Gimme Feedback…!

Ich habe in den letzten Tagen eine Fortbildungsveranstaltung durchgeführt. Und, wie stets, am Ende natürlich eine Feedbackrunde abgehalten. Denn es gehört in der Erwachsenen-Bildung quasi zum guten Ton, ja fast zum Kanon des Dozenten dazu, sich verbal zu vergewissern, ob er mit seinen Bildungsbemühungen halbwegs im Ziel gelegen hat. Es gibt in einschlägigen Ratgebern ganze Kapitel zur Schlussrunde, die verschiedene Techniken zur Moderation anregen. Vielen Methoden ist jedoch eines gemeinsam: es wird im Plenum gesprochen.

Manche Menschen sprechen nun gerne (und oft auch gewandt) vor anderen Menschen; die meisten sind diesbezüglich jedoch eher zurückhaltend, insbesondere, wenn es um das Äußern von Kritik geht. Einerseits, weil wir in einer Kultur leben, in der Internet-Trollen zwar zum Volkssport geworden ist, im direkten Kontakt jedoch oft Konfliktscheue herrscht. Andererseits, weil man sich die Mühe sparen möchte, tatsächlich noch einmal über das Erlebte und Erarbeitete nachzudenken und zu sprechen. Natürlich hängt das auch von der Art und der angestrebten inhaltlichen Tiefe der Veranstaltung ab, aber ich sehe oft Menschen, die einfach nur Schluss machen wollen, weil irgendetwas vermeintlich Angenehmeres ruft.

Das versetzt mich in ein Dilemma. Man kann natürlich die Feedbackrunde nicht zu Beginn der Veranstaltung machen. Man braucht aber eine, um etwas über die eigene Qualität, Situationsadäquanz und Kundenorientierung herauszufinden. Trotzdem möchte man die Teilnehmer auch nicht mit zuviel vermeintlichem “Gelaber” belasten. Denn auch das fließt ja in Beurteilungen ein. Also stehe ich oft vor dem Plenum und weiß nicht so recht, ob mich dieses Schlussrunde tatsächlich weitergebracht hat. Denn auch, wenn die Teilnehmer mir in der Mehrzahl positive Kritiken geben, bin ich mir nie sicher, ob die nicht gerade nur sozial erwünscht handeln, damit sie schneller rauskommen. Vielleicht sollte man anfügen, dass ich durchaus zur Selbstkritik neige…

Ich habe einen Freund und Kollegen, der immer sagt, dass man in unserem Job ein EGO braucht, dass kaum durch die Tür passt. Das Problem dabei ist, dass man ja – auch als Dozent – ruhig mal klugscheißen darf, wenn man denn klug ist; die Abgrenzung zur Rechthaberei, zum Dogmatismus und zur Arroganz sind dabei jedoch oft fließend. Und das ist ein Problem. Wenn ich Recht habe, ist das schön. Nur bedeutet es nicht unbedingt, das alle anderen deswegen unrecht haben. Ich persönlich versuche, auch in der Unterrichtssituation ein Teamplayer zu sein, wohl wissend, dass ich niemandem etwas “beibringen” kann, sondern als Lernbegleiter zur Selbsterfahrung des Wissens und der Fähigkeiten hinführen und anleiten muss. Die Mäeutik ist dabei ein steter Begleiter.

Während ich hier so sitze und während dem Schreiben des Textes dem Regen zuschaue, beschleicht mich das Gefühl, dass ich andere Methoden des Feedbacks ausprobieren muss. Aber auch der gute alte Beurteilungsbogen bringt oft wenig Hilfreiches. Vielleicht muss ich das Teilnehmer-Feedback noch tiefer in den Unterricht selbst integrieren. Ich werde euch an den Ergebnissen meiner Versuche irgendwann teilhaben lassen. Bis dahin wünsche ich eine gute Zeit.

Auch zum Hören…

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