500 Gramm gemischter Hass meets New Work!

Das hier wird ein Rant, denn ich habe die Schnauze voll. Ich wünsche mir oft, Menschen wären offener und ehrlicher im Umgang miteinander! Ich wünsche mir auch oft, dass man sich robust Dinge ins Gesicht sagen kann, ohne dass das Gegenüber sofort ausflippt oder sich beleidigt fühlt, denn manche wahrhaftige Dinge, die man sagen muss, sind nicht immer schön – und man kann diese manchmal auch nicht irgendwie wertschätzend formulieren. Insbesondere dann nicht, wenn Fehler gemacht wurden, oder Forderungen gestellt werden, die ungerechtfertigt sind. Ich wünsche mir übrigens auch, dass die Leute auf der anderen Seite einer Kommunikation genauso offen, ehrlich und robust mit mir sind, wie ich das gerne mit Ihnen sein möchte. Ich habe kein Problem damit, wenn mir jemand etwas (verbal) vor den Latz knallt, weil ich einen Fehler gemacht habe, oder weil ich etwa eine Forderung formuliert habe, die Quatsch ist. Ich habe viel häufiger Probleme damit, wenn Menschen vorne rum aufgesetzt höflich sind und hintenrum anfangen zu hetzen oder zu intrigieren – und das passiert da, wo ich arbeite leider gelegentlich. Jedenfall passiert es dort deutlich häufiger als in meinem privaten Umfeld, denn die Menschen, mit denen ich langfristige soziale Beziehungen führe wissen, dass man mit mir ehrlich sein darf. Und bitte nicht um den heißen Brei herumredet – denn ich bin keine Pussy sondern ein No-Bullshit-Guy!

Ich möchte bitte nicht falsch verstanden werden: ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn man fordert, dass Leute höflich miteinander umgehen sollen und wenn man von allen Beteiligten einer Situation erwartet, sich einer Gewaltfreien Kommunikation zu befleißigen; allerdings erfordert Gewaltfreie Kommunikation, dass ALLE Seiten daran aktiv teilnehmen, bzw. ALLE Seiten die Grundsätze derselben beherzigen! Ich will an dieser Stelle ganz ehrlich sein: ich hasse E-Mails mittlerweile! Das liegt daran, dass ich versuche, auch in E-Mails direkt und – falls nötig – robust zu kommunizieren, um auf Probleme hinweisen zu können. Allerdings kann man meine direkte und robuste Art der Kommunikation auch durchaus missverstehen, WENN MAN DENN UNBEDINGT MÖCHTE! Es ist beileibe nicht so, dass ich da üblicherweise lospoltere wie ein Rumpelstilzchen. Ich formuliere nur manchmal gegebenenfalls relativ scharf und ohne Umschweife. Und damit können manche Leute offenkundig nicht umgehen, bzw. sie benutzen es als Vorwand, mich der Unhöflichkeit und Unprofessionalität zu bezichtigen. Da kann ich ehrlich gesagt nicht mehr drauf! Denn die gleichen Leute reden – hinter meinem Rücken – nicht selten auf höchst despektierliche Weise über mich, ohne mir jedoch jemanls offen ins Gesicht sagen zu können, was sie von mir halten. Und für diese hinterfotzige Bigotterie habe ich keinerlei Verständnis, Energie und Geduld mehr!

Ich bin davon überzeugt, dass man an der Sache hart diskutieren und auch miteinander streiten können sollte, was bedeutet, dass man manchmal Worte wählen muss, die für das Gegenüber vielleicht nicht unbedingt so schön oder nett sind. Aber manche Sachverhalte lassen sich nicht in hübsches verbales Geschenkpapier verpacken, sondern müssen klar benannt werden. Und dieses klare Benennen ist doch tatsächlich für manche Leute, mit denen ich gelegentlich bei der Arbeit zu tun habe, bereits ein Zuviel an Ehrlichkeit. Ich weiß wirklich nicht, ob das anderen Orts genauso ist. Aber zum gegebenen Zeitpunkt habe ich die Schnauze davon voll, jedes Mal einen Eiertanz aufführen zu müssen, weil ich Angst davor haben muss, irgendjemandes Snowflake-Gefühle zu verletzen, wenn ich irgendetwas beim Namen nenne, Goddammit! Es geht mir, wenn ich mich mit gewisser Schärfe äußere so gut wie immer um die Sache; und wenn ich dabei mal persönlich werde, habe ich üblicherweise den Arsch in der Hose, mich dafür zu entschuldigen, denn ich möchte wirklich niemanden verletzen. Aber wenn es so einfach ist, Menschen zum Schmollen zu bringen, dann muss ich mich wirklich fragen, wie manche dieser Menschen es bisher in einem Berufsbild mit so viel sozialem Konfliktpotenzial ausgehalten haben? Denn diese mimosenhafte “Rühr-mich-nicht-an!”-Attitüde passt wirklich überhaupt nicht mit den Anforderungen des Jobs zusammen. Kurz und gut – ich bin mal wieder darauf hingewiesen worden, dass ich böse gewesen sein soll. Doch wenn die ernstgemeinte Schlussformel “Danke für die Aufmerksamkeit” seit Neuestem von jedem Hans und Franz zum Anlass genommen wird, mich als passiv-aggressiv wahrzunehmen, ist das für mich NICHT MEHR AKZEPTABEL! Heult doch; aber kommt damit bitte nicht mehr zu mir. Tschüss!

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Sind KIs Kapitalisten?

Ich habe heute morgen einen schönen Satz gelesen: “Das Rad der Zeit hat einen Elektromotor bekommen.” Der Autor sprach dabei von der möglicherweise zunehmenden Verblödung durch die ubiquitäre Nutzung von KI – oder besser dem, was wir gerne für künstliche Intelligenz halten würden… Doch darauf kommen wir später zurück. Tatsächlich ist dieser Motor ja aber schon vor langer Zeit montiert worden, er wird nur in regelmäßigen Abständen “verbessert”. Selbst, wenn wir nicht über all die Entwicklungen von der Steinzeit bis in die Rennaissance reden wollen, bleibt da doch noch einiges Bemerkenswertes. Zuerst kam in der Moderne die Dampfmaschine, dann der Elektrogenerator, dann das Auto, dann der Rundfunk, das Fernsehen, und schließlich irgendwann – befeuert durch die DARPA-Projekte, wie etwa das ARPANET und die Entwicklung von HTML durch Tim Berners-Lee – die wunderbare Online-Welt. Und stets gab es Dinge, Umstände, Sachverhalte, Erkenntnisse, die damit jeweils einher gingen, wie etwa die, dem Taylorismus folgende Arbeitsteilung, die von Henry Ford eingeführte Fließbandarbeit, neue soziale Ordnungen und der Kampf um die diesbezügliche Deutungshoheit – und natürlich der Kapitalismus als jene Wirtschaftsordnung, welche von so vielen fälschlicherweise als symbiotisch der Demokratie zugehörig erachtet wird, dass alles Andere UNDENKBAR scheint. Da wird von den immer gleichen Möchtegern-Leistungsträgern und Entscheidern immer davon gesprochen, dass der Sozialismus (oder was auch immer) bisher nicht funktioniert habe – dabei verleugnend, dass der Kapitalismus ebensowenig funktioniert. Immer sind es nur ein paar besondere Ego-Arschlöcher an der Spitze, welche vom System profitieren. Alle anderen schauen in die Röhre.

Kommen wir zurück zur KI. Die These lautet, dass KI die Klugen klüger und die Dummen dümmer machen würde. Ich persönlich halte das für riesigen Quatsch, weil Intelligenz noch niemals automatisch vor Abusus geschützt hat. Andernfalls gäbe es keine Alkoholiker mit Doktortitel. Was KI jedoch leistet, ist Folgendes: sie bietet Abkürzungen. Die Verlockungen eines leichteren Weges. Ganz gleich, ob es um Lernaufgaben oder die Arbeit geht, stellen KI-Anwendungen  vermeintlich effizienzsteigernde Shortcuts zur Verfügung. Aufgaben, die keinen Spaß machen, die wiederkehrende Routine sind, die Zeit brauchen, sollen von der KI erledigt werden. Doch bevor ich eine Routine auslagere, tue ich gut daran, diese Routine selbst zu beherrschen, um die oftmals nur vermeintlich effizienteren Ergebnisse meines LLMs beurteilen zu können. Andernfalls versende ich nämlich nicht selten die sachlich unrichtigen Halluzinationen der Maschine, die weder soziale, noch moralische, noch politisch-taktische Erwägungen kennt. Dieser Dünnschiss muss oft erst mühsam von einem echten Experten demaskiert werden. KI macht also nicht den Dummen Dümmer, sondern nur fauler… und den Klugen gleich mit. Denn der sirenen-süße Ruf der Arbeitsvermeidung lässt auch den 1,0-Abiturienten nicht kalt, wenn doch andere Dinge viel wichtiger sind. An dieser Stelle sei vielleicht noch erwähnt: in der, durch den KI-Einsatz gewonnenen Zeit wird mitnichten weiter in die Hände gespuckt zur Steigerung des Bruttosozialprodukt; viel wahrscheinlicher ist, dass die so gewonnene Zeit damit verbraten wird, anderen Lockrufen des weltweiten Desinformationsgewebes und seiner APP-solut wahnsinnigen Auswüchse zu folgen. Ach, was würden wir nur ohne Antisocial Media und dieses ganze nutzlose Produkt-Influencer-Geschmeiss tun… oh… vielleicht weniger konsumieren und mehr leben?

Denn all der Huzz and Buzz um KI folgt natürtlich der, weiter oben bereits angeklungenen kapitalistischen Verwertungslogik. Alles MUSS dem Effizienz-Paradigma unterworfen werden. “Die Arbeit muss schnell erledigt sein, bediene dich des Outsourcings und erziele so mehr Wertschöpfung – für deinen Arbeitgeber…!” “utere machina!” (Nutze die Maschine!) anstatt “sapere aude!” (Wage, dich deines Geistes zu bedienen!); mit dem Effekt, dass wir gleichzeitig auch der Fähigkeit zum kritischen Denken beraubt werden. Aber die ist für den Konsumkapitalismus auch eher hinderlich, unterbricht sie doch u.U. diesen wahnsinnigen Zyklus, von Geld, welches man nicht hat Dinge kaufen zu wollen, die man nicht wirklich braucht, um Menschen zu beeindrucken, die man nicht mal mag… Die ausufernde KI-Nutzung ist der direkte Weg auf die sehr bequeme Couch in der Komfortzone, Unterhaltungsprogramm mit Shoppingmöglichkeiten inklusive! Ob ich KI hasse, fragt ihr? Die Antwort lautet jedoch “Nein”. Denn KI-Anwendungen sind tatsächlich nützliche Werkzeuge. Allerdings lassen sich die allzu Bereitwilligen von der KI zu deren Werkzeug machen, anstatt zu lernen, wie man KI dort – und nur dort – wo es sinnvoll ist als Werkzeug zu nutzen und die Ergebnisse kritisch zu beobachten, und ggfs. zu korrigieren. Auf die Art gwinnen wir mittelfristig immer noch erheblich an Effizienz, verblöden dabei aber nicht. Und das wäre ja zumindest ein Effizienzerhalt. Ich wünsche daher allen – in mehr als einer Hinsicht – eine baldige Abkühlung.

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Isses wichtich, richtich wichtich…

…ne, so richtich wichtich isses nich! (Danke Selig). was ich damit sagen will? Dass es mir viel zu oft, viel zu sehr, viel zu lange gegen den Strich geht, wenn irgendwelche Menschoiden meine Zeit verschwenden mit Dingen, die man entweder mit einem Dreizeiler, etwas mehr Selbstreflexion oder einem ernstgemeinten “Auf nimmer Wiedersehen!” hätte lösen können. Letzteres passiert sowieso viel zu selten, wenn ausgerechnet kognitions-benachteiligte Subsistenzen sich an Stühle, Pöstchen, oder Aufgaben krallen, bei denen ein einziger Blick genügt, um festzustellen, dass der Hut, den sie gerade zu tragen versuchen schlicht ein paar Nummern zu groß ist; und auch durch lautes Schwadronieren und Wichtigtuerei niemals so klein werden wird, dass er passt. Oder es ist schlicht ein waschechter Bullshitjob, für den man natürlich auch eine Bullshitperson braucht…! Aber eigentlich… eigentlich geht’s mir gut. Denn eigentlich sind dieser ganze Huzz and Buzz, dieses verzweifelt groteske Selbstmarketing, dieses “noch eine Aufgabe übernehmen zu müssen”, damit man ja nicht abgesägt werden kann, furchtbar traurig zu beobachten. Ich bin jetzt einmal so richtig arrogant: ICH weiß, wer ich bin! Ich weiß, was ich kann! Ich weiß, wieviel ich wert bin! Und ich scheue mich auch nicht mehr, diese Zahl aufzurufen – auch wenn ich immer noch davon überzeugt bin, dass man denn den Wert eines Menschen niemals in Euro/Monat beziffern könnte. Denn DAS tun nur völlig asoziale, inhumane, egozentrische Vollpfosten mit Leistungsträger-Profilneurose!

Man tut, wie ICH glaube, gut daran, ab und zu seine aktuellen Prioritäten zu hinterfragen. Es geht mir dabei gar nicht um narzisstische Nabelschau oder (als Gegenteil dazu) sadistische Selbstkasteiung, sondern vielmehr um die Frage, warum ich wie schnell in welche Richtung laufen sollte, wenn doch unklar ist, ob am Ende des Regenbogens tatsächlich ein Topf voll Gold auf mich wartet. Außerdem sitzt – zumindest bei meinem Glück – auf diesem Topf üblicherweise ein Leprechaun; und diese Wesen sind alles andere als nett. Und es geht dabei auch nicht um den Marktwert in Euro/Monat, sondern um die Frage, welche Werte, Normen, Ideale ich in mir trage und durch mein Tun verwirklicht sehen möchte – und ob ich tatsächlich noch auf DEM Pfad unterwegs bin? Oder nicht doch vielleicht schon vor einer ganzen Weile auf diese Autobahn in die Selbstausbeutungshölle abgebogen bin, weil ich, aus welchen Gründen auch immer, meine Werte, Normen, Ideale für X Euro/Monat mehr verkauft habe. “Wes brot ich ess, des Lied ich sing,” ist nicht umsonst ein geflügeltes Wort. Well, seems, like Captain Obvious is at work here, ain’t he? Ja, mag sein. Aber nur weil etwas in der Theorie für alle deutlich erkennbar im Raum steht, bedeutet das noch lange nicht, dass die Menschen daraus auch die richtigen Schlüsse ziehen und eventuell sogar richtig handeln. Andernfalls hätten wir kein massives Fascho-Problem in diesem Land…

Was ist also wichtig? Kann ja im Grunde nur jeder für sich selbst bestimmen, oder? Falsch, Nachbar – au contraire! Es gibt einige Dinge, die sind IMMER, ÜBERALL und unter ALLEN DENKBAREN Umständen wichtig: Menschenrechte! Umwelt- und Klimaschutz! Humanität! Solidarität! Sie werden jedoch im Namen des Kapitalertrags kleingeredet. Die Wirtschaft muss brummen, egal, wie viel schneller wir dadurch auf die letzte Wand zurasen! Hauptsache, es liegt währenddessen ein (hoffentlich billig zu erwerbendes) Steak auf dem Grill, während man mit wohlwollenden Augen über den glänzend in der Auffahrt stehenden Bonzenschlitten streift, um dann auf dem allerneuesten Smartphone Memes anzuschauen, die sich über Armut, marginalisierte Gesellschaftsgruppen, die Linksgrünversifften und überhaupt alle Anderen verächtlich lustig machen, die es wagen, die Frage zu stellen, ob das alles wirklich durch eigene Leistung erworben wurde, oder nicht doch eher durch das Glück, zufällig in einem Job zu arbeiten, der zwar wenig zum Erhalt unserer Spezies und ihrer Kultur beiträgt, aber halt nutzloses FIAT-Geld erzeugt… Ob ich Anti-Kapitalist bin? Auf die eine oder andere Art und Weise schon. Und warum, dass habe ich hier schon oft genug begründet. Aber wir stehen immer noch vor der Frage, was wichtig ist…? Ich würde es so beantworten wollen: wichtig ist die Fähigkeit zu besitzen, die Begrenztheit der eigenen Wichtigkeit erkennen zu können! Die Richtigkeit der eigenen Meinungen überdenken zu können! Die Notwendigkeit zu verstehen, auch mit weniger auskommen zu können! Und schließlich, verstehen zu können, dass die eigenen Rechte und Ansprüche die anderer Menschen nicht unzulässig zu begrenzen haben. Es könnte so einfach sein…

Der eben formulierte Anspruch ist nicht niedrig, dessen bin ich mir wohl bewusst. Wenn man versucht, diesem Standard in seinem eigenen Leben gerecht zu werden, wird man immer wieder in die Situation kommen, dass die Selbstzweifel SO stark werden, dass sie die Grundfesten der eigenen Identität zu erschüttern beginnen. Aus dem Grund habe ich diese Box, die oben im Bild zu sehen ist. Sie ist mein Journaling-Instrument, dass mich durch seine bloße Anwesenheit am Schreibtisch dazu zwingt, über mein Tun und Lassen nachzudenken und eben nicht nur die FAILs, sondern auch die WINs zu dokumentieren! Ausgeräumt und gelesen wird es am Ende des Jahres, wenn alle Pflichten für eine kurze Weile von einem abfallen und es Zeit ist für Retro- und Introspektion. Die Zettel vom letzten Jahr haben über letztes Sylvester meine Verzagtheit durchaus zu dämpfen vermocht. Wie ihr da draußen damit umgehen wollt, weiß ich nicht; ich bin mir ja nicht mal sicher, DASS ihr überhaupt damit umgehen wollt, wenn Ignoranz und Indolenz das Leben doch so viel einfacher verdaulich machen. Wie auch immer – schönen Vatertag.

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Alt und trotzdem jung?

Ich habe irgendwann in letzter Zeit festgestellt, dass ich immer häufiger über dieses “Das Ziel ist, möglichst jung alt zu werden!”-Meme stolpere. Vermutlich weiß dieser verdammte “Algorithmus”, dass ich in ein paar Wochen 51 werde und versucht jetzt, auf KI-typisch unbeholfene Art zu socialisen. Oder, eine groß angelegte Verschwörung der Wellnes- und Gesundheits-Industrie möchte mich dazu verführen, deren Produkte zu kaufen. Leute! Ich interessiere mich weder für Ratgeber, noch für Nahrungsergänzungsmittel. Training zur Selbstoptimierung ist eine Kategorie von selbstverletzendem Verhalten (und damit auch irgendwie eine Psychopathologie), die anderen passiert. Aber wenn ihr mir einen Berater vorbeischicken würdet, mit dem man ein wirklich intelligentes Gespräch über Gott, die Welt, Politik und neue philosophische Ideen führen kann – dann her damit. Dafür nehme ich mir gerne Zeit. Zumal ich mich noch nicht wirklich alt fühle. Meine Arbeit gibt mir sehr oft die Gelegenheit, mich mit Menschen verschiedenster Altersgruppen auszutauschen. Die meisten sind deutlich jünger als ich (unsere Berufsfachschüler). Und wenn man dann eine Haltung zu den Dingen (und den Menschen) hat, die es einem erlaubt, neugierig auf die jungen Leute zuzugehen, wird man nicht so schnell alt im Kopf. Ich beachte dabei lediglich meine ganz persönliche, total subjektive “Three-Strikes-Rule”: jeder Mensch ist es wert, als Mensch angenommen, respektiert und behandelt zu werden. So lange, bis diese Person drei Mal meinen Respekt und mein Vertrauen missbraucht hat – dann ist Sense und sie wandert automatisch in den nicht eben kleinen Pool all jener Menschoiden, die mich häufiger zu folgendem Satz veranlassen: “ICH HASSE MENSCHEN!”

Ich weiß nicht, ob man es wirklich Hass nennen kann, denn das ist ja ein sehr starkes Gefühl, welches üblicherweise für jene Menschen reserviert ist, mit denen ich noch irgendeine Art von Beziehung führen muss. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass anderer Leute Blödheit, Respektlosigkeit, Faulheit und Unverschämtheit der Motor für meine immerwährende Wut sind. Und dass mir die allermeisten Menschoiden nach den eben genannten Three Strikes einfach am Arsch vorbeigehen. Nur für ganz wenige habe ich diesen besonderen Hass übrig, der mich noch nicht einmal in ihren Rachen pissen ließe, wenn ihre Zähne brennen würden (danke für diesen Spruch Lemmy! Rock Hell for me, ’til I’m ready to come down…). Vielleicht liegt es tatsächlich am Alterungsprozess, dass mir so vieles heute meilenweit am Arsch vorbeigeht. Wobei ich mir da nicht ganz sicher bin. Neulich bemerkte einer meiner Kollegen, dass er ja jetzt langsam altersmilde würde – nur um in der nächsten Szene mit einer Hingabe über einen Sachverhalt abzuledern, die so manchen Berliner Taxifahrer alt aussehen ließe. Und ich konnte ihn volles Programm fühlen. Man wird nicht unbedingt milder. Man steigert lediglich die Effizienz des Energieeinsatzes und bohrt nur noch jene kognitionsallergischen Subsistenzen ungespitzt in den Boden, die das auch WIRKLICH verdient haben. Alle anderen, die unbedingt negativer Emotionen bedürfen, bekommen eine reduzierte Version, die aus wesentlich mehr kühler Distanz als heißer Wut besteht. Man muss Idioten allerlei Geschlechts auch einfach mal schweigend links liegen lassen können. Denn die Meisten verdienen meine Wut nicht mal im Ansatz.

Und meine positive Energie? Zuvorderst sei gesagt, dass ich davon tatsächlich jede Menge habe. Sie wandert heutzutage allerdings beinahe ausschließlich in jene Dinge, die mir etwas bedeuten, die mich inspirieren, die mir Freude machen und tendenziell mindestens die gleiche Menge Energie zurückgeben, die sie auch verbrauchen: man muss dem Ersten Hauptsatz der Thermodynamik nämlich auch in psychischen Belangen uneingeschränkt Beachtung schenken! Und ja – nur bescheidene Teile davon haben mit meiner abhängigen Lohnarbeit zu tun. Nämlich jene Teile, die es mir erlauben, mit, an und für Menschen etwas positiv zu bewegen – so lange, bis sie ihre Three Strikes aufgebraucht haben. Danach gilt, womit dem ich den ersten Absatz beendet hatte… Und was hat das alles nun mit dem Altern zu tun? Sagen wir mal so: ich habe für mich beschlossen, dass Alter nur eine Zahl ist und dass es darauf ankommt, mit welchem Handeln, mit welchen Worten und Gedanken, mit welchem Unterlassen ich meine Tage anfülle und welche Haltung daraus resultiert; nur das gibt einen Hinweis darauf, wie alt ich wirklich bin. Ich handele nach dem Prinzip des kategorischen Imperativ, bin stets auf Ausgleich und Gerechtigkeit bedacht! Vollkommen unabhängig von Nachteilen für mich selbst oder dem Alter der betreffenden Personen. Ich zocke unfassbar gerne! Ich suche nach Schöneit und Wahrheit und Inspiration für meine Geschichten, mit denen ich Menschen davon überzeugen möchte, für sich selbst zu denken und dabei dennoch die Sichtweisen anderer zuzulassen; und ich erzähle diese Geschichten natürlich nicht nur zum Lehren, sondern auch zur Unterhaltung! Ich versuche, Egoismus, Arroganz, Boshaftigkeit, Hinterhältigkeit und Doppelzüngigkeit zu unterlassen, auch wenn ich als Mensch genauso anfällig dafür bin, wie jeder andere – insbesondere für Arroganz, denn es ist ein schmaler Grat zwischen dem simplen Wissen um das eigene Leistungsniveau – und der Aktion, dieses Merkmal demonstrativ jedem unter die Nase zu reiben! Daraus ergibt sich als Haltung ein humanistisches Menschenbild, welches das Gegenüber zu dessen Bedingungen zu erkennen sucht; nicht zu meinen. Und wer glaubt denn bitte schon, dass man seinem eigenen Ideal immer gerecht wird? Das macht mich alt und jung zugleich. Ich weiß nicht, wie ich zum Altern stehe – außer, dass ich mich immer wieder frage, wie viele Tage, Wochen, Monate, Jahre ich noch haben werde, um all die Dinge zu tun, die ich noch vorhätte. Nun ja, wir werden sehen. Einstweilen füllt sich mein Sonntag mit Schreiben. Ich wünsche euch einen gediegenen Start in die neue Woche.

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New Work N°23 – Nochmal drüber nachdenken…?

Ich recycle mal eben Gedanken und Worte aus einem Post, der mittlerweile fast fünf Jahre auf dem Buckel hat (August 2020) und somit während der ersten Hochphase der Corona-Pandemie entstanden ist. Immerhin konnte man damals unter Auflagen im Inland Urlaub machen. Einiges ist nach wie vor – oder vielleicht eher WIEDER – hochaktuell, manches hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Diskussion ist heute allerdings eine andere, weil sich die Apologeten eines radikalen Wandels und die Die-Hard-Vertreter altmodischen Wirtschafts- und Führungs-Handelns mittlerweile unversöhnlicher gegenüber stehen, denn je. Und jetzt haben wir auch noch diese selbstverliebte, populistische Flitzpiepe Black-Rock-Fritze als Bundeskanzler. Kotzen könnt ich… Egal, los geht’s:

erstellt mit ChatGPT
Tja, also, wie soll ich das denn jetzt sagen, aber… New Work ist nicht neu. Ganz im Gegenteil. Der geistige Vater der Angelegenheit Frithjof Bergmann hat die Grundlagen schon in den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts beschrieben. Und auch, wenn bei weitem nicht alle seiner Ideen schon umgesetzt wurden (oder wir dies bald erleben werden), wächst die Zahl derer, die zu der Überzeugung gelangen, dass wir Arbeit im 21. Jahrhundert anders denken müssen. Langsam aber stetig... [Diese Überlegung muss ich - Stand Heute - differenzierter betrachten, da es zwar tatsächlich Leute mit großer Publicity gibt, die sich des Themas unter verschiedenen Vorzeichen annehmen. Doch die eigentlichen Ideen Bergmans spielen dabei kaum eine Rolle...] 

Aber, was bedeutet das nun? Vordergründig geht es darum geht, dass abhängige Produktionsarbeit mehr und mehr von Maschinen erledigt wird und daraus natürlich die Frage entsteht, wie diese Menschen zukünftig ihren Broterwerb bestreiten sollen. Solche Entwicklungen zeichnen sich nun schon seit Jahrzehnten ab. Bergmanns Antwort darauf ist eine Mischung aus bedingungslosem Grundeinkommen durch Umschichtung der Einkünfte aus Güterproduktion und einer zunehmenden Selbstversorgung mit den essentiellen Dingen des Lebens. Diese Darstellung ist allerdings verkürzend und gewiss gibt es in seiner Denke einige wenige Überschneidungen mit der Philosophie des Kommunitarismus; es lässt sich jedoch sagen, dass er versucht hat, ein mögliches Ende der klassischen, abhängigen Lohnarbeit zu denken. Es geht ihm dabei explizit nicht nur um die Arbeit als solches, sondern um Fragen der Teilhabe und Freiheit. [Diese Betrachtungen sind zwar immer noch weitgehend wahr - nur dass deren Umsetzung heute zwar gelegentlich andiskutiert, aber niemals durchdekliniert wird, weil die Lobbyisten der Konzerne ALLES tun, um eine positive, ergebnisoffene Diskussion im Sinne der eigenen Gier von vornherein zu verhindern! Es darf in deren Weltsicht NICHTS existieren, dass die systemische Lohn-Abhängigkeit untergräbt, welche es erlaubt, weiter munter von unten nach oben zu verteilen!]

Heute wird unter New Work von den Meisten aber einfach nur alles verstanden, was beim Schuften nicht nach dem klassischen Muster abläuft: Home-Office, Mobile Work-Spaces, ungewöhnliche Arbeitszeitmodelle wie der 5h-Tag, digitaliserte Workflows, etc.; also zunächst mal Dinge, die nur mit Arbeitsorganisation zu tun haben. Tatsächlich greift, wenn man Bergmann aufmerksam liest, dieses Verständnis jedoch viel zu kurz. Arbeit, wie wir sie heute kennen, wird in vielen Bereichen in den nächsten Jahren fast ganz verschwinden, um in anderen neu zu entstehen. Die daraus entstehenden gesellschaftlichen Umwälzungen zeichnen sich schon lange ab. [Und obwohl diese Entwicklungen sich mit den Ereignissen der letzten Jahre noch verschärft haben, sieht man an vielen Orten mehr oder weniger ungelenke Versuche, das Rad der Zeit zurückzudrehen; die Ewiggestrigen sterben leider nur sehr langsam!]

Eine echte Entwicklung weg von abhängiger Lohnarbeit hin zu solidarisierter Arbeit ist leider bislang noch nicht zu konstatieren. Immer noch dreht sich, wenn irgendjemand den Begriff vollmundig ins Feld führt, so gut wie alles um Fragen der Arbeitsorganisation. Und ja, wir haben diesbezüglich auch immer noch ein erhebliches Kulturproblem, da nicht wenige Chefoide nach wie vor der irrigen Meinung sind, dass sie bei physisch anwesenden Hutständern besser beurteilen könnten, ob diese etwas arbeiten, oder nicht; also, ob diese Menschen effektiv etwas erwirtschaften. Nichts könnte – zumindest in meinem Geschäftsbereich – allerdings der Realität ferner sein. In der Tat wird Bildung als solche uno acto realisiert. Damit dieser komplexe soziale Prozess im Lehrsaal allerdings auch regelmäßig zu zufriedenstellendem Ergebnissen führen kann, sind umfangreiche Vorbereitungen und Nacharbeiten notwendig. Und ein erheblicher Teil dieser Arbeit bedarf eines Quantums Kreativität, die man allerdings oft nicht in einem Großraumbüro sitzend erreichen kann. Also ist Arbeitsorganisation – oder besser gesagt eine flexible Arbeitsorganisation – eine Voraussetzung für ein hohes Qualitätsniveau. Weshalb ich meinen Mitarbeiter*innen Freiheiten lasse, die es anderswo eher nicht gibt. Da kommt jetzt bestimmt gleich wieder so ein schlauer Dippelschisser um die Ecke und sagt: “Ja, wie willst DU denn beurteilen, ob die tatsächlich was für ihr Geld tun?” Und dem antworte ich dann Folgendes: indem ich, wie jeder halbwegs vernünftige Führungseumel mit Kennzahlen arbeite. Nun sind die bei Berufsfachschulen nicht so einfach zu definieren. Aber zwei harte Währungen gibt es: die Zahl der Menschen, welche die Ausbildung ohne Abschluss abbrechen (die ist bei uns unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt) und die Zahl der Examenskandidaten, die am Ende bestehen (die ist bei uns bislang sehr gut). Woraus folgt dass wir im Lehrsaal und bei der Schülerbetreuung sehr gute bis exzellente Arbeit leisten. Was sich auch darin widerspiegelt, dass unsere Schüler*innen sich, allen gelegentlichen Spannungen zum Trotz mit ihren Problemen oft genug vertrauensvoll an uns wenden. Da gestatte ich mir getrost mal zu sagen: meine Mitarbeiter*innen sind ihr Geld verdammt noch mal wert!

Immer mal wieder muss ich diese Diskussionen führen, weil man an bestimmten Stellen Angst hat, dass sich andere Menschen im Unternehmen – wohlgemerkt in vollkommen anderen Geschäftszweigen – durch die Freiheiten, welche in meinem Geschäftsbereich gelebt werden benachteiligt fühlen würden. Aber wir sind nicht alle gleich und wir machen nicht alle die gleiche Arbeit. Als ich noch “einfacher” Mitarbeiter im Rettungsdienst war, wäre ich nie auf die Idee gekommen, jemandem im Büro die Möglichkeit zur Remote-Work zu neiden. Mein Job bot andere Herausforderungen, aber auch andere Freiheiten. Wenn wir solche Neid-Debatten wirklich aufmachen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Menschen sehr schnell anfangen, Neid zu entwickeln. Aber worauf? Darauf, dass ich halt gelegentlich um 08:00 nicht im Büro in der Dienststelle sitze, sondern in meinem Heimarbeitszimmer, welches zugegebenermaßen in manchen Punkten deutlich besser ausgestattet ist als das, was mir mein Arbeitgeber zur Verfügung stellt? Und mich genauso den lieben langen Tag mit teilweise sehr nervtötenden Aufgaben herumschlagen muss? Dass meine Kolleg*innen mich trotzdem stets erreichen, wenn was ist? Einzig das Pendeln fällt dann weg, weshalb ich an solchen Tagen etwas später aufstehe und dafür vom Start weg wesentlich wacher und produktiver bin; ich bin, zirkadian betrachtet halt eine Eule… Wenn mir jemand das wirklich neidet, lade ich herzlich dazu ein, mich mal zu begleiten. Glaubt mir: meinen Job wollt ihr auch im Home-Office nicht machen müssen! Ich fände es schön, wenn man davon weg käme, immerzu Gleichmacherei betreiben zu wollen, wo diese keinen Sinn ergibt. Z. B., wenn es um Remote-Work und flexiblere Arbeitszeiten geht. Denn die Lehrsäle sind trotzdem morgens pünktlich besetzt und laufen! Dieser Text entstand übrigens an dem gleichen Schreibtisch, an dem ich an solchen Tagen auch sitze/stehe – ihr seht, für die Arbeitsergonomie ist auch gesorgt. Und jetzt diskutieren wir aus, für wen sich Remote-Work eignet und für wen nicht. Und bei Gelegenheit sage ich auch noch was zu diesen frechen Cretins da draußen, die jeden Menschen, der seine Arbeitszeit zumindest teilweise im Büro verbringt als “Sesselpfurzer” bezeichnen, ohne irgendwas über Funktion und Leistung der Person zu wissen. In diesem Sinne – frohes Schaffen.

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Lass uns drüber reden…

Es ist nicht selten unglaublich schwer, seine eigenen Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse in Worte zu fassen. Vielleicht nicht so sehr hier, an diesem völlig virtuellen und dennoch irgendwie seltsam wahren Ort, wo ich einfach meine Gedanken in die Tastatur kloppe und mich im Grunde gar nicht so viel darum scheren muss, was andere irgendwann darüber denken mögen. Doch selbst beim Bloggen bemerke ich mittlerweile häufiger eine, eher unbewusste Zurückhaltung, die wohl auf diesem andressierten kulturellen Reflex basiert, “die Anderen” nicht zu sehr mit der Wahrheit überfordern zu wollen. Was auch immer meine Wahrheit nun sein mag… Doch im realen Gespräch, da fehlen mir oft die Worte. Oder, anders formuliert, hätte ich schon viele Worte, die ich aber nicht sagen kann oder nicht sagen will, weil ich genau weiß, dass meine Aussagen eine Reaktion provozieren werden, die mich nicht weiter bringen wird. Und es ist dabei vollkommen gleichgültig, ob ich es gerade mit lieben Menschen zu tun habe, oder mit Leuten, mit denen ich halt arbeiten muss. Man kann nicht immerzu jedem ungefiltert Dinge um die Ohren schlagen, die Anlass zu Kontroversen bieten; so viel Kraft und Energie habe ich nicht. Und die Anderen vermutlich auch nicht. Also unterbleibt die klare Artikulation meiner Meinungen und Erwartungen Face-to-Face nicht selten. Einfach, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass etwas zu sagen an der Gesamtsituation nichts ändert, außer dass ich mich dann auch noch schlecht fühle. Braucht man halt auch nicht…

Ich stelle zwar an mir eine Tendenz fest, manchen Personen meine unkuratierte Meinung häufiger zuzumuten als anderen. Allerdings werden diese oft auch dafür bezahlt; so wie ich dafür bezahlt werde, das reziprok ebenso aushalten zu müssen. Doch komischerweise tue ich das immer nur, wenn es um Sachverhalte geht, die mir zwar wichtig sind, die allerdings zumeist wenig zu meinem persönlichen Benefit beitragen – oft sogar eher das Gegenteil. Ich scheine mich tatsächlich eher zu exponieren, wenn es um anderer Leute Belange geht. Doch für mich selbst… da tue ich auffallend häufig auffallend wenig. Ich habe ehrlich keine Ahnung, warum mir das ausgerechnet heute auffällt, denn es ist ja nicht so, dass ich mir selbst nicht auch regelmäßig etwas Gutes tun würde; so auch dieses Wochenende. Aber ich belasse es zumeist bei Kleinigkeiten, die mich wenig bis nichts kosten (außer vielleicht ein wenig Anstrengung) und den Anderen ebenso wenig bis nichts abverlangen. Vielleicht, weil ich so erzogen wurde: erstmal leisten, dann mal kucken, dann noch ein bisschen mehr leisten und dann mal verschämt fragen; immer mit der Annahme, dass ein “Nein” eine legitime Antwort ist. Aber… ist das tatsächlich so, dass ich mich immerzu mit “Nein” abspeisen lassen muss, weil mein Gegenüber halt gerade nicht kann, nicht will, anderer Meinung ist, andere Ziele hat, oder was weiß ich sonst noch gerade nicht funktioniert?

Während ich diese Zeilen schreibe, laboriere ich gerade an einem Schnupfen. Wie dieser sich entwickeln wird, ist derzeit noch unklar, aber… anstatt jetzt eine klare Ansage zu treffen und mich einfach bis zur Genesung abzumelden, werde ich morgen früh, sofern ich mich nicht schon wieder physisch vollkommen niedergestreckt vorfinde, einfach arbeiten gehen, weil es halt einige Menschen gibt, die sich auf mich, bzw. auf meine Leistung verlassen. Und wer sich auf mich verlässt, ist im Nornalfall NICHT verlassen. Ob das eine clevere Idee ist, werde ich morgen früh wissen. Wahrscheinlich wäre es klüger, daheim zu bleiben, aber so bin ich halt nicht. Das soll jetzt bitte nicht als Aufforderung verstanden werden, mir den Orden “Held der Arbeit” zu verleihen. Ich will und brauche keine Auszeichnungen. Es ist auch kein Fishing for Compliments oder die implizite Aufforderung, mir einen “Bleib doch zu Hause!”-Kommentar zu schicken. Aber es illustriert für mich, wie wenig ich mich häufig um mich selbst kümmere – und wie dumm das eigentlich im Grunde ist. Und ich bin mir verdammt sicher, dass ich mit dieser ungesunden Einstellung – zumindest in meiner Altersklasse – nicht alleine bin.

Ich habe neulich, während einer Fortbildung, die Teilnehmenden dazu aufgefordert, junge Auszubildende im Nebenraum kurz bezüglich deren Blick auf sogenannte Generationen (insbesondere das Thema “Gen-Z”) zu interviewen. Ohne auf präzise Ergebnisse eingehen zu wollen, lässt sich sagen, dass die jungen Leutchen dieser konstruierten Dichotomien (und vor allem der Unterstellung, die jungen Leute seien alle faul, oder gleichgültig, oder sonstwas) überdrüssig sind und sich selbst keiner Generation zurechnen. Insgesamt nehme ich allerdings wahr, dass die jungen Leute zumindest in manchen Situationen besser darin sind, ihre Belange zu vertreten, als mir selbst das wohl gelingt. Und ich finde das gut, auch wenn es einen als Vorgesetzten manchmal ein wenig Contenance kostet, mit Forderungen umgehen zu müssen, die man für sich selbst so nie artikulieren würde. Vielleicht MUSS das einfach ein Lernprozess für beide Seiten sein, ein stetiges Aushandeln des jeweils Möglichen und eines immer wieder neu zu schaffenden Verständnisses für die Bedürfnisse, Sorgen und Herausforderungen des Gegenübers. Würde mir gefallen. Und wenn ich dabei lerne, meine eigene Klappe auch mal aufzumachen und etwas einzufordern, muss das ja nicht vollkommen schlecht sein.

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Erwachsen bilden N°54 – On Tour…

Überraschenderweise finde ich mich von Zeit zu Zeit in Settings wieder, in denen ich mich wohl fühle, obwohl diese gleichsam für mich von Ambivalenz erfüllt sind. Oder anders formuliert: eigentlich dürfte ich mich gar nicht so wohl fühlen, wie dies tatsächlich der Fall ist. Einmal mehr bin ich mit einer neuen Klasse on Tour und es ist anstrengend! Ein Zahl neuer Bekanntschaften will geküpft und gleichsam gefestigt werden, weil meine jetzige Aufgabe natürlich darin besteht, den Leutchen einen Weg in die Ausbildung hinein zu weisen und ihnen gleichzeitig zu helfen, sich selbst eine Idee davon bilden zu können, wie das alles denn funktionieren könnte. Spannend. Das fordert mich von früh bis spät, denn einerseits möchte ich einfach als Mensch natürlich nahbar genug sein, dass die neuen Schüler:innen Vertrauen zu mir fassen können – muss aber andererseits dafür sorgen, dass auch genug Respekt vor meiner Person, meinem Amt und, vor allem den ab nun anstehenden Aufgaben entsteht. Denn ohne das geht es nicht. Denn Nahbarkeit darf nicht bedeuten, die analytische Distanz zu verlieren, derer es Bedarf, um ihnen irgendwann später faire Noten geben zu können. Doch all diesen Herausforderungen zum Trotz (und obwohl ich nebenher auch noch andere Amtsgeschäfte aus der Ferne erledigen muss) fühle ich mich wohl, weil ich zu bestimmten Zeiten einfach die Tür zu machen, für mich sein, nachdenken und die Dinge analysieren kann. Ich bemerke, dass ich es oft noch schöner fände, NUR allein für mich und kreativ sein zu können. Aber gerade jetzt formen sich spannende Beziehungen, was der Geschichte ein hoch spannendes Element gibt.

Ich habe den neuen Schüler:innen gegenüber gestern von meiner ganz persönlichen, total subjektiven “Three-Strikes-Regel” erzählt: jeder Mensch bekommt von mir einen Grund-Vorschuss an Vertrauen und Respekt – aber wenn jemand dreimal verkackt, ist es rum mit Vertrauen und Respekt. Ab dann gilt wieder die Grundannahme, dass Menschen, so ganz grundsätzlich betrachtet schon ganz schön Scheiße sind. Man muss sich – insbesondere als Pädagoge, aber auch in anderen Funktionen – gestatten, die weitaus meisten Menschen zu hassen, wenn man die wenigen, die einem wirklich anvertraut werden mögen können soll. Denn wir haben zu jeder Zeit nur eine bestimmte Menge an Liebe (oder Vertrauen, Respekt, Zuneigung, etc.), die wir geben können; um diese Vorräte, und damit auch sich selbst, nicht zu erschöpfen, muss man mit derart kostbaren Gütern sparsam umgehen. Was für meine aktuelle Situation bedeutet, dass ich einmal mehr versuchen muss, herauszufinden, mit was für Menschen ich es gerade zu tun habe. Und ob diese – auf längere Sicht – meine Mühen und mein gegebenes Vertrauen wert sein werden. Man kann, nein MUSS, sicher trefflich darüber streiten, WIE NAHE man solche “Schutzbefohlenen” an sich heran lässt; Stichwort analytische Distanz. Doch am Ende des Tages sind wir alle nur Menschen. Und so versuche ich, die private Person von der Funktionsperson auch durch äußerliche Zeichen, wie etwa das Tragen (oder auch NICHT-TRAGEN) von Dienstkleidung zu trennen, damit es einfacher wird, zu verstehen, dass ich als Privatperson u. U. eine Meinung haben darf, die ich vielleicht im Lehrsaaal so nicht vertreten würde, weil es der falsche Platz dafür wäre (etwa in politischen Fragen). Und dass ich – überraschend, aber dennoch wahr – auch (nur) ein Mensch bin.

Wohin führt uns das alles nun? Erstens zu der eher wenig überraschenden Erkenntnis, dass ich immer häufiger feststellen muss, dass ich mit meinen ernergetischen Reserven besser haushalten sollte; wie auch immer das gehen kann. Denn all die sozialen Kontakte kosten mich Kraft, die sich oft nur langsam regeneriert. Zweitens mache ich jedoch die – wirklich – ungewöhnliche Feststellung, dass der Umgang mit der neuen Klasse mich nicht nur Kraft kostet, sondern mir auch welche zurück gibt! Die Impulse, welche ich in den letzten Tagen auf vielfältige Art mitgenommen habe – auch, wenn es natürlich immer Zielkonflikte gibt, zwischen Lehrkraft und Schüler:innen – machen mich zuversichtlich. Mit neuen (jungen) Menschen darf man ab und an auch interessante Einblicke, Ideen und Energien mitnehmen. Das ist es, was den Beruf für mich immer noch zu etwas Besonderem und damit zu meiner Berufung macht. Klingt euch das jetzt doch zu pathetisch? Fuck it – und wenn schon! Es ist meine Wahrnehmung und die darf ich behalten. In diesem Sinne auf zum Endspurt und euch da draußen so langsam schon mal (f)rohe Ostern.

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°53 – …im Spiegel

Schüler*in: "Och nö, DAS habe ich doch schon in der Schule zwei Jahre lang gehabt!" 
Ich: "Was meinst du denn?"
Schüler*in: "Na Philosophie. Und jetzt kommst du auch wieder mit 'kategorischem Imperativ' und 'Utilitarismus' um die Ecke!"
Ich. "Ja gut... wenn du das zwei Jahre in der Schule gehabt hast, dann erzähl mir doch mal, was du noch darüber weißt..."
Schüler*in: "...ähm..."
Ich: "Hat es dich denn damals interessiert...?"
Schüler*in: "...*mpfstammelmurmel*..."
Ich: "Okay... darf ich dann mit meinem Vortrag fortfahren? Und dich darum ersuchen, mir wenigstens die CHANCE zu geben, dich für das Thema zu interessieren...?

Das da oben ist mir vor ein paar Wochen so (oder zumindest so ähnlich) passiert, als ich mal wieder selbst vor einer Klasse stand. Ethik im Rettungsdienst ist nicht sexy. Zumindest nicht mal im Ansatz so sexy, wie etwa das stumpfe Ende der Nadel, der Cuffdruckmesser, oder das EKG-Papier. Schon klar. Ihr wollt richtige MEDIZIN machen! Euer Handwerk auch ausüben dürfen! Action! Um das an dieser Stelle für alle, die es interessiert – vor allem aber auch für jene, die es NICHT interessiert – noch mal in aller Deutlichkeit klarzustellen, habe ich fünf schwer verdauliche Thesen über die Arbeit (und das Lernen) im Rettungsdienst zusammengestellt. Keine Sorge, das wird keiner von diesen beknackten Listicles und die Reihenfolge ist vollkommen willkürlich gewählt, stellt also in keiner Weise ein Ranking dar. Alle ab hier getroffenen Aussagen sind mir gleich wichtig! And here comes…

  • 1. Es gibt KEINE Bullshit-Einsätze! Es gibt Low-Code-Einsätze, die vor allem unsere sozialen Fähigkeiten und unser organisatorisch-strukturelles Know-How abfragen, uns aber wenig Raum für Action-orientiertes Handeln lassen. Schlicht, weil die Notwendigkeit dazu nicht besteht. Dennoch erfordern auch diese Situationen unsere Aufmerksankeint, denn…
  • 2. Bei unserem Job geht es um die uns anvertrauten Menschen! Nicht um UNSER EGO, UNSERE Bedürfnisse (außer, abends wieder heil und gesund nach Hause kommen zu dürfen), oder UNSER Ansehen – es geht ausschließlich um die Menschen, die uns der Zufall für eine kurze Zeit anvertraut! Sie haben unsere professionelle Aufmerksamkeit verdient – bis zu dem Punkt, da sie dieses Verdienst durch eigenes Zutun verspielen. Denn wer uns absichtlich schlecht behandelt, hat unsere 100% auch nicht verdient. Dennoch sollte jeder Mensch von uns diesen Vertrauensvorschuss bekommen, der aus einem humanistischen Menschenbild erwächst.
  • 3. Wer stehen bleibt, den überholt die Welt! Wir sind stets dazu aufgerufen, uns weiter zu entwickeln. Nicht als Selbstzweck, sondern weil die medizinische Wissenschaft, in welche unser Job eingebettet ist sich – Gott sei Dank – weiter entwickelt. Und damit alles, was wir zu wissen und zu können glauben, stets nur vorläufig gelten kann. So lange, bis wir es wieder etwas besser wissen. Lernen hört damit niemals auf.
  • 4. Nachhaltiges Lernen findet NIEMALS in der Komfortzone statt! Bequem auf einer Chaiselonge hingeflezt, mit einem Tütchen Mononatriumglutamat-ertränktem, dünn frittiertem Kartoffelmatsch in der einen und einem mehr oder weniger Zucker- und/oder Hopfenhaltigen Erfrischungsgetränk in der anderen Hand, erfahren wir bestenfalls Mattigkeit, aber keine Entwicklung. Denn Entwicklung erfordert ernsthafte Aktivität, gepaart mit Reflexion derselben!
  • 5. Wir sind IMMER nur im Team stark! Keiner von uns kann die Welt (oder auch nur einen einzigen Patienten) alleine retten! Keiner von uns ist stark genug, ALLES, was der Zufall uns zusammen mit unseren Patienten serviert (a.k.a. Elend, Einsamkeit, Gewalt, Misshandlung, Tod und noch vieles Andere) immer und überall nur mit sich selbst abzumachen. Wer das wirklich glaubt, tut sich selbst Gewalt an…

Und was hat das nun mit Ethik zu tun? Warum behandelt man das Thema Ethik überhaupt im Unterricht aller Gesundheitsfachberufe? Die Antwort ist einfach – weil unser ganzes berufliches Handeln überhaupt nur im MITEINANDER denkbar ist. Und weil Ethik das MITEINANDER aus verschiedenen Perspektiven denkt und uns so Hilfestellungen gibt, unsere eigene Haltung zu den Menschen, zum MITEINANDER und zu allem anderen Anderen zu entwickeln und zu festigen. Denn ohne eine differenzierte HALTUNG gibt es keine Professionalität! Diese entsteht aber nur, indem man sich mit dem eigenen Handeln, dem, was man so alles zu wissen glaubt und dem, wovon man bislang überzeugt ist AKTIV auseinandersetzt – gerne auch im Diskurs mit Anderen, die vor den gleichen Aufgaben stehen. Andernfalls bleibt man stehen, wird zum Einzelkämper (oder Einzelliegenbleiber), versteht niemals, warum man in bestimmten Situationen gegen die eigenen Interessen (und evetuell auch die der Patient*innen handelt) – und verzweifelt irgendwann in der Folge an seinem Job. Was dann zu Folge hat, dass man sich etwas Anderes sucht, oder aber durch sein zynisches, misanthropes Handeln irgendwann im den Untiefen des Ausgebranntseins auf Grund läuft. Oder was glaubt ihr alle, warum die durchschnittliche Verweildauer von Notfallsanitäter*innen in Deutschland bei lausigen 8 – 11 Jahren ab Start der Ausbildung liegt? Das liegt NICHT daran, dass Hunderte von NotSans im Knast sitzen würden, weil der Job so große Rechtsunsicherheit mit sich bringt – DAS ist Bullshit. Es liegt auch nicht daran, dass die Arbeitsbedingungen so furchtbar wären – ich kenne kaum einen anderen Job, in dem ich SO selbstbestimmt meine Arbeit erledigen kann, wie im Rettungsdienst. Geht mal eine Woche mit Gerüstbauern mit.

Es liegt daran, dass nicht genug Sorgfalt auf die Auswahl der Auszubildenden gelegt wird! Daran, dass immer noch zu viele Berufsfachschulen ein vollkommen falsches Bild der späteren Tätigkeit vermitteln und ihren erzieherischen Auftrag nicht wahrnehmen! Und schließlich daran, das eine erhebliche Zahl von Kollegoiden da draußen, die sich in ihrem Ausgebranntsein regelrecht suhlen den jungen Leuten – vollkommen unreflektiert – als schlechtes Vorbild dienen! Übrigens auch solche, die eigentlich als Rolemodel eine herausgehobene Stellung innehaben – nämlich Praxisanleiter*innen. Da könnt ich schreiend davon laufen! Kommt doch mal allesamt aus der Komfortzone und entwickelt euch weiter. Ihr werdet euch wundern, was dann plötzlich alles möglich wird; aber eben nur, wenn man nicht unreflektierte Faulheit mit Effizienz verwechselt. Schönes Wochenende…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°52 meets New Work N°22 – Dienst nach Vorschrift?

Ich hatte neulich ein interessantes Meeting, bei dem einige Menschen anderen Menschen mal offenbart haben, wie viel Vorbereitung wirklich dahinter steckt, ordentlichen Fach- Unterricht machen zu können. ICH merke ja auch immer wieder, dass Leute tatsächlich glauben, ICH könnte alles Mögliche on a moments notice aus dem Ärmel schütteln – was vollkommener Quatsch ist. Ich muss mich genauso hinsetzen, eine Unterrichtsverlaufs-Planung schreiben, die passenden Einzelmethoden auswählen und – sofern es sich um theoretischen Unterricht handelt – den Content erstellen, wie jede:r andere auch. Okay, bei Unterrichten, die ich schon öfter gehalten habe, fällt vielleicht nicht mehr die GANZE Vorbereitungsarbeit an. Dennoch muss ich mich jedesmal neu reindenken, evtl. beim letzten Durchlauf aufgelaufenes Feedback integrieren und meine Materialien prüfen. Überdies entwickle ich für das Verständnis der Schüler:innen gerne Übersichten an der Metaplanwand, was bedeutet, dass ich auch jedes Mal meine Kärtchen neu schreiben muss. In aller Regel morgens, direkt bevor der Unterricht losgeht. Lehrkräfte mit noch nicht so fest eingeübten Abläufen brauchen aber länger für so was. Und nicht selten muss man sich selbst noch mal seines eigenen Wissens versichern, bevor man überhaupt daran denken kann, sich zu überlegen, wie man dieses eigene Wissen und die Skills für andere begreifbar machen könnte. Ich muss hier noch mal an die konstruktivistische Sichtweise auf Pädagogik erinnern: wir bringen niemandem etwas bei; wir bereiten lediglich den Boden, auf dem die Schüler:innen ihre jeweils eigene Wissensernte einfahren können! Wozu es im übrigen der Mitarbeit bedarf. Aber darüber habe ich an anderer Stelle schon sattsam gesprochen…

Arbeitgeber gehen oft naiv davon aus, dass ein Fachlehrer sich 35h die Woche in den Lehrssal stellt und in der verbleibenden Zeit nebenbei alles erledigt, was halt so anfällt: Unterrichtsvor- und nachbereitung, Korrespondenz mit den betrieblichen Ausbilder:innen und den amtlichen Regulierungsbehörden, Führen der Zeitnachweise und Klassenbücher, anlassbezogene Gespräche, bewertende Arbeitsbesuche, Korrektur von Klassenarbeiten, Staatsexamina und so weiter und so fort. Und da ist einspringen wegen Krankheit o. Ä. noch nicht inkludiert. Jede:r, die/der schon mal eine Klasse gemanaged haben, liegt jetzt vor Lachen gekrümmt unterm Schreibtisch, weil allen, die schon mal in diesen Stiefeln marschiert sind sofort und intuitiv klar ist, dass DIESE ANNAHME RIESENGROSSE, DAMPFENDE BULLENSCHEISSE IST! Die Fachlehrkräfte, mit denen ich bekannt bin, reden nicht über ihre Stundensaldi, sondern machen ihren Job. Aber der Krug kann nur so lange zum Brunnen gehen, bis er bricht. Was bedeutet, dass in dem oben erwähnten Gespräch ein Wort mit besonderer Häufigkeit vorkam: Überlastung! Und wir reden hier nicht über Heulsusen, sondern über ein Team, dass in der jüngeren Vergangenheit außergewöhnliche Belastungen einfach weggeatmet hat! Womit wir bei dieser Dienst-nach-Vorschrift-Diskussion wären, die derzeit Dank der häufig replizierten Gallup-Umfrage durch die Medien schwappt. Die Mitarbeiter deutscher Unternehmen hätten demnach im Mittel keine emotionale Bindung zum Unternehmen mehr und machen daher halt – ja genau: Dienst nach Vorschrift. Und natürlich schwingt in verschiedensten Einlassungen zum Thema stets dieser implizite Vorwurf der FAULHEIT mit. Nicht umsonst hat die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen dieser Tage nach dem Verzicht auf einen Feiertag gerufen, weil wir die Kosten des von der dräuenden SchleNeKo (Schlechte Neue Koalition) ausgehandelten “An-der-Schuldenbremse-vorbei-Sondervermögens” durch mehr Leistung ausgleichen müssten. Das einzige, was Frau Schnitzer dabei versteht ist Trickle-Down. Was allerdings bis heute nachweislich nicht funktioniert hat; sie redet also mit anderen Worten einer noch schnelleren Umverteilung von Unten nach Oben das Wort. Die Fresse halten soll dieses dämliche, überbewertete Fossil! Wir arbeiten angeblich zu wenig, sind nicht produktiv genug und überhaupt fordern wir Arbeitnehmer immerzu viel zu viel. Und dann kommt man auch noch mit der angeblich mangelhaften Arbeitsmoral um die Ecke!

Ich habe da einen etwas anderen Blick drauf, der sich übrigens in einigen Punkten mit dem der Fachjournalistin Diana Dittmer deckt: Mein Arbeitsplatz ist nicht meine Familie und am Ende des Tages ist meine Anstellung ein Handel auf Gegenseitigkeit: Lebenszeit gegen Kohle! In KEINEM Arbeitsvertrag steht was davon, dass ich meinem Arbeitgeber mehr schulde, als die vertraglich vereinbarten Stunden und die üblichen Loyalitätspflichten: nicht klauen, keine wirtschaftlich relevanten Interna ausplaudern, den Arbeitgeber nicht öffentlich diskreditieren, die Arbeitszeit auch wirklich mit Arbeit und nicht irgendwelchen Kinkerlitzchen füllen, mit den Kollegen professionell umgehen – egal, ob ich diese nun leiden kann, oder eher nicht. So weit – so normal. Doch es scheint heute üblich zu sein, implizit mehr als das zu erwarten und Menschen nur dann als performant wahrzunehmen, wenn sie “die Extrameile gehen”. SCHEISS AUF DIE EXTRAMEILE – WELCHE EXTRAMEILEN GEHT MEIN ARBEITGEBER FÜR MICH? Ich meine abseits dessen, was er um’s Verrecken nicht verhindern kann, weil wir evtl. heute in meiner Branche von einem Arbeitnehmer-Markt sprechen müssen? Mein Arbeitsplatz nimmt mich nicht in den Arm, wenn es mir schlecht geht! Mein Arbeitgeber stellt es mir nicht frei, zur Burnoutprophylaxe am Fluss spazieren zu gehen, auch wenn ich letzthin häufig das dringende das Bedürfnis dazu habe! Meine Arbeit gibt mit nur einen begrenzten Teil des Sinnes, den ich in meinem Leben sehen möchte! Manche Vertreter meines Arbeitgebers benutzen das Wort “Danke” gerne und ausgiebig (auch, weil es nichts kostet) – andere widerum würden sich eher die Zunge abbeißen, bevor sie zu MIR wirklich freundlich sind; oder die erbrachten Leistungen wirklich anerkennen.

Ich schulde meinem Arbeitgeber folglich genau das, was im Vertrag steht: 40h die Woche präsent, performant, perzeptiv und professionell zu sein. Nicht weniger – aber auch keinesfalls mehr. Und was für mich gilt, gilt für ALLE ANDEREN ebenso. Denn tatsächlich leisten nämlich sehr viele Menschen schon sehr viel mehr, als sie müssten; und manchmal auch, als sie eigentlich könnten. Und diese Menschen fühlen sich von dem realitätsfernen, arroganten, unverschämten Geschwafel möchtegernwichtiger, nutzloser “Elitenvertreter” regelmäßig beleidigt. Wo stehen wir also? Ganz einfach an dem Punkt, an dem die ganzen abgehobenen Wirtschaftslobbyisten, ultraneoliberalen Gierschlünde und ihre willfährigen Helferlein aus dem “Polit-Establishment” verstehen müssen, DASS ES KEIN ZUERÜCK BEI DEN ARBEITNEHMERRECHTEN GIBT! ENDE! DER! DISKUSSION! Wenn ihr meint, wir fleißigen kleinen Ameisen hier unten kriegen es nicht hin, dann kommt doch mal von euren hohen Thronen herunter, krempelt die Ärmel hoch und zeigt uns, wie viel ihr selbst zu geben bereit seid! Denn wirklich geführt wird einzig allein von vorne; und zwar durch Leader, die nicht ein Jota mehr verlangen, als sie selbst zu geben bereit sind! Derweil mache ich Dienst nach Vorschrift – ich leiste, wofür ich bezahlt werde, erledige derweilen, was zu tun ist, um den Laden am Laufen zu halten – und wenn ich nach Hause komme, dann lebe ich mein Leben. Und das weitestgehend unberührt von der Arbeitswelt. Denn das bin ICH mir wert! In diesem Sinne, auf zu einer neuen Woche im Hamsterrad… wir sehen uns!

Auch als Podcast…

New Work N°21 – wofür eigentlich…?

Um es auf den Punkt zu bringen – ich habe von einigen Dingen atomar die Schnauze voll! Zum Beispiel von Menschen, die unter hohem Zeitdruck erbrachte Arbeit nicht zu schätzen wissen. Nichts im Leben ist perfekt, insbesondere dann nicht, wenn man dabei mit knappen Ressourcen hantieren muss. Sich hinterher hinzustellen und alles zu zerpflücken, ist jedoch pille-palle-einfach – und wird in den seltensten Fällen der Mühe gerecht, die sich jemand gegeben hat. Das Corpus Delicti ist hier eine Online-Fortbildung, die nach Aussagen Dritter zu einfach, zu kurz, zu wasweißichnichtnochalles ist. Okay, ist kein Glanzstück, dass war schon vorher zu erkennen. Zudem beklagt sich eine gewisse Personengruppe, nicht genug eingebunden gewesen zu sein – obwohl diese Personengruppe von didaktischer Arbeit schlicht keine Ahnung hat. Und auch nicht von den technischen Grenzen bestimmter Methoden, Tools oder eines Lernmanagement-Systems. Egal. Was mich jedoch am meisten fuchst, ist, dass man es MIR vorwirft, dass ANDERE es sich zu leicht machen und dabei ARBEITSZEITBETRUG begehen. Würde man sich mit den Inhalten wirklich auseinandersetzen, so wie es vorgesehen ist, könnte man gewiss auf die angegebene Zeit kommen. Tut man aber nicht, aus Faulheit, Indolenz und Trägkeit, womit wir wieder bei der wahren Bedeutung von FIT wären. Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte! Aber ich ziehe meine Lehren daraus. In Zukunft werde ich einfach NEIN sagen und die Herrschaften sollen doch bitte jemand anders suchen, wenn sie der Meinung sind, ich wäre zu blöd, zu faul oder zu wenig devot gegenüber gewissen Protagonisten. Ich bin weder blöd, noch faul, noch zu wenig kommunikativ – ICH BIN ÜBERARBEITET GODDAMMIT! Ich bekomme keine Ressourcen (zu teuer), keine vernünftige Unterstützung (da müsste man ja jemanden aus seinem Personalportfolio abgeben, geht ja gar nicht) und bin seit Jahren andauernd damit beschäftigt, mit heißer Luft zu zaubern. In regelmäßigen Abständen nähe ich die komplette Orga immer wieder frisch auf Kante, darf mir aber im Gegenzug das Gejammer Dritter anhören, die mit diesem oder jenem nicht zufrieden sind. Da fällt mir ein Zitat ein…

“We, the unwilling, led by the unknowing, are doing the impossible for the ungrateful. We have done so much, for so long, with so little, we are now qualified to do (almost) anything with nothing.”

Konstantin Josef Jireček

Mittlerweile bin ich nämlich vollkommen unwilling! Unwillig, für Undankbare unmögliche Aufgaben in unfassbar kurzer Zeit mit unglaublich wenig Mateial erledigen zu müssen. Unwillig, mich dafür beschuldigen zu lassen, wenn Dritte ihren normalen Aufgaben nicht nachkommen und es sich einfach machen, wenn man ein wenig Mühe aus verschiedenen Gründen erwarten dürfte. Unwillig, es weiter zu erdulden, dass man mich wahlweise zum Rezipienten für jedwede, noch so lächerliche Beschwerde macht, mir aber im Gegenzug untersagt, dem Beschwerdeführer eine deutliche Antwort zu geben; dafür jedoch in anderen Situationen einfach mal behauptet, wir seien auf einem guten Weg, wenn ich an dem gegenwärtigen Weg nur noch sehr wenig Gutes zu erkennen vermag. Unwillig, mich im politischen Kleinklein zuerreiben zu lassen, wenn mir dadurch viel zu wenig Zeit für die eigentlichen Aufgaben meines Amtes bleibt. Unwillig, zu akzeptieren, dass man stets versucht, meine Gestaltungsspielräume einzuengen. Unwillig, weiterzumachen… Es ist, paradoxerweise, momentan der Lehrsaal, der mich am wenigsten Energie kostet. Ja, die Auszubildenden sind teilweise anstrengende Sparringspartner, weil sie den Anspruch artikulieren, von mir ein Komplettpaket geliefert zu bkommen, dabei noch verkennend, dass sie eine Menge Eigenleistung dazugeben müssen, um am Ende das Ziel erreichen zu können. Aber es ist eine lohnende Arbeit, weil ich manchmal diesen Heureka-Ausdruck in den Gesichtern sehen kann. Und weil ich die Chance habe, den jungen Leuten zu einer Haltung zu verhelfen, die ich in so manch Anderen, mit dem ich beruflich zu tun habe deutlich vermissen muss. Respekt! Konfliktfähigkeit! Teamspirit! Leistungsbereitschaft! Dieses zwanghafte zu Tode verwalten, und vor allem zu Tode verwaltet werden jedoch, DAS kann ich nicht viel länger ertragen!

Ich habe mir schon ein paar Mal Ultimaten gestellt und – naiv, wie ich manchmal auch mit 50 Lenzen noch bin – verstreichen lassen, weil ich gelegentlich ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen glaubte. JEDES EINZELNE MAL WAR ES EIN ENTGEGENKOMMENDER ZUG! Bislang bin ich nicht überrollt worden, aber es kommt mir gelegentlich so vor, als wenn gewisse Dritte es genau darauf anlegen würden. Ganz so, als wenn sie sich nicht bewusst wären, wie sehr ein Gesamtkonstrukt manchmal an einer Person aufgehängt ist. Nimmst du den zentralen Nexus in der Mitte weg, bricht das ganze Netzwerk zusammen. Und ehrlich gesagt sehe ich gegenwärtig wenig Benefit für mich selbst darin, so weiter zu machen wie bisher. Ja, ich habe in der Tat ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und schaue dabei auf die mir anvertrauten Kolleg:innen und Auszubildenden. Aber Selbstausbeutung MUSS eine Grenze haben. Meine ist, so weit ich das übersehen kann, mittlerweile wirklich und engültig erreicht. Ich mag Teile meines Jobs immer noch auf gewisse Art. Das, worauf ich nächste Woche am meisten gespannt bin ist, ob mein Unterrichtsansatz, jungen Menschen Ethik im Gesundheitswesen näher zu bringen fruchten wird, oder ob ich mal wieder zu verkopft an ein kopflastiges Thema rangegangen bin…? Wir werden sehen. Aber dieser ganze politische Quatsch, der mich von meiner eigentlichen Arbeit abhält, dieses Egogeficke verschiedener Protagonisten, diese Unfähigkeit zum systemischen Denken, dieser Egoismus, das ständige übereinander- anstatt miteinander Reden und die ständige Angst mancher Leute davor, was Dritte denken oder tun könnten, oder auch nicht, die brauch und will ich nicht mehr. Würde die beste Ehefrau von allen nicht gerade auch in einer großen beruflichen Transformation stecken, wäre ich wahrscheinlich zum 30.06 weg – und nach mir die Sintflut. Tja Scheiße gelaufen, Vielleicht spiele ich mal wieder Lotto. In diesem Sinne – versaut Kolleg:innen, die sich für ihren Job wirklich Mühe geben, nicht so den Tag, wie ich es oben beschrieben habe, sondern hegt und pflegt sie. Denn sind sie weg, werdet ihr feststellen, was ihr an ihnen hattet! Schönen Samstag…

Auch als Podcast…