Autumn can’t last too long…

Ich habe gestern Abend in der Stadt ein paar wenige Menschen aus meinem ehemaligen Abiturjahrgang getroffen und wir haben bei gutem Essen und Hopfenkaltschale über alte, aber auch über neue Zeiten geplaudert. Wir sind jetzt zwar alle in einer Lebensphase, in der man etwas souveräner über manche Anfechtungen hinweg gehen kann, doch das Leben hält natürlich immer wieder neue Herausforderungen, gelegentliche Verluste, manche Konflikte und andere Auswüchse des Zufalls bereit, an denen man nicht vorbeikommt. Wie war das noch mit der unüberwindbaren Mauer der nächsten Sekunde? Du weißt nie, was hinter der nächsten Kurve auf der Straße deines Lebens liegt. Das macht einerseits Angst, den Kontrolle über das eigenenDasein ist zumindest in mancherlei Hinsicht eine Illusion. Das macht mir aber auch Mut, denn es bedeutet, dass man IMMER noch etwas ändern kann. Älter werden is dennoch nix für Pussies. Ich bin jetzt gefühlt im Spätsommer meines Lebens angekommen und denke über die Frage nach, ob es denn ein “endless Summer” werden darf, oder ob ein bisschen Herbst jetzt nicht vielleicht doch gut täte. Also, ob ich fünfe grade sein lasse, oder noch mal Gas geben möchte? Die Ambivalenz ist noch nicht aufgelöst – und wird es auch nicht so schnell sein – denn just jetzt spüre ich neue kreative Energie, die genutzt werden will; einziges Problem ist, dass ich sie, anstatt ein altes Projekt fertig zu machen, lieber in ein Neues stecke. Mal schauen, wie weit die Faszination mich diesmal trägt. Irgendwas zu Ende bringen wäre ja auch mal ganz nett. Aber das ist nicht der Punkt. Denn so wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, läutet eine kühle Nacht noch nicht automatisch den Herbst ein. Während ich mich also mit einer neuen Romanidee auseinandersetze, stehe ich einmal mehr (oder besser: immer noch) vor der Frage, in welche Richtung ich mich noch entwickeln kann… oder will? Da wo ich momentan arbeite, erscheint es mir ziemlich unwahrscheinlich noch “etwas zu werden”. Nicht das Schulleiter keine spannende und gelegentlich auch erfüllende Aufgabe wäre. Ich fühle mich also keineswegs auf dem “Abstellgleis”. Doch für eine weitere “Karriere” – was das Wort für euch da draußen auch immer bedeuten mag – bin ich gegenüber manchen Traditionen der Organisation einfach zu kritisch. Und tue dies wohl auch zu laut kund.

Nun haben wir uns gestern natürlich auch über den Job unterhalten. Und meine ehemaligen Schulkameraden sind da ganz pragmatisch – wichtig ist, dass man keinen Stress hat und sein Leben bestreiten kann. Was dazu notwendig ist, mag individuell sehr unterschiedlich sein. Die Sprache kam dabei auch auf einen – allerdings nicht anwesenden – ehemaligen Jahrgangskameraden, der sich und seine jobtechnische Wichtigkeit offenkundig sehr wichtig nimmt. Was wir alle irgendwie unnötig finden. Mich persönlich interessiert nicht, wie toll, oder wichtig, oder mächtig, oder einkommensstark jemand ist – mich interessiert, ob jemand die Menschen um sich herum begeistern und ermächtigen kann, selbst besser zu werden. Da bin ich ganz und gar Pädagoge. Folglich interessiert mich anderer Leute anual salary, oder die Größe des Hauses, etc. eigentlich nicht besonders. Meine Familie muss nichts missen, weil die beste Ehefrau von allen und ich unseren Scheiß schon ganz gut gewuppt bekommen. Das drückt sich allerdings weniger in irgendwelchen tangiblen materiellen Statussymbolen aus, denn in der Qualität der Erfahrungen, nach denen wir suchen. Dass ich jetzt kein über die Maßen materialistischer Mensch bin, ist hier ja schon häufiger angeklungen. Und dass sich meine selbstgefühlte Wichtigkeit in Grenzen hält, hoffentlich auch. Wenn ich also mal wieder hier stehe und über die Frage nachdenke, wohin ich mich denn noch entwickeln will, so geht es dabei eher um persönliches Wachstum – vielleicht eine neue Aufgabe, die mich kognitiv und kreativ fordert und fördert. Fiskalische Entwicklung spielt dabei nur die zweite Geige. Deutlich weniger wäre ungünstig, weil man halt doch seinen Lebensstil am verfügbaren Einkommen orientiert. Zumindest, sofern man als Baby nicht drei Mal hochgeworfen und nur zwei Mal aufgefangen wurde… Aber deutlich mehr würde ich auch nicht erwarten, denn um in meinem Gewerk einen sich lohnenden Gehaltssprung zu machen, muss man sich ganz schön krumm machen. Und eigentlich bin ich im Grunde meines Herzens ja faul… so ein Mist aber auch.

Vermutlich – aber das ist nur so ein Gefühl – werde ich mich mit dem Herbst des Lebens noch eine Weile zurückhalten (müssen). Denn gerade jetzt ist meine Depression auf dem Rückzug. Witzig, dass ausgerechnete der beginnende Herbst in der realen Welt mich derart beeinflusst. Auf die Wirkung der Jahreszeiten auf die Seele ist auch echt kein Verlass mehr. Wie dem auch sei – das Wochenende und die kommende Woche dienen meiner Erholung (und Rekonvaleszenz, weil meine Husterei immer noch übel daher kommt), weshalb ich mich zusätzlich gelöst fühle. Na ja, irgendwer wird schon versuchen, mir meine Freizeit zu versauen. Da bin ich fatalistisch genug, nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen zu erwarten. Aber heute müssen erst mal noch ein paar Zeilen geschrieben und liebe Freunde besucht werden. Und da gilt: Abgrillen ist auch für Pussies und Scheiß auf’s Herbstwetter. In diesem Sinne, wir hören uns.

It’s that time of the year…

Das ich jedes halbe Jahr eine Woche unterwegs bin, um eine neue Klasse auf dem Start in die schulische Ausbildung zu begleiten, ist mittlerweile sowas wie ein alter Hut. Es ist mein 11. Rodeo. Und irgendwie ist doch vieles anders. Zum einen, weil es mittlerweile normal ist, dass ich das zusammen mit der fest eingeteilten Klassenlehrerin mache und zum anderen, weil ich mittlerweile ein paar unterschiedliche Locations genutzt habe. Das macht es immer wieder ein bisschen neu. Auch verändern sich meine Vorträge – wiewohl stts zu den selben Themen – im Laufe der Jahre immer wieder, weil meine Arbeit im Lehrsaal wieder und wieder meinem ganz persönlichen Qualitätsmanagement-Prozess unterworfen wird. Fehlern, die ich früher gemacht habe, kann ich unterdessen oft elegant ausweichen; insgesamt bin ich diesbezüglich viel gelassener geworden. Und diese Souveränität zahlt sich im Lehrsaal, aber auch im informellen Umgang mit diesen jungen Leuten enorm aus. Ich bin heute viel wacher und analytischer, ohne meine Zugewandtheit völlig vergessen zu müssen. Es gibt also auch gute Seiten des älter (und reifer) werdens! Einzig nervtötend ist der Umstand, dass mich pünktlich zu Beginn der Reise ein Schnupfen gepackt hat, der mich einen Teil meiner Leichtfüßigkeit im Lehrsaal kostet und alles viel anstrengender macht. Nun ja, es wird langsam besser.

Es gibt bei diesen Veranstaltungen eine ganz seltsame Dichotomie: wann immer ich mein Zimmer in der Herberge verlasse, werde ich zu einer Art öffentlichem Wesen, welches die ganze Zeit über darauf achten muss, was es sagt, wie es mit wem umgeht und wie es auf bestimmte Fragen und Herausforderungen reagiert; denn ich bin nun mal Fachlehrer und Schulleiter. Mache ich jedoch meine Tür zu, so habe ich meine Kammer – und damit ganz automatisch auch mich selbst – wieder für mich allein; ich bin dann privat, denn einer der Vorteile für die Lehrkräfte ist, dass wir Einzelzimmer haben. Diese Zweigestaltigkeit solcher Veranstaltungen ist allen Formen von Dienstreisen zu eigen, denn wir hören ja nicht auf, in unserer Binnenpsyche als eigenständige, mit verschiedensten Bedürfnissen ausgestattete Wesen zu existieren, nur weil wir plötzlich als Funktionsträger dauernd sozial und kognitiv gefordert sind. Ähnlich ist es im kleinen, wenn ich mal den Fehler mache, mich in einer Unterrichtspause NICHT aus dem Lehrsaal zurückzuziehen. Dann kommen nämlich jene SChüler*innen, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Fragen nicht vor der ganzen Klasse stellen mögen. Und ratzfatz ist jene Zeit, die du eigentlich zum Regenerieren der sozialen Batterie gebraucht hättest mit weiterer Arbeit angefüllt. Denn, man mag es kaum glauben, aber im Unterrichtskontext Fragen zu beantworten, ist Arbeit! Die kontinuierliche Last auf der sozialen Batterie spielt auch hier eine Rolle. Eine Beobachtung, die meine Kollegin übrigens teilt. Was mich dieses Mal zusätzlich fordert, ist der Austausch mit dieser Kollegin. Wir haben ein ganz ähnliches (pädagogisches) Weltbild und trotzdem lerne ich im Moment noch mal was dazu, weil manche An- und Einsichten einfach aus dem Blickfeld geraten, wenn man sich nicht regelmäßig mit ihnen befasst. Das macht diese Reise für mich, allen Widrigkeiten zum Trotze, dennoch zu einer höchst wertvollen Erfahrung. Wir agieren für einander als kognitive Sparingspartner – und so inspirierend und wertvoll das ist, so anstrengend ist es auch. Weshalb sich jede*r seine Freiräume sucht.

Auch unsere Azubis suchen sich ihre Freiräume. Was mir unterdessen auffällt ist, dass dabei der Freiraum für manch eine*n eine weitaus größere Rolle zu spielen scheint, als die Verpflichtung, die man mit dem Ausbildungsvertrag eigentlich eingegangen ist. Es ist schon so, dass die informellen Anteile (alles, was nicht fest im Lehrplan steht) einer solchen Einführungsveranstaltung, die ja vor allem dem Teambonding und dem Neuaufbau eines Klassenverbandes dienen sollen, freiwillig sind. Sich dem durch nachmittägliche Ab- und morgendliche Anreise zu entziehen, ist zwar grundsätzlich legitim, aus meiner Sicht jedoch ein wenig schwierig. Ich will nicht unbedingt das Wort asozial gebrauchen – doch, wenn man schon in den ersten Tagen die Veranlagung zeigt, mit anderen Menschen möglichst wenig zu tun haben zu wollen und dies auf eine recht spezielle Art zeigt, lässt das für die Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung, welche dieser Ausbildung nunmal notwendigerweise zu eigen sind nichts Gutes hoffen. Es ist also irgendwie diese Zeit des (Spät)Jahres – und doch wieder nicht, weil ich wahrnehme, dass einige der Auszubildenden bereits früh aus meiner Sicht problematische Verhaltensweisen zeigen. Und ich mich deshalb frage, wie bei der Auswahl einige Entscheidungen zustande gekommen sind, die ich höchstwahrscheinlich so nicht getroffen hätte. Nun ja… Für’s Erste muss ich irgendwie mit meinem Schnupfen den Rest der Woche überstehen und schauen, möglichst viele Eindrücke und Erkenntnisse sammeln zu können. Der Rest findet sich dann später; manchmal ganz von selbst. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Abend und eine tolle Restwoche.

An Tagen wie diesen…

Ich war in den letzten Tagen dienstlich unterwegs. Inhalt und Teilnehmerkreis der Veranstaltung tun hier nichts zur Sache. Ich hatte jedoch ein paar Wahrnehmungen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Ich ließ mich abendlich zu einer Diskussion über kognitionspsychologische und pädagogische Inhalte hinreißen und musste feststellen, dass meine Argumentationslinie nicht zu überzeugen vermochte. Vielleicht war ich zu vehement in meiner Darstellung, vielleicht habe ich auch eine falsche Vorstellung davon, welche Kulturtechniken oder Wissensinhalte heute noch wichtig sind. Ich hatte jedoch zwischenzeitlich vor allem den Eindruck, dass man meine Aussagen als Mansplaining abtat; denn der Sender der Inhalte ist ja nun unbestreitbar ein white middle-aged cis-gender guy. Was für mich jedoch die wichtige Frage aufwirft, ob das den Inhalt meiner Argumentation für bestimmte Rezipientengruppen entwertet? Ich meine… wie wäre das Ganze verlaufen, wenn ich eine, über die pädagogische Expertise hinaus als Feministin bekannte Frau gewesen wäre? Oder eine LGBTQ+-Person? Ich frage mich auch, ob ich wohl einen Fehler gemacht habe, indem ich in meiner Darstellung bestimmter Sachverhalte eine Dramaturgie benutzt habe, die zugegebenermaßen auf eine Zuspitzung setzte. Das ist in verschiedenen Kontexten eine durchaus übliche Methode; und aus meiner Sicht auch nicht anrüchig, solange ich dabei nicht allzu sehr polemisiere und bei der Wahrheit bleibe. Lustig an dieser Geschichte ist für mich, dass den Rezipienten zumindest teilweise bewusst sein dürfte, dass Storytelling nicht nur im Marketing, sondern auch bei der Wissensvermittlung seine Verwendung findet. Ich habe darüber geforscht und geschrieben und finde, dass mündlich überlieferte Geschichten ein bemerkenswertes Instrument zum Wissenstransfer sind.

Ich möchte auf Folgendes hinweisen: ich reklamiere für mich ausdrücklich nicht, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Was mich aber an der Situation irritiert hat, war die sofort einsetzende, absolute Vehemenz, mit der meine Argumente angegriffen wurden. Ich meine… wir behaupten immer alle, dass wir das Gegenüber ausreden lassen und dass wir bezüglich unseres Verständnisses stets paraphrasierend nachfragen, weil wir ja alle so unfassber aufgeklärte und wertschätzende Menschen sind. Das konnte ich hier jetzt nicht sehen! Als ich etwa meine Irritation darüber zum Besten gab, dass manche Fachkräfte im Verkauf die Mengenbezeichnung “ein Dutzend” nicht mehr kennen würden, traf ich auf Unverständnis und mit einem Mal drehte sich die Diskussion um die Frage nach heute noch relevantem Wissen und Kulturtechniken. Als Gegenbeispiel – vermutlich für ein heute eher überkommenes Wissen – wurde ich gefragt, ob ich denn in der Lage sei, im Wald ein Feuer zu machen. Meine Antwort “ja, mit geeignetem Werkzeug” wurde mir offensichtlich nicht geglaubt. Das ist, auch wenn man sich’s schönredet halt Whataboutism. Hinweis an dieser Stelle: eine kurze Webrecherche ergibt, dass der Begriff “ein Dutzend” heute sehr wohl noch gebräuchlich ist. Case Closed. Ich hätte mir gewünscht, dass ich meine Geschichte zu Ende erzählen und dann auf die einschränkenden bzw. problematischen Aspekte einer von mir zitierten Studie hätte hinweisen können. Und ich ärgere mich tatsächlich darüber, dass Menschen aus anderen Fachgebieten mir meine fachliche Expertise sowie die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken und Argumentieren anzweifeln, was ich umgekehrt ausdrücklich NICHT tue. Ich komme nur in sehr unbesonnenen Momenten auf die Idee, Menschen für dumm zu erklären – oder, wenn diese wiederholt beweisen, dass sie DUMM SIND. Aber das ist etwas völlig anderes.

Ich benutze manchmal, weil ich ich sehr viel in meinem Fachgebiet unterwegs bin und auch viel entsprechenden Unterricht mache beim Präsentieren Fachtermini, die für andere Rezipientengruppen erklärungsbedürftig sind und merke das nicht immer sofort. Auch das ist so eine Sache, die man mir dann im abendlichen Gespräch vorwarf, weil ich vormittags einen Begriff aus der Notfallmedizin benutzt hatte, ohne diesen hinreichend zu erläutern. Es kommt mir gelegentlich so vor, als wenn manche Menschen – entweder aus professioneller Gewohnheit des eigenen Gewerkes oder weil ich halt ein alter weißer Kerl bin – jedes meiner Worte auf die Goldwage legen. Und das ist ermüdend. Sich dauernd dafür entschuldigen zu müssen, dass man, aller (Aus)Bildung und Erfahrung im Umgang mit Menschen zum Trotze in einer anderen Zeit sozialisiert wurde, daher mühsam versucht mit jedwedem Wandel Schritt zu halten und dennoch mit der eigenen Imperfektion zu kämpfen hat, kostet mich unfassbar viel Kraft. Menschen auf der Basis ihrer ethnischen und sozialen Herkunft, ihres Geschlechts, ihres Bildungsstandes, ihrer Überzeugungen, etc. komplex zu verstehen, ist Teil meines Handwerkes. Aber jede*r von uns hat nur ein Hirn, nur ein paar Augen und Ohren, nur einen Mund und nur ein paar Hände, um zu verstehen, zu handeln und zu kommunizieren, was automatisch bedeutet, dass jede*r von uns regelmäßig an Grenzen stößt. All das ist mir mehr als schmerzlich bewusst, ist es doch integraler Teil dessen, was ich als Erkenntnis allen Menschen, an deren Ausbildung ich beteiligt bin mitzugeben versuche. Dann gefühlt gecanceled zu werden, während man versucht eine Lanze für tradierte, aber dennoch mitnichten obsolete Kulturtechniken zu brechen, tut sehr weh; vor allem weil ich sehe, welche Auswirkungen ein allzu bereitwilliges “mit der Zeit Gehen” gerade beim Lernerfolg hat. Nicht unbedingt bei den fachlichen Kompetenzen, sehr wohl aber bei den sozialen und personalen, welche mein alter Job Notfallsanitäter in besonderem Maße erfordert. Dass man dazu nicht wissen muss, was ein Dutzend ist, weiß ich selbst. Aber manchmal muss man auf dem Weg zu bestimmten Kompetenzen Umwege über andere Wissensbestände und Skills nehmen; denn abstraktes Denken greifbar zu machen bedarf einer gewissen Kreativität. Und DAS verstehen Nicht-Pädagogen regelmäßig NICHT. Was soll’s. Jene, an die ich gerade gedacht habe lesen hier vermutlich eh nicht mit. Aber ich muss meinen Frust an Tagen wie diesen ja irgendwo abladen. Danke liebes Tagebuch… bis bald.

Auch als Podcast…

Pubertulose ist auch ‘ne Krankheit…

Ich war für meine Eltern relativ lange ein relativ gut erträgliches Kind. Ich hatte deutlich ältere Geschwister, was dazu führte, dass ich im Grunde – for good or for worse – aufwuchs wie ein Einzelkind. Die Dinge, die ich als Teenager tat waren, in ihrer teenanger-typischen indolenten Rücksichtslosigkeit gegenüber allen anderen Menschen außer der eigenen Peergroup, nicht sonderlich wild. Ich blieb gelegentlich zu lange weg, ich probierte Alkohol nur in Maßen und ich habe keine Affären gehabt. Schlicht weil ich diesbezüglich echt ein Spätzünder war. Was ich nicht bedaure. Wenn ich mir so anschaue, was mir manche Testo-Bolzen aus meiner Altersklasse gelegentlich erzählt haben, hält sich mein Neid auf Drama, Heimlichkeit und hohe Kosten in engen Grenzen. Ich war, wie hier an anderer Stelle schon mal ausgeführt ein Nerd und bin darauf bis heute stolz; denn ich bin immer noch ein Nerd. Und der Umstand, dass ich mit meiner ersten großen Liebe – der besten Ehefrau von allen – nach mittlerweile über 32 Jahren immer noch zusammen bin, ohne dass unsere Beziehung allzu große Ermüdungsbrüche aufzeigen würde, macht mich zu einer Art Einhorn. Ich kann über mutiple Beziehungsprobleme zwischen Lebensabschnitts-Meerschweinchen nur aus zweiter Hand berichten… allerdings ist diese zweite Hand ZIEMLICH groß. Ich war während meiner Jugend und Adoleszenz nicht unbedingt pflegeleicht, aber ich war auch kein dauer-wütendes Pubertier… jedenfalls nicht annähernd so wie das, was ich von meinem älteren Kind derzeit erlebe.

Da bekommt man Dinge vorgeworfen, die für den etwas reiferen Menschen in mir doch ziemlich überzogen klingen. Subjektiv bin ich – oder wahlweise die beste Ehefrau von allen – am gesamten Übel der Welt schuld und insbesondere an der unfassbar ungerechten, völlig inakzeptablen und emotional schadhaften Knechtschaft, welche die jungen Dame nach eigenen Worten in unseren Wänden erdulden musste und muss. Eine ganze Weile habe ich mich darüber aufgeregt und auch oft mit ihr gestritten, doch gestern Abend kam mir ein Satz in den Kopf, den ihr zu sagen ich nicht mehr die Gelegenheit bekam, weil die Tür schon geknallt hatte: “Mir steht der Sinn heut nicht nach Krieg – hebe dich hinfort Schimäre!” Ich finde das passend, ist es doch in ihrer Alterskohorte derzeit wohl üblich Dinge, auf die man aus unterschiedlichen Gründen nicht klarkommt als “Fiebertraum” zu titulieren. Vielleicht verrate ich ihr irgendwann, dass man a) nicht so häufig Fieber haben sollte, weil das von physischer Krankheit zeitigt und b) sie noch VIELE, VIELE Male in ihrem Leben auf Dinge nicht klarkommen wird. Einer der Hauptgründe dafür ist übrigens, zu glauben, dass die jeweils anderen an irgendwas schuld wären. Und da wir als gute Doitzsche ja stets nach Schuldigen anstatt nach Lösungen suchen, ist der notwendige Prozess, die Fähigkeit der Selbstreflexion zu erlernen für Teena(n)ger besonders schmerzhaft, weil man sich nach und nach von all den schönen Dogmen verabschieden muss, die man seinen Altvorderen so gerne wütend und lautstark entgegen schleudert. Irgendwann wird sie jemandem begegnen, der ihr die normative Kraft des Faktischen auf wesentlich uncharmantere Weise nahebringen wird, denn ich als Vater das jemals tun würde – und ich habe jeden Fehler im Buch, inclusive des legendären “So lange du deine Füße…”-Satzes gemacht. Ich hoffe nur, dass diese Begenung dann keinen echten bleibenden Schaden hinterlässt.

Ich war Zeit meines Lebens ein eher wütendes Individuum. Ich nehme daher für mich gerne diesen legendären Satz aus dem ersten Avengers-Film in Anspruch: “Ich verrate Ihnen ein Geheimnis Captain – ich bin IMMER wütend!” Ich hab dennoch nie so ein Anti-Aggressions-Training gemacht. Vielleicht hätte es mir geholfen, doch heute bin ich, wiewohl immer noch Galaxien weit entfernt von Altersmilde, schon etwas besser in der Lage, mit meinen Affekten umzugehen – außer, wenn es um die Familienmitglieder geht. Jene, die uns wirklich nahe stehen, brauchen halt nicht viel, um uns zum Kochen zu bringen. Ich glaube ja bekanntlich nicht an Ratgeberbücher, weil dort zumeist irgendwelche Allgemeinplätze vor sich hin salbadernde Möchtegernexperten ihre eigene – höchstens anekdotische – Empirie als allgemeingültige Lösung für das Elend der Welt verkaufen. Wohltuende Ausnahmen bestätigen die Regel, wobei auch eigentlich ausgewiesene Experten häufig zu Populismus neigen. Sie haben sich halt bei den Drecksfaschos abgeschaut, dass Populismus verkauft. Aber… weil ich Ratgeber nicht mag, kann ich hier auch keine Ratschläge geben, weder mir selbst, noch irgendwem anders, denn allein die Betrachtung meiner Pubertät und der meiner älteren Tochter macht für mich klar, dass Persönlichkeitsentwicklung auf höchst unterschiedlichen Pfaden vonstatten gehen kann. Bleibt mir nur festzustellen, dass ich derzeit recht froh bin, wenn ich nicht allzu viel Zeit mit ihr verbringen muss, denn immerzu irgendwelche Glaubenssätze an den Kopf geworfen zu bekommen, so als wenn noch nie irgendjemand vor ihr – oder ihren Freunden – auf diese Ideen gekommen wäre, ermüdet meine mühsam erworbene Contenance zusehends.

Immerhin – sie bildet sich politisch und liest Bücher, die ich jedem Menschen empfehlen würde aus eigenem Interesse, um dann gelegentlich intelligente Fragen zu stellen. Und, wie Nietzsche feststellte: “Dem guten Frager ist schon halb geantwortet.” Wir haben wohl doch nicht alles falsch gemacht. Vielleicht muss ich mich nur noch eine Weile ducken, bis dieser Sturm vorbeigezogen ist. Spannend bleibt dann noch die die Frage, wie diese Zeit bei ihrem jüngeren Pendant wohl dereinst aussehen wird. Immerhin… die Hoffnung stirbt zuletzt. Heute ist – den Faschos und Fritzes Gurkentruppe sei Dank – Tag der Doitzschen Uneinheit. Gibt nix zu feiern, dafür sind an einem Samstag alle Geschäfte zu. Scheißtag. Wenigstens darf ich heute Abend zocken. Wir hören uns, Restdemokraten.

Auch als Podcast…

What about happiness N°10 – what about “Erwachsen bilden”…?

„Auf niedrigem Niveau stabil“. Das ist ein Satz, den ich meinem Leben selbst schon häufiger gesagt habe. Meist im Zusammenhang mit Patienten, an deren Versorgung ich beteiligt gewesen war; Patienten, die unterdessen dem Tode näher gewesen waren, als dem Leben. Man trifft solche Fälle gelegentlich. Wenn man das allerdings als Antwort auf die Beschreibung der eigenen psychischen Befindlichkeiten hört, macht einen das hellhörig. Denn gerade fühlt es sich für mich eigentlich anders an. Wenn man irgendeinen Grund zum Nölen sucht, findet man ja immer was; insbesondere, da man mit über 50 morgens wenigstens ein paar Schmerzpunkte fühlen sollte, denn sonst ist man halt tot… Aber bin ich jetzt wirklich immer noch nur auf niedrigem Niveau? Ich weiß es nicht, denn ich kann mich nicht mehr erinnern, wie sich ein weitestgehend sorgenfreies Leben anfühlt. Das hatte ich zuletzt vermutlich mit Anfang bis Mitte 20. Seitdem hat sich vieles geändert. Ich bin meiner Sterblichkeit bewusster geworden, was allerdings bei zunehmendem Alter als normal betrachtet werden muss. Das Endgame kommt halt langsam, aber unweigerlich näher. Ich trage viel mehr Verantwortung als früher. Oder besser: ich bin mir dieser bewusster geworden. Ich habe mehrfach die Fragilität meiner wichtigsten Energieressource, nämlich meiner Kreativität erlebt. Anders gesagt, mir ist bewusst geworden, dass ich diese Ressource besser pflegen muss, ebenso, wie meinen Körper. Wenn man genau hinsieht, ist da also ein Muster: Bewusstsein. Und das Ironische daran ist, dass mich das alles nicht so stören würde, wenn ich ein dummer Mensch wäre. Dumme Menschen glauben an einfache Lösungen, suchen Schuldige anstatt Verbesserung und wählen Faschisten, weil die ihnen das befriedigende Gefühl vermitteln, die gute alte Zeit zurückbringen zu können, die es nie gegeben hat. Und die Macht, die Welt nach dem eigenen Bilde zu gestalten; wie rassistisch, misogyn und kleingeistig dieses auch immer sein mag. Ach, irgendwie klingt das verfickt armselig – dann bleibe ich doch lieber intelligent und depressiv.

Ich bin im Moment körperlich erschöpft, weil meine Physis nicht so mitmacht, wie ich mir das wünschen würde. Dagegen sind Bewegung, Medizin und weniger Futtern gewachsen. Aber meine Psyche? Es fühlt sich besser an als noch vor ein paar Wochen. Ich würde es jetzt nicht als Hochgefühl beschreiben, aber ich bin produktiv, performant und nehme mir trotzdem meine Freiräume, um nicht wieder zu schnell und zu heiß zu brennen. Das man manche Baustellen nicht von jetzt auf gleich erledigt bekommt, weiß ich und habe daher von Sprint auf Marathon umgeschaltet. Mit dem Ergebnis, dass sich fast alles weniger belastend anfühlt; außer die Arschlöcher bei der Arbeit, aber die kriege ich schon noch klein. Einzig mein Schlaf bereitet mir Sorge. Allerdings nicht unbedingt, weil ich nachts zu viel grübelnd wachliegen würde. Das passiert mir – wie so vielen anderen Menschen auch – durchaus halbwegs regelmäßig. Das durch den Job regelhaft erzwungene Frühaufstehen fickt mich jedoch wesentlich härter. Der Wecker und ich werden in diesem Leben definitiv keine Freunde mehr. Aber Dauer-Home-Office mit täglichem Ausschlafen würde mich wahrscheinlich irgendwann aus Ermangelung fester Strukturen auch wahnsinnig machen. Okay, wenn man alles zusammennimmt, ist es vielleicht kein hohes Niveau, aber ich möchte wenigstens darauf bestehen, dass es auch kein niedriges Niveau ist. Das anzuerkennen wäre nämlich auch nicht gut für meine Motivation. Immerhin spüre ich derzeit meine Kreativität ganz langsam, aber sicher wieder auf ein für mich normales Niveau zurückkehren. Und diese Entwicklung darf ich auf keinen Fall dämpfen, sonst geht’s wieder in die Abwärtsspirale.

Ich verspüre zwar immer noch keine gesteigerte Lust auf soziale Interaktion abseits dessen, was ich mir selbst aussuchen darf. Aber immerhin kann ich insbesondere im Lehrsaal trotzdem meine Aufgaben erfüllen, auch wenn das derzeit manchmal viel mehr Kraft kostet als gesund ist. Was mich dabei fasziniert, ist Folgendes: wenn ich merke, dass die Teilnehmenden mitziehen, in das Lernen einsteigen, vielleicht sogar Spaß haben, bin ich zwar am Ende auch gewissermaßen sozial erschöpft, aber trotzdem erfüllt. Erfüllt durch das Feedback und das gute Gefühl, Menschen etwas Sinnvolles mitgeben zu können. Gerade diese Woche habe ich neue Mentoren ausgebildet und da funktionierte das ganz ausgezeichnet. In den NotSan-Klassen kam dieses Gefühl in letzter Zeit nur selten auf, weil ich oft den Eindruck habe, dass die Schüler*innen den Unterricht wie ein Netflix-Abo (oder besser: Job-Flix-Abo) betrachten; sie erwarten anstrengungsfreies Infotainment, werden aber von mir gemeinerweise zum (Mit)Arbeiten aufgefordert und haben dann noch nicht mal die Möglichkeit, in eine andere Show zu wechseln, was manche offenkundig frustriert. Ich zweifle immer wieder daran, dass einigen von denen irgendjemand vorher gesagt hat, wie fordernd die Ausbildung sein würde… Was aber im Umkehrschluss bei mir zu Frustration führt, weil ich zugegebenermaßen keine Kraft und auch kein Interesse mehr habe, uninteressierten, undankbaren und oft auch unsozialen Kindern im Gewande erwachsener Menschen Wissen häppchenweise in den Mund legen zu müssen. Wer nicht lernwillig ist, keine Leistungsbereitschaft und kein Interesse zeigt, scored dann am Ende halt nicht. Ist nicht meine Schuld, wenn Azubioide sich allzu gerne in der Opferrolle sehen.

Ich würde gerne so manches an der Ausbildung ändern, aber auch als Schulleitung steht es mir nicht zu, Dinge zu tun, die so gesetzlich nicht vorgesehen sind. Wie etwa völlig andere Prüfungsmodalitäten (Stichwort „Portfoliobewertung“) oder generelle, zeit- und sachgemäße Änderungen des Curriculums. Und so muss ich mich immer wieder mit Dingen arrangieren, die ich nicht optimal, manchmal sogar regelrecht beschissen finde. Denn hier verbinden sich meine mentalen Befindlichkeiten und mein Job: an der Grenzfläche zwischen kreativen Gestaltungsmöglichkeiten und starren strukturellen wie auch organisatorischen Vorgaben von Staat, Mitbewerbern und Arbeitgeber. Mein inneres Kind würde gerne noch viele Methoden und Gadgets ausprobieren, spielerischer arbeiten, doch der erwachsene Anteil meiner Selbst (das ist übrigens der depressive Typ!) muss immerzu auf die Bremse drücken – auch weil er weiß, dass selbst das mächtigste pädagogische Feuerwerk den Job-Flix-Abonnenten im Publikum bestenfalls ein Schulterzucken und ein Resting-Bitch-Face entlocken würde. Denn das Problem mit dem Lernen liegt nicht auf meiner Seite! Nun, da ich das weiß, muss ich nochmals bekräftigen: ich stehe besser da als nur auf niedrigem Niveau stabil! Und DAS macht mich dann doch ein bisschen glücklich. Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Die MUKENNS-Partei – Mit Uns Kommt Es Nicht Noch Schlimmer!

IDEE: eine Partei, welche sich den folgenden Prinzipien verpflichtet:

  • Ökologische Verantwortung: wir müssen die Frage beantworten, in was für einer Welt wir zukünftig leben wollen. Wir brauchen wirksame Maßnahmen für den Hitzefolgenschutz und gegen die fortwährende Klimaerwärmung mit den daraus folgenden Extremwetter-Ereignissen. Welche das sind, hängt von den anderen Prinzipien mittelbar und unmittelbar ab. Sicher ist aber, dass die fortwährende Verfeuerung fossiler Brennstoffe für Mobilität und Energiegewinnung KEINE Alternative für die Zukunft darstellt! Das bedeutet auch, dass wir uns damit abfinden müssen, dass unser individueller Energie- und Ressourcen- Verbrauch und damit unsere Reisereichweite kleiner werden müssen und sich unser Leben insgesamt verändern wird. Ohne diese Anpassungen geht es nicht! Parteien, die etwas anderes behaupten, lügen auf Kosten der Zukunft unserer Kinder!
  • Verminderung der sozialen Ungleichheit: es geht nicht ohne eine Veränderung / Anhebung der Vermögens- und Erschaftssteuern. Die Welt braucht keine Milliardäre, die mit ihrem Geld politische Gestaltungsmacht kaufen und dann nach Gutdünken darüber bestimmen, wer, bzw. ob überhaupt irgendjemand an ihrem Reichtum partizipieren darf. Entgegen den Legenden bedeutete dies NICHT, Leistung zu bestrafen. Und es beträfe auch nicht normal verdienende Mittelstandsfamilien. Hört endlich auf, Menschen in abhängiger Lohnarbeit zu erzählen, dass Vermögenssteuern sie ärmer machen würden – das ist unredlich! Hierrein fällt auch der Schutz der Arbeitnehmerrechte, welche insbesondere CDU/CSU (mit Hilfe der SPD) und AfD derzeit zu demontieren versuchen!
  • Keine Lobbyistenzugänge mehr: das Modell des Korporatismus ist in Deutschland zu einer ausschließlichen, ständigen Vertretung von reinen Wirtschaftsinteressen degeneriert! Gesellschaftliche Kreise abseits der besitzenden Eliten sowie ökologische, soziale und Gesundheits-Themen aus Sicht der Bürger*innen finden kaum noch politisches Gehör. Dies muss beendet werden. Ebenso müssen zukünftig alle Parlamentarier ihre Einkünfte vollumfänglich transparent offenlegen! Und schließlich müssen ALLE politischen Amtszeiten auf maximal zwei Legislaturperioden begrenzt werden! Das gilt auch für die Ämter innerhalb von MUKENNS!
  • Bessere allgemeine und berufliche Bildung: Zugang zu Bildung und den daraus zwingend resultierenden Lebens- und Teilhabe-Chancen ist ein Menschenrecht! Wir brauchen ein allgemeinbildendes Schulwesen, dass ALLEN Kindern die Entfaltung ihrer Potentiale und Talente ermöglicht, anstatt auch im frühen 21. Jhdt. immer noch nach preußischem Modell durch zwangsweise Einpassung in ein überkommenes Normenkorsett funktionierende Untertanen erzeugen zu wollen. Zur Erreichung dieses Ziels ist eine umfangreiche Ausweitung der Investitionen in Infrastruktur, Personalschlüssel und Pädagogenausbildung zwingend erforderlich. Dies betrifft auch die Qualifikation der Ausbilder*innen in den Berufsschulen, Berufsfachschulen und Ausbildungsbetrieben.
  • Medizinische Versorgung: Die Krankheit oder Verletzung eines Menschen darf kein Anlass für andere Menschen sein, damit Renditen erwirtschaften zu können. Die Kosten für Personal und Ressourcen müssen auskömmlich gedeckt sein und die Versorgung muss dort stattfinden, wo diese sinnvoll ist; dieser Ort heißt oft NICHT Krankenhaus. Das Gesundheitswesen muss Menschen gesund machen, bzw. gesund erhalten und darf nicht dem Zweck dienen, für Dritte Sharehoolder-Value zu erzeugen. Die hohe Zahl der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland muss verkleinert werden – dies spart Verwaltungskosten, die auf Grund unnötiger Mehrfachvorhaltung entstehen. Die Zahl der psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten – insbesondere der ambulanten – muss ausgebaut und auskömmlich finanziert werden.
  • Gesteuerte Zuwanderung: sich der Erkenntnis zu verschließen, dass unser Land nunmehr seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist, wäre dumm. Und volkswirtschaftlich ist eine konstante Immigration auf Grund der stagnierenden Geburtenraten auch notwendig. Bester Hebel für eine schnellere Integration in den hiesigen Arbeitsmarkt ist der verpflichtende zügige Erwerb hinreichender Sprachkenntnisse. Ohne diese sind alle weiteren Maßnahmen wirkungslos. Diese, wie derzeit praktiziert, dem – weitestgehend trotz privatwirtschaftlichen Betriebes unterfinanzierten – quartären Bildungssektor zu überlassen, produziert immer wieder schlechte Ergebnisse; diese Aufgabe muss in das allgemeinbildende Schulwesen integriert werden. Gleichwohl gilt es – abseits der bestehenden Regelungen zum Asyl für Verfolgte – sinnvolle Maßnahmen zur Kontrolle von Immigrations-Bewegungen zu ergreifen. Dabei sind Grenzkontrollen lediglich wirkungslose Symbolpolitik. Hierzu sind andere Ansätze notwendig, wie etwa das Trockenlegen der Schlepper-Kriminalität und neue Formen nicht-paternalistischer Entwicklungshilfe, um Emmigrationsanreize in den Herkunftsländern zu senken. Darüber, wie viel Einwanderung und “fremde Kultur” unser Land denn verkraften kann, braucht es allerdings einen neuen gesellschaftlichen Konsens.
  • Mehr Basis-Demokratie: das Modell des permanenten Bürgerdialoges, wie dieser in der Region Ostbelgien betrieben wird, könnte auch in Deutschland zumindest auf kommunaler und regionaler und Länder-Ebene eine Blaupause für mehr echte Bürgerbeteiligung sein, ebenso wie der vermehrte Einsatz von Plebisziten, wobei eine Festlegung des Quorums die jeweilige Wichtigkeit der Entscheidung per Menge Wahlberechtigter wiederspiegeln sollte. Inwieweit solche Modelle auch auf Bundesebene funktionieren können, muss umgehend Gegenstand einer wirklich ergebnisoffenen Prüfung werden.
  • Anti-imperialistische Außenpolitik: der Kontakt zu autokratischen Regimes muss auf den diplomatischen Austausch begrenzt werden; insbesondere gegenüber Russland. Hier dürfen wirtschaftliche Interessen in keinem Fall über die Notwendigkeiten der weiteren Eindämmung des um sich greifenden Imperialismus verschiedener Staaten gestellt werden! Hinweis: wiewohl das Existenzrecht des Staates Israel ausdrücklich bekräftigt wird und Antisemitismus, ebenso wie jegliche Form von Rassismus und Mysogynie innerhalb dieser Partei und ihrer Wähler*innen keinen Platz haben, muss Kritik an den Handlungen der israelischen Staatsführung, sofern diese sachlich vorgetragen wird, jederzeit möglich sein! Man kann seine historische Verantwortung duch die Schoa vollumfänglich anerkennen und einen gleichberechtigten Partner dennoch darauf hinweisen, dass er sich gerade außerhalb jeder völkerrechtlichen Legitimation bewegt. Antisemitismus und politischer Diskurs sind zwei unterschiedliche Dinge!
  • Säkulare Orientierung: MUKENNS bekennt sich zur strikten Trennung von Kirche und Staat, wobei “Kirche” hier jedwede Organisation eines Glaubensbekenntnisses inkludiert. Dabei gilt auch, dass alle nach wie vor gültigen Sonderrechte der in Deutschland tätigen christlichen Kirchenorganisationen auf den Prüfstand müssen.
  • Geschlechter-Gleichstellung: MUKENNS bekennt sich zur Gleichstellung von Frau, Mann und anderen biologisch wie sozial zugeschriebenen Geschlechtsidentitäten. Deren fortwährende Ungleichbehandlung abzubauen und idealerweise völlig aufzulösen, gehört damit zu ihren ausdrücklichen Zielen.

Dies ist eine weiter ausformulierte Schnapsidee, die neulich im Rahmen einer politischen Diskussion am Arbeitsplatz geboren wurde. Dass der Name nicht wirklich griffig ist, war von Anfang an Teil des Konzeptes. Doch aus dem eher satririsch motivierten Gedanken wird unterdessen eine fixe Idee, die zu verfolgen es vielleicht wert sein könnte. Insbesondere, wenn ich die skandierenden Faschos mit ihren Wahlergebnissen sehe… Was denkt ihr?

Auch als Podcast…

Quotes for a dirty old man reworked…

I’ve been dipping into Charles Bukowski again. He was a few years younger than I am now when he began to achieve a certain degree of literary success with his column “Notes of a Dirty Old Man.” Unconventional, violent, below the belt, sometimes taking a roundabout route to make a point – his stories were never easy reading! Sometimes they would meander through several subjects in a single sentence. I read him as a disillusioned humanist.

Which reminds me: isn’t it strange how we’re constantly trying to see ourselves through other people’s eyes, or through their particular lens? Being at peace with yourself, simply not giving a shit about what other people think every now and then, doing your own thing – that was never MY THING.

I mean, seriously, these days I have to make less of an effort to acknowledge bullshit with a shrug and a “Yeah, if you say so…”, intended to convey my at least partially benevolent indifference. The less close I am to someone, the easier it is to shrug it off. And then there are those moments when complete strangers manage to trigger me. For fuck’s sake…

Yes… this is AI. I know… I couldn’t constrain myself…

Presumably, there’s a particular breed of people who simply never get too old for a bit of good old-fashioned troublemaking. I think one aspect of this is having convictions. Incidentally, the difference between a conviction and a dogma, as I see it (mind you, I’m not claiming this to be universally applicable!), is that a conviction is based on insight and understanding, whereas a dogma is based on emotion. Another difference is that a conviction remains open to change in the light of new or different insights, while a dogma becomes increasingly impervious to facts.

There is, therefore, a distinction between defending a well-founded conviction – even vehemently and with considerable verbal force – and the largely empty rhetoric of dogmatism. And unfortunately, I can’t deny it: dogmatists trigger me time and again because they’re incapable of thinking beyond the limits of their own horizons. Even if you stood them on top of the Kalmit, instead of seeing the Upper Rhine Plain stretching out before them, all they’d see would be trees…

Another characteristic of the respectable old troublemaker (and troublemaking sisters are, of course, equally welcome!) is a restless mind. When you’re interested in too many things and spread your attention too widely, you sometimes inevitably end up in a state of unsatisfied arousal (speaking in purely platonic terms!), simply because a single human lifetime is far too short for so many interests. At least if you’re equipped with an average intellect.

What’s more, a restless mind makes you susceptible to all sorts of stupid shit, such as depression, because you simply experience things more intensely. I can’t really explain it, but it feels a bit like looking up into the sky on a dazzlingly bright summer’s day without sunglasses. There’s too much light! Like trying to listen to a bird in a crowded square. There’s too much noise! Like trying to focus on a single emotion while a demonstration is raging all around you. There are too many (negative) emotions. Sometimes, there’s simply too much of everything…

I’ve learned to live with it. And most of the time, it works out OK. Not always, but at least most of the time.

Sometimes, though, life is like reading Bukowski – there’s simply too much life crammed into life. And you can’t escape it, either, because the train keeps rolling, the machine demands to be fed, and everyone is waiting for you to do your fucking job. After all, you only have one job – to function, so that everything else can function too, because we all have to function together.

Is that what life is? Being reduced to a function? Doesn’t exactly sound like freedom.

I mean, objectively speaking, we live in one of the wealthiest, freest, safest, and best-organized countries on Earth. Sure, we have our problems too: social and economic inequality, structural racism, a lack of commitment to environmental protection, selfishness, narcissism, and a few other -isms – BUT, on average, we’re a damn sight better off than a very large percentage of the world’s population. (People always seem conveniently to forget just how well democracy can work whenever it suits the enemies of democracy.)

So what is it, then, that makes so many people so unhappy and dissatisfied?

On the one hand, there’s certainly that one major problem: inequality. Our system disproportionately favors guys like me. On the other hand, a kind of existential anxiety has spread throughout society. The increasing individualization and fragmentation of our society have placed more responsibility on the individual: “YOU have to figure out how to get YOUR life together all by yourself! Oh, and by the way – from now on, YOU have to do it even faster!”

The pressure is wearing people down.

To simply sit down at a typewriter with a beer, as Bukowski did back in ’68, and give the good Lord the middle finger, at least in literary terms, is a luxury hardly anyone can afford these days. Instead, we have to achieve more and more just to be able to afford the things we’re supposed to be able to afford.

The treadmill of turbo-capitalism.

That’s what’s fucking me harder and harder (pardon my French)!

I love my work as a school principal, as a lecturer, as a project developer, as a mentor – but even here, there’s this constant pressure to produce results. And the measurability of what I do simply cannot be assessed in monthly financial statements; it can only REALLY be judged over the course of several years. For the people from the distant realm of Fiscalia (the controllers), that’s a nightmare!

And yet, much to my own surprise, I’m becoming more and more of a businessman myself.

Nevertheless, I’m still searching, almost desperately, for a way to reconcile the creative dreamer within me with the workhorse bound to the demands of reality.

Anyone got any advice for me…?

Auch als Podcast…

New Work N°27 – oldschool workethics…?

Ich nehme wahr, dass eine nicht unerhebliche Zahl an Artikeln in den Medien um die immergleichen Themen kreist: ist die Gen Z fauler, als andere Alterskohorten vor ihr? Und meine Standardantwort lautet: NEIN! Allerdings ist eine gewisse Differenzierung von Nöten, um zu verstehen, wie ich – allen Unkenrufen zum Trotze – zu dieser Einschätzung komme. Und es beginnt, wie so oft, mit den Lebensumständen, unter denen man vom Kindes- und Jugendalter in die Adoleszenz – und damit zumeist auch ins Erwerbsleben – übertritt. Wir Menschen neigen ja dazu, die eigenen Erfahrungen als allgemeingültig zu verabsolutieren; wenn man sich also auf eigene Erfahrungen beruft, oder noch besser auf “jemanden, den man kennt”, sind die daraufhin folgenden Ausführungen ziemlich häufig mit äußerster Vorsicht zu genießen, es sei denn der Autor der jeweiligen Worte lässt sich dazu herab, den anekdotischen Charakter seiner “Evidenz” ebenso öffentlich zu reflektieren. Wenn ich nun also kurz beschreibe, wie ich diesen Übergang erlebt habe, weiß ich, dass ich im Anschluss besser noch ein paar Fakten dazu tue. Ich wurde 1974 geboren (als eines von ca. 805.500 Kindern) und erlebte meine Kindheit und Jugend in relativer “Wahrnehmungs-Enge”, den es gab damals ein paar Fernsehkanäle, auf Papier gedruckte Zeitungen und ich musste erst 19 werden, bevor das World-Wide-Web in Deutschland zur privaten Nutzung freigegeben wurde. Man war zur Informationsbeschaffung, wie auch zur Weitergabe von eigenen Ergüssen auf Spezialisten angewiesen; wir waren nicht dauernd online, denn wir wussten damals noch nicht mal, was online dereinst sein würde! Mein Übergang ins Arbeitsleben bestand daher zunächst in Ferienjobs, die ich so ab 14 Jahren aufwärts erst von meinem Vater und später von meinem älteren Bruder vermittelt bekam. Maloche in der Produktion und als ungelernter Strippenzieher auf dem Bau. Meine Zivildienststelle habe ich mir dann selbst besorgt, nachdem ich auch meine Verweigerung selbst besorgt hatte. (ja 1992 wurde man noch gemustert und musste vor eine Kommission aus “grauen Herren” treten). Dieser Zivildienst zeigte mir ein völlig anderes Betätigungsfeld als das, in welches ich eigentlich hatte eintreten wollen (Verfahrenstechnik); ich verstand, dass ich – gegen alle Kapriolen meines Hirns – doch besser mit Menschen als mit Maschinen umgehen konnte. Blaulichtfahren war nur ein first incentive, der Rest passierte ganz anders.

Die direkt an den Zivildienst als Rettungssanitäter anschließende Rettungsassistenten-Ausbildung habe ich damals noch aus eigener Tasche bezahlt. Nach dem Aufbau-Lehrgang ging es in die klinischen Praktika und dann in eine betriebliche Anschlusslehrstelle, die man sich ebenfalls selbst besorgen musste. Man kann also sehen, dass es ein paar Hürden gab, die ich zu überwinden hatte, um überhaupt im Erwerbsleben richtig ankommen zu können. Das ist heute anders – zumindest in meinem Gewerk. Man bewirbt sich auf die angestrebte Lehrstelle und sofern man genommen wird, kümmern sich Betrieb und Berufsfachschule um alles Organisatorische. Man muss nur jeden Tag pünktlich erscheinen und seine eigene Motivation (und am Besten sein Hirn) mitbringen. Für meine Anschlusslehrstelle half mir wiederum Vitamin B: ich wusste, wen man anrufen konnte. Ich rief an. 75 Minuten nach einem dieser Anrufe saß ich in einem 60 KM entfernten Büro. 120 Minuten nach dem Anruf hatte ich einen Vertrag und bekam sogar ein Auszubildendengehalt – was damals für Rettungsassistenten im Praktikum NICHT überall üblich war! Für meine erste Festanstellung schrieb ich dann so 50 – 60 Bewerbungen, die man damals noch per Post verschickte und irgendwann (vielleicht) Antwort bekam. Ich landete bei einem Arbeitgeber, von dem ich mir sicher sein kann, dass mein zukünftiger Chef meinen ehemaligen Chef bei der HiOrg, in welcher ich meinen Zivildienst abgeleistet hatte mal eben informell gefragt hat, “ob der Kerl was taugt?” – BEVOR ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. In einer Welt, in der noch ziemlich viele Andere mit mir um die Jobs konkurrierten (die extrem große Boomer-Generation war ja nur einen Tick vor mir unterwegs), weil die Wirtschaft nach der Wiedervereinigung 1990 ziemlich in der Krise steckte, gab es neben halbwegs guten Noten nur wenige Hebel, um an sichere Jobs zu kommen: Performance (erst schuften, dann verhandeln) Resilienz (auch mal runterschlucken, was einem gerade nicht passt) und Beziehungen (jemanden kennen, der jemanden kennt) verschafften einem einen guten Leumund, der einem zum Job verhalf.

Weil die Geburtenzahlen nach 1990 zu sinken begonnen hatten und heute auf deutlich niedrigerem Niveau stagnieren (2005 als letztes Gen-Z-Jahr kommt gerade mal noch auf knapp 686.000), ist die Zahl der Konkurrenten niedriger geworden. Demografie ist aber nur ein Aspekt. Die Entwicklung des Internets und speziell der sozialen Medien ist ein weiterer wirkmächtiger Faktor hinsichtlich der Sozialisierung junger Menschen. Unsere Fenster zur Welt sind VIEL, VIEL größer geworden. Unsere Möglichkeiten, sich mit Menschen von überall auf dem Globus auszutauschen sind – mit Blick aus dem Jahr 1993, als ich Abitur gemacht habe – unfassbar. Ebenso wie unsere Möglichkeiten, Informationen zu erhalten. Ich musste noch lernen, wie man mit einem Bibliotheks-Handapparat zur Recherche umgeht. Heutzutage werfe ich die Suchmaschine meiner Wahl an und bekomme in Sekunden (leider allzu häufig von LLMs schon kuratierte) Ergebnisse ausgespien, für deren mechanisches Zusammentragen ich früher Tage und Wochen der Recherche gebraucht hätte. Der Fluss der Informationen ist schneller. Allerdings ist auch die interessengeleitete Kuratierung der Informationsflüsse schneller geworden. Social Engineering durch Fake News, oder “alternative Fakten”, wie die rechten Trumpeltiere das zu nennen belieben, ist zu einer konstanten Bedrohung der Informationssicherheit geworden. In der Folge kursiert ein Mist im Netz, bzw. auf antisocial media, der sehr seltsame Blüten treibt. All das hat auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt, bzw. insbesondere auf junge Menschen, die gerade in dieser ankommen. Wir kommen jetzt in den Bereich wo die ersten Gen-Alphas demnächst in der Arbeitswelt ankommen, die keine Ahnung mehr haben, wie ‘n Wählscheibentelefon aussieht, oder welchen Wert es hat, dass das einmal auf Papier gedruckte Wort nicht mehr nachträglich verändert werden kann.

Ich bin groß geworden mit bestimmten Sicherheiten, in einer überschaubaren Welt mit leicht zu dekodierenden sozialen Standards. Als ich, gerade fertiger Rettungsassistent, meine erste Einarbeitungsschicht auf dem RTW bei meinem neuen Arbeitgeber fuhr, wurde ich morgens vom Kollegen mit den legendären Worten “Bischd du aach Assi?” begrüßt. Was so viel hieß wie “Fertig ausgebildet?”; aber auch “Bereit für diese Hood?” Ich sagte einfach “Hajo!” und damit war die Beer geschält! Heutzutage kommen die jungen Leute in einer Welt mit der Arbeit in Berührung, die nur noch wenige Sicherheiten oder gar Gewissheiten bietet. Und damit in ein Umfeld, dass einen noch höheren Konformitätsdruck erzeugt, als das früher für mich der Fall war. Du läufst heutzutage auf Schritt und Tritt Gefahr, von Taschenwanzen eingefangen und ins Netz gespieen zu werden. Egal was du tust. Und JEDE*R hat eine Meinung zu dem, was da auf dem Taschenwanzenbildschirm zu sehen ist. Von meinen “Missetaten” gibt es keine Videos – und das ist auch verdammt gut so! Die meisten jungen Leute sind nicht fauler, als andere Generationen vor ihnen; und die haben auch ihre Faulenzer hervorgebracht. Die jungen Leute sind jedoch aufmerksamer gegenüber dem Bullshit, der tendenziell an Arbeitsplätzen passiert. Sie sind, zumindest in den Branchen, in denen derzeit nach wie vor ein Arbeitnehmermarkt herrscht, eher bereit, aus dem, was sie als Bullshit empfinden Konsequenzen zu ziehen, oder Dinge für sich selbst einzufordern, weil sie den Hebel dazu haben. Und sie lassen sich weniger knechten, weil sie WISSEN, dass sie, egal wie sehr sie den Buckel krumm machen, nicht mehr dahin kommen können, wo Boomer und Gen-Xer hingekommen sind; außer sie erben eine nenneswerte Summe.

Ich muss meiner Absage an das 2.500 Jahre alte sokratische und platonische Diktum, dass die Jugend von heute “tyrannisch” wäre allerdings auch eine Prise Kritik an den jungen Menschen von heute beifügen. In einer Hinsicht sind nämlich manche, mit denen ich in der beruflichen Bildung arbeite tatsächlich fauler – nämlich, wenn es um das Verlassen der Komfortzone, also dass sich-selbst-um-etwas-bemühen geht. Ich stelle unterdessen häufig fest, dass für Aufgaben, die eigentlich dazu gedacht sind, dass die Schüler*innen sich mit einem Sachverhalt selbstständig und selbstTÄTIG auseinandersetzen sollen, LLMs zum Einsatz kommen, weil man halt keine Lust hat, sich mit dem Thema selbst auseinander zu setzen, oder aber ernsthaft glaubt, dass dazu das einmalige Durchlesen des, durch das LLM kuratierten Textes genügt. Selbst durchdenken? Fehlanzeige. Das zeigt sich dann oft genug auch in den Prüfungsleistungen. Wer sich früh angewöhnt, sich Fachwissen wirklich selbst zu erarbeiten, scored IMMER besser. Bei den anderen heißt es dann: Männer/Frauen wie wir – knapp bestanden mit vier… oder in einem halben Jahr wieder antreten. Und es ist nicht so, dass wir ihnen das nicht REGELMÄSSIG demonstrieren würden, dass die dauerhafte Nutzung von LLMs kurz- und mittelfristig zu SCHLECHTEREN kognitiven Leistungen führt. Da haben wir noch ein paar dicke Bretter zu bohren. Aber dass die jungen Leute generell faul wären, kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil bemerke ich bei nicht wenigen echte oldschool workethics. Und.. sie müssen sich ja auch nicht so ausbeuten lassen, wie das bei mir und vielen meiner Altersgenoss*innen der Fall war. Das Abendland wird jedenfalls nicht an der Gen Z oder der Gen Alpha untergehen. Wenn, dann schon eher an der ewiggestrigen Politik mancher Boomer, Gen-Xer und Millenials! In diesem Sinne – lasst euch auch in der neuen Woche nicht knechten. Der Fotzenfritz soll erst mal selbst einen ordentlichen Job hinkriegen…

Auch als Podcast…

Ein revolutionärer Akt…?

Einen Hügel auf verschlungenen Pfaden hinunter zu gehen, ist keine Revolution. Einen Hügel in einem Sessellift hinaufzufahren eigentlich auch nicht. Es sei denn, man hat wie ich Höhenangst und macht es trotzdem. Okay… der Begriff “Revolution” mag übertrieben sein; nennen wir es lieber ein Aufbegehren. Ein Aufbegehren gegen die eigenen Grenzen. Einen großen Schritt aus der eigenen Komfortzone hinaus in die wahre Welt, die sich einen Dreck darum schert, wie es uns gerade geht, ob wir immer noch im Rahmen definierter Parameter funktionieren können, oder ob wir einverstanden sind mit dem, was gerade rings um uns herum passiert. Manchmal braucht es ein Symbol, um begreifen zu können, dass wir all dem trotzdem nicht ausgeliefert sind. Dass unsere Taten – genauso wie unser Unterlassen – ihre Wirkung entfalten; nur bei weitem nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Für mich ist der Sessellift ein solches Symbol, weil er mich daran gemahnt, dass wir so gut wie immer die Wahl haben, uns unseren Ängsten zu stellen, anstatt unser Leben von Ihnen bestimmen zu lassen. Sich einer einzelnen Phobie zu stellen, mag für viele Menschen da draußen jetzt nicht nach irgendeinem Erfolg klingen, doch mich kostete es endlose Überwindung, aus der bloßen Idee eine Handlung zu generieren – und ohne die beste Ehefrau von allen, wäre ich unterwegs wahrscheinlich trotzdem schreiend aus dem Sessel gesprungen. Ich darf hier und jetzt versichern: das ist nicht passiert und wir sind hinterher ganz manierlich den Hügel wieder runterspaziert… okay, gefühlt eher gekraxelt, denn der Fußweg zu Tal war doch recht uneben. Keine Sprünge – keine Verletzungen.

Nun hat diese Handlung für mich Symbolcharakter gewonnen, die für die meisten Anderen keine nennenswerte Herausforderung darstellt, weil sie meine Angst nicht teilen. Aber was ist mit den Dingen, den Sachverhalten, die diesen anderen Menschen vermutlich Angst machen? Finden die den Mut, sich dem zu stellen? Haben die dabei auch Hilfe? Und was ist, wenn sie sich dem nicht stellen? Wird dann aus dem retrospektiv betrachtet doch leicht zu bezwingenden Hügel irgendwann ein unüberwindlicher Berg? Was ist, wenn wir gar nicht mehr nur über Ängste reden, sondern über Überzeugungen, die nicht aus Wissen, sondern im Gegenteil aus Gefühlen, Unwissen und vielleicht auch Manipulation entstanden sind? Und die dazu führen, dass man Menschen hasst, die einem objektiv betrachtet nichts getan haben? Ach… das ist doch ein viel zu weit hergeholtes Gedankenspiel. Kann man sich ja gar nicht ausmalen, dass Menschen lieber nach jemandem suchen, den sie für ihre Situation beschuldigen und hassen können, anstatt nach Lösungen für die Probleme zu suchen, die ihnen derzeit subjektiv das Leben sauer machen. Es ist doch vollkommen unrealistisch, dass Menschen sich derart von ihren Ängsten und Vorurteilen vereinnahmen lassen, dass es ihnen nicht mehr möglich ist, zu erkennen, dass das Gegenüber auch nur ein Mensch ist, der lediglich nach einem Weg durch dieses miese Spiel namens Leben sucht…? Im krassen Gegensatz zu mir begreifen diese Menschen es vermutlich als revolutionären Akt, ihren blinden Hass auf einen Wahlzettel zu erbrechen, anstatt sich die Frage zu stellen, ob es nicht vielleicht doch sinnvoll sein könnte, sich mit den tatsächlichen Problemen unserer Zeit wie dem Klimawandel, den Hitzeschäden und unseren gesamtgesellschaftlichen Antworten darauf zu befassen, anstatt dem Gefühl nachzugeben, dass wenn ich jemanden wähle, der mir die 30er des vergangenen Jahrhunderts verspricht, ich die “gute alte Zeit” zurückbekomme, in der alles einfacher war…?

Es gab und gibt keine “gute alte Zeit”. Und dereinst wird man festgestellt haben, dass sich auch in der Zukunft keine “gute alte Zeit” verbarg. Man wird aber wissen, dass, wenn man seinen unreflektierten, unherausgeforderten Ängsten folgt und die 1930er wählt, man die 1930er bekommt – inklusive politischer Säuberung, Jagd auf alle die anders aussehen, die Welt anders wahrnehmen, anders glauben, anders lieben. Wer die Diktatur wählt, weil seine Angst ihm angeblich den Weg zum klaren Denken versperrt, kann trotzdem nicht von der Schuld für das freigesprochen werden, was dann unausweichlich folgen wird. Sie – die AfD – haben es angekündigt. Sie wollen auf die Gräber der Anderen – die sie hassen wollen, weil sie sie einfach nicht verstehen können – pissen, auf diesen Gräbern tanzen. Gräbern, die sie selbst ausheben werden! Aber selbst, wenn es sich so anfühlt, als wenn die Angst manche unserer Taten diktieren müsste – wir haben IMMER die Wahl, ob wir der Angst nachgeben; oder ob wir uns unseren Ängsten stellen und versuchen, herauszufinden, ob das, was uns Angst macht denn wirklich so schlimm, so bedrohlich, so unmöglich aushaltbar ist? Um zu der Erkenntnis gelangen zu können, dass genau das NICHT der Fall ist. Es mag einem den Puls hochtreiben – aber sich dem auszusetzen, was einem Angst macht, oder was einem nicht passt führt eigentlich immer dazu, dass man sich selbst etwas eingestehen muss, nämlich die Begrenztheit der eigenen Wahrnehmung. Es gibt immer mehr zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu erfahren, zu verstehen. Wenn man es nur zulässt. Denjenigen, die noch unentschlossen sind sage ich Folgendes: Tut mir einen Gefallen morgen und macht euer Kreuz nicht bei den Blauen, weil ihr euch vor etwas Unbekanntem fürchtet oder etwas Neues nicht versteht! Dafür gibt es bessere Lösungen. Wir hören uns bald wieder.

Und denen, die so oder so die AfD wählen, weil sie davon überzeugt sind, die neuen Herrenmenschen zu sein: fahrt zur Hölle, dreckiges Faschistenpack und nehmt dabei alles mit, was auch nur im Entferntesten an euch erinnert! Hass gebiert Hass – Gewalt gebiert Gewalt. Wir werden euch jagen, denn mit den Intoleranten kann es KEINE Toleranz geben!

Auch als Podcast…

Die Verjogginghosung der Welt…?

“Kleider machen Leute”. Die gleichnamige Novelle von Gottfried Keller war in den 1980ern in der gymnasialen Mittelstufe eines der Bücher, welche wir im Deutschunterricht gelesen und interpretiert haben. Keine Ahnung, ob das heute auch noch so ist; und wenn wir ehrlich sind, muss man in der Schule auch nicht die gleichen Bücher lesen wie früher, nur weil “man das schon immer so gemacht hat”. Diese oberdummen Worte sind IMMER das schlechtest denkbare Argument, weil sie signalisieren, dass man zu den neuen Themen der jeweiligen Zeit nichts Neues mehr zu sagen hat. Jedenfalls weiß ich, dass sich seit damals in mir immer mehr Wiederstand gegen Kleidungskonventionen gebildet hat. Ich verstehe bis heute nicht, warum wir immer noch so zwischen white-collar und blue-collar-workern unterscheiden, um so zu tun, als wenn die einen mehr wert wären, als die anderen. Was für ein BULLSHIT! Zudem die schlimmsten Verbrecher IMMER Anzug tragen! Ne, ne, bleib mir mit diesem Mist vom Halse. Wenn ich einen Anzug und – Gott behüte – sogar einen Binder trage, dann tue ich das an zwei Tagen im Jahr, nämlich um den jungen Leuten im mündlichen Staatsexamen meinen Respekt für ihre Leistung zu bekunden und die Bedeutung des Tages zu markieren. Im sonstigen Geschäftsleben interessieren mich solche Äußerlichkeiten nicht. Weil es eben nur Äußerlichkeiten sind. Andere Menschen dürfen das gerne anders sehen und anders halten – sie sollten mir nur besser nicht mit irgendwelchen Vorträgen kommen, sowas löst bei mir nämlich Beißreflexe aus. Tatsächlich empfinde ich die Kleidungskonventionen im Geschäftsleben oft eher als Bigotterie, weil das, was nach Außen getragen wird und das, was innen passiert in keiner Weise zusammenpassen. Ein intrigantes Arschloch bleibt auch im feinsten Zwirn ein intrigantes Arschloch. Und ich habe schon so einige kennengelernt, gerade letzhin kamen wieder welche dazu…

Nun las ich heute etwas darüber, dass viele Menschen heutzutage die Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatleben zusehends optisch auflösen würden, weil sie unterdessen in Klamotten vor die Tür gingen, die man früher bestenfalls noch zum Sport getragen hätte, die aber eigentlich der heimischen Couch vorbehalten bleiben sollten. Karl Lagerfeld soll ja mal gesagt haben, dass jemand, der Jogginghosen trüge die Kontrolle über sein Leben verloren hätte. Das kam natürlich von einem Snob reinsten Wassers, dessen Exzentrizität gegen Ende eher seltsame Blüten trieb und den ich auf Grund seiner Entrücktheit von der echten, realen Welt kaum jemals ernst nehmen konnte. In dem Text (nun eigentlich war es ein Insta-Reel) wurde über die psychologische Wirkung gesprochen, die es nach innen und außen habe, immerzu und überall über-legere Sportbekleidung zu tragen; nämlich dass es nur noch um Bequemlichkeit ginge, dass man keine Anstrengung mehr unternehmen, keine Haltung mehr zeigen müssen wolle – gleichzeitig aber als aktiv gelesen werden wolle. Dass es zudem zeige, dass sich das Private und das Öffentliche, aber auch das Private und die Arbeit zusehends entgrenzen. Ich halte das ganz grundlegend für Quatsch. Ich denke, dass die Allermeisten, die so rumlaufen sich schlicht entweder gar keine Gedanken über ihre Bekleidungswahl machen oder aber Sportbekleidung als eine Art uniformen Trend des frühen 21. Jahrhunderts wahrnehmen und – wie so oft – einfach nur rumrennen wie der Rest. Ob sie darin dann appetitlich (also als aktiv und attraktiv gelesen) aussehen und das eventuell auch Teil eines Designs ist, mag von Fall zu Fall so sein – oder auch nicht. Und im Übrigen übersieht die Autorin völlig, dass es teils erhebliche Unterschiede zwischen Ländern gibt, so dass diese “Zeitdiagnose” einfach vollkommen ins Leere läuft. An der Kleidung ablesen zu wollen, inwieweit jemand für sich selbst das Öffentliche und das Private entgrenzt hat, ist ungefähr so wirksam, wie ein Persönlichkeitstest in der “Brigitte”.

Das, was manche Menschen heute als modische Entgleisung wahrnehmen und dann stets wahlweise den Untergang des Abendlandes oder den völligen Verlust unserer “Laitkoltur” heraufbeschwören, beruht auf der ungerechtfertigten Verabsolutierung überkommener Konventionen eines vergangenen Zeitalters. Kultur ist ein Prozess. Und es wäre ungemein wohltuend, wenn manche Menschoiden das endlich zur Kenntnis nähmen. Was nun mich betrifft, so trage ich zwar auch eher nur zu Hause überaus sportive Kleidung. Schlicht, weil ich nicht sehr sportiv bin und mich nicht unbedingt lächerlich machen möchte. Aber wie andere Menschen ansonsten herumlaufen und ob das reflektiert passiert, oder doch eher dem Umstand zu verdanken ist, dass gerade nix anderes zur Hand war… pft… who cares? Man sollte sich eh überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, nur dann über Menschen zu urteilen, wenn man sie gut genug kennengelernt hat, um sich überhaupt ein Urteil zu bilden. Getreu den Worten von Lemmy Kilmister, der sinngemäß mal gesagt hat, dass er absolut nicht verstehen könne, wie man jemanden aus einer Entfernung von einer halben Meile hassen könne. Denn solche “Zeitdiagnosen” werden recht rasch zu Werturteilen; und Werturteile benutzt man gerne, um Dichotomien zu schaffen, auf deren Basis (WIR vs. DIE) dann Ausgrenzung, Homophobie, Rassisimus, Mysogynie und der ganze andere Faschistenquatsch entstehen. Sprache schafft Bewusstsein! Kleidung schafft einfach nur, dass man nicht nackig in der Gegend rumlaufen muss. Denkt mal drüber nach Nachbarn. Schönen Samstag.

Auch als Podcast…