Bienvenue au pays cathare N°13 – Heiße Reise

Da sitze ich nun also Sonntagvormittag auf der kleinen Terrasse unseres Ferienhauses im Schatten, bei leichtem Wind aus Südost und schreibe diese Zeilen. Gestern Abend war ich – der Ankunft am Urlaubsort zum Trotze – ziemlich down. Ich musste mich erst noch mit der Hitze der Pyrenées-Orientales neu anfreunden. Heute Morgen ging’s dann schon besser, wenngleich es hier die nächsten Tagen schwülwarm mit 30-33°C sein wird und die Nächte mit 21-24°C jetzt auch nicht unbedingt als Kühlschrank gelten dürfen. Das liegt daran, dass auflandige Winde vom nahen Mare Nostrum feuchte Luftmassen ins Landesinnere befördern. Nun ja, kann man wohl als selbstgewähltes Schicksal betrachten. Obschon ich mir unterdessen die Frage stellen muss, wie die Urlaubsgestaltung in den nächsten Jahren wohl aussehen soll. Es ist ja nicht so, dass die Temperaturentwicklung hier abwärts zeigen würde. Das beinhaltet natürlich auch die Frage, WIE man WOHIN kommt. Ich nehme mir dabei folgende Entscheidungshilfe zur Hand: 500 kg CO2 für DREI Personen im Auto nach Südfrankreich, durch Südfrankreich und zurück (gilt auch für Mittelitalien) oder ca. 700KG bei einer Irlandrundreise VS. 450 – 650 kg CO2 Flug für EINE Person nach Malle und zurück (die Varianz ist abhängig vom Startflughafen und der gebuchten Sitzklasse). Do the math, retards! So gesehen wäre natürlich Urlaub auf Balkonien die klimaneutrale Variante. Atmen muss man ja trotzdem… Warum also zum Teufel reisen wir überhaupt. Es kostet Geld, manchmal ganz schön Nerven (insbesondere, wenn man an einem “Samedi noir” subjektiv mit ganz Frankreich zusammen auf der “Méridienne” unterwegs ist; Credo: ich fahre nie wieder am ersten Augustwochenende quer durch Frankreich!) und fordert die eigenen Fremdsprachenkenntnisse heraus. Erste Erkenntnis vom Einkauf gestern Abend: mein Französisch ist nicht so eingerostet, wie ich befürchtet hatte…

Glaubt man der Psychologie, so hat es etwas mit der Flucht aus, bzw. vor dem Alltag, dem Hintersichlassen von Verpflichtungen (insbesondere der Arbeit) und dem Ausleben der eigenen Bedürfnisse zu tun. So weit so klar. Man unterscheidet dabei übrigens zwischen hedonistischen Bedürfnissen (chillen und genießen) und eudämonischen Bedürfnissen (Neugier und Lernlust). Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, die eben genannte Lernlust bedeute, dass man auch im Urlaub pauken soll, für irgendwelche Prüfungen o.Ä. – es geht darum, den eigenen Horizont aus Eigeninteresse und ohne Zielsetzung erweitern zu wollen. Stell dir vor, du kommst auf Reisen irgendwohin, siehst dich da um und irgendetwas erregt deine Aufmerksamkeit; du willst mehr darüber wissen und setzt dich damit auseinander, bis dein Erkenntnisinteresse befriedigt ist. Das kann schnell erledigt sein oder begründet ein Hobby, welches dich für den Rest deines Lebens begleitet. Meist geht es dabei um Kunst, Architektur, besondere Aspekte der Kultur und/oder Landschaft, nicht jedoch um Buchwissen, sondern um das Bemühen, ein eher praktisches Verständnis dessen zu erlangen, was man gerade wahrnimmt. Und das auch nur, solange der Spaß anhält. Man lernt dabei trotzdem etwas dazu. Daher nennt man das Lernlust. Während hedonistisch motivierte Reisende am Reiseziel eher ortsfest bleiben, weil sie sich eine Location ausgesucht haben, an der sie alles finden, wonach ihr Herz begehrt, machen eudämonisch motivierte Urlauber oft nicht wenig Kilometer, weil sie sich “das da” auch noch anschauen wollen. Ich glaube übrigens nicht, dass die eine Motivation besser oder schlechter sei, als die andere. Ich selbst konnte nur dem all-inclusive nie viel abgewinnen. Wenn man das aber mag, dann bekommt man alles, ohne dafür Anstrengung unternehmen zu müssen und das ist vollkommen okay, wenn es die Person glücklich macht und erholt. Wie man seinem Alltag entflieht, ist völlig einerlei, solange es einem gut tut.

Am Ende sind beide Varianten eh gleichwertig, denn der typische Erholungseffekt, welcher ja vor allem auf der Entkopplung von a) der normalen Lebensumgebung, b) den typischen Verpflichtungen und c) den gewohnten sozialen Kontakten beruht, ist in beiden Fällen nach ca, drei Wochen weitestgehend abgeklungen; sagt zumindest die Sozialpychologie. Was die Erfahrung dennoch jedes Mal wieder wertvoll macht, ist das Auffüllen der eigenen Batterie mit frischer Motivation, unsere Fähigkeit, schöne Erinnerungen zu nutzen, um zumindest im Geiste noch mal erleben zu dürfen, was den Urlaub für uns so wertvoll gemacht hat; und eben die Möglichkeit etwas “dazuzulernen” dass uns auch später noch begleitet. Diesem letzten Aspekt messe ich besondere Bedeutung zu, da ich selbst eben ein eudämonisch motivierter Reisender bin. Außerdem macht man manchmal Bekanntschaften, die als etwas Besonderes gelten dürfen. Ich habe so zu ein paar Vermietern im Urlaub ein ziemlich gutes Verhältnis entwickelt. Und das hat so manche Urlaubsreise in den letzten Jahren zu einem Heimkommen werden lassen. Was aber nun die Temperaturen angeht – ich mag den Süden, ich mag eigentlich auch die Wärme. Ich befürchte nur, dass wir als Menschheit SEHR, SEHR, SEHR viel mehr unternehmen müssen, damit es nicht noch viel heißer wird und die Zahl und Intensität der Klimakapriolen ein Maß erreicht, dass ganze Teile der Erde völlig unbewohnbar macht. You hear me, Gas-Kathi? You hear me, Fotzenfritz? Zieht endlich eure Köpfe aus den Ärschen der Industrie und macht Politik für ALLE Bürger, während wir schon mal loslegen. Und ich befürchte als Individuum, dass mir immer noch die Erfahrungen der atomaren Hitzewelle Ende Juni in den Knochen stecken, die meine Depression dermaßen aus der Bahn geworfen hat, dass ich Wochen brauchte, mich davon zu erholen. Ich werde langsam älter und damit anfälliger. Der Versuch, wieder etwas Form in diesen Körper zu bekommen trägt zwar ganz langsam erste Früchte, aber ich befürchte, ein gesunder Geist kann tatsächlich nur in einem halbwegs gesunden Körper stecken. Weshalb ich diesen Urlaub über mit mir selbst werde verhandeln müssen, was ich zukünftig noch aushalten kann – und was nicht. Auf Balkonien ist es ja unterdessen auch verdammt warm. Also Nachbarn – wenn wir schon Urlaub machen, dann bitte mit ein BISSCHEN mehr Verantwortungsbewusstsein. Einstweilen gute Zeit, wir lesen uns…

Repost in english N°1

Is There a Version That Comes with Motivation…?

Originally published in german, Nov. 10th, 2024

“You just have to get up one more time than life knocks you down!” Yet another generic fortune-cookie slogan—one of those sayings that seems to fit almost any situation while somehow remaining strangely hollow. After all, we haven’t even defined what it actually means to be “knocked down,” let alone what it means to “get back up.” Granted, it’s probably obvious that this isn’t meant literally, because in some of the situations where life knocks you down, you may indeed need an ambulance.

But let’s stick with those two concepts for a moment. It quickly becomes clear that being knocked down is really a metaphor for failing in our actions—failure that dampens our momentum and slows our progress. So what, then, does getting back up mean? I’d argue that it lies in the lessons we draw from those experiences and apply to what we do next.

But where does the motivation to continue come from if our expectation of self-efficacy has just been shattered? We’ve just screwed something up, and chances are we already know it. Yet instead of briefly reflecting on how to do better next time, we all too often have a tendency to dramatize these situations far beyond what they deserve.

Yesterday I wrote about failure, and I genuinely try to live with these inevitable incidents of existence the way I described them: as partial failures on the path forward that come with built-in opportunities for growth. If that’s true, then failure usually doesn’t have to be a major drama. Yes, there are situations that feel like the proverbial Walk to Canossa. But I’m not a king, and very few of my problems have anything to do with popes. We simply make life much harder for ourselves than it needs to be, and in doing so we end up hurting ourselves by turning every molehill into a mountain.

Wouldn’t it be better to occasionally let things be, take some of the pressure off, and give ourselves—and the situation—the time and space to develop?

I’m certainly not advocating indolence. My life, my work, and everything that comes with them are far too important to me for that. But especially in my professional life, I’ve met far too many people who react so defensively to objective criticism that any meaningful discussion about the actual issue becomes impossible. They cannot—or perhaps do not want to—distinguish between having a specific action criticized and having their personality criticized. Those are two very different things.

Part of the reason lies in the mechanism I described yesterday. But another major factor is the rather unfortunate incentive and reward systems that exist in many workplaces, including my own.

It is useful to distinguish between three kinds of behavior:

a) Risk-averse behavior, which should be encouraged because it reduces the probability of mistakes. It doesn’t eliminate them—but it does reduce them.

b) Risk-affine behavior, which should prompt a discussion about behavioral adjustments. This is often where a lack of problem awareness becomes visible, something that can usually be improved through education and training.

c) Reckless behavior, which deserves immediate consequences. Whether additional training still has any realistic chance of success is something that has to be decided on a case-by-case basis.

Most of us, by the way, move back and forth between the first two categories. Mistakes still happen every single day.

Whether I’m motivated to admit my own mistakes and learn from them, however, is inversely proportional to the likelihood of being metaphorically stripped naked, tied to a three-meter pole in front of company headquarters, and publicly whipped for reporting an error. A workplace where that likelihood is extremely low is what we usually call a healthy error culture. Once again, this is where the difference between a boss and a leader becomes obvious.

Motivation usually arises when we can associate the outcomes of our own actions with positive experiences. I mentioned self-efficacy earlier. It simply feels great to nail what you’re trying to do. Naturally, it doesn’t feel nearly as good when you mess it up.

The real art lies in helping people take something valuable away from their failures anyway. That’s what keeps them from walking away—and what allows us to grow together. In that context, it’s incredibly important for anyone in a leadership or teaching role to remain approachable—that is, to remain human. Own your own mistakes and lead by example. Describe and evaluate the consequences of mistakes as objectively as possible.

Most of the time, there is no need for drama. Perhaps there should be a joint effort to understand what went wrong so it can be prevented in the future—but punishment is rarely the answer. Punishment pushes people away, even when they’re exactly the people you need most.

But as I said yesterday, we still have a long road ahead before a truly healthy culture of learning from mistakes becomes the norm.

With that in mind, I wish you all a great start to the new week.

Der verwirrte Spielleiter N°75 – Spielleiter-Burnout

Um es gleich vorweg zu nehmen – ich weiß, wie sich ein echter Burnout oder eine ausgewachsene Erschöpfungsdepression anfühlen aus eigener leidvoller Erfahrung. Und es käme mir nie in den Sinn, das verharmlosen zu wollen. Dazu war die Erfahrung mit 18 Wochen Arbeitsunfähigkeit, Wiedereingliederung und dem resultierenden Arbeitgeber-Wechsel auf Grund der mangelnden Unterstützung nach dem Zusammenbruch einfach zu schmerzhaft. Aber ich habe meinen Weg heraus gefunden und bin heutzutage wenigstens in der Lage, nur am Rande der emotionalen Katastrophe entlang zu fahren, ohne vollends wieder hineinzufallen. Nachdem dies gesagt ist, kommt eine wichtige Feststellung: Spielleiter-Burnout ist ETWAS VOLLKOMMEN ANDERES, als ein echter Burnout. And here comes, why: man bemerkt irgendwann, zumeist am Anfang eher unterschwellig, dass die Leichtigkeit des Zockens langsam aber sicher aus dem Raum verschwindet. Dass einem die Sitzungen eher wie Arbeit, denn wie Freizeit vorkommen. Dass das Produzieren von Content zu einer Aufgabe wird, die mehr und mehr Energie verschlingt, als sie das Leben zuvor bereichert hat. Ich hatte irgendwann mal geschrieben, dass auch die Vorbereitung des Spiels für mich bereits zum Spielen des Spiels gehört; das war wohl sehr lange meine Wahrheit und wird dies auch gewiss bald wieder sein. Nur im Moment… da bin ich selbst leer. Aber das betrifft derzeit nur einen Teil meines Lebens. Zweifelsohne einen wichtigen, aber es gibt auch noch andere. Ein echter Burnout würde alle Aspekte des Lebens mit in seinen Strudel ziehen. Diese Erkenntnis könnte für manche Menschen wichtig sein. Sie ist es in jedem Fall für mich. Ich glaube unterdessen erkannt zu haben, dass die Art und Weise, auf welche mich meine Arbeit auslaugt, meine kreativen Kapazitäten beschädigt. Und das kann ich natürlich nicht einfach laufen lassen. Ich hatte auch schon einmal gesagt, dass TTRPGs für mich nicht einfach bloß ein Hobby sind, sondern ein Teil meines Lebens, den ich auf keinen Fall verlieren will, weil mein Nerddom und meine zweckfreie Kreativität Teile meiner Persönlichkeit sind, die ich nicht missen möchte, nicht missen werde! Aber… es ist nur EIN Teil von mehreren. Und Besserung könnte in Sicht sein.

Austrocknende kreative Quellen haben unterschiedliche Ursachen. Eine davon kann sein, dass man in einem anderen Lebensbereich gerade so sehr gefordert ist, dass beinahe die ganze schöpferische Energie dort aufgebraucht wird; ob dies zu Erfolgen führt, oder nicht, ist dabei vollkommen gleichgültig. Ist derAkku leer, ist er leer und wird ohne ein passendes Ladegerät auch nicht wieder voll. Was so ein Ladegerät sein könnte, dazu kommen wir später noch. Eine andere mögliche Ursache ist, das man von seinen eigenen Geschichten nicht mehr gepackt wird. Das passiert einerseits, wenn die Ideen, mit denen man an eine Geschichte herangeht zu Erwartungen heranwachsen, die man anderen aufzuoktroyieren versucht. Das nennt man dann Railroading und es ist für beide Seiten nicht erquicklich, weil die Spieler die Erwartung der SL an den Verlauf der Geschichte niemals erfüllen können; zumal es keine Erwartung an die Spieler geben sollte. Zumindest keine eng gefasste. Es könnte aber andererseits auch sein, dass man sich in seiner eigenen Geschichte nicht mehr wohlfühlt, weil man sich in eine Ecke erzählt hat, in der man die eigenen Erwartungen an das Spiel, welches man seinen Spielern bieten möchte, nicht mehr erfüllen kann. Oder man hat das Interesse an dieser Geschichte verloren, weil sie schon so lange dahin plätschert. Natürlich gibt es Kampagnen, die über Jahre hinweg fresh bleiben… aber irgendwann ist jede Geschichte auserzählt und eine weitere Staffel drehen zu wollen, macht dann keinen Sinn mehr. Hast du aber bis zu diesem Punkt nicht zu Ende erzählt, wird es schwer. Nur sehr wenige Kampagnen kommen überhaupt zu einem befriedigenden Ende. Insbesondere, weil die Bedeutung des Terminus “befriedigendes Ende” für jeden Beteiligten etwas anderes bedeuten kann. Manchmal aber auch einfach, weil nach 6 – 8 Sitzungen Schluss ist und man schlicht nirgendwohin gelangen konnte.

Die Erwartungen der Spieler sind dabei so vielfältig, wie die der SL. Manche wollen, dass sich ihr Char entwickeln, einen Eindruck hinterlassen, seine Welt mitgestalten kann. Andere sind absolut zufrieden damit, einfach nur dabei zu sein und ab und zu was Cooles reißen zu können. Manche tauchen sehr tief in die Innenwelt ihres Chars ab und andere benutzen ihn eher wie eine Spielfigur. Oder irgendwas dazwischen. Jede Art das Spiel zu spielen ist legitim – solange sie den anderen am Tisch nicht zu sehr auf die Nerven geht. Denn das Ziel ist ja, das ALLE ihren Spaß haben können. Mir geht es letzthin so, dass mir zwar noch eine Geschichte einfiel. Aber… ich habe mich in meinen eigenen Ideen verheddert, habe dazu angefangen potentiell schwierige Erwartungen zu entwickeln und musste bald feststellen, dass weder die Art, wie sich das Zusammenkommen der Runde entwickelte (Präsenz vs. Teilhybrid, vs. Virtuell) noch die Art, wie meine Spieler an die Dinge herangehen mich noch in irgendeiner Art zufrieden zurückließ. Ich wurde fuchsteufelswild – schon über das Setting in unserem heimatlichen Wohnzimmer, aber auch über manche Art zu spielen, über soziale Aspekte, schließlich darüber, dass irgendwie gefühlt immer alles Organisatorische auch an mir hängen blieb – und brach nach vier Sitzungen vollkommen entnervt ab. Das ist jetzt etwa drei Monate her. Und bislang merke ich leider nicht, dass meine Lust, dieses Spiel wieder aufzunehmen, in dass ich zuvor durchaus eine Menge Vorbereitung investiert hatte, in nennenswertem Umfang zurückgekehrt wäre. Weil ich genau sehe, was passieren würde. Ich würde versuchen, aus verstreuten Scherben ein neues Diorama zu bauen, ohne dass mein Herz mit dabei wäre. Denn abseits meines Ärgers über dieses Spiel ist da noch etwas Anderes: meine Akkus sind immer noch leer.

Ich nutze derzeit als Ladegrät, um irgendwann wieder Lust auf das Spielleiten, Lust auf und Ideen für neue Geschichten zu bekommen momentan jene zwei Runden, in denen ich einfach spielen darf. In denen ich experimentieren, meinen Affekten manchmal ganz kurz ihren Lauf lassen und Ideen entwickeln darf, ohne dass ich gleich eine ganze Welt im Auge behalten müsste. In meinem Kopf sind immer noch ganze Welten – aber derzeit wird meine Energie, wie bereits erwähnt von einem anderen Sektor meines Daseins abgezogen. Und ich muss diesen Teil erst wieder in den Griff bekommen, bevor ich daran gehen kann, neue Kampagnen zu starten – oder eine momentan tot darniederliegende wiederbeleben zu wollen. Diese Kraft kann ich erst aufbringen, wenn meine Arbeit nicht mehr so viel Energie verbraucht. Wie ich das anstellen will (und werde), ist nicht Teil dieser Geschichte. Fall sie dennoch eine Moral haben sollte, wäre das wohl Folgende: wenn das Pen’n’Paper-Hobby ein so integraler Bestandteil des eigenen Lebens, der eigenen Persönlichkeit geworden ist, dann beeinflusst das alles Andere mit. Und ich stelle gerade fest, dass meine derzeitige Unfähigkeit, eigene Geschichten zu erzählen mich tieftraurig zurücklässt – und es damit noch schwerer macht, eigene Geschichten zu erzählen. Deshalb helfen die Geschichten anderer SLs mir gerade enorm, wieder auf mich selbst klarzukommen – wahrscheinlich wissen diese anderen SLs nicht, wie viel mir das wirklich bedeutet; und warum ich letzthin beim Zocken manchmal wunderlich geworden bin. Aber ich habe das Gefühl, dass es bergauf geht. Kleines Stück für kleines Stück. Daher gilt auch dieses Mal wieder – always game on!

Auch als Podcast…

Reality bites

Als ich in der Nacht auf Donnerstag Bauschschmerzen bekam, dachte ich mir schon beim Betasten, dass dies keine angenehme Erfahrung würde. Als es morgens immer noch nicht besser war und ich mich stante pede zu meiner Hausarztpraxis begab, ahnte ich wohl, dass dies ein “interessanter” Tag werden könnte. Als ich dann eine Einweisung nebst Diagnose in der Hand hatte, war mir klar, dass “interessant” das falsche Adjektiv war. “Beängstigend” traf es eher. Ich landete eine gute Stunde später im Krankenhaus meiner Wahl, in bequemer Gehentfernung zur Heimstatt. In der Notaufnahme erkannte man mich (bin ja lange genug in unserer Stadt Rettung gefahren) und kurze Zeit später war ich schom in der passenden Fachabteilung. Blutentnahme, Untersuchung, Anamnese, Aufklärung – alles lief wie am Schnürchen. Von da an ging alles ziemlich schnell. Sogar so überraschend schnell, dass ich mich noch im Untersuchungszimmer ins Flügelhemdchen zwängen musste, um dann auf dem Flur ins Bett umgeladen und direkt in den OP-Bereich gefahren zu werden. Dort erwarteten mich schon wieder bekannte Gesichter, was meine wachsende Umruhe ein wenig zu dämpfen vermochte. Ich bekam meine Dosis des bekannten Spruches “Medizin macht nur am stumpfen Ende des Werkzeugs Spaß!” zur Abwechslung mal selbst zu spüren. Sufenta, Propofol (ja, DAS Zeug), schon war ich weg – und gefühlte Sekunden später höre ich die durchaus noch vertrauten Töne eines Aufwachraumes. Und auch hier wurde ich freundlich und umsichtig behandelt. Alles in allem eine befriedigende Erfahrung – auch wenn die Narkose mir bis in die Abendstunden in den Knochen stecken sollte, Erbrechen inklusive. Nichtsdetotrotz lief mein erstes eigenes Rodeo mit dem Endotrachealtubus ziemlich zufriedenstellend.

Ums kurz zu machen, am nächsten Morgen – also heute – sah die Welt schon ganz okay aus. Wenngleich der operierte Bereich noch schmerzt, überwiegt die Gewissheit, dass man sich der Sache kompetent angenommen hatte. Ich durfte bereits nach Hause. Die nächsten Tage gehören der Rekonvaleszenz, denn ich darf erst mal nix heben, Aufstehen, Hinsetzen und langes Sitzen schmerzt noch und ich habe in meinem Büro keine Chaiselongue, von der aus ich meine Geschäfte führen könnte oder wollte. Also mal etwas mehr rumliegen, nicht zu schwer essen und echt Fünfe gerade sein lassen. Ich weiß nicht, ob mein Körper mir damit was sagen wollte. Ich habe jedoch die Vermutung, dass die Botschaft lauten könnte: hör auf, dich dauernd für Dinge verantwortlich machen zu lassen, die nicht in deiner Verantwortung liegen. Hör auf, es vor allem den Chefs Recht machen zu wollen und immerzu in der Sache zurückzustecken. Hör auf, dir Dinge aufbürden zu lassen, die Andere tragen müssten. Hör auf, mehr mit der Firma verheiratet zu sein, als mit der besten Ehefrau von allen. Als ich da gestern in die OP-Vorbereitung geschoben wurde, da war mir sehr mulmig. Vielleicht, weil dieses übergeordnete Gefühl der eigenen Hilflosigkeit, wie ich es schon neulich während der Hitzewelle erlebt hatte sofort wieder präsent war. Ich hatte keine Chance, in eine echte Panikattacke zu kommen, weil mir die Medis vorher das Gehirn ausgeknipst haben und ich danach erstmal auf mich selbst wieder klarkommen musste. Keine Sorge (für manche zur großen Sorge): ich bin immer noch der Gleiche. Jetzt, während ich diese Zeilen tippe und mein Bauch da, wo operiert wurde noch etwas zieht – vielleicht auch etwas mehr – stelle ich fest, dass ich immer noch diese Frage im Herzen trage: bin ich an der richtigen Stelle. Oder sind es doch nur meine Loyalität zu meinem Team und meine Sturheit, mich nicht von den egoistischen Narren in meinem Arbeitsumfeld verjagen lassen zu wollen, die mich noch an Ort und Stelle halten? Loyalität gegenüber der Firma… wie fühlt sich das an? Ich durfte übrigens letzthin feststellen, dass ich bei weitem nicht der Einzige bin, dem die erratischen, sachgrundlosen Marotten mancher Protagonisten in Leitungspositionen gehörig auf die Nerven gehen. Und ich bin NICHT der Einzige, der deshalb immer wieder, immer noch über’s Gehen nachdenkt. Warum landen auf bestimmten Leitungspositionen immerzu zahlenfixierte Machtmenschen?

Ich habe nur ein Leben, ich habe nur eine Gesundheit und ich habe eigentlich nicht das geringste Interesse, eines oder gar beides für einen Laden zu Markte zu tragen, der mir all die Mühen, all die Schmerzen und all den unnützen Stress noch nicht mal angemessen dankt. Stattdessen muss ich, heute Mittag kaum zu Hause angekommen, anstatt mich auf der Couch von eimner OP erholen zu können eine Diskussion über ein Projekt führen, dass eigentlich schon weitestgehend geplant war! Und soll – zum wiederholten Male – erklären, warum das Raumangebot für die Einrichtung, der ich vorstehe denn so groß sein muss. Ich habe es unterdessen satt, so satt, immer und immer wieder erklären zu müssen, dass gute Aus-, Fort- und Weiterbildung drei Kernressourcen braucht: a) empathische Ausbilder mit fundiertem Fachwissen, humanistischer Haltung und der Fähigkeit zu führen, b) Zeit, die jungen Leute reifen zu lassen und c) ausreichend Platz, um dies in einem lernförderlichen Ambiente tun zu können. Streicht man eines davon zusammen, wird das Ergebnis IMMER schlechter. Aber die einzigen KPIs, die manche Menschen wohl verstehen wollen sind m²-Kosten, Bauinvestitionen und Umsätze. Die waren jedoch schon solide gerechnet. Immer wieder bin ich daran beteiligt, etwas zu planen und immer wieder kommt ein wandelnder Rotstift daher und streicht gute Ideen zusammen, bis selbst das Minimum noch erkämpft werden muss. Das geht so nicht weiter. Aber ich habe es kommen sehen. Nachdem ich das erste Mal gehört hatte, dass schon wieder über solche Dinge diskutiert wird, war mir klar, dass auch dieses Projekt sterben wird. Zumindest ist das meine aktuelle Wahrnehmung. Momentan kann mich nicht mal die Erwartung des herannahenden Urlaubes trösten, weil Europa vermutlich Ende nächster Woche noch einmal im Hitzechaos versinkt und ich beim besten Willen nicht weiß, wie ich das mit meinem dann möglicherweise immer noch schmerzenden Bauch aushalten soll. Wie soll man sich erholen, wenn nirgendwo Erholung zu finden ist. Wie soll man gleichmütig bleiben, wenn man dauernd als Fußabtreter genutzt wird. Wie soll man da an Körper und Geist wieder gesund werden – und bleiben. ich weiß es nicht. Und ich bin’s ehrlich gesagt satt, schon wieder nach neuen Antworten suchen zu müssen. Ich kann nur noch hoffen, dass sich die Dinge zur Abwechslung mal in die richtige Richtung drehen – beim Wetter und in manchen Köpfen. Schönes Wochenende.

Auch als Podcast…

Beziehungs-Weise…?

Es gibt da diese Zahl. Die sogenannte “Dunbar-Zahl”, die auf Forschungen des Psychologen Robin Dunbar zurückgeht und die beschreibt, wie viele soziale Beziehungen wir kognitiv zu unterhalten im Stande sind. Das Theorem wird immer wieder diskutiert. Aber nehmen wir mal an, Dunbar würde mit seinen Betrachtungen Recht behalten, dann wären das ca. 150 Connections, die wir halbwegs im Auge behalten können. Wobei davon 5 Personen unseren engsten Kreis darstellen, 15 Personen (jeweils die Vorgenannten inkludierend) unseren Freundeskreis, 50 unser aktives Netzwerk und 150 unseren weiteren Bekanntenkreis. Alles was darüber hinausgeht, wird sehr schnell sehr anstrengend. Für mich selbst ist schon alles, was sich im Kreis der weiteren Bekannten bewegt oft ZU ANSTRENGEND; ohne dass diese Menschen irgendetwas Besonderes dazu tun müssten. Die bloße Anwesenheit genügt. Meine morgendlichen Spaziergänge am Fluss während der Wochenenden sind ja keine Neuigkeit mehr, doch heute Morgen bemerkte ich, wie sehr mich die keuchenden Jogger, die in Scharen an mir vorbei dümpelten richtiggehend angestrengt haben. Hätte ich einen Wunsch freigehabt, dann wäre dies ein völlig menschenentleerter Korridor von 50 Metern rings um mich herum gewesen. Wie das Schicksal das angestellt hätte, wäre mir ziemlich egal gewesen. Natürlich wurde dieser Wunsch nicht erfüllt, also wanderte ich weiter und zeigte demonstratives Desinteresse, wann immer mir Menschen subjektiv zu nah kamen. Das triggerte in mir ein paar Gedankenspiralen zum Thema Beziehungen. Nicht DIESE Art von Gedanken, wo ein Mann meines Alters seine Paarbeziehung in Frage stellt, sich eine Jüngere zu suchen beginnt, ein wildes neues Hobby startet und das ganze als Midlife-Crisis deklariert, ganz so, als wenn DAS eine legitime Begründung für derart verantwortungslosen Blödsinn wäre. Ne, ne… das überlasse ich Anderen und mache mich dann darüber lustig! Ich arbeite lieber an der Beziehung zu meiner besten Ehefrau von allen (und im Gegensatz zu Ephraim Kishon, der diesen Begriff geprägt hat, habe ich bis heute auch nur eine Person, auf welche diese Bezeichnung zutrifft; nicht drei, so wie er…). Insofern ist das Brauchtum, als Zeichen der Liebe Vorhängeschlösser an Brücken zu hängen für mich KEIN Kitsch, soll es doch das Fortbestehen symbolisieren. Ist bestenfalls baustatisch problematisch, wenn es so viele werden wie an der Deutzer Brücke. Kann man jedesmal sehen, wenn der Zug in den Hauptbahnhof in Köln einrollt. Aber DAS ist eine andere Geschichte…

Ich kam stattdessen zuerst auf “Du” und “Sie” als Ansprache in sozialen Beziehungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht mehr ganz taufrisch bin, dass ich solch altmodische Unterscheidungen tatsächlich noch treffe. Es irritiert mich nämlich immer noch im ersten Moment, wenn ich von Menschen, die mir bis dato unbekannt waren geduzt werde; ohne dass ich sie dazu aufgefordert hätte. Es ist nicht so, dass das “Du” in meinem Leben selten vorkäme. Allerdings gibt es manchmal ein paar organisatorische Verständnisprobleme zwischen den Kommunikationsteilnehmern. Die Mitglieder meines Teams und auch alle Schüler dürfen mich mit “Du” ansprechen. Manche verstehen jedoch nicht, dass die relative Vertrautheit dieses Personalpronomens nicht bedeutet, dass wir stets gleich sind. Wir sind dies, insofern wir alle Menschen sind und ich generell Menschen auf Basis dieser einen Gemeinsamkeit einen Vertrauensvorschuss gebe: ich behandle sie alle gleich menschlich. Wir sind jedoch nicht gleich, wenn es um die Erfüllung meiner Funktionsaufgaben geht. Ich muss nämlich Regeln aufstellen und auf deren Einhaltung pochen. Ich muss manchmal in der Folge Verhalten bewerten und ggfs. auch sanktionieren. Ich muss die Lernfortschritte – oder auch deren Ausbleiben – messen und bewerten. Und ich muss manchmal auch schlicht “NEIN” sagen. Und wenn der Chef “NEIN” sagt, ist das genau so ein kompletter Satz, wie bei deiner Mutter! Get over it! Ein “Du” auf absoluter Augenhöhe ist nur maximal den ersten 15 aus Dunbars Zahl vorbehalten. Dennoch macht dass “Du” mich auch unter den eben genannten Einschränkungen für die anderen Menschen nahbarer. Es senkt die Schwelle, mich evtl. auch wegen heiklerer Problematiken oder Herausforderungen anzusprechen. Es erlaubt so allen Beteiligten einen leichteren Zu- und Umgang miteinander und ist überdies im Gesundheitswesen auf der Teamebene der soziale Goldstandard.

Das “Sie” hingegen ist für mich nur vordergründig einfacher: es signalisiert nach außen zumeist automatisch professionelle Distanz und gegenseitigen Respekt, beschränkt allerdings die Beziehung, auf welche es verweist auf’s rein Geschäftliche. In Wahrheit jedoch ist das “Sie” eine Maske, hinter der wir unsere Vorbehalte, unsere glatte Ablehnung, unsere Kontrapositionen, unseren Mangel an echtem Respekt und unsere wahre Meinung hinter einem – allzu oft falschen – Lächeln verbergen und so tun, als wenn alles in Butter wäre. Das “Sie” ist der Maßanzug unter den Personalpronomen. Und so wie der Maßanzug ist es nicht selten eine Lüge, weil es die wahre Natur der Dinge unter reinen Äußerlichkeiten verbirgt. Zumindest tut es das nicht eben selten. Es mag natürlich Menschen geben, die das Sie tatsächlich respektvoll und als sinnvollen sozialen Distanzmarker benutzen. Sei diesen Leuten unbenommen. Ich habe dabei immer sehr ambivalente Gefühle. Ich mag das “Du” mehr und verwende es – unter Beachtung der vorbeschriebenen Einschränkungen – sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext viel lieber als das “Sie”. Eine noch vertrautere Ansprache ist nur dem innersten 15-Kreis vorbehalten. Und natürlich im besonderen meiner besten Ehefrau von allen. Wenngleich wir in vielen Situationen Masken tragen und auch mit unseren Allernächsten nicht JEDES Geheimnis teilen, bleibt doch die Basis einer gesunden Beziehung Vertrauen in- und Respekt füreinander. Auch – vor allem – wenn’s mal schwierig wird. Ich habe auf dem Bild da oben übrigens kein Vorhängeschloss dazu gehängt… hatte keines dabei. Tut euch einen Gefallen und reflektiert eure Beziehungen. Arbeitet an denen, die es wert sind – und kappt die, die euch auf Dauer beschädigen werden. Manchmal muss man Brücken auch niederbrennen. In diesem Sinne – startet schön in was auch immer euch ab morgen wieder erwarten mag…

Auch als Podcast…

What about happiness? (Part 8)

Immer dieses inszeniert-arrogante Geseiere über die “kleinen Dinge im Leben”, die man doch voller Achtsamkeit genießen muss! Ja, ja Selbstverwirklichungs-Dinkeldörte und Stylehipster-Jean-Yves – schon recht, ihr habt’s voll drauf mit dem Leben und so. Und jetzt verschwindet mit eurem öko-getradeten Matcha-Latte bitte auf eurem Holland-Lastenrad aus meinem Sichtfeld, sonst muss ich furchtbar KOTZEN bei so viel sorgfältig kuratiertem, selbstgefälligem Narzissmus! Quinoa ist übrigens NICHT nachhaltig. Wo war ich…? Ach ja, mal wieder beim Glücklichsein… oder besser hoffentlich bald glücklicher Werden. Ich kann berichten, dass ich mich, um der existenziellen Sicherheit und meines Teams Willen, dazu entschlossen habe, genau dort zu bleiben, wo ich bin und auch weiter genau die Position auszufüllen, die ich bislang bekleidete – obschon manche Menschen mich offensichtlich zu gerne von exakt dieser Position entsorgt gesehen hätten. Man kann natürlich versuchen, dass als Schutz des Mitarbeiters zu verkaufen – oder aber wir nennen es beim wahren Namen: verbandspolitische Machtspielchen, weil ich halt nicht so leicht zu steuern bin wie Andere. Is mir egal, wie man es nennt. So einfach wird man mich nicht los. Und weil die nächste Runde so sicher kommt, wie das Amen in der (evangelischen) Kirche, lege ich bereits meine Munition bereit. Damit ist dieses Thema für MICH zunächst geschlossen, denn ich habe auch so eine Menge Dinge zu erledigen, danke der Nachfrage. Ob mich das jetzt glücklicher macht? Sagen wir mal so – ich fühle eine beinahe tödliche Ruhe bezüglich meiner Arbeit und den Dingen, mit denen ich dort konfrontiert bin. Vermutlich habe ich nun endgültig emotional damit abgeschlossen. Ich erwarte keine Entschuldigung für subjektiv erlittenes Leid mehr, sondern mache einfach nur meinen Job; und zwar auf hohem Performancelevel! Und intern äußere ich sehr präzise und sehr deutlich, was ich über wen denke! Wenig davon ist schmeichelhaft…

Glücklichsein hat was mit Coping-Strategien zu tun, also Mechanismen, die einem helfen, aufkommenden Stress zu verarbeiten, bzw., Resilienz-Ressourcen (wieder) aufzubauen. Was soll ich sagen: ich lasse meinen Ärger raus (hier und auch bei bestimmten Personen). Ich habe ein paar sehr enge soziale Bindungen, die mir helfen, mich selbst und die Dinge, die mich anfechten zu reflektieren; und auch mal zu re-framen. Ich nutze meine kreativen Hobbies, um mir positive Selbstwirksamkeitserfahrungen zu verschaffen, welche die Batterien wieder auffüllen sollen. Ich beschäftige mich aktiv immer wieder mit dem, was mich aufregt. Und doch genügt es noch nicht. Wahrscheinlich bräuchte es eine längere Auszeit, weil mein Akku auch nach einem langen Wochenende bestenfalls bei drei von fünf Balken steht. Nach einem Urlaub vielleicht bei vier… Fünf Balken habe ich schon EWIG nicht mehr erlebt. Natürlich bin ich mit meinen Problemen nicht allein, aber seien wir doch mal ehrlich – die allermeisten anderen Menschen interessieren mich ebenso einen Scheiß, wie ich sie. Also hören wir doch mit dem verlogenen Whataboutism auf und sagen wie es ist: ich funktioniere paradoxerweise mit drei oder auch nur einem von fünf Balken immer noch besser als sehr viele ander mit mehr Energie. Warum? Weil ich unterdessen gelernt habe, in dem was ich tue verfickt viel effizienter zu sein als Andere! Get over it, bro – you ain’t on my level, and maybe you’ll never be! Dieses bisschen Arroganz gönne ich mir hier und jetzt! Aber vielleicht wäre es für meine Gesamtgesundheit besser, wenn ich leichter bräche? Keine Ahnung Weil das aber nicht so ist, schleppe ich mich von Weekend zu Weekend, von Urlaub zu Urlaub, von Sitzung zu Sitzung, von Tag zu Tag. Das klingt jetzt schlimmer, als es tatsächlich ist, denn es tut nicht allzu weh; wahrscheinlich sind manche Rezeptoren schon lange abgestorben. Doch – ich schaffe mir immer wieder Gelegenheiten, auszubrechen, etwas Schönes, Spannendes, Inspirierendes, Belustigendes zu erleben, was dann doch über eine gewisse Zeit hilft.

Ich war am letzten Sonntag – ja einem DIESER heißen Tage – abends in der Stadt unterwegs, um zu knipsen. Ich kam irgendwann zu einen recht zentralen Ort und am Ufer des Neckar sinterten ein paar, auf den ersten Blick ziemlich abgerissene aussehende Gestalten auf einem Weg umher, die aus einer Boombox recht laut Techno hörten. Mir fiel zuerst der eine auf, der rücklings auf dem Weg lag und ich dachte von Ferne, vielleicht bräuchte er Hilfe. Doch während ich näher kam wurde mir klar, dass er gerade nur seinen erweiterten Bewusstseinszustand genießen wollte. Ich würde mal schätzen, dass ‘ne schöne Ladung Acid oder so im Spiel war. Also ging ich weiter auf eine Fußgängerbrücke, die mich immer wieder als Ausgangspunkt für Fotomotive anzieht. Und irgendwie merkte ich, dass der Techno meine Füße bewegen wollte. Ich höre unterschiedlichste Formen von Musik und verschiedene elektronische Stile gehören definitiv zu meinen bevorzugten Genres. Ich fand das lustig und wenn’s nicht so verflucht heiß gewesen wäre, hätte ich alter, dicker Mann mich definitiv mehr zu den Klängen bewegt. Die Musik begleitete mich die ganze Zeit, während ich rings um die Brücke knipste – und irgendwie machte das den Abend gleich noch mal besser. Es war eine Fotosession und zugleich auch ein bisschen wie Ausgehen. Wenngleich meine Disco-Zeiten schon ein paar Tage zurückliegen mögen. Es sind solche – stets unerwarteten – Erlebnisse, die für mich das Salz in der Suppe meines Lebens sind. Die mir helfen, mich selbst wieder zu grounden und akzeptieren zu können, dass es auch für mich noch Fun and Games gibt. Dass ich meine Arbeit stets an ihrem Ort zurücklassen und nicht weiter darüber nachgrübeln muss. Dass ich doch viel freier bin, als ich das manchmal empfinde. Und das eine meiner wichtigsten Resilienz-Ressourcen meine Fähigkeit ist, mich auch – immer noch – auf das Unerwartete einlassen zu können! Zumindest manchmal. Einfach weniger erwarten und mehr treiben lassen. Werde ich ab jetzt wieder häufiger versuchen. In diesem Sinne, ein schönes Wochenende im Flow…

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KAMPFAUFRUF!

Was für ein Sommer? Ich meine, hohe Temperaturen, langanhaltende Trockenheit, gelegentliche Extremgewitter… all das hatten wir schon mal. Vielleicht nicht in den 1970ern, in denen ich geboren wurde – wohl aber seit dem Jahr 2000. Ich hatte neulich darüber gesprochen, dass mich das furchtbar geängstigt hatte, weil der Hitzestress mich über Tage beinahe komplett schlaflos zurückließ. Dieses entsetzliche Gefühl steckt mir nach wie vor in den Knochen. Doch genau jetzt sind es andere Aspekte, die mich erheblich umtreiben. Während wir normalen Menschen halt nachts schwitzen müssen und tagsüber fast schmelzen, treffen Politikoide Entscheidungen, die man bestenfalls als hinterfotzige Lobbyistenscheiße bezeichnen kann. Man zersägt unser Gesundheitswesen, man fickt Arbeitnehmerrechte, man beschimpft diejenigen, die man gerade kaputt macht auch noch und lacht sich in sein Fäustchen mit dem erhobenen Zeigefinger, während man sein Schäfchen ins Trockene bringt. Was mich dabei am allermeisten irritiert, ist der Umstand, das solche verkommenen, durch und durch korrupten, völlig empathiefreien Flachorgeln wie Friedrich Merz anscheinend sogar glauben, was sie da in irgendwelche Mikrofone stammeln. Anders kann man sich nicht erklären, dass er immer noch mit solchem Brustton der Überzeugung von seinen politischen Projekten spricht – oder aber der Arm seiner Lobbyisten steckt so tief in seinem Arsch, dass er sich wie eine Handpuppe bewegen lässt und man auch die, eh nur rudeimentär arbeitsfreudige Mimikmuskulatur fernsteuern kann. Beide Vorstellungen sind allerdings ein wenig gruselig. Ich weiß noch nicht genau, was ich selbst insgesamt zu tun gedenke – aber eine Sache ist mir definitiv wichtig: wir brauchen einen Generalstreik! JETZT! Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit dem aktuellen Politikkurs unseren folgenden Generationen irgendetwas Gutes tun! Und ich glaube auch nicht, dass ich meinen Töchtern in ein paar Jahren noch in die Augen schauen kann, wenn ich jetzt nicht etwas Substantielles unternehme, um diesem völligen Kapitalismus-Müll mit allem entgegenzutreten, was ich aufbringen kann. Doch wie stellt man das an – einen Generalstreik? Ich habe die vage Vorstellung, meinen Aufruf soweit wie möglich streuen zu wollen, in der Hoffnung dass es irgendjemand wahrnimmt und genug Leute verstehen, was tatsächlich das Problem ist: nämlich dass die aktuellen Reformpakete a) dafür sorgen, dass die medizinische Versorgung in Deutschland schlechter wird, ohne jedoch an den richtigen Stellen zu sparen, b) Arbeitnehmerrechte in unzulässiger Weise eingeschränkt werden, c) man wieder einmal bei der Rente alle über einen Kamm schert, außer die Beamten d) die soziale Ungleichheit weiter befeuert wird, anstatt die richtigen Leute (große Vermögen und Fiatgeld-Schleudern) zu besteuern und e) mit diesem riesigen Murks auch noch den Faschos in die Karten spielt. Ich wünschte wirklich, das sommerliche Hitze und Trockenheit meine einzigen Sorgen wären. Doch dem ist nicht so. Zusammengenommen mit dem, was gerade ansonsten in unserem Land passiert, drohen mir noch viele weitere schlaflose Nächte.

Ich betrachte das aus mehreren Blickwinkeln. Zunächst einmal als Mitarbeiter im Gesundheitswesen, der sieht, dass durch die gesetzliche Deckelung der Budgets der Rettungsdienst in seiner Funktionsfähigkeit bedroht ist, weil steigende Energie-, Material-, Raum-, Fahrzeug- und Personalkosten recht schnell zur Stilllegung von Rettungsmitteln führen werden, wenn diese Aspekte nicht mehr refinanzierbar sind. Gemeinnützige HiOrgs dürfen kein Kapitalvermögen aufbauen und die Möglichkeiten, die steigenden Kosten durch andere Tätigkeitsfelder quer zu finanzieren sind sehr begrenzt. Dann bin ich aber auch Patient; und die massiven Einsparungen bei der Psychotherapie betreffen mich zukünftig ganz persönlich. Was wird mit mir und meiner Depression, falls ich mir nicht mehr Hilfe suchen kann, wenn es schlimm wird? “Darf” ich dann sozialverträglich frühableben, um Rente zu sparen? Was ist mit anderen chronisch Erkrankten? Warum unterstellt man Menschen mit Krankheit faul zu sein? Ich bin manchmal krankgeschrieben (im Mittel etwa so viel, wie meine Altersgenossen); und ansonsten klotze ich meine Arbeit weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Nicht selten mehr, als eigentlich vereinbart. Apropos Rente… mein Renteneintritt wurde gerade um ein knappes Jahr nach hinten verschoben. Was soll das? Ich zahle seit 1993 regelmäßig ein, war nie einen Tag arbeitslos und nur einmal länger krank. Warum bestraft man Leute wie mich für die, seit Jahrzehnten ignorierten Folgen der Demographie und die Unfähigkeit, Tax the Rich endlich umzusetzen. Kleine Erinnerung an die 50er und 60er: Dwight D. Eisenhower, überzeugter Republikaner – und keinesfalls verdächtig, Sozialgeschenke verteilen zu wollen – hat in seiner Antszeit die höchsten Vermögenssteuern mitverantwortet, welche die Welt je gesehen hat: 92%. Und warum? Weil er verstanden hatte, dass eine zu große soziale Ungleichheit (wie wir sie derzeit in der BRD haben) mit Kapitalkonzentration zu abnehmender Gesamtwirtschaftsleistung und wachsender Armut führt. Und damit zu höheren Sozialkosten für den Staat, an denen dieser naturgemäß zu sparen versuchen wird. Schließlich bin ich Berufspädagoge, dem es zunehmend schwerfällt, den jungen Leuten eine positive Haltung zu unserem Job (dem Rettungsdienst), zu den Herausforderungen und den Perspektiven zu vermitteln, wenn eine unionsgeführte Regierung gerade die Zukunft der normalen Menschen in diesem Lande an die Konzerne verschachert, um bei uns einen Kapitalismus im Endstadium zu installieren, wie die USA ihn schon haben: Hire&Fire-Heuschreckenkapitalismus, in welchem die Arbeitnehmer*innen bis auf’s Blut ausbeutet werden und man ihnen dann auch noch erzählt, die Migranten seien Schuld. Und die Faschos? Die stehen lächelnd daneben und verkaufen den Leichtgläubigen das Gefühl, dass sie alles besser machen würden, während sie insgeheim bereits den Abriss der Demokratie und die Hochzeit mit dem Großkapital planen. Nochmal zur Erinnerung: US-Banken haben vor und während des 2. Weltkrieges Geschäfte mit und für die Nazis abgewickelt. Denn auch für die Faschisten stinkt Geld nicht – und für das Kapital sind die Faschisten gut, weil sie deregulierte Märkte, entrechtete Massen und damit mehr Profit bringen.

Lasst uns dazu NEIN sagen! Lasst und gegen diesen Wahnsinn auf die Straße gehen! Lasst uns dieser lobbyistenhörigen, rückwärtsgewandten, die Bürger nach Strich und Faden bescheißenden Gurkentruppe, die so tut, als wenn sie regieren würde eine klare Absage erteilen – und lasst es uns so tun, dass die Faschisten, die in den Startlöchern stehen, alles nur noch schlimmer zu machen, KEINE CHANCE BEKOMMEN, an die Hebel der Macht zu gelangen! Darum noch mal: GENERALSTREIK! JETZT! Diese sogenannten Reformen richten die arbeitende Bevölkerung, das Gesundheitswesen und die Rente endgültig zugrunde – zugunsten gieriger, nimmersatter Bonzen und zum Schaden aller anderen im Lande. Lasst uns das nicht einfach so hinnehmen. Wenn es je einen Moment gab, in dem Deutschland aufstehen muss, dann jetzt!

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What about happiness…? (Part 7)

Das Wichtigste zuvorderst – aus meiner Sicht ist mein Status weiterhin ungeklärt. Aber dem werde ich nächste Woche Abhilfe schaffen. Die ersten Tage waren zumindest teilweise ein ziemlicher Hustle, weil vieles liegen bleibt, wenn man in Urlaub ist. Nicht nur bei der Arbeit. Zudem tut meine physische Gesundheit nicht so, wie sie soll, was natürlich zusätzlich auf’s Gemüt drückt. Und wir sind hier in einem Wetter gelandet, dass sich die letzten Tagen so gar nicht nach Mitte Juni angefühlen wollte. Schlecht für den weiteren Abbau des Vitamin-D-Defizits. Wir sind nun schon seit 6 Tagen zu Hause und letztlich lässt sich nur sagen, dass der Alltagstrott nach unserer Auszeit so viel schneller zugeschlagen hat als sonst, dass ich nicht genau weiß, wie lange das noch so weitergehen kann. Ich meine… mit Blick auf manche Dinge bin ich entspannter, aber die Sorgen und Probleme rings um meinen Job waren mit einem einzigen Fingerschnippen wieder so präsent, als wenn ich nie weg gewesen wäre. Den Ratschlag über das Verlassen des Alltagstrott, den ich mir selbst und meinen Leser*innen in meinem letzten Post aus Italien gab zu beherzigen, schaffe ich derzeit nicht mal im Ansatz! Ob’s am Energieniveau liegt, an äußeren Umständen oder der Tatsache, dass ich mir derzeit bezüglich meiner Zukunft tatsächlich unsicher bin, spielt dabei keine Geige! Damit leben muss ich trotzdem. Ich hatte tatsächlich, nachdem ich hier ausgesprochen hatte, dass ich auch zum Jobwechsel ernsthaft bereit bin, wenn sich nicht etwas ändert, nachts zum ersten Mal in meinem Leben eine Panikattacke. Ich kann gar nicht so präzise beschreiben, wie sich diese geäußert hat – außer dass sich offenkundig ein sehr tiefsitzendes Unwohlsein bezüglich meiner Erkenntnisse meiner bemächtigt hatte. Ich werde in zwei Tagen 52 und auf dem Arbeitsmarkt bin ich jetzt nicht mehr unbedingt der heiße Scheiß, auf den jeder sehnsüchtig wartet. So viel Realismus muss dann wohl doch sein. Ob ich also happy bin? Sagen wir mal so: es gibt ein paar tolle Dinge, die mich von meinen anderen Sorgen ablenken – und die machen mich sehr wohl happy! Z. B unsere TTRPG-Sitzungen (die erste hatte ich gleich gestern) Zudem verarbeite ich – wenn leider auch nicht ganz so bewusst – immer noch die Eindrücke unserer Reise. Aber wirklich happy bin ich NICHT!

Die Heimfahrt führte uns über einen letzten Stop in Italien in einem entzückenen kleinen Städtchen in der Emilia-Romagna: Castell’Arquato. Wenn man in der Gegend unterwegs ist, lohnt sich der Abstecher. Die sonntägliche Heimfahrt kostete mich eigentlich nur auf deutschen Autobahnen wirklich Nerven, denn kaum, dass man Weil am Rhein passiert hat, schaltet offenkundig jedes einzelne Mal irgendeine unsichtbare Macht die Hirne vieler Fahrer einfach aus. Sei’s drum. Wir fuhren, wie eigentlich immer in den letzten Jahren, vorher ÜBER den Gotthard, anstatt drunter durch und ich bin immer wieder fasziniert und angetan vom Hochgebirge. In Summe war es dieses Mal keine Zeitersparnis, aber auch kein Zeitverlust. Doch auch diese, im Vergleich weitestgehend stressfreie Heimfahrt bei bestem Wetter, die wunderschönen Abstecher… all das konnte dieses Grimmen in meiner Magengrube nicht vollständig überdecken. Und egal, wie sehr ich auch versuche, mich mit schönen Dingen abzulenken – so lange meine persönliche Situation noch einer nachhaltigen Lösung für die Zukunft harren muss, werde ich keine echte Ruhe finden. Dazu hängt einfach zu viel davon ab, wo ich meinen Platz haben werde und wie gut ich damit zum Unterhalt der Mischpoke beitragen kann! Da beißt keine Maus den Faden ab. Noch ein verdammt guter Grund, den Kapitalismus, wie er heutzutage ist, einfach hassen zu müssen. Ich kenne natürlich Leute, die das anders sehen. Aber aus meiner Sicht verschwenden immer noch und immer wieder viel zu viele Leute ihre wahren Potentiale in irgendwelchen Bullshitjobs, verleugnen ihre tatsächliche Berufung für den Dollar, der eben so ihre existenziellen Bedürfnisse stillt, roboten sinnentlehrt vor sich hin und vergessen unterdessen, wer oder was sie eigentlich sind… oder wenigstens: sein müssten! Zum Kotzen! Doch auch ich habe noch kein probates Mittel gegen diese wahre Pest unserer Zeit gefunden.

Die Tage saß ich mit zwei hochgeschätzen Kollegen zu Tisch und die lebhafte Diskussion hatte sich entzündet an Apples’ Ankündigung, die neue KI nicht nach Europa zu bringen, weil es keine Übereinkunft mit den europäischen Datenschützern gäbe. Die zwei Kollegen ärgerten sich darüber und argumentierten, dass Europa dadurch technologisch wie auch wirtschaftlich abgehängt würde. Meine Argumentation, dass der flächendeckende Einsatz solcher Large Language Models aus dem Silicon Valley durch weitere Monopolisierung nur zu einer weiteren Kapitalagglomeration bei den Tech-Bros führen würde, die aus meiner Sicht eine erhebliche Gefahr für die Demokratie darstellen und dass eine Einschränkung demokratischer Prozesse zur Beschleunigung technischer Entwicklung (wie etwa in China praktiziert) nicht sinnvoll sei, ist, wie ich glaube, nicht so ganz angekommen. Dazu ist mein Blick auf den Kapitalismus für die zwei Kollegen wohl doch ein Mü zu sozialistisch. Ich bin unterdessen davon überzeugt, dass Milliardäre zumindest teilenteignet, Unternehmens-Erbschaften und Kapitalerträge wesentlich stärker besteuert und eine wirklich soziale Marktwirtschaft wiederhergestellt werden müssen, um einzelnen Menschen endlich die Macht zu nehmen, “demokratische” Prozesse (und damit die Lebensumwelt der Nicht-Habenden) nach ihrem Bilde zu gestalten und die frappierende soziale Ungleichheit abzumildern. Und ich bin auch nicht mehr zu diesbezüglichen Konzessionen bereit. Ich spreche niemandem ab, dass er oder sie ein leistungsgrechtes Einkommen verdient. Aber leistungsgrecht bedeutet zum Beispiel für einen CEO nicht das 490-fache Jahresgehalt eines einfachen Mitarbeiters. NICHTS AUF DIESEM PLANETEN RECHTFERTIGT SOLCHE SUMMEN! Insbesondere dann nicht, wenn gleichzeitig die Reallöhne der einfachen Beschäftigten fallen und die nicht-fixen Bonusanteile der Management-Gehälter von der erwirtschafteten Rendite abhängen, die heutzutage allzu oft durch die “Freisetzung von Humanressourcen” (also Massenentlassungen) realisiert werden. Was in der Folge zur Arbeitsverdichtung und noch mehr kranken, ausgebeuteten Menschen führt. Vielen Dank für nichts, Kapitalismus!

Ich merke gerade, wie sehr sich meine Gedanken nicht nur um soziale Gerechtigkeit an sich, sondern vor allem auch um einen Ausweg für mich selbst aus dieser Tretmühle drehen. Und wie unhappy mich diese Erkenntnis wirklich macht. Vielleicht ist es gar nicht mal verkehrt, dass ich ausgerechnet an meinem Geburtstag wieder zur Therapie gehe. Ich wünsche euch einen wunderschönen Samstag.

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Benvenuti nelle Marche N°20

Die Tage verfliegen schnell wie der Wind, der noch gestern dicke Gewitterwolken über das Land getrieben hat. Ich bin definitiv nicht der Einzige, dem die Zeit en passant zwischen den Fingern zerrinnt; denn während wir denken und planen, tun und ahnen, passiert es einfach. Und ganz gleich, was wir fürderhin alles noch tun zu wollen oder zu müssen glauben… was in dieser Sekunde vor meinen Augen, meinen Ohren, unter meinen Händen vorbeizieht, DAS ist es, was wir Leben nennen. Angewidert und fasziniert zugleich von der unüberwindbaren Mauer der nächsten Sekunde gewahre ich, wie das Pendel unaufhaltsam vor und zurück schwingt, Zeit in kleine Stückchen schneidet, während ich – nicht allein – gebannt darauf warte, dass irgendetwas passiert, das mich aus meinem Trott herausholt. Mein Trott! Was für eine falsche und zugleich so perfide Wortkonstruktion. Macht sie mich doch selbst glauben, einem geschundenen Maultier gleich, tagein tagaus unter glühender Sonne um den Brunnen zu laufen, um Wasser zu fördern. Stupide. Eintönig. Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat, bis ein gnädiger Tod meine freud-, sinn- und nutzlose Existenz ENDLICH beendet. WAS FÜR EIN STUSS IM QUADRAT! Mutter Natur gab mir zwei Hände und einen Kopf – mithin alles, was es braucht, um für sich selbst zu denken, die Gedanken in die Welt zu tragen und sich seinen Sinn auf diese Art selbst zu schaffen. Nein, vielmehr, sich selbst zu ERSCHAFFEN. Freude und Nutzen emergieren aus der eigenen Schöpfung dann oft im gleichen Zuge, wenngleich nicht notwendigerweise. Es braucht auch ein bisschen Glück und Beharrlichkeit. Und doch… und doch lassen wir uns immer wieder in diese Spirale der selbstverschuldeten Unmündigkeit hineinziehen, weil es so viele Ablenkungen, so viele Optionen, so viele vermeintliche Vorbilder gibt, die uns weißmachen wollen, dass Andere besser wüssten, wie wir unser Leben richtig zu leben hätten. Ach verflixt, wir brauchen eine neue Aufklärung (nö… nicht die mit den Bienchen und Blümchen…)

Aber es sind immer wieder solcherlei widersinnige Wahrnehmungen, die einem die letzten Tage des Urlaubs verleiden können. Und ich werde nicht behaupten, dass es mich, oder die beste Ehefrau von allen nicht auch umtreiben würde, am Samstagmorgen – wenn auch mit einem spontan gebuchten Stop in der Emilia Romagna bis Sonntagmorgen – die Heimreise antreten zu müssen. Genau in diesem Moment jedoch sitze ich, bei ca. 26°C mit blauem Himmel, im Schatten der Pergola und schaue über das Tal vor unserem Ferienhaus. Und es ist eine wahre Wonne, denn die Landschaft ringsum ist einfach wunderschön. Der Grill kühlt noch ab, das Essen war köstlich und der Abend wird lau. Zuvor haben wir einen kurzen Ausflug gemacht und danach Bahnen im Naturpool unten am Hang gezogen. Ein idealer Tag, um zu vergessen, was zu Hause alles wartet. Aber selbst, wenn ich heute bei der Arbeit gewesen wäre und nun “nur” zu Hause auf dem Balkon säße, bliebe es immer noch meine Entscheidung, mich darob zu grämen, was ich alles “verpasse”. Denn… was verpasse ich tatsächlich? Soll ich mich tatsächlich, nur auf Grund der bunten bewegten Bildchen Dritter auf Antisocial Media der FOMO (Fear Of Missing Out) hingeben? Bildchen, die genauso hart gestellt und kuratiert sind, wie jene, die ich hier benutze? (Ja, ich bearbeite meine Fotos NATÜRLICH auch, weil ich finde, dass diese meinen ästhetischen Maßstäben genügen sollten). Bildchen, die ein Leben zeigen, so echt wie Wimpern von irgendeinem weiblichen C- oder D-Promi? Hell no, what the fuck? Mein Leben findet da statt, wo ich gerade bin – und ich bin auch kein armes Maultier, dass immerzu um einen Brunnen laufen muss, sondern ein Mensch, der seine eigenen Entscheidungen treffen, sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen, sein eigenes Ding machen kann. Zumindest innerhalb der üblichen Grenzen. Aber diese Grenzen sind okay so.

Ich schrieb die Tage über was Wollen. Ob man es überhaupt kann und falls ja, ob man es auch tun sollte. Vielleicht habe ich das noch nicht scharf genug hearusgearbeitet – JEDE*R SOLLTE WOLLEN! Nur vielleicht nicht alle das Gleich zur gleichen Zeit. Aber mit einem bisschen Individualität ist das ja auch nicht unbedingt wahrscheinlich. Solcherlei Probleme entstehen eigentlich immer nur dann, wenn große Mengen von Leuten zusammen den gleichen (falschen?) Idealen hinterhertraben, weil es a) wenigstens in eine Richtung geht, b) man nicht alleine ist, c) der/die/das da vorne schon wissen wird, was richtig ist und d) man gemeinsam ja auch stärker ist. Und schon haben wir auch noch das Patentrezept für zeitgenössische Scheiße im Ventilator: den Internet-Shitstorm. Wenn ich jetzt z.B. sage, dass alle Songs von Taylor Swift gleich klingen und ich mich nicht wundern würde, wenn diese überaus seichte Kost von einem Algorithmus komponiert worden wäre, ist das quasi gleichbedeutend mit Online-Suizid. Gottseidank ist mir das Wurscht und ich kann hier meine Meinung einfach sagen, denn alle auflaufenden Kommentare müssen sowieso erst durch mich freigegeben werden. Daher kann ich sagen: sogenannte “Swifties” sind für mich der Inbegriff medialer Selbstversklavung und -verdummung! Ich will unterdessen etwas ganz anderes! Ich will über meine freie Zeit so verfügen, wie ich es für richtig halte! Ich will – nicht nur im Urlaub – mich selbst als eigenständig und frei erfahren! Ich will gestalten, wo, wie und was ich nur kann! Und ich will kein Swiftie werden! Egal für welches dämliche Medien-Franchise auch immer. Da bin ich lieber mein eigenes Medien-Franchise. Und während ich all dies hier schrieb, da ist die Zeit voran geschritten, wurden kleine Stücke durch das Pendel des Schicksals abgesäbelt, die sang- und klanglos im allzeitigen Strom des ewigen Vergehens mitgerissen worden sind; und es hat nicht mal wehgetan. Denn die Zeit ward gut verbracht, weil die Entscheidung, sie so zu verbringen MEINE war. Und… was habt ihr heute so gemacht, das für euch Sinn ergeben hat; ganz gleich ob in der Ferne oder zuhause? Wir hören uns die Tage wieder…