Erwachsen bilden N°39 – …und wie wird man nun Lehrer?

Egal, wie man es auch dreht und wendet – Ausbilder auszubilden ist die Königsdisziplin. Nicht unbedingt wegen des theoretischen Backgrounds, den man vermitteln muss. Der ist vorhanden, und was ich dazu nicht sofort aus dem Kopf weiß, findet sich in aller Regel in der kleinen Bibliothek rings um meinen Schreibtisch. Da kommt schon was an Stoff zusammen, aber didaktische Reduktion ist reine Übungssache. Dieses legendäre Herausfiltern-Können, was die Teilnehmer brauchen, und was nur Schischi ist, den man getrost zur extrinsischen kognitiven Last zählen kann, funktioniert zumeist erst dann richtig, wenn man schon ein paar Mal mit Unterrichtskonzeptionen an die Wand gefahren ist. Oder, wie ein Freund zu sagen pflegt: „Erfahrung ist etwas dass man erst hat, fünf Minuten nachdem man es gebraucht hätte!“ Mal schauen, wie es diesmal läuft.

Ich bin ehrlich – ich habe dieses Wochenende nicht ausgespannt, sondern gearbeitet. Unterrichtsvorbereitung für die kommende Woche, weil ich vorher nicht dazu gekommen bin. Manche Konzepte hat man so oder so im Kopf parat, was jedoch nichts daran ändert, dass man sich auch mal auf den Hintern setzen und Content herstellen muss, wenn man nicht alles im Kaltstart aus den Stiften in der Dozententasche auf ein schnödes Flipchart leiern müssen möchte. Nix gegen Flipcharts, by the way… Aber sowas passiert mir immer wieder. Ich habe meist mehr als genug zu tun und dann schiebt man natürlich jene Dinge, die noch Wochen weit weg sind, ein paar Wochen weit weg… ähm ich meine vor sich her; bis just zu dem Moment, da der Terminplan subjektiv im Vollbrand steht und man genau diese Zusatzarbeit eigentlich nicht auch noch brauchen kann. Wie heißt es immer so schön: unter Druck entstehen Diamanten? Ich mag meinen Kohlenstoff eigentlich lieber glühend in meinem Grill. Andererseits war das Wetter hier und heute NICHT dazu angetan…

Nächster Punkt ist, dass ich mich mit Arbeiten, die meine kreative Ader fordern, gerne in mein stilles Kämmerlein zurückziehe. Wie erklärt man etwa die Konzepte rings um die didaktische Analyse so, dass nicht alle Teilnehmer nach rund 37 Sekunden vor ihrem geistigen Auge das Bildschirmlagerfeuer zu sehen und wegzudösen beginnen? Das sind Fragen, die sich nicht in den drei bis acht Minuten zwischen zwei „Äh, hast du mal ’ne Minute…?“ beantworten lassen. Denn auch, wenn ich kundtue, dass ich die Minute gerade nicht habe, ist diese schon längst verdampft, bis ich die Person abgewimmelt oder ihr Anliegen (sofern legitim) abgefrühstückt habe. Und ich darf mich wieder neu sammeln – bis zum nächsten „Äh, hast du…?“ Deshalb mache ich sowas am Liebsten im Home-Office. Da klingelt zwar auch gelegentlich das Telefon, aber die Frequenz ist gefühlt deutlich niedriger. Außerdem – habe ich schon mal erwähnt, dass mein Heimarbeitsplatz auf Grund der technischen Ausstattung einfach deutlich ergonomischer und performanter ist? Wahrscheinlich könnte ich das irgendwo geltend machen – aber die Dual Use für diverse private Zwecke ist halt schon gegeben.

Ich habe also die letzten drei Tage an Teilen eines Lehrganges herumgebastelt, der aus Fachkollegen Lehrer – also, eigentlich Praxisanleiter – machen soll. Ich sehe das so, dass die Praxisanleiter im Rettungsdienst auch halbwegs klassisch lehren können müssen, denn in den Bereich ihrer Zuständigkeit fällt ja nicht nur die Ausbildungs-, sondern eben auch die Fort- und Weiterbildungs-Begleitung. Auch, wenn bis zum heutigen Tage manche Kollegoiden Fortbildungen anscheinend immer noch beinahe ausschließlich als Anlass zum gemeinsamen Kaffeesaufen und Dummschwätzen nehmen; wobei sich mir die Frage stellt, wo dann der Unterschied zum Alltag auf der Wache liegt? Ach ja – kein Melder am Gürtel. Da hat man ja noch mehr Zeit für Kaffee und große Reden. Ich klinge ein wenig zynisch? Könnte daran liegen dass ich a) Zyniker bin (übrigens sind Zyniker enttäuschte Romantiker, und ich empfinde mich zumindest als teil-enttäuscht) und b) diesen Job schon zu lange mache, als dass mir die Marotten meiner Mitmenschen fremd wären. Insbesondere die uncharmanten!

Nun beinhaltet, aus Menschen Lehrer machen zu wollen natürlich, wie bereits erwähnt, die Vermittlung eines gewissen theoretischen Background und verschiedener Skills; aber eben auch die Notwendigkeit, die Leute zur Selbstreflexion und ggfs. zur Änderung bestimmter Einstellungen zu bewegen. Denn ein guter Ausbilder kann man nur sein, wenn man über ein halbwegs positives Menschenbild verfügt – andernfalls könnte man auf den finsteren Pfad geraten, dass die eigenen Klienten der Mühe nicht wert seien. Hey, ich kann die Denkblasen hören: „Hat er sich nicht gerade selbst als Zyniker bezeichnet…?“ Habe ich! Und ich finde, das passt super mit einem positiven Menschenbild zusammen. Ich suche mir lediglich bewusst aus, von wem ich ein positives Bild BEHALTE – denn die Chance, von mir so wahrgenommen zu werden, bekommt jeder Mensch, dem ich begegne. Ob ich nach einer Weile (sagen wir drei Chancen, ja?) noch ein positives Bild von der jeweiligen Person HABE, liegt ganz in deren Händen!

Ich bin also nicht erholt, sondern eher immer noch geschafft; jedoch zufrieden, dass ich gut voran gekommen bin. Nicht ganz so schnell wie gehofft, aber´doch schneller als gedacht. Den Spirit will ich morgen mit in den Unterricht nehmen und einfach mal schauen, ob ich meine Botschaften, wie man den nun Lehrer wird, auch transportieren kann. Wird mal wieder ’ne lange Woche. Ich wünsche euch was Gutes. Wir hören uns…

Auch als Podcast…

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