What’s amazing…?

Um auf den Post von vorgestern direkt Bezug zu nehmen, wollte ich heute noch anfügen, was mich selbst denn nun fasziniert, weil ich davon überzeugt bin, dass es diese Faszination ist, die mich im Kern antreibt; und zwar in fast allem, was ich tue. Ob es nun meine Aufgaben im Job sind – zumindest jene, die mich immer noch erfüllen, weil sie über all die Zeit im besten Sinne zu meiner Berufung geworden sind – oder meine Hobbies, wie das Fotografieren, das Schreiben, das Storytelling an sich; all diesem Tun wohnen einige Eigenschaften inne, die sich kaum verleugnen lassen; zumindest gegenüber jenen, die hier öfter mitlesen, bzw. mithören. Wie etwa das Bedürfnis, sich kreativ auszudrücken. Der andauernde Versuch, wenigestens ein paar Menschen zu besserem Denken anzuregen. Das innige Verlangen, ein paar wenige, dafür aber bedeutsame Beziehungen pflegen zu dürfen. Die Verpflichtung, in Wort und Tat so oft wie nur möglich wahrhaftig zu sein. Und schließlich… die Suche nach etwas Frieden für den Kampf, der immerzu in meinem Innersten tobt. Ich strebe nicht nach Macht. Ich strebe nicht nach Reichtum. Und ich strebe auch nicht nach Ruhm. Anerkennung und Respekt würden mir völlig genügen, wenngleich selbst dieses bescheidene Ziel letzthin nicht zu erreichen war. Doch davon habe ich hier schon mehr als genug geredet. Heute soll es um das gehen, was mich antreibt, was mich energetisiert, was mich weitermachen lässt und was ich BRAUCHE, um nicht wahnsinnig zu werden.

Es mag zunächst seltsam klingen, doch Ich erzähle Geschichten in fast allem und durch fast alles, was ich tue! Denn ich bin davon überzeugt, dass es uns zu besseren Menschen machen kann, all jene Geschichten entdecken zu WOLLEN, welche in den Kreaturen und Dingen um uns herum existieren. Das macht uns allerdings nicht unbedingt zu guten Menschen, denn so manches Wissen lässt sich natürlich auch missbrauchen. Jene, die sich gutgläubig solchen bösartigen Menschen öffnen, können dabei beschädigt werden! Nun sind jedoch – Gottseidank – nicht allzu viele Menschen in ihrem Kern wirklich bösartig. Kombinieren wir also Neugier mit Haltung, werden wir zu Individuen, denen Begriffe wie Solidarität und Humanität nicht fremd sind. Denn in dem Moment, da ich mein Herz bewusst für die Geschichten anderer öffne, öffne ich gleichzeitig auch meinen Geist für die Wahrheiten anderer. Auch hierin liegt eine gewisse Gefahr, weil manche subjektive “Wahrheit” unschön, verletzend und manchmal sogar hassenswert sein kann, wenn wir über Chauvinismus, Rassismus, Verschwörungsmythen und derlei Mist reden. Aber auch derlei ist – entgegen manchen Mediennarrativen – nicht allgegenwärtig. Es gibt gewiss zuviel davon, aber es gibt weit mehr gute Menschen, als man gemeinhin glauben möchte. Was ich allerdings schon lange beobachte ist, dass die Medien, auf welche Zuhörer*innen anspringen stark variieren. Manche holt man tatsächlich nur mit dem Klang der Stimme ab, manche mit audiovisuellen Reizen und anderen muss man etwas für die Finger geben. Was in bestimmten Kontexten schwieriger ist, als in anderen. Womit Storytelling eine hoch wandlungsfähige Herausforderung bleibt; das macht es für mich allerdings auch so spannend.

Wenn ich nun also sage, dass ich immerzu Geschichten erzähle, dann dienen diese natürlich nicht allesamt der Unterhaltung; wenngleich dies durchaus für einige gilt. Und ich erzähle nicht überall auf die gleiche Art. Stil, Inhalt, Darbietungsform und gewünschte Wirkung wandeln sich natürlich mit der Zusammensetzung und Größe des jeweiligen Auditoriums. Und selbstverständlich verändert sich auch mein Sprachniveau. Manchmal möchte ich Auszubildenden bzw. Teilnehmenden etwas vermitteln, manchmal möchte ich Andere für eine Idee oder ein Projekt gewinnen, manchmal möchte ich einfach nur die Stimmung heben, manchmal möchte ich Spannung aufkommen und meine Spieler am Tisch etwas erleben lassen. Storytelling ist also immer anders. Allen Geschichten wohnt jedoch eine Eigenschaft inne, die ich für unverhandelbar halte – Zugewandtheit. Ich hatte irgendwann mal meine “Three-Strikes”-Regel erwähnt, also das Menschen von mir immer einen schönen Vertrauensvorschuss erhalten – jedoch sofern sie mich drei Mal enttäuschen, sofort auf die, unterdessen sehr lange, Arschloch-Liste kommen. Die Zugewandtheit ist in meinem humanistischen Menschenbild verankert und damit eine Haltung, die für mich unverhandelbar ist. Menschen sind zuallererst Menschen (Ausnahmen hiervon mache ich nur für tyrannische Diktatoren-Arschlöcher, wie Putin, Trump, Erdogan, Netanyahu, etc. – das sind allesamt Monster, die bestenfalls einen Gnadenschuss verdient haben). Daraus erwächst, dass immer Figuren, Charaktere, Menschen aber nur sehr selten Sachen im Mittelpunkt meiner Geschichten stehen. Herausforderungen, Hindernisse, Motive, Träume, Emotionen, Entwicklung… eben das menschliche Drama ist es, dass mich fasziniert (und ja, wenn wir Fantasy Pen’n’Paper spielen, subsummiere ich das, was den Mitgliedern anderer Spezies wie Elfen, Zwergen, Orks, etc. wiederfährt auch unter menschlichem Drama).

Das ist der Kern. Außenherum finden sich die Geschichten, die aus dieser Suche nach dem menschlichen Modus, nach Drama und Entwicklung entstehen; und die manchmal witzig, manchmal spannend und manchmal auch traurig sind. Jedoch mitnichten immer so, wie ich sie geplant hatte. Gestern Abend etwa habe ich gespielleitet und zwischendrin wurde es thight für die Charaktere. Das Ende kam dann jedoch ein wenig antiklimaktisch daher, da ich den Eindruck hatte, dass jetzt noch einen Knaller draufzusetzen alle Beteiligten eher nerven als noch mal hooken würde. Ob ich damit Recht hatte, werden wir nie rausfinden. Was ich damit allerdings sagen möchte ist, dass meine Geschichten mitnichten immer so funktionieren, wie intendiert. Oder dass ich am Ende immer bekomme, was ich brauche/will. Aber der Versuch zählt, Denn, wenn ich aufhören würde, Geschichten zu erzählen, wenn ich aufhören würde, diesen – meinen – speziellen Ausdruck von Kreativität zu leben, dann würde ich vermutlich ganz und gar aufhören zu leben. Für mich ist diese Faszination, welche das Storytelling mit all seinen Facetten in mir selbst immer wieder auslöst wie Sauerstoff. Ohne Kreativität stirbt die Seele! In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen und hoffentlich wenigestens etwas kreativen Tag.

Auch als Podcast…

Next stop – fascination…!

Was bedeutet Faszination? Ich meine genügt es, von irgendetwas überrascht zu sein, um sich fasziniert zu fühlen? Muss dazu eine Erfahrung entstehen, die ich noch niemals zuvor gemacht habe? Oder kann mich auch etwas faszinieren, dass ich eigentlich bereits zu kennen glaubte? Was ist das denn überhaupt – Faszination? Und… fühlt es sich für jeden von uns gleich an? Ist überhaupt jeder von uns „faszinierbar“? Zumindest bezüglich dieser Frage denke ich eine Antwort zu haben, wenngleich auch keine befriedigende: Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir modernen Menschen die Fähigkeit verlieren, von den Dingen, die uns umgeben und denen wir begegnen, fasziniert zu werden. Das könnte an unserem üblichen Modus der Medienrezeption liegen, über den ich bereits bei mehreren Gelegenheiten gesprochen habe. Aber das ist lediglich eine Vermutung. Warum ist es dann überhaupt wert, extra darüber nachzudenken, was uns fasziniert und warum? Hilft uns die Fähigkeit fasziniert werden zu können denn bei irgendwas? Ist es für den „menschlichen Modus“ in irgendeiner Weise von Bedeutung? Und falls dem so wäre, welche individuellen Auswirkungen hätte es dann? Da habe ich nun eine Menge Fragen aufgeworfen, rings um einen Begriff, der für die meisten Menschen, wenn überhaupt nur einen, schwer zu beziffernden Stellenwert zu haben scheint. Wie so oft sind die Antworten auf all diese Fragen nicht in meinem Kopf zu finden, weil jeder und jede diese für sich selbst selbst beantworten muss, um überhaupt irgendetwas über sein Selbst herausfinden zu können. Denn eines scheint gewiss: auch Faszination ist ein höchst individuelles Thema.

Ich werde nicht nochmal auf den Modus der Medienrezeption eingehen. Dem habe ich hier neulich relativ viel Raum gewidmet. Worauf ich allerdings eingehen möchte, ist die Frage nach der Faszinierbarkeit; insbesondere unter dem Aspekt, dass ich ja eben einen nicht unerheblichen Teil der Menschen unterstellt habe, dass sie eben nicht fasziniert werden könnten. Und da sind wir schon bei einer interessanten Unterscheidung: sind wir eher fasziniert aus uns selbst heraus (aktiver Vorgang), oder werden wir fasziniert durch extrinsische Reize (passiver Vorgang)? Nach meiner persönlichen, rein anekdotischen Evidenz ist es natürlich eine Mischung aus beidem. Allerdings ist das Mischverhältnis von Mensch zu Mensch verschieden! Das hat mit den individuellen Interessen zu tun, dem Umfang des „Weltwissens“ (nicht Allgemeinbildung im klassischen Sinne, sondern Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Wissensgebieten, Kulturen und Situationen), sowie der individuellen Ausprägung insbesondere der Persönlichkeitsmerkmale „Offenheit“, „Extraversion“ und „Verträglichkeit“. Kommen wir nun zur Faszinierbarkeit zurück, so wird einem der gesunde Menschenverstand bei der Erkenntnis weiterhelfen, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Wahrnehmungen reagieren, allerdings umso leichter fasziniert sein können, je mehr sie bereit und fähig sind, sich auf Neues einzulassen… klingt komisch, ist aber so. Vor allem unter dem Aspekt, dass man Neues auch im Bekannten finden kann, wenn man die Sinne nur weit genug offenlässt. [EXKURS: Scheiß-Nazis sind also nicht nur dämliche Rassisten, Chauvinisten und Mysogynisten, sondern auch noch überaus arme Schweine, weil Veränderung ihnen Angst macht; und sie deshalb NICHT in den Genuss kommen, sich WIRKLICH faszinieren lassen zu können. Noch ein guter Grund, kein Scheiß-Nazi zu sein! EXKURS ENDE]

Nehmen wir das Beitragsild weiter oben. Ich kenne diesen Ausblick mittlerweile seit über 28 Jahren (ja, so lange wohne ich schon am gleichen Fleck, meine Fresse…); und dennoch finde ich dort, von der Balkontür in der Küche aus, immer mal wieder neue Einblicke, neue Farben, neue Details, neue Gedanken und Inspirationen, die mich immer wieder zu diesem Ort gehen und einfach nur schauen lassen. Nicht jeden Tag, aber doch immerhin oft genug, um sagen zu können, dass ich des Anblickes immer noch nicht müde geworden bin. Man könnte nun sagen, dass es einfach nur gelernte Gewohnheit ist – “Konditionierung”, wenn man so will – die mich an das allzu Bekannte fesselt, weil das allzu Bekannte uns Sicherheit gibt. Wir Menschen haben und pflegen Traditionen, weil diese uns im ewigen Zyklus einer sich stetig weiter ändernden Welt einen Anker bilden, den wir als stabilen Haltepunkt für unsere Identität nutzen können! Man könnte meine Gewohnheit, immer wieder diesen Ausblick zu studieren nun also als Ausdruck meines Sicherheitsbedürnisses im Angesicht der Unsicherheit unserer Zeit und Welt deuten. Fair Game… allerdings gibt es einen kleinen, jedoch alles entscheidenden Unterschied zwischen mir und dem Scheiß-Nazi, der auch aus seinem Küchenfenster kuckt, und ganz sicher ebenso ein Bedürfnis nach Sicherheit hat. Denn anders ist sein Hass auf alles Neue und Fremde kaum zu erklären! ICH schaue hinaus und sehe den Ausblick als das, was er ist – ein Abbild des stetigen Wandels, nicht nur der Jahreszeiten, sondern der Welt an sich. ICH sehe die Veränderungen – und auch, wenn ich nicht jede von ihnen mag, nehme ich sie an und reflektiere ihre Bedeutung für mein Sein. Der Scheiß-Nazi jedoch… der steht einfach nur da und blubbert stumpf vor sich hin, weil die Welt sich halt ändert – und er das aber partout nicht wahrhaben will! Nur, damit das an dieser Stelle klar ist: ich verstehe den Mechanismus. Aber Verstehen bedeutet keinesfalls Verständnis! Der Scheiß-Nazi bleibt immer noch ein Scheiß-Nazi, dem ich mit Ablehnung und Kampf begegnen werde.

Faszination ist also einerseits eine weitere Facette von Verständnis; und andererseits die Bereitschaft, immer wieder staunen zu können… und zu wollen! Also die aktiven Seite von Faszination zu leben. Denn, wenn ich mich immerzu nur berieseln lasse, in der Erwartung, dass irgendwas mir schon ein WOW entlocken wird, dann stirbt dieser Teil. Und damit ist es doch irgendwie auch wieder eine Meditation über Kreativität. Allerdings dieses mal mit dem Spin, dass bewusst kultivierte Kreativität in vielen Fällen auch davor schützt, sich von den falschen Predigern (Fascho-Gesocks, Bible-Basher, windige Coaches und ihr Gefolge) vereinnahmen zu lassen; nämlich indem wir weiter denken, wenn die anderen sich schon ihr rein extrinsisches WOW abgeholt haben und geblendet von Fake-Faszination anfangen, seltsame Dinge zu tun. Apropos… waren die Heiligen Drei Könige schon bei euch…? Ich wünsche einen faszinierenden Tag.

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 3)

An jedem Tag der vergeht, konditionieren wir uns selbst. Nicht wirklich im Pawlow’schen Sinne, aber doch nachhaltig genug, um unser Leben erheblich zu beeinflussen. Ich meine damit – zumindest im aktuellen Kontext – unseren Medienkonsum. Dass ich KEIN großer Freund der antisozialen Medien bin, kann man wissen, wenn man diesem Blog etwas länger als drei Wochen folgt. Oft rege ich mich dabei über die schwarz-blau-braunen Auswüchse auf, die unser Leben immer schwieriger machen. Aber genau jetzt möchte ich mich mit einem MÜ Kognitionspsychologie befassen. Es wird ja immer über die Aufmerksamkeits-Spanne gesprochen; und dass diese gesunken sei. Dass ist so nicht korrekt, da es bis heute keine einheitliche wissenschaftliche Definition der Aufmerksamkeits-Spanne gibt; was es jedoch gibt, ist eine Menge Forschung über das Thema (wer sowas gerne liest, folgt dem Link). Was sich jedoch recht sicher sagen lässt ist, dass sich der Modus des allgemeinen Medienkonsums verändert hat. Infos, für die man ganz früher in die Bibliothek gehen musste, oder noch vor etwas über einem Jahrzehnt den Computer zu Hause angewuchtet hat, bekommt man heute nach Sekunden von der persönlichen Taschenwanze überallhin ausgeliefert, wo es hinreichend gutes Mobilfunknetz gibt. Wenn man also mal seine Ruhe haben möchte, muss man auch im frühen 21. Jahrhundert in Deutschland nur ein Tal innerhalb eines halbwegs großen Waldgebietes aufsuchen. Als Frau Dr. Merkel 2013 mal sagte “Das Internet ist für uns alle Neuland!” bewies sie damit prophetische Fähigkeiten, denn auch heute noch gibt es eine Menge weißer Flecken auf dieser Karte. Vielleicht wusste sie aber auch einfach nur um die legendär innovationsfeindliche Bräsigkeit der Union… Aber wir waren bei der Aufmerksamkeit, nicht wahr…?

Alle möglichen Reize, welche auf unsere Primärsinne einstürmen, werden in Windeseile in den entsprechenden Zentren unseres Gehirns (vor allem im Thalamus) verarbeitet. Dabei ist vor allem eine Entscheidung wegweisend: ist es ein salienter Reiz – oder nicht? Salient bedeutet eine Wahrnehmung, die entweder neu (und damit irritierend) genug ist, unsere Aufmerksamkeit hervorzurufen – oder unser Interesse zu wecken vermag, weil sie mit anderen, vorbekannten Sachverhalten zusammenhängt und für uns daher rational von Bedeutung sein kann – oder weil wir eine Bedrohung wahrnehmen! In allen Fällen wird die Entscheidung, ob DIESER REIZ vom Sensorischen Register zur weiteren Verarbeitung ins Arbeitsgedächtnis durchgereicht wird VORBEWUSST getroffen. Innerhalb von irgendwo zwischen 150 und 500 Millisekunden weiß unser Hirn, was es damit tun möchte… Lange, bevor wir beginnen, uns bewusst mit diesem Reiz auseinandezusetzen. Funktion, Aufmachung und Content-Struktur der gängigen Social-Media-Apps sind daher darauf ausgelegt, uns in allerkürzester Zeit (man sagt. unter drei Sekunden) zu hooken. Denn andernfalls fällt der Content dem Doomscrolling zum Opfer und wird nicht rezipiert. Antisoziale Medien nutzen also schamlos den, in unseren Brains verdrahteten Sortiermechanismus aus, um uns bei der Stange zu halten. Das funktioniert, weil der Thalamus als wichtige Schaltstelle unserer Wahrnehmung eng mit dem Mesolimbischen System verkoppelt ist, wo unter anderem unsere Emotionen entstehen… insbesondere mit dem Belohnungssystem (Nucleus accumbens) und dem Angstzentrum (Amygdala). Schon mal von Internetsucht und FOMO (Fear Of Missing Out) gehört…? Jetzt wisst ihr, woher das kommt… Und ja, ich weiß, dass diese Darstellung wissenschaftlich betrachtet alles andere als komplett ist. Aber für das Verständnis des Folgenden genügt es vollkommen.

Wenn wir bestimmte Handgriffe trainieren, dann machen wir uns einerseits den Umstand zu Nutze, dass regelmäßige Wiederholung unsere psychomotorische Gedächtnisleistung verbessert. JA… immer wieder Üben hilft! Nicht allen gleich gut, aber es ist dennoch wahr. Andererseits konditionieren wir auch unser Sensorisches Register. Reize, die anfangs noch Stress oder Unbehagen ausgelöst haben, werden mit der Zeit besser erträglich. Denn indem wir uns diesen Stressoren unter kontrollierten Bedingungen aussetzen, verlieren sie nach und nach ihre Schärfe. Das steigert unsere Stressresilienz… Wenn wir nun aber Doomscrollen, dann konditionieren wir unsere Wahrnehmung in Abstimmung mit dem Belohnungssystem. Und zwar dahingehend, dass wir in der Folge immer mehr, immer knalligere Reize brauchen, um überhaupt noch eine Reaktion spüren zu können. Weshalb wir in der Folge immer länger am Gerät bleiben – und unser Sensorisches Register gegenüber jenen Wahrnehmungen abstumpfen, die vielleicht etwas mehr Zeit brauchen, ihre Wirkung zu entfalten. Wir sind dabei übrigens die ganze Zeit aufmerksam; die Aufmerksamkeits-Spanne ist nicht das Problem, sondern vielmehr die Art der Reize, auf die zu reagieren uns noch möglich ist.

Wo das – im letzten Post von mir thematisierte – Re-Framing ein aktives (Selbst)Reflektieren der eigenen Wahrnehmung erfordert, sind wir hier ein Stockwerk tiefer unterwegs. Nämlich in der Sortierstation, die es uns überhaupt erst erlaubt, Dinge wahrzunehmen, deren Beurteilung wir später reflektieren können. Das ist, was ich mit meinem Post “Verwirrt im Park” tatsächlich meinte: sich auch wieder auf Reize einlassenen zu können, die abseits des Üblichen liegen, die nicht SOFORT durch einen Dopaminschub wirksam werden, die zunächst kein Nutzpotential entfalten, sondern die einfach nur da sind und dennoch in uns etwas auslösen, dass – wenn auch erst ein paar Augenblicke später – in uns Wirkung entfaltet. Doch dazu ist eine andere Form von selbst-induzierter Konditionierung notwendig. Nämlich eine, die keine technischen Hilfsmittel braucht, sondern einfach nur den regelmäßigen Gebrauch unserer fünf Sinne…Und nein, ich rede gerade nicht über dieses ultra-nervtötende “Die kleinen Dinge wertschätzen”-Achtsamkeitsratgeber-Trallalla und irgendwelche “Musst-du-so-machen”-Rituale; sondern einfach nur darüber, BEWUSST zu leben. Dass man dabei auch mal die Taschenwanze benutzen darf, wenn man irgendwas wissen will/muss, oder eben mal jemand erreichen will/muss…. Schwamm drüber, geht mir auch so. “What about hapiness?” war die Frage. Wie wäre es mit dem Versuch, mit offenen Sinnen durch die Welt zu gehen, ein bisschen Wandel dahin zu bringen, wo es einem möglich ist und einander zu achten und zu helfen? ICH glaube ja, damit kämen wir alle verdammt viel weiter. Aber was weiß ich schon? C U soon…

Auch als Podcast…

Wonderland – Part 2

Manchmal, nur manchmal bewahrheitet sich der alte Spruch “Karma ist ein Bumerang, es kommt immer zu dir zurück!” auch mal für andere. Dann ist es an der Zeit, einmal ganz kurz durchzuatmen, den Sieg ein bisschen zu feiern – und dann weiter zu performen. Denn ich bin kein Mensch für Rachefeldzüge. Es genügt mir vollkommen, wenn doch das richtige Argument sich durchsetzt; die Sache ist mir wichtig, nicht das Ego. Im letzten Post konnte man einmal mehr meine Enttäuschung und Frustration über einen eklatanten Mangel an Verständnis für die Sache in manchen Protagonisten heraushören. Und gewiss schmeckte auch meine Bereitschaft durch, hinzuschmeißen und diese Protagonisten mit ihren großen Egos und ihrem geringen Verständnis für so Vieles einfach mit ihrem Gehabe stehen zu lassen. Ich will nicht sagen, dass das Gefühl vollkommen verebbt wäre; aber mit gewisser Genugtuung stelle ich fest, dass ICH derzeit nicht mehr derjenige in diesem Spiel bin, der getrieben wird. Und das ist… ein bisschen geil! Es bleibt natürlich ein Groll zurück, den ich nicht so leicht werde ablegen können; dafür geht manche Verletzung dann doch zu tief. Aber das ist der menschlich Modus. Ich würde es keinen Makel nennen, sondern einfach Natur. Und ich bin, wie ich schon des öfteren bekannt habe, einfach immer wütend – schlicht weil diese Welt einen Menschen mit Gerechtigkeitsempfinden wütend machen MUSS! Allerdings bin ich auch jemand, der gerne nach vorne schaut. Die Vergangenheit mag als Steinbruch für die Gebäude gemeinsamen Lernens und Wachsens dienen. Sie darf jedoch nie zu einem Gefängnis für unsere Kreativität, unsere Ideen und unseren Willen zur Entwicklung werden. Denn auch, wenn wir an der unüberwindlichen Mauer der nächsten Sekunde nicht vorbeikommen können und Kontrolle allzu oft eine Illusion bleibt, ist es ebenso Teil des menschlichen Modus, Bilder im Kopf zu haben, die Wirklichkeit werden sollen. Nennen wir das – in Abwesenheit eines besseren Begriffes – doch einfach mal träumen…

Gerade jetzt träume ich von Entwicklungen, die mein berufliches Leben vielleicht – allen Stürmen zum Trotz – in den nächsten Monaten und Jahren ruhiger werden lassen könnten. Und das stimmt mich durchaus heiterer; ich renne jetzt nicht dauernd mit einem atomar einbetonierten Grinsen rum, aber das Schicksal schmeckt gerade wieder nach Erfolg. Es ist nicht so, dass in der letzten Arbeitswoche des sterbenden Jahres 2025 nicht noch einiges anstünde. Aber einige Projekte, die mir noch vor kurzem Kopfzerbrechen bereitet hatten, sind abgearbeitet und das was kommt, stellt derzeit keine allzu großen intellektuellen oder emotionalen Herausforderungen mehr dar.Gerade stirbt mancher Ärger zusammen mit dem alten Jahr. Und für das Neue werde ich mich wappnen. Doch, es ist schon so, dass ich hier letzthin viel zu viel von der Arbeit gesprochen habe – und meinem sonstigen Leben viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Das Blog ist diesbezüglich übrigens ein Spiegel meiner alltäglichen Realität. Denn wäre mein Heim, mit den lieben Menschen darin nicht ein Ort, an dem ich mich auch mal mit Wonne (und Plätzchen) vor den ganzen Anfechtungen und Herausforderungen verkriechen kann, so weiß ich wirklich nicht, was aus mir unterdessen geworden wäre… Die beste Ehefrau von allen hat zwar so ihr eigenes Bündel zu tragen, aber gemeinsam ist man doch stärker im Angesicht der Stürme. Und wenn dieses “den Stürmen entgegentreten” sich nur in einem schönen Abendessen (anstatt dem Besuch einer betrieblichen Weihnachtsfeier – Grusel…) oder dem Besuch des örtlichen Weihnachtsmarktes konstituiert. Ganz langsam bekomme ich doch ein bisschen Lust auf Weihnachten, auch wenn der Gedanke, dass schon wieder Heiligabend vor der Tür steht, mich ein wenig irritiert. War nicht gerade eben noch August…?

Nun zumindest eine Niederlage muss ich mir zugestehen… das Buch, an dem ich vor etwas weniger als einem Jahr mit soviel Energie zu schreiben begonnen hatte, ist leider noch nicht fertig; obwohl ich mich selbst durch Blogposts hier zu motivieren versucht hatte. Doch auch 2025 wurde dann – wie man hier oft genug lesen konnte – wesentlich stressiger, als ich es mir erhofft hatte. Und mit dem Stress stirbt stets auch die Muse. So muss DASS dann die Hoffnung für den Weihnachtsurlaub sein, der ab Ende der kommenden Woche einsetzt… das schönste Geschenk unter dem Christbaum wäre es, sich wieder von der Muse küssen zu lassen und die Energie nicht nur für den Job ver(sch)wenden. Das wäre eine wunderbare Pforte in mein eigenes Wonderland. Schließlich bin ich nicht mit meinem Job sondern der besten Ehefrau von allen verheiratet und werde nicht von meinem Arbeitgeber, sondern von meinen Lieben in den Arm genommen, wenn es mir mal wieder dreckig geht. Das solltet ihr anderen da draußen auch nicht vergessen. In diesem Sinne schönen Samstagabend… morgen ist Dritte Advent…

Auch als Podcast…

Wonderland – Part 1

Die Tage sind dunkler, das Wetter unangenehmer und die Dinge, die man nun mal tun MUSS anstrengender geworden. Alles und alle steuern auf Weihnachten zu. Manche mit Macht, andere eher gemächlich, manche mit Lust, andere mit Widerwillen, und manche mit einer Idee, wie es hinterher weitergehen wird… und andere nur mit der vagen Gewissheit, dass die Dinge nicht mehr so bleiben können, wie sie sind – weil sie nicht mehr so bleiben dürfen, wie sie sind! Doch der Heilige Abend – als erster Endpunkt des Jahres – der rückt nun auch subjetiv so unaufhaltbar näher, wie einer dieser hässlichen Riesenbagger im Braunkohletagebau; in seinem Lauf unerschütterlich alles zerreissend, was sich ihm in den Weg stellt. So ist die Zeit. Sie nimmt dir, was immer du geben kannst – und gibt nichts zurück außer Erinnerungen. An ein besseres Gestern? An eine wärmere Sonne? An mehr Lametta? Wer kann das schon mit Sicherheit sagen, was in den eigenen Erinnerungen alles schlummert, wenn wir es doch oft genug nicht mal hinkriegen, uns zu merken, was es letzten Dienstag zu essen gab. Oder wem wir dieses verdammte Buch ausgeliehen haben… Diese Idee, dass man sein eigenes Leben zu jedem Zeitpunkt klar und deutlich vor sich sehen kann, ist schon lächerlich genug. Wie sieht es dann erst mit Ereignissen aus, die man mit anderen geteilt hat? So wie in diesen Krimis, wo jeder “Augenzeuge” eine andere Version der Geschichte in seinem Kopf hat, so liegt für manche auf allem ein ominöser Sepia-Filter, der den Bildern eine gewisse Wärme geben soll… und für manch andere ist bei einer Farbtemperatur von maximal 3000° Kelvin Schluss (für diejenigen, die das nicht einordnen können: das ergibt ein eher technisch-kalten Blauton im Bild). Doch egal, ob man sich sein Leben mit dem Weichzeichner hübsch macht oder allein der Gedanke an die letzten Monate einen die glatte Wand hochtreibt – keine*r von uns kann sich vor diesem typischen Jahresend-Reminiszieren verschließen. Weil ein Ende – auch wenn es nur der Anfang eines neuen Dauerlaufes im Scheiß-Spiel des Lebens ist – von uns immer eine abschließende Bewertung erwartet. Also… von mir bekommt 2025 maximal zwei Sterne… und die auch nur für die ca. 8 Wochen des Jahres, in denen ich relativen Frieden hatte – keine Arbeit! Hm… 44 zu 8…? Dann vielleicht doch nur 1,5 Sterne…

Was mich ein wenig aufheitert, sind derzeit zwei Dinge: erstens, dass man manchmal plötzlich wahrhaftige Entspannung verspürt, wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die einen schon lang beschäftigte. Und zweitens, dass ich als alter Sack plötzlich eine ganze Auswahl an neuen Optionen sehe… und das ist geil! Dennoch bleibt mehr als genug Ballast, der in Ruhe bedacht werden möchte. Denn all das, was unter der hübschen Tarnung eines typischen Jahresrückblicks dahergeflogen kommt, wird ganz sicher Nachwehen erzeugen; und das nicht nur bei mir. Denn wir Menschen sind ja, durch mehr oder weniger starke und tiefgehende Connections miteinander verbunden. Was einem selbst passiert, passiert damit also automatisch auch noch anderen. Und so, wie unsere Erinnerungen an ein und das Gleiche (Ereignis, Ding, Person, etc. ) manchmal sehr stark divergieren können, gehen natürlich auch unsere Bewertungen dazu oft genug stark auseinander. Wir stehen manchmal in einem Wonderland voller Spaß, Inspiration, Möglichkeiten, Verbundenheit – und manchmal in der Nightmarescape unserer unerfüllten Träume, enttäuschten Hoffnungen, verpassten Chancen und Hoffnungslosigkeit. Denn alles hat ein Ende. Und es wurde uns NIEMALS versprochen, dass es sich dabei um ein Happy End handelt. DAS Märchen verdankt ihr Hollywood. Wir sind also einmal mehr beim Bewerten angekommen. Nun bin ich – in meiner Funktion als Pädagoge – oft genug dazu aufgerufen, Leistungen zu bewerten. Doch es geht hier nicht um Leistung. Es geht um Miteinander, um Ziele und Pfade, diese Ziele zu erreichen – und stets um die Frage, ob man noch auf dem richtigen Pfad ist, oder nicht doch schon längst nur noch irgendwelchen Trugbildern hinterher hechelt, die sich niemals erfüllen werden? Weil andere Menschen nun mal andere Ziele und Erwartungen haben und überdies auch andere Maßstäbe anlegen (wollen)? Schwer zu beantworten, denn wie schon gesagt… wir haben alle unsere eigenen Erinnerungen. Doch auch, wenn ich dem pädagogischen Konstruktivismus (also der Überzeugung, dass Realität und Erfahrung etwas höchst individuelles sind) stets eine Lanze brechen wollen würde… es gibt manche Fakten, die schlicht unwiderlegbar wahr sind – und daher Beachtung finden MÜSSEN! Was sie jedoch derzeit häufig nicht tun. Weshalb ich mit den alternativen Fakten anderer Menschen in meinem Arbeitsumfeld nichts mehr anfangen kann… und auch auch nichts mehr anfangen werde. Soweit es mich betrifft, ist es damit endgültig Zeit für einen echten Rückblick… damit, mittels der zu gewinnenden Erkenntnissen Ende 2026 aus der Nightmarescape zur Abwechslung mal ein Wonderland werden kann… Ich wünsche euch einen schönen Start in die neue Woche…

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Von Idealen und Zwängen N°3 – Performative Produktivität?

Ich. Weiß. Ja. Auch. Nicht… Aber irgendwie ist meine Konditionierung mittlerweile soweit voran geschritten, dass ich es tatsächlich oft kaum aushalte, nichts “produktives” zu tun. Ich meine, unsere Gesellschaft – oder besser, jener Teil unserer Gesellschaft, der sich für Leistungsträger hält und glaubt, jeden Aspekt des Daseins optimieren zu müssen – ist so BESESSEN davon, produktiv sein zu müssen, dass viele anscheinend auch dann nicht stillhalten, innehalten, sich von Arbeit abhalten können, wenn beim besten Willen keinerlei Veranlassung dazu besteht, irgendetwas zu leisten. Beispiel: es ist noch Sonntag und ich habe diesen Tag (irgendwie auch den gestrigen Samstag) mehr oder weniger vollständig mit Dingen verludert, die keinem anderen Zweck dienten, als mich zu unterhalten. Meine einzigen Ausflüge in die Welt des Tun Müssens waren kochender Natur, denn irgendwann möchte die Familie ja mal was zu beißen haben. Aber auch hier galt: lean production. Nix aufwendiges. Einfach und schnell aber hinreichend lecker. Den Rest der Zeit habe ich mit Lesen, Schreiben und etwas Zocken verbracht. Und das wars. Man könnte mir nun also durchaus vorwerfen, dass ich faul gewesen sei – und derzeit immer noch bin, weil man hätte ja…! Aber… was hätte man denn…? Weggehen, irgendwas Schönes anschauen, irgendwas Wildes unternehmen, am besten auch noch im Beisein anderer Menschen…? IGITTIGITT… Menschen! Hab schon genug davon gesehen, mein Bedarf ist derzeit mehr als gedeckt. Als extravertierter Introvertierter ist es allerdings beizeiten gar nicht so schwer, den Kanal von Menschen total voll zu haben. 10 Minuten Nachrichten und/oder Antisocial Media reichen vollkommen um meinen Monatsbedarf an Bullshit zudecken. Nein, ich mag derzeit nicht unter Menschen, außer es dient dem Geldverdienen (gezwungen) oder der Therapie (gewünscht). Der Rest der Welt kann mich mal…

Und doch sitze ich am Sonntagabend hier und schreibe einen Blogpost, obschon ich gar nicht so recht weiß, warum ich das eigentlich tue… oder besser, ich weiß schon, dass ich es tue, weil es sich sonst für mich so anfühlen würde, als wenn ich das ganze Wochenende verschwendet hätte. Aber… ist das so? Verschwende ich Zeit, indem ich mich durch ein Tun erhole, dass mich erfreut, selbst wenn im Grunde nix dabei rumkommt; außer evtl. Spaß? Ich denke mittlerweile, dass nicht wenige Menschoide da draußen deshalb ihr Leben, Ihre Unternehmungen, auch ihre Errungenschaften instagramisieren, weil sie kein Leben mehr leben, sondern mittels kuratierter Abbildung im weltweiten Desinformationsgewebe ihre VORSTELLUNG eines erfolgreichen Lebens SIMULIEREN. Wie verfickt armselig ist DAS denn? Alles nur fake. Das sind letzten Endes die Auswirkungen von Antisocial Media im Endstadium – alles degeneriert zu einer Performance, oder besser zu einem Wettbewerb um Likeability, Shareability und Marketability… Wer lesen kann, dem fällt auf, dass die drei Termini alle auf -ability also Fähigkeit enden. Ist es wirklch das, was wir alle sein wollen: eine Gesellschaft im Wettlauf um die Fähigkeiten für die beste Social Performance, obwohl wir allen falschen Gemeinschaftsgefühlen in unseren Filterblasen zum Trotz immer isolierter, einsamer, ausbeutbarer, ohnmächtiger werden? Immer mehr zum Spielball der gierigen Techbarone? Auch wenn das mitnichten alle Menschen betrifft, ist die Zahl derer, die sich in diese Maschinerie einspannen lassen unterdessen viel zu groß, als dass man die Bedrohung für die Demokratie, für die Teilhabe, für die Gesellschaft als Ganzes, die hiervon ausgeht einfach ignorieren könnte. Denn Menschen, die mit Vollgas in dieser Einbahnstraße unterwegs sind, werden anfällig für Einflüsterungen. Und von böser Sprache ist es über böse Gedanken nicht weit zu bösem Tun. Denn Sprache formt Bewusstsein formt Handeln…

Sich dem bewusst zu entziehen, indem man innehält, Müßiggang betreibt, Antisocial Media bleiben lässt, sich mit echten Dingen befasst, dazu lernt und insgesamt weniger durch sein Dasein hetzt, sondern mehr im Hier und Jetzt lebt, macht einen nicht automatisch zu einem besseren Menschen. Aber mittelfristig vielleicht zu einem, der wieder erlernt, wie es sich anfühlt, sich selbst und seine Umwelt bewusst zu reflektieren, ohne sich davon mittels der konstanten Bedummrieselung aus dem Blödschirm der Taschenwanze nahezu zwanghaft ablenken lassen zu müssen. Gott wäre das schön. Das ändert immer noch nichts an meinem Problem, weil ich ja immer noch am Blogpost schreibe… aber ich kann meinen Blick darauf verändern und jetzt gelassen feststellen, dass ich nicht schreibe, weil ich Angst vor zu wenig performativer Produktivität habe – also solcher, die auch schön überall gesehen werden kann – sondern weil mir meine Gedanken wichtig genug sind, sie anderen mitteilen zu wollen. Und ja, ich bin auch arrogant genug, sie als wichtig genug für andere zu erachten. Soviel EGO billige ich mir zu. Ich denke nicht, dass ich hier gerade nur Produktivität simuliere – ich denke vielmehr, dass ich einen (wenn auch kleinen) Beitrag dazu leiste, die Gesellschaft vor weiterer Verdummung zu bewahren. Und… wie viel habt ihr dieses Wochenende schon geglaubt, leisten zu müssen? Denkt daran, in gut 11h ist schon wieder Montagmorgen. Dann dürft ihr es wieder krachen lassen, wenn ihr denn unbedingt wollt. In diesem Sinne – einen langsamen Start in die neue Woche…

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Verwirrt im Park – oder WODURCH wir kreativ werden…?

Als ich dieser Tage vormittags durch den Alten Botanischen Garten in Marburg wanderte, da befiel mich mit einem Mal ein Gefühl, dass ich sonst eher nur dann erlebe, wenn ich aus einem meiner bekloppten Träume erwache – Verwirrung! Man muss dazu einerseits wissen, dass ich mich – wenngleich wir natürlich alle träumen – so doch nur äußerst selten an den Inhalt meiner nächtlichen Ausflüge in Morpheus’ Reich erinnern kann; dass ich jedoch andererseits zumeist dann so einen oberwirren Kladderadatsch im Kopf habe, dass ich nicht umhin komme, zu mir selbst “HÄH?” zu sagen. Nun jedoch habe ich das am hellichten Tage erlebt. Und ich könnte nicht behaupten, dass ich gerade am Tagträumen gewesen sei. In Gedanken versunken vielleicht, aber mehr auch nicht. Und dennoch schien die Atmosphäre mich auf besondere Art zu berühren. Vielleicht lag es daran, dass der zähe Hochnebel alles in ein wenig mystisches Grau gehüllt und den Lärm der nahen Straßen ein wenig gedämpft hatte. Eine Art Entkopplung vom Alltag. Sicherlich spielte auch eine Rolle, dass ich mich bewusst darauf eingestellt hatte, meine Sinne offener zu lassen als sonst. Unter normalen Umständen sind meine Wahrnehmungsfilter eher eng eingestellt. Insbesondere dann, wenn ich durch größere Mengen von Menschen navigieren muss und diese auch noch nahebei umhermäandern. Habe ich hier schon mal erwähnt, dass mich die meisten Menschen ziemlich anstrengen…? Nun war ich aber in dieser mäßig ausgedehnten Grünanlage weitestgehend allein unterwegs, so dass ich mir erlaubte, mich auf den Ort einzulassen – und plötzlich begann ich mehr zu bemerken als sonst. Mehr Details, mehr Tiefe, intensivere Eindrücke. Das war die Ursache meiner Verwirrung.

Ich bin – zumindest in meiner Selbstwahrnehmung – kein sonderlich meditativer Typ. Ich laufe normalerweise durch die Gegend, ohne jedes irgendwie auffällige Ding abseits des Wegrandes mit großem Bohei ostentativer Wertschätzung unterziehen zu müssen. Ja, ich knipse auch Blumen, aber ich mache da jetzt kein performatives Happening mit “oh!”, “ah!” und “hach!” draus. Wahrscheinlich bin ich spirituell; im strengen Gegensatz zu religiösen Menschen brauche ich allerdings weder heilige Bücher, noch heilige Orte oder Häuser, noch heilige Rituale, um den Geist der Dinge finden zu können, wenn ich es denn darauf anlege. Ich erlebe allerdings in diesen Wahrnehmungen am Rande des Bewussten, die irgendwie meine Aufmerksamkeit fesseln können dennoch oft genug Anlässe, über dieses oder jenes nachzudenken. Und manchmal finde ich dabei auch gleich noch neues Verstehen, wie ich etwas (besser) darstellen, analysieren, erklären könnte. Also Inspirationen für mein kreatives Handeln. Und DAS ist jetzt für einen Pädagogen nicht die schlechteste Sache, nicht wahr? Es funktioniert dann am besten, wenn ich das Erlebte in einen Kontext setzen kann. Unsere Welt in ihrer Gesamtheit ist ein komplexes Netzwerk aus Abhängigkeiten, Gleichgewichten und Korrelationen zwischen den Menschen untereinander und mit ihrer jeweiligen Umwelt. Unsere Aufmerksamkeit wird jedoch viel zu oft durch die dauerpräsente Content-Berieselung aus der High-End-Taschenwanze von unserem tatsächlichen Lebensumfeld abgelenkt. Wir werden dabei dauererregt (im positiven, wie im negativen Sinne), aus dem Kontext unseres eigenen Lebens gerissen (um dann jedoch seltsamerweise Anteil an Schicksalen zu nehmen, deren Realitätsgehalt wir nicht mal im Ansatz überprüfen können und deren Protagonisten kontinental weit weg von uns sind, sofern sie überhaupt existieren) und dazu aufgefordert alles und jeden zu bewerten (egal wie dünn die präsentierte Information auch sein mag). Und wundern uns dann, dass es uns immer schlechter geht: gehetzt von einer Welt, die viel zu groß ist, um sie jemals vollständig verstehen zu können. Dauernd gefüttert mit Inhalten, die weder irgendetwas mit unseren realen Leben zu tun haben, noch es uns erlauben, uns eine fundierte Meinung bilden zu können. Und das ganze eingebettet in eine Maschinerie, deren Entwickler es zur Kunst erhoben haben, uns auf Gedeih und Verderb nicht mehr aus ihren Klauen – vulgo aus ihren Apps – wegzulassen. Denn unsere Aufmerksamkeit macht uns zur Ware… zum ausquetschbaren Subjekt der amoklaufenden Antiscocial-Media-Konzerne… Willkommen in der schönen neuen Welt!

Sich davon loszumachen – wenigstens ein bisschen – geht allerdings mit Schmerzen einher, denn wir haben uns so sehr daran gewöhnt von unseren Filterblasen geliebkost zu werden, dass wir es uns nicht mal im Ansatz vorstellen können, DASS SCHEISSHANDY MAL WEG ZU LEGEN… und einfach durch einen nebligen Park zu spazieren und die Umwelt auf uns wirken zu lassen. Und bevor jetzt irgendjemand mit No-Go-Areas kommt: ich bin ein white middle-aged cis-gender guy, zu hässlich um Angst vor einer Vergewaltigung haben zu müssen und andererseits zu alt, zu abgefucked und auch zu böse um vor irgendwelchen Talahons wegzurennen. Wen jemand sowas ausprobiert, bekommt er halt seine Quittung. ABER… man kann auch zu mehreren durch den Park gehen und bekommt immer noch die Gelegenheit, in Kontemplation zu verfallen. DAS ist eine Frage des Wollens und Zulassens! Auch mir fällt es nicht immer leicht, die üble Angewohnheit des dauernden Blödschirm-Suchtelns zu unterdrücken. Wer ohne Sünde ist und so… Aber ich stelle immer mehr fest, dass vieles von dem, was da vor meinen Augen vorbeiflackert schlicht schäbigster Mist ist, und dass es mich unterdessen ANWIDERT, mit solchen DRECK den ganzen Tag zugetextet zu werden. Denn die Hoffnung auf etwas Gehaltvolles, dass tatsächlich irgendeinen Bezug zu meinem realen Leben hat, erfüllt sich nur sehr selten. Wenn nun aber jemand daher kommt und mir sagt, “Aber ich MUSS doch abgelenkt werden, die Welt ist so schlimm, das ertrage ich nicht!”… nun dann würde ich empfehlen, sich mal ernsthaft zu fragen, ob irgendetwas auf dieser Welt vom Ignorieren durch mediale Ablenkung besser würde. Kleiner Tipp: wirklich das EINZIGE, was sich dadurch verbessert, sind die Einkommensaussichten der Tech-Barone im Silicon Valley. Und DIE sind wahrlich schon viel mehr als fett genug… Denkt mal darüber nach. Dann kommt ihr schon drauf, dass ihr eure Hirne nicht an die Kette legen lassen solltet; denn wahre Kreativität entspringt nur einem freien Geist! In diesem Sinne, ein schönes Wochenende.

Auch als Podcast…

WANN und WO wir kreativ sind…?

Ja, ja… ich weiß – natürlich immer und überall. Wollte ich es mir so leicht machen, bräuchte ich keine neue Mini-Series über das Thema schreiben. Ehrlicherweise kann ich hierbei aber erstmal nur über die Modalitäten MEINES kreativen Handelns erzählen. Ich weiß jedoch von einigen anderen, dass deren Kontextbedingungen, Kreativität entstehen zu lassen und am daraus resultierenden Content arbeiten zu können, von den meinen teilweise erheblich abweichen. Was ja irgendwie jetzt auch nicht verwunderlich ist. Vielleicht möchte ich hiermit vor allem darauf hinweisen, dass in (fast) jedem von uns Potentiale stecken, die zu entwickeln es meist nur ein wenig Mut bedarf; und einiger ermutigender sowie strukturierender Hinweise, wie man diese Potentiale weckt und nährt. Ich möchte diesen Post also quasi als AUFRUF gelesen sehen, sich seiner Kreativität zu bedienen. Ganz gleich, wie groß oder klein das Ergebnis am Ende auch sein mag. Es geht oft nicht mal im Ansatz darum, (möglichst viele) Andere für seinen Scheiß zu begeistern. Wenn das mein einziger Antrieb wäre, hätte ich dieses Blog schon sehr lange eingestellt. Es geht mir eher darum, das ihr da draußen versteht, dass es einer Haltung zu seinem eigenen kreativen Handeln bedarf, wenn dieses für irgendjemand irgendwelche Bedeutung entfalten können soll! Ich muss meine Ideen und Produkte mögen und dieses Gefühl auch transportieren, lange bevor irgendjemand anders vielleicht beginnt, meine Ideen und Produkte zu mögen! Und damit erfüllt kreatives Handeln vielleicht bereits einen wichtigen Zweck, lange bevor ich andere Menschen mit meinen Ergebnissen konfrontiere; nämlich das Gefühl, wirklich ETWAS geschaffen zu haben. Selbstwirksamkeitserfahrung wird dieses Gefühl genannt. Und jede*r von uns braucht das, um nicht am Leben zu verzweifeln… manche mehr, manche weniger!

Das WANN ist aber tatsächlich eine Frage, die hoch individueller Betrachtung bedarf. Denn es gibt ja nicht einfach nur Lerchen und Eulen; also Frühaufsteher und Spätzubettgeher, die je nachdem, wie exzessiv sie jeweils IHREN Zeitkorridor zu nutzen belieben ganz schön aufpassen müssen, nicht vor der frühmorgendlichen Kaffeekanne zu kollidieren. Wir neigen allerdings oft dazu, in absoluten Dimensionen zu denken, anstatt die Dinge differenziert zu betrachten. Obschon zum Beispiel ich selbst fast mein ganzes Leben als hart unterdrückte Eule zugebracht habe (wie Sträter schon sagt: alles vor Halbzehn ist nicht seriös), ist es MIR zur zweiten Natur geworden, morgens oft der Erste im Büro zu sein. Und zwar weil ich in der dämmrigen Solitude erst langsam herankriechender Arbeitstage konzentriert was wegarbeiten kann. Es ruft noch niemand an und es sind auch noch keine Kolleg*innen da, die meine Aufmerksamkeit immer wieder durch Fragen vom eigentlichen Subjekt meines Tuns und Denkens ablenken (was ich niemandem zum Vorwurf mache – hat ja alles seine Berechtigung). Das hat etwas fast Friedvolles. Aber – und das muss hier noch einmal betont werden – das ist NICHT mein natürlicher Modus. Wenn ich liegenbleiben kann, bleibe ich liegen. Je nachdem, wie sehr manche Teile meines Körpers schmerzen auch gerne lange. Und so gibt es viele Menschen, die für verschiedene Use-Cases divergierende Routinen haben, die sich nur selten in die oben erwähnte Eule/Lerche-Dichotomie einpassen lassen. Jedes Ding hat anscheinend seine Zeit. So auch die Kreativität. Ich habe meine Phasen, sofern ich diesbezüglich die Wahl habe, zumeist am späten Vormittag und am späten Nachmittag bis Abend. Ich werde heutzutage etwas früher müde als noch in meinen 30ern und frühen 40ern; aber manchmal sitze ich auch heutzutage noch bis in die Puppen. Denn manchmal hat es seinen Vorteil, wenn der präfrontale Kortex in seiner Funktion als Kontroll- und Moderations-Instanz unserer Affekte am späten Abend in die Heiah geht… und unser ES (um es mal mit Freud zu sagen) zum Spielen rausdarf…

Herauszufinden, WANN man am besten aus seinem Trott herauskommt – und das muss man, um seiner Kreativität eine Chance zu geben – ist natürlich mit der Frage nach dem WO eng verbunden. Es fällt mir durchaus leicht, Ideen aller Art an den verschiedensten Orten zu sammeln und festzuhalten. Ich habe meine Taschenwanze unterwegs dabei und wenn mich ein Gedanke kitzelt, nutze ich die Diktierfunktion. Ich habe aber auch fast immer irgendwas zum Schreiben oder Kritzeln bei mir. Der Teil der Ideensammlung ist ja aber, wie ich neulich schon beschrieben habe, nur ein Teil der Miete. Und für die eigentliche Arbeit, da hat jeder so seine Modalitäten, die er im Laufe der Zeit für sich herausfinden muss. Man sollte dabei allerdings nicht davor zurückschrecken, sich selbst und seine Bedürfnisse einfach mal zu akzeptieren, wie sie sind. Nur weil irgendein unnützes Ratgeberbuch, eine Webseite oder so ein haariger Trottel aus dem Internet (also… so Typen wie ich) irgendwelche Tipps zum Thema geben, heißt das noch LANGE nicht, dass diese Tipps für DICH funktionieren. Ich kenne jemanden, der, um kreativ werden bzw. überhaupt Brainiac-Work machen zu können, in seinem Zimmer mit lauter Musik, laufender Videoberieselung und whatnotelse umherlümmelt, weil der externe Krawall sein gelegentlich Amok laufendes Gehirn so sehr beschäftigt, dass er sich unterdessen bewusst mit etwas beschäftigen kann, ohne dass die Stimmen in seinem Kopf allzusehr stören. Und wenn das so ist, dann ist das halt so. Für mich wäre das nichts, denn ICH wäre abgelenkt. Aber meine individuellen Bedürfnisse können doch NIEMALS für jemand anders der Weisheit letzter Schluss sein!

Was ich mit diesem Post sagen will – für den unwahrscheinlichen Fall, dass dies bis jetzt noch NICHT klar geworden sein sollte – ist Folgendes: die eigenen Modalitäten des WANN und WO der kreativen Arbeit können eigentlich so gut wie nie falsch sein, wenn sie dem Prozess wirklich helfen sollen. Eine der wenigen Ausnahmen: ihr wollt Menschen töten, um während eurer Music-Sessions Bier aus deren Schädeln zu trinken? Bitte nicht, denn das ist illegal. Zumindest hier. Und bis Walhalla isses ja noch’ne Weile. Aber ansonsten – feel free to try yourself. Man muss fast immer um die Ecke gehen, um sehen zu können, was dahinter liegt. Klingt komisch einfach, is aber wahr. In diesem Sinne – findet euren “right space to get creative”, nutzt ihn; und wenn’s doch (noch) nicht passen sollte, sucht einfach weiter. Das wird schon…

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Von Idealen und Zwängen N°2 – Bindung!

Natürlich geht es nicht um Bücher; obschon Bücher ein relevanter Teil meines Lebens sind. Lesen, verstehen, nutzen, schreiben, Ideen transportieren, zum Denken anregen. Ganz wunderbare Dinge, in denen ich einen Teil meines eigenen Lebenssinnes sehe. Wäre auch komisch, würde ich als Lehrender (aber auch als stetig Lernender) NICHT daran interessiert sein, wie Bücher auf Menschen wirken – und was es braucht, sie zu schreiben. Mag sein, dass sich der Modus der Textrezeption unterdessen geändert hat; Studien weisen darauf hin, dass solche Texte wie etwa dieser heutzutage Menschen vor schwierige Aufgaben stellen. Und zwar weil das Lesen, vor allem aber das Leseverständnis sich anscheinend jenen kognitiven “Häppchen To Go” angepasst haben, die wir minütlich frisch aus dem Blödschirm der apple-esken oder androiden Taschenwanze in unsere Augen gebeamt bekommen. Sei’s drum. Ich werde jedenfalls meinen Stil gewiss nicht daran anpassen, weil nämlich “Häppchen To Go” für mich viel zu unterkomplex sind. Und weil man in einem 15-Sekunden-Video oder einem Insta-Bildchen oder Reel kaum irgendetwas darstellen kann, dass tiefer unter die Haut geht, als eine Tatto-Nadel… Aber es ging nicht zuvorderst um das Lesen und Schreiben – wenngleich mein Leben sich weitestenteils genau darum dreht. Nein, es soll hier um Bindung gehen; also… jenen “Kleber”, der Menschen in unterschiedlichsten Gruppen und Kontexten jeweils zusammenhält. Vor allem aber um jene Bindung, die insbesondere im beruflichen Kontext immer wieder eine große Rolle spielt: nämlich die an das Unternehmen.

Manchmal gehen Unternehmen weite Strecken und nehmen großen Aufwand in Kauf, um Menschen an sich zu binden. Ob es sich dabei um Incentives eher materieller Natur handelt, wie irgendwelche Boni, Vergünstigungen, Gehaltserhöhungen, etc, um soziale Events, oder sorgsam zelebrierte, aber dennoch immer noch dienstlich strukturierte Ausbrüche aus dem Alltag, welche den Zusammenhalt durch die Betonug gemeinsamer Ziele stärken sollen, ist dabei vollkommen gleichgültig. Denn das Ziel bleibt dabei stets das Selbe: nämlich das individuelle Sinnempfinden der betreffenden Mitarbeiter*innen mit den übergeordneten Zielen des Unternehmens zu verknüpfen, um so Commitment und damit hohe Leistungsbereitschaft zu erzeugen, die widerum dem Unternehmen zu Gute kommen. Denn eine hohe Leistungsbereitschaft erzeugt – zumindest mittelfristig – mehr Effizienz und damit alsbald auch höheren Deckungsbeitrag. Money makes the world go round… Nun bin ICH definitiv nicht abgeneigt, für mein Salär eine entsprechende Gegenleistung zu erbringen. Ich mag diese Arbeit, die ich tun darf, auch wenn ich hier gelegentlich mein Leid über manche Rahmenbedingung klage. Ich bin – allem Genöle zum Trotze – in der durchaus beneidenswerten Position, mein Geld mit etwas verdienen zu können, das mir am Herzen liegt und worin ich durchaus gut bin. Und DAS können bei weitem nicht alle in der bunten Republik von sich behaupten – weder das eine, noch das andere! Dennoch fremdle ich bisweilen mit den Maßnahmen, die eine bessere Mitarbeiterbindung erzeugen sollen. Vielleicht, weil ich die versteckten Workloads klar sehen und mit Zahlen benennen kann. Vielleicht, weil das Unternehmen NICHT meine Familie ist und diese auch NIEMALS ersetzen wird. Vielleicht aber vor allem, weil ich arbeite, um leben zu können – NICHT anders herum? Life-Work-Balance anybody?

Es gibt natürlich ein paar Aspekte, die ebenso sinnvoll wie bedeutsam sind: Menschen, die sich in einem Unternehmen wohl fühlen, wechseln nicht; und starke Personalfluktuation ist heutzutage im Gesundheits- und Sozialwesen einer der größten Kostentreiber. Menschen, die sich in einem Unternehmen wohl fühlen, sich als Team verstehen und echt zusammen arbeiten, zeigen größere Effizienz bei der Erledigung ihres Workloads. Menschen, die sich in einem Unternehmen wirklich wohlfühlen, entwickeln das Bestreben, sich selbst weiter zu entwickeln; und nicht selten bringen sie damit – quasi als Beifang – auch das Unternehmen als lernende Organisation vorwärts. Ich werde für 40h/Woche bezahlt. Welchen Output ich in diesen 40h erzeuge, hängt jedoch SEHR von den vorgenannten Mechanismen ab. Mir persönlich fällt es leicht, meine Zeit mit Sinnvollem zu füllen, auch wenn ich als Mensch mit Leitungsaufgaben oft erstmal den Rahmen meiner Arbeit neu schaffen muss. Ich mache das nicht alleine, natürlich gibt es Vorgaben von oben. Aber ich könnte mich auch darauf zurückziehen, mich direktiv führen zu lassen. Das Geld wäre das gleiche. Da ich mich aber – zumindest im direkten Umfeld – durchaus respektiert und gewertschätzt fühle, ist es mir keine Last, meine Zeit zu füllen. Wo ich jedoch nicht mitgehe, ist bei Folgendem: wenn man nämlich versucht, subtil weitere Aufgaben zu verteilen und so die, teilweise eh schon mörderische, Arbeitsverdichtung weiter vorantreibt; unter dem Deckmäntelchen der gemeinsamen Ziele. Das kann unterschiedlichste Formen annehmen und wirkt glegentlich so, als habe man die Idee, das jetzt zu machen auch noch selbst gehabt… allerdings wird der weg dahin durch psychologisches Framing vorher schön geplättelt und mit Edelkies bedeckt und mit einer hübschen Rabatte versehen, damit es sich leichter geht…

Das ist dann keine positive Bindung mehr, das ist Verarsche! Aber gelegentlich fällt mir dann meine ausgeprägte protestantische Arbeitsethik in den Rücken und lässt mich Dinge tun, für die ich eigentlich zu faul bin… äh, sorry arbeitseffizient… Zumindest manchmal. Ich bin mal gespannt, wohin dieser Zug in nächster Zeit noch fährt. Für’s erste werde ich dem freien Wochenende frönen und mir Gedanken über das Schreiben machen. Denn dazu habe ich eine überaus positive Bindung, die mich manchmal sogar zur Selbstausbeutung treibt. Aber hier macht diese viel mehr Spaß, als am Arbeitsplatz. in diesem Sinne – schönen Samstag.

Auch als Podcast…

WIE wir kreativ sind…?

Ich habe vor einigen Tagen über die Motivation zum Kreativsein gesprochen. Und vielleicht auch im gleichen Atemzug darüber, dass kreativ zu sein bedeutet, arbeiten zu müssen; oder zu wollen, je nachdem. Ich sagte, dass man die richtige Idee festhalten und dann mit dieser arbeiten müsse, um zu Ergebnissen zu kommen. WEN die so entstehenen Ergebnisse am Ende zufriedenstellen sollen, ist damit natürlich noch nicht gesagt. Aber essentiell ist, den Arsch in Bewegung zu setzen und es zu TUN. Denn durch LASSEN entsteht selten etwas. Mit all dem ist aber noch keine Silbe über den eigentlichen Prozess gesprochen. Und dem möchte ich nun Abhilfe schaffen. Das wird hier gewiss keine Anleitung zum kreativen Arbeiten. Vielleicht aber eine Anregung, seine eigene Herangehensweise zu überdenken. Aber jetzt schauen wir uns das ganze mal vom Start weg an:

  • Die Idee: Oft entsteht dieses Missverständnis, dass die Idee das Zentrum des kreativen Prozesses sei. Sie ist jedoch bestenfalls der Zündfunke. Vielleicht kommt einem der Kairos (siehe unten*) zur Hilfe, aber in allererster Linie entstehen Ideen aus allen möglichen Wahrnehmungen. Die Kunst besteht darin, die Idee zunächst ohne Bewertung aufzuschreiben, aufzumalen oder sonstwie festzuhalten. Man kann die Ideen dabei thematisch sortieren, oder wirft sie allesamt in eine gemeinsame Ablage. Analog oder digital spielt dabei keine Rolle, sondern ist, ebenso wie die Sortierung den Vorlieben des Ablegenden geschuldet. Sie muss EUREN Modus Operandi unterstützen! Ich selbst mag es, durch die physischen Artefakte meiner Kognition zu wühlen; oder anders gesagt: ich mag Papier. Aber was ich mag, spielt hier keine Rolle! Wichtig ist, so einen Schatz von Ideen anzusammeln, auf den ich zurückgreifen kann, wenn ich mal – subjektiv – leer bin und mir irgendwie nix PASSENDES einfallen will. Denn unsere Ideen kommen und gehen, wie sie Lust haben – nicht, wie ich sie jetzt brauche.
  • Die Sortierung: Viele spontan entstandene und aufgezeichnete Ideen erweisen sich auf den zweiten Blick als unbrauchbar: Die Geschichte / die Präsentation / der Unterrichtsplan funktionieren nicht, weil man sich inhaltlich verrannt hat? Oder eine bessere Lösung / Geschichte mit der exakt gleichen Prämisse existiert schon; bis hin zu echtem Plagiat? Notwendiger Aufwand und mögliches Ergebnis stehen in keinem vertretbaren Verhältnis zueinander, weil es etwa an Ressourcen oder Know-How mangelt? Dann legt man die Idee beiseite – oder ggfs. auch ganz in die Rundablage. Denn niemand von uns hat unendlich viel Zeit ALLES auszuprobieren. [CAVE: Manche Idee ist vielleicht JETZT nicht umsetzbar, darf aber dennoch als Anregung dienen, sich z.B. technisches Know-How anzueignen, sich mit neuen Methoden vertraut zu machen oder eine zukünftige Anschaffung zu rechtfertigen. Die Dinge müssen manchmal reifen…] Am Ende bleibt immer noch genug Material übrig, um in die nächste Phase zu gehen…
  • Die Analyse: Was ist mein Ziel mit der Umsetzung dieser Idee? Welchen Effekt möchte ich erzielen? Die Frage ist bedeutsam, denn es ist recht oft KEINE gute Idee, erst mal mit der Geschichte / Präsentation / Planung loszulegen, bevor man sich nicht das tatsächliche Ziel der Bemühungen überlegt hat! Das heißt, mein kreativer Prozess entwickelt die Dinge nicht immer, aber doch recht oft vom Ende her. Weil ich ohne definiertes Ziel, ohne Fokus auf das gewünschte Ergebnis u. U. unterwegs manchmal gar nicht so recht wüsste, in welche Richtung ich als nächstes gehen sollte. Ich will ein Beispiel geben: bei einem Buchprojekt war ich dieses Jahr für eine ganze Weile “stuck in the middle”, weil ich mal so eben aus Lust angefangen hatte, drauf los zu schreiben, ohne das Storyboard und die Charakterarcs vorher fertig entwickelt zu haben. Es brauchte dann eine – gar nicht besonders komplizierte – Erkenntnis, die allerdings bis zur Reife MONATE benötigte, um wieder voran kommen zu können. Hätte ich von vorn herein bestimmte konzeptionelle Arbeiten dem Drauflosschreiben vorgezogen, hätte ich mir diesen Schmerz vermutlich sparen können. Insbesondere wenn man bedenkt, dass ich bei meiner Brotarbeit auch nie ohnen einen Plan losziehe…
  • Das Kozept: Die Form des Konzeptes muss der Art des Projektes genügen, welches sich aus der Idee entwickeln soll. Möchte ich z.B. einen speziellen Unterricht überarbeiten, um zu besserer Verständlichkeit, griffigerer Darstellung des Sachverhalts, besserem Transfer zu kommen, schaue ich mir zuerst die Grob- und Feinlernziele an und überprüfe, ob in meinen Methodenpool etwas parat liegt, was hierfür passt. Falls nein, muss ich auf die Recherche gehen und etwas Passendes finden. Dann sortiere ich den dramaturgischem Aufbau der inhaltlichen Sachlogik folgend, gieße alles in ein Artikluationsschema und beginne mit der Erstellung der einzelnen Content-Komponenten. Was für die eben beschriebene Erstellung eines Unterrichtsverlaufsplanes gilt, funktioniert ebenso für andere Projekte, in denen ich Ideen unterschiedlichster Art umsetzen will. Ob ich ein Storyboard für eine Geschichte oder für mein Hobby TTRPG entwickle, macht keinen Unterschied. Lediglich die äußere Form, welche das Konzept annimmt, wird jeweils eine andere sein.
  • Die Feinarbeit: Wir sind schon auf der Ebene der eigentlichen Content-Erstellung angelangt. Die eben beschriebene Schrittfolge zur Konzepterstellung wiederholt sich hier für jede einzelne Komponente – bis alles fertig ist und passt. Das klingt jetzt irgendwie platt, aber wenn ich ein Buch schreiben will muss ich genau das tun: schreiben. Wort für Wort, Zeile für Zeile, Seite für Seite, Kapitel für Kapitel. Und dann konfrontiere ich mein schönes neues Produkt mit der Realität… und fange gelegentlich nochmal von vorne an. Aber das nennt man Qualitätsmanagement… Spaß beiseite (und ja, kreativ sein zu können, macht wirklich Spaß); hier schlägt das zu, was ich vorhin beschrieben hatte – wenn ich bei der Konzeptentwicklung nicht die notwendige Sorgfalt walten lasse, muss ich das hier ausbaden. Und zahle eben im Zweifel mit Monaten der Schreibblockade. Hier kommt wieder der “Zettelkasten der Ideen” zum Tragen. denn wenn ich auf der Ebene der Content-Erstellung auf Blockaden stoße, kann ich mich genauso in meinem Ideenarchiv umschauen, wie auf der konzeptuellen Ebene. Es macht keinen Unterschied, wofür ich eine Idee verwenden kann, solange ich eine parat habe.

Vielleicht wird so ein bisschen klarer, dass kreativ zu sein ebenso ein iterativer Prozess ist, wie alles mögliche andere. Die Länge der einzelnen Zyklen mag variieren, aber am Ende dreht sich alles darum, eure Ideen festzuhalten, die Guten in Konzepte zu gießen und den Teil der Content-Erstellung so oft zu üben, wie nur möglich. ‘Cos we need to suck a great many times, before we get decent, or even good at whatever we try to achieve! Schreibt’s euch hinter die Ohren. In diesem Sinne, macht ma hinne. Schönen Sonntag noch.

(Kairos*) Wenn sich aber die Dinge einmal glücklich gefügt haben, also durch Anstrengung, Überlegung und das – manchmal – nötige Quäntchen Glück die Dinge eines zum anderen fielen und am Schluss alles irgendwie besser gepasst hat, als zunächst gedacht, dann sind wir in jenem Bereich, wo der Kairos regiert. In der griechischen Mythologie ist Kairos – der (glückliche) Augenblick – das Gegenstück zu Chronos – dem Zeitverlauf – und hatte sogar seine eigene anthropomorphische Personifizierung. Vulgo, der Augenblick wurde zum Gott, welcher für „die Gunst der Stunde stand“. Man dachte dabei an Momente, die für besondere, große Taten günstig seien; doch heutzutage darf man beim Kairos ruhig auch mal an andere günstige Gelegenheiten denken, die beim Schopfe zu packen oft eines gewissen Mutes, manchmal bestimmter Talente, aber eigentlich immer des Glückes bedarf. Des Glückes, diesen Moment und die Chance, welche ihm innewohnt erkennen zu können. Des Glückes, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Des Glückes über notwendige Ressourcen zu verfügen. Und schließlich des Glückes, sein Glück begreifen und genießen zu können. 
Auch als Podcast…