Zwischenruf aus der Arbeitswelt – Schuften, bis die Schwarte kracht?

Ich las dieser Tage einen Artikel mit dem klangvollen Namen „Karriere? Nein, danke“ auf Zeit Online. Die Autoren stellen dar, dass es immer mehr Menschen gibt, die offenkundig kein Interesse (mehr) haben, im Namen der Karriere unnötig viel Lebenszeit auf den Altären ihrer Arbeitgeber zu opfern. Die dramatische Überspitzung mag man mir verzeihen; aber auch im 21. Jahrhundert sind auf Seiten der Arbeitgeber der Zwang zum Präsentismus, die Erwartung von dauernder Verfüg- und Erreichbarkeit, die „Ich zahle, du springst“-Haltung, sowie Kontrollzwang und Micro-Management immer noch an der Tagesordnung. Obwohl man schon lange wissen könnte, dass derlei sowohl für die Organisationsentwicklung, als auch für die individuelle Leistungs-Motivation tödlich ist! Das lassen wir als Arbeitnehmer heutzutage nicht mehr gerne mit uns machen. Man sollte an dieser Stelle einmal ganz klar sagen, dass es Humankapitalisten (hohes Qualifikations-Niveau => hoher Arbeitsmarktwert und auch höhere Job-Mobilität) und Humanpauperisten (geringes Qualifikationsniveau => geringer Arbeitsmarktwert und geringe Job-Mobilität) gibt. Dieses Dilemma lässt sich im Moment noch nicht auflösen, obwohl es Ansätze gibt, dem entgegen zu wirken. Etwa höhere Mindestlöhne und bessere Qualifizierungsangebote. Ich weigere mich jedoch, als Humankapitalist auf die Früchte meiner Arbeit zu verzichten. Insbesondere, wenn es sehr einfach wäre, manche Sturkturen einfach anzupassen.

Wär das nicht manchmal schön…?

Wenn man Veränderungen herbeiführen will, gibt es auf Arbeitgeberseite immer mehrere Argumente dagegen: da wird gerne der Betriebsfrieden angeführt. Doch, pardon, was kann ich dafür, wenn wir in Deutschland in einer Neidgesellschaft leben? Ich hasse den Begriff Leistungsträger, weil dieser viel zu oft von Leuten missbraucht wird, die genau das nicht sind. Dennoch erwarte ich mittlerweile ein gewisses Entgegenkommen, wenn es um die Strukturierung meiner Arbeit geht. Und das ist keine Rosinenpickerei, wie das manchmal gerne auf der anderen Seite dargestellt wird, sondern eine Notwendigkeit, endlich aus dem 9-to-5-Officecubicle-Denken herauszukommen, welches Motivation und damit Leistung eher behindert, als fördert. Es wird auch immer gerne über (zu) viele Zugeständnisse gesprochen, die der Arbeitgeber nicht machen möchte. Was ich dabei allerdings nicht verstehe ist Folgendes: welches Problem aus einem ein Zugeständnis entsteht, dass den Arbeitgeber keinen lumpigen Euro kostet, mir aber das Leben erheblich erleichtert? Und natürlich – das wird nie offen gesagt, ist aber in jedem Zeilenabstand lesbar – geht es um die Kontrolle von Workloads. Darum, ob man (Arbeitgeber) für sein Geld auch Leistung bekommt. Als ob man das daran ablesen könnte, das jemand im Büro anwesend ist. Aber hey, willkommen in der Kontroll-Illusion des 21. Jahrhunderts.

Reden wir doch mal über Vertrauen! Der Arbeitgeber verlangt von mir, dass ich in die sachliche Richtigkeit seines Handelns vertraue. Dass das Gehalt, die Zuschläge, die Steuern und Sozialabgaben schon korrekt berechnet wurden, und der Rest pünktlich ausgezahlt wird. Dass ich natürlich die Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt bekomme, die ich in jedem Fall für die Erfüllung meiner Aufträge benötige. Dass ich gemäß der üblichen Konventionen höflich und mit Respekt behandelt werde… Moment mal? Gehört zu respektvollem Umgang nicht auch Vertrauen bis zum Beweis mangelhafter Vertrauenswürdigkeit? Will heißen – kann ich nicht auch erwarten, dass man mir Vertrauen hinsichtlich meiner Loyalität und meines Fleisses entgegen bringt? Oder sind alle Chefs immer noch Anhänger der „Theory X“? Ganz ehrlich – ich weiß es nicht, weil wir ja keine LED-Displays in der Stirn haben. Vielleicht will ich es auch nicht wissen, und einfach weiter hoffen, dass ich doch noch etwas mehr ändern kann, obschon ich neulich einen Dämpfer bekam, der auch von meinen Mitarbeitern jetzt nicht so gut aufgenommen wurde. Einstweilen arbeite ich daran, dass mein eigenes Loyalitätslevel nicht zu sehr angegriffen wird. Ich wünsche morgen einen erfolgreichen Start in die (Arbeits)Woche. Mögen Vertrauen und Transparenz mit euch sein…

Auch als Podcast…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.