Der verwirrte Spielleiter N°76 – …tödlich…?

Du würfelst auf eine Tabelle und da steht “Schlimme Dinge: Du bist tot, tot, tot!” Also weg mit dem Charakter und mal eben einen Neuen aus dem Hut zaubern. Ich kenne allerdings nicht wenige Spieler, die sich genau damit schwer tun, mal eben einen neuen Charakter aus dem Hut zu zaubern. Nicht, weil sie weniger kreativ wären als andere (obwohl das auch vorkommen mag), oder weil diese spezielle secondary world nicht so zu ihnen spricht; zu manchen spricht offenkundig gar keine secondary world und sie versuchen einfach immer wieder einen Jack-of-all-Trades zu bauen, um sich dann zu ärgern, wenn andere Chars in deren Spezialisierungen einfach viel stärker sind. Zumeist geht es darum, dass die Fülle der Optionen und die Frage nach der Passung von Char und secondary world eine spezielle Art von Entscheidungsparalyse erzeugen, die es den Spielern verunmöglicht, mal eben den bislang gesponnenen Faden neu aufzunehmen und anders neu einzusteigen. Und nicht wenigen bereitet allein die Möglichkeit, den eigenen Charakter final verlieren zu können ziemliches Kopfzerbrechen. Weswegen der Charaktertod – zumindest in manchen Gaming-Communities – offensichtlich zu einem relativ seltenen Ereignis geworden zu sein scheint. In diesen ersten Sätzen klingen ein paar Dinge an, zu dene ich gerne etwas spezifischer werden würde: da ist zum einen die Frage, ob ein Charakterleben wenig oder viel wert ist? Ob ich mich dem Versprechen verschreibe, mit den selben Charakteren eine Geschichte von Alpha bis Omega auszuerzählen? Oder ob ich sie auch dann über die Klinge springen lasse, wenn es narrativ wenig befriedigend ist, einfach weil die Würfel es diktieren? Ob der Spieler mit einem Charakter an den Tisch gekommen ist, der zum aktuellen Spiel passt, oder versucht, eine Fantasie auszuleben, die im Kontext dieser secondary world nicht funktioniert? Und schließlich, ob ich den Bodycount überhaupt kalibrieren kann, ohne sichtbar in die innere Logik meiner Welt eingreifen zu müssen? Puh… das ist ‘ne große Menge Punkte, nicht wahr…?

  • 1) Narrativ oder Ausgewürfelt? Jeder Tisch spielt anders. Das ist eine Binsenweisheit, die heutzutage umsomehr gilt, als sich immer wieder Diskussionslinien ausbilden; undzwar entlang der Frage, ob ich als Spielleiter mit dem Versprechen starte, meinen Spielern – und vor allem ihren Charakteren – eine komplette Kampagne zu bieten? Also ein komplettes Narrativ? Seien wir ehrlich: die meisten “Kampagnen” sterben nach 6 – 8 Sitzungen klaglos den Unlust-, den Termin oder den Streit-Tod. Aber nehmen wir mal an, zwei Jahre später läuft diese Kampagne immer noch und ist vielleicht sogar ein Stück weit gediehen. Jetzt entsteht eine Situation, in der Leben auf dem Spiel stehen. Haben die Charaktere dann “Plot-Armor”; sind also zu wichtig für die Geschichte, um zu sterben? Wie weit bin ich als SL bereit zu gehen, um einen Char am Leben zu erhalten, der eigentlich der Logik nach tot, tot, tot sein müsste? Lasse ich wirklich die Würfel entscheiden, oder nudge ich das Schicksal in eine spezielle Richtung (a.k.a. “fudging dice”), wohl wissend, dass so mancher narrative Kunstgriff viel zu sehr nach Deus Ex Machina aussieht? Und… über wessen Geschichte reden wir eigentlich? Eine Vision, die ich als SL entwickelt habe, bevor ich mit dem Leiten anfing oder das, was aus meinen Vorarbeiten durch das Spiel geworden ist? Respektiere ich die Player Agency, auch dann, wenn eine Spieler-Entscheidung dumm ist, oder der Spieler seinen Char sehenden Auges ins Unheil laufen lässt, weil es dem Drama dient? Denn die zweite Diskussionslinie, die hier eine Rolle spielt ist die Frage…
  • 2) Ist die Spielleitung Storyteller, oder nicht? Aus meiner Sicht ist die SL genau so lange Storyteller, als es um die Welt und deren Reaktionen auf die Aktionen der Spielercharaktere geht. Ich lasse den Plotbus vorfahren, indem ich eine Welt und den zugehörigen Metaplot entwickle, innerhalb dessen die Spieler dann so viel Unfug treiben können, wie sie für richtig halten, ohne die innere Logik dieser Welt völlig zu zerbrechen. Ich wende die Ereignisse nur dann, wenn ich denke, dass es eine zulässige Reaktion der Welt auf das Handeln der Spieler ist. Alles Andere wäre Railroading – und das mag ich weder als Spieler, noch als Spielleitung. Nicht ich als SL erzähle die Geschichte, sondern meine Spieler und ich erzählen, ausgehend von meinem Prolog GEMEINSAM die Geschichte weiter. Ohne, dass ich vorher weiß, wohin der Zug genau fahren wird, oder was dabei alles passiert. Das erfordert von mir als SL allerdings auch ein Maß an Flexibilität und Improv, dass nicht jede SL aufzubringen bereit oder fähig ist. Und das soll keine Wertung darstellen. Wir alle haben uns schon mehr als einmal des Overpreppings schuldig gemacht. Für mich ganz persönlich ist Campaign- und Session-Prep auch “das Spiel spielen” – und trotzdem muss ich loslassen können, wenn meine Spieler dann einen anderen Weg gehen. Ich spiele niemals gegen meine Spieler, sondern immer mit ihnen. Wir müssen uns nur darauf einigen, dass alle die innere Logik dieser Welt und die Regeln dieses Spiels respektieren; ingame wie outgame.
  • 3) Passt mein Charakter ins Spiel? Natürlich darf man spielen, worauf man Lust hat. Sofern man mit einem Konzept antritt, dass die Welt und ihre Regeln respektiert. Ein Cyberpunk in einem Fantasysetting? Ein Spacemarine in der Urban Fantasy? Ein Erzmagier in einer Space Opera? Kann man alles machen, sofern die Prämisse des Spiels Raum für solche Ansätze lässt UND die anderen Spieler sowie die Spielleitung bereit sind, mitzumachen. Ansonsten ist NEIN ein ganzer Satz! Das waren jetzt zwar etwas überzogene Beispiele, aber im DnD Dragonlance Setting gab es z. B. die Spezies der “Kender”, die als Spielercharaktere ein feuchter Traum für die “Ich spiele doch nur meinen Charakter”-Wangrods war, weil sie keinen Begriff von dein und mein haben… DIE PASSEN IN KEINE WELT, IN DER ICH SPIELLEITE! Ein weiteres Problem sind Spieler mit Main-Character-Syndrome. Das Spiel dreht sich um alle Charaktere. Wir alle sind manchmal kleine Spotlighthuren – ich bin da schuldig in allen Punkten der Anklage – aber das ist keine Entschuldigung dafür, anderen ihr Spotlight abspenstig machen zu wollen; oder sich darüber zu ärgern, wenn das eigene Charakterkonzept keine Freude bereitet, weil der Jack-of-all-Trades zwar alles ein bisschen kann, aber nix so gut, wie die jeweiligen Spezialisten… macht euch Spezialisten, die in ihrem Fach echt was reißen können, Goddamnit. Ich rede damit nicht dem Min-Maxing das Wort. Obschon das Optimieren des eigenen Chars völlig okay ist, wenn alle anderen das auch machen. Wenn ich maximal de-optimierte Charaktere will, spiele ich “Paranoia”…
  • 4) Wie ist meine secondary world angelegt? Damit meine ich nicht unbedingt das Genre oder Setting – wobei Cosmic Horror mir eine Idee davon vermitteln sollte, dass mein Char alsbald in einem Asylum oder auf dem Friedhof landen wird – sondern die Frage nach dem verwendeten Regelwerk und der Idee, die damit durch mich als Spielleitung verfolgt wird. Es gibt Regelwerke, die sich eher für’s Narrative eignen, solche, die ziemlich rules-heavy taktisches Ressourcen-Management simulieren und solche, bei denen Low-Level-Chars auf Grund der Startwerte Dime a Dozen sind. Aber das ist alles nur Optik. Die tatsächliche Frage ist, wie ich als Spielleitung die Regeln im Spiel umsetze; also, ob ich diese von vorn herein modifiziere (Houserules), sklavisch achte oder auch mal biege (dice fudge), wenn’s mir in den Kram passt. Viele Gruppen machen heutzutage eine Session Zero – und hinterher sind die Spieler sowie die SL trotzdem überrascht, dass es nicht läuft wie gedacht, weil Menschen das gesprochene und geschriebene Wort unterschiedlich interpretieren können. Wichtig ist, dass zuvor getroffenen Übereinkünfte von BEIDEN Seiten eingehalten werden. Sonst wird es unglaubwürdig und der Spielspaß leidet.

Ob meine Kampagnen tödlich sind? Zumeist eher nicht. Und ich möchte hier zu Protokoll geben, dass es NICHT daran liegt, dass ich den Charakteren keine wahrhaft mächtigen Herausforderungen oder Gegner entgegenstellen würde. Das tue ich und manchmal wird es dann auch knapp. Ich gebe meinen Spielern jedoch eigentlich immer die Chance, sehr starke Charaktere aufzubauen. Damit ist es ein klarer Fall von selbst schuld! Aber wenn ich ehrlich bin – ich könnte vorher nicht sagen, ob eine Kampagne tödlich ist, oder nicht. Denn das ist nicht die Metrik, nach der ich meine Spielwelten oder Plots aufbaue. Ich denke mir eine Grundgeschichte aus, gebe ihr Farbe, indem ich wichtige Parteien sowie die sie jeweils vertretenden NPCs ausarbeite und dann ungelöste oder länger eingeschlafene Konflikte dazugebe, die nun – nach einem auslösenden Vorfall – ihrer Auflösung harren. Für wen das wann und auf welche Art tödlich endet…? Keine Ahnung, das weiß ich auch erst hinterher! Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, welchen Eindruck von immanenter Gefahr ich meinen Spielern vermittle; irgendwie sind sie meistens beinahe übervorsichtig und vergoofen dann trotzdem, woraufhin es lustig wird. Ich werde nie den Moment vergessen, wo irgendjemand das magische Wort “Vampir” sagte und die Gruppe binnen kürzester Zeit fluchtartig die Stadt verlassen hatte. Ob ich wohl einmal zu oft gesagt habe, dass Vampire in meinen Kampagnen echte Monster sind…? Was solls. In jedem Fall sollte aus meiner Sicht eine Kampagne niemals Plot-Armor enthalten. Denn ohne Action, Risiko und Gefahr entsteht kein Drama, ohne Drama entsteht kein Spannung und ohne Spannung entsteht anstatt Spielspaß Langeweile. Und wer langweilt sich schon gern, wenn es auch noch andere nette Freizeitaktivitäten gibt…? In diesem Sinne: always game on – with potentially deadly encounters!

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Writing Fiction #6 – Let’s talk about genre…

Wenn man sich die aktuelle Weltlage ansieht, könnte man meinen, dass William Gibsons “Neuromancer”-Trilogie so langsam Wirklichkeit wird. Dass wir am Beginn des Cyberpunk-Zeitalters stehen – alle dystopischen Aspekte inclusive, wie Massenarbeitslosigkeit und Armut, Allmacht der Konzerne mit Politikern als Marionetten, Kriege rein aus Gründen wirtschaftlicher Interessen und eine breite Öffentlichkeit, die durch Unterhaltung mittels technologischer Gimmicks sediert wird, um sich ja nicht zu informieren und zu involvieren. Das alte Sprichwort, dass die Realität die besten (jedoch zumeist auch die absurdesten) Geschichten schreiben würde, scheint sich einmal mehr zu bewahrheiten. Doch so finster der Zustand der Welt auch sein mag, je mehr die soziale Kälte um sich greifen mag – immer werden Menschen sich Geschichten erzählen. Vielleicht, um sich vor eben jener Finsternis und Kälte zu schützen, oder wenigstens für eine begrenzte Zeit davon ablenken zu können. Eskapismus an sich ist weder dumm, noch ignorant, noch verwerflich, sondern alllzu oft die letzte Mauer, welche wir um den Garten unserer mentalen Gesundheit ziehen können. Das ist einer der Gründe, warum Menschen Geschichten BRAUCHEN! Ein anderer ist, dass jede Erzählung etwas über den Erzählenden ausspricht, dass möglicherweise Zuhörer*innen oder Leser*innen anspricht – und so manchmal Brücken baut, wo vorher die Einsamkeit geherrscht hat. Gemeinsames Verstehen kann gemeinsames Verständnis erzeugen, welches widerum die Basis für ein sinnvolles menschliches Miteinander bildet. In welches Gewand sich die Geschichte dabei kleidet – also, in welcher Art von Erzählumgebung mit ihren je eigenen Figuren, Formalismen, Arche- und Stereotypen, Bildern, Charakteren wir uns befinden mögen – ist eigentlich einerlei. Zumindest insofern, als dass eine Aussage über bzw. Kritik am Zustand der Welt, oder eine Idee für ihre Entwicklung, initiiert durch Charaktere, die sich auf eine Heldenreise begeben und sich dabei verändern in jedem denkbaren Erzählkontinuum möglich ist. Welche Welt oder welche Charaktere sich wohin entwickeln, bleibt damit natürlich offen. Es macht durchaus einen Unterschied, ob ein historischer Roman sich an den damals tatsächlich vorgefundenen sozialen Umständen orientiert, oder ob ich eine Welt erfinde, die nach anderen Regeln funktioniert. Doch im Kern drehen wir uns stets um zutiefst menschliche Themen. Genre klassifiziert damit vor allem die erzählerischen Rahmenbedingungen meiner Geschichte. Und es sorgt, mit Blick auf das zuvor Gesagte für ein gemeinsames Verstehen. Denn jedes übergeordnete Genre hat seine eigenen Topoi, welche von den Nutzern des Genres erkannt, verstanden und in aller Regel auf Seiten der Rezipienten auch erwartet werden. Oder einfacher gesagt: Generic Fantasyland braucht eine Taverne…

Häufig wird der Begriff Genre synonym verwendet mit einem Label, dass ich auf meine Geschichte klatschen kann, um diese für eine bestimmte Zielgruppe attraktiv zu machen. Und weil bestimmte Zielgruppen großen Hunger auf sehr spezielle Themen entwickelt haben, trenden dann solche Dinge wie “Young Adult Fantasy”; wobei das ein Meta-Genre ist, welches Bücher mit Jugend- oder Coming-of-Age-Themen zusammenfasst, die sich in so gut wie jedem Subgenre von Fantasy oder Sci-Fi bewegen können. Wenn wir Grimdark mal außen vorlassen… Ähnlich verhält es sich mit “Romantasy” oder “Spicy Romantasy”. Das alles sind Klassifizierungen, die auf ein spezielles Inhaltsgefüge hinweisen und bei potentiellen Leser*innen bestimmte Erwartungen wecken (sollen). Etwa in einem “Spicy Romantasy”-Buch werden der geheimnisvoll-schroff-abweisende aber furchtbar attraktive lone-wolf-style männliche Protagonist und die unverstandene, sowie noch unvollendete chosen-one-type girlboss weibliche Protagonistin irgendwann miteinander schnackseln. Je spicy, desto früher, desto öfter und desto expliziter beschrieben. Früher nannte man das übrigens Erotik-Roman. Es hat sich allenthalben ein Standard-Archetypen-Repertoire herausgebildet, welches die erwartungsfrohe Leserschaft in aller Regel nicht enttäuscht. Mit den sich ändernden Modalitäten der Lesestoffauswahl der potentiellen Kunden (Stichwort: Booktok) ändert sich auch der Buchmarkt. Um relevant bleiben zu können, werden heutzutage der Backcatalogue und das aktuelle Portfolio vieler Verlage deutlich dynamisch zielgruppenorientierter ausgerichtet. Das hat in etwa die gleichen Folgen wie in Hollywood: Massen immer wieder gleichartiger, semantisch und sprachlich extrem leichtgewichtiger Kost mit AI-generierten Covern fluten entweder die Kinosäle, oder aber die Regale der Kettenbuchhandlungen. Denn im Grunde genommen erleben wir gerade die Groschenromanisierung der Unterhaltungsliteratur. Es soll sich bitte niemand mehr über “Perry Rhodan” oder “John Sinclair” lustig machen.

Eigentlich sollte “Genre” als Begriffl für die Klassifizierung verschiedener idealtypischer Aspekte einer Gruppe einander ähnlicher Texte stehen; ähnlich meint hier, wie bereits oben erwähnt bestimmte Themen, Erzählfiguren, Archetypen, Erzählumgebungen. Wenn ein Steampunkroman plötzlich in einer spätmittelalterlichen Fantasywelt spielt, wenn der lone-wolf male protagonist einer spicy romantasy der völlig überdrehte, unattraktive Nerd ist, wenn in einer Hard-Science-Fiction-Geschichte plötzlich Drachen auftauchen und wenn die Auserwählte eigentlich der Bösewicht ist, wird es zumindest hochgezogene Augenbrauen geben; und vielleicht auch keine allzu guten Verkaufszahlen. Denn… heute ist Genre nicht mehr wirklich eine thematisch-semantische Einordnungskategorie, die auf übergeordnete Themen verweist, sondern nur noch ein Verkaufsargument: “Schau her, Kunde: auf dem (AI-Slop)Cover sind zwei sehr attraktive Wesen abgebildet und der Einband sagt “spicy”… willst du nicht wissen, wann, wo und wie die miteinander poppen?” Menschliche Themen in Büchern zu behandeln würde bedeuten, dass Charaktere schwierige Entscheidungen in dem Bewusstsein treffen müssen, dass ihr Tun und Lassen Konsequenzen hat. Dass sie an solchen Entscheidungen wachsen – aber auch zerbrechen – können. Dass eine Heldenreise kein gleichmäßig-langweiliges Bezwingen aller Herausforderungen ist, dass manchmal (aber nicht immer) ein Plottwist okay ist und das Protagonisten sterben können – bitte nur nicht so wahl- und sinnlos, wie bei George R. R. Martin… Und das Drama nicht notwendig melodramatisch sein muss. K-Drama ist schon in der Flimmerkiste anstrengend – im Buch brauche ich sowas nicht. Legt man also sein Genre vorher fest? Nö… die Geschichte, welche sich durch mich erzählen lassen will legt fest, in welchem Genre ich mich bewege. Wenn ich das Gefühl habe, etwas erzählen zu wollen, dass in unserer realen Welt hier und jetzt nicht passieren könnte, dann schreibe ich das. Ob am Schluss jemand das Label “High Fantasy”, “Dark Fantasy”, “Cyberpunk”, “Dieselpunk”, “Steampunk”, “Sci-Fi”, “Horror” oder gar “Spicy Romantasy” draufklebt, ist mir einerlei. Denn zuallererst muss die Erzählung wachsen, muss ich austesten, welche Welt es für diese Geschichte braucht; damit ich menschliche Themen unterbringen kann. Mein Label entsteht unterdessen ganz von selbst.

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Writing Fiction #4 – … how to write action?

Um es gleich nochmal vorweg zu schicken: es nutzt absolut nichts, den Schaffensprozess einer anderen Person zu kopieren, wenn man sich irgendwann tatsächlich ans kreative Schreiben macht, weil einen die eigenen Biographie vollkommen andere stilistische und inhaltliche Entscheidungen treffen lässt, als die Person, die man gerade kopiert. Ich kann also nicht die Herangehensweise irgendeines bekannten Autors nachahmen und hoffen, so auf die Erfolgsspur zu kommen, weil ich a) durch die Erfahrungen meines bisherigen Lebens unter vollkommen anderen Voraussetzungen schreibe und b) mich vermutlich für vollkommen andere Genres und Erzählfiguren interessiere und c) möglicherweise bereit bin, Dinge zu beschreiben, die jener kopierte Autor niemals beschreiben würde; oder aber umgekehrt. Die Art und Weise, wie eine Szene sich entwickelt, hängt also zuvorderst von den Vorlieben der schreibenden Person ab. Beispiel: Wenn ich etwa ein großer Fan von klassischem Action-Kino bin und es total feiere, wenn man die Kinetik der Kämpfe vor dem Bildschirm regelrecht fühlen kann, dann werden möglicherweise in meinen Geschichten ablaufende Action-Szenen zumindest versuchen, diese Kinetik beschreibend einzufangen. Was nicht unbedingt einfach ist. Vor allem aber werden meine Bücher überhaupt solche Szenen enthalten, weil mir dieser Aspekt der Geschichte wichtig ist. Damit ist jedoch noch nichts darüber ausgesagt, inwiefern Action zu einem Selbstzweck werden kann, anstatt tatsächlich das Drama, bzw. die Spannung in meiner Story zu befördern. Ich bin übrigens jemand, der die Kinetik und die Situation gerne mit Worten einzufangen versucht. Nicht immer erfolgreich, was mich nicht davon abhält, es dennoch zu versuchen.

Ihr Herz pumpte wild, während sie hastig hochkam, um sich in eine Türnische zu drücken. Diese zwei waren nicht so gut, wie sie es vom Syndikat in Erinnerung hatte. Die waren überhaupt nicht Surmenjows Stil. Dann hörte sie ein Sirren. Es kam rasch näher. Zu rasch für sorgfältige Sensoren-Arbeit. Das Monomesser bohrte sich ins Schloss und sie warf sich so weit ins Zimmer, wie sie nur konnte, als direkt an der Tür etwas detonierte.

Miranda war auf das Sofa gestürzt und hatte es dabei mitgerissen. Es dauerte endlose Zehntelsekunden, sich der Tür zuzuwenden und die nutzlos gewordene Kapuze runterzuziehen, denn die Combogranate hatte nicht nur die Tür samt Zarge atomisiert, sondern auch die integrierte Technik ihrer leichten Panzerung überladen.

Der erste kam ebenso tief um die Ecke, wie sie gerade eben und eröffnete ohne Zögern das Feuer. Sie hechtete über das Bett, diesmal ohne einen weiteren Treffer einzustecken und blieb rücklings liegen. Schritte kamen schnell näher, einer sprang auf das Bett, genau in ihre Salve.

Die Yugima Lightning war eine schwere Plasmapistole. Aus Kernschussweite war ihre Durchschlagskraft berüchtigt. Den hier würde man nicht mehr befragen können. Mit der anderen Hand warf sie das Monomesser nach dem zweiten und er war so dumm, diesem Angriff auszuweichen. Die zweite Salve entleibte auch diesen Gegner.

Die Frage, die sich hier stellt ist, wie viel Detail ich brauche, um einen Sachverhalt plastisch erscheinen zu lassen und wie viel Detail ich will, um meinem persönlichen Stil gerecht zu werden? Action-Szenen sind deshalb ein gutes Beispiel, weil sie sehr plastisch zeigen, wie stark Brutalität, Grausamkeit, explizite Bilder, etc. in meiner Erzählung zum Tragen kommen. Also… ob Leben in dieser Geschichte nichts oder nur wenig wert sind (ein Hinweis auf die interne soziale Logik der Welt, die ich beschreiben will) , wie aus- und eindrücklich ich die grausigeren Aspekte von Action schildere (sind mir Splatter- und Schockeffekte wichtig?), wie mächtig meine Protagonisten sind (bestehen sie die Kämpfe mit Leichtigkeit, oder ist jeder einzelne Sieg hart erkauft?) und wie heroisch/gerecht sie kämpfen (gibt es Gnade und Zurückhaltung, oder zermetzeln sie alles, was nicht bei drei aus dem Raum ist?). Action, bzw. deren Vorhandensein sagt also nicht nur etwas über das Genre aus, sondern deren Qualität erzählt auch viel über die Protagonisten, die sozialen Verhältnisse und die innere Logik meiner Erzählwelt. Es sei denn, ich schreibe Action nur, weil ich gerade Bock habe, Action zu schreiben. Dann kann das Ganze u. U. schnell in Langeweile oder Überforderung kippen. Action, nur um Action zu zeigen, funktioniert im Kino (bzw. in allen visuellen Medien), weil ich sehr viel Bewegung und Drama in wenig Screen-Time packen kann, Als Zuschauer kann ich diverse Aspekte gleichzeitig sehen und hören. Im “Theatre of the mind”, welches ich beim Lesen im Kopf entstehen lasse, ist das wesentlich schwieriger, weil Worte allein nicht so schnell so viele Informationen transportieren können. Das bedeutet, dass ich den Kontext der Auseinandersetzung schaffen muss, bevor diese beginnt. Und ich tue gut daran, auch im Text mit klassischem Center-Framing zu arbeiten, also die Szene komplett zu zeigen, um den Raum, die Stellung der Gegner zueinander und den eigentlich Austausch von Gewalt unmissverständlich beschreiben zu können. Wer wissen will, wie Center-Framing aussieht, schaut sich “Mad Max – Fury Road” oder “The Raid” an. Das vollkommene Fehlen von Center-Framing, erzeugt durch eine Brechreiz erregende Fülle von Schnitten in kürzester Zeit sieht man in diversen neueren Action-Filmen; insbesondere, wenn die Hauptdarsteller schon ein recht reifes Alter erreicht haben und sich einfach nicht mehr so schnell bewegen können…

Kommen wir zurück zum eigentlichen Punkt: wie schreibe ich Action? Es beginnt damit, dass ich eine Idee davon brauche, was in dieser Szene Anfangs- und Endpunkt sein werden. Was in den Sekunden oder Minuten Handlung dazwischen passiert, muss nicht zwingend schon vorher festgelegt sein. Wenn ich eine Action-Szene schreibe, weiß ich aber stets, wo ich starte und wo ich enden will. Der Weg dahin wird eigentlich immer – on the fly – durch die Unzahl an visuellen Medien oder anderen Büchern determiniert, die ich in meinem Leben schon konsumiert habe. Natürlich kopiere und remixe ich Dinge, die andere schon mal gemacht haben. Das tut jeder Autor. Was ich aber ebenfalls vorher wissen muss, ist, was diese Szene für die Gesamtgeschichte bewirken soll: steigere ich die Spannung, indem entweder Protagonisten oder Antagonisten gewinnen? Gebe ich einen Einblick in die Psyche der Protagonisten oder Antagonisten? Löse ich die Spannung der Geschichte auf – in die eine (Lysis) oder andere (Katastrophe) Richtung? Wo auf meinem Regeldrama-Kontinuum befinde ich mich gerade? Ich muss das nicht unbedingt explizit auzfschreiben, also etwa in einem Storyboard oder einer Plotübersicht (ich verwende dafür eine Tabelle, welche die Charaktere, die Schlüsselszenen, die Nexuspunkte und die Konflikte benennt). Ich halte das jedoch auch für geübte Autoren für eine ganz gute Idee, denn man verliert sich manchmal allzu leicht im Dickicht der fiktiven Charaktere und ihrer Beziehungen… Ich hatte zu Anfang gesagt, dass man nicht den Prozess eines anderen Autors kopieren soll und dazu stehe ich immer noch. Aber ich habe ein paar Tips, die ich zum Schluss nochmal zusammenfassen möchte:

  • Kenne Startpunkt und gewünschten Endzustand deiner jeweiligen Szene.
  • Sei dir darüber im Klaren, was die Action über deine Welt aussagen soll (soziale Verhältnisse, Qualität, Grausamkeit und Regelmäßigkeit der Gewalt, Verhältnis der Protagonisten zu Gewalt?).
  • Habe eine klare Vorstellung davon, wie alle Charaktere miteinander interagieren (kenn also die Charaktere, ihre Verbindungen, ihre Konflikte, ihre Motive).
  • Finde deinen eigenen Stil, Action zu beschreiben – oder aber deinen eigenen Weg, die Beschreibung von Action in deinen Geschichten elegant zu umgehen.
  • Schreibe so viele Szenen wie möglich, auch gerne ohne Kontext, um herauszufinden, was dir liegt – und was nicht. Und gib dich NICHT mit dem First Draft zufrieden!

So. Das war’s für heute. Ich wünsche einen guten Start in die neue Woche und viel Spaß, falls ihr zum Schreiben kommen solltet.

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Writing Fiction #03 – …what to write?

Manchmal sind es eher kleine Wahrnehmungen, die größere Prozesse auslösen. Es gibt ja immer noch jede Menge Menschen die echt glauben, dass Inspiration etwas von Gott Gegebenes ist – und dass nur gewisse Menschen überhaupt Inspiration haben oder bekommen. Das ist völliger Quatsch, denn jede*r kann von den Wahrnehmungen, die er oder sie macht zu allem möglichen (aber auch zum unmöglichen) inspiriert werden. Das passiert manchmal völlig unerwartet, basiert aber stets darauf, dass wir uns mit unseren Ideen auch bewusst auseinandersetzen. Theoretisch steckt tatsächlich in jedem von uns eine Geschichte; es macht aber einen Unterschied, ob man sich regelmäßig mit dem Erzählen beschäftigt, oder nicht. Es macht auch einen Unterschied, womit ich mich sonst so den lieben langen Tag beschäftige. Schließlich macht es einen Unterschied, ob ich meine Wahrnehmung trainiere; Leute die blind durch ihren Alltag laufen werden wesentlich seltener von (guten) Ideen heimgesucht. Ich werde hier jetzt bewusst NICHT anfangen, berühmte Beispiele für Inspiration zu zitieren, weil es niemanden irgendwohin bringt, wenn er/sie sich dem Versuch hingibt, die Umstände zu reenacten, die irgendeine*n berühmte*n Autor*in jene Ideen finden ließen, die sie/ihn schließlich stinkreich gemacht haben. Denn, wir müssen alle verstehen, dass das, was für EINEN Menschen super funktioniert hat, bei anderen Menschen vielleicht nur ein Schulterzucken oder ein müdes Lächeln erzeugen wird. Wir alle haben unsere höchst eigenen Ideen-Quellen. Was jedoch jene, die regelmäßig inspiriert erscheinen von den vorgeblich uninspirierten unterscheidet, sind die Arbeit und Disziplin, welche in die Schöpfung zu investieren wir bereit sind – oder eben auch nicht.

Ich meine… ich selbst etwa habe neulich eine, für mich höchst faszinierende Idee dadurch gewonnen, dass ich auf Youtube eine kurze Doku über den Entstehungsprozess des Filmes Metropolis angeschaut hatte. Es dauerte vielleicht einen Tag und ich war voll in einem Schaffensprozess, weil ich plötzlich eine klare Vision von einer ganzen Welt vor Augen hatte, in welcher sich einerseits Motive der Filmhandlung spiegelten, andererseits aber auch das Filmemachen selbst Part einer größeren Geschichte sein würde. Und das klingt jetzt vielleicht für manche so, als wenn mir das dauernd passieren würde; als wenn man einfach nur eine Doku auf Youtube schauen müsste und BAMDIBAM – IDEE! Doch dies ist nicht der Fall! Ich hatte in den Monaten davor immer wieder viele, höchst verschiedene Ideen gewälzt und ich schreibe – wie hier bereits klar geworden sein dürfte – dauernd an irgendwelchen Konzepten, weil eine bloße Idee NICHT gleich eine Inspiration ist, aus der ein Konzept wachsen kann, welches eine ganze Geschichte zu tragen vermag. Also hatte ich, nachdem mich hier die Muse geküsst hatte, erst Mal eine Weile intensiv recherchiert, weil in den Untiefen meines Gedächtnisses vor allem visuelle Versatzstücke aus anderen Medien umher trieben, die mir instinktiv zu der Ursprungsidee zu passen schienen. Doch diese wiederzufinden und genau zu prüfen, kostete mich Zeit, Ich musste demnach erst mal eine Weile forschen und lesen, um diese alten Bilder wieder greifbar machen und mehr Stoff zusammentragen zu können. Dann musste ich schreiben, redigieren, korrigieren. Doch am vorläufigen Ende steht nun eine halbwegs reife Ausarbeitung eines neuen Pen’n’Paper-Settings (incl. angepasster Regeln), der ich überdies die Konzepte für einen weiteren Roman verdanke. Aber… vielleicht sollte ich erst mal eine der zwei unfertigen Geschichten beenden, oder…?

Was die vorangegangene Beschreibung zu illustrieren versucht, ist einerseits nicht weniger, als der, für jede*n von und notwendige und völlig individuell strukturierte Annäherungs-prozess an die Verdichtung einer bloßen idee zu einem Konzept – und der folgenden Arbeit, daraus dann ein Produkt zu machen, sofern das Konzept denn überhaupt dazu taugt; also, wie zuvor schon gesagt in der Lage ist, eine Geschichte zu tragen. Wir reden ja schließlich immer noch über das kreative Schreiben, nicht wahr. Es ist jedoch andererseits auch der beredte Hinweis, dass wir manchmal nicht kontrollieren können, wann und wodurch uns die wirklich guten Ideen kommen; dass wir jedoch gut beraten sind, mit dem Inspirations-Flow zu gehen und so viel Energie und Zeit wie notwendig zu investieren, um verstehen zu können, ob da gerade tatsächlich eine der wirklich guten Ideen angeklopft hat, die es wert ist, weiter verfolgt zu werden. Komme ich entlang des Weges zu der Auffassung, dass es eher doch nur ein dämliches Hirngespinst ist, kann ich das Ganze immer noch ad acta legen und mit anderen Dingen weitermachen. Doch wenn Faszination und Flow mich tragen, dann arbeite ich solange daran, bis diese Idee weitgehend fertig in einem Konzept konsolidiert ist, an dem ich zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt weiterarbeiten kann, weil alle essentiellen Parts schon existieren. Im Lauf der Zeit formiert sich durch diese Arbeit in uns eine individuelle Sensitivität für Ideen, die uns zielsicher immer wieder bei bestimmten Genres, Erzählfiguren, Charakteren, etc. landen lässt. Wir haben alle unsere Vorlieben – und die machen sich auch in unserer Kreativität bemerkbar.

WAS ich schreibe, ist folglich durch meine Wahrnehmung, meinen Geschmack, meine Sozialisation, oder anders gesagt meine Biographie zumindest informiert. Ich würde nicht von festgelegt sprechen wollen, da wir uns im Laufe des Lebens ja immer wieder für neue Dinge begeistern können; zumindest, sofern wir uns dies gestatten. Und ja – nicht jede*r Mensch bleibt hier im gleichen Maße kognitiv rege, interessiert und mental flexibel genug, um das Neue, Unbekannte, Andere begrüßen oder begreifen zu können. Ein hoch geschlossenes Weltbild macht einen folglich nicht zu einer kreativeren Person, sondern bewirkt eher das Gegenteil. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum über-konservative Menschen (Neo-Nazis, Nationalisten, Chauvinisten, Rassisten, etc.) so wenig kreativ und innovationsfähig sind. Für mich ist das Verschließen vor dem Anderen jedenfalls keine Option, weil es meine Kreativität behindern würde. Und weniger Kreativität macht für mich das Leben weniger lebenswert. Nun hat auch der dritte Teil Bedingungen des Schreibens untersucht. In Teil Vier werden wir dann endlich über den eigentlichen Prozess sprechen, wenngleich ein paar Dinge schon durchgeschienen sein mögen. In diesem Sinne noch einen schönen Samstagabend.

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Writing Fiction #02 – In style!

“You develop taste, long before you develop skill” Matt Colville sagte das vor mittlerweile über sechs Jahren in einem seiner Videos. Und ich hatte noch nicht gleich verstanden, was das für mich bedeuten sollte. Heute weiß ich: man entwickelt, wenn man viel liest, zuerst ein sehr feines Sensorium für Stil, für semantischen Gehalt, für Satz- und Textaufbau; eben für all diese Dinge, die ausmachen, ob man einen Text mag, oder nicht. Nicht jeder Autor spricht einen dabei an, selbst wenn dieser alle Ratschläge aus dem Youtube-Lektoren-Handbuch gewissenhaft umgesetzt hat. Denn der offenkundige Versuch, servil um die vermeintlichen “Lesegewohnheiten” dieses oder jenes Publikums herum zu scharwenzeln mag vielleicht irgendwelche Easy-Reading-Opfer zum Kauf veranlassen. Es killt jedoch auch die Seele der eigenen Schreibe. Natürlich kippt niemand einfach so den First Draft eines Textes in die Welt. Aber seinen Text polieren zu wollen, um dieses oder jenes Kriterium zu erfüllen, macht zumeist weder den Autor glücklich, noch ist es eine Garantie, so erfolgreich zu werden, dass man davon leben kann. Es geht in allererster Linie darum, etwas zu schreiben, dass einem selbst gefällt! Dass dabei auch ausdrückt, was in einem selbst gerade gesagt werden möchte! Dass einen selbst als Mensch reflektiert! Dass die eigene Geschichte so erzählt, wie man sie auch woanders als auf dem bedrucktem Papier oder dem digitalen Display erzählen würde. All diese Aspekte bewusst beim eigenen Schreiben erleben zu können, bedarf jedoch der Übung; oder vereinfacht gesagt: ihr müsst schreiben, schreiben und noch mal schreiben, um besser schreiben zu können. So wie bei allen anderen Skills auch! Ich habe folglich sehr viele Texte geschrieben, die NIEMALS irgendjemand zu Gesicht bekommen wird, weil sie alle Fehler machen, die man in einem Text machen kann: sie nehmen einem die Fantasie, weil sie zu viel erklären. Sie ersticken in ihren eigenen Klischees, und hantieren mit Charakteren, die anstatt eigenständiger Figuren bloße Schablonen sind, die sich überdies nicht entwickeln. Sie mixen Genreaspekte, die man besser nicht mixen sollte. Sie arbeiten mit Deus Ex Machina und Zufällen, die ich keinem Serienautor heute noch abnehmen würde. Und so weiter und so fort. Jeder Mensch, der sich mit dem Schreiben etwas ernsthafter befasst, besitzt irgendwann einen reich gefüllten Giftschrank des Unlesbaren. Und jetzt kommt auch noch KI dazu…

Was mich persönlich in diesem Zusammenhang am meisten abschreckt, ist der Umstand, dass mittlerweile Bücher auf den Markt drängen, die so offenkundig mit Hilfe der Chatbots von Large Language Models (dass, was wir blöderweise künstliche Intelligenz nennen) erzeugt wurden, dass man sich fragen muss, wann irgendjemand endlich OpenAI und dieses ganze andere Tech-Bro-Geschmeiß aus den Faschistischen Staaten von Amerika so derbe zu Rechenschaft zieht, dass sie für den Rest ihres Lebens beim Scheißen Schmerzen haben… Die haben Texte geklaut – und tun dies immer noch – und ihre kackfreundlichen Algorithmen verwursten und verunstalten die Textfragmente, mit denen man sie “trainiert” hat auf so grauenhaft uninspirierte Weise, dass man sich ehrlich zu wünschen beginnt, künftig nur noch Grundschüleraufsätze lesen zu müssen! Die wurden wenigstens von einem Menschen geschrieben. Nur noch mal zum Mitschreiben für all die Trottel, die das noch nicht verstanden haben: KI kann keine Creatio ex nihilo! Diese beherrschen nur Menschen! ALLES, was KI produziert, ist ein Mash-Up., Re-Mix oder schlicht nur ein unverschämter Klau von Dingen, die MENSCHEN ZUVOR ERSCHAFFEN HABEN! Merkt euch das – und wenn ihr ein Buch verkaufen wollt, dann schreibt es gefälligst selbst! Und nur, um das an dieser Stelle klarzustellen – ich selbst nutze auch KI. Ich habe sogar ein Bezahl-Abo. Ich nutze dieses beruflich, um Fachtexte analysieren und mir einfache repitive Aufgaben abnehmen zu lassen, bei denen es keine Probleme mit Datenschutz, Betriebsgeheimnis, Kultursensibilität und halluzinierenden Chatbots gibt. Und privat vor allem, um Bilder für meine Game-Settings im TTRPG-Hobby zu bearbeiten. So gut wie nix davon findet man dann im, eh schon überaus AI-Slop-reichen Netz wieder. Und ganz gewiss lasse ich meine Geschichten oder Blogposts, wie etwa auch diesen Text hier NICHT von KI schreiben…

Den eigenen Stil zu finden ist ein Teil dessen, was durch das stetige Schreiben-Üben quasi en passant passiert. Jeder von uns hat eine innere Stimme, die sich auf eine spezielle Art äußert. Viele dieser Stimmen mögen zuerst ähnlich klingen, aber Wortschatz, Wortwahl, Sprechrhythmus, Satzbau und -länge, humorige Anteile, Blumigkeit oder Direktheit – eben all das, was einen Schreibstil im Kern ausmacht, variiert von Person zu Person erheblich, wenn man genau hinschaut. Und festigt sich eben erst mit der Menge der geschriebenen Texte und der damit einhergehenden Erfahrung. Stil ist somit einerseits eine Frage von individueller biographischer Realität und zwangsweise ebenso ein prozessuales Konstrukt, wie die ganze (erwachsene) Persönlichkeit. Andererseits aber abhängig von beständiger Übung und reflektierter (Selbst)Kritik. In diesem Spannungsfeld emergiert etwas, dass keine Maschine bislang erreichen kann: echtes, kreatives Schreiben! Wenn dieser Text also irgendeinen Sinn hat, dann den, nicht nur nach dem eigenen Warum zu suchen (das war Part 01 dieser neuen Serie), sondern auch nach der eigenen Stimme. Erst wenn wir diese beiden Elemente für uns selbst beisammen haben, können wir uns dem eigentlichen Prozess des Schreibens zuwenden, der – und damit erteile ich dem Thema “Ratgeber” erneut eine Absage – hier aus meiner Warte beschrieben wird! Ob das irgendjemandem nutzt? Keine Ahnung. Wir werden sehen. (F)rohen Karfreitag noch…

Auch als Podcast…

Writing Fiction #01 – …where to begin?

Gleich vorneweg: einen Roman schreiben, einen Essay schreiben, einen Blogpost schreiben und ein TTRPG-Abenteuer schreiben, sind vier vollkommen unterschiedliche Dinge. Das eine sucht nach Antworten auf eine spezifische Frage, oder versucht, dem Leser dabei behilflich zu sein, für sich selbst die richtige Frage (oder Antwort) zu finden. Und bedient sich dafür einer logischen Struktur, die (hoffentlich) für Dritte nachvollziehbar ist. Unterhaltsamkeit mag hier ein Bestandteil sein – muss aber nicht unbedingt; das ist der Essay (“essayer” aus dem Französischen für “versuchen” mag einen Hinweis auf den Zweck solcher Texte geben.). Der Blogpost hingegen ist ein freies Medium: er kann ein Essay sein, ein Rant, ein Listicle, eine Selbstreflexion… oder wasauchimmer. Meine Schreibe hier zeigt das, wie ich glaube, recht anschaulich. Alles von den vorgenannten kam hier schon mal vor. Ich kennzeichne das auch nicht. Leser sollen das ruhig selbst herausfinden. Ein TTRPG-Abenteuer ist, so wie die meisten Blogposts eine eher kurze Textform. Zumindest, so wie ich das betreibe. Ich beschreibe in aller Regel “nur” wichtige Non-Player-Characters (NPCs), wichtige Locations, wichtige Gegenstände. Im heutigen Mainstream wird NPC gerne als negativ konnotierte Bezeichnung für Nebendarsteller im Leben des Protagonisten genutzt – der Protagonist ist man natürlich immer selbst! In meiner Wahrnehmung sind NPCs jedoch eigenständige Persönlichkeiten mit Zielen, Motivationen, No-Gos, Gefühlen… halt wie richtige Personen. Ähnliches gilt auch für die anderen u.U. wichtigen Bestandteile des Abenteuers. Denn im Pen’n’Paper entsteht die Geschichte durch die – oftmals unvorhersehbare – Art und Weise, in der die Spielercharaktere mit dieser Welt und den eben genannten Elementen darin interagieren. Ich kann ein und das gleiche Abenteuer mit drei verschiedenen Gruppen spielen und es wird drei Mal unterschiedlich ablaufen und ausgehen. Was aber bedeutet, dass ich mir über die Story vorher weniger Gedanken machen muss. Ich habe vielleicht eine vage Idee, wohin der Zug fahren KÖNNTE. Die muss aber nicht eintreffen. Der Roman hingegen ist hinsichtlich der Frage nach einer erzählten Geschichte ein GANZ ANDERES BIEST. Denn ich muss – durch die Augen eines Erzählers all das, was für den Verlauf wichtig ist greifbar machen. Und das am Besten auf eine Weise, die für die Leser*innen – kognitiv, vor allem aber auch emotional – nachvollziehbar bleibt…

…is paar Jahre her. Wir haben alle Fehler gemacht, die im Buch standen und noch ein paar mehr! Trotzdem war – und ist es immer noch – eine ziemlich geile Erfahrung!

Um diesen Prozess des Roman-Schreibens soll es hier in der Hauptsache gehen. Nun gibt es da draußen schon eine Menge YouTube-Kanäle, Blogs, etc., die ihr Geld damit verdienen, Menschen erklären zu wollen, wie man einen möglichst erfolgreichen Roman schreibt – oder auch mehrere. Content-Creator, die realistisch betrachtet versuchen, ambitionierten Hobby-Autoren eine (ihre) “Hit-Formel” aufzuoktroyieren; die jedoch zumeist lediglich eines schafft – Einheitsbrei! Denn, wann immer ein “junger” Autor (das Adjektiv bezieht sich hier bewusst auf die Dauer der Autoren-Karriere, nicht das Lebensalter der Person dahinter) anfängt, von einer ersten Veröffentlichung zu träumen, wird er/sie auch recherchieren, was andere vor ihm/ihr getan haben, um dieses hehre Ziel zu erreichen – vom Schreiben leben zu können! Ich träume davon auch – gelegentlich und nur sehr verhalten. Weil ich weiß, dass selbst die größten und bekanntesten Romanciers oft von Glück und Zeitgeist abhängig waren. Erst, wenn der eigene Name eine Marke geworden ist, verkaufen sich die Bücher dauerhaft gut. Und an diesen Punkt kommt so gut wie keiner von denen, die es versuchen! SO GUT WIE KEINER! Egal, wie viele Ratgeber-Videos sie sich anschauen mögen. Denn der Content wird heutzutage von den Lektoren nach Verkaufbarkeit durch Massengeschmack kuratiert. Deshalb wird das hier auch keine Ratgeberreihe. Sondern ein nachdenklicher Blick auf Prozesse. Auf Kreativität und Textarbeit. Auf Vorbereitung und Improvisation. Auf Mut und Angst. Auf Flow und Blockade. Auf Inspiration und Resilienz. Denn auch, wenn viele sich zum Schreiben berufen fühlen mögen, reflektieren die Wenigsten wirklich das WARUM. Aber das WARUM steht am Anfang jedes Textes! Ich setzte mich heute Vormittag an diese Tastatur und begann diesen Text zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich gebe einen Einblick in meine Erfahrungen, Ideen, Quellen. Jedoch nicht mit dem Anspruch, das irgendjemand das wichtig oder nachahmenswert finden muss. Mir genügt das Wissen, dass irgendjemand es nützlich finden KÖNNTE. Denn ich WEISS mit Gewissheit um den Wert meiner Worte. Aber oft – und dieses Geständnis bereue ich nicht – weiß ich bei den ersten Tastenhüben noch nicht, wohin mich der Text tragen wird. Denn ich denke ebenso gerne mit der Tastatur, wie mit dem Stift. Ich ergründe meine eigenen Emotionen und Kognitionen, während die Worte schon auf den Bildschirm oder die Notizbuchseite fließen. Was sich gut anfühlt – weil das WARUM klar ist.

Wenn ich also einen Roman zu schreiben beginne, dann gibt es einen Grund, warum DIESE Geschichte erzählt werden will. Das ist MEIN WARUM. Ob dieses Warum irgendjemanden berührt, oder nicht, ist zunächst völlig einerlei. Natürlich bin ich nicht frei von dem Wunsch, dass auch Andere meine Texte gut finden mögen; so viel Eitelkeit muss dann schon sein. Aber sehr oft genügt mir die Befriedigung, mir etwas von der Seele, von der Brust, aus dem Kopf geschrieben zu haben, einfach, weil es an der Zeit dazu war. Und das Gute daran ist, dass ich mir damit reichlich Übung verschaffe, denn beim Schreiben ist es so – man wird nur besser darin, wenn man es dauernd tut. Ich schaffe pro Jahr einige Hundert Seiten Text in unterschiedlichsten Genres – gewiss nicht so viel, wie professionelle Autoren, die damit tatsächlich ihr Geld verdienen. Aber ich schaffe diese paar Hundert Seiten (manchmal auch mehr) seit JAHRZEHNTEN. Will heißen – ich habe meine 10.000h bis zur Skill-Perfection zumindest theoretisch schon lange zusammen. Doch beim Schreiben gilt man – wie bei so vielen anderen Dingen auch – fälschlicherweise nur dann als Meister, wenn man einen gewissen Grad an Bekanntheit erlangt hat; oder damit Kohle verdient. Das ist mir aber wirklich und ehrlich einerlei. Ich möchte Menschen durch meine Texte kognitiv und emotional berühren; und es ist mir ziemlich Wumpe, ob es viele oder wenige sind, die ich so erreiche. Solange ich irgendjemandem etwas Gutes mitgeben konnte, habe ich mehr geschaffen, als viele Andere in ihrem ganzen verdammten Leben! Und ich WEISS, dass meine Schreibe schon den einen oder anderen Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, vielleicht auch zum Weinen gebracht hat. [EXKURS: Ich weiß übrigens auch, dass es Menschen gibt, die meine – auch verbal verfügbare – Wortgewalt fürchten, weil sie sich in ihrer Autorität bedroht fühlen. Denen kann ich nur sagen: hört mir einfach zu, denkt WIRKLICH über meine Worte nach und versteht, dass ich niemandem was Böses will. Ich will einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen! EXKURS ENDE] Ob die Feder wirklich mächtiger ist als das Schwert, wird wohl die Geschichte entscheiden müssen. Aber wenn es nach mir ginge, so brächte meine Feder vielleicht den einen oder anderen dazu, das Schwert niederzulegen und etwas vernünftigeres mit seiner Zeit anzufangen. Mich würde es jedenfalls freuen. Vielleicht würde so jemand anfangen, nach seinem WARUM zu suchen…? Wir hören uns.

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Etwas beweisen müssen… oder wollen…?

Was ich mittels der Produkte meiner Kreativität zu beweisen versuche…? Das es IMMER mehr als einen Blickwinkel auf die Dinge gibt. Das Schönheit in Dingen, Orten, ja sogar in Menschen verborgen liegt, die auf den ersten Blick, innen wie außen hässlich erscheinen mögen. Das eine Jede und ein Jeder ihre je eigene Wahrheit in sich tragen; und dass wir nur deshalb immer und immer wieder in Konflikte geraten, weil eines Anderen WAHRHEIT NIEMALS leicht auszuhalten ist. Doch ich möchte den Menschen zeigen, dass ein solcher Akt der Solidarität und Humanität möglich ist. Dass wir – wenigstens dann und wann – über unsere Schatten zu springen vermögen. Es ist nicht einfach, nicht selbstverständlich, nicht immer uneigennützig und auf keinen Fall einfach so zu erwarten. Aber, es ist MÖGLICH! Doch im Moment fühle ich mich gezwungen, meine Kreativität sogenannten “Kunden” zur Verfügung zu stellen, die weder meine Ideen und Ideale teilen, noch bereit sind, meine Grenzen oder auch nur meine Meinung zu tolerieren, geschweige denn zu akzeptieren. Aber ich will meine Energie nicht immerzu monetarisieren müssen! Ich will raus aus dieser konsummaterialistischen Verwertungslogik, in der alles immerzu einen Preis haben muss. Oscar Wilde schrieb einst “Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.” Mir fällt kaum ein Satz ein, der für mich derzeit mehr Wahrheit in sich trägt.

Ich will – wenigstens dann und wann – in meinen Geschichten leben und die Welt ringsum vergessen dürfen Hätte ich die Macht, über meine Zeit einfach selbst verfügen zu dürfen, würde ich heute damit anfangen, meine zwei, nach wie vor unvollendeten, Romane zu vollenden und so schleifen, bis sie mir gefallen; und dabei einen Scheiß auf diese ganzen Ratgeber-Schranzen im Internet geben, die versuchen freie Autoren so lange glatt zu schleifen, bis es nur noch Mainstream-Fiktions-Suppe gibt. Glaubt ernsthaft jemand, dass heutzutage noch irgendein Autor sich trauen würde, ein Buch wie “1984” bei einem Verlag abzugeben. Ein Buch ohne Happy-end, ohne echte Identifikationsfiguren, ohne Hoffnung. NIEMAND würde so etwas 2026 noch annehmen und abdrucken. Die wichtigste Erkenntnis für mich wäre jedoch – ich würde damit nicht aufhören bis ich wirklich fertig bin. Ich würde wahrhaft daran ARBEITEN. Denn die Arbeit, welche wir uns selbst auswählen, ist natürlich immer jene, welche uns am leichtesten fällt. Ich kann mich nicht mehr entsinnen, wann ich das letzte Mal bei meinem Lohnjob in einen echten Flow gekommen bin, der mich solange trug, bis ich merkte, dass es jetzt verdammt noch mal Zeit wäre, eine Pause zu machen; oder doch wenigstens mal etwas zu trinken, auf den stillen Ort zu gehen, o. Ä. Beim Schreiben jedoch, wenn ich erst einmal in die Geschichte eingetaucht bin, fällt mir das leicht. Da sind 3 – 4h KONZENTRIERTES Arbeiten keine Anstrengung!

Und dennoch liegt auch hierin auch eine Gefahr. Denn ich habe, wie manch anderer auch, über lange Zeit meinen Selbstwert an meinen “Erfolg” geknüpft; an die Art und Weise, wie ich von anderen wahrgenommen werde, in Abhängigkeit von meinem (beruflichen) Tun. Ich hatte mir zuerst einen “Ruf” in meinem alten Tätigkeitsfeld (Rettungsdienst und Leitstelle) aufgebaut, nur um dies danach in meinem neuen Job (berufliche Bildung) ein weiteres Mal zu tun. Doch… egal, was ich vorweisen konnte, es war – nein es IST – irgendwie zumindest für manche nie genug! Wie soll man DAS gesund überstehen? Wie soll man bei klarem Verstand bleiben, wenn regelmäßig Menschen im Vorbeigehen ALLES entwerten, woran man seine Identität geknüpft hat? Also tue ich nun das, was MIR in dieser Situation sinnvoll erscheint: ich löse mich ganz allmählich emotional vollkommen von meiner Arbeit. Es geht nicht anders! Ich habe mit meinem Team kein Problem; aber ich werde mich nicht weiterhin emotional in die Angelegenheiten eines Arbeitgebers involvieren, in dem es an einigen Stellen Menschen gibt, die mich bei erster Gelegenheit ausgelutscht ausspucken würden. Der Zug ist endgültig abgefahren! Oder anders formuliert – momentan sehe ich mich auf dem besten Weg in die innere Kündigung! Ob das reversibel ist? Wir werden sehen.

Die Kunst besteht nun darin, meine Identität wieder mit meiner Kreativität zu verheiraten. Das, was ich an Content aussende geil zu finden und nicht einfach nur aus Gewohnheit weiterzumachen. Mich wieder auf solche Dinge einlassen zu können, die sich außerhalb meiner Komfortzone befinden. Herauszufinden, was ich damit anstellen kann, ohne sofort wieder einem Verwertungszwang unterworfen zu sein. Denn dann geriete ich ja sofort wieder in die selbe, schmerzhafte Abwärtsspirale. Mittelfristig wird das bedeuten, dass ich mein Erwerbsleben anders aufstellen MUSS. Wie das gehen kann? Ich habe noch KEINEN BLASSEN SCHIMMER. Aber ich habe mich in meinem Leben schon mindestens drei Mal neu erfunden. Also habe ich ehrlich gesagt keine Angst davor. Ich muss ja niemandem etwas beweisen; außer vielleicht mir selbst. Nämlich, dass ich in jedem Fall eine Menge wert bin, auch wenn ich keine fancy Führungsposition mehr innehätte… der Gedanke verfestigt sich derzeit immer mehr. Und je länger ich auf diesem Knochen herumkaue, desto besser schmeckt er. Ob das ein guter Vorsatz für das neue Jahr ist? Ich denke schon. Und ich wünsche, dass ihr euch – ohne bleibende Schäden – schön weggeknallt habt und gut reingerutscht seid. Willkommen in einem glorreichen Jahr 2026, ihr lustigen Menschen…

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Wonderland – Part 3

Sonntag. Während in der Küche, in einem altmodischen Bräter das Boeuf Burguignon für’s Mittagessen fröhlich simmert, sitze ich vor der matten Scheibe und schreibe. Etwaige Diskussionen um Art und Form der dargereichten Nahrung werde ich weder zur Kenntnis nehmen, noch durch Einstieg würdigen; denn für diejenigen, die (aus welchen Gründen auch immer) kein Fleisch mögen, gibt es eine vegane Alternative. Und fertig ist die Laube! Aber darum soll’s ja auch gar nicht gehen. In den letzten Tagen habe ich mal wieder mit angehenden Praxisanleitenden gearbeitet und wir sind dabei – einmal mehr – dem Thema “Gamification” ein bisschen näher gekommen; und gleichsam wieder zu dem Schluss, dass in jedem von uns ein Spielkind steckt, welches wenigstens gelegentlich mal raus gelassen werden möchte… Es ist ja nun nicht so, dass Ausbildung ein Spiel wäre, auch wenn manche Auszubildende sich gelegentlich gerne so aufführen. Doch einzelne Aspekte dürfen sehr gerne spielerisch ausgeführt sein, um die Motivation nicht vollends zu killen. Doch jedes Mal, wenn ich anderen darüber erzähle, nachdenke, einzelne Methoden selbst im Lehrsaal zur Anwendung bringe, kommt in meinem Hinterkopf die Frage auf, ob ich das jetzt für meine Azubis oder für mich tue. Denn ICH bin ein furchtbares Spielkind. Ich fummele furchtbar gerne an manchen Tech-Spielereien herum und mag Go-Go-Gadgets. Ich liebe außerdem social games, wie etwa TTRPG; und manchmal finden sich Aspekte des Storytellings auch in meiner Lehrsaalarbeit wieder. Allerdings wesentlich seltener, als mir lieb wäre, wenn man bedenkt, dass ich meinen Master darüber geschrieben habe… nun ja. Und schlussendlich ist u.A. es genau dieser Umstand – nämlich dass ich manche meiner schon lange gepflegten Hobbies im Arbeitskontext gewinnbringend einsetzen kann – der mich meinen Job so lieben lässt. Wenn wir nur Benefits messen möchten, ist es wohl für beide Seiten von Gewinn, wenn ich ein wenig spielen darf. Es könnte also öfter auch auf Arbeit Wonderland sein. Wenn ich denn nicht mit manchen Kollegoiden zu tun hätte…

Ich nehme immer wieder wahr, dass es manchen Menschen sehr schwer fällt, mich zu verstehen. Was mich massiv irritiert, denn ich spreche oft genug EXAKT das laut aus, was ich denke und zu tun gedenke. Doch Menschen, die daran gewöhnt sind, hinter allem, was gesagt wird einen Hintergedanken suchen zu müssen – weil sie dummerweise selbst hinter allem, was sie sagen Hintergedanken verstecken – können oft nicht verstehen, dass die Bedienoberfläche des Gegenübers auf Ehrlichkeit basiert. Now, don’t get me wrong… ich kann dieses Spiel auch spielen, wenn’s denn unbedingt sein muss. Aber ich fühle mich dabei nicht wohl und finde ganz grundsätzlich derlei Bigotterie, die ja nur Machtspielchen dient, ermüdend nutzlos und energieverschwendend. DAS ist es, was mich hier manchmal so genervt und vielleicht auch ein Mü verzweifelt klingen lässt. Eventuell ist gerade ein solcher Knoten mal in die andere Richtung geplatzt, was mir Luft zum Atmen verschafft. Und in dieser frischen Luft finde ich tatsächlich neue Zugänge zu spielerischen Spaß. Es ist für mich schon eine Wohltat, an einem Tag wie heute so gut wie nichts zu müssen. Selbst das anfangs erwähnte Kochen – für manch andere ja ihr Broterwerb – ist mir eine Muse. Denn einerseits weiß das Ergebnis zumeist zu erfreuen. Und andereseits muss ich dabei nicht über Hintergedanken sinnieren. Denn die Zutaten wehren sich nicht gegen meine Arbeit. Ich kann mich mit meinen Ideen und manchmal auch Fantasien zurückziehen und mich ganz darauf konzentrieren, Freude in meinem Tun zu finden. Auch das Bloggen, für andere Menschen durchaus auch Arbeit, weil sie damit ihre Brötchen verdienen müssen, ist für mich mehr ein Spiel; die Suche nach der richtigen Mischung zwischen filigraner Eleganz und brachial-frontalen Klatschen für die ganzen dämlichen Nazis, Chauvies, Rassisten, Möchtegern-Leistungsträger und das ganze andere menschoide Netz-Geschmeiß da draußen ist manchmal regelrecht anstrengende Hochleistungs-Wortschnitzerei. Und dennoch liebe ich es! Wenngleich ich mir manchmal viel mehr Interaktion hier auf dieser Seite wünschen würde, weiß der tiefe Grund meines Herzens, dass dieses Abarbeiten an der Welt in wahrgenommener (Klickzahlen) aber nicht unterbrochener (sehr wenige Kommentare) Solitude mir wahrscheinlich besser tut, als dauernde Online-Diskussionen. Gab ja einen Grund, warum ich von Facebook weg bin…

Spielen hat viele Facetten. Ich bin natürlich Pen’n’Paper-Zocker und manchem Videospiel nicht abgeneigt. Aber, wie eben dargestellt sind dies bei weitem nicht die einzigen Aspekte meines Daseins, die ich quasi gamifiziere. Macht mich das weniger erwachsen? Ich würde das anders sehen wollen: ich glaube, dass Menschen, die ihren Spieltrieb mit immer weiter fortschreitendem Alter einzuhegen, zu negieren und zu vergessen versuchen ziemlich arm dran sind. Denn ihnen fehlt ein möglicher Zugang zur Welt, der es erlaubt, auch die ernsten Dinge wenigstens nicht immerzu völlig ernst nehmen zu müssen. Spieltrieb und Humor sind eng miteinander verwandt; und das Humor nunmal ist, wenn man trotzdem lacht, sollte man einfach akzeptieren und so oft wie möglich umsetzen. Schlicht weil es einem hilft, nicht vollkommen durchzudrehen im Angesicht einer immer bekloppter werdenden Welt. ich werde für den Rest des Tages mein Spielkind abfeiern und dadurch hoffentlich morgen früh entspannt in die letzte Arbeitswoche des Jahres starten können. Ich gehe jetzt in mein Wonderland. Euch da draußen wünsche ich übrigens das gleiche – außer ihr gehört zu den dämlichen Nazis, Chauvies, Rassisten, Möchtegern-Leistungsträgern und dem ganzen anderen menschoiden Netz-Geschmeiß. Dann wünsche ich euch die Pest an den Hals und dass ihr in der Hölle rösten mögt! Frohen dritten Advent!

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WARUM wir kreativ sind…?

Manchmal fällt es mir schwer, mich hinzusetzen und noch einen Blogpost zu schreiben. Manchmal fällt es mir auch schwer, mich hinzusetzen und noch eine Seite, oder drei, oder fünfzehn für meine Buchprojekte zu schreiben. Und schließlich fällt es mir manchmal schwer, einen Unterricht neu vorzubereiten, weil er nicht so sein soll wie der letzte, der aus meiner Sicht nicht funktioniert hat. Egal ob in Präsenz oder über die Distanz. Denn der Satz “Das haben wir schon immer so gemacht!” hat in meiner Welt KEINERLEI Stellenwert! Die Suche nach Inspiration soll helfen haben sie gesagt. Schau dir doch mal an, wie andere das machen und klau dir einfach das richtig gute Zeug, haben sie gesagt (und niemand hat jemals behauptet, dass jemand anderes gute Ideen nicht als Inspiration dienen dürften; anderfalls wären Samples und Mashups keine Musik, sondern nur geklaut). Doch dabei vergessen sie ein wichtiges Faktum: Kreativität hat nicht nur mit Inspiration zu tun. IDEEN als solche habe ich im Überfluss. Die Kunst besteht jedoch darin, die RICHTIGEN festzuhalten und damit zu ARBEITEN. Ja richtig gehört: arbeiten! Denn Kreativität ist für mich ebensosehr disziplinierte Arbeit – trial and error inclusive – wie sie die Suche nach dem richtigen Start (also der passenden Idee) ist. Manchmal muss man diese eine Sache wieder und wieder durchkauen, dranbleiben, sich aktiv daran erinnern, warum man das tut, was man tut. Und sich dann verdammt nochmal auf seinen Hintern setzen und – zumindest in meinem Fall – schreiben. Manchmal auch ein bisschen mit dem Stift denken (in fancy nennen wir das “visualisieren”), Konzepte entwickeln und wieder in die Tonne treten, einfach weil sie auf den zweiten Blick halt doch Scheiße sind. Und am Ende, wenn man dann eine Weile an was auch immer gearbeitet hat, legt man den Griffel zur Seite und lässt die Sache gären. In meinem Kopf und in meinen Notizbüchern gären immer diverse Ideen zur gleichen Zeit. Es gibt allerdings einen weiteren Faktor, der mit über wohl und wehe des kreativen Prozesses entscheiden darf: Motivation!

Doch was motiviert uns eigentlich? Ich habe neulich in einem Youtube-Video folgende, spannende Frage gehört: wenn du der letzte Mensch auf Erden wärst, würdest du dann noch etwas Kreatives tun, also versuchen etwas zu erschaffen? Die eigentliche Frage darin ist natürlich nicht, ob mich eine Apokalypse meiner Kreativität berauben würde (was nicht definitiv entschieden werden kann), sondern für wen wir überhaupt schöpferisch tätig werden: für uns selbst – oder doch für die Anderen? Wie so oft liegt die Wahrheit natürlich irgendwo dazwischen. Denn kreatives Schaffen ist die immerwährende Suche nach dem Unbekannten in uns selbst, nach der immer wieder notwendigen Rekalibrierung unserer Sinne und unserer Identität. Der schöpferische Akt als solcher verbindet uns zwangsweise mit ALLEM, was IN UNS zu finden ist. Ich sagte vorhin, dass es bei der Kreativität zunächst darum ginge, die richtigen Ideen zu finden, sie festzuhalten und mit ihnen zu arbeiten. Die Arbeit konstituiert sich dabei einerseits im Ausprobieren der Ideen und ihrer Inhalte, also im Schaffen von Content. Andererseits aber auch in der Validierung der so entstehenden Produkte. Zuallererst mit uns selbst. Im zweiten Schritt aber auch mit Anderen. Denn wenn die Antwort auf die Frage, für wen wir nun etwas erschaffen tatsächlich irgendwo in dem Kontinuum zwischen uns selbst und der Öffentlichkeit liegen sollte, MÜSSEN wir die Produkte schöpferischer Akte irgendwann mit jemandem teilen. Mir ist dabei bewusst, dass es natürlich Menschen beider Extreme gibt; jene, die ihr Leben lang schreiben, malen, dichten, musizieren, etc. und doch NIEMALS irgendjemandem etwas davon zeigen. Und auf der anderen Seite jene, die mit allem sofort in die Welt drängen, auf der – manchmal verzweifelt anmutenden – Suche nach Bestätigung. Das treibt bisweilen erheiternde Blüten. Manchmal ist es aber auch zum fremdschämen, obwohl ich geneigt bin, niemandem seine kreative Ader absprechen zu wollen. Ich bin ja auch so arrogant, meine Schreibe für so lesenswert zu halten, dass ich sie hier direkt in die Welt hinausgieße. Aber ich frage mich immer wieder, wie stark mein eigener Wunsch nach externer Bestätigung ist…?

Ich kann nicht sagen, dass es mich kalt lässt, dass hier so gut wie nie jemand kommentiert und auf diese Art zeigt, dass Menschen mit meinen Inhalten interagieren. Vielleicht sind diese tatsächlich für die meisten Menschen irrelevant? Oder aber die meisten Menschen sind unterdessen tatsächlich zu faul, zu indolent, zu träge, schon zu sehr vom nächsten Content-Happen abgelenkt oder zu zappelig, sich auf einen Text mit mehr als drei Zeilen einzulassen? Ich weiß es nicht. Und ich will es auch gar nicht bewerten (müssen). Denn dabei würde mein Kulturpessimismus unweigerlich Amok laufen. Also begnüge ich mich, aus der Not eine Tugend machend, einstweilen weiter damit, hier in diesem Bloghaus vor allem für MICH kreativ tätig zu sein. In jenen Stunden, welche ich meinem Arbeitgeber vertraglich schulde, nutze ich meine Schaffenskraft für andere Aufgaben. Tatsächlich bin ich jedoch irgendwie IMMER in einer Art kreativem Modus; das realisiert sich jedoch – abhängig von Ort, Zeit und Aufgabe – auf höcht unterschiedliche Weisen. Wenn ich mich jedoch in eine Idee verbissen habe und mit dieser arbeite, komme ich eigentlich fast immer in einen Flow, der lang genug anhält, die (Teil)aufgabe zu erledigen. Das dabei entstandene, rohe Vorprodukt braucht oft noch eine Menge Feinschliff… aber das ist dann eine andere Art von kreativem Prozess. Wie man’s auch dreht und wendet – für mich ist kreativ zu sein, schöpferisch tätig zu werden ein Teil der menschlichen Natur. Dieser mag individuell mehr oder weniger stark ausgeprägt sein; aber vorhanden ist er ganz bestimmt in jedem Menschen. Spannend für mich wäre jetzt eigentlich, zu erfahren, wie ihr damit umgeht? Wer weiß, könnte ja sein, dass jemand darüber sprechen will, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ansonsten… bis die Tage.

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