Kunst? Schon wieder…?

Was ist Kunst? Blöde Frage, ich weiß, denn oft genug erscheint es so, als wenn Kunst alles wäre, was ein findiger, Erfolgsorientierter Mensch dazu bestimmt, um ein Preisschild dran hängen zu können. Mir ist auch bewusst, dass den meisten Menschen das Nachdenken über diese Frage zu mühselig ist, weil sie (leider) denken, dass Kunst etwas der Welt entrücktes, lediglich für die, an Hochkultur interessierten Eliten greifbares wäre. Dem muss ich entschieden widersprechen. Nicht, weil ich meine Umwelt mit Kulturtheorie langweilen möchte, sondern weil es mir im Kern um die Frage geht, was Kunst eigentlich alles darf – und warum?

Adorno und Horkheimer beschreiben in Ihrer Dialektik der Aufklärung des Prozess so: der Mensch hat sich die Natur Untertan gemacht. Sieht man ja daran, dass wir unsere gesamte Umwelt nach und nach im Namen der Profit-Generierung zerstören. Im langen Verlauf dieser Untertan-Machung hat der zivilsatorische Mensch seine ursprüngliche Verbindung zur Natur (man denke z. B. an die Yanomami) verloren. Immerhin denken heute nicht gerade wenige Grundschüler, dass Kühe lila wären. Kunst kommt die Aufgabe zu, dieses Verhältnis zu unserer eigentlichen Herkunft, also zur Natur wieder zu vermitteln. Mimesis ist der zugehörige Begriff und meint eigentlich, dass die Kunst das Leben imitiert. Oscar Wilde war anderer Meinung, er meinte, dass das Leben die Kunst imitiere. Kann man drüber streiten. Klar ist jedoch, dass zwischen unserer Kunst und unserer Herkunft ein Zusammenhang besteht.

In der letzten Zeit geraten immer wieder bzw. häufiger klassische Kunstwerke in die Diskussion, weil man Ihre Schöpfer dem Vorwurf des Sexismus oder Rassismus aussetzt. Und gewiss sind Begriffe wie Neger o.Ä. heute nicht mehr verkehrsfähig, wie vor 100, 200 oder auch mehr Jahren. Ebenso sicher ist die Darstellung der Frau als unterwürfiges Wesen nunmehr ein Anachronismus. Aber genau diesen Zusammenhang lassen viele Bilderstürmer außer acht: Kunstwerke müssen in ihren historischen und kulturellen Kontext eingeordnet werden, um begreifbar machen zu können, was damals anders war und welche Entwicklung wir seitdem durchlaufen haben – oder auch nicht. Die Künstler waren jeweils Kinder ihrer Zeit und diese Tatsache einfach zu vergessen, um sie als was-auch-immer-feindlich beschimpfen zu können zeugt von einem sehr statischen Kulturverständnis. Kultur war ist und bleibt jedoch stets ein Prozess, ein “work in progress”, eine beständige (Ver)Wandlung.

Ich sage: Kunst darf, was Kunst muss, um Spiegel einer jeweiligen Epoche zu sein! Ein Spiegel nicht nur zur (Selbst)Reflexion für jeweilige Zeitgenossen, sondern vor allem auch eine Dokumentation der Kultur und ihrer laufenden Entwicklung für die nachfolgenden Generationen. Würden wir alles im Sinne unseres Zeitgeistes bereinigen, beraubten wir nachfolgende Generationen einer vernünftigen Basis, um ihre Vorgänger einordnen und beurteilen zu können. Wenn wir wollen, das folgende Generationen noch etwas dazu lernen können, lassen wir die Dinge tunlichst, wie sie sind. Was indes weder von der Pflicht noch vom Recht enthebt, eigene Kommentare beizufügen, sofern ein Kunstwerk kommentierungsbedürftig im Sinne unseres Zeitgeistes ist.

Schwere Kost für’s Wochenende? Mitnichten. Kunst, das sind ja nicht nur irgendwelche verstaubten Bilder oder Plastiken, usw. in Museen. Kunst ist auch die Musik, die wir hören, die Filme, die wir sehen, die Bücher, die wir lesen (damit sind bewusst auch die aktuellen Charts/Blockbuster/Bestseller gemeint). Eine Unterscheidung zwischen Hochkultur und Gemeinkultur ist insofern unzulässig, als Beides Ausdruck der jeweiligen Zeit ist. Über das Thema Kulturindustrie will ich aber ein anderes mal sprechen. Bis dahin eine gute Zeit!

 

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