LASST ES RAUS!

Zeit meines Lebens ringe ich um ein wenig mehr Ausgeglichenheit, um Contenance, um die Gelassenheit, manche Dinge einfach laufen zu lassen, auch wenn meine Dämonen gerade etwas BÖSES tun möchten. Ich war früher ein schlechter Verlierer. Wahrscheinlich ist einer der Hauptgründe, warum Pen’n’Paper mein liebstes Hobby ist, dass es dort eigentlich keine Gewinner und Verlierer gibt – nur eine gemeinsam erzählte Geschichte. Wobei es auch dort zu Diskussionen kommen kann, wenn ich Ungerechtigkeit am Werk zu verspüren glaube. Und da stets der Empfänger die Botschaft macht… Ich schaffe es heute dennoch (meistens), meine Affekte beim Spielen im Zaum zu halten, aber mit dämlichen Brettspielen kann man mir bis heute nachhaltig den Abend versauen. Welcher Sadist nennt denn bitte ein Spiel, bei dem man so einfach durch das Zutun der Mitspieler verlieren kann “Mensch ärgere dich nicht!”? Dieser unnötige Menschoid gehört…! Ach, was soll’s, der Gründer von Schmidt Spiele ist eh schon lange tot. Aber ist dieses Ringen um Ruhe überhaupt wichtig?

Ich las gestern einen Artikel mit dem imperativen Titel “Rastet aus!”. Die Autorin möchte ihren Beitrag evtl. eher als Glosse verstanden wissen, aber die Kommentarspalte… ach herrjeh, wie sich die ganzen woken Möchtegern-Psychologen darüber ereifern, dass Affektinkontinenz nun aber auch gar nichts in der Welt verloren habe! Gab’s da nicht mal diese – heute als klassisch bezeichnete, zu meiner Zeit in der Schule von vorn nach hinten zerplückte – Stil-Epoche, die sich ganz dem Gefühl verschrieben hatte, und der Ratio klar eine Absage erteilte – ach ja, die Romantik. Aber noch viel pragmatischer – wäre (ein) Leben ohne Affekte denkbar? Vermutlich nicht, denn ohne Affekte gibt’s kein Fuscheln und ohne Fuscheln keinen Nachwuchs. Aber hey, wen interessiert’s – außer Demoskopen, Politiker, Wirtschaftswissenschaftler, etc? Und jetzt kommen die ganzen Oskar Oberschlau-Typen aus ihren Löchern, und deklamieren erhobenen Fingers “Aber das sind doch positive Affekte!”. Ja! Klar, sind das positive Affekte. Aber alles im Leben lässt sich nur durch Dichotomien sauber definieren. Wenn ich nicht weiß, was ein positives Gefühl ist, wie soll ich dann ein negatives erkennen können. Oder soziale, hierarchische, politische Gefüge? Hm…? Um’s kurz zu machen – ohne Gegensätze funktioniert unsere Welt nicht.

Greimas’ semiotisches Vierck – gut, um Gegensätze zu beschreiben…

Soll heißen, ich kann mir nicht einfach nur die schönen positiven Sachen zum Gebrauche hernehmen und die pösen, pösen negativen in einem metaphorischen Giftschrank verstecken! Denn aus dem Menschen heraus bekomme ich sie nicht. “Du kannst den Jungen aus Berlin rausbringen, aber nicht Berlin aus dem Jungen!”, habe ich mal zu einem Kollegen gesagt, der sich ein bisschen darüber beschwerte, als ich sagte er käme wohl NICHT gebürtig aus Heidenheim an der Brenz…? So wenig, wie viele Menschen das Idiom ihrer Herkunftsregion zu verstecken vermögen, so wenig können wir mal eben das mesolimbische System und den Sympathikus aus dem Menschen explantieren. Es sei denn, wir wollen, dass er kaputt geht. Man bekommt das Eine, nämlich das Gute und Schöne, zumindest physiologisch nicht ohne das Andere – die Hitze und den Stress! Man kann etwas tun, um Stressresilienter zu werden und damit seltener Opfer seiner eigenen negativen Affekte. Und in manchen Gewerken ist das sogar essentiell, weil Stress und negative Affekte schlechte Entscheidungen begünstigen; wenn Rettungsdienstler sich dazu hinreißen lassen, sterben u. U. Menschen. Aber man sollte um Himmels Willen nicht glauben, dass man a) seine Physis austricksen kann und b) Contenance ein Wert an sich sei.

Emotionen im öffentlichen Raum sichtbar zu zeigen gilt gemeinhin als unprofessionell, unzivilisiert und nicht wünschenswert. Warum? Meine These lautet: weil Ehre, Stolz und Ansehen heutzutage wichtiger sind, als echter Ausgleich zwischen den Menschen! So gilt Contenance denn auch als Distinktionsmerkmal der gehobenen Schichten. Ja Teufel auch – ich soll mich also dauernd beherrschen, weil sich jene, die mich sowieso schon beherrschen ansonsten schlecht fühlen? Weil sie Angst haben, dass die ganzen, momentan schön durch Konsum kanalisierten, pathologisierten und eingehegten negativen Affekte sich evtl. kumulieren und ein ungerechtes System, wie etwa den Kapitalismus in seiner heutigen Ausprägung mitsamt seinen Apologeten hinwegfegen könnten? Und warum zum Henker sollte ich dann NICHT wütend sein, wenn mir Gerechtigkeit, wie oben erwähnt doch am Herzen liegt? Da bleibt mir doch nur, Dr. Banner zu zitieren: “Mein Geheimnis ist, ICH BIN IMMER WÜTEND!”. Warum, muss ich jetzt hoffentlich nicht mehr explizieren…

Bleibt noch zu erklären, warum ich denke, dass Konsum auch dazu da ist, negative Affekte einzuhegen? Ganz einfach – weil Konsum es uns erlaubt, diese unerwünschten Emotionen entweder zu betäuben (man setze hier die Droge seiner Wahl ein), oder aber in geregeltem Umfang auszuleben; und was regt sich “die Öffentlichkeit” auf, wenn’s ein paar dabei mal wieder übertreiben – z. B. rings um die Fußballpätze des Landes. Oder glaubt irgendjemand tatsächlich, dass Fußball (oder irgendeine andere Mannschaftssportart) im Kern etwas anderes ist, als eine geläuterte Version des Circus Maximus in Rom? Die Gladiatoren haben heute keine Schwerter mehr – das ist der einzige Unterschied. Ansonsten funktioniert “Panem et Circenses” auch 2000 Jahre später immer noch wie geschmiert. Ich verdamm niemanden dafür, wenn er sich so berieseln lässt. Ich würde mir nur wünschen, mehr Menschen würden diesen Aspekt und ihre eigenen Rolle darin bewusst reflektieren. Aber bei vielen scheint der Spiegel hier ein wenig stumpf… Also ich mag meine Wut. Und ich lasse sie auch raus. Manchmal auch öffentlich. Wenn jemand damit nicht klarkommt – Pech gehabt! Schönen Sontag.

Auch als Podcast…

Cyborg-isierung…?

Was ist ein Cyborg? Die begriffliche Definition (ein Mischwesen aus Mensch und Maschine, wobei der Maschinen-Anteil variieren kann) ist hier insofern nicht hilfreich, als dann auch jeder Diabetiker mit einem implantierten Blutglukose-Sensor als Cyborg gelten dürfte. Mit der kulturell-ästhetischen (siehe Ghost in the Shell, o. Ä.) Darstellung hat das jetzt allerdings weniger zu tun. Unsere Vorstellung davon, was “Cyber” ist, und was nicht, ist einerseits hoch individuell; andererseits natürlich durch unsere Rezeption von Kulturartefakten wie Büchern und Filmen geprägt – die das Grund-Thema (nämlich die Annäherung von Mensch und Maschine) üblicherweise zu Gunsten dramaturgischer Erwägungen verkürzen und auf wenige, meist visuell gut darstellbare Aspekte zuspitzen. Dagegen lässt sich jetzt bei Unterhaltungsmedien wenig sagen. Die sollen ja unterhalten. Allerdings wird der Aspekt von Kunst, auf den Adorno verwies – nämlich den Doppelcharakter der Kunst, aus dem sich die Aufgabe von Kunst ergibt, die Wahrheit über die Gesellschaft zu offenbaren, die nur allzu oft von der Ideologie verdeckt wird – hier zu oft für die Schauwerte ausgeklammert.

Jedenfalls ist die Vorstellung der meisten Menschen beim Thema “Cyborg” vermutlich eine krude Mischung aus künstlichen Bildern; entlehnt aus Filmen der letzten 35 Jahre und dem heutzutage ja einfach aufzustöbernden globalen visuellen Kunstschaffen. Garniert mit ein paar “eigenen” Ideen, zumeist bezogen aus den Werken von William Gibson, Philip K. Dick, Neal Stephenson und wie sie noch alle heißen. Die Cyber-Punks der Literatur halt. Eigentlich als ätzende Kritik am Kapitalismus und der blinden Fortschrittsgläubigkeit gedacht, nahmen viele Leute vor allem die ästhetischen Aspekte des Genres wahr und suhlten sich – aus angemessen sicherer Entfernung ihrer Erste-Welt-Existenzen – in der wohligen Lust an der Dystopie. Nun ja, zu den Dollars sagten die Autoren dann doch nicht “Nein”, und bedienten das Interesse munter weiter. Alle paar Jahre kommt irgendein Feuilleton-Honk aus seinem Loch, und proklamiert “Cyberpunk is dead!”, worauf der nächste Verkaufszyklus losgeht. Die Fans sehen das seit jeher anders und Adorno rotiert sicher in seinem Grab…

…und wohin führt der Weg?

Betrachten wir nun mal die reale Entwicklung der Kybernetik in den letzten 10 Jahren, dann scheint Wetware-Hacking als eine nicht allzu ferne Möglichkeit (z. B. Elon Musks Firma Neuralink), wenn man Wetware als dritte Komponente neben Hardware und Software betrachtet. Was einige Fragen aufwirft, die man eigentlich schon in “Neuromancer” und “Mona Lisa Overdrive” lesen, oder im Original von “Ghost in the Shell” hätte sehen können; und wir reden hier von philosophischen Fragen der Transzendentalität und der Ontologie, die alles andere als nichtig sind. Was ist der Sinn unserer Existenz? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was macht unsere Seele aus? Was macht den Mensch zum Mensch? Und was die Maschine zur Maschine? Wenn denn irgendwann diese Grenzen tatsächlich zu verschwimmen beginnen. Und dazu tritt dann noch die praktische Frage, wie viel Kontrolle ein Privatunternehmen über meine Gedanken haben darf? Ich meine, jetzt mal ernsthaft – ich will NICHT, dass ein Supercomputer im Besitz von Elon Musk via Neuralink-Chip meine Gedanken streamen kann. Das am wenigsten schlimme dabei wäre wohl, dass es einen Backchannel gibt, und ich dann dauernd darüber nachdenken müsste, mir jetzt doch endlich einen Tesla zu kaufen…

Wäre eine Cyborg-isierung eine Verbesserung des Menschen, eine Erweiterung unserer Möglichkeiten – oder gefährdete sie das, was uns als Menschen im Kern ausmacht? Ich habe ehrlich keine Ahnung – und ich bin viel zu sehr Geschichtenerzähler, als dass ich mir nicht unterschiedlichste Auswirkungen ausmalen könnte. Wobei die interessantesten Geschichten ja das Leben erzählt: Elon Musk hat Joe Rogan während eines Interviews 2018 mal erzählt, dass er denke, dass wir alle in einer Matrix-artigen Simulation leben würden. Sascha Lobo meinte dazu kürzlich, dass könnte so einiges erklären. Wahrscheinlich versucht der reichste Mann der Welt mit seinem, oft doch recht erratischen Verhalten einfach nur, die Grenzen dieser Simulation auszutesten. Warum er dann Chips entwickeln lässt, die man bald in menschliche Gehirne implantieren können soll? Vielleicht will er die Simulation hacken und abschalten? In jedem Fall hat er für sich anscheinend auch noch keine befriedigenden Antwort auf die oben erwähnten Fragen gefunden. Wir dürfen gespannt bleiben!

Ich habe auf all diese Fragen übrigens auch keine letzten Antworten und ich maße mir auch nicht an, zu behaupten, dass man überhaupt welche finden muss – insbesondere “allgemein gültige”; denn dann wären wir ratzfatz wieder beim Dogmatismus! Man sollte nur tunlichst niemals damit aufhören, über diese Fragen nachzudenken. Denn sie bilden einen wichtigen Teil dessen, was wir als Werte bezeichnen. Und ein kleines bisschen mehr ethisches Verhalten in unserer Welt könnte sie ein gutes Stück besser machen. Wenn ich dafür dann ein Cyborg werden müsste, wäre ich wohl dabei. In diesem Sinne – (f)rohe Ostern.

Auch als Podcast…

Eigentlich müsste man…

…dem frühlingshaften Müßiggang frönen und sich mit geistigen Getränken zudröhnen. Oder so ähnlich. Wenn ich aus dem Fenster schaue, kann ich das blaue Band, von dem Mörike so unnachahmlich sprach, wirklich sehen; und mich daran ergötzen. Ich mag den Winter nicht sehr. Ich mag lieber die Sonne, blauen Himmel, draußen sein. All die Dinge, die unmissverständlich zum Frühling und Sommer gehören. Auch, wenn ich irgendwann wegen der unerhörten Temperaturen unweigerlich zu murren anfange, weil ich mich dann die ganze Zeit fühle, wie der Inhalt eines Sous-Vide-Garers. Aber so ist das halt, wenn man vom Wetter, bzw. der Jahreszeit anfängt. Auch dem Herbst kann ich das eine oder andere abgewinnen – neuen Wein zum Beispiel – aber den Winter, den könnte man, wenn es nach mir ginge ersatzlos streichen. Was natürlich für die Natur verheerend wäre. Also bleibt er, und ich habe was, worüber ich traurig sein kann. Irgendwie muss man seine Depression ja am Laufen halten. Da kommt es doch beinahe gelegen, dass ich seit heute morgen wenig stolzer Besitzer eines zweiten Striches und eines so genannten “milden Verlaufes” bin – ich könnte kotzen vor Glück…

Was für ein Unterschied zu Freitag vor 8 Tagen…!

An sein Home-Office gebunden zu sein hat, wenn man über ein derart luxuriöses verfügt wie ich, allerdings auch seine guten Seiten. Selbst, wenn die beste Ehefrau von allen wahrscheinlich jetzt schon die Schnauze davon voll hat, dass ich dauernd nach irgendwas frage… meistens etwas zu essen. Aber die Entkopplung von vielen anderen Dingen (und auch Menschen!) hat auf mich immer eine ambivalente Wirkung: einerseits bin ich mit denen, die mir lieb und teuer sind, gerne in Kontakt. Andererseits gibt es eine Menge am Sozialleben, worauf ich dankend verzichten kann, weil ich mich oft nur allein mit den vielen Dingen beschäftigen kann, die in meinem Kopf umherschwirren. Ist man jedoch tagein, tagaus eingespannt, eingerahmt, eingebunden, eingeordnet, wird das Summen im eigenen Kopf zwangsweise von dem Summen aus den ganzen anderen Mündern eingeschläfert. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, aber ich konnte an mir bis zum heutigen Tage keine nennenswerte Verbesserung der Kreativität durch kollaborative Techniken wie etwa Brainstorming, Brainwriting, etc. feststellen. Ich erziele die besten Ergebnisse zumeist in meiner stillen Kammer – das kann mein Büro sein, oder, wie im Moment mein Homeoffice. Obacht: hier geht es nicht um Prozesse, etwa für meine Arbeit. Die MÜSSEN mit den Betroffenen abgestimmt werden. Hier geht es um meine ganz persönliche Schaffenskraft.

Perspektive verändern und Sehgewohnheiten aufbrechen…

Ich habe die letzten Stunden mit Aufgaben zugebracht, die ich mir selbst ausgesucht habe. Eine davon war das Verfassen dieses Blogposts. Ich schrieb auch für meine Pen’n’Paper-Runde. Und ich habe ein wenig in meiner Foto-Ausbeute von neulich gestöbert, um noch was zu finden. Mich faszinieren extreme Winkel und unharmonische Objekte. Das 1959 gebaute “Haus Oberrhein” ist so ein Objekt. In prominenter Lage ist seine Formenstruktur der Nachkriegsmoderne so etwas wie die Antithese zur pittoresken Gemütlichkeit der Rheinpromenade ein paar wenige 100 Meter flussaufwärts. Denoch finde ich den Klotz höchst faszinierend, weil natürlich der Standort direkt am Rhein, die Bauform und der Entstehungszeitraum etwas über die Geschichte meiner Stadt erzählen. Würde ich nicht drin bleiben müssen, wäre ein Wochenende wie dieses ideal, um ein wenig mit der Linse marodieren zu gehen und mich mit meinen Sehgewohnheiten auseinanderzusetzen. Interessant ist dabei der Umstand, dass zum Beispiel blinde Menschen ihren optischen Cortex (die Hirnregion, in welcher der Sehnerv mündet) trotzdem nutzen – unter anderem, um Braille-Schrift lesen zu können. Was bedeutet, dass visuelle Anaologien auch in den Köpfen Nicht-Sehender entstehen können. Das wirft für mich die Frage auf, wie viel ich tatsächlich mit meinen Augen wahrnehme, und wieviel Kontext meine Erfahrung und/oder meine Fantasie dazudichten. Wir Sehenden neigen dazu, das Gesehene als Gegebenes zu interpretieren. Aber ist es das tatsächlich…?

Eigentlich müsste man viel öfter mit offenen Augen durchs Leben gehen und all die kleinen Eigentümlichkeiten, Stilbrüche, (scheinbaren) Sinnlosigkeiten und Schrullen des Ganzen als das nehmen, was sie tatsächlich sind – Möglichkeiten zum Lernen. Möglichkeiten, sich von der Couch zu erheben, die Komfortzone zu verlassen und mal auszuprobieren, ob man nicht doch mehr hinbekommt, als man gedacht hätte. Möglichkeiten, gelassener zu werden; vor allem gegenüber diesem ganz Achtsamkeitsgeschwafel. Man braucht keinen Ratgeber, um in Denkschleifen (manchmal auch Handlungsschleifen) zu geraten, wie ich hier ein Stück weiter oben. Nur ein paar Bilder (müssen nicht mal selbst gemachte sein), ein wenig Internetrecherche, hin und wieder ein halbwegs vernünftiges Buch, eine Zeitung, ein gutes Gespräch – und schon ist man mittendrin. Sich selbst zu irritieren, mit Neuem zu konfrontieren, aus dem Üblichen auszubrechen und das Gefühlte und Erlebte zu reflektieren – dadurch wird man kreativ. Und jetzt muss ich dem Müßiggang fröhnen, und… na ihr wisst schon. Schönen Abend.

Zwischenruf aus der Arbeitswelt – Schuften, bis die Schwarte kracht?

Ich las dieser Tage einen Artikel mit dem klangvollen Namen “Karriere? Nein, danke” auf Zeit Online. Die Autoren stellen dar, dass es immer mehr Menschen gibt, die offenkundig kein Interesse (mehr) haben, im Namen der Karriere unnötig viel Lebenszeit auf den Altären ihrer Arbeitgeber zu opfern. Die dramatische Überspitzung mag man mir verzeihen; aber auch im 21. Jahrhundert sind auf Seiten der Arbeitgeber der Zwang zum Präsentismus, die Erwartung von dauernder Verfüg- und Erreichbarkeit, die “Ich zahle, du springst”-Haltung, sowie Kontrollzwang und Micro-Management immer noch an der Tagesordnung. Obwohl man schon lange wissen könnte, dass derlei sowohl für die Organisationsentwicklung, als auch für die individuelle Leistungs-Motivation tödlich ist! Das lassen wir als Arbeitnehmer heutzutage nicht mehr gerne mit uns machen. Man sollte an dieser Stelle einmal ganz klar sagen, dass es Humankapitalisten (hohes Qualifikations-Niveau => hoher Arbeitsmarktwert und auch höhere Job-Mobilität) und Humanpauperisten (geringes Qualifikationsniveau => geringer Arbeitsmarktwert und geringe Job-Mobilität) gibt. Dieses Dilemma lässt sich im Moment noch nicht auflösen, obwohl es Ansätze gibt, dem entgegen zu wirken. Etwa höhere Mindestlöhne und bessere Qualifizierungsangebote. Ich weigere mich jedoch, als Humankapitalist auf die Früchte meiner Arbeit zu verzichten. Insbesondere, wenn es sehr einfach wäre, manche Sturkturen einfach anzupassen.

Wär das nicht manchmal schön…?

Wenn man Veränderungen herbeiführen will, gibt es auf Arbeitgeberseite immer mehrere Argumente dagegen: da wird gerne der Betriebsfrieden angeführt. Doch, pardon, was kann ich dafür, wenn wir in Deutschland in einer Neidgesellschaft leben? Ich hasse den Begriff Leistungsträger, weil dieser viel zu oft von Leuten missbraucht wird, die genau das nicht sind. Dennoch erwarte ich mittlerweile ein gewisses Entgegenkommen, wenn es um die Strukturierung meiner Arbeit geht. Und das ist keine Rosinenpickerei, wie das manchmal gerne auf der anderen Seite dargestellt wird, sondern eine Notwendigkeit, endlich aus dem 9-to-5-Officecubicle-Denken herauszukommen, welches Motivation und damit Leistung eher behindert, als fördert. Es wird auch immer gerne über (zu) viele Zugeständnisse gesprochen, die der Arbeitgeber nicht machen möchte. Was ich dabei allerdings nicht verstehe ist Folgendes: welches Problem aus einem ein Zugeständnis entsteht, dass den Arbeitgeber keinen lumpigen Euro kostet, mir aber das Leben erheblich erleichtert? Und natürlich – das wird nie offen gesagt, ist aber in jedem Zeilenabstand lesbar – geht es um die Kontrolle von Workloads. Darum, ob man (Arbeitgeber) für sein Geld auch Leistung bekommt. Als ob man das daran ablesen könnte, das jemand im Büro anwesend ist. Aber hey, willkommen in der Kontroll-Illusion des 21. Jahrhunderts.

Reden wir doch mal über Vertrauen! Der Arbeitgeber verlangt von mir, dass ich in die sachliche Richtigkeit seines Handelns vertraue. Dass das Gehalt, die Zuschläge, die Steuern und Sozialabgaben schon korrekt berechnet wurden, und der Rest pünktlich ausgezahlt wird. Dass ich natürlich die Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt bekomme, die ich in jedem Fall für die Erfüllung meiner Aufträge benötige. Dass ich gemäß der üblichen Konventionen höflich und mit Respekt behandelt werde… Moment mal? Gehört zu respektvollem Umgang nicht auch Vertrauen bis zum Beweis mangelhafter Vertrauenswürdigkeit? Will heißen – kann ich nicht auch erwarten, dass man mir Vertrauen hinsichtlich meiner Loyalität und meines Fleisses entgegen bringt? Oder sind alle Chefs immer noch Anhänger der “Theory X”? Ganz ehrlich – ich weiß es nicht, weil wir ja keine LED-Displays in der Stirn haben. Vielleicht will ich es auch nicht wissen, und einfach weiter hoffen, dass ich doch noch etwas mehr ändern kann, obschon ich neulich einen Dämpfer bekam, der auch von meinen Mitarbeitern jetzt nicht so gut aufgenommen wurde. Einstweilen arbeite ich daran, dass mein eigenes Loyalitätslevel nicht zu sehr angegriffen wird. Ich wünsche morgen einen erfolgreichen Start in die (Arbeits)Woche. Mögen Vertrauen und Transparenz mit euch sein…

Auch als Podcast…

re-post to re-think… N° 2

Wetterkapriolen im April – Schneetreiben mit Gewitter!
Stromgitarren. Ich meine, Musik mit Stromgitarren, also am besten zwei davon, dazu ein Strombass, ein Schlagzeug und, falls unbedingt benötigt ein Keyboard; fertig ist ein Ensemble, dass mein Herz zu gewinnen vermag. Ich bin dabei nicht auf eine spezielle Richtung von Stromgitarrenmusik festgelegt – wie ich schon häufiger festgestellt habe, bin ich kein großer Freund von Dogmen – vielmehr gibt es Vertreter unterschiedlichster Stilrichtungen, die mich faszinieren. Ich höre auch andere Musik, aber zugegebenermaßen ist Stromgitarrenmusik so richtig mein Ding. Immer noch! Und diese Feststellung ist hier wichtig, mich durchzuckte nämlich kürzlich der Gedanke, dass der landläufigen Meinung zufolge der Musikgeschmack ebenso einem Reifungsprozess unterworfen sei, wie alles andere auch. Und dass folglich die Zeit für Stromgitarren vorbei sein müsste, wenn man so richtig erwachsen würde. Was mich ängstigte, weil ich doch meine Stromgitarren so mag, und mir eigentlich geschworen hatte, niemals ein Fan von Marianne und Michael zu werden. Ich hab nix gegen die als Menschen, weil ich sie ja gar nicht persönlich kenne, aber dieses schunkelselige Humptata geht mir halt auf den Sack. Und so manches andere auch…
Da ich aber immer noch nicht zum Liebhaber von Volksmusik geworden bin, begann ich mir so zu überlegen, dass das mit dem Musikgeschmack großer Käse ist, denn habe ich ihn einmal entwickelt, ändert er sich wohl nicht mehr so leicht. Zudem kannten wahrscheinlich meine Vorgängergenerationen das mit den Stromgitarren noch nicht so gut, und taten es als kindischen Quatsch ab, weil es ihren, unter anderen Einflüssen sozialisierten, Wahrnehmungsschemata zuwider lief. Aber jetzt gibt es Menschen meines Alters und auch so manchen deutlich darüber, der trotz sonstiger Reife (Kennzeichen hierfür sind eine feste Partnerschaft, Kinder, eine feste Bleibe, Schulden und eine gewisse Abgeklärtheit im Umgang mit dem Leben und seinen Stromschnellen an sich) immer noch Stromgitarren mag; was mir erhebliche Hoffnung bereitet, so im Bezug auf Marianne und Michael!

Es liegt mir fern, einfach nur meine alten Texte zu recyceln. Diese Zeilen stammen aus einem Text vom November 2014. Da wusste ich dann auch offiziell, dass ich Depressions-erkrankt bin. Und es wirkt so, als wenn Zeit und Muße, sich ausführlicher mit sich selbst auseinandersetzen zu können, manchmal echte Wunder bewirken. Da es uns Menschen oft schwer fällt, nach vorn zu blicken, weil so viele Variablen die Sicht versperren, ist der Bezug zu dem was war, und dem was man hatte, der natürlichste Ausweg – und leider auch die schlimmste Falle. Denn, wenn wir stets die Vergangenheit als Referenzpunkt für unsere Introspektive nehmen, wird der Blick auf die – vollkommen unbekannte – Zukunft immer Unbehagen, ja sogar Angst ausösen MÜSSEN. Wandel wird dann zu einem Endgegner; und diesen Bosskampf werden wir, genau wie gegen den Wäscheberg Level 267 immer wieder verlieren! Weil die Zukunft objektiv Terra Incognita bleiben MUSS! Daran zu verzagen ist aber – aus meiner ganz persönlichen Sicht, und hey, ich bin depressiv! – keine Option. Hier hilft eine gute Portion solides altes Re-Framing. Abkucken bei Pippilotta Viktualia, wenn sie da so schön singt “…ich mache mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt!” Klingt blöd? Ist aber die einzige Möglichkeit, dem eben beschriebenen Dilemma zu entkommen.

Mir ist bewusst, dass bei weitem nicht alle Menschen mit der Gabe gesegnet sind, die Welt mit den Augen eines Kindes, staunend, neugierig, gestaltend, erforschend zu betrachten… NAAH, DER SATZ IST KÄSE! Ich will auch erklären warum. Ich lese momentan ein Buch, so weit nichts ungewöhnliches. “PEAK. Secrets from the new science of expertise.” befasst sich damit, wie man zum “expert performer” wird. Und zwar unabhängig vom Fachgebiet, in welchem man unterwegs ist. Anders Ericsson bedient sich dabei am Anfang eines Beispiels, nämlich des “perfect pitch”, des absoluten Gehörs, von welchem man lange dachte, dass es eine angeborene Begabung sei (er erzählt dabei über Wolfgang Amadeus Mozart). Dies ist jedoch, der neueren Kognitions-Wissenschaft zu Folge, falsch! Es ist, wie’s aussieht, alles eine Frage des richtigen Trainings zur richtigen Zeit. Es gibt wohl manchmal obere Limits – aber diese liegen deutlich über dem leicht zu erreichenden Durchschnitt, welchem man als Bewohner der Wohlfühlzone üblicherweise angehört. Woraus folgt, dass das Verlassen der Komfortzone und die richtige Form von Training einen immer voran bringen können, wenn man denn will. Und weil die Kognitionswissenschaft mittlerweile auch weiß, dass die Neuroplastizität, und damit auch die Lernfähigkeit über weite Strecken des Lebens (also auch bis ins höhere Alter) erhalten bleiben, gibt es auch keine Ausrede, weil man schon über 40, oder sogar bald 50 ist.

Was diesbezüglich für Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen gilt, das kann, nein Muss – so meine ganz persönliche Interpretation – auch für unsere Emotionen gelten. Der Mensch ist auch emotional lernfähig, andernfalls wäre das Ändern einmal gefasster Einstellungen nicht möglich. Das dies aber funktioniert, lässt sich an vielen Beispielen ablesen. Etwa an Ex-Nazis, die wieder re-integriert werden konnten. Überdies sind Lernen und Emotionen stets miteinander verbunden. Was bedeutet, dass man lernen kann, sich von der Zukunft nicht (mehr) überwältigen zu lassen. Das geht nicht schnell, das ist manchmal schmerzhaft und das bedarf gewisser Anstrengungen – aber es ist möglich. Und das sogar, ohne dass man zu einer gefühlskalten Maschine wird. Der Weg ist sicher für jeden Menschen etwas anders. Aber er ist vorhanden! Man muss ihn nur finden und beschreiten. Für mich selbst ist Wandel zu einem Motor geworden, der mich immer wieder aus meinen tiefen Tälern voller Lethargie und Verzweiflung reißt. Essenziell ist für mich, dass es nicht zu viel wird. Aber mit etwas Übung klappt auch das mittlerweile wenigstens oft ganz gut. Aber sagte ich nicht gestern Abend, der Weg sei das Ziel…? Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen sich darauf besinnen könnten, dann gäbe es weniger Dogmatiker und weniger Leid. Ich wünsche einen schönen Tag.

Das Buch, auf welches ich Bezug nahm.
Auch als Podcast…

re-post to re-think… N° 1

Das Auge des Betrachters…
"Tja, so kommt das, wenn man rausfindet, dass für das oberflächlich betrachtet einfache Wort "Glück" in der anderen Sprache - in diesem Fall dem Englischen - mehrere Synonyme existieren, die freilich nicht alle unbedingt das Gleiche bedeuten. Man könnte zumindest sinngemäß unterscheiden zwischen dem Glück im Sinne eines glücklichen Zufalls - luck - dem sich bezahlt machenden Glück des Tüchtigen - fortune - dem Glücklichsein - happiness; und wenn man es recht betrachtet, sind das ja allesamt Aspekte dessen, was wir im Deutschen unter dem einen Wort "Glück" subsummieren. Oder anders formuliert, uns Deutschen langt ein Begriff vom Glück völlig. Weil wir mit mehr Glück vollkommen überfordert wären ... oder?
[...] bleibt doch der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es wohl genauso wenig EIN Glück geben kann, wie es EINE Normalität geben kann. Allein die Idee ist schon beknackt, weil die zunehmende Pluralisierung unserer Gesellschaft der Individualisierung der in ihr lebenden Menschen Vorschub geleistet hat (einmal mehr meinen Dank an Ulrich Beck). Also, noch mal zum Mitschreiben: Normalität ist das, was man selbst als solche definiert. Und es darf einem dabei ziemlich schnuppe sein, ob diese Definition Anderen in den Kram passt, so lange deren grundlegenden Rechte durch das Ausleben dieser Definition nicht tangiert werden. Siehe kategorischer Imperativ. Daraus folgere ich für mich höchst selbst, dass es bei Existenz MEINER Normalität auch MEIN Glück geben kann; oder besser geben muss! Ähnlichkeiten mit dem, was andere Menschen als Glück empfinden würden, sind gewiss nicht ausgeschlossen, aber weder bewusst beabsichtigt, noch notwendig. Womit wir auch diesmal alle One-Size-Fits-All-Ratgeber mit Wonne in die Tonne treten können.
Ich persönlich finde Glück, abhängig von der Situation in den unterschiedlichsten Dingen. Manchmal in etwas Tangiblem, manchmal einfach nur in einem - für meine Augen - perfekten Anblick oder einem - für meine Empfindung - perfekten Augenblick. Was auch Glück als nichts statisches, sondern als prozessual, als im Fluss, als immer wieder neues und immer wieder andersgestaltiges Phänomen erscheinen lässt. Sich also stets wieder darauf einlassen zu müssen, sein eigenes Glück neu zu suchen - und hoffentlich auch zu finden - ist zweifellos anstrengend, jedoch notwendig! Denn einer, oder auch viele Andere können mir nur in begrenztem Maße helfen, herauszufinden, was für mich richtig und wichtig ist. Sie können für mich richtig und mir wichtig sein, aber das kann ich nur selbst entscheiden; eben immer wieder auf's Neue. Das macht Glück aber auch spannend. So spannend, wie ein Leben halt ist. Glückliche Zeit noch..."
…ist ein mächtiges Werkzeug!

Den oben stehenden Text schrieb ich im November 2013. Schon eine ziemliche Weile her. Die Frage, was mich glücklich machen könnte, treibt mich als Depressionserkrankten immer noch um; pikant ist hieran, dass ich diesen Text schrieb, bevor ich meine Dignose bekam. Dennoch – und das ist wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass ich schon viel länger depressiv war, bevor ich es von jemand anders gesagt bekam – hört man zwischen den Zeilen schon damals (vor über 8 Jahren) die verzweifelten Echos eines Unwohlseins, welches tatsächlich zu benennen mir damals noch nicht möglich war. So sehr ich mich auch darum bemüht haben mag. Heute kann ich darüber an den meisten Tagen lachen, weil ich weiß, worauf zu achten ist. Und so ist es für mich schon ein, nicht ganz so kleines Glück, feststellen zu ürfen, dass ich a) noch da bin und b) von dort bis hier einen langen, anstrengenden aber auch erhellenden Weg gekommen bin. Ich teile meine Erfahrungen nur zu gerne, wenn ich damit auch nur einer einzigen Person da draußen helfen kann, einen solchen Weg auch zu gehen; wichtig zu wissen ist, dass der Weg für immer das Ziel bleibt, und dass es nur eine Richtung geben darf: vorwärts! In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Abend.

Auch als Podcast…

Satt am Sonntag!

Ich werde manchmal von einfachen Dingen getriggert. Zum Beispiel einem Hohkopf, der auf Facebook in einem Post alle Menschen, die ein Tempolimit fordern, pauschal als Dummköpfe abqualifiziert, was für sich betrachtet eine ganz schöne Nummer ist, weil es a) den Tatbestand der Beleidigung erfüllt und b) ALLES sagt, was man über Tempolimit-Gegner wissen muss. Die Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch; z.B hinsichtlich des Themas Klimaschutz durch Reduktion der CO2-Emissionen. Bei der Verringerung der Unfall-Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit. Noch heftig diskutiert wird der Einfluss von gezielten Tempolimits auf allgemeine Fließgeschwindigkeiten bei hoher Verkehrsdichte. Aber ich kann und muss – vollkommen ohne jede Ironie – sagen, dass jeder, der bei einer solchen Faktenlage auf seine freie Fahrt als freier Bürger pocht, nicht mehr ist, als ein egoistischer, asozialer Menschoid! Und ich habe die FDP (kurz für Faktenverdrehende Dampfplauderer-Partei) in der Ampel jetzt schon so hart satt, dass Neuwahlen eine verlockene Alternative darstellen. Keine Sorge, das wird nicht passieren; dazu sind sie ALLE viel zu geil auf ihre Posten und Pöstchen (und die CDU würde – vollkommen zu Recht – noch mehr abkacken).

Ob ich gerade geladen bin, wie eine 10er Haubitze? Oh ja, Freunde und Nachbarn; ich könnte mal wieder raus, wo der Maurer kein Loch gelassen hat, wenn ich mir diese ganzen Fratzen anschauen muss, aus denen sich sogenannter öffentlicher Diskurs heutzutage offenkundig zusammensetzt. Den meisten dieser, halbwegs aufrecht laufenden kognitiven Ausfallserscheinungen muss ich ja wenigstens nicht in realiter begegnen. Das würde manchmal interessant verlaufen; dessen bin ich mir sicher. Neulich lief ich dann aber doch so einem Kritikresistenten Online-Dogmatiker beim Verlassen meiner Arbeitsstelle über den Weg. Früher hat man sich mal ganz gut verstanden, aber Menschen entwickeln sich halt in unterschiedliche Richtungen. Bei Manchen, so würde ich vermuten, bringt der Alterungsprozess einfach nur all das Uncharmante zum Vorschein, das wahrscheinlich schon immer da war. Er war sich jedenfalls, wie immer, seit wir mal auf Fratzenbuch aneinander geraten sind, zu fein zum Grüßen, und machte stattdessen mit den anderen Menschen ringsum sein Ding. Fein für mich. Es erinnerte mich jedoch daran, wie sehr ich mittlerweile von der negativen Energie abgestoßen werde. Das geht mittlerweile soweit, dass ich manchmal ohne Rücksicht auf Verluste zurückbeleidige, und warte, dass ich auch mal ins Facebook-Gefängnis muss. Ich muss dieser Scheiß-Seite endlich endgültig den Rücken kehren.

Oft passiert es mir, dass ich in so einem toxischen Thread-Sumpf versinke, obwohl ich was Besseres, Sinnstiftenderes, Nachhaltigeres zu tun hätte – Bier trinken und ein Steak grillen zum Beispiel. Ich bin wirklich weit davon entfernt, ein Öko-Apostel zu sein, aber Fakten (wie die obenstehenden) sind halt Fakten. Diese zu ignorieren, weil man auf sein (nonexistentes) Recht pochen muss, die Welt nicht nur weiter zu verpesten, sondern dies auch möglichst zügig zu tun, ist nicht nur ein extremes Verkennen der Realität, sondern auch unfassbare Ignoranz für den kategorischen Imperativ. Und wenn Andere nun an ihren (fadenscheinigen) Begründungen festhalten, und selbstgewiss von sich sagen, dass Niveau nun mal von unten nur so aussähe wie Arroganz, sind sie halt leider trotzdem meistens einfach nur klugscheißende, arrogante Narzisse – nicht mehr, nicht weniger. Und ich schaffe es immer noch nicht, mich von diesem Müll fernzuhalten? Das Grauen hat wohl doch seine ganz eigene Faszination.

Während ich diese Zeilen schreibe, wird mir erst bewusst, wie sehr ich es satt habe, mir diesen Müll, diese negative Energie, dieses Egogebashe und diese verfickte televerbale Selbstherrlichkeit von diesen Typen anzutun – ICH BIN SATT AM SONNTAG! Und ja, es sind in den allermeisten Fällen Typen, die eine Fresse haben, so groß, dass ich subjektiv einen Braunkohlebagger bräuchte, um sie ihnen einzuschlagen. Und deshalb habe ich eben eine Entscheidung getroffen: Dies ist meine letzte Verlautbarung auf Facebook. Ich lösche mein Konto und bin zukünftig nur noch auf Insta und Twitter. Da ist es zwar auch asozial, aber wenigstens graduell besser. Wer mich lesen, hören oder erreichen möchte, weiß, wo ich zu finden bin. Ich schreibe hier eh für mich; um Reichweite ging’s mir nie. Schöne Woche; schönes Leben…

Auch als Podcast…

Eine kurze Meditation über Freiheit…

In Öl balsamierter Reis, in Klopapier eingewickelte Nudeln. Die neuesten Trends eines vollkommen bekloppten Frühjahres. Was das über den Zustand der Menschheit aussagt? Woher soll ich das wissen? Ich bin doch auch nur so’n Typ, der sich am Kopf kratzend dasteht, mehr Fragen als Antworten unterhalb der Hand, und die Augen voller Unglauben. Ich dachte immer, ich verstünde die Menschen und die Dinge, die sie manchmal tun, oder auch lassen. Wenigstens soweit, dass ich stets, wenn es mir vollkommen zu blöd würde, mit Chuzpe einen sarkastischen Kommentar einwerfen könnte, um diesen mit einem dreckigen Lachen bekränzend von Dannen zu schreiten. Ja verdammt noch mal – ich meine, ich kriege das mit dem Sarkasmus und dem Lachen immer noch hin, jedoch mangelt es mir heutzutage an hinreichender Wirkung; oder sollte ich vielleicht besser sagen: an der richtigen Wirkung?

In einem anderen Zeitalter war das von mir eben beschriebene Verhalten legitimer Teil von persuasiver Kommunikation. Wenn nichts mehr half, lachte man das Gegenüber halt aus, und manchmal…, manchmal fing es dann an, nachzudenken. Heute hingegen machen alle gleich auf angepisste Schneeflöckchen, und schwafeln irgendwas von political correctnes, wenn man sie mal richtig anpackt. Seit wann, zum Teufel ist das Verächtlich-Machen einer zu verachtenden Meinung kein Teil öffentlichen Diskurses mehr? Seit wann muss ich einen Maulkorb annehmen, wenn ich den Finger (verbal) in offene Wunden lege, um meinen Standpunkt zu vertreten? Seit wann sind Standpunkte abseits des Mainstreams nicht mehr legitimer Teil des öffentlichen Diskurses? Da war diese junge, weiße Musikerin, die sich traut, Dreadlocks zu tragen; weswegen sie Fridays for Future von einer Demo ausgeladen hat, weil die Verantwortlichen in den Dreads unangemessene kulturelle Appropriation sahen. Da fiel mir doch glatt der Döner aus dem Gesicht. Leider wurde der Thread, in dem ich auf Facebook kommentiert hatte entfernt, nachdem sich offensichtlich ein Shitstorm aufgebaut hatte. Letztlich war meine Argumentation die gleiche wie immer: wenn aus partikularen Meinungen unhinterfragbare Dogmen destilliert würden, passierten Dumme Dinge. Und das die Dogma-Linken mittlerweile leider den öffentlichen Nicht-Diskurs dominieren würden.

Diskussionen um Freiheit und ihre Grenzen wurden in den letzten zwei Jahren mehr als nur zur Genüge geführt. Eigentlich liegt alles schon lange ausbuchstabiert auf dem Tisch! Und die Menschen? Die tun nach wie vor so, als wenn man das Recht besäße, einerseits das Gesamtbild zu Gunsten der allzu kleinen eigenen Welt zu ignorieren, und stattdessen andererseits aus Details individueller Lebensführung eine Staatsaffäre zu konstruieren. Das Private sei politisch, heißt es dann. Mag sein. Sofern dieses Private sich jedoch nicht gerade in der Stigmatisierung, Marginalisierung oder Ausbeutung benachteiligter Gesellschaftsgruppen konstituiert, könnte man auch einfach mal die Fresse halten! Es gibt übrigens genau einen Teil des politischen Spektrums, der nirgendwo eine Bühne verdient hat: die verdammten Faschisten (für die Hater zum Nachdenken: Faschismus gibt es von Rechts UND Links!). Wo ist nun das “Gespräch über den Gartenzaun”, mit dem Jürgen ‘Habermas kommunikatives Handeln quasi als Verhandlungs- und Aushandlungsprozess auf einem öffentlichen Marktplatz charakterisiert hat? Ich kann es nicht mehr erkennen. Stattdessen sehe ich überall nur noch, mit viel zu vielen Ausrufezeichen akzentuierte Regurgitationen des Satzes: “Das darf man nicht (mehr) sagen!”. Ich mache mich jetzt der kulturellen Appropriation bei den verdammten Faschisten schuldig und postuliere: “Man wird doch wohl noch etwas Kritisches sagen dürfen!”

Ich glaube ja, dass die ganzen Dogmatiker auf dem oberen Bild einfach immer nur zwei leere Klorollen erkennen können (wollen), und den kläglichen Rest auf der Rechten einfach ignorieren, weil Hoffnung immer auch Anstrengung bedeutet – die Anstrengung, das Begehren der Hoffnung doch noch wahr werden zu lassen. Wozu man sich allerdings in die Untiefen des demokratischen Verhandelns begeben muss, welche durch Dogmen ausgehebelt und unwirksam gemacht werden. Auch im neuen Zeitalter in der Krise ist, wie Churchill wohl sagte, Demokratie immer noch die schlechteste aller Staatsformen – mit Ausnahme aller Anderen. Freiheit ist, was wir gemeinsam daraus machen – nicht, was irgendwer mit seinem Dogmalastigen Kopf für mich definieren zu dürfen glaubt! Denkt mal drüber nach, ihr Narren. Einstweilen einen schönen Sonntag.

Ja wo fließt’s denn hin…?

Panta Rhei – alles ist im Fluss. Altgriechisches Geblubber klingt natürlich gelehrsam, tatsächlich bin ich aber einfach nur dieser Tage bei Lesen eines Studienskriptes wieder über diesen Ausruf gestolpert. Und irgendwie stimmt der ja auch: Wer sich nicht bewegt, wird bewegt! Nichts ist so beständig wie der Wandel! Und so weiter. Alles mit einem griffigen Schlagwort abgefrühstückt. Es sind solche Redewendungen, die mir mittlerweile fast noch schlimmer sind, als das Geblubber der Kommentarspalten-Fumarolen in den asozialen Medien; derlei Schmonz soll etwas darstellen. In meinem letzten Post habe ich mich, mehr als nur ein bisschen, über Jugendsprache mokiert. Heute ist zur Abwechslung mal die selbsternannte Inteligenzia dran. Das Rotweinsaufende Bildungsbürgertum mit seinem arroganten “Hochkultur-ist-besser”-Duktus und seiner unerträglichen Klugscheisserei. Einer meiner Freunde sagt immer, zum Klugscheißen müsse man halt klug sein. Was er eigentlich sagen möchte: ICH bin klug. Ich sage, zum Klugscheißen muss man einfach nur einen Haufen nutzlose Fakten zu Smalltalk-Themen auswendig gelernt haben, und das Ego besitzen, diese als wichtig verkaufen zu können, et voilá: man kann sich klug fühlen. Zur Ehrenrettung der Rotweinsäufer (zu denen ich gelegentlich ja auch gehöre): ich war früher keinen Deut besser. Null Weisheit, viel Inselwissen und eine große Klappe. Nun ja, selbst Idioten wie Bushido sagen ab und zu mal was wahres: Zeiten ändern dich.

Mit der Unterscheidung zwischen Hoch- und Popkultur konnte ICH ja eh noch nie was anfangen. Ich stelle mir immer vor, wie ich mal 150 Jahre in die Zukunft reise, in so einem Musensaal werden Werke von John Williams gespielt, und die Leutchen sind ganz ergriffen vom “Imperialen Marsch” aus Star Wars – und preisen das Genie dieser klassischen Komposition… 😉 Kulturprodukte sind halt genau das: Bücher, Fotos, Filme, Musikstücke, etc. die aus dem Prozess Kultur hervortreten (man nennt das mit einem Fachwort “emergieren”) und von den Menschen dann als Ausdruck ihres eigenen Kulturschaffens wahrgenommen werden. Und manchmal braucht es halt eine Weile, bis man den wahren Wert mancher Dinge erkennt. Um die Büste der Nofretete haben sie bestimmt auch lange gefeilscht, als die damals neu im Laden stand. Die meisten Bilder seit der Rennaissance, die heute in irgendwelchen schicken Museen hängen, waren Auftragsarbeiten. Der Fluß der Zeit und das Entstehen eines Marktes für Kunst generieren ein Preisschild für etwas, das am Anfang einfach nur Ausdruck menschlicher Kreativität war. Hm… irgendwie besteht dann ja doch noch Hoffnung für mich…

Das mit dem Thema Fließen kam übrigens so: ich habe mir gestern ein Buch über Zeitmanagement gekauft. Ja, ja, ausgerechnet ich, der Ratgeberbücher ungefähr so nützlich findet, wie Bauchschmerzen an Heiligabend. Zu meiner Verteidigung: es war eine Empfehlung eines meiner Profs. Ich fand es beim ersten Überfliegen… na ja. Ich habe tatsächlich schon mal mal nutzloser 12,99€ verbrannt. Zum Beispiel an irgendeinem früheren Sylvester. Was habe ich mir auch gedacht? Das irgendjemand auf 180 höchst konventionell möchtegern-modern designten Seiten das Rad neu erfindet? Schwamm drüber. Der einzige Ratschlag daraus, den ich angenommen habe, war einer, den ich eh schon lange im Herzen mit mir herumtrug. Mach mal eine Mindmap zu deiner Zeitnutzung. Ich weiß jetzt, dass ich mehr Zeit für meine (visuelle) Kreativität brauche, und dass ich mehr delegieren sollte. Wow… total neu, die Erkenntnis. Hey, immerhin saß ich dabei auf einer sonnendurchfluteten Wiese am Stefanienufer an einen Baum gelehnt im Gras, und habe mich frei und halbwegs entspannt gefühlt. Man muss die kleinen Dinge ja auch wertschätzen können.

Man fragt sich immer mal wieder nach der eigenen Motivation für Dieses oder Jenes, und sucht sich dann manchmal tatsächlich etwas Neues Anderes, um dafür seine Zeit zu nutzen. Oder doch zu verschwenden? Ganz gleich, wie viel Zeit fließt, während man Dieses oder Jenes, oder auch mal das Neue Andere dann tut (oder auch sein lässt – das nennt man dann Müßiggang, und es ist eine wahre Kunst! 🙂 ) – man selbst definiert, ob diese Zeit nützlich oder verschwendet war. Selbst, wenn mein Arbeitgeber mich für ein definiertes Aufgabenportfolio bezahlt, und ich diesen Aufgaben pflichtschuldigst nachgehe, liegt es in meinem Ermessen, ob meine Zeit dabei verschwendet wird – oder nicht! Diese Freiheit kann mir niemand nehmen. Interessant wird diese Betrachtung erst dann, wenn ein subjektives Missverhältnis zwischen Nutzen und Verschwendung entsteht. Dramatisch ist das schon, wenn sich das Missverhältniss in dem Sektor eines Lebens findet, auf den man, auf Grund vertraglicher Verpflichtungen, nur begrenzten Einfluss hat: dem Job. Denn das kann die Existenzgrundlage in Frage stellen. Passiert das hingegen im privaten Umfeld, ist es ein Unglück, weil es die eigene Identität bedroht. Was jetzt schlimmer wäre, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Ich bin im Moment im Fluss – sogar im Flow. Halbwegs entspannt, produktiv, kreativ und mit den allermeisten Dingen im Reinen. Und doch verspüre ich immer mal dieses leise Nagen im Hinterkopf, dass mir wohl sagen möchte, dass es an der Zeit wäre, sich etwas Neuem Anderen zuzuwenden. Mal schauen, womit ich mich dieses Mal ablenke. Vielleicht schreibe ICH ja mal ein Ratgeberbuch über Zeitmanagement? Ich wünsche einen schönen Abend.

Auch als Podcast…

Lost in translation…?

Wenn man sich gut fühlen, richtig schlagfertig klingen, halt irgendwie aus der Masse hervorstechen möchte, benennt man irgendwas mit etwas cool klingendem anderen; wie etwa Synabogalismus. Oder man haut ‘nen fetten One-Liner raus. Hauptsache, der fetzt. Oder man ruft jedes Jahr in irgendwelchen Medien die neueste Veränderung der Sprache aus. Ich habe die Tage einen Artikel gesehen, in dem irgendwelche krypischen Kürzel für alltägliche Redewendungen, die zuvor einfach nur ins Englische übersetzt worden waren, als der heiße Scheiß der Kommunikation der Generation Z dargereicht wurden. Keine Ahnung ob die wirklich so texten; afaik abbs have been a thing since the dawn of time: 6/83-1 A und P rot 51. Wer’s nicht versteht: Pech gehabt. Ich glaube ja, das Abkürzungen heute einfach Ausdruck von Faulheit sind. In meinem frühen Informations-Zeitalter hatte eine SMS halt nur eine begrenzte Zeichenzahl, danach wurde automatisch ein zweite SMS drangehängt, die extra kostete. Können sich die Kids heute gar nicht mehr vorstellen; jedenfalls zwang einen das schon aus fiskalischer Sicht zu einer gewissen Kommunikations-Sparsamkeit. Würde ich mir heutzutage manchmal auch wünschen.

Zu altmodisch…?

Dass bei dem ganzen Chitter-Chatter unserer Zeit das eine oder andere in der Übersetzung verloren geht, liegt in der Natur von Kommunikation. Und damit ist noch nicht mal das Abkürzungsgewurstel über zwei bis drei Sprachen hinweg addressiert. Wir können heute zwar längere Zeichenketten verschicken, doch die sozialen Aspekte des Kommunizierens, wie Subtext, Bedeutungsüberschuss, Konnotation, etc. überträgt auch ein Emoji-verzierter Whatsapp-Roman nur äußerst unzureichend. Sprachnachrichten machen es übrigens aus mehreren Gründen kaum besser. Denn auch beim gesprochenen Wort gilt immer noch Watzlawicks drittes Axiom (der Empfänger macht die Botschaft), und dem digital transferierten Gestammel fehlt immer noch ein großer Teil der unbewussten Kommunikationsexpressionen, die unser Körper hinzufügt. Hinzu kommt, dass ich persönlich in der Öffentlichkeit weder etwas in meine Taschenwanze stottere, noch das Gestotter Anderer aus dieser beziehe. Das privat gesprochene Wort hat im öffentlichen Raum nämlich nichts verloren! Außerdem sind die meisten Leute offenkundig nicht fähig, in 60 Sekunden auf den Punkt zu kommen! Das ermüdet mich – und Dinge, die mich ermüden, ignoriere ich mittlerweile immer häufiger. Deshalb kann’s passieren, dass Sprachnachrichten einfach unbeantwortet bleiben.

Dieser Blogpost hier ist ein beredter Beweis, dass ich durchaus gerne und viel digital kommuniziere. Ich weigere mich allerdings schlicht und ergreifend, mir jeden Trend zu eigen machen zu wollen. Ich laufe ja auch seit Jahren in Sneakern, Jeans und T-Shirts in gedeckten Farben herum (sehr oft schwarz), und interessiere mich nicht für Mode-Trends. Mal davon abgesehen, dass ich in Hochwasser-Skinny-Jeans oder einem Jogging-Anzug einfach schreiend lächerlich aussähe, ist das nicht MEIN STYLE. Das Gleiche gilt uneingeschränkt für mein Kommunikationsgebahren. Ich hatte vor gar nicht langer Zeit eine Begebenheit im Lehrsaal, als ich “Meme” nicht “Miem” sondern “Meme” aussprach; sehr zur Belustigung einiger Schüler. Was ich erzählen wollte, haben sie trotzdem verstanden. Der Punkt ist – es ist mir ziemlich egal, ob meine Ausdrucksweise als Anachronismus wahrgenommen wird (GOOGELT DAS FREMDWORT, WENN IHR ES NICHT KENNT), oder als “trendenziell” uninformiert, oder nicht am Puls der Zeit, etc. Ich bin nämlich kein Kind dieser Zeit, habe aber immer noch Puls; also verhalte ich mich auch so! Alles Andere wäre meiner Persönlichkeit, meinen Aufgaben, meinem Standing und meinem Alter unangemessen.

Ideen und Gedanken Oldschool – funktioniert auch ohne Strom…

Das Bild beweist, dass ich trotz des bestehenden Anachronismus das Re-Mixen und den Mash-Up immer noch ganz gut beherrsche. Das Beste aus beiden Welten – der “Neuen”, in der angeblich nun die Generation Z vorgibt, was gerade “in” ist, und der “Alten”, in der wir Generation X-ler angeblich keine Ahnung mehr haben, wie der Hase läuft – ist, was ich für alles (un)mögliche nutze: mein kreatives Tun, mein Pädagogen-Dasein, meine kleinen Fluchten aus dem Hier und Jetzt, meine Hobbies; und was weiß ich nicht noch alles andere. Die Meta-Perspektive aus dem Digitalen (nämlich meinem Blog) auf das Analoge (mein ledergebundenes Journal), welches das Digitale (das kleine Bild wurde mit einem Sprocket-Drucker aus einer Handyfoto-Datei angefertigt…) halbwegs geschmeidig assimiliert ist es, die diese Gratwanderung aus meiner Sicht hinreichend illustriert. Und jetzt kommt ihr, Z-ler!

Das Wort Synabogalismus gibt es übrigens überhaupt nicht. Es ist ein Kunstwort, welches wir nutzen, um Ausbilder in Ausbildung dazu zu bringen, spontane Rede zu trainieren. Zwei Minuten lang über einen Terminus schwadronieren zu müssen, den man nicht kennt und der auch gar keinen Sinn ergibt, trainiert die Schlagfertigkeit; dieses seltsame Wort “Schlagfertigkeit” (man soll ja reden, OHNE jemanden umzuhauen) ist aber auch nur eine Bezeichnung für die Gleichzeitigkeit von Reden und Denken. Ich fühle mich – dank viel Training – jedenfalls nicht “Lost in Translation”, wenn ich in irgendwelche Kommunikations-situationen mit den unterschiedlichsten Gegenübern gehen muss. Ich gehe vielleicht nur nicht immer auf jede Spitze ein; denn wenn ich heutzutage einfach nicht mehr über jedes verbale Stöckchen springe, dann eher, weil ich – zumindest gelegentlich – schneller übersetze, als manch anderer, und mir deshalb aussuchen kann, auf welchen Style-Train ich aufspringen möchte; und auf welchen eher nicht. Erfahrung ist halt durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Erfahrung. Übersetzt ihr noch – oder denkt ihr schon? Schönen Abend noch…

Auch als Podcast…