Brennen oder Rennen?

Ich liebe meine Arbeit! Das ist, wenn man manchen Autoren Glauben schenken möchte ein Satz, der Gefahr birgt. Denn wenn wir uns unserem Job verschreiben, kann es gut passieren (und ist durchaus auch vom AG beabsichtigt), dass wir zu schnell und zu heiß brennen, uns verausgaben und so viel von uns preis- und hergeben, dass wir uns selbst verlieren; oder zumindest einen wichtigen Teil von uns. Der hier beschriebene Weg ist für den Arbeitgeber opportun, den der bekommt zum Normaltarif einen maximal performenden Mitarbeiter. Für eben diesen Mitarbeiter ist das allerdings ein recht sicherer Weg in den Burnout.

Ich kann mir nun, weil reine Selbstbespiegelung in solchen Situationen nicht so aufschlussreich ist, wie man das gerne denkt, anfangen Sorgen zu machen, denn ich brenne für meinen Job – immer noch! Ich mache meine Arbeit gerne und ich gehe manchmal auch gewisse Längen dafür, dass alles klappt; vielleicht gelegentlich zu große Längen. Ich bekam vor ein paar Jahren schon mal eine Quittung für mein Engagement und möchte diese Erfahrung nicht wiederholen. Was nach den Ausführungen eines Artikels in der Zeit ein hinreichender Grund wäre, beruflich das Weite zu suchen. Wozu ich aber, ehrlich gesagt keine Lust habe.

Es ist ein bisschen wie die Hand im Honigtopf; man kommt schwer davon los und irgendwie ist es ja auch lecker. Doch man weiß instinktiv, dass man gerade übertreibt. Was also tun? Weiter brennen? Natürlich mit dem Risiko, wieder voll über’s Ziel hinaus zu schießen. Oder doch rennen? Aber wohin? Ideen und Pläne hätte ich ja mehr als genug. Das bekommt man als kreativer Typ quasi als Fluch mitgeliefert. Aber es fehlt momentan an zwei Dingen: ausreichend Leidensdruck und Startkapital. Also mach ich erstmal weiter und bitte jene Menschen, die mich kennen und schätzen, mir bescheid zu sagen, bevor es schief geht. Wozu hat man denn Freunde…? In diesem Sinne, ein frohes neues Jahr!

Hoch die Hände – Jahresende?

“Hajo, des Johr is glei rum!” wie man bei uns in Mannheim so schön sagt. Zeit für einen Rite de Passage mit reichlich Geballer; egal ob ethyltoxisch, oder mit Schwarzpulver, woll’? Lieber Himmel, wenn man irgendwas über den Zustand unserer Gesellschaft wissen will, schreibt man einfach in irgendein Forum “Böllern ist geil!” und wartet, bis sich die Kommentarspalte füllt. Was man da findet, sagt einfach alles. Überall nur Dogmen, Beleidigungen, Engstirnigkeit, Arroganz und – oh Wunder – außer Meinung wenig Substanz.

Ich bekenne: früher habe ich gerne und manchmal auch viel Geld für die Knallerei ausgegeben. Heutzutage ist mir das einfach zu stressig. Vielleicht auch, weil sich die Zahl der Arschlöcher auf der Straße nicht nur proportional zum Alkoholgehalt sondern auch mit jedem vergehenden Jahr automatisch zu erhöhen scheint. Viele Menschen missgönnen heutzutage ihrem Gegenüber die Butter auf dem Brot und halten sich selbst für den Gipfel der Evolution. Zumindest im Internet. Stünde mir so ein Forentroll in persona gegenüber, wäre vermutlich ganz schnell die Luft aus, denn eine gute alte Face-to-Face-Konfrontation können die ja gar nicht mehr. Dann rennen sie entweder gleich heulend zu Mami, oder – anderes Extrem – ziehen ein Messer. Was für Zeiten…

Mal ganz davon abgesehen, dass wir mit Leben und Leben lassen viel einfacher führen und einmal im Jahr semi-kontrollierter Überdruckabbau ohne große Kollateral-Schäden möglich sein sollte, stellt sich folgende Frage: wozu der ganze Scheiß?

Heute ist ein Tag! Morgen ist auch ein Tag! Nur das Datum ändert sich…

Und für eine Datumsänderung braucht’s an den anderen 364 Tagen auch keinen Bohei. OK, ein neues Jahr beginnt. Mit den gleichen Fratzen bei der Arbeit, in der Zeitung, im TV, in den social media und was weiß ich noch wo. Mit den gleichen Problemen. Die AfD ist immer noch da, die sozialen Probleme sind immer noch da, die bröckelnde EU ist immer noch da, mein Stress im Job ist immer noch da; verdammte Axt! Da hilft kein Schönsaufen und kein Bleigießen. Es sei denn, irgendjemand lässt sich selbst komplett in Blei gießen… dann sind die Probleme für denjenigen natürlich weg.

Seien wir ehrlich, es ist eine Übung in Eskapismus, die gemeinsam viel mehr Spaß macht, als allein, da wir halt – allen Auswüchsen der Moderne zum Trotz – immer noch soziale Wesen sind. Ich habe meinen Frieden mit diesem Remmidemmi gemacht. So wie ich auch meinen Frieden mit Fasching gemacht habe. Ich hasse diese Narretei immer noch wie die Pest, aber wenn andere das brauchen, sollen sie doch. Und ich denke, genauso muss man Sylvester sehen: kommt, geht vorbei, hinterlässt kaum Spuren. Ich nutze es für einen netten Abend mit Freunden; so wie manchen anderen Abend im Jahr auch.

Und was das Gezeter über die Feinstaubbelastung und den Müll angeht: ich glaube, dass ich so manche bigotte Seele, die hier Armageddon herbei redet auf einem Faschingsumzug finden kann – die machen genauso viel Dreck und Lärm, erzeugen noch wesentlich mehr Trunkene und Verletzte und haben keinerlei weiteren Wert für die Gesellschaft – außer dass sie eine Übung in Eskapismus sind. Die heuchlerischen Spacken, die jetzt so wüst auf’s Feuerwerk schimpfen, sollten mal drüber nachdenken… an jene, die eh auf alles schimpfen: locker bleiben und an Leben und Leben lassen denken hilft enorm. Ihr werdet auch das überstehen.

In diesem Sinne: rutscht alle schön!

Ich glaub’s ja nicht…

…aber der Dauerlauf ist zu Ende. Es ist Heiligabend (na ja, wohl eher noch heiliger Nachmittag) und ich sitze in meiner Küche, während – ganz klassisch – der Duft von garender Gans durch die Wohnung zieht. Während ich diese Zeilen schreibe, sind meine Lieben allesamt im Gottesdienst; aber einer muss ja dafür sorgen, dass es nachher eine schöne Bescherung wird. Wer glaubt, alles sei wegen des Datums eitel Sonnenschein, der hat’s natürlich nicht kapiert. Dennoch kann ich sagen, dass wenigstens für heute etwas Ruhe in meinen Geist eingekehrt ist.

Es sind noch einige Dinge zu erledigen, aber für wenige Minuten habe ich Zeit zur Kontemplation und nutze diese auch, um hier zu schreiben. Vor allem, weil ich allen Menschen, denen ich etwas bedeute – and vice versa – hiermit Folgendes sagen möchte:

FROHE WEIHNACHTEN!

Genießt die Stunden (vielleicht sogar Tage) mit euren Lieben. Lasst euch von denen, die eh immer nur nerven nicht aus der Ruhe bringen. Lasst überhaupt alte Konflikte ruhen. Lasst euch ein wenig verwöhnen, oder tut dies selbst. Beschenkt Andere, mit was auch immer euch einfällt! Denkt zur Abwechslung nicht an Morgen! Beschenkt euch selbst mit etwas Glück! Und tut, was sich gut anfühlt, auch wenn euer Arzt es vielleicht nicht ganz so gut finden würde…

Die allermeisten von uns haben es sich nämlich verdient! In diesem Sinne wünsche ich euch ein frohes Fest und Segen auf allen Wegen.

Erwachsen bilden #02

Die eigenen Fähigkeiten zu reproduzieren ist die Königsdisziplin des Unterrichtenden. Das bedeutet, dass es sehr schwierig ist, anderen sinnvoll das Wissen darum zu vermitteln, wie man sinnvoll Wissen vermittelt. Ich hatte an anderer Stelle schon mal erwähnt, dass man Menschen nicht lernen machen kann, weil wir unser eigenes Wissen stets durch eine Mischung aus Erfahrung und Reflexion des Erfahrenen selbst konstruieren; daher auch der Begriff Konstruktivismus. Ohne zu sehr in die Tiefe gehen zu wollen, ergibt sich daraus das Problem, dass ich die eigenen Erfahrung darum, wie man andere zum Lernen anregen kann, in ein Angebot verpacken muss, dass für die Teilnehmer einer entsprechenden Veranstaltung hinreichend interessant ist, sich selbst damit befassen zu wollen. Das erste, was ich also brauche, ist Motivation.

Nun, einerseits darf man in der Erwachsenenbildung wohl von einem Grundmaß intrinsischer Motivation ausgehen. Doch zusätzliche Motivation kann man, genauso wie Wissen nicht einfach im Kopf der Anderen wachsen lassen… oder? Sicher, durch eine geschickte Gestaltung meiner Angebote kann ich das versuchen. In aller Regel durch Methodenpluralismus, also einen abwechslungsreichen Unterricht, der Phasen der Beschulung mit Phasen der Eigenarbeit abwechselt. Aber man darf bitte nicht glauben, das es dann ein Selbstläufer wäre. Denn so, wie ich als Dozent/Lehrer eine Vorstellung davon habe, was geht und was nicht, haben meine Kursteilnehmer das auch. Insbesondere in der Erwachsenenbildung, wo die Teilnehmer bereits einen Schatz an (positiven wie negativen) Erfahrungen mit Beschulung mitbringen.

Der Begriff “Unterricht” weckt bei vielen Menschen Erinnerungen an die eigene Schulzeit; häufig unangenehme, weil wir uns eher an die schlechten Dinge erinnern können. Unser limbisches System versucht uns halt vor potentiellen Gefahren zu schützen, deshalb sind negative Erinnerungen leichter auslösbar. Diese Konnotation zu durchbrechen und die Teilnehmer trotzdem einzufangen ist also die allererste Aufgabe. Erst danach kann ich beginnen, mein Methoden-Feuerwerk abbrennen, weil es ansonsten wirkungslos verpuffen wird.

Diesen Erwägungen folgend bereite ich gerade eine Schulung vor, die Grundlagen der Ausbildungs-Begleitung und des fachpraktischen Unterrichtens im Betrieb vermitteln soll. Und wenn ich ehrlich sein soll – ich bin gespannt, ob ich meine selbst gesteckten Ziele diesmal erreichen kann. In jedem Fall lerne ich dabei was dazu. Wenn ich dieses positive Gefühl an meine Teilnehmer tragen kann, habe ich schon einiges gewonnen.

Nachtbetrieb in meinem Geist

Verdammte Scheiße, Weihnachten steht vor der Tür. Ich bin’s ja schon gewohnt, dass jedes Jahr vollkommen überraschend am 24.12 Heiligabend ist. Also nicht in dem Sinne, dass etwas an den Vorbereitungen vergessen wurde. Baum steht (und ist schön, wie jedes Jahr), Geschenke für die Kinder stehen parat, die Gans auch (ja, aber sicher bin ich ein Oldschooler – ich mag ein schönes Essen am heiligen Abend), selbst das in einem Vier-Personen-Haushalt übliche Chaos an umherfliegenden Dingen des Alltags wird langsam in seine Schranken gewiesen (nun, zumindest ein wenig…); aber das Weihnachtsgefühl stellt sich halt doch immer erst ein, wenn’s soweit ist.

Irgendwie hatte ich in den letzten Jahren jedoch gefühlt keinen solchen Dauerlauf bis zum, bzw. über das Fest hinweg. Dieses Jahr drückt das besonders intensiv. Ich weiß nicht, woran das liegt. Ich meine, mir ist schon durchaus bewusst, dass ich höchst wahrscheinlich überarbeitet bin und ein bisschen krank (vielleicht auch etwas mehr) und einmal mehr die Anflüge einer Depression verspüre. Kommt halt immer alles zusammen zum Fest der Feste. Alles zusammen genommen erklärt objektiv schon, warum ich mich fühle wie ein trauriges, platt gefahrenes Opossum. Und doch ist da noch mehr.

All die Unwägbarkeiten, mit denen 2019 aufwartet, all die neuen Anforderungen und Veränderungen, vor allem im beruflichen Bereich machen mir Sorgen. Nicht etwa, weil ich nicht über die notwendigen Skills und Kenntnisse verfügen würde, sondern weil mein Geist im Moment nach etwas mehr Sicherheit verlangt. Der ist im Nachtbetrieb. Will heißen, ihm ist zu dunkel. Natürlich einerseits im wahrsten Wortsinn, haben wir doch gerade die längsten Nächte des Jahres, aber andererseits auch emotional. Gute Voraussetzungen für das kommende Fest, oder?

Aus dem Grund habe ich einige Faktoren, die mich im Moment runterziehen weitest gehend aus meiner Wahrnehmung zu verbannen versucht. Denn manche Menschen, (insbesondere Verwandte) kosten mich zu viel Kraft und geben nichts zurück. Mein Verhalten mag man als harsch bezeichnen, aber man kann Menschen auch bewusst ausladen. Probiert’s einfach mal. Ich werde jedenfalls versuchen mich (zum größten Teil) während der Festtage mit Menschen zu umgeben, die mir gut tun und die anderen zu ertragen, soweit möglich und notwendig.

Ich hoffe nur, dass die Nacht-Arbeit dieses Wochenende meine mühsam gepflegte Resilienz nicht zu sehr in Mitleidenschaft zieht. Auch wenn es mir im Moment nicht nach Weihnacht ist, wünsche ich euch allen friedvolle Festtage. Bis zum Rutsch hören wir uns wahrscheinlich noch mal. Schönen vierten Advent.

Randnotizen eines Erschöpften #06 – Brexit, Frexit, Dexit…

Ich kann den Scheiß echt nicht mehr hören. Es ist mitnichten so, dass ich mir keine Gedanken darüber machen würde, was passiert, wenn Great Little Britain aus der EU ausscheidet; aber wenn man sich mal kurz der Grundlagen der Sozialpsychologie erinnern möchte, passiert im Moment nichts anderes, als dies Malaise als salienten Reiz im kollektiven Bewusstsein zu verankern. Besser wäre es im Moment, wenn man sich einfach in der Öffentlichkeit nicht mehr damit beschäftigte.

Es geschieht doch sowieso nicht das, was im besten Interesse der Mensche wäre (die Entscheidung darüber geschähe in einer idealen Welt in einem Aushandlungs-Prozess, den man gemeinhin Demokratie nennt), sondern das, wofür sich die meisten Lobby-Vertreter finden.  Kaffeehaus-Politik. Zumindest denken das sehr viele Menschen, die momentan lieber den populistische Rattenfängern hinterher rennen, anstatt ihr eigenes Gehirn zu benutzen.

Dadurch, dass wir dauernd medial mit jedem Futzel Möchtegern-Information rings um diese Affäre bombardiert werden, wird gleichzeitig Meinung geschaffen; selbst wenn wir uns zumindest teilweise immun gegen deren Beeinflussung wähnen. Das ist halt eine Illusion. Die Art, Intensität und Tonlage der Berichterstattung, wenn im Kern auch nicht als tendenziös zu werten weißt doch in eine bestimmte Richtung: die dämlichen  Brexiteers machen uns unseren Spielplatz kaputt vs. das dämliche Kontinentaleuropa beutet uns aus.

Dadurch trugen die Medien von Anfang an zu einer Verhärtung der Verhandlungs-Fronten bei. Spielräume wurden eingeschränkt und Brücken abgerissen. Das bedeutet, dass die Medien direkt mit Schuld an dem Dilemma tragen, über das sie dauernd weiterberichten. Der Begriff der selbst erfüllenden Prophezeiung kann hier in realitas beobachtet werden.

Öffentlichkeit wird hier zum Albtraum des Europäers, weil nebenbei enthüllt wird, wie wenig sehr viele Menschen hierzulande, wie auch anderswo in der Nachbarschaft im Herzen Europäer sind und wie sehr man sich in unsicheren Zeiten an die vermeintliche Sicherheit der eigenen Peergroup (Nation) klammert. Der Brexit ist ein soziologisch-politisches Real-Experiment mit offenem Ausgang. Und jeder neue Artikel darüber vergrößert die Wahrscheinlichkeit, dass das der Anfang vom Ende der EU wird. Vielen Dank dafür! Schöne Woche…

Neuer Konservatismus?

Ohne jetzt allzu sehr ausschweifen zu wollen: bedeutet Konservatismus nicht, etwas bewahren zu wollen? Der Konservative ist damit, zumindest der Begriffsdefinition nach jemand, der etwas Hergebrachtes behalten, oder sogar re-institutionalisieren möchte. Nun ist es so, dass sowohl Kultur als auch Gesellschaft laufende Prozesse sind, die weder statisch beschreibbar sind, noch sich einfach so zurückdrehen lassen. Die komplette Bundesrepublik kann man nicht einfach in eine Zeitmaschine nach 1983 stecken und die Ära Kohl noch mal durchlaufen lassen – und wäre es möglich, möge Gott verhüten, dass ich mich nochmal in den bleiernen Jahren der Bonner Republik wiederfinden muss.

Aber in CDU-Kreisen und auch in der Medienlandschaft wird einmal mehr ein Ruf laut nach einem neuen Konservatismus, einer Trendwende,  weg vom In-den-Topor-gemerkelt-werden des letzten Jahrzehnts, hin zu einer frischen konservativen Kraft, welche die allzu braunen  Nationalisten auszehrt, hinfort fegt – und dabei wieder Boden gewinnt für jene Kräfte in unserem Land, die aus der eigenen Geschichte nichts gelernt haben, oder nichts lernen wollen. Konservativ zu sein, bedeutet im Kern, den Kuchen behalten zu wollen, obwohl man ihn gerade isst. Ein Bollwerk gegen die Beständigkeit des Wandelszu haben; politisch, ökonomisch, sozial, kulturell. Das es jedoch nicht geben kann, denn den Wandel hält niemand auf. Nicht mal Horst Seehofer.

Wenn mich jemand fragt, ob ich hergebrachte Werte habe, wie etwa Familie als Keimzelle der Gesellschaft, einen starken Rechtsstaat, der jene benennt und bestraft, die sich nicht an die Regeln halten (ja, auch solche, die als Asylsuchende hierher kommen), oder christliche Traditionen, wie das bevorstehende Weihnachtsfest, dann antworte ich mit JA. Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft; ganz gleich, ob sie aus Verschieden- oder Gleichgeschlechtlichen Paaren besteht. Ein starker Rechtsstaat muss auf die Einhaltung der Regeln durch alle im Lande pochen; auch durch Nazis, die allzu oft einschüchtern und jagen dürfen, ohne Strafe fürchten zu müssen. Und unsere Traditionen liebe ich, weil meine Familie sie liebt und sie uns ein Gefühl des Miteinander geben; das auch jene mit einschließt, die bereit sind, daran teilzuhaben. 

Ich bin nicht blauäugig; ich weiß, dass unser Land Probleme hat. Die allerdings in der Mehrzahl nicht durch die Migration, sondern durch die Gier einiger weniger Subjekte verursacht wird. Deren Machtbefugnisse müssen eingedämmt und Chancen zur Teilhabe insgesamt besser verteilt werden, anstatt zuzulassen, dass “Prekariat” und “Leistungsträger” gegeneinander aufgehetzt werden, frei nach dem alten Motto “divide et impera“. Der Konservatismus wird uns dabei nicht helfen, denn unsere Vergangenheit hält für die Fragen unserer Zukunft nur wenig sinnvolle Antworten bereit. Was also am Bewahren um jeden Preis der Neugestaltung dienlich sein soll, erschließt sich mir nicht; außer vielleicht, wie wir die Schere zwischen Arm und Reich noch ein  bisschen besser aufspreizen können. Dabei könnten uns die guten alten Manchester-Kapitalisten gewiss helfen.

Was mich betrifft – ich kann auf einen – neuen oder alten – Konservatismus und solche Mittelklasse-Angehörigen wie Herrn Friedrich Merz gut und gerne verzichten. Ich richte meinen Blick nach vorne, in der Hoffnung, dort mehr Soziale Demokratie zu erleben, die den Namen auch verdient. Bis dahin, gehabt euch wohl…

Erwachsen bilden #01

Ich will mir mal ein paar Gedanken dazu machen und sie teilen. Ich bin nicht er erste, ich werde nicht der letzte sein (oder der beste), aber es hilft mir selbst, meine Gedanken zu diesem Teil meiner Profession zu ordnen, also bitte…

Du stehst vor einem Kurs und machst einfach dein Ding. Du kennst die Methoden, du bist fachlich gut vorbereitet (auch auf die Fragen der Teilnehmer) und beginnst dein Rollout nach dem zuvor erarbeiteten Artikulationsschema (dem Drehbuch für einen halbwegs strukturierten Unterricht); die gewählte Herangehensweise wird die Botschaft schon transportieren. Man hat seine Theorien zum Thema Lehren/Lernen im Hinterkopf und weiß Eventualitäten zu begegnen – man ist ein Superteacher!

Ach, wenn das Leben doch nur so einfach wäre. Frühkindliche und Kindliche Bildung unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem, was ich tue – Erwachsenenbildung im Gesundheitswesen. Gegenüber Erwachsenen spielt der Erziehungsaspekt keine Rolle mehr (sollte er zumindest nicht). Die Themen sind hoch sachorientiert (in meinem Fall beruflich relevante Themen) und geben somit eine gewisse intrinsische Motivation für die Teilnehmer her (tun sie das?). Die Zeitdauer der Veranstaltung ist begrenzt, so dass geschickte didaktische Reduktion eine wesentliche Rolle spielt, ebenso wie die Relevanz des Unterrichts für die Teilnehmer.

Doch wie stellt man diese Relevanz her? Die Frage ist zentral, weil zum einen bei weitem nicht jedes Thema im beruflichen Kontext als “sexy” gilt und zudem viele Veranstaltungen Pflicht sind; oft genug eine lästige Pflicht, weil vom Gesetzgeber vorgeschrieben, aber “da kriegt man doch eh immer nur das selbe erzählt”… Bei manchen ist das wohl auch so, aber wenn ich den Teilnehmern einen Mehrwert, einen Benefit verschaffen will, komme ich um die Erwägungen zur Relevanz nicht herum.

In den Gesundheitsfachberufen (aber auch in Artverwandten Professionen), die sehr Handlungsorientiert sind, kriege ich sie meistens mit einem recht hohen Anteil an praktischem Training. Aber Grundlagen der Theorie müssen eben auch vermittelt oder aufgefrischt werden und dazu ist ein klassischer Unterricht im Lehrgespräch eben immer noch die beste Wahl. Doch wie präsentiere ich diese theoretischen Inhalte grafisch? Denn Erzählen allein transportiert bekanntermaßen Informationen nur sehr unzureichend. Wäre es anders, ginge beim Gossip nicht immer so viel schief…

Und da sind wir wieder: in der Powerpoint(c)-Falle. Ich erinnere mich immer noch mit Entsetzen an meine eigene theoretische Berufsausbildung, bei der nicht selten 24 Folien/Sekunde einen Film ergaben, der aus, in Arial 8-Punkt vollgetexteten Wüsten bestand, einer FAZ aus der Frühzeit nicht ganz unähnlich. Das Ergebnis bestand in unvollständigen Mitschrieben oder dem Herumtragen von 100 ausgedruckten Powerpoint(c)-Folien, um sich diese noch einmal durchlesen zu können – was ich nie getan habe. Die didaktische Chance Powerpoint wurde vertan.

Es ist zweifellos so, dass der Gebrauch von Medien im Unterricht an sehr vielen Missverständnissen krankt; so zum Beispiel dem Ignorieren der Dualität von Transportkanal (visuell, auditiv, haptisch) und transportiertem Inhalt, welche dem Begriff “Medium” innewohnt. Verstehe ich, das beides eine Einheit ist, die man nicht nach Belieben auseinander reißen kann (und sollte), bin ich schon ein gutes Stück weiter. Ich habe schon gute Ansätze gesehen, aber es gibt auch immer noch jede Menge Lehrer, Präsentatoren, Speaker, die Powerpoint(c) wie Word(c) benutzen.

Der Einsatz dieser speziellen Software ist nur einer von vielen Aspekten, die auf Unterricht bzw. Vortrag qualitativ einwirken. Aber es war der erste, der mir in den Sinn kam, weil ich gerade neulich mal wieder gesehen habe, wie man es besser nicht machen sollte. Bei Gelegenheit stelle ich mal ein paar Buchtitel vor, die zeigen, wie man es besser machen kann. Bis dahin eine gute Zeit.

Selbstversuch!

Ich habe es einmal mehrr probiert – ich habe Facbook und den dazu gehörenden Messenger auf meinem Smartphone installiert. Ich weiß wirklich nicht, welcher Teufel mich da wieder geritten hat, denn ziemlich präzise 40 Stunden später habe ich den Scheiß wieder runter geschmissen. Nicht weil ich kein Facebook mehr nutze – was vielleicht besser wäre – sondern, weil mich die subjektive Aufdringlichkeit beider Apps tierisch genervt hat!

Ich bin kein Narr; zumindest sage ich mir das immer wieder. Ich weiß, dass diese ganzen großen Internet-Konzerne vom Internet leben. Nicht so, wie die deutsche Bahn nur noch 20% oder so ihres Gesamtumsatzes mit Zügen macht. Nein Facebook, Google, etc. vermarkten Dienstleistungen und Produkte online und sind davon abhängig, möglichst laut, bunt und tief in jedermanns Leben einzudringen, um auch ja genug Profit für die Shareholder generieren zu können.

Es wäre also – auch auf Grund früherer Erfahrungen – voraussehbar gewesen, dass mir das ständige Getute und Gebrumme recht schnell auf den Sack geht. Mal ganz davon abgesehen, dass es den Akku meines mobilen Endgerätes messbar schneller leert. Und das ist, gemessen am Nutzen, einfach nur Energieverschwendung. Sowohl am Akku, als auch an mir. Immer mal wieder stelle ich mir daher die Frage, warum ich Facebook überhaupt noch nutze? Denn letztlich ist es nichts weiter als ein Zeitfresser ohne Mehrwert.

Die allermeisten Kontakte, welche ich darüber WIRKLICH pflege, kriege ich auf anderen Kanälen oder im wahren Leben genauso gut zu fassen. Browserspiele sind einfach nur die Pest für mein Zeitmanagement. Und die unfreiwillige Preisgabe eines Teils meiner Daten fuchst mich jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke. Das allerschlimmste aber sind jene Freundoiden Wesen, welche diese Platt-Form im wahrsten Wortsinn so nutzen: für ihre chauvinistischen, rassistischen, reaktionären Plattitüden. Moment, ich bin mal kurz brechen…

Was bleibt, sind zwei Dinge, die mich derzeit noch daran hindern: manche Kontakte sind halt doch nur dort halbwegs regelmäßig zu sehen und manche Informationen von ihnen  waren in der Vergangenheit durchaus wertvoll. Und ich teile meine Blogposts dort; for whatever it’s worth…! Aber das ist ganz schön wenig für den Ärger, den Frust und den Energieverlust, den dieser Kanal mir verschafft. Im Moment habe ich noch keine Lösung dafür, aber eines ist klar: für mich hat mal wieder der Kampf gegen meine eigenen schlechten Angewohnheiten begonnen – und Facebook ist eine von ihnen. In diesem Sinne – habt eine schöne Woche.

Rollenspiel für Dummies #13 – Warum eigentlich…

…beschäftigt sich ein erwachsener Mann mit so vielen Aufgaben und Problemen am Hals auch noch mit einem so zeitraubenden und seltsamen Hobby wie Pen-and-Paper-Rollenspiel? “Well, I shall have to take you back with me a long way in time” (c) by Manowar…

Ich war 15, es war der Sommer 1989 und ich war ein schüchterner Rotzlöffel im Gymnasium mit eher wenig sozialen Kontakten und einer galoppierenden Phantasie. Sich Geschichten auszudenken hat mir, zumindest gefühlt, schon immer im Blut gelegen. Ein paar Kumpel aus der Schule (ja, ich hatte welche) waren zu der Zeit schon seit ‘nem Jahr oder so über DSA gestolpert. Das erste deutsche Rollenspiel-System, das einen gewissen kommerziellen Erfolg verbuchen konnte. Und die haben mich mit dem Zeug infiziert…!

Nun ist es ja nicht so, dass 15-jährige (Knaben) nicht leicht für irgendwelchen kaputten Scheiß zu begeistern wären. Hormon-Ungleichgewicht, Findungs-Phase usw. Aber dieser Stoff war für mich eine Offenbarung, denn es zeigt mir, dass ich a) mit meiner galoppierenden Phantasie nicht allein war und b) jetzt einen Weg hatte, vieles, was in mir arbeitete zu kanalisieren. Ich kann heute rundweg zugeben, dass ich in dem Alter sozial unsicher, ein NERD (damals in jedem Fall ein Schimpfwort) und ganz und gar nicht Mainstream war. Abgesehen davon war ich ein Trottel in seiner Traumwelt. Aber ab dem Zeitpunkt war das egal, denn es gab noch andere Trottel mit ihren Traumwelten und die passten ab und an ganz gut zusammen (alte Freund und bekannte aus jener Zeit, die das hier lesen mögen mir die erweiterte Selbst-Beleidigung bitte verzeihen!).

Schon ab einem frühen Stadium war ich nicht “nur” Spieler (das war schon schön), sondern man bat mich darum, den Spielleiter zu machen. Anfangs war das eher als Lückenfüller gedacht, aber irgendwie hatte ich wohl tatsächlich Talent und wurde so mit der Zeit zum Dauer-Spielleiter verschiedener Spielrunden. Experimentierfreude und die nach und nach erworbene Fähigkeit zum Mashup führten mich schließlich irgendwann zum erstellen eigener Inhalte und zum Entwickeln eigener Welten.

Es gab gute soziale Erfahrungen (Freundschaften, die bis heute überdauern) und schlechte soziale Erfahrungen (Ausnutzung, Mobbing, wechselnde Loyalitäten), denn irgendwann entwickelten sich Rollenspiel-Runden zu sozialen Events, die gemeinsames Essen (manchmal auch Kochen) und natürlich auch Austausch außerhalb des Spiels mit sich brachten. Man könnte die schlechten Erfahrungen bereuen oder sich daran aufhängen, was einem das an Frust gebracht hat; aber im Endeffekt sind es all unsere Erfahrungen, die uns zu dem Menschen machen, der wir heute sind. Und auch wenn ich körperlich vielleicht nicht so fit bin, wie ich es sein sollte, mag ich den Menschen, der ich heute bin recht gern!

Irgendwann, als ich mich langsam meinem 40. näherte, ein ehemaliger Arbeitgeber mich zu lange zu viel Kraft kostete und ich nebenbei auch noch ein Studium an der Backe hatte, wollte ich  nicht mehr Spielleiten. Ich war ausgelaugt, hatte keine neuen Geschichten, keine neuen Welten mehr im Kopf und dachte, das kannst du jetzt knicken. Ich bekam die Gelegenheit, häufiger zu spielen (eine kaputte Kampagne voll merkwürdigem Spaß). Ich wurde 40, der Burnout zog (mit Hilfe) vorüber, das Studium kam zu seinem (guten) Abschluss und mein Kopf wurde wieder freier.

Und heute? Jetzt bin ich 44. Mein aktueller Arbeitgeber kostet mich auch Nerven, aber nicht so viele, wie mein alter und mein Job macht mir wieder Spaß. Das wirkt sich auf meine Kreativität aus, die nun wieder sprudelt, wie früher. Nächstes Jahr gibt’s für mich nun sozusagen ein 30-jähriges Jubiläum als Rollenspieler zu feiern und ich freue mich drauf. Denn Pen-and-Paper-Rollenspiel half mir, meine sozialen Skills zu üben, meine Empathie zu schärfen, beliebige Rollen spielen zu können (manchmal regelrecht als Schauspieler) und meine Schlagfertigkeit auf ein zufriedenstellendes Niveau zu bringen. Ich bin auch durch’s Rollenspiel erst zu dem geworden, der ich heute bin. Und dafür bin ich dankbar. Denn neben ein paar sozialen Totalausfällen hat es mir einige der besten und erinnerungswürdigsten Stunden meines Lebens beschert. Und das beste daran ist – ich kann es zusammen mit meiner geliebten Frau genießen, die das Spiel genauso schätzt wie ich. Wie viel besser kann es werden…? Always game on!