The italian tales n°1 – Welcome back to tuscany…

Das muss noch fertig werden, dass kann ich nicht liegen lassen und dieses Projekt muss auch noch abgeschlossen sein; oder zumindest soweit vorbereitet, dass ein anderer es zu Ende bringen kann. Und dann – husch, husch – umschalten in den Ferien-Modus und Deutschland für ein paar Wochen tschüss sagen. It’s as simple that…?

Sagen wir mal so: es hat auch dieses Mal nicht lange gedauert, bis ich mich ausschließlich auf das Ziel der Reise konzentriert und meine Arbeit habe Arbeit sein lassen. Doch was ist eigentlich das Ziel der Reise, wenn man mal Urlaub macht? Der Ort, in dem man ein Appartement/Zimmer gebucht hat? Die Ausflüge, die man unternimmt, incl. voll Touri-mäßigem Rumgeknipse bis zur Erschöpfung? Der Genuß landestypischen Essens, incl. dessen Zubereitung? Irgendwas anderes? Alles zusammen? Oder gar nix davon?

Ich hörte die Tage, als ich in meiner Hood die Straße runter ging, zufällig einige Fetzen einer Konversation zwischen zwei Frauen mittleren Alters und eine von Ihnen sagte sinngemäß, ihre Bekannte mache ja auch nur den Job, den sie eigentlich gar nicht möge. Das setzte bei mir eine Denkspirale in Bewegung. Natürlich hadere ich manchmal mit meinen Aufgaben und ebenso natürlich habe ich regelmäßige Motivations-Tiefs. Das ist bei Menschen nicht die Ausnahme, sondern die Regel, denn Arbeit ist nun mal eine Notwendigkeit um sich morgens auf dem Weg zur Arbeit ankleiden und sich Brötchen leisten zu können…?

OK, das war böse. Arbeit ist nicht nur schlimm und eine Zumutung und stört beim Chillen. Sie ist ebenso ein Ort, wie eine Zeit an/zu der wir mit anderen zusammen kommen, (zumindest manchmal) sinnvolles tun und auch Spaß haben können. Es strukturiert unseren Tag und fördert unsere sozialen Beziehungen. Mag sein, dass manche Arbeit einem sinnvoller erscheint, als die eigene, was am uralten “Die-Kirschen-in Nachbars-Garten”-Paradox liegt. Ich darf an dieser Stelle gestehen, dass ich meine Arbeit mag – insbesondere, weil sie sich immer mal wieder verändert und entwickelt. Ain’t I a lucky guy…?

Aber dieses Verhältnis zu meiner Arbeit hat etwas mit Leidenschaft zu tun. Ich brenne für meinen Job. Nicht nur den des Notfallsanitäters, sondern vor allem für den des Berufspädagogen. Ich kann dabei meine Lust am Geschichten-Erzählen mit meiner Freude, mit Menschen an Menschen für Menschen zu arbeiten auf’s Trefflichste verbinden. Ich vermute jetzt also, dass die Dame meinte, in ihrer Bekannten keine Leidenschaft für deren Arbeit erkennen zu können. Und das ist natürlich bedauerlich, aber meine Lebenserfahrung sagt mir, dass bei weitem nicht jeder Leidenschaft für seine Arbeit empfindet. Mehr so etwas wie Bedarfsgeschmack (siehe Pierre Bourdieu). Kann man in einer Möchtegern-Meritokratie wie der unseren, die schon in Kindern Leistungsfähigkeit messen will recht häufig sehen.

Was hat das nun mit dem Italien-Urlaub zu tun? Ganz einfach: eine Leidenschaft kann man auch dann nicht abschalten, oder verleugnen, wenn sie Leiden schafft. Was für meine Urlaubsfahrten regelmäßig bedeutet, dass ich mich zwar auf den Ort fokussiere, den es bei einer 1000 KM-Fahrt zu erreichen gilt (insbesondere, wenn vor dem Gotthard-Tunnel fast 10 KM Stau sind); doch eigentlich geht es darum , meine anderen Leidenschaften zu wecken, sie mir wieder ins Gedächtnis zu rufen- schließlich, sie zu reaktivieren. Denn wer nur für seine Arbeit brennt, kann auch verbrennen.

Für mich ist die Autofahrt tatsächlich der Beginn der Reise, die gleichzeitig ihr eigenes Ziel ist: Rückbesinnung! Zu sehen wie langsam über den Schweizer Alpen die Dämmerung hochkommt erinnert mich daran, wie klein der Mensch, wie insignifikant sein Streben nach Selbst-Verwirklichung und -Optimierung ist. Die ganzen drei Wochen sind eine Reise zurück zu mir selbst. Denn nur, wer sich erdet, kann auch wirklich “Energie tanken”.

Wie paradox! Die meisten von uns reisen, um ihre Batterien zu füllen, damit sie die Arbeit bestehen können, bis sie wieder Reisen dürfen, um die Batt…. Work. Holiday. Repeat. Ich reise, um mich daran zu erinnern, dass die Arbeit nur eine von vielen Facetten meines Daseins ist. Und ich versuche meine verschiedenen Leidenschaften miteinander zu versöhnen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Aber es gemahnt mich, meine Tage mit immer mehr Leben zu füllen und nicht mit immer mehr Arbeit. Wollt ihr das auch mal versuchen…? Wir lesen uns die Tage auf jeden Fall noch öfter. Bis dahin: Buonasera!

Heatwave N°2

Heidewitzka, ist das gerade wieder verdammt heiß! Und so natürlich, wie wir alle Schwitzen, uns nach Freizeit am Baggersee, einem leckeren Eis und einem kleinen Sommergewitter am Abend sehnen, so natürlich schwadroniert die Presse über diesen Umstand. Dabei werden – je nach politischer Orientierung der Postille – wahlweise Untergangs-Szenarien oder Artikel voller Whataboutism rausgehauen, was in den Kommentarspalten zu eher belustigenden Scharmützeln führt. Denn zum Thema Wetter und Klima hat jeder eine Meinung. Oft genug ziemlich viel Meinung für verdammt wenig Wissen…

Ja, der Unterschied zwischen Klima und Wetter ist mir durchaus geläufig, danke der Nachfrage. Und auch, wenn dies hier gewiss nicht der Ort ist, über das Wetter zu plauschen, so ist Klima doch ein ziemlich gutes Thema. Dazu muss man allerdings wissen, dass es natürlich wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, welche sowohl die landläufige These stützen, dass ein nicht unerheblicher Teil der gegenwärtigen Erderwärmung anthropogen ist, als auch solche, die diesen Allgemeinplatz in Zweifel ziehen. Der Umstand, dass das Klima sich im Verlaufe der Zeit auch ohne menschliches Zutun recht häufig in die eine (+), wie in die andere Richtung (-) geändert hat, ist dabei Wasser auf den Mühlen der Klimawandel-Leugner.

Nun ist es so, dass “die Wissenschaft” als System so nicht existiert; so wenig, wie “der Deutsche” oder “der Islam” als hoch dogmatisierte Begriffe mit eng umrissenem Bedeutungs-Gehalt irgendeine letztgültige Wahrheit beinhalten können. All diese Begriffe sind von Menschen gemacht, die – genau wie du und ich – Irrungen, Wirrungen, und Meinungen unterworfen sind. Wissenschaft ist oft weniger deskriptiv (die Dinge beschreibend wie sie sind), als vielmehr normativ (die Dinge beschreibend, wie man sie gerne hätte). Das gilt in der Gesundheits- Sozialpolitik genauso, wie bei Klimafragen. Wir neigen recht gerne dazu, die Meinung irgendeines Prof. Dr. Dr. als unumstößlich hinzunehmen, wenn sie unseren eigenen Interessen genehm ist. Letztlich ist aber auch diese Meinung genau das; nur eine Meinung unter vielen, die mehr oder weniger Substanz haben kann.

Ich rede mitnichten der Unwissenschaftlichkeit, oder gar der neuen Postfaktizität das Wort. Dafür haben wir Trump, die AfD und die ganzen Idioten, welche Ihnen hinterher rennen. Die setzten auf dumpfe Gefühle (insbesondere negative) und erreichen damit viel mehr Menschen, als alle vernünftiger Artikel, die ausgewogen die Fakten darstellen zusammengenommen. Denn offenkundig wollen die Leute hassen, nicht wissen! Ich möchte genau deshalb darum bitten, dass man sich genau anschaut, wessen konkrete Interessen durch irgendwelche wissenschaftlichen Publikationen vertreten werden, bevor man irgendetwas für “alternativlos” hält. Dies ist im Übrigen das Gottverdammte Unwort des frühen 21. Jahrhunderts. Für diesen Nonsens-Begriff könnte ich Fr. Dr. Merkel immer noch… aber ich schweife ab.

Zweifellos wäre es schön, wenn wir das Wort alternativlos einfach wieder aus unserem Wortschatz streichen könnten. Denn es soll ja einfach nur suggerieren, dass mein Gegenüber keinen Bock hat, über meine Argumente wenigstens nachzudenken, oder in seinem Denken schon so verbohrt ist, dass er nicht mal mehr die Möglichkeit einer anderen Meinung in Betracht zieht. Et voilá – Dogmatismus. Bringt keinen weiter und erzeugt einfach nur heiße Luft, welche die Heatwave N°2, die gerade über’s Land zieht bestenfalls nur ein bisschen schlimmer macht. Das einzige, was diese Art von “Berichterstattung” schafft ist, die Gräben durch unsere Gesellschaft noch mehr zu vertiefen und von den eigentlichen Problemen abzulenken. Keinen Dank dafür.

Wir brauchen gesellschaftlichen Dissens! Aber bitte auf dem Boden von Fakten und nicht von Gefühlen, die allenthalben gerade das Szepter im öffentlichen Raum übernehmen. Hätte irgendjemand Lust auf eine echte Diskussion? Wenn sich welche finden, stehe ich gerne zur Verfügung. Aber bleibt mir mit eurer postfaktischen Phrasendrescherei, eurem Auf-Andere-Zeigen, eurem Whataboutism und eurere Bigotterie vom Hals. Die Apologeten der vorgenannten Unnötigkeiten dürfen gerne in der Hitzewelle verdunsten. Allen anderen eine gute Zeit…

Der verwirrte Spielleiter #11 – Kritischer Fehlschlag…!

Wenn man verschiedene Beschreibungen und Charakterisierungen von Pen&Paper gelesen und vielleicht auch mal an Runden teilgenommen hat, entsteht schnell der Eindruck, dass Würfeln nicht nur integraler Bestandteil des Spiels ist, sondern das zudem die Entwicklung der Geschichte stets vom Glück mit den regelmäßigen Polyedern abhängt. Dieser Eindruck trügt jedoch. Natürlich wird in vielen Regelwerken das Würfeln für die Auflösung kritischer Handlungen benutzt. Denn bestünde nicht die Gefahr eines Fehlschlages, weil einfach alles klappt, wäre das einfach grausam langweilig. Denkt doch mal an einen Film, in welchem dem Protagonisten einfach alles gelingt; der wäre nach ca. 25 Minuten zu Ende. Aber es wird nicht um des Würfeln Willens gewürfelt. Mal davon abgesehen, dass sowieso nicht in allen Regelwerken gewürfelt wird. Es gibt auch andere Methoden. Ich gestehe aber, dass ich Würfel mag…

Dem Würfelwurf geht jedoch üblicherweise ein komplexer Prozess voraus: Eine Situation wurde vom SL beschrieben, und nun gibt es für einen, oder auch mehrere Charaktere eine Zahl n an Handlungsoptionen. Manchmal entscheidet ein Spieler allein über seine Handlungen, oft sprechen sich die Spieler auch ab. Aber gleich, wie kurz oder lang dieser Findungs-Prozess auch dauern mag, am Ende steht die Entscheidung für eine Herangehensweise. Die Spieler beschreiben nun die Umsetzung der gewählten Option. Je nachdem, welcher Spielstil am Tisch vorherrscht, kann diese Beschreibung sehr einfach sein (ich greife den ersten Ork von links mit dem Schwert an), oder die Formulierung eines komplexen Planes beinhalten (Team A geht vorne rein, Team B hinten, während Team C das Sicherheitssystem hackt und Team D auf dem Dach landet).

Aufgabe des SL ist es nun, auf Grund der Beschreibungen seiner Spieler festzulegen, welche Würfelwürfe mit welcher Schwierigkeit von Nöten sind, damit die Aktion oder der Plan funktionieren kann. Und das ist gar nicht so einfach. Denn es ist notwendig, zu identifizieren, welche Skills für die Umsetzung einer Idee gebraucht werden und wie komplex die einzelnen Aufgaben sind; also, ob es Modifikatoren auf die einzelnen Fertigkeitsproben gibt, oder ob ein einfacher Wurf genügt. Und dieser Prozess ist nicht ohne. Denn es hängt nicht nur vom zur Zeit verwendeten Regelwerk ab, zu welchen Entscheidungen ich als SL komme, sondern auch von der Erfordernissen des Settings und des gerade gespielten Szenarios. Mal ganz davon ab, dass sich nicht jedes Regelwerk für jede Art von Spiel eignet.

Nehmen wir mal an, ich spiele eher cineastisch und meine Spieler-Charaktere sind Helden, die in einer kontinuierlichen Geschichte die Welt retten sollen. Dann werde ich bestimmte Einzelereignisse, die nur dem Aufbau der Spannung hin zu einer Klimax mit einem epischen Kampf zwischen Gut und Böse dienen sollen, sicher nicht mit einer Hammer-Schwierigkeit belegen, sondern es laufen lassen und manchmal auch gar keinen Wurf verlangen, wenn das Vorgehen gut beschrieben wird; denn Prämisse und Fokus des Spiels liegen ja nicht beim Bekämpfen unbedeutender Henchmen, sondern bei der finalen Schlacht, bis zu der die Helden aufgebaut sein sollen/müssen.

Richte ich mein Spiel allerdings an den Interessen und Motivationen einzelner Pro- und Antagonisten aus, können einzelne, zunächst eher unbedeutend erscheinende Taten oder Ereignisse durchaus von Belang für das Endergebnis sein, weil diese einzelne Personen in ihrer Agenda tangieren. Folglich werde ich hier im Einzelfall die Schraube anziehen, wenn ein prüfender Blick auf die Fertigkeiten der Charaktere und ihrer Gegenspieler dies hergibt. Ein wichtiger Aspekt ist also die Bedeutsamkeit einer einzelnen Aktion oder eines Planes für die Geschichte als Ganzes.

Der andere Blickwinkel ergibt sich nun aus der Frage, wie kompliziert das antizipierte Vorgehen im Gesamtgefüge des Spiels und mit Blick auf die Fähigkeiten des jeweiligen Charakters ist. Ein geübter Profi-Rennfahrer wird bei einer Verfolgungsjagd nicht so ins Schwitzen kommen, wie ein Versicherungsvertreter, der immer mit der Bahn zur Arbeit fährt. Und ein Barbar aus Vulgarien wird sich mit der Reparatur eines Plasma-Projektors sehr viel schwerer tun (…ist böse Magie, oder?), als der Chefingenieur einer schweren Pellaquinischen Raumfregatte. Das Zahlenschubsen als solches ergibt sich natürlich aus den Maßgaben des verwendeten Regelwerkes, aber die Vorüberlegungen muss der SL schon selber erledigen…

Sind alle Aspekte durch den SL bedacht und die notwendigen Würfe incl. Schwierigkeit benannt, gehen die Spieler frisch ans Werk. Die Würfel symbolisieren dabei ein Stück weit das Schicksal. Natürlich hat jedes Regelwerk seine Eigenheiten, welche jeweils die Wirksamkeit des Schicksals begrenzen oder ausweiten, aber das ist Teil des zuvor festgelegten Settings. Ob alles gelingt, oder nicht…; in jedem Fall entsteht eine neue Situation und der Anfangs beschriebene Zyklus der Entscheidung beginnt ebenfalls erneut. Aus meiner Sicht sind es nicht die Würfel, welche über Wohl oder Wehe der Charaktere und ihrer Agenda bestimmen, sondern die getroffenen Entscheidungen. Denn schon das beschriebene Herangehen entscheidet darüber, ob ein Wurf eine große oder eine kleine Chance auf Erfolg in sich trägt. Aber die Chance auf einen kritischen Fehlschlag besteht natürlich immer. Und irgendwie ist das ja auch ein Teil des Salzes in der Suppe… In diesem Sinne: always game on!

Auch zum Hören…

Keep your distance, buddy…

Man muss es einfach mal sagen: mit 45 bin ich kein junger Hüpfer mehr. Also, ich fühle mich nicht alt (nur manchmal, nach einer Woche des frühen Aufstehens vielleicht) und habe immer noch jede Menge Spaß an Musik, an Kino, am Zocken, etc . Aber manche Expressionen der zeitgenössischen Jugendkultur verstehe ich nicht mehr so, wie noch vor 10 Jahren. Könnte daran liegen, dass mich dieses ganze trendige Gesummse und Gebrumse einfach nicht interessiert. Aber manche Sachen kapiere ich einfach nicht. Z.B. nackige Knöchel bei -2°C.

Nun ist es so, dass ich – berufsbedingt – viel mit jungen Menschen zu tun habe. Und ich gewinne den Eindruck, dass die meisten von denen mich, den grauen Haaren und der Plautze zum Trotz, dennoch nicht als alten Sack sehen, sondern eher auf Augenhöhe. Irgendwie ist das schmeichelhaft. Aber leider auch gefährlich. Denn obschon ich durchaus Sympathien für meine jungen Kolleginnen und Kollegen (egal, ob noch in Ausbildung, oder schon fertig mit der Welt) empfinde, bin ich als Ausbilder dazu aufgerufen, professionelle Distanz zu wahren.

Man kann miteinander arbeiten, miteinander Quatsch machen, miteinander über alles mögliche reden und auch mal miteinander ein Bier trinken; was heute Abend der Fall sein wird. Und doch bleibt da eine unüberbrückbare Distanz zwischen uns. Denn ich diene in meiner Funktion, egal, ob ich und die anderen das wollen oder nicht, als Role-Model, also als Vorbild und irgendwie auch als Respektsperson. Auch wenn ich mir mit meiner flapsigen Fletsche manchmal alle Mühe geben, das zu untergraben.

Doch, wie man es auch dreht und wendet: diese Distanz muss ich wahren. Tue ich das nicht, so wie mancher Ausbilder-Kollege vor mir es getan hat und gewiss auch noch mancher nach mir es tun wird, endet das unweigerlich in einem Desaster. Die schlimmste denkbare Entgleisung ist dabei eine Beziehung zu einem der eigenen Azubis einzugehen. Denn das unterminiert den Respekt für die eigene Funktion auch bei den Anderen und konstituiert, zumindest aus meiner Sicht, die Ausnutzung eines Schutzbefohlenen. Das mag altmodisch klingen und ich gebärde mich auch gewiss nicht als jemandes Papa; aber mit so einer Aktion verspielt man seinen ganzen Kredit.

Und wer ein solches Szenario zu Ende denkt, kommt am Schluss ganz schnell bei einem sehr unschönen Vorwurf heraus: sexuelle Belästigung/Nötigung. Denn, wenn in einem solchen Verhältnis die Luft raus ist und es eventuell zu Streitigkeiten kommt, oder aber jemand seine Meinung ändert, ist ratzfatz eine solche Anschuldigung ausgesprochen. Diese stigmatisiert (u. U. Beide), ist nur sehr schwer aus der Welt zu schaffen und kann eine Existenz zerstören. Das wäre es mir niemals wert!

Das ist der Grund, warum ich so gut wie nie jemanden weiblichen Geschlechts in meinem beruflichen Umfeld berühre (dazu sei gesagt, dass ich mich selbst als streng heterosexuell einordne). Das klingt jetzt vielleicht paranoid, aber auch ich bin nicht aus Eis. Und daher versage ich es mir, etwas zu tun, das vielleicht falsch ausgelegt werden könnte. Mal davon ab, dass ich glücklich verheiratet bin… Nun ja, manchmal muss man seine Gedanken einfach mal ordnen und aussprechen. Das ist hiermit getan und ich wünsche allen ein schönes Wochenende!

Auch zum Hören…

Gimme Feedback…!

Ich habe in den letzten Tagen eine Fortbildungsveranstaltung durchgeführt. Und, wie stets, am Ende natürlich eine Feedbackrunde abgehalten. Denn es gehört in der Erwachsenen-Bildung quasi zum guten Ton, ja fast zum Kanon des Dozenten dazu, sich verbal zu vergewissern, ob er mit seinen Bildungsbemühungen halbwegs im Ziel gelegen hat. Es gibt in einschlägigen Ratgebern ganze Kapitel zur Schlussrunde, die verschiedene Techniken zur Moderation anregen. Vielen Methoden ist jedoch eines gemeinsam: es wird im Plenum gesprochen.

Manche Menschen sprechen nun gerne (und oft auch gewandt) vor anderen Menschen; die meisten sind diesbezüglich jedoch eher zurückhaltend, insbesondere, wenn es um das Äußern von Kritik geht. Einerseits, weil wir in einer Kultur leben, in der Internet-Trollen zwar zum Volkssport geworden ist, im direkten Kontakt jedoch oft Konfliktscheue herrscht. Andererseits, weil man sich die Mühe sparen möchte, tatsächlich noch einmal über das Erlebte und Erarbeitete nachzudenken und zu sprechen. Natürlich hängt das auch von der Art und der angestrebten inhaltlichen Tiefe der Veranstaltung ab, aber ich sehe oft Menschen, die einfach nur Schluss machen wollen, weil irgendetwas vermeintlich Angenehmeres ruft.

Das versetzt mich in ein Dilemma. Man kann natürlich die Feedbackrunde nicht zu Beginn der Veranstaltung machen. Man braucht aber eine, um etwas über die eigene Qualität, Situationsadäquanz und Kundenorientierung herauszufinden. Trotzdem möchte man die Teilnehmer auch nicht mit zuviel vermeintlichem “Gelaber” belasten. Denn auch das fließt ja in Beurteilungen ein. Also stehe ich oft vor dem Plenum und weiß nicht so recht, ob mich dieses Schlussrunde tatsächlich weitergebracht hat. Denn auch, wenn die Teilnehmer mir in der Mehrzahl positive Kritiken geben, bin ich mir nie sicher, ob die nicht gerade nur sozial erwünscht handeln, damit sie schneller rauskommen. Vielleicht sollte man anfügen, dass ich durchaus zur Selbstkritik neige…

Ich habe einen Freund und Kollegen, der immer sagt, dass man in unserem Job ein EGO braucht, dass kaum durch die Tür passt. Das Problem dabei ist, dass man ja – auch als Dozent – ruhig mal klugscheißen darf, wenn man denn klug ist; die Abgrenzung zur Rechthaberei, zum Dogmatismus und zur Arroganz sind dabei jedoch oft fließend. Und das ist ein Problem. Wenn ich Recht habe, ist das schön. Nur bedeutet es nicht unbedingt, das alle anderen deswegen unrecht haben. Ich persönlich versuche, auch in der Unterrichtssituation ein Teamplayer zu sein, wohl wissend, dass ich niemandem etwas “beibringen” kann, sondern als Lernbegleiter zur Selbsterfahrung des Wissens und der Fähigkeiten hinführen und anleiten muss. Die Mäeutik ist dabei ein steter Begleiter.

Während ich hier so sitze und während dem Schreiben des Textes dem Regen zuschaue, beschleicht mich das Gefühl, dass ich andere Methoden des Feedbacks ausprobieren muss. Aber auch der gute alte Beurteilungsbogen bringt oft wenig Hilfreiches. Vielleicht muss ich das Teilnehmer-Feedback noch tiefer in den Unterricht selbst integrieren. Ich werde euch an den Ergebnissen meiner Versuche irgendwann teilhaben lassen. Bis dahin wünsche ich eine gute Zeit.

Auch zum Hören…

Geopolitisches Kampf-Schach

Die Administration Trump hat mittlerweile in ihren Konflikt-Eskalations-Spiralen eine Geschwindigkeit erreicht, die es gelegentlich fragwürdig erscheinen lässt, ob bestimmte Teile der Erde Weihnachten 2020 noch erleben. Immerhin müssten sie dort dann keine zweite Inauguration des dummen Donald als Präsident von Säbelrasslistan, aka USA erdulden. Man verstehe mich bitte nicht falsch; ich weiß das große Teile der Bevölkerung des “land of the free” gerne free from Donald wären und dass auch dort Demonstrationen nur sehr bedingt dazu geeignet sind, politische Teilhabe zu erzwingen. Wir leben in Zeiten, in denen wir alle vier Jahre glauben wollen, das jeweils kleinere Übel zu wählen. Stets in der Hoffnung, dass die Lobbyisten in der Zwischenzeit unseren Planeten und unser Leben nicht vollkommen versauen – oder eben vernichten.

Eigentlich müsste man die Weltordnung von den Füßen auf den Kopf stellen, doch jetzt ist das realistischerweise nur noch mit Gewalt zu erzwingen. Soweit sind wir noch nicht. Und doch – allein die Tatsache, das Kinder auf die Straße gehen, dass Macht überhaupt in Frage gestellt wird und dass wir langsam anfangen zu begreifen, dass Geld uns regiert und nicht irgendwelche “vom Volk gewählten” Politiker gibt mir Hoffnung, dass wir es noch schaffen, unsere Welt den Klauen derer zu entreißen, die gegen unser aller Interessen handeln, nur um noch fetter werden zu können. Denn das letzte Übel, welches Pandora – entgegen dem Mythos – noch aus ihrer Büchse auf die Welt losließ, war bekanntermaßen die Hoffnung.

Als Vater weiß ich, dass man manchmal glaubt, das Beste für jemand anders zu wollen, weil man davon überzeugt ist, dass diese Person (zumeist das eigene Kind) noch nicht bereit sei, zu wissen, was das Beste für sie ist. Nenne man es Paternalismus oder was auch immer; das ist einerlei, denn das Ergebnis ist das gleiche: Bevormundung! Das ist, was manche Menschen mit viel Geld so tun. Die Welt um sich herum bevormunden, weil sie auf Grund ihres Erfolges so narzisstisch sind, zu glauben, sie wüssten, was das beste für die Welt ist. Frei geklaut: an meinem Wesen soll die Welt genesen…

Nun glauben Teile der amerikanischen Administration schon immer, dass die einzig legitime Antwort auf alle Probleme in der Welt amerikanische Waffengewalt ist. Diese Doktrin ist mittlerweile fast zwei Jahrhundert alt, wird aber immer noch gelebt; oder besser, sie wird wieder intensiver gelebt. Was allerdings teuer ist. Und wenn man seinen Wählern Geschenke machen möchte, um noch mal Präsident werden zu können, muss man eben anderen Nationen Teile der Last aufbürden. Also fordert man Deutschland auf, Truppen nach Syrien zu entsenden. Kostet ja deren Geld. Geld, dass wir für unsere eigenen sozial- und bildungspolitischen Probleme wesentlich besser einsetzen könnten. Oder vielleicht für die Stärkung Europas? Gott behüte, die EU könnte tatsächlich zu einem ernst zu nehmenden globalen Polit-Player werden…?

Verdammte Axt! NEIN! Keinen Scheiß-Cent für irgendwelche deutschen Militär-Aktivitäten in Syrien, oder sonstwo noch in der Region. Mir klingen heute noch die Ohren, wenn ich an den apoplektischen SPD-Kriegsminister Struck denke: “Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt.”. Was für ein entsetzlicher Käse! Ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass wir schon in einer Welt leben, die kein Militär braucht. Aber dieses Militär, so es denn zur Landesverteidigung aufgestellt ist, hat in den, durch die Politik der USA aufgeworfenen Krisenherden dieser Welt nichts verloren! Wenn amerikanische Politiker und Militärs meinen, geopolitisches Kampf-Schach um Ressourcen und Macht führen zu müssen (z.B. hier, hier und hier) , dann sollen sie die Suppe gerne selber auslöffeln.

Was war sonst noch…? Ach ja, die Rackete…! Zweifellos ist es hoch unethisch, aus innenpolitischem Kalkül Flüchtlinge im Mare Nostrum ersaufen zu lassen. Ebenso zweifellos hat Frau Rackete gegen bestehendes Recht verstoßen. Und jetzt? Die junge Frau zur Märtyrerin zu stilisieren, halte ich für vollkommen überzogen. Insbesondere, weil sie potentielle physische Schäden anderer in Kauf genommen hat, um ihre Agenda durchzudrücken (im wahrsten Wortsinn). Doch die ganze Diskussion um diesen einen Vorfall ist Bullshit, weil sie vom eigentlichen Problemkomplex (Fluchtursachen -> Flüchtlinge -> humanitäre Fragen -> Innen- und Außenpolitik in Europa) ablenkt und durch Polarisierung komplexer Sachverhalte mal wieder nur den radikalen Rechten in die Händen spielt. Bravo Herr Steinmeier, Bravo Herr Maaß, ihr habt’s mal wieder verkackt. Ach und der Seehofer, der wie ein Dackel hintendrein trabt, sowieso.

Auch an diesem Konflikt offenbart sich nur eines: Partikularinteressen sind die einzig wahre Währung unserer Zeit. Wer diese bei den Richtigen (denen mit Macht, Reichtum oder Massen mit genug undifferenzierter Wut im Bauch) zu bedienen weiß, bleibt an der politischen Macht, oder erlangt diese. Wann genau wurde der Konflikt dem Kompromiss überlegen? Ich werde darüber nachdenken. Bis dahin Tschüss…

Auch zum Hören…

Randnotizen eines Erschöpften #12 – Sprache vs. Terror…?

Nun ist es also amtlich. Ein von rechter politischer Gesinnung motivierter Mord an einem Politiker. Hatten wir schon eine Weile nicht mehr. Ich meine, rechte Gewalt, rechter Terror sind nie weg gewesen, aber sie waren im Bewusstsein der Gesellschaft immer schön am Rand, oder sogar ein Stück dahinter vergraben. Wenn linke Terrorakte begingen, hatte es stets etwas von einem Staatsakt, wie darüber berichtet wurde, aber Rechte, die Terror machten? DAS durfte es in einer angeblich entnazifizierten Republik nicht geben!

Nun gab es das aber immer; und auch wenn der Whataboutism der Medien und vieler Politiker immer einen Riesen-Bohei um die Zahl der Opfer des linken Terrorismus zelebrierte, um schön vom braunen Sumpf abzulenken, der allenthalben in der jungen Republik gärte, gibt es das jetzt auch offiziell. Es wurde lange genug relativiert, herum laviert und unsere Demokratie unterminiert, aber es muss laut gesagt werden: unsere Gesellschaft hat ein Nazi-Problem! Und zwar ein gewaltiges! Denn wenn Menschen bejubeln, dass ein CDU-Politiker getötet wurde, weil er so frei war, darauf hinzuweisen, dass Flüchtlinge aufzunehmen zu unserer politischen Kultur als Demokratie und zu unserem, ach so heiligen, christlich-westlichen Wertekanon gehört, dann muss ich mich nicht wundern, dass mit der Sprache allenthalben auch der Umgang insgesamt verroht.

Georg Seeßlen dekliniert in seinem heutigen Essay auf Zeit Online die Funktionsweise des politischen Mordes an sich. Und sein Hinweis, dass wir zwischen der Person und der Funktion, welche sie trägt sowohl juristisch als auch ethisch unterscheiden müssen, beweist tiefes Verständnis für Semiotik. In der Psyche eines Täters werden die Person und die Zeichen, bzw. Symbole, die sie aussendet eins. Walter Lübcke war wohl ein aufrechter Demokrat, aber was die Rechten wahrnahmen, war Folgendes: “DER LÄSST ASYLANTEN REIN! UND SAGT AUCH NOCH, WIR SOLLEN DIE FRESSE HALTEN ODER VERSCHWINDEN! DER IST KEIN AUFRECHTER DEUTSCHER!” Das Walter Lübcke selbst ein konservativ-christlicher Politiker war, der einfach nur die Zeichen der Zeit erkannt hatte und pragmatisch handeln musste, ist ihnen dabei entgangen.

Wir neigen sehr oft dazu, Menschen auf ein einzelnes, von uns wahrgenommenes, Symbol zu reduzieren. Meist sind dabei optische Reize dominant und heraus kommt dabei zum Beispiel folgende Stereotypisierung: “dicke Menschen sind faul, dumm und unbeweglich!”. Wie dumm, oder faul, oder unbeweglich dicke im vergleich mit schlanken Menschen sind, oder ob die Gewichtszunahme bestimme Gründe hat, wird dabei übersehen. Viele vergessen sogar, dass es diese Frage geben könnte! Das gilt aber natürlich auch für Reize, welche auditiv (durch Hören) wahrgenommen werden.

Es ist kein weiter Weg von der Verächtlichmachung zur Stigmatisierung und dann weiter zur aktiven Diskriminierung. Ob ich mir dabei nun Dicke zum Ziel nehme, oder Grüne, oder Linke, oder Ausländer, oder gleich alle zusammen, ist dabei einerlei. Die Mechanik des Prozesses der Ausgrenzung und Stigmatisierung bleibt stets die gleiche. Und es beginnt IMMER MIT DER SPRACHE! Über die Zuweisung bestimmter Attribute, die als sprachliche Zeichen weitergegeben und so verbreitet werden. Erscheint der postulierte Zusammenhang irgendwie auch nur ein bisschen plausibel, stärkt er dabei vielleicht auch noch das Selbstwertgefühl der Diskriminierenden und wird er nur oft genug wiederholt, wird Propaganda zum Selbstläufer: “Flüchtlinge sind schlecht, denn sie nehmen uns die Arbeitsplätze und die staatlichen Zuwendungen weg!”. Das die gleichen Leute sich im nächsten Satz mit: “Flüchtlinge sind faul und liegen uns nur auf der Tasche!” selbst widersprechen, wird dann nonchalant mit einem: “Ja was interessiert mich denn mein Geschwätz vorn vorhin!” weggebügelt.

Und genau das passiert seit mittlerweile fast vier Jahren. Indem die Neo-Faschisten jeden gesellschaftlichen Diskurs kapern und mit ihren Hass-Thesen durchsetzen, erreichen sie einen Verbreitungsgrad, der vollkommen ausreicht, um den Teil der Bevölkerung, der für ihre Denke offen ist, zu radikalisieren. “Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!” wird da gerne mit einem süffisanten Hinweis auf die Meinungs- und Redefreiheit gesagt. Dass diese Menschoiden, die sich so gerne auf Art. 5, Abs. 1 unserer Grundgesetzes berufen, diesen gerne für alle anderen einschränken würden, wird offenbar, wenn man nur offenen Auges durch unsere Medienlandschaft stromert. Und das dieses rechte Dauerfeuer mittlerweile auch Politiker anderer Parteien zu unglückseligen Ideen inspiriert, beweißt Frau Kramp(f)-Karrenbauer einmal mehr sehr deutlich.

Die Rechten lachen sich unterdessen kaputt und würden nun gerne auf die Zielgerade einbiegen. Und ihre Gefolgschaft? Ist in einer Filterblase gefangen, aus der man sie so leicht nicht mehr herausbekommt. Weil die sogenannten “Altparteien” seit Jahren im diskursiven Dornröschenschlaf verweilen, anstatt die Deutungshoheit über die gesellschaftlich relevanten Themen mit sachlicher aber dennoch deutlicher Rhetorik zurück zu erobern. Denn eines weiß ich sicher, zu den Thesen Rechten: “NEIN, DAS DARF MAN NICHT EINFACH MAL SAGEN!” In diesem Sinne noch eine heiße Woche…

Auch zum Hören…

Der verwirrte Spielleiter #10 – Tempo, Tempo!

“Das ging jetzt viel zu schnell?”. “Was ist da noch mal passiert?”. “Wo sind die jetzt abgeblieben?”. Fragen, die man sich manchmal bei der Betrachtung eines Filmes oder einer Serienepisode stellt. Vieles passiert schnell hintereinander, oder die Szenen sind so geschnitten, dass es gefühlt quasi sogar gleichzeitig passiert. Da kommt Stimmung auf. Präzise ist es allerdings nicht irgendeine Stimmung, sondern Spannung, die gerade entsteht. Und das wollen wir doch eigentlich als SL erreichen, oder?

Zumindest teilweise ist das wahr. Damit die Spieler wirklich die Gesichte kaufen, oder besser, in die Geschichte einsteigen; damit sie bereit sind, sich auf den Scheiß, den ich mir ausgedacht habe einzulassen, ist es zwingend notwendig, dass Dinge passieren, die Interesse erregen. Ein Story-Hook – also eine Person, ein Gegenstand, ein Ereignis, weckt zunächst die Neugierde der Spieler und damit ihrer Charaktere – ist das eine. Haben sie die Fährte aufgenommen, muss aber im weiteren Verlauf einerseits das jeweilige Tempo der Szene stimmen; aber auch der Rhythmus, in dem die Szenen aufeinander folgen.

Wie oft hört man bei Beschreibungen oder Kritiken zu Büchern, Filmen, Spielen, dass die erste Hälfte langatmig war, die Sache dann aber Tempo aufgenommen hat? Es scheint eine Binse des Kreativ-Arbeiters zu sein, dass man dem Konsumenten erst mal einen Eindruck geben muss, die Chance, sich in einem Setting mental einzurichten. Ein solcher Eindruck kann langsam unter Einbezug ruhigerer Stimmung aufgebaut werden. Es ist aber genauso möglich, mit einem Knall zu starten.

Beide Herangehensweisen sind legitim; die Auswahl hängt von der Prämisse des Spiels ab. Bei der Erstberührung mit einer phantastischen Welt (egal ob Sci-Fi, klassische Fantasy, Gothic Horror, etc.) macht es Sinn, den Spielern die Zeit zu geben, sich ein Bild von dieser Welt zu machen, ein Gefühl für ihre Ordnung und Funktion zu bekommen. Kennen die Spieler (und ihre Charaktere) das alles jedoch schon, darf man auch gern knackiger einsteigen. Oder, wenn die Welt als solche bekannt ist und lediglich Teile der Kosmologie geändert wurden (Urban Fantasy).

Hat das Spiel begonnen, sind es zu einem nicht unerheblichen Teil die Spieler, die den Szenen-Rhythmus durch ihre Entscheidungen bestimmen. Ich als SL präsentiere in aller Regel ja Optionen und irgendwann kommt auch die schlimmste Qual der Wahl zu einem Ende und die Spieler gehen entweder durch Tür A, B oder C – oder schießen sich ungefähr bei K durch eine Wand. Aber das ist dann deren Entscheidung, nicht meine. Ich als SL beeinflusse den Szenen-Rhythmus nur, indem ich bestimmte Optionen aufzeige. Welche schließlich zum Tragen kommt, kann ich aber nicht vorher wissen. Wichtig für mich ist nur, dass ich für jede eventuelle Szene eine Idee bezüglich der nun folgenden Ereignisse habe.

Was das Tempo der Szene selbst angeht, bin jedoch ich als SL am Drücker. Betrachtet man den szenischen Aufbau von Büchern und Filmen, so fällt auf, dass im Buch so gut wie alle Dinge notwendigerweise – mal mehr, mal weniger ausführlich – beschrieben werden müssen, die ich im Film mal eben schnell zeigen kann. Im Buch nehme ich mir dafür tendenziell mehr Zeit für die Entwicklung meiner Charaktere, für die Exposition der Konflikte, etc. und kann, mit etwas Geschick, deutlich einfacher in die Tiefe gehen, als beim Medium Film. Die kurzen Aufmerksamkeit-Spannen sehr vieler Menschen verlangen heute ein hohes visuelles Erzähl-Tempo; allerdings erlaubt der Stand der Technik auch eine deutlich höhere Story-Dichte, als beim Buch.

Pen&Paper liegt irgendwo dazwischen. Ich bin nicht auf eine Abfolge festgelegt, wie Buch und Film sie haben. Ich habe zwar auch ein Story-Board, doch das ist modular angelegt. Und ich kann die Geschwindigkeit einer Szene on the fly ändern, wenn ich merke, dass die Spieler gerade nicht mitgehen, oder aber nicht mitkommen. Und genau hier liegt die Kunst, die sich nur durch Erfahrung erlernen lässt: zu spüren, wann die Spieler mehr Rumms brauchen und wann man vom Gas gehen muss. Dazu muss ich stets präzise wissen, was die Charaktere (ab)können und was sie motiviert. So wie die Skalierung der Antagonisten zu den Charakteren passen muss, so muss das Tempo zur Geschichte passen, die gerade läuft.

Eine wichtige Stellschraube ist dabei die In-Game-Zeit. Ich kann als SL mit einem Fingerschnippen mehrere Wochen vergehen lassen. Manchmal braucht man aber für das Ausspielen von einer Minute In-Game-Zeit eine Stunde. Zum Beispiel beim Kämpfen. Merke ich als SL, dass meine Spieler von der Non-Stop-Action eine Pause brauchen, oder das eine Aktion, die ich selbst gar nicht auf dem Schirm hatte, ihnen jetzt wichtig ist, dann gehe ich mit und lasse die Spieler den Fluss ihrer Geschichte bestimmen. Was die NSC in der Zeit tun, ist ja deren Sache. Jeder hat SEINE Agenda.

Pacing ist also aus meiner Sicht die Kunst, die (wichtigsten) Wünsche der Spieler und die Notwendigkeiten der jeweils erzählten Geschichte, durch geschicktes Spielen mit der Zeit, miteinander zu versöhnen und dabei weder zu viel Leerlauf noch zu hohe Story-Dichte zu erzeugen. Wie bereits gesagt, Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen – außer durch mehr Erfahrung. Trotzdem muss man keine Angst davor haben. Aus meiner Sicht hilft es, bei einem verfilmten Buch, das man selbst mag, beide Medien hinsichtlich des Umganges mit Rhythmus und Tempo zu analysieren. Irgendwo in der Mitte läge dann die Herangehensweise des SL. Das ist keine Wissenschaft, macht aber Spaß, denn sich mit anderen Medien auseinanderzusetzen, ist für die eigene Kreativität nie von Nachteil. In diesem Sinne, ein schönes Wochenende und always game on.

Auch zum Hören…

Stress vs. Angst…?

Es ist seit Ulrich Beck’s Diktum von der Risikogesellschaft ein Allgemeinplatz, dass die steigende Komplexität unseres sozialen Umfeldes die Menschen ängstigt. Weniger – und vor allem auch weniger prägnante – Landmarken, höhere Anforderungen, eine schnellere Taktung; all das fordert unsere Sinne tagtäglich heraus, lässt unser ARAS (Aufsteigendes reticuläres Aktivierungs-System) heißlaufen und gibt unserem Hirn bisweilen mehr Futter, als es zu verarbeiten in der Lage ist. Erst, wenn wir eine Situation oder einen Sachverhalt als bedrohlich empfinden und außerdem feststellen, dass wir zu wenig, oder gar keine Ressourcen zur Verfügung haben, damit umzugehen, wird aus der Anforderung Stress.

Doch es gibt natürlich auch eine Feedbackschleife (in diesem Modellbild blau). Diese erlaubt es uns, aus bisher erlebtem Stress zu lernen und resilienter gegenüber später auftretenden Situationen zu werden. Das ist der Grund, warum High-Risk-Teams unter (weitestgehend) realen Einsatzbedingungen trainieren. Denn auch unsere individuelle mentale Resilienz ist – zumindest teilweise – wie ein Muskel, den man aufbauen kann. Doch man kann sich nicht auf alle Situationen vorbereiten. Es gibt viele soziale und politische Rahmenbedingungen, auf die wir keinen Einfluss haben und an denen wir primär nichts ändern können. Den daraus entstehenden Stress zu ertragen lernen funktioniert zwar auch durch Exposition; jedoch nur begrenzt.

Angst hingegen ist eine Grundemotion, die üblicherweise mit einer physischen (sympatho-adrenergen) Reaktion einhergeht und zumeist einen klar benennbaren Auslöser hat. Neuere Forschungen zeigen, dass es wohl einen physiologischen Zusammenhang zwischen Stress und Angst gibt; allerdings ist dieser noch nicht vollständig entschlüsselt. Wohl aber darf man davon ausgehen, dass ständiger Stress mit pathologischer Angst einher geht. Sehr individuell ist jedoch die Frage, was als Stressor auf uns wirkt. Es gibt verschiedene Theorien, die auch Einstellungen und andere sozialpsychologische Dispositionen in die Genese von Stressoren einbeziehen. Letztlich geklärt ist diese Frage nicht.

Wie komme ich überhaupt darauf? Nun, ich las dieser Tage mal wieder Zeitung und stolperte über einen Artikel, der die Geschichte rechtsextremistischen Terrors in der BRD seit Ende des zweiten Weltkrieges beleuchtet. Für sich betrachtet interessant, aber jetzt nichts ultimativ Neues. Interessant fand ich jedoch die Diskussion, die sich um die Eigenart rechten Terrors dreht, dass es eigentlich fast immer Lone-Wolf-Täter waren, die sich zudem so gut wie nie öffentlich zu ihren Taten bekannt haben, wie man das z.B. von der RAF oder der Action Directe kannte. Und das man gegen den allein operierenden Terroristen eigentlich nichts tun könne. Was leider eine korrekte Annahme darstellt.

In der Darreichungsform ist islamistischer Terror also von rechtsextremistischem Terror nicht zu unterscheiden. Beide Tätertypen radikalisieren sich zumeist alleine, heutzutage im Online-Umfeld und betätigen sich aus intrinsischer Motivation heraus als Verbreiter von Gewalt. Interessant daran ist, dass beide Gruppen jeweils eine tatsächliche Wahrnehmung der Realität des anderen vollkommen ausblenden und nur das Gegner-Klischee verinnerlichen. Die menschliche Grundfähigkeit Empathie wird – im Hinblick auf den vermeintlichen Feind – quasi abtrainiert. Der Stress beim Anblick dieses – für wahr genommenen – Zerrbildes nimmt zu, kann nicht mehr verarbeitet werden und kulminiert in dem Bedürfnis, zu zerstören, was einen ängstigt.

Es gibt für den Begriff “Terrorismus” keine eindeutige Definition; die allermeisten von uns verstehen darunter aber üblicherweise hinterhältige, unvorhersehbare Gewaltakte gegen ein Gemeinwesen, mit dem Ziel, die Menschen darin in Angst und Schrecken zu versetzen, um so bestimmte politische Ziele durchsetzen zu können. Und die Frage, die mich seit dem Lesen umtreibt ist folgende: Haben wir uns mittlerweile so sehr an Terror gewöhnt, dass uns das hasserfüllte, rassistische, durch und durch verachtende Treiben und Skandieren des rechten Mobs einfach nicht mehr kratzt? Hat uns die Erfahrung tatsächlich so sehr gegen die Angst vor einer Wiederholung der Geschichte imprägniert, dass wir das alles nurmehr als riesige Reality-Soap begreifen?

Denn der Stress im Umgang mit den anderen, die Ängste, die daraus entstehen, sind ja durchaus ernst zu nehmen. Denn Angst als solches manifestiert sich für diejenigen, die unter dauerndem Stress stehen als vollkommen real. Ich unterstelle jetzt nicht jedem Rechten oder Nationalkonservativen eine Psychopathologie im Sinne einer Angst-Störung. Jedoch scheint mir der Mechanismus ähnlich. Und ich frage mich, wie wir als Gesellschaft diesen Kreislauf durchbrechen können, um wieder zu einem normalen Miteinander zu kommen. Denn wenn die Verrohung des Umgangs weiter zunimmt, kommen wir irgendwann an einen sehr finsteren Ort. Einen Ort, an dem ich nicht leben will. Denken wir doch mal gemeinsam drüber nach…

Auch zum Hören…

Zeig mir deine Hütte!

Was soll man sagen? Berlin deckelt die Mietpreise für die nächsten fünf Jahre. Und jene Vermieter, die auf hohe Renditen durch ihr Geschäft spekulieren, werden sich sicher irgendwelche Möglichkeiten ausdenken, wie sie trotzdem absahnen können. Man kann von solchen Rendite-orientierten Unternehmen natürlich halten was man will; für ihre Shareholder MÜSSEN die allerdings Profit erzeugen. Und immer wieder finde ich es ulkig, wie dämlich einfache Leute sind, die durch Aktienerwerb genau diese Spirale des fiskalischen Unheils selbst mit befeuern und sich damit selbst die Preise treiben. Aber dazu irgendwann anders mehr. Wie viele Wohnungen sind es denn nun, die von den “Heuschrecken” bewirtschaftet werden?

Wenn man den ausgewerteten Mikrozensusdaten Glauben schenken darf, sind ca. 59% der Vermieter kleine Hausbesitzer, ca. 24% Genossenschaften und kommunale Träger und nur ca. 17% die dauernd verteufelten Fondsgesellschaften wie “Vonovia” oder “Deutsche Wohnen”. Mein Vermieter ist aber einer von diesen 59%, nämlich mein Schwiegervater. Er macht sich stets Sorgen um den Wert-Erhalt des Hauses, dass sich im urbanen Umfeld eines gewachsenen Stadtteils befindet, der sich allerdings in den letzten Jahren stark verändert hat. Stetige Bautätigkeit für so genannte Premium-Immobilien (hoher Freizeitwert, weil viel Grün und Fluss in Laufweite und trotzdem verkehrsgünstig, weil direkt am Hauptbahnhof und nur einen Katzensprung von der Autobahn entfernt), treibt auch in meiner Hood die Preise.

Und selbstredend werden auch hierorts bei Neuvermietungen die Preise angepasst. Allein schon deshalb, weil auch die Unterhaltungskosten eines gut 100 Jahre alten Sandsteingebäudes nicht eben kleiner werden. Altbau hat Charme, aber eben auch technische Macken, denen man immerzu hinterher renovieren muss. Und auch, wenn es genug kleine Besitzer-Vermieter gibt, die theoretisch näher an ihren Mietern dran sind, als gesichtslose Konzerne, sind diese – abseits aller Notwendigkeiten – nicht vor Gier gefeit. Man darf halt, wie bei jeder großen Mischkalkulation nicht alle über einen Kamm scheren. Fest steht aber, dass Eigentum verpflichtet – im Großen, wie im Kleinen. Würden sich alle daran halten, hätten wir keine Probleme.

Weil das aber gegenwärtig lediglich ein schöner Traum bleibt, ist die Diskussion über Wohnraum und seine Bewirtschaftung überfällig. Denn, wie Zacharias Zacharakis von der “Zeit” in Anlehnung an Watzlawick so schön titelt: “Man kann nicht nicht wohnen.” Eine Behausung ist nun mal für jeden von uns eine Notwendigkeit. Menschliche Grundbedürfnisse der Spekulation anheim fallen zu lassen, ist eine Gefahr für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt. Und auch, wenn mancher Online-Kommentator schon wieder geistesumnebelt von Staats-Sozialismus faselt; der Markt regelt eben nicht alles zum Guten. Bestenfalls stellt er für Jeden das Benötigte zur Verfügung und lässt ihm dann noch genug zum Subsistieren. Schlechtestenfalls (und das ist der gegenwärtige Zustand) macht er die Armen ärmer und die Reichen reicher. Dieses Maß an asozialem Verhalten MUSS reguliert werden!

Ob man dazu auf Innovationsanreize für mehr Wohnungsbau, Mechanismen zur Bremsung der Preisentwicklung, oder auf Enteignungen und Kommunalisierung setzt, ist eine Frage, die diskutiert werden darf und muss. Ob und wann etwas getan werden muss, ist nicht mehr die Frage – es muss jetzt etwas geschehen! Am besten gestern! Und man muss dabei im Auge behalten, dass das Gros der privaten, genossenschaftlichen und kommunalen Träger, welches auch ohne große gesetzliche Intervention bislang skrupulös gehandelt hat, nicht bestraft, sondern gestärkt wird. Es wäre auch eine Investition in den Erhalt der Mittelschicht, von deren Existenzkrise man immer wieder hört.

Wohnen ist aus meiner Sicht ein Menschenrecht und ebenso eine Frage der Würde, welche unser Grundgesetz ja für besonders schützenswürdig hält (siehe Artikel 1). Vor diesem Hintergrund dürfen bloße Gewinn-Interessen Einzelner Marktteilnehmer eigentlich kein Primat genießen. Aber wir leben ja im Kapitalismus – da ist alles möglich, was Menschen entwürdigt. Hauptsache am Ende ist ein Fetter noch fetter! Warten wir also ab, ob die Maßnahme greift. Aber nicht zu lange. Denn wenn Konzerne und Fonds anfangen, darüber zu bestimmen, wann Menschenrechte gelten (nämlich, wenn diese den Gewinnen nicht im Wege stehen), wird es Zeit aufzustehen. Ziviler Ungehorsam wäre doch mal ein Anfang, wenn Jürgen Habermas dieser Tage schon 90 wird. In diesem Sinne eine schöne Woche.

Auch zum Hören…