Rettung für alle?

Ich weiß nicht, ob ich’s da noch länger aushalte. Es gibt tatsächlich Menschen an einem meiner Arbeitsorte, die noch der schrägen Meinung sind, dass eine Trennung der Rettungsdienstbereiche Mannheim und Heidelberg eine gute Idee wäre. Diese Meinung teile ich explizit nicht! Und ich bin es satt, mich diesbezüglich stets bedeckt zu halten, weil es mir eine Herzensangelegenheit ist, diesen Leuten zu sagen, dass sie offenkundig nicht alle Tassen im Schrank haben!

Meine diesbezügliche Unfreundlichkeit liegt vor allem in den, von diesen Kollegen vorgetragenen Rechtfertigungen für eine Trennung begründet: sie wollen zum Beispiel nicht mehr mit den ganzen Assis aus Mannheim telefonieren. Auch der Umstand, dass speziell der Mannheimer Morgen, repräsentiert durch Herrn Ragge, keine Gelegenheit auslässt, sich in teilweise tendenziöser Art negativ über die ILS Rhein-Neckar auszulassen, wird bei solchen Gelegenheiten gerne angeführt. Ich gebe zu, meine Replik bezüglich der Klientel in Heidelberg war auch nicht gerade freundlich, aber wenn man lokal-patriotische Anfälle oder übertriebene Polemik über die typischen Kunden in den Leitungen einer Notfall-Institution mal bei Seite lässt, bleibt an harten Sachgründen nicht allzu viel übrig.

Es ist sonst nicht mein Stil, auf diese Art in die Offensive zu gehen, aber hier kann ich nicht anders, da selbst persönlich vorgetragene Sach-Argumente offensichtlich nicht verfangen. Und gute Gründe, das bestehende Konstrukt „ILS Rhein-Neckar“ weiter zu entwickeln, anstatt es auseinander reißen zu wollen, gibt es einige:

  • Synergie-Effekte bei der Disposition der sowieso knappen Rettungsmittel
  • Kurze Kommunikationswege bei Schadens-Lagen aller Art.
  • Großer gemeinsamer Personal-Pool
  • Standardisierung der Procedere
  • Etablierte Zusammenarbeit mit Nachbarleitstellen, etc.

Natürlich gibt es auf der Soll-Seite auch noch einiges zu tun, aber von Seiten der Politik einfach mal zu verkünden, dass man trennt, ohne ein Konzept, oder eine Ahnung davon zu haben, was dieses Vorhaben im Detail bedeutet ist schlicht kurzsichtig; und da wäre vor allem eines, worüber man zuerst hätte reden müssen, nämlich ein riesiger Haufen Kosten. Vor dessen Erstattung hat man im Übrigen, wie stets, den Finanzierungsvorbehalt der Krankenversicherer gesetzt, die einem rein politisch motivierten Vorhaben wenig Liebe entgegen zu bringen scheinen. Neben den Kosten für die Vor- und Unterhaltung doppelter Leitstellen-Strukturen  taucht auch noch die Notwendigkeit erweiterter Rettungsmittel-Vorhaltung an den Schnittlinien auf, weil ja Synergien wegfallen.

Erscheint ein solcher Schritt in Zeiten klammer Kassen im Gesundheitswesen sinnvoll? Insbesondere, wenn es eigentlich seit Jahren ausgesprochene Landespolitische Linie ist, Leitstellenbereiche zusammenfassen zu wollen? Ich denke, nein, aber so was wollen meine Kollegen nicht hören. Und deshalb reibe ich es ihnen nun öffentlich unter die Nase. Auch wenn das Echo vielleicht nicht so gut ausfällt. Denn ich habe es satt, hier verhöhnt, für dumm verkauft und ausgenutzt zu werden!

Ein Mann sagt, er sei Feministin…

… und das ist so absurder Blödsinn, dass ich ihm sagen muss, dass er ein Depp ist. Der früher halbwegs bekannte Moderator Nilz Bokelberg durfte auf Zeit Online einen Artikel veröffentlichen, in dem er sich darüber beklagt, dass seine Tochter (wohl kurz vor’m Abitur) so wenig Chancen im Leben hat, nur weil sie halt das falsche Geschlecht hat. Er reitet dann auf dem Gender Pay Gap herum und regt sich tierisch darüber auf, dass sie vor verschlossene Türen laufen wird, egal wie gut sie dereinst ausgebildet sein wird. Meine Fresse, wie kann man nur so arrogant und blind sein.

Ja, es gibt sie immer noch die ungleiche Bezahlung. und ja, es gibt für Frauen in vielen Betrieben gläserne Decken. Ich hatte die Tage darüber gesprochen, dass man dem durch eine bessere Durchsetzung von Tarifverträgen und eine sinnvollere Sozialpolitik besser entgegen treten kann, als durch Quotierung; aber es will ja keiner ran, an die Lobbyisten. Was mich jedoch richtig wütend macht, ist das jemand, der so gut vernetzt ist (vulgo über Vitamin B verfügt) und seinem Kind zudem noch jede Menge soziales Kapital mitgibt (lest euren Bourdieu noch mal, verdammt) dann auch noch öffentlich so tut, als stünde seine Tochter vor den gleichen Problemen, wie die Tochter einer Alleinerziehenden mit drei 450-Euro-Jobs, die froh sein kann,wenn das Nötigste zur Verfügung steht.

Keine Ahnung von Deutschland, aber die Fresse aufreißen bis zum Anschlag: „Ich bin Vater und ich bin Feministin.“ Ein Scheiß bist du! Es gibt so viele Dinge, die man tun kann, um sich für eine Verbesserung der – in der Tat immer noch beklagenswerten – Situation hinsichtlich der Gleichberechtigung einzusetzen. Rumzujammern, dass es der eigenen Tochter vielleicht so schlecht gehen wird ist jedoch kein probates Mittel.

Wie wäre es, wenn Herr Bokelberg seine Medienpräsenz ernsthaft dafür einsetzte, dass auch unterprivilegierte Mädchen und junge Frauen eine Chance bekommen; z.B. bei einem Medienunternehmen, oder Ähnlichem… Aber das verlangt dann wohl doch etwas mehr Arbeit, als mal schnell einen Artikel hinzurotzen, oder.

Ich frage mich auch, ob meine Töchter irgendwann auf solche Probleme stoßen werden. Meine gegenwärtige Strategie besteht darin, sie darauf vorzubereiten und ihnen so viel Rüstzeug mitzugeben, wie geht, ohne ihre Kindheit zu killen. Außerdem tue ich mein Teil wenn es um Aus- und Fortbildung geht (heißt, ich versuche Gleichberechtigung zu leben). Und alles weitere (was ich noch tun kann, findet sich. Allerdings hat meine Stimme auch keine solche Reichweite, wie von diesem Ex-VIVA-Heini. Schönen Tag noch.

Keiner macht mir Drogen!

Als ich anfing, Blaulichtauto zu fahren, da gab es, zumindest gefühlt, einen Haufen Einsätze mit Junkies. Ich hatte zu Beginn meiner Karriere als Healthcare Professional ein sehr bigottes, sicherlich auch von meiner jugendlichen Naivität gefärbtes Weltbild. Dieses sagte mir, dass Drogenkonsumenten böse seien und aus eigener Schuld auf der Schattenseite unserer Gesellschaft wandeln würden.

Was für ein Bullshit! Menschen die aDrogen konsumieren, sind in allererster Linie Menschen … die Drogen konsumieren!

Mal ganz davon abgesehen, dass Drogenkonsum damals nur problematisiert wurde – und auch heute zumeist nur negativ dargestellt wird – wenn es sich um illegale Drogen handelt. Von den Millionen Hektolitern Bier, Wein und Schnaps, die jährlich durch teutonische Kehlen rinnen, wird immer nur berichtet, wenn es sich für irgendeine sinn- und nutzlose Blaulichtdokusoap als „Action“ eignet; womit wir wieder beim bigotten Weltbild wären, habe ich doch damals auch gerne mal einen weggezecht. Von Tabak wollen wir gar nicht erst reden.

Man hat erst angefangen, auch gegen diese Kulturdrogen zu schießen, als man feststellen musste, dass der volkswirtschaftliche Schaden, welchen harter oder auch riskanter Konsum anrichten können, unsere Shareholder jährlich einen Haufen Penunze kostet. Volksgesundheit? Dass ich keinen Lachflash kriege. Es geht niemals um den Menschen, sondern immer nur um die Kohle. Nichtsdestotrotz werden die meisten Menschen immer noch hysterisch, wenn die Sprache auf so genannte harte Drogen kommt. Freunde der Nacht; „zu Tode gehascht!“? Echt jetzt? Keine Ahnung von Pharmakologie, aber mir erzählen wollen, wie Drogen wirken, was sie im Menschen anrichten, wie gefährlich sie sind und dass man ja von Crack und Meth beim ersten Mal süchtig wird…

Hinsichtlich solcher Legenden und der sozialen Implikationen des Gebrauchs von Drogen hätte ich folgende Leseempfehlung im Angebot: Dr. Carl Hart, High Price: Drugs, Neuroscience, and Discovering Myself. Das Buch handelt zwar in/von den USA, die Schlussfolgerungen, die vom Autor hinsichtlich der sozialen Folgen der Kriminalisierung von Drogen gezogen werden, gelten jedoch in Deutschland ebenso, wenn auch nicht im gleichen Umfang. Dennoch ist es bedenkenswert, wenn die politische Diskussion um teilweise Legalisierung, Fixer-Stuben, Substitutions-Programme und ähnliches wieder von den Ewiggestrigen dominiert wird, die der Meinung sind, dass ihr Weltbild auch die soziale Realität der anderen dominieren muss. Diese Typen gehen in den Anden nach Machu Picchu wandern, würden ihren Wanderführer aber in Good Old Germany einlochen lassen, weil er Coca-Blätter kaut; eine jahrtausendealte Kulturdroge, die bei uns halt zufällig als Kokain bekannt geworden ist. Und schon wieder sind wir bei bigott.

Die Gründe für Drogenkonsum – sei es Alkohol, Tabak, oder eine x-beliebige von den bösen anderen Substanzen – sind so mannigfaltig wie die Menschen und ihre Lebens-Umstände. JA, zweifellos muss man den Konsum im Auge behalten und regulieren. Aber das reine Prohibition nicht funktioniert, haben gerade die USA von 1920 bis 1933 mehr als schlagend bewiesen. Das einzige, was der 18 Zusatzartikel der Verfassung bewirkt hat, war ein Anstieg der organisierten Kriminalität (oder was denkt ihr, wie Al Capone so reich und berüchtigt geworden ist?).

Nutzer und kleine Dealer einzulochen, ist genauso sinnfrei (ein paar Stunden später sind sie eh wieder draußen), wie es unnötige Arbeit für unsere Ermittlungsbehörden erzeugt. Und die Großdealer kriegt man sowieso so gut wie nie. Warum also nicht diese ganze Illegalität austrocknen, in dem man den Konsum unter staatliche Kontrolle stellt und Psychologen, Sozialarbeiter und Juristen darüber wachen lässt, so wie in Portugal. Wenn Menschen etwas konsumieren wollen, tun sie das, egal, ob es legal ist oder nicht. So zu tun, als ob das allesamt Verbrechen wären, nutzt aber keinem.

Denn indem ich diese Menschen kriminalisiere, schließe ich sie von der Teilhabe an der Gesellschaft aus, ohne herausgefunden zu haben, wie wertvoll sie eventuell für diese sein könnten. Das ist dumm, wenn ich doch Fachkräftemangel beklage und überdies die Kosten bedenke, die dieser tägliche Kleinkrieg gegen die Drogen erzeugt. Der dabei erzeugte volkswirtschaftliche Schaden wiegt viel schwerer, als der durch Alkohol und Tabak. Denkt doch einfach mal drüber nach.Gute Nacht.

Bin ich ein Spießer?

Ich weiß gar nicht so recht, ob dieser Begriff – früher mal als Schimpfwort für die Ewiggestrigen verstanden – heute überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat. Wer sich ein bisschen mit Sozialwissenschaft auskennt, dem ist bewusst, dass es die früher gerne propagierten „Klassen“ gar nicht mehr gibt, sondern dass man das jetzt „Sozialmilieu“ nennt und das die Unterscheidung in „besitzend“ und „nicht besitzend“ mit Bezug auf Produktionsmittel im Marx’schen Sinne wohl kein taugliches Unterscheidungsmerkmal mehr ist. Daraus folgt, dass sich die Unterscheidungskriterien für eine soziale Einordnung teilweise verflüchtigt haben. An denen hat man übrigens früher auch die Parteipräferenz ablesen können (wollen). Wenn man bedenkt, dass Mannheim-Nord früher eine rote Hochburg war, ist ein AfD-Direktmandat dort zunächst ein wenig irritierend, oder?

Ist es nicht, denn es gibt ja keine klassische Arbeiterklasse mehr, die SPD wählt. Die gab es übrigens noch nie. Kleinbürgerliche Milieus (das, was man gerne als Spießer beschimpft hat), waren schon immer an Beständigkeit, Besitzstandswahrung und dem Erhalt bestimmter Normen und Werte interessiert. Früher, in Zeiten des Überflusses und der Zollbarrieren bedeutete die SPD für den kleinen Mann diesbezüglich sowas wie eine sichere Bank. Aber die Zeiten ändern sich und speziell die fast schon auferstanden geglaubten Sozen haben nie ein passendes Narrativ für ihre ehemaligen Anhänger gefunden, dass diesen Wandel und was er so mit sich bringen würde in positiven Bezug zur Partei und deren Handeln hätte setzen können. Sie konnten einfach nicht erklären, was da mit der Welt passiert, was das für Deutschland bedeutet und wie sie damit umgehen würden, um es für die Menschen ein wenig leichter zu machen. Denn schwerer wird es für die einfachen Leute in einer globalisierten Welt von ganz alleine.

Spießer, das waren früher diese eher proletarischen Kleinbürger und die Mittelschicht, die sich eher durch den Wirtschaftsliberalismus der CDU (oder auch der FDP) repräsentiert sahen. Heute ist die Welt nicht mehr so einfach. Heute könnte man einen Spießer aber als eher wertkonservativen, an Besitzstandswahrung in Einklang mit ökologischen Gesichtspunkten orientierten und die Zukunft eher ängstlich beobachtenden Menschen beschreiben. Schließlich kann man bei ständigem Konsum der Nachrichten nur zu dem Schluss kommen, dass unser Lebensstil dem Untergang geweiht ist.

Ich sage bewusst Lebensstil, denn wir verwechseln unsere Art zu leben gerne mit Leitkultur. Was bitte schön hat an meiner Art zu leben die Qualität, Standard für die Allgemeinheit sein zu können, bzw. zu müssen; was auch immer „die Allgemeinheit“ sein soll. Ich teile meinen Lebensstil, oder das, was man nach außen davon mitbekommen kann mit vielen anderen Landsleuten, aber das macht diesen weder besser, noch schlechter, als irgendeinen anderen.

Was nun die Frage nach meiner Spießigkeit angeht: ich möchte bestimmte Werte und Normen auch geschützt sehen; zum Beispiel Demokratie, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit (zumindest das gleichwohl geringe Maß, welches gegenwärtig zu realisieren wir im Stande sind), und noch einiges mehr. Ich würde mich freuen, wenn unser Staatswesen auch fürderhin die Rahmenbedingungen böte, in denen ich mit meiner Arbeit einen substantiellen Beitrag zum Unterhalt meiner Familie erbringen kann. Und ich fände es schön, wenn wir endlich zu mehr Nachhaltigkeit und ökologischer Orientierung beim wirtschaften kämen.

Ich habe jedoch KEINE Angst vor der Zukunft und ich denke, dass wir uns in mancherlei Hinsicht endlich vorwärts bewegen müssen (insbesondere bei der Energiewende, der Stadtplanung und der individuellen Mobilität); und dabei gleich noch die Macht der Lobbyisten brechen. Das ist der Schlüssel dazu, die endlose Gewaltspirale beim geopolitischen Kampf-Schach zu brechen, das es in den meisten Fällen nur gibt, weil Interessengruppen aus Habgier Einfluss auf die Politik nehmen können. Ich bin also eher ein Halb-Spießer. Ich hoffe, dass ist für euch ein Anfang. Vielleicht schaffe ich es ja noch, mich ganz zu entspießern, bevor ich erwachsen werde. Bin ja erst 43…

Urlaub mit Kindern…

Jeder, der Kinder im Alter meiner Töchter hat (sie sind gegenwärtig 4 und 8 Jahre alt) kennt das: Man möchte sich im Urlaub mal etwas anschauen und kaum, dass der Motor ein paar Minuten läuft, geht das Genöle los. Sind wir bald da? Müssen wir da hin? Mir ist schlecht! Ich habe Hunger! Und so weiter und so fort. Wir Erwachsenen sagen dann, ja das muss, denn alle Tage in der Sonne liegen bis man gar ist, oder im Pool dümpeln, bis die Haut schrumpelig wird verliert irgendwann, zumindest für meine Frau und mich, seinen Reiz. Ich will nicht sagen, dass eine kleine Portion Müßiggang nicht sehr erholsam wäre. Ab und zu auch gerne eine Große. Aber ich kann nicht 14 Tage am Stück, oder gar länger einfach nur auf der faulen Haut liegen und gar nichts tun; mein Gehirn fängt nämlich, wenn’s nix zu schaffen hat irgendwann ganz von alleine an, zu joggen, weil es Bewegung braucht.

Auch mein Körper kann Bewegung gut gebrauchen, aber wenn mein Geist nix zu tun kriegt, werde ich recht schnell mufflig. Die Welt unserer Kinder jedoch dreht sich um vollkommen andere Bedürfnisse. Die interessieren sich nicht für Kulturschätze und alte Steine. Die Faszination jener Profan- oder Sakralbauten, bei denen es mich im Auslösefinger meiner Kamera juckt, kann meine Kinder bislang nur selten erfassen; und Museen gehen gar nicht. Was also tun, sprach Papa?

Wir versuchen es mittlerweile – allerdings mit sehr stark variierendem Erfolg – mit einem halbwegs guten Mix, der den Kindern genug Zeit für den Pool und anderes lässt, planen Essenspausen ein und beziehen sie in manche Entscheidungen mit ein. Wer selbst gesagt hat, er möchte da noch hoch marschieren, tut sich hinterher mit dem Nölen (etwas) schwerer. Immerhin, während die Kinder ihren Spielen und sonstigem nachgehen, komme ich dazu, zur Abwechslung mal wieder etwas zu lesen, dass mit meinem Studium nichts zu tun hat. Dieses neigt sich ja Gott sei’s gedankt, auch dem Ende zu.

Der Geist ist gefüttert, der Körper bewegt – läuft also. Wenn jedoch jemand noch ein paar gute Tipps für mich hätte, wie man die lieben Kleinen (Blagen) noch etwas besser compliant bekommt, wäöre ich durchaus dankbar. Aber bitte nur ernst gemeinte Zuschriften. Denn Haldol als Raumspray wird nie eine Zulassung bekommen… 😉

TEAM – Toll, ein Anderer macht‘s…?

Es ist schon ein Kreuz in unserer modernen Welt. Permanent wird von einem verlangt, dass man mit anderen zusammenarbeitet. Dauernd werden Aufgaben gesplittet und/oder neu zugeschnitten, Zuständigkeiten hin- und hergeschoben und Ziele neu definiert. Ich arbeite in einer Branche, in der solche Dinge eigentlich kaum vorkommen, denn als Healthcare Professional ist man zumeist, zumindest in dem Segment, in dem ich seit langer Zeit tätig bin, unter Tage (manchmal auch über die Nacht) sein eigener Chef. Zumindest so lange man nicht in die Verlegenheit kommt, irgendetwas organisieren zu müssen. Ab dem Moment allerdings, da einem Koordinationsaufgaben zukommen, ist es mit der Ruhe und Gemütlichkeit vorbei.

Koordinieren bedeutet in aller Regel, dass man dafür sorgt, dass unterschiedliche Komponenten bzw. Menschen in komplexen Organisationen gut miteinander funktionieren. Oder aber die Schnittstellen zu anderen Organisationen dasselbe tun. Klingt einfach, oder? Wenn man heutzutage irgendwelche Periodika liest, die sich auch mit der Arbeitswelt befassen, dann wirkt es so, als wenn mittlerweile jeder Mensch nur noch mit Kreativsein oder Koordinieren beschäftigt wäre. Was für ein Bullshit! Denn die allermeisten Menschen überschätzen Ihre individuelle Wichtigkeit – und vor allem die Relevanz ihrer geleisteten Arbeit. Sachbearbeitung ist eine todlangweilige Angelegenheit und Bürokommunikation ist oft unnötig weitschweifig und wenig zielorientiert. Manchmal muss man über Sachverhalte reden, die eigentlich die ventilierte Luft nicht wert sind – schlicht weil Menschen halt Menschen sind und es manchmal nicht auf die Reihe bekommen, privates und geschäftliches sauber zu trennen. Zumindest in sozialen Berufen ist dies scheinbar dauernd der Fall.

Mein Job ist kaum anders. Ich habe drei unterschiedliche Einsatzbereiche und zwei davon haben viel mit Kommunikation und Koordination zu tun. Über den einen rede ich nicht mehr sehr gerne, weil ich damit – zumindest mental – abgeschlossen habe. An einem Ort, an dem Engagement und Mitdenken sogar bestraft werden, investiere ich nur noch so viel Aufwand, wie unbedingt notwendig, um mit einem halbwegs guten Gewissen nach Hause gehen zu können. Gott sei Dank ist dies ein Ort, an dem ich nur noch selten eingesetzt werde. An meinem Hauptarbeitsplatz jedoch, den ich sehr gerne aufsuche entstehen in letzter Zeit auch Probleme, die mir zu denken geben.

Natürlich haben diese Probleme mit einigen der Menschen zu tun, auf die ich dort regelmäßig treffe. Die Büroeinrichtung hat mir jedenfalls noch nie etwas getan. Arbeitgeber im Gesundheitswesen neigen dazu Menschen anzuziehen, die ein gewisses Maß an Individualismus und, nun sagen wir mal „Schrägheit“ an den Tag legen. Die tatsächlich eher flachen Hierarchien und üblichen Sozialformen scheinen einem bestimmten Menschenschlag eine gute Heimat zu bieten. Jedenfalls liegt das Problem in der – wie oben bereits erwähnt – überall geforderten Teamarbeit. Auf dem Rettungswagen ist das zumeist kein Thema, denn es gibt eng umrissene Ziele und Wege dahin. Wenn es allerdings um betriebliche Bildungs-Koordination geht…

Sagen wir mal so. Jeder kann größere Teamorientierung fordern. Tun sie alle, dauernd, vehement. Diese Teamorientierung auch zu leben, vulgo größtmögliche Informationstransparenz herzustellen, damit immer alle die notwendigen Infos und Ressourcen zur Verfügung haben, klappt allerdings nicht so gut. Ob das nun daran liegt, dass ein Team mit drei Alphas einfach nicht funktionieren kann, weil jeder meint, die größte Regelungskompetenz innezuhaben, oder doch eher an unterschiedlichen Mindsets der Protagonisten, weiß ich nicht. Ich kenne meine eigenen Fehler gut genug, um zu wissen, dass ich diesbezüglich definitiv keinen Heiligenschein aufhabe. Aber was mich ankäst, sind Menschen, die mehr Teamorientierung einfordern, im Gegenzug ihre eigene Bringschuld jedoch in keinster Weise erfüllen. Da hört der Spaß auf!

Was ich jetzt deswegen mache? Noch keine Ahnung, aber so geht das nicht weiter…

FSJB (Frühsoziale Jugendbildung)

Es ist wahnsinnig schwierig herauszufinden, was man mit seinem Leben anstellen möchte. Ich meine, man absolviert die Schule, man rauft sich dort mit Menschen zusammen, die einen über mehrere Jahre als Konstante begleiten, einen auch mit sozialisieren. Man schließt Freund- und Feindschaften, findet langsam heraus, wie die Welt, zumindest im Kleinen funktioniert; und kaum, dass man sich angekommen wähnt und überdies so halbwegs erwachsen, kriegt man einen Tritt in den Arsch und soll genau das sein: erwachen. Und am besten auch genauso handeln. Was bedeutet, dass man einen Plan braucht, was als nächstes geschehen soll. Man wurde ja schließlich bis zu 13 lange Jahre mit durchgefüttert und auf Brauchbarkeit für den Verwertungsorientierten Teil des Schulsystems gedrillt. Denn nicht für die Schule, sondern für das (Erwerbs)Leben lernen wir…

Da stehen die jungen Menschen nun und sollen auf Anhieb wissen, wie ihr Lebensplan aussieht. Damit sie wenigstens eine Chance bekommen, ihre Nützlichkeit für die Gesellschaft zu beweisen, dürfen sie ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) ableisten. Was bedeutet, dass sie mit einer Minimal-Ausbildung irgendeine, zumeist einfache Tätigkeit im Gesundheitswesen ausüben und dabei einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz zumindest teilweise einsparen. Das mit der Chance zur beruflichen Orientierung und zur Charakterentwicklung ist – meine bisherigen Arbeitgeber mögen mir dies bitte verzeihen – Augenwischerei. Es geht in allererster Linie um’s Geldsparen.

Natürlich sammeln die jungen Menschen die eine oder andere, prägende Erfahrung, doch die Art, wie sie diese in ihr sonstiges Wissen und Tun integrieren, hängt sehr vom Ausgangs-Charakter ab. Aus einem arroganten Arschloch wird keine Altruismus-Koryphäe, nur weil er/sie ein FSJ absolviert. Diesen Effekt könnte ich nur mit höherer Wahrscheinlichkeit erzielen, wenn ich mehr in deren Ausbildung investieren würde. Doch dann wäre ihre FSJ-Ableistung nicht mehr wirtschaftlich produktiv. Und was sich nicht rechnet, findet heutzutage nur noch selten statt.

Würde ich jedoch meinen Auftrag als Arbeitgeber eines freiwilligen sozialen Jahres ernst nehmen, dürfte der Gott unserer Modernen Welt – vulgo Mammon – hier kein entscheidendes Kriterium sein. Wenn ich junge Menschen auch im, zumeist ersten Berufsumfeld, dem Humboldt’schen Ideal folgend ganzheitlich bilden möchte, darf deren Arbeitsproduktivität nicht mein primäres Movens sein. Denn ansonsten darf ich mich hinterher nicht wundern, wenn sie zwar funktionieren, ihnen gesellschaftliche Teilhabe auf allen Ebenen aber schnurz bleibt und sie demzufolge irgendwann, im Verkennen sozialer und gesellschaftlicher Realitäten, zu den nächsten AfD-Wählern werden. Oder – in meinem Metier – zu arroganten Notärzten.

Daraus folgt für mich, dass meine Bemühungen in der Ausbildung der von FSJlern in eine andere Richtung gehen müssen, als die derzeitige betriebliche Linie dies vorgibt. Freunde der Nacht, das wird nicht einfach, denn momentan – oh Wunder – spielen natürlich Verwertungsinteressen die erste Geige. Ich bin gespannt, ob meine Argumente Gehör finden.

Wahlkrampf

Also dreht sich der Wahlkampf nur noch um die Frage, ob es Ende Schwarz-Gelb oder Schwarz-Grün weitergeht, wie es dieser Tage ein Artikel in Zeit-Online verkündete? Ein Albtraum! Ich bin jetzt ganz offen: ich habe in meinem Leben noch nie eine Stimme für die CDU, oder einen ihrer Kandidaten abgegeben, weil ich deren vollkommen gestrige Art, mit modernen Problemen umzugehen für restlos anachronistisch und unerträglich bigott halte. Sie schreiben sich konservative Werte auf die Fahnen, ohne überhaupt zu wissen, was das ist; andernfalls würde das verkümmerte Machterhaltungsorgan der mecklenburgischen Eule (mehr ist dieser Haufen von national-kapitalistischen Heuchlern nicht mehr) wissen, dass Kultur ein dynamischer Begriff ist, der sich ändert. Der sich vor allem schon geändert hat! Statt anzuerkennen, dass die Zeiten sich ändern, kotzt sich ein Minister öffentlich zu seiner Version von Leitkultur aus. In der Bild am Sonntag! Schön zu wissen, wie die CDU jetzt versucht, ihre Klientel zu stärken.

Versuchen wir mal konservative Werte zu beschreiben: Ich hätte gerne, das für jeden Menschen in diesem Land die gleichen Regeln gelten, nämlich unsere Gesetze. Klingt gut, klingt stark konservativ, ist ein richtiger Slogan, oder? Wie sieht’s denn mit Gleichberechtigung aus? Warum bekommen Frauen in Deutschland weniger Lohn als Männer – wohl bemerkt für die gleiche Arbeit – es sei denn, sie arbeiten nach Tarifvertrag? Und was genau hat jede Regierung seit Schröder (ja auch die SPD) Stück für Stück demontiert? Ja genau: auskömmliche Tariflöhne für einen großen Teil unserer Gesellschaft, insbesondere für jene Berufsgruppen, die eher am unteren Ende der Gehalts-Skala unterwegs sind. Anstatt genau dort den Kapitalismus der Chickagoer Schule an die Kandare zu nehmen, hat man dereguliert, prekäre Beschäftigung gefördert und jenen, die eh schon mehr als genug haben die Kohle in den Arsch geschaufelt. Schlechte Sozialpolitik? CDU check! SPD check! Und über die FDP, deren – er möge in Frieden ruhen, ein Idiot war er trotzdem – ehemaliger Vorsitzender Hartz IV als spät-römische Dekadenz bezeichnet hat, werde ich nicht mehr sagen, als dass ich hoffe, sie mögen nie mehr an irgendeiner Regierung beteiligt sein!

Kommen wir aber zurück zu Recht und Gesetz. Unsere Steuergesetzgebung bevorzugt Kapital- vor Erwerbseinkommen, was zu einer weiteren Umverteilung von Unten nach Oben führt. Ebenso werden mittlere Einkommen viel zu sehr belastet. Schlechte Wirtschaftspolitik: CDU check! SPD check! FDP check!

Asylbewerber müssen sich an unsere Regeln halten. Ja, das finde ich auch. Bevor wir aber hysterisch werden, wäre es sinnvoll auf Basis der Realität zu argumentieren. Warum hat denn die Wirtschaft hierzulande die Zuwanderung seit 2015 begrüßt! Weil man sich ausgerechnet hat, dass es mehr Fleisch in den Wettkampf um ohnehin schon prekäre Jobs schwemmt und man die Preise gerne noch ein bisschen drücken möchte. Schließlich muss die Rendite zweistellig sein! Anstatt schon lange ein Zuwanderungsgesetz mit klaren Regeln, Procedere und Infrastruktur für eine geregelte Zuwanderung geschaffen zu haben, um auch langfristig immer wieder auf Migration reagieren zu können, macht man ein Flickwerk ans andere und lässt ehrenamtliche Helfer und bestehende Systeme (die dafür aber nicht ausgelegt sind) eine Aufgabe erledigen, die eindeutig dem Staat zufällt. Schlechte Zuwanderungspolitik? CDU check! SPD check! FDP check! Grüne check!

Unsere Kultur muss also vor Überfremdung geschützt werden. Seien wir mal ernst: jedes Jahr kommen mehrere 100.000 ausländische Besucher zum Oktoberfest. Müssen wir Angst haben, dass die Theresienwiese ihren Charakter verliert. Also diesen Charakter mit Bierzelthumptata, Schaulaufen der Möchtegernwichtigen und Schönen und Tonnenweise ethyltoxischer Kotze? Ich glaube nicht. Unsere Kultur wird nicht überfremdet. Sie assimiliert Teile des Neuen, wie sie das schon immer getan hat, oder gab es hier 1875 schon Pizzalokale? Wir werden Wege finden, den arabischen Machismo in Bahnen zu leiten. Und jene, die tatsächlich nicht hierher passen, weil sie nicht bereit sind, zumindest unsere Gesetze zu achten die sortieren wir aus. Aber dazu müsste man sich erst mal darüber klar werden, was Integration überhaupt bedeutet, anstatt immer die falschen Leute zu fragen und immer zu erwarten, dass, sich zu integrieren, das Verleugnen der eigenen Identität/Herkunft bedeuten muss. Das ist nämlich die aktuelle Doktrin.

Und weder mit Schwarz-Gelb, noch mit Schwarz-Grün wird sich daran irgendwas ändern, dass die Reichen reicher, die Armen ärmer, die Andersartigen stigmatisiert, ghettoisiert und ausgebeutet werden, oder das auf die relevanten Fragen unserer Zeit wie Klimawandel und Landflucht immer die Antworten der Wirtschaftsvertreter (Lobbyisten) gegeben werden, anstatt das eigene Volk zu hören. Ich kann also weder CDU/CSU, noch FDP, noch SPD guten Gewissens meine Stimme geben, weil Sie’s verbockt haben, und zwar richtig – immer und immer wieder! Und über das ganze rechte Geschmeiß werde ich hier nur sagen: wer die wählt, hat (leider nicht zu Unrecht) viel Wut im Bauch, übersieht aber, dass er versucht, das politische Establishment mit gefährlichen Undemokraten auszutreiben.
Ich gebe hier bestimmt keine Wahlempfehlung ab. Denkt euch einfach euren Teil. Aber wenn ihr die dämliche Eule wieder ins Kanzleramt hievt, bin ich euch böse.

Und es war Sommer

Ich schreibe jedes Jahr im Sommerurlaub was über Entschleunigung. Klingt ja auch logisch, wenn man sich eingesteht, dass genau das der gewünschte Effekt des Verreisens ist. Ich möchte mich mal zwei, drei Wochen nicht mit den Problemen des Tagesgeschäftes befassen, sondern lediglich darüber nachdenken müssen, ob ich heute am Pool liegenbleibe (bzw. darin herumschwimme), oder mir irgendwas anschaue; und falls ja, was. Ist ja nicht so, dass es in Mittelitalien nicht mehr als genug zu sehen gäbe, wenn man, wie ich, auf alte Steine steht. Allenfalls dreht sich die Welt noch um derart wichtige Dinge, wie das Menü des Tages und die Ethyltoxin-Vorräte für die Abendunterhaltung der adulten Mitreisenden. Eben wahrhaft existenzielle Fragen…

Nun ist es aber so, dass mich der Urlaub diesmal quasi akzidentiell aus verschiedenen Projekten reißt, mit denen ich momentan befasst bin. Will heißen, ich musste Arbeiten unterbrechen, an denen mir wirklich etwas liegt und die ich alsbald zum Ende gebracht sehen möchte/muss. Ich hätte wirklich gedacht, dass es mir schwer fallen würde, loszulassen. Doch mit jedem Kilometer, den sich meine Heimatstadt im Rückspiegel entfernte wurden mir diese Dinge schnurzpiepegaler. Vielleicht, weil mein Geist unterschwellig noch besser wusste als mein Körper, dass ich gerade mal wieder im Begriff war, mir zu viel zuzumuten.
Und so kam es, dass ich mich die Tage beim Schwimmen im Pool bei Gedankenspielen ertappte, die mit Auswandern und den ganzen Scheiß in Good Old Germany hinter mir lassen zu tun hatten. Reine Gedankenspiele, weil ich ein paar soziale Verpflichtungen habe, die ich sehr ernst nehme und meine Partnerin absolut keinen Bock hätte, sich irgendwo im Outback eine neue Bleibe und eine neue Existenz aufbauen zu müssen. Aber so weit weg in diesem Fall die Realität auch gewesen sein mag; es hat so verdammt gutgetan, darüber zu sinnieren, den überkandidelten Alltag daheim einfach sein zu lassen. Denn man hat dort manchmal mit Menschen zu tun, auf die man gut verzichten könnte.

Andererseits, wer sagt, dass dies woanders nicht genauso wäre? Keine Ahnung. Aber eines weiß ich ganz genau: wenn man eine Zeit lang Gelegenheit bekommen hat, sein Umfeld neu zu beurteilen, entstehen meist ganz von selbst Ideen, wie man es lieber hätte. Ich denke, dass es an der Zeit ist, ein paar Dinge zu ändern, mir meine Aufgaben und meine Kompetenzen neu zu suchen; ja irgendwie zumindest ein bisschen mein Leben zu ändern. Mal sehen, ob das klappt. Ich bin ja noch jung…