Erwachsen bilden N°38 – Koordination ist alles!

Et voilá, here we go again! Es wird mal wieder eifrigst über die Frage diskutiert, ob Schulen nach dem – in Baden-Württemberg noch – herannahenden Ferienende geschlossen bleiben sollen; und angesichts der steigenden Corona-Kennzahlen Fernlehre nicht besser wäre? Im Fall der spezialisierten Berufsfachschulen stellt sich diese Frage momentan nicht. 99% unserer Schülerinnen und Schüler sind immunisiert, wir haben strikte Regeln, und testen uns tot. Alles, damit wir ja nicht zumachen müssen. Weil viele Dinge, die wir schulisch vermitteln dennoch handwerklicher Natur sind, und nur mit den Händen wirklich begriffen werden können. Ich stehe dahinter, auch wenn ich mich natürlich ein bisschen unwohl fühle, da es mein Arsch ist, der gegrillt wird, wenn was schief geht. Schwamm drüber – auch das werde ich aushalten.

Der Urlaub neigt sich so langsam, aber sicher einem Ende zu, und just heute führte ich ein längeres Gespräch mit einem hoch geschätzten Kollegen. Es ging unter anderem um die Art, in der man mit Lehrkräften umgeht – und wie man Professionals transparent und vor allem wertschätzend, in alle Vorgänge einbindet. Es ist mittlerweile, zumindest wenn man ein bisschen aufmerksamer durch den Publikationswald schreitet, ein Allgemeinplatz, dass Mitarbeiter heutzutage tatsächlich MITarbeiten wollen, anstatt nur abarbeiten zu müssen. Insbesondere bei Lehrkräften, von denen man ja ein gewisses Maß an Selbstorganisation im Umgang mit ihren Schäflein erwartet, wäre es daher ein Widerspruch in sich, sie von bestimmten Planungs- und Entscheidungsvorgängen auszuschließen.

Schön wär’s…

Genau das passiert aber scheinbar mancherorts immer wieder. Vielleicht, weil man denkt, dass jemand, der führt, ALLES führen muss. Micromanagement ist jedoch der Tod jedweder Kreativität und jedweder situationsadäquater Lösung. Ich versuche wirklich, diesen Fehler nicht zu machen. Und trotzdem will ich immer noch viel zu viel selbst erledigen: weil ich glaube, es nicht richtig erklärt zu haben, mir nicht sicher bin, dass mein Gegenüber meine Vorstellung teilt, denke es besser zu können, etc. Dabei ist das ein Widerspruch zu allem, was ich im Unterrichtssaal zu leben versuche. Mir ist schließlich bewusst, dass MEINE Vorstellung einer Lösung oder eines Sachverhaltes niemals eins zu eins im Kopf meines Gegenübers als SEINE entstehen kann; schlicht weil das konstruktivistische Prinzip dies automatisch verhindert. Und wenn ich dächte, dass jemand etwas (noch) nicht so gut kann, wie ich, dann ist das ein Grund, diejenige / denjenigen dabei zu unterstützen, darin besser zu werden, anstatt ihm / ihr die Arbeit wegzunehmen, um diese selbst zu erledigen. Immerhin bin ich als Schulleiter auch Lernbegleiter meiner Mitarbeiter.

Diesen hoch idealisierten Anspruch erfülle ich natürlich nicht immer. Eigentlich nicht mal oft. Was mich ein wenig dauert. Andererseits sagt man ja, Selbsterkenntnis sei der erste Weg zu Besserung. Aber es ist wichtig. Es gibt im Umfeld einer Berufsfachschule so viele Dinge mit Koordinationsbedarf. Das fängt bei simplen Dingen wie der Personaleinsatz-Planung an (die ja auch den Bedürfnissen der Mitarbeiter Rechnung tragen muss), und geht dann über Dinge wie Lehraussagenabstimmung, Contenmanagement, Betreuungsbedarf bei den Schülerinnen und Schülern, Materialbeschaffung und -wartung, Lagerhaltung, Lehrsaalmanagement, kurzfristige Kompensation von anderen Problemen aller Art, etc. Würde mir sowas keinen Spaß machen, wäre ich schon lange davongelaufen. Dennoch geht all das – wie ich immer besser zu akzeptieren lerne – nur zusammen! Was aber bedeutet, dass Kommunikation, Interaktion und Beratung, die ich recht häufig in verschiedensten Formen und Formaten unterrichte, tatsächlich essentielle Fähigkeiten sind.

Toll wär’s, wenn es anders ginge, oder…?

So, wie ich als Vorgesetzter und Fachlehrer den Leuten etwas zutrauen muss, bin ich aber auch immer wieder dazu aufgerufen, integrativ tätig zu werden. Denn Klassenverbände und Teams entstehen nicht von allein! Es gibt immer mal selbsternannte Solisten im Team, die (genauso, wie ich manchmal heute auch noch) denken, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten – und daher immer Recht wären! Die muss ich einbremsen. Und den anderen zu verstehen geben, dass es manchmal etwas Geduld und hier und da einen kleinen Schubs braucht. Es sind ja noch keine Meister vom Himmel gefallen; weder fachlich noch sozial. Und auch, wenn nicht jeder dieses – eher non-direktive – Beraten gleich gut versteht, ist es immer die erste Eskalationsstufe. Probleme muss man erst mal erkennen und verstehen, bevor man sie lösen kann. Und dann braucht es auch hierfür nicht selten mehr als eine Person, um tatsächlich zu einer funktionierenden Lösung kommen zu können. TEAMTogether Empowered And Motivated! Mal schauen, wie’s in den nächsten Wochen so läuft… Wir hören uns.

Auch als Podcast…

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