Erwachsen bilden #20 – Kollaborieren und Desinfizieren…

Auch wenn sich offenkundig in Teilen der Bevölkerung eine gewisse Schutzmaßnahmen-Müdigkeit breit zu machen scheint, wie die vielen Kinnatmer schön demonstrieren (vulgo: Menschen, die zu blöd sind, zu verstehen, dass ein Mund-NASEN-Schutz Mund UND NASE bedecken muss, sonst kann man den auch ganz weglassen), muss ich mich mit diesen Fragen noch eingehender befassen als sonst. Denn irgendwie muss Nachwuchs für das Gesundheitswesen – konkret gerade Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter – ja ausgebildet werden. Wir reden da von einem höchst handlungspraktisch orientierten Betätigungsfeld, dessen theoretische Grundlagen sich eventuell noch in Online-Lektionen zum individuellen Lernen darbieten ließen; für die ganzen mechanischen Skills, die auch beherrscht werden MÜSSEN, geht das jedoch nicht. Es sei denn, ich will hinter das Mindest-Niveau meines Qualitäts-Anspruches zurück…

Also müssen wir in den Lehrsaal. Und das bedeutet – physical distancing und wischen, wischen, wischen. Denn ich kann die Teilnehmer spätestens, wenn es darum geht, den Aspekt Teamarbeit zu verinnerlichen, nur noch mit Mühe dazu bewegen, diese Distanz aufrecht zu erhalten. Gewiss gibt es Schutzmaßnahmen, die wir dann nutzen können, doch es zeigt sich für den halbwegs wachen Beobachter, wie mächtig die soziale Natur des Menschen ist. Insbesondere in solchen Lehrgängen, wo unterschiedlichste Mentalitäten und Persönlichkeiten sich zusammen raufen müssen, um gemeinsam ein gutes Ergebnis erzielen zu können. Im besten Fall ein RS-Abschluss-Zeugnis mit guten Noten. Sie dauernd einander fern zu halten, wird dabei zu einer Zerreißprobe, die oft genug schief geht.

Und so balanciere ich derzeit auf einem sehr schmalen Grat zwischen der Praktabilität von Infektionsschutzmaßnahmen im Lehrsaal und drum herum auf der einen Seite und den pädagogischen, sozialen und fachlichen Bedürfnissen der Teilnehmer (und auch des Kursleiters!) auf der anderen. Verdammte Axt, ist das schwierig. Denn ich stelle an mir selbst fest, dass – allem Wissen um die Gefährlichkeit von Covid19 zum Trotze – Stringenz und Konsequenz bei den geforderten Maßnahmen kontra-intuitiv und teilweise sogar hemmend für ein positives Ergebnis des Unterrichtes sind. Insbesondere bei den kollaborativ gestalteten Unterrichtsanteilen – und dazu gehört mitnichten nur das Stationslernen und die sogenannten Szenario-Trainings – treten hier Probleme zu Tage.

Nun könnte ich mich zurücklehnen und sagen, “Okay, dann lassen wir es halt solange, bis Corona rum ist sein.” Das geht jedoch nicht, weil a) der Bedarf an der Ausbildung besteht, b) der Bedarf an Absolventen der Ausbildung besteht, c) aus a+b eine Verpflichtung resultiert, der ich mich nicht verschließen kann. Also unterrichte ich, wohl wissend, dass wir alle damit ein Risiko eingehen, dass wir natürlich durch die gegebenen Maßnahmen zu verringern suchen. Sofern nicht das Soziale uns ein Schnippchen schlägt! Und das passiert, ohne das jemand damit eine böse Absicht hegt, schlicht weil wir Menschen sind und gerade jetzt gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten; nämlich dass die Teilnehmer RettungssanitäterInnen werden können.

Ich weiß nicht, ob ich dabei alles richtig mache. Ich weiß auch nicht, ob ich dabei immer die richtigen Entscheidungen und Ansagen treffe. Ich weiß jedoch, wie man Menschen führt und begeistert; also versuche ich, mit Vorsicht und gesundem Menschenverstand das Beste aus einer schlechten Situation zu machen, während ich mich zu fragen beginne, wie lange es wohl noch so sein wird? Ist das nun für die nächsten Jahre mein “new normal” als Fachdozent und Einrichtungsleiter? Und falls ja – werden wir trotzdem gute Ergebnisse erzielen können? Sowohl fachlich, als auch pädagogisch, als auch sozial? Ich weiß auch das nicht, aber aus meiner bescheidenen Sicht wäre es gut, wenn wir uns dringend noch ein paar Zusatzstrategien aneignen könnten, um dieses und auch zukünftige Ereignisse ähnlicher Natur schulisch besser in den Griff zu bekommen, als das zu Beginn der Krise der Fall war. Denn jedes Mal alles zuzumachen, ist keine praktikable Lösung. Weder aus Sicht des Gesundheitswesens, in welchem ich tätig bin; noch aus Sicht der Gesellschaft, wenn wir auf das allgemeinbildende Schulwesen schauen. Lasst uns doch mal gemeinsam über Lösungen nachdenken, anstatt immer nur über Probleme zu sprechen. Da hätte ich richtig Lust zu… Schönen Samstag noch.

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