Den Faerie’s Inkpot Verlag gibt’s noch!

Wie sich’s ergibt, tut sich jetzt nach längerer Pause auch auf der Autoren-Seite http://www.faeries-inkpot.de endlich mal wieder was. Mein Kompagnon und ich wollen mal eine andere Art der Publikation versuchen und würden uns sehr freuen, wenn auch ein paar Besucher kämen um sich das anzuschauen. Enjoy, it’s for free!

Das mit den Büchern… [die angeblich tot sind!]

…ist so eine Sache. Wenn man den, oftmals mutmaßlich vom einen oder anderen Interessenvertreter schöngefärbten Befragungen Glauben schenken darf, ist das Buch tot – oder auch nicht! Wiedergeboren als Ebook, oder doch noch als lieb gewonnenes Rudiment eines toten Baumes im Regal den dekorativen Staubfänger spielendes Wohnraumaccessoire im Rennen; womit ich noch lange keine Wertung abgegeben haben möchte, das kommt erst später. Aber wie man’s auch betrachtet, die Weitergabe von in Schrift reproduzierten Sprachäußerungen ist und bleibt eines der Hauptkulturmedien des Menschen.

Man könnte sich nun in einer Aufrechnung ergehen, aber ich denke, dass es kaum einen Unterschied für Mutter Erde macht, ob man von Menschenhand monokulturierte Nutzwälder schnetzelt, oder im Tageraubbau seltene Erden und Ähnliches schürft – ökologisch betrachtet ist beides schwierig. Und wenn nun jemand daher kommt und den Umstand anführt, dass ein Ebook-Reader aber viel praktischer ist und weniger Ressourcen verbraucht, weise ich auf die geplante Obsoleszenz hin – das mehr oder weniger trickreich in jedem modernen Gimmick geplant implementierte Verfallsdatum – die in den buchhalterischen Kalkulationen unserer lieben Technikkonzerne mittlerweile zu einer festen Stellgröße für den Profit geworden ist. Das mit dem Ressourcenschonen halte ich also für fragwürdig – siehe fest verdrahtete Akkus in Smartphones etc.; keiner ist bereit, sich hier genau in die Karten schauen zu lassen, so dass wir die ökologischen Folgen unternehmerischen Handelns nur sehr grob abschätzen können. Mutmaßlich läuft es aber wieder einmal auf die personalisierten Gewinne und sozialisierten Kosten hinaus. Da wir alle diesen Preis mittels der Natur, in welcher wir leben wollen zahlen müssen, könnte es sich als hilfreich erweisen, auf das Eine oder Andere einfach mal zu verzichten und genau darauf zu achten, bei wem man einkauft. Fällt auch mir schwer, aber ich will wenigstens versuchen mich diesbezüglich als lernfähig zu zeigen.

Doch das war noch nicht mal, worauf ich hinaus wollte. Das Buch ist nicht tot! Auf der re:publica hat jemand orakelt, dass wir bald keine Bücher mehr lesen werden, dass Ebooks auch nur eine Übergangsphase seien, weil wir halt noch zu sehr an die Haptik des seitenweise gegliederten Textes gewöhnt wären. Social reading würde das jedoch alsbald ablösen. Aha? Na sowas. Social Reading also? So wie … social media, social networking, social cloud, usw.? Als wäre es kein social reading, wenn ich meinen Lieben abends auf der Couch aus einem Buch vorlese? Was soll der Begriff überhaupt?

Es soll bedeuten, dass man sein Leseerlebnis mit Anderen teilt. Also quasi Bücher mit “share”-Buttons. Yo, und was zum Henker ist jetzt daran neu, dass man sich über jene Bücher, die man gerade so liest austauscht? Der Gedanke ist so alt wie die Lesesalons der Gesellschaftsdamen. Da ist absolut nichts Neues dran – außer dem Zeitansatz, denn unsere neuen Medien erlauben es nun, diese shared oder social experience zeitgleich mit dem Leseprozess zu erleben. Ich wage einfach mal folgende, den Digitalnomanden vermutlich recht kühn anmutende Behauptung: an der Existenz des Buches als Medium zur Vermittlung von Wissen, Ideen, Bildern, Idealen, Ideologien, vor allem aber auch Unterhaltung wird das nur recht wenig ändern. Die Art, wie wir Bücher konsumieren, hat sich ja schon zumindest teilweise geändert, doch ich will nicht vorhersagen müssen, wie es auf den Menschen langfristig wirkt, wenn ich seine Aufmerksamkeit dauernd zu teilen heische. Die allermeisten Individuen, welche ich kennen zu lernen die Ehre und das Vergnügen hatte, empfinden den Konsum von gedruckten oder digital wiedergegebenen Worten als etwas, auf das man sich zumindest ein Stück weit konzentrieren möchte – insbesondere, wenn es um Wissensvermittlung geht. Jene, die nicht oder nur ungerne lesen, werde ich auch mit social reading kaum erreichen, da sie in aller Regel sowieso schon ein Problem mit ihrer Aufmerksamkeitsspanne haben. Ihnen dann das Angebot zu machen, diese dauernd von A nach B nach C nach N und wieder zurück wechseln zu können, erscheint auf den ersten Blick als Anpassung an ihre Gewohnheiten. Die Chance tiefer in einen Sachverhalt einsteigen zu können, bekommen sie dennoch nicht, da es leider einer gewissen Zeitspanne bedarf, in eine x-beliebige Materie weit genug eintauchen zu können, um sich in dieser dann sinnvoll weiter fortbewegen zu können.

Indem ich aber eine der inhärenten Charakteristika des sich Bildens – aber auch des sich Unterhaltens – nämlich die Notwendigkeit des sich individuell Involvierens und mit der Materie Auseinandersetzens, den Einsatz der persönlichen Ressourcen Zeit und/oder Mühe durch dauerndes Einanderüberdieschulterschauen entwerte, weil eine in meinen Augen durchaus wertvolle, ganz persönliche Erfahrung plötzlich eine Erfahrung des Kollektivs sein soll, erweise ich allen einen Bärendienst, weil das Fehlen der Reklusion ins Individuelle beim Lesen das Lesen als Tätigkeit schlechthin seines Reizes beraubt. Ich bin wahrlich kein Schwarzmaler, aber die Individualität einer (Bildungs)Erfahrung als Erleben der höchst eigenen Fähigkeiten ist nach meinen Erfahrungen wichtig zur Persönlichkeitsbildung und -Stabilisierung.

Nun habe ich gerade eben genauso übertrieben wie jener Sprecher bei der re:publica. Aussagen wie “dieses oder jenes Alte ist tot, denn wir haben dieses oder jenes Neue” verbieten sich von selbst, da ich kaum glaube, dass irgendjemand eine funktionstüchtige Wahrsagekugel im Schrank hat. Sicher verändert sich unsere Rezeption des Mediums Sprache mit all seinen Ausdrucks- und Darreichungsformen ständig, aber Bücher werden vermutlich, in Ermangelung eines besseren Gliederungskonzeptes, allerdings sicherlich in sich dynamisch verändernder Form noch eine ganze Weile unsere Begleiter bleiben. Ich liebe Bücher, übrigens ganz egal, ob digital oder analog. Und ich glaube, dass wir Bücher brauchen.

Indes erscheint es ein wenig seltsam, dass ausgerechnet die von mir aufgegriffene Deutung, die übrigens von Stefan Heidenreich stammt, in einem Ebook veröffentlicht wurde, welches sich selbst als schnellstes Buch der Welt bezeichnet, weil die Inhalte der re:publica 2013 an allen drei Veranstaltungstagen von den Teilnehmern protokolliert und einen Tag nach Abschluss der Veranstaltung bereits veröffentlicht wurden. Ob man sich da wohl genug Zeit genommen hatte, über die Themen wirklich nachzudenken anstatt nur viel Egogewärmte Luft umzuwälzen? Wie hoch dürfte die Reichweite dieser Veranstaltung wohl sein, abseits von Nerds wie mir…? Was für mich beweist, dass die Netcommunity sich immer noch viel zu sehr um sich selbst und ihre tradierten Rituale dreht. Wenn das mal kein Anachronismus ist…

Eine kleine Polemik über Linke…

Ich sehe dauernd Dogmen! Und ich meine damit nicht den durchaus amüsanten Film von Kevin Smith, sondern eher die krampfhaft auf das Recht haben und Recht behalten versessene Position, intellektuell eigentlich durchaus achtbar ausgestatteter Menschen, die wohl meinen, Weltverbesserung geht von ihrer – und nur von ihrer! – Erkenntnis und Weisheit aus. Überhaupt Weltverbesserung! Dieser Begriff an sich trägt, nicht ganz zu Unrecht wie ich meine, eine deutlich ambivalente Notion in sich, der Gebrauch als Titel ist doch eher selten schmeichelhaft gemeint und dennoch wünschen sich nicht Wenige unter uns ein bisschen mehr davon.

Ein bisschen mehr Gemeinsinn, ein bisschen weniger Ego, etwas mehr Nachhaltigkeit und weniger Verschwendung, einfacheren Zugang zur Nutzung von Ressourcen anstatt, Besitzverhältnisse, welche diesen restringieren; so vieles liegt im Argen und wird den kommenden Generationen als so gut wie nie mehr abtragbare Hypothek präsentiert werden, weil wir kontemporäre Menschen es verabsäumt haben, die richtigen Dinge zur richtigen Zeit auf die richtige Art zu tun. Ist ja auch viel, viel komplizierter als es klingt, was damit beginnt, dass wir nur zu gerne Dogmen zur Hand nehmen. Die geschickteren Propagandisten nennen ihre Dogmen Prämissen und verkaufen deren Notwendigkeit, mit augenscheinlich wohlfeilen Argumenten, als wertvollen Diskussionsbeitrag. Hart gesottene Gesinnungsdogmatiker jedoch nehmen jedes ihrer Worte für bare Münze und so ernst, dass man sich fragen muss, ob die zum Lachen in den Keller gehen. Und am anderen Ende des Spektrums finden sich die Verkäufer, die einfach nur ihr Repertoire aus dem Bauchladen der just jetzt beliebtesten Thesen füllen, um ihren Schnitt zu machen, sei es nun mit Gebrauchtwagen, oder in der Politik.

Prinzipiell ist das Vorhandensein von Überzeugungen, gekoppelt mit dem Eintreten für dieselben, ein durchaus lobenswerter Wesenszug. Konsequenz in Wort und Tat ist schließlich etwas, das wir speziell bei Personen des öffentlichen Lebens ja nur allzu oft vermissen müssen. Doch wie Paracelsus schon gesagt hat: die Dosis macht, das ein Ding ein Gift ist. Sobald Überzeugungen nämlich in der selbst erhaltenden Bewegungslosigkeit, im Kritikresistenten Beharren zu Denkfiguren mit Lotoseffekt degeneriert sind, an denen jedwede Hinterfragung einfach abperlt; sie also schließlich zum Dogma erhoben worden sind, beginnt das Gift des Sendungsbewusstseins seine volle Wirkung zu entfachen. Aller Charme entweicht aus dem Diskurs, wenn mit dem Hammer der Unerschütterlichkeit durch die Argumente der nun als Feinde wahrgenommenen Kritiker gemalmt wird, das die Wort- und Sinnfetzen nur so fliegen.

Hat sich die Überzeugung so verfestigt, dass ihr auch mit sinnvollen Gegenthesen nicht mehr beizukommen ist, kommen wir neben dem Alt- bzw. Neunazi am einen Spektrumende auch bei den Weltverbesserern an; jenem Typus des Nachhaltigkeit predigenden, sich mit machtvoller Äußerungsfreude linksintellektuell gerierenden Political-Correctness-Junkies, für den schon die bloße Anwesenheit potentiell konservativer Meinungen beinahe körperlich schmerzhaft zu sein scheint. Oh, ich vergaß, dass er natürlich jederzeit ökologisch verantwortlich sowie pädagogisch wertvoll handelt und Menschen, die nicht seinen Ansprüchen genügen können – oder wollen – mit seiner gefährlichsten Waffe stets aufs allerschärfste angreift: dem Dogma. Und da habe ich ja so furchtbar Angst vor…

Wenn ich ernsthaft eine Möglichkeit suche, irgendjemanden wegen Benachteiligung Anderer aus Gründen des Geschlechts, der Herkunft, der Religion, des sozialen Status, etc. anzugreifen, ist zumeist eine Analyse des Sprachgebrauchs vollkommen ausreichend um eine Diskriminierung inkriminieren zu können. Ob der Sache damit gedient ist, sie hier mal dahingestellt, mich nervt es jedoch mittlerweile mehr als nur ein wenig, dass hinter jedem “man” eine Missachtung der Rechte der Frau vermutet wird, dass Türke eine Beleidigung ist, weil man doch “Bürger mit Migrationshintergrund” sagen muss, dass man klassische Kinderbücher umschreiben soll, weil sie angeblich unsere Kleinen zu diskriminierendem Verhalten erziehen würden. Wenn man sich einfach mal des Umstandes vergegenwärtigte, dass jedes Kulturprodukt im dynamischen Kontext seines Entstehungszeitraumes betrachtet werden muss, wird speziell das letzte Argument zum Witz. Oder ist “Metropolis” von Fritz Lang kein Filmklassiker mehr?

Sprache ist gewiss ein diffiziles Instrument, dessen Beherrschung bei weitem nicht jedem Nutzer gegeben zu sein scheint. Doch das unversöhnliche Blockwarttum, mit dem selbsternannte Weltverbesserer sie als Waffe gegen jedwede andere – als reaktionär betrachtete – Meinung missbrauchen, macht mich krank. Dieses beinahe sektiererische Gehabe lässt mich zu dem Schluss kommen, dass ich mit diesen Political-Correctnes-Nazis nichts zu tun haben will. Wenn sozialdemokratisch orientierte Intellektualität durch solches Tun zur Farce, zur Karikatur ihrer Selbst degeneriert, kann man nur noch zum systemkritischen Konservativen werden. Ich wäre dann jetzt soweit. Schönen Tag noch.

Virtuelles Missverständnis

Wir unterliegen einem fatalen Irrtum; allerdings nicht dem, dass es doch noch irgendwo Idealisten geben muss und Individuen, die über gesunden Menschenverstand verfügen. Das ist kein Irrtum, denn ich durfte selbst schon welche kennen lernen. Nein, es geht hierbei um die Annahme, dass die Digitale und die Analoge Welt Ein und das Gleiche wären und folglich auch nach den gleichen Spielregeln funktionieren müssten. Wen dem so wäre, hätten viel mehr Menschen verstanden, was die Piraten eigentlich wollen; die haben es allerdings selbst noch nicht so ganz rausgekriegt…

Wir sind digital und analog vorhanden, egal, ob wir das nun wollen oder nicht. Wenn es nicht wir selbst sind, die Daten über sich preisgeben, dann sind es irgendwelche anonymen Unternehmer oder auch unsere staatlichen Institutionen, die sehr wohl ein vitales Interesse daran haben, zu sehen, wohin uns unsere Schritte auf beiden Seiten führen. Und da digitales ALTER EGO und analoges EGO immer komplementärer werden, sich in ihrem Tun oder auch Lassen immer mehr gegenseitig beeinflussen ja gelegentlich gar bedingen, je mehr wir die digitalen Medien nutzen und so unsere Spuren hinterlassen, wird die Menge des Beobachtbaren immer größer.

Der Berührungspunkt zwischen Analog und Digital, zwischen Real und Virtuell ist ein Spiegel, den wir zwar immer besser zu skalieren lernen, den wir immer öfter für unsere Zwecke zu benutzen wissen; doch je mehr, je öfter wir hineinsehen, desto öfter und intensiver schaut unser ALTER EGO zurück. Und durch seine Augen auch viele, viele Andere, die sich zum Teil selbst wundern, was wohl hinter dem Spiegel liegen mag. Tatsächlich sind wir im virtuellen Raum ein bisschen wie Alice im Wunderland; naiv, unvorsichtig und töricht – allerdings auch (wage)mutig, neugierig und kontaktfreudig. Dennoch ist das Netz natürlich nicht genauso wie die Welt hinter dem Spiegel. Die Analogie hinkt insofern, als dass zwar auch Lewis Carrolls Fantasie das Machwerk eines Menschen ist, aber er war ein Einzelner, der sich eine Geschichte ausgedacht hatte. Im Web begegnen sich jedoch Viele mit ihren je individuellen Geschichten und das alte Aushandeln der sozialen Konventionen beginnt von Neuem. Den Umstand, dass sich das Web ganz hervorragend als Instrument des Verbrechens und der Täuschung nutzen lässt, habe ich hierbei bewusst außen vor gelassen, denn dazu gibt es noch keine passenden Antworten.

Von Neuem und doch ganz anders. ALTER EGO und EGO haben Schnittmengen, die eine Menge Chancen bergen, man sollte jedoch bedenken, dass mancher Spiegel die Realität so sehr verzerren kann, dass sie zu etwas vollkommen anderem wird. Die wahre Aufgabe des so genannten Netzaktivisten sollte es folglich sein, den Spiegel so transparent zu machen, dass jeder hindurch sehen und sich selbst in der Virtualität wieder finden kann – auch jene Individuen, die sich nicht als Technikaffin bezeichnen würden. Dann müsste man sich vielleicht auch nicht mehr beklagen, dass die Telekom gerade die Netzneutralität untergräbt oder das Leistungsschutzrecht fürderhin die einfache, quellenunabhängige, kostenfreie Beschaffung von Informationen erschweren wird.
Noch gibt es weder Instrumente, welche die Möglichkeiten und Gefahren der virtuellen Welt des Internets für wirklich jedermann erfahrbar und begreifbar machen, noch ein Bewusstsein der Digitalnomaden und Cyberaktivisten dafür, wie man in der realen Welt heutzutage immer noch Politik macht. Solange man alleine auf der digitalen Schiene keinen nennenswerten Durchdringungsgrad erreichen kann, muss man nun mal nach den alten Spielregeln spielen, auch wenn diese bis zu einem Grade unflexibel, undurchschaubar und unfair geworden sind, der ganz im Habermas’schen Sinne nur noch der Selbsterhaltung der politischen Kaste dient.

Es wird also Zeit, sich der Tatsache zu besinnen, das wir im frühen 21. Jahrhundert zwar auch schon irgendwie digital existieren, aber dennoch weiterhin im Hier und Jetzt leben – setzt man dieses Wissen in Strategien um, die beide Welten an den richtigen Schnittstellen bedienen, verstehen vielleicht auch Anti-Nerds, was das Netz für sie leisten könnte.

A snipet of vision…

Irgendein deutscher Politiker hat vor nicht allzu langer Zeit sinngemäß mal gesagt, dass Visionen etwas für Wahrsager wären, jedoch nicht tauglich für die Politik. Bullshit, denn überall wird davon orakelt, was für Visionen dieser oder jener Volksvertreter für dieses oder jenes Politikfeld hätte. Nun ja, Widerspruchsfreiheit war ja noch nie eine Vorraussetzung für die wie auch immer geartete Ausfüllung öffentlicher Ämter. Es wäre ja auch noch schöner, wenn man sich tatsächlich an dem Mist messen lassen müsste, den man selbst irgendwann mal abgesondert hat.

Ich habe keine Angst vor Visionen! Im Gegenteil ist das Träumen für mich eines der wichtigsten Dinge überhaupt. Ich meine damit nicht das allnächtliche Abarbeiten des Erlebten in der REM-Phase des Schlafes; das würde bei mir eine sehr ernüchternde Bilanz zeitigen, da ich mich an nächtliche Träume nur höchst selten erinnere – im gegebenen Fall allerdings über die Maßen bunt und skurril. Mir geht es um das bewusste Erträumen von Veränderungen. Ob sich dieses dann “nur” auf mein persönliches Umfeld bezieht, oder auf größere Kontexte wie etwa meine Arbeit als zukünftiger Bildungswissenschaftler, macht dabei nur im Bezug auf die Reichweite einen nennenswerten Unterschied.

Erträumen bedeutet für mich nicht – oder sagen wir mal nur zum Teil – das vollkommen ungebundene Fabulieren ohne tieferen Zweck; viel mehr versuche ich mich auf Basis des Gekannten von Beschränkungen wie Konventionen, Regeln, Ge- und Verboten freizumachen und Sachverhalte teilweise oder auch mal in Gänze neu zu denken. Zusammenhänge umzustellen, oder zu umgehen. Kausalitäten auf ihre Absolutheit zu hinterfragen. Und ganz nüchtern betrachtet bleibt so gut wie NICHTS von alledem von Bestand, denn fast alle Grenzen, an denen wir uns orientieren sind von Menschen gemacht. Wenn ich also von Veränderungen träume, dann geht es vor allem um den Willen zur Veränderung und die Klärung von Machtfragen – und Macht irgendetwas zu tun konstituiert sich über die Korrelation von Unterstützerzahl und Willen zum Wandel. Als Beispiel hierfür sei das Ende der DDR genannt. Ob das, was ICH gerade träume für jeden die bessere Variante darzustellen vermag, sei dahin gestellt. Ich bin mir eigentlich sicher, dass andere Individuen andere Träume haben.

Ich träume aber gerade davon, sich über den Zugang zu Bildung Gedanken zu machen. Meine Frage hierbei ist, ob es möglich sein kann, eine nachhaltig organisierte Community zu schaffen, die eine breite Auswahl an Bildungsangeboten zur freien Verfügung stellt und ob irgendjemand den Mut sowie das Engagement hat, mit mir darüber zu diskutieren, wie so etwas ablaufen kann – um es dann auch zu tun! Ich sitze hier zwar nicht untätig rum, aber ich warte auf euch da draußen, die verstehen, dass nicht nur die Gesellschaft – vulgo “die Anderen” – uns etwas geben muss, sondern auch wir in der Pflicht sind, zurückzugeben!

Interconnectedness is no new phenomenon.

In fact it seems to be a predominant principle of all social interaction. We form and cultivate networks, whenever we get into communicating with somebody. The form, the strength and the rules of engagement may vary, but actors in a network are, in one way or the other, dependent on the corresponding actors and the design of environment, were the interaction takes place. This is nothing new, as so called new media have entered this field on an irregular basis throughout human history. Think about which impact the first books, printed with Guttenbergs movable letters had on the availability of information in the long run. The first nationwide radio broadcasts or televison shows? Every medium had it’s era of novelty and wonder and yet we think, being online is all that revolutionary. Why is this, I wonder?

The new media of the 21. century have brought forth a form of near omnipresence – the internet, with all it’s favors and quirks. Near omnipresence is the term of intrest here, because allthough we think of our world as getting all the more digital by any passing minute, we tend to ignore the fact, that a good percentage of humankind has as of now been decoupled from this evolution of information and communication. I don’t know if those, not yet connected would see this as a drawback or not, if they would knew what lies in that mystical world beyond the screen. Maybe they would ask, what the bravado is all about. After all it’s just a – admittedly quite highly – sophisticated form of smoke signals, isn’t it?

If we talk about social inequality regarding the availability of an internet-connection, or better the lack of it, we tend to miss the fact, that we have adapted ourselves to measuring anybody and anything with a scale, that’s been formed by our experiences which in return are at least to some point a product of our socialisation and the environment in which it took place. I can’t imagine, what it feels like to be a beduine, a mining worker in south america, or a fisherman in southeast asia and yet sometimes I think, if being someone like that I would miss what I have here, being a german paramedic and pedagogy student. Can you see the paradoxon lying in those thoughts? Humans should be equal when it comes to human rights – and we are still damn far from that goal – but they aren’t the same. We need to take the individual needs and desires, which in return are somewhat dependent on the environment into that equasion, if we want to talk about equality.

There’s no doubt, at least in my opinion, that the internet and it’s associated new media could help a great deal, when it comes to the development either socially, politically or economically of countries, which are today part of what we call the third world. But we can’t just take the experiences that were made here in the industrialized first world and simply try to solve their problems the very same way. That won’t do any good!

And yet it should be a foremost goal of anybody associated with education, to think in which ways the skills of interdisciplinary thinking and problemsolving, the ability to evaluate one’s individual situation and adapt strategys accordingly could be deployed globally, for everyone. The capability of learning existes in everyone; but to bring it to live, so that it could be useful in helping to the betterment of our human existence, thought as a whole, is taxing, problem-ridden and does come with setbacks sure enough. But it’s worth the effort, because education for everybody – done with equality, independence, individuality and humanity in mind – will unlock powers that can help make our world a better place.

The actual contemporary goal of education wordwide is to serve the needs of the ever-hungry industrial complex for skilled personal to do it’s bidding; to invent, to produce, to distribute, etc. so the cash keeps flowing. And what’s done to pupils in most schools on earth serves this purpose quite well. But the future goal must be to serve the needs of the pupils, their lust for knowledge, their creativity and their capability to participate in every aspect as equal members of the society, they live in. Their ideas of how a society operates, of what it is composed and who may take influence for what reason must evolve from the status quo, because one thing is for sure: if we don’t change humankinds modus operandi, and soon, there won’t be much of a future for the generations to come.

Thus interconnectedness, although it is as old as humanity, is still crucial to that idea, because it has been improved by the new media. Information exchange and communicating ideas, ideals and idols can be accomplished faster than ever before. This could be kind of revolutionary for education too, if it would be accompanied by learning environments, that incorporate concepts, highly adaptable to rapidly changing settings and needs. Obviously this seems to be the task set before those, about to enroll as professionals in the educational world. Yet one question remains: are we willing to work or even fight for a change?

Education can’t be discussed ignoring power issues. But contemporary new media have one attribute, that makes them appealing to be part of a solution to that problem: Their usage is somewhat democratic in as much, as there are no limitations, who can broadcast his ideas, ideals and idols, as long as the technical perequisites are met. I know these words show a somewhat idealistic view on the subject, as censorship and simple lack of the ressources limit the range of my ideas as of now, but for the purpose of motivating myself and others to work for the better educational systems it shall suffice to perceive the idea. This means, spreading the word is a beginning, but to get positive influence on decision-makers is the goal in the long run. I’ll try to do my very best to help bring about such a development.

Altmodern? (Postmodern N°3)

Um es gleich vorweg zu nehmen – nein, auch ich habe keine letztgültigen Antworten auf die tief schürfenden Fragen. Auch ich weiß leider nicht, warum Formate wie DSDS noch immer so viele Leute vor den Fernseher locken, obwohl doch immer das Gleiche passiert. Vielleicht sind wir Menschen doch so sehr Gewohnheitstiere, dass auch das regelmäßige Grauen eine gewisse Beruhigung in uns entstehen lässt. So lässt sich auch erklären, wieso gewisse Videochannels auf Youtube, deren Gehalt nachweislich asymptotisch gegen Null geht – außer man mag Idioten, die sich und ihre Meinung gerne selbst beweihräuchern – immer wieder die Spitze der Beliebtheitsskala erklimmen dürfen. Ich nehme davon hiermit offiziell durch ein Schulterzucken Notiz und gehe zur Tagesordnung über.

Modern ist, was der Durchschnitt der Menschen – falls es sowas überhaupt geben kann, wovon ich bis heute nicht überzeugt bin – als auf der Höhe ihrer jeweiligen Zeit betrachtet, womit modern z.B. auch alle Trends umfasst. Ist ja gruselig, wenn ich mir die Mode so anschaue. Modern ist, was Technik und Forschung zu jeder Zeit an unterschiedlichen Neuerungen hervorbringen, die in unser Alltagsleben Einzug halten; am augenscheinlichsten sind hier die Technischen, sie sind aber nicht die Einzigen. Womit wir bei der Frage wären, was dann mit solchen Entwicklungen wie Video 2000, der Laserdisc, der Minidisc und anderen ist. Haben ja alle gefloppt, also hat modern vielleicht auch etwas mit Beliebigkeit zu tun? Modern ist da, wo vorne ist, wo die early adopter und Enthusiasten, die Digitalen Nomaden und Weltbürger sind – nur dass so mancher Zug in die Zukunft über das Abstellgleis hinaus gerollt ist und nach dem Wegrammen des Prellbocks im Orkus der Ignoranz und des Vergessens entschwand. Was in einigen Fällen auch verdammt richtig so war! Modern ist anscheinend irgendwie das Danach; und zwar nach dem Jetzt. Quasi die Personifikation des Dranges nach jenen Dingen, die Besser und Schöner sein müssen, schlicht weil sie neu sind!

Soweit zur populistischen Erstbetrachtung. Was nun die Moderne als einen Zeitraum betrifft, wird es sogleich etwas schwieriger, weil diese der letztgenannten Beobachtung zur Folge ja mit dem Verstreichen des Momentes vorbei sein wird, den ich just jetzt gebrauche, um diesen Absatz zu formulieren – oh nein, die Moderne ist tot, also kann sie ja gar nicht mehr modern sein! Oder doch? Oder nicht? Ja wie denn jetzt?

Wenn man Moderne googelt, oder auch eher altmodisch in einem einigermaßen aktuellen Lexikon nachschlägt, wird man mit einer Fülle von Begrifflichkeiten konfrontiert, die einen kaum schlauer machen, sondern eher noch viel mehr Fragezeichen hinterlassen. Dekonstruktion zum Beispiel. Aber wenn ich über die Moderne nachdenke, dann komme ich zu dem Schluss, dass hier solche Ansammlungen verbalartistischer Hirnwichserei den Blick auf’s Wesentliche verstellen: nämlich Menschen, die im Angesicht ihrer Zeit nach Wegen und Möglichkeiten suchen, sich in dem immer komplizierter werdenden Gebilde Gesellschaft einen Platz zu schaffen, an dem sie nicht bloß subsistieren können, sondern vielmehr eine Chance bekommen, zu Individuen zu werden; am reichhaltigen Leben innerhalb ihrer Gesellschaft teilhaben zu dürfen, sich selbst zu finden – auch immer wieder neu zu finden – ein Leben zu leben, dass man als erfüllt bezeichnen könnte, das richtige Equilibrium aus Nähe und Distanz, aus Sozialität und Individualität zu erreichen; oder schlichter gesagt, ihren Platz im Leben zu bekommen und behalten zu dürfen.

Klingt einfach, ist schwierig. Sogar verdammt schwierig, denn modern bedeutet für die allermeisten Menschen, die ich kennen lernen durfte zuerst Ambivalenz. Ein Hin-und-Hergerissen-Sein zwischen der Faszination des Neuen und den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben auf der einen und der Sicherheit und Geborgenheit des Bekannten, Gewohnten auf der anderen Seite. Oft gibt es kein Richtig oder Falsch, keine analogen Entscheidungen, sondern immer mal ein bisschen Hiervon und mal ein bisschen Davon. Doch aus diesem Gemischtwarenladen der beliebigen Wege, Werte, Ideen, Idole, Ideale und Ideologien für’s frühe 21. Jahrhundert das jeweils Richtige in seine Tüte packen zu können, scheitert nicht selten daran, dass weder Startpunkt noch Ziel erkennbar bleiben, desto weiter man sich bewegt.

Folglich ist die Moderne, auch wenn sie mit jedem vergehenden Moment zur Vergangenheit wird, ein Labyrinth, für das keine Karten und keine Aussichtspunkte existieren und in dem jeder – zumindest ein Stück weit – auf sich gestellt ist. Sich da an die Erinnerung des zuvor Gekannten zu krallen, neue Fragen nach alten Mustern beantworten zu wollen, sich vor einem Zuviel an Möglichkeiten zu ängstigen und vor allem Irgendjemandem die Schuld an diesem Schlamassel geben zu wollen ist genauso menschlich, wie es uns nicht weiter bringt. Insbesondere jemandem die Schuld geben zu wollen, dass sich unsere Welt weiter entwickelt, ist Unfug; weil wir Menschen zur Kreativität befähigt sind, dies auch ausleben und so aus dem multimodalen Dauerfeuer menschlicher Schöpfungskraft ein Perpertuum Mobile erwächst, dass wir niemals werden anhalten können, egal wie Viele oder wie mächtig wir wären. Auch das ist Teil unserer menschlichen Natur.

Und so wie unsere Ideen sich zu einem Strom vereinigen, der vorwärts drängt, werden wir Menschen allesamt mitgerissen, unsere Kultur – außer in unseren Illusionen sehr weit davon entfernt, etwas von dauerhaftem Bestand zu sein, ja im Gegenteil sogar im Kern wandelbar – aber auch unsere Ideen von Gesellschaft, unsere Sicht auf uns als Menschen sind stets dazu genötigt, sich immer wieder neu zu entdecken und zu wandeln. Und doch scheint Wandel uns fremd zu sein.

Die Unwägbarkeiten des Unbekannten jagen uns wohlige Schauer über den Rücken, wenn wir sie nur zu Unterhaltungszwecken konsumieren, doch werden wir Ihnen in realitas ausgesetzt, verfallen nicht Wenige in eine Schockstarre und rufen laut – nach mehr Sicherheit, mehr Regulation, nach mehr Kontrolle. Und verkennen dabei, dass nicht nur im bislang Unbekannten, sondern auch in dem was wir sicher zu kennen und zu beherrschen glauben so viele Variablen verborgen liegen, auf die wir keinen oder zumindest keinen nennenswerten Einfluss auszuüben vermögen. Doch Leben ist ein Wagnis, wird es immer bleiben, auch wenn wir Mitglieder der kontemporären Industriezivilisationen so etwas wie eine Vollkaskomentalität entwickelt haben. Nur wenige erinnern sich anscheinend des alten Sprichwortes “Wer wagt, gewinnt!”

Altmodern – das ist, was wir gerne wären; wohl eingebettet in das Alte, das Bekannte und gleichzeitig quasi aus sicherer Distanz die Früchte des Neuen, Modernen erntend. So würden wir nur zu gerne immer weiter leben und können es doch nicht länger, weil das Geflecht der sozialen Systeme nun endgültig zu groß, die Interdependenzen zu unübersichtlich, die Stellgrößen zu Viele geworden sind und wir immer noch nicht gelernt haben, dass schwarze Schwäne passieren, gleich was wir auch versuchen und das die Zukunft passiert, egal wie sehr wir sie zu bremsen versuchen und das Wandel passiert, auch wenn wir ihn von Herzen hassen.

Ich will nicht Altmodern sein, denn ich begrüße den Wandel, selbst wenn ich vermutlich nur wenig mehr darüber weiß, als die meisten Anderen. Ich verlasse mich dabei gerne auf meine Intuition; etwas, das wir schwerst Zivilisationsgeschädigten Menschoiden erst wieder lernen müssen. Ich weiß auch nicht, ob ich damit modern bin, denn meine nahende Zukunft wird mit jedem Atemzug durch Gegenwärtigkeit zur Vergangenheit und es ist mir auch von Herzen Wurst, was eine verphilosophierte Postmoderne beherbergen mag, denn ich kann sie nicht fassen, nicht sehen, nicht mal gut ahnen. Also lassen wir stattdessen doch einfach die Moderne geschehen, anstatt über sie zu fabulieren und versuchen den Wandel, der sich auf dem Weg ergibt mit positivem Leben zu füllen, ihm eine Richtung zu geben, die uns vielleicht nach unserer gelebten Moderne in eine humanere Welt führt. Das wäre eine Postmoderne, die ich verdammt gerne erleben würde.

A snipet of politics!

Facebook ist doch keine ernstzunehmende Plattform für Politik! So, bzw. ein bisschen ähnlich hat sich heute jemand geäußert. Wie es dazu kam? Nun, jemand hat ein Bildchen der “identitären Bewegung” auf seiner Pinnwand gepostet, dass die zugegebenermaßen ziemlich unglückliche allerdings auch schon einige Jahre zurückliegende These Claudia Roths, die Türken hätten Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut zum Anlass für vaterländische Traditionsverklärung und verdeckt xenophobe Propaganda nimmt. No big deal – oder? Schließlich ist Facebook doch nur eine Social-Media-Plattform. Nur ca. 27% aller Deutschen haben einer Studie von PricewaterhouseCoopers zu Folge ja einen Facebook-Account. Nur? Habt ihr den Knall nicht gehört?

In den Vereinigten Staaten wurde die letzte Präsidentenwahl nicht zuletzt auch durch die Facebook-Kampagnen beider Kandidaten mit entschieden. Social-Media-Plattformen durchdringen unsere Lebenswelt immer mehr, ganz klassisch mit Werbung, aber auch sozialer und politischer Meinungsbildung, um nur ein paar Aspekte der gezielten Nutzung zu nennen. Das wird hierzulande auch den Entscheidern zwar erst langsam bewusst, aber alle social media sind auch Plattformen für Politik. Wo sonst sollte ich denn heute z. B. sonst Erst- bzw. Jungwähler treffen. Die schauen nur selten die Tagesschau und noch weniger lesen klassische Printmedien. Nicht nur die Pflege der Sozialkontakte, auch die Informationsgewinnung wird heutzutage in immer größerem Maße online erledigt. Und genau da muss man die Menschen ansprechen, wenn man sie für seine Meinung gewinnen will.

Nun ist es so, dass man beim Recherchieren über etwaige Hintergründe dieser oder jener Bewegung vorsichtig sein muss, denn viele Informationen, die man Online finden kann sind entweder wenig objektiv, überaltert oder schlicht falsch bzw. gefälscht. Die Perlen unter den Säuen zu finden bedarf es leider, leider echter Bildung. Und die kriegt man nicht alleine online, bedaure ganz herzlich.

Und da kommen solche Gestalten wie die Identitären ins Spiel, deren Zeichen ein wenig an düstere Zeiten erinnert. Sie bezeichnen sich als weder links, noch rechts sondern am Ethnopluralismus und kultureller Identität orientiert. Der stammt allerdings aus dem Arsenal der neuen Rechten und propagiert die Auffassung, das ethnische Zugehörigkeit von der Zugehörigkeit zu einer Kultur bestimmt sei. Dem liegt der Denkfehler zu Grunde, dass Kultur etwas statisches wäre, dass sie sich nicht über die Zeit ändern würde. Hat sie aber. Wir haben kein ständisches Gesellschaftssystem mehr, die Gerichtsbarkeit der Kirche ist nicht mehr für jeden Menschen bindend, die Geschlechtergerechtigkeit ist auf dem Vormarsch, das Faustrecht gilt nur noch für Staaten -ups, sorry – und so weiter und so fort. Kulturelle Identität ist folglich ein Produkt der jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungen – übrigens auch schon im Mittelalter – und keine trennscharfe Linie, mit der ICH mich von DENEN unterscheiden kann. Derlei ist ziemlich billige Schwarzweißmalerei.
Neben den bekannten Parteien gehen auch solche Vereinigungen über Facebook auf Sympathisantenfang. Also ist Facebook durchaus eine Plattform für Politik, und zwar ein sehr ernstzunehmende! Weil es nicht wenigen Nutzern noch an den nötigen Kenntnissen und einem gesunden Maß an Skepsis zu echter mündiger Meinungsbildung speziell in sozialen und politischen Fragen mangelt, überdies eine recht gefährliche. Jeder Flächenbrand entsteht durch einen einzigen Funken. Wer dieses Bild nicht versteht, darf mich gerne für Erläuterungen oder Diskussionen kontaktieren.

Kollaboratives Erschaffen – lädt die Wolke wirklich zum Mitarbeiten ein? (Work in Progress)

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An die Möglichkeiten und den Rhythmus des digitalen Zeitalters angepasstes Informationsmanagement als Mittel zur Wertschöpfung durch Onlineplattformen, welche die Funktionalitäten von sozialen Medien nachahmen bzw. auf speziellere Kontexte transponieren und weiter entwickeln – ist das ein Modell nur für Wirtschaftsunternehmen?

Zunächst fällt im Impulsreferat das Wort Wertschöpfung auf, welches impliziert, dass eines der Hauptmotive die Erwirtschaftung bzw. Steigerung eines Profites sein dürfte, immerhin ist dies eines der Hauptmotive unternehmerischen Handelns. Erreichen lässt sich dies mit Blick auf Online-Plattformen durch eine höhere Reagibilität gegenüber spezifischen Kundeninteressen, aber auch durch maßgeschneiderte Werbung, sowie durch stärkere Markenbindung mittels mehr oder weniger ausgeprägter Partizipation an der Ausgestaltung, oder sogar Neuentwicklung nachgefragter Produkte und Dienstleistungen.

An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob Online-Plattformen, welche auf eine solche Bindung durch Partizipation abzielen, die also einen dedizierten Raum für Co-Kreativität und offene Innovationen bereitstellen sollen, nur für wirtschaftliche Anwendungen oder auch für Non-Profit-Organisationen geeignet sind? Legt man das Augenmerk auf Unternehmen, die von Gewinnerwirtschaftung abhängig sind, so leuchtet ein, dass Co-Kreativität und offene Innovation aus unternehmerischer Sicht Möglichkeiten sind, Kosten etwa für Marktforschung, Werbung und Entwicklungsaufgaben einzusparen. Die Frage ist, ob bzw. in welchem Grade sich der Nutzer dafür einspannen lässt, denn letzten Endes wird der Nutzer auch nach seinem Reward in diesem Kontext suchen, wissen wollen, welchen Benefit er mitnimmt, denn eine Win-Lose-Situation wird sich kaum längerfristig in ein stabiles Gleichgewicht überführen lassen, wenn hier auf einer Seite das Gefühl des Ausnutzung entsteht. Auf der anderen Seite könnten allerdings auch die Erwartungen an den erreichbaren Grad der Partizipation zu hoch angesetzt, die Kapazitäten zur Kreativität und Innovation der Nutzer unrealistisch eingeschätzt worden sein. Auch in diesem Fall wird das Gleichgewicht nicht stabil werden können.

Was nun Non-Profit-Organisationen angeht, so wird oft unterstellt, dass das Anbieter-Klientenverhältnis im Besonderen derart von Vertrauen abhängig ist – etwa bei Dienstleistern im Sozialbereich oder Gesundheitswesen – dass kaum von einer Klientenbeteiligung auszugehen sei, weil man Vorbehalte bezüglich der Wahrung der Privatsphäre bzw. eines Mangels daran annimmt. Der Zielansatz solcher Online-Plattformen ist jedoch nicht eine Einflussnahme auf dieses individuell differierende Verhältnis, sondern die Suche nach zu befriedigenden Bedürfnissen und Optimierung vorhandener Dienstleistungen und Produkte, welche durch die Mitarbeit von Kunden und Klienten schneller und effizienter zu gestalten sein kann – dies allerdings nicht unbedingt sein muss; das Verhältnis spielt insofern eine Rolle, als eine gewisse Vertrauensbasis zwischen Nutzer/Kunde und Anbieter bestehen muss, andernfalls wird es gar nicht erst zu einem Informationsfluss kommen. Es steht jedoch nicht zur Disposition durch das Medium, da es nicht explizit thematisiert wird. Eher sollte man sich in diesem Zusammenhang des Umstandes erinnern, dass es stattdessen um Innovationen gehen soll, welche der Entwicklung des jeweiligen Angebotsportfolios und damit allen Nutzern zu Gute kommen können. Welchen Grad von Transparenz die individuelle Teilnahme haben kann oder darf muss man als dem jeweiligen sozialen Umfeld angepasste, skalierbare Größe sehen.

Der Begriff Wertschöpfung lässt sich insofern auch auf Non-Profit-Organisationen anwenden, als eine effizientere Gestaltung aller Handlungsprozesse auch hier einen Wert entstehen lässt, etwa in der Verfügbarkeit freiwerdender Kapitalmittel für die Ausweitung der eigentlichen Kernaufgaben.

Vorhin war bereits die Rede vom Reward für den Nutzer. Hier soll nicht der Eindruck entstehen, dass dieser rein pekuniär gedacht wird. Reward entsteht z.B. auch durch die Akkumulation von Ansehen innerhalb – eventuell aber auch außerhalb – der Peer-Group/Community, durch den Erwerb von zusätzlichen Kenntnissen und Fertigkeiten im Zusammenhang mit der Tätigkeit innerhalb der Community, durch das Knüpfen neuer Kontakte, die Verfügbarkeit verbesserter Produkte und Dienstleistungen und vielleicht tatsächlich auch direkten finanziellen Gewinn. Als potentielle Nutzer solcher Plattformen stehen also prinzipiell zuerst alle Bestandskunden des jeweiligen Anbieters zur Verfügung, aber auch solche, die durch die mediale Präsenz einer Partizipationsmöglichkeit erst auf diesen Anbieter bzw. seine Produkte und/oder Dienstleistungen aufmerksam geworden sind. In Verknüpfung mit den bereits existierenden social media Plattformen ist allerdings noch eine sehr viel weitreichendere Publizität zumindest möglich, wenn z.B. zufriedene Nutzer ihre Erfahrungen mit einem sehr hohen Streuungsgrad ins Web geben. Selbstverständlich verbreiten sich schlechte Nachrichten allerdings mindestens genauso schnell.

Was nun die Frage nach den Informationen, die fließen können müssen angeht, so lässt sich diese nicht pauschal beantworten. Es war ja schon die Rede vom Grad der Transparenz als skalierbarer Größe im Bezug auf die Nutzerinformationen. Ein Peer-Review-System, welches die Beurteilung von Nutzervorschlägen durch andere Nutzer zulässt, könnte sowohl durch ein Zuwenig als auch ein Zuviel hinsichtlich seiner Moderierbarkeit rasch eine kritische Masse an Spam und Cyber-Mobbing erreichen; man muss hier allerdings anfügen, das Cyber-Bullying innerhalb von Peer-Group weniger verbreitet zu sein scheint, als durch völlig Fremde. Es darf also die Hoffnung geäußert werden, dass ein moderierter Raum, in dem an bestimmten Thematiken gearbeitet wird, nicht so anfällig dafür sein dürfte, wie etwa offene Foren und Boards.

In einem Co-kreativen Umfeld müssen sowohl Nutzer durch andere Nutzer und den Anbieter, als auch der Anbieter durch alle Nutzer hinsichtlich ihrer Identität, Zuverlässigkeit und Expertise einschätzbar sein; wenn auch u.U. in unterschiedlichem Grade. Die Zielvorgaben und Spielregeln müssen durch den Anbieter klar definiert und kommuniziert werden. Über die Verwertungsrechte und Verwendung etwaiger Produkte bzw. Ergebnisse der Kollaboration muss vor Beginn einer Mitarbeit eine klare Absprache getroffen werden. Es muss ein individuell administrierbares Userinterface für alle Datenverbindungen geben, für die Sicherheit aller Datenverbindungen hat der Anbieter Sorge zu tragen. Hinsichtlich persönlicher Informationen über die Nutzer müssen verbindliche Regeln über den obligaten Umfang der öffentlich für alle Nutzer sichtbaren Daten existieren. Wenn kollaborativ an Projekten, gleich welcher Natur gearbeitet werden können soll, müssen alle Fortschritte/Veränderungen für alle Beteiligten zu jeder Zeit erkennbar und zuordenbar sein, andernfalls geschehen Arbeiten doppelt oder gar nicht und die Arbeit führt sich selbst ad absurdum.

Insgesamt ist diese Form der Kollaboration für die Zukunft sehr spannend, sie wirft allerdings mehrere problematische Fragen auf: Wie wird sich eine Ausweitung der Menge solcher Online-Plattformen mit kreativ-innovativer Partizipationsmöglichkeit auf die Entgrenzung von Lebensraum und Arbeitswelt auswirken? Wer hat die Nutzungs- bzw. Verwertungsrechte an dergestalt kollaborativ erarbeiteten Produkten? Welche Produkte und Dienstleistungen sind tatsächlich für Co-Kreation und offene Innovation geeignet? Wo ist die Grenze zum Microtasking? Hier ist trotz der Hoffnung auf neue Wertschöpfungsmodelle mit Win-Win-Situation Skepsis angebracht, solange noch keine belastbaren Erkenntnisse über die potentiellen Auswirkungen zur Verfügung stehen.

A snippet of disappointment…

Liest bzw. hört eigentlich irgendjemand, was ich schreibe und ins Mikro schwätze? Oder ist es eher so, dass man nur ab und zu mal draufklickt, um zu kucken, ob’s die Seite noch gibt? Mir geht’s hier nicht um Traffic, damit ich meine Seite interessanter für die Vermarktung machen kann, was bei nicht wenigen Bloggern den Hauptgrund für die inflationäre Produktion von teilweise ernüchternd substanzlosem Content darstellt. Ich mache hier keine Produktreviews und hype keine Trends – eigentlich sind mir die meisten Trends eher ein Greul.

Der einzige Megatrend, den ich interessant finde, irgendwie von allen Seiten betrachtenswert und als Chance für weitreichende gesellschaftliche Entwicklung sehe, ist die fortschreitende Durchdringung unseres analogen Lebensraumes durch die digitale Welt. Die Art wie virtuelles und reales Ich miteinander korrespondieren, oder auch im Clinch liegen, sich vorwärts, leider manchmal zuerst rückwärts, oder auch mal seitwärts entwickeln, dabei keinen Fehler auslassen und trotzdem Unglaubliches in Gang setzen, fasziniert mich. Und aus meiner Perspektive je als Mensch, als Healthcare Professional und Pädagoge in spe erlebe ich dabei unterschiedliche Aspekte, die mich mal entsetzen und mal frohlocken lassen.

Diesen Dingen versuche ich hier eine Plattform zu geben in der Hoffnung, dass es da draußen Leute gibt, die meine Meinung und meine Hoffnungen teilen – aber auch solche, die das nicht tun und dies auch zu begründen wissen. Nur der Diskurs bringt uns wirklich voran. Also geht es mir auch nicht ums Schulterklopfen, sondern um konstruktiven Dialog.

Aber irgendwie monologe ich hier zumeist nur rum und das ist zunehmend irritierend, denn ich glaube nicht ganz falsch zu liegen mit dem Gedanken, dass meine Themen oft ziemlich viele Menschen angehen. Aber wo sind die alle? Oder sind sie zu faul, zu beschäftigt oder zu wenig von meiner Schreibe inspiriert? Irgendwer wird doch wohl was Sinnvolles zu sagen haben…oder?