A scream in the dark N°1 – Aufgeklärt…?

Ich bin ärgerlich. Ich habe anderthalb Tage darauf verwendet, jungen Menschen nahe bringen zu wollen, warum Ethik im Gesundheitswesen, aber auch im Leben eine Rolle spielt. Warum ein ethisch denkender und handelnder Mensch niemals Rassist, Chauvinist, Neo-Nazi sein kann. Warum Moral und Ethik nicht das Gleiche sind; niemals das Gleiche sein können, weil Ethik sich wissenschaftlichen Denkens bedient, während das andere viel zu oft stumpf Dogmen repliziert. Analog zu meinem absoluten Hasssatz “Das haben wir schon immer so gemacht…”. Warum ein humanistisches Menschenbild und die Ausgrenzung bestimmter Gruppen einander ohne jeden Zweifel vollkommen und absolut ausschließen. Mit anderen Worten: ich habe versucht Aufklärung zu betreiben. Dass ich dabei auch den kategorischen Imperativ aus der Kant’schen Moralphilosophie benutzt habe, ist natürlich kein Zufall. “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.” Vor 242 Jahren postulierte Immanuel Kant diese Worte. Und ja, man sollte den Mann in seinen zeitlichen Kontext einordnen. Er war ein chauvinistischer, mysogyner Stinkstiefel, der aus seinem Denk-Kabuff in Königsberg so gut wie nie herauskam. Dennoch haben seine Worte auch heute noch Bedeutung. Eigentlich heute sogar noch viel mehr als damals. Kant hat niemals verstanden, dass seine – oft zu verkopft formulierten – Ideen für wirklich JEDEN MENSCHEN Gültigkeit haben könnten; und dass man sich an diesen Ideen 164 Jahre später orientieren würde, um das Grundgesetz so zu formulieren, wie es formuliert wurde, hätte ihn eventuell überrascht. Ist aber so passiert. Doch… ist unser Grundgesetz heute noch aktuell? Oder anders formuliert: was genau führt dazu, dass immer mehr (vor allem junge) Menschen zu vergessen scheinen, dass unsere Demokratie kein gegebener Zustand ist, der ohne Zutun der Menschen, welche in ihr leben einfach fortbesteht? Unsere Demokratie als Idee ist ein Wert an sich, weil sie ALLEN Menschen das unhintergehbare Recht zuspricht, sich als eigenständiges Subjekt frei entfalten zu können. Das meinen Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3 des Grundgesetzes im Kern.

Das eigentlich Ärgerliche für mich ist nicht, dass Schüler*innen beim Thema Ethik komplett abschalten, weil sie sich viel lieber mit den Action-Aspekten des Berufes Notfallsanitäter*in befassen wollen. Wer nicht verstehen will, dass unser Job eine soziale Komponente hat, welche die Action-Komponente bei weitem überwiegt – und auch noch strukturiert – dem kann ich halt nicht helfen. Das sind dann diejenigen, die am Examen scheitern, oder so nach 6 Monaten bis einem Jahr die Ausbildung schmeißen, weil ihnen zu dämmern beginnt, dass man sich doch tatsächlich auf die Menschen einlassen muss, für die, an denen, mit denen zu arbeiten man aufgerufen ist. Mich kotzt es an, dass so wenige Menschen sich tatsächlich dafür interessieren, weil ihnen nicht bewusst ist, wie leicht sich unsere demokratischen Instuitutionen und Prozesse aushebeln lassen, wenn man sich die Ratten auf dem Wege eines demokratischen Prozesses ins Haus holt. Aufklärung bedeutet, dass jede*r von uns aufgerufen ist, sich eine INFORMIERTE MEINUNG zu bilden, die auf beweisbaren Fakten und wissenschaftlich fundierter Theorie beruht, anstatt auf dumpfer Meinungsmache und Emotionen. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ich im Laden ein Buch nach Covergestaltung auswähle, oder am Wahltag denen hinterher renne, die am lautesten (allzu oft fiktive) “Schuldige” für die Umstände benennen und im gleichen Atemzug versprechen, genau diese “Schuldigen” für all unsere Probleme zu bestrafen. Gleichgültig, wer diese Probleme wirklich verursacht hat. Denn ein gutes Feindbild gibt dem Tag Struktur!

Ich ärgere mich tierisch darüber, dass Jammern auf hohem Niveau mittlerweile zu einer Kunstform geworden ist, welche der deutsche Michel in seiner schlafmützig-reaktionären Besitzstandswahrermentalität bis zur höchsten Finesse trainiert hat. Wir leben nach wie vor in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, auf einem Niveau, für dass uns mindestens 160 von 193 Staaten auf der Erde beneiden; manche von denen sehr bitter. Und hier ziehen Menschen auf die Straße, die keine Ahnung haben, wie sich ein hoher Migrationsanteil in der eigenen Stadt anfühlt, um rassistische Parolen zu skandieren, weil ihnen Migranten angeblich die Lebensqualität bedrohen. Ich zitiere mal aus dem Internet: “Natürlich nehmen dir die Ausländer den Job weg. Aber wenn jemand ohne Sprachkenntnisse, Geld und Kontakte dir den Job wegnimmt, bist du vielleicht einfach nur scheiße.” Das ist natürlich ein bisschen platt. Aber irgendwie… kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es stimmt. “Selbstverschuldete Unmündigkeit” meinte zu Kants Zeiten, den Rattenfängern der organisierten Religion hinterherzulaufen, welche 1784 seit weit über 1000 Jahren das Monopol darüber hatten, bestimmen zu dürfen, was man als Mensch zu denken und zu tun hatte. Kant war bewusst, dass wir als Menschen in der Lage wären mehr zu erreichen, wenn wir uns von diesen Fesseln der Fremdbestimmung freimachen könnten. Heute ist es keine kirchliche Fessel der Fremdbestimmung mehr, da der Einfluss der Kirchen erheblich abgenommen hat; diese Fesselfunktion übernimmt heute das simple, dumpfe, egoismus-getriebene Sentiment der Angst vor sozialer Not und des Hasses auf das Fremde, welches sich ganz hervorragend über Antisocial-Media verbreiten und anheizen lässt. Facebook war die erste globale Antidemokratie-Maschine und Mark Zuckerberg ärgert sich vor allem darüber, dass er nicht mehr das Beeinflussungsmonopol hat. Denn Demokratie ist in den Augen der Tech-Bros schlecht fürs Geschäft. Auch wenn Kants Formulierung schon fast zweieinhalb Jahrhunderte auf dem Buckel hat, ist sie daher aktueller denn je – könnte Aufklärung doch HEUTE bedeuten, sich wieder vom schlechten Einfluss der Antisocial-Media-Meinungsindustrie freizumachen, indem man die Dinge hinterfragt, als sich vom Algorithmus mit Scheiße vollpumpen zu lassen. Oder sich durch’s Zocken vom Unterricht abzulenken, weil einen das Thema langweilt. Ein Thema, dass SO UNGEHEUER WICHTIG IST!

Mein Ärger bezieht sich damit nicht auf jene, die hinterher rings um meinen Lehrertisch standen und saßen und mit mir über die Dinge diskutiert haben. Um deren Verständnis mache ich mir eher geringe Sorgen. Aber diejenigen, die sich – bewusst – dafür entschieden haben, sich passiv dem Nachdenken-Müssen zu entziehen, welche die Selbstreflexion (aus ihrer Sicht geschickt) umgangen haben, die anzustoßen der eigentliche Zweck meiner Arbeit im Lehrsaal war… die ärgern mich. Denn es geht gerade bei diesen Themen nicht nur um den Job, sondern auch um Staatsbürgerkunde. Um Demokratie-Erziehung. Darum, diesen jungen Menschen die Wichtigkeit des Selbst-Denkens, des aktiven Hinterfragens politischer Antisocial-Media-Inhalte nahezubringen. Oder besser: ihnen dabei zu helfen, aufgeklärtere Menschen und Mitbürger*innen zu werden. Denn das ist der beste Beitrag gegen die Neo-Nazifizierung unseres Staates, den ich im Moment leisten kann. Was mich dabei zusätzlich irritiert ist, dass viele dieser jungen Menschen, gleich wo sie ihr Kreuz auf dem Wahlzettel machen und gleich welcher Herkunft sie sind, sich im Gespräch anhören, als wenn sie im Kiez Offenbach-Nordend aufgewachsen wären, mit Ćelo & Abdï und Hafti zum Frühstück. Ich habe nichts gegen Jugendsprache – in der Tat finden meine Töchter es erheblich cringe, wenn ich selbst welche benutze – aber können wir mal über die Nicht-Vereinbarkeit von Rassismus und kultureller Aneignung sprechen? Ach ja… die wilde, ungezügelte, hochemotionale Ambivalenz der Jugend. Wie dem auch sei – ich werde es wieder versuchen. Vielleicht nächstes Mal wieder mit einem neuen Ansatz. Ansonsten werde ich mir unter dem Label “A scream in the dark” weiter semi-philosophische Gedanken über unsere Zeit und ihre Herausforderungen machen. Schönen Vatertag übrigens…

500 Gramm gemischte Depression treffen auf 500 Gramm gemischten Hass – lesen auf eigene Gefahr…

Okay in letzter Zeit war es hier zu ruhig. Mein Monat April war jedoch härter, als ich es erwartet hätte. Sich schnell abwechselnde Aufgaben und viel Unterricht, den ich zu geben hatte, teilweise noch dazu mit wenig Vorbereitungszeit, haben mich mehr erschöpft, als ich anfangs zugeben wollte. Zudem galt es eine Menge neuer Leute kennenzulernen. Ich habe nämlich eine neue Klasse begrüßt. Das hat meine sozialen Batterien noch um einiges mehr belastet. Es gab zwar den einen oder anderen Moment, indem ich ein bisschen abschalten konnte, aber ganz ehrlich… gerade jetzt fühle ich mich extrem erschöpft! Vielleicht liegt es daran, dass die Rekonvaleszenzzeiten einfach zu kurz waren. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch lange nicht von meinem aktuellen depressiven Zustand genesen bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich über manche Kollegen ärgern musste, beziehungsweise nicht die Unterstützung bekommen habe, die ich mir gewünscht hätte. Schwamm drüber. Für jeden von uns hält das Leben dann und wann Überraschungen bereit und niemand von uns ist davor gefeit, von seinen eigenen Verpflichtungen überrollt zu werden! Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wann ich in den letzten Jahren jemals ein so großes Schlafbedürfnis gehabt hätte. Das ist für mich ein sehr sicherer Hinweis darauf, dass ich noch lange nicht über den Berg bin. Um nochmal ehrlich zu sein: momentan ist so ziemlich das Einzige, was mich noch am Laufen hält die Aussicht auf den Urlaub, der in ein paar Wochen beginnt. Und genau da sitze ich einem Trugschluss auf. Nämlich dem Trugschluss, dass nach dem Urlaub plötzlich alles wieder gut wäre. Glaube ich denn wirklich, dass zwei Wochen in Italien das wieder herrichten könnten, was die letzten sechs Monate in mir angerichtet haben? Je länger ich darüber nachdenke, umso unwahrscheinlicher erscheint mir dies. Und doch halte ich an dieser Hoffnung fest. Denn alles andere würde ja bedeuten, dass ich mir eingestehen müsste, dass ich eigentlich zu krank zum Arbeiten bin.

Nicht zum ersten Mal hat man mir neulich bedeutet, dass man mir wirklich nicht ansehen könne, wie schlecht es mir ginge. Ich kann den Leuten das nicht mal vorwerfen. Man sieht psychische Erkrankungen halt nicht von außen. Aber gerade jetzt, gerade heute, wo ich aus dem Fenster sehe und draußen die Sonne langsam den Abend einläutet, da wird mir bewusst, wie wenig Motivation mir verblieben ist! Im Grunde genommen gar keine! Damit ist das Zweite, was mich auch noch am Laufen hält, ist mein gottverdammtes Pflichtgefühl. Und das ist ein verdammt schlechter Grund, einfach weiterzumachen. Denn seien wir doch mal ehrlich… warum sollte ich überhaupt ein Pflichtgefühl empfinden, wenn doch verschiedene Vertreter meines Arbeitgebers kein Pflichtgefühl mir gegenüber zu empfinden scheinen? Ich meine, die kümmert es doch überhaupt nicht, wie es mir geht. Und am Ende des Tages ist das ein vollkommen normales Arbeitgeberverhalten. Es muss uns allen einfach bewusstwerden, dass Arbeitgeber sich selbst am nächsten sind und unsere einzige Chance als Arbeitnehmer, diesen Wahnsinn, den wir heute Arbeitswelt nennen überleben zu können darin besteht, uns ebenfalls selbst die Nächsten zu sein! Alles andere hat überhaupt keinen Zweck! Ach verflixt, ich stoße mal wieder in dasselbe alte Horn! Dieses „Mein-Arbeitgeber-ist-Schuld-an-meinem-Leid“-Horn. Und wisst Ihr, womit ich in dieses Horn stoße? Mit Recht, verdammt nochmal. Ich zitiere mal die Toten Hosen: „In einer Welt, in der man nur noch lebt, damit man täglich roboten geht…“ So fühlt es sich jedenfalls für mich momentan an.

Ich könnte jetzt natürlich auch sagen: „Na ja, eigentlich ist ja alles gar nicht so schlimm. Ich probier‘s mal mit Reframing und versuche wieder gut drauf zu kommen. Und das ist ja alles nur ‘ne kleine Gemütsverstimmung. Und am Ende des Tages wird das schon wieder. Ich hab ja Therapie und irgendwie komm ich schon klar.“ Oder ich sehe einfach der Realität ins Auge und stelle einmal mehr fest, dass Arbeitsverdichtung, Mehrarbeit, unklare Aufgaben und Zuständigkeiten, eine vollkommen überzogene Erwartungshaltung, äußerst knappe Ressourcen und Intrigenspiele über mehrere Jahre hinweg meine Motivation GETÖTET und meine schon zuvor bestehende Depression verschlimmert haben! Dass ich noch da bin… ist eigentlich eine riesengroße Dummheit! Aber ich stehe immer noch dazu: meine Arbeit ist mir wichtig, ich mag meine Kollegen, ich fühle mich meinen Schülerinnen und Schülern verpflichtet und ich bin niemand, der die Flinte einfach ins Korn wirft, nur weil es gerade mal schwierig ist! Ob ich damit allerdings für mich selbst auf dem richtigen Dampfer unterwegs bin, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Vermutlich nicht. Trotzdem muss ja irgendwie das Dach über dem Kopf, der Fetzen Stoff am Körper, das Futter auf dem Tisch und der ganze Tand, den man manchmal für notwenig hält finanziert werden. Oder, wie das Internet gelegentlich sinngemäß sagt: zu untalentiert zum Schauspielern oder Singen, zu ehrlich für’s Verkaufen, zu alt und zu fett für Sport und zu hässlich zum Strippen (was manche Influenzas nicht davon abhält, all dies trotzdem zu tun) – also, weiter geht’s. Nach dem Wochenende ist wieder Montag. Und Fritze will ja, dass wir mehr arbeiten, weil “Määg Dschörmenie greht eggen!”

Ja… das trägt auch noch erheblich zu meiner Pein bei: unterdessen in einem Land zu leben, dessen sogenannte Führungselite nichts Besseres zu tun hat, als die Einwohner kollektiv zu beschimpfen, weil diese für die fetten Kapitalistenschweine nicht noch mehr Rendite einfahren wollen. Zum Mitschreiben, Fotzen-Fritz: Trickle-Down existiert nur in Legenden! Menschen für’s krank sein oder krank werden bestrafen zu wollen – oder weil sie nicht genug malochen, um Fette noch fetter zu machen – ist asoziales Kognitionskoterbrechen vom Feinsten, du Spagallo! Das Nazi-Appeasement, dass deine Unfähigkeitsikone Jens anzettelt, ist unerhörter Mist! Und sag deiner dämlichen Gas-Kathi endlich, sie soll aufhören, im Konzernauftrag die absolut notwendige Energiewende zu verhindern. Diese Brechreiz erregende Fehlfarbe gehört ins Gruselkabinett, aber nicht auf die Regierungsbank. Und… wenn ihr wirklich eine Gesundheitsreform durchführen wollt, dann deckelt gefälligst zuerst Pharma- und andere Gesundheitskonzern-Profite, anstatt Rettungsdienstbudgets kaputtzusparen! Aber… mir hört ja eh keiner zu und irgendwo da draußen müssen ja die Millionen von Idioten wohnen, die dieses korrupte Drecksgesindel von einem not- und machtgeilen aber ahnungslosen Kanzlerwahlverein zur stärksten Partei gemacht haben. Und denen unser Absturz in die Diktatur immer noch nicht schnell genug geht, weswegen sie jetzt nach Blau gieren. Und nur damit es noch mal in aller Form gesagt ist: wer dreckige, chauvinistische, rassistische und überdies Konzerngesteuerte Nazi-Arschgeigen wählt, kann nur eines sein: nämlich eine Nazi-Arschgeige! Hoffentlich bekommt ihr morgen, am ersten Mai von den Genossen ordentlich eine auf’s Maul, wo auch immer ihr auftauchen mögt. Langes Wochenede. Und das Einzige woran ich denken kann, sind so ein Mist – und der kommende Montag. So weit ist es gekommen. Ich mach besser Schluss. Tschüss!

Auch als Podcast…

Teenage meltdowns – adult problems?

Wenn ich so auf die letzten 12 Jahre meines Lebens halbwegs ehrlich zurückblicke, dann kommt immer wieder die Frage auf, was zum Teufel ich hier eigentlich mache. Ich meine… unter dem Strich steht unterdessen ein Leben, frei von existenziellen Ängsten. Sozialer und wirtschaftlicher Aufstieg. Die Erfüllung des einen oder anderen Wunsches. Doch bei den Aufwendungen, da finden sich mittlerweile chronifizierte Arbeitsüberlastung, Depression… und seit neuestem auch die zunehmende Entfremdung vom ältesten Kind. Nun ist mir bewusst, dass sehr viele Teenager zwischenzeitlich zu dogmatischen, unempathischen, asozialen, arroganten, durch und durch egoistischen Miststücken mutieren. Ich kann meine Eltern leider nicht mehr fragen, wie ausgeprägt das bei mir selbst war; sie sind beide schon seit Jahren hinnieden. Ich denke jedoch, dass meine Eskapaden ihnen dann und wann auch Kopfzerbrechen gemacht haben mögen, wenngleich ich mich selbst – natürlich! – immer eher als pflegeleichtes Kind wahrgenommen hatte. Keine Ahnung, wieviel Körnchen Wahrheit an DiESER Legende sind. Aber ich selbst als Vater… ja ich fühle mich im Moment überfordert. Ich habe in letzter Zeit immer wieder gesagt, dass mit der berufsinduzierten Depression ließe sich noch wegatmen, weil zu Hause ja alles in Butter sei. Doch das scheint nun glatt gelogen. Heute Morgen war es mal wieder soweit: eine Petitesse, die sich durch drei Handgriffe aus der Welt räumen ließe mutierte zum Hornberger Schießen zwischen Tochter und bester Ehefrau von allen. Und ich saß da – und wusste nichts zu sagen! Zum einen weil beide Recht und Unrecht zugleich hatten. Und zum anderen, weil in mir ein derartiger Widerwille aufstieg, mich in diese UNNÜTZE BULLENSCHEISSE einzumischen, dass es mehr Energie gebraucht hätte, in die “Diskussion” einzusteigen, als ich derzeit insgesamt aufzubringen vermag. Ich werde mich dieses Wochenende mit der Arbeit befassen müssen, da habe ich nicht auch noch Lust, mich mit Menschen zu streiten, mit denen eigentlich besser kein Streit herrschen sollte…

Hier sitze ich nun eine Weile später vor dem Rechner und weiß immer noch nicht, was ich von all dem halten soll. Denn eigentlich beschäftigt mich eine vollkommen andere Frage: wofür reisse ich mir überhaupt noch den Arsch auf? Warum… ja warum haue ich nicht ein einfach in den Sack und schaue mal, was das Leben MIR noch zu bieten hätte? Warum tue ich mir das immer noch an, obwohl ich merke, dass ich das nicht mehr will und nicht mehr kann? Weder at work noch at home? Warum in drei Teufels Namen halte ich – hüben wie drüben – die Stellung, obschon ich dafür in den letzten Jahren gefühlt immerzu nur auf die Fresse bekomme? Was mache ich hier überhaupt noch? Ich weiß es nicht mehr! Ganz verschissen ehrlich – ich weiß es nicht mehr! Ich bin eine Woche dienstlich weg und meine Wiederkehr ist eine bloße Randnotiz. Das Leben fährt vorbei, während ich, wie hypnotisiert, aus dem Fenster schaue und wahrnehme, dass so vieles, was ich bislang als Landmarke zum Navigieren nutzen konnte, verschwindet – oder schon verschwunden ist – und das ich mir schwer tue, neue Landmarken zu finden. Das unfreiwillig Ironische daran ist, dass man mir im Alltag meine Richtungslosigkeit zumeist nicht anzumerken scheint, weil meine Haltung und meine Überzeugungen noch funktionieren; ich würde vermuten, weil ein humanistisches Menschenbild recht zeitlos ist. Doch in mir drinnen, da ist Chaos! Aufbruch! Übergang! Und ich weiß noch nicht wohin. Bin ich meiner Tochter darin ähnlich? Wäre möglich, denn als sozialpsychologisch geschulterm Menschen ist mir natürlich bewusst, dass solche Transitionsphasen im Leben des Menschen häufiger vorkommen. Ich glaube nur, mich nicht entsinnen zu können, dass es schon mal so wild war. Als ich aus der Schule ins Arbeitsleben überwechselte, da war das, im Vergleich zu jetzt, ein “Soft Opening”, weil ich zuvor ja schon für Geld gearbeitet hatte. Mir war vorher nur nicht bewusst gewesen, wie viele machtgeile, selbstgefällige Arschlöcher in Hilfsorganisationen an Entscheiderstellen sitzen. Doch so habe ich schließlich eine Ahnenreihe an miesen Chefs aufgehäuft, von der ich dachte, sie hätte mich stressfester gemacht. Weit gefehlt…

Jetzt im Moment, da fahre ich auf Sicht und weiß nicht, wohin ich will. Ich denke immer noch, immer wieder darüber nach, hinzuschmeißen und mir einen anderen Job zu suchen. Ich ertrage diese selbstgefälligen, egoistischen, intriganten Amateure an anderer Stelle im Land einfach nicht mehr. Und ich weiß wirklich NICHT, wie ich mit diesem Kind umgehen soll. Nun gibt es bestimmt irgendwo so einen NEUNMALKLUGEN BESSERWISSERISCHEN FLACHWICHSER, der irgendwas davon faselt, dass das doch nur Luxusprobleme wären, weil irgendwo anders Menschen verhungern, die gerne meine Probleme hätten. Fair enough, Arschloch – allerdings bringen diese Luxusprobleme auch Menschen um. Schon mal was von psychischen Erkrankungen und Suizidalität gehört, du dummes Schwein? Ganz ehrlich – ich will keine Ratschläge von besserwisserischen Küchenpsychologen, die keine Ahnung haben, wie sich das anfühlt. Ich will auch keine fertige Lösung. Ich suche nach der Kraft, selbst damit fertig zu weren. Und es hier aufzuschreiben, ist für mich ein Teil dieser Suche. Ob ich mich jetzt schon besser fühle? Kein bisschen! Ob ich schon klarer sehe? Nicht wirklich! Aber solche Prozesse brauchen Zeit. Ich glaube, mir ist gerade erst WIRKLICH bewußt beworden, dass ich in einigen Wochen 52 werde und damit offiziell weit mehr als die Hälfte rum ist. Und ich frage mich – wenn derzeit auch noch weitgehend unbewusst – geht diese Scheiße jetzt einfach immer so weiter, bis ich irgendwann (endlich) in die Kiste fallen darf? Läuft es tatsächlich darauf hinaus, dass ich ab jetzt – immer schön passiv, duldsam und friedlich – auf den Undertaker warten soll? NO – FUCK YOU – NO! Das werde ich nicht akzeptieren! Aber, was aus dieser Nichtakzeptanz folgen soll… das muss ich erst noch rausfinden. Für heute muss mir genügen, mich vor weiteren Anfechtungen zu schützen und wenigstens ein bisschen Erholung zu finden. Wie auch immer das im Moment gehen soll. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°59 – Aus dem Handgelenk…?

Man neigt einfach zu oft dazu, das Rad neu erfinden zu wollen. Es gibt ja dieses Sprichwort: “If you want the job done well, do it yourself!” Und als Mensch in einer Leitungsposition huldige ich diesem Credo immer noch, weil ich viel zu oft dem Irrtum aufsitze, Dinge viel besser zu können als andere. In manchen Belangen mag das ja von Fall zu Fall zutreffen, doch eben nur in manchen… und es macht einem das Leben schwer, weil der Workload dadurch halt NICHT kleiner wird… Im Grunde genommen zeigt es überdies einen Mangel an Vertrauen in die Skills der eigenen Kolleg*innen. Daher versuche ich unterdessen, mich in diesem Punkt zu bessern. Aktuell noch mit wechselndem Erfolg, aber es ist ja auch noch nicht aller Tage Abend. Insbesondere jetzt wäre es auch dumm, alles selbst machen zu wollen. Ich bin einmal mehr mit einer neuen Klasse auf Einführungswoche und habe auch – wie eigentlich immer – einen Teil des Unterrichtes übernommen. Doch ich stelle fest, dass es viel einfacher wird, wenn ein zweiter Kollege dabei ist, der Input gibt und ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie eine solche Veranstaltung abzulaufen hat. Man hat gar nicht die Chance, alles so zu machen “wie immer”. Mannomann… dass ausgerechnet ICH hier feststellen muss, dass ich beinahe diesen dämlichsten aller Sätze gesagt hätte “Das haben wir schon immer so gemacht!”. Na ja, ist ja nicht passiert. Aber einige Male war es schon so, dass ich ein Programm abgespult habe und nicht immer war ich dabei flexibel genug, auf die Bedürfnisse der Schüler*innen richtig einzugehen. Und ich war oft zu sehr auf mich gestellt… alle möglichen Fehler inclusive. Das ist nun besser. Und es entlastet mich so sehr, dass ich den Unterricht, der mir nächste Woche eben zugefallen ist jetzt tatsächlich wenigstens einigermaßen vorbereiten kann, ohne das komplette Wochenende opfern zu müssen! Yay…

Ich glaube, hier schon des öfteren erwähnt zu haben, dass auch jemand mit Berufs- und Lehrsaalerfahrung sich für manche Themen immer wieder an die Bücher setzen muss, um keinen Mist zu erzählen. Das geht mir nicht anders; auch wenn ich schon so einiges ohne viel Tralala performen kann. Aus dem Handgelenk schüttelt man Unterricht dennoch so gut wie nie. Zumindest nicht ab einem gewissen fachlichen Niveau. Was man als erfahrene Lehrkraft aus dem Handgelenk schüttelt, sind Unterrichtsverlaufspläne, die passenden Methoden, das Classroom-Management, die Souveränität und den gelassenen Umgang mit Fehlern und Störungen. Der fachliche Content jedoch – der muss immer wieder überprüft und überarbeitet werden. Zum einen, weil Wissen als solches überaltert, vor allem aber, weil mein Gedächtnis mich manchmal bei den Details im Stich lässt. Theoretisches Wissen, das man nicht so oft in der Realität nutzt, degeneriert nämlich automatisch. Ich merke das an meinen Französischkenntnissen. Ich habe diese Sprache mal auf Leistungskursniveau bis zur allgemeinen Hochschulreife erlernt, aber wenn ich heute Konversation machen soll, frage ich mich, wie ich damit mein Abi geschafft habe…? DAS ist zwar schon Jahrzehnte her, aber beim medizinischen Fachwissen merke ich, dass oft nur ein paar wenige träge Monate bereits genügen, um Lücken entstehen zu lassen, die erst gestopft sein müssen, bevor ich meinen Schüler*innen entgegentreten und glaubwürdig referieren kann. Ich fahre halt nicht mehr aktiv draußen, sondern habe in der Hauptsache andere Aufgaben.

Nun ist da aber auch noch ein anderer Aspekt, der eine Rolle spielt. Ich bin, wenn ich ehrlich zu mir sein möchte, ein eher introvertierter Mensch. Ich hatte noch nie Probleme, auch mal für mich zu sein und mir selbst zu genügen. Tatsächlich sind größere Menschengruppen für mich NICHT unbedingt mein bevorzugtes Habitat. Als Lehrer stehst du aber nun mal volles Programm in der Bütt. Da vorne, wo die Musik spielen sollte, DA bist du. Und oft strengt es mich deshalb unendlich an, manchmal bin ich furchtbar gestresst, regelrecht gelähmt und fahrig und habe das Gefühl eine entsetzliche Performance abzuliefern. Könnte natürlich auch an meiner perfektionistischen Ader liegen – aber vor allem liegt es daran, dass ich diese ganze Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht möchte. Da können jetzt natürlich die Schüler*innen nix für, die haben einfach ein Recht auf Unterricht. Also unterrichte ich, auch wenn es schwer fallen mag. Genau deswegen schüttele ich einen Unterricht aber nicht mal so eben aus dem Handgelenk – eben weil es meine sozialen Batterien sehr schnell und nachhaltig lehrt. Vor allem, wenn ich gleich mehrere Wochen am Stück muss. In so einer Berufsfachschule unterrichten wir nämlich so ca. von 08:30 – 15:30 und werden auch in unseren eigenen Pausen beansprucht, wenn wir dem nicht entgegentreten. Und die Vor- und Nachbereitung findet zusätzlich statt; davor, danach, oder am Wochenende. Deshalb bin ich dankbar, momentan nicht alles selbst machen zu müssen. Man hat ja auch gerne mal Freizeit.

Ich bin wirklich gespannt, wie sich diese neuen Schüler*innen, welche ich in den letzten Tagen schon etwas besser kennenlernen durfte unter der Führung und Anleitung durch meinen Kollegen entwickeln. Aber ich bin ganz ehrlich auch froh, wenn ich morgen Mittag wieder gen Heimat fahren kann. Zum einen bin ich mit den Vorbereitungen für nächste Woche noch nicht fertig und zum anderen brauche ich dann meine heimatliche Höhle; incl. der wenigen Menschen, denen ich immer gehöre. In diesem Sinne – freut euch schon mal ein bisschen auf’s Wochenende. Heute ist ja Kleiner Freitag…

Quo vadis, magister?

Ordnung in all das zu bringen, was mir derzeit durch den Kopf geht, ist nicht einfach. Da ist so viel, dass passiert, ohne dass ich daran beteiligt bin oder irgendeinen einen Einfluss darauf hätte; und dass einem gleichzeitig Sorge bereiten kann, dass es jeder Beschreibung spottet. Und dann ist da noch der ganze andere Schlonz, den ich tatsächlich aktiv im Auge behalten muss, weil es mich ansonsten Freunde, Nerven, Geld, meinen Job oder was auch immer kosten kann. Leben passiert, während wir eifrig Pläne schmieden und die Götter sich gleichzeitig über unsere Naivität kaputtlachen. So weit, so normal. Ich glaube, gestern darüber geschrieben zu haben, dass man sich mit manchen Dingen einfach abfinden sollte, wenn man (immer noch) danach heischt, glücklich(er) zu werden. Das könnte man jetzt als billigen Fatalismus abtun. Oder man beginnt, ernsthaft über die Frage nachzudenken, wie viel Kontrolle wir wirklich wirklich über unsere Existenz haben. Disclaimer: das Ergebnis könnte in weniger stressfesten Individuen eventuell Unbehagen auslösen. Und trotzdem machen wir Pläne. Meine Familie und ich wollen etwa über Pfingsten in Urlaub fahren. Ist alles schon gebucht und soweit vorbereitet. Aber sicher wissen, dass es auch klappt tue ich erst, wenn ich unter der Pergola sitze, ins Tal schaue und an meinem vino rosso nippe; oder was mir sonst so zur Entspannung in den Sinn kommt. Ich erinnere hier mal wieder an das, unterdessen gut abgehangene Stereotyp des rotweinsaufenden Paukers auf Italienfahrt… Mir sind all diese kleinen und großen Unwägbarkeiten des Lebens schmerzlich bewusst. Mein großer schwarzer Hund namens Depression erinnert mich halt immerzu daran. Doch, all dem Gejammer zum Trotze ist da im Kern ein Teil von mir, der Reframing beherrscht, der sich auf die guten Dinge besinnen und sie wenigstens zeitweise ins Rampenlicht meines Gehirnzirkus’ rücken kann. Was auch immer diese guten Dinge von Fall zu Fall sein mögen. Denn auch das variiert, je nach Tageslage, teils erheblich. Mein Leben ist also eine verdammt ambivalente Angelegenheit. Aber ich habe die vage Ahnung, dass ich DAMIT nicht allein bin…

Vor meinem geistigen Auge fahre ich gerade über eine baulich waghalsig serpentinierte, panoramisch Atemnotfördernde, von Sonnenlicht überflutete Passstraße, die Fenster unten, die Musik laut, der Tag noch nicht zu spät. Ziel? Unbekannt! Ist auch nicht wichtig; Hauptsache, nicht hier! Was ich dort will? Nun… vielleicht ist das Ziel unwichtig, weil der Weg so viel Spaß macht? Ob ich jemanden dabei habe? Vielleicht… vielleicht auch nicht. Das hängt vom Tag und vom Ort ab. Möglicherweise fahre ich nur einkaufen. Oder aber, ich suche gerade Ruhe, selbst vor den Menschen, die mir grundsätzlich am Herzen liegen, weil ich nun mal so bin. Manchmal brauche ich etwas Einsamkeit. Ich kann geradezu die Sonne auf der Haut spüren… und die Wärme des Windes. Und dieses wunderbar unbestimmte, unbeschwerte, unvernünftige, unverplante Gefühl von Freiheit. Stattdessen werde ich heute jedoch noch mal in die Dienststelle tingeln und meinen Dienstwagen fertig packen, denn ab morgen bin ich mal wieder auswärts unterwegs, um eine neue Klasse zusammen mit ihrem Klassenlehrer durch die Einführungswoche zu begleiten. Es geht dabei darum, einander kennenlernen, den Ablauf der Ausbildung zu verstehen, die Wichtigkeit sauberer Kommunikation zu begreifen (oder wenigstens damit zu beginnen), sich an verschiedene Modalitäten des Unterrichts an unserer Institution zu gewöhnen. Alles keine Nuklearphysik. Aber zeitaufwändig. Und ein Stück von Zuhause entfernt. Ich weiß gerade nicht, ob ich mich darauf freuen, mich darüber ärgern oder mich davor fürchten soll, dass ich in den nächsten Wochen noch ein paar Mal dienstlich im Ländle unterwegs sein werde. Weil ich gerade mal wieder mit der Frage ringe, was ich eigentlich will. Klingt komisch aber… der Gedanke, all das einfach sein zu lassen und stattdessen was völlig anderes zu machen lässt mich seit einer Weile nicht mehr los. Und auch, wenn ich im Grunde WEISS, dass das sehr schwer würde (weil wahrscheinlich Gehaltseinbusse, weil Jobsuche für über 50jährige schwierig, weil woanders ist es auch scheiße, weil neu starten anfangs noch mehr Stress mit sich bringt), dreht mein Kopf trotzdem Extrarunden. Was auch sonst, wenn man eigentlich Ruhe haben möchte…?

Ich will wirklich und ehrlich versuchen, mit dem was ich habe meinen Frieden zu machen. Aber ich bin immer noch, immer wieder, immerzu erschöpft unruhig. Mein Kopf will JETZT in drei verschiedene Richtungen davonlaufen, während mein Körper schreit “LASS DEN SCHEISS! WILLST DU, DASS ICH KAPUTTGEHE?” Was also tun? Wohin soll er gehen, der Herr Lehrer? Derzeit versuche ich meinen Geist mit meinem Lieblingshobby zu beruhigen. Stabil ein bis zwei Spielrunden pro Woche, abwechselnd spielen und spielleiten, das ist hier das Ziel. Denn meinen Job – sorry, wenn ich jetzt arrogant klinge – kriege ich zumeist hin, ohne dass das Hemd dabei nass wird. Und der ist mir im Moment – wenn man mal von meinem Commitment für mein Team und jene Schüler*innen absieht, die es ernst meinen und mit uns zusammen an ihrem Ziel eines Berufsabschlusses arbeiten wollen – auch nur insofern wichtig, als er die Brötchen verdient… Also bin ich wieder bei jenen kreativen Dingen gelandet, die mir schon seit jeher Freude bereiten. Momentan habe ich einen riesigen Spaß daran entdeckt, aus meinen Campaign-Journals für die ganze Runde eine Art Notizbuch zu machen. Digital erstellt – aber alt aussehend. Macht total Laune. Und für mich ist dieses Erstellen von Zusammenfassungen auch ein Teil des Spiels, weil man sich vieler Aspekte der eigenen Figur erst in einer solchen Reflexion bewusst wird. Das würde meine Azubis jetzt zwar schocken aber… das mit dem selbst erarbeiten und reflektieren, um besser – oder überhaupt – verstehen zu können, funktioniert wirklich! Krass, oder…? Für’s Erste hilft das. Aber irgendwann MUSS ich mich der Systemfrage stellen und eine Entscheidung darüber treffen: Quo vadis, magister? Should I stay, or should I go? (Hell yes, “The Clash” wussten schon 1982 Bescheid!) Euch Eumeln da draußen einen schönen Start in die neue Woche. Ich starte morgen früh erst mal den Diesel Richtung Südosten…

Auch als Podcast…

What about happiness (Part 6) meets New Work 26!

Heute Morgen, als ich trotz Wochenende ein bisschen arbeiten musste, fragte mich ein alter Weggefährte, wie es mir gerade ginge. Ich sagte sinngemäß, dass meine Depression seit ca. 9 Monaten wieder kicken würde (was der Wahrheit entspricht), dass ich daher derzeit einen Therapeuten aufsuche (was ebenfalls korrekt ist) und dass ich dächte, langsam über den Peak zu sein – worüber ich mir mir ehrlich gesagt noch nicht im Klaren bin. Ich glaube eigentlich nicht, dass das wahr ist. Aber mit Depression ist das so eine Sache: es gibt verschiedene Typen und verschiedene Darreichungsformen. Bei mir ist es vielleicht eine hochfunktionale Depression, für die es jedoch, auf Grund der noch nicht ausreichenden Befundlage in der Forschung keinen Diagnoseschlüssel gibt. Es geht mir aber auch gar nicht so sehr um ein Label für meinen Zustand. Wir Menschen suchen ja immerzu nach griffigen Schlagworten, um verschiedene Aspekte unseres Selbst, unseres Lebens, unserer Arbeit unserer Befindlichkeiten den Anderen einfacher beschreiben zu können. In der Hoffnung dass es a) irgendeine Sau interessiert und b) dann auch Verstehen oder gar Verständnis erzeugt. Klappt, wenn ich so auf meine persönliche Erfahrung zurückblicke mal so, mal so. Aber ganz ehrlich, mir sind – bis auf wenige Ausnahmen – diese Anderen vollkommen schnuppe. ICH will verstehen, was mit MIR los ist. Und fertig. Denn wenn ich bis hierher eines festgestellt habe, dann dass ich mir sehr wohl auch mal selbst genug sein kann. Ist auch so eine Sache: ich bin eigentlich oft lieber allein. Der soziale Umgang mit größeren Gruppen erschöpft mich recht schnell. Eigentlich keine gute Voraussetzung für jemanden, der eine Bildungseinrichtung im Gesundheitswesen leitet und dabei regelmäßig selbst im Lehrsaal steht. Dennoch kann ich performen. Kann den Austausch gestalten, sobald ich in der Bütt stehe und empfinde manchmal sogar Freude daran, jungen Menschen als Reflexionsfläche für ihr Wachstum dienen zu können. Nur um danach JEDES MAL in ein Loch zu fallen. Irgendso ein Psychoheini hat dafür auch ein neues Label gefunden, aber ich weigere mich, mir das Etikett “otrovertiert” aufkleben zu lassen, weil mache Aspekte einfach nicht stimmen… Wie gesagt, Label sind mir egal.

Um auf den alten Weggefährten zurückzukommen: solche, durchaus ehrlich gemeinten Nachfragen werfen mich jedes Mal in Denkschleifen, von denen ich mir nicht sicher bin, dass die irgendwohin führen (können). Ich meine, ja verdammt, ich bin ein großer Freund ehrlicher Selbstreflexion. Ich weiß aber auch, dass man bei übertriebener Intensität direkt die Vorhölle der Selbstzerfleischung geraten kann. Und da will ich nicht hin. Dafür habe ich noch viel zu viel auf meiner Liste von Dingen, die ich gerne noch sehen, hören tun, erleben, schmecken möchte. Trotzdem bemerke ich immer noch die Freudlosigkeit, einen Mangel an Selbstwertgefühl (obwohl ich WEISS, was ich kann und wer ich bin) und gelegentliche Episoden, in denen ich aller Dinge überdrüssig bin. Es ist ehrlich gesagt anstrengend, jeden Morgen aufzustehen, die Maske des Machers aufzusetzen, für andere stark zu sein und neue Wege zu finden, wo andere nur Sackgassen und Risiko sehen – wenn ich mich doch innendrin so entsetzlich leer fühle. Hey… ich schreibe diese Zeilen an einem Samstagvormittag, während aus dem Bluetoothspeaker auf meinem Schreibtisch Musik ertönt, die ich mag, draußen die Sonne scheint und sich am Rande meines Bewusstseins eine Aura von Gemüsereis und gebratener Lammhüfte positioniert. Objektiv geht es mir gut! Ich habe im Gegensatz zu sehr vielen Anderen keine existentiellen Sorgen (außer ein paar idiotischen Autokraten als Mächtigen dieser Welt – und ja Fritze: du führst dich auch auf wie ein idiotischer Autokrat!). Ich habe ein paar sehr tolle Menschen in meinem direkten Lebensumfeld. Und auch, wenn mein Job mich in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht an den Rand und manchmal auch darüber hinaus getrieben hat, bin ich immer noch nicht bereit, die Flinte ins Korn zu werfen. Vielleicht ist das der Fehler? Vielleicht ist das der Grund, warum es mir schlecht geht? Dennoch gibt es Entwicklungen, die mich diesbezüglich Hoffnung schöpfen lassen. Aber… was hat das alles nun mit Happiness zu tun?

Ich glaube mittlerweile für mich herausgefunden zu haben, dass Happiness, dass Glück oder Erfüllung, oder weiß der Geier, wie man es nennen will, daraus entsteht, dass man lernt, Dinge zu akzeptieren, an denen man eh nichts ändern kann. Damit meine ich explizit nicht Nazis. Die MUSS man zu ändern versuchen, oder sie bekämpfen, vertreiben oder ihnen auf’s Maul geben, bis sie aufgeben. Diese Energie MUSS investiert werden, egal, wie depressiv ich werde. Aber… ganz ehrlich, bei der Arbeit… Scheißegal, wie oft irgendjemand Loyalität, Gute Wege und was-weiß-ich-nicht-noch-alles beschwört – für deinen AG ist Loyalität allzuoft eine Einbahnstraße – die bei DIR startet. Dein AG nimmt dich nicht in den Arm und tröstet dich, wenn es dir gerade dreckig geht. Dein AG will nicht wirklich wissen, dass du gerade nicht zu 100% funktionieren kannst, weil du krank bist, sondern ab wann du wieder 110% Leistung für 90% Gehalt geben kannst. Dein AG ist NIEMALS dein Freund, sondern IMMER nur eine Instanz, bei der du Lebenszeit gegen Geld eintauschen MUSST. Dein AG mag vordergründig ein freundliches Gesicht und warme Worte für dich haben, aber am Ende geht es immer nur um Zahlen, Zahlen, Zahlen. Am Ende des Tages bist du nur eine Nummer: austauschbar, stetiger Kosten-Nutzen-Betrachtung unterworfen und nur gut behandelt, solange du lieferst. Wenn du das verstanden hast, wirst du langsam freier. Weil du dir genau überlegst, wofür du deine Energie einsetzt, welche Kämpfe du kämpfst und ab wann es Zeit ist, Segel zu setzen, um neue Küsten zu erforschen. Ich habe es hier schon ein paar Mal gesagt: wenn ich könnte, wie ich wollte, keine Verpflichtungen hätte, würde ich was vollkommen anderes machen – weil es mir verdammt noch mal viel besser täte als mein jetziger Job. Aber ich HABE Verpflichtungen, die ich ernst nehme. Und ich empfinde echte Loyalität für mein Team und die mir anvertrauten Schüler*innen. Also habe ich angefangen, Grenzen zu setzen. Momentan weiß man noch nicht so genau, was man davon halten soll. Aber ich bin noch nicht fertig mit dem Grenzen setzen. Nochmal ganz ehrlich: selbst wenn ich mich damit der Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt aussetze: ein paar dieser lächerlichen Figuren, die mir seit Jahren auf die Eier gehen bekommen dieses Jahr ganz sicher noch ihr Fett weg. Vielleicht bin ich danach wieder fähig, mehr Freude zu empfinden. Gute, altmodische RACHE hat schon so ihre Reize. Ich wünsche ein sonniges Wochenende… und ein viel sonnigeres Gemüt, als ich eines habe…

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°58 – Ich bin erstaunt!

Ich hatte in der abgelaufenen Woche zugleich die Bürde und das Privileg, einer Klasse, die gerade ins zweite Lehrjahr kommt einen ersten, dennoch tiefgreifenden Einblick in eine nicht ganz leichte Kost geben zu dürfen: psychosoziale und psychiatrische Notfälle im Rettungsdienst. Mit Blick auf meine eigene diesbezügliche Krankheitsgeschichte war mir dabei allerdings ein Mü unwohl; was ich übrigens auch gegenüber meinem Therapeuten erwähnte. Er meinte jedoch, dass jemand, der selbst betroffen sei, aus einer Perspektive maximaler Glaubwürdigkeit agieren könne. Ich kann, auch wenn ich heutzutage sehr oft andere Aufgaben übernehme, sehr wohl unterrichten. Doch es gab ein paar Aspekte, die mir Kopfzerbrechen bereiteten. Zum einen musste ich, weil mal wieder mit viel zu wenig Zeitressourcen ausgestattet, auf die Materialien eines Kollegen zurückgreifen. Die habe ich zwar für meine individuellen Dozentenbedürfnisse umgestrickt, dennoch steckte auch darin noch viel Arbeit, denn man muss, sofern man anderer Leute Content nutzt, den Stoff trotzdem selbst noch einmal so tief durchdringen, dass man zumindest die meisten Fragen – ja auch die ungewöhnlichen – ohne große Umschweife beantworten kann. Okay… challenge accepted. Ein zweiter Punkt war ein recht umfangreicher Vortrag zum Thema Depressionen… und einer zum Suizid. Mir wurde einmal mehr bewusst, dass Menschen, die in diesem Job arbeiten, selbst deutlich gefährdeter sind, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, als die ganzen Menschen mit Jobs, in denen man nicht mit Not, Elend, Tod und noch vielen anderen negativen Erlebnissen konfrontiert wird. Ich musste da also durch, ohne mich selbst oder meine Schüler*innen zu triggern. Und schließlich musste ich die Erwartung der jungen Leute dämpfen, hinterher wirklich in allen Situationen sofort eine Lösung parat zu haben. Daher war ich heute sehr positiv überrascht, als mir ein paar von ihnen im Plenum offenbarten, verstanden zu haben, dass ein Hauptzweck der Übung vor allem in der Sensibilisierung für eine Materie bestand, deren Betroffene uns NotSans im Umgang sehr viel Geduld abverlangen, deren soziales Stigma inclusive aller möglichen Vorurteile nach wie vor enorm präsent ist. Und denen helfen zu können oft genug durch ein hierin lausig schlecht aufgestelltes Gesundheitswesen, zumeist mangelnde medizinische Selbstkompetenz und das Störfeuer Dritter verhindert wird.

Ich durfte feststellen, dass die Selbstreflexion, die ich stets während meines Unterrichtes einfordere hier stattgefunden hat. Vielleicht, weil ich an einigen Stellen zumindest versucht habe, auch auf mögliche eigene Betroffenheit einzugehen. Vielleicht, weil der eine oder die andere auch über eigene Erfahrungen verfügt. Vielleicht, weil es erst die erste Woche des Schulblocks war. Da ist man meist noch reativ frisch im Kopf. Ganz gleich, welchem Aspekt ich das zuschreiben möchte – aus meiner Sicht war die Woche damit ein voller Erfolg. Wir haben viel Wegstrecke gemacht und keine Motivation vernichtet. Wären meine Arbeitswochen immer so, wäre ich vermutlich letzthin nicht in ein so tiefes Loch gefallen. Doch da ich meine zeitlichen, emotionalen und kognitiven Ressourcen stets zwischen verschiedenen Baustellen aufteilen muss, anstatt mich auf eine bewusst konzentrieren zu können, bleibt mir diese Genugtuung allzu oft verschlossen. Daher feiere ich das jetzt gerade ein wenig. Ulkig ist im Zusammenhang mit dieser Woche im Lehrsaal übrigens der Umstand, dass eine der Schülerinnen mich irgendwann fragte, was das immer für komische Bilder wären, mit denen ich meine Präsentationen oft einleite? (Ja, damit bin ich ertappt: ich benutze Powerpoint(c). Ich versuche allerdings, meine Präsentationen nicht als diese, so weit verbreiteten Textwüsten zu gestalten, welche der Frankfurter Allgemeinen alle Ehre machen würden…) Ich sagte ihr sinngemäß, dass ich wohl relativ häufig ein paar Schritte zu weit dächte und meine Metaphern daher vielleicht nicht für jeden Betrachter funktionieren würden. Das ist der eine Teil der Wahrheit. Der andere: Präsentationen, die nur mit unserer Coporate Identity daher kommen, sehen für mich einfach stinklangweilig aus. Ich möchte ja beim Präsentieren auch Spaß haben. Dennoch möchte ich mir hier kurz die Mühe machen, zu erklären, was ich bei der Auswahl einiger Fotos gedacht und gefühlt habe:

Und damit sei euch ein schönes Wochenende gewünscht!

Auch als Podcast…

Writing Fiction #01 – …where to begin?

Gleich vorneweg: einen Roman schreiben, einen Essay schreiben, einen Blogpost schreiben und ein TTRPG-Abenteuer schreiben, sind vier vollkommen unterschiedliche Dinge. Das eine sucht nach Antworten auf eine spezifische Frage, oder versucht, dem Leser dabei behilflich zu sein, für sich selbst die richtige Frage (oder Antwort) zu finden. Und bedient sich dafür einer logischen Struktur, die (hoffentlich) für Dritte nachvollziehbar ist. Unterhaltsamkeit mag hier ein Bestandteil sein – muss aber nicht unbedingt; das ist der Essay (“essayer” aus dem Französischen für “versuchen” mag einen Hinweis auf den Zweck solcher Texte geben.). Der Blogpost hingegen ist ein freies Medium: er kann ein Essay sein, ein Rant, ein Listicle, eine Selbstreflexion… oder wasauchimmer. Meine Schreibe hier zeigt das, wie ich glaube, recht anschaulich. Alles von den vorgenannten kam hier schon mal vor. Ich kennzeichne das auch nicht. Leser sollen das ruhig selbst herausfinden. Ein TTRPG-Abenteuer ist, so wie die meisten Blogposts eine eher kurze Textform. Zumindest, so wie ich das betreibe. Ich beschreibe in aller Regel “nur” wichtige Non-Player-Characters (NPCs), wichtige Locations, wichtige Gegenstände. Im heutigen Mainstream wird NPC gerne als negativ konnotierte Bezeichnung für Nebendarsteller im Leben des Protagonisten genutzt – der Protagonist ist man natürlich immer selbst! In meiner Wahrnehmung sind NPCs jedoch eigenständige Persönlichkeiten mit Zielen, Motivationen, No-Gos, Gefühlen… halt wie richtige Personen. Ähnliches gilt auch für die anderen u.U. wichtigen Bestandteile des Abenteuers. Denn im Pen’n’Paper entsteht die Geschichte durch die – oftmals unvorhersehbare – Art und Weise, in der die Spielercharaktere mit dieser Welt und den eben genannten Elementen darin interagieren. Ich kann ein und das gleiche Abenteuer mit drei verschiedenen Gruppen spielen und es wird drei Mal unterschiedlich ablaufen und ausgehen. Was aber bedeutet, dass ich mir über die Story vorher weniger Gedanken machen muss. Ich habe vielleicht eine vage Idee, wohin der Zug fahren KÖNNTE. Die muss aber nicht eintreffen. Der Roman hingegen ist hinsichtlich der Frage nach einer erzählten Geschichte ein GANZ ANDERES BIEST. Denn ich muss – durch die Augen eines Erzählers all das, was für den Verlauf wichtig ist greifbar machen. Und das am Besten auf eine Weise, die für die Leser*innen – kognitiv, vor allem aber auch emotional – nachvollziehbar bleibt…

…is paar Jahre her. Wir haben alle Fehler gemacht, die im Buch standen und noch ein paar mehr! Trotzdem war – und ist es immer noch – eine ziemlich geile Erfahrung!

Um diesen Prozess des Roman-Schreibens soll es hier in der Hauptsache gehen. Nun gibt es da draußen schon eine Menge YouTube-Kanäle, Blogs, etc., die ihr Geld damit verdienen, Menschen erklären zu wollen, wie man einen möglichst erfolgreichen Roman schreibt – oder auch mehrere. Content-Creator, die realistisch betrachtet versuchen, ambitionierten Hobby-Autoren eine (ihre) “Hit-Formel” aufzuoktroyieren; die jedoch zumeist lediglich eines schafft – Einheitsbrei! Denn, wann immer ein “junger” Autor (das Adjektiv bezieht sich hier bewusst auf die Dauer der Autoren-Karriere, nicht das Lebensalter der Person dahinter) anfängt, von einer ersten Veröffentlichung zu träumen, wird er/sie auch recherchieren, was andere vor ihm/ihr getan haben, um dieses hehre Ziel zu erreichen – vom Schreiben leben zu können! Ich träume davon auch – gelegentlich und nur sehr verhalten. Weil ich weiß, dass selbst die größten und bekanntesten Romanciers oft von Glück und Zeitgeist abhängig waren. Erst, wenn der eigene Name eine Marke geworden ist, verkaufen sich die Bücher dauerhaft gut. Und an diesen Punkt kommt so gut wie keiner von denen, die es versuchen! SO GUT WIE KEINER! Egal, wie viele Ratgeber-Videos sie sich anschauen mögen. Denn der Content wird heutzutage von den Lektoren nach Verkaufbarkeit durch Massengeschmack kuratiert. Deshalb wird das hier auch keine Ratgeberreihe. Sondern ein nachdenklicher Blick auf Prozesse. Auf Kreativität und Textarbeit. Auf Vorbereitung und Improvisation. Auf Mut und Angst. Auf Flow und Blockade. Auf Inspiration und Resilienz. Denn auch, wenn viele sich zum Schreiben berufen fühlen mögen, reflektieren die Wenigsten wirklich das WARUM. Aber das WARUM steht am Anfang jedes Textes! Ich setzte mich heute Vormittag an diese Tastatur und begann diesen Text zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich gebe einen Einblick in meine Erfahrungen, Ideen, Quellen. Jedoch nicht mit dem Anspruch, das irgendjemand das wichtig oder nachahmenswert finden muss. Mir genügt das Wissen, dass irgendjemand es nützlich finden KÖNNTE. Denn ich WEISS mit Gewissheit um den Wert meiner Worte. Aber oft – und dieses Geständnis bereue ich nicht – weiß ich bei den ersten Tastenhüben noch nicht, wohin mich der Text tragen wird. Denn ich denke ebenso gerne mit der Tastatur, wie mit dem Stift. Ich ergründe meine eigenen Emotionen und Kognitionen, während die Worte schon auf den Bildschirm oder die Notizbuchseite fließen. Was sich gut anfühlt – weil das WARUM klar ist.

Wenn ich also einen Roman zu schreiben beginne, dann gibt es einen Grund, warum DIESE Geschichte erzählt werden will. Das ist MEIN WARUM. Ob dieses Warum irgendjemanden berührt, oder nicht, ist zunächst völlig einerlei. Natürlich bin ich nicht frei von dem Wunsch, dass auch Andere meine Texte gut finden mögen; so viel Eitelkeit muss dann schon sein. Aber sehr oft genügt mir die Befriedigung, mir etwas von der Seele, von der Brust, aus dem Kopf geschrieben zu haben, einfach, weil es an der Zeit dazu war. Und das Gute daran ist, dass ich mir damit reichlich Übung verschaffe, denn beim Schreiben ist es so – man wird nur besser darin, wenn man es dauernd tut. Ich schaffe pro Jahr einige Hundert Seiten Text in unterschiedlichsten Genres – gewiss nicht so viel, wie professionelle Autoren, die damit tatsächlich ihr Geld verdienen. Aber ich schaffe diese paar Hundert Seiten (manchmal auch mehr) seit JAHRZEHNTEN. Will heißen – ich habe meine 10.000h bis zur Skill-Perfection zumindest theoretisch schon lange zusammen. Doch beim Schreiben gilt man – wie bei so vielen anderen Dingen auch – fälschlicherweise nur dann als Meister, wenn man einen gewissen Grad an Bekanntheit erlangt hat; oder damit Kohle verdient. Das ist mir aber wirklich und ehrlich einerlei. Ich möchte Menschen durch meine Texte kognitiv und emotional berühren; und es ist mir ziemlich Wumpe, ob es viele oder wenige sind, die ich so erreiche. Solange ich irgendjemandem etwas Gutes mitgeben konnte, habe ich mehr geschaffen, als viele Andere in ihrem ganzen verdammten Leben! Und ich WEISS, dass meine Schreibe schon den einen oder anderen Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, vielleicht auch zum Weinen gebracht hat. [EXKURS: Ich weiß übrigens auch, dass es Menschen gibt, die meine – auch verbal verfügbare – Wortgewalt fürchten, weil sie sich in ihrer Autorität bedroht fühlen. Denen kann ich nur sagen: hört mir einfach zu, denkt WIRKLICH über meine Worte nach und versteht, dass ich niemandem was Böses will. Ich will einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen! EXKURS ENDE] Ob die Feder wirklich mächtiger ist als das Schwert, wird wohl die Geschichte entscheiden müssen. Aber wenn es nach mir ginge, so brächte meine Feder vielleicht den einen oder anderen dazu, das Schwert niederzulegen und etwas vernünftigeres mit seiner Zeit anzufangen. Mich würde es jedenfalls freuen. Vielleicht würde so jemand anfangen, nach seinem WARUM zu suchen…? Wir hören uns.

Auch als Podcast…

In the long run…

Als ich 14 oder 15 war und Wünsche hatte, die über mein damaliges Taschengeldniveau deutlich hinausgingen, verschaffte mir mein Vater die Möglichkeit, ohne große Umstände selbst Geld zu verdienen. Ich ging dann in vielen Ferienzeiten malochen, während Andere andere Dinge taten. Es ist nicht so, dass ich keine Freizeit gehabt oder mein Leben nicht genossen hätte. Ich habe nur einfach einen Teil meiner Freizeit dafür geopfert, mir etwas leisten zu können. Nix besonderes, einfach nur mein kleines Stück Freiheit. Und mit der Zeit wurde daraus eine Gewohnheit. Was dazu führte, dass ich mir manchmal Dinge leisten konnte, ohne irgendwen danach fragen zu müssen, aber oft arbeiten musste, wenn ich anderes hätte tun können. Nachdem ich dann 1993 mein Abitur gemacht hatte, ging ich erst mal wieder ein halbes Jahr jobben, weil ich meine Studien-Pläne nicht so stringent vorangetrieben hatte, wie geplant; vielleicht wusste ich im Herzen auch schon, dass ich mit Menschen besser kann, als mit Maschinen. Obschon Menschen mich gleichsam immerzu anstrengen. Also landete ich im Zivildienst; im Rettungsdienst, um genau zu sein. Eine Entscheidung, die mein Leben erheblich beeinflusst hat, denn noch heute bin ich diesem Berufsfeld treu. Wenn auch in anderer Funktion als früher. Ich arbeitete 8-, 12- und 24-Stundendienste, war nie faul, hab mich weiterentwickelt und immer wieder was dazu gelernt. Im Lauf der Jahre kamen so einige Zusatzqualifikationen dazu. Doch immer noch fühlte ich mich nicht angekommen. Ich sah, dass andere Leute vorankamen, weil sie Chefs in den Arsch krochen. Eine Fähigkeit, die ich (gottseidank oder leider) nie entwickelt habe.

Also studierte ich nebenher – allerdings ohne Unterstützung oder gar Freistellung durch meinen damaligen Arbeitgeber – Bildungswissenschaft. Der alte AG hat mir damals sogar Steine in den Weg gelegt, garniert mit den unsterblichen Worten, “dass hier keine Extrawürste gebraten würden”. Ich habe einige wenige Male in den Jahren nach einer Dienstplanänderung gefragt… Wenn also jemand wissen möchte, ob ich den Laden als Arbeitgeber empfehlen könnte? Nein! Zumindest da, wo ich war, war’s früher ein kleinkarierter Saftladen, der sich NULL um das Wohlergehen oder die Entwicklung seiner Mitarbeiter*innen gekümmert hat. Dort Menschlichkeit zu bekommen, war damals ein Abenteuer, um die Catchphrase mal umzudeuten. Ich hoffe für die Kollegen, dass es heute besser geworden ist. Schwamm drüber. Ich bin dann da weg. Als mich mein damaliger Chef nach dem “Warum” fragte, habe ich nicht wirklich geantwortet. Ich wollte einfach nur meine Ruhe. Bei meiner Antwort auf die Frage, was denn noch auf meinem Zähler stünde (12 Tage Urlaub und ca. 170h Mehrstunden, was damals eher die Regel denn die Ausnahme war) wurde er ‘n bisschen blass. War im Jahr des Wechsels ein schönes 14. Monatsgehalt. Ich schloss meinen Bachelor ab, meine Aufgaben änderten sich und ich arbeitet weiter zu viel. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, jemals weniger als 120% geliefert zu haben. Oft mit, manchmal aber auch ohne gleichwertige Vergütung. Also habe ich, während ich schon in eine neue Aufgabe mit Leitungsposition und mehr als genug Arbeit gerutscht war, noch eben ein Masterstudium in Erwachsenenbildung absolviert. Nicht in Regelstudienzeit, aber trotzdem recht erfolgreich. Die Gehaltsstufe stimmte danach dann für mein Empfinden.

Doch niemand schien in den letzten Jahren so recht ernst nehmen zu wollen, wer ich bin, was mir wichtig ist, was ich kann (und was nicht) und an welchen Zielen ich arbeite. Ich meine, objektiv könnte ich fünfe gerade sein lassen. Ich bin damals zu einem recht guten Rettungsassistenten und später Notfallsanitäter geworden. Ich war ein verdammt guter Disponent für integrierte Leitstellen. Und ich bin – ohne arrogant klingen zu wollen – ein verdammt noch mal exzellenter Pädagoge. Doch das alles steht weit hinter meinen wichtigsten Lebensleistungen zurück: seit über drei Jahrzehnten glücklich mit der besten Ehefrau von allen zusammen und überdies mit zwei Töchtern gesegnet zu sein, die mich (obwohl unterdessen 13 und 17 Jahre alt) für einen gar nicht mal so üblen Vater halten. DAS müssen die dämlichen Möchtegern-Alphamales da draußen erst mal hinkriegen! Trotzdem merke ich den Zahn der Zeit; und das dauernde, nagende Gefühl, noch irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Zeigen zu müssen, dass ich mindestens genauso gut oder vielleicht auch besser bin, als andere. Was objektiv vollkommener Quatsch ist. Ich habe überdies diese verfickte protestantische Arbeitsethik in meinen Adern, die mich erst mal liefern lässt, bevor ich etwas fordere. Die mich in aller Ruhe hinter den Kulissen tun lässt, was wichtig und richtig ist, ohne darüber viel zu reden. Ich war auch nie ein Dampfplauderer, der seine Erfolge so lange schönreden kann, bis alle es glauben und ihn befördern. Peter-Prinzip bei der Arbeit. Ist halt nicht mein Stil. Was bleibt also? Dass ich hier sitze und erkennen muss, mich nutzlos immer wieder darüber geärgert zu haben, dass man mir nicht zuhören wollte, obwohl meine Argumente gut waren (und immer noch sind). Dass andere sich meine Erfolge ans Revers geheftet haben. Das man dann – kurz vor letztem Weihnachten – geglaubt hat, mich zu irgendwas nötigen zu können.

Zum ersten Mal habe ich in dem Moment meine Zähne wirklich gezeigt. Und jetzt ist etwas zerbrochen. Etwas, dass vermutlich nicht mehr geflickt werden kann. Das ich im Grunde meines Herzens aber auch gar nicht mehr flicken will. Ich habe Grenzen aufgezeigt und, um mich selbst zu schützen, Dinge von mir gewiesen und mich frei gemacht von Aufgaben, von denen ich noch vor kurzem dachte, sie seien unverzichtbar. Doch Einfluss interessiert mich jetzt nicht mehr. Die Belange meines aktuellen AG interessieren mich nicht mehr wirklich. Meine persönliche Entwicklung interessiert mich. Und die ist zum allerersten Mal in meinem beruflichen Leben nicht mehr an 120%, an MÜSSEN um jeden Preise, an liefern und dann fordern geknüpft. Sondern an das, was MIR gut tut! Ich habe 37 Jahre lang ununterbrochen Gas gegeben – und jetzt habe ich keinen Bock mehr darauf. Ich hatte gestern geschrieben, dass ich nicht so recht aus meiner Situation könnte, ohne irgendwas zu zerbrechen, das mir wichtig wäre. Stellt sich – nach einem längeren, in Gedanken versunkenen Spaziergang am Fluss heute Morgen – raus, dass ich mittlerweile doch bereit bin. Dinge zu zerbrechen. Und es wird gewiss nicht meine Familie sein. Die Zukunft bleibt offen. ‘cos, in the long run, you always got to make new decisions upon directions. Schönen Samstag.

Auch als Podcast…