Hast du mal eine Idee für mich…?

Wir haben da in der beruflichen Welt ein ziemlich großes Missverständnis am Laufen: nämlich dass Handlungskompetenz im Sinne des situations-, sach- und sozialadäquaten Problemlösens Kreativität an sich sei. Ja, Handlungskompetenz hat eine kreative Komponente, wenn ich bekannte Ingredenzien meines Gewerkes auf jeweils neue Weise miteinander mischen muss, um eine neue Problemlage lösen zu können. Manche nennen das Improvisation, aber tatsächlich ist es Handlungskompetenz; lediglich auf einem neuen Niveau gedacht. Man kann es mit DJs vergleichen, welche die Situation (also den Saal) lesen und ihren Mix an die Stimmung, die Vibes, das Publikum anpassen. DJs sind dabei zumeist spielerischer unterwegs als Notfallsanitäter*innen oder Lehrkräfte. Aber im Kern ist die Aufgabe sehr ähnlich. Handlungskompetenz ist jedoch keine Kreativität an sich, weil sie so gut wie nie in der Freiheit ausgeübt wird, zu vergessen, wo die verdammte Box steht; zur Erinnerung es gibt den Terminus “to think outside the box”, wo es darum geht, seine üblichen Denkmuster zu verlassen, über den ´Tellerrand zu blicken, frei zu assoziieren, sich schlicht quer zu seinem sonstigen Denken zu stellen. Einen solchen Flow-Zustand erreiche ich unter dem üblichen Druck der Arbeitswelt, bzw. wenn ich in teilweise sehr streng und eng definierten Rahmenbedingungen arbeiten muss NICHT, weil ich dazu weder die Zeit, noch die freien kognitiven Ressourcen habe. Selbst, wenn die Arbeitsumgebung fancy and free gestaltet ist; was z.B. für Notfallsanitäter*innen und Lehrkräfte auch nicht der Fall ist.

Echte Kreativität lebt von eben jener Freiheit, die mich vergessen lässt, dass es jemals eine Box gegeben haben könnte. Das große Problem damit ist, dass man diesen Zustand nicht herbei zwingen kann – schon mal was von Schreibblockade gehört? Es gibt einen guten Grund, warum George R. R. Martin “Winds of Winter” mehr als 12 Jahre später immer noch nicht fertig hat. Man kann es nicht erzwingen. Mal davon abgesehen, dass seine Geschichten eigentlich auserzählt sind. Wie oft kann man immer gleiche Intrigen aufbauen, dann eigentlich wichtige Charaktere töten – und immer noch frisch wirken? Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Mal davon abgesehen, dass heutige Kulturprodukte auch deswegen so ein Problem damit haben, immer härter um ausreichendes Publikum kämpfen zu müssen, weil die Urgeschichten alle erzählt sind. Ich habe vor mittlerweile 15 Monaten in Berlin ein Interview geführt, bei dem es um das Geschichten Erzählen ging. Und meine Interviewpartnerin meinte, dass speziell die alten griechischen Mythen sie immer noch faszinieren, weil sie immer wieder etwas Neues über diese uralten Geschichten herausfindet – und weil sie immer wieder neue Bezüge zu unserer heutigen Zeit herstellen kann. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ein altes Thema, über das ich schon vor 10 Jahren geschrieben hatte, kam wieder hoch: nämlich, dass streng genommen fast alles, was wir heute als neue Schöpfung hip und smash und frisch finden im Grunde nichts weiter ist, als ein Mash-Up, ein Re-Mix – kurz Recycling-Kreativität.

Im Grunde ist es mit unserer Kreativität heute so, wie mit dem, von einem Mehr an Biographie belasteten Menschen mittleren Alters beim Lernen: je mehr Vor-Gewusstes, Erfahrungen, Wissenssedimente sich in unserem Langzeitgedächtnis abgesetzt haben, desto länger brauchen wir, um Neuem darin einen sinnvollen Ort geben zu können. Je älter man wird, braucht man nicht länger zum Lernen, weil man langsamer denkt, sondern weil man wesentlich mehr Altes mit dem Neuen in Einklang bringen muss. Und so ist es mit unserer Kreativität: wenn ich etwas wirklich frisches schaffen möchte, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mit dem ganzen alten Kram auseinanderzusetzen – allein schon, wenn ich einen Copyright-Verstoß vermeiden möchte. Ein gutes Beispiel dafür sind auch die Produkte, welche man mittels KI-Tools wie Chat-GPT erzeugen kann; denn generative KI erzeugt das “NEUE” ja einfach nur durch Heuristiken, die Altes auseinander nehmen und neu zusammensetzen. Et voilà: Mash-Up und Re-Mix. Zwar wirkt das dann oft auf den ersten Blick überraschend kreativ; hat man aber ein einigermaßen geschultes Auge, bemerkt man, dass gerade DALL-E 3 mit seinen Bildern gerne in Pomp und Pathos abgleitet. Was neulich z.B. dazu führte, dass ich die KI darum bat, es noch mal mit etwas weniger sozialistischem Pathos zu versuchen, weil das Ergebnis aussah, wie ein Propaganda-Wandbild aus Sowjet-Zeiten…

Creatio ex nihilo – also die Erschaffung von etwas wirklich Neuem aus dem Nichts heraus passiert heutzutage nur noch ziemlich selten. Allein schon deshalb, weil der größte Teil unserer Unterhaltungsindustrie sich um des konsumkapitalistischen Paradigmas der Umsatz-Rendite Willen algorithmisiert hat – und in der Folge immer mehr von der selben Scheiße produziert. Adorno Ahoi! Und trotzdem entstehen ein ums andere Mal Ideen, die tatsächlich diesen Charakter der Novität haben. Etwa, weil sie in der Lage sind, unsere Sicht der Dinge zu verändern; oder weil sie ein wirklich neues Element in eine alte Geschichte einfügen, was diese wieder spannend macht. Weil sie etwas Bekanntes auf überraschende Art neu denken. Es sind diese Ideen, die es wert machen, die eigene Kreativität zu trainieren. Denn in der Tat ist die Fähigkeit, Neues zu schaffen, Neues zu erdenken, sich selbst neu zu erfinden wie ein Muskel, der atrophiert, wenn man ihm kein Training angedeihen lässt. Dass ist die wahre Gefahr von zu viel Routine, von zu viel “Das haben wir ja noch nie so gemacht”, von zu viel Tradition – die Fähigkeit zur Kreativität und damit zu echter Innovation zu verlieren. Problemlösen kann man dann trotzdem noch, aber irgendwann wird auch diese Fähigkeit schlechter, weil neue Problemlagen manchmal anstatt alter auch mal neue Antworten brauchen. Könnten sich Politiker aller Parteien mal hinter die Ohren schreiben. Insbesondere aber die von CDU/CSU und FDP; die blauen Faschos lernen eh nix mehr dazu.

Ob ich heute eine Idee für euch habe? Jawoll! Probiert es doch einfach mal aus und lasst euch auf die Ideen, die Gedanken, die Philosphie von jemandem ein, um den ihr bisher einen Bogen gemacht habt, weil ihr immer dachtet, dass das aus 1001 Grund nicht zu euch passt! Ihr werdet überrascht sein, wie anders diese Welt plötzlich aussieht, wenn man seine Offenheit trainiert – und auf was für krasse Ideen man dann kommt. Lasst euch nur bitte nicht von irgendwelchen chauvinistischen, rassistischen, faschistischen Arschlöchern inspirieren. Die wollen nicht kreieren, sondern destruieren! Und damit ist auch genug für heute. Schönen Sonntag noch!

New Work N°17 – Should I stay or should I go…?

Natürlich geht es nicht um den Song von “The Clash”, sondern um die ewig alt-neue Frage, ob ich da richtig bin, wo ich gerade stehe? Was definitiv auch nicht mein Home-Office meint, denn genau in diesem Moment sitze ich. So wie gestern Abend am Ufer des Flusses mit einem alten Freund und ein, zwei Fläschchen kaltem Bier im Rucksack. Wie wir da so saßen, den Menschen und Wasserfahrzeugen beim Vorbeiziehen zusahen und redeten, kam die Sprache – wie kann es bei Gen-Xern auch anders sein – auf die Arbeit. Und mein Hadern mit meiner Position, welches sich mittlerweile durch das letzte Jahr zieht; und ums Verrecken nicht besser werden will. Ich subsumiere den Tenor dieses Teils unserer Gespräche mit folgenden Worten, die mir gesagt wurden: “Bewirb dich nicht bei denen, ist ja noch schlimmer als da, wo du bist. Wenn, dann such dir was in der freien Wirtschaft.” Tja, was soll ich sagen. Ich bin mir da immer noch nicht sicher, ob er Recht hat. Denn heute hatte ich wieder so ein Gespräch, das mich an meinem Job zweifeln lässt.

Man muss dazu folgendes wissen: ich bin so eine Art schwieriges Wesen, nämlich ein sogenannter gewissenhafter Bauchmensch. Was ich anfange, bringe ich zu Ende, was ich nicht weiß aber brauche, eigne ich mir an und wenn ich was verkacke, stehe ich dafür ein! Und ich treffe Entscheidungen, wenn es keine Regularien gibt auch mal auf der Basis wohlinformierter Intuition; und liege damit meistens voll im Ziel. Nun ist es so, dass manche Situationen von Anfang an verfahren sind. Und das dabei oft unterschiedliche Interessen der Beteiligten Parteien eine Rolle spielen. Ohne auf Details eingehen zu wollen oder zu können kann ich sagen, dass eine Partei immer wieder auf ollen Kamellen rumreitet, wobei ich mittlerweile häufig berichtet habe, dass ein Dienstleister für den hier betroffenen speziellen Teil eines Gesamtpaketes nicht funktioniert und dass bislang diverse Versuche, Ruhe in die Angelegenheit zu bringen nicht gefruchtet haben. Jetzt höre ich zum ersten Mal Töne, die darauf hinweisen, den Dienstleister zu kicken. Ich soll das beobachten. Ich beobachte das jetzt seit zwei jahren und die kriegen ihren Job halt zu oft nicht geschissen! Überdies sind die Nutzer des Gesamtpaketes, zu welchem diese Dienstleistung gehört Teil des Problems. Weil sie wegen jeder Kleinigkeit an der falschen Stelle rummosern, anstatt ein wenig Eigeninitiative zu zeigen. Weil sie oft genug ihren Teil des Deals nicht erfüllen und dafür gerne mit dem Finger auf Andere zeigen. In dem Fall muss man leider sagen: typisches Gen-Z-Verhalten im negativen Sinne.

In den Augen der Person, mit der ich heute sprach, liegt die Gesamtverantwortung hierbei allerdings bei mir. Und das sehe ich nicht mehr so, wenn ich wieder und wieder darauf hingewiesen und nachgesteuert habe – und trotzdem dauernd wieder die alten Kamellen auf’s Brot geschmiert bekomme. Butter bei die Fische – keine klientennahe, hochkomplexe, von verschiedenen Stakeholder-Interessen tangierte und örtlich verteilt stattfindende Dienstleistung hat je friktionsfrei funktioniert! Ich frage mich ernsthaft, wann das gute alte “Fünfe-gerade-sein-lassen” endgültig verstorben ist. Würden wir in unseren Kernaufgaben fortdauernd Fehler machen, hätte man jedes Recht, so mit mir umzugehen. Nun sind unsere qualitativen Kennzahlen aber augesprochen gut. Nimmt niemand zur Kenntnis. Dafür klopfen sich andere gegenseitig auf die Schulter, wie toll sie das doch gemacht haben, obwohl deren Beitrag offen gesprochen non-existent war, bzw. eher in Behinderung bestand/besteht. Nun wird da, wo ich arbeite offensichtlich leider nicht mit- sondern übereinander gesprochen. Da kann ich nicht mehr drauf, denn diese Hinter-den-Kulissen-Intrigiererei, das EGO-Geficke, die institutionalisierte Verantwortungsdiffusion und das ewige Fordern lasse ich nicht mehr mit mir machen. Das Beste an dem Gespräch war, das es stattfand, nachdem ich auf andere, wesentlich wichtigere Dinge hingewiesen hatte, die evtl. geschäftlich richtungsweisend sein könnten. Mir kam es so vor, als wenn man von dem Wesentlichen ablenken wollte, weil man sich damit nicht beschäftigen möchte. Oder irgendjemand hat vollkommen andere Prioritäten als ich…?

Immer wieder beschwört man in Gesprächen gemeinsame Ziele. ICH. SEHE. KEINE. GEMEINSAMEN. ZIELE! Ich sehe die Ziele anderer Personen: BILLICH WILL ICH! Und da gehe ich nicht mit! Meine Ziele sind ganz klar definiert: qualitativ hochwertige Ausbildung, bei welcher die Azubis im Mittelpunkt stehen, aber auch von Anfang Führung erfahren müssen; und zwar durch Ausbilder*innen und Lehrkräfte, die als Role-Models taugen. Das ganze solide kalkuliert, damit das Controlling keine Tränen wegen mir vergießen muss. Das wäre mir arg…! Für die Lehrkräfte habe ich hierbei selbst noch einen Erziehungsauftrag, den ich absolut ernst nehme. Was ich nicht mehr ernst nehmen kann, sind Nachfragen im Wochentakt, die mir a) ein Gefühl von Mikromanagement vermitteln (das ich nicht mehr lange akzeptieren werde), b) mangelndes Vertrauen signalisieren und c) meine pädagogische Expertise anzweifeln. Noch mal Butter bei die Fische: wer pädagogische Qualität an sich beurteilen können will, MUSS Pädagoge sein, sonst nehme ich ihn nicht ernst. Und Veränderungsprozesse durch pädagogische Intervention, ganz gleich an wem sie vollzogen werden sollen, brauchen vor allem eine Ressource: Zeit! Was jedoch die Ausbilder*innen angeht… wir würden ihnen ja helfen, wenn sie sich denn helfen ließen. Hier zeigt sich die gefährliche Wirkung von “Das haben wir ja noch nie so gemacht!” Sich aber hinterher wundern, wenn die Betriebsbindung nicht so gut ist, oder die jungen Leute mit vollkommen falschen Zielvorstellung an ihre Arbeit gehen. Erziehungsauftrag verstanden? Leider NEIN!

Ob ich wütend bin? Oh ja… bin ich doch immer. Ob ich endlich Konsequenzen daraus ziehe? Jawohl! Was das bedeutet? Werden wir rausfinden. Leben ist Veränderung! Guten Abend!

Auch als Podcast…

NEIN sagen…?

Ich weiß, dass manche (vor allem fremde) Menschen mich des öfteren als streng, vielleicht gelegentlich sogar hart bis zur Unfreundlichkeit wahrnehmen. Das könnte daran liegen, dass da draußen mittlerweile eine Menge weichgespülter Pussies (m/w/d) rumlaufen, die eine klare Ansage weder verstehen noch wertschätzen können; die überdies nicht bereit sind konsequent zu handeln und Anderen ihre Grenzen und Fehler aufzuzeigen. Und nur, um das klarzustellen: Ich will solche Leute auch in meinem persönlichen Umfeld, damit sie das bei mir ebenso tun können. Bis auf diesen dämlichen Pfosten letzten Samstag am Badesee, der extrem distanzlos und unbeherrscht wurde, weil ich zwei Kindern einfach nur sagte, dass sie mitten im Weg sitzen. Dieser asoziale Pfosten darf sich gerne bei mir melden, dann klären wir das – Säge, Schaufel, Plane und Stiefmütterchen stehen bereit. Aber wahrscheinlich ist dieses lausige Stück zu feige. Ganz ehrlich – wenn jemand nicht drauf klarkommt, das man im Leben besser deutlich kommuniziert, ist das deren Problem; insbesondere weil deutlich NICHT automatisch unhöflich oder gar unverschämt bedeutet – sondern einfach nur deutlich!

Aber damit klar wird, warum ich darauf so allergisch reagiere, will ich mich an dieser Stelle kurz erklären: ich habe in meinem Leben eine lange Reihe schlechter Chefs (und auch Kollegen) hinter mich gebracht. Da waren ein paar hinterfotzige Arschgeigen dabei, die ich bis heute nicht anpissen würde, wenn sie mir brennend entgegen kämen! Diese ekligen Menschoiden haben mich allerdings eines gelehrt: wenn du willst, dass sich etwas ändert, musst du es selbst in die Hand nehmen, oder (falls man es, aus welchen Gründen auch immer, nicht selbst tun kann) immer wieder ansprechen und dennoch geduldig bleiben. Ein paar dieser Typen von damals existieren übrigens leider immer noch, an ein paar anderen bin ich mittlerweile vorbei gestiegen; heute stören sie mich nicht mehr. Weil ich jetzt klar kommuniziere. Manchmal allerdings so schmerzhaft klar, dass manche Menschen mich wohl nicht mehr so recht mögen. Aber ich will auch gar nicht unbedingt gemocht werden – gehört und verstanden werden wäre mir viel wichtiger. “Everybodys Darling” wird nämlich ganz schnell zu “Everybodys Schlampe”; der Spezialist mit wichtigen Infos und Einsichten hingegen bleibt zumeist der Spezialist.

All der eben beschriebenen Härte zum Trotz ist es nicht so, dass ich leichtfertig verbal auf Menschen eindresche, oder einfach so NEIN zu irgendwas oder irgendwem sage. Weil ich nämlich weiß, dass ein NEIN mannigfaltige Enttäuschungen bedeuten kann. Ich hatte ja selbst schon genug davon. Wenn ich also NEIN sage, ist selten das Wort der ganze Satz, weil ich gerne begründe, warum ich etwas ablehne, bzw. ablehnen muss. Denn hinter der eben beschriebenen Deutlichkeit meiner Worte steht oft ein Abwägungsprozess, welcher darauf beruht, dass ich (leider) ein recht empathischer Mensch bin. Ich nehme sehr wohl wahr, was in meinen Gegenübern vorgeht. Ich entscheide nur gerne selbst darüber, ob ich mich davon berühren lasse, oder eher nicht. Ich muss allerdings zugeben, dass ich im Privatleben heutzutage meist deutlich konzilianter bin, als bei der Arbeit. Das könnte daran liegen, dass man als Leitungsperson gelegentlich auch unangenehme Entscheidungen treffen UND kommunizieren muss. Der Gesichtsausdruck einer Person, die von mir ihre Kündigung in der Probezeit ausgesprochen bekam, blieb mir lange präsent. Es ist ein zutiefst menschlicher Makel, weder gedanklich noch kommunikativ zwischen der Sache und der Person trennen zu können. Noch etwas, dass ich von den sogenannten Leitungspersonen in meiner persönlichen Historie nur zu oft erlebt habe – und bis heute bei Kollege*innen gelegentlich immer noch erlebe. Am Ende des Tages können wir wohl niemals wirklich aus unserer Haut. Außer wir werden ziemlich wütend; dann geht das plötzlich ganz leicht, aber leider auch vollkommen ziel- und nutzlos…

Dabei ist das NEIN ein so wichtiges Wort, symbolisiert es doch eine Grenze, die nicht zu übertreten ist, einen Pfad, der nicht verlassen werden sollte, oder eine Sache, die einem nicht gehören wird. Ohne diese Grenz-Setzungen zu den richtigen Zeiten werden Menschen nämlich unter Umständen zu dieser unerträglichen Subspezies des narzisstischen Selbstbedieners. Und von DENEN marodieren wahrhaft schon viel mehr als genug auf dem Erdenrund umher! Nun ja, Menschen kann man ab einem bestimmten Punkt nur noch sehr schwer ändern, was bedeutet, dass ich in meinem Berufsleben wohl noch eine Menge NEINS werde verteilen müssen. Vielleicht gleich heute – mal schauen. Wie’s auch laufen mag, startet gut in die neue Hölle… ähm Woche…

Auch als Podcast…

Wham-sha-daizy… oder warum einfach nie einfach ist!

Sonntag. Mittagszeit. Ganz nett draußen. Nicht ZU heiß, nicht ZU schwül, kann man schon mal so haben. Is aber vollkommen unwichtig, denn Gedanken wollen gedacht, Gedachtes zu Plänen kondensiert, Pläne umgesetzt werden. Am besten gestern – so um die Mittagszeit. Jedesmal, wenn sich der Stress kurz lichtet und den Blick frei gibt auf all jene Dinge, die ich eigentlich mal vorhatte, stelle ich fest, dass “eigentlich” ein wesentlich härterer Boss-Gegner ist, als der Wäschehaufen! Für dieses Wochenende ist DER wenigstens schon besiegt. Im “eigentlich” schwingt eine Möglichkeit, die sich üblicherweise nie – oder sagen wir mal, nur sehr selten – realisiert, weil man entweder zu busy, zu lazy, zu pleite oder zu abgelenkt ist. Wovon man sich ablenken lässt, könnt ihr euch selbst denken – einmal mehr DOOMSCROLLING AHOI! Zu busy ist Ansichtssache, denn wenn man die Woche mal analysiert, bliebe vermutlich doch die eine oder andere Stunde, die man in “Projekte” investieren könnte wenn man denn nur das Doomscrolling sein lassen wollte… Bleiben als valide Entschuldigung also nur noch lazy oder pleite. Mist… und ich dachte, ich könnte mich da rausreden.

Da stehe – oder besser aktuell sitze – ich zwischen dem eigenen Anspruch, irgendetwas “sinnvolles” tun zu wollen und dem (des öfteren von meiner Krankheit getriggerten) Bedürfnis, nichts und niemanden sehen zu wollen. Ich lasse mich davon nicht fangen, weil ich mittlerweile eine recht gute Vorstellung davon habe, was mir persönlich hilft, nicht einfach auf der Couch liegenzubleiben. Ich vermute allerdings, dass jede*r da sein/ihr eigenes Rezept braucht; und dass auch dieses Rezept dann und wann einfach versagt. Egal, ob man nun depressiv ist, oder einfach nur echt überlastet. Denn natürlich führt die manifeste Arbeitsverdichtung gepaart mit dieser dauernden “Du musst dich selbst optimieren!”-Beschallung zu einer beschissenen Spirale aus schlechtem Gewissen und schlechten Strategien. Ein Ratgeberbuch über Achtsamkeit und eines über Pychologie für Dummies und eines über die Wichtigkeit des Frühaufstehens und noch eines über die Pomodoro-Technik und noch eines über New Work machen dich nämlich weder effizienter, noch achtsamer, noch erfolgreicher, sondern – insbesondere, wenn du wie ich eine Eule bist – einfach nur verfickt müde, erschöpft und enttäuscht, weil du nie mit irgendwas richtig fertig wirst und dabei auch noch zu wenig Schlaf bekommst. Ganz großes Kino! Herauszufinden, was einen SELBST an Ziele bringt, die man auch SELBST definiert hat, bedarf nämlich der SELBSTreflexion, für die es nicht selten tatsächlich einen Spiegel braucht. Dieser Spiegel kann sich genausogut in einer Person wie einer Solo-Technik ohne fremde Hilfe konstituieren; wichtig ist, dass man an den Punkt kommt, über sich selbst nachzudenken und nicht stets anzunehmen, dass man schon endgeil auf die Welt gekommen ist… und dann stehen die ganzen Nepper, Schlepper und Bauernfänger auch schon bereit, dir einzureden, was du tun MUSST, um an DEIN Ziel zu kommen – als wenn die deine Ziele tatsächlich kennen oder wertschätzen würden!

Schönes Beispiel ist die sogenannte Coaching-Branche, die zum großen Teil aus Leuten besteht, die anderen Leuten Seminare darüber verkaufen wollen, wie man Coach wird. Es gibt kaum geschützte Berufsbezeichnungen, keinen vorbeschriebenen Weg, wie man denn nun Coach wird und auch kein fest umrissenes Aufgabengebiet, weil viele sogenannte Coachingtechniken sich allzu munter in den Methodenbaukästen der Pädagogen und Psychologen bedienen, dabei aber schön vermeiden, es als Therapie oder Unterricht zu betiteln – denn das dürfen sie nicht. Hauptsache man kann “systemisch” drunter schreiben. Ich kriech die Motten, Digga! Wenn es denn so einfach wäre, sich selbst und seine Ziele zu definieren, dann würden nicht so viele Leute wieder und wieder daran scheitern, egal ob mit oder ohne Coach. Mir wäre es lieber, wenn die Leute, anstatt sofort irgendwo hin zu rennen, um Geld dafür auszugeben, dass ihnen jemand anders sagt, was sie zu tun oder zu lassen haben damit begännen, ihre eigenen kognitiven und metakognitiven Ressourcen – also ihre Fähigkeit zu lernen – auf den Prüfstand zu bringen und ggfs. zu aktualisieren. Und wenn sie DAFÜR Hilfe brauchen – okay! Coaches werden jetzt möglicherweise entgegnen, dass sie ihren Klienten doch auch genau dabei helfen. Und bei manchen mag das ja auch wahr sein. Aber bei vielen gibt es für jeden Klienten exakt den gleichen Nullachtfuffzehn-Scheiß – individuelle Hilfe? Fehlanzeige! Dafür Geld zu verlangen, ist an für sich schon eine Unverschämtheit. Wenn das ganze dann auch noch lediglich Marketing für irgendwelche überteuerten Online-Trainings ist, krieg ich als Pädagoge, der schon so einiges an Distanzlehre in verschiedenen Formaten realisiert hat so richtig die Motten. Ach, Schwamm drüber. Ich hab eh nicht genug Munition für diese ganzen Idioten…

Wenn ich so recht darüber nachdenke, ist meine “etwas Sinnvolles tun”-Bilanz doch gar nicht so schlecht. Im Grunde genommen ist es mir von Herzen Wumpe, wie viele Menschen das hier tatsächlich lesen. Ich tue das hauptsächlich für mich, um Gedanken von der Brust und aus dem Kopf zu kriegen und dann gelegentlich wieder auf meine verjährten Denkprozesse zurückgreifen zu können. Und ich tue das nicht nur in diesem Blog, sondern auch in meinen analogen Notizbüchern. Die sind nur etwas schlechter lesbar, weil meine Handschrift… nun ja, halt meine Handschrift ist. Gibt also noch einen guten Grund, regelmäßig in die Tasten zu hauen. Wham-sha-daizy! Und wenn ich dann und wann jemand anderes zum Nachdenken angeregt habe – vielleicht sogar über sich selbst – oder eine Hilfestellung für eine schwierige Reflexionsfrage geben konnte, würde es mich glücklich machen. Ich sonne mich einstweilen in der Illusion, dass das so sein könnte und wünsche euch einen schönen Rest-Sonntag. Nachher wartet der Grill – und DAS wird nicht nur sinnvoll, sondern auch lecker…

Auch als Podcast…

Ansprechbar…?

Eines gleich vorweg: medizinisches Personal benutzt gerne diese dämliche Phrase “Ist der/die ansprechbar?” Hierzu folgende Aussage: ansprechbar ist jeder VERSCHISSENE KLEIDERSCHRANK. Wenn der dir Antwort gibt, würde ich mir allerdings dringend Gedanken über die Pilzsuppe vom Mittagessen machen! ’nuff said on this! Es geht mir eigentlich um Erreichbarkeit. Und ich mache hieraus jetzt einen Rant, wil ich verfickt noch mal Bock darauf habe, Leute anzuschreien. Ich lese ja nun leider viel zu viel im Internet auf verschiedenen Medien. Und selbstverständlich stolpere ich dabei – Doomscrolling Ahoi – auch immer wieder über Themen, die … nun sagen mir mal ein wenig kontrovers betrachtet werden können… So etwa die Erreichbarkeit von Menschen im Zeitalter der theoretisch unbegrenzten Erreichbarkeit. Instant Messaging, die zweite PEST unserer Zeit neben antisocial media treibt offenkundig immer wieder interessante Blüten. Zum Beispiel, wenn Menschen es nicht abwarten können, dass jemand auf ihre Ergüsse antwortet. “Der ist doch on! Warum schreibt der nicht zurück? Ist der tot? Oder noch schlimmer – ignoriert der MICH etwa? ICH bin doch wichtig!” HABT IHR EMPATHIEALLERGISCHEN MENSCHOIDEN EIGENTLICH DEN ARSCH AUF?

An dieser Stelle ein wichtiger und daher sehr deutlich formulierter Hinweise: Es ist MEIN Leben, folglich MEINE Zeit und daher bestimme ICH UND NIEMAND SONST darüber, ob überhaupt und falls ja, wann, wie und wo ich auf irgendeine Anfrage antworte. Selbst im Geschäftsleben mit seinen Anforderungen, Deadlines und der Arbeitsverdichtung gibt es mehr als genug Situationen, in denen keinerlei zeitliche Dringlichkeit gegeben ist, obwohl alle so tun.. Denn an verspäteten Zahlen ist noch NIEMAND gestorben. Vielleicht an einem verspätet eingetroffenen RTW – aber nie an verspäteten Zahlen! SCHREIBT EUCH DAS ENDLICH HINTER DIE OHREN! Es sei im Übrigen gesagt, dass ich gemäß Internet-Lese-Erfahrung nicht der Einzige bin, der das so sieht. Das ist fast ein kleiner Trost; dass Menschen verstehen können, dass die technische Erreichbarkeit NICHT und NIEMALS synonym mit sozialer Verfügbarkeit sein kann. Diese ergibt sich durch MEINE aktuelle mentale Verfassung, das MIR gerade verfügbare Zeitbudget, MEINEN aktuellen körperlichen Zustand und etwaige andere Verpflichtungen und Interessen, die im Zweifel ebenfalls keinen was angehen außer MIR – und die Personen, mit denen ich gerade lieber Zeit verbringen möchte als mit euch! Klar soweit! Ach und noch etwas: Voice Messages länger 30 Sekunden lösche ich ungehört, außer ICH weiß, dass die Person MIR etwas Wichtiges zu sagen hat! Fast alles über 30 Sekunden ist nur noch eine trübe Melange aus nutzlosen Fülllauten und noch nutzloserem Gelaber; habe ich keinen Bock drauf!

Im Geschäftsleben sind es üblicherweise nicht Voice Messages, sondern zwischen Tür und Angel hingeworfene höchst kurzfristige Anforderungen, die allzu oft nur deswegen JETZT eine angebliche zeitliche Brisanz erhalten haben, weil in den Wochen (manchmal Monaten) zuvor andere Menschen ihren Job nicht – oder zumindest nur unzureichend – erledigt haben und die Schifferscheiße DESHALB jetzt bis zum Lametta gestiegen ist. Und dann steht halt jemand in meiner Tür und erteilt mir Aufträge, die oft genug nicht sinnvoll lösbar sind, weil man mir zwar die Aufgabe und die Verantwortung dafür überträgt, jedoch nicht die Kompetenz im Sinne einer Regelungsvollmacht. Und wundert sich dann hinterher, dass Dinge nicht funktionieren. Oder lässt mich Dinge immer wieder und wieder knapp auf Kante nähen und ist ganz erstaunt, wenn ich irgendwann sage, dass das Garn alle ist. Ich sagte die Tage wortwörtlich, dass sie mir dann jetzt mal deutlich sagen sollen, ob man das, was ich mache wirklich will, weil ich andernfalls gerne jetzt meinen Marktwert woanders einfordern würde, solange er noch nicht signifikant zu sinken begonnen hat. Bin ja jetzt auch 50, da kommt bald die Altersdiskriminierung, habe ich läuten hören…

Um’s kurz zu machen – ich warte sehnsüchtig auf den Sommer-Urlaub. Nur noch ‘n paar Wochen, Gottseidank. Und ich stehe aktuell auf Grund der vorgenannten Probleme geschäftlich nur noch zu den durch mein Gehaltsvolumen abgedeckten Zeiten zur Verfügung. Und privat nur, wenn ich Bock dazu habe. Schönes Wochenende.

Auch als Podcast…

Going strong or going down…?

Ich hatte in den letzten Tagen oft diese alte Liedzeile von Elton John im Hinterkopf: “I’m still standing, yeah, yeah, yeah…!”. Könnte vielleicht daran liegen, dass es Ereignisse gab, die durchaus die Kraft gehabt hätten, mich umzuwerfen, wenn ich mich nicht so verbissen an mein ehrliches Commitment gegenüber meinen Mitarbeiter*innen geklammert hätte, nicht aufzugeben, come hell or high water! Beides ist bislang nicht eingetreten, auch wenn die Witterungssituation hier in Süddeutschland letzthin mancherorts ja durchaus Hochwasser mit sich brachte. Aber auch die Hölle ist nicht wirklich losgebrochen, obwohl es mir letzthin ein bisschen so vorkam, als wenn manche Leute der Teufel geritten hätte. So einen Eindruck hat man im Leben ja durchaus öfter – unabhängig davon, ob’s nun wirklich die anderen sind, die gerade hohldrehen, oder doch man selbst und man’s nur nicht mitbekommen hat. ICH bin eigentlich jemand, der sehr auf Harmonie bedacht ist. Ich fühle mich stets unwohl, wenn ich eingreifen, regulieren oder gar sanktionieren muss; ich denke mir dann, wenn ich solche Situationen erlebe (und mich dabei oft fühle, als würde ich das alles incl. meiner Selbst von außen betrachten), dass man doch als erwachsener Mensch drauf kommen könnte, wenn man gerade über’s Ziel hinaus geschossen ist. Ich kann nur sagen: weit gefehlt Hermano…

Ich muss mich derzeit fragen, welcher Sinn sich aus dieser Zurückhaltung ergibt, die wie eben geschildert meist meiner Persönlichkeit geschuldet ist? Denn ich sehe nun den direkt artikulierten Hinweis, dass man sich von mir im Nahumfeld eine andere Art der Führung wünscht; undzwar eine der wesentlich schnelleren, gezielteren und deutlicheren Intervention. Wohingegen es manch anderen Menschen in der Organisation nicht leise und zurückhaltend genug gehen kann. Diesen Widerspruch aufzulösen, ist momentan mein größtes Problem. Denn grundsätzlich bin ich entscheidungsfreudig, wenn die Fakten gesehen, analysiert, interpretiert und in den Geamtzusammenhang gesetzt wurden: oder, etwas weniger verklausuliert: am Ende des Tages wird man an seinem Tun und Lassen gemessen, nicht jedoch an der Menge der bewegten heißen Luft. Und ich habe im Moment viel zu wenig Zeit zum Analysieren und Entscheidungen treffen, oder gar dafür, diese auch umzusetzen, weil ich zu viel heiße Luft bewegen muss. Irgendwann ist genug geredet und wenn die Argumente ausgetauscht sind, dann MUSS man auch mal zum Punkt kommen. Aber genau das sehe ich im Moment nicht. Den Gedanken, noch mal in die Lokalpolitik zu gehen habe ich deswegen endgültig ad acta gelegt, weil ich vermutlich auch heute noch nicht geduldig genug dafür bin, mir die ganze heiße Luft anzutun, die da oft produziert wird.

Wenn du an deinen eigenen Strategien, Methoden und Überzeugungen zu zweifeln beginnst, weil diese – einmal mehr – nicht so fuktioniert haben, wie du dir das ausgemalt hattest, gibt’s eigentlich nur einen Weg: NACH VORNE! What passed is past. Aber anstatt einfach nach vorne zu schauen, wird wieder und wieder die Retrospektive aufgemacht, aufgebauscht und als Grund verstanden, weniger zu machen; oder zumindest viel leiser. “Um keinen Preis auffallen” ist aber ein politisches Motto, dass im fachlich-sachlichen Kontext nur sehr bedingt funktioniert, weil andere, externe Parteien einen NUR und AUSSCHLIESSLICH an Ergebnissen messen. Diese externen “Stakeholder” interessieren Interna einen feuchten Dreck. Aber was weiß ich schon, bin ja nur Pädagoge… Dieser Teil von mir hatte bislang immer gedacht, dass ich mit verständnisvoller Konzilianz wo diese sinnvoll ist, mit freundlicher Überzeug wo es sich als notwendig weist und mit einer leisen Stimme der Vernunft führen könnte. Ich hin nun an einem Punkt, wo ich das nicht mehr stets als erste Option wählen werde, sondern vielmehr schnell auf konsequentes Grenzen setzen und ggfs. Sanktionieren umsteige, wenn ich abermals das Gefühl haben sollte, fortlaufend nicht ernst genommen, verarscht, umgangen oder ungefragt interpretiert zu werden.

Ich war lange Zeit ein König ohne Land, weil sich eine Organisation im Schwebezustand der Zuständigkeits- und Kompetenz-Diffusion stets nach Tageslage entscheiden kann, ob ich als Schuldiger genutzt oder hinsichtlich meiner Erfolge einfach nur ignoriert werden kann. Oder anders gesagt: manchmal habe ich verloren und manchmal die anderen gewonnen. Im Grunde genommen hat sich daran bis heute wenig geändert, weil es immer noch ein paar Leute gibt, die entweder glauben, dass sie tatsächlich besser wüssten als ich, wie mein Job zu funktionieren hätte, obwohl sie weder über die Erfahrung noch die Ausbildung dazu verfügen, oder weil sie denken, dass BWL alles regeln kann/muss. Aber ich habe stets den Elton John gegeben: “I’m still standing”; und ganz langsam macht sich das Gefühl breit, dass ich früher schon mal hatte: nämlich (im übertragenen Sinne) die Leichen mancher Feinde vorbeitreiben sehen zu dürfen und mir dabei, genüsslich an einem geistigen Getränk nippend, selbst zu danken für die unfassbare Geduld, die mein immer wütender innerer Hulk im Angesicht idiotischer Menschen aufzubringen offenkundig in der Lage ist. IN YOUR FACE! Es hat doch so seine Vorteile, vor nunmehr einigen Tagen 50 geworden zu sein. Der Buckel, auf dem die mir manchmal runterrutschen können, ist stabil. Meine Zunge ist schärfer denn je und meine Lust, den Shit zu rocken, die Dinge zu ordnen und meinen Arbeitsplatz endlich strahlen zu lassen ungebrochen. Und wenn ICH dafür jemanden brechen muss, dann ist das so! Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Bienvenue en Alsace N°1 – Alleinsam?

Alle paar Jahre, wenn mein chronisches Leiden mal wieder zu sehr drückt, schickt mich die beste Ehefrau von allen weg. Oder besser gesagt, sie duldet es, dass ich mich selbst wegschicke, weil ich bemerkt habe, dass es echt nicht mehr geht. Manchmal bemerkt sie das auch als erste – und ich bekomme das dann deutlich mitgeteilt. Dass der diesmal dazu halbwegs kurzfristig (vor ca. 2,5 Monaten) ausersehene Termin ausgerechnet mit einem Ereignis zusammenfällt, das unter dem Aspekt “nicht mehr können” eine tragische Brisanz hat, konnte keiner kommen sehen. Und nun war’s zu spät, Pläne noch umzuwerfen. Auch, weil es einen Haufen Geld gekostet hätte, den ich nur ungern hätte abschreiben müssen. No-Show/Storno kostet halt im Gastgewerbe. Nun bin ich also hier (im Elsass) und kann den Fallout aus der Ferne rieseln sehen. Und wisst ihr was – mittlerweile ist es mir egal. Nur dass wir uns nicht falsch verstehen: die Person um die es ging/geht, ist/war mir nicht egal – wohl aber einige andere Personen und Dinge, die im Windschatten des einen Ereignisses nun geschehen. Aber ich kann das ignorieren solange die Protagonisten irgendwann verstehen, dass man manche Dinge einfach NICHT tun oder sagen kann. Aber das werden sie schon… Ergo: Schwamm drüber für’s Erste, denn ich muss mich genau JETZT um mich selbst kümmern. Tun nämlich sonst nur sehr wenige Andere – z. B. die beste Ehefrau von Allen!

Blick vom Ballond ‘Alsace

Passenderweise finden mich, jedes Mal, wenn ich über ein spezielles Thema sehr intensiv nachdenke, Artikel, Youtube-Videos, etc. wie von Geisterhand; dieser Tage etwa waren da zuerst zwei Artikel auf ZON, die sich mit der Diskussion um Alleine vs. Einsam sein und der Frage befassten, ob tatsächlich so viele (vor allem junge) Menschen in Deutschland von Einsamkeit so sehr bedroht sind, dass die Politik Handlungsbedarf hat. Zuallererst denke ich Folgendes: die Politik hat mit Bezug auf eine Neuorganisation des Gesundheitswesens, die Besserstellung seiner Mitarbeiter zur Verbesserung der Attraktivität dieser Berufe und einem Abstellen des Sparwahns (es droht DIE SCHWARZE NULL) schon mehr als genug zu tun. Stellt ihr das alles ab, habt ihr vielen (jungen) Menschen eine Perspektive gegeben, dann drückt das Alleinsein auch nicht mehr so. Und was die SCHWARZE NULL angeht – damit ist nicht nur die Schuldenbremse gemeint, sondern auch dieser sonderbare Sauerländer, der meint als Millionär sei man Mittelstand. Der ist auch keine Kunst, der kann weg! Bleibt also die Frage nach dem persönlichen Empfinden von Einsamkeit. Ich nehme als Beispiel mal die Eremiten her, die sich (früher zumeist aus religiöser Überzeugung, heute auch aus anderen Gründen) in selbstgewählte Einsamkeit zurückziehen. Davon gibt es nicht viele, weil es nicht viele Menschen gibt, die dieses Lebensmodell attraktiv finden. Daraus jetzt zu schließen, dass die meisten Menschen an Einsamkeit krank werden müssten, ist genauso großer Käse, weil es z. B, introvertierte und extrovertierte, aber auch mehr oder weniger empfindsame Menschen gibt. Und jetzt…?

Ich denke, dass man die Frage nach “nur alleine aus Gründen” oder “schon pathologisch einsam” nur aus einer sehr persönlichen Perspektive klären kann – und dass diese Perspektive die Politik einen Scheiß angeht! Denn das Einzige Movens, dass ich hier im öffentlichen Diskurs zu erkennen vermag, ist die Gesunderhaltung des Volkes zum Zwecke der Erhaltung möglichst günstiger Arbeitskraft für die Wirtschaftslobby. Jemand der nicht so einsam ist, dass es ihn/sie psychisch krank macht, hat weniger Krankenfehltage und ist folglich für seinen Arbeitgeber produktiver, was sich auch auf die Summe des Bruttoinlandsproduktes positiv auswirkt => man kann schöne Kennzahlen vorstellen und alle klopfen sich auf die Schulter. Nur nicht jene Menschen, die um den Willen des kapitalistischen Systems pathologisiert werden. Dazu gleich mehr. Aber schaut euch doch mal die Konjunktur an, die Artikel gegen Alkohol, Cannabis, Tabak, andere Genussmittel im Allgemeinen oder auch gerne eine als ungesund bezeichnete Ernährung heutzutage haben. Man kann gerne darüber diskutieren, welchen dieser Lastern zu fröhnen man vielleicht besser bleiben lassen sollte, um der eigenen Gesundheit und Lebenserwartung Willen. Aber jedesmal kommen Idioten aus allen Ecken gekrochen und fangen an, über “solidarisierte Kosten” zu schwadronieren, etwa weil dicke Menschen das Gesundheitssystem im Median mehr kosten. Dabei wird dann immer gerne ausgeblendet, welche unnötigen Risiken man selbst in Kauf nimmt… Kann man endlos weiterführen, bringt aber niemanden irgendwohin

Menschen, deren Wahrnehmung anders funktioniert (Neurodivergente, also etwa Menschen mit ADS/ADHS, Störungen aus dem Autismus-Spektrum, etc.), deren Denken anders funktioniert (Beeinträchtigte, aber auch höher und hoch Begabte) und jene mit verschiedenen chronischen psychischen Erkrankungen werden stets als pathologische Störfaktoren der Gesellschaft gebrandmarkt, weil sie sich nicht so leicht FUNKTIONAL einpassen lassen, wie Otto und Ilse von Gegenüber. Mit der Folge, dass ihr ganzes individuelles Sein jeweils auf die vermeintliche Abweichung reduziert wird, wobei oft genug aus dem Blick gerät, was diese Menschen alles für die Gesellschaft leisten können. Um es mal ganz platt mit Controlling-Sprech auszudrücken: man deklariert sie zu Cost-Centern, obwohl sie sehr wohl Profit-Center sein könnten, ganz oft aber einfach eine ausgeglichene Bilanz tragen… Aber in der Politik geht es nicht um Menschen, nie um individuelle Schicksale (außer, diese lassen sich für die eigene Agenda nutzen, siehe den Polizistenmord in Mannheim), oder um die Möglichkeit, Ausgleich zu schaffen, wenn dieser gebraucht wird und Leistung abzurufen, wann und wo sie verfügbar ist. Es geht ganz platt um Kennzahlen: Wachstum (das goldene Kalb unseres Wirtschaftens ), Inflation, Zinsen. Immer nur um die eine Seite des Menschseins, nämlich die fiskalische. Dass das ganze Soziale auch essentiell und existenziell ist, spielt da keine Geige.

Und was mache ICH nun daraus? Ja Blogposts halt, nich. Ne, mal im Ernst, ich sitze hier auf dem kleinen Balkönchen meines Gîte, hacke in die Tasten, genieße den milden Abend und habe Zeit, allein zu sein um zu schauen, zu lesen, zu denken, zu schreiben. Ich habe Zeit, über Entscheidungen nachzudenken, ohne dass dauernd jemand reinplatzt, reinschwätzt, reinmanipluliert. Und ich komme zu einer analytischen Tiefe, die sonst im Tagesgeschäft zu oft verloren geht. Aber ich kann auch einfach sein; ohne Ziel, ohne Zweck, ohne Hast, ohne Last. Und ich genieße das. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen. Auf jeden Fall noch einen Post über Zwecke. Da habe ich Lust drauf. Einstweilen – schönen Abend.

Auch als Podcast…

Ver-Zweiflung… oder auch nicht…?

Wann immer ich mich – dummerweise – dazu anschicke, mir ernsthafte Gedanken über den Zustand unserer Welt machen zu wollen, droht dieses eine Gefühl mich zu übermannen: Verzweiflung! Allüberall, wohin das Auge auch blicken mag, sieht man ein riesiges, heiß brodelndes Meer aus Bullenscheiße, während im Maschinenraum des Schicksals die Kleingeistigen, die Engstirnigen, die Kurzsichtigen, die Ängstlichen, die Berechnenden und die paar wenigen – aber umso gefährlicheren – wahrhaft Bösen in gemeinschaftlicher Anstrengung das Feuer unter dem Kessel anheizen, damit es auch immer schön weiter kocht. Die Hoffnung hingegen bleibt allzuoft ein kleiner, zerbrechlich wirkender Nachen, der von der tosenden See ein ums andere Mal verschlungen zu werden scheint. Doch… doch… untergehen kann sie scheinbar nicht. Immer wieder schwingt sie sich auf die absurdesten Wellenkämme, um ein Licht dorthin zu tragen, wo es allzu finster wird. Aber jedes Mal, wenn sie kurz außer Sicht gerät, wenn die Wellen so hoch schlagen, dass man insgeheim denkt “jJtzt ist’s um sie geschehen!” nagt dieser Zweifel, drängt dieses alte Sprichwort: “Hoffen und Harren hält Manchen zum Narren!”

SEHNSUCHT!

Das ist das Wesen der Verzweiflung: sie ist der Summe all unserer Zweifel, die mit etwas Pech so groß werden kann, dass wir unter der Last zusammenzubrechen drohen. Sie ist ein Attentäter in der Nacht, wenn unsere Emotionen viel weiter oben liegen, als im hellen Tageslicht, weil unser präfontaler Cortex – geschaffen, mit der Kraft der Ratio unser Fühlen im Zaum zu halten – des Nachts auch mal Ruhe braucht. Sie ist der Windstoß, der die letzte Kerze löscht; oder diese umwirft, um alles niederzubrennen. Sie ist die Quelle unserer inneren Finsternis. Sie ist die Erkenntnis, dass es ein Omega wirklich gibt… Derzeit betrachte ich all das wie von außen, als wenn es mich nicht beträfe. Einmal mehr haben sich meine Gefühle scheinbar verabschiedet, der rationalen Betrachtung das Steuer übergeben und warten ab, was passiert. Und so betrachtet bin ich auch nicht wirklich verzweifelt. Im Gegenteil habe ich eine Klarheit über das, was zukünftig getan werden muss, wie schon lange nicht mehr. Ich sehe alle Optionen, ich sehe den Weg, der genommen werden sollte und ich weiß, dass ich – tief drin – bereits alle wichtigen Entscheidungen getroffen habe und diese nur noch umsetzen muss, COME HELL OR HIGH WATER!

Doch natürlich sind meine Emotionen nicht weg, auf Urlaub in Italien oder so. Ganz im Gegenteil schauen sie immer mal wieder kurz rein und fragen mich, wann ich mal wieder so richtig austicken möchte. Ich sagte neulich mal wieder zu jemandem meinen beliebten Spruch, dass ich einfach dauernd wütend sei (ihr wisst schon, DAS Zitat aus “Marvel’s The Avengers”). Ich kanalisiere diese Wut nur anders. Bis zu einem gewissen Punkt nehme ich diese Wut eher als Eustress war, als Energie, die ich nutzen kann, um weiterzumachen. Klar, das kann auch in die andere Richtung gehen (wie ich einstmals schmerzlich erfahren musste), aber derzeit nehme ich keine derartigen Tendenzen an mir wahr. Ich bin allerdings wütender als sonst, weil ich ein paar Dinge auf der Arbeit einfach nicht sehen konnte (oder sehen wollte) und jetzt einen hohen Preis dafür zahlen muss. Eigentlich (und in diesem Fall ist die Einschränkung leider wahr) bin ich ein sehr auf Gerechtigkeit und Ausgleich bedachter Mensch. Aber ich lies mir meine Entscheidungen von der Amygdala Anderer diktieren, weil geschäftlich ja immer irgendwas auf dem Spiel steht. Wir neigen bei dieser verfickten Zahlenschubserei unter dem Diktat des nächsten Abschlusses manchmal aus dem Blick zu verlieren, das Menschen zuerst fehlerbehaftete soziale Wesen sind und erst dann – mit langem Abstand – produktive Arbeitnehmer! Ich hab’s gerade mal wieder verstanden und MUSS meine Konsequenzen daraus ziehen. Doch was bedeuten solche Konsequenzen im Angesicht der Anderen?

Einmal mehr werden mich irgendwelche Menschen bezichtigen, wie eine Maschine zu handeln, emotional tot, mindestens aber unempathisch oder sonst noch irgendetwas zu sein. Andere werden mir genau das Gegenteil vorwerfen, jede*r einfach deshalb, weil sie es glauben. Früher hat mir so eine Aussicht Angst gemacht, oder zumindest ambivalente Gefühle hervorgerufen. Heute weiß ich allerdings zwei Dinge, die ich früher noch nicht wusste: Erstens, dass ich meine Entscheidungen IMMER zu meinem Wohle und dem meiner Lieben treffen muss; Ausnahmen nur für jene, die es sich verdient haben! Jemand anderes Interessen oder Meinungen (etwa von manchen Chefs oder manchen Kollegen) spielen dabei keine Rolle mehr. Die würden doch genauso zuerst IHRE ureigensten Interessen vertreten. Zweitens kenne ich heute meinen Wert; und der ist sowohl auf der sozialen wie auch der fachlichen Ebene nicht eben gering! Ich werde vielleicht nächste Woche 50, aber ich bin noch lange kein altes Eisen! Ich stellte letzthin fest, dass man seine Interessen und Prioritäten öfter neu bewerten muss, als ich das bislang getan habe. Woraus folgt: wenn’s sein muss, werden nun alte Zöpfe abgeschnitten, Prozesse und Beziehungen neu geordnet. Was getan werden muss, wird getan, auch wenn es ein ums andere Mal wehtun wird. Und definitiv nicht nur mir… Aber ich habe es satt, mich um irgendjemand anderes Willen manipulieren zu lassen.

Klinge ich bitter? Das täuscht. Das darf ich euch versichern, denn ich war schon lange nicht mehr so mit mir im Reinen, wie jetzt. Und wenn ich von meinem Erholungskurztripp zurückkomme, werde ich die Kraft haben, Tabula Rasa zu machen. Bin mal gespannt, wie das Spielfeld danach aussieht. Wie’s auch kommt – gehabt euch wohl und lasst euch nicht vom Regen wegspülen.

Auch als Podcast…

Überzeugter Trottel…?

Ich bin ein reflektierter Mensch. Ich denke viel über die Dinge nach, die ich zu tun und zu lassen habe. Ich treffe meine Entscheidung stets erst nach reiflicher Abwägung aller Interessen, die berührt sein könnten und versuche dabei alle Stakeholder so gut wie nur möglich zufrieden zustellen. Ich – FUCK IT, GODDAMIT! Wenn du am Ende einer Straße an einer T-Kreuzung stehst und dich nun fragen musst, ob du besser rechts oder links abbiegen solltest, allerdings in dem intuitiven Wissen, dass beide Optionen dich ziemlich sicher nicht (wieder) glücklich machen werden, weil du glaubst, genau zu wissen wohin das alles führen wird… könnte es dann sein, dass der Weg in das Dickicht direkt vor dir der Beste von allen ist…? Meine aktuelle T-Kreuzung ist schon vor einer geraumen Weile in Sicht gekommen; und ich war tatsächlich sogar schon abgebogen, bin ein paar Schritte des Weges gegangen und stehe nun doch wieder zögernd da, weil ich eigentlich keinen Bock mehr habe, DIESE Straße zu gehen. Es gibt diesen einen Moment, in dem du wahrhaft feststellst, dass du auf dem falschen Dampfer bist: nämlich, während du jemandem mit deinem Mund versicherst, dass du bereit wärst, bestimmte Dinge zu tun, während jede andere Faser in deinem Körper aufspringen, “FICKT EUCH DOCH ALLE!” schreien und gehen will. Yup, bin gerade genau dort gewesen!

Bei mir fließt es nicht mehr…

Ich werde in genau drei Wochen 50 und lese derzeit gelegentlich in verschiedenen Magazinen, dass DAS für den Arbeitsmarkt sowas wie eine magische Grenze ist, ab der es recht schnell exponentiell schwerer würde, sich zu beruflich verändern. Ich glaube da jetzt nicht so wirklich dran, denn a) habe ich ein umfangreiches Qualifikationsportfolio, b) ist in meinem Metier der Fachkräftemangel so verf***t groß, dass ich wohl verdammt schnell wieder “unter der Haube” wäre; und c) hängt es ja immer von der individuellen Bereitschaft ab, sich auf etwas Neues einzulassen. Jemand, der sein Leben lang “irgendwas mit Medien” gemacht hat, könnte da eher unter die Räder kommen. Vielleicht sage ich das aber auch nur, weil ich denke, dass wir heute viel zu viel Wert auf Äußerlichkeiten legen und zu wenig auf echte innere Werte achten… Schwamm drüber. Ich glaube, mit Fug und Recht behaupten zu können, dass ich ein Mensch bin, der seine Überzeugungen zu leben versucht. Ich schaffe das natürlich nicht immer, weil wir Menschen nun mal schwache, fehlerbehaftete Wesen sind, die meist einfach nur versuchen, dieses Ding namens “Leben” irgendwie zu überstehen, ohne allzuviel kaputt zu machen und irgendwie ans gerade aktuelle Ziel zu kommen. Allzuoft war das für mich allerdings in letzter Zeit der nächste Freitagnachmittag…

Was sagt das über mich aus? Nicht viel mehr, als dass ich meine Verpflichtungen ernst nehme und versuche, meinen Job mit halbwegs akzeptabler Fehlerquote irgendwie hinzubekommen. Jeden Tag auf’s Neue. Aber Freude…? Freude habe ich schon seit einer ganzen Weile bei meiner Arbeit nicht mehr empfinden können. Oh sicher, dann und wann komme ich echt in den Flow, wenn ich die Aufgabe, mit der ich dann gerade beschäftigt bin als sinnvoll und interessant empfinde. Aber natürlich will auch der Quatsch erledigt werden, der einfach nur dadurch entsteht, dass wir Menschen leider dazu neigen, uns Sicherheiten schaffen zu wollen – Stichwort Bürokratie! Es ist nicht so, dass mir das schwerfällt. Dazu bin ich mittlerweile ein bisschen zu geübt und erfahren. ABER… ich halte es langsam nicht mehr aus. Nicht den Umstand, dass es Bürokratie gibt. Auch nicht den Umstand, dass sich meine Arbeit durch Umstrukturierungsprozesse verdichtet hat. Selbst die “Zahlen-Schubserei” ist mir mittlerweile nicht mehr fremd. Aber aus politischen Gründen gegen meine Instinkte und Überzeugungen handeln zu müssen… das geht nicht mehr lange gut! Ich höre meine beste Ehefrau von allen schon wieder diesen Satz sagen: “Dann kündige doch – mach was anderes…” Wenn das nur so einfach wäre…

Ich meine, etwas anderes zu machen, wäre vermutlich nicht schwer. Stellen, auf die meine Qualifikationen passen würden, gibt es schon einige. Auch einige, bei denen das Salär zum mittlerweile erreichten Lebensstandard passen würde. Aber ich lasse nur sehr ungern Dinge halbfertig liegen. Und im Moment hat mein Job, allen bislang schon erreichten Meilensteinen zum Trotz immer noch Projektstatus! Und das mindestens noch zwei Jahre lang. Außerdem weiß man nach über 30 Jahren im Berufsleben, dass nicht alles Gold ist, was glänzt und andere potentielle Arbeitgeber ebenso ihre Problemzonen haben, die man nicht immer auf den ersten Blick sehen kann. Wenn ich doch nur ein bisschen geduldiger wäre. Aber ich will ehrlich sein – ich bin schon viel geduldiger, als noch vor ein paar Jahren oder gar Jahrzehnten. Allerdings bin ich wesentlich weniger duldsam gegenüber BULLSHIT! Und die strategische Kurzsichtigkeit (immer schön in dem charmant klingenden Diktum “Leben in der Lage” verbrämt), der Quartalszahlenangst-getriebene Aktionismus, das vollkommene Verkennen struktur-organisatorischer und rechtlicher Begrenztheit, der Mangel an Feingefühl gegenüber Anderen, stets gepaart mit extremer (an Narzissmus grenzender) Empfindlichkeit hinsichtlich der eigenen Person… all diese Dinge, die ich nun seit Jahren an einigen Protagonisten beobachte, die sind Bullshit. Bullshit der übelsten Sorte. Bullshit, der in dem Spruch kulminiert: “Menschen kommen wegen toller Teams und gehen weger schlechter Chefs!” Und der Teufel weiß, ich habe auch meine Fehler gemacht.

50! Ist das nicht der Geburtstag, an dem man sein bisheriges Leben auf die Waage legt, und evtl. etwas Neues anfängt, wenn das Alte einfach Scheiße ist? Wenn ich nur nicht so ein Trottel wäre, der davon überzeugt ist, dass man Dinge, die man anfängt auch zu Ende bringt! Ganz ehrlich – dieses eine Mal könnte ich mit dieser Regel brechen. Ich versuche es noch ein bisschen. Ein kleines bisschen. Aber wenn ein paar Menschen den Olivenzweig, den ich ihnen – wider meine Überzeugung, weil ich nicht mehr verstehen kann, nicht mehr verstehen will, warum man ums Verrecken nicht zur Selbstkritik fähig ist – hinhielt nicht nachhaltig annehmen und ihr wiederliches, kleinliches, Ego-getriebenes Rumgepisse hinter den Kulissen bleiben lassen, lasse ich vielleicht zur Abwechslung einfach zurück, was ich aufgebaut habe und warte was passiert. Mittlerweile täte es nicht mal mehr sonderlich weh. Nachher geh ich ins Kabarett – DAS wird sicher nett. Schönen Samstag.

Auch als Podcast…

Midazolam und Marterhörner N°0 – Ye olde medic…

Es war der Winter ’93-’94, als ich das erste Mal mit der wüsten Welt der Notfallmedizin in Berührung kam. Damals war ALLES anders. Alle Gerätschaften waren schwerer (auch wenn’s mir nicht so vorkam, immerhin war ich ja deutlich jünger), unschieriger und wesentlich weniger performant, als man das heute so kennt. 12-Kanal-EKG? Gab’s in der Klinik. Die RTWs? Düsseldorfer Transporter von Mercedes (immerhin kam ich erst, als es schon 3-10er und 5-10er waren, keine 4-8er mehr). Ich bin auch auf Iveco gefahren (in den 90ern furchtbare Schleudern, keine Ahnung, wie die heute sind) und auf VW (in meiner Erinnerung immer ein bisschen wehleidiger als Mercedes; außer die KTWs auf Bully-Basis. Die waren Bombe). Viele Hilfsmittel gab’s noch nicht und überhaupt war das ganze Tun eher Basic. Wobei ich nicht weiß, ob die Qualität der Patientenversorgung heute so viel besser ist. Es kommt ja nicht auf die Gadgets an, sondern auf die Menschen, die sie nutzen; bzw. dies im richtigen Augenblick auch mal unterlassen. Immerhin ging es in dem Job schon immer um Menschen, die an Menschen mit Menschen für Menschen arbeiten. Und ich bin mir nicht so sicher, ob die Entwicklungen der letzten Jahre genau diesen Aspekt nicht haben aus dem Fokus geraten lassen? Aber darum soll’s hier heute gar nicht gehen.

Heute hinterm Schloß – alter Sani, alter Weg…

Damals war vor allem deswegen alles anders, weil die technische Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten war, weil die Welt sich anders anfühlte, weniger vernetzt war – und weil ICH selbst diese Gefühle hatte, welche vermutlich jeden jungen Menschen erfüllen, der/die/das in die weite Welt aufbricht, um dort eigene Spuren hinterlassen zu dürfen: unbesiegbar, unsterblich, unfehlbar… in Summe also unglaublich arrogant. No hard feelings Leute, chillt und versucht Folgendes zu verstehen: es war immer so, ist heute so und wird wohl auch immer so bleiben, dass die Jungen den Alten zeigen müssen, wo der Hammer hängt. Es ist ein notwendiger Rite de Passage. Ein Übergeben/Übernehmen des Staffelholzes, welches nie ganz ohne Schmerzen und Reibungsverluste abgehen KANN, weil wir Menschen uns recht einfach an die Dinge gewöhnen. Zum Beispiel daran, Recht und den Hut aufzuhaben. Ich war ja genauso. Insbesondere am Anfang meiner beruflichen “Karriere” im Rettungsdienst hatte ich den Kopf voll Nix, aber ‘ne Fresse, groß wie bei ‘nem T-Rex. Ich habe damals relativ schnell lernen müssen a) demütiger, b) besser und c) sozial verträglicher zu werden. So, wie alle anderen auch. Hat weitestgehend geklappt. Das Prinzip SATAN beherrsche ich allerdings immer noch in Perfektion: Sicheres Auftreten Trotz Absoluten Nichtwissens, a.k.a. “Fake it, until you make it!”.

Die gesellschaftlichen, technischen, organisatorischen Voraussetzungen waren also ganz andere, als für unsere heutigen Berufsanfänger. Es vermag zumindest mich daher wenig zu verwundern, wenn meine jungen Kolleg*innen heute an viele Dinge anders herangehen. Und vielleicht klingen meine Worte deshalb ein bisschen wehleidig, weil ich diese Zeit vermisse. Weil ich mit einem gewissen Neid auf die jungen Menschen blicke und selbst gerne noch mal so carefree, laid back und auf die Action versessen wäre, wie damals. Ich erinnere mich einige Jahre zurück, als ich mich mit einen älteren Kollegen unterhielt, der in seinen 60ern noch mal das Mopedfahren für sich entdeckt hatte. Ich fragte ihn, wie das so sei und er antwortete: “Ich bin mir meiner Sterblichkeit mittlerweile zu sehr bewusst…”. Damals war es ein guter Lacher für uns beide, aber heute…? Ich bin weit davon entfernt, in Weltschmerz zu versinken, weil ich selbst schon eine Weile keine Sanitätsdroschke mehr bewegt habe; ich habe ja auch so eigentlich genug zu tun. Aber neulich kam jemand auf mich zu und machte einen Vorschlag, der mich seitdem nicht mehr loslässt. Ich glaube, ich muss es wieder tun: RTW fahren! Und zwar wie früher – mit Glanz und Gloria! Auch wenn der Lack zumindest bei mir schon ein bisschen ab ist.

Ich will’s noch mal wissen: kann ich das noch so gut wie früher. Ich meine, ich war nie der “Spitzensani”. Ich habe mich immer eher so im guten oberen Mittelfeld gesehen. Aber der Drang, wieder selbst “gegen Tod, Not und Elend zu reiten” ist auch nach über 30 Jahren immer noch da. Ich bin wohl einer dieser “Dinosaurs of EMS”, die diesen ganzen Scheiß einfach im Blut haben. Und es ist nicht so, dass ich ganz am Anfang – dank der oben beschriebenen Gefühle – nicht gegen die eine oder andere Tür gelaufen wäre, Fehler gemacht hätte und Lehrgeld bezahlen musste. Oh nein, von alledem ist mir genug widerfahren. Doch diesen Schmerz kann ich heute verkraften. Allerdings musste ich mittlerweile schon ein paar Kollegen in das große Danach gehen lassen, von denen ich so Einiges gelernt habe; das tut schon weh. Ich hoffe, es gibt so was wie ein Walhalla für Paramedics; sie hätten es verdient. Die Straße war nie gerade, sie war nie einfach und sie hat dir Fehler niemals leicht verziehen. Trotzdem bin ich sie, nachdem ich ein paar Dinge über mich und den Job gelernt hatte, allen Schmerzen und Widrigkeiten zum Trotz gerne gegangen; und wurde stolz auf meinen Job, weil ich immer mit Menschen an Menschen für Menschen arbeiten durfte. Auch heute als Pädagoge stimmt dieser Satz noch – und trotzdem ist es etwas vollkommen Anderes. Und mittlerweile weiß ich: die alte Straße möchte mich noch nicht vollkommen gehen lassen. NA DAS WIRD WAS GEBEN… vor allem Geschichten. Vielleicht erzähle ich hier in Zukunft ein paar. Alte und Neue. Bis dahin – startet gut in die neue Woche.

Auch als Podcast…