Addicted to gaming…?

Ich sitze hier an einem Samstagnachmittag im späten Januar vor meinen Bildschirmen und frage mich einmal mehr, ob ich gerade Zeit verschwende, oder einfach nur mein Leben lebe. Der Tag bisher bestand daraus, mit meiner Familie nicht allzu zeitig zu frühstücken, danach hat jeder ein bisschen Seins gemacht; irgendwie muss der Huzzle und Buzzle der Woche ja von einem abfallen. Irgendwann bin ich in die Küche und habe Essen aufgesetzt (Gulasch braucht ja vor allem Übung und Geduld), um während des Garvorganges ein paar KM in der Sonne spazieren zu gehen. Die Welt ringsum, so scheint es, spielt unterdessen gerade mal wieder verrückt, was ja an sich nichts Ungewöhnliches mehr ist. Das hat sie vermutlich auch früher schon getan. Heute kriegts nur jeder gleich mit. Aber irgendwie… ja irgendwie kratzt mich das alles gerade nicht. Könnte an meiner Depression liegen, die mich schon seit einem halben Jahr wieder besucht – und offensichtlich Gefallen an der Einrichtung meines Kopfes gefunden hat. Steht ja auch genug Futter rum: Stress, Ärger, Sorgen… alles von der Arbeit mitgebracht. Tatsächlich, jedenfalls fühle ich das so, ausschließlich von der Arbeit! Da ist es wenig verwunderlich, dass ich mich an diesem langsam dunkler werdenden Samstag-Nachmittag lieber mit Kram beschäftige, der mir Ablenkung verschafft und Freude bereitet. Kram, der mit dem aktuellen Zustand unserer realen Welt NICHTS zu tun hat. Also… zumindest nicht vordergründig. Doch dazu später mehr.

Ich sitze hier also und arbeite am Kampagnenjournal meiner neuesten Spielrunde. Ich darf mal wieder selbst zocken und die Geschichte fesselt mich. Könnte daran liegen, dass sich die Spieler und der Spielleiter gegenseitig die Bälle zuspielen und das Ganze so zu einer höchst kreativen Übung in kollaborativem Storytelling wird. Ich hatte in meinem letzten Post über die Verwendung von visuellen Medien in der Szenenbeschreibung gesprochen und hier ist es so, dass nicht nur der SL das tut, sondern auch manche Spieler ihren Input geben. Z. B. ich, weshalb ich gerade mit generativer KI rumbastele, um meine Ideen vom Look and Feel dieser frisch entdeckten Welt und ihrer Herausforderungen greifbarer zu machen. Und gleichzeitig das Spiel für mich selbst weiter zu spielen, wie ich es erst kürzlich im letzten Post beschrieben hatte. In den Augen mancher Menschen, wie etwa des ausschließlich zahlenfixierten aktuellen Kanzloiden, verschwende ich damit vermutlich tatsächlich gerade Zeit, die ich doch viel lieber für Wertschöpfung verwenden sollte. Das Problem ist nur – der Kanzloide kann mich mal am Arsch lecken! Ich schöpfe unter der Woche schon mehr als genug Wert. Aber wenn die vereinbarte Arbeitszeit rum ist, dann schöpfe ich lieber durch spielerisches Ausleben meiner Kreativität Kraft, um durch die Runden im Hamsterrad nicht vollständig auszubrennen und durchzuknallen. Und das bedeutet für mich, zu zocken – FUCK YEAH! Pen’n’Paper ist meine Leidenschaft, denn es gibt KEIN anderes Hobby, bei dem man soviel Spaß mit seinem Verstand und seiner Fantasie haben kann! Ob ich eventuell eine gewisse Abhängigkeit vom Zocken entwickelt habe? Möglich wär’s. Falls ja, ist diese allerdings ungefähr genauso beschaffen, wie die aller halbwegs klugen Menschen von halbwegs intelligenten Gesprächen; irgendwann hat man nämlich einfach keinen Bock mehr, sich mit Idioten abgeben zu müssen. Und von denen rennen da draußen ja nun mehr als genug rum…

Addicted to gaming? Ich nehme diese Diagnose sogar mit Stolz an und empfinde sie mehr als Auszeichnung, denn als Stigma, beweist sie doch, dass ich mir auf meine ganz spezielle Art einen gesunden Anteil meines inneren Kindes erhalten habe. Es könnte aus meiner Sicht wahrlich schlimmer kommen. Ich darf immer wieder neue Welten erforschen und mich Herausforderungen stellen, die mit erkennbaren Zielen verknüpft sind, welche einen befriedigenden Endzustand erreichen können. Etwas, das im realen Leben so gut wie nie eintritt, weil vor der Arbeit nach der Arbeit vor der Arbeit ist und die Wäsche-, Geschirr- und Rechnungsberge die mächtigsten Endgegner aller Zeiten bleiben. Davor möchte, wie ich glaube, jeder Mensch dann und wann entfliehen; Pen’n’Paper-Zocker tun dies halt auf eine sehr spezielle Art. Doch… so ganz verschwindet der Bezug zu unserer realen Welt auch im Spiel niemals. Denn die Themen und Erzählfiguren, welcher wir uns im Spiel bedienen, sind stets ein Spiegel der Realität – handeln unsere Geschichten doch oft von Bösewichten, die aus einer Überzeugung heraus handeln, dieses oder jenes für ein bestimmtes Ziel tun zu müssen. “Die schlimmsten Verbrechen werden aus den besten Absichten begangen.” ist vermutlich eine ziemlich präzise Beschreibung dessen, was unsere Welt im Kern antreibt. Putin, Trump, Netanyahu anybody…? Und das ist in den Spielwelten auch greifbar. Allerdings mit dem Unterschied, dass WIR dabei Figuren spielen, die an diesen Bedingungen durch ihr Tun etwas zu ändern vermögen. Wenngleich sie dafür oft einen hohen – fiktionalen – Preis zahlen müssen. Aber ohne Drama, ohne Spannung, ohne Konflikt gibt’s halt keine guten Geschichten. Damit die Geschichten wahrhaftig gut werden, braucht es halt den Input aller Beteiligten. Weshalb am Wochenende manche Stunde dafür drauf geht, unsere Stories weiter zu entwickeln. In diesem Sinne – always game on! And never forget the WHY…!

Der verwirrte Spielleiter N°69 – hybride Spielleitung…?

Wann immer Geschichten erzählt werden, ist unsere Phantasie gefragt. Denn erst in der einsamen Innenwelt unseres Kopfes wird eine erzählte Geschichte “wahr”, indem Bilder entstehen, welche unser je individuelles Verständnis dieser Story reflektieren. Auch beim Storytelling spielt der Konstruktivismus also eine Rolle. Denn Phantasie beschreibt den kreativen Akt, sich eine (zumeist bildliche) Vorstellung von dem zu machen, was wir gerade hören. Nun ist mein Hobby N°1 – das Pen’n’Paper-Rollenspiel – heutzutage immer noch ähnlich strukturiert, wie vor 20, 30, 40 Jahren: Es gibt eine (in einem anderen Post viel ausführlicher beschriebene) Sequenz aus: Situationsbeschreibung (SL) – Statement of Intent (Spieler) – Interpretation und Beurteilung (SL) – Würfeln (Spieler) – Erzählung der Ergebnisse (SL und Spieler), die weitestgehend immer wieder gleich ist. Wobei allerdings ein Aspekt heutzutage häufiger diskutiert wird, nämlich die Notwendigkeit des Würfelns. Also wann, wie oft und wofür man denn nun würfeln lässt, weil verkackte Würfe doch den Fortgang der Geschichte stören würden. Kann man geteilter Meinung drüber sein, denn “Failing Forward” kann auch Spaß machen. Doch strukturell ist es immer noch ähnlich zu früher, wenngleich die Geschichten heutzutage etwas “erwachsener” sind… was auch immer DAS heißen mag. Was sich allerdings in meiner Wahrnehmung ändert, ist die Art und Weise, auf welche die Situationsbeschreibung durchgeführt wird, die ja schließlich unsere Phantasie anregen soll! Früher haben wir ausschließlich das “Theatre of the mind” genutzt, also verbales Erzählen, leicht unterstützt durch Musik oder Ambience, bei manchen Leuten Raumdeko und vielleicht gelegentlich mal ein analoges Handout, um visuelle Stimmung zu erzeugen und gleichzeitig Infodumps zu transportieren. Doch heute…? Nun, heute wird die Situationsbeschreibung häufig zu einem Medienspektakel…

Ich meine das gar nicht despektierlich. Seit jedoch das Internet uns SLs eine Vielzahl an verfügbaren visuellen Stimuli liefern kann, nutzen wir diese nur zu gern, in dem Versuch, die Bilder aus UNSEREN Köpfen in die der ANDEREN zu transportieren, um so ein “Shared Model” jener Welt zu erschaffen, in der wir uns gemeinsam bewegen wollen. Das hat allerdings früher mal so, mal so funktioniert, weil es natürlich nicht zu jeder meiner Ideen ein passendes Bild gab. Bei Unterhaltungsliteratur ist es vollkommen in Ordnung, wenn selbst die Hauptcharaktere eher vage beschrieben sind, damit alle Konsumenten sie als Identifikationsfigur (oder auch als etwas anderes…) nutzen können. Doch bei TTRPGs sind gemeinsame Ideen von Orten und NPCs oftmals essentiell, da diese “Shared Imagery” Entscheidungen der Spieler beeinflussen kann! Es macht nämlich einen erheblichen Unterschied, ob ein angesagter Sprung 4m oder 20m in die Tiefe führt, wie überhaupt mögliche Wege hinein in ein Objekt und wieder hinaus aussehen, ob der Anblick des Monsters, welches gerade angegriffen werden soll vielleicht Hinweise auf dessen Stärke gibt (NEIN, ich verwende KEIN Monster Manual; meine Spieler sollen sich verdammt nochmal schwitzend fragen, womit sie es zu tun haben, anstatt in einem dämlichen Buch rumzublättern…); und ob ich diese Gegenstände, die zu looten ich gerade angesagt habe wirklich anfassen würde, wenn ich vorher ein Bild gesehen hätte… Und da kommt- zumindest bei machen Gruppen – heutzutage generative KI ins Spiel. Ich hatte vor ein paar Monaten von meinem, retrospektiv betrachtet eher frustrierenden Versuch berichtet, mit ChatGPT als SL zu spielen. Hier noch mal zum Mitschreiben: wenn man einen gewissen Anspruch an die Sache hat, kannste das einfach knicken. Wofür das Gedöns jedoch tatsächlich unterdessen taugt, ist die Erstellung von Visuals (sowohl Bilder als auch kurze Videos), die wesentlich besser meine Vorstellungen des Geschehens und der Welt wiedergeben, als es irgendwelche zusammengeklaubten Bildchen aus dem Internet je könnten – und zwar unabhängig davon, ob ich dies als Spieler oder Spielleiter tue.

Es steht außer Frage, dass dabei unter Umständen auch massenweise AI-Slop entstehen kann. Der Unterschied von Shared Imagery zur Anreicherung der eigenen Spielerfahrung zu dem AI-Slop, der teilweise irgendwelche Plattformen im Netz flutet, ist allerdings, dass die Bilder, die ich für mein Spielsitzungen erarbeite – egal, ob ich dort als Spieler oder als SL agiere – nur für mich und vielleicht den Rest der Gruppe gedacht sind! Und dass sie mir tatsächlich helfen, meine Vorstellung von bestimmten Charakteren, Szenen und Szenarien weiter zu entwickeln. Indem ich mit dem Chatprompt interagiere und meine Beschreibung immer weiter raffiniere, weil so gut wie nie der “First Shot” schon passt, befasse ich mich mit den Spielinhalten. Weil ich diese ja möglichst präzise beschreiben muss. Aus der Meta-Perspektive spiele ich damit also schon das Spiel. Und habe hinterher, mit etwas Glück auch noch ein vorzeigbares Ergebnis erzeugt, welches der Pflege eines “Shared Model” der Spielwelt dient. Wem das jetzt zu enthusisastisch klingt, den kann ich leicht beruhigen. Es gibt ein paar sinnvolle Use-cases für solche digitalen Augmentierungen des Spiels. Genauso gibt es aber ein paar Aspekte, bei denen ich niemals generative KI einsetzen würde. Etwa bei der Entwicklung meiner Geschichten, der Core-Story, des Meta-Plots, der Herausforderung des individuellen Spielabends. Die denke ich mir immer noch selbst aus. Ebenso wie meine Spielercharaktere und NPCs. Aber um ein passendes Abbild mancher Chars zu erzeugen, oder um mir Szenen zu vergegenwärtigen, ist es grandios.

Man muss das nicht tun. Auch im 21. Jahrhundert genügt das “Theatre of the mind” theoretisch immer noch vollkommen; allerdings stelle ich letzthin fest, dass es einige Spieler und SLs gibt, denen gerade taktische Szenarien leichter fallen, wenn sie ein visuelles Äquivalent haben. Mein eigenes Regelwerk nutzt, im Gegensatz zu anderen am Markt, kein tactical Battlegrid und keine Minis. Doch auch ich arbeite heute einerseits immer noch mit einfachen, analogen visuellen Medien, welche on-the-fly-Visualisierung des Terrains und anderer Aspekte zulassen (etwa meine Glasplatte mit Kreidestiften für schnelle Karten am Tisch). Weil mir selbst für kurze Sitzungen der Aufwand mit digitalen Karten einfach zu viel ist. Andererseits aber sind Virtual Table-Tops (VTTs), Distanzsitzungen via Conferencing-Tool, etc. heutzutage nicht mehr wegzudenken. Ebensowenig wie die Arbeit mit generativer KI. Ich bin also ein hybrider Spielleiter; und immerzu auf der Suche nach einer noch geschmeidigeren Lösung. Denn eines darf jede mögliche Technik am Spieltisch auf keinen Fall tun: wichtiger sein als das Spiel und seine Teilnehmer selbst! Jede Technik, gleich wie archaisch oder modern darf nur einem Zweck dienen – die Spielerfahrung für die Menschen am Tisch verbessern! Denn ansonsten kille ich den Spaß. Und DER steht immer noch im Mittelpunkt. In diesem Sinne – always game on!

New Work N°25 – Huzzle-Buzzle the Burnout-Champ!

Wenn ich in den letzten Wochen irgendetwas auf jeden Fall NICHT war, dann effektiv! Ich meine, mal ganz ehrlich, was wäre das auch – ein effektiver Urlaub? Ist das dieses medial hochglanzpolierte Action-Gezappel, bei dem telegene, schlanke Menschen in unfassbar pittoresken Kulissen jede verfügbare Minute mit irgendwelchen geilen Aktiviäten ausfüllen, die das Versprechen sofortiger, absoluter Erfüllung in sich tragen? Also quasi vom Matterhorn basejumpen direkt auf die Terasse eines Viersternehotels, wo der private Steward einen mit ‘nem schicken (aber absolut gesunden, weil alkoholfreien) Apperitivo emfpängt, um danach ein Menü aus einer dieser Hochglanzpostillen aufzufahren, wie sie in Wartebereichen ausliegen? Gefolgt von Mountainbiken, um die ganzen Kalorien zu kontern, denn man will ja begehrenswert – ähm, entschuldigung, telegen meinte ich natürlich – also… telegen zu bleiben? BÄH… GEH WEG…! Pardonnez-moi, aber fickt euch. Das geilste, absolute Erfüllung versprechende, was ich in den letzten Wochen getan habe, war sicher nicht jugendfrei, aber in jedem Fal liegend zu erledigen. Okay… ich habe auch viel gesessen, gelegentlich stand ich, oder bin ein paar KM gegangen. Aber an Fallschirme, Mountainbikes und neue, überragende Kulissen kann ich mich jetzt nicht erinnern. An gutes Essen jedoch schon – verdammt… Was ich damit sagen will? Nun, dass Effizienz VIELLEICHT in bestimmten Kontexten eine relevante Stellgröße sein kann. Aber ganz, ganz, ganz sicher nicht in der Freizeit. Denn sich soviel Zeit nehmen zu können, für jene Dinge, auf die man gerade JETZT Lust hat, ist der größte denkbare Luxus überhaupt. Effizienz hingegen bedeutet, die richtige Balance zwischen Ressourcen und Ergebnis zu suchen, um mit geringstmöglichem Einsatz von Ressourcen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen! Und Zeit ist nun mal für uns alle eine begrenzte Ressource. In der Wirtschaft kostet sie Geld; und uns Menschen kostet sie Leben!

Das will ich wieder sehen…

Ich will ehrlich sein: ALLES in mir sträubt sich dagegen, morgen wieder arbeiten gehen zu MÜSSEN! Nicht, weil ich meinen Job nicht mag. Manche Aspekte davon liegen mir sogar sehr am Herzen und machen Spaß. Andere hingegen haben auch in den zurückliegenden Urlaubstagen nicht nachgelassen, mir Kopfzerbrechen zu bereiten. Doch das Allerübelste ist, nicht mehr frei über meine Zeit verfügen zu dürfen. Nicht einfach sagen zu können: “Ich bin gerade zu diesem oder jenem inspiriert, das mache ich jetzt… das Andere kann warten!”. Denn im Grunde genommen könnte ich diese Freiheit haben, weil NICHTS in meinem Gewerk WIRKLICH zeitkritisch ist. Mein Manövrierraum wird mir jedoch durch Leute eingeengt, die meinen, mir aus niederen Beweggründen ins Handwerk pfuschen zu müssen und durch Menschen, die getroffene Absprachen kurzfristig über den Haufen werfen und die daraus unmittelbar resultierende Unmöglichkeit, für alle im Team mehr Relief zu schaffen. Oder durch die Rigidität von Strukturen, die auf dem typisch deutschen Diktum “Tradition ist Fortschritt genug!” beruhen. Kurzum – mir graust vor der kommenden Nacht, den an genau solchen Sonntagabenden finde ich üblicherweise nicht leicht in den Schlaf… wenn überhaupt! Mein Schlafbedürfnis ist unterdessen auch so eine Sache. Normalerweise pendelt sich meine Schlaflänge auf rund 8h ein, wenn ich meine Zubettgehzeit und meine Aufstehzeit frei wählen kann. Doch in den letzten Wochen waren es eher 9 – 9,5h/Nacht und ich war trotzdem häufig früh müde. Eigentlich ein unübersehbares Zeichen einer alles überschattenden, tiefgreifenden Erschöpfung. Was mache ich dagegen? Denn ab morgen wird meine Schlafzeit wieder gewalttätig auf 7 – 7,5h verkürzt. Denn ich komme einfach nicht früher zur Ruhe und muss trotzdem zwanghaft früh im Büro sein. Weil ich morgens wenigstens manche Aufgaben störungsfrei erledigen kann. Danach ist – zumindest für den extravertieren Introvertierten, der ich wohl bin – viel zu viel Huzz and Buzz ringsum. Vielleicht wäre zeitweise mehr Home-Office eine entlastende Option. Aber DAS wird eine INTERESSANTE Diskussion mit meinen Chefs…

Ich bin ausgewiesenermaßen kein großer Freund von Online-Selbsttests für dieses oder jenes Persönlichkeitsmerkmal. Und ich meine mich erinnern zu können, hier schon mehrfach sehr deutlich gemacht zu haben, was ich von Ratgeberbüchern (off-, wie online) halte. Und trotzdem habe ich mal wieder einen gemacht; also, so einen Online-Test. Ein Ratgeberbuch schreiben dauert länger… Das Ergebnis sagt, ich sollte mir Gedanken machen, weil ich möglicherweise mittelgradig von einem Burn-Out bedroht sei. Self-fulfilling Prophecy oder Wahrheit? ich werde wohl bald meinen Therapeuten darauf ansprechen müssen. Ich hatte hier neulich geschrieben, dass ich angefangen hätte, mich emotional von meiner Arbeit zu lösen. An dieser Stelle folgt nun – angemessen zerknirscht – das Eingeständnis, dass ich damit wohl doch noch keine allzugroßen Fortschritte gemacht habe. Andernfalls könnte mir das alles doch kilometerweit am Arsch vorbeigehen, nicht wahr? Tut es aber nicht, weil ich natürlich insbesondere meinem Team gegenüber eine Verantwortung verspüre, die ich nicht eben ablegen kann wie so’n gebrauchtes T-Shirt. Scheiß Arbeitsethos. Ich kann manche Dinge einfach nicht liegen lassen, weil ich dann das Gefühl bekommen, nicht zu genügen; nicht qualifiziert oder geeignet genug zu sein, für meinen Job. Versagensangst. Dabei muss ich für meinen Erfolg im Job so gut wie niemandem Danke sagen; außer vielleicht der besten Ehefrau von allen, weil sie mich immer unterstützt hat, auch wenn’s manchmal schwer war. Ich habe ziemlich hart für mein Vorankommen gearbeitet, weil ich für meine Liebsten – und natürlich auch mich – ein gutes Leben schaffen wollte; und irgendwann unterwegs habe ich verlernt, meine Erfolge zu feiern. Ich schrieb hier, wenn ich mich recht entsinne irgendwann mal, dass ich in den über 26 Jahren Einsatzdienst einen Teil meiner Seele auf den Straßen meiner Stadt gelassen hätte… in den letzten Jahren ist wohl noch ein weiterer Teil dazu gekommen. Und im Moment weiß ich ehrlich nicht, wo ich danach suchen soll. Aber hey… irgendwie geht es immer weiter, nicht wahr? Ich tue mir heute Abend noch was Gutes und dann… auf zu einem weiteren, glorreich beschissenen Arbeitsjahr 2026; auf dem Weg, endgültig zu Huzzle-Buzzle zu werden! Startet schön in die neue Woche. Wir lesen uns.

Auch als Podcast…

What’s amazing…?

Um auf den Post von vorgestern direkt Bezug zu nehmen, wollte ich heute noch anfügen, was mich selbst denn nun fasziniert, weil ich davon überzeugt bin, dass es diese Faszination ist, die mich im Kern antreibt; und zwar in fast allem, was ich tue. Ob es nun meine Aufgaben im Job sind – zumindest jene, die mich immer noch erfüllen, weil sie über all die Zeit im besten Sinne zu meiner Berufung geworden sind – oder meine Hobbies, wie das Fotografieren, das Schreiben, das Storytelling an sich; all diesem Tun wohnen einige Eigenschaften inne, die sich kaum verleugnen lassen; zumindest gegenüber jenen, die hier öfter mitlesen, bzw. mithören. Wie etwa das Bedürfnis, sich kreativ auszudrücken. Der andauernde Versuch, wenigestens ein paar Menschen zu besserem Denken anzuregen. Das innige Verlangen, ein paar wenige, dafür aber bedeutsame Beziehungen pflegen zu dürfen. Die Verpflichtung, in Wort und Tat so oft wie nur möglich wahrhaftig zu sein. Und schließlich… die Suche nach etwas Frieden für den Kampf, der immerzu in meinem Innersten tobt. Ich strebe nicht nach Macht. Ich strebe nicht nach Reichtum. Und ich strebe auch nicht nach Ruhm. Anerkennung und Respekt würden mir völlig genügen, wenngleich selbst dieses bescheidene Ziel letzthin nicht zu erreichen war. Doch davon habe ich hier schon mehr als genug geredet. Heute soll es um das gehen, was mich antreibt, was mich energetisiert, was mich weitermachen lässt und was ich BRAUCHE, um nicht wahnsinnig zu werden.

Es mag zunächst seltsam klingen, doch Ich erzähle Geschichten in fast allem und durch fast alles, was ich tue! Denn ich bin davon überzeugt, dass es uns zu besseren Menschen machen kann, all jene Geschichten entdecken zu WOLLEN, welche in den Kreaturen und Dingen um uns herum existieren. Das macht uns allerdings nicht unbedingt zu guten Menschen, denn so manches Wissen lässt sich natürlich auch missbrauchen. Jene, die sich gutgläubig solchen bösartigen Menschen öffnen, können dabei beschädigt werden! Nun sind jedoch – Gottseidank – nicht allzu viele Menschen in ihrem Kern wirklich bösartig. Kombinieren wir also Neugier mit Haltung, werden wir zu Individuen, denen Begriffe wie Solidarität und Humanität nicht fremd sind. Denn in dem Moment, da ich mein Herz bewusst für die Geschichten anderer öffne, öffne ich gleichzeitig auch meinen Geist für die Wahrheiten anderer. Auch hierin liegt eine gewisse Gefahr, weil manche subjektive “Wahrheit” unschön, verletzend und manchmal sogar hassenswert sein kann, wenn wir über Chauvinismus, Rassismus, Verschwörungsmythen und derlei Mist reden. Aber auch derlei ist – entgegen manchen Mediennarrativen – nicht allgegenwärtig. Es gibt gewiss zuviel davon, aber es gibt weit mehr gute Menschen, als man gemeinhin glauben möchte. Was ich allerdings schon lange beobachte ist, dass die Medien, auf welche Zuhörer*innen anspringen stark variieren. Manche holt man tatsächlich nur mit dem Klang der Stimme ab, manche mit audiovisuellen Reizen und anderen muss man etwas für die Finger geben. Was in bestimmten Kontexten schwieriger ist, als in anderen. Womit Storytelling eine hoch wandlungsfähige Herausforderung bleibt; das macht es für mich allerdings auch so spannend.

Wenn ich nun also sage, dass ich immerzu Geschichten erzähle, dann dienen diese natürlich nicht allesamt der Unterhaltung; wenngleich dies durchaus für einige gilt. Und ich erzähle nicht überall auf die gleiche Art. Stil, Inhalt, Darbietungsform und gewünschte Wirkung wandeln sich natürlich mit der Zusammensetzung und Größe des jeweiligen Auditoriums. Und selbstverständlich verändert sich auch mein Sprachniveau. Manchmal möchte ich Auszubildenden bzw. Teilnehmenden etwas vermitteln, manchmal möchte ich Andere für eine Idee oder ein Projekt gewinnen, manchmal möchte ich einfach nur die Stimmung heben, manchmal möchte ich Spannung aufkommen und meine Spieler am Tisch etwas erleben lassen. Storytelling ist also immer anders. Allen Geschichten wohnt jedoch eine Eigenschaft inne, die ich für unverhandelbar halte – Zugewandtheit. Ich hatte irgendwann mal meine “Three-Strikes”-Regel erwähnt, also das Menschen von mir immer einen schönen Vertrauensvorschuss erhalten – jedoch sofern sie mich drei Mal enttäuschen, sofort auf die, unterdessen sehr lange, Arschloch-Liste kommen. Die Zugewandtheit ist in meinem humanistischen Menschenbild verankert und damit eine Haltung, die für mich unverhandelbar ist. Menschen sind zuallererst Menschen (Ausnahmen hiervon mache ich nur für tyrannische Diktatoren-Arschlöcher, wie Putin, Trump, Erdogan, Netanyahu, etc. – das sind allesamt Monster, die bestenfalls einen Gnadenschuss verdient haben). Daraus erwächst, dass immer Figuren, Charaktere, Menschen aber nur sehr selten Sachen im Mittelpunkt meiner Geschichten stehen. Herausforderungen, Hindernisse, Motive, Träume, Emotionen, Entwicklung… eben das menschliche Drama ist es, dass mich fasziniert (und ja, wenn wir Fantasy Pen’n’Paper spielen, subsummiere ich das, was den Mitgliedern anderer Spezies wie Elfen, Zwergen, Orks, etc. wiederfährt auch unter menschlichem Drama).

Das ist der Kern. Außenherum finden sich die Geschichten, die aus dieser Suche nach dem menschlichen Modus, nach Drama und Entwicklung entstehen; und die manchmal witzig, manchmal spannend und manchmal auch traurig sind. Jedoch mitnichten immer so, wie ich sie geplant hatte. Gestern Abend etwa habe ich gespielleitet und zwischendrin wurde es thight für die Charaktere. Das Ende kam dann jedoch ein wenig antiklimaktisch daher, da ich den Eindruck hatte, dass jetzt noch einen Knaller draufzusetzen alle Beteiligten eher nerven als noch mal hooken würde. Ob ich damit Recht hatte, werden wir nie rausfinden. Was ich damit allerdings sagen möchte ist, dass meine Geschichten mitnichten immer so funktionieren, wie intendiert. Oder dass ich am Ende immer bekomme, was ich brauche/will. Aber der Versuch zählt, Denn, wenn ich aufhören würde, Geschichten zu erzählen, wenn ich aufhören würde, diesen – meinen – speziellen Ausdruck von Kreativität zu leben, dann würde ich vermutlich ganz und gar aufhören zu leben. Für mich ist diese Faszination, welche das Storytelling mit all seinen Facetten in mir selbst immer wieder auslöst wie Sauerstoff. Ohne Kreativität stirbt die Seele! In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen und hoffentlich wenigestens etwas kreativen Tag.

Auch als Podcast…

Next stop – fascination…!

Was bedeutet Faszination? Ich meine genügt es, von irgendetwas überrascht zu sein, um sich fasziniert zu fühlen? Muss dazu eine Erfahrung entstehen, die ich noch niemals zuvor gemacht habe? Oder kann mich auch etwas faszinieren, dass ich eigentlich bereits zu kennen glaubte? Was ist das denn überhaupt – Faszination? Und… fühlt es sich für jeden von uns gleich an? Ist überhaupt jeder von uns „faszinierbar“? Zumindest bezüglich dieser Frage denke ich eine Antwort zu haben, wenngleich auch keine befriedigende: Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir modernen Menschen die Fähigkeit verlieren, von den Dingen, die uns umgeben und denen wir begegnen, fasziniert zu werden. Das könnte an unserem üblichen Modus der Medienrezeption liegen, über den ich bereits bei mehreren Gelegenheiten gesprochen habe. Aber das ist lediglich eine Vermutung. Warum ist es dann überhaupt wert, extra darüber nachzudenken, was uns fasziniert und warum? Hilft uns die Fähigkeit fasziniert werden zu können denn bei irgendwas? Ist es für den „menschlichen Modus“ in irgendeiner Weise von Bedeutung? Und falls dem so wäre, welche individuellen Auswirkungen hätte es dann? Da habe ich nun eine Menge Fragen aufgeworfen, rings um einen Begriff, der für die meisten Menschen, wenn überhaupt nur einen, schwer zu beziffernden Stellenwert zu haben scheint. Wie so oft sind die Antworten auf all diese Fragen nicht in meinem Kopf zu finden, weil jeder und jede diese für sich selbst selbst beantworten muss, um überhaupt irgendetwas über sein Selbst herausfinden zu können. Denn eines scheint gewiss: auch Faszination ist ein höchst individuelles Thema.

Ich werde nicht nochmal auf den Modus der Medienrezeption eingehen. Dem habe ich hier neulich relativ viel Raum gewidmet. Worauf ich allerdings eingehen möchte, ist die Frage nach der Faszinierbarkeit; insbesondere unter dem Aspekt, dass ich ja eben einen nicht unerheblichen Teil der Menschen unterstellt habe, dass sie eben nicht fasziniert werden könnten. Und da sind wir schon bei einer interessanten Unterscheidung: sind wir eher fasziniert aus uns selbst heraus (aktiver Vorgang), oder werden wir fasziniert durch extrinsische Reize (passiver Vorgang)? Nach meiner persönlichen, rein anekdotischen Evidenz ist es natürlich eine Mischung aus beidem. Allerdings ist das Mischverhältnis von Mensch zu Mensch verschieden! Das hat mit den individuellen Interessen zu tun, dem Umfang des „Weltwissens“ (nicht Allgemeinbildung im klassischen Sinne, sondern Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Wissensgebieten, Kulturen und Situationen), sowie der individuellen Ausprägung insbesondere der Persönlichkeitsmerkmale „Offenheit“, „Extraversion“ und „Verträglichkeit“. Kommen wir nun zur Faszinierbarkeit zurück, so wird einem der gesunde Menschenverstand bei der Erkenntnis weiterhelfen, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Wahrnehmungen reagieren, allerdings umso leichter fasziniert sein können, je mehr sie bereit und fähig sind, sich auf Neues einzulassen… klingt komisch, ist aber so. Vor allem unter dem Aspekt, dass man Neues auch im Bekannten finden kann, wenn man die Sinne nur weit genug offenlässt. [EXKURS: Scheiß-Nazis sind also nicht nur dämliche Rassisten, Chauvinisten und Mysogynisten, sondern auch noch überaus arme Schweine, weil Veränderung ihnen Angst macht; und sie deshalb NICHT in den Genuss kommen, sich WIRKLICH faszinieren lassen zu können. Noch ein guter Grund, kein Scheiß-Nazi zu sein! EXKURS ENDE]

Nehmen wir das Beitragsild weiter oben. Ich kenne diesen Ausblick mittlerweile seit über 28 Jahren (ja, so lange wohne ich schon am gleichen Fleck, meine Fresse…); und dennoch finde ich dort, von der Balkontür in der Küche aus, immer mal wieder neue Einblicke, neue Farben, neue Details, neue Gedanken und Inspirationen, die mich immer wieder zu diesem Ort gehen und einfach nur schauen lassen. Nicht jeden Tag, aber doch immerhin oft genug, um sagen zu können, dass ich des Anblickes immer noch nicht müde geworden bin. Man könnte nun sagen, dass es einfach nur gelernte Gewohnheit ist – “Konditionierung”, wenn man so will – die mich an das allzu Bekannte fesselt, weil das allzu Bekannte uns Sicherheit gibt. Wir Menschen haben und pflegen Traditionen, weil diese uns im ewigen Zyklus einer sich stetig weiter ändernden Welt einen Anker bilden, den wir als stabilen Haltepunkt für unsere Identität nutzen können! Man könnte meine Gewohnheit, immer wieder diesen Ausblick zu studieren nun also als Ausdruck meines Sicherheitsbedürnisses im Angesicht der Unsicherheit unserer Zeit und Welt deuten. Fair Game… allerdings gibt es einen kleinen, jedoch alles entscheidenden Unterschied zwischen mir und dem Scheiß-Nazi, der auch aus seinem Küchenfenster kuckt, und ganz sicher ebenso ein Bedürfnis nach Sicherheit hat. Denn anders ist sein Hass auf alles Neue und Fremde kaum zu erklären! ICH schaue hinaus und sehe den Ausblick als das, was er ist – ein Abbild des stetigen Wandels, nicht nur der Jahreszeiten, sondern der Welt an sich. ICH sehe die Veränderungen – und auch, wenn ich nicht jede von ihnen mag, nehme ich sie an und reflektiere ihre Bedeutung für mein Sein. Der Scheiß-Nazi jedoch… der steht einfach nur da und blubbert stumpf vor sich hin, weil die Welt sich halt ändert – und er das aber partout nicht wahrhaben will! Nur, damit das an dieser Stelle klar ist: ich verstehe den Mechanismus. Aber Verstehen bedeutet keinesfalls Verständnis! Der Scheiß-Nazi bleibt immer noch ein Scheiß-Nazi, dem ich mit Ablehnung und Kampf begegnen werde.

Faszination ist also einerseits eine weitere Facette von Verständnis; und andererseits die Bereitschaft, immer wieder staunen zu können… und zu wollen! Also die aktiven Seite von Faszination zu leben. Denn, wenn ich mich immerzu nur berieseln lasse, in der Erwartung, dass irgendwas mir schon ein WOW entlocken wird, dann stirbt dieser Teil. Und damit ist es doch irgendwie auch wieder eine Meditation über Kreativität. Allerdings dieses mal mit dem Spin, dass bewusst kultivierte Kreativität in vielen Fällen auch davor schützt, sich von den falschen Predigern (Fascho-Gesocks, Bible-Basher, windige Coaches und ihr Gefolge) vereinnahmen zu lassen; nämlich indem wir weiter denken, wenn die anderen sich schon ihr rein extrinsisches WOW abgeholt haben und geblendet von Fake-Faszination anfangen, seltsame Dinge zu tun. Apropos… waren die Heiligen Drei Könige schon bei euch…? Ich wünsche einen faszinierenden Tag.

Auch als Podcast…

Etwas beweisen müssen… oder wollen…?

Was ich mittels der Produkte meiner Kreativität zu beweisen versuche…? Das es IMMER mehr als einen Blickwinkel auf die Dinge gibt. Das Schönheit in Dingen, Orten, ja sogar in Menschen verborgen liegt, die auf den ersten Blick, innen wie außen hässlich erscheinen mögen. Das eine Jede und ein Jeder ihre je eigene Wahrheit in sich tragen; und dass wir nur deshalb immer und immer wieder in Konflikte geraten, weil eines Anderen WAHRHEIT NIEMALS leicht auszuhalten ist. Doch ich möchte den Menschen zeigen, dass ein solcher Akt der Solidarität und Humanität möglich ist. Dass wir – wenigstens dann und wann – über unsere Schatten zu springen vermögen. Es ist nicht einfach, nicht selbstverständlich, nicht immer uneigennützig und auf keinen Fall einfach so zu erwarten. Aber, es ist MÖGLICH! Doch im Moment fühle ich mich gezwungen, meine Kreativität sogenannten “Kunden” zur Verfügung zu stellen, die weder meine Ideen und Ideale teilen, noch bereit sind, meine Grenzen oder auch nur meine Meinung zu tolerieren, geschweige denn zu akzeptieren. Aber ich will meine Energie nicht immerzu monetarisieren müssen! Ich will raus aus dieser konsummaterialistischen Verwertungslogik, in der alles immerzu einen Preis haben muss. Oscar Wilde schrieb einst “Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.” Mir fällt kaum ein Satz ein, der für mich derzeit mehr Wahrheit in sich trägt.

Ich will – wenigstens dann und wann – in meinen Geschichten leben und die Welt ringsum vergessen dürfen Hätte ich die Macht, über meine Zeit einfach selbst verfügen zu dürfen, würde ich heute damit anfangen, meine zwei, nach wie vor unvollendeten, Romane zu vollenden und so schleifen, bis sie mir gefallen; und dabei einen Scheiß auf diese ganzen Ratgeber-Schranzen im Internet geben, die versuchen freie Autoren so lange glatt zu schleifen, bis es nur noch Mainstream-Fiktions-Suppe gibt. Glaubt ernsthaft jemand, dass heutzutage noch irgendein Autor sich trauen würde, ein Buch wie “1984” bei einem Verlag abzugeben. Ein Buch ohne Happy-end, ohne echte Identifikationsfiguren, ohne Hoffnung. NIEMAND würde so etwas 2026 noch annehmen und abdrucken. Die wichtigste Erkenntnis für mich wäre jedoch – ich würde damit nicht aufhören bis ich wirklich fertig bin. Ich würde wahrhaft daran ARBEITEN. Denn die Arbeit, welche wir uns selbst auswählen, ist natürlich immer jene, welche uns am leichtesten fällt. Ich kann mich nicht mehr entsinnen, wann ich das letzte Mal bei meinem Lohnjob in einen echten Flow gekommen bin, der mich solange trug, bis ich merkte, dass es jetzt verdammt noch mal Zeit wäre, eine Pause zu machen; oder doch wenigstens mal etwas zu trinken, auf den stillen Ort zu gehen, o. Ä. Beim Schreiben jedoch, wenn ich erst einmal in die Geschichte eingetaucht bin, fällt mir das leicht. Da sind 3 – 4h KONZENTRIERTES Arbeiten keine Anstrengung!

Und dennoch liegt auch hierin auch eine Gefahr. Denn ich habe, wie manch anderer auch, über lange Zeit meinen Selbstwert an meinen “Erfolg” geknüpft; an die Art und Weise, wie ich von anderen wahrgenommen werde, in Abhängigkeit von meinem (beruflichen) Tun. Ich hatte mir zuerst einen “Ruf” in meinem alten Tätigkeitsfeld (Rettungsdienst und Leitstelle) aufgebaut, nur um dies danach in meinem neuen Job (berufliche Bildung) ein weiteres Mal zu tun. Doch… egal, was ich vorweisen konnte, es war – nein es IST – irgendwie zumindest für manche nie genug! Wie soll man DAS gesund überstehen? Wie soll man bei klarem Verstand bleiben, wenn regelmäßig Menschen im Vorbeigehen ALLES entwerten, woran man seine Identität geknüpft hat? Also tue ich nun das, was MIR in dieser Situation sinnvoll erscheint: ich löse mich ganz allmählich emotional vollkommen von meiner Arbeit. Es geht nicht anders! Ich habe mit meinem Team kein Problem; aber ich werde mich nicht weiterhin emotional in die Angelegenheiten eines Arbeitgebers involvieren, in dem es an einigen Stellen Menschen gibt, die mich bei erster Gelegenheit ausgelutscht ausspucken würden. Der Zug ist endgültig abgefahren! Oder anders formuliert – momentan sehe ich mich auf dem besten Weg in die innere Kündigung! Ob das reversibel ist? Wir werden sehen.

Die Kunst besteht nun darin, meine Identität wieder mit meiner Kreativität zu verheiraten. Das, was ich an Content aussende geil zu finden und nicht einfach nur aus Gewohnheit weiterzumachen. Mich wieder auf solche Dinge einlassen zu können, die sich außerhalb meiner Komfortzone befinden. Herauszufinden, was ich damit anstellen kann, ohne sofort wieder einem Verwertungszwang unterworfen zu sein. Denn dann geriete ich ja sofort wieder in die selbe, schmerzhafte Abwärtsspirale. Mittelfristig wird das bedeuten, dass ich mein Erwerbsleben anders aufstellen MUSS. Wie das gehen kann? Ich habe noch KEINEN BLASSEN SCHIMMER. Aber ich habe mich in meinem Leben schon mindestens drei Mal neu erfunden. Also habe ich ehrlich gesagt keine Angst davor. Ich muss ja niemandem etwas beweisen; außer vielleicht mir selbst. Nämlich, dass ich in jedem Fall eine Menge wert bin, auch wenn ich keine fancy Führungsposition mehr innehätte… der Gedanke verfestigt sich derzeit immer mehr. Und je länger ich auf diesem Knochen herumkaue, desto besser schmeckt er. Ob das ein guter Vorsatz für das neue Jahr ist? Ich denke schon. Und ich wünsche, dass ihr euch – ohne bleibende Schäden – schön weggeknallt habt und gut reingerutscht seid. Willkommen in einem glorreichen Jahr 2026, ihr lustigen Menschen…

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Knallt euch weg!

Woran man jeute Nachmittag merkt, dass das Jahr zu Ende geht? An der zunehmenden Menge deutlich hörbarer Böllerkulatio Preacox in meiner Hood. Da muss eine Menge kleiner Würstchen unterwegs sein, die mit großen Böllern laut knallen, um vermutlich irgendwas zu kompensieren. Wenn man sich die Kommentarspalten der antisozialen Medien in den letzten Tagen anschaut, wo irgendwelche anonymen Testostoroiden den Untergang des Abendlandes herbeiphantasieren, weil sie – vielleicht irgendwann – nicht mehr knallen dürfen, wie sie wollen, dann muss man sich schon fragen, ob wir sonst keine Probleme haben? Nur um das klarzustellen – haben wir! Soziale Ungerechtigkeit, viel zu geringe Investitionen in Bildung anstatt in Steuergeschenke für jene, die eh schon viel zu viel haben, einen versagenden Generationen-Vertrag, etcpp. Aber wir haben auch Medienhäuser in der Hand von Matriarchinnen (Liz Mohn => Bertelsmann & Friede Springer => BILD u.Ä.), die einen nicht unerheblichen Teil der deutschen Medienlandschaft kontrollieren (siehe hier wissenschaftlicher Dienst des Bundestages); und damit diverse, mehr oder weniger subtile Möglichkeiten zur Meinungsmache haben. Und indem solche Medienkonzerne jedes Jahr wieder zu bestimmten Zeitpunkten Scheingefechte zwischen Gesellschaftsgruppen inszenieren (Jung gegen Alt, Arm gegen Reich, Vegetarier/Veganer gegen Fleischfresser, Schwarze gegen Grüne, Böllerfans gegen Verbotsbefürworter, etc.) lenken sie immer und immer wieder vom Wesentlichen ab. Anstatt an sowas teilzunehmen, fragt euch lieber mal – WER profitiert von solchen Diskussionen? Kleiner Hinweis: in den allerseltensten Fällen die Mitglieder der Streitparteien… Das ist einfach nur ein Teil der modernen Version von Panem et Circenses…

Ich bin abgeschweift. Das Jahr geht zu Ende. Welches, spielt eigentlich keine Rolle mehr, wenn man ein gewisses Alter (in meinem Fall 51) erreicht hat. New Number – Same Shit! Daher habe ich auch keine Lust auf einem Rückblick. Fuck it, dieses Jahr war – zumindest beruflich – dermaßen anstrengend, emotional erschöpfend und mit viel mehr Niederlagen als Erfolgen durchsetzt, als dass man darüber noch ein weiteres Wort verlieren sollte! Ich habe nun seit dem 20.12 Urlaub – man sollte eigentlich meinen, dass diese 11 Tage ein wenig Erholung gebracht hätten. Und das ist irgendwie auch der Fall. Doch mein Frustlevel ist immer noch kaum gesunken; weil ich weiß, dass ich eigentlich meinen Urlaub kürzen und verschiedene Arbeiten erledigen müsste, damit die erste Woche nicht gleich wieder in vollkommenen Stress ausartet. ABER ICH WILL NICHT! Ich brauch meine verfickte Ruhe vor diesem ganzen Quatsch! Und vor allem vor einigen Menschen, denen überhaupt nicht klar ist, was ihre politischen Spielchen auf der einen und ihre Anspruchshaltung auf der anderen Seite mit mir machen. Der wirklich einzige Grund, warum ich nicht einfach hinschmeiße und was vollkommen Anderes mache, oder versuche mein Leben auf die Kette zu kriegen ist, dass ich (freiwillig) finanzielle Verpflichtungen gegenüber meinen Lieben eingegangen bin. Wir gehören zusammen, da kann ich nicht einfach kündigen und mal ‘n Sabbatical einlegen. Obschon ich das offenkundig mehr brauche, als IRGENDWAS ANDERES. Sollte ich heute abend im Lotto gewinnen, bin ich weg. Gottseidank für meine Kollegen ist die Chance ja bekanntermaßen nur 140.000.000 : 1…

Ich schrieb in den letzten drei Posts über Happiness; und wie ich immer wieder versuche, für mich selbst welche zu finden, zu kultivieren, zu bewahren! Man könnte die ersten zwei Abschnitte dieses Posts jetzt so lesen, als wenn ich noch eben in der Hanfabteilung des Bauhauses unterwegs gewesen wäre, um heute Abend als besonderen Rite de Passage was Dummes zu tun. Ich darf euch hier nun offiziell versichern – so ist es nicht! Denn der private Teil meines Lebens schafft derzeit einen Ausgleich, der mich den ganzen anderen Scheiß ertragen lässt. Ich konnte in den letzten Tagen die Dosis meiner Sozialkontakte weitestgehend selbst bestimmen und habe mich in den selbstgewählt einsamen Stunden Dingen hingeben, die durch die Selbstoptimierungs-Brille objektiv vollkommen nutzlos waren und immer noch sind. Die mir aber Spaß machen indem sie meine Kreativität und Fantasie erheblich anregen. Ohne diese Auszeiten stünde es allerdings mehr als nur ein bisschen finster um mich, das möchte ich zugeben. Aktuell kann ich mir nicht vorstellen, dass das kommende Jahr 2026 signifikant anders oder gar besser werden könnte, als die abgelaufene Knallcharge 2025 war… Vielleicht geht es den kleinen Würstchen draußen ja genauso wie mir, dass sie soviel Böllern müssen, um ihren Frust wegzuknallen; aber… kann man nicht auch mal anders den Frust wegknallen? Ich frag für’n Freund. Was mich betrifft, ist es ein Abend wie jeder andere auch. Möglicherweise mit etwas mehr zu essen. Wenn ich allerdings den ganzen Käse mit zuviel Hoffnung garniere, dann habe ich bis zum Ende meines Urlaubs wieder nur eine Melange aus Enttäuschung, Bauchschmerzen und aufwallendem Stress, ob all der Dinge die unerledigt auf mich warten. Ob’s das Geld wert ist? Ich frage bei Gelegenheit mal meinen Therapeuten. Bis dahin… knallt euch weg! Aber bleibt bitte an einem Stück. Wir hören uns nächstes Jahr.

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What about… happiness…? (Part 3)

An jedem Tag der vergeht, konditionieren wir uns selbst. Nicht wirklich im Pawlow’schen Sinne, aber doch nachhaltig genug, um unser Leben erheblich zu beeinflussen. Ich meine damit – zumindest im aktuellen Kontext – unseren Medienkonsum. Dass ich KEIN großer Freund der antisozialen Medien bin, kann man wissen, wenn man diesem Blog etwas länger als drei Wochen folgt. Oft rege ich mich dabei über die schwarz-blau-braunen Auswüchse auf, die unser Leben immer schwieriger machen. Aber genau jetzt möchte ich mich mit einem MÜ Kognitionspsychologie befassen. Es wird ja immer über die Aufmerksamkeits-Spanne gesprochen; und dass diese gesunken sei. Dass ist so nicht korrekt, da es bis heute keine einheitliche wissenschaftliche Definition der Aufmerksamkeits-Spanne gibt; was es jedoch gibt, ist eine Menge Forschung über das Thema (wer sowas gerne liest, folgt dem Link). Was sich jedoch recht sicher sagen lässt ist, dass sich der Modus des allgemeinen Medienkonsums verändert hat. Infos, für die man ganz früher in die Bibliothek gehen musste, oder noch vor etwas über einem Jahrzehnt den Computer zu Hause angewuchtet hat, bekommt man heute nach Sekunden von der persönlichen Taschenwanze überallhin ausgeliefert, wo es hinreichend gutes Mobilfunknetz gibt. Wenn man also mal seine Ruhe haben möchte, muss man auch im frühen 21. Jahrhundert in Deutschland nur ein Tal innerhalb eines halbwegs großen Waldgebietes aufsuchen. Als Frau Dr. Merkel 2013 mal sagte “Das Internet ist für uns alle Neuland!” bewies sie damit prophetische Fähigkeiten, denn auch heute noch gibt es eine Menge weißer Flecken auf dieser Karte. Vielleicht wusste sie aber auch einfach nur um die legendär innovationsfeindliche Bräsigkeit der Union… Aber wir waren bei der Aufmerksamkeit, nicht wahr…?

Alle möglichen Reize, welche auf unsere Primärsinne einstürmen, werden in Windeseile in den entsprechenden Zentren unseres Gehirns (vor allem im Thalamus) verarbeitet. Dabei ist vor allem eine Entscheidung wegweisend: ist es ein salienter Reiz – oder nicht? Salient bedeutet eine Wahrnehmung, die entweder neu (und damit irritierend) genug ist, unsere Aufmerksamkeit hervorzurufen – oder unser Interesse zu wecken vermag, weil sie mit anderen, vorbekannten Sachverhalten zusammenhängt und für uns daher rational von Bedeutung sein kann – oder weil wir eine Bedrohung wahrnehmen! In allen Fällen wird die Entscheidung, ob DIESER REIZ vom Sensorischen Register zur weiteren Verarbeitung ins Arbeitsgedächtnis durchgereicht wird VORBEWUSST getroffen. Innerhalb von irgendwo zwischen 150 und 500 Millisekunden weiß unser Hirn, was es damit tun möchte… Lange, bevor wir beginnen, uns bewusst mit diesem Reiz auseinandezusetzen. Funktion, Aufmachung und Content-Struktur der gängigen Social-Media-Apps sind daher darauf ausgelegt, uns in allerkürzester Zeit (man sagt. unter drei Sekunden) zu hooken. Denn andernfalls fällt der Content dem Doomscrolling zum Opfer und wird nicht rezipiert. Antisoziale Medien nutzen also schamlos den, in unseren Brains verdrahteten Sortiermechanismus aus, um uns bei der Stange zu halten. Das funktioniert, weil der Thalamus als wichtige Schaltstelle unserer Wahrnehmung eng mit dem Mesolimbischen System verkoppelt ist, wo unter anderem unsere Emotionen entstehen… insbesondere mit dem Belohnungssystem (Nucleus accumbens) und dem Angstzentrum (Amygdala). Schon mal von Internetsucht und FOMO (Fear Of Missing Out) gehört…? Jetzt wisst ihr, woher das kommt… Und ja, ich weiß, dass diese Darstellung wissenschaftlich betrachtet alles andere als komplett ist. Aber für das Verständnis des Folgenden genügt es vollkommen.

Wenn wir bestimmte Handgriffe trainieren, dann machen wir uns einerseits den Umstand zu Nutze, dass regelmäßige Wiederholung unsere psychomotorische Gedächtnisleistung verbessert. JA… immer wieder Üben hilft! Nicht allen gleich gut, aber es ist dennoch wahr. Andererseits konditionieren wir auch unser Sensorisches Register. Reize, die anfangs noch Stress oder Unbehagen ausgelöst haben, werden mit der Zeit besser erträglich. Denn indem wir uns diesen Stressoren unter kontrollierten Bedingungen aussetzen, verlieren sie nach und nach ihre Schärfe. Das steigert unsere Stressresilienz… Wenn wir nun aber Doomscrollen, dann konditionieren wir unsere Wahrnehmung in Abstimmung mit dem Belohnungssystem. Und zwar dahingehend, dass wir in der Folge immer mehr, immer knalligere Reize brauchen, um überhaupt noch eine Reaktion spüren zu können. Weshalb wir in der Folge immer länger am Gerät bleiben – und unser Sensorisches Register gegenüber jenen Wahrnehmungen abstumpfen, die vielleicht etwas mehr Zeit brauchen, ihre Wirkung zu entfalten. Wir sind dabei übrigens die ganze Zeit aufmerksam; die Aufmerksamkeits-Spanne ist nicht das Problem, sondern vielmehr die Art der Reize, auf die zu reagieren uns noch möglich ist.

Wo das – im letzten Post von mir thematisierte – Re-Framing ein aktives (Selbst)Reflektieren der eigenen Wahrnehmung erfordert, sind wir hier ein Stockwerk tiefer unterwegs. Nämlich in der Sortierstation, die es uns überhaupt erst erlaubt, Dinge wahrzunehmen, deren Beurteilung wir später reflektieren können. Das ist, was ich mit meinem Post “Verwirrt im Park” tatsächlich meinte: sich auch wieder auf Reize einlassenen zu können, die abseits des Üblichen liegen, die nicht SOFORT durch einen Dopaminschub wirksam werden, die zunächst kein Nutzpotential entfalten, sondern die einfach nur da sind und dennoch in uns etwas auslösen, dass – wenn auch erst ein paar Augenblicke später – in uns Wirkung entfaltet. Doch dazu ist eine andere Form von selbst-induzierter Konditionierung notwendig. Nämlich eine, die keine technischen Hilfsmittel braucht, sondern einfach nur den regelmäßigen Gebrauch unserer fünf Sinne…Und nein, ich rede gerade nicht über dieses ultra-nervtötende “Die kleinen Dinge wertschätzen”-Achtsamkeitsratgeber-Trallalla und irgendwelche “Musst-du-so-machen”-Rituale; sondern einfach nur darüber, BEWUSST zu leben. Dass man dabei auch mal die Taschenwanze benutzen darf, wenn man irgendwas wissen will/muss, oder eben mal jemand erreichen will/muss…. Schwamm drüber, geht mir auch so. “What about hapiness?” war die Frage. Wie wäre es mit dem Versuch, mit offenen Sinnen durch die Welt zu gehen, ein bisschen Wandel dahin zu bringen, wo es einem möglich ist und einander zu achten und zu helfen? ICH glaube ja, damit kämen wir alle verdammt viel weiter. Aber was weiß ich schon? C U soon…

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 2)

Manche Wahrnehmungen und Erfahrungenen muss man in den richtigen Kontext setzen, um mit ihnen klarkommen zu können. ICH hatte damit in letzter Zeit so meine Probleme, weil eine Vielzahl von Vorwürfen und Problemen auf mich einprasselte, von denen einige durchaus dazu geeignet waren, mein (berufliches) Selbstbild nachhaltig zu beschädigen. Üblicherweise setzen dann Denkprozesse ein; das, was wir so gerne als Selbstreflexion bezeichnen. Und Selbstreflexion ist natürlich wichtig, um sich weiter entwickeln zu können – vor allem aber, um sich selbst in unserer überaus verwirrenden Welt immer wieder neu finden und einordnen zu können. Also, mit anderen Worten, um seine Identität bewahren zu können, die ebenso wie Kultur und Glück kein statisches Ding sondern ein Prozess ist. Und damit immer wieder neu ge- und erfunden werden muss! Nun hatte ich ja gestern über Glück gesprochen. Und war zum Ende des letzten Posts auf das regelmäßig notwenige Re-Framing der individuellen Glückswahrnehmung zu sprechen gekommen. Dem halbwegs aufmerksamen Leser werden nun bereits Parallelen zu einem anderen Thema aufgefallen sein, über welches ich hier – allerdings zumeist im Zusammenhang mit Lehren und Lernen – schon häufiger gesprochen hatte. Das Wort wurde eben auch schon mehrfach gebraucht: Selbstreflexion. “Okay…” könnte die Frage nun lauten “…willst du uns etwa gerade sagen, dass man sich sein Glück herbeireflektieren kann?” Und meine Antwort darauf ist – wie so oft – ein klares JEIN.

Is this ill luck, or just happenstance…?

Gewiss können wir auf verschiedene Kontextfaktoren unseres Lebens nur in begrenztem Umfang Einfluss ausüben. Dieser Tatsache entkommen wir nicht, auch wenn hierzulande immer noch das Märchen von der Meritokratie und dem Aufstieg durch hinreichend gute Leistung erzählt wird. Die Realität ist jedoch, dass es eine unsichtbare Elite gibt, deren Zusammensetzung sich seit dem wilhelminischen Kaiserreich kaum verändert hat. Sei’s drum – DAS ist ein anderer Blogpost. Die Frage, über die nachzudenken sich allerdings wirklich lohnt ist, wie wir unsere Resllienz gegen die – durch die beschriebene Realität unausweichlichen – Herausforderungen an unsere Identität, unseren Selbstwert und auch unser Glücklichsein nachhaltig steigern können. Dass wir die Realität nicht durch Wishful Thinking verändern können (ja Leute, das sogenannte “Manifestieren” ist riesengroßer Humbug) setzen wir einfach mal als gegeben. Dass nicht alle Tage eitel Sonnenschein sein kann, ist dadurch automatisch bedingt. Jetzt kommen wir zu der Frage, ob ich für meine Glückswahrnehmung tatsächlich greifbare Erfolge brauche, oder nicht? Ich hatte im letzten Post geschrieben, dass es der SUBJEKTIVE Umfang unseres Handlungsrepertoires ist, der einen wichtigen Beitrag zum individuellen Glück leistet, indem sich hierdurch ein selbstbestimmtes Leben realisiert. Das wir auch als selbstbestimmt handelnde Individuen in einem sozialen Miteinander nicht einfach tun und lassen können, was uns gerade in den Sinn kommt, ist schon durch unsere Rechtsordnung geklärt. Also gilt es, den Blick auf die individuellen Freiheiten zu lenken, deren Ausgestaltung uns verfügbar bleibt! Man könnte jetzt enttäuscht sagen “Aber ich kann mein Glück nur in absoluter Freiheit finden!” Dann sind wir allerdings beim Libertarismus US-amerikanischer Provenienz (Republikaner). Und damit kann ICH nicht viel anfangen. Womit wir wieder beim Framing angekommen wären.

Framing bedeutet, einen Sachverhalt so neu zu beschreiben, dass andere Aspekte salient werden (also in den Vordergrund der Wahrnehmung treten). Man sollte erwähnen, dass die “dunkle Seite” (übertrieben) des Framings das Priming ist, also das gezielte extrinsische Beeinflussen durch geeignete Stimuli – etwa in der Werbung. Doch wir reden hier nur über selbstinduziertes (Re-)Framing als Technik, sich selbst gezielt für eine andere Sichtweise auf ein und das gleiche Phänomen zu sensibilisieren – nämlich durch Selbstreflexion – um sich so einem Gefühl der Ohnmacht entziehen zu können. Denn nichts killt individuelles Glück schneller als das Gefühl, unsichtbaren Mächten ausgeliefert zu sein. Man kennt diesen Satz “Warum passiert sowas immer nur mir”; wird oft und gerne gesagt, wenn mal wieder irgendetwas schief gelaufen ist. Fun Fact: es gibt eine riesige Menge Menschen, die diesen Satz jeden Tag sagen, weil jeden Tag irgendwem irgendein Mist passiert… noch ein Fun Fact: das ist kein mieses Karma, keine Strafe, keine Prüfung – in den allermeisten Fällen ist es einfach nur… Zufall. Man ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Oder die falsche Person für den Job. Oder hat eine schlechte Entscheidung getroffen, die einen jetzt einholt. Oder, oder, oder… da muss man natürlich erst mal drauf klarkommen. Gelingt dies aber, und zwar durch einen Check, ob es irgendetwas gegeben haben könnte, dass ich gegen oder für dieses oder jenes hätte tun können (und falls ja, warum ich es nicht getan habe), so senkt dies das Gefühl des Ausgeliefertseins, der Ohnmacht. Und steigert gleichsam subjektiv das Level der eigenen Selbstbestimmtheit. Und damit die eigene Glückswahrnehmung.

Das funktioniert allerdings nicht immer. Und selbst wenn es funktioniert, ist der Effekt nicht immer der gleiche. Manchmal ist es für mich mehr und manchmal weniger hilfreich. Aber… es ist nach meiner Erfahrung besser, sich auch den unangenehmen Gedanken auszusetzen, welche hierbei entstehen, weil unterdessen die Resilienz gegen solche Anfechtungen steigt. Zugegeben ist das hier kein Rat für alle Menschen. Es ist nur eine Idee, die man mal ausprobieren KÖNNTE – und deren Ergebnisse vermutlich hoch individuell ausfallen würden; weil Glück eben etwas hoch individuelles ist. Und… es ist nur eine weitere Facette. Denn zum Framing gehört die Wahrnehmung. Und über deren Aspekte sprechen wir vielleicht die Tage noch. Einstweilen wünsche ich jedoch erst mal einen schönen Vierten Advent…

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 1)

Immer wieder stolpert man über Sozialwissenschaftler, die versuchen individuelles Glück zu vermessen. Oder zumindest nationales Glück. Dabei entstehen solche Rankings wie der “World Hapiness Report”. Und immer wieder wird aus solchen Studien zitiert, wenn es um die Frage der (politischen) Befindlichkeiten der Menschen in einem Land geht. Zum Beispiel in unserem Land. Nun ist das mit solchen Umfragen so ein Ding. Natürlich versucht man mit Statistik-Mojo solche Dinge wie Befrager-Bias, sozial erwartbares Antworten, Relevanz- und Konsistenzfehler, etc. rauszurechnen. Dennoch bleiben solche Befragungen stets eine individuell hoch subjektive Angelegenheit. Denn selbst, wenn die Stichproben mit großer Sorgfalt gezogen werden, habe ich u. U. einen Haufen Bruddler oder Maniker in meinem Survey, die das Ergebnis verfälschen. Quantitative Sozialforschung ist immer mit Vorsicht zu genießen, weil es immer noch genug Leute gibt, die den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation nicht kennen. Aber selbst, wenn wir davon ausgingen, dass alle Daten super sauber erhoben und verarbeitet worden seien – eine einzelne dimensionslose Zahl wie 7,09 von maximal 10 möglichen Punkten, oder der 22. Platz weltweit (Deutschlands Werte im World Hapiness Report für 2025) sagen NICHTS darüber aus, wie es den Menschen wirklich geht. Welche Sorgen sie haben, welche Probleme zu lösen sind und welche Gründe manche haben, um unglücklicher zu sein als andere. Was ist Glück denn überhaupt? Kleiner Hinweis mit Blick auf den entsprechenden Wikipedia-Eintrag (und ich weiß, dass das keine wissenschaftlich zitierfähige Quelle ist, danke der Nachfrage) zeigt auf: es ist kompliziert!

Life ain’t a game – but sometimes you’d wish, to get just a little lucky…

Aus was auch immer individuelles Glück oder Unglück sich von Fall zu Fall ergeben mag, zwei Dinge scheinen ziemlich sicher: Glück ist kein statisches Konstrukt, sondern ein, immer wieder neu auszutarierender Teil unseres Selbst; und damit, so wie der Rest unserer Identität, auch abhängig von extrinsischen Einflüssen. Etwa unseren sozialen Beziehungen. UND es wird vom subjektiven Umfang unseres Handlungsrepertoires entscheidend beeinflusst; also der Frage, inwieweit es uns (durch die Lebensumstände oder andere Personen) gestattet ist, unser Selbst so zu entfalten, wie es uns wohl tut. (Beide Faktoren finden sich übrigens in der Self Determination Theory von Decy und Ryan wieder) Das verweist uns darauf, dass Glück nur individuell konstituiert sein kann! Denn ICH kann doch NICHT ohne Weiteres wissen, wie viel oder wenig soziale Nähe andere Menschen brauchen, welche Aspekte ihrer Persönlichkeit sich u. U. gerade in einem Umbauprozess befinden und woraus sie Ihre subjektive Kompetenz ziehen; also das Gefühl, ihren Scheiß im Griff zu haben. Welcher Scheiß auch immer jetzt gerade gemeint sein mag. Das ist auch der Grund, aus dem ich diese ganzen großkotzigen, nutzlosen Ratgeberbücher zur Persönlichkeitsentwicklung so furchtbar SCHEISSE finde. Woher zum Teufel will dieses autorenartige Geschmeiß denn wissen, welche echten Bedarfe und Bedürfnisse ein Individuum hat, ohne dieses Individdum je kennengelernt zu haben? Und wie kann man sich – diesem Faktum zum Trotze – dazu versteigen, den Leichtgläubigen allgemeingültige Glückskekse als seligmachende Erkenntnis zu verticken? Und ihnen dann auch noch Handlungsweisen aufoktoyieren wollen, die von Fall zu Fall mehr schaden als helfen? Dieser ganze Selfhelp-Humbug gehört verboten, weil er tendenziell MEHR echten therapeutischen Bedarf generiert, als er Menschen tatsächlich hilft. Gleiches gilt übrigens für diese ganzen Möchtegern-Coaches, die völlig unreguliert im Internet auf Bauernfang gehen…

Aber wir sind wieder abgeschweift, nicht wahr. Glück also… hm…? Wie wäre es dann mit Kairos, dem glücklichen Moment? Dem “die Gelegenheit beim Schopfe packen”. Doch der Kairos – wenn wir ihn als günstige Gelegenheit verstehen, etwas zu tun – funktioniert nur in Tateinheit mit Chronos, der Unaufhaltsamkeit des Vergehens alles Vergänglichen; oder, wie ich es meistens nenne, der unüberwindbaren Mauer der nächsten Sekunde. Nehmen wir an, ein Fenster zum Handeln bietet sich, doch wir wissen, dass es sich wieder schließen wird. Handeln wir? Handeln wir instinktiv und hoffen auf das Beste? Handeln wir langsam (sogar zu langsam), weil wir erst alles bedenken wollen? Und würden wir glücklicher gewesen sein, wenn wir jetzt instinktiv gehandelt hätten? Oder doch unglücklicher, weil die Fortune eine grausame Geliebte sein kann, die uns genau im richtigen Moment – nämlich unserem zu erkennen geglaubten Kairos – im Stich lässt? Wie man’s auch dreht und wendet, das Glück packen zu wollen, scheint eine sehr schwierige Angelegenheit, ist das Glück doch offensichtlich ein höchst flüchtiges, schwer zu greifendes Ding. Oder müssen wir einfach nur warten bis es zu uns kommt? Kommt es denn einfach so zu jedem? Braucht man dafür einen Lottoschein – oder einfach nur ein großes Herz und offene Sinne? Genügt es vielleicht, nahe bei jemandem zu bleiben, der offensichtlich glücklich ist, damit etwas davon auf mich abfärbt? Und… wie erkenne ich jemanden der glücklich ist denn überhaupt? Ich meine, so wenig wie wir (gottseidank) LCD-Displays auf der Stirn haben, die anzeigen, was wir gerade denken, so wenig zeigt irgendetwas an, ob wir gerade glücklich sind oder nicht. Und um hier gleich mal mit einem vollkommen idiotischen Gedanken aufzuräumen: Menschen können sehr gleichmütig oder gar glücklich aussehen und innendrin ist trotzdem Dresden, 13.02.1945… ALLES kaputtbombardiert.

Diesen Gedanken nehmen wir alsbald noch einmal auf. Doch zunächst zurück zu Kairos und Chronos; oder besser zu Chronos. Denn wir Menschen empfinden Zeit, sowohl individuell als auch situationsabhängig, höchst unterschiedlich. Und das wirkt auf unser jeweiliges Glück, von dem wir mittlerweile wissen dürften, dass es sich um ein individuell, wie auch zeit- und situationsabhängig höchst unterschiedliches GEFÜHL handelt! Wenn wir uns nun aber darauf einigen können, Glück als ein prozessuales Konstrukt verstehen zu wollen, welches durch verschiedenste Einflüsse seine Intensität und Gestalt WANDELN KANN, bzw. oft WANDELN MUSS, dann bleibt eigentlich doch nur eines übrig – nämlich unser eigenes Framing bezüglich unserer Glückswahrnehmung zu überprüfen. Na ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht – und dieses EINZIGE ist überdies weitaus komplexer, als der spröde Begriff “Framing” vermuten lässt. Daher wenden wir uns dem in einem weiteren Post zu. Bis dahin wünsche ich noch einen schönen Rest-Samstag.

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