Teenage meltdowns – adult problems?

Wenn ich so auf die letzten 12 Jahre meines Lebens halbwegs ehrlich zurückblicke, dann kommt immer wieder die Frage auf, was zum Teufel ich hier eigentlich mache. Ich meine… unter dem Strich steht unterdessen ein Leben, frei von existenziellen Ängsten. Sozialer und wirtschaftlicher Aufstieg. Die Erfüllung des einen oder anderen Wunsches. Doch bei den Aufwendungen, da finden sich mittlerweile chronifizierte Arbeitsüberlastung, Depression… und seit neuestem auch die zunehmende Entfremdung vom ältesten Kind. Nun ist mir bewusst, dass sehr viele Teenager zwischenzeitlich zu dogmatischen, unempathischen, asozialen, arroganten, durch und durch egoistischen Miststücken mutieren. Ich kann meine Eltern leider nicht mehr fragen, wie ausgeprägt das bei mir selbst war; sie sind beide schon seit Jahren hinnieden. Ich denke jedoch, dass meine Eskapaden ihnen dann und wann auch Kopfzerbrechen gemacht haben mögen, wenngleich ich mich selbst – natürlich! – immer eher als pflegeleichtes Kind wahrgenommen hatte. Keine Ahnung, wieviel Körnchen Wahrheit an DiESER Legende sind. Aber ich selbst als Vater… ja ich fühle mich im Moment überfordert. Ich habe in letzter Zeit immer wieder gesagt, dass mit der berufsinduzierten Depression ließe sich noch wegatmen, weil zu Hause ja alles in Butter sei. Doch das scheint nun glatt gelogen. Heute Morgen war es mal wieder soweit: eine Petitesse, die sich durch drei Handgriffe aus der Welt räumen ließe mutierte zum Hornberger Schießen zwischen Tochter und bester Ehefrau von allen. Und ich saß da – und wusste nichts zu sagen! Zum einen weil beide Recht und Unrecht zugleich hatten. Und zum anderen, weil in mir ein derartiger Widerwille aufstieg, mich in diese UNNÜTZE BULLENSCHEISSE einzumischen, dass es mehr Energie gebraucht hätte, in die “Diskussion” einzusteigen, als ich derzeit insgesamt aufzubringen vermag. Ich werde mich dieses Wochenende mit der Arbeit befassen müssen, da habe ich nicht auch noch Lust, mich mit Menschen zu streiten, mit denen eigentlich besser kein Streit herrschen sollte…

Hier sitze ich nun eine Weile später vor dem Rechner und weiß immer noch nicht, was ich von all dem halten soll. Denn eigentlich beschäftigt mich eine vollkommen andere Frage: wofür reisse ich mir überhaupt noch den Arsch auf? Warum… ja warum haue ich nicht ein einfach in den Sack und schaue mal, was das Leben MIR noch zu bieten hätte? Warum tue ich mir das immer noch an, obwohl ich merke, dass ich das nicht mehr will und nicht mehr kann? Weder at work noch at home? Warum in drei Teufels Namen halte ich – hüben wie drüben – die Stellung, obschon ich dafür in den letzten Jahren gefühlt immerzu nur auf die Fresse bekomme? Was mache ich hier überhaupt noch? Ich weiß es nicht mehr! Ganz verschissen ehrlich – ich weiß es nicht mehr! Ich bin eine Woche dienstlich weg und meine Wiederkehr ist eine bloße Randnotiz. Das Leben fährt vorbei, während ich, wie hypnotisiert, aus dem Fenster schaue und wahrnehme, dass so vieles, was ich bislang als Landmarke zum Navigieren nutzen konnte, verschwindet – oder schon verschwunden ist – und das ich mir schwer tue, neue Landmarken zu finden. Das unfreiwillig Ironische daran ist, dass man mir im Alltag meine Richtungslosigkeit zumeist nicht anzumerken scheint, weil meine Haltung und meine Überzeugungen noch funktionieren; ich würde vermuten, weil ein humanistisches Menschenbild recht zeitlos ist. Doch in mir drinnen, da ist Chaos! Aufbruch! Übergang! Und ich weiß noch nicht wohin. Bin ich meiner Tochter darin ähnlich? Wäre möglich, denn als sozialpsychologisch geschulterm Menschen ist mir natürlich bewusst, dass solche Transitionsphasen im Leben des Menschen häufiger vorkommen. Ich glaube nur, mich nicht entsinnen zu können, dass es schon mal so wild war. Als ich aus der Schule ins Arbeitsleben überwechselte, da war das, im Vergleich zu jetzt, ein “Soft Opening”, weil ich zuvor ja schon für Geld gearbeitet hatte. Mir war vorher nur nicht bewusst gewesen, wie viele machtgeile, selbstgefällige Arschlöcher in Hilfsorganisationen an Entscheiderstellen sitzen. Doch so habe ich schließlich eine Ahnenreihe an miesen Chefs aufgehäuft, von der ich dachte, sie hätte mich stressfester gemacht. Weit gefehlt…

Jetzt im Moment, da fahre ich auf Sicht und weiß nicht, wohin ich will. Ich denke immer noch, immer wieder darüber nach, hinzuschmeißen und mir einen anderen Job zu suchen. Ich ertrage diese selbstgefälligen, egoistischen, intriganten Amateure an anderer Stelle im Land einfach nicht mehr. Und ich weiß wirklich NICHT, wie ich mit diesem Kind umgehen soll. Nun gibt es bestimmt irgendwo so einen NEUNMALKLUGEN BESSERWISSERISCHEN FLACHWICHSER, der irgendwas davon faselt, dass das doch nur Luxusprobleme wären, weil irgendwo anders Menschen verhungern, die gerne meine Probleme hätten. Fair enough, Arschloch – allerdings bringen diese Luxusprobleme auch Menschen um. Schon mal was von psychischen Erkrankungen und Suizidalität gehört, du dummes Schwein? Ganz ehrlich – ich will keine Ratschläge von besserwisserischen Küchenpsychologen, die keine Ahnung haben, wie sich das anfühlt. Ich will auch keine fertige Lösung. Ich suche nach der Kraft, selbst damit fertig zu weren. Und es hier aufzuschreiben, ist für mich ein Teil dieser Suche. Ob ich mich jetzt schon besser fühle? Kein bisschen! Ob ich schon klarer sehe? Nicht wirklich! Aber solche Prozesse brauchen Zeit. Ich glaube, mir ist gerade erst WIRKLICH bewußt beworden, dass ich in einigen Wochen 52 werde und damit offiziell weit mehr als die Hälfte rum ist. Und ich frage mich – wenn derzeit auch noch weitgehend unbewusst – geht diese Scheiße jetzt einfach immer so weiter, bis ich irgendwann (endlich) in die Kiste fallen darf? Läuft es tatsächlich darauf hinaus, dass ich ab jetzt – immer schön passiv, duldsam und friedlich – auf den Undertaker warten soll? NO – FUCK YOU – NO! Das werde ich nicht akzeptieren! Aber, was aus dieser Nichtakzeptanz folgen soll… das muss ich erst noch rausfinden. Für heute muss mir genügen, mich vor weiteren Anfechtungen zu schützen und wenigstens ein bisschen Erholung zu finden. Wie auch immer das im Moment gehen soll. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°59 – Aus dem Handgelenk…?

Man neigt einfach zu oft dazu, das Rad neu erfinden zu wollen. Es gibt ja dieses Sprichwort: “If you want the job done well, do it yourself!” Und als Mensch in einer Leitungsposition huldige ich diesem Credo immer noch, weil ich viel zu oft dem Irrtum aufsitze, Dinge viel besser zu können als andere. In manchen Belangen mag das ja von Fall zu Fall zutreffen, doch eben nur in manchen… und es macht einem das Leben schwer, weil der Workload dadurch halt NICHT kleiner wird… Im Grunde genommen zeigt es überdies einen Mangel an Vertrauen in die Skills der eigenen Kolleg*innen. Daher versuche ich unterdessen, mich in diesem Punkt zu bessern. Aktuell noch mit wechselndem Erfolg, aber es ist ja auch noch nicht aller Tage Abend. Insbesondere jetzt wäre es auch dumm, alles selbst machen zu wollen. Ich bin einmal mehr mit einer neuen Klasse auf Einführungswoche und habe auch – wie eigentlich immer – einen Teil des Unterrichtes übernommen. Doch ich stelle fest, dass es viel einfacher wird, wenn ein zweiter Kollege dabei ist, der Input gibt und ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie eine solche Veranstaltung abzulaufen hat. Man hat gar nicht die Chance, alles so zu machen “wie immer”. Mannomann… dass ausgerechnet ICH hier feststellen muss, dass ich beinahe diesen dämlichsten aller Sätze gesagt hätte “Das haben wir schon immer so gemacht!”. Na ja, ist ja nicht passiert. Aber einige Male war es schon so, dass ich ein Programm abgespult habe und nicht immer war ich dabei flexibel genug, auf die Bedürfnisse der Schüler*innen richtig einzugehen. Und ich war oft zu sehr auf mich gestellt… alle möglichen Fehler inclusive. Das ist nun besser. Und es entlastet mich so sehr, dass ich den Unterricht, der mir nächste Woche eben zugefallen ist jetzt tatsächlich wenigstens einigermaßen vorbereiten kann, ohne das komplette Wochenende opfern zu müssen! Yay…

Ich glaube, hier schon des öfteren erwähnt zu haben, dass auch jemand mit Berufs- und Lehrsaalerfahrung sich für manche Themen immer wieder an die Bücher setzen muss, um keinen Mist zu erzählen. Das geht mir nicht anders; auch wenn ich schon so einiges ohne viel Tralala performen kann. Aus dem Handgelenk schüttelt man Unterricht dennoch so gut wie nie. Zumindest nicht ab einem gewissen fachlichen Niveau. Was man als erfahrene Lehrkraft aus dem Handgelenk schüttelt, sind Unterrichtsverlaufspläne, die passenden Methoden, das Classroom-Management, die Souveränität und den gelassenen Umgang mit Fehlern und Störungen. Der fachliche Content jedoch – der muss immer wieder überprüft und überarbeitet werden. Zum einen, weil Wissen als solches überaltert, vor allem aber, weil mein Gedächtnis mich manchmal bei den Details im Stich lässt. Theoretisches Wissen, das man nicht so oft in der Realität nutzt, degeneriert nämlich automatisch. Ich merke das an meinen Französischkenntnissen. Ich habe diese Sprache mal auf Leistungskursniveau bis zur allgemeinen Hochschulreife erlernt, aber wenn ich heute Konversation machen soll, frage ich mich, wie ich damit mein Abi geschafft habe…? DAS ist zwar schon Jahrzehnte her, aber beim medizinischen Fachwissen merke ich, dass oft nur ein paar wenige träge Monate bereits genügen, um Lücken entstehen zu lassen, die erst gestopft sein müssen, bevor ich meinen Schüler*innen entgegentreten und glaubwürdig referieren kann. Ich fahre halt nicht mehr aktiv draußen, sondern habe in der Hauptsache andere Aufgaben.

Nun ist da aber auch noch ein anderer Aspekt, der eine Rolle spielt. Ich bin, wenn ich ehrlich zu mir sein möchte, ein eher introvertierter Mensch. Ich hatte noch nie Probleme, auch mal für mich zu sein und mir selbst zu genügen. Tatsächlich sind größere Menschengruppen für mich NICHT unbedingt mein bevorzugtes Habitat. Als Lehrer stehst du aber nun mal volles Programm in der Bütt. Da vorne, wo die Musik spielen sollte, DA bist du. Und oft strengt es mich deshalb unendlich an, manchmal bin ich furchtbar gestresst, regelrecht gelähmt und fahrig und habe das Gefühl eine entsetzliche Performance abzuliefern. Könnte natürlich auch an meiner perfektionistischen Ader liegen – aber vor allem liegt es daran, dass ich diese ganze Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht möchte. Da können jetzt natürlich die Schüler*innen nix für, die haben einfach ein Recht auf Unterricht. Also unterrichte ich, auch wenn es schwer fallen mag. Genau deswegen schüttele ich einen Unterricht aber nicht mal so eben aus dem Handgelenk – eben weil es meine sozialen Batterien sehr schnell und nachhaltig lehrt. Vor allem, wenn ich gleich mehrere Wochen am Stück muss. In so einer Berufsfachschule unterrichten wir nämlich so ca. von 08:30 – 15:30 und werden auch in unseren eigenen Pausen beansprucht, wenn wir dem nicht entgegentreten. Und die Vor- und Nachbereitung findet zusätzlich statt; davor, danach, oder am Wochenende. Deshalb bin ich dankbar, momentan nicht alles selbst machen zu müssen. Man hat ja auch gerne mal Freizeit.

Ich bin wirklich gespannt, wie sich diese neuen Schüler*innen, welche ich in den letzten Tagen schon etwas besser kennenlernen durfte unter der Führung und Anleitung durch meinen Kollegen entwickeln. Aber ich bin ganz ehrlich auch froh, wenn ich morgen Mittag wieder gen Heimat fahren kann. Zum einen bin ich mit den Vorbereitungen für nächste Woche noch nicht fertig und zum anderen brauche ich dann meine heimatliche Höhle; incl. der wenigen Menschen, denen ich immer gehöre. In diesem Sinne – freut euch schon mal ein bisschen auf’s Wochenende. Heute ist ja Kleiner Freitag…

Quo vadis, magister?

Ordnung in all das zu bringen, was mir derzeit durch den Kopf geht, ist nicht einfach. Da ist so viel, dass passiert, ohne dass ich daran beteiligt bin oder irgendeinen einen Einfluss darauf hätte; und dass einem gleichzeitig Sorge bereiten kann, dass es jeder Beschreibung spottet. Und dann ist da noch der ganze andere Schlonz, den ich tatsächlich aktiv im Auge behalten muss, weil es mich ansonsten Freunde, Nerven, Geld, meinen Job oder was auch immer kosten kann. Leben passiert, während wir eifrig Pläne schmieden und die Götter sich gleichzeitig über unsere Naivität kaputtlachen. So weit, so normal. Ich glaube, gestern darüber geschrieben zu haben, dass man sich mit manchen Dingen einfach abfinden sollte, wenn man (immer noch) danach heischt, glücklich(er) zu werden. Das könnte man jetzt als billigen Fatalismus abtun. Oder man beginnt, ernsthaft über die Frage nachzudenken, wie viel Kontrolle wir wirklich wirklich über unsere Existenz haben. Disclaimer: das Ergebnis könnte in weniger stressfesten Individuen eventuell Unbehagen auslösen. Und trotzdem machen wir Pläne. Meine Familie und ich wollen etwa über Pfingsten in Urlaub fahren. Ist alles schon gebucht und soweit vorbereitet. Aber sicher wissen, dass es auch klappt tue ich erst, wenn ich unter der Pergola sitze, ins Tal schaue und an meinem vino rosso nippe; oder was mir sonst so zur Entspannung in den Sinn kommt. Ich erinnere hier mal wieder an das, unterdessen gut abgehangene Stereotyp des rotweinsaufenden Paukers auf Italienfahrt… Mir sind all diese kleinen und großen Unwägbarkeiten des Lebens schmerzlich bewusst. Mein großer schwarzer Hund namens Depression erinnert mich halt immerzu daran. Doch, all dem Gejammer zum Trotze ist da im Kern ein Teil von mir, der Reframing beherrscht, der sich auf die guten Dinge besinnen und sie wenigstens zeitweise ins Rampenlicht meines Gehirnzirkus’ rücken kann. Was auch immer diese guten Dinge von Fall zu Fall sein mögen. Denn auch das variiert, je nach Tageslage, teils erheblich. Mein Leben ist also eine verdammt ambivalente Angelegenheit. Aber ich habe die vage Ahnung, dass ich DAMIT nicht allein bin…

Vor meinem geistigen Auge fahre ich gerade über eine baulich waghalsig serpentinierte, panoramisch Atemnotfördernde, von Sonnenlicht überflutete Passstraße, die Fenster unten, die Musik laut, der Tag noch nicht zu spät. Ziel? Unbekannt! Ist auch nicht wichtig; Hauptsache, nicht hier! Was ich dort will? Nun… vielleicht ist das Ziel unwichtig, weil der Weg so viel Spaß macht? Ob ich jemanden dabei habe? Vielleicht… vielleicht auch nicht. Das hängt vom Tag und vom Ort ab. Möglicherweise fahre ich nur einkaufen. Oder aber, ich suche gerade Ruhe, selbst vor den Menschen, die mir grundsätzlich am Herzen liegen, weil ich nun mal so bin. Manchmal brauche ich etwas Einsamkeit. Ich kann geradezu die Sonne auf der Haut spüren… und die Wärme des Windes. Und dieses wunderbar unbestimmte, unbeschwerte, unvernünftige, unverplante Gefühl von Freiheit. Stattdessen werde ich heute jedoch noch mal in die Dienststelle tingeln und meinen Dienstwagen fertig packen, denn ab morgen bin ich mal wieder auswärts unterwegs, um eine neue Klasse zusammen mit ihrem Klassenlehrer durch die Einführungswoche zu begleiten. Es geht dabei darum, einander kennenlernen, den Ablauf der Ausbildung zu verstehen, die Wichtigkeit sauberer Kommunikation zu begreifen (oder wenigstens damit zu beginnen), sich an verschiedene Modalitäten des Unterrichts an unserer Institution zu gewöhnen. Alles keine Nuklearphysik. Aber zeitaufwändig. Und ein Stück von Zuhause entfernt. Ich weiß gerade nicht, ob ich mich darauf freuen, mich darüber ärgern oder mich davor fürchten soll, dass ich in den nächsten Wochen noch ein paar Mal dienstlich im Ländle unterwegs sein werde. Weil ich gerade mal wieder mit der Frage ringe, was ich eigentlich will. Klingt komisch aber… der Gedanke, all das einfach sein zu lassen und stattdessen was völlig anderes zu machen lässt mich seit einer Weile nicht mehr los. Und auch, wenn ich im Grunde WEISS, dass das sehr schwer würde (weil wahrscheinlich Gehaltseinbusse, weil Jobsuche für über 50jährige schwierig, weil woanders ist es auch scheiße, weil neu starten anfangs noch mehr Stress mit sich bringt), dreht mein Kopf trotzdem Extrarunden. Was auch sonst, wenn man eigentlich Ruhe haben möchte…?

Ich will wirklich und ehrlich versuchen, mit dem was ich habe meinen Frieden zu machen. Aber ich bin immer noch, immer wieder, immerzu erschöpft unruhig. Mein Kopf will JETZT in drei verschiedene Richtungen davonlaufen, während mein Körper schreit “LASS DEN SCHEISS! WILLST DU, DASS ICH KAPUTTGEHE?” Was also tun? Wohin soll er gehen, der Herr Lehrer? Derzeit versuche ich meinen Geist mit meinem Lieblingshobby zu beruhigen. Stabil ein bis zwei Spielrunden pro Woche, abwechselnd spielen und spielleiten, das ist hier das Ziel. Denn meinen Job – sorry, wenn ich jetzt arrogant klinge – kriege ich zumeist hin, ohne dass das Hemd dabei nass wird. Und der ist mir im Moment – wenn man mal von meinem Commitment für mein Team und jene Schüler*innen absieht, die es ernst meinen und mit uns zusammen an ihrem Ziel eines Berufsabschlusses arbeiten wollen – auch nur insofern wichtig, als er die Brötchen verdient… Also bin ich wieder bei jenen kreativen Dingen gelandet, die mir schon seit jeher Freude bereiten. Momentan habe ich einen riesigen Spaß daran entdeckt, aus meinen Campaign-Journals für die ganze Runde eine Art Notizbuch zu machen. Digital erstellt – aber alt aussehend. Macht total Laune. Und für mich ist dieses Erstellen von Zusammenfassungen auch ein Teil des Spiels, weil man sich vieler Aspekte der eigenen Figur erst in einer solchen Reflexion bewusst wird. Das würde meine Azubis jetzt zwar schocken aber… das mit dem selbst erarbeiten und reflektieren, um besser – oder überhaupt – verstehen zu können, funktioniert wirklich! Krass, oder…? Für’s Erste hilft das. Aber irgendwann MUSS ich mich der Systemfrage stellen und eine Entscheidung darüber treffen: Quo vadis, magister? Should I stay, or should I go? (Hell yes, “The Clash” wussten schon 1982 Bescheid!) Euch Eumeln da draußen einen schönen Start in die neue Woche. Ich starte morgen früh erst mal den Diesel Richtung Südosten…

Auch als Podcast…

What about happiness (Part 6) meets New Work 26!

Heute Morgen, als ich trotz Wochenende ein bisschen arbeiten musste, fragte mich ein alter Weggefährte, wie es mir gerade ginge. Ich sagte sinngemäß, dass meine Depression seit ca. 9 Monaten wieder kicken würde (was der Wahrheit entspricht), dass ich daher derzeit einen Therapeuten aufsuche (was ebenfalls korrekt ist) und dass ich dächte, langsam über den Peak zu sein – worüber ich mir mir ehrlich gesagt noch nicht im Klaren bin. Ich glaube eigentlich nicht, dass das wahr ist. Aber mit Depression ist das so eine Sache: es gibt verschiedene Typen und verschiedene Darreichungsformen. Bei mir ist es vielleicht eine hochfunktionale Depression, für die es jedoch, auf Grund der noch nicht ausreichenden Befundlage in der Forschung keinen Diagnoseschlüssel gibt. Es geht mir aber auch gar nicht so sehr um ein Label für meinen Zustand. Wir Menschen suchen ja immerzu nach griffigen Schlagworten, um verschiedene Aspekte unseres Selbst, unseres Lebens, unserer Arbeit unserer Befindlichkeiten den Anderen einfacher beschreiben zu können. In der Hoffnung dass es a) irgendeine Sau interessiert und b) dann auch Verstehen oder gar Verständnis erzeugt. Klappt, wenn ich so auf meine persönliche Erfahrung zurückblicke mal so, mal so. Aber ganz ehrlich, mir sind – bis auf wenige Ausnahmen – diese Anderen vollkommen schnuppe. ICH will verstehen, was mit MIR los ist. Und fertig. Denn wenn ich bis hierher eines festgestellt habe, dann dass ich mir sehr wohl auch mal selbst genug sein kann. Ist auch so eine Sache: ich bin eigentlich oft lieber allein. Der soziale Umgang mit größeren Gruppen erschöpft mich recht schnell. Eigentlich keine gute Voraussetzung für jemanden, der eine Bildungseinrichtung im Gesundheitswesen leitet und dabei regelmäßig selbst im Lehrsaal steht. Dennoch kann ich performen. Kann den Austausch gestalten, sobald ich in der Bütt stehe und empfinde manchmal sogar Freude daran, jungen Menschen als Reflexionsfläche für ihr Wachstum dienen zu können. Nur um danach JEDES MAL in ein Loch zu fallen. Irgendso ein Psychoheini hat dafür auch ein neues Label gefunden, aber ich weigere mich, mir das Etikett “otrovertiert” aufkleben zu lassen, weil mache Aspekte einfach nicht stimmen… Wie gesagt, Label sind mir egal.

Um auf den alten Weggefährten zurückzukommen: solche, durchaus ehrlich gemeinten Nachfragen werfen mich jedes Mal in Denkschleifen, von denen ich mir nicht sicher bin, dass die irgendwohin führen (können). Ich meine, ja verdammt, ich bin ein großer Freund ehrlicher Selbstreflexion. Ich weiß aber auch, dass man bei übertriebener Intensität direkt die Vorhölle der Selbstzerfleischung geraten kann. Und da will ich nicht hin. Dafür habe ich noch viel zu viel auf meiner Liste von Dingen, die ich gerne noch sehen, hören tun, erleben, schmecken möchte. Trotzdem bemerke ich immer noch die Freudlosigkeit, einen Mangel an Selbstwertgefühl (obwohl ich WEISS, was ich kann und wer ich bin) und gelegentliche Episoden, in denen ich aller Dinge überdrüssig bin. Es ist ehrlich gesagt anstrengend, jeden Morgen aufzustehen, die Maske des Machers aufzusetzen, für andere stark zu sein und neue Wege zu finden, wo andere nur Sackgassen und Risiko sehen – wenn ich mich doch innendrin so entsetzlich leer fühle. Hey… ich schreibe diese Zeilen an einem Samstagvormittag, während aus dem Bluetoothspeaker auf meinem Schreibtisch Musik ertönt, die ich mag, draußen die Sonne scheint und sich am Rande meines Bewusstseins eine Aura von Gemüsereis und gebratener Lammhüfte positioniert. Objektiv geht es mir gut! Ich habe im Gegensatz zu sehr vielen Anderen keine existentiellen Sorgen (außer ein paar idiotischen Autokraten als Mächtigen dieser Welt – und ja Fritze: du führst dich auch auf wie ein idiotischer Autokrat!). Ich habe ein paar sehr tolle Menschen in meinem direkten Lebensumfeld. Und auch, wenn mein Job mich in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht an den Rand und manchmal auch darüber hinaus getrieben hat, bin ich immer noch nicht bereit, die Flinte ins Korn zu werfen. Vielleicht ist das der Fehler? Vielleicht ist das der Grund, warum es mir schlecht geht? Dennoch gibt es Entwicklungen, die mich diesbezüglich Hoffnung schöpfen lassen. Aber… was hat das alles nun mit Happiness zu tun?

Ich glaube mittlerweile für mich herausgefunden zu haben, dass Happiness, dass Glück oder Erfüllung, oder weiß der Geier, wie man es nennen will, daraus entsteht, dass man lernt, Dinge zu akzeptieren, an denen man eh nichts ändern kann. Damit meine ich explizit nicht Nazis. Die MUSS man zu ändern versuchen, oder sie bekämpfen, vertreiben oder ihnen auf’s Maul geben, bis sie aufgeben. Diese Energie MUSS investiert werden, egal, wie depressiv ich werde. Aber… ganz ehrlich, bei der Arbeit… Scheißegal, wie oft irgendjemand Loyalität, Gute Wege und was-weiß-ich-nicht-noch-alles beschwört – für deinen AG ist Loyalität allzuoft eine Einbahnstraße – die bei DIR startet. Dein AG nimmt dich nicht in den Arm und tröstet dich, wenn es dir gerade dreckig geht. Dein AG will nicht wirklich wissen, dass du gerade nicht zu 100% funktionieren kannst, weil du krank bist, sondern ab wann du wieder 110% Leistung für 90% Gehalt geben kannst. Dein AG ist NIEMALS dein Freund, sondern IMMER nur eine Instanz, bei der du Lebenszeit gegen Geld eintauschen MUSST. Dein AG mag vordergründig ein freundliches Gesicht und warme Worte für dich haben, aber am Ende geht es immer nur um Zahlen, Zahlen, Zahlen. Am Ende des Tages bist du nur eine Nummer: austauschbar, stetiger Kosten-Nutzen-Betrachtung unterworfen und nur gut behandelt, solange du lieferst. Wenn du das verstanden hast, wirst du langsam freier. Weil du dir genau überlegst, wofür du deine Energie einsetzt, welche Kämpfe du kämpfst und ab wann es Zeit ist, Segel zu setzen, um neue Küsten zu erforschen. Ich habe es hier schon ein paar Mal gesagt: wenn ich könnte, wie ich wollte, keine Verpflichtungen hätte, würde ich was vollkommen anderes machen – weil es mir verdammt noch mal viel besser täte als mein jetziger Job. Aber ich HABE Verpflichtungen, die ich ernst nehme. Und ich empfinde echte Loyalität für mein Team und die mir anvertrauten Schüler*innen. Also habe ich angefangen, Grenzen zu setzen. Momentan weiß man noch nicht so genau, was man davon halten soll. Aber ich bin noch nicht fertig mit dem Grenzen setzen. Nochmal ganz ehrlich: selbst wenn ich mich damit der Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt aussetze: ein paar dieser lächerlichen Figuren, die mir seit Jahren auf die Eier gehen bekommen dieses Jahr ganz sicher noch ihr Fett weg. Vielleicht bin ich danach wieder fähig, mehr Freude zu empfinden. Gute, altmodische RACHE hat schon so ihre Reize. Ich wünsche ein sonniges Wochenende… und ein viel sonnigeres Gemüt, als ich eines habe…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°58 – Ich bin erstaunt!

Ich hatte in der abgelaufenen Woche zugleich die Bürde und das Privileg, einer Klasse, die gerade ins zweite Lehrjahr kommt einen ersten, dennoch tiefgreifenden Einblick in eine nicht ganz leichte Kost geben zu dürfen: psychosoziale und psychiatrische Notfälle im Rettungsdienst. Mit Blick auf meine eigene diesbezügliche Krankheitsgeschichte war mir dabei allerdings ein Mü unwohl; was ich übrigens auch gegenüber meinem Therapeuten erwähnte. Er meinte jedoch, dass jemand, der selbst betroffen sei, aus einer Perspektive maximaler Glaubwürdigkeit agieren könne. Ich kann, auch wenn ich heutzutage sehr oft andere Aufgaben übernehme, sehr wohl unterrichten. Doch es gab ein paar Aspekte, die mir Kopfzerbrechen bereiteten. Zum einen musste ich, weil mal wieder mit viel zu wenig Zeitressourcen ausgestattet, auf die Materialien eines Kollegen zurückgreifen. Die habe ich zwar für meine individuellen Dozentenbedürfnisse umgestrickt, dennoch steckte auch darin noch viel Arbeit, denn man muss, sofern man anderer Leute Content nutzt, den Stoff trotzdem selbst noch einmal so tief durchdringen, dass man zumindest die meisten Fragen – ja auch die ungewöhnlichen – ohne große Umschweife beantworten kann. Okay… challenge accepted. Ein zweiter Punkt war ein recht umfangreicher Vortrag zum Thema Depressionen… und einer zum Suizid. Mir wurde einmal mehr bewusst, dass Menschen, die in diesem Job arbeiten, selbst deutlich gefährdeter sind, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, als die ganzen Menschen mit Jobs, in denen man nicht mit Not, Elend, Tod und noch vielen anderen negativen Erlebnissen konfrontiert wird. Ich musste da also durch, ohne mich selbst oder meine Schüler*innen zu triggern. Und schließlich musste ich die Erwartung der jungen Leute dämpfen, hinterher wirklich in allen Situationen sofort eine Lösung parat zu haben. Daher war ich heute sehr positiv überrascht, als mir ein paar von ihnen im Plenum offenbarten, verstanden zu haben, dass ein Hauptzweck der Übung vor allem in der Sensibilisierung für eine Materie bestand, deren Betroffene uns NotSans im Umgang sehr viel Geduld abverlangen, deren soziales Stigma inclusive aller möglichen Vorurteile nach wie vor enorm präsent ist. Und denen helfen zu können oft genug durch ein hierin lausig schlecht aufgestelltes Gesundheitswesen, zumeist mangelnde medizinische Selbstkompetenz und das Störfeuer Dritter verhindert wird.

Ich durfte feststellen, dass die Selbstreflexion, die ich stets während meines Unterrichtes einfordere hier stattgefunden hat. Vielleicht, weil ich an einigen Stellen zumindest versucht habe, auch auf mögliche eigene Betroffenheit einzugehen. Vielleicht, weil der eine oder die andere auch über eigene Erfahrungen verfügt. Vielleicht, weil es erst die erste Woche des Schulblocks war. Da ist man meist noch reativ frisch im Kopf. Ganz gleich, welchem Aspekt ich das zuschreiben möchte – aus meiner Sicht war die Woche damit ein voller Erfolg. Wir haben viel Wegstrecke gemacht und keine Motivation vernichtet. Wären meine Arbeitswochen immer so, wäre ich vermutlich letzthin nicht in ein so tiefes Loch gefallen. Doch da ich meine zeitlichen, emotionalen und kognitiven Ressourcen stets zwischen verschiedenen Baustellen aufteilen muss, anstatt mich auf eine bewusst konzentrieren zu können, bleibt mir diese Genugtuung allzu oft verschlossen. Daher feiere ich das jetzt gerade ein wenig. Ulkig ist im Zusammenhang mit dieser Woche im Lehrsaal übrigens der Umstand, dass eine der Schülerinnen mich irgendwann fragte, was das immer für komische Bilder wären, mit denen ich meine Präsentationen oft einleite? (Ja, damit bin ich ertappt: ich benutze Powerpoint(c). Ich versuche allerdings, meine Präsentationen nicht als diese, so weit verbreiteten Textwüsten zu gestalten, welche der Frankfurter Allgemeinen alle Ehre machen würden…) Ich sagte ihr sinngemäß, dass ich wohl relativ häufig ein paar Schritte zu weit dächte und meine Metaphern daher vielleicht nicht für jeden Betrachter funktionieren würden. Das ist der eine Teil der Wahrheit. Der andere: Präsentationen, die nur mit unserer Coporate Identity daher kommen, sehen für mich einfach stinklangweilig aus. Ich möchte ja beim Präsentieren auch Spaß haben. Dennoch möchte ich mir hier kurz die Mühe machen, zu erklären, was ich bei der Auswahl einiger Fotos gedacht und gefühlt habe:

Und damit sei euch ein schönes Wochenende gewünscht!

Auch als Podcast…

Writing Fiction #01 – …where to begin?

Gleich vorneweg: einen Roman schreiben, einen Essay schreiben, einen Blogpost schreiben und ein TTRPG-Abenteuer schreiben, sind vier vollkommen unterschiedliche Dinge. Das eine sucht nach Antworten auf eine spezifische Frage, oder versucht, dem Leser dabei behilflich zu sein, für sich selbst die richtige Frage (oder Antwort) zu finden. Und bedient sich dafür einer logischen Struktur, die (hoffentlich) für Dritte nachvollziehbar ist. Unterhaltsamkeit mag hier ein Bestandteil sein – muss aber nicht unbedingt; das ist der Essay (“essayer” aus dem Französischen für “versuchen” mag einen Hinweis auf den Zweck solcher Texte geben.). Der Blogpost hingegen ist ein freies Medium: er kann ein Essay sein, ein Rant, ein Listicle, eine Selbstreflexion… oder wasauchimmer. Meine Schreibe hier zeigt das, wie ich glaube, recht anschaulich. Alles von den vorgenannten kam hier schon mal vor. Ich kennzeichne das auch nicht. Leser sollen das ruhig selbst herausfinden. Ein TTRPG-Abenteuer ist, so wie die meisten Blogposts eine eher kurze Textform. Zumindest, so wie ich das betreibe. Ich beschreibe in aller Regel “nur” wichtige Non-Player-Characters (NPCs), wichtige Locations, wichtige Gegenstände. Im heutigen Mainstream wird NPC gerne als negativ konnotierte Bezeichnung für Nebendarsteller im Leben des Protagonisten genutzt – der Protagonist ist man natürlich immer selbst! In meiner Wahrnehmung sind NPCs jedoch eigenständige Persönlichkeiten mit Zielen, Motivationen, No-Gos, Gefühlen… halt wie richtige Personen. Ähnliches gilt auch für die anderen u.U. wichtigen Bestandteile des Abenteuers. Denn im Pen’n’Paper entsteht die Geschichte durch die – oftmals unvorhersehbare – Art und Weise, in der die Spielercharaktere mit dieser Welt und den eben genannten Elementen darin interagieren. Ich kann ein und das gleiche Abenteuer mit drei verschiedenen Gruppen spielen und es wird drei Mal unterschiedlich ablaufen und ausgehen. Was aber bedeutet, dass ich mir über die Story vorher weniger Gedanken machen muss. Ich habe vielleicht eine vage Idee, wohin der Zug fahren KÖNNTE. Die muss aber nicht eintreffen. Der Roman hingegen ist hinsichtlich der Frage nach einer erzählten Geschichte ein GANZ ANDERES BIEST. Denn ich muss – durch die Augen eines Erzählers all das, was für den Verlauf wichtig ist greifbar machen. Und das am Besten auf eine Weise, die für die Leser*innen – kognitiv, vor allem aber auch emotional – nachvollziehbar bleibt…

…is paar Jahre her. Wir haben alle Fehler gemacht, die im Buch standen und noch ein paar mehr! Trotzdem war – und ist es immer noch – eine ziemlich geile Erfahrung!

Um diesen Prozess des Roman-Schreibens soll es hier in der Hauptsache gehen. Nun gibt es da draußen schon eine Menge YouTube-Kanäle, Blogs, etc., die ihr Geld damit verdienen, Menschen erklären zu wollen, wie man einen möglichst erfolgreichen Roman schreibt – oder auch mehrere. Content-Creator, die realistisch betrachtet versuchen, ambitionierten Hobby-Autoren eine (ihre) “Hit-Formel” aufzuoktroyieren; die jedoch zumeist lediglich eines schafft – Einheitsbrei! Denn, wann immer ein “junger” Autor (das Adjektiv bezieht sich hier bewusst auf die Dauer der Autoren-Karriere, nicht das Lebensalter der Person dahinter) anfängt, von einer ersten Veröffentlichung zu träumen, wird er/sie auch recherchieren, was andere vor ihm/ihr getan haben, um dieses hehre Ziel zu erreichen – vom Schreiben leben zu können! Ich träume davon auch – gelegentlich und nur sehr verhalten. Weil ich weiß, dass selbst die größten und bekanntesten Romanciers oft von Glück und Zeitgeist abhängig waren. Erst, wenn der eigene Name eine Marke geworden ist, verkaufen sich die Bücher dauerhaft gut. Und an diesen Punkt kommt so gut wie keiner von denen, die es versuchen! SO GUT WIE KEINER! Egal, wie viele Ratgeber-Videos sie sich anschauen mögen. Denn der Content wird heutzutage von den Lektoren nach Verkaufbarkeit durch Massengeschmack kuratiert. Deshalb wird das hier auch keine Ratgeberreihe. Sondern ein nachdenklicher Blick auf Prozesse. Auf Kreativität und Textarbeit. Auf Vorbereitung und Improvisation. Auf Mut und Angst. Auf Flow und Blockade. Auf Inspiration und Resilienz. Denn auch, wenn viele sich zum Schreiben berufen fühlen mögen, reflektieren die Wenigsten wirklich das WARUM. Aber das WARUM steht am Anfang jedes Textes! Ich setzte mich heute Vormittag an diese Tastatur und begann diesen Text zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich gebe einen Einblick in meine Erfahrungen, Ideen, Quellen. Jedoch nicht mit dem Anspruch, das irgendjemand das wichtig oder nachahmenswert finden muss. Mir genügt das Wissen, dass irgendjemand es nützlich finden KÖNNTE. Denn ich WEISS mit Gewissheit um den Wert meiner Worte. Aber oft – und dieses Geständnis bereue ich nicht – weiß ich bei den ersten Tastenhüben noch nicht, wohin mich der Text tragen wird. Denn ich denke ebenso gerne mit der Tastatur, wie mit dem Stift. Ich ergründe meine eigenen Emotionen und Kognitionen, während die Worte schon auf den Bildschirm oder die Notizbuchseite fließen. Was sich gut anfühlt – weil das WARUM klar ist.

Wenn ich also einen Roman zu schreiben beginne, dann gibt es einen Grund, warum DIESE Geschichte erzählt werden will. Das ist MEIN WARUM. Ob dieses Warum irgendjemanden berührt, oder nicht, ist zunächst völlig einerlei. Natürlich bin ich nicht frei von dem Wunsch, dass auch Andere meine Texte gut finden mögen; so viel Eitelkeit muss dann schon sein. Aber sehr oft genügt mir die Befriedigung, mir etwas von der Seele, von der Brust, aus dem Kopf geschrieben zu haben, einfach, weil es an der Zeit dazu war. Und das Gute daran ist, dass ich mir damit reichlich Übung verschaffe, denn beim Schreiben ist es so – man wird nur besser darin, wenn man es dauernd tut. Ich schaffe pro Jahr einige Hundert Seiten Text in unterschiedlichsten Genres – gewiss nicht so viel, wie professionelle Autoren, die damit tatsächlich ihr Geld verdienen. Aber ich schaffe diese paar Hundert Seiten (manchmal auch mehr) seit JAHRZEHNTEN. Will heißen – ich habe meine 10.000h bis zur Skill-Perfection zumindest theoretisch schon lange zusammen. Doch beim Schreiben gilt man – wie bei so vielen anderen Dingen auch – fälschlicherweise nur dann als Meister, wenn man einen gewissen Grad an Bekanntheit erlangt hat; oder damit Kohle verdient. Das ist mir aber wirklich und ehrlich einerlei. Ich möchte Menschen durch meine Texte kognitiv und emotional berühren; und es ist mir ziemlich Wumpe, ob es viele oder wenige sind, die ich so erreiche. Solange ich irgendjemandem etwas Gutes mitgeben konnte, habe ich mehr geschaffen, als viele Andere in ihrem ganzen verdammten Leben! Und ich WEISS, dass meine Schreibe schon den einen oder anderen Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, vielleicht auch zum Weinen gebracht hat. [EXKURS: Ich weiß übrigens auch, dass es Menschen gibt, die meine – auch verbal verfügbare – Wortgewalt fürchten, weil sie sich in ihrer Autorität bedroht fühlen. Denen kann ich nur sagen: hört mir einfach zu, denkt WIRKLICH über meine Worte nach und versteht, dass ich niemandem was Böses will. Ich will einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen! EXKURS ENDE] Ob die Feder wirklich mächtiger ist als das Schwert, wird wohl die Geschichte entscheiden müssen. Aber wenn es nach mir ginge, so brächte meine Feder vielleicht den einen oder anderen dazu, das Schwert niederzulegen und etwas vernünftigeres mit seiner Zeit anzufangen. Mich würde es jedenfalls freuen. Vielleicht würde so jemand anfangen, nach seinem WARUM zu suchen…? Wir hören uns.

Auch als Podcast…

In the long run…

Als ich 14 oder 15 war und Wünsche hatte, die über mein damaliges Taschengeldniveau deutlich hinausgingen, verschaffte mir mein Vater die Möglichkeit, ohne große Umstände selbst Geld zu verdienen. Ich ging dann in vielen Ferienzeiten malochen, während Andere andere Dinge taten. Es ist nicht so, dass ich keine Freizeit gehabt oder mein Leben nicht genossen hätte. Ich habe nur einfach einen Teil meiner Freizeit dafür geopfert, mir etwas leisten zu können. Nix besonderes, einfach nur mein kleines Stück Freiheit. Und mit der Zeit wurde daraus eine Gewohnheit. Was dazu führte, dass ich mir manchmal Dinge leisten konnte, ohne irgendwen danach fragen zu müssen, aber oft arbeiten musste, wenn ich anderes hätte tun können. Nachdem ich dann 1993 mein Abitur gemacht hatte, ging ich erst mal wieder ein halbes Jahr jobben, weil ich meine Studien-Pläne nicht so stringent vorangetrieben hatte, wie geplant; vielleicht wusste ich im Herzen auch schon, dass ich mit Menschen besser kann, als mit Maschinen. Obschon Menschen mich gleichsam immerzu anstrengen. Also landete ich im Zivildienst; im Rettungsdienst, um genau zu sein. Eine Entscheidung, die mein Leben erheblich beeinflusst hat, denn noch heute bin ich diesem Berufsfeld treu. Wenn auch in anderer Funktion als früher. Ich arbeitete 8-, 12- und 24-Stundendienste, war nie faul, hab mich weiterentwickelt und immer wieder was dazu gelernt. Im Lauf der Jahre kamen so einige Zusatzqualifikationen dazu. Doch immer noch fühlte ich mich nicht angekommen. Ich sah, dass andere Leute vorankamen, weil sie Chefs in den Arsch krochen. Eine Fähigkeit, die ich (gottseidank oder leider) nie entwickelt habe.

Also studierte ich nebenher – allerdings ohne Unterstützung oder gar Freistellung durch meinen damaligen Arbeitgeber – Bildungswissenschaft. Der alte AG hat mir damals sogar Steine in den Weg gelegt, garniert mit den unsterblichen Worten, “dass hier keine Extrawürste gebraten würden”. Ich habe einige wenige Male in den Jahren nach einer Dienstplanänderung gefragt… Wenn also jemand wissen möchte, ob ich den Laden als Arbeitgeber empfehlen könnte? Nein! Zumindest da, wo ich war, war’s früher ein kleinkarierter Saftladen, der sich NULL um das Wohlergehen oder die Entwicklung seiner Mitarbeiter*innen gekümmert hat. Dort Menschlichkeit zu bekommen, war damals ein Abenteuer, um die Catchphrase mal umzudeuten. Ich hoffe für die Kollegen, dass es heute besser geworden ist. Schwamm drüber. Ich bin dann da weg. Als mich mein damaliger Chef nach dem “Warum” fragte, habe ich nicht wirklich geantwortet. Ich wollte einfach nur meine Ruhe. Bei meiner Antwort auf die Frage, was denn noch auf meinem Zähler stünde (12 Tage Urlaub und ca. 170h Mehrstunden, was damals eher die Regel denn die Ausnahme war) wurde er ‘n bisschen blass. War im Jahr des Wechsels ein schönes 14. Monatsgehalt. Ich schloss meinen Bachelor ab, meine Aufgaben änderten sich und ich arbeitet weiter zu viel. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, jemals weniger als 120% geliefert zu haben. Oft mit, manchmal aber auch ohne gleichwertige Vergütung. Also habe ich, während ich schon in eine neue Aufgabe mit Leitungsposition und mehr als genug Arbeit gerutscht war, noch eben ein Masterstudium in Erwachsenenbildung absolviert. Nicht in Regelstudienzeit, aber trotzdem recht erfolgreich. Die Gehaltsstufe stimmte danach dann für mein Empfinden.

Doch niemand schien in den letzten Jahren so recht ernst nehmen zu wollen, wer ich bin, was mir wichtig ist, was ich kann (und was nicht) und an welchen Zielen ich arbeite. Ich meine, objektiv könnte ich fünfe gerade sein lassen. Ich bin damals zu einem recht guten Rettungsassistenten und später Notfallsanitäter geworden. Ich war ein verdammt guter Disponent für integrierte Leitstellen. Und ich bin – ohne arrogant klingen zu wollen – ein verdammt noch mal exzellenter Pädagoge. Doch das alles steht weit hinter meinen wichtigsten Lebensleistungen zurück: seit über drei Jahrzehnten glücklich mit der besten Ehefrau von allen zusammen und überdies mit zwei Töchtern gesegnet zu sein, die mich (obwohl unterdessen 13 und 17 Jahre alt) für einen gar nicht mal so üblen Vater halten. DAS müssen die dämlichen Möchtegern-Alphamales da draußen erst mal hinkriegen! Trotzdem merke ich den Zahn der Zeit; und das dauernde, nagende Gefühl, noch irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Zeigen zu müssen, dass ich mindestens genauso gut oder vielleicht auch besser bin, als andere. Was objektiv vollkommener Quatsch ist. Ich habe überdies diese verfickte protestantische Arbeitsethik in meinen Adern, die mich erst mal liefern lässt, bevor ich etwas fordere. Die mich in aller Ruhe hinter den Kulissen tun lässt, was wichtig und richtig ist, ohne darüber viel zu reden. Ich war auch nie ein Dampfplauderer, der seine Erfolge so lange schönreden kann, bis alle es glauben und ihn befördern. Peter-Prinzip bei der Arbeit. Ist halt nicht mein Stil. Was bleibt also? Dass ich hier sitze und erkennen muss, mich nutzlos immer wieder darüber geärgert zu haben, dass man mir nicht zuhören wollte, obwohl meine Argumente gut waren (und immer noch sind). Dass andere sich meine Erfolge ans Revers geheftet haben. Das man dann – kurz vor letztem Weihnachten – geglaubt hat, mich zu irgendwas nötigen zu können.

Zum ersten Mal habe ich in dem Moment meine Zähne wirklich gezeigt. Und jetzt ist etwas zerbrochen. Etwas, dass vermutlich nicht mehr geflickt werden kann. Das ich im Grunde meines Herzens aber auch gar nicht mehr flicken will. Ich habe Grenzen aufgezeigt und, um mich selbst zu schützen, Dinge von mir gewiesen und mich frei gemacht von Aufgaben, von denen ich noch vor kurzem dachte, sie seien unverzichtbar. Doch Einfluss interessiert mich jetzt nicht mehr. Die Belange meines aktuellen AG interessieren mich nicht mehr wirklich. Meine persönliche Entwicklung interessiert mich. Und die ist zum allerersten Mal in meinem beruflichen Leben nicht mehr an 120%, an MÜSSEN um jeden Preise, an liefern und dann fordern geknüpft. Sondern an das, was MIR gut tut! Ich habe 37 Jahre lang ununterbrochen Gas gegeben – und jetzt habe ich keinen Bock mehr darauf. Ich hatte gestern geschrieben, dass ich nicht so recht aus meiner Situation könnte, ohne irgendwas zu zerbrechen, das mir wichtig wäre. Stellt sich – nach einem längeren, in Gedanken versunkenen Spaziergang am Fluss heute Morgen – raus, dass ich mittlerweile doch bereit bin. Dinge zu zerbrechen. Und es wird gewiss nicht meine Familie sein. Die Zukunft bleibt offen. ‘cos, in the long run, you always got to make new decisions upon directions. Schönen Samstag.

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 5)

Einsamkeit…? Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder darüber nachgedacht, warum es mich manchmal geradezu magisch an Orte zieht, an denen sich tendenziell eher weniger Menschen aufhalten. Natürlich ist das einerseits der Tatsache geschuldet, dass ich mich als extravertierten Introvertierten erlebe; was in der Folge bedeutet, dass ich meine sozialen Batterien nur unter ganz bestimmten Bedingungen aufladen kann und ein Zuviel an sozialer Interaktion – vor allem, wenn ich mir Art und Umfang derselben nicht freiwillig aussuchen kann – mich furchtbar erschöpft. Andererseits merke ich jedoch auch dieses Verlangen nach bestimmten Stimuli, welche mir die heimatliche Hütte nicht bieten kann. Licht, Luft, immer wieder unterschiedliche Perspektiven. Wird das auch noch mit Solitude gepaart, bin ich recht schnell ein bisschen glücklicher. Draußen zeigten sich, passend zum Datum erste zarte Anzeichen von Frühling. Das bot mir eine ganze Menge der erwünschten Stimuli… allerdings nicht nur mir. Die Promenade entlang des Rheins war heute Morgen voll mit Gutwetter-Spaziergängern und ganzen Rudeln von Kampfjoggern. Zumindest bis zu einem bestimmten Punkt, ab dem es dann wieder einsamer wurde. Ich glaube, sagen zu können, dass mich die allermeisten Menschen, die ich nicht in meine Umgebung eingeladen habe, oft nur durch ihre Anwesenheit nerven. Das ist allerdings getriggert von bestimmten Erwartungen. Gestern Abend zum Beispiel war ich mit der besten Ehefrau von allen auswärts essen. Und das kuschelige kleine Restaurant war rappelvoll. Trotzdem hat mich das nicht im Mindesten gestört, weil ich mich ganz auf die Konversation mit meiner Liebsten und das köstliche Essen konzentrieren konnte – die Erwartung an die Situation war eine völlig andere und ich hatte zudem vorher zu Hause meine Ruhe gehabt. Heute Morgen jedoch hat mich die ebenfalls rappelvolle Promenade überrascht. Und damit meine, derzeit nicht sonderlich ausgeprägte Contenance auf die Probe gestellt.

Das Problem ist Folgendes: andere Menschen sind immer ein Spiegel für uns selbst. Unser Denken, unser Handeln, was wir kommunikativ und emotional alles nach außen abstrahlen, nicht selten sogar für Dinge, die uns selbst noch nicht bewusst geworden sind. Manchmal möchte man jedoch einfach nur sein… schlicht existieren, ohne alles sofort reflektieren zu müssen. Insbesondere, wenn man sich selbst im Alltag sonst zumeist als hoch reflektiert wahrnimmt. Oder besser gesagt… viel zu oft alles viel zu sehr zerdenkend. Über-analysierend. Immer einen Schritt weiter sein wollend, als alle anderen (weil man nicht selten tatsächlich einen Schritt weiter ist). Das macht einen entsetzlich müde, weil auch nach der 100. (gedanklichen) Teilung immer noch etwas da ist, dass nicht atomisiert wurde; nicht atomisiert werden KANN! Man versucht es trotzdem immer weiter. Wenn ich nun also sage, dass andere Menschen mich triggern, dann ist damit nicht irgendeine eventuell nervtötende Eigennart am Gegenüber gemeint, sondern vielmehr meine eigenen – teils subliminalen – Wahrnehmungen, die nicht nur Emotionen auslösen, wenn ich nichts fühlen möchte, sondern auch zum Nachdenken anregen, wenn ICH GAR NICHT NACHDENKEN WILL! Müßiggang ist mir ein Wert an sich, weil ich diese Zeiten des Nichtstuns brauche. Wobei Nichtstun im Grunde nicht die korrekte Bezeichnung ist, wenn man bedenkt, dass ich während so einer Phase oft mehrere Kilometer zu Fuß zurücklege. Es geht, wie so oft, um die Zweckfreiheit. Ich gehe diese Strecken NICHT, um etwas zu TUN (also etwa für meinen Körper oder so), sondern es geht darum, währenddessen NICHTS zielgerichtetes tun zu MÜSSEN. Mit niemandem kommunizieren und sich für nichts rechtfertigen müssen. Nichts bedenken zu müssen (außer dem, was mir gerade so durch den Geist treibt). Sich einfach der ewigen Effizienzjagd zu entziehen und einfach nur zu existieren. Vielleicht, weil ich mich in den letzten Monaten oft zu sehr auf meine offensichtlichen Funktionen (vor allem im Job) reduziert gefühlt habe. Weil ich immer seltener das Gefühl hatte, ich selbst sein zu dürfen, sondern immerzu nur noch irgendjemand anderes’ Zielen und Verwertungslogik dienen zu müssen…

Es ist mitnichten so, dass ich immerzu alleine sein möchte. Aber ich suche mir, sofern ich dazu Gelegenheit bekomme, gerne selbst aus, wann ich mit wem wie viel Zeit verbringe. Ich würde das unter Selbstschutz verbuchen; und an solchem habe ich derzeit immer noch erheblichen Bedarf. Die beste Ehefrau von allen fragte mich übrigens heute Morgen, ob sie mitkommen solle/dürfe. Und ich habe – aus den eben dargelegten Gründen – freundlich abgelehnt. Ich liebe sie auch nach über 30 Jahren immer noch sehr, aber heute morgen war ich auf der Suche nach Solitude. Denn bei Einsamkeit muss man immer die Frage stellen, ob diese als belastend oder als befreiend empfunden wird. MEINE Phasen der Einsamkeit sind zumeist selbst gewählt und belasten mich nicht – sie verschaffen mir im Gegenteil viel mehr Entlastung von den dauernden Anforderungen Anderer an mich. Und in letzter Zeit war mein Bedarf an Ruhe, genauso wie im Übrigen mein Schlafbedürfnis deutlich erhöht. Für mich ein deutliches Zeichen, dass ich gut daran tue, mir diese Freiräume so oft und so nachhaltig wie möglich zu verschaffen. Das vermag vielleicht nicht unbedingt Happiness zu verschaffen; aber doch zumindest ein Gefühl von Frieden, dass dem nahekommt. Ich habe mir daher ein Experiment verschafft. Normalerweise schlafe ich in den letzten Monaten in der Nacht von Sonntag auf Montag immer schlecht… vermutlich, weil normalerweise am Montag die Arbeitswoche beginnt. Dieses Mal habe ich einen Trick angewandt und mir – aus verschiedenen Anlässen – den Montag freigeschaufelt. Mal schauen, ob sich mein mieser Schlaf auf die Nacht von Montag auf Dienstag verschiebt…? Euch anderen einen guten Start in die neue Woche. Robotet morgen schön für mich mit…

Auch als Podcast…

500 Gramm gemischter Hass – weil’s raus muss!

Sollte ich mich endlich mal wieder mit dem Zustand unserer bunt-republikanischen Nation befassen? Soll ich wirklich irgendwas zu unserem Kanzloiden und seinem mittlerweile unerträglich gewordenen Bashing der Erwerbsbevölkerung sagen? Muss ich wirklich noch irgendwem erklären, dass dieser ganze Zirkus nur dem einen Zweck dient, seine alten Buddies aus der Wirtschaft noch ein bisschen reicher und die Welt für einfache Bürger noch ein bisschen schwerer zu machen? Muss man noch darüber diskutieren, wie ABSURD EKELHAFT die verzweifelten Versuche wirken, den echten Nazis von der AfD wieder Wähler abspenstig machen zu wollen, indem man ihre braune Scheiße schlecht kopiert? Wie lange müssen wir noch auf ein Verbotsverfahren gegen dieses wiederliche Faschopack warten? Kann man als Wähler wirklich so dumm und vergesslich sein, wieder und wieder und wieder die CDSU zu wählen, obwohl jeder nicht vollkommen Doktrin-verblendete Trottel sehen kann, dass es seinen ureigensten Interessen zuwieder läuft, wenn nur und ausschließlich Politik für Reiche gemacht wird? Von Tussen und Typen, die im Median nichts besseres hinbekommen, als ihr (sehr fettes) eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen? Wie lange dauert es, bis auch der Letzte versteht, dass man ein Nazi IST, wenn man einer Partei seine Stimme gibt, die verfassungsfeindlich rechts, offen rassistisch und neoliberal bis zum Erbrechen ist und dabei betrügerisch und auch ansonsten vollkommen inhuman agiert? Warum seid ihr alle so scheiße kaputt im Kopf? Weil Mutti Merkel euch 16 Jahre ins Hirn gehämmert hat, dass sich niemals was ändern wird? Und vor allem ihr euch nicht ändern müsst, aber jetzt – ganz plötzlich und unerwartet – klar wird, dass genau DAS nicht geht? Das wir uns alle anpassen müssen an eine Welt, die der allergrößte Teil von uns weiterhin gemeinsam kaputt macht? WIE VERFICKT KURZSICHTIG, ARROGANT, EGOISTISCH, UNMENSCHLICH und GRUNDDUMM KANN MAN EIGENTLICH SEIN? Wenn wieder Massen von irgendwelchen komplett verblödeten Möchtegern-Leistungsträgern eine schwarze Regierung in Baden-Württemberg erzeugen, muss ich so langsam in den bewaffneten Widerstand gegen euch lächerliche, asoziale, egoistische Tölpel!

Es ist wirklich unglaublich, dass es immer noch Menschen im sogenannten Mittelstand gibt, zu dem ich übrigens selbst zähle, die grüne und soziale Politik für ein Werk des Teufels halten und lieber Lobby-Marionetten und Faschos wählen, die ihnen einen Strohmann nach dem anderen zum Abbrennen servieren, anstatt mal das eigene Gehirn anzumachen. Und es gibt unter den Lobbyisten sehr einflussreiche Medienmacher, die gleichzeitig als Meinungsmacher fungieren, weil nicht wenige Menschen das, was in IHREM Leitmedium steht, als die letztgültige, unumstößliche Wahrheit betrachten! Wisst ihr eigentlich, wie Journalismus gemacht wird? Ich zitiere mich zu diesem Thema jetzt mal selbst:

Aber wir haben auch Medienhäuser in der Hand von Matriarchinnen (Liz Mohn => Bertelsmann & Friede Springer => BILD u.Ä.), die einen nicht unerheblichen Teil der deutschen Medienlandschaft kontrollieren (siehe hier wissenschaftlicher Dienst des Bundestages); und damit diverse, mehr oder weniger subtile Möglichkeiten zur Meinungsmache haben. Und indem solche Medienkonzerne jedes Jahr wieder zu bestimmten Zeitpunkten Scheingefechte zwischen Gesellschaftsgruppen inszenieren (Jung gegen Alt, Arm gegen Reich, Vegetarier/Veganer gegen Fleischfresser, Schwarze gegen Grüne, Böllerfans gegen Verbotsbefürworter, etc.) lenken sie immer und immer wieder vom Wesentlichen ab. Anstatt an sowas teilzunehmen, fragt euch lieber mal – WER profitiert von solchen Diskussionen? Kleiner Hinweis: in den allerseltensten Fällen die Mitglieder der Streitparteien… Das ist einfach nur ein Teil der modernen Version von Panem et Circenses…

Um es auf den Punkt zu bringen. Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Und es wundert mich angesichts dieser asozialen Zeiten, in denen die GIERIGEN ungeniert den WILLFÄHRIGEN diktieren können, was sie den AHNUNGSLOSEN zu sagen haben, damit die Gierigen die absolute Macht über die Ahnungslosen behalten können und diese damit zu OHNMÄCHTIGEN machen nicht, dass ich an einem dräuenden Burnout laboriere! Wie soll man den bitte auf dieses vollkomme absurde, zynische, Schmierentheater reagieren, welches tagtäglich aufzuführen der Möchtegern-Kanzloide zusammen mit seinen macht- und selbstverliebten Steigbügelhaltern die UNFASSBARE FRECHHEIT BESITZT? Faselt von Aufbruch. Wohin? In die verfluchten 1950er? Heimchen am Herd und in der Kinderstube, während der Macker die Kohle ranrockt und dann einen auf Patriarch macht? Kann diesen lächerlichen Typen und seine Gurkentruppe BITTE irgendjemand entsorgen? JETZT? Und, nur so am Rande… ich hab mein SPD-Parteibuch zurückgegeben. Die sind genauso Schuld an dieser Misere, weil sie NICHTS gegen ihre “Koalitionspartner” unternehmen. Machtgeiles Gesindel allesamt. SO… jetzt habe ich Blutdruck. Fantastisch. Und morgen früh muss ich wieder ran, weil ich ja trotz Burnout und kaputter Schulter noch immer nicht genug arbeite, um Reiche noch reicher und den Bundeshanswurst stolz auf “sein Land” zu machen. Wer diesem VOLLPFOSTEN – oder noch schlimmer dem dreckigen Fascho-Gesindel – seine Stimme gegeben hat, soll mich in Zukunft bitte einfach nicht mehr ansprechen. IHR SEID SCHULD! Den Restdemokraten einen akzeptablen Restsonntag… muss mich noch ausreichend erholen, damit ich roboten kann. Und Tschüss!

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Nichts mehr beweisen müssen?

Nebliger Sonntagvormittag. Ein Spaziergang am Fluss offenbart nichts, was ich nicht schon zuvor gewusst hätte: Ich mag Nebel! Es ist nur ein Wetterphänomen und doch wohnt dem Schleier, welcher die Welt wenigstens für eine kurze Weile wegdämpft ein Zauber inne, den ein Introvertierter wie ich gar nicht genug schätzen kann. Die Zahl der Menschen, welche vorhin – wie auch ich – der eher unbequemen Witterung getrotzt haben, war überraschend groß. Dennoch fand ich lange Abschnitte meines Weges ganz für mich alleine vor – so wie ich es mag! Es gab heute nicht allzu viele Gedanken zu denken. Einfach nur vorwärts, Schritt für Schritt. Das genügt manchmal. Gestern habe ich unterdessen geknipst, doch heute bin ich einfach nur… gewesen. Sich selbst vollkommen genug sein zu können, ist ein Privileg, welches viele Menschen offensichtlich nicht (mehr) wirklich schätzen können. Woran das liegen mag, kann ich nicht wissen, ein Zusammenhang mit der ubiquitären Verfügbarkeit der ganzen Welt mittels der ewig präsenten Taschenwanze mag hier jedoch eine Rolle spielen. Sei’s drum. Ich spazierte, nichts passierte. Einzig ein sanfter Hauch von Wehmut durchzog meinen Geist. Wehmut ob der Tatsache, dass ich vermutlich in den nächsten Tagen nicht dieser erquicklichen Solitude werde frönen können, weil mein Terminkalender mal wieder zumindest subjektiv überquillt. Und so manches davon wird furchtbar nerven, weil es mit meinem Job zu tun hat. Habe ich letzthin eigentlich schon mal erwähnt, dass ich den Kanal vollhabe…? Nun ja, nicht von allem; aber halt so manchem, was im Moment drückt.

Abwärts oder Aufwärts…?

Ich habe neulich in einem Gespräch mit Vorgesetzten einige wessentliche Dinge benannt, um die ich mich nicht mehr kümmern müssen möchte. Nicht, weil ich faul geworden wäre, sondern weil sich offenbart hat, dass diese Dinge weder etwas zum Erfolg der Institution beitragen, welcher ich derzeit vorstehe, noch ich dort irgendetwas von dem ausrichten kann (oder noch will), was andere Menschen sich davon erhoffen. Ich bin – wie es nun scheint – doch nicht für die Politik gemacht. Folglich ziehe ich mich daraus nun zurück. Man könnte konstatieren, dass dies eine Niederlage wäre, weil ich eigentlich mal angetreten war, etwas zu verändern, dieses Ziel aber einfach nie zu erreichen vermochte. Doch… wer definiert Sieg oder Niederlage? Es gibt dieses Diktum dass die Geschichte stets von den Siegern geschrieben würde. Die für mich relevanten Fragen dabei wären: was kennzeichnet einen Sieg oder eine Niederlage denn tatsächlich? Wer macht diese Zuschreibung? Und aus welchen Gründen? Ich will mal so sagen: ich bin davon überzeugt, nur selten das Falsche getan zu haben! Vielleicht manchmal zu wenig; zumindest dann, wenn der Auftrag und die Zieldefinition unklar waren; und das passierte ziemlich oft! Vorsicht ist trotzdem so gut wie immer besser als Nachsicht. Das was ich getan habe, tat ich jedoch immer nach bestem Wissen und Gewissen. Ich lasse mir da von NIEMANDEM etwas vorwerfen. Wenn es jedoch Menschen gibt, die sich zu Höherem berufen fühlen und glauben, das alles besser zu können als ich – nur Mut! ICH werde mich nicht in den Weg stellen. An anderer Stelle entfalten meine Fähigkeiten und meine (unterdessen leider begrenzte) Energie ihre Wirkung eh besser… zum Beispiel im Lehrsaal. Auch das ist ein Ergebnis verschiedener Reflexionsprozesse der vergangenen Wochen: mich wieder auf meine Kernkompetenzen besinnen. Da gilt wahrhaftig: weniger ist mehr.

"Alles Wesentliche wurde schon gesagt, aber da niemand zuhört, muss man immer wieder von vorne anfangen."

André Gide (Nobelpreisträger Literatur 1947)

Ich denke, dass dieses Zitat meine beruflichen Bemühungen der letzten Jahre ganz gut beschreibt. Mittlerweile habe ich jedoch die Schnauze voll davon, immer wieder den Rufer in der Dunkelheit zu spielen. Ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, in welchen Dingen ich Recht habe – und die Zeit hat bewiesen, wo ich mich irrte. Welches von beiden überwiegt, mögen andere beurteilen wollen – ICH bin jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass sich beides mindestens die Waage hält. Nennt dies Arroganz, wenn ihr mögt, aber da lasse ich nicht mit mir diskutieren, denn bei Bedarf kann ich es belegen… Kurzum – ich muss nichts mehr beweisen! Also werde ich auch nichts mehr beweisen, sondern einfach meinen Job machen und nur noch bei Bedarf erklären, was ich wie und warum tue, oder auch lasse. Wem das nicht passt, der möge sich zum Teufel scheren, oder nach einem passenden Ersatz für mich suchen. Viel Spaß dabei. Unterdessen versuche ICH, mir mehr Zeit für Spaziergänge zu nehmen. Sie müssen gar nicht immer durch den Nebel führen, denn ich mag auch die Sonne und den blauen Himmel. Doch was nutzt es mir, mich vom Wetter runterziehen zu lassen, wenn (fast) jedes Ding seine eigene Schönheit hat. So auch der Nebel, wenn er es meinem Geist doch erlaubt, sich in Schweigen zu hüllen und einfach nur zu sein. Und genau das werde ich für den Rest dieses Sonntags tun – einfach nur sein. Denn Morgen geht der Huzzle-Buzzle wieder von vorne los… euch einen gediegenen Start in die neue Woche.

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