neugierde an und man beginnt sich zu informieren, darüber nachzudenken, etc. Ich meine dabei bewusst keine Klamotten-Trends, denn mein Äußeres kommt meist in etwa so modisch daher, wie ein IFA W50. Ich denk halt immer, dass Baggy-Pants, T-Shirts und Sneaker schon reichen (außer, bei bestimmten Anlässen, natürlich). Wenn man(n) unbedingt zum Fashion-Victim werden will (so mit zu kurzen, zu engen Hosen, oder aber dem genauen Gegenteil, dass bis in die Kniekehlen hängt), bitte gerne. Is’ nur nix für mich.

Nein, ich meine soziale Trends, Bewegungen, neue Netzwerke und neues Wissen. Dabei muss es nicht immer um Politik gehen. Dem Thema werde ich für eine Weile abschwören, sonst – bei Gott – werde ich gewalttätig gegen dumme Menschen. Aber auch abseits der Politik gibt’s genug zu erforschen und zu erfahren; insbesondere dann, wenn man, wie ich, in der Erwachsenenbildung und im Gesundheitswesen zeitgleich tätig ist. Beide Arbeits-Felder erfahren immer wieder Veränderungen durch die Menschen, welche in Ihnen tätig werden. Manchmal aus echten Notwendigkeiten heraus, manchmal auch einfach nur, weil eine Person etwas Wichtiges erkennt und Wege findet, die Botschaft zu verbreiten.

Menschen, die mich näher kennen wissen, dass unter dem Clown, der fast alles in seiner Umgebung mit einer Mischung aus Ironie und Zynismus kommentiert eine Seele steckt, die’s gerne harmonisch hat. Den Wunsch nach Harmonie darf man hier bitte nicht mit Konfliktscheue verwechseln. Ich kann auch böse, wenn’s denn unbedingt sein muss. Aber ich mag es nicht. Mein durchaus gelegentlich etwas cholerisches Naturell reitet mich dabei öfter in den Dreck, als mir lieb ist. Aber wer dauernd mit Menschen arbeitet, muss wohl darauf gefasst sein, dass es menschelt… nicht wahr?

Nun bin ich, nachdem ich bei Recherchen für etwas völlig anderes über Dave Burgess gestolpert bin, bei “A passion for kindness” von Tamara Letter gelandet. Ich vermute mal, dass mein Unterbewusstsein mir irgendwas mitteilen wollte, denn der Titel und die Beschreibung sprachen mich irgendwie an:

Quelle: amazon.com

Ich lese gerne echte Bücher. Diese Dinger aus Papier und Druckerschwärze, ihr wisst schon. Man kann nicht wischen, man muss blättern. Dafür kann man reinkritzeln (sofern sie einem selbst gehören) und so seine Gedanken zum Gelesenen festhalten. Ja ich weiß, dass geht auch mit PDFs; aber das ist einfach nicht das Gleiche… Außerdem müssen wir ja auch nicht für alles dauernd Strom verbrennen. Mein CO2-Fußabdruck ist auch so schon groß genug. Jedenfalls finde ich die Art, wie die Autorin über “kindness”, diese schlecht ins Deutsche übersetzbare Mischung aus Freundlichkeit, Güte und Großzügigkeit denkt und auch danach handelt großartig und inspirierend.

Ich stelle nämlich einerseits immer wieder fest, dass ich in die selbst ausgelegten Bäreneisen tappe, wenn ich mit meinen Lieben interagiere. Eigene Kinder können einen ja so leicht aus der Reserve locken. Andererseits ist in meinem Arbeitsumfeld letzthin oft eine Atmosphäre gespannter Nervosität zu verspüren, die allen dort auf’s Gemüt und damit die Höflichkeits-Sensoren schlägt. In einem Hochrisiko-Job wie dem Rettungsdienst keine optimalen Voraussetzungen für die – üblicherweise von uns erwarteten – guten Ergebnisse.

Ich will gar nicht groß auf den Inhalt eingehen, denn auf den muss man sich als Leser schon bitte selbst einlassen. Nur so viel: auch bei kindness gilt: wie man in den Wald hineinruft… Und so will ich dies zum Anlass nehmen, zu versuchen, es selbst noch besser zu machen. Nicht nur zu Hause, sondern auch für und mit meinen Kollegen und Azubis. Besser geht nämlich immer. Und wenn es dazu beiträgt, das Arbeitsklima zu verbessern und damit auch unser Outcome als Organisation, bin ich gerne vorne mit dabei. Ihr werdet davon hören. Und vielleicht wollt ihr ja auch mitmachen? Schönen Abend noch!

Auch zum Hören…

The italian tales – series terminated!

Wenn man durch die nächtliche Toskana, die Emilia Romagna und die Lombardei eilt, weil halt noch viele 100 KM vor einem liegen, hat man Zeit zum Nachdenken. Zum einen, weil die anderen Fahrzeuginsassen das tun, was ich auf keinen Fall tun sollte, nämlich schlafen. Und zum anderen, weil speziell die A1 Bologna – Milano schlicht stinklangweilig ist. Und worum drehten sich die Gedanken: wann und wo der nächste Urlaub stattfinden soll. Wie war das noch gleich? “Du warst doch gerade erst?” – “Ja, weißt du, das ist mehr so, wie eine Sucht…” 😉

Es ist nun leider so, dass wir erstmal wieder zu Hause angelangt sind, nachdem wir mit großem Bedauern drei wundervollen Wochen Urlaub ade gesagt hatten. Ich persönlich bin hochzufrieden mit dem Ergebnis: Erholung und (weitesten Teils) Entsagung von den Fährnissen des Alltages. Die holen mich spätestens morgen früh, wenn ich an meinem Schreibtisch Platz nehmen darf, wieder ein. Die Kinder haben ja noch Ferien, aber auch die beste Gattin von allen, darf sich morgen früh wieder zur Arbeitsstelle schleppen. Wenigstens muss sie dabei nicht immer die 15° Steigung auf dieser Brücke überwinden,

Ponte della Maddalena – Provinz Lucca (auf dem Weg in die Garfagnana)

Ich werde heute morgen keine großen Reden schwingen. Nachdem ich mich in den Italian tales N°7 und N°8 an politischen Diskussionen auf Facebook abgearbeitet habe und auch in den Tagen zuvor wenig über den Urlaub an sich zu berichten wusste, gibt’s heute nur ein short statement in Stichpunkten:

  • Olivenöl, Rotwein & Weißwein vom Vermieter – sauber!
  • Jeden Tag mindestens 1000 Meter im Pool schwimmen – check!
  • Viele schöne und vor allem auch neue Orte entdecken – jawoll!
  • Dabei auch noch knipsen wie ein Gestörter – erledigt!
  • Jeden Tag lecker kochen – oh ja (mit insgesamt 8 x Grillen dabei)!
  • Lesen – 3,5 Bücher!
  • Immerzu in den Tag hineinleben und nicht zu viel planen – … und wie!
Fortezza del Girifalco, Cortona – Provinz Arezzo

Stellt euch mal vor, wie schön es sich unter den alten Kastanienbäumen vor dem Palas dieser Burg sitzen und essen lässt. Ungeplant, aber dennoch hoch willkommen.

Vielleicht ist es das, was mir ab morgen am meisten fehlen wird: Strukturlosigkeit. Sich treiben lassen; nicht nur im Pool nach dem Schwimmen, sonder überhaupt durch den Tag, durch die Landschaft, durch’s Leben. Wiewohl mir bewusst ist, dass ein zu wenig an Struktur einen sozial und kognitiv verelenden lässt, ist es das zuviel, dass mich in letzter Zeit beinahe geschafft hätte. Abseits der Dinge, die ich nach bestimmten Mustern erledigen MUSS, werde ich mal versuchen, es im privaten mit etwas weniger Struktur zu versuchen. Vielleicht hilf das, länger mit den Entzugsphasen (also den Zeiträumen ohne Urlaub) klar zu kommen. Das könnte eine der Säulen sein, die mich auch weiterhin tragen…

Abbazia di San Galgano, Chiusdino – Provinz Siena

Ihr anderen da draußen solltet euch über eure eigenen Säulen möglicherweise auch mal Gedanken machen. Muss ja nicht nachts im Auto sein. In diesem Sinne wünsche ich allen noch einen schönen Tag – the italien tales, over and out!