A scream in the dark N°1 – Aufgeklärt…?

Ich bin ärgerlich. Ich habe anderthalb Tage darauf verwendet, jungen Menschen nahe bringen zu wollen, warum Ethik im Gesundheitswesen, aber auch im Leben eine Rolle spielt. Warum ein ethisch denkender und handelnder Mensch niemals Rassist, Chauvinist, Neo-Nazi sein kann. Warum Moral und Ethik nicht das Gleiche sind; niemals das Gleiche sein können, weil Ethik sich wissenschaftlichen Denkens bedient, während das andere viel zu oft stumpf Dogmen repliziert. Analog zu meinem absoluten Hasssatz “Das haben wir schon immer so gemacht…”. Warum ein humanistisches Menschenbild und die Ausgrenzung bestimmter Gruppen einander ohne jeden Zweifel vollkommen und absolut ausschließen. Mit anderen Worten: ich habe versucht Aufklärung zu betreiben. Dass ich dabei auch den kategorischen Imperativ aus der Kant’schen Moralphilosophie benutzt habe, ist natürlich kein Zufall. “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.” Vor 242 Jahren postulierte Immanuel Kant diese Worte. Und ja, man sollte den Mann in seinen zeitlichen Kontext einordnen. Er war ein chauvinistischer, mysogyner Stinkstiefel, der aus seinem Denk-Kabuff in Königsberg so gut wie nie herauskam. Dennoch haben seine Worte auch heute noch Bedeutung. Eigentlich heute sogar noch viel mehr als damals. Kant hat niemals verstanden, dass seine – oft zu verkopft formulierten – Ideen für wirklich JEDEN MENSCHEN Gültigkeit haben könnten; und dass man sich an diesen Ideen 164 Jahre später orientieren würde, um das Grundgesetz so zu formulieren, wie es formuliert wurde, hätte ihn eventuell überrascht. Ist aber so passiert. Doch… ist unser Grundgesetz heute noch aktuell? Oder anders formuliert: was genau führt dazu, dass immer mehr (vor allem junge) Menschen zu vergessen scheinen, dass unsere Demokratie kein gegebener Zustand ist, der ohne Zutun der Menschen, welche in ihr leben einfach fortbesteht? Unsere Demokratie als Idee ist ein Wert an sich, weil sie ALLEN Menschen das unhintergehbare Recht zuspricht, sich als eigenständiges Subjekt frei entfalten zu können. Das meinen Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3 des Grundgesetzes im Kern.

Das eigentlich Ärgerliche für mich ist nicht, dass Schüler*innen beim Thema Ethik komplett abschalten, weil sie sich viel lieber mit den Action-Aspekten des Berufes Notfallsanitäter*in befassen wollen. Wer nicht verstehen will, dass unser Job eine soziale Komponente hat, welche die Action-Komponente bei weitem überwiegt – und auch noch strukturiert – dem kann ich halt nicht helfen. Das sind dann diejenigen, die am Examen scheitern, oder so nach 6 Monaten bis einem Jahr die Ausbildung schmeißen, weil ihnen zu dämmern beginnt, dass man sich doch tatsächlich auf die Menschen einlassen muss, für die, an denen, mit denen zu arbeiten man aufgerufen ist. Mich kotzt es an, dass so wenige Menschen sich tatsächlich dafür interessieren, weil ihnen nicht bewusst ist, wie leicht sich unsere demokratischen Instuitutionen und Prozesse aushebeln lassen, wenn man sich die Ratten auf dem Wege eines demokratischen Prozesses ins Haus holt. Aufklärung bedeutet, dass jede*r von uns aufgerufen ist, sich eine INFORMIERTE MEINUNG zu bilden, die auf beweisbaren Fakten und wissenschaftlich fundierter Theorie beruht, anstatt auf dumpfer Meinungsmache und Emotionen. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ich im Laden ein Buch nach Covergestaltung auswähle, oder am Wahltag denen hinterher renne, die am lautesten (allzu oft fiktive) “Schuldige” für die Umstände benennen und im gleichen Atemzug versprechen, genau diese “Schuldigen” für all unsere Probleme zu bestrafen. Gleichgültig, wer diese Probleme wirklich verursacht hat. Denn ein gutes Feindbild gibt dem Tag Struktur!

Ich ärgere mich tierisch darüber, dass Jammern auf hohem Niveau mittlerweile zu einer Kunstform geworden ist, welche der deutsche Michel in seiner schlafmützig-reaktionären Besitzstandswahrermentalität bis zur höchsten Finesse trainiert hat. Wir leben nach wie vor in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, auf einem Niveau, für dass uns mindestens 160 von 193 Staaten auf der Erde beneiden; manche von denen sehr bitter. Und hier ziehen Menschen auf die Straße, die keine Ahnung haben, wie sich ein hoher Migrationsanteil in der eigenen Stadt anfühlt, um rassistische Parolen zu skandieren, weil ihnen Migranten angeblich die Lebensqualität bedrohen. Ich zitiere mal aus dem Internet: “Natürlich nehmen dir die Ausländer den Job weg. Aber wenn jemand ohne Sprachkenntnisse, Geld und Kontakte dir den Job wegnimmt, bist du vielleicht einfach nur scheiße.” Das ist natürlich ein bisschen platt. Aber irgendwie… kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es stimmt. “Selbstverschuldete Unmündigkeit” meinte zu Kants Zeiten, den Rattenfängern der organisierten Religion hinterherzulaufen, welche 1784 seit weit über 1000 Jahren das Monopol darüber hatten, bestimmen zu dürfen, was man als Mensch zu denken und zu tun hatte. Kant war bewusst, dass wir als Menschen in der Lage wären mehr zu erreichen, wenn wir uns von diesen Fesseln der Fremdbestimmung freimachen könnten. Heute ist es keine kirchliche Fessel der Fremdbestimmung mehr, da der Einfluss der Kirchen erheblich abgenommen hat; diese Fesselfunktion übernimmt heute das simple, dumpfe, egoismus-getriebene Sentiment der Angst vor sozialer Not und des Hasses auf das Fremde, welches sich ganz hervorragend über Antisocial-Media verbreiten und anheizen lässt. Facebook war die erste globale Antidemokratie-Maschine und Mark Zuckerberg ärgert sich vor allem darüber, dass er nicht mehr das Beeinflussungsmonopol hat. Denn Demokratie ist in den Augen der Tech-Bros schlecht fürs Geschäft. Auch wenn Kants Formulierung schon fast zweieinhalb Jahrhunderte auf dem Buckel hat, ist sie daher aktueller denn je – könnte Aufklärung doch HEUTE bedeuten, sich wieder vom schlechten Einfluss der Antisocial-Media-Meinungsindustrie freizumachen, indem man die Dinge hinterfragt, als sich vom Algorithmus mit Scheiße vollpumpen zu lassen. Oder sich durch’s Zocken vom Unterricht abzulenken, weil einen das Thema langweilt. Ein Thema, dass SO UNGEHEUER WICHTIG IST!

Mein Ärger bezieht sich damit nicht auf jene, die hinterher rings um meinen Lehrertisch standen und saßen und mit mir über die Dinge diskutiert haben. Um deren Verständnis mache ich mir eher geringe Sorgen. Aber diejenigen, die sich – bewusst – dafür entschieden haben, sich passiv dem Nachdenken-Müssen zu entziehen, welche die Selbstreflexion (aus ihrer Sicht geschickt) umgangen haben, die anzustoßen der eigentliche Zweck meiner Arbeit im Lehrsaal war… die ärgern mich. Denn es geht gerade bei diesen Themen nicht nur um den Job, sondern auch um Staatsbürgerkunde. Um Demokratie-Erziehung. Darum, diesen jungen Menschen die Wichtigkeit des Selbst-Denkens, des aktiven Hinterfragens politischer Antisocial-Media-Inhalte nahezubringen. Oder besser: ihnen dabei zu helfen, aufgeklärtere Menschen und Mitbürger*innen zu werden. Denn das ist der beste Beitrag gegen die Neo-Nazifizierung unseres Staates, den ich im Moment leisten kann. Was mich dabei zusätzlich irritiert ist, dass viele dieser jungen Menschen, gleich wo sie ihr Kreuz auf dem Wahlzettel machen und gleich welcher Herkunft sie sind, sich im Gespräch anhören, als wenn sie im Kiez Offenbach-Nordend aufgewachsen wären, mit Ćelo & Abdï und Hafti zum Frühstück. Ich habe nichts gegen Jugendsprache – in der Tat finden meine Töchter es erheblich cringe, wenn ich selbst welche benutze – aber können wir mal über die Nicht-Vereinbarkeit von Rassismus und kultureller Aneignung sprechen? Ach ja… die wilde, ungezügelte, hochemotionale Ambivalenz der Jugend. Wie dem auch sei – ich werde es wieder versuchen. Vielleicht nächstes Mal wieder mit einem neuen Ansatz. Ansonsten werde ich mir unter dem Label “A scream in the dark” weiter semi-philosophische Gedanken über unsere Zeit und ihre Herausforderungen machen. Schönen Vatertag übrigens…

500 Gramm gemischte Depression treffen auf 500 Gramm gemischten Hass – lesen auf eigene Gefahr…

Okay in letzter Zeit war es hier zu ruhig. Mein Monat April war jedoch härter, als ich es erwartet hätte. Sich schnell abwechselnde Aufgaben und viel Unterricht, den ich zu geben hatte, teilweise noch dazu mit wenig Vorbereitungszeit, haben mich mehr erschöpft, als ich anfangs zugeben wollte. Zudem galt es eine Menge neuer Leute kennenzulernen. Ich habe nämlich eine neue Klasse begrüßt. Das hat meine sozialen Batterien noch um einiges mehr belastet. Es gab zwar den einen oder anderen Moment, indem ich ein bisschen abschalten konnte, aber ganz ehrlich… gerade jetzt fühle ich mich extrem erschöpft! Vielleicht liegt es daran, dass die Rekonvaleszenzzeiten einfach zu kurz waren. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch lange nicht von meinem aktuellen depressiven Zustand genesen bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich über manche Kollegen ärgern musste, beziehungsweise nicht die Unterstützung bekommen habe, die ich mir gewünscht hätte. Schwamm drüber. Für jeden von uns hält das Leben dann und wann Überraschungen bereit und niemand von uns ist davor gefeit, von seinen eigenen Verpflichtungen überrollt zu werden! Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wann ich in den letzten Jahren jemals ein so großes Schlafbedürfnis gehabt hätte. Das ist für mich ein sehr sicherer Hinweis darauf, dass ich noch lange nicht über den Berg bin. Um nochmal ehrlich zu sein: momentan ist so ziemlich das Einzige, was mich noch am Laufen hält die Aussicht auf den Urlaub, der in ein paar Wochen beginnt. Und genau da sitze ich einem Trugschluss auf. Nämlich dem Trugschluss, dass nach dem Urlaub plötzlich alles wieder gut wäre. Glaube ich denn wirklich, dass zwei Wochen in Italien das wieder herrichten könnten, was die letzten sechs Monate in mir angerichtet haben? Je länger ich darüber nachdenke, umso unwahrscheinlicher erscheint mir dies. Und doch halte ich an dieser Hoffnung fest. Denn alles andere würde ja bedeuten, dass ich mir eingestehen müsste, dass ich eigentlich zu krank zum Arbeiten bin.

Nicht zum ersten Mal hat man mir neulich bedeutet, dass man mir wirklich nicht ansehen könne, wie schlecht es mir ginge. Ich kann den Leuten das nicht mal vorwerfen. Man sieht psychische Erkrankungen halt nicht von außen. Aber gerade jetzt, gerade heute, wo ich aus dem Fenster sehe und draußen die Sonne langsam den Abend einläutet, da wird mir bewusst, wie wenig Motivation mir verblieben ist! Im Grunde genommen gar keine! Damit ist das Zweite, was mich auch noch am Laufen hält, ist mein gottverdammtes Pflichtgefühl. Und das ist ein verdammt schlechter Grund, einfach weiterzumachen. Denn seien wir doch mal ehrlich… warum sollte ich überhaupt ein Pflichtgefühl empfinden, wenn doch verschiedene Vertreter meines Arbeitgebers kein Pflichtgefühl mir gegenüber zu empfinden scheinen? Ich meine, die kümmert es doch überhaupt nicht, wie es mir geht. Und am Ende des Tages ist das ein vollkommen normales Arbeitgeberverhalten. Es muss uns allen einfach bewusstwerden, dass Arbeitgeber sich selbst am nächsten sind und unsere einzige Chance als Arbeitnehmer, diesen Wahnsinn, den wir heute Arbeitswelt nennen überleben zu können darin besteht, uns ebenfalls selbst die Nächsten zu sein! Alles andere hat überhaupt keinen Zweck! Ach verflixt, ich stoße mal wieder in dasselbe alte Horn! Dieses „Mein-Arbeitgeber-ist-Schuld-an-meinem-Leid“-Horn. Und wisst Ihr, womit ich in dieses Horn stoße? Mit Recht, verdammt nochmal. Ich zitiere mal die Toten Hosen: „In einer Welt, in der man nur noch lebt, damit man täglich roboten geht…“ So fühlt es sich jedenfalls für mich momentan an.

Ich könnte jetzt natürlich auch sagen: „Na ja, eigentlich ist ja alles gar nicht so schlimm. Ich probier‘s mal mit Reframing und versuche wieder gut drauf zu kommen. Und das ist ja alles nur ‘ne kleine Gemütsverstimmung. Und am Ende des Tages wird das schon wieder. Ich hab ja Therapie und irgendwie komm ich schon klar.“ Oder ich sehe einfach der Realität ins Auge und stelle einmal mehr fest, dass Arbeitsverdichtung, Mehrarbeit, unklare Aufgaben und Zuständigkeiten, eine vollkommen überzogene Erwartungshaltung, äußerst knappe Ressourcen und Intrigenspiele über mehrere Jahre hinweg meine Motivation GETÖTET und meine schon zuvor bestehende Depression verschlimmert haben! Dass ich noch da bin… ist eigentlich eine riesengroße Dummheit! Aber ich stehe immer noch dazu: meine Arbeit ist mir wichtig, ich mag meine Kollegen, ich fühle mich meinen Schülerinnen und Schülern verpflichtet und ich bin niemand, der die Flinte einfach ins Korn wirft, nur weil es gerade mal schwierig ist! Ob ich damit allerdings für mich selbst auf dem richtigen Dampfer unterwegs bin, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Vermutlich nicht. Trotzdem muss ja irgendwie das Dach über dem Kopf, der Fetzen Stoff am Körper, das Futter auf dem Tisch und der ganze Tand, den man manchmal für notwenig hält finanziert werden. Oder, wie das Internet gelegentlich sinngemäß sagt: zu untalentiert zum Schauspielern oder Singen, zu ehrlich für’s Verkaufen, zu alt und zu fett für Sport und zu hässlich zum Strippen (was manche Influenzas nicht davon abhält, all dies trotzdem zu tun) – also, weiter geht’s. Nach dem Wochenende ist wieder Montag. Und Fritze will ja, dass wir mehr arbeiten, weil “Määg Dschörmenie greht eggen!”

Ja… das trägt auch noch erheblich zu meiner Pein bei: unterdessen in einem Land zu leben, dessen sogenannte Führungselite nichts Besseres zu tun hat, als die Einwohner kollektiv zu beschimpfen, weil diese für die fetten Kapitalistenschweine nicht noch mehr Rendite einfahren wollen. Zum Mitschreiben, Fotzen-Fritz: Trickle-Down existiert nur in Legenden! Menschen für’s krank sein oder krank werden bestrafen zu wollen – oder weil sie nicht genug malochen, um Fette noch fetter zu machen – ist asoziales Kognitionskoterbrechen vom Feinsten, du Spagallo! Das Nazi-Appeasement, dass deine Unfähigkeitsikone Jens anzettelt, ist unerhörter Mist! Und sag deiner dämlichen Gas-Kathi endlich, sie soll aufhören, im Konzernauftrag die absolut notwendige Energiewende zu verhindern. Diese Brechreiz erregende Fehlfarbe gehört ins Gruselkabinett, aber nicht auf die Regierungsbank. Und… wenn ihr wirklich eine Gesundheitsreform durchführen wollt, dann deckelt gefälligst zuerst Pharma- und andere Gesundheitskonzern-Profite, anstatt Rettungsdienstbudgets kaputtzusparen! Aber… mir hört ja eh keiner zu und irgendwo da draußen müssen ja die Millionen von Idioten wohnen, die dieses korrupte Drecksgesindel von einem not- und machtgeilen aber ahnungslosen Kanzlerwahlverein zur stärksten Partei gemacht haben. Und denen unser Absturz in die Diktatur immer noch nicht schnell genug geht, weswegen sie jetzt nach Blau gieren. Und nur damit es noch mal in aller Form gesagt ist: wer dreckige, chauvinistische, rassistische und überdies Konzerngesteuerte Nazi-Arschgeigen wählt, kann nur eines sein: nämlich eine Nazi-Arschgeige! Hoffentlich bekommt ihr morgen, am ersten Mai von den Genossen ordentlich eine auf’s Maul, wo auch immer ihr auftauchen mögt. Langes Wochenede. Und das Einzige woran ich denken kann, sind so ein Mist – und der kommende Montag. So weit ist es gekommen. Ich mach besser Schluss. Tschüss!

Auch als Podcast…

Gott, bin ich männlich…?

Ich denke, ehrlich gesagt, nicht oft über die Frage nach, ob ich männlich bin. Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, war ich zumindest noch männlichen Geschlechts. Aber was bedeutet das schon? Ich bin aufgewachsen in einer Zeit (den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts), als dümmliche Blondinen-Witze, das Seite-Eins-Girl auf dem (leider) extrem reichweitenstarken Boulevardblättchen BLUT – ähm, ich meine natürlich BILD – und Oben-Ohne-Kalender in der Werkstatt noch die Regel waren. Ich bekam demnach eine unhealthy dose of Alltagssexismus von Kindesbeinen an serviert. Und natürlich habe ich auch meinen ungesunden Anteil an den dämlichen Sprüchen gerissen und mich manchmal aufgeführt wie ein egoistischer Arsch, weil das damals jeder “Kerl” so gemacht hat. Gottseidank fing ich irgendwann an, die Dinge zu hinterfragen. Spätestens, seit ich Pen’n’Paper als meinem Lieblingshobby nachgehe, habe ich auch angefangen, mit dem Thema Rollenübernahme zu experimentieren. Das und vor allem der Umstand, dass mein Interesse für die Sozial- und Geisteswissenschaften schon früh geweckt wurde, führten dazu, dass ich irgendwann mit Sexismus immer weniger anfangen konnte; und das, obwohl ich damals dann in einem noch ziemlich männerlastigen Milieu gearbeitet habe. Der Rettungsdienst in der 90ern war zum größten Teil eine Spielwiese für eisenharte Macho-Sanis… oder diejenigen, die sich (meist zu Unrecht) für welche hielten. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann begann ich wohl zu verstehen, dass derartiges dummes, stereotypes Verhalten auf lange Sicht niemanden irgendwohin bringt. Dass meine beste Ehefrau von allen sich von mir noch nie irgendwas Dummes hat gefallen lassen, tat sein Übriges.

Wenn ich mich heute so umsehe, dann erschrecke ich. Ich erschrecke, wenn ich sehe, dass in Umfragen ein nicht unerheblicher Anteil (wir reden von einem DRITTEL!) der befragten jungen Männer Gewaltanwendung als legitimes Mittel zum Erreichen von Dominanz innerhalb heterosexueller Beziehungen sieht. WHAT! THE! FUCK! Warum habt ihr DUMMEN KINDER völlig vergessen, dass Männer und Frauen – rein rechtlich – gleichberechtigt sind? Warum glaubt überhaupt irgendein Kerl, dass es legitim sei, sich in einer Beziehung gegegnüber irgendwem mit Gewalt durchzusetzen? Und nein… nur der Umstand, dass Gruselgestalten wie Andrew Tate in den asozialen Medien höchst präsent sind und dort ein völlig absurdes Frauenbild, Misogynie und toxische Männlichkeitsideale predigen, trägt nicht allein daran Schuld, dass wir hinsichtlich der Emanzipation gerade einen reaktionären Rollback in die 50er und 60er des vergangenen Jahrhunderts erleben. Wobei mich das Aufkommen der sogenannten Tradwifes als Randphänomen des Reaktionismus schon mehr als nur ein bisschen irritiert. Ich erschrecke darüber, dass auch politische Strömungen, die man noch vor einigen Jahren als evtl. insgesamt konservativer, aber ansonsten den demokratischen Werten und damit auch der Emazipation verpflichtet wahrgenommen hätte, heute mit einer derartig gestrigen Propaganda um die Ecke kommen, dass es einem die Schuhe auszieht. Sorry, aber die CDU/CSU mit ihrem “Heimchen muss an den Herd”-Blackrock-Mittelstands-Kanzloiden Fritze “damals war die Welt noch in Ordnung” Merz kann ich als demokratische Kraft nicht mehr ernst nehmen! Das ist keine Kunst – das kann weg. Auf den Müllhaufen der Geschichte, zusammen mit seinen Blaubraunen Freunden aus AFF-DE-istan. Widerliches, reaktionäres, dem eigenen Volk ein Feind seiendes, antidemokratisches Geschmeiß, angetriebenen lediglich vom niedersten aller Instinkte: Gier! Vor allem Gier auf Macht. Aber ich schweife gerade mal wieder ab.

Es ist heutzutage en vogue, dass am einen Ende des Diskussionsspektrums Leute über “toxische Maskulinität” sprechen, die einfach keine Ahnung haben, was Maskulinität im 21. Jhdt. bedeuten könnte oder müsste, sondern einfach nur – oft um des Clickbait oder des eigenen Dogmas Willen – (junge) Männer bashen; oft genug ohne NOT und ohne zu wissen, was sie den jungen Leuten damit antun.. Und am anderen Ende toben sich jene Männer aus, die das unterdessen widerlegte Märchen vom Alpha-Wolf (in freier Wildbahn ist das Verhalten ein vollkommen Anderes), dem einsamen Entscheider, dem Macher, dem Macho immer wieder und immer wieder aufkochen, um sich und andere darüber hinwegtäuschen zu können, dass sie im Grunde ihres Herzens einfach nur verängstigte Würstchen sind, die andere (vor allem Frauen) unterdrücken MÜSSEN, um sich so wenigstens ein bisschen Selbstwertgefühl verschaffen zu können. Und dazwischen? Da liegt, wie so oft heutzutage, ein Niemandsland voll scharfer Shitstorm-Minen, die nur darauf warten, dass irgend so ein Fuzzi daher kommt und fragt, ob es auch anders geht! By the way… geht es eigentlich auch anders? Spaß beiseite. Junge Männer – oder besser Jungs, die sich für solche halten – haben in der beschriebenen Situation keine wirklich sinnvolle Wahl. Doch die eigene Maskulinität kann sich nur im spielerisch-ambivalenten Messen mit Anderen entwickeln. Väter leisten hierbei heutzutage oft keinen sehr guten Dienst. Und die anderen zur Verfügung stehenden Idole? Tja… die heißen manchmal Andrew Tate und manchmal nicht. Zweifelsohne müssen Männer und Frauen sich auf mannigfaltige Art ausprobieren können, um sich selbst finden zu können. Maskulinität ist für jeden Mann Teil seiner Persönlichkeit! Aber was macht einen Mann denn nun männlich?

Sagen wir mal so: darüber kann und sollte man streiten. Männer dürfen gerne stark sein, wenn sie ihre Stärke nutzen, um etwas sinnvolles zu erschaffen, humanistische Haltung und Werte weitergeben, oder ihre Lieben vor Unheil schützen. Was einen Mann aber in keinem Fall männlich macht sind: Misogynie und Chauvinismus bis hin zur tatsächlichen Ausübung von Gewalt gegen Frauen! Das Verlangen nach Dominanz in Paarbeziehungen! Das Ignorieren oder Negieren der eigenen Verantwortung für eine gelingende Beziehung – oder Erziehung, sofern man Kinder in die Welt gesetzt hat! Das Durchsetzen der eigenen Bedürfnisse um jeden Preis! Das alles macht einen bestenfalls zu einem ekelerregend machomäßigen, egoistischen Stück Scheiße, dass besser alleine in einer Höhle im Wald wohnen sollte, ohne jemanden mit seiner vollkommen verqueren Ideologie auf den Sack oder die Eierstöcke zu gehen! Wie man dahin kommt? Wir könnten mit dem ernsthaften Versuch anfangen, für unsere Kinder und Jugendlichen eine Onlinewelt zu schaffen, die wenigstens weitgehend frei von misogynen, chauvinistischen, rassistischen, faschistischen und sonstwie menschenverachtenden Inhalten ist… Das wäre doch schon mal was. Und ansonsten ist es eine Aufgabe ALLER Eltern, ihren Kindern jeden Tag die humanistische, demokratische und emanzipatorische Haltung vorzuleben, die es braucht, damit aus Jungen starke, anständige, selbstbewusste Männer werden, die es nicht nötig haben, überhaupt irgendwen zu unterdrücken. Diese Feststellung führt gerade dazu, dass ich mich grusle, denn vielen da draußen gebricht es ja gerade an diesen Werten. Also muss ich selbst ran! Alles andere hilft nix. In diesem Sinn – Frohe Ostern. Und denkt immer daran: man(n) kann auch ohne dicke, bunte Eier männlich sein…

Auch als Podcast…

Hello darkness, my old friend… again!

Gedanken sind oft auf Kreisbahnen unterwegs. Sie sind ein bisschen so wie Karma und kommen immer wieder zu uns zurück. Aber, wie das mit Kreisbahnen so ist, manchmal dauert ein Umlauf länger. Astronomisch ist das nix ungewöhnliches. Unser nächster, weiter außen gelegener Nachbar, an dem die Menschen schon seit Urzeiten ein großes Interesse haben (für die, die’s noch nicht kapiert haben – der Mars), hat zum Beispiel eine Umlaufzeit um die Sonne von 687 Tagen. Oder knapp 1,9 Erdenjahren. Manche müssen halt aber auch mehr Strecke machen. Im Gegensatz zum Neptun ist der Mars allerdings noch recht flott. Neptun braucht für einmal rum knapp 165 Jahre. Aber zurück zu Gedanken. Die brauchen in aller Regel nicht so lange wie Planeten. Meistens. Nun bin ich aber tatsächlich über Ideen gestolpert, die ich vor knapp 9 Jahren schon hatte. Irgendwie überrascht und entsetzt es mich zu gleichen Teilen, wie aktuell diese immer noch sind. Es ging mir damals um das Gift des Dogmas und der Propaganda, welches den öffentlichen Diskurs so furchtbar toxisch hatte werden lassen. Schaue ich mich heute um, muss ich leider attestieren, dass es noch schlimmer geworden ist. Als ich diesen Gedanken hier das erste Mal formulierte war das Diktum der “Alternativen Fakten” von dieser Alt-Right-Blödwachtel Kelleyann Conway gerade frisch in der Welt. Heute schämen sich diese Drecks-Ami-Faschos im und rings um das Weiße Haus für gar nix mehr und beschimpfen, diffamieren und beleidigen einfach jeden, der ihnen zu wiedersprechen wagt. Wo sind Emmerichs’ Aliens, wenn man die mal braucht? Na ja, sich darüber noch aufzuregen ist in etwa so hilfreich, wie ein Besuch in der nächstgelegenen Confiserie für eine aktuelle Diät. Und es tut mir, angesichts meiner gegenwärtigen mentalen Verfassung auch nicht gut. Dennoch komme ich nicht umhin, andere Implikationen entdeckt zu haben, über die nachzudenken sich tatsächlich lohnt. Wenigstens für mich selbst. Ich hatte damals über den Song “Sound of Silence” von Simon & Garfunkel sinniert; zur Erinnerung hier noch mal die letzten Zeilen:

And the people bowed and prayed
To the Neon God they made
And the sign flashed out its warning
In the words that it was forming
And the sign said
“The words of the prophets are written on the subway walls
And tenement halls
And whispered in the sounds of silence"
Aus "The sound of silence" - Simon & Garfunkel 1964

Ich weiß auch nicht, warum ich immer wieder über diesen Begriff “Neon God” stolpere? Ich meine… ja, semiotisch ist es einfach zu erklären. Das Bild als symbolisches Zeichen nimmt einen Bedeutungsüberschuss gegenüber dem abgebildeten Gegenstand auf. Es geht nicht einfach um eine Neonreklame, weil diese eben ein so mächtiges, so weitgreifendes Sinnbild für alles ist, was in unserer Welt heute falsch läuft; und offenkundig auch 1964 am falsch laufen war. Sinnbild des Konsummaterialismus, der ewigen Verfügbarkeit von allem, der Macht der Äußerlichkeiten gegenüber “inneren Werten”. Eine stets leuchtende Oberfläche, die alle Verderbtheit, alle Abgründe, alle Mängel einer Gesellschaft einfach mit dem süßen Sirenengesang der Ablenkung überdeckt. Es wäre aber auch möglich, dass ich aus der Perspektive des ewigen Storytellers den Aspekt des Zeichens in der Düsternis interessant finde. Dieses tonlose Versprechen auf Trost und Sicherheit in einer Welt, die vollkommen verrückt zu werden scheint. Das Auge des Sturms, das mich vor dem frei drehenden Ende der Geschichte beschützt. Ah… wieder Francis Fukuyama, der 1989 das Ende der Geschichte prognostoziert hatte, indem er vorhersagte, dass sich alsbald überall Demokratie und Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild durchsetzen würden. Hat ja super funktioniert, Francis. Bravo, du selbstgefälliger Depp. Vielleicht hättest du mal darüber nachdenken sollen, dass sich “Das Ende der Geschichte” in jedem vergehenden Augenblick neu erfindet, da wir stets verwirrt und ängstlich auf die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde starren müssen. Ein wenig dekonstruktivistische Demut, so ein kleiner Hauch echte postmoderne Philosophie hätte deinem Denken ganz gut getan, Francis. Aber was weiß ich kleiner Wicht schon. Außer dass kein Begriff nur negativ oder nur positiv konnotiert ist. Bedeutung ist, was wir durch unsere Interpretation immer wieder neu daraus machen. An jedem gottverdammten Tag sind wir dazu aufgerufen, nicht nur das Ende der Geschichte sondern auch uns selbst neu zu erfinden. Und über allem leuchtet der Neon God höhnisch und fragt mich: “Was soll es heute, sein mein kleiner zerdenkender Freund: Existenzialismus? Nihilismus? Dekonstruktivismus? Irgendwas anderes…?” Und ich schaue verzweifelt die Zeichen an und weiß es nicht. Zumindest nicht oft…

Letzthin habe ich mich dafür entschieden, das Zeichen nur als Zeichen sehen zu wollen und mich einfach der Kreativität zu widmen. Etwas Whatever-Punk, wenn Punk doch für mich stets der Begriff für den Versuch des Ausbruchs aus konventionellen Denkmustern, Verhaltensweisen, normierter Subsistenz war. Ich bin also kreativ, habe – wie so oft – eine andere Form von Punk für mich entdeckt und lasse meinen Ideen freien Lauf. Es gibt im Moment nichts, was ich sonst tun könnte, um meine Situation zu verbessern. Das Englische kennt einen Begriff für mein derzeitiges Gefühl: “stuck in a rut”. Gefangen in einer nervtötenden, mich nicht erfüllenden, meine Kräfte aufzehrenden Routine, aus der ich derzeit keinen Ausweg sehe, der nicht irgendwas zerbrechen würde, was mir wichtig ist. Also geht es vorwärts. Immer nur vorwärts. Also schaue ich hoch zu meinem Neon God, der momentan aus Genre-Filmen zu mir herunterleuchtet – und ich erschaffe: ein neues TTRPG-Setting. Buchideen. Alles Mash-Up und Remix bereits vorhandener Geschichten. Denn alle Geschichten existieren ja schon. Und doch ist diese Re-Creativity so viel besser als meine sonstige (Arbeits)Realität. Also halte ich daran fest. Denn auf nur spärlich durch Neon erleuchteten Straßen, im Schatten der steinernen Türme, am Boden einer neuen Stadt lauern neue Geschichten. Willkommen im Wochenende.

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500 Gramm gemischter Hass – weil’s raus muss!

Sollte ich mich endlich mal wieder mit dem Zustand unserer bunt-republikanischen Nation befassen? Soll ich wirklich irgendwas zu unserem Kanzloiden und seinem mittlerweile unerträglich gewordenen Bashing der Erwerbsbevölkerung sagen? Muss ich wirklich noch irgendwem erklären, dass dieser ganze Zirkus nur dem einen Zweck dient, seine alten Buddies aus der Wirtschaft noch ein bisschen reicher und die Welt für einfache Bürger noch ein bisschen schwerer zu machen? Muss man noch darüber diskutieren, wie ABSURD EKELHAFT die verzweifelten Versuche wirken, den echten Nazis von der AfD wieder Wähler abspenstig machen zu wollen, indem man ihre braune Scheiße schlecht kopiert? Wie lange müssen wir noch auf ein Verbotsverfahren gegen dieses wiederliche Faschopack warten? Kann man als Wähler wirklich so dumm und vergesslich sein, wieder und wieder und wieder die CDSU zu wählen, obwohl jeder nicht vollkommen Doktrin-verblendete Trottel sehen kann, dass es seinen ureigensten Interessen zuwieder läuft, wenn nur und ausschließlich Politik für Reiche gemacht wird? Von Tussen und Typen, die im Median nichts besseres hinbekommen, als ihr (sehr fettes) eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen? Wie lange dauert es, bis auch der Letzte versteht, dass man ein Nazi IST, wenn man einer Partei seine Stimme gibt, die verfassungsfeindlich rechts, offen rassistisch und neoliberal bis zum Erbrechen ist und dabei betrügerisch und auch ansonsten vollkommen inhuman agiert? Warum seid ihr alle so scheiße kaputt im Kopf? Weil Mutti Merkel euch 16 Jahre ins Hirn gehämmert hat, dass sich niemals was ändern wird? Und vor allem ihr euch nicht ändern müsst, aber jetzt – ganz plötzlich und unerwartet – klar wird, dass genau DAS nicht geht? Das wir uns alle anpassen müssen an eine Welt, die der allergrößte Teil von uns weiterhin gemeinsam kaputt macht? WIE VERFICKT KURZSICHTIG, ARROGANT, EGOISTISCH, UNMENSCHLICH und GRUNDDUMM KANN MAN EIGENTLICH SEIN? Wenn wieder Massen von irgendwelchen komplett verblödeten Möchtegern-Leistungsträgern eine schwarze Regierung in Baden-Württemberg erzeugen, muss ich so langsam in den bewaffneten Widerstand gegen euch lächerliche, asoziale, egoistische Tölpel!

Es ist wirklich unglaublich, dass es immer noch Menschen im sogenannten Mittelstand gibt, zu dem ich übrigens selbst zähle, die grüne und soziale Politik für ein Werk des Teufels halten und lieber Lobby-Marionetten und Faschos wählen, die ihnen einen Strohmann nach dem anderen zum Abbrennen servieren, anstatt mal das eigene Gehirn anzumachen. Und es gibt unter den Lobbyisten sehr einflussreiche Medienmacher, die gleichzeitig als Meinungsmacher fungieren, weil nicht wenige Menschen das, was in IHREM Leitmedium steht, als die letztgültige, unumstößliche Wahrheit betrachten! Wisst ihr eigentlich, wie Journalismus gemacht wird? Ich zitiere mich zu diesem Thema jetzt mal selbst:

Aber wir haben auch Medienhäuser in der Hand von Matriarchinnen (Liz Mohn => Bertelsmann & Friede Springer => BILD u.Ä.), die einen nicht unerheblichen Teil der deutschen Medienlandschaft kontrollieren (siehe hier wissenschaftlicher Dienst des Bundestages); und damit diverse, mehr oder weniger subtile Möglichkeiten zur Meinungsmache haben. Und indem solche Medienkonzerne jedes Jahr wieder zu bestimmten Zeitpunkten Scheingefechte zwischen Gesellschaftsgruppen inszenieren (Jung gegen Alt, Arm gegen Reich, Vegetarier/Veganer gegen Fleischfresser, Schwarze gegen Grüne, Böllerfans gegen Verbotsbefürworter, etc.) lenken sie immer und immer wieder vom Wesentlichen ab. Anstatt an sowas teilzunehmen, fragt euch lieber mal – WER profitiert von solchen Diskussionen? Kleiner Hinweis: in den allerseltensten Fällen die Mitglieder der Streitparteien… Das ist einfach nur ein Teil der modernen Version von Panem et Circenses…

Um es auf den Punkt zu bringen. Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Und es wundert mich angesichts dieser asozialen Zeiten, in denen die GIERIGEN ungeniert den WILLFÄHRIGEN diktieren können, was sie den AHNUNGSLOSEN zu sagen haben, damit die Gierigen die absolute Macht über die Ahnungslosen behalten können und diese damit zu OHNMÄCHTIGEN machen nicht, dass ich an einem dräuenden Burnout laboriere! Wie soll man den bitte auf dieses vollkomme absurde, zynische, Schmierentheater reagieren, welches tagtäglich aufzuführen der Möchtegern-Kanzloide zusammen mit seinen macht- und selbstverliebten Steigbügelhaltern die UNFASSBARE FRECHHEIT BESITZT? Faselt von Aufbruch. Wohin? In die verfluchten 1950er? Heimchen am Herd und in der Kinderstube, während der Macker die Kohle ranrockt und dann einen auf Patriarch macht? Kann diesen lächerlichen Typen und seine Gurkentruppe BITTE irgendjemand entsorgen? JETZT? Und, nur so am Rande… ich hab mein SPD-Parteibuch zurückgegeben. Die sind genauso Schuld an dieser Misere, weil sie NICHTS gegen ihre “Koalitionspartner” unternehmen. Machtgeiles Gesindel allesamt. SO… jetzt habe ich Blutdruck. Fantastisch. Und morgen früh muss ich wieder ran, weil ich ja trotz Burnout und kaputter Schulter noch immer nicht genug arbeite, um Reiche noch reicher und den Bundeshanswurst stolz auf “sein Land” zu machen. Wer diesem VOLLPFOSTEN – oder noch schlimmer dem dreckigen Fascho-Gesindel – seine Stimme gegeben hat, soll mich in Zukunft bitte einfach nicht mehr ansprechen. IHR SEID SCHULD! Den Restdemokraten einen akzeptablen Restsonntag… muss mich noch ausreichend erholen, damit ich roboten kann. Und Tschüss!

Auch als Podcast…

500 Gramm gemischter Hass – Ich will Life-Work-Balance!

Egal was ich mit meiner Zeit anstelle, egal wie weit ich vor meinem normalen Leben und meinen Verpflichtungen davonlaufe, egal wie schön es dort ist und was ich unterwegs alles erlebe, egal wie sehr ich daran glauben möchte, dass die – subjektiv überquellende – frische Energie mir erhalten bleibt… jedes Mal, wenn ich nach Hause komme, sind die alten Gedankenspiralen wieder da. Dann dreht sich wieder alles um Job, Stress, soziale Gerechtigkeit (oder besser, den erheblichen Mangel daran) und die Frage, wie ich mit all dem umgehen kann. JEDES. GOTTVERDAMMTE. MAL. Ich bin derzeit nicht verzweifelter als sonst auch. Ich lebe ja in einer Welt, in der du den “News” nicht entkommen KANNST. Und ich kann mit dem Denken als solchem leider auch nicht aufhören. Das ginge nur, indem ich mir den Kopf wegschösse – und das kommt überhaupt nicht in Frage! Daher spiegelt sich meine eigene (Über)Lebenrealität in den, derzeit immer und überall wieder aufkeimenden Diskussionen um die Frage, ob wir Deutschen zu viel oder zu wenig arbeiten, ob wir zu viel auf die Work-Life-Balance achten, oder schön brav das Bruttosozialprodukt mehren. Hierzu hätte ich fünf Antworten, die nicht jedem schmecken werden:

  • (1) Die Deutschen: Die mit diesem Begriff insinuierte Grundgesamtheit GIBT ES NICHT! Lest die Sinus-Milieus, beschäftigt euch mal ein Mü mit Sozialwissenschaft (keine Sorge, das tut gar nicht weh) und ihr werdet verstehen, dass eine Nationalstaatliche Volksgemeinschaft, wie sie unsere verf*****n Nazi-A*********r von der AgD zu beschwören versuchen NICHT EXISTIERT! PUNKT! Es gibt jede Menge, sehr unterschiedlich strukturierter Gruppen innerhalb der Bevölkerung; und innerhalb dieser Gruppen gibt es jede Menge Individuen. Ein Lebensentwurf, war, ist und bleibt – ganz nüchtern betrachtet – immer etwas hoch individuelles. Woraus folgt: die Aussage, dass DIE DEUTSCHEN zu wenig arbeiten würden KANN NIEMALS WAHR SEIN, weil es diese Deutschen als Gruppe überhaupt nicht gibt. Das manche Individuen oder auch ganze Gruppen eher zu wenig arbeiten ist ein völlig anders zu betrachtender Sachverhalt. Und da würde ich zuallererst mit der Neubeuteilung von leistungslosem Einkommen anfangen.
  • (2) Was ist viel, was ist wenig? Die Erwerbsquote (also die Zahl der Menschen in Lohn und Brot) ist seit 1991 (also seit der Wiedervereinigung) im Mittel gestiegen; und zwar durch einen kräftigen Anstieg bei den berufstätigen Frauen. Die durchschnittliche Arbeitszeit ist derweil gesunken, weil diese ganzen Frauen deutlich häufiger in Teilzeitbeschäftigungen unterwegs sind, als die Männer. Wir arbeiten aber im Mittel NICHT WENIGER, SONDERN MEHR. Und von den ganzen unbezahlten Überstunden will ich gar nicht erst anfangen. Die Arbeitsproduktivität (also das BIP/Arbeitsstunde) ist bis zum Beginn der Pandemie und den folgenden Krisen (Ukrainekrieg, US-Zollpolitik, etc.) gestiegen und stagniert seitdem; was nicht an weniger Arbeit(sbereitschaft) liegt, sondern an der sich eben ändernden Weltsituation. Und daran, dass die CDU/CSU (wechselnd mit FDP und SPD als Sekundanten) 16 Jahre lang auf Verschleiß gefahren ist und den Bürger*innen die negativen Folgen einer globalisierten Wirtschaft schöngelogen hat. Nun hamwer den Salat, wa…
  • (3) Wem kommt mehr Arbeit zu Gute? Ganz einfach – in unserem System zuallererst und vor allem denen, die den Kanal eh schon voll genug haben. Kann man sich schönlügen, indem man glaubt, dass eine veränderte Steuerpolitik auch den Mittelstand killen würde. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn die Geschenke, welche unsere aktuelle Regierung einmal mehr den Reichen macht, sollen zu Lasten der Ärmsten gehen (spart mal 5.000.000.000 beim Bürgergeld ein, hat Herr Merz gesagt); und zu Lasten des Mittelstandes. Solange also keine Entlastung bei Steuern und Abgaben in Sicht ist, werden die Meisten sagen “Leck mich am Arsch mehr Arbeit…”; und wisst ihr womit – mit Recht. Hatte ich eigentlich schon von der dringend notwendigen Neubewertung leistungslosen Einkommens gesprochen? Oder von asozialer Kapitalagglomeration? ICH gehe jedenfalls nicht mehr arbeiten, damit jemand anders was davon hat.
  • (4) Propaganda: Wo auch immer du hinkuckst, finden sich willfährige Apologeten des “Ihr arbeitet alle zu wenig”-Narrativs. Manche davon wissen sehr wohl um die beschriebenen Mechanismen – und manche labern einfach nur die tendenzöse Scheiße nach nach, welche ihnen die Drecks-Springerpresse seit Jahrzehnten als “Nachrichten” getarnt in den Hals stopft. Es wäre einfach, sich zu informieren. Und es braucht auch keinen übermäßigen Intellekt, um zu verstehen, warum man immer schön alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen gegeneinander ausspielt, indem man Feindbilder aufbaut. Je nach Tageslage sind die Feinde unserer Gesellschaft: Migranten, die Grünen, Bürgergeldempfänger, die Linke, psychisch Kranke, Veganer, Feministen, die nächstältere oder nächstjüngere Generation, Wissenschaftler, etcpp.. Dabei gibt es für unsere Gesellschaft nur einen Feind – den entfesselten, konsummaterialistischen Kapitalismus und seine Nutznießer. Aber hey, was weiß ich schon…
  • (5) Und die Jüngeren…? Die schauen in die Röhre, weil Rentner und Renten-Anwärter den größeren Teil der Wählerschaft ausmachen und so gut wie KEIN. EINZIGER. POLITIKER. weiter schaut, als bis zur nächsten Wahl. Es geht nicht mehr um “die Sache” (also Wirtschafts- und Sozialpolitik, die untrennbar miteinander verbunden sind), es geht nur noch darum, der (mutmaßlichen) eigenen Klientel die eigenen Handlungen so zu vekaufen, dass es nicht vollkomnmen danach aussieht, als würde man ohne Hemmungen für’s Kapital geschröpft. Wer allerdings nicht zu den oben genannten Klienteln gehört, der hat schlicht Pech gehabt, weil seine Stimme zu wenig wiegt, als dass sie irgendetwas bewirken könnte. Denn CDU/CSU betreiben wie eh und je in den letzten 20 Jahren den Ausverkauf der Zukunft auf Kosten kommender Generationen. Wäre ICH in der Situation, würde ich mir auch kein Bein rausreißen, um es den alten faulen Säcken noch ein bisschen bequemer zu machen!

Zusammengefasst: NEIN. WIR. ARBEITEN. NICHT. ALLE. ZU. WENIG! Manche von uns gewiss, aber bei den Allermeisten ist die Aussage einfach nur riesengroßer Quatsch! Ich kann jedenfalls an mir keine Faulheit bemerken. Eher das Gegeteil. Ich möchte eigentlich einfach nur etwas mehr Zeit für mich und meine Projekte. Aber hey… wir werden sehen. genug geranted. Morgen geht’s wieder los, der Urlaub ist rum. Euch allen einen gediegenen Start.

Auch als Podcast…

Benvenuti nelle Marche N°10 – Mad New World…

Menschsein ist anscheinend eine komplizierte Angelegenheit. Immer wieder steht man subjektiv vor der Herausforderung, seine eigenen Wünsche, Ziele, Bedürfnisse mit denen der anderen Menschen – insbesondere denen, die einem nahe sind – austarieren zu müssen. Objektiv jedoch scheint ein nicht geringer Prozentsatz der Menschoiden da draußen auf diese Verpflichtung zu scheißen, die sich daraus ergäbe, wenn wir wirklich unserer Nächsten Grenzen und Rechte achten würden. Anders lässt es sich kaum erklären, dass so viele Ego-fixierte Bastarde mit ihrem Ego-Müll „die Zone fluten“ wie dieser Fascho-Flüsterer Steve Bannon das Zumüllen der antisozialen Medien mit Fascho-Müll mal nannte. Welche Art Ego-Müll dabei in die Zone flutet ist vollkommen gleichgültig, weil jede weitere Schmutz-Welle dazu geeignet ist, den eben benannten Austarierungs-Prozess zum Halten zu bringen. Es stellt sich spontan die Frage, zumindest sofern man die Menschheit noch nicht vollkommen aufgegeben hat, wie man dem Einhalt gebietet, wenn Erpressung, Totschlag, Brandstiftung, etc. leider kein gangbarer Weg sind, weil man dafür leider viel schneller in den Knast kommt, als dieses dreckige Antiscocial-Media-Verbrecher-Gesocks, welches das Internet verpestet; und damit unterdessen die einstmals hoffnungsvolle Idee einer weitreichenden Demokratisierung mittels des Internets durch die zunehmende Faschistoidisierung desselben ad absurdum geführt hat? What a Mad New World!

Ich habe gerade „Brave New World“ wieder gelesen – und für ein paar Augenblicke erscheint diese kranke Utopie einer weltumspannenden Zukunfts-Gesellschaft verlockend, in welcher die Menschen synthetisiert, für die spätere wirtschaftlich Funktion physiologisch und psychologisch konditioniert und als hedonistische, konsumorientierte Abziehbilder freier Menschen sozialisiert werden; alles im Namen sozialer Stabilität. Manches in dem Buch erscheint heute aus der Zeit gefallen, was beim Veröffentlichungsjahr 1932 auch nicht weiter verwundern mag. Und doch ist Huxleys Vision eines perfekten Totalitarismus, in dem alle glücklich sind, weil jeder bekommt, was er will, weil er nur will, was er bekommen darf, auch über 90 Jahre später immer noch erschreckend aktuell. Kein Wunder, dass die Nazis es direkt verboten hatten. In den Vereinigten Staaten ist das Buch übrigens schon lange vor dem dreckigen Fascho-Trumpel in diversen Staaten auf der Bann-Liste. Man könnte es als Ironie des Schicksals betrachten, dass ein Buch verboten wird (bzw. bleibt), in dem es u. A. auch um die Kuratierung des den Menschen verfügbaren Wissens durch die Nichtverfügbarkeit von Büchern geht; also harte Zensur, um die Konditionierung der Menschen als willfährige Drohnen des Weltstaates nicht zu gefährden.

Ich bin da eher bei John dem Wilden: „But I don’t want comfort. I want god, I want poetry, I want real danger, I want freedom, I want goodness, I want sin.“ In meinem Verständnis wünscht er sich eine Welt (zurück), in der die Menschen wieder Verantwortung für sich selbst übernehmen dürfen und damit die Chance bekommen, zu wachsen; selbst, wenn dies Herausforderungen, Anstrengungen, Kämpfe und Verluste bedeutet. Weil eine Existenz, die in allen Aspekten der Funktionalität untergeordnet ist, bestenfalls eine Subsistenz ist, die nichts mehr hervor bringt, als die reine Reproduktion dessen, was schon da war. Der Gedanke, darauf reduziert zu werden, erscheint auch mir schmerzhaft. Ich bin kein gläubiger Mensch im Sinne kirchlicher Doktrinen, wohl aber ein durchaus spirituelles Individuum und ich möchte mir – ebenso wie John der Wilde – meine mentalen Drogen gerne selbst auswählen; Irrungen und Wirrungen inklusive. Aber was weiß ich schon… außer, dass Lesen bildet. Daher empfehle ich Aldous Huxleys „Brave New World“ als Originaltext mit Kommentaren in der English Edition von Klett. Ansonsten lesen wir uns bald wieder mit anderen Themen. Bis dahin, gehabt euch wohl.

ISBN: 978-3-12-579850-2

New Work N°23 – Nochmal drüber nachdenken…?

Ich recycle mal eben Gedanken und Worte aus einem Post, der mittlerweile fast fünf Jahre auf dem Buckel hat (August 2020) und somit während der ersten Hochphase der Corona-Pandemie entstanden ist. Immerhin konnte man damals unter Auflagen im Inland Urlaub machen. Einiges ist nach wie vor – oder vielleicht eher WIEDER – hochaktuell, manches hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Diskussion ist heute allerdings eine andere, weil sich die Apologeten eines radikalen Wandels und die Die-Hard-Vertreter altmodischen Wirtschafts- und Führungs-Handelns mittlerweile unversöhnlicher gegenüber stehen, denn je. Und jetzt haben wir auch noch diese selbstverliebte, populistische Flitzpiepe Black-Rock-Fritze als Bundeskanzler. Kotzen könnt ich… Egal, los geht’s:

erstellt mit ChatGPT
Tja, also, wie soll ich das denn jetzt sagen, aber… New Work ist nicht neu. Ganz im Gegenteil. Der geistige Vater der Angelegenheit Frithjof Bergmann hat die Grundlagen schon in den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts beschrieben. Und auch, wenn bei weitem nicht alle seiner Ideen schon umgesetzt wurden (oder wir dies bald erleben werden), wächst die Zahl derer, die zu der Überzeugung gelangen, dass wir Arbeit im 21. Jahrhundert anders denken müssen. Langsam aber stetig... [Diese Überlegung muss ich - Stand Heute - differenzierter betrachten, da es zwar tatsächlich Leute mit großer Publicity gibt, die sich des Themas unter verschiedenen Vorzeichen annehmen. Doch die eigentlichen Ideen Bergmans spielen dabei kaum eine Rolle...] 

Aber, was bedeutet das nun? Vordergründig geht es darum geht, dass abhängige Produktionsarbeit mehr und mehr von Maschinen erledigt wird und daraus natürlich die Frage entsteht, wie diese Menschen zukünftig ihren Broterwerb bestreiten sollen. Solche Entwicklungen zeichnen sich nun schon seit Jahrzehnten ab. Bergmanns Antwort darauf ist eine Mischung aus bedingungslosem Grundeinkommen durch Umschichtung der Einkünfte aus Güterproduktion und einer zunehmenden Selbstversorgung mit den essentiellen Dingen des Lebens. Diese Darstellung ist allerdings verkürzend und gewiss gibt es in seiner Denke einige wenige Überschneidungen mit der Philosophie des Kommunitarismus; es lässt sich jedoch sagen, dass er versucht hat, ein mögliches Ende der klassischen, abhängigen Lohnarbeit zu denken. Es geht ihm dabei explizit nicht nur um die Arbeit als solches, sondern um Fragen der Teilhabe und Freiheit. [Diese Betrachtungen sind zwar immer noch weitgehend wahr - nur dass deren Umsetzung heute zwar gelegentlich andiskutiert, aber niemals durchdekliniert wird, weil die Lobbyisten der Konzerne ALLES tun, um eine positive, ergebnisoffene Diskussion im Sinne der eigenen Gier von vornherein zu verhindern! Es darf in deren Weltsicht NICHTS existieren, dass die systemische Lohn-Abhängigkeit untergräbt, welche es erlaubt, weiter munter von unten nach oben zu verteilen!]

Heute wird unter New Work von den Meisten aber einfach nur alles verstanden, was beim Schuften nicht nach dem klassischen Muster abläuft: Home-Office, Mobile Work-Spaces, ungewöhnliche Arbeitszeitmodelle wie der 5h-Tag, digitaliserte Workflows, etc.; also zunächst mal Dinge, die nur mit Arbeitsorganisation zu tun haben. Tatsächlich greift, wenn man Bergmann aufmerksam liest, dieses Verständnis jedoch viel zu kurz. Arbeit, wie wir sie heute kennen, wird in vielen Bereichen in den nächsten Jahren fast ganz verschwinden, um in anderen neu zu entstehen. Die daraus entstehenden gesellschaftlichen Umwälzungen zeichnen sich schon lange ab. [Und obwohl diese Entwicklungen sich mit den Ereignissen der letzten Jahre noch verschärft haben, sieht man an vielen Orten mehr oder weniger ungelenke Versuche, das Rad der Zeit zurückzudrehen; die Ewiggestrigen sterben leider nur sehr langsam!]

Eine echte Entwicklung weg von abhängiger Lohnarbeit hin zu solidarisierter Arbeit ist leider bislang noch nicht zu konstatieren. Immer noch dreht sich, wenn irgendjemand den Begriff vollmundig ins Feld führt, so gut wie alles um Fragen der Arbeitsorganisation. Und ja, wir haben diesbezüglich auch immer noch ein erhebliches Kulturproblem, da nicht wenige Chefoide nach wie vor der irrigen Meinung sind, dass sie bei physisch anwesenden Hutständern besser beurteilen könnten, ob diese etwas arbeiten, oder nicht; also, ob diese Menschen effektiv etwas erwirtschaften. Nichts könnte – zumindest in meinem Geschäftsbereich – allerdings der Realität ferner sein. In der Tat wird Bildung als solche uno acto realisiert. Damit dieser komplexe soziale Prozess im Lehrsaal allerdings auch regelmäßig zu zufriedenstellendem Ergebnissen führen kann, sind umfangreiche Vorbereitungen und Nacharbeiten notwendig. Und ein erheblicher Teil dieser Arbeit bedarf eines Quantums Kreativität, die man allerdings oft nicht in einem Großraumbüro sitzend erreichen kann. Also ist Arbeitsorganisation – oder besser gesagt eine flexible Arbeitsorganisation – eine Voraussetzung für ein hohes Qualitätsniveau. Weshalb ich meinen Mitarbeiter*innen Freiheiten lasse, die es anderswo eher nicht gibt. Da kommt jetzt bestimmt gleich wieder so ein schlauer Dippelschisser um die Ecke und sagt: “Ja, wie willst DU denn beurteilen, ob die tatsächlich was für ihr Geld tun?” Und dem antworte ich dann Folgendes: indem ich, wie jeder halbwegs vernünftige Führungseumel mit Kennzahlen arbeite. Nun sind die bei Berufsfachschulen nicht so einfach zu definieren. Aber zwei harte Währungen gibt es: die Zahl der Menschen, welche die Ausbildung ohne Abschluss abbrechen (die ist bei uns unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt) und die Zahl der Examenskandidaten, die am Ende bestehen (die ist bei uns bislang sehr gut). Woraus folgt dass wir im Lehrsaal und bei der Schülerbetreuung sehr gute bis exzellente Arbeit leisten. Was sich auch darin widerspiegelt, dass unsere Schüler*innen sich, allen gelegentlichen Spannungen zum Trotz mit ihren Problemen oft genug vertrauensvoll an uns wenden. Da gestatte ich mir getrost mal zu sagen: meine Mitarbeiter*innen sind ihr Geld verdammt noch mal wert!

Immer mal wieder muss ich diese Diskussionen führen, weil man an bestimmten Stellen Angst hat, dass sich andere Menschen im Unternehmen – wohlgemerkt in vollkommen anderen Geschäftszweigen – durch die Freiheiten, welche in meinem Geschäftsbereich gelebt werden benachteiligt fühlen würden. Aber wir sind nicht alle gleich und wir machen nicht alle die gleiche Arbeit. Als ich noch “einfacher” Mitarbeiter im Rettungsdienst war, wäre ich nie auf die Idee gekommen, jemandem im Büro die Möglichkeit zur Remote-Work zu neiden. Mein Job bot andere Herausforderungen, aber auch andere Freiheiten. Wenn wir solche Neid-Debatten wirklich aufmachen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Menschen sehr schnell anfangen, Neid zu entwickeln. Aber worauf? Darauf, dass ich halt gelegentlich um 08:00 nicht im Büro in der Dienststelle sitze, sondern in meinem Heimarbeitszimmer, welches zugegebenermaßen in manchen Punkten deutlich besser ausgestattet ist als das, was mir mein Arbeitgeber zur Verfügung stellt? Und mich genauso den lieben langen Tag mit teilweise sehr nervtötenden Aufgaben herumschlagen muss? Dass meine Kolleg*innen mich trotzdem stets erreichen, wenn was ist? Einzig das Pendeln fällt dann weg, weshalb ich an solchen Tagen etwas später aufstehe und dafür vom Start weg wesentlich wacher und produktiver bin; ich bin, zirkadian betrachtet halt eine Eule… Wenn mir jemand das wirklich neidet, lade ich herzlich dazu ein, mich mal zu begleiten. Glaubt mir: meinen Job wollt ihr auch im Home-Office nicht machen müssen! Ich fände es schön, wenn man davon weg käme, immerzu Gleichmacherei betreiben zu wollen, wo diese keinen Sinn ergibt. Z. B., wenn es um Remote-Work und flexiblere Arbeitszeiten geht. Denn die Lehrsäle sind trotzdem morgens pünktlich besetzt und laufen! Dieser Text entstand übrigens an dem gleichen Schreibtisch, an dem ich an solchen Tagen auch sitze/stehe – ihr seht, für die Arbeitsergonomie ist auch gesorgt. Und jetzt diskutieren wir aus, für wen sich Remote-Work eignet und für wen nicht. Und bei Gelegenheit sage ich auch noch was zu diesen frechen Cretins da draußen, die jeden Menschen, der seine Arbeitszeit zumindest teilweise im Büro verbringt als “Sesselpfurzer” bezeichnen, ohne irgendwas über Funktion und Leistung der Person zu wissen. In diesem Sinne – frohes Schaffen.

Auch als Podcast…

Das Private ist politisch…

…ist ein Diktum aus der 2. Welle des Feminismus während der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Und es ist heute immer noch wahr – vielleicht sogar wahrer denn je, wenn man lesen muss, dass es Deutschlandweit mittlerweile 120 (vermutlich sogar mehr) Gruppen jugendlicher, teilweise noch nicht mal strafmündiger Neonazis gibt, die sich, koordiniert über social media und messaging apps, abends zusammenrotten, um Gewalttaten gegen Andersdenkende zu begehen. Erinnert ein wenig an Liedzeilen aus “Hey, hier kommt Alex”, allerdings unter erheblich verdrehten Vorzeichen. Um’s kurz zu machen: diese Kinder, denen ihre eigenen Eltern so unfassbar viel Nazi-Mist in Gehirn geschissen haben, dass deren Außenfarbe mittlerweile auch braun geworden ist, diese Indoktrinations-Opfer sind genauso wenig zu retten, wie ihre Eltern aus der Generation Baseballschläger der frühen 90er. Warum dieses Pack überhaupt Kinder bekommen durfte, ist mir ehrlich gesagt unverständlich. Für alles mögliche und unmögliche braucht man in diesem Land eine Erlaubnis. Aber Kinder in die Welt setzen, um die Brut dann auch noch mit inhumaner, rassistischer, chauvinistischer, faschistischer Ideologie zu füttern – das ist okay. Da sagt keiner was. Hauptsache sie zahlen Steuern…

Ich stand damals an der seltsamen Schwelle vom Jugendlichen zum Erwachsenen und ich habe viele Dinge nicht einordnen können, weil mir dazu das tiefere Wissen und die Lebenserfahrung gefehlt haben – aber ich wusste von der ersten Sekunde, da ich diese Dinge wahrnehmen musste, dass diese hässlichen Fascho-Fratzen als widerlicher Bodensatz unserer Gesellschaft schlicht und ergreifend zu dumm, zu unempathisch, zu aggressiv, zu engstirnig und zu leicht erreichbar für die verlockenden Einflüsterungen ihrer Fascho-Fratzen-Ahnen sein würden, als dass man sie je würde re-sozialisieren können. Ich glaube nicht mehr an die Re-Sozialisation von Nazis! Ich glaube, dass man sie – wo auch immer sie auftauchen, finden, öffentlich machen, einkesseln, niederschreien, verjagen und notfalls mit Gewalt bekämpfen muss. Denn sie bedrohen alles, was uns aufrechten Demokraten lieb und wichtig ist: unsere Freiheit, nach unserer Facon glücklich zu werden, gleich ob dies nun religiöse, sexuelle, weltanschauliche, soziale oder politische Aspekte des Daseins betrifft. Oder was auch sonst immer. Man mag den kategorischen Imperatitv nicht mögen, weil Kant erwiesenermaßen ein Chauvi war. Aber unsere darauf fußende Rechtsphilosophie – und in der Folge unsere Gesetze und unsere Rechtsprechung – welche die Freiheit des Einen nur dort einschränken wollen, wo die des Nächsten beginnt, ist ein Wert an sich!

Heute muss ich erleben, dass sich die Geschichte von vor 30 Jahren wiederholt, teilweise in meinem direkten Umfeld. Und ich kann dem nur in aller Entschlossenheit meine tiefste Überzeugung entgegensetzen: nämlich dass die drei ersten Artikel unseres Grundgesetzes UNVERÄUSSERLICHE, UNHINTERGEHBARE und UNIVERSELLE Grundsätze unseres Miteinanders sind, die vor allem eines verhindern helfen sollen: die Objektifizierung von Menschen, so wie etwa die original-Nazis sie durch den Holocaust betrieben haben ! Denn alle Menschen, gleich woher sie kommen, woran sie glauben, wie sie lieben, auf welche Art sie ihre Leben leben wollen und mit wem sie diese Leben teilen wollen waren, sind und bleiben Individuen, die den Schutz ihrer Individualität verdient haben, solange sie selbst nichts unternehmen, anderen diesen Schutz nehmen zu wollen. Und so kann ich euch braunen Kadern, die ihr unsere demokratisch-freiheitliche Ordnung von innen heraus durchsetzen, zerstören und durch eure eigene, überaus kranke, Vision einer “Volksgemeinschaft” ersetzen wollt nur laut entgegenschreien: FUCK NAZIS. WIR werden EUCH jagen, bis IHR wirklich nur noch ein Fliegenschiss der Geschichte seid. Und wer glaubt, das ist doch alles gar nicht so schlimm, den erinnere ich an Kästners Worte nach dem Ende des Nazi-Regimes:

"Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat."
Auch als Podcast…