Mehrschichtige Nachlese

Sechs Wochen eines durchaus nicht einfachen Schulblocks unserer ersten Klasse im Distanzunterricht sind vorbei; und das Resümee ist aus meiner Sicht ambivalent. Ich bin davon überzeugt, dass wir Fortschritte gemacht haben: die Schülerinnen und Schüler (SuS) hinsichtlich ihrer beruflichen Entwicklung und die Lehrenden, was das Transponieren Ihrer didaktischen Fähigkeiten in die digitale Welt angeht. Andererseits muss ich zu zugeben, dass mich manche Situationen negativ überrascht haben. Ich nehme daher drei wichtige Erkenntnisse aus dem abgelaufenen Schulblock mit:

  • Zukünftig verbindlichere Ansagen hinsichtlich der Rahmenbedingungen von Unterricht und Prüfungen treffen. Es ist immer noch Unterricht und der muss immer noch bestimmten (auch gesetzlichen ) Ansprüchen genügen. Das schafft für beide Seiten Transparenz.
  • Abstimmung des Workloads verfeinern. Nicht unbedingt für die SuS, das war so weit in Ordnung. Aber die Lehrenden mussten feststellen, dass der Arbeitsbedarf für das Übertragen des Unterrichts in die Digitalität unterschätzt wurde. In einigen Fällen sogar dramatisch. Insgesamt wird der Bedarf für Vor- und Nachbereitung des Unterrichtes in Berufsfachschulen oft und gerne klein geredet. Insbesondere, wenn es dabei auch noch um Personalschlüssel geht…
  • Die eigene digitale Methodenvielfalt noch verbessern. Videopräsentationen, Padlets, Online-Lernzielkontrollen, Desktop Publishing, sind schon ok. Podcasten kann ich auch, aber bei Lehrvideos gehen noch zwei drei Schippen mehr. Und H5P ist noch nicht zu meinem Freund geworden…

Wie ich hier so an meinem Schreibtisch stehe und diese Zeilen schreibe, während es draußen zwar deutlich kühler geworden ist, als noch Anfang der Woche, aber immer noch sonnig genug, um als angenehm empfunden werden zu können, brodelt es in mir. Und das gleich aus mehreren Gründen. Die aktuell gültige Corona-Allgemeinverordnung verbietet es mir, meine Schwiegereltern zusammen mit meiner Frau und den Kindern zu besuchen. Man muss dazu wissen, dass meine kleinere Tochter heute Geburtstag hat und meine Schwiegereltern deswegen eingeladen haben, noch die alte Regel im Kopf, dass Verwandte in grader Linie ja trotzdem dürfen. So was nennt man Dilemma. Wie ich damit umgehe, habe ich noch nicht abschließend mit mir selbst geklärt, werde es hier aber – aus hoffentlich verständlichen Gründen – auch bestimmt nicht mitteilen. (By the way: einer der Nachbarn meiner Schwiegereltern ist ein A****, mit dem mein Schwiegervater im Clinch liegt; der taugt bestimmt super als Blockwart.)

Ein anderer Punkt betrifft die beste Ehefrau von allen. Also, nicht sie selbst, sondern etwas, dass sie getan hat und das mich jetzt zugegebenermaßen nervt. Eine Person aus ihrem Arbeitsumfeld führte im ganzen letzten Jahr dazu, dass ich mir ihre zunehmend genervten Schilderungen des Verhaltens dieser Person anhören musste. Schließlich hat sie das in einem Fachforum im Internet kundgetan, dass irgendwie ableitbar war, um wen es dabei geht – das war zwar nicht clever, aber menschlich verständlich. Dafür hat sie nun einen Mini-Shitstorm geerntet, der wiederum bis zu mir durchdringt – und ganz ehrlich: ein paar Leute würde ich gerne schütteln! Z. B die Person, deren Gedankenlosigkeit und Egoismus zu so viel Frust geführt haben; und die jetzt auch noch eine Entschuldigung verlangt. Oder andere Menschen am Arbeitsplatz, die keine Konsequenz gegenüber dem gedankenlosen Verhalten dieser Person gezeigt haben. Denn diese Ansammlung an Indolenz, Egoismus und Gedankenlosigkeit VERSAUT MIR IN DER KONSEQUENZ VERDAMMT NOCHEINS MEIN WOCHENENDE! Und auf sowas kann ich gar nicht…

Zweifellos müssen immer mehrere Menschen Fehler machen, bis es zu sowas kommt und wer ohne Schnitzel ist, werfe das erste Schwein. Aber man darf im Arbeitsumfeld so ganz allgemein erwarten, dass a) Auszubildende sich an Anweisungen und Regularien halten und b) Ausbilder auch Anweisungen erteilen, Regularien aufstellen und deren Nichtbeachtung sanktionieren. Passiert Beides nicht in erwartbarem Umfang, darf man sich nicht wundern, wenn es am Schluss nicht so gut läuft, wie es hätte laufen können, wenn alle ihren Pflichten nachgekommen wären. Das ist in meinem Arbeitsumfeld im Übrigen ganz genau so. Ich verweise auf das oben Gesagte bezüglich verbindlicher Aussagen. Verbindlichkeit ist im Ausbildungsverhältnis nicht etwa eine von diesen ewig gestrigen, preußischen Tugenden, die der Gängelung der Auszubildenden dienen, sondern eine Richtschnur, die für alle Beteiligten Klarheit schafft.

Merkt man, dass ich koche? GUT! Klartext: die betreffende Person interessiert mich nicht! Ihr weiterer Weg interessiert mich nicht! Und was diese Person über meine Worte denkt, interessiert mich auch nicht! Aber weiter meine Frau zu gängeln und mir damit das Leben sauer zu machen, wäre für mich die deutliche Äußerung des Wunsches nach Ärger! Mal schauen, ob ich mir dieses beschissene Wochenende noch schön saufen kann. Bleibt sauber und gesund. Tollen Tag noch.

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