Writing Fiction #6 – Let’s talk about genre…

Wenn man sich die aktuelle Weltlage ansieht, könnte man meinen, dass William Gibsons “Neuromancer”-Trilogie so langsam Wirklichkeit wird. Dass wir am Beginn des Cyberpunk-Zeitalters stehen – alle dystopischen Aspekte inclusive, wie Massenarbeitslosigkeit und Armut, Allmacht der Konzerne mit Politikern als Marionetten, Kriege rein aus Gründen wirtschaftlicher Interessen und eine breite Öffentlichkeit, die durch Unterhaltung mittels technologischer Gimmicks sediert wird, um sich ja nicht zu informieren und zu involvieren. Das alte Sprichwort, dass die Realität die besten (jedoch zumeist auch die absurdesten) Geschichten schreiben würde, scheint sich einmal mehr zu bewahrheiten. Doch so finster der Zustand der Welt auch sein mag, je mehr die soziale Kälte um sich greifen mag – immer werden Menschen sich Geschichten erzählen. Vielleicht, um sich vor eben jener Finsternis und Kälte zu schützen, oder wenigstens für eine begrenzte Zeit davon ablenken zu können. Eskapismus an sich ist weder dumm, noch ignorant, noch verwerflich, sondern alllzu oft die letzte Mauer, welche wir um den Garten unserer mentalen Gesundheit ziehen können. Das ist einer der Gründe, warum Menschen Geschichten BRAUCHEN! Ein anderer ist, dass jede Erzählung etwas über den Erzählenden ausspricht, dass möglicherweise Zuhörer*innen oder Leser*innen anspricht – und so manchmal Brücken baut, wo vorher die Einsamkeit geherrscht hat. Gemeinsames Verstehen kann gemeinsames Verständnis erzeugen, welches widerum die Basis für ein sinnvolles menschliches Miteinander bildet. In welches Gewand sich die Geschichte dabei kleidet – also, in welcher Art von Erzählumgebung mit ihren je eigenen Figuren, Formalismen, Arche- und Stereotypen, Bildern, Charakteren wir uns befinden mögen – ist eigentlich einerlei. Zumindest insofern, als dass eine Aussage über bzw. Kritik am Zustand der Welt, oder eine Idee für ihre Entwicklung, initiiert durch Charaktere, die sich auf eine Heldenreise begeben und sich dabei verändern in jedem denkbaren Erzählkontinuum möglich ist. Welche Welt oder welche Charaktere sich wohin entwickeln, bleibt damit natürlich offen. Es macht durchaus einen Unterschied, ob ein historischer Roman sich an den damals tatsächlich vorgefundenen sozialen Umständen orientiert, oder ob ich eine Welt erfinde, die nach anderen Regeln funktioniert. Doch im Kern drehen wir uns stets um zutiefst menschliche Themen. Genre klassifiziert damit vor allem die erzählerischen Rahmenbedingungen meiner Geschichte. Und es sorgt, mit Blick auf das zuvor Gesagte für ein gemeinsames Verstehen. Denn jedes übergeordnete Genre hat seine eigenen Topoi, welche von den Nutzern des Genres erkannt, verstanden und in aller Regel auf Seiten der Rezipienten auch erwartet werden. Oder einfacher gesagt: Generic Fantasyland braucht eine Taverne…

Häufig wird der Begriff Genre synonym verwendet mit einem Label, dass ich auf meine Geschichte klatschen kann, um diese für eine bestimmte Zielgruppe attraktiv zu machen. Und weil bestimmte Zielgruppen großen Hunger auf sehr spezielle Themen entwickelt haben, trenden dann solche Dinge wie “Young Adult Fantasy”; wobei das ein Meta-Genre ist, welches Bücher mit Jugend- oder Coming-of-Age-Themen zusammenfasst, die sich in so gut wie jedem Subgenre von Fantasy oder Sci-Fi bewegen können. Wenn wir Grimdark mal außen vorlassen… Ähnlich verhält es sich mit “Romantasy” oder “Spicy Romantasy”. Das alles sind Klassifizierungen, die auf ein spezielles Inhaltsgefüge hinweisen und bei potentiellen Leser*innen bestimmte Erwartungen wecken (sollen). Etwa in einem “Spicy Romantasy”-Buch werden der geheimnisvoll-schroff-abweisende aber furchtbar attraktive lone-wolf-style männliche Protagonist und die unverstandene, sowie noch unvollendete chosen-one-type girlboss weibliche Protagonistin irgendwann miteinander schnackseln. Je spicy, desto früher, desto öfter und desto expliziter beschrieben. Früher nannte man das übrigens Erotik-Roman. Es hat sich allenthalben ein Standard-Archetypen-Repertoire herausgebildet, welches die erwartungsfrohe Leserschaft in aller Regel nicht enttäuscht. Mit den sich ändernden Modalitäten der Lesestoffauswahl der potentiellen Kunden (Stichwort: Booktok) ändert sich auch der Buchmarkt. Um relevant bleiben zu können, werden heutzutage der Backcatalogue und das aktuelle Portfolio vieler Verlage deutlich dynamisch zielgruppenorientierter ausgerichtet. Das hat in etwa die gleichen Folgen wie in Hollywood: Massen immer wieder gleichartiger, semantisch und sprachlich extrem leichtgewichtiger Kost mit AI-generierten Covern fluten entweder die Kinosäle, oder aber die Regale der Kettenbuchhandlungen. Denn im Grunde genommen erleben wir gerade die Groschenromanisierung der Unterhaltungsliteratur. Es soll sich bitte niemand mehr über “Perry Rhodan” oder “John Sinclair” lustig machen.

Eigentlich sollte “Genre” als Begriffl für die Klassifizierung verschiedener idealtypischer Aspekte einer Gruppe einander ähnlicher Texte stehen; ähnlich meint hier, wie bereits oben erwähnt bestimmte Themen, Erzählfiguren, Archetypen, Erzählumgebungen. Wenn ein Steampunkroman plötzlich in einer spätmittelalterlichen Fantasywelt spielt, wenn der lone-wolf male protagonist einer spicy romantasy der völlig überdrehte, unattraktive Nerd ist, wenn in einer Hard-Science-Fiction-Geschichte plötzlich Drachen auftauchen und wenn die Auserwählte eigentlich der Bösewicht ist, wird es zumindest hochgezogene Augenbrauen geben; und vielleicht auch keine allzu guten Verkaufszahlen. Denn… heute ist Genre nicht mehr wirklich eine thematisch-semantische Einordnungskategorie, die auf übergeordnete Themen verweist, sondern nur noch ein Verkaufsargument: “Schau her, Kunde: auf dem (AI-Slop)Cover sind zwei sehr attraktive Wesen abgebildet und der Einband sagt “spicy”… willst du nicht wissen, wann, wo und wie die miteinander poppen?” Menschliche Themen in Büchern zu behandeln würde bedeuten, dass Charaktere schwierige Entscheidungen in dem Bewusstsein treffen müssen, dass ihr Tun und Lassen Konsequenzen hat. Dass sie an solchen Entscheidungen wachsen – aber auch zerbrechen – können. Dass eine Heldenreise kein gleichmäßig-langweiliges Bezwingen aller Herausforderungen ist, dass manchmal (aber nicht immer) ein Plottwist okay ist und das Protagonisten sterben können – bitte nur nicht so wahl- und sinnlos, wie bei George R. R. Martin… Und das Drama nicht notwendig melodramatisch sein muss. K-Drama ist schon in der Flimmerkiste anstrengend – im Buch brauche ich sowas nicht. Legt man also sein Genre vorher fest? Nö… die Geschichte, welche sich durch mich erzählen lassen will legt fest, in welchem Genre ich mich bewege. Wenn ich das Gefühl habe, etwas erzählen zu wollen, dass in unserer realen Welt hier und jetzt nicht passieren könnte, dann schreibe ich das. Ob am Schluss jemand das Label “High Fantasy”, “Dark Fantasy”, “Cyberpunk”, “Dieselpunk”, “Steampunk”, “Sci-Fi”, “Horror” oder gar “Spicy Romantasy” draufklebt, ist mir einerlei. Denn zuallererst muss die Erzählung wachsen, muss ich austesten, welche Welt es für diese Geschichte braucht; damit ich menschliche Themen unterbringen kann. Mein Label entsteht unterdessen ganz von selbst.

Auch als Podcast…

KAMPFAUFRUF!

Was für ein Sommer? Ich meine, hohe Temperaturen, langanhaltende Trockenheit, gelegentliche Extremgewitter… all das hatten wir schon mal. Vielleicht nicht in den 1970ern, in denen ich geboren wurde – wohl aber seit dem Jahr 2000. Ich hatte neulich darüber gesprochen, dass mich das furchtbar geängstigt hatte, weil der Hitzestress mich über Tage beinahe komplett schlaflos zurückließ. Dieses entsetzliche Gefühl steckt mir nach wie vor in den Knochen. Doch genau jetzt sind es andere Aspekte, die mich erheblich umtreiben. Während wir normalen Menschen halt nachts schwitzen müssen und tagsüber fast schmelzen, treffen Politikoide Entscheidungen, die man bestenfalls als hinterfotzige Lobbyistenscheiße bezeichnen kann. Man zersägt unser Gesundheitswesen, man fickt Arbeitnehmerrechte, man beschimpft diejenigen, die man gerade kaputt macht auch noch und lacht sich in sein Fäustchen mit dem erhobenen Zeigefinger, während man sein Schäfchen ins Trockene bringt. Was mich dabei am allermeisten irritiert, ist der Umstand, das solche verkommenen, durch und durch korrupten, völlig empathiefreien Flachorgeln wie Friedrich Merz anscheinend sogar glauben, was sie da in irgendwelche Mikrofone stammeln. Anders kann man sich nicht erklären, dass er immer noch mit solchem Brustton der Überzeugung von seinen politischen Projekten spricht – oder aber der Arm seiner Lobbyisten steckt so tief in seinem Arsch, dass er sich wie eine Handpuppe bewegen lässt und man auch die, eh nur rudeimentär arbeitsfreudige Mimikmuskulatur fernsteuern kann. Beide Vorstellungen sind allerdings ein wenig gruselig. Ich weiß noch nicht genau, was ich selbst insgesamt zu tun gedenke – aber eine Sache ist mir definitiv wichtig: wir brauchen einen Generalstreik! JETZT! Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit dem aktuellen Politikkurs unseren folgenden Generationen irgendetwas Gutes tun! Und ich glaube auch nicht, dass ich meinen Töchtern in ein paar Jahren noch in die Augen schauen kann, wenn ich jetzt nicht etwas Substantielles unternehme, um diesem völligen Kapitalismus-Müll mit allem entgegenzutreten, was ich aufbringen kann. Doch wie stellt man das an – einen Generalstreik? Ich habe die vage Vorstellung, meinen Aufruf soweit wie möglich streuen zu wollen, in der Hoffnung dass es irgendjemand wahrnimmt und genug Leute verstehen, was tatsächlich das Problem ist: nämlich dass die aktuellen Reformpakete a) dafür sorgen, dass die medizinische Versorgung in Deutschland schlechter wird, ohne jedoch an den richtigen Stellen zu sparen, b) Arbeitnehmerrechte in unzulässiger Weise eingeschränkt werden, c) man wieder einmal bei der Rente alle über einen Kamm schert, außer die Beamten d) die soziale Ungleichheit weiter befeuert wird, anstatt die richtigen Leute (große Vermögen und Fiatgeld-Schleudern) zu besteuern und e) mit diesem riesigen Murks auch noch den Faschos in die Karten spielt. Ich wünschte wirklich, das sommerliche Hitze und Trockenheit meine einzigen Sorgen wären. Doch dem ist nicht so. Zusammengenommen mit dem, was gerade ansonsten in unserem Land passiert, drohen mir noch viele weitere schlaflose Nächte.

Ich betrachte das aus mehreren Blickwinkeln. Zunächst einmal als Mitarbeiter im Gesundheitswesen, der sieht, dass durch die gesetzliche Deckelung der Budgets der Rettungsdienst in seiner Funktionsfähigkeit bedroht ist, weil steigende Energie-, Material-, Raum-, Fahrzeug- und Personalkosten recht schnell zur Stilllegung von Rettungsmitteln führen werden, wenn diese Aspekte nicht mehr refinanzierbar sind. Gemeinnützige HiOrgs dürfen kein Kapitalvermögen aufbauen und die Möglichkeiten, die steigenden Kosten durch andere Tätigkeitsfelder quer zu finanzieren sind sehr begrenzt. Dann bin ich aber auch Patient; und die massiven Einsparungen bei der Psychotherapie betreffen mich zukünftig ganz persönlich. Was wird mit mir und meiner Depression, falls ich mir nicht mehr Hilfe suchen kann, wenn es schlimm wird? “Darf” ich dann sozialverträglich frühableben, um Rente zu sparen? Was ist mit anderen chronisch Erkrankten? Warum unterstellt man Menschen mit Krankheit faul zu sein? Ich bin manchmal krankgeschrieben (im Mittel etwa so viel, wie meine Altersgenossen); und ansonsten klotze ich meine Arbeit weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Nicht selten mehr, als eigentlich vereinbart. Apropos Rente… mein Renteneintritt wurde gerade um ein knappes Jahr nach hinten verschoben. Was soll das? Ich zahle seit 1993 regelmäßig ein, war nie einen Tag arbeitslos und nur einmal länger krank. Warum bestraft man Leute wie mich für die, seit Jahrzehnten ignorierten Folgen der Demographie und die Unfähigkeit, Tax the Rich endlich umzusetzen. Kleine Erinnerung an die 50er und 60er: Dwight D. Eisenhower, überzeugter Republikaner – und keinesfalls verdächtig, Sozialgeschenke verteilen zu wollen – hat in seiner Antszeit die höchsten Vermögenssteuern mitverantwortet, welche die Welt je gesehen hat: 92%. Und warum? Weil er verstanden hatte, dass eine zu große soziale Ungleichheit (wie wir sie derzeit in der BRD haben) mit Kapitalkonzentration zu abnehmender Gesamtwirtschaftsleistung und wachsender Armut führt. Und damit zu höheren Sozialkosten für den Staat, an denen dieser naturgemäß zu sparen versuchen wird. Schließlich bin ich Berufspädagoge, dem es zunehmend schwerfällt, den jungen Leuten eine positive Haltung zu unserem Job (dem Rettungsdienst), zu den Herausforderungen und den Perspektiven zu vermitteln, wenn eine unionsgeführte Regierung gerade die Zukunft der normalen Menschen in diesem Lande an die Konzerne verschachert, um bei uns einen Kapitalismus im Endstadium zu installieren, wie die USA ihn schon haben: Hire&Fire-Heuschreckenkapitalismus, in welchem die Arbeitnehmer*innen bis auf’s Blut ausbeutet werden und man ihnen dann auch noch erzählt, die Migranten seien Schuld. Und die Faschos? Die stehen lächelnd daneben und verkaufen den Leichtgläubigen das Gefühl, dass sie alles besser machen würden, während sie insgeheim bereits den Abriss der Demokratie und die Hochzeit mit dem Großkapital planen. Nochmal zur Erinnerung: US-Banken haben vor und während des 2. Weltkrieges Geschäfte mit und für die Nazis abgewickelt. Denn auch für die Faschisten stinkt Geld nicht – und für das Kapital sind die Faschisten gut, weil sie deregulierte Märkte, entrechtete Massen und damit mehr Profit bringen.

Lasst uns dazu NEIN sagen! Lasst und gegen diesen Wahnsinn auf die Straße gehen! Lasst uns dieser lobbyistenhörigen, rückwärtsgewandten, die Bürger nach Strich und Faden bescheißenden Gurkentruppe, die so tut, als wenn sie regieren würde eine klare Absage erteilen – und lasst es uns so tun, dass die Faschisten, die in den Startlöchern stehen, alles nur noch schlimmer zu machen, KEINE CHANCE BEKOMMEN, an die Hebel der Macht zu gelangen! Darum noch mal: GENERALSTREIK! JETZT! Diese sogenannten Reformen richten die arbeitende Bevölkerung, das Gesundheitswesen und die Rente endgültig zugrunde – zugunsten gieriger, nimmersatter Bonzen und zum Schaden aller anderen im Lande. Lasst uns das nicht einfach so hinnehmen. Wenn es je einen Moment gab, in dem Deutschland aufstehen muss, dann jetzt!

Auch als Podcast…

Ach du liebes Lieschen – Politik für Almans…?

Da gibt’s diese Leute, die in einem Atemzug deklamieren, dass man ja gar nicht mehr alles sagen dürfe, um dann im nächsten irgendeinen vollkommen verkommenen, rassistischen, mysogynen, verschwörungsideologischen oder sonstwie extrem widerlichen Quatsch rauszuhauen; jedesmal begleitet von einem “das wird man doch wohl noch sagen dürfen!”. Und wenn man ihnen widerspricht, kehren sie SOFORT zurück zum ersten Atemzug, um sich als missverstandenes, geknechtetes, entrechtetes Opfer “des Systems” oder “der da oben” darzustellen. Ohne jemals äußern zu können, was sie denn damit wirklich meinen. Dazu gleich mehr. Übrigens ist das einzige, was hier was passiert, dass Meinungsfreiheit keine Einbahnstraße ist. Wenn du Nazi-Scheiße laberst, werde ich dich IMMER darauf hinweisen, dass du diesen Dreck hier nicht absondern sollst, weil an deinem Geseiere NICHTS eine legitime Meinungsäußerung darstellt. Denn zunächst einmal ist Rassisimus keine legitime Meinungsäußerung – ja nicht mal eine Meinung, sondern eine Ideologie, die darauf abzielt, andere zu unterdrücken, um sich selbst besser stellen zu können; wenn wir so wollen, der Schoolyard-Bully in Möchtegern-Erwachsen. Du willst etwas für dich? Das nennt man Egoismus! Und das andere diesem Egoismus Grenzen setzen, solltest du eigentlich schon als Kind gelernt haben. Aber weiter. Mysogynie ist keine Meinung, sondern schlichtes Leugnen unseres Grundgesetzes (Art. 3, Abs. 2). Und DEIN FRAGILES MACHO-EGO muss halt einfach eingehegt werden. Wenn du dich durch eine starke Frau bedroht fühlst, dann entwickle dich einfach weiter. Haben viele andere auch geschafft. Dann dieser ganze Verschwörungsmythen-Kram. Du darfst ALLES mögliche behaupten. Im Internet und in real life auf der Straße. Aber du darfst nicht erwarten, dass wir alle akzeptieren, wenn du vollkommenen Quatsch mit Soße, wie diesen Q’anon-Müll, Flatearther-Kram, Reptiloiden, dass Impfungen Autismus erzeugen würden, Reichsbürger-Lügen oder ähnliches von dir gibst. Denn all diese Dinge lassen sich sehr leicht auseinandernehmen. Wenn du das glauben WILLST ist das okay – es gibt auch Leute, die an das fliegende Spaghettimonster glauben. Wobei ich ja denke, DIE meinen das ironisch, aber.. du bist unironisch einfach nur nervtötend dumm, wenn du alle Gegenbeweise in den Wind schlägst und versuchst, anderen Menschen deinen Glauben so lange ins Gesicht zu schlagen, bis sie dir Recht geben. Dass “Überzeugung” immer noch so funktioniert, wie bei den Katholiken im Südamarika des 15. Jahrhunderts… oder bei den Amis im Kuwait und im Irak. Funfact – das hat noch nie so richtig funktioniert. Steck dir deine Dogmen also dahin, wo die Sonne nicht scheint, Nachbar!

Kommen wir auf “das System” zurück. Wir in Deutschland hier leben weitgehend alle im gleichen. Nennt sich Kapitalismus. Haste wahrscheinlich schon mal probiert und warst vielleicht erfolgreich, vielleicht auch nicht. Ich verrate dir etwas über den Kapitalismus: er belohnt stets die Skrupellosen, Rücksichtslosen, Unempathischen und Unethischen am stärksten. Denn der freie Markt, auf dem sich Anbieter und Nachfrager als freie Wesen begegnen, um einen Handel zum beiderseitigen Vorteil abzuschließen, ist eine Legende. Angebot und Nachfrage erzeugen automatisch ein Machtgefälle, dass im nicht-regulierten Kapitalismus schamlos ausgenutzt wird. Du hast doch bestimmt auch von den völlig überteuerten Motelzimmern während der Fußball-WM in den USA gehört, oder? Und du rennst gerade einer Partei hinterher, die in ihrem Wesenskern ultra-neoliberal ist und den Profiteuren des Kapitalismus, also den Skrupellosen, Rücksichtslosen, Unempathischen, Unethischen noch mehr Macht verschaffen möchte. Das will die CDU/CSU übrigens auch, nur dass die dabei nicht mit der Brechstange vorgehen. Das aktuelle AfD-Parteiprogramm S. 75, Abs. 11.4 fordert die Abschaffung der Erbschafts- und Vermögenssteuer. Instrumente, die dazu da sind, soziale Ungleichheit nicht noch weiter eskalieren zu lassen, als sie das eh schon ist (sucht euch die Informationen zum Gini-Koeefizienten zur Vermögensverteilung doch bitte einfach selbst raus). Und gleichzeitg Instrumente, welche die AfD eigentlich bitter nötig brauchen würde, um all die anderen Dinge gegenfinanzieren zu können, die das eher rückwärtsgewandte Familienbild der Partei zu zementieren helfen sollen – sollte ihnen jemals die Machtergreifung gelingen (und ja, ich weiß, der Begriff ist polemisch). Da kann man sich ausrechnen, was nicht passieren wird… ach ja, Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen. Man muss ja erst die Großspender bedienen und sein Schäflein mit Nebeneinkünften zusätzlich zur Abgeordnetendiät ins Trockene bringen. Denn, wie Lobbyismus funktioniert, hat die AfD schon lange begriffen und hält ihre Hände oft noch eifriger auf, als die sogenannten Altparteien.

“Das wird man doch wohl noch sagen dürfen” ist die Monstranz derer, die für sich uneingeschränkte Meinungsfreiheit reklamieren, jedoch keine Lust haben, sich mit dem gesellschaftlichen Diskurs auseinander zu setzen, den diese Meinung unter Umständen hervorruft. Denn Rassismus, Chauvinismus, Mysogynie, Geschichtsklitterung, “altenative Fakten” und Verschwörungsideologie mögen in den Augen jener, die sich nach einfachen Antworten auf die Fragen einer immer komplizierter werdenden Welt sehnen, legitime Meinungen sein – für die Demokraten sind sie es NICHT! Und wenn man Unfug in die Welt setzt, darf man sich nicht wundern, wenn man Shitstorms erntet. Das große Problem dabei ist, dass die Grenze dessen, was gesagt werden kann dabei immer weiter nach rechts in Richtung ungebremster Hassrede verschoben wird. Vor ein paar Jahren fings es an mit “kleinen Paschas”und “Kopftuchmädchen” und manchem anderen – alles herabwürdigend gemeint – und insbesondere die CDU/CSU hat sich den Sprachduktus der AfD angeeignet (siehe Migranten beim Zahnarzt, Herr Merz!), weil sie hoffte, konservative Wählerstimmen zurückzuholen. Gemäß Franz-Josef Strauss’ altem Diktum, dass es keine rechte Kraft neben der CDU/CSU geben darf. Hat ja super funktioniert…

Das Problem hat zwei Seiten: auf der einen ist die neo-faschistische Symbolpolitik, die Fakten völiig ausklammert, um Gefühle und vor allem Ressentiments bedienen zu können. Und auf der anderen Seite die offensichtliche polit-handwerkliche Unfähigkeit der Altparteien, die Herausforderungen in unserem Lande WIRKLICH anzugehen. Wo wurden denn Probleme gelöst? Steuern? Immer noch werden Kapitaleinkünft bevorteilt und Lohneinkommen geschröpft. Immer noch traut sich niemand, die Vermögensschere ein wenig weiter zu schließen. Renten? Oh dear don’t start me please…! Gesundheit und Soziales? Anstatt wegweisende Projekte flächendeckend einzuführen, Pharmausgaben zu reduzieren, die Prävention und die Präklinik zu stärken und Patientenströme tatsächlich effizient zu managen (was zunächst Investitionen braucht) wird überall bei Leistungen der Rotstift angesetzt. Da fühlt man sich als Bürger so richtig gehört. Bildung? Bildungspolitik machen in Deutschland Dilletanten mit Parteibuch (sogenannte Kultusminister) anstatt Fachleute. Und billig muss es sein – kleiner Hinweis von einem erfahrenen Berufsbildner: gute (Aus)Bildung kostet! Punkt! Energie? Außenpolitik? Ich könnt noch eine Weile weitermachen. Auch ich fühle mich verschaukelt – insbesondere als Sozialdemokrat.

Will heißen – die Leute fühlen sich verarscht. Und dann kommt jemand daher und gibt den Leuten das Gefühl, es besser zu machen. Auch wenn die Substanz unter diesem Gefühl völlig anders aussieht, als das, was verkauft wird. Aber verkaufen – DAS können die blauen Rattenfänger. Inhaltlich stellen? Die Inhalte sind zusammengeklauter Kokolores aus den 30ern – 50er des vergangenen Jahrhunderts. In der Hinsicht müsste sich Friedrich Merz eigentlich wohlfühlen, entspricht doch vieles davon offenkundig seinem eigenen Weltbild. Man muss die Blaubraunen mit offenen Emotionen stellen, sie mit ihren eigenen Waffen schlagen: Mahnwachen und Fackelzüge vor den Wohnungen ihrer Vertreter. Ihnen in jeder Diskussion ihre Falschheit um die Ohren schlagen, bis sie bluten, jedes bisschen Dreck ans Licht zerren und ausschlachten, bis es weh tut – und währenddessen das Verbotsverfahren ans Laufen bringen. Ich fordere: VERBOTSVERFAHREN JETZT! Lasst sie uns aus allen Parlamenten treiben, bevor sie 2033 eine Symbolwahl betreiben können. Nieder mit dem Faschismus! Nieder mit den Neo-Nazis. ¡No pasarán! Ach… und übrigens… schönen Start in eine “glorreiche” neue Woche.

Auch als Podcast…

A sudden trip to the past…

Unser Gedächtnis ist ein wundersames Konstrukt, das Unvorhersehbarkeit produziert. Je länger wir leben, desto wahrscheinlicher scheint es zu werden, dass man bestimmte Trigger braucht, um sich an manche Dinge überhaupt erinnern zu können. Und ich spreche da nicht von der PIN für die Bankkarte (obwohl das natürlich keine Nichtigkeit ist, wenn man gerade in einem kleinen indomethischen Kunstlädchen eine Statue des alten Gottes Baklava als Mitbringsel für Klimageplagte Freunde im teutonischen Südwesten kaufen möchte. Doch wahrscheinlich ist in Indomethien eh nur Bares Wahres). Aber zurück zum Erinnern. Ich meinte da eher jene speziellen Engramme unseres Cortex, welche große, lebensverändernde Dinge beschreiben. Wie etwa eine Hochzeit, die Geburt des ersten Kindes, oder andere, (meist) einzigartige Höhepunkte. Gleiches gilt natürlich auch für die Tiefpunkte, obschon viele DIESER Erinnerungen getrost im Orkus verschwinden könnten; na ja, wenigstens taugen die häufig als Stoff, aus dem Lernen entsteht. Also… Lernen durch Schmerz meine ich. Aber komischerweise fallen uns unsere fails, fumbles und goof-ups immer ziemlich leicht ein. Zum Beispiel Nachts gegen 02:30, wenn wir gerade schlafen wollen. Oder kurz vor einer ähnlich gelagerten Situation, die uns eh schon Kopfzerbrechen bereitet. Oder einfach nur, “weil”. Denn “weil” kann auch ein ganzer Satz sein. Die Höhepunkte hingegen, selbst jene, die wirklich schön, erregend, siegreich waren, oder zu großem persönlichem Wachstum angeregt haben, die verschwinden nach und nach im Nirvana des Vergessen: “War schon schön…! Ja und jetzt…? Next!” Denn wir erinnern Negatives besser, weil uns das vor Gefahren schützen soll. Und so bleiben die schönen und oft auch wichtigen Dinge außer Sicht. Bis man zufällig an der richtigen Stelle vorbei kommt…

Ich hatte im letzten Blogpost im Nebensatz erwähnt, dass ich bei meiner Hitzeflucht aus der großen, öden Stadt per Zufall an einem Ort aus der Vergangenheit vorbeigekommen bin. Und das war nicht irgendein Ort. Es war jene hübsche kleine, ländlich gelegene Kapelle, in welcher die beste Ehefrau von allen und Ich uns vor unterdessen bald 26 Jahren das Ja-Wort gegeben hatten! Wir hingen damals romantischen Vorstellungen an, also sollte die Hochzeit auch ein romantisches Erlebnis werden. Dass am Ende Manches dann nicht ganz so romantisch war, aber dennoch ein – eigentlich – unvergesslicher Tag daraus wurde, dass verschwindet im Alltagsgedöns oft aus dem Blick. Doch als ich durch das Dorf rollte und den Bau erblickte, da liefen plötzlich wieder die Bilder. Ich musste wenden und ein kleines Stück zurück fahren, denn wie stets war ich ein wenig flott unterwegs. Doch dann dort unter den Bäumen auf der flachen Mauer zu sitzen war ein Throwback der besonderen Art. Was für ein Ritt damals! Was für ein Ritt seitdem! Einige Protagonisten jenes Tages leben nicht mehr, andere sind nicht mehr Teil jenes kleinen Kosmos, der landläufig als Familien- und Freundeskreis bezeichnet wird. Ein paar Entscheidungen waren im Nachhinein falsch, manche Freundschaft wohl doch nicht so tief empfunden, wie gedacht. Und doch – was bleibt, sind einerseits Erinnerungen an eine damals subjektiv wirklich gute Zeit; andererseits bleibt die daraus erwachsene Verbindung. Denn das “Ja, ich will!” hat nach wie vor Bestand. Und DAS muss man in dieser ach so verrückten Zeit wohl als besonderes Geschenk erachten. Es zeigt mir aber auch noch etwas Anderes: wir wissen oft nicht wirklich zu erkennen, was unser Leben reicher macht! Nicht Geld, nicht Anerkennung, nicht Erfolg, nicht irgendwelcher materieller Besitz – sondern einfach nur für jemanden da zu sein und das Gleiche von dieser Person zu erleben. Das gilt natürlich nicht nur für eine (unsere) Paarbeziehung. Jedoch im besonderen Maße, denn Langzeitbeziehungen brauchen Pflege. Und Pflege bedeutet Arbeit. Doch solange man diese immer noch gerne investiert, stimmt das Gesamtpaket noch. Und das manche Protagonisten jenes Tages heute eher als Falsche Fuffziger im Kopf wohnen… Schwamm drüber, kannste nix machen. Wer will schon dauernd in der Vergangenheit leben?

Ich referiere ja durchaus nicht selten über die Verknüpfung von Emotionen und Erinnerung. Alle möglichen kognitiven Aspekte unseres Daseins (Fähigkeiten, Faktenwissen, aber eben auch biographische Dinge) bleiben am Besten im Gehirn, wenn sie mit starken Emotionen verküpft sind – wobei damit nicht gesagt ist, ob es “gute” oder “böse” Emotionen sind. Aber… gibt es das überhaupt, “gute” und “böse” Emotionen? Ekel schützt uns davor, Dingen nahezukommen, die uns Schaden könnten. Angst hält uns davon ab, gedankenlos dumme Dinge zu tun. Wut ist ein Motor und unerbittlicher Anfeuerer, der uns zu Höchstleistungen anspornen kann. Trauer fordert uns heraus, resilienter zu werden. Verachtung schützt uns vor Menschen, die uns Schaden könnten. Überraschung macht uns aufmerksam gegenüber unserer Umwelt. Und Freude… ja die Freude stärkt unsere sozialen Bindungen, wenn sie mit Menschen verknüpft ist. Und NUR, wenn sie mit Menschen verknüpft ist, wirkt sie wahrhaft bereichernd für unser Leben. Denn der Kick der Geschwindigkeit in deinem Porsche lässt nach, sobald du den Fuß vom Gas nimmst. Aber solange dein Fuß immerzu, immer wieder auf dem Gas steht, verschwendest du Ressourcen, die man für andere – nachhaltigere – Dinge besser gebrauchen könnte. Scheiße, wenn man mal WIRKLICH drüber nachdenkt, oder? Ich sage ja immer wieder, dass ich es mit Dr. Banner (HULK) halte: “Ich verrate Ihnen ein Geheimnis, Cap: ich bin immer wütend!” Es ist diese Energie, die mich gerade erst hat meine Position neu finden und verteidigen lassen! Es ist diese Energie, die mich aufstehen lässt gegen Unrecht! Es ist diese Energie, die mich produktiv macht – denn, wenn ich wütend werde, weil irgendwas nicht klappt, dann arbeite ich solange daran, bis es klappt! Aber die anderen Emotionen wohnen natürlich auch in mir – etwa die Freude, mit meiner besten Ehefrau von allen immer noch zusammen sein zu können / wollen / dürfen. Und daran habe ich mich gestern und heute erinnert. Wenn jetzt noch die Scheißhitze ENDLICH nachlässt, kann die neue Woche nur gut werden.

Auch als Podcast…

The heat is on…

Es mag ein Hinweis auf die gegenwärtige Großwetterlage sein, dass ich diesen Beitrag im Garten unter einem Schirm sitzend tippe, unterbrochen durch regelmäßige Besuche eines recht großen Planschbeckens, welches wenige Meter entfernt im Schatten kleiner Bäume steht. Dazu gehört aber auch der deutliche Hinweis, dass dies keine Glosse über’s Wetter wird. Allenfalls lasse ich en passant ein paar Worte über meine subjektive empfundene, totale Hilflosigkeit gegenüber dieser Omega-Wetterlage fallen. Denn gegen alle anderen möglichen und unmöglichen Dinge kann man irgendetwas tun – auch, wenn es nur Worte sind. Dass die Feder mächtiger als das Schwert sei, ist ja eine Behauptung, die nicht in allen situativen Gegebenheiten Gültigkeit erlangt. Wenn mich jemand mit einer Waffe angreift, nutzen Worte meist wenig. Es sei denn, es handelte sich um eine Zauberformel. Aber derlei funktioniert nur im Kontext meines liebsten Hobbys. In realiter werde ich mich entweder verteidigen, oder Fersengeld geben. Ich selbst bin allerdings recht langsam, also… Dachlatte. Oder, was halt sonst so gerade in Griffweite umherliegt. Es hat doch jeder von uns irgendwo solchen potthässlichen – aber durchaus gewichtigen – Nippes rumstehen, denn Tante Friedegunde anno einunschlörpzig aus ihrem Indomethien-Urlaub mitgebracht hat. Hernach ist der Angreifer außer Gefecht und der Nippes hoffentlich perdu. Aber du kannst mit einer noch so schweren (und hässlichen) irdenen Figur des alten Gottes Baklava nicht auf Hitze einschlagen. Nur auf die Meteorologen. Und das wäre ungerecht, denn die machen auch nur ihren Job.

Wunderschön anzusehen – und doch kämpft man dort schon mit viel härteren Problemen

Wie wäre es aber mit den Politikern, die um’s Verrecken nicht verstehen wollen, dass sie für Profite unsere Zukunft zerstören. So dumm ist doch nicht mal Gas-Kathi, die mittlerweile auch nur noch als Handpuppe der Lobbyisten wirkt. Noch dazu ermöglicht das Profite, die nur einem sehr kleinen Teil der Menschen zu Gute kommen, denn die reale Existenz des “Trickle-Down”-Effekts ist in diversen Studien widerlegt worden. Wie wäre es also, so jemandem eine Figur von Baklava in die Fresse zu schlagen? Ob das Schädelhirntrauma oder der Zuckerschock die Person dahinrafft, wäre dann ja eigentlich völlig einerlei. Aber, aber… wir sind doch nicht gewalttätig – außer der Andere fängt an. Doch man muss sich ernsthaft fragen, was denn nun noch passieren muss, damit man ENDLICH damit beginnt, längst überfällige Dinge zu tun: wie etwa Investitionen in Klimaneutralität, aber eben auch Maßnahmen zum Schutz vor kommenden Extremwetterereignissen. Eigentlich ist es ein schlechter Witz, dass man den ganzen Querdioten, AFDeppen, aber leider auch so vielen stinknormalen Konservativ-Almans immer wieder erklären muss, dass Klima-Erwärmung nicht automatisch bedeutet, dass es dauern heiß ist, sondern dass die Zahl extremer Wetterereignisse seit etwa 30 Jahren erheblich zunimmt. Nein, Hans-Dieter, es war nicht schon immer so wie jetzt! Da bescheißt dich deine Erinnerung! Und genau, weil es so viele Trottel gibt, die einfachste Zusammenhänge nicht verstehen, selbst wenn man ihnen ein Piktogramm und ein paar Worte in einfacher Sprache auf eine Serviette malt, brauchen wir SEHR DRINGEND VIEL MEHR Investitionen in Bildung. Weil auf Grund der Politik, die tote Pferde subventioniert (fossile Technik), was ausschließlich den eh schon zu viel Habenden zu Gute kommt, auch noch die eh schon schlechter Gestellten keine Ressourcen haben, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen, müssen Gesundheit und Soziales ebenfalls neu auf die Agenda. Politiker sind nicht ausschließlich dazu da, die Wirtschaft zu schützen – ihr Handeln MUSS dem Wohl ALLER Bürger*innen dienen. Das zu den Bürger*innen auch Unternehmer*innen gehören, ist selbstverständlich. Aber eben nicht nur die.

Ich habe keine Figur des alten Gottes Baklava. Und ich bin auch nicht gewalttätig. Aber ich habe Sorgen. In den letzten Tagen spürte ich, wie ob der nicht nachlassen wollenden Hitze nach und nach eine völlig irreale Angst in mir aufkam. Die Angst, dass das jetzt so weiter geht, bis wir einfach alle an den Temperaturen verreckt sind. Ich gehe körperlich auf dem Zahnfleisch, weil ich kein Jungspund mehr und leider auch nicht allzu schlank bin. Dass zusammen mit meiner Depression hat eine veritable Panikattacke in mir aufkommen lassen. Ich habe unterdessen eine Strategie gefunden damit umzugehen, aber gestern Abend hätte ich nicht in Worte fassen können, wie es mir wirklich geht – und ich war alles in allem so fertig, dass ich nicht mal ein vernünftiges Gespräch mit der besten Ehefrau von allen Zustande brachte. Die nebenbei bemerkt von diesem Mist ebenso gehörig die Schnauze voll hat, wie ich. Denn immer noch gilt “The heat is on!” Heute morgen hatte ich daher früh das Haus verlassen, bin eine Runde durch den See geschwommen und danach in einem nahe gelegenen Mittelgebirge umher gestromert. Ich fand ein Plätzchen, das erträglicher war, als die heimatliche Hütte, schrieb etwas in mein Journal, kam hernach an einem Ort aus der Vergangenheit vorbei und als ich die Tore der Stadt auf dem Heimweg zum zweiten Mal passierte, war ich mit der Hitze als ständiger Begleiterin gewachsen. Natürlich sind regelmäßige Cooldowns trotzdem erforderlich, denn die menschliche Physis ist für solche Temperaturen eigentlich nicht gemacht; zumindest meine nicht. Aber der Schrecken hat sich weitestgehend verloren. Es ist halt einfach nur beschissen heiß. Nach heute Nacht haben wir dann das Gröbste wohl überstanden. Ich kann es kaum erwarten. Aber… wenn sich dieser Meteorologe doch geirrt haben sollte, suche ich nach dieser verdammten Baklava-Figur, wallah… Bis die Tage.

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°74 – erwachsen gamen…?

Eines vorweg – bei den idiotischen Temperaturen da draußen (hier aktuell 34°C…) fließen Gedanken manchmal nur wie Melasse. Dennoch haben wir uns dieses Wochenende dazu getroffen, zu zocken. Pen’n’Paper natürlich, dieses Mal unter hartem Einsatz von literweise gekühlten Getränken, feuchten Handtüchern und Ventilatoren in JEDEM Zimmer. Muss man wollen, ich weiß. Wollten wir aber, also zählte der Einsatz! Nun ist das eine Runde mit lauter erfahrenen, engagierten Spieler*innen, die sich was aus dem Hobby, der Geschichte und ihren Charakteren machen. DAS bereitet mir Freude, denn ich selbst möchte am Spieltisch heutzutage vor allem Immersion erleben. Ich möchte die Secondary World mit den Augen meines Charakters sehen. Ich sehe unsere echte Welt viel zu oft mit meinen eigenen Augen. Ich möchte Dinge tun, ganz gleich ob richtig oder falsch, gut oder böse, klein oder groß und die Konsequenzen daraus erfahren. Ich möchte Risiken eingehen, weil es aus Sicht meines Chars das Richtige ist. Und ich wünsche mir das bei meinen Spielern genauso, wenn ich mal wieder mit dem Spielleiten anfange. Ich stelle immer wieder fest, dass ich mit Casual Gaming im Bereich Pen’n’Paper nicht mehr ganz so viel anfangen kann. Vielleicht, weil ich mittlerweile zu oft Kampagnen hatte, die mit tendenziell geringer Ernsthaftigkeit dahin geplätschert sind. Bei denen ich, sowohl als Spieler, wie auch als SL zusehen musste, wie von mir aufgebaute Dramatik für billige Witzchen geopfert wurde. Wie Spieler*innen nicht die Bohne Eigeninitiative entwickelt haben und immerzu an der Haltestelle für den Plotbus sitzengeblieben sind, obwohl der schon lange fuhr. Wie man in jeder Situation verzweifelt auf sein Charakterblatt geschaut hat, als ob dort eine Lösung stünde. Wie Chars halt einfach immer nur 0-Dimensional geblieben sind.

In beiden Runden, in denen ich momentan spielen darf, reflektieren wir das Geschehen am Spieltisch im Nachgang. Denn die eine Prämisse ist, dass die gemeinsame Geschichte und das Handeln der Chars in dieser kohärent bleiben sollen; die Andere, dass dabei alle Spaß haben sollen. Dafür muss man manchmal nachjustieren. Das Verhalten, welches dabei an den Tag gelegt wird, könnte man als erwachsen bezeichnen. Menschen, die in der realen Welt häufig verantwortungsvollen Tätigkeiten nachgehen und über viel Lebenserfahrung verfügen, feedbacken sich gegenseitig, um für alle Beteiligten die bestmögliche Erfahrung schaffen zu können. Das klingt für Außenstehende jetzt möglicherweise ein bisschen nach sozialpädagogischem Sitzkreis. Ich darf versichern – es fühlt sich auch ein bisschen so an; was absolut kein Fehler ist. Viele gesellschaftliche Kontexte könnten etwas mehr Sitzkreis vertragen, dann hätten wir vielleicht nicht so viele Konflikte. Der für mich wichtigste Aspekt dabei ist, dass wir stets in der Lage sind, das Innenleben unserer Chars und unser eigenes voneinander zu differenzieren. Und das funktioniert für mich zumeist sehr gut. Was meine Chars denken und tun, ist deren Interaktion mit der Welt geschuldet. Sie ärgern sich, haben Angst, freuen sich, kämpfen (manchmal mit sich selbst, manchmal mit Gegnern) schließen Freund- und Feindschaften, verlieben sich, wachsen mit ihren herausforderungen… und ich als Spieler erlebe das oft mit einem Schmunzeln, weil ich natürlich im tiefen Grunde meines Herzens weiß, dass das alles nur willing suspension of disbelief ist. Ich kann diese virtuelle Person jederzeit verlassen und wieder in der realen Welt agieren. Und dennoch werden die Struggles, die Kämpfe, die Siege und die Niederlagen, die Motive und Ziele, die Entwicklung für mich real genug, dass ich darin investiert bleibe. Das ist, wie ICH dieses Spiel speieln und leiten möchte.

Das mag jetzt beinahe wie Arbeit klingen. So erwachsen und reflektiert. Aber genau das ist es eben nicht. Im Kern spiele ich die ganze Zeit “Was wäre wenn…?” in einer deutlich weiter entwickelten Variante von “Räuber und Gendarm”. Ich lasse mein jetztzeitiges ICH in der Realität zurück und beschäftige mich mit Herausforderungen, die – ganz gleich, wie virtuell sie auch sein mögen – im Moment des Spielens so real werden, dass sie mein Denken und Fühlen bestimmen. So wie ein Kind sich im Spiel verliert und durch Erreichen des Flow-Zustandes (fast) alles um sich herum vergessen kann, bis irgendein genervter Erwachsener an die lästigen Zeitvorgaben der echten Welt erinnert – und die secondary world zerfasert. Das tut sie auch für mich, wenn die Sitzung endet. Nur dass wir erwachsenen Gamer uns unsere Zeitvorgaben selbst machen dürfen 😉 Diesen Flow als Spieler (wieder) erleben zu dürfen ist ein riesiges Privileg. Denn in den Runden, in denen ich letzthin geleitet hatte, war mir die Leichtigkeit, die Lust am freien Spiel, die Fähigkeit, Drama zu kuratieren, ohne die Spieler*innen in ihrer Handlungsfreiheit einzuengen abhanden gekommen. Eben, weil ich diesen unbedingten Drang, das Spiel mit gestalten zu wollen, den ICH immer und überall mit an den Tisch bringe nicht fühlen, nicht sehen, nicht erleben durfte. Wahrscheinlich habe ich irgendwann meine Selbstwirksamkeitserwartung (zu) hoch geschraubt und damit meinen eigenen Spielspaß gekillt. Doch die Runden, in denen ich momentan spiele, wirken unterdessen für mich wie eine Ladestation für den Forever DM in mir, der eigentlich immer Spaß am Spieltisch gehabt hatte. Ich verstehe es als erwachsenes Spiel, bin aber gerade dabei, mein inneres Kind mit dem erwachsen agierenden Gamer zu versöhnen. Fühlt sich gut an. Auch wenn ich dieses Wochenende einmal zwischendurch die Erfahrung machen musste, dass die hohe Dichte an konflikthaltigen social encounters mich deftig getriggert hat – wegen der vielen Intrigen, Bigotterie und Hinterfotzigkeit, die ich in den letzten 18 Monaten bei der Arbeit erleben musste. Schwamm drüber. War trotzdem schön. Auch, wenn wir in real life beinahe verdampft wären… So, ich wünsche euch einen erträglichen Start in die neue Woche. Ich muss jetzt noch Kampagnen-Journale schreiben. Draußen ist es eh zu heiß für irgendwas anderes…

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What about happiness…? (Part 7)

Das Wichtigste zuvorderst – aus meiner Sicht ist mein Status weiterhin ungeklärt. Aber dem werde ich nächste Woche Abhilfe schaffen. Die ersten Tage waren zumindest teilweise ein ziemlicher Hustle, weil vieles liegen bleibt, wenn man in Urlaub ist. Nicht nur bei der Arbeit. Zudem tut meine physische Gesundheit nicht so, wie sie soll, was natürlich zusätzlich auf’s Gemüt drückt. Und wir sind hier in einem Wetter gelandet, dass sich die letzten Tagen so gar nicht nach Mitte Juni angefühlen wollte. Schlecht für den weiteren Abbau des Vitamin-D-Defizits. Wir sind nun schon seit 6 Tagen zu Hause und letztlich lässt sich nur sagen, dass der Alltagstrott nach unserer Auszeit so viel schneller zugeschlagen hat als sonst, dass ich nicht genau weiß, wie lange das noch so weitergehen kann. Ich meine… mit Blick auf manche Dinge bin ich entspannter, aber die Sorgen und Probleme rings um meinen Job waren mit einem einzigen Fingerschnippen wieder so präsent, als wenn ich nie weg gewesen wäre. Den Ratschlag über das Verlassen des Alltagstrott, den ich mir selbst und meinen Leser*innen in meinem letzten Post aus Italien gab zu beherzigen, schaffe ich derzeit nicht mal im Ansatz! Ob’s am Energieniveau liegt, an äußeren Umständen oder der Tatsache, dass ich mir derzeit bezüglich meiner Zukunft tatsächlich unsicher bin, spielt dabei keine Geige! Damit leben muss ich trotzdem. Ich hatte tatsächlich, nachdem ich hier ausgesprochen hatte, dass ich auch zum Jobwechsel ernsthaft bereit bin, wenn sich nicht etwas ändert, nachts zum ersten Mal in meinem Leben eine Panikattacke. Ich kann gar nicht so präzise beschreiben, wie sich diese geäußert hat – außer dass sich offenkundig ein sehr tiefsitzendes Unwohlsein bezüglich meiner Erkenntnisse meiner bemächtigt hatte. Ich werde in zwei Tagen 52 und auf dem Arbeitsmarkt bin ich jetzt nicht mehr unbedingt der heiße Scheiß, auf den jeder sehnsüchtig wartet. So viel Realismus muss dann wohl doch sein. Ob ich also happy bin? Sagen wir mal so: es gibt ein paar tolle Dinge, die mich von meinen anderen Sorgen ablenken – und die machen mich sehr wohl happy! Z. B unsere TTRPG-Sitzungen (die erste hatte ich gleich gestern) Zudem verarbeite ich – wenn leider auch nicht ganz so bewusst – immer noch die Eindrücke unserer Reise. Aber wirklich happy bin ich NICHT!

Die Heimfahrt führte uns über einen letzten Stop in Italien in einem entzückenen kleinen Städtchen in der Emilia-Romagna: Castell’Arquato. Wenn man in der Gegend unterwegs ist, lohnt sich der Abstecher. Die sonntägliche Heimfahrt kostete mich eigentlich nur auf deutschen Autobahnen wirklich Nerven, denn kaum, dass man Weil am Rhein passiert hat, schaltet offenkundig jedes einzelne Mal irgendeine unsichtbare Macht die Hirne vieler Fahrer einfach aus. Sei’s drum. Wir fuhren, wie eigentlich immer in den letzten Jahren, vorher ÜBER den Gotthard, anstatt drunter durch und ich bin immer wieder fasziniert und angetan vom Hochgebirge. In Summe war es dieses Mal keine Zeitersparnis, aber auch kein Zeitverlust. Doch auch diese, im Vergleich weitestgehend stressfreie Heimfahrt bei bestem Wetter, die wunderschönen Abstecher… all das konnte dieses Grimmen in meiner Magengrube nicht vollständig überdecken. Und egal, wie sehr ich auch versuche, mich mit schönen Dingen abzulenken – so lange meine persönliche Situation noch einer nachhaltigen Lösung für die Zukunft harren muss, werde ich keine echte Ruhe finden. Dazu hängt einfach zu viel davon ab, wo ich meinen Platz haben werde und wie gut ich damit zum Unterhalt der Mischpoke beitragen kann! Da beißt keine Maus den Faden ab. Noch ein verdammt guter Grund, den Kapitalismus, wie er heutzutage ist, einfach hassen zu müssen. Ich kenne natürlich Leute, die das anders sehen. Aber aus meiner Sicht verschwenden immer noch und immer wieder viel zu viele Leute ihre wahren Potentiale in irgendwelchen Bullshitjobs, verleugnen ihre tatsächliche Berufung für den Dollar, der eben so ihre existenziellen Bedürfnisse stillt, roboten sinnentlehrt vor sich hin und vergessen unterdessen, wer oder was sie eigentlich sind… oder wenigstens: sein müssten! Zum Kotzen! Doch auch ich habe noch kein probates Mittel gegen diese wahre Pest unserer Zeit gefunden.

Die Tage saß ich mit zwei hochgeschätzen Kollegen zu Tisch und die lebhafte Diskussion hatte sich entzündet an Apples’ Ankündigung, die neue KI nicht nach Europa zu bringen, weil es keine Übereinkunft mit den europäischen Datenschützern gäbe. Die zwei Kollegen ärgerten sich darüber und argumentierten, dass Europa dadurch technologisch wie auch wirtschaftlich abgehängt würde. Meine Argumentation, dass der flächendeckende Einsatz solcher Large Language Models aus dem Silicon Valley durch weitere Monopolisierung nur zu einer weiteren Kapitalagglomeration bei den Tech-Bros führen würde, die aus meiner Sicht eine erhebliche Gefahr für die Demokratie darstellen und dass eine Einschränkung demokratischer Prozesse zur Beschleunigung technischer Entwicklung (wie etwa in China praktiziert) nicht sinnvoll sei, ist, wie ich glaube, nicht so ganz angekommen. Dazu ist mein Blick auf den Kapitalismus für die zwei Kollegen wohl doch ein Mü zu sozialistisch. Ich bin unterdessen davon überzeugt, dass Milliardäre zumindest teilenteignet, Unternehmens-Erbschaften und Kapitalerträge wesentlich stärker besteuert und eine wirklich soziale Marktwirtschaft wiederhergestellt werden müssen, um einzelnen Menschen endlich die Macht zu nehmen, “demokratische” Prozesse (und damit die Lebensumwelt der Nicht-Habenden) nach ihrem Bilde zu gestalten und die frappierende soziale Ungleichheit abzumildern. Und ich bin auch nicht mehr zu diesbezüglichen Konzessionen bereit. Ich spreche niemandem ab, dass er oder sie ein leistungsgrechtes Einkommen verdient. Aber leistungsgrecht bedeutet zum Beispiel für einen CEO nicht das 490-fache Jahresgehalt eines einfachen Mitarbeiters. NICHTS AUF DIESEM PLANETEN RECHTFERTIGT SOLCHE SUMMEN! Insbesondere dann nicht, wenn gleichzeitig die Reallöhne der einfachen Beschäftigten fallen und die nicht-fixen Bonusanteile der Management-Gehälter von der erwirtschafteten Rendite abhängen, die heutzutage allzu oft durch die “Freisetzung von Humanressourcen” (also Massenentlassungen) realisiert werden. Was in der Folge zur Arbeitsverdichtung und noch mehr kranken, ausgebeuteten Menschen führt. Vielen Dank für nichts, Kapitalismus!

Ich merke gerade, wie sehr sich meine Gedanken nicht nur um soziale Gerechtigkeit an sich, sondern vor allem auch um einen Ausweg für mich selbst aus dieser Tretmühle drehen. Und wie unhappy mich diese Erkenntnis wirklich macht. Vielleicht ist es gar nicht mal verkehrt, dass ich ausgerechnet an meinem Geburtstag wieder zur Therapie gehe. Ich wünsche euch einen wunderschönen Samstag.

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Benvenuti nelle Marche N°20

Die Tage verfliegen schnell wie der Wind, der noch gestern dicke Gewitterwolken über das Land getrieben hat. Ich bin definitiv nicht der Einzige, dem die Zeit en passant zwischen den Fingern zerrinnt; denn während wir denken und planen, tun und ahnen, passiert es einfach. Und ganz gleich, was wir fürderhin alles noch tun zu wollen oder zu müssen glauben… was in dieser Sekunde vor meinen Augen, meinen Ohren, unter meinen Händen vorbeizieht, DAS ist es, was wir Leben nennen. Angewidert und fasziniert zugleich von der unüberwindbaren Mauer der nächsten Sekunde gewahre ich, wie das Pendel unaufhaltsam vor und zurück schwingt, Zeit in kleine Stückchen schneidet, während ich – nicht allein – gebannt darauf warte, dass irgendetwas passiert, das mich aus meinem Trott herausholt. Mein Trott! Was für eine falsche und zugleich so perfide Wortkonstruktion. Macht sie mich doch selbst glauben, einem geschundenen Maultier gleich, tagein tagaus unter glühender Sonne um den Brunnen zu laufen, um Wasser zu fördern. Stupide. Eintönig. Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat, bis ein gnädiger Tod meine freud-, sinn- und nutzlose Existenz ENDLICH beendet. WAS FÜR EIN STUSS IM QUADRAT! Mutter Natur gab mir zwei Hände und einen Kopf – mithin alles, was es braucht, um für sich selbst zu denken, die Gedanken in die Welt zu tragen und sich seinen Sinn auf diese Art selbst zu schaffen. Nein, vielmehr, sich selbst zu ERSCHAFFEN. Freude und Nutzen emergieren aus der eigenen Schöpfung dann oft im gleichen Zuge, wenngleich nicht notwendigerweise. Es braucht auch ein bisschen Glück und Beharrlichkeit. Und doch… und doch lassen wir uns immer wieder in diese Spirale der selbstverschuldeten Unmündigkeit hineinziehen, weil es so viele Ablenkungen, so viele Optionen, so viele vermeintliche Vorbilder gibt, die uns weißmachen wollen, dass Andere besser wüssten, wie wir unser Leben richtig zu leben hätten. Ach verflixt, wir brauchen eine neue Aufklärung (nö… nicht die mit den Bienchen und Blümchen…)

Aber es sind immer wieder solcherlei widersinnige Wahrnehmungen, die einem die letzten Tage des Urlaubs verleiden können. Und ich werde nicht behaupten, dass es mich, oder die beste Ehefrau von allen nicht auch umtreiben würde, am Samstagmorgen – wenn auch mit einem spontan gebuchten Stop in der Emilia Romagna bis Sonntagmorgen – die Heimreise antreten zu müssen. Genau in diesem Moment jedoch sitze ich, bei ca. 26°C mit blauem Himmel, im Schatten der Pergola und schaue über das Tal vor unserem Ferienhaus. Und es ist eine wahre Wonne, denn die Landschaft ringsum ist einfach wunderschön. Der Grill kühlt noch ab, das Essen war köstlich und der Abend wird lau. Zuvor haben wir einen kurzen Ausflug gemacht und danach Bahnen im Naturpool unten am Hang gezogen. Ein idealer Tag, um zu vergessen, was zu Hause alles wartet. Aber selbst, wenn ich heute bei der Arbeit gewesen wäre und nun “nur” zu Hause auf dem Balkon säße, bliebe es immer noch meine Entscheidung, mich darob zu grämen, was ich alles “verpasse”. Denn… was verpasse ich tatsächlich? Soll ich mich tatsächlich, nur auf Grund der bunten bewegten Bildchen Dritter auf Antisocial Media der FOMO (Fear Of Missing Out) hingeben? Bildchen, die genauso hart gestellt und kuratiert sind, wie jene, die ich hier benutze? (Ja, ich bearbeite meine Fotos NATÜRLICH auch, weil ich finde, dass diese meinen ästhetischen Maßstäben genügen sollten). Bildchen, die ein Leben zeigen, so echt wie Wimpern von irgendeinem weiblichen C- oder D-Promi? Hell no, what the fuck? Mein Leben findet da statt, wo ich gerade bin – und ich bin auch kein armes Maultier, dass immerzu um einen Brunnen laufen muss, sondern ein Mensch, der seine eigenen Entscheidungen treffen, sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen, sein eigenes Ding machen kann. Zumindest innerhalb der üblichen Grenzen. Aber diese Grenzen sind okay so.

Ich schrieb die Tage über was Wollen. Ob man es überhaupt kann und falls ja, ob man es auch tun sollte. Vielleicht habe ich das noch nicht scharf genug hearusgearbeitet – JEDE*R SOLLTE WOLLEN! Nur vielleicht nicht alle das Gleich zur gleichen Zeit. Aber mit einem bisschen Individualität ist das ja auch nicht unbedingt wahrscheinlich. Solcherlei Probleme entstehen eigentlich immer nur dann, wenn große Mengen von Leuten zusammen den gleichen (falschen?) Idealen hinterhertraben, weil es a) wenigstens in eine Richtung geht, b) man nicht alleine ist, c) der/die/das da vorne schon wissen wird, was richtig ist und d) man gemeinsam ja auch stärker ist. Und schon haben wir auch noch das Patentrezept für zeitgenössische Scheiße im Ventilator: den Internet-Shitstorm. Wenn ich jetzt z.B. sage, dass alle Songs von Taylor Swift gleich klingen und ich mich nicht wundern würde, wenn diese überaus seichte Kost von einem Algorithmus komponiert worden wäre, ist das quasi gleichbedeutend mit Online-Suizid. Gottseidank ist mir das Wurscht und ich kann hier meine Meinung einfach sagen, denn alle auflaufenden Kommentare müssen sowieso erst durch mich freigegeben werden. Daher kann ich sagen: sogenannte “Swifties” sind für mich der Inbegriff medialer Selbstversklavung und -verdummung! Ich will unterdessen etwas ganz anderes! Ich will über meine freie Zeit so verfügen, wie ich es für richtig halte! Ich will – nicht nur im Urlaub – mich selbst als eigenständig und frei erfahren! Ich will gestalten, wo, wie und was ich nur kann! Und ich will kein Swiftie werden! Egal für welches dämliche Medien-Franchise auch immer. Da bin ich lieber mein eigenes Medien-Franchise. Und während ich all dies hier schrieb, da ist die Zeit voran geschritten, wurden kleine Stücke durch das Pendel des Schicksals abgesäbelt, die sang- und klanglos im allzeitigen Strom des ewigen Vergehens mitgerissen worden sind; und es hat nicht mal wehgetan. Denn die Zeit ward gut verbracht, weil die Entscheidung, sie so zu verbringen MEINE war. Und… was habt ihr heute so gemacht, das für euch Sinn ergeben hat; ganz gleich ob in der Ferne oder zuhause? Wir hören uns die Tage wieder…