Spalt-Textperiment…

Manchmal fließt ein Text ganz von selbst aus der Feder (bzw. durch die Tasten auf den Bildschirm). Und manchmal nehme ich sechs, sieben unterschiedliche Anläufe und schmeiße sie allesamt in den – mehr oder weniger virtuellen – Mülleimer, bis schließlich entweder IRGENDETWAS Sinn zu ergeben beginnt – oder ich mit einer Mischung aus Wut (die ich ja bekanntlich immer in mir trage) und Resignation (die sich nur gelegentlich meiner bemächtigt) den Deckel zumache und was anderes zu tun versuche. Da bezüglich meiner kreativen Texterei Schreib- und Reflexionsprozess Hand in Hand gehen, ist mein Schreibfluss selten gleichmäßig. Ab und an kommen richtige Bursts of Writing und dann ist es wieder wochenlang eine Schur, auch nur den ersten Satz gerade hinzubekommen. Aber selbst, wenn ich mich – wo auch immer – ruhig niedergelassen habe und eigentlich schon im Schreibprozess angekommen bin, kann es gut sein, dass ich eine Weile etwas Anderes tue; oder besser, tun muss! Etwa einfach nur irgendwohin starren (ja meine Damen, dieses Klischee ist wahr, Männer können einfach nur irgendwohin starren, und währenddessen wirklich NICHTS denken; und das betrifft nicht nur Politiker). Oder ich gehe kochen. Oder essen. Oder spazieren. Man nennt das gemeinhin Schreibblockade. Und bei Non-Fiction-Texten wie meistens hier in diesem Blog, bei denen man nicht einfach einen der Charaktere eine Waffe auf den Tisch legen lassen kann, um die Spannung zu steigern, weil man eventuell ein ausgefeiltes Argument durchdekliniert wissen möchte, hilft es, zwischendurch was anderes zu tun. Allerdings sollte man das nicht über Tage ausufern lassen, sonst weiß man ja gar nicht mehr, wo die eigenen Gedanken gerade hinspazieren wollten, aber nicht konnten…

Schloß Aulendorf

Eigentlich hätte dieser Text hier eine Elegie werden sollen; und zwar auf meine derzeitige Unfähigkeit, Yutori zu erreichen. Jenen Zustand, bei dem man die Welt ringsum bewusst wahrnimmt, den Drive aus den Dingen entweichen lässt und so zu Frieden mit sich und diesen Dingen kommt. Ich wollte in dem Kontext eigentlich über Wahrnehmung und deren indidviduelle Wirkung sprechen. Und das ganze mit Ideen aus einem Artikel verknüpfen, den ich dieser Tage las und der sich mit der Frage befasste, inwieweit die Nutzung von generativer KI in kreativen Prozessen das Endprodukt noch als Kunst erscheinen lässt; oder – mit Blick auf die Trainingsdaten solcher Algorithmen – doch eher als billige (Raub)Kopie der vorangegangenen Kreativität anderer? Doch in diesem Moment erwarte ich voller Vorfreude ein ungewöhnliches Abendmahl mit Freunden und bin ganz und gar nicht zu Hause. Die Qualia, welche dabei in meinem Geist emergieren, sind in der Tat nicht in Worte zu fassen. “Bittersüße Vorfreude” beschreibt die aktuelle Ambivalenz zwischen der (zumindest zeitweisen) Losgelöstheit von meinen ganzen – verfickt nervtötenden – Aufgaben und jenem typisch protestantischen Sense of Duty, der mich ungesunderweise immer munter weitermachen lässt nur sehr, sehr unzureichend. Was auch immer heute Abend passieren wird, hat das Zeug, mich mit Energie und Ideen zu versorgen. Und dennoch weiß ich um den Bruch, der in Kürze entstehen wird. Denn dieses Mal lüfte ich den Schleier – trete gleichsam durch die Vierte Wand meiner Erzählung – und verrate, dass dieser Text nicht an einem Tag fertig geschrieben werden wird. Denn im Grunde meines Herzens möchte ich genau jetzt schreibend über mein derzeitiges Scheitern jammern – und hoffe gleichzeitig auf genug Punch in den nächsten Stunden, um morgen Nachmittag, wieder an meinem Desk zu Hause angelangt, dem Phönix aus der Asche gleich auf die Erschöpfung scheißen zu können. Wir werden sehen…

…und feststellen, dass der Abend, sowie der darauf folgende Morgen nebst Besuch einer Playmobil-Ausstellung und die leider unvermeidliche Heimfahrt mich wirklich – wenigstens ein bisschen – aufgeladen haben. Einziger Wehrmutsstropfen war ein selten dämlicher Zwischenruf dummer, arroganter Kinder, die ich nicht mal kannte; und dann auch nicht mehr kennenlernen wollte, was auf Grund meines Sozen-Gemuffels wohl auf Gegenseitigkeit beruhte. Schwamm drüber; es ist nicht meine Art vor meinen Kindern jemandem für einen Nazi-Spruch eine auf’s Maul zu geben. Wäre nicht sonderlich pädagogisch wertvoll… Es ist immer noch so, dass ich mich mühsam von Wochenende zu Wochenende, von Pen’n’Paper-Runde zu Runde schleppe, stets auf der Suche nach einem bisschen frischer Energie. Ich bin eigentlich kein sehr fatalistischer Mensch; pragmatisch ja, aber nicht fatalistisch. Ich versuche die Dinge zu ändern, wenn etwas nicht funktioniert. Und ich gebe nur sehr ungern auf. Aber letzthin gewann ich so ein komisches Gefühl, dass jedes Mal, wenn ich mich BERUFLICH auf gutem Weg in ruhigeres Gewässer wähnte, irgendein Desaster von rechts ins Bild geritten kam (Desaster kommen IMMER von rechts…) und mir den Tag, die Woche, den Monat versaute. Ich bin mit dem jeweiligen Fallout ja nie alleine, aber trotzdem zehrt sowas an der Substanz. Die Beziehung zwischen meinem Job und mir ist wohl ziemlich verkorkst – allerdings haben auch verkorkste Beziehungen eine unheilige Tendenz, lange zu halten. Da fällt mir ein Liedtext von Jethro Tull ein…

When we can last for days on a loving night;
Or for hours at least on a warm whisper given.
You always pick the best time to rise to the fight.
To break the hard bargain that we've driven.
Once again we're flying colors.


(c) 1982 Jethro Tull, Lied "Flying Colours" aus dem Album "Broadsword and the Beast"

Der Phönix fliegt wohl, allerdings nicht allzu hoch und der Motor stottert. Yutori erreiche ich immer noch nicht. Und eigentlich ist mir gerade auch gar nicht mehr so richtig elegisch zumute, denn im Grunde habe ich nur noch auf die ersten Hochrechnungen des Abends gewartet. Und dabei gibt es nur drei Dinge die wichtig sind. Erstens, Die Linke ist offenkundig sicher drin – und das ist gut! Denn wir brauchen eine solche Kraft in unserem Parlament. BSW und FDP müssen zittern – und ich bete, dass beide NICHT drin sind! Denn solche Kräfte brauchen wir nicht in unserem Parlament. Und ich bete, dass sich Friedrich von Papen … ähm pardon, falsches Jahrhundert. Merz heißt der Sauerländer, der in Kälte kam ja… also jedenfalls bete ich, dass diese arrogante, alte Hetzbacke sich nicht zum Steigbügelhalter der blauen Nazis macht! Aber von mir hat der Sack ja auch keinen Auftrag zur Regierungsbildung erhalten. Das waren wie immer jene, die nicht verstehen können oder wollen, das als Otto-Normal-Verbraucher die CDSU zu wählen in etwa das Gleiche ist, wie an einer nächtlichen Stadtführung mit Serienkillern teilzunehmen. Irgendwas wirst du auf jeden Fall verlieren: günstigstenfalls deine Selbstachtung, schlechtestenfalls deine Existenz. Aber das mit der Lernfähigkeit war ja schon immer ein Problem bei den sogenannten “Konservativen”. “Egoistische Angstbündel” wäre der bessere Terminus. Aber genug davon. Irgendwann die Tage gibt’s auch wieder was Kopflastigeres von mir. Bis dahin ihr Schwarz-und Blau-Wähler: schaut euch genau an, was für eine Scheiße ihr mit eurem Kreuzchen angerichtet habt. Und ihr anderen – startet in die Woche, so gut es euch möglich ist! Gejammert wird später…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N° 51 – Voll Frontal!

Ich bin immer wieder erstaunt. Man hört ja allenthalben, dass viele Menschen geradezu geschädigt aus der allgemeinbildenden Schule kämen, dass sie dort allzu oft mit bösem, bösem Frontalunterricht geschädigt würden… Man verortet diese Art des Unterrichtens wahlweise in der Hölle der schwarzen Pädagogik oder auf den eisigen, grauen Ebenen der Schüler-Demotivation. Ich mache – allerdings als Erwachsenenbildner – ehrlich gesagt häufig völlig andere Erfahrungen. Einerseits vernehme ich regelmäßig (unabhängig vom Ausbildungsstand) den Wunsch nach mehr Frontalunterricht. Insbesondere ausgerechnet in den Lernsituationen, bei denen es um die Vermittlung von theoretischem Wissen geht. Der Konstruktivist in mir weiß jedoch, dass genau dort eigentlich eine erhebliche kognitive Eigenleistung der Schüler:innen verlangt wird. Denn jedes Theoriewissen von der trägen Ruheposition in eine aktive Nutzbarmachung zur Entwicklung von Handlungskompetenzen zu überführen, bedarf im wahrsten Wortsinne oft des “Begreifens”. Andererseits nehme ich eine nicht unerhebliche Abneigung gegen Gruppenarbeiten wahr. Ich vermute, das könnte daran liegen, dass selbstorganisierte Lernphasen oft vom Pädagogen nicht mit dem notwendigen Kontext oder verbindlichen strukturellen Rahmenbedingungen versehen werden. Wenn dann eine gewisse Beliebigkeit im Lehrsaal Einzug hält, führt das dazu, dass manche Schüler:innen das alles sehr ernst nehmen und sich von den sozialen Trittbrettfahrern (und die gibt es immer) verarscht vorkommen…

Nun sollten wir vielleicht zunächst feststellen, was Frontalunterricht NICHT ist; oder besser nicht sein SOLLTE: Wir wollen nicht davon reden, dass die Schüler:innen Stunde um Stunde passiv dem Wissenskonsum frönen sollen; sondern wir wünschen uns etwas, dass man “aktive Beteiligung” nennt. Nun ist diese allerdings nicht immer so leicht festzustellen, Denn wer glaubt, dass jene Person immer mehr aus dem Unterricht mitnimmt, die sich dauernd zu Wort meldet, als die stille Person, die man nur ausnahmsweise wahrnimmt, der liegt ziemlich oft ziemlich falsch; und ist dabei auch noch ziemlich ungerecht. Lerntypen und Lernstile sind halt so unterschiedlich wie die Persönlichkeiten, die da vor mir sitzen. Frontalunterricht ist kein Plenum für die Selbstdarstellung der Lehrperson! Ja, Humor ist erlaubt (gerne auch hintergründig), ja, Nachfragen ist auch erlaubt. Was jedoch nicht erlaubt sein kann, ist das Bloßstellen von Schwächen der Schüler:innen, oder Scherze auf Kosten Dritter und sowieso Unfreundlichkeiten aller Art. WIE man nun Augenhöhe herstellt, ist am Ende eine Stilfrage, DASS man sie herstellt, ist jedoch essentiell. Denn Frontalunterricht ist ebenfalls kein Raum für sozialen Freestyle! Regeln des Umgangs miteinander sind überall dort notwendig, wo Menschen für einen längeren Zeitraum zusammkommen, so auch in der (Berufsfach)Schule. Was bedeutet, dass die Lehrperson einerseits dazu verpflichtet ist, diese aufzustellen (oder vielleicht besser auszuhandeln) und dann bitte auch für deren Einhaltung zu sorgen. Und die wiederholte Missachtung mit geeigneten Mitteln zu sanktionieren! Denn NICHTS ist nervtötender als Laissez-Faire mit Clowns! Damit jedoch kann Frontalunterricht also bitte auch NIEMALS ein Monolog sein ! Denn nur in der GEMEINSAMEN Reflexion der Themen entsteht Wachstum! Und Frontalunterricht ist übrigens auch keine Methode, sondern vielmehr die Rahmung für verschiedene Methodenausprägungen, die gleichberechtigt nebeneinander existieren. Denn mittels welcher Technik ich vorne präsentiere, spielt nicht nur hinsichtlich der Replizierbarkeit, sondern auch bei der bewussten Steuerung von Aufmerksamkeit und Partizipation eine wichtige Rolle. Insbesondere das Herausfordern oder Spielen mit medialen Gewohnheiten kann interessante Effekte erzeugen.

Frontalunterricht ist deshalb so schlecht beleumundet, weil er so furchtbar oft so furchtbar schlecht gemacht wird. Weil sich Lehrkräfte nicht für ihre Schüler.innen interessieren, und sich einen lauen Lenz machen, anstatt einfach ihren verdammten Job zu erledigen. Wenn ich hingegen Frontal-Unterricht in ein frontal (also von vorne) moderiertes Unterrichtsgespräch verwandeln will, dann muss ich mir als Lehrkraft zuvor die Mühe gemacht haben, den Unterrichtsgegenstand a) selbst durchdrungen und b) zur Präsentation in handhabbare Häppchen zerlegt zu haben, was c) idealerweise den Einsatz verschiedener Unterrichtstechniken beinhaltet und mögliche Interaktionspunkte für die Schüler:innen aktiviert. Ob dann irgendjemand das Symbol mit der Queste auch ernst nimmt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber eigentlich findet sich immer jemand, der den Köder schluckt… Und so werde ich meinen Frontal-Unterricht für nächste Woche wieder auf eine Art aufzubereiten versuchen, die Komplexes verständlich machen soll. Die Schüler:innen haben es nämlich verdient. Wir hören uns.

Stuck in the middle N°7 – about teaching…

In der Erwachsenenbildung machen wir dann und wann Feedbackrunden. Zumeist am Ende eines Kurses oder einer Kurswoche. Oft ist das eine Angelegenheit, auf welche die Leute wenig Lust haben, weil es Freitag ist, oder schon spät am Tag, oder einfach, weil eh immer alle das Gleiche sagen: wenn sich dann doch mal eine:r gefunden hat, um ein paar Dinge anzusprechen, hört man vom Rest der Gruppe oft nur noch ein “Ich schließe mich dem Vorredner an!”, weil es einfacher, zeitsparender und weniger schmerzhaft ist, als eigene Gedanken öffentlich zu äußern. Ich finde das schade, denn man vergibt damit allzu oft die Chance, das Erlebte noch gemeinsam zu reflektieren. Es ist mitnichten so, dass es dabei immer tiefgründige Denkgebäude zu ergründen gilt. Aber an einer Feedbackrunde aktiv teilzunehmen, zeigt mir als Lehrer zumindest, dass die Menschen im Raum die letzte Zeit über nicht vollkommen braindead umher gesessen haben. Und das ist ja auch schon mal ein Wert an sich. Allerdings muss man dann auch akzeptieren, kritisiert zu werden. Was allerdings nur recht selten passiert, weil man ja a) keine Diskussion provozieren möchte, welche die Veranstaltung in die Länge ziehen (siehe oben) und b) einander unter zivilisierten Menschen angeblich üblicherweise nicht allzusehr weh tun soll. Nett… aber auch nutzlos.

Nun hatte ich da jemanden sitzen, der mir sagte, er hätte den Eindruck gewonnen, dass sich einige Teile ohne großen Nutzen für die Teilnehmer:innen gezogen hätten; so ein bisschen, als wenn ich Zeitlücken hätte füllen wollen. Interessante Wahrnehmung, die evtl. damit korrelieren könnte, dass ich nicht so viel Zeit zur Unterrichtsvorbereitung hatte, wie ich mir das wünschen würde. Und dass auch mein Zeitmanagement im Lehrsaal NICHT immer über jeden Zweifel erhaben ist. Ich fand’s gut, dass die Person das angesprochen hat, denn natürlich stößt das für mich Denkprozesse an, wie es zukünftig besser werden und sich flüssiger und nützlicher anfühlen könnte. Ich verwies darauf, dass so ein Curriculum auch oft ein “work in progress” ist, weil man als Fachlehrer auf bestimmte Entwicklungen im Fach, in der Technik und in der Gesellschaft angemessen reagieren können möchte. Leider werden mir solche Dinge zu selten mitgeteilt; und wenn dir niemand sagt, dass es ein bisschen Scheiße war, gehst du im Sinne des Erhalts deiner Selbstwirksamkeit natürlich davon aus, dass alles crèmig gelaufen ist, wie Sahne auf die Torte… doch wir machen alle Fehler. Vielleicht sind es aber auch noch nicht einmal Fehler im klassischen Sinne, sondern einfach nur konfligierende Zielvorstellungen der verschiedenen Beteiligten. Lehrpersonen haben eine andere Vorstellung von der Beschaffenheit eines Unterrichtsgegegnstandes, als die Teilnehmenden. Das ist ein Naturgesetz, insbesondere dann, wenn die Lehrperson, dem Goethe’schen Diktum folgend – hoffentlich viel – mehr Ahnung vom Lerngegenstand hat, als die Teilnehmenden. Welche Teile dieses Wissensvorsprunges zum spezifischen Thema einer Stunde werden, hängt von vielen Kontextfaktoren ab. Und oft müssen wir uns als Lehrende dabei an den Notwendigkeiten des Curriculums orientieren und nicht so sehr an den Wünschen, Ideen, Vorstellungen der Teilnehmenden. Auch das ist ein Naturgesetz…

Ich nehme meine pädagogische Arbeit im Lehrsaal sehr ernst. Sie macht zwar nur einen Teil meines gesamten Arbeitsportfolios aus, weil ich den Laden leiten muss. Trotzdem habe ich einen Qualitätsanspruch, der jedoch – öfter als es mir lieb ist – unter den Anforderungen mancher anderer Aufgaben leiden muss. Es ist ein ständiges Ausbalancieren, wenn man mehreren Herren dienen muss. Es gibt allerdings ein paar Dinge, für die ich immer die Zeit finde: ich versuche einerseits stets, MEINE Gedanken zum Thema griffig zu visualisieren (ist eine Frage der Übung und der Ressourcen), andererseits aber auch den Gedanken der Teilnehmenden ausreichenden Raum zu verschaffen. Letztlich bin ich in der Erwachsenen-Bildung der Spiegel, an welchem die anderen Menschen im Lehrsaal ihre Selbstreflexion initiieren können, der Sparringspartner für deren Ideen, die Leitplanke am Abgrund der Verwirrung und der Animateur, der sie von der Couch in der Komfortzone zu locken versucht – alles in Personalunion. Und ich tue es gerne. Aber all das kostet Kraft. Wenn ich nach einem Tag im Lehrsaal, selbst mit einem überschaubar großen Kurs nach Hause komme, brauche ich zunächst etwas Zeit für mich allein, weil das alles – die Konzentration auf mein Gegenüber, die Schlagfertigkeit im Diskurs, die notwendige Aktivierung tiefen Fachwissens, das Aushalten von Ambivalenz und die ständige parallele Beschäftigung mit meinen sonstigen Aufgaben – meine Batterien dermaßen lehren, dass ich Abends erstmal eine Weile brauche, bis ich wieder normal funktioniere.

Dennoch mag ich jene Aspekte meines Berufes, in denen ich gestalterisch tätig werden, Menschen im positiven Sinne formen und von meinen Fähigkeiten wie auch Erfahrungen profitieren lassen kann. Die Erbsenzählerei und die ständige Sorge um Ressourcen gehen mir kontinental auf den Sack, aber der Lehrsaal – bei allem, was mir heilig ist, ich bin für diesen Scheiß anscheinend einfach gemacht! Über die Kritik des Teilnehmers muss ich noch ein bisschen nachdenken, denn mit methodischem Aktionismus um der Buntheit Willen ist es natürlich nicht getan, wenn es sich das nächste Mal noch runder anfühlen soll. Allerdings – und dass hat etwas mit Erfahrung zu tun – habe ich im Lauf der Zeit schon einige Unterrichtsentwürfe in die Tonne getreten, weil sie einfach nicht richtig funktioniert haben. Im Lehrsaal ist es manchmal wie in der Küche: man muss für das gleiche Gericht mal ein anderes Rezept versuchen. Und manchmal ist es wie in der Disco – du musst den Sound neu abmischen, damit alle in den Flow kommen können. Allerdings fröne ich jetzt erst Mal der wochenendlichen Batterieaufladung, bevor ich mich mit derlei Fragen befasse. Bis zum nächsten Mal…

Auch als Podcast…

Thank god it’s weekend…?

Wenn der eigene Körper sich dazu entschlossen hat, in eine Art Bummelstreik zu treten und seit ca. 10 Wochen irgendein obskurer Infekt den nächsten jagt, so dass man sich die ganze Zeit fühlt, wie eine Gazelle – alt, halb blind, athritisch, von ‘nem Jeep angefahren, aber immer noch ‘ne Gazelle 😉 – könnte es einem irgendwann so vorkommen, als wenn die einzigen lebenswerten Tage der Woche Samstag und Sonntag hießen. Weil man sich da nicht zur Arbeit schleppen muss. Oder man nimmt seine Zettelbox zur Hand und schreibt mal wieder auf, was sich denn die letzten Tage so getan hat; oder besser, was man selbst die letzten Tage geschafft hat. Self-assurance! Sich des Umstandes vergewissern, dass man eben kein Loser ist, der nix gerissen kriegt, sondern im Gegenteil ein hocheffizienter Profi, der seinen Scheiß im Griff hat! Brauch ich im Moment wirklich mehr als alles Andere. Meine Posts der letzten zwei, drei Monate waren retrospektiv zu oft erfüllt von etwas, dass man auch als Selbstmitleid bezeichnen könnte; vermutlich befeuert von einer gewissen Verzweiflung, weil der Berg vor einem manchmal sehr, sehr steil aussieht, wenn man zu nah dran steht. Doch die richtige Perspektive zu finden, ist gelegentlich eine wesentlich größere Herausforderung, als die Aufgabe an sich! Nun konnte ich beruflich einige Aufgaben abschließen und obwohl der Horizont immer noch Wolken zeigt, ist da auch Sonne. Mein Gestaltungswille ist zurück und hat mir geflüstert, wie wir das schaffen. Ich war eigentlich schon immer der “muss ja”-Typ. Jedoch vor allem privat ließ sich der erste Monat des Jahres 2025 gut an.

Spaziergang durch die Stadt…

Man kann sich ja, weil die Zukunft noch nicht geschrieben ist, nie wirklich sicher sein, ob all das eigene Ahnen und Planen tatsächlich die gewünschten Früchte tragen wird. Aber gar nix zu tun, weil’s auch mal schief gehen könnte, ist noch viel dämlicher. Wenn alle immer nur sagen würden “Wo kämen wir denn da hin!”, dann ginge ja niemals jemand los, um zu schauen, wo man hinkommen könnte, wenn man halt mal losginge, nicht wahr? Also bleibt mir gar nichts anderes übrig, als einfach loszugehen, um am Ende dann herausgefunden zu haben, wo wir denn hingekommen sind. Für Betriebswirte klingt das alles beängstigend paradox, weil Geld verdienen angeblich immer so viel Planung und Kontrolle braucht. Das ein nicht unerheblicher Teil dieser sogenannten “Wirtschaftsplanung” nix anderes als ein Mix aus Spiekenkökerei und Wunschdenken ist, wird dabei gerne unerwähnt gelassen! Nur, dass wir uns richtig verstehen: Geld verdienen ist okay. Ich möchte es nur gerne nachhaltig gestalten – und die Qualität der Dienstleistung darf NICHT durch wirtschaftliche Zwänge gemindert werden! Überdies sieht der Pädagoge in mir den Weg als Ziel! Und ich kann jetzt wieder eine große Menge möglicher Wege erkennen! Einzig eine Ressource fehlt mir: (Wo)Man-Power. Aber auch dieses Problem lässt sich irgendwie lösen. Darüber sinne ich nach, während andere sich (noch) an alter Planung festhalten. Man muss irgendwann akzeptieren, dass das Leben beständiger Wandel ist; und jenes noch nicht bestimmte, noch nicht geschriebene Schicksal, welches wir gerne als Chaos bezeichnen, zu seinen eigenen Bedingungen in unsere Welt emergiert!

Was auf der Arbeit gilt, hat privat ebenso Bedeutung: Ein hochgeschätzter Kollege erzählte mir unlängst von einer ihm bekannten Person, die an jeden Tag ein Lerntagebuch führt. Die Erklärung dazu fand ich faszinierend: weil man ja abends etwas in das Büchlein schreiben können möchte, MUSS man zwangsweise an jedem Tag irgendetwas dazulernen – und sei es ein noch so kleiner Schritt auf dem Weg. Wenn du aber mit so einer Einstellung in den Tag gehst, werden durch das Framing aus Problemen Gelegenheiten. Ich sage zu meinen Azubis immer, dass Fehler Lernanlässe seien; kombiniert man diese Aussage mit der eben beschriebenen Strategie, aus seinen Tagen neue Erkenntnisse herausholen zu wollen, wird vieles einfacher. Wir können dadurch natürlich nicht die Rahmenbedingungen unseres Daseins von Grund auf ändern; die Regeln des Spiels bleiben bestehen, aber wir interpretieren diese neu. Oft genug reicht das schon, um vorwärts zu kommen. Oder wenigstens einen Aufstieg aus einem Loch zu finden! Man muss manchmal nur daran erinnert werden, dass es Dinge gibt, die einer Anstrengung wert sind. Und, dass sich selbst weiterentwickeln zu können ein Wert an sich ist! Denn mit sich selbst entwickelt man zumeist automatisch auch seine Umgebung mit. Man wird zum Katalysator. Natürlich könnte man nun einwenden, dass jedes persönliche Wachstum auch für schlechte Zwecke missbraucht werden kann. Doch ich war heute Mittag mit der besten Ehefrau von allen auf der “Brandmauer”-Kundgebung in Mannheim. Und durfte erleben, wie viele andere Menschen, getragen von einem humanistischen Menschenbild und einem positiven Demokratie-Verständnis, bereit sind, sich einzubringen, um negativen Entwicklungen entgegenzutreten. Mein diesbezüglicher Kulturpessimismus ist also für’s Erste eingehegt. Und jene von der CDU/CSU und FDP, die sich eben als Antidemokraten geoutet haben, sollten sich sehr genau überlegen, welche Schritte sie als nächstes gehen wollen. Ich jedenfalls will diesen opportunistischen Amateur aus dem Sauerland, der nur um der Macht Willen die Demokratie auf’s Spiel setzt, auf keinen Fall als Kanzler sehen!

Ich bin übrigens wirklich sehr dankbar für das freie Wochenende, weil ich, wie bereits weiter oben beschrieben, physisch von Peak-Performance noch immer verdammt weit entfernt bin. Aber man soll die Hoffnung auf Besserung ja nie aufgeben. Meinem Kopf tut es auch gut, denn denken und tun und lassen zu dürfen, ohne dabei für Geld anderer Leute Zielvorstellungen erfüllen zu müssen (eine andere Art Lohnarbeit zu beschreiben), ist unglaublich befreiend! Hat vermutlich was mit den beschriebenen Zielen zu tun. Wie dem auch sei, hier und jetzt ist mein einziges Ziel, noch ein erholsames und inspirierendes Restwochenenende zu verbringen. Und genau das wünsche ich euch auch! Es sei denn, ihr seid beschissene Nazis – dann sollt ihr in der Hölle verrotten. Schönen Abend.

Auch als Podcast…

Wir verlieren Energie…!

Nun hatte mich auch ein Infekt niedergestreckt! Immerhin, das hat mich gezwungen, zu Hause zu bleiben, viel zu schlafen (ist ja auch noch Winter, nicht wahr), in aller Ruhe mal ein Buch zu lesen und gelegentlich zu schreiben, wenn mir danach war, das Bett zu verlassen. Mein Körper schien der Meinung zu sein, dass sich wieder in die Arbeit zu stürzen doch keine SO gute Idee sei. Wer bin ich, dass ich da widerspreche. Ich habe der besten Ehefrau von allen gegenüber die Tage geäußert, dass die Solitude und die Gelegenheit, etwas in aller Ruhe zu tun mir zur rechten Zeit noch einmal die Batterien gefüllt haben. Außerdem habe ich in den letzten Tagen gekeucht wie ein 1928er Lanz Bulldog und erst seit kurzem kann ich wieder die Treppe ins 3. OG gehen, ohne Atemnot zu bekommen… Es mag ein wenig egoistisch klingen, aber ich habe diese, physisch durchaus anstrengenden Tage genutzt, mich NICHT mit dem Scheiß zu befassen, der mit Sicherheit am Arbeitsplatz auf mich wartet. Ich bin letzthin endgültig zu der Erkenntnis gelangt, dass der alte Deal “Lebenszeit gegen Kohle” für mich nun neue Grenzziehungen beinhaltet. Will heißen – wer nur für 40h bezahlt, bekommt fürderhin auch keine 50 mehr. Meine Gesundheit hat mir nämlich ins Ohr geflüstert, dass ich die Scheiße sein lassen soll! Ich habe es außerdem satt, anderer Leute hausgemachte Probleme lösen zu müssen, um dann dafür auch noch eine an den Sack zu bekommen, warum das denn nicht alles besser gelaufen sei. Die sollen froh sein, dass es überhaupt noch läuft…!

Vielleicht mein neues Logo…

Ein entscheidender Hinweis, dass meine Streitbarkeit grade wieder ihre kritische Masse zu erreichen droht, ist der Umstand, dass ich wieder mit zunehmendem Enthusiasmus und gelegentlich sarkastischem Tonfall an politischen Diskussionen im semi-öffentlichen Raum (speziell: Foren) teilnehme. Jedes Mal endet das in einem Fiasko, weil ich irgendwann von den ganzen minderinformierten, teilintelligenten Subsistenzen, den Hardcore-Nazis, den Selbstdarstellern und dem ganzen anderen humanoiden Geschmeiss dermaßen die Schnauze vollhabe, dass ich mich genervt von allem abmelden muss. Ich bin so stolz auf mich, dass ich seit mittlerweile bald drei Jahren Facebook fernbleibe. Zuletzt hatte mich die Community dort nur noch angekotzt und wenn ich die aktuellen Diskussionen rings um die Zuckerberg’sche Bullshit-, Desinformation- und Erregungs-Verbreitungsmaschine so ansehe, habe ich NICHTS verpasst. Auch das Spiel, Nazis zu reizen und zu triggern, bis man sie melden und sperren lassen kann, verliert irgendwann seinen Reiz. Ich las die Tage auf Zeit Online, dass Social Media tot sei. Ist schon interessant, dass auch Media-Redakteure, wenn auch mit sieben bis zehn Jahren Verspätung bemerken, dass etwas nicht stimmt. Hätte man auch 2011 schon wissen können. Evgeny Morozov hat es damals in seinem Buch “The Net Delusion. The dark side of internet freedom.” schon dargelegt, wo die Probleme liegen. Nun ja, besser spät als nie, dass man erkennt, wie in beinahe allen Antisocial-Media-Plattformen a) Anonymität Asozialität gebiert, b) die Konzerne zu viel Macht über die Inhalte haben und sich c) dennoch weigern, sinnvoll moderierend einzugreifen – und sich dabei hinter der Lüge verstecken, neutral sein zu wollen. Vielen Dank für nichts!

Bislang konnte ich mich halbwegs zurückhalten und meine Energie NICHT auf diese Weise verschwenden. Denn, selbst wenn manche Plattformen einem anfangs die Möglichkeit eröffnet hatten, sich mit Menschen zu vernetzen, mit denen man Interessen oder eine Vergangenheit teilte, so wird dieser vermeintliche Mehrwert allzu oft durch das idiotische Verhalten einzelner drastisch konterkariert; ich verweise noch mal auf a) Anonymität gebiert Asozialität! Denn das gilt auch unter vermeintlich Gleichgesinnten; und selbst dann, wenn manche Leute mit Klarnamen agieren. Schlicht, weil sie sich durch die physische Distanz asynchroner Kommunikation unangreifbar wähnen. Ich habe schon so manchem gesagt, dass er sich dieses dumme Gelaber Face-to-Face niemals trauen würde. Nur sehr, sehr wenige wollten aus vollem Herzen widersprechen… Aber darum geht es gar nicht. Es geht um Energie. Und zwar jene Energie, die jede:r von uns braucht, um irgendwie durch den Tag zu kommen, den Shit gerockt zu kriegen, sich halbwges wertvoll fühlen zu dürfen und irgendwie einen Sinn in diesem ganzen Chaos erkennen zu können. Antisocial Media schaffen es irgendwie, denn allzu schwachen, allzu naiven, allzu geltungsbedürftigen, allzu gierigen, allzu arroganten das Gefühl zu geben, durch ihre televerbalen Absonderungen einen Grad an Wichtigkeit zu erlangen, der sie die Mauer der nächsten Sekunde vergessen lässt. Ich glaube ja, die tun das – also das Verbreiten von so viel Scheiße – alle nur, um die entsetzliche Energie- und Kreativitätslose Leere in ihren Seelen vergessen zu können. Was für arme Würstchen…

Selbst mit müdem, hustengeschütteltem, fieberwattigem und medikationsgedämpftem Körper habe ich immer noch genug Selbstachtung, mich bewusst NICHT auf diesen absurd masochistischen, Energie und Zeit raubenenden, sinnbefreiten Wettlauf um fremder Leute Aufmerksamkeit einzulassen, den Influencer, Content-Creator und sonstige Sendungs-bedürftige Kreaturen der Websphere “Social Media” zu nennen immer noch die unfassbare Frechheit besitzen! Ja, ich poste auf Insta, weil es mir Spaß macht. Aber es ist mir Wumpe, ob ich 4, 40, 400 oder 4000 “Follower” habe. Als wenn nachbearbeitete Landschafts- und Architekturfotografie ein Kult wäre. Soll ich da jetzt sonntäglich ‘ne Messe lesen oder was? Habt ihr alle Lack gesoffen? Mal davon abgesehen, dass die Accounts mit den meisten Followern zumeist solche sind, bei denen halbwegs ansehnliche nackte Haut eine gewisse Rolle spielt. Sex Sells! War schon 1000 v. Chr. so, warum sollte sich das ändern, nur weil jetzt eine technische Übertragung dazwischen steht? Ist nichts weiter als funktionaler Narzissmus: “Seht her, wie schön ich bin!” Aber sich auf der anderen Seite über Male Gaze oder weiblichen Sexismus (JA, den gibt’s auch) beklagen… auch ‘n kleines bisschen bigott oder…? Ne, ne, da bleibe ich alter Zausel lieber bei meinem Blog, ab und zu einem Video und damit hat es sich. Meine Energie fließt in solche (durchaus kritischen) Texte, wie diesen hier, in mein Buchprojekt, andere Ideen, an denen ich gerade arbeite, meine Hobbies (allen voran Pen’n’Paper) – und zu den bezahlten Zeiten in meinen Job. Und feddich. Schönen Sonntag…

Auch als Podcast…
  • Morozov, E. (2011): The Net Delusion. The dark side of internet freedom. New York: Public Affairs.

New Work N°20 – Partizipation Ahoi!

Mit verlässlicher Regelmäßigkeit treiben die Medien – stets befeuert von den üblichen Verdächtigen, wie etwa verschiedenen Lobbyvertretern – irgendwelche Säue durchs Dorf! Nun sind Zeitdiagnosen ja auch so ein Ding. Bevor man nämlich anfängt, die Gondeln Trauer tragen zu lassen, sollte man sich vielleicht an ein paar wichtige Fakten über sozio- und psychometrische Messungen erinnern, die vielleicht ein wenig den Druck aus mancher Debatte zu nehmen vermögen: a) Verzerrungen durch aktuelle Laune lassen sich nur unzureichend heraufiltern. b) sozial erwartbares Antworten verschiebt die Ergebnisse ebenso wie c) der Befrager-Bias und d) der Umstand, dass Korrelation nicht Kausalität ist. Andernfalls würde uns die Wirklichkeit nicht immer wieder überraschen, obschon die Statistik frecherweise etwas Anderes vorhergesagt hatte. Von der, je nach Auftraggeber in die eine oder andere Richtung ausschlagenden, bewussten Einflussnahme auf das spätere Ergebnis durch normativ orientierte Gestaltung der Items in einem Fragebogen will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen… Wenn also irgendjemand die Behauptung aufstellt, nachgewiesen haben zu wollen, dass die Arbeitsmotivation in Deutschland unter aller Sau sei, dann muss man Fragen: welchen Zweck verfolgt eine Unternehmensberatung wie Ernst & Young (ja, das sind die, die Wirecard verkackt haben) mit so einer Mitteilung, zu einer Zeit, wo gerade eine öffentliche Debatte über die Wiedereinführung von Karenztagen geführt wird? Sieht für mich nach sauber manipulativer Lobbyarbeit aus – und sonst nichts. Aber, und dieser Einwand ist auch für einen Kapitalismuskritiker wie mich relevant, gewiss sind diese Zahlen nicht vollkommen aus der Luft gegriffen. Man hat ja vermutlich real irgendwelche Menschen befragt. Was bedeutet, dass irgendwo ein Hund begraben liegen MUSS, nicht wahr…?

Nun kann ich zumindest mit anekdotischer Evidenz dienen und die stützt durchaus die These, dass es bestimmte Voraussetzungen braucht, damit ein gedeihliches und damit motivierendes Arbeitsumfeld entstehen bzw. bestehen bleiben kann. Und da spielt doch tatsächlich so gut wie immer auf den vordersten Plätzen die Möglichkeit mit, Einfluss auf die Gestaltung der eigenen Arbeit nehmen zu können! Potzblitz! Wer hätte aber im frühen 21. Jahrhundert auch gedacht, dass sich Menschen nicht mehr nach klassischer Gutsherrenart dominieren lassen wollen? (Und ja, ich weiß, dass es schon immer Menschen gab und noch gibt, die dafür sogar Geld zahlen…) Nun könnte man sich gewiss auf den Standpunkt begeben, dass es doch schon zahlreiche Möglichkeiten zur Einflussnahme für die Arbeitnehmer:innen gibt. Seit den ersten Sozialgesetzen haben sich Menschen in abhängiger Arbeit einiges an Rechten erkämpft, welche nach reinen BWL-Gesichtspunkten die Bilanzen von Unternehmen belasten; und dies aus Sicht nicht weniger Unternehmer über Gebühr! Ich werde hier jetzt nicht anfangen, irgendwelche mehr oder weniger angestaubten Sozialtheorien rauszukramen, aber wie wäre es hiermit: in einem Land, das zusehends überaltert, dessen Wohlstand von der Klimakrise sowie zahlreichen, teils bewaffnet ausgetragenen Konflikten und einem sich rapide verändernden politischen Weltklima bedroht ist und dessen Bürger:innen dennoch immer noch nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass die Party endgültig zu Ende ist, wäre es ein total erfrischendes, ja geradezu radikales Konzept, sich gemeinsam auf SOLIDARITÄT zu besinnen. Und jetzt ratet mal, was es dazu bräuchte…? Ja richtig, eine WESENTLICH gerechtere Verteilung der Gestaltungsmacht. Und ich rede noch nicht mal von Ressourcen, das kommt erst irgendwann später; dafür allerdings zwangsläufig.

Anstatt also dem ständigen Lamento aus den üblichen Wirtschaftslobbykreisen zuzuhören, sollten wir lieber den Menschen zuhören, welche die Wertschöpfung auch tatsächlich erzeugen. By the way: wie kann sich dieser arrogante Volldepp von der Allianz, dieser realitätsentrückte Anzugträger mit seine SIEBEN MILLIONEN JAHRESGEHALT entblöden, alle Arbeitnehmer:innen in der bunten Republik unter den Generalverdacht des schuldhaften Blaumachens zu stellen? Wofür bekommt dieser lächerliche Fatzke denn das viele Geld? Ist dessen Wertschöpfung wirklich EINHUNDERT MAL SO GROSS wie meine? Kann ich mir nicht vorstellen, denn vermutlich ist der auch nur durchschnittlich intelligent und hat auch nur zwei Hände und einen Kopf. Und vermutlich in seinem ganzen Leben noch nie eine Entscheidung über Leben und Tod treffen müssen; zumindest nicht bewusst. Was wir statt solcher empathiebefreiter Luftpumpen brauchen, ist mehr Transparenz in allen Prozessen, mehr Beteiligung der tatsächlichen Leistungsträger an Entscheidungen, wo diese auch die Expertise dazu besitzen – und das ehrliche Bemühen, ihnen diese Expertise auch zukommen zu lassen, wo und wie auch immer dies möglich ist. Was wir jedoch nicht mehr brauchen, sind weitere kurzfristige, selbstherrliche Hinterzimmer-Entscheidungen, die nur an den verdammten Quartalszahlen und ominösen KPIs ausgerichtet werden, von denen die wirklich Ausführenden überhaupt nicht verstehen, was diese modellieren sollen. Davon haben die Menschen nämlich die Schnauze voll – oder um es mit Iron Maiden zu sagen: “I AM NOT A NUMBER! I’M A FREE MAN!” Die Zahlen von EY bedeuten damit nur eines: gebt uns unsere Selbstbestimmtheit zurück, soweit auch nur irgend möglich! Wir wollen niemandem sein Unternehmen oder seinen Wohlstand wegnehmen. Wir wollen einfach nur die Chance bekommen, den Shit selbstbestimmt zu rocken! Über die damit untrennbar verbundene Frage nach einem Weg dies mit größerer Nachhaltigkeit und Ressourcen-Effizienz zu tun, die wir brauchen, damit die Kölner Bucht nicht ihren Namen doch irgendwann verdient, reden wir bei anderer Gelegenheit. In diesem Sinne… einen guten Start in die neue Woche.

Auch als Podcast…

Retrodingsbums… ach ihr wisst schon, Jahresende und so…

Ich habe seit über einem Jahr so ‘ne Zettelbox im Regal neben meinem Schreibtisch stehen. Da werfe ich gelegentlich Gedanken, Ideen, Gute Erfahrungen etc. hinein; also auf Papier, nachdem ich diese auf so kleine Zettelchen geschmiert habe. Und es überrascht mich immer wieder dass ich nicht nur a) meine Sauklaue Monate später noch entziffern kann, sondern b) auch das eine oder andere darauf steht, dass mir Mut macht. Ich habe diese Box mit ein paar Sprüchen beklebt. Einer davon ist von Clive Staples Lewis, dem Autor der “Chroniken von Narnia” und gutem Freund von Tolkien. Er lautet: “Isn’t it funny how, day by day, nothing changes, but when you look back, everything is different…?” So kommt mir das Jahr 2024 vor. Viel Scheiße ist passiert, die mich zwischenzeitlich immer wieder an den Rand meiner Kräfte gebracht hat (und das vermutlich im neuen Jahr gleich wieder tun wird); und doch kann ich eine Bilanz vorweisen, mit der ICH weitestgehend zufrieden sein dürfte, wenn ich zu diesem Gefühl mit Blick auf meine Arbeit derzeit fähig wäre. Also, Schwamm drüber. Anstatt über die Vergangenheit zu jammern, die – wenn ich meinen Zettelchen glauben Schenken möchte – doch mit einigen Siegen garniert war, soll es ein, nicht immer ganz ernst gemeinter Rückblick werden. Denn richtig ernst nehmen kann ich die ganze Scheiße erst ab dem 07.01.2025 wieder…

  • Ich habe etwas dazu gelernt: nämlich dass es nicht auf die Größe des Scheißhaufens ankommt, sondern auf die Einstellung des Betrachtungswinkels. Dinge im Okular können gelegentlich viel größer sein, als sie erscheinen, aber sind es nicht doch die kleinen Dinge, die besondere Freude bereiten? Also: einfach den Blickwinkel einstellen, bis die Größe passt! Oder Blattgold drauf kleben, wie manche das im QM immer machen. Aber Obacht – auch funkelnde Dinge können furchtbar stinken…
  • Das war aber nicht das Einzige: ich weiß jetzt auch, dass ich den Satz “Wir sind auf einem guten Weg!”, begleitet von der im Windschatten lauernden Killerphrase “Das sind doch auch unsere Ziele!” abgrundtief hasse! Haben die jetzt ein Geheim-EEG installiert und glauben ernsthaft, darauf sähe man, was ich denke? Mal davon ab, dass ich meine Ziele oft genug selbst erst mal rausfinden muss. Dem Himmel sei Dank werden wir nicht mit LCD-Displays in der Stirn ausgeliefert, die unsere Gedanken live ausgeben, sonst wäre ich wahrscheinlich geflogen.
  • Ich kann jetzt beinahe fließend Bullshit-Sprech: meine KPI (Key Performance Indicators) sind mit dem Überzeugungs-Effizienz-Faktor ÜFF, dem Überlastungs-Resilienz-Koeffizienten ÜRK und der Dummes-Geschwätz-Konter&Terminierungs-Zahl DG-KoTZ hinreichend beschrieben und werden akribisch gemonitored und reported – und zwar nur an mich. Laufen die Zahlen aus dem Ruder, laufe ich davon. Easy, oder…?
  • Wo wir doch gerade beim Lernen sind: manche Menschen (und JA, ich meine damit Azubis) sind stinkfaul und noch dazu so arrogant, ernsthaft zu glauben, das meine Kolleg:innen und ich zu blöd sind, es mitzukriegen, wenn sie generative KI benutzen, um sich das Leben einfach zu machen – Leute, nur zur Info: ich gebe Fortbildungen zu dem Thema, also werdet erwachsen und erledigt euren Scheiß gefälligst selbst! Damit kommen wir doch tatsächlich schon direkt zum nächsten Punkt…
  • KI in meinem Leben: spielt mittlerweile eine gewisse Rolle. Sie kann nämlich helfen, die Arbeitseffizienz zu steigern, wenn sie punktuell sachgerecht eingesetzt wird. Und obwohl das so ist, stehe ich immer noch auf dem Standpunkt, dass wir uns erst richtig mit der menschlichen Dummheit befassen sollten, bevor wir es so richtig mit künstlicher Intelligenz versuchen können. Man muss sich nur diese selbstherrliche, tech-affine, vollkommen durchgeknallte antidemokratische Hohlbirne anschauen, die einst illegal aus Südafrika in die Staaten eingewandert ist, um zu wissen, was ich fürchte. Ja, ich meine Elon Musk, Faboys- and girls. Wann wandert dieses Stück Scheiße ENDLICH auf den Mars aus…?
  • DIE KOMFORTZONE: Heidewitzka, was habe ich dieses Jahr oft darüber referiert, dass NIEMAND in der Komfortzone gut und nachhaltig was lernt! Es wirkt nicht immer so, als wenn die zuhören würden (siehe oben), aber ich habe dabei ernsthaft noch einiges über mich selbst erfahren; und wie es mir gelingen kann, besser zu werden. Ich bin jetzt ein gereifter Hund, aber neue Kunststückchen lerne ich immer noch gerne (siehe KI-Nutzung). Ich habe neuen Kram schon immer gerne spielerisch erforscht – und ich durfte feststellen, dass das auch 2024 wieder gut funktioniert hat. Den Drive nehme ich nach 2025 mit. ABER… spielerisch bedeutet nicht mühelos und schon gar nicht auf der Couch liegend – selbst, wenn es nur eine mentale Couch ist.
  • A propos Spielen: ICH WILL NOCH MEHR ZOCKEN! Aber… man kann getrost festhalten, dass auch das Jahr 2024 (und damit das 35. Jahr meiner Pen’n’Paper-Karriere) nicht ohne einige Sitzungen auskommen musste. Mehr geht immer, aber Terminfindung is a pain in the ass. Immerhin, ich sehe, dass sich was bewegt. Und ich habe auch hier noch das eine oder andere auszuprobieren. Ein paar Sachen habe ich letzthin schon umgesetzt und war durchaus angetan.
  • Ich möchte zur Politik möglichst wenig Worte verlieren… nur so viel: Friedrich Merz hat sich als ewiggestriger, miesepetriger Fass-mich-nicht-an etabliert! Er wär so gerne der harte Schoolyard-Bully und hat nicht mal die Eier in der Hose, ‘n flapsigen Spruch von unserem Noch-Kanzler-Eremiten sportlich zu nehmen? Mann, Mann, Mann. Wohin man auch blickt: Amateure, Flachpfeifen, arrogante Selbstdarsteller, Pienzbacken und Dauer-Talkshow-Sprechblasen-Klopfer. Was soll ich damit? Und das wird ja bis zum 23.02.25 nicht besser. Nur eine Sache ist klar: das Fascho-Pack von der AfD ist KEINE Alternative für unser Land – und wer sehenden Auges auf deren Ein- Aus- und Unfälle (die von den Medien in aller Breite und Buntheit regelmäßig dokumentiert werden) trotzdem diese Nazis wählt, ist KEIN Protestwähler, sondern ein waschechter NAZI. Raffts endlich, ihr Pfosten!
  • Das Beste kommt natürlich zum Schluss: die Urlaube mit meiner Famile waren und sind wunderbare Auszeiten vom Wahnsinn des Alltags. Südfrankreich hat meine Sinne ebenso beglückt, wie Mittelitalien. Ich reisse immer noch 1100 KM auf einer Arschbacke ab, wenn ich weiß, dass ich dort für eine kurze Weile DAS Leben haben darf, für das ich eigentlich gemacht bin. Langsamer, bewusster, konzentrierter, intensiver. Nur dann umgeben von Menschen, wenn ich das will und mit wem ich will; zumindest weitgehend.

Ich bin ein extravertierter Introvertierter. Ich kann Rampensau, aber nur, bis meine Akkus leer sind. Im Moment sind wir zwar nicht weg, weil die Festtage zu Hause mit Familie und Freunden zu feiern sind. Aber die Akus füllen sich dennoch – Gott sei Dank. Aber eigentlich will ich einfach nur mehr von zu Hause arbeiten, schreiben, lehren, beraten – und diesen ganzen Chefquatsch Chefquatsch sein lassen. Wir werden sehen. Vielleicht fällt mir morgen noch ein Grußwort für 2025 ein. Und wenn nicht… rutscht gut, aber in die richtige Richtung. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Holy Sh**…!

Man fiebert, man wartet, man bangt, man sehnt, man wünscht, man verflucht, man winkt genervt ab, man verdammt, man möchte am liebsten wegrennen und trotzdem alles auf einmal in sich aufsaugen. Es gibt diese Periode zum Ende eines jeden Jahres, zu der Zeit sich wie Melasse und WD 40 gleichzeitig anfühlt und man sich stetig bei der Frage ertappt, was das alles eigentlich soll? Denn wenn wir dieses ganze Jahresendgebimse und -gesummse mal kurz aus größerer Höhe betrachten, stelle ICH immer wieder Folgendes fest: gehe ich am 31.12. um 23:58 kacken und betätige am 01.01. 00.03 die Spülung, so gilt einfach nur: different year – same shit! Ich schrieb hier in den letzten Jahren immer mal wieder über Rites de Passage (z. B. in diesem Post) und die heilende WIrkung für die Seele, welche insbesondere die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr auf mich – und die anderen, von Stress, Arbeitsverdichtung, der Weltlage und dem ganzen Scheiß geplagten Menschen in meinem Umfeld – haben sollte. Diese Heilung kann allerdings nur beginnen, wenn man sich darauf einlassen kann. Dazu müsste man einfach drauf scheißen können und das fällt mir derzeit schwer, denn wenn ich am 07.01 zurückkehre gilt: different year – same shit! Ich stellte letzthin fest, dass selbst ein in weitestgehender Solitude verbrachtes Wochenende meine sozialen Batterien kaum noch aufzuladen vermag, meine Bullshit-toleranz stabil bei ca. zwei Prozent umherdümpelt und mein Job mich eher zum Kotzen bringt, denn zum Lächeln. Da nutzen ein paar wenige Tage Urlaub bestenfalls, um partiell auf andere Gedanken zu kommen. Und doch…

Heute Abend beginnen die Raunächte, jene dunklen Stunden des Jahres, die – wie man von einem guten Übergang erwarten darf – Ende und Anfang gleichzeitig repräsentieren, wie sonst nur wenige Dinge in unserer, vom geschäftigen Huzz und Buzz des Arbeitslebens und der vielen anderen Verpflichtungen durchgetakteten Gesellschaft. Aldous Huxleys Schöne Neue Welt lässt grüßen… Eigentlich sollte es kein bestimmtes Datum als Grund für Instrospektion, Neubewertung, Kurskorrektur brauchen – also jene Aspekte, die wir gelegentlich zum Anlass nehmen, um als Erwachsener in eine neue Lebens-Phase eintreten zu können, ganz gleich, wie groß oder klein die Veränderung am Ende dann sein mag. Doch wir Menschen neigen dazu, uns an speziellen Daten aufzuhängen, weil diese in der unerquicklichen Unüberschaubarkeit jener Aneinanderreihung weiterer Sekunden, von denen wir niemals WIRKLICH wissen können, wie die nächste aussehen wird (man erinnere sich an die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde), temporale Landmarken darstellen. So wie der Kirchturm, dieses eine besondere blaue Haus oder der kleine Park uns helfen, durch unsere geografische Umgebung zu navigieren, so sind Geburtstage, Feiertage, die eigentlich sehr willkürliche Einteilung in Wochen á sieben Tage (und in 12 krumme anstatt 13 identische Monate) und manches andere mentale Anker, welche die Relativität von Zeit besser erträglich machen. Und so klammern wir Menschen uns auch weiterhin verzweifelt an bestimmte, von alters her überlieferte Rituale; und so klammere ich mich an die Raunächte, um mit der Frage zu ringen, was als Nächtes werden soll. Wohl wissend, dass alles Plotten und Planen bestenfalls das Gelächter des Schicksals anregt.

Ich glaube nicht, dass ich mich diesbezüglich sonderlich von anderen Menschen unterscheide. Ich bezeichne mich – wie ein hoch geschätzter Kollege dies auch immer zu tun pflegt – als durchschnittlich intelligenten Menschen. Ich kann nicht besser in die, wie bereits bemerkt eher nur vage wahrnehmbare Zukunft schauen, einfach so schlimme Probleme lösen oder die Welt retten, als viele andere auch. Ich habe allerdings einige Talente, die tatsächlich eher selten geworden zu sein scheinen: Anstand, Haltung, Selbstreflexion und die Bereitschaft, meine Kreativität auch mal sinnvoll einzusetzen, ohne gleich auf den Paycheck zu schielen. All das möchte ich nun in die Wagschale werfen und die Raunächte tatsächlich als Anlass nehmen, zu schauen was war, was jetzt gerade ist und was vielleicht sein könnte. Nicht im Sinne einer Heilung, sondern eher im Sinne eines Re-Framings. Ich brauch eine neue Perspektive auf meine Situation; und auf die Frage, ob der Aufwand, welchen zu treiben ich mich derzeit (noch) verpflichtet fühle und die Benefits noch in irgendeinem Verhältnis zueinander stehen? Ich betrachte das gar nicht so sehr aus fiskalischen Gesichtspunkten, wiewohl ich Verpflichtungen habe, die nach Beachtung verlangen; ich kann nicht einfach so den Stecker ziehen und erst mal ein Sabbatical einlegen. Denn wenn ich das könnte, wäre das schon lange passiert. Ich denke tatsächlich schon seit einer Weile über diese Dinge nach – doch erst jetzt habe ich (dank einiger freier Tage) auch tatsächlich die Muse, über Alternativen nachzudenken, ohne immerzu von den Nöten des Alltags abgelenkt zu werden. Ich würde das allerdings nicht als Rite de Passage bezeichnen wollen, da zunächst noch unklar bleibt, ob es tatsächlich zu einer Veränderung kommen wird (und falls ja, zu welcher), sondern eher als Rite de la pensée; oder vielleicht sogar als Rite du rêve. Denn nachdenken muss ich – und träumen will ich!

Wie man’s auch dreht und wendet, wir stecken mitten im Weihnachtsfest, zu dem ich euch allen da draußen (ganz gleich, welchem Glauben ihr anhängen mögt) friedvolle Feiertage wünschen möchte! Feiert, was immer ihr zu feiern habt – und wenn ihr echt glaubt, nichts zu feiern zu haben, dann feiert trotzdem nach bestem Vermögen; und wenn’s nur ist, weil jeder Tag ohne Zettel am Zeh ein guter Tag ist! Das Jahresende dräut nun mit aller Macht und irgendwie zieht es viele dann immer zu Rückblicken. Man möchte resümieren, was war und was ist. Dazu kann ich jetzt gerade nur sagen: vor allem einige dienstliche Teile von 2024 waren atomar granatenmäßige Ultrabullenscheiße! Mein Bedarf ist gedeckt. Ob mir noch Anderes, Sinnvolleres, Schöneres einfällt, werden wir in den nächsten Tagen sehen. Bleibt sauber, so gut es geht. Wir hören uns noch, bevor für ’24 endgültig der Hammer fällt…

Auch als Podcast…

Against the rules…

Stellen wir uns einmal vor, wir arbeiten in einer komplexen Organisation, deren Gedeihen der Garant für unsere Existenz ist. Diese Organisation stellt ein Uno-Acto-Produkt zur Verfügung, in unserem Fall eine Dienstleistung, welche in dem Moment verzehrt wird (das nennt man auch so, auch wenn es KEIN Essen ist), in welchem sie hergestellt wird. Mit vielen Dienstleistungen verschiedenster Arten ist es so, dass sie den selben dynamischen Entwicklungen der Kultur unterworfen sind, für deren Mitglieder sie produziert werden. Kultur ist nämlich ein Prozess, in welchem sich Menschen und damit gleichsam deren Art sich auszudrücken, sich zu verwirklichen, miteinander zu interagieren, etc. immer weiter entwickeln und verändern. Die Menschen und ihre Kultur als Ausdruck ihres sozialen, künstlerischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Handelns beeinflussen sich dabei gegenseitig und bleiben niemals statisch. Wer in einer Kultur statisch agiert, wird von ihr irgendwann dafür bestraft. Ergo muss unsere Organisation auch ihre Dienstleistung immer wieder neu an die sich ändernden kulturellen Notwendigkeiten anpassen, andernfalls wird sie vom Markt verschwinden! Und damit wäre ja meine Existenz bedroht, welche – wie oben gesagt – vom weiteren Erfolg der Organisation abhängt. Damit ist aber doch eigentlich alles ganz einfach: die Orga entwickelt sich eben mit und alles ist super shiny-shiny, oder? Tja… wenn das doch nur so einfach wäre.

Organisationen prägen nämlich, je nachdem wie alt und komplex sie werden, Regelwerke aus, welche die internen Beziehungen, Aufgaben, Abhängigkeiten, Weisungsbefugnisse, etc. regeln sollen. Und je unübersichtlicher die Orga wird, desto unübersichtlicher wird das Regularium, welches diese einhegen soll. Denn komplexe Organisationen neigen dazu, sich auf drei Hauptkomponenten ihres Daseins zu konzentrieren: Kontrolle der Prozesse, um diese einer Koordination unterwerfen zu können, damit die Produktivität gehalten bzw. sogar gesteigert werden kann. Alles MUSS in Key Performance Indicators (KPI) gegossen werden. Und die Macht der KPIs über alle Prozesse ist der Tod der Kreativität! Denn all diese Kontroll- und Koordinationsmechanismen schaffen (neben ihrer originären Aufgabe) vor allem eines: autopoietische Prozesse, welche das Überleben dieser Kontroll- und Koordinationseinheiten innerhalb der Organisation gewährleisten sollen. Verwaltung bläht sich stets selbst auf, um ihr Überleben zu sichern – und wird dabei ineffektiv! Ein noch viel größeres Problem ist allerdings, dass im gleichen Zug jenes Regularium, welches Anfangs tatsächlich helfen sollte, die Organisation im Griff zu behalten, irgendwann ein unheiliges Eigenleben entwickelt. Irgendwann sind dann so viele Einzelregeln gültig, dass es, sofern man auch nur versucht, sie alle einzuhalten zwangsläufig zu einer Erstarrung der Organisation kommen muss; die Innovations- und Wandlungsfähigkeit gehen verloren, die Regeln werden nur noch befolgt, einfach weil es die Regeln sind. Aus Organisations-Kultur wird Organisations-Tradition! Und eine Weile später stirbt die Organisation dann…

Dass es nicht ganz so häufig dazu kommt, dass Organisationen tatsächlich sterben, wie die eben von mir aufgezeigten, durchaus häufig anzutreffenden Entwicklungen vermuten lassen, liegt daran, dass wir Menschen dazu neigen, Regeln zu unterlaufen, zu verbiegen und nicht ganz so ernst zu nehmen, wenn wir zu der Überzeugung gelangt sind, dass diese oder jene Regel in genau diesem Moment Quatsch ist, einer positiven Entwicklung im Weg steht, oder evtl. sogar Schaden verursacht. Ein Beispiel: man steht mit seinem Fahrzeug nachts um 02:37 an einer roten Ampel. Alle, bekanntermaßen wenig befahrenen Zu- und Abfahrten sind weithin sichtbar lotterleer und es gibt keine Blitzampel, welche einen etwaigen Verstoß dokumentieren könnte – was wird man wohl tun…? Zeichnen wir das Bild noch etwas differenzierter: nehmen wir an, das Fahrzeug ist ein Rettungswagen mit einem Patienten, der zwar nicht kritisch ist, der vom Rumliegen auf der Fahrtrage im RTW aber auch nicht besser wird. Ihre Entscheidung, Watson. Sofern solches – explizit NICHT Regelkonformes – Verhalten in bestimmten Situationen dazu angetan ist, in der Gesamtschau der Prozesse einer Organisation oder eines Subsystems dieser Orga einen Benefit zu erzeugen, spricht man in der Diktion von Niklas Luhmann von “brauchbarer Illegalität“. Es geht dabei nicht um expressiv gesetzeswidriges Handeln (also Illegalität im Kontext unserer Gesetze), sondern um ein interpretierendes Biegen / Unterlaufen von Regeln und Normen innerhalb komplexer Organisationen, um positive Einzeleffekte erzielen oder aber deren Innovations- und Reaktionsfähigkeit erhalten zu können. Und man spricht auch dann nicht von “brauchbarer Illegalität”, wenn das Handeln lediglich darauf abzielt, einen Vorteil für sich selbst zu gewinnen; das wird in den meisten Fällen eh ein durch das StGB beschriebenes Verhalten sein: Mobbing, Unterschlagung, Betrug, etc.

Aber der Spruch “Alle haben gesagt, dass das nicht geht. Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht!” beschreibt die Idee hinter dem Begriff “brauchbare Illegalität” ganz gut. Manchmal muss man andere Wege abseits des Üblichen gehen, um an ein Ziel kommen zu können. Und wenn diese Wege theoretisch durch diese oder jene Regel verbaut sind, kann selektive Blindheit in solchen Situationen sehr hilfreich sein. Das dann manchmal trotzdem jemand – sich die Augen reibend – immer noch das Bier hält und sich fragt, was zur Hölle da gerade passiert ist, bleibt hierbei wohl für immer ein Risiko. Aber ohne den Mut, Regeln zu brechen, die kreativen Problemlösungen im Wege stehen, würden wir vermutlich noch immer Fellvorhänge benutzen, bei der Mammutjagd verletzt werden, ohne dass die BG für die Folgen aufkäme; und Säbelzahntiger wären immer noch eine existentielle Bedrohung. Na ja, ICH hätte freilaufende Großkatzen in Berlin ja gefeiert… Man mag anderer Meinung sein, aber für mich ist ein gelegentliches Going against the Rules essentieller Bestandteil meines Daseins. Denn wenn man in einem Zimmer steht und nicht verstehen kann, warum das/die Gegenüber einfach nicht sehen können (oder wollen), was vollkommen klar (und laut trötend…) im Raum steht, bleiben halt manchmal nur noch die verpönten Guerillataktiken. ICH bin jedenfalls lieber brauchbar illegal, anstatt unkreativen Dienst nach Vorschrift zu tun und damit Probleme nur unnötig zu prolongieren. Und ihr so? By the way – bald ist Weihnachten. Legt euch doch mal selbst was Gutes unter den Baum. Wie wäre es etwa mit einem Arsch in der Hose, wenn der Wind bei der Arbeit mal wieder auffrischt. Gehabt euch wohl…

Auch als Podcast…

It’s the end, my only friend…

Die Liebe für das Abseitige, das Ungewöhnliche, das Nerdige, die seit Kindertagen mein wichtigstes Movens ist, scheint nicht nachlassen zu wollen. Denn wann immer die Last schwer wird, findet sich ein Funke der Beklopptheit, der meine Kreativität wieder anzündet; gleich einem Scheiterhaufen für all die Scheiße, die man bisweilen zu fressen hat und die man nun mit Macht wieder loswerden darf. Manchmal geht man durch Zeiten, in denen es wirkt, als wenn das Licht schwindet, als wenn man nicht mal mehr die Kraft hat, das Notwendige zu tun und sich einfach nur noch unter einem Stein verkriechen möchte. Solche Zeiten sind insbesondere schwer, wenn man per vertraglicher Verpflichtung keine Chance bekommt sich zu verkriechen, jedoch im Grunde seines Herzens ein Introvertierter ist, der lediglich gelernt hat, offen für andere Menschen und Situationen zu sein. Ja, ich bin AUCH eine Rampensau, wenn die Situation es erfordert, oder wenn ich Spaß daran finde. Aber diese Extraversion kostet mich viel Kraft, denn zuerst bin ich ein Mensch, der seine Ruhe braucht und den, diese Ruhe nicht zu bekommen immer wieder auf’s Neue an seine Grenzen bringt. Letzthin war meine Contenance endgültig aufgebraucht und ich habe meine rohen Emotionen für einen kurzen Augenblick freien Lauf gelassen. Die Zeugen haben dann auch gleich auf die übliche Art reagiert, die wir uns als kultivierte Affen haben antrainieren lassen: “Wer brüllt hat unrecht.”, das Gesicht wahren ist wichtiger als alles Andere, “Man redet nur mit Menschen, die sich im Griff haben.”… bla, schwa, laber, schwätz. DUMMES GEBABBEL ALLSEITS. Denn das Interessante an der Erfahrung war, dass die Menschen, die ich angebrüllt habe nicht verstehen konnten – und vermutlich immer noch nicht verstehen können – dass sie daran einfach selbst schuld sind, weil sie immer und immer wieder in alte Muster verfallen.

Ich arbeite an einem Ort, an dem es zumindest für manche Menschen a) üblich ist über- anstatt miteinander zu sprechen, b) das Ansehen, welches man bei anderen zu genießen müssen glaubt, wichtiger ist als die Sache, c) jeder – entgegen anders lautenden Beteuerungen – nur seinen eigenen Bereich sieht (oder besser seinen “geschäftlichen Vorteil”, was auch immer das in einem Tendenz-Betrieb bedeuten mag) und d) Tradition als ausreichender Fortschritt betrachtet wird. Ich Vollidiot habe tatsächlich ein paar Jahre geglaubt, etwas an den Dingen ändern zu können, habe mich durch Beteuerungen, dass sich Dinge schon entwickeln würden, dass wir auf einem guten Weg wären, dass man nur noch etwas Geduld haben müsse bei der Stange halten lassen. Aber ich bin jetzt an dem Punkt, da ich in aller Deutlichkeit feststellen muss, dass ich mir diese Scheiße nicht mehr länger anhören will. Mein Problem ist – unumwunden – dass ich erst einen äquivalent bezahlten anderen Job finden müsste, der meine Skills und Talente wirklich abfragt und dessen Anbieter mich auch ehrlich zu würdigen weiß. Und solche Jobs gibt es anscheinend nicht, weil wir alle in Sandburgen aus Schall und Rauch sitzen, uns gegenseitig auf die Schulter klopfend, was für geile Typen wir doch sind. JA, meistens sind es Typen. Hätten wir tatsächlich Gleichberechtigung, müsste ich doch irgendwann mal einen weiblichen Boss haben, der mich zur Verzweiflung bringt…. aber bis heute keine Spur davon. Der Haufen Scheiße, den mein Kreativ-Scheiterhaufen also heuer abfackeln muss ist echt immens! Wenigstens habe ich über die Feiertage Urlaub. Einstweilen bleibt also erst mal alles beim Alten – und ich vermutlich unglücklich, weil ich gerne wirklich etwas bewegen würde, aber eben auch für meine Familie sorgen muss…

Wut kommt über meinen Geist, zu oft
obwohl er stets erschafft und hofft.
Ich war, ich bin, ich werde sein,
doch vieles ist nur Trug und Schein.
Ich wollt' schon vieles, hab wenig geschafft.
Das Ding zu drehen mangelt mir wohl die Kraft!
Dies Ding namens "LEBEN", es fordert viel
mit ihm wild zu tanzen ist wie ein Spiel -
ein teuflischer Reigen im Kreis, denn was war -
oft auch was ist - erscheint mir nun klar!
Kommt noch mehr, ich kann's nicht sehen,
unscharf im Nebel gewahr ich ein Flehen.
Wessen Klage ich gewahre, ist auch egal;
's klingt mir doch wie meine eigene Qual...
Was bleibt mir also zwischen den vielen Ideen,
außer einfach immer weiter zu gehen...?


(Was auch immer das hier Anderen bedeuten mag - mir ist es eine Erleichterung und ein Zeichen. DA IST NOCH KREATIVE KRAFT IN MIR!)
Auch als Podcast…