Die MUKENNS-Partei – Mit Uns Kommt Es Nicht Noch Schlimmer!

IDEE: eine Partei, welche sich den folgenden Prinzipien verpflichtet:

  • Ökologische Verantwortung: wir müssen die Frage beantworten, in was für einer Welt wir zukünftig leben wollen. Wir brauchen wirksame Maßnahmen für den Hitzefolgenschutz und gegen die fortwährende Klimaerwärmung mit den daraus folgenden Extremwetter-Ereignissen. Welche das sind, hängt von den anderen Prinzipien mittelbar und unmittelbar ab. Sicher ist aber, dass die fortwährende Verfeuerung fossiler Brennstoffe für Mobilität und Energiegewinnung KEINE Alternative für die Zukunft darstellt! Das bedeutet auch, dass wir uns damit abfinden müssen, dass unser individueller Energie- und Ressourcen- Verbrauch und damit unsere Reisereichweite kleiner werden müssen und sich unser Leben insgesamt verändern wird. Ohne diese Anpassungen geht es nicht! Parteien, die etwas anderes behaupten, lügen auf Kosten der Zukunft unserer Kinder!
  • Verminderung der sozialen Ungleichheit: es geht nicht ohne eine Veränderung / Anhebung der Vermögens- und Erschaftssteuern. Die Welt braucht keine Milliardäre, die mit ihrem Geld politische Gestaltungsmacht kaufen und dann nach Gutdünken darüber bestimmen, wer, bzw. ob überhaupt irgendjemand an ihrem Reichtum partizipieren darf. Entgegen den Legenden bedeutete dies NICHT, Leistung zu bestrafen. Und es beträfe auch nicht normal verdienende Mittelstandsfamilien. Hört endlich auf, Menschen in abhängiger Lohnarbeit zu erzählen, dass Vermögenssteuern sie ärmer machen würden – das ist unredlich! Hierrein fällt auch der Schutz der Arbeitnehmerrechte, welche insbesondere CDU/CSU (mit Hilfe der SPD) und AfD derzeit zu demontieren versuchen!
  • Keine Lobbyistenzugänge mehr: das Modell des Korporatismus ist in Deutschland zu einer ausschließlichen, ständigen Vertretung von reinen Wirtschaftsinteressen degeneriert! Gesellschaftliche Kreise abseits der besitzenden Eliten sowie ökologische, soziale und Gesundheits-Themen aus Sicht der Bürger*innen finden kaum noch politisches Gehör. Dies muss beendet werden. Ebenso müssen zukünftig alle Parlamentarier ihre Einkünfte vollumfänglich transparent offenlegen! Und schließlich müssen ALLE politischen Amtszeiten auf maximal zwei Legislaturperioden begrenzt werden! Das gilt auch für die Ämter innerhalb von MUKENNS!
  • Bessere allgemeine und berufliche Bildung: Zugang zu Bildung und den daraus zwingend resultierenden Lebens- und Teilhabe-Chancen ist ein Menschenrecht! Wir brauchen ein allgemeinbildendes Schulwesen, dass ALLEN Kindern die Entfaltung ihrer Potentiale und Talente ermöglicht, anstatt auch im frühen 21. Jhdt. immer noch nach preußischem Modell durch zwangsweise Einpassung in ein überkommenes Normenkorsett funktionierende Untertanen erzeugen zu wollen. Zur Erreichung dieses Ziels ist eine umfangreiche Ausweitung der Investitionen in Infrastruktur, Personalschlüssel und Pädagogenausbildung zwingend erforderlich. Dies betrifft auch die Qualifikation der Ausbilder*innen in den Berufsschulen, Berufsfachschulen und Ausbildungsbetrieben.
  • Medizinische Versorgung: Die Krankheit oder Verletzung eines Menschen darf kein Anlass für andere Menschen sein, damit Renditen erwirtschaften zu können. Die Kosten für Personal und Ressourcen müssen auskömmlich gedeckt sein und die Versorgung muss dort stattfinden, wo diese sinnvoll ist; dieser Ort heißt oft NICHT Krankenhaus. Das Gesundheitswesen muss Menschen gesund machen, bzw. gesund erhalten und darf nicht dem Zweck dienen, für Dritte Sharehoolder-Value zu erzeugen. Die hohe Zahl der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland muss verkleinert werden – dies spart Verwaltungskosten, die auf Grund unnötiger Mehrfachvorhaltung entstehen. Die Zahl der psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten – insbesondere der ambulanten – muss ausgebaut und auskömmlich finanziert werden.
  • Gesteuerte Zuwanderung: sich der Erkenntnis zu verschließen, dass unser Land nunmehr seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist, wäre dumm. Und volkswirtschaftlich ist eine konstante Immigration auf Grund der stagnierenden Geburtenraten auch notwendig. Bester Hebel für eine schnellere Integration in den hiesigen Arbeitsmarkt ist der verpflichtende zügige Erwerb hinreichender Sprachkenntnisse. Ohne diese sind alle weiteren Maßnahmen wirkungslos. Diese, wie derzeit praktiziert, dem – weitestgehend trotz privatwirtschaftlichen Betriebes unterfinanzierten – quartären Bildungssektor zu überlassen, produziert immer wieder schlechte Ergebnisse; diese Aufgabe muss in das allgemeinbildende Schulwesen integriert werden. Gleichwohl gilt es – abseits der bestehenden Regelungen zum Asyl für Verfolgte – sinnvolle Maßnahmen zur Kontrolle von Immigrations-Bewegungen zu ergreifen. Dabei sind Grenzkontrollen lediglich wirkungslose Symbolpolitik. Hierzu sind andere Ansätze notwendig, wie etwa das Trockenlegen der Schlepper-Kriminalität und neue Formen nicht-paternalistischer Entwicklungshilfe, um Emmigrationsanreize in den Herkunftsländern zu senken. Darüber, wie viel Einwanderung und “fremde Kultur” unser Land denn verkraften kann, braucht es allerdings einen neuen gesellschaftlichen Konsens.
  • Mehr Basis-Demokratie: das Modell des permanenten Bürgerdialoges, wie dieser in der Region Ostbelgien betrieben wird, könnte auch in Deutschland zumindest auf kommunaler und regionaler und Länder-Ebene eine Blaupause für mehr echte Bürgerbeteiligung sein, ebenso wie der vermehrte Einsatz von Plebisziten, wobei eine Festlegung des Quorums die jeweilige Wichtigkeit der Entscheidung per Menge Wahlberechtigter wiederspiegeln sollte. Inwieweit solche Modelle auch auf Bundesebene funktionieren können, muss umgehend Gegenstand einer wirklich ergebnisoffenen Prüfung werden.
  • Anti-imperialistische Außenpolitik: der Kontakt zu autokratischen Regimes muss auf den diplomatischen Austausch begrenzt werden; insbesondere gegenüber Russland. Hier dürfen wirtschaftliche Interessen in keinem Fall über die Notwendigkeiten der weiteren Eindämmung des um sich greifenden Imperialismus verschiedener Staaten gestellt werden! Hinweis: wiewohl das Existenzrecht des Staates Israel ausdrücklich bekräftigt wird und Antisemitismus, ebenso wie jegliche Form von Rassismus und Mysogynie innerhalb dieser Partei und ihrer Wähler*innen keinen Platz haben, muss Kritik an den Handlungen der israelischen Staatsführung, sofern diese sachlich vorgetragen wird, jederzeit möglich sein! Man kann seine historische Verantwortung duch die Schoa vollumfänglich anerkennen und einen gleichberechtigten Partner dennoch darauf hinweisen, dass er sich gerade außerhalb jeder völkerrechtlichen Legitimation bewegt. Antisemitismus und politischer Diskurs sind zwei unterschiedliche Dinge!
  • Säkulare Orientierung: MUKENNS bekennt sich zur strikten Trennung von Kirche und Staat, wobei “Kirche” hier jedwede Organisation eines Glaubensbekenntnisses inkludiert. Dabei gilt auch, dass alle nach wie vor gültigen Sonderrechte der in Deutschland tätigen christlichen Kirchenorganisationen auf den Prüfstand müssen.
  • Geschlechter-Gleichstellung: MUKENNS bekennt sich zur Gleichstellung von Frau, Mann und anderen biologisch wie sozial zugeschriebenen Geschlechtsidentitäten. Deren fortwährende Ungleichbehandlung abzubauen und idealerweise völlig aufzulösen, gehört damit zu ihren ausdrücklichen Zielen.

Dies ist eine weiter ausformulierte Schnapsidee, die neulich im Rahmen einer politischen Diskussion am Arbeitsplatz geboren wurde. Dass der Name nicht wirklich griffig ist, war von Anfang an Teil des Konzeptes. Doch aus dem eher satririsch motivierten Gedanken wird unterdessen eine fixe Idee, die zu verfolgen es vielleicht wert sein könnte. Insbesondere, wenn ich die skandierenden Faschos mit ihren Wahlergebnissen sehe… Was denkt ihr?

Auch als Podcast…

An endless summer…

Mannomann, war Kindsein geil! Die Sommerferien kamen einem vor wie ein endloses Abenteuer. Vielleicht auch deswegen, weil der größte Abenteuerspielplatz direkt vor unserer Haustür lag. Ich musste also nicht allzuweit gehen/fahren, um Spaß haben zu können. Ja, meine Eltern hatten jetzt nie so viel Kohle übrig, dass wir groß ins Ausland gefahren wären, aber es gab dennoch schöne Urlaube, in denen ich das eine oder andere erlebt habe; und einiges von Deutschland gesehen. Irgendwann, so mit 17 hatte ich jedoch eigene Wünsche und bemerkte alsbald, dass meine Eltern nicht bereit waren, mir diese Ideen, wie etwa meine erste Auslandsreise zu finanzieren. Ich jobbte, seit ich 14 war relativ häufig und hatte folglich trotzdem keine Probleme, mir selbst was zu leisten. Und meine Eltern legten mir auch keine Steine in den Weg. Aber irgendwie änderte sich meine Wahrnehmung von freier Zeit, Ferienzeit, Urlaub dadurch. Da war damals immer noch diese unbeschwerte Freiheit, doch ich ahnte bereits früh, dass man sich als Erwachsener diese Freiheit durch Arbeit erkaufen musste. Damals hat mich das tatsächlich nicht besonders gejuckt, denn ich empfand als junger Kerl auch die Arbeit irgendwie als Abenteuer. Ich bin einer von diesen komischen Gen-X-Typen, die einen gewissen proletarischen Stolz auf die von Ihnen erbrachte Leistung empfinden konnten; insbesondere, wenn diese in Zahlen darstellbar war. Auch heute noch bin ich durchaus stolz darauf, wenn ich etwa ein Projekt abschließen kann, oder wenn Unterricht funktioniert hat, oder wenn ich sehe, dass jene Pläne, die ich seit geraumer Zeit verfolge, langsam Früchte tragen. Die Leichtigkeit ist allerdings perdu. Ich bemerke den Preis – also die Arbeit – wesentlich intensiver, als die Freiheit, welche er mir von Zeit zu Zeit zu erkaufen vermag. Vielleicht mag ich meine Arbeit nicht mehr? Ich weiß es nicht wirklich; aber wie ein Abenteuer, dass zu erleben wert ist, fühlt es sich schon eine geraume Zeit nicht mehr an.

Das Kind in mir erinnert sich an endlose Tage, laue Abende, Fahrten ins Schwimmbad, an den Rhein oder an den See. An das Grillen, später an die vielen TTRPG-Runden, die wir in meinem ehemaligen Zuhause gespielt haben. An gute Zeiten. An das Gefühl, sich in jede Richtung entwickeln zu können, alles tun und die Welt erobern zu können. Selbst nachdem ich irgendwann in der harten Realität des Berufslebens angekommen war, spürte ich so gut wie nie den Druck, der mir heutzutage das Schaffen sauer macht. Ich hab damals meine beste Ehefrau von allen kennengelernt. Sie war und ist meine erste große Liebe und… es hält immer noch. Wir sind unterdessen zu anderen Menschen geworden, als diese jungen Wilden, die damals so mache Verrücktheit unternommen haben. Und dennoch fühlt sich das immer noch richtig an. Was sich nicht mehr richtig anfühlt, ist der endlose Sommer. Ich meine – seien wir realistisch, für den 8-, 10, 13-Jährigen fühlten sich diese Sommer so lang an, weil die relative Länge im Vergleich zur bisherigen Lebenserfahrung tatsächlich viel größer war, als für den heute 52-jährigen. Aber das ist nicht das Einzige, was sich geändert hat. Ich empfinde die Hitze wesentlich stärker – weil sie stärker geworden ist. Ich hatte nur wenig Ahnung von Ozonloch, Klimaerwärmung, saurem Regen mit Waldsterben (das war in der 80ern ein Riesenthema), etc., bevor ich einen Physiklehrer bekam, der mir all diese Aspekte näher brachte. Irgendwie habe ich seitdem einen Knacks. Nicht wegen des Physiklehrers, sondern weil mir nach und nach bewusst wurde, wie fragil diese Welt ist, wie beschissen wir Menschen aus niedersten Beweggründen mit ihr umgehen – und was das für mich als Mensch eines Tages bedeuten würde – was es JETZT für mich bedeutet. Ich denke, ich bin eine linksgrüne Zecke, weil es in meinen Augen keine andere Hoffnung für diesen Planeten gibt, als dass wir alle linksgrüne Zecken werden. Mit anderen Worten – es mangelt mir an Hoffnung.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich mag den Sommer immer noch. Ich mag die endlosen Abende. Ich mag es, mit meiner Kamera knipsend durch die untergehende Sonne, die blaue Stunde und das erste Dunkel der Nacht zu stromern. Ich mag es, meine langen Bahnen durch Seen und Flüsschen zu ziehen. Ich mag lange Spaziergänge oder Wanderungen. Ich bin einfach gerne draußen unterwegs. All das ist in der dunkel-kalten Jahreshälfte nicht in der Form möglich, die mir wirklich Spaß macht. Aber auch hier ist die unbeschwerte Freiheit weg, ersetzt durch das Gefühl, an allem, was in den nächsten Jahrzehnten an Unbill für die Menschheit folgt, schuld zu sein. Was vollkommener Quatsch ist – zumindest in endgültiger Eindeutigkeit. Wenn überhaupt, war bzw. bin ich nur ein sehr kleines Teil in einem sehr großen System namens Gesellschaft. Und unterdessen tue ich, was mir möglich ist, um dem Klimawandel zu begegnen. Wenn ich so aus dem Fenster schaue, dann frage ich mich, wann es sich wie ein “normaler” Spätsommer oder Herbst anfühlen wird, während tief in mir die Angst steckt, dass wir schon in einem endless Summer angekommen sind. Das Kind in mir schaut hinaus und denkt sich “Ei der Daus – ich war im Spetember noch schwimmen!” Der Erwachsene hingegen – was auch immer mich für diesen Status qualifizieren mag – erinnert sich daran, schon früher im Jahr wegen der unglaublichen Temperaturen aus der Stadt geflohen zu sein, weil er es nicht mehr ausgehalten hat. An einem Wochenende fuhr ich hinaus in den Odenwald, an einem anderen in den Pfälzerwald und suchte mir schattige Plätzchen, wo man den Tag halbwegs verleben und seinen Gedanken nachhängen konnte. Nur um feststellen zu müssen, dass diese Gedanken finster wurden. So ist das, wenn man an einer Depression leidet – manchmal überwältigen und lähmen dich diese negativen Emotionen so hart, dass du kaum mehr leben willst. Es dauert dann stets lange, bis man sich des Umstandes erinnert, dass man sein Leben auch selbst in die Hand nehmen kann.

Dass man etwa der Politik Beine machen kann – wenn wir nur viele sind. Dass man seine eigenen Lebensumstände beeinflussen kann – wenn man beginnt, Optionen zu denken, anstatt nur der Angst zu folgen. Dass das unbeschwerte Kind, das die allermeisten von uns einst waren, noch irgendwo da drin schlummert, bereit sich diesem Abenteuer Leben zu stellen – und so den Dingen jeden Tag neu zu begegnen, wie es möglich und sinnvoll ist. Man muss sich nur daran erinnern, dass der endless summer auch Freude bereit hält, dass es diese schönen Dinge gibt, die zu erhalten man lediglich seinen Arsch hochkriegen und gegen das Andere kämpfen muss. Dass man mit dieser Aufgabe nicht alleine ist. Und dass die Zukunft – allem Gezänk und aller Bosheit zum Trotz – ein Weg ist, dessen Karte noch nicht fertig geschrieben wurde. Denn… schreiben müssen wir diese selbst. Und das jeden Tag neu. Gegen die Dummheit, gegen die Gleichgültigkeit, gegen die Angst, gegen die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde. Mit frischen Ideen, Hoffnung, Mut und Miteinander. Dann lässt sich die Angst vor dem endless summer auch als Erwachsener aushalten. Dann wird das Leben auch wieder zu einem Abenteuer, dass zu erleben wert ist. Wir sehen uns, da draußen, im Abenteuer…

Auch als Podcast…

Ein revolutionärer Akt…?

Einen Hügel auf verschlungenen Pfaden hinunter zu gehen, ist keine Revolution. Einen Hügel in einem Sessellift hinaufzufahren eigentlich auch nicht. Es sei denn, man hat wie ich Höhenangst und macht es trotzdem. Okay… der Begriff “Revolution” mag übertrieben sein; nennen wir es lieber ein Aufbegehren. Ein Aufbegehren gegen die eigenen Grenzen. Einen großen Schritt aus der eigenen Komfortzone hinaus in die wahre Welt, die sich einen Dreck darum schert, wie es uns gerade geht, ob wir immer noch im Rahmen definierter Parameter funktionieren können, oder ob wir einverstanden sind mit dem, was gerade rings um uns herum passiert. Manchmal braucht es ein Symbol, um begreifen zu können, dass wir all dem trotzdem nicht ausgeliefert sind. Dass unsere Taten – genauso wie unser Unterlassen – ihre Wirkung entfalten; nur bei weitem nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Für mich ist der Sessellift ein solches Symbol, weil er mich daran gemahnt, dass wir so gut wie immer die Wahl haben, uns unseren Ängsten zu stellen, anstatt unser Leben von Ihnen bestimmen zu lassen. Sich einer einzelnen Phobie zu stellen, mag für viele Menschen da draußen jetzt nicht nach irgendeinem Erfolg klingen, doch mich kostete es endlose Überwindung, aus der bloßen Idee eine Handlung zu generieren – und ohne die beste Ehefrau von allen, wäre ich unterwegs wahrscheinlich trotzdem schreiend aus dem Sessel gesprungen. Ich darf hier und jetzt versichern: das ist nicht passiert und wir sind hinterher ganz manierlich den Hügel wieder runterspaziert… okay, gefühlt eher gekraxelt, denn der Fußweg zu Tal war doch recht uneben. Keine Sprünge – keine Verletzungen.

Nun hat diese Handlung für mich Symbolcharakter gewonnen, die für die meisten Anderen keine nennenswerte Herausforderung darstellt, weil sie meine Angst nicht teilen. Aber was ist mit den Dingen, den Sachverhalten, die diesen anderen Menschen vermutlich Angst machen? Finden die den Mut, sich dem zu stellen? Haben die dabei auch Hilfe? Und was ist, wenn sie sich dem nicht stellen? Wird dann aus dem retrospektiv betrachtet doch leicht zu bezwingenden Hügel irgendwann ein unüberwindlicher Berg? Was ist, wenn wir gar nicht mehr nur über Ängste reden, sondern über Überzeugungen, die nicht aus Wissen, sondern im Gegenteil aus Gefühlen, Unwissen und vielleicht auch Manipulation entstanden sind? Und die dazu führen, dass man Menschen hasst, die einem objektiv betrachtet nichts getan haben? Ach… das ist doch ein viel zu weit hergeholtes Gedankenspiel. Kann man sich ja gar nicht ausmalen, dass Menschen lieber nach jemandem suchen, den sie für ihre Situation beschuldigen und hassen können, anstatt nach Lösungen für die Probleme zu suchen, die ihnen derzeit subjektiv das Leben sauer machen. Es ist doch vollkommen unrealistisch, dass Menschen sich derart von ihren Ängsten und Vorurteilen vereinnahmen lassen, dass es ihnen nicht mehr möglich ist, zu erkennen, dass das Gegenüber auch nur ein Mensch ist, der lediglich nach einem Weg durch dieses miese Spiel namens Leben sucht…? Im krassen Gegensatz zu mir begreifen diese Menschen es vermutlich als revolutionären Akt, ihren blinden Hass auf einen Wahlzettel zu erbrechen, anstatt sich die Frage zu stellen, ob es nicht vielleicht doch sinnvoll sein könnte, sich mit den tatsächlichen Problemen unserer Zeit wie dem Klimawandel, den Hitzeschäden und unseren gesamtgesellschaftlichen Antworten darauf zu befassen, anstatt dem Gefühl nachzugeben, dass wenn ich jemanden wähle, der mir die 30er des vergangenen Jahrhunderts verspricht, ich die “gute alte Zeit” zurückbekomme, in der alles einfacher war…?

Es gab und gibt keine “gute alte Zeit”. Und dereinst wird man festgestellt haben, dass sich auch in der Zukunft keine “gute alte Zeit” verbarg. Man wird aber wissen, dass, wenn man seinen unreflektierten, unherausgeforderten Ängsten folgt und die 1930er wählt, man die 1930er bekommt – inklusive politischer Säuberung, Jagd auf alle die anders aussehen, die Welt anders wahrnehmen, anders glauben, anders lieben. Wer die Diktatur wählt, weil seine Angst ihm angeblich den Weg zum klaren Denken versperrt, kann trotzdem nicht von der Schuld für das freigesprochen werden, was dann unausweichlich folgen wird. Sie – die AfD – haben es angekündigt. Sie wollen auf die Gräber der Anderen – die sie hassen wollen, weil sie sie einfach nicht verstehen können – pissen, auf diesen Gräbern tanzen. Gräbern, die sie selbst ausheben werden! Aber selbst, wenn es sich so anfühlt, als wenn die Angst manche unserer Taten diktieren müsste – wir haben IMMER die Wahl, ob wir der Angst nachgeben; oder ob wir uns unseren Ängsten stellen und versuchen, herauszufinden, ob das, was uns Angst macht denn wirklich so schlimm, so bedrohlich, so unmöglich aushaltbar ist? Um zu der Erkenntnis gelangen zu können, dass genau das NICHT der Fall ist. Es mag einem den Puls hochtreiben – aber sich dem auszusetzen, was einem Angst macht, oder was einem nicht passt führt eigentlich immer dazu, dass man sich selbst etwas eingestehen muss, nämlich die Begrenztheit der eigenen Wahrnehmung. Es gibt immer mehr zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu erfahren, zu verstehen. Wenn man es nur zulässt. Denjenigen, die noch unentschlossen sind sage ich Folgendes: Tut mir einen Gefallen morgen und macht euer Kreuz nicht bei den Blauen, weil ihr euch vor etwas Unbekanntem fürchtet oder etwas Neues nicht versteht! Dafür gibt es bessere Lösungen. Wir hören uns bald wieder.

Und denen, die so oder so die AfD wählen, weil sie davon überzeugt sind, die neuen Herrenmenschen zu sein: fahrt zur Hölle, dreckiges Faschistenpack und nehmt dabei alles mit, was auch nur im Entferntesten an euch erinnert! Hass gebiert Hass – Gewalt gebiert Gewalt. Wir werden euch jagen, denn mit den Intoleranten kann es KEINE Toleranz geben!

Auch als Podcast…

Bienvenue au pays cathare N°18 – Würde?

Ich bekam die Tage in meine Insta-Timeline ein Reel gespült, in welchem die Frage erörtert wurde, in wie weit sich die im EEG messbare Hirnaktivität verändert, wenn man Probanden eine nicht ganz triviale Aufgabe gibt – schreibe einen Essay über ein vorgegebenes Thema – und die Gruppen dann einteilt in a) dürfen ein LLM (hier ChatGPT) benutzen, b) dürfen eine Suchmaschine benutzen, c) dürfen nur ihr Hirn benutzen. Dem Reel zugrunde liegt eine Studie, welche vom MIT Media Lab (Juni 2025 – Preprint) durchgeführt wurde, die allerdings noch nicht verallgemeinerbar ist, weil die Zahl der Probanden gering war (n=54). Hierbei ist dennoch festzustellen, dass die Nutzung von LLMs im gegebenen Setting zu deutlich verminderter Hinrnaktivität während der Bearbeitung führt. Dies ist durch das Cognitive Offloading (also die Lastverminderung durch Auslagern von Aufgaben) zu erklären. Aber nicht nur dass – die kognitive Leistungsfähigkeit bleibt auch danach eingeschränkt. Diese sogenannte Cognitive Debt als Langzeitfolge der wiederholten LLM-Nutzung wirft die Frage auf, welchen Wert diese Algorithmen für uns überhaupt haben können, wenn unsere eigene kognitive Leistungsfähigkeit unter der Nutzung leidet? Für mich jedoch noch viel relevanter ist folgender Gedanke: wenn wir Denkaufgaben an Algorithmen auslagern, geben wir einen der bedeutendsten Aspekte des Menschseins ab: nämlich bewusstes Beobachten, Wahrnehmen, Kenntnisabgleich, Einordnen, situative Handlungsadaption, heuristische Prädiktion, moralisches Werturteil, etc. – kurz gesagt, all das, dessen mögliche Tiefe und Komplexität unsere kognitiven Fähigkeiten von denen aller anderen Säugetiere wesentlich unterscheidet. Ich muss an dieser Stelle etwas ausholen, um die Folgen klar darstellen zu können.

Gehen wir einen Schritt weiter. “Die Würde des Menschen ist unantastbar”. Art. 1, Abs. 1 unseres GG lautet genau deshalb so, weil nie wieder Menschen objektifiziert, also zu Dingen degradiert werden sollten, um sie wie Dinge behandeln zu können. Ja, ich rede natürlich von den Nazis und vom Holocaust. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes hatten 1948 sehr genau verstanden, was hier passiert war; nämlich, dass man Menschen zu Dingen erklärt und ihnen damit die Menschenrechte abgesprochen hatte, um sie ohne Hemmungen zu Millionen töten zu können. Und genau eine Wiederholung dessen sollte das Grundgesetz verunmöglichen (auch wenn wir heute wieder dreckige, blaubraune Faschos unter uns haben, die sich nicht darum scheren, dass alle Menschen gleich sind)! Die somit zumindest bei uns in Deutschland als Subjekt-Qualität von Verfassungsrang geschützte Würde des Menschen ist allerdings untrennbar mit seinem Bewusstsein und seiner Fähigkeit zum moralischen Werturteil verbunden. Lagere ich nun meine Denkprozesse an eine Maschine aus, hat das aus meiner Sicht mehrere Konsequenzen zur Folge: (A) ich beraube mich, indem ich eine meine ureigensten Aufgaben und Privilegien an die Maschine delegriere, selbst meiner Menschenwürde. Denn es ist ein evolutionäres Privileg, über derartig weitreichende kognitive Fähigkeiten zu verfügen, aus dem jedoch auch die Verantwortung erwächst, sich derselben umfänglich zu bedienen, also denkend das Schicksal zu bezwingen. “Sapere Aude!” – “Wage es, weise zu sein!” Horaz schrieb es, Kant hat es zitiert. Wenn ich das ohne jede Not weggebe, beschneide ich mich selbst als Mensch! (B) und das ist noch wesentlich weitreichender, werfe ich die Frage auf, ob eine Maschine menschliche Qualität haben kann, bzw. haben darf, wenn ich denn zumindest Teile meiner Würde auf sie delegiere? Die Büchse der Pandora ist offen – und noch sehe ich nicht die (neue) Hoffnung, welche ja als letztes aus dieser Büchse entfliehen soll… Wo ist die Grenze, da ein menschengemachter Algorithmus – alle juristischen, moralischen, sozialen, wirtschaftlichen, politischen, etc. Folgen inclusive – zu einer Person wird? Schließlich, aber nicht letztlich, da dies hier lediglich ein Denkanstoß sein kann… (C) was macht das alles am Ende des Tages mit uns Menschen? Werden wir wirklich weniger Würde haben, als zuvor? Wird uns die Entlastung am Ende doch bereichern? Wie wollen wir uns selbst sehen? Werden wir uns in unserem Denken und Handeln alsbald den Algorithmen nähern und irgendwann völlig dehumanisiert?

Ich will ehrlich sein: mir graut vor einer Welt, in der einst ein Algorithmus – ein bloßes, von Mathematik getriebenes Machwerk von Menschenhand – vor Gericht wegen irgendwas gegen irgendeinen Menschen klagen kann. Ich habe Angst, dass wir uns selbst in der Folge der Renditegläubigkeit und des Effizienzgefasels der Techbros – mehr Marketing-Gag als Realität – auf statistische Berechnungen verlassen, die unser Vertrauen nicht verdient haben, weil sie uns als Menschen kleiner, weniger, dümmer machen; und wahrscheinlich auch weniger human. Unser nächster evolutionärer Schritt zeigt meines Erachtens im Moment in die völlig falsche Richtung und dennoch versuchen so viele gerade verzweifelt, ein Ticket für diesen Zug nach nirgendwo zu bekommen, weil sie glauben, das wäre der nächste heiße Scheiß auf ihrem Weg zu Glück und Reichtum; wobei Kapitalisten die beiden Begriffe ja gerne gleichsetzen. Ich war und bin definitiv kein Luddit. Doch die Art und Weise, wie wir heute mit LLMs umgehen, sie zu benutzen glauben, während wir sie nur weiter füttern, damit sie noch mehr AI-Slop erzeugen und ihre Besitzer noch reicher machen können – in der fatalen Annahme, dass sei schon KI – gereicht nicht zu unserem Vorteil, sondern zu unserer weiteren kognitiven Verarmung. Und das will und werde ich nicht hinnehmen. Dieser Text wurde übrigens, wenn auch mit ein wenig Suchmaschinenhilfe, von einem Menschen erzeugt. Einem Menschen, der morgen, den Kopf voller Gedanken, das Herz erfüllt von ein bisschen Wehmut aber auch Vorfreude auf etwas weniger Hitze, die erste Etappe des Rückwegs aus den Pyrenées-Orientales antreten wird. Daher heißt es morgen früh Au revoir Tautavel. Auf nach Hause… wenn auch mit einem Schlenker über die Rhône-Alpes. Wir lesen uns.

Auch als Podcast…

Bienvenue au pays cathare N°17 – Der alternde Zocker und die KI

Ich schimpfe viel auf antisocial media. Dennoch – und das ist nicht bigott, sondern einfach unvermeidlich, wenn man um bestimmte News und Trends inner- wie außerhalb der eigenen Bubble wissen möchte – bin ich auch auf manchen Medien unterwegs. Häufig nur als Konsument, selten als Kommentator, weil mich viele Diskussionen einfach ermüden. Auch, oder sogar insbesondere, wenn es um mein Hobby N°1 geht. Ich rezipiere aber recht regelmäßig ein paar Channels aus der sogenannten D&D-Tube, deren Macher – als Content-Creator – viel näher an der Branche dran sind als ich, die immer wieder interessante Denkanstöße aufwerfen und deren Geschichten einfach gut erzählt sind. Ich selbst spiele kaum D&D, weil ich viele Regelaspekte ziemlich Banane finde, klaue jedoch gerne Ideen für meine eigenen Welten und Regelwerke. Und viele dieser Videos sind eh System-agnostisch. Ich halte es zudem für wertvoll, den eigenen Horizont nicht zu begrenzen. Na ja… wenn es um gutes altes Nerddom geht, war ich eh nie ein Kind von Traurigkeit: Es fing an mit der wachsenden Versessenheit auf Geschichte(n), angeregt durch die Büchersammlung meiner Eltern. Ich las Comics aller Art. Dann kam mein erster Computer dazu – natürlich ein C-64, ich war ja ein Kind der 80er. Ich habe mir darauf selbst ein bisschen Programmieren beigebracht (Basic, Assembler) und natürlich gezockt, was es damals gab. Dann kamen Romane aus allen Genres (Stephen Kings „Das letzte Gefecht“ habe ich an einem Wochenende weggeschwartet…). Ich habe die ganze Palette obskurer Filme der 80er gesehen (oft genug, ohne die FSK-Freigabe zu erfüllen) – und schließlich landete ich bei TTRPGs jedes erdenklichen Genres. Ich war immer ein Außenseiter, aber in der Clique von like-minded weirdos (und manchen, die es zumindest mal ausprobieren wollten) wurde ich rasch zu einer festen Größe. Aber auch nur dort…

Les Orgues d’Ille-sur-Têt – Departement Pyrenées-Orientales

Denn ich habe mich nie wirklich groß in die Diskussionen um bevorzugte Regelwerke und Mechaniken, um Spieler- und Spielleitertypen oder anderen Quatsch involviert. Ich segelte mal, als das noch neu war, auf ein paar Forenseiten rum. Aber ganz ehrlich… das Feedback war stets wenig hilfreich, da nicht wenige Leute dort viel zu sehr um sich selbst und das Vertreten ihrer eigenen Meinung kreisten, als das eine fruchtbare Diskussion hätte zustande kommen können (Stichwort: „Tanelorn“; gibt’s das dämliche Ding überhaupt noch?). Ich blieb stattdessen lieber Teil meiner eigenen kleinen Community (über die Zeit allerdings durchaus mit wechselnden Protagonisten). Schon deshalb, weil ich im Lauf der Jahre eine relativ klare Vorstellung davon entwickelt hatte, wie das alles funktionieren sollte. Und dann, weil ich von mir selbst genervt war, weil sich meine Ansprüche an das Spiel gewandelt hatten und weil ich durch einen echten und einen Spielleiter-Burnout gegangen war, landete ich schließlich in der D&D-Tube; und konnte einigen wirklich faszinierenden Channels beim Wachsen zusehen. War interessant und ein paar Leuten folge ich immer noch. Streams wie „Critical Role“ waren jedoch nie mein Ding (ich habe KEINE Episode komplett gesehen), weil es mir stets wie second-hand-gaming vorkam. Doch ich verstehe, dass genau das viele neuen Gamer ins Hobby geholt hat. SEHR VIELE! Und das ist auch gut so.

Unterdessen stelle ich fest, dass sich durch diese Einflüsse so manches in meiner Herangehensweise geändert hat. Nicht so offensichtlich beim Zocken an sich, wohl aber, wenn es um die Vorbereitung und mein Storytelling geht – und ja, ich kann die ganzen Honks aufjaulen hören, die sagen, dass die SL kein Storyteller ist, sondern nur ein Stichwortgeber und Schiedsrichter. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, was das ganze World- und Lore-Building ist, das es braucht, damit auf dieser Basis dann eure Geschichte entstehen kann? Ja, ist recht… In diesem Zusammenhang bin ich die Tage über ein Video gestolpert, welches Dadi von „Mystic Arts“ veröffentlicht hat. Er ruft dazu auf, keine KI mehr in den eigenen Games zu verwenden. In erster Linie geht es ihm um die Creator und Gamedesigner, welche mit Hilfe von KI, oder besser LLMs ihre künstlerischen Arbeitsprozesse abkürzen und so dem Konsumenten das klare Signal senden, dass es ihnen nur um den schnellen Dollar geht. Und da gehe ich mit; insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass es da draußen eine Menge sehr guter, sehr kreativer Künstler gibt, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und jetzt immer mehr durch Chatbots wegrationalisiert werden, deren Fähigkeiten lediglich darauf beruhen, dass sich Firmen wie OpenAI all die, im Internet teils frei einsehbare Kunst von menschlichen Schöpfern widerrechtlich angeeignet und damit ihre Algorithmen trainiert haben. Bis zu einem Grad, der lediglich auf den ersten Blick brauchbare Ergebnisse erzeugt. Ich erkenne für mich nun: wenn ich etwa für ChatGPT bezahle, gebe ich damit dreckigen Dieben mein Geld für eine Dienstleistung, die zu einem erheblichen Teil auf der Verwendung gestohlenen Contents fusst. Und ich bin diesbezüglich immer noch mitschuldig.

Ich habe ChatGPT in den letzten Monaten neben ein paar beruflichen Aufgaben vor allem dafür benutzt, Grafiken für mein Hobby TTRPG zu erstellen. Niemals für eine, wie auch immer geartete, kommerzielle Verwendung. Aber z. B., für Illustrationen von Journalen jener Kampagnen, in denen ich mitspiele, oder ein kleines Hausregelwerk mit eigenem Setting an dem ich arbeite, sowie meine eigene Prep, da ich mittlerweile auch ein wenig mit digitalen Visualisierungen in meinen Präsenzsitzungen herumspiele. Und ich stelle gerade fest, dass ich damit an dieser letzten Grenze stehe, noch mehr AI-Slop ins Netz zu werfen. Die Probleme dabei sind a) der Energieverbrauch und die Naturressourcenverschwendung, welche LLMs mittlerweile erzeugen, b) der Ouroboros Internet, in dem AI-Slop jedweder Art (nicht nur grafisch) von den Algorithmen selbst rezipiert und als Quelle verwendet wird, womit die Maschinen auch den ungeprüften Mist, den sie selbst unweigerlich erzeugen, unaufhörlich regurgitieren, bis der reale Content-Tod eintritt und c) die digitale Demenz, welche ich mir selbst damit anerziehe. Ich kann nicht wirklich malen, aber lieber versuche ich, mir das auch noch beizubringen, als die Maschinen – und vor allem ihre Herren und Meister Tech-Bros – weiterhin zu füttern. Oder ich suche mir wieder menschliche Quellen für die Grafiken. Es gibt für all das in meinem Fall derzeit noch keine gute Lösung, denn ich muss ein paar meiner Workflows wieder komplett umstellen. Wobei ich sagen kann, dass ich die LLMs wenigstens nie für meine Regeln, Stories, NPCs etc. benutzt habe. Das ist alles stets menschliche Arbeit gewesen und wird es auch zukünftig bleiben. Aber es wird am Anfang ein Verzicht sein, denn ich habe diese Spielereien irgendwie liebgewonnen. Es gab mir das Gefühl, meinen Ideen auf eine weitere Art Ausdruck verleihen zu können. Aber wie eine deutsche Band mal so schön sang „…das ist alles nur geklaut!“ Und klauen möchte ich nicht. Denn am Ende soll meine eigene Kreativität zählen. In diesem Sinne – always game on, and better do it without AI…

Auch als Podcast…

KAMPFAUFRUF!

Was für ein Sommer? Ich meine, hohe Temperaturen, langanhaltende Trockenheit, gelegentliche Extremgewitter… all das hatten wir schon mal. Vielleicht nicht in den 1970ern, in denen ich geboren wurde – wohl aber seit dem Jahr 2000. Ich hatte neulich darüber gesprochen, dass mich das furchtbar geängstigt hatte, weil der Hitzestress mich über Tage beinahe komplett schlaflos zurückließ. Dieses entsetzliche Gefühl steckt mir nach wie vor in den Knochen. Doch genau jetzt sind es andere Aspekte, die mich erheblich umtreiben. Während wir normalen Menschen halt nachts schwitzen müssen und tagsüber fast schmelzen, treffen Politikoide Entscheidungen, die man bestenfalls als hinterfotzige Lobbyistenscheiße bezeichnen kann. Man zersägt unser Gesundheitswesen, man fickt Arbeitnehmerrechte, man beschimpft diejenigen, die man gerade kaputt macht auch noch und lacht sich in sein Fäustchen mit dem erhobenen Zeigefinger, während man sein Schäfchen ins Trockene bringt. Was mich dabei am allermeisten irritiert, ist der Umstand, das solche verkommenen, durch und durch korrupten, völlig empathiefreien Flachorgeln wie Friedrich Merz anscheinend sogar glauben, was sie da in irgendwelche Mikrofone stammeln. Anders kann man sich nicht erklären, dass er immer noch mit solchem Brustton der Überzeugung von seinen politischen Projekten spricht – oder aber der Arm seiner Lobbyisten steckt so tief in seinem Arsch, dass er sich wie eine Handpuppe bewegen lässt und man auch die, eh nur rudeimentär arbeitsfreudige Mimikmuskulatur fernsteuern kann. Beide Vorstellungen sind allerdings ein wenig gruselig. Ich weiß noch nicht genau, was ich selbst insgesamt zu tun gedenke – aber eine Sache ist mir definitiv wichtig: wir brauchen einen Generalstreik! JETZT! Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit dem aktuellen Politikkurs unseren folgenden Generationen irgendetwas Gutes tun! Und ich glaube auch nicht, dass ich meinen Töchtern in ein paar Jahren noch in die Augen schauen kann, wenn ich jetzt nicht etwas Substantielles unternehme, um diesem völligen Kapitalismus-Müll mit allem entgegenzutreten, was ich aufbringen kann. Doch wie stellt man das an – einen Generalstreik? Ich habe die vage Vorstellung, meinen Aufruf soweit wie möglich streuen zu wollen, in der Hoffnung dass es irgendjemand wahrnimmt und genug Leute verstehen, was tatsächlich das Problem ist: nämlich dass die aktuellen Reformpakete a) dafür sorgen, dass die medizinische Versorgung in Deutschland schlechter wird, ohne jedoch an den richtigen Stellen zu sparen, b) Arbeitnehmerrechte in unzulässiger Weise eingeschränkt werden, c) man wieder einmal bei der Rente alle über einen Kamm schert, außer die Beamten d) die soziale Ungleichheit weiter befeuert wird, anstatt die richtigen Leute (große Vermögen und Fiatgeld-Schleudern) zu besteuern und e) mit diesem riesigen Murks auch noch den Faschos in die Karten spielt. Ich wünschte wirklich, das sommerliche Hitze und Trockenheit meine einzigen Sorgen wären. Doch dem ist nicht so. Zusammengenommen mit dem, was gerade ansonsten in unserem Land passiert, drohen mir noch viele weitere schlaflose Nächte.

Ich betrachte das aus mehreren Blickwinkeln. Zunächst einmal als Mitarbeiter im Gesundheitswesen, der sieht, dass durch die gesetzliche Deckelung der Budgets der Rettungsdienst in seiner Funktionsfähigkeit bedroht ist, weil steigende Energie-, Material-, Raum-, Fahrzeug- und Personalkosten recht schnell zur Stilllegung von Rettungsmitteln führen werden, wenn diese Aspekte nicht mehr refinanzierbar sind. Gemeinnützige HiOrgs dürfen kein Kapitalvermögen aufbauen und die Möglichkeiten, die steigenden Kosten durch andere Tätigkeitsfelder quer zu finanzieren sind sehr begrenzt. Dann bin ich aber auch Patient; und die massiven Einsparungen bei der Psychotherapie betreffen mich zukünftig ganz persönlich. Was wird mit mir und meiner Depression, falls ich mir nicht mehr Hilfe suchen kann, wenn es schlimm wird? “Darf” ich dann sozialverträglich frühableben, um Rente zu sparen? Was ist mit anderen chronisch Erkrankten? Warum unterstellt man Menschen mit Krankheit faul zu sein? Ich bin manchmal krankgeschrieben (im Mittel etwa so viel, wie meine Altersgenossen); und ansonsten klotze ich meine Arbeit weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Nicht selten mehr, als eigentlich vereinbart. Apropos Rente… mein Renteneintritt wurde gerade um ein knappes Jahr nach hinten verschoben. Was soll das? Ich zahle seit 1993 regelmäßig ein, war nie einen Tag arbeitslos und nur einmal länger krank. Warum bestraft man Leute wie mich für die, seit Jahrzehnten ignorierten Folgen der Demographie und die Unfähigkeit, Tax the Rich endlich umzusetzen. Kleine Erinnerung an die 50er und 60er: Dwight D. Eisenhower, überzeugter Republikaner – und keinesfalls verdächtig, Sozialgeschenke verteilen zu wollen – hat in seiner Antszeit die höchsten Vermögenssteuern mitverantwortet, welche die Welt je gesehen hat: 92%. Und warum? Weil er verstanden hatte, dass eine zu große soziale Ungleichheit (wie wir sie derzeit in der BRD haben) mit Kapitalkonzentration zu abnehmender Gesamtwirtschaftsleistung und wachsender Armut führt. Und damit zu höheren Sozialkosten für den Staat, an denen dieser naturgemäß zu sparen versuchen wird. Schließlich bin ich Berufspädagoge, dem es zunehmend schwerfällt, den jungen Leuten eine positive Haltung zu unserem Job (dem Rettungsdienst), zu den Herausforderungen und den Perspektiven zu vermitteln, wenn eine unionsgeführte Regierung gerade die Zukunft der normalen Menschen in diesem Lande an die Konzerne verschachert, um bei uns einen Kapitalismus im Endstadium zu installieren, wie die USA ihn schon haben: Hire&Fire-Heuschreckenkapitalismus, in welchem die Arbeitnehmer*innen bis auf’s Blut ausbeutet werden und man ihnen dann auch noch erzählt, die Migranten seien Schuld. Und die Faschos? Die stehen lächelnd daneben und verkaufen den Leichtgläubigen das Gefühl, dass sie alles besser machen würden, während sie insgeheim bereits den Abriss der Demokratie und die Hochzeit mit dem Großkapital planen. Nochmal zur Erinnerung: US-Banken haben vor und während des 2. Weltkrieges Geschäfte mit und für die Nazis abgewickelt. Denn auch für die Faschisten stinkt Geld nicht – und für das Kapital sind die Faschisten gut, weil sie deregulierte Märkte, entrechtete Massen und damit mehr Profit bringen.

Lasst uns dazu NEIN sagen! Lasst und gegen diesen Wahnsinn auf die Straße gehen! Lasst uns dieser lobbyistenhörigen, rückwärtsgewandten, die Bürger nach Strich und Faden bescheißenden Gurkentruppe, die so tut, als wenn sie regieren würde eine klare Absage erteilen – und lasst es uns so tun, dass die Faschisten, die in den Startlöchern stehen, alles nur noch schlimmer zu machen, KEINE CHANCE BEKOMMEN, an die Hebel der Macht zu gelangen! Darum noch mal: GENERALSTREIK! JETZT! Diese sogenannten Reformen richten die arbeitende Bevölkerung, das Gesundheitswesen und die Rente endgültig zugrunde – zugunsten gieriger, nimmersatter Bonzen und zum Schaden aller anderen im Lande. Lasst uns das nicht einfach so hinnehmen. Wenn es je einen Moment gab, in dem Deutschland aufstehen muss, dann jetzt!

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Ach du liebes Lieschen – Politik für Almans…?

Da gibt’s diese Leute, die in einem Atemzug deklamieren, dass man ja gar nicht mehr alles sagen dürfe, um dann im nächsten irgendeinen vollkommen verkommenen, rassistischen, mysogynen, verschwörungsideologischen oder sonstwie extrem widerlichen Quatsch rauszuhauen; jedesmal begleitet von einem “das wird man doch wohl noch sagen dürfen!”. Und wenn man ihnen widerspricht, kehren sie SOFORT zurück zum ersten Atemzug, um sich als missverstandenes, geknechtetes, entrechtetes Opfer “des Systems” oder “der da oben” darzustellen. Ohne jemals äußern zu können, was sie denn damit wirklich meinen. Dazu gleich mehr. Übrigens ist das einzige, was hier was passiert, dass Meinungsfreiheit keine Einbahnstraße ist. Wenn du Nazi-Scheiße laberst, werde ich dich IMMER darauf hinweisen, dass du diesen Dreck hier nicht absondern sollst, weil an deinem Geseiere NICHTS eine legitime Meinungsäußerung darstellt. Denn zunächst einmal ist Rassisimus keine legitime Meinungsäußerung – ja nicht mal eine Meinung, sondern eine Ideologie, die darauf abzielt, andere zu unterdrücken, um sich selbst besser stellen zu können; wenn wir so wollen, der Schoolyard-Bully in Möchtegern-Erwachsen. Du willst etwas für dich? Das nennt man Egoismus! Und das andere diesem Egoismus Grenzen setzen, solltest du eigentlich schon als Kind gelernt haben. Aber weiter. Mysogynie ist keine Meinung, sondern schlichtes Leugnen unseres Grundgesetzes (Art. 3, Abs. 2). Und DEIN FRAGILES MACHO-EGO muss halt einfach eingehegt werden. Wenn du dich durch eine starke Frau bedroht fühlst, dann entwickle dich einfach weiter. Haben viele andere auch geschafft. Dann dieser ganze Verschwörungsmythen-Kram. Du darfst ALLES mögliche behaupten. Im Internet und in real life auf der Straße. Aber du darfst nicht erwarten, dass wir alle akzeptieren, wenn du vollkommenen Quatsch mit Soße, wie diesen Q’anon-Müll, Flatearther-Kram, Reptiloiden, dass Impfungen Autismus erzeugen würden, Reichsbürger-Lügen oder ähnliches von dir gibst. Denn all diese Dinge lassen sich sehr leicht auseinandernehmen. Wenn du das glauben WILLST ist das okay – es gibt auch Leute, die an das fliegende Spaghettimonster glauben. Wobei ich ja denke, DIE meinen das ironisch, aber.. du bist unironisch einfach nur nervtötend dumm, wenn du alle Gegenbeweise in den Wind schlägst und versuchst, anderen Menschen deinen Glauben so lange ins Gesicht zu schlagen, bis sie dir Recht geben. Dass “Überzeugung” immer noch so funktioniert, wie bei den Katholiken im Südamarika des 15. Jahrhunderts… oder bei den Amis im Kuwait und im Irak. Funfact – das hat noch nie so richtig funktioniert. Steck dir deine Dogmen also dahin, wo die Sonne nicht scheint, Nachbar!

Kommen wir auf “das System” zurück. Wir in Deutschland hier leben weitgehend alle im gleichen. Nennt sich Kapitalismus. Haste wahrscheinlich schon mal probiert und warst vielleicht erfolgreich, vielleicht auch nicht. Ich verrate dir etwas über den Kapitalismus: er belohnt stets die Skrupellosen, Rücksichtslosen, Unempathischen und Unethischen am stärksten. Denn der freie Markt, auf dem sich Anbieter und Nachfrager als freie Wesen begegnen, um einen Handel zum beiderseitigen Vorteil abzuschließen, ist eine Legende. Angebot und Nachfrage erzeugen automatisch ein Machtgefälle, dass im nicht-regulierten Kapitalismus schamlos ausgenutzt wird. Du hast doch bestimmt auch von den völlig überteuerten Motelzimmern während der Fußball-WM in den USA gehört, oder? Und du rennst gerade einer Partei hinterher, die in ihrem Wesenskern ultra-neoliberal ist und den Profiteuren des Kapitalismus, also den Skrupellosen, Rücksichtslosen, Unempathischen, Unethischen noch mehr Macht verschaffen möchte. Das will die CDU/CSU übrigens auch, nur dass die dabei nicht mit der Brechstange vorgehen. Das aktuelle AfD-Parteiprogramm S. 75, Abs. 11.4 fordert die Abschaffung der Erbschafts- und Vermögenssteuer. Instrumente, die dazu da sind, soziale Ungleichheit nicht noch weiter eskalieren zu lassen, als sie das eh schon ist (sucht euch die Informationen zum Gini-Koeefizienten zur Vermögensverteilung doch bitte einfach selbst raus). Und gleichzeitg Instrumente, welche die AfD eigentlich bitter nötig brauchen würde, um all die anderen Dinge gegenfinanzieren zu können, die das eher rückwärtsgewandte Familienbild der Partei zu zementieren helfen sollen – sollte ihnen jemals die Machtergreifung gelingen (und ja, ich weiß, der Begriff ist polemisch). Da kann man sich ausrechnen, was nicht passieren wird… ach ja, Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen. Man muss ja erst die Großspender bedienen und sein Schäflein mit Nebeneinkünften zusätzlich zur Abgeordnetendiät ins Trockene bringen. Denn, wie Lobbyismus funktioniert, hat die AfD schon lange begriffen und hält ihre Hände oft noch eifriger auf, als die sogenannten Altparteien.

“Das wird man doch wohl noch sagen dürfen” ist die Monstranz derer, die für sich uneingeschränkte Meinungsfreiheit reklamieren, jedoch keine Lust haben, sich mit dem gesellschaftlichen Diskurs auseinander zu setzen, den diese Meinung unter Umständen hervorruft. Denn Rassismus, Chauvinismus, Mysogynie, Geschichtsklitterung, “altenative Fakten” und Verschwörungsideologie mögen in den Augen jener, die sich nach einfachen Antworten auf die Fragen einer immer komplizierter werdenden Welt sehnen, legitime Meinungen sein – für die Demokraten sind sie es NICHT! Und wenn man Unfug in die Welt setzt, darf man sich nicht wundern, wenn man Shitstorms erntet. Das große Problem dabei ist, dass die Grenze dessen, was gesagt werden kann dabei immer weiter nach rechts in Richtung ungebremster Hassrede verschoben wird. Vor ein paar Jahren fings es an mit “kleinen Paschas”und “Kopftuchmädchen” und manchem anderen – alles herabwürdigend gemeint – und insbesondere die CDU/CSU hat sich den Sprachduktus der AfD angeeignet (siehe Migranten beim Zahnarzt, Herr Merz!), weil sie hoffte, konservative Wählerstimmen zurückzuholen. Gemäß Franz-Josef Strauss’ altem Diktum, dass es keine rechte Kraft neben der CDU/CSU geben darf. Hat ja super funktioniert…

Das Problem hat zwei Seiten: auf der einen ist die neo-faschistische Symbolpolitik, die Fakten völiig ausklammert, um Gefühle und vor allem Ressentiments bedienen zu können. Und auf der anderen Seite die offensichtliche polit-handwerkliche Unfähigkeit der Altparteien, die Herausforderungen in unserem Lande WIRKLICH anzugehen. Wo wurden denn Probleme gelöst? Steuern? Immer noch werden Kapitaleinkünft bevorteilt und Lohneinkommen geschröpft. Immer noch traut sich niemand, die Vermögensschere ein wenig weiter zu schließen. Renten? Oh dear don’t start me please…! Gesundheit und Soziales? Anstatt wegweisende Projekte flächendeckend einzuführen, Pharmausgaben zu reduzieren, die Prävention und die Präklinik zu stärken und Patientenströme tatsächlich effizient zu managen (was zunächst Investitionen braucht) wird überall bei Leistungen der Rotstift angesetzt. Da fühlt man sich als Bürger so richtig gehört. Bildung? Bildungspolitik machen in Deutschland Dilletanten mit Parteibuch (sogenannte Kultusminister) anstatt Fachleute. Und billig muss es sein – kleiner Hinweis von einem erfahrenen Berufsbildner: gute (Aus)Bildung kostet! Punkt! Energie? Außenpolitik? Ich könnt noch eine Weile weitermachen. Auch ich fühle mich verschaukelt – insbesondere als Sozialdemokrat.

Will heißen – die Leute fühlen sich verarscht. Und dann kommt jemand daher und gibt den Leuten das Gefühl, es besser zu machen. Auch wenn die Substanz unter diesem Gefühl völlig anders aussieht, als das, was verkauft wird. Aber verkaufen – DAS können die blauen Rattenfänger. Inhaltlich stellen? Die Inhalte sind zusammengeklauter Kokolores aus den 30ern – 50er des vergangenen Jahrhunderts. In der Hinsicht müsste sich Friedrich Merz eigentlich wohlfühlen, entspricht doch vieles davon offenkundig seinem eigenen Weltbild. Man muss die Blaubraunen mit offenen Emotionen stellen, sie mit ihren eigenen Waffen schlagen: Mahnwachen und Fackelzüge vor den Wohnungen ihrer Vertreter. Ihnen in jeder Diskussion ihre Falschheit um die Ohren schlagen, bis sie bluten, jedes bisschen Dreck ans Licht zerren und ausschlachten, bis es weh tut – und währenddessen das Verbotsverfahren ans Laufen bringen. Ich fordere: VERBOTSVERFAHREN JETZT! Lasst sie uns aus allen Parlamenten treiben, bevor sie 2033 eine Symbolwahl betreiben können. Nieder mit dem Faschismus! Nieder mit den Neo-Nazis. ¡No pasarán! Ach… und übrigens… schönen Start in eine “glorreiche” neue Woche.

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The heat is on…

Es mag ein Hinweis auf die gegenwärtige Großwetterlage sein, dass ich diesen Beitrag im Garten unter einem Schirm sitzend tippe, unterbrochen durch regelmäßige Besuche eines recht großen Planschbeckens, welches wenige Meter entfernt im Schatten kleiner Bäume steht. Dazu gehört aber auch der deutliche Hinweis, dass dies keine Glosse über’s Wetter wird. Allenfalls lasse ich en passant ein paar Worte über meine subjektive empfundene, totale Hilflosigkeit gegenüber dieser Omega-Wetterlage fallen. Denn gegen alle anderen möglichen und unmöglichen Dinge kann man irgendetwas tun – auch, wenn es nur Worte sind. Dass die Feder mächtiger als das Schwert sei, ist ja eine Behauptung, die nicht in allen situativen Gegebenheiten Gültigkeit erlangt. Wenn mich jemand mit einer Waffe angreift, nutzen Worte meist wenig. Es sei denn, es handelte sich um eine Zauberformel. Aber derlei funktioniert nur im Kontext meines liebsten Hobbys. In realiter werde ich mich entweder verteidigen, oder Fersengeld geben. Ich selbst bin allerdings recht langsam, also… Dachlatte. Oder, was halt sonst so gerade in Griffweite umherliegt. Es hat doch jeder von uns irgendwo solchen potthässlichen – aber durchaus gewichtigen – Nippes rumstehen, denn Tante Friedegunde anno einunschlörpzig aus ihrem Indomethien-Urlaub mitgebracht hat. Hernach ist der Angreifer außer Gefecht und der Nippes hoffentlich perdu. Aber du kannst mit einer noch so schweren (und hässlichen) irdenen Figur des alten Gottes Baklava nicht auf Hitze einschlagen. Nur auf die Meteorologen. Und das wäre ungerecht, denn die machen auch nur ihren Job.

Wunderschön anzusehen – und doch kämpft man dort schon mit viel härteren Problemen

Wie wäre es aber mit den Politikern, die um’s Verrecken nicht verstehen wollen, dass sie für Profite unsere Zukunft zerstören. So dumm ist doch nicht mal Gas-Kathi, die mittlerweile auch nur noch als Handpuppe der Lobbyisten wirkt. Noch dazu ermöglicht das Profite, die nur einem sehr kleinen Teil der Menschen zu Gute kommen, denn die reale Existenz des “Trickle-Down”-Effekts ist in diversen Studien widerlegt worden. Wie wäre es also, so jemandem eine Figur von Baklava in die Fresse zu schlagen? Ob das Schädelhirntrauma oder der Zuckerschock die Person dahinrafft, wäre dann ja eigentlich völlig einerlei. Aber, aber… wir sind doch nicht gewalttätig – außer der Andere fängt an. Doch man muss sich ernsthaft fragen, was denn nun noch passieren muss, damit man ENDLICH damit beginnt, längst überfällige Dinge zu tun: wie etwa Investitionen in Klimaneutralität, aber eben auch Maßnahmen zum Schutz vor kommenden Extremwetterereignissen. Eigentlich ist es ein schlechter Witz, dass man den ganzen Querdioten, AFDeppen, aber leider auch so vielen stinknormalen Konservativ-Almans immer wieder erklären muss, dass Klima-Erwärmung nicht automatisch bedeutet, dass es dauern heiß ist, sondern dass die Zahl extremer Wetterereignisse seit etwa 30 Jahren erheblich zunimmt. Nein, Hans-Dieter, es war nicht schon immer so wie jetzt! Da bescheißt dich deine Erinnerung! Und genau, weil es so viele Trottel gibt, die einfachste Zusammenhänge nicht verstehen, selbst wenn man ihnen ein Piktogramm und ein paar Worte in einfacher Sprache auf eine Serviette malt, brauchen wir SEHR DRINGEND VIEL MEHR Investitionen in Bildung. Weil auf Grund der Politik, die tote Pferde subventioniert (fossile Technik), was ausschließlich den eh schon zu viel Habenden zu Gute kommt, auch noch die eh schon schlechter Gestellten keine Ressourcen haben, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen, müssen Gesundheit und Soziales ebenfalls neu auf die Agenda. Politiker sind nicht ausschließlich dazu da, die Wirtschaft zu schützen – ihr Handeln MUSS dem Wohl ALLER Bürger*innen dienen. Das zu den Bürger*innen auch Unternehmer*innen gehören, ist selbstverständlich. Aber eben nicht nur die.

Ich habe keine Figur des alten Gottes Baklava. Und ich bin auch nicht gewalttätig. Aber ich habe Sorgen. In den letzten Tagen spürte ich, wie ob der nicht nachlassen wollenden Hitze nach und nach eine völlig irreale Angst in mir aufkam. Die Angst, dass das jetzt so weiter geht, bis wir einfach alle an den Temperaturen verreckt sind. Ich gehe körperlich auf dem Zahnfleisch, weil ich kein Jungspund mehr und leider auch nicht allzu schlank bin. Dass zusammen mit meiner Depression hat eine veritable Panikattacke in mir aufkommen lassen. Ich habe unterdessen eine Strategie gefunden damit umzugehen, aber gestern Abend hätte ich nicht in Worte fassen können, wie es mir wirklich geht – und ich war alles in allem so fertig, dass ich nicht mal ein vernünftiges Gespräch mit der besten Ehefrau von allen Zustande brachte. Die nebenbei bemerkt von diesem Mist ebenso gehörig die Schnauze voll hat, wie ich. Denn immer noch gilt “The heat is on!” Heute morgen hatte ich daher früh das Haus verlassen, bin eine Runde durch den See geschwommen und danach in einem nahe gelegenen Mittelgebirge umher gestromert. Ich fand ein Plätzchen, das erträglicher war, als die heimatliche Hütte, schrieb etwas in mein Journal, kam hernach an einem Ort aus der Vergangenheit vorbei und als ich die Tore der Stadt auf dem Heimweg zum zweiten Mal passierte, war ich mit der Hitze als ständiger Begleiterin gewachsen. Natürlich sind regelmäßige Cooldowns trotzdem erforderlich, denn die menschliche Physis ist für solche Temperaturen eigentlich nicht gemacht; zumindest meine nicht. Aber der Schrecken hat sich weitestgehend verloren. Es ist halt einfach nur beschissen heiß. Nach heute Nacht haben wir dann das Gröbste wohl überstanden. Ich kann es kaum erwarten. Aber… wenn sich dieser Meteorologe doch geirrt haben sollte, suche ich nach dieser verdammten Baklava-Figur, wallah… Bis die Tage.

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Benvenuti nelle Marche N°15 – Italienische Übergänge

Zurück in Italien. Und dank der Freundlichkeit unserer Gastgeber fühlt es sich – nicht nur für mich – an, wie heimkommen. Die Anreise war, wie so oft, wenn in Baden-Württemberg Ferien sind, allerdings kein Zuckerschlecken. Der Ritt durch die Schweiz hat mich beinahe meinen allerletzten Rest Contenenace gekostet. Immerhin am Ende, vor mir nur Idioten, im Straßengraben keine Toten… Aber sind wir nicht alle die allerbesten Autofahrer unter Gottes Sonne? Die Tour durch Italien war dann viel besser. Bis auf kleine Stockungen lief es wie am Schnürchen. Und nachdem gestern Nachmittag das Auto entladen und alles am richtigen Ort verstaut war, konnte ich mein Versprechen an mich selbst wahrmachen und meine ersten paar Hundert Meter im Pool schwimmen. Ende Mai noch ziemlich frisch, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Ich weiß jetzt, dass meine Schulter trotz gelegentlichem schmerzhaftem Rumgespacke immer noch ganz gut Strecke machen kann. Oberflächlich betrachtet ist also alles in Butter. Und unter der Haube…? Tja da läuft die Denkmaschine ununterbrochen. Meine unausgesprochene Hoffnung ist natürlich, wieder ein wenig mit mir selbst ins Reine kommen zu können. Da ich hier fern von allen beruflichen Problemen und Sorgen bin, könnte das klappen. Heute Nacht habe ich jedenfalls geschlafen wie ein Toter. Doch ich kann ja nicht anders, als mir Denkfutter mit in den Urlaub zu nehmen. Und als ich heute morgen Anfing, das erste Buch zu lesen, stellte ich fest, dass die ersten Kapitel von einer Zeit der Umbrüche, vor allem aber von persönlichen Umbrüchen der Protagonisten handeln. Und das hat für mich gerade jetzt große Relevanz, weil es sich um historische Persönlichkeiten handelt, die allesamt als Philosophen im 20. Jhdt, Bedeutung erlangt haben. Und die sich, jeder auf seine Weise mit entscheidenden Fragen rings um unser Menschsein auseinandergesetzt haben. (Literaturhinweis unten).

Wenn man einmal mehr mit der wenig trivialen Frage ringt, was man denn zukünftig mit seinem Leben noch anfangen möchte und ob die Stelle, an der man gerade steht überhaupt (noch) die richtige ist, weil die Arbeitsumstände einem dauert Verdruss bescheren, dann kommen Erörterungen rings um Sein, (Selbst)Bewusstsein, Sinn und Ziele natürlich gerade recht. Wenngleich die Menschen, um die sich das Buch dreht, mit dem Jahrzehnt nach dem Ende des ersten Weltkrieges (auch als “Roaring Twenties” bekannt) in einer Zeit gelebt, gelernt, gelehrt und gelitten haben, deren Kommunikation, Kultur, Denkarten, Politik und Verlauf aus völlig anderen Voraussetzungen entstanden ist, als unsere heutigen “New Roaring Twenties”. Diese scheinen ein Jahrzehnt zu sein, dass die Erkenntnisse der 1920er bewusst und mit Macht konterkarieren zu wollen scheint. Die Menschen mussten 1919 mit den Erfahrungen aus einem unfassbare grauenhaften Weltkrieg umgehen lernen und ein neues Ich erschaffen, weil das alte – teils in den Schützegräben, teils an der “Heimatfront” – gestorben war. Ich spreche hier zwar von Philosophen (Wittgenstein, Heidegger, Benjamin, Cassirer), doch auch für diese Menschen war die Erfahrung präsent und formierte einen Rite de Passage, dessen Härte ich mir nur schwer vorstellen kann. Wenn unsere 2020er hingegen irgendetwas beweisen, dann, dass die Geschichte wahrhaft ein Kreislauf ist und wir Menschen – oder besser unsere sogenannten Staaten- und Wirtschaftslenker – aus ihr immerzu nur eines lernen: nämlich wie wir einander noch schneller und effizienter verletzen, unterdrücken, beherrschen, töten oder sonstwie beschädigen können. Die weltweit steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen sprechen hierüber eine deutliche Sprache. Und unser Bundeskanzloide hat nichts besseres zu tun, als Menschen, die sich dem entgegenstellen zu beleidigen, zu diffamieren, ihre Haltung zu diskreditieren und den anderen “Elitenvertretern” Zucker in den Arsch zu blasen und ihre Konten zu boosten. Das hätten sich selbst Huxley und Orwell nicht besser ausdenken können. Doch was bedeutet das alles für mich? Denn… sorry, aber das hier ist MEIN Blog, also geht’s hier um mich!

Ich stehe an einer Schwelle. Dies kognitiv zu realisieren und emotional zu verarbeiten, sind jedoch zwei sehr unterschiedliche Paar Stiefel. Irgendwie zu wissen, dass man halt etwas ändern MÜSSTE, jedoch emotional keinen Zugang zu dieser Aufgabe zu bekommen und darum erstmal alles beim Alten zu belassen, dürfte so ziemlich die menschlichste aller Sünden sein. Siehe seine Wut oder seine Ängste in den Griff bekommen, Abnehmen, sich das Rauchen abgewöhnen, mit der Sauferei aufhören, etcpp. Wir WISSEN relativ schnell, was uns wirklich gut täte, jedoch… jedoch… Und so ist es mit meiner Schwelle. Ich sehe sie. Ich kann sie unterdessen sehr gut benennen. Ich wüsste auch, was ich verändern wollen würde – aber ich schaffe den Schritt nicht! Weil meinen Job einfach weiterzumachen für mich CONVENIENT ist. Ich weiß, wie alles funktioniert, wie die Menschen ticken, wie ich relativ häufig doch bekomme, was ich will. Doch der Schmerz hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen, bis zu einem Punkt, da meine Ratio und meine Emotionen in einem konstanten Konflikt miteinander stehen. Nicht umsonst besuche ich regelmäßig einen Psychotherapeuten. Wie sangen the Clash so schön “Should I stay, or should I go?”. Eigentlich ist es klar: I should go, for the better of me… Doch was ist dann. Die Convenience (und die relative existenzielle Sicherheit, die mit ihr einher geht) würde sich spontan in Luft auflösen. Ich finge, in vielerlei Hnsicht nochmal von vorne an. Was mit knapp 52 keine so aufmunternde Aussicht ist. Wer will so einen alten Sack wie mich schon noch haben…? Über diesen entscheidenden Aspekt meines Lebens muss ich in den kommenden zwei Wochen meditieren. Anstatt einfach nur meinen Urlaub genießen zu dürfen…? Ach, ich hoffe, beides irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Zumindest habe ich mir selbst versprochen, noch viele Meter mehr im Pool zu schwimmen und meiner Seele viel Gutes zu tun. Zwischen alten Steinen spazieren gehen und Knipsen bis der Auslöser glüht. Abends über das Tal schauen und mit der besten Ehefrau von allen über Gott und die Welt parlieren. Gut essen und trinken. Noch viel mehr lesen. Und einfach sein. Denn einmal mehr hieß es gestern: “Willkommen in den Marken.” Wir lesen uns…

  • Eilenberger, W. (2018): Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie. 1919 – 1929. 7. Auflage, 2023. Stuttgart: J. G. Cotta’sche Buchhandung Nachfolger GmbH, gegr. 1659.

A scream in the dark N°1 – Aufgeklärt…?

Ich bin ärgerlich. Ich habe anderthalb Tage darauf verwendet, jungen Menschen nahe bringen zu wollen, warum Ethik im Gesundheitswesen, aber auch im Leben eine Rolle spielt. Warum ein ethisch denkender und handelnder Mensch niemals Rassist, Chauvinist, Neo-Nazi sein kann. Warum Moral und Ethik nicht das Gleiche sind; niemals das Gleiche sein können, weil Ethik sich wissenschaftlichen Denkens bedient, während das andere viel zu oft stumpf Dogmen repliziert. Analog zu meinem absoluten Hasssatz “Das haben wir schon immer so gemacht…”. Warum ein humanistisches Menschenbild und die Ausgrenzung bestimmter Gruppen einander ohne jeden Zweifel vollkommen und absolut ausschließen. Mit anderen Worten: ich habe versucht Aufklärung zu betreiben. Dass ich dabei auch den kategorischen Imperativ aus der Kant’schen Moralphilosophie benutzt habe, ist natürlich kein Zufall. “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.” Vor 242 Jahren postulierte Immanuel Kant diese Worte. Und ja, man sollte den Mann in seinen zeitlichen Kontext einordnen. Er war ein chauvinistischer, mysogyner Stinkstiefel, der aus seinem Denk-Kabuff in Königsberg so gut wie nie herauskam. Dennoch haben seine Worte auch heute noch Bedeutung. Eigentlich heute sogar noch viel mehr als damals. Kant hat niemals verstanden, dass seine – oft zu verkopft formulierten – Ideen für wirklich JEDEN MENSCHEN Gültigkeit haben könnten; und dass man sich an diesen Ideen 164 Jahre später orientieren würde, um das Grundgesetz so zu formulieren, wie es formuliert wurde, hätte ihn eventuell überrascht. Ist aber so passiert. Doch… ist unser Grundgesetz heute noch aktuell? Oder anders formuliert: was genau führt dazu, dass immer mehr (vor allem junge) Menschen zu vergessen scheinen, dass unsere Demokratie kein gegebener Zustand ist, der ohne Zutun der Menschen, welche in ihr leben einfach fortbesteht? Unsere Demokratie als Idee ist ein Wert an sich, weil sie ALLEN Menschen das unhintergehbare Recht zuspricht, sich als eigenständiges Subjekt frei entfalten zu können. Das meinen Artikel 1, Artikel 2 und Artikel 3 des Grundgesetzes im Kern.

Das eigentlich Ärgerliche für mich ist nicht, dass Schüler*innen beim Thema Ethik komplett abschalten, weil sie sich viel lieber mit den Action-Aspekten des Berufes Notfallsanitäter*in befassen wollen. Wer nicht verstehen will, dass unser Job eine soziale Komponente hat, welche die Action-Komponente bei weitem überwiegt – und auch noch strukturiert – dem kann ich halt nicht helfen. Das sind dann diejenigen, die am Examen scheitern, oder so nach 6 Monaten bis einem Jahr die Ausbildung schmeißen, weil ihnen zu dämmern beginnt, dass man sich doch tatsächlich auf die Menschen einlassen muss, für die, an denen, mit denen zu arbeiten man aufgerufen ist. Mich kotzt es an, dass so wenige Menschen sich tatsächlich dafür interessieren, weil ihnen nicht bewusst ist, wie leicht sich unsere demokratischen Instuitutionen und Prozesse aushebeln lassen, wenn man sich die Ratten auf dem Wege eines demokratischen Prozesses ins Haus holt. Aufklärung bedeutet, dass jede*r von uns aufgerufen ist, sich eine INFORMIERTE MEINUNG zu bilden, die auf beweisbaren Fakten und wissenschaftlich fundierter Theorie beruht, anstatt auf dumpfer Meinungsmache und Emotionen. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ich im Laden ein Buch nach Covergestaltung auswähle, oder am Wahltag denen hinterher renne, die am lautesten (allzu oft fiktive) “Schuldige” für die Umstände benennen und im gleichen Atemzug versprechen, genau diese “Schuldigen” für all unsere Probleme zu bestrafen. Gleichgültig, wer diese Probleme wirklich verursacht hat. Denn ein gutes Feindbild gibt dem Tag Struktur!

Ich ärgere mich tierisch darüber, dass Jammern auf hohem Niveau mittlerweile zu einer Kunstform geworden ist, welche der deutsche Michel in seiner schlafmützig-reaktionären Besitzstandswahrermentalität bis zur höchsten Finesse trainiert hat. Wir leben nach wie vor in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, auf einem Niveau, für dass uns mindestens 160 von 193 Staaten auf der Erde beneiden; manche von denen sehr bitter. Und hier ziehen Menschen auf die Straße, die keine Ahnung haben, wie sich ein hoher Migrationsanteil in der eigenen Stadt anfühlt, um rassistische Parolen zu skandieren, weil ihnen Migranten angeblich die Lebensqualität bedrohen. Ich zitiere mal aus dem Internet: “Natürlich nehmen dir die Ausländer den Job weg. Aber wenn jemand ohne Sprachkenntnisse, Geld und Kontakte dir den Job wegnimmt, bist du vielleicht einfach nur scheiße.” Das ist natürlich ein bisschen platt. Aber irgendwie… kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es stimmt. “Selbstverschuldete Unmündigkeit” meinte zu Kants Zeiten, den Rattenfängern der organisierten Religion hinterherzulaufen, welche 1784 seit weit über 1000 Jahren das Monopol darüber hatten, bestimmen zu dürfen, was man als Mensch zu denken und zu tun hatte. Kant war bewusst, dass wir als Menschen in der Lage wären mehr zu erreichen, wenn wir uns von diesen Fesseln der Fremdbestimmung freimachen könnten. Heute ist es keine kirchliche Fessel der Fremdbestimmung mehr, da der Einfluss der Kirchen erheblich abgenommen hat; diese Fesselfunktion übernimmt heute das simple, dumpfe, egoismus-getriebene Sentiment der Angst vor sozialer Not und des Hasses auf das Fremde, welches sich ganz hervorragend über Antisocial-Media verbreiten und anheizen lässt. Facebook war die erste globale Antidemokratie-Maschine und Mark Zuckerberg ärgert sich vor allem darüber, dass er nicht mehr das Beeinflussungsmonopol hat. Denn Demokratie ist in den Augen der Tech-Bros schlecht fürs Geschäft. Auch wenn Kants Formulierung schon fast zweieinhalb Jahrhunderte auf dem Buckel hat, ist sie daher aktueller denn je – könnte Aufklärung doch HEUTE bedeuten, sich wieder vom schlechten Einfluss der Antisocial-Media-Meinungsindustrie freizumachen, indem man die Dinge hinterfragt, als sich vom Algorithmus mit Scheiße vollpumpen zu lassen. Oder sich durch’s Zocken vom Unterricht abzulenken, weil einen das Thema langweilt. Ein Thema, dass SO UNGEHEUER WICHTIG IST!

Mein Ärger bezieht sich damit nicht auf jene, die hinterher rings um meinen Lehrertisch standen und saßen und mit mir über die Dinge diskutiert haben. Um deren Verständnis mache ich mir eher geringe Sorgen. Aber diejenigen, die sich – bewusst – dafür entschieden haben, sich passiv dem Nachdenken-Müssen zu entziehen, welche die Selbstreflexion (aus ihrer Sicht geschickt) umgangen haben, die anzustoßen der eigentliche Zweck meiner Arbeit im Lehrsaal war… die ärgern mich. Denn es geht gerade bei diesen Themen nicht nur um den Job, sondern auch um Staatsbürgerkunde. Um Demokratie-Erziehung. Darum, diesen jungen Menschen die Wichtigkeit des Selbst-Denkens, des aktiven Hinterfragens politischer Antisocial-Media-Inhalte nahezubringen. Oder besser: ihnen dabei zu helfen, aufgeklärtere Menschen und Mitbürger*innen zu werden. Denn das ist der beste Beitrag gegen die Neo-Nazifizierung unseres Staates, den ich im Moment leisten kann. Was mich dabei zusätzlich irritiert ist, dass viele dieser jungen Menschen, gleich wo sie ihr Kreuz auf dem Wahlzettel machen und gleich welcher Herkunft sie sind, sich im Gespräch anhören, als wenn sie im Kiez Offenbach-Nordend aufgewachsen wären, mit Ćelo & Abdï und Hafti zum Frühstück. Ich habe nichts gegen Jugendsprache – in der Tat finden meine Töchter es erheblich cringe, wenn ich selbst welche benutze – aber können wir mal über die Nicht-Vereinbarkeit von Rassismus und kultureller Aneignung sprechen? Ach ja… die wilde, ungezügelte, hochemotionale Ambivalenz der Jugend. Wie dem auch sei – ich werde es wieder versuchen. Vielleicht nächstes Mal wieder mit einem neuen Ansatz. Ansonsten werde ich mir unter dem Label “A scream in the dark” weiter semi-philosophische Gedanken über unsere Zeit und ihre Herausforderungen machen. Schönen Vatertag übrigens…