Neues vom Märchenonkel – Rollenspiel für Dummies #4

Wenn ich von Rollenspiel spreche, denken nicht wenige Leute zuerst an kostümierte Nerds, die sich im Wald mit fast ein bisschen echt aussehenden Waffen bekriegen – die übrigens vor allem aus Schaumstoff und Latex bestehen – komisches Zeltlager spielen und alle so ähnlich wie Yoda sprechen. Oder aber, sie haben schwüle Fantasien von dem, was in der Domina Dungeon passiert im Kopf; nun ja, manches davon passiert wohl auch in als eher bieder angesehenen teutonischen Schlafzimmern landauf, landab. Oder vielleicht erinnern sie sich, meist mit dezentem Grauen, an das letzte Kommunikations- oder Teamtraining im Betrieb.

Tatsächlich finden sich Elemente des Rollenspiels in vielen alltäglichen Situationen wieder; und vice versa. Denn natürlich entlehnt sich das Agieren der Charaktere, also unserer virtuellen Persönlichkeiten seine Handlungsfiguren aus dem, was wir aus unserem normalen Leben kennen. Zwar finden hier gewisse Transponierungen und Spekulationen statt, denn ich selbst stand noch nie einem wütenden Dämon gegenüber, aber hey, ICH hätte zumindest eine Idee, was zu tun wäre, wenn… Nun gut, das ist zwar ziemlich unwahrscheinlich, aber letzten Endes bedeutet es vor allem eines: nämlich dass ich, genau wie im Hier und Jetzt, regelmäßig Entscheidungen treffen muss. Und zwar kritische Entscheidungen, von denen Wohl und Wehe meines virtuellen Alter Egos abhängt. Man könnte jetzt sagen, es ist doch bloß ein Spiel, aber wenn man ein bisschen Zeit und Herzblut in sein Hobby investiert hat, hängt man irgendwann an dem, was daraus erwächst. Nehmt doch mal einem Modellbauer sein Lieblingsstück weg!

Nun ist es im echten Leben so, dass man viele Entscheidungen auf Basis solider Informationen trifft, die man sich vorher zusammen gesucht hat. Man kauft nur höchst selten ein Auto einfach aus dem Bauch heraus, man bucht nicht mal eben den erstbesten Urlaub, man plant bei Renovierungen bzw. Umzügen die Einrichtung des heimischen Wohnraumes vorher im Geiste peinlich genau durch. Man ist stets bemüht, den goldenen Mittelweg zwischen Budget, Qualität, Design, Funktionalität zu finden. Im Rollenspiel ist das nicht so. Man bekommt manchmal einfach nicht alle Informationen oder sonstigen Ressourcen, und zwar entweder, weil der SL sie absichtlich verknappt, weil man zu blöd ist, die richtigen Fragen zu stellen, die falschen Leute fragt, oder Beobachtungen und Antworten falsch interpretiert. Nein, ich spreche nicht von der CIA und den „weapons of mass destruction“, sondern von einer stinkgewöhnlichen Sitzung, bei der es zum Beispiel darum gehen könnte, das Quartier von ein paar Gangstern auszuheben, um einen Freund rauszuhauen. Und aus all dem zuvor Gesagten resultiert, dass man nicht selten mit seinen Einschätzungen und somit auch den getroffenen Maßnahmen ziemlich daneben liegt.
Nun gab und gibt es in allen Spielrunden, mit denen ich das Vergnügen hatte das Bonmot vom „Plan X“, dem „wenn-nix-mehr-geht-geht-das!“, was einen guten Hinweis darauf gibt, dass Spieler sehr wohl mit dem Umstand vertraut sind, ihre Traumschlösser auf einer mageren Datenbasis und einem fetten Sack voll heißer Luft aufzubauen. Und das ist im Prinzip auch für alle Beteiligten vollkommen OK, so lange man sich darüber einig ist, wie harsch die Konsequenzen ausfallen dürfen, wenn ein Plan schief geht. Grundsätzlich gibt es in jedem Szenario mehrere Schlüsselsequenzen, bei denen man sich als Spielleiter zurecht gelegt haben muss, was je nach Entscheidung bzw. Erfolg/Misserfolg des/der Charaktere passieren soll. Und hier wird es interessant.

Wenn ich davon ausgehe, dass eine Fehlentscheidung als direkte Folge zum Ableben von Charakteren oder wichtigen Nichtspielercharakteren führen kann, muss dies den Spielern klar sein. Wenn ich aber einfach hingehe und sagen wir einem Char ohne Vorwarnung und Chance auf Reaktion von einem Sniper das Licht ausknipsen lasse, weil dieser mit der Tochter des örtlichen Paten angebandelt hat, dann treibe ich als SL Unfug. Actio und daraus möglicherweise resultierende Reactio müssen irgendwie für die Spieler identifizierbar sein, die einem Setting inherenten Regeln müssen, sofern sie nicht aus Büchern oder sonstigem Vorwissen ableitbar sind, so expliziert werden, dass es auch jeder mitkriegt. Denn die Entscheidungen im Kontext des Spiels müssen, so verrückt das Setting auch sein mag auf irgendeiner Basis stehen, sonst können wir es gleich ganz sein lassen. Man braucht also nicht nur spielmechanische Regeln, sondern auch soziale Regeln sowohl innerhalb der virtuellen Welt, als auch in der Welt des Spieltisches. Über die sollte man sich vorher mal Gedanken gemacht bzw. geredet haben, denn wenn einer diese missachtet, gibt es Probleme.

Ich bin ein großer Freund zweiter und gelegentlich auch mal dritter Chancen, anstatt Charaktere einfach zu killen, gebe ich ihnen – u.U. allerdings recht schmerzhafte – Denkzettel und ich versuche tunlichst, krasse Do-or-Die-Situationen mit festgelegten Lösungen zu vermeiden. Ich mag’s flexibel und undogmatisch und bin stets gewillt, meinen Spielern größtmögliche Freiheiten zu lassen, sofern sie es nicht vollkommen überziehen. Aber natürlich passieren auch mir regelmäßig Fehler und es gibt Knatsch wegen vermeidlichen Missverständnissen. Überdies gibt es, wie überall sonst im Leben, die unterschiedlichsten Naturen, die sich da am Spieltisch versammeln, was das Ganze auch nicht einfacher macht. Jedem auf seiner Ebene gerecht werden zu wollen, ist fast unmöglich, aber letztlich ist es ein Spiel und wenn man die Leute daran erinnert, dass sie nicht alleine am Zocken sind, gibt sich das meist von selbst wieder.
Nur eines macht mich immer wieder ein bisschen grantig; nämlich dass mancher Spielleiter nicht solche Flexibilität an den Tag legt, Regeln dogmatisch auslegt und sein Ding durchzieht, egal, ob das den Spielern passt oder nicht, dabei ihre Charaktere in Situationen nötigt, in denen es einfach keine Win-Situation geben kann und dann auch noch erwartet, dass es Allen gefällt, weil seine Geschichte doch so toll ist… Also ich erwarte vor allem Eines: das ich zusammen mit den anderen Spielern am Tisch u.U. vollkommen abgedrehte Ideen ausleben kann, die’s im wahren Leben so nicht gibt und damit jeder Geschichte eine vielleicht nicht eingeplante Wendung geben kann. Geht das nicht, kommt bei mir der große Frust; denn dann sollte ich mich in der Zeit besser mit den vielen Entscheidungen befassen, die mir das echte Leben abverlangt. Aber ich gebe nicht so leicht auf – always game on!

A snipet of nerdiness

Es dürfte den meisten irgendwann aufgefallen sein, dass ich den Begriff Nerd gerne häufiger benutze. Sicherlich hat auch jeder dazu ein paar irgendwie geartete Bilder im Kopf, die zumeist etwas mit Computerkenntnissen, Begeisterung für spezielle Teile der Populärkultur wie etwa Superheldencomics, Wissenschaftskenntnissen, mangelnder Sozialkompetenz, eventuell auch Fantasyrollenspiel und mangelnden körperlichen Fähigkeiten zu tun haben. Die Fernsehserie „Big Bang Theory“, deren großen Erfolg ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachte, tut ein Übriges dazu, den Begriff Nerd in eine Richtung zu drängen, in die er nicht gehört.

Manche Leute, die sich selbst mit Nachdruck als Nerds sehen möchten und das nur zu gerne in die Welt tragen, übersehen dabei allerdings, dass Übergewicht, Kathodenstrahlbräune, komplexes Wissen in für viele Andere bizarr anmutenden Wissensfeldern und eine gewisse Menschenferne einen NICHT automatisch zum Nerd machen, sondern allenfalls zu einem, mehr oder minder, funktionalen Soziopathen; sonst erst mal nix. Daran ändern auch Nerd-Tests im Netz nichts; selbst wenn ich in einem mal als „uber-cool nerd-king“ abgeschnitten habe. Hooray.

Nein, wirklich nerdig ist man erst, wenn man abseits der, von Mainstream schon vollkommen ausgelatschten, Pfade des Geistes wandeln, für sich selbst denken und entscheiden, sich für abseitige Dinge nicht der Coolness wegen interessieren und Toleranz gegenüber Andersartigkeit gleich welcher Art walten lassen kann. Ich mag Nassim Nicholas Talebs Art zu denken, weil er sagt, dass wir nichts auf Grund statistischer Modelle vorhersagen können, aber ich teile entschieden NICHT seinen Blick auf Nerds; der beschränkt sich nämlich darauf, dass sie seiner Meinung nach zwar wissenschaftlich extrem adept sind, aber zu konventionell denken würden, um seine Modelle, oder besser deren Nichtvorhandensein zu verstehen. Da hat er mich noch nicht kennen gelernt. Ich kann konventionell sein, wenn die Umstände es unbedingt erfordern, ich habe auch gelernt, mit komplexen sozialen Situationen umzugehen, aber meine Denke gehört mir, sie ist alles andere als „normal“ – aber was ist schon Normalität, ich hatte ja schon darauf hingewiesen, dass es „DIE Normalität“ nicht gibt – und sie erlaubt mir, die Dinge aus anderen Blickwinkeln zu betrachten, als jene, welche die klassische Logik oder wissenschaftliches Arbeiten erfordern.

Ich kann mich den Normen der Wissenschaft anpassen, in ihnen leben und arbeiten, weil das nun mal notwendiger Teil des Studierens ist; wer aber darob den Blick über den verbachelorten Tellerrand vergisst oder verlernt, wer sich zu sehr von Konventionen, Regeln und dem „Bestandsschutz“ des schon einmal Gedachten leiten lässt und die Originalität einpfercht, wie Schafe auf der Weide, der wird selbst zu einem der Viecher im Pferch. Da bin ich persönlich lieber der echte Nerd, suche mir ein Loch im Zaun und mache mich – zumindest gedanklich – davon, um nach meinen eigenen Wahrheiten und Gewissheiten zu suchen. Außerdem habe ich dann auch mal Zeit zum Computerbasteln, Comics lesen und Rollenspielen. Arrividerci…

Davon gekommen.

Es ist echt eine Krux mit den Nachrichten. Man bekommt, mehr oder weniger, überall das gleiche Potpourri an von „Spezialisten“ präselektierter, mainstreamig glatt geföhnter, von den missliebigen Kanten des Zweifels und der kritischen Betrachtung befreiter und dabei in einem Zuge auch gleich jeglichen echten Informationsgehaltes beraubter Bilder und Texte, welche den Eindruck zu vermitteln heischen, NICHT von den Lobbyisten jener diktiert worden zu sein, die in unserem Land wirklich die Macht in Händen halten; nämlich den so genannten Wirtschaftseliten.

Man mag diese und ähnliche von mir verlautbarte Äußerungen mit einem lässigen Schulterzucken als das verschwörungstheoretische Gefasel eines verträumten Sozialisten abtun – was im Übrigen nicht der Fall ist – sich des Umstandes versichern, dass man ja als Verfechter neoliberalen Gedankengutes doch irgendwie auf der Gewinnerseite des Lebens stehen muss, da es in dieser Agenda vollkommen egal ist, wo Wohlstand entsteht, Hauptsache man hat selbst genug davon – was eine ziemlich egoistische Ideologie darstellt – oder sich auf den Standpunkt zurück ziehen, dass man, selbst wenn man die Auswüchse des „Turbokapitalismus“ nicht gut findet, ja doch nichts daran zu ändern vermag – was als rein fatalistischer Gedanke großer Unsinn ist!

Das Problem an den Nachrichten, oder besser dem, was man als solche bezeichnet ist nicht etwa, dass sie Elitenmeinungskonform formuliert, auf seriös getrimmt dargereicht und wenig hinterfragt konsumiert werden. Denn es liegt zunächst keine verbrecherische Boshaftigkeit darin, Geld verdienen, bzw. es behalten und vermehren zu wollen; auch dann nicht, wenn es um verdammt viel Geld geht. Wenn allerdings alle Regeln so konstruiert werden, dass fast NUR jene, die schon ziemlich viel Geld haben, in ihren Unternehmungen unterstützt werden und das überdies auf Kosten der allgemeinen Wohlfahrt geschieht, haben wir ein Ungleichgewicht, dass durch gezielte Minder- oder gar Desinformation der breiten Masse der Menschen zumindest unterstützt wird. In diesem Moment verlieren „Die Nachrichten“ ihren Wert als informatives Medium und mutieren zur Propagandamaschine der Lobbyisten.

Wir alle hören gerne Geschichten und üblicherweise bevorzugen die Allermeisten solche mit Happy End. Auf dem tiefsten Grund unserer Seele liegt ein, oft allerdings nicht hör- oder sichtbar expliziertes, Bedürfnis nach Harmonie, Sicherheit, Kontinuität und Regeln, die helfen alles Vorgenannte zu bewahren. Wenn uns also vorgeblich wahre Geschichten erzählt werden, die das überaus komplexe Miteinander in unserer kontemporären Gesellschaft für uns alle schreibt, egal ob wir das wollen oder nicht, dann verlassen wir uns bei aus unserer – leider beschränkten – Sicht als hinreichend seriös einstufbaren Quellen auf die Wahrheit der Geschichten, weil wir der Wahrhaftigkeit der Erzähler und ihrer Quellen glauben. Nur dass die Quellen für uns kaum erforschbar sind, was deren Wahrhaftigkeit heftig in Zweifel geraten ließe, würden wir uns mal ein wenig öfter Gedanken darüber machen, wie beschränkt unsere großartige Informiertheit in Wirklichkeit ist!
Doch stattdessen schauen wir matt auf die Scheibe, oder lassen uns vom Gefasel der printmedialen Journaille einlullen, um uns oft genug ganz und gar unbemerkt einen Bären nach dem anderen aufbinden zu lassen. Ist das nun einfach nur traurig oder nicht doch eher schon eine Schande, dass wir unsere Medienvertreter als – nicht selten selbst unwissende – Marionetten der Lobbyisten so oft mit irgendetwas zwischem grobem Unfug und einem echten Verbrechen davon kommen lassen?

Natürlich, natürlich, ich weiß sehr wohl, dass die Medienschaffenden nicht alleine Schuld an diesem Dilemma der Verflechtung von Politik, Wirtschaft und eben den Medien sind und darüber hinaus nicht wenige Mitglieder dieser Profession sehr wohl versuchen, den Dingen auf den allzu oft für irgend jemanden schmerzhaften Grund zu gehen. Das entbindet uns als Konsumenten allerdings keinesfalls von der Verpflichtung, nicht einfach nur zu schlucken, sondern auch zumindest zu versuchen zu wissen, was wir da schlucken sollen. Machen wir im Supermarkt doch auch; wenigstens ab und zu. Sonst lassen wir nicht nur die Falschen mit ihren Untaten am Gemeinwohl davon kommen, sondern machen uns selbst einmal mehr zu Opfern, obwohl es nicht nötig wäre. Mehr echte Informiertheit lässt mehr Pluralismus zu, mehr Pluralismus bedeutet mehr Opposition gegen das anscheinend nicht Veränderbare und daraus entsteht mehr Demokratie. Denn die größte Illusion, welche „Die Nachrichten“ heute verbreiten ist jene, dass wir schon genug Demokratie hätten. Mit dem aktuellen Grad an Demokratie werden wir aber nicht davon kommen, wenn wieder mal irgendwelche so genannten Volksvertreter die Kosten des Neoliberalismus denen aufbürden wollen, die dieser eh schon ausbeutet – nämlich uns. Schönen Tag noch…

Ein Schnipsel vom Glück…?

Tja, so kommt das, wenn man rausfindet, dass für das, oberflächlich betrachtet, einfache Wort Glück in der anderen Sprache – in diesem Fall dem Englischen – mehrere Synonyme existieren, die freilich nicht alle unbedingt das Gleiche bedeuten. Man könnte zumindest sinngemäß unterscheiden zwischen dem Glück im Sinne eines glücklichen Zufalls – luck – dem sich bezahlt machenden Glück des Tüchtigen – fortune – dem Glücklichsein – happiness; und wenn man es recht betrachtet, sind das ja allesamt Aspekte dessen, was wir im Deutschen unter dem einen Wort Glück subsummieren. Oder anders formuliert, uns Deutschen langt ein Begriff vom Glück völlig. Weil wir mit mehr Glück vollkommen überfordert wären … oder?

Das die Überschrift dieses Schnipsels in Deutsch daher kommt, wäre also schon mal geklärt, bleibt noch der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es wohl genauso wenig EIN Glück geben kann, wie es EINE Normalität geben kann. Allein die Idee ist schon beknackt, weil die zunehmende Pluralisierung unserer Gesellschaft der Individualisierung der in ihr lebenden Menschen Vorschub geleistet hat (einmal mehr meinen Dank an Ulrich Beck). Also, noch mal zum Mitschreiben: Normalität ist das, was man selbst als solche definiert. Und es darf einem dabei ziemlich schnuppe sein, ob diese Definition Anderen in den Kram passt, so lange deren grundlegenden Rechte durch das Ausleben dieser Definition nicht tangiert werden. Siehe kategorischer Imperativ. Daraus folgere ich für mich höchst selbst, dass es bei Existenz meiner Normalität auch mein Glück geben kann; oder besser geben muss! Ähnlichkeiten mit dem, was andere Menschen als Glück empfinden würden, sind gewiss nicht ausgeschlossen, aber weder bewusst beabsichtigt, noch notwendig. Womit wir auch diesmal alle One-Size-Fits-All-Ratgeber mit Wonne in die Tonne treten können.

Ich persönlich finde Glück, abhängig von der Situation in den unterschiedlichsten Dingen. Manchmal in etwas Tangiblem, manchmal einfach nur in einem – für meine Augen – perfekten Anblick oder einem – für meine Empfindung – perfekten Augenblick. Was auch Glück als nichts statisches, sondern als prozessual, als im Fluss, als immer wieder neues und immer wieder andersgestaltiges Phänomen erscheinen lässt. Sich also stets wieder darauf einlassen zu müssen, sein eigenes Glück neu zu suchen – und hoffentlich auch zu finden – ist zweifellos anstrengend, jedoch notwendig. Denn einer, oder auch viele Andere können mir nur in begrenztem Maße helfen, herauszufinden, was für mich richtig und wichtig ist. Sie können für mich richtig und mir wichtig sein, aber das kann ich nur selbst entscheiden; eben immer wieder auf’s Neue. Das macht Glück aber auch spannend. So spannend, wie ein Leben halt ist. Glückliche Zeit noch…

Einfach mal so…

Sich treiben lassen, nicht genau planen, wohin die Reise gehen soll, ganz gleich ob es sich um eine lange Fahrt oder nur einen kurzen Spaziergang dreht, die Dinge auf sich zukommen lassen, ohne Hast, ohne Eile, vor allem ohne das seltsam omnipräsente Gefühl des „Etwas-Verpassens“, das offensichtlich unsere Leben smart durchdringt. „Smart“ – was ist das überhaupt für ein Wort, z.B. für Dinge, welche doch allerhöchstens so smart sein können, wie der- bzw. diejenige, die sie bedienen, oder?

Malcolm Gladwell, der bekannte Journalist und Autor schrieb in seinem Buch „What the Dog Saw“ über Ron Popeil, den US-amerikanischen „König der Direktvermarkter“. In dem Artikel, den er irgendwann eigentlich mal für „The New Yorker“ geschrieben hatte, kommt er zu dem Schluss, dass wenn jemand wie Popeil, der – so banal das jetzt auch klingen mag – Küchengeräte direkt verkauft, die er selbst entwickelt hat, Dinge des alltäglichen Gebrauchs designen würde, diese so aussähen und funktionierten, dass ein Marktschreier wie er sie durch bloßes Demonstrieren mit seinen Händen und seiner Stimme jedem erklären könnte. Gladwells Beipiel ist der Videorekorder, aber denken wir mal einen Moment darüber nach, wie viele Funktionen unserer Smartphones wir tatsächlich regelmäßig und vor allem effektiv nutzen? Erschreckender Gedanke, dass ich einen Hunderte Euro teuren Haufen Elektronik nicht selten mehr oder weniger nutzlos mit mir rumschleppe…

Und die Beschäftigung mit E-Junk unterschiedlichster Natur ist nur ein Beispiel, wie wir uns unserer eigenen Lebenszeit berauben, obschon es soviel zu sehen und zu erleben gäbe. Dies soll jetzt bei Leibe kein Aufruf zum absoluten Müßiggang sein, denn so ziemlich jedem dürfte klar sein, dass es ohne ein Mindestmaß an Arbeit um des Broterwerbes Willen halt nicht geht. Zumindest nicht in einer Gesellschaft, die so funktioniert, wie die Unsere. Die Frage, ob diese Art des Funktionierens gut oder schlecht ist, muss an dieser Stelle von meiner Seite unbeantwortet bleiben. Aber denken sie ruhig selbst darüber nach.

Was jedoch nun das sich „einfach mal so“ treiben lassen angeht, habe ich selbst dieser Tage die Feststellung gemacht, dass das Schicksal, gleich ob man diesem nun die Funktion einer höheren Macht zuschreibt, oder aber es eher ganz profan als Manifestation des Prinzips Zufall ansieht, einen manchmal zielsicher an den richtigen Ort bugsiert. Ich ging des Morgens in einer halbwegs fremden Stadt umher, sah mal hierhin, mal dorthin, entdeckte einen zauberhaften antiquarischen Buchladen, trieb dennoch weiter und landete, eine ganze Weile später wieder vor diesem Feilbieter bedruckten Papiers, woraufhin ich eintrat und nach nicht allzu langem Stöbern tatsächlich fand, wonach ich nicht einmal bewusst gesucht hatte: eben jenes Buch von Malcolm Gladwell und etwas anderes, dass mir bei einer just jetzt anstehenden Entscheidung hinsichtlich meines Studiums hilfreich sein wird.

Es fasziniert mich, übrigens auch jetzt noch, dass ich mir einfach mal die Zeit nehmen konnte, mich gleich hernach in ein Café zu setzen und bei einem Kaffee mit Schischi – meine ganz persönliche Bezeichnung für Latte macchiato – in den gerade erworbenen Büchern schmökern zu dürfen, um dabei auch noch zum Schreiben inspiriert zu werden. Gleichwohl ich gerade jetzt eigentlich an einer Hausarbeit für’s Studium zu arbeiten hätte, machen derlei Erfahrungen auf ungeheuerliche Weise meinen Kopf frei und geben mir neue Energie; Energie, ohne welche die anderen Aufgaben im Moment nicht zu schaffen wären. Und genau das muss man sich manchmal zugestehen: für sich selbst einzusehen, dass es im Moment SO nicht weitergeht und man für den Reboot neue Perspektiven, neue Kraft und neue Muße braucht. Alle diese Dinge benötigen wiederum nach meiner Erfahrung ein wenig unverplante Zeit und Gelegenheit zum Müßiggang. Faul sein macht zwar nicht notwendiger Weise kreativ, aber es kann sehr hilfreich sein. Mal sehen, was noch so passiert…

Verantwortlich!

Ja, ja, es sind immer die Lebensumstände, die schwere Kindheit, der Kampf gegen sich selbst und die ach so ungerechte Umwelt, die Notwendigkeit, seine Vergangenheit zu bewältigen, sich selbst zu überwinden und vorwärts zu gehen, zu obsiegen und immer obenauf zu reiten, auch wenn der Wind mal von vorne weht. Da wo so Einer ist, da ist VORNE; ja, das sind schon ganz besondere Qualitäten, die so einen Mann ausmachen, der wirklich alles im Leben aus eigener Kraft erreichen konnte – und dabei Alles und Jeden um sich herum für seine Zwecke instrumentalisiert, bis auf’s Mark beschissen und belogen hat! Von wem ich rede? Nun, vermutlich von jenem bajuwarischen Juwel, diesem Rundlederverliebten Arroganzling, dem der Stern vollkommen unnötiger Weise einen ellenlangen Artikel gewidmet hat, der irgendwie ein bisschen wie eine Rechtfertigung aussieht…

Eine gottverdammte Rechtfertigung? Für jemanden, der sich immer gerne als ordentlichen Kerl hingestellt und im gleichen Moment die Solidargemeinschaft und damit jeden Einzelnen von uns betrogen hat? So jemand verdient den Spielmannsfluch – totgeschwiegen und still entsorgt, dass ist die einzige Art, mit solcher Realitäts- und Volkesferne umzugehen. Verdienste? Ja sicher, der Mann hat sehr geschickt aus einem kleinen Fußball-Klüblein eine weltweit beachtete Gelddruckmaschine gemacht, die Einigen wenigen ein hübsches Sümmchen einbringt. Mir nicht, und es ist im Übrigen nur Fußball. Es geht um Männer (und Gott sei dank mittlerweile auch Frauen) die einem Ball hinterher laufen. Tja. Ich finde es schön, wenn Jenen, die sich für derlei interessieren, sich dafür begeistern können, sportlich was geboten wird, schließlich geht es um Unterhaltung, um Eskapismus und die wohltuende Illusion, mit dem sportlichen Erfolg SEINER Mannschaft verbunden zu sein; ja vielleicht sogar ein ganz kleines bisschen dazu beigetragen zu haben. Wenn nicht gerade rivalisierende Fanblöcke anfangen, sich gegenseitig die Schädel einschlagen, eine wirklich nette und vergleichsweise harmlose Art, sich den Nachmittag / Abend zu vertreiben. Ich muss gestehen, ich habe nie verstanden, wie man dafür soviel Kohle ausgeben kann, aber hey, ich habe auch Hobbys, die Andere wahrscheinlich Banane finden.

Aber dieser Typ, der managed halt so eine Mannschaft, die ihre Bälle recht erfolgreich über’s Grün schiebt. Er hat Anteil daran, dass dieser Erfolg zustande kommt, aber es ist ja nicht so, dass er ein Hilfsprojekt für von Armut bedrohte Kinder leitet. Und in allererster Linie geht es hier um Kohle. Denn solange die Mannschaft so erfolgreich bleibt, fließt das Spice – euer Spice, ihr Narren! Für Karten, für Pay-TV, für Franchise-Artikel. Wie gesagt, jedem das Seine, Fußballfanatiker zu sein hat ja auch Tradition in unseren Breiten. Aber dieser Mann verdient keinen Respekt dafür, dass er betrogen hat, sondern eine ordentliche Tracht Prügel und eine saftige Nachzahlung leisten zu müssen! Sonst nix! Tatsächlich aber wird er immer noch als eventuell läuterungsfähiges Rest-Idol stilisiert, als wenn es niemanden gäbe, der nach seinem Abgang die Lücke füllen könnte. Dabei stehen die nächsten Abzocker schon parat…

Lieber Himmel, wenn wir Vorbilder brauchen, sollten wir sie mitnichten in den Chefetagen irgendwelcher privatwirtschaftlich geführter Unternehmen oder Vereine suchen, denn da finden wir höchstwahrscheinlich Vereinsmeier mit mehr oder weniger gut gezügelter krimineller Energie. Ich weiß auch nicht so recht, wo man gute Vorbilder findet, aber ICH gebe mir wenigstens Mühe und suche nach welchen, die ein bisschen nachhaltiger funktionieren als dieser unnötige Kicker – wie hieß der doch gleich noch…

Märchenonkel reloaded – Rollenspiel für Dummies #3

Ich erzähle gerne Geschichten. Ich meine jetzt damit nicht das Seemansgarn, welches manche meiner Kollegen im Beruf gerne zu Besten – manchmal leider allerdings auch zu Schlechtesten – geben; also buntest ausgeschmückte Blaulichtgeschichten, die mit jedem Jahr, das vergeht noch ein bisschen bunter, ausgeflippter, irrer und/oder heldenhafter werden. Sondern vielmehr jene Sorte, die man eher dem Großgebiet der Fantastik zuordnen würde. Nennt es Science-Fiction, Fantasy, Cyberpunk, Splatter, Crossover, Superheros & Supervillains, oder was auch immer, Hauptsache bleibt dabei, dass es nicht zu nahe an meiner persönlichen Lebensrealität dran ist und mir, sowie auch meinen Zuhörern Spaß macht. Ich hatte es schon gelegentlich erwähnt, ich bin Pen&Paper-Rollenspieler und bei diesem Hobby geht es eben genau darum, nämlich gemeinsam Geschichten zu erzählen.

Über die technische Handhabung des Spiels hatte ich schon referiert, also den Umstand, dass man Regeln braucht, damit alle auf der gleichen Basis agieren können, dass man kritische Situationen – man erinnere sich, NICHT der allmorgendliche Weg zur Arbeit, wohl aber die Verfolgungsjagd – auf verschiedene Art handhaben kann, sehr oft aber Würfel hierbei eine Rolle spielen und das der Spielleiter zwar die Eckpunkte der Geschichte erzählt, allerdings die Spieler mit ihren Aktionen die Story verändern, voran- oder aber auch quer-treiben können und somit aktiven Einfluss auf die Umwelt ihrer Charaktere, also der virtuellen Spielfiguren haben. Allerdings ist der mögliche Grad der Einflussnahme ein durchaus nicht wenig konfliktträchtiger Part der Spielgestaltung, da hier Prämissen, Wünsche und Ideologien aufeinander treffen, die gelegentlich nur schwer kompatibel zu bekommen sind.

Leute, die sich schwerpunktmäßig mit Spieltheorie und weniger mit dem Spielen an sich befassen – nach meiner Erfahrung bekommen jene, welche X Spielstile und Y Regelwerke beurteilen zu können glauben nur selten das bessere Rollenspiel hin, was auch immer das in deren Agenda sein mag – benutzen hier gerne das Wort „Erzählrecht“. Dogmatisch verstanden könnte man sagen, dass eben die Aufteilung dieses Erzählrechts zu Beginn des Spiels ausgehandelt und dann stringent eingehalten werden muss, damit sich niemand ungerecht behandelt fühlt. Und da kommen auch schon die ersten Nazgul angaloppiert und versauen einem echt den Tag! Was ist eine gerechte Aufteilung? Der Referee erzählt und nur innerhalb der jeweiligen Spielsituation dürfen die Spieler bzw. ihre Charaktere tun, was sie wollen, sofern es mit dem Verlauf der Geschichte halbwegs konform geht? Oder der Spielleiter gibt nur ein paar Handlungspunkte vor und die Spieler suchen sich dann ihren Weg und handeln ihre „Stimmrechte“ jedes Mal neu aus? Muss man solche Stimmrechte überhaupt von Anfang an vergeben, oder bleiben sie einfach beim SL und er teilt diese Situationsabhängig zu? Will überhaupt jeder ein solches Erzählrecht, oder lassen sich nicht manche einfach lieber vom Referee und/oder ihren Mitspielern „berieseln“ und stellen stets meine Lieblingsfrage: „Kann ich nicht einfach würfeln?“? Klar könnt ihr einfach würfeln, dann muss ich mir aber viel mehr aufschreiben und wieder anfangen, meine Abenteuer/Kampagnen durchzuplanen, worauf ich keinen Bock habe, weil andere Teile der Spielergruppe dann nämlich alsbald das große Murren anfangen, weil IHNEN das aber alles viel zu eng gefasst ist. So ist das mit Prämissen und Wünschen. Von Ideologien will ich noch gar nicht sofort zu reden anfangen.

Ich persönlich schätze es als Spieler, wie auch als Spielleiter, wenn für die Charaktere die Chance besteht, aktiv etwas an ihrer Spielumgebung zu ändern; unter Umständen auch Parameter des Metaplots, ansonsten verlieren nämlich insbesondere diese als episch angelegte Spielszenarien – also die vom Typus „Welche Welt müssen wir denn heute retten?“ – irgendwann ihren Witz, oder sogar gleich ihre Daseinsberechtigung. Niemand will das leckere Essen nur gezeigt bekommen, um dann zusehen zu müssen, wie ein anderer ihm/ihr was vorkaut! Das gilt übrigens nicht nur für die Möglichkeit zur echten Einflussnahme, sondern auch für solche Dinge, wie etwa vom SL ewig lange über wichtige Details des einen selbst betreffenden Teils des Metaplots im Unklaren gelassen zu werden. Eine gewisse Bedrohlichkeit ist in bestimmten Settings einfach ein Muss, man kann es aber auch übertreiben! Ebenso, wie ich es HASSE, wenn die Charaktere bezüglich ihrer verfügbaren Ressourcen die ganze Zeit an der ultrakurzen Leine gehalten werden, aber einen harten Brocken nach dem Anderen zu knacken bekommen; oder aber man ihnen mit den Klunkern vor der Nase rumwedelt, nur um sie dann von einem Anderen abkarren zu lassen. Ein oder zwei Mal ist das ganz OK, danach wird es einfach nur albern, weil sich irgendwann Motivation ins Gegenteil verkehrt, getreu dem Motto: „Kriegen wir ja eh wieder nix von…“

Doch zurück zum Erzählrecht. Wenn ein Spieler etwas in den Plot/das Setting einflechtet, das irgendwie passt, dass stimmig erzählt wird und das die Sache voran bringt, warum sollte ich dann auf mein Recht als SL pochen und es unterbinden? Wichtig ist, das sich dabei niemand benachteiligt fühlt, alle ihren Spaß haben und die Geschichte auch weiterhin funktioniert bzw. sich entwickeln kann. Sind diese Faktoren erfüllt, hat bei mir jeder das Recht zu erzählen. Allerdings würde ich mir das gleiche Recht auch als Spieler wünschen. Aus zwei Gründen: Keine Geschichte ist in Stein gemeisselt! Keine Regel ist in Stein gemeisselt! Was im gedanklichen Kontext des jeweiligen Spielszenarios eine berechtigte Chance auf Erfolg haben könnte, muss auch probiert werden können dürfen! Basta!

Mancher Spielleiter – und vermutlich auch mancher Mitspieler – hasst mich, weil ich a) immer eine Spotlighthure war und bin und b) Sachen versuche, die in keinem Regelbuch VERBOTEN sind. Das mit der Rampensau ist so ’ne Charaktersache, da kann ich einfach nicht anders. Und was das flexible Dehnen von Regeln angeht, bzw. die so nirgends beschriebene Kombination verschiedener Fertigkeiten – ja mein Gott, wenn der Spieldesigner nicht dran gedacht hat, ist er selber schuld! Ob ich damit die Spielbalance schädige, oder nur meinen Charakter, liegt im Ermessen des Spielleiters, aber ehrlich gesagt stehe ich drauf, wenn ich auch mal echt verrückte Sachen probieren darf. Darum zocke ich schon seit fast 25 Jahren: Hier darf ich verrückt sein und Verrücktes tun, ohne dass es irgendjemandem weh tut! Darum – always game on!

A snipet of awareness

Ich habe ein neues Lieblingshasswort: Achtsamkeit! Oh, wie ich mich freue, wenn die Medien, in diesem Fall namentlich der Stern, einen neuen Trend ausgemacht haben und dann voll auf der Welle surfen, um sich möglichst hipp und lebensnah positionieren zu können. Ist aber doch auch so, dass die Menschen ja wirklich viel zu wenig Acht auf sich geben. Sie essen zu viel, sie essen das Falsche, treiben zu wenig Sport, haben zu viel Stress, zu große Karrieresorgen, werden zu oft krank, blablablablabla…

Ja, die Menschen haben Sorgen; zum Beispiel, dass unsere Politiker immer weiter unsere Zukunft verbrennen, um jetzt auf Pump Jenen, die sowieso schon vollauf saturiert sein müssten, noch ein paar schöne Schaufeln obendrauf legen zu können. Oder dass man sich anschickt, die Bürgerbevormundung noch ein bisschen auszubauen, anstatt sich mal dazu zu äußern, was für Konzepte denn nun tatsächlich zu nachhaltigerem Wirtschaften führen könnten. Dass sich niemand traut, der nach wie vor Amok laufenden Finanzwirtschaft sinnvolle Beschränkungen aufzuerlegen, da sie doch eh nichts anderes tut, als Scheinwerte zu generieren, denen keine effektive Wertschöpfung gegenüber steht. Dass Lobbyismus einen höheren Stellenwert genießt, als das Gemeinwohl. Und so weiter und so fort.

Ich lebe selbst nicht so gesund, wie es gut für mich wäre, was allerdings nicht dem Umstand zu verdanken ist, dass ich dafür kein Problembewusstsein hätte, sondern dass auch mich der Stress zu manchen Zeiten aufzufressen droht, dass ich an manchen Tagen vor Sorgen kaum ein noch aus weiß und beim besten Willen keine Energie aufbringen kann, jetzt ins Fitnessstudio zu rennen, denn auf meinem Schreibtisch wartet Lektüre für’s Studium, weil lebenslanges Lernen das Modell ist, mit dem die EU zu einem wettbewerbsfähigeren Wirtschaftsraum werden will; woraus folgt, dass ich auch wettbewerbsfähiger werden muss, sonst ist es irgendwann Essig mit dem Lebensunterhalt. Ich habe keine Karrieresorgen, ich habe Existenzsorgen – und deswegen habe ich Stress, werde krank und esse das Falsche und davon auch noch zuviel. UND ich bin mir dessen bewusst.

Ich habe kein Problem mit der Achtsamkeit, ich habe ein Problem damit, dass jeder meint mir sagen zu müssen, worauf ich jetzt gerade Acht zu haben hätte, ohne jedoch zu wissen, was jetzt für mich gerade Priorität hat. Wenn diese ganzen Konsumverblendeten Lifestylebesserwisser endlich mal die Schnauze halten und sich echten Themen widmen würden, fänden vielleicht mehr sinnvolle Dinge ihren Weg zwischen Deckblatt und letzte Seite. Zweifellos kommt den Medien auch eine gewisse Bildungsfunktion zu, aber so lange die Entfremdung von der Lebensrealität des weitaus größten Teils der hiesigen Bevölkerung immer noch auf gleich bleibend hohem Niveau stagniert, stünde es manchen Printmedien besser zu Gesicht, auf den erhobenen Zeigefinger zu verzichten. Überdies – und das ist wirklich ein wichtiger Aspekt von Achtsamkeit – kommt man viel zu selten zu dem Schluss, dass wir vor allem Achtsamer MITEINANDER umgehen sollten. Denn das Soziale ist der einzige Ort, wo nachhaltig wirksame Achtsamkeit entsteht – auf einander, auf meine Umwelt und schließlich auch, gleichsam als Reflexion, auf mich selbst! Au Revoir!