Darf’s ein bisschen weniger sein?

Es ist NICHT interessant, sondern WIDERLICH, was auf manche Aufforderung zur Solidarität, oder auch mal zum Verzicht, um dem ungerechtfertigten, illegalen, brutalen, grausamen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine wenigstens ein Zeichen entgegenzusetzen, so durch die Kommentarspalten der antisozialen Medien schwappt: Politiker sprechend davon, einfach mal etwas weniger zu heizen – und der Mob geifert! Politiker rechtfertigen die massiv gestiegenen Sprit- und Gaspreise – und der Mob geifert! Politiker bitten Bürger*innen um Übergangsquartiere für Kriegsflüchtlinge – und der Mob geifert! Weil sie alle glauben, dass der Besitzstand etwas Gegebenes ist, ein Recht, dass ihnen niemand wegnehmen kann. Fragt doch mal die Ukrainer, die jetzt herkommen, was ihnen geblieben ist? Fakt ist, dass es KEIN RECHT AUF BESITZSTANDSWAHRUNG GIBT! Und das wir Deutschen gut daran tun, dankbar dafür zu sein, dass wir global betrachtet zu den absoluten Gewinnern der Phase nach dem 2. Weltkrieg gehören; die übrigens endgültig vorbei ist! Aber wenn man Jahrzehnte lang mit dem Gleichen berieselt wird (etwa der “Das Boot ist voll!”-Rhethorik, oder dem Märchen, dass die Beschäftigten den Gürtel enger schnallen müssen, während mit den Renditen auch der Gini-Koeffizient steigt), glaubt man das irgendwann auch – und macht sein Kreuz bei den Apologeten wirtschafts-freundlicher Politik. Danke für nichts CDSUDP!

Wenn man dann noch ein paar Tröpfchen latenten Rassissmus dazugibt, die im niemals wirklich entnazifizierten Deutschland auf den fruchtbaren Boden dumpf-völkischer, xenophober, chauvinistischer, nationalistisch durchseuchter Ideologien in so manchen Köpfen fallen, hat man die AfD; und auch jene Vertreter, die noch einen Ticken weiter Rechts sind. Scheiß-Nazis halt. Und diese braunen Schweine schaffen es immer und immer wieder, jene abzufischen, die sich abgehängt, marginalisiert, nicht gehört, nicht respektiert fühlen – egal, ob dies objektiv der Fall sein mag, oder eben nicht. Einfache Antworten auf komplizierte Fragen standen halt schon immer hoch im Kurs. Weil selber denken ja so sehr anstrengt! Und in diese Melange aus Blut-und-Boden-Rhethorik, Existenz- und Abstiegsangst, sowie Hilflosgkeit im Angesicht des Ungeheuerlichen platzen fliehende Menschen, die dieser beknackte moskowitische Diktator und seine Oligarcho-Kleptokratie in deren Heimat angegriffen haben, einfach, weil sie Bock darauf hatten, und es innenpolitisch opportun war. DENN ES GIBT KEINE RECHTFERTIGUNG FÜR DIESEN KRIEG!

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr damit befassen, aber wo auch immer man hinschaut, hinhört, hinkommt, gibt es kein Entrinnen – die Bilder, die Geschichten, das Grauen sind omnipräsent – und die Auswirkungen des Krieges für uns alle spürbar. Und wenn nur am verdammten Geldbeutel! Ja…am verdammten Geldbeutel, der offenkundig für viele Menschen hierzulande die Humanität, die Solidarität, den Altruismus und den Glauben an das Gute im Menschen endgültig ersetzt hat. Wohin man blickt, nur Homo Oeconomicus, der rumjammert, dass er etwas von seinem ungeheuerlichen Wohlstand hergeben soll. Leute, die in selbstgefälligem Whataboutism darauf hinweisen, dass es Obdachlose in der Stadt gäbe, denen man zuerst helfen solle (das sind Bundesweit übrigens ca. 45.000, im direkten Vergleich zu den über 2.000.000, die auf der Flucht vor dem Krieg sind). Die sich darüber aufregen, dass der Sprit so teuer ist, dass sie bald nur noch für den Betrieb des Fahrzeuges arbeiten.

Machen wir hierzu mal eine kurze Rechnung: statistisch fahren PKW in der BRD ca. 13.700 KM/anno. Nehmen wir aber für die vielen, vielen armen Pendler großzügig einen Median von 20.000KM/anno an, und gehen davon aus, dass ca. 70% davon für den Weg zur Arbeit und zurück benötigt werden: 14000KM : 100 = 140 x 7,5l/100KM => Jahresverbrauch für den Arbeitsweg 1050 Litern, aufgerundet, weil großzügig: 1100 Liter. Bei den gegenwärtigen Spritpreisen ( 2021: 1,50€/l – jetzt 2,25€/l für Benzin) bedeutet das eine Mehrausgabe von ca. 825,00€/anno – oder 70€/Monat. Bei unteren durchschnittlichen Monatseinkommen von ca. 2000,00€ bedeutet das Mehrausgaben in Höhe von 3,5%/Monat. Wie das aussieht, wenn man 3000,00€ Haushaltseinkommen ansetzt, kann sich ja jetzt selbst ausrechnen. Ich frage jetzt mal ganz spitz: was macht man den mit den 825,00€? Einmal 7 Tage Malle all-in für eine Person? Super, denn damit ist der ökologische Fußabdruck vollkommen im Eimer. Zurücklegen, für den Fall, dass mal die Waschmaschine etc. kaputt geht? Okay! Die Vereins-mitgliedschaften für die Kinder finanzieren? Verstehe ich! Wie man es auch dreht und wendet, je nideriger das Haushaltseinkommen, desto stärker würde auch ich einen Ausgleich aus Staatsmitteln befürworten. Leider sind aber die, die am lautesten schreien, meistens auch die, die es am wenigsten betrifft – die dafür aber mächtige Dogmen im Hinterkopf haben.

Unser Problem sind keine Kriegsflüchtlinge, oder das unbedingte Festhalten-Müssen an liebgewonnenen, schlechten Angewohnheiten (wie überdimensionierte Verbrenner für den Weg zur Gammelfleischtheke), sondern, dass wir immer noch die Zocker, die Manchester-Kapitalisten und ihre speichelleckenden Lobbyisten bestimmen lassen, was gut für uns ist. “Konsum ist gut! Verzicht ist böse, weil schlecht für die Wirtschaft. Ihr müsst konsumieren, und immer schön neidisch auf den Tisch des anderen schielen, damit ihr ja nie zufrieden seid, mit dem was ihr habt. Oder euch mit- anstatt übereinander unterhaltet, und plötzlich womöglich feststellt, dass wir euch seit Jahrzehnten verarschen, ausbeuten und gefügig zu halten versuchen…” Wenn ich solchen Schrott im Kopf habe, kann ich natürlich nicht mit offenen Armen auf diese Menschen zugehen, die gerade durch halb Europa geflüchtet sind. Und wenn jetzt jemand daher kommt und rumnölt “…aber Schengenabkommen und Erstaufnahmestaat…” – die meisten hocken in Polen, und warten, wie sich die Situation entwickelt. Ukrainer von hier sind aufgebrochen, um sich der Armee anzuschließen. Jene, die bei uns landen, haben – aus welchen Gründen auch immer – Angst um ihr Leben.

Ich fahre Bahn anstatt Auto. Wir schauen, was wir abgeben und vielleicht noch spenden können. Und wir missen trotzdem nichts. Was braucht IHR denn, um euch gut zu fühlen?Also ICH fände Frieden ganz toll. Gerechtigkeit für diesen lupenreinen Diktator Putin und seine Räuber-Bande. Eine etwas bessere Verteilung von Ressourcen und damit Chancen. Weniger Streit, weniger Neid, weniger Verschwendung, weniger Dogmen. Denn nicht nur manchmal ist weniger am Ende einfach mehr. Mehr für Alle. Bis die Tage. Bleibt gesund!

Auch als Podcast…

Was meine Leiden schafft…?

Fluch und Segen zugleich – dass ist meine Arbeit für mich. Segen, weil ich meinen Job und meine persönlichen Interessen, ja sogar meine Hobbies ziemlich oft verdammt gut miteinander kombinieren kann. Fluch, weil ich immer noch glaube, dass manche Worte, die im Geschäftsleben gerne mal so dahingesagt werden, tatsächlich wahr sein könnten; und weil Menschen nun mal häufig nicht sagen, was sie denken oder wissen… Womit wir bei meiner Leiden-Schaft wären: Ich bin, unumwunden gesagt, ein Harmoniebedürftiger Mensch. Ich mag es, wenn mein Umfeld gut miteinander auskommt, und ich liebe es, wenn Teammitglieder zusammen funktionieren – nicht nur auf fachlicher, sondern auch auf menschlicher Ebene. Wenn es läuft wie geschmiert, und auch schwierige Aufgaben plötzlich pille-palle einfach werden. Wenn man sich versteht, ohne allzu viele Worte verlieren zu müssen. Wenn nicht jeder einen Riesen-Bohei um sich selbst macht…

Das ist jedoch in manchen Settings ein eher seltenes Ereignis. Denn wir Menschen sind halt darauf gepolt, unseren Selbstwert herstellen, erhalten und ggfs. auch steigern zu müssen. Weil eine positive Erzählung unseres Selbst uns davon abhält, verrückt zu werden. Oder besser gesagt, unser Selbst zu verlieren; im wahrsten Wortsinn. Je nachdem, wie der Rest der Persönlichkeit rings um den, mehr oder minder stabilen Prozess Identität strukturiert ist – also ob man eher ein egoistischer Narziss, ein altruistischer Humanist, oder, wesentlich wahrscheinlicher, irgendetwas auf dem langen Schieberegler dazwischen ist – wirkt sich das auf das Funktionieren der sozialen Aspekte von Leben aus; und damit natürlich auch auf die sozialen Aspekte von Arbeit. Wenn man sich nun – vorrangig, oder gar beinahe vollständig? – über seine berufliches Selbst definiert, seine Identität vom Erwerb beruflicher Meriten abhängig macht, bedeutet das eine Verengung der Perspektive, einen Verlust von Metareflexion, weil alles nur funktional betrachtet wird – bringt mich das weiter, oder ist das Kunst und kann weg? Das ist keine sehr gesunde Art, sein Leben zu leben. ICH weiß es, denn ich war dort…

Ursprünglich hatte ich versucht ein VLOG mit einem etwas anderen technischen Setting aufzuzeichnen. Hab meine Olympus OMD EM-10 Mk4 in Stellung gebracht und in 4K30 gefilmt. Mit Perspektive und Licht gespielt. Getelepromptet. Sah wesentlich besser aus, als mit der döseligen Logitech Brio; selbst der Ton war gut. Und dann habe ich die Arbeit von zwei bis drei Stunden in die Tonne getreten, weil ich beim zweiten drüber Nachdenken zu weinerlich klang – und überdies Interna genau das sind – intern! Aus der isometrischen Perspektive betrachtet gibt’s da halt ein paar Leute, denen ich im Laufe der nächsten Woche auf den Zahn fühlen, oder auch mal Bescheidstoßen muss; aber das ist nichts, was hier ausgefochten werden soll oder kann. Zumal mein Punkt ja schon sichtbar geworden ist – es ist immer die Leidenschaft, die Leiden schafft! Weil Personen und Dinge, die einem am Herzen liegen ungefiltert und ungebremst die Klaviatur meiner Seele bespielen, die unterschiedlichsten Emotionen auslösen können, ohne sich dafür euch nur ein Jota anstrengen zu müssen. Was im Moment vor allem ein Ding betrifft, nämlich meine Arbeit.

Es sind im Moment die Tätigkeiten, deren Ertrag noch im Ungefähren bleiben muss, die mir besondere Freude bereiten, mich in Flow versetzen, und mich als Mensch vorwärts bringen; der Ertrag muss im Ungefähren bleiben, weil man viele Rahmen-Parameter des eigenen Tuns auch als Schulleiter nicht beeinflussen kann. Das ist der Segen, von dem ich ganz oben sprach. Das ist das Salz in der Suppe, der morgendliche Blick auf etwas Schönes, das Gefühl von Sinn und – nun ja, das könnte jetzt pathetisch hohl klingen, aber ich sage es trotzdem – von Bestimmung! Ich bin, im Grund genommen da, wo ich hinwollte und wo ich hingehöre. Subtrahieren wir davon den ganzen Sumpf aus Ärger – meinen Fluch – bleibt immer noch genug übrig, was mich vorerst an Ort und Stelle hält. Man muss hier ganz einfach sagen, dass so etwas immer eine Kosten-Nutzen-Rechnung bleibt, die nicht nur fiskalische Gesichtspunkte einbeziehen darf, sondern eben auch weiche Faktoren wie “Zufriedenheit”, “Wertschätzung”, “Teamplay”, “Entwicklungsmöglichkeiten”, usw. Je älter man wird, desto wichtiger ist einem im übrigen Freizeit. Weil man genau weiß, dass man nicht mehr so viel Zeit übrig hat, wie mit 18…

Ich würde es nicht wirklich als Leiden betrachten wollen, wenn menschliche wie sachliche Störungen meinen Flow, bzw. die Hinwendung zu meinen Leidenschaftenn unterbrechen, oder mich davon abhalten, überhaupt erst “rein zu kommen”; eher als nervtötendes Rauschen, das vom Wesentlichen ablenkt. Klingt es arrogant, wenn ich sage, dass ich relativ schnell vergessen kann, was Menschen mir gesagt haben, wenn ich dessen Relevanz für den jeweiligen Gesamtprozess als gering einschätze? Vielleicht – ist mir aber egal! Ich lerne immer besser, meine persönlichen Ziele wahrzunehmen und auf diese hin zu arbeiten, und auch mal auf Dinge oder Menschen zu scheißen, die mich nur aufhalten. Jenen, mit denen ich lebe, regelmäßig arbeite und denen ich für ein Gespräch (fast) immer zur Verfügung stehe sei gesagt, dass ich euch NICHT als Hindernisse, Ablenkungen oder Rauschen wahrnehme, sondern als Individuen, die meine Aufmerksamkeit verdient haben. Die anderen merken schon, wenn das nicht so ist. Und nun, genug von Leidenschaften geredet – das Wetter ist schön, der Sonntag noch jung… wir hören uns!

Auch als Podcast…

KANAL VOLL!

Ich habe lange darüber nachgedacht, WIE SEHR ich mich auskotzen möchte. Die Antwort lautet: JA! Ich habe die Schnauze endgültig voll, meine Kraft ist aufgebraucht, meine Geduld sowieso, und um mein Resilienzlevel ist es im Moment auch nicht besonders bestellt. Ich würde manche Leute gerne schütteln und sie einfach mal fragen: BIST DU BEHINDERT? Step by Step hat sich in den letzten Wochen ein Szenario verdichtet, dass mitzutragen und zu ertragen ich nicht mehr bereit bin. Zuallervorderst: ich halte mich immer noch an alle Maßnahmen. Und ich setze diese auch durch, wo ich dafür verantwortlich bin. Ich ertrage diese nur nicht mehr! Wir verarschen uns nämlich furchtbar selbst, wenn irgendjemand denkt, dass Corona wieder verschwindet, oder bis zum 21.03 endemisch wird. Beides ist so wahrscheinlich wie eine Vampirhochzeit in einer Kirche. Dennoch kommen von der Politik immer wieder Durchhalteparolen, die auf einen einzigen Parameter abstellen: die Vermeidung der Überlastung des Gesundheitswesens. Ich finde das ehrlich gesagt mittlerweile lächerlich, denn als selbst in diesem Bereich Tätiger weiß ich, DASS DAS GESUNDHEITSWESEN SEIT 15 JAHREN ÜBERLASTET IST, IHR SPAGALLOS IN BERLIN!

Wenn man sich mal die Mühe macht, Google Scholar anwirft (das ist der Teil von Google, wo man wissenschaftliche Papers findet! Ja sowas gibt’s) und die Suchphrase “Belastung Gesundheitswesen Corona Studien” eingibt, kommen mehrere Seiten mit Suchergebnissen, deren Inhalte sich mit den psychischen Belastungen des Personals im Gesundheitswesen durch die Pandemie befassen. Es interessiert sich schon lange keiner mehr dafür, ob wir genug Intensivbetten haben. Denn die hatten wir 2018 in der Grippeepidemie auch nicht, die ca. 40.000 Todesfälle verursacht hat. Ich war dabei, und es hat kein verdammter Hahn danach gekräht, ob irgendwer überlastet ist. Es war für uns, wie alle Jahre zuvor, business as usual! Vor diesem Hintergrund kann ich das Mantra unseres Bundesgesundheitsfliegenträgers, den ich im Übrigen ansonsten für einen durchaus fähigen Menschen halte, nicht mehr hören; DENN ES KLINGT WIE HOHN IN MEINEN OHREN!

Man könnte jetzt meinen, dass ich so ein Covidiot bin. Wer das meint, hat bis hierher schon abgeschaltet, aber jene, die mich kennen, wissen, dass dem nicht so ist. Denn am Anfang waren die Maßnahmen gut, sinnvoll, situationsangemessen, und haben uns vor größerem Leid bewahrt. Doch die Politik – und auch viele andere – haben nichts dazu gelernt. Wir antworten immer noch, immer wieder UNDIFFERENZIERT mit den gleichen Maßnahmen, wie zu Beginn der Pandemie vor zwei Jahren, obschon sich der Keim mittlerweile vielgestaltig verwandelt und diversifiziert hat, obwohl die Impfsituation sich – vielen Trotteln zum Trotze – höchst positiv entwickelt, und die immer wieder beschrieene Überlastung des Gesundheitswesens schon lange wieder auf Normallevel ist; wie schon erwähnt: Überlastung ist im Gesundheitswesen seit Jahrzehnten normal. Ungefähr seit der Zeit, da ein gewisser Gesundheitsminister Seehofer in der 90ern des vergangenen Jahrhunderts die martwirtschaftliche Wende im Gesundheitssektor durch die damalige Gesundheitsreform beschleunigt hat.

Man nimmt nun für die fortgeführte Durchsetzung der Maßnahmen Schäden in Kauf, die aus meiner Sicht nicht mehr im Verhältnis zum Nutzen stehen: psychische Schäden durch die Isolation und das persistierende Bedrohungsszenario. Wirtschaftliche Schäden, die keinesfalls, wie anfangs von der Politik zugesichert, durch Hilfsmaßnahmen sinnvoll abgemildert wurden. Soziale Schäden, wie eine messbar schlechtere Gleichberechtigung der Frauen, eine Zunahme rassistischer Gewalt und das Erstarken radikaler politischer Strömungen. Ordnungspolitische Schäden, wie das Überstrapazieren des Art 2, Abs. 2 GG zu Lasten des Art 2, Abs. 1 GG. Lange Zeit habe ich das aus Überzeugung mitgetragen. Nun bin ich überzeugt, dass jedwedes Maß, jedewedes sinnvolle Ziel, und jedwede Vision für eine Zukunft nach der Pandemie verloren gegangen sind; und derzeit vielmehr die Situation – und damit wir Bürger – zu Tode verwaltet werden, anstatt Zukunft neu zu gestalten. Wohin soll das führen?

Ich bin über alle Maßen erschöpft von diesem Mist. Verzweifelt, weil ich nach zwei Jahren für die Institution, die zu organisieren ich aufgerufen bin, immer noch und immer weiter auf eingeschränkte Sicht fahren muss. Angeekelt von der Planlosigkeit unserer Politiker, die jetzt noch dazu hinter dem von Putin verursachten geopolitischen Skandal, humanitären Desaster und unfassbar unverschämten Drohszenario in der Ukraine herputzen müssen. Bombt diesen drittklassigen Oligarchenarsch wirtschaftlich weg, und kümmert euch endlich angemessen um die Innenpolitik. Russland hat in etwa das BIP von Texas, WEN ZUM TEUFEL INTERESSIERT RUSSLAND? Ganz ehrlich – ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr und ich weiß auch nicht mehr. Ich will endlich Frieden. In der Welt! In meiner Hood! Auf der Arbeit! In meinem Kopf….! Ich weiß nicht, wie es euch Anderen da draußen geht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass bei den meisten noch allzu viele Reserven übrig sind. Und die müssen nun mal irgendwann aufgefüllt werden. Und wenn jetzt jemand von Long Covid anfängt: JA, Corona ist ein Arschloch. JA, auch Impfen hilft nicht 100%, JA, die Schwächsten muss man schützen, das verlangt der Solidaritätsgedanke. Das entbindet jedoch nicht von der Frage, WER denn nun JETZT tatsächlich diese SCHWÄCHSTEN sind, und WARUM? Denkt mal drüber nach. Gute Nacht.

Erwachsen bilden N° 40 – Krea…. was für’n Gedöns…?

Es fühlt sich, wenn man mal von den vorherrschenden Temperaturen absieht, fast schon ein bisschen an, wie Frühling. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und kaum ein Wölkchen zieht durch. Nice, wie manche meiner Freunde und Bekannten sagen würden. Wenngleich sich mir immer noch nicht erschließt, warum sich dieses englische Wort ausgrechnet jetzt, ausgerechnet auf diese Art in unsere Sprache geschlichen hat; die zudem streckenweise doch um einiges variantenreicher ist, als das Englische. Schwamm drüber. Jedenfalls ist das Wetter der Vitamin-D-Produktion, und damit direkt meiner Stimmung zuträglich. Selbst, wenn ich dieses Wochenende ein bisschen arbeiten muss. Wobei Arbeit ja so ein Begriff ist, den man erst mal ganz individuell definieren sollte. Um’s klar zu sagen: ich maloche nicht! Ich habe früher wesentlich mehr körperlich gearbeitet, als heute; doch mittlerweile bin ich einer von diesen privilegierten “Sesselfurzern”, wie manche Menschen das gerne nennen. Menschen, die denken, dass man nur arbeitet, wenn die Muskeln was zu tun haben und der Schweiß rinnt. Nun ja; ich bin ein Wissensarbeiter: ich denke mir aus, wie man anderen beibringt, ihren Job zu beherrschen – der übrigens auch körperliche Arbeit beinhaltet. Ist bei der Rettung halt so. Könnte ein Dilemma sein – muss es aber nicht.

Das Problem mit der Wissensarbeit ist Folgendes: man kann sie (genauso wie psychische Erkrankungen) nicht unmittelbar sehen, fühlen, riechen hören, schmecken. Nur die mittelbaren Ergebnisse, wie etwa erstellten Content (Präsentationen und so’n Kram), geplante Curriculi, gehaltene Unterrichtsstunden, korrigierte Klausuren und so was. Wie viel Arbeit in solche Bausteine unserer Pädagogen-Arbeit fließt, oder nicht, können die Rezipienten kaum beurteilen. Noch weniger können irgendwelche anderen Menschen, die an meinem Büro vorbeikommen genau wissen, wie viel oder wenig ich aktuell arbeite. Wir haben halt keine kleinen Displays auf der Stirn, die z.B. anzeigen, zu wie viel Prozent, die CPU gerade ausgelastet ist. Und es gibt bei uns keine STRG+ALT+ENTF-Tastenkombi, die den Taskmanager öffnet. Rechter Nippel, Linker Nippel, Nase funktioniert nicht – und würde in einigen Konstellationen auch zu pikanten Problemen führen… Also sind wir bei einer Black Box, welche die tatsächliche Leistung im Obskuren belässt. Das ist bei vielen sogenannten Bullshit-Jobs auch so; mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die Ausbildung von Rettungsfachpersonal in der Tat einen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert erzeugt: durch den Erstangriff zur Erhaltung von Gesundheit (und damit Arbeitskraft) von Menschen, die akut erkranken oder verunfallen. Das ist nämlich unsere eigentliche Stellenbeschreibung.

Nun erfordert diese Ausbildungsarbeit, dass wir nicht nur irgendwelches Fachwissen und isolierte Skills vermitteln, sondern auch eine Einstellung; eine Grundhaltung zu den Menschen, zum Leben, zum Gesundheitswesen, und schließlich zur Gesellschaft und der jeweils eigenen Rolle darin. Alles andere als trivial – und ohne ein paar Vorbedingungen auf Seiten der SuS eigentlich nicht zu schaffen. Und hier kommt die Kreativität ins Spiel. Wie stellt man z. B. das Begriffspaar Segregation – Integration und dessen Bedeutung für unser Gewerk Rettungsdienst so dar, dass einerseits die Begriffe verstanden werden, und andererseits die SuS beginnen, ihre eigenen Rollen zu reflektieren; damit sie irgendwann fähig sind, stets situationsadäquat zu helfen? Ich werde auf diese Frage hier keine Antwort geben, weil meine Erfahrungen zeigen, dass es verdammt viele Wege nach Rom gibt. Aber, wie Nietzsche sagte: “Dem guten Frager ist halb geantwortet.”, nicht wahr..? Es geht also darum, mit Hilfe kreativer Ideen die SuS dahin zu führen, sich die relevanten Fragen selbst zu stellen – und diese in der Folge auch ganz individuell zu beantworten. Denn der Konstruktivismus sagt ja, dass wir uns alle unsere je eigene Realität erschaffen. Dennoch bedarf es unserer Kreativität als Pädagogen, um den Leuten zu helfen, sich diese Wege zu erschließen!

Nun könnte man mir entgegnen: “DIR fällt das leicht! DU bist kreativ!” Man könnte das auf den ersten Blick als Kompliment verstehen, tatsächlich ist es aber eine Beleidigung, denn es entwertet drei Jahrzehnte harter Arbeit, um meine persönliche Kreativität zu TRAINIEREN. (Die Inspiration hierzu kommt aus dem Buch “Teach like a PIRATE” von Dave Burgess) Lange Stunden, die ich in meinem Arbeitszimmer verbracht habe, anstatt etwas “nices” anderes zu tun. Techniken, in die ich mich eingearbeitet habe, weil ich einfach wissen wollte, wie man so etwas macht; und es dadurch zumindest teilweise rausgefunden habe. Gadgets, die ich von meinem eigenen Budget gekauft habe, weil ich mir davon einen Boost für meine Arbeit erhofft habe – was manchmal besser und manchmal weniger gut funktioniert hat. Content den ich erstellt habe; um ihn, nach dem ersten Einsatz noch mal neu zu erstellen. Workflows, die ich mir erarbeitet, und im Lauf der Zeit immer wieder modifiziert habe, bis sie flutschen. Und so weiter, und so fort. Man IST nicht EINFACH kreativ! Man WIRD es durch TRAINING! Und das kann jeder Mensch. Manche kostet es vielleicht mehr Anstrengung – aber kreativ werden kann jeder. Und dazu sind nur ein paar einfache Dinge notwendig:

  • Habt immer irgendein Tool zum Ideensammeln bereit! Egal ob ein Notizbüchlein, die Kamera und die Sprachmemofunktion eures Smartphones (das Ding ist nämlich nicht nur zum Spielen und Chatten da), oder ein ausgewachsenes Journal (etwa ein Scrapbook). Es sollte etwas sein, dass ihr überall mitnehmen könnte. Denn Ideen ist es nämlich egal, ob ihr gerade die Küche kehrt, durch den Pfälzerwald wandert oder einen Stall ausmistet…! Wenn sie kommen, müssen sie sofort eingefangen werden, sonst sind sie weg!
  • Gestaltet euch ein Ordnungs- und Aufbewahrungs-System! Was mir jetzt gerade nichts nutzt, ist vielleicht für ein anderes Projekt im nächsten Jahr gut. Und dann solltet ihr es wiederfinden. Spätestens jetzt schlägt, wenn ihr kein hochmobiles Endgerät wie ein Tablet habt (der Smartphonebildschirm ist für vieles einfach doch zu klein), oder wenn Strom gerade rar ist, die Stunde eines klassischen Journals oder Scrapbooks. Am besten eines mit austauschbaren Inlays.
  • Sucht nach anderen, neuen Erfahrungen! Dazu sind übrigens nicht zwingend lange Reisen notwendig. Manchmal reicht schon eine Wanderung im Wald, oder ein Spaziergang in die Stadt. Ihr müsst nur eure Augen und Ohren aufmachen, anstatt die ganze Zeit auf den Bildschirm zu glotzen, oder euch mit Noise-Cancelling-Kopfhörern auf Autopilot zu schalten. Im öffentlichen Raum haben diese Dinger eh nichts verloren!
  • Probiert neue Techniken und Gadgets aus! Denn nur, wer halbwegs am Puls der Zeit bleibt, wird mit seinen Ideen und Projekten die Menschen abholen, die sowieso schon am Puls der Zeit sind; und durch gutes Beispiel evtl. auch die anderen motivieren können, doch noch etwas dazulernen zu wollen.
  • Lest Bücher! Und dabei ist es mir egal, ob ihr die Haptik von Papier bevorzugt (so wie ich), oder einen E-Book-Reader benutzt – aber lest Bücher! Lest Bücher, die ihr nicht nach dem Cover kauft! Lest Bücher, die nicht eurem bevorzugten Themengebiet entsprechen! Lest Bücher, die ihr irgendwo findet und lasst euch überraschen! Das gilt auch für Zeitungen, Zeitschriften, und im begrenztem Maße für Bewegtbilder.
  • Verlasst bewusst eure Komfort- / Faulheitszone! Wenn ihr merkt, dass ihr feststeckt, macht was Neues! Es muss nicht unbedingt Skydiving sein (obwohl das bestimmt ein grandioser Kick ist) – aber tut etwas, dass euch andere Perspektiven eröffnet! Und bleibt nicht die ganze Zeit auf eurer Couch hocken – es sei denn ihr beherzigt gerade den voran gegangenen Ratschlag!
  • Sucht euch bei Bedarf Peer Reviews! Zumindest manchmal kann es eine gute Idee sein, ein kreatives Projekt mit jemand anders zu diskutieren; vielleicht sogar mit jemandem, der gar nicht so viel mit eurer Arbeit oder dem Thema zu tun hat. Das frischt nämlich die Meta-Perspektive auf.
  • Findet mehr Punkte für euer persönliches Kreativitäts-Trainingsprogramm! Vieleicht wollt ihr mir ja davon berichten. Einstweilen ein schönes Wochenende.
Burgess, D. (2012): Teach like a PIRATE. San Diego CA: Dave Burgess Consuling Inc.
Auch als Podcast…

Grantel in the Bronx!

[VORSICHT RANT! ] “Is’ so still hier… HALLO – jemand da?” Leise verklingen die verzagten Rufe in den weiten Hallen des Gedankenpalastes, sich dabei nur mit dem eigenen Echo unterhaltend. So, oder so ähnlich kam ich mir selbst die Tage vor. Einsam. Obwohl so viele Andere da waren. Weil wir alle auf uns selbst, unsere elementaren Ängste und diese anderen, niemals offen artikulierten Emotionen zurückgeworfen sind. Denn der moskowitische Deckenwilly, dieser geschichtsklitternde KGB-Hanswurst und seine Oligarchokratie drehen hohl – und machen, dass wir alle mit hohl drehen! Hab gesten auf Zeit Online (wo sonst) einen Essay vom nicht vollkommen unprominenten Soziologen Armin Nassehi gelesen; seine Deutung: wir haben die Demokratie zu lange als Selbstbedienungsladen und den Staat als Dienstleister interpretiert und genutzt. Und kommen jetzt nicht damit klar, dass Demokratie AUCH bedeutet, sich eine eigene Meinung BILDEN, diese VERTRETEN und auf dieser Basis selbst ENTSCHEIDEN zu MÜSSEN. Wir haben verlernt, dass Demokrat zu sein, anstrengend ist. Anstrengend sein MUSS! Denn die aktuelle Beliebigkeit und die “alternativlosen”, rein Konsumentenorientierten Entscheidungen, wie sie die Politiker derzeit treffen (“…es darf UNS nicht zu sehr wehtun…”) versuchen jede Anstrengung, jeden Diskurs, jedes Vertreten demokratischer Grundüberzeugungen (wie etwa die Gültigkeit des Völkerrechts auch für beknackte Russen-Diktatoren) tunlichst zu vermeiden. Democracy light to go sozusagen. Wasch mich, aber mach mich nicht nass… Können wir uns nicht alle hinstellen und sagen – NO PASARÁN – sie kommen nicht durch! Als Weltgemeinschaft diesen Wahnsinn stoppen, bevor er noch weiter eskaliert? Putin demilitarisieren und in irgendein tiefes, gottverlassenes Loch werfen und einfach vergessen? Warum können wir das nicht? WARUM GOTTVERDAMMTNOCHEINS? Ja, das hier ist nicht Spanien in den 30ern des letzten Jahrhunderts. Und er heißt Putin, nicht Franco. Aber auf welcher Seite das Unrecht kämpft, auf welcher Seite tatsächlich die Nazis stehen, ist sonnenklar; auch wenn der Möchtegernbärentöter Putin natürlich eine andere Geschichte erzählt. Ich habe die Schnauze davon voll, dass es egal ist, wen du wählst, weil sie ALLE nur den Göttern “Mamon” und “Umfragewerte” dienen. Nicht der Demokratie! Nicht dem Völkerrecht! Nicht den Menschen, deren Vertreter sie eigentlich sein sollten! Das Wort Partikularinteresse wird uns als Menschheit alsbald endgültig zu Grunde richten. Und der beschissene, ungerechte, unverhinderte Krieg gegen die Ukraine ist nur ein Aspekt davon… Ich habe fertig… [RANT ENDE!]

[Die andere Seite!] Ich habe in letzter Zeit viel über Verpflichtungen nachgedacht. Über die Frage, warum ich tue, WAS ich tue? Warum ich es tue, so WIE ich es tue? Ob ich mir nicht etwas Anderes vorstellen könnte? So diese typischen Fragen, die im Jahres- oder Zweijahresrhythmus wiederkehrend schlechte Laune, schlechten Schlaf und (zumindest manchmal) schlechte Entscheidungen mit sich bringen. Ich bin tatsächlich mit mir übereingekommen, dass ich am richtigen Platz bin, als ich dieser Tage Praxisanleiter in Ausbildung auf ihrer Reise durch die Welt der Berufspädagogik begleitet habe. Denn ich habe gespürt, dass ICH für so einen Lehrsaal gemacht bin. Das ich auch die anderen, weniger glamourösen, weniger öffentlichen Aspekte meines Jobs als Schulleiter immer besser beherrschen lerne, durfte ich diese Woche auch erfahren. Was mir aber am wichtigsten ist: ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels hoher Belastungen. Wieder in ruhiges Fahrwasser kommen, wieder mehr für meine Lieben und mich selbt da sein können – das passiert gerade. Und das macht mich glücklich. Ich schrieb dieser Tage unter einem Facebookpost zum Ukrainekrieg, dass die Welt sich nur für die direkt Betroffenen zu drehen aufgehört habe! Ich würde nun ergänzen wollen, dass wir uns vermutlich auch deswegen schlecht fühlen, weil es für uns einfach normal weitergeht. Obwohl dystopisch-gewalttätige Szenarien, die den machtdementen Kleptokraten Putin als Nemesis ganz Europas sehen wollen, momentan eine gewisse mediale Konjuntur haben. Da phantasieren sich ein paar sendungsbewußte Journaillen gerne einen auflagenstarken Untergang herbei. Kein Wunder, dass ich dieser Tage morgens mit dem berühmten Satz Robert Oppenheimers im Kopf aufgewacht bin “Ich bin der Tod geworden, Zerstörer von Welten!” (im Original aus der hinduistischen Schrift “Bhagavad Gita”). Journalismus ist genau wie Geopolitik offensichtlich ein Geschäft mit der Angst. Ich habe keine Ahnung, wie’s weiter, oder gar ausgeht. Ich glaube jedoch, DASS es weitergeht. Auf die eine oder andere Art und Weise. Und ich weiß, dass ich mir und meinen Lieben – so lange das möglich ist – gerne etwas Glück konservieren würde. Schaue ich gerade aus dem Fenster, scheint da die Sonne. Davon möchte ich gerne mehr. Denn je länger wir in Schockstarre auf die Ereignisse im Osten blicken, umso länger wird es dauern, bis sich eine Bewegung findet, den Wahnsinn zu beenden. Hoffnung ist des Menschen vornehmste und zugleich schrecklichste Bürde. Ich habe nochmal fertig… [Herzlich willkommen auf der anderen Seite!]

PS: Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Gegrantel ist – und die Bronx ist in Mannheim ein anderer Stadtteil. Aber ein Jackie Chan, der jetzt den Bösewicht verkloppt, hätte etwas erfrischend Erheiterndes. Denn eigentlich sollte man den kleinen Mann und seine großen Machtträume einfach nur auslachen und stehenlassen – nachdem man ihm alle Waffen weggenommen hat. Schönen Samstag.

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°39 – Charakterentscheidungen

Ich habe in meiner neuen High-Fantasy-Kampagne einen NSC eingeführt, der von Leuten gesucht wird, die in dem Stadtstaat, welcher die Spielumgebung bildet, über ziemlich viel Einfluss verfügen. Außerdem gäbe es ein nicht unattraktives Kopfgeld abzusahnen. Neugierig und Action-orientiert, wie meine Spieler halt sind, haben sie erstmal den Söldnern, welche sich das hübsche Sümmchen verdienen wollten, satt in die Suppe gespuckt; gutes, altmodisches Gemetzel im Wald. Und die holde Maid unter ihre Fittiche genommen. ICH hätte ja gedacht, dass mindestens ein Charakter keine Probleme damit hätte, die Kohle selbst zu verdienen. Im Moment spielen sie aber allesamt das Hohelied des ehrenhaften Abenteurers, und wollen stattdessen lieber den neuen Hinweisen nachgehen, dass diese einflussreichen Leute eine Menge Dreck am Stecken haben könnten. Die Damsel in Distress (ein Thema, das einfach nie alt wird, wenn man nicht zu dick aufträgt) wollen sie jedoch bei vertrauenswürdigen Verbündeten zurücklassen.

Entscheidungen haben Konsequenzen. Im Pen’n’Paper-Rollenspiel genauso, wie im wahren Leben. Nun könnte jeder, der meine anderen Einlassungen zum Thema durchliest, durchaus zu dem Eindruck gelangen, dass in unseren Runden immer eitel Sonnenschein herrscht, und die Chars ihre Entscheidungen ebenfalls immer einmütig treffen. Ja Pustekuchen! Jeder von denen hat einen Fürchtegott-Justus und einen Grimpfelgrumpf parat – und die streiten sich dann nicht nur bei jeder Person, sondern auch noch untereinander. Ist manchmal ganz amüsant, dem zuzuschauen. Insbesondere, wenn die Spieler dann mit Bohren und Betteln anfangen, weil sie doch mal einen Hinweis haben möchten, wo sie langgehen sollen. Es ist aber gar nicht meine Aufgabe, ihre Probleme zu lösen. Bestenfalls verschaffe ich ihnen notwendige Ressourcen. Denn die Spieler müssen diese Entscheidungen selbst treffen, damit es hinterher nicht heißt, ich hätte sie gerailroadet. [Exkurs: ich hatte neulich eine Diskussion Online mit einem anderen SL, der ganz klar sagt, das er immer railroadet und seine – informierten – Spieler das auch gut fänden. Solche Gruppen habe ich auch kennengelernt, es ist halt nicht so meins. Putzig fand ich allerdings seine Bemerkung dass er sich weder Videos noch nennenswert anderen Kram aus dem Internet anschaut, weil er das für nutzlos hält – es klang für mich ein wenig nach “Ich weiß alles und kann alles und brauch nichts Neues und meine Spieler müssen das so hinnehmen!”; aber was weiß ich schon? Wichtig ist, dass die Spieler die Entscheidung haben, ob sie auf Schienen fahren wollen, oder nicht!]

(c) by Monika Merz

Allerdings kann es sehr interessante Blüten treiben, wenn die Spieler für ihre Chars die Entscheidungen vollkommen frei treffen können. Nehmen wir an, sie hätten sich dazu entschieden, den NSC auszuliefern, die Kohle zu nehmen, und einen anderen Storyhook auszuprobieren – was sie dürfen, wenn sie denn wollen. Dann wüsste ich schon, was passiert – die Spieler und ihre Chars jedoch nicht. Und ich musste noch nicht mal etwas andeuten (also die Spieler ein bisschen stupsen) und sie liefen schon da lang, wo ich es eigentlich ganz gut finde. Das hat mich zum Nachdenken angeregt: sind Charakter-Entscheidungen tatsächlich frei? Wenn man es recht bedenkt, sind Spieler ja schon irgendwie Plot-Huren; das soll nicht despektierlich klingen, denn es geht mir ja genauso: wenn’s einen Storyhook gibt, stürze ich mich darauf, wie auf ein medium-rare gebratenes Filetsteak! Diese qua-magnetische Anziehungskraft zwischen Charakter und Geschichte macht es höchst unwahrscheinlich, dass keiner der Chars in den Plotbus steigt, und sie stattdessen mal eben die Bank ausrauben – einfach, weil sie’s können. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch, dass EINE intrinsische Hauptmotivation des Spiels (ETWAS erleben wollen!) einer freien Wahl schon im Weg steht! Wie sieht es dann aber mit anderen Aspekten des Spiels aus?

Nehmen sie diesen oder jenen Pfad? Erfüllen sie diesen oder jenen Auftrag? Lassen sie sich auf diesen oder jenen NSC und seine jeweilige Geschichte ein? Kämpfen sie, oder lassen sie es bleiben? Was die Pfade angeht, so macht es oft gar keinen so großen Unterschied, welchen Weg sie einschlagen, solange die Richtung vorwärts ist. Gehen wir davon aus, dass intrinsische Motivation und Plotbus durch das inhärente Design von Pen’n’Paper sehr oft in die gleiche Richtung unterwegs sind, kann man sich beinahe darauf verlassen. Ob Chars einen Auftrag annehmen, hängt von vielen Faktoren ab, und ist ein universeller Plothook, der in die eine oder andere Richtung weisen kann. Außerdem: welcher Mr. Johnson bescheißt einen nicht irgendwann? Was die NSCs angeht, gilt exakt das Gleiche. Es hängt von der Motivation der einzelnen Charaktere, der Informationslage, Freund- und Feindschaften, sowie dem Grad der Verzweiflung der Chars und noch ein paar anderen, manchmal seltsamen Dingen ab. Was aber nun das Kämpfen angeht, wird es interessant. Nicht wenige Regelwerke (DnD 5E z. B.) sind – by design – als Dungeoncrawler ausgelegt, und in Dungeons wimmelt es nur so von Kreaturen, die den Chars das Licht ausknipsen wollen; unsere eigene Welt ist jedoch anders!

(c) by Monika Merz

Wenn ich nicht gerade beim US-Militär angestellt, und mal wieder auf World-Domination-Tour unterwegs bin, oder im Außendienst egal welcher Mafia tätig, ziehe ich nicht mal eben los, und metzele einfach ein paar Typen nieder, deren Fresse mir nicht gefällt. Will heißen, wir nutzen ÜBLICHERWEISE andere Methoden der Konfliktlösung. Im Pen’n’Paper KANN Gewaltanwendung jedoch ein vollkommen legitimes Mittel der Problemlösung sein. MUSS nicht, KANN aber. Und hier hängt es wiederum von der Entscheidungsfreiheit der Spieler ab. Natürlich kann diese Entscheidungsfreiheit auch eine Murder-Hobo-Truppe erzeugen, die alles killt, was nicht bei drei auf dem Baum, oder um Klassen stärker ist. Die allermeisten machen sich aber sehr wohl Gedanken darüber, gegen wen sie zu Felde ziehen, und gegen wen nicht. Und das basiert nicht nur auf “DER/DIE/DAS ist zu stark für uns!”, sondern durchaus auch auf moralischen Erwägungen. Weshalb man, Matt Collville zur Folge, immer eine Partei im Spiel haben sollte, die jeder ohne zögern und ohne sich deswegen schlecht fühlen zu müssen killen kann – Everybody loves Zombies!

Es kann aber auch passieren, dass Chars so stark divergierende Interessen haben, dass deswegen die Party nicht zusammenkommt, oder aber zerbricht (denkt an das NSC-Auslieferungsdilemma von oben). Meiner Erfahrung nach ist da jedoch üblicherweise ein unausgesprochener Gruppenzwang zur Kooperation: Du bist Spieler, ich bin Spieler; also spielen deine und meine Spielfigur MITEINANDER. [OBACHT: diese implizite Spieltisch-Konvention funktioniert nicht immer! Manchmal nutzen Spieler die Regeln, um komische Dinge zu tun, und sich dann hinter der Phrase zu verstecken “Das war aber voll in Charakter!”; was so viel heißen soll wie “Ich bin nicht schuld an deinem Schaden. Mein Charakter ist Schuld, aber der muss so handeln, weil es die Rolle erfordert!”. Das ist natürlich 100% Bullshit, weil der Spieler die Rolle ausgestaltet. Und wenn Spieler auf diese Art die Chars anderer Spieler schädigen, entwerten, verletzten, etc. ist das einfach nur beschissen schlechtes Rollenspiel! Ende der Durchsage!]

Wie man es auch dreht und wendet – das, was die Chars tun oder auch lassen, muss sich auf irgendeine Weise in der Reaktion der NSCs und der Welt wiederspiegeln! Tun sie z. B. etwas großartig heldenhaftes, werden sie vielleicht ge- und verehrt. Bauen sie riesigen Mist oder treten sie den falschen Leuten zu oft auf die Füße, sind sie alsbald vogelfrei – oder im Knast. Es liegt am Spielleiter, sich die passenden Konsequenzen auszudenken, und dabei stets auch die (noch) verborgene Agenda der NSCs mit in Betracht zu ziehen. Denn dann wirkt die Welt echter, und die suspension of disbelief wird besser wirksam. Ich freue mich schon auf die nächste Sitzung. Euch da draußen sei gesagt: always game on!

Auch als Podcast.

Man lernt ja nie aus, nicht wahr…?

Um ehrlich zu sein – mir brummt der Schädel. Nicht etwa, weil ich zu viel gesoffen hätte, sondern weil ich TIEF in die Materialien für mein Studium eingetaucht bin, um endlich mal ein paar Hausarbeiten abliefern zu können. Irgendwann möchte man ja mal fertig werden mit dem Master. Denn um ehrlich zu sein, habe ich es im letzten Jahr schleifen lassen. Ich könnte dafür verschiedene Entschuldigungen heranziehen: häufiges Sodbrennen wegen unmäßigem Pasta- und Rotwein-Konsum zum Beispiel? Oder den subjektiven Rückgang der Eulenpopulation im Waldpark? Vielleicht auch mein gelegentliches Spielbedürfnis, dann in Verbindung mit chronifizierender Prokrastinistis? Oder meinen unbändigen Wunsch nach häufigerem Spazierengehen (allerdings nicht Montags Abends – diese Unterstellung verbitte ich mir!)? Falls das irgendjemandem unglaubwürdig vorkommt – mir auch! Aber suchen wir nicht alle gelegentlich nach faulen Ausreden…

…sehr gute Lektüre!

Nun habe ich mich jedenfalls aufgerafft, um den Rückstand aufzuarbeiten; zumindest bis auf die Couch in meinem Arbeitszimmer bin ich dabei gekommen, im gelegentlichen Wechsel mit meinem Bürostuhl am Schreibtisch (hey, ich habe heute sogar stehend gearbeitet, YIPPIE!); will heißen, ich habe meine Nase in Skripten, und Büchern und Webseiten versenkt, gelesen, nachgedacht, Fragen beantwortet – und die Antworten danach noch mal redigiert. Ich würde das ja als Arbeit bezeichnen. IN. MEINER. FREIZEIT! Aber ich wollte es ja so, rumjammern ist also nicht erlaubt! Zudem habe ich bei meinen Bemühungen mehrere Beobachtungen gemacht, die mich durchaus positiv stimmen. Immerhin muss man sich ja an irgendwas hochziehen, um nicht die Motivation zu verlieren. Und gestern Abend habe ich mir auch eine Pause gegönnt und ein wenig Pen’n’Paper gespielleitet. Falls jemand fragen möchte: JA, das ist für mich entspannend. Zumindest in der derzeitigen Konstellation. Aber dazu erzähle ich evtl. bei anderer Gelegenheit etwas.

Ich habe mich die letzten zwei Tage irritierend fleißig erlebt! Man muss dazu wissen, dass mein Fürchtegott-Justus (ihr erinnert euch: mein Über-Ich) recht häufig und ausgiebig Pause macht, wenn ihm Grimpeflgrumpf-Sozaut mal wieder eins auf die Zwölf gegeben hat. FG ist nämlich eine kleine Heulsuse – und GS alles andere als zimperlich, wenn die Sirenen der Prokrastination ihren Gesang anstimmen. GS hat nämlich NULL Probleme damit, wenn jene Projekte, die FG wichtig sind, vollkommen sang- und klanglos an den Klippen des Nucleo-Accumbianischen Küstengebirges zerschellen. Was leider nicht so selten vorkommt wie ICH mir wünschen würde. Well… that’s life! Aber im Moment bin ich tatsächlich fleißig. Und es ist mir nicht im mindesten schwer gefallen, in den akademischen Beast-Mode zu wechseln. Wobei natürlich klar ist, dass ich meinen Job mag – und daher auch mit dem hochschulisch-theoretischen Background ganz gut klarkomme. Man nennt diesen mentalen Zustand, glaube ich, “fokussiert”. Und ich hatte sogar so was wie Flow-Gefühle. Na ja – da ICH niemals ein Runner’s High spüren werde, ist der Flow beim theoretischen und kreativen Arbeiten in meinem Büro wohl so ziemlich das Nächstbeste!

Keine Sorge, das hält nicht allzu lange an. Ich gehe mal davon aus, dass mir so etwa am Freitag Mittag die Puste ausgeht. Doch wenn ich meine Arbeitspakete bis dahin alle erledigt haben sollte, wird mich das positive Gefühl danach wohl noch eine ganze Weile begleiten. Mindestens das Wochenende über. Ich empfinde es als Geschenk, Lernen und Wissen-Wollen als natürliche Bedürfnisse empfinden zu können, welche mich kaum extra Anstrengung kosten. OK – FG braucht meistens ein bisschen Anlauf und muss mit gewisser Vorsicht einen Moment abpassen, in dem er GS von Hinten erwischen kann. Aber wenn GS erstmal liegt, ist die Chose auch schon am kochen. Und wenn GS dann mitkriegt, dass auch DAS die Instinkte befriedigen kann, ist für eine Weile Frieden im Hirnkasten. Das koste ich im Moment aus – und habe sogar noch Zeit diese Zeilen zu schreiben und als Podcast aufzunehmen. Nicht übel für einen faulen, alten Sack! Ich wünsche euch allen da draußen auch eine halbwegs friedvolle und produktive Woche. Oder das, was ihr euch wünscht. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Yeah, Old Mr. Sunshine…

[HINWEIS: ich spinne hier ein paar Gedanken von gestern andersherum, bzw. an ein paar Stellen noch etwas weiter. Wer den gestrigen Post also noch nicht gelesen hat, sollte dies zuvor noch nachholen. Danke…]

Es ist einer dieser Tage, an denen die Wetterlage draußen so gar nicht mit der Binnenwetterlage in mir korrelliert. Ich fühle mich körperlich kaputt. Eigentlich beste Voraussetzungen, um sich dem Schreiben zu widmen, denn der Geist ist ja trotzdem wach. Allerdings sitzt heute nicht Smeagoll auf meiner linken Schulter, sondern mein ÜBER-ICH (nennen wir ihn der Einfachheit halber “Fürchtegott-Justus”, oder FG), dass mich freundlich aber bestimmt darauf hinweist, dass man solche Tage nicht vergeuden darf, und verdammt noch mal mit den Lieben vor die Tür sollte. Und auf der rechten Schulter? Nun, mein ES (mit dem klangvollen Namen “Grimpfelgrumpf-SozAut”, oder kurz GS) ist sich ziemlich sicher, mit vollem Recht auf solche impliziten Verpflichtungen scheißen zu dürfen. Was mein ICH aus solchen Dilemmata macht, ist zumeist ein Kompromiss. Und manchmal gar kein so fauler… Der Ausdruck “zu seinem Glück gezwungen werden” ist sicherlich den meisten geläufig; und in diesem Fall sogar wahr.

Wir waren also ein wenig in der Sonne unterwegs. Ich mag Sonne. Ich mag auch den Wald. Also sind wir gar nicht weit von hier eine Weile durch den Dossenwald gewandert. Haben Wildschweine und Auerochsen besucht. Nix besonderes. Und dennoch war unverkennbar, dass das allen gut tut. Sogar meinem GS. Er ist zwar jetzt ein wenig beleidigt, weil er nicht den ganzen Tag in seiner Höhle verbringen durfte, aber das holen wir ja schon gerade nach. Die eigentliche Friktion ist ja auch nicht, bei Sonnenschein (und für Februar viel zu hohen Temperaturen) durch den Wald gehen zu müssen; sondern dieser “unerträgliche Eingriff in meine Autonomie”. An dieser Stelle ist eine Anekdote fällig: Ich ging die Tage abends vom Bahnhof zurück nach Hause und an einer Straßenecke stand ein anderer Vater, der in aller Seelenruhe die ohrenbetäubenden Trotzensschreie seines etwa drei Jahre alten Kindes über sich ergehen ließ. Ich musste schmunzeln, weil jedes Elternteil mit mehr als drei Tagen Erfahrung das kennt. Weniger zum Schmunzeln waren die vorwurfsvollen Blicke anderer Passanten, so a lá “Jetzt gib dem Gör halt, was es will, damit WIR unsere Ruhe haben!” Entweder keine Eltern, oder ignorante Idioten. Aber die besten Erziehungsratschläge bekommt man ja eh immer von denen, die keine Ahnung haben!

Mein ES ist so ein dreijähriges Kind. Vielleicht ist es manchmal auch schon 12 und damit gerade so geschlechtsreif. Jedenfalls ist es ein trotziger kleiner Pisser, der seine Grenzen regelmäßig gezeigt bekommen muss. Zum eigenen Glück gezwungen werden halt. Die Frage, welche damit allerdings unbeantwortet bleibt ist, wie viel ES wir eigentlich brauchen, um als Menschen nicht an der Verleumdung unserer eigenen Identität und der ihr innewohnenden Bedürfnisse zu Grund zu gehen? Vermutlich ist die Antwort darauf – wie so oft – höchst individuell. Womit meine für die meisten Menschen wahrscheinlich höchstens Unterhaltungswert hat. Macht aber nichts. Mir geht es damit so: ich habe heutzutage, vermutlich dank meiner depressiven Grunderkrankung, einen ganz guten Draht zu meinem INNEN. Niemand kann seine EMOTIONEN wirklich herbei denken, weil das allermeiste davon auf neurophysiologischer Ebene vorbewusst abläuft. Unsere AFFEKTE (Liebe, Hass, Gier, Ekel, Wollust, etc.) sind lediglich der für uns fühlbare Ausdruck dessen, was unser mesolimbisches System und die Amygdala so alles anstellen, wenn der Tag lang ist. Wir können allerdings lernen, mit unseren Affekten umzugehen. Zum Beispiel diesem unverschämten Idioten, der sich an der Kasse vordrängelt nicht einfach eine auf’s Maul zu geben, wie er’s eigentlich verdient hätte…

Allerdings habe ich gelernt, dass zu meinen Affekten auch die INTUITION gehört. Und weil meine kreativen Prozesse tatächlich oft sehr intuitiv ablaufen, kann ich diesen Teil meiner selbst gar nicht überhören. Denn ich würde etwas von mir verleugnen, dass mich einerseits sehr stark als Mensch definiert; und das andererseits auch einen erheblichen Anteil an meinen professionellen Erfolg hat! Das ist der Grund, warum ich manchmal vielleicht etwas tüddelig, abgelenkt, ja manchmal sogar eher abweisend rüberkomme. Wenn mein Gehirn JETZT gerne intuitiv etwas ausklabustern möchte, und mich aber dauernd jemand dabei stört, werde ich gelegentlich unwirsch. Denn mein Dreijähriger (vielleicht auch 12jähriger) GS wird dann trotzig, weil er nicht zu seinem Recht kommt, obwohl selbst FG weiß, dass dies jetzt gerade sein MUSS! Da könnte ich dann echt zum Wildschwein werden…

Es ist ja nicht so, dass ich’s gar nicht kontrollieren könnte. Aber nach einer Weile ist meine diesbezügliche Leistungsfähigkeit erschöpft. Dann muss ich mich zurückziehen und meinen Ideen, Plänen, Ausarbeitungen nachgehen können, ohne dass mich jemand unterbricht. Das ist im Arbeitsleben alles andere als einfach – außer wenn ich im Lehrsaal performen muss. Da kann ich nämlich die Rampensau sein, die mein 12jähriger gerne schon immer gewesen wäre! Im Büro jedoch ist es manchmal schwer, wenn Hinz und Kunz mit Fragen, Sorgen, Problemen vor mich hintreten. Einerseits, weil Hinz manchmal Kraft Amtes halt dazu berechtigt ist (Kunz vielleicht nicht unbedingt). Andererseits, weil ich so manchem Hinz oder Kunz ja auch gerne helfe. Mein FG ist nämlich ein verdammt höflicher und hilfsbereiter Fucker. Dann einen Ausgleich zu finden, ist selten einfach. Umso schöner ist es, dass ich mich die nächsten Tage ein großen Teil meiner Zeit eingraben und an Dingen arbeiten kann, die mir wichtig sind. OK Studium muss sein. Aber ich habe auch noch ein, zwei andere Projekte, die mich faszinieren. Denen werde ich mich auch widmen. Wenn also die Tage hier mein Dreijähriger spricht (oder mein 12jähriger 😉 ), ist das auch gut so. Zumindest für mich. Ich wünsche eine schöne Woche.

Auch als Podcast…

Komm… spring über das Stöckchen!

Kalt war’s heute morgen. Zumindest für hiesige Verhältnisse. Wenn ich aus meinem privaten Bürofenster schaue, ist da sogar jetzt noch Rauhreif, weil die Sonne nicht hinkommt. Apropops Sonne; schön, die mal wieder zu sehen. Ich habe gerade meinen Schreibtisch aufgeräumt, nachdem ich gestern Abend ein wenig mit Videos herum experimentiert hatte; und dann, dank der davongelaufenen Zeit hastig davoneilen musste, um der Familie beizuwohnen. Oder wenigstens die Kinder ins Bett zu bringen. Ich hatte mich erinnert, dass ich ja mal ein bisschen Vloggen wollte – war aber mit den bisherigen Ergebnissen alles andere als zufrieden gewesen war. Ne, ne, Junge, so wirste kein Youtube-Star. Also noch mal alles auf Null und mit anderem Equipment experimentieren. Und da ist es wieder: das unsichtbare Stöckchen. Wir denken ja immer, dass es jemand anderes braucht, um uns welche hinzuhalten, und zum drüberspringen zu motivieren. Manchmal jedoch wird deine eigene intrinsische Motivation zu deinem Endgegner; scheiß auf Wäscheberge. Und DIE sind normalerweise schon unbezwingbar…

Ehrlich – ich weiß gar nicht so genau, warum mich das Thema so fasziniert. Ja… ich könnte jetzt wieder mit meinem üblichen “ist für die Unterrichtsarbeit verwertbar”-Geschwafel loslegen. Aber um der Liebe zur Wahrheit Willen sei angemerkt: NÖ! Also… doch, schon. Aber eben nicht hauptsächlich. Vielleicht liegt es daran, dass ich in den letzten Monaten viele Youtube-Videos gesehen habe – und natürlich selbst über eine gewisse Mitteilsamkeit verfüge, deren binnenpsychologisches Äquivalent die ganze Zeit auf meiner linken Schulter sitzt und mit Smeagolls Stimme flüstert: “Das kannst du auch…!”. Auf der rechten sitzt allerdings unterdessen mein persönlicher Gollum und sagt: “…das Letzte sah aber Scheiße aus!” Und objektiv betrachtet hat der Penner nicht ganz unrecht. Sagt es ruhig laut “Perfektionismus-Opfer!”. Nun ist es allerdings mit Youtube-Videos tatsächlich so, dass man, wenn man mehr als fünf bis neun Leute ansprechen möchte, einerseits etwas Mühe in die technische Produktion stecken sollte. Klar, im Rahmen seiner jeweiligen Möglichkeiten. Aber wir müssen es leider akzeptieren – nur halbwegs professionell produzierte Videos ziehen auch tatsächlich Klicks. Und dafür braucht man ein gewisses Techlevel und einige Skills.

Andererseits stellt sich natürlich die Content-Frage. Wenn ich eine Nische bespiele, in der es wenige ernstzunehmende Mitanbieter gibt, habe ich zwar gute Chancen, schnell zum “Star” zu avancieren – die Reichweite wird jedoch stets erheblich unter der irgendwelcher Mainstream-Instas oder Youtuber bleiben. Und ich bin halt nicht wirklich Mainstream. Und ich will auch keine Produkte rezensieren. Das ist mir zu kleinteiliger Scheiß, der meist dabei rumkommt. Also geht es mir nicht um’s Geldverdienen? Denn was sollte ich bei meiner Themenauswahl schon großartig monetarisieren? Pädagogik? Da gibt’s genug andere Angebote, die wahrscheinlich besser sind, oder zumindest besser aussehen und so gut wie nix kosten. Doch eher Rollenspiel, bzw. das Storytelling als solches? Da gibt es schon einige, welche diese Szene in Deutschland bespielen – mit hoch variabler Qualität und noch variablerem Erfolg. Ist dennoch ganz sicher ein Thema, dass mich selbst immer fasziniert; und vielleicht auch den einen oder anderen Zuschauer. Geht es vielleicht dann um Anerkennung? Oder doch eher um ganz schlimm böses Geltungsbedürfnis? Schon möglich. Schließlich wünscht sich jeder kreativ Tätige seine persönlichen 15 Minuten Ruhm, nicht wahr?

Also habe ich mir selbst ein Stöckchen aufgehängt und nehme gerade Anlauf. Und was ist mit den anderen Stöckchen; zum Beispiel im Job? Tja! Die Frage ist doch, welches dieser Stöckchen hängt niedriger? Ist also mit weniger Anlauf und weniger Mühe zu überwinden? Welches verspricht die größere Belohnung? Und vor allem – wie schnell? Verfluchte Psychologie! Jeder von uns wird diese Fragen anders beantworten. Für mich jedoch ist ganz klar, dass mein Belohnungszentrum momentan gerade nach einem schnellen Erfolg verlangt, weil sich alles andere wieder mal zu einer Marathonstrecke entwickelt. Und ich eine gewisse Ermattung verspüre. Wenn das neue Jahr einfach genauso weitergelaufen ist, wie das Alte geendet hatte, stellt sich nach kurzer Zeit Ernüchterung, manchmal auch Depression ein. Auch, wenn wir im tiefen Grunde unseres Herzens alle wissen, dass “Neues Jahr, neues Glück!” ein verdammt naiv-dämlicher Spruch ist. Die verfickte Hoffnung stirbt halt bekanntlich zuletzt. Beim Suizidenten kreist sie wahrscheinlich noch ein letztes Mal schulterzuckend um den Leichnam, um sich dann schnurstracks per Reinkarnation das nächste willige Opfer zu suchen. [Anmerkung: Nein, im Moment brauche ich keine Psychotherapie, danke der Nachfrage!]

Es liegt für mich etwas Beglückendes darin, Dinge zu schaffen. Da ich leider, im Gegensatz zur besten Ehefrau von allen bestenfalls ein leidlicher Handwerker bin, und auch meine Zeichnungen, wie meine 13jährige gerne so treffend bemerkt, leider nicht über Grundschul-Niveau hinaus kommen, muss ich halt weiterhin Schreiben, Knipsen – und ab jetzt auch mal Videoen. Ich bin ehrlich gespannt, ob ich es besser hinkriege, als bei den ersten Versuchen, ohne Probleme mit Geld bewerfen zu müssen. Wir werden sehen. Einstweilen wünsche ich einen sonnigen Samstag – C U SOON!

Auch als Podcast…