Stuck in the middle N°2 – about society…

Now, there's one thing you might have noticed I don't complain about: politicians. Everybody complains about politicians. Everybody says they suck. Well, where do people think these politicians come from? They don't fall out of the sky. They don't pass through a membrane from another reality. They come from American parents and American families, American homes, American schools, American churches, American businesses and American universities, and they are elected by American citizens. This is the best we can do folks. This is what we have to offer. It's what our system produces: Garbage in, garbage out. If you have selfish, ignorant citizens, you're going to get selfish, ignorant leaders. Term limits ain't going to do any good; you're just going to end up with a brand new bunch of selfish, ignorant Americans. So, maybe, maybe, maybe, it's not the politicians who suck. Maybe something else sucks around here... like, the public. Yeah, the public sucks. There's a nice campaign slogan for somebody: The Public Sucks. Fuck Hope.George Carlin

Starker Tobak? Nö! Ich denke, es ist die schlichte Wahrheit und zwar unabhängig davon, ob damit in meinem Verständnis die US-amerikanische Öffentlichkeit gemeint ist (welche Carlins These gerade vor wenigen Wochen einmal mehr schlagend bewiesen hat), oder die bundesdeutsche. Unser Land mag um ein Mehrfaches kleiner sein, als die Vereinigten Staaten; unsere Politiker sind dennoch vom gleichen Schlag. Oder um noch einmal auf das kürzlich Gesagte zurückzukommen: ANGST, STOLZ, EIGENNUTZ. Ich sagte auch, dass ich mich für eine durchschnittlich intelligente Person hielte, was bedeutet, dass ich keine Ahnung habe, warum das so ist. Okay… das war gelogen. Ich glaube, eine ganz gute Vorstellung zu haben, warum unsere Gesellschaft und damit unsere Politiker als deren Produkt so ticken, wie sie ticken. Ich kann allerdings keine echte Lösung für das Problem anbieten. Es wäre mir jedoch wichtig, dass mehr Menschen begännen, diese verfickte Verfasstheit von uns allen als das PROBLEM wahrzunehmen, dass sie ist! Denn im Moment scheint einfach nur jeder zu denken, dass ihn “Das Große Ganze” nichts anginge und dieses (also der Staat) ihm/ihr daher auch nichts zum jeweiligen Kleinen Ganzen zu sagen hätte. Hier spielen Gedanken des amerikanischen Libertarianismus eine Rolle, welche z. B. Michael Sandel in Kapitel drei seines Buches “Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun.” beschrieben hat (S. 85 ff.). Im Grunde wollen Libertarier höchstmögliche individuelle Freiheit bei geringstmöglichem staatlichen Eingriff, weil sie – ganz dem Utilitarismus verpflichtet, aus dem sie entstanden sind – davon ausgehen, dass jede und jeder voll und ganz für sein bzw. ihr eigenes Wohl oder Wehe verantwortlich sind. Klingt ein bisschen wie die Blaupause für die narzisstischen, dogmatischen Egomanen, von denen ich in meinem letzten Post sprach, nicht wahr. Wenn aber nun ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung aus geistig und sozial derart aufgestellten Individuen besteht… nun ja. Thomas Hobbes hätte das wohl den Bellum omnium contra omnes genannt: den KRIEG ALLER GEGEN ALLE! Wie war das noch mal mit ANGST, STOLZ, EIGENNUTZ…?

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Kant glaubte noch daran, dass auch ein moralisch schlechter Mensch prinzipiell ein guter Bürger sein könne, wenn nur die Verfassung (also die Gesetze) und die Öffentlichkeit (also, wie die Menschen diese Gesetze leben) so beschaffen seien, dass sie einander jeweils in der Balance hielten. Zumindest interpretiert Hannah Arendt ihn auf diese Weise in den Vorlesungen, welche sie 1970 an der “New School for Social Research” gehalten hatte (nachzulesen bei Ronald Beiner, S. 16 ff.). Ich bin mir nicht sicher, aber so wie ICH unsere heutige Gesellschaft lese, halten sich die Menschen NICHT gegenseitig in der Balance. Das könnte meiner Meinung nach (und ich bin ein wesentlich geringerer Denker als Arendt oder Kant) daran liegen, dass viele Philosophen auf Grund ihrer jeweils eigenen Erfahrungen von ethnisch, religiös und sozial zumindest weitgehend homogenen Gesellschaften ausgingen. In einer solchen Konstellation, in welcher fast alle Bürger einander auf Augenhöge und auf der Basis geteilter kultureller und sozialer Praktiken begegnen, mögen Kants und Arendts Ideen (theoretisch) funktioniert haben; doch unsere moderne Gesellschaft (in den USA genauso wie in der BRD) ist in höchstem Maße pluralistisch aufgestellt. 11,5 Millionen Menschen aus Dutzenden anderer Staaten leben in Deutschland. Dazu kommen viele weitere, welche die deutsche Staatsbürgerschaft haben, jedoch ihren Migrationswurzeln verbunden bleiben wollen. Die daraus entstehende Mischung hat profunde Auswirkungen auf das Miteinander. Einerseits, weil Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund immer noch anders wahrgenommen werden, als so eine biodeutsche Alman-Kartoffel, wie ich selbst eine bin (Stichworte: Alltagsrassismus, Racial Profiling, Benachteiligung). Andererseits, weil die Art, wie mit bestimmten Situationen umgegangen wird, definitiv kulturell geprägt ist. Alles ist im Fluss, weil Kultur gleichzeitig Ausdruck und Produkt der Umstände ist unter welchen sie entsteht. Wenn das doch nur mehr Menschen mal verstehen würden, dass damit auch Heimat und Identität keine statischen Konstrukte sein können, sondern notwendigerweise ebenfalls Prozesse – und damit dynamischer Veränderung unterworfen. Und doch haben so viele Angst vor Überfremdung; ob die schon mal darüber nachgedacht haben, wie sich wohl die Bewohner dieser ach so pittoresken Bergdörfchen fühlen, die auf antisocial media immer als “must see2 gehyped werden…?

Ich stecke also fest in einer Gesellschaft, die in weiten Teilen Angst vor der Veränderung als solcher hat, weil die aus Veränderungen entstehende Dynamik immer das mühsam Gelernte, Beherrschte, schlicht die ganze Struktur in Frage stellt und ggfs. entwertet. Was uns automatisch dazu nötig, weiterlernen zu müssen, uns aus der Komfortzoe hinaustreibt und uns an die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde erinnert. Jedoch wird niemand gerne daran erinnert, dass all unserem Planen und Streben, unseren Erfahrungen und Heuristiken zum Trotz die Zukunft eine Black Box bleiben MUSS. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen… Was kann ich als einzelner Mensch aber tun, wenn ich an der Gesellschaft verzweifeln möchte, in welcher ich gefangen bleiben muss, weil mir gerade unglücklicherweise (außer in meinen Tagträumen) keine andere zur Verfügung steht? I’m terribly sorry… aber diese Frage muss jeder Mensch für sich selbst beantworten. Das ist übrigens (für die nicht vollkommen Denkfaulen unter euch) mit der Frage nach dem Sinn des Lebens eng verknüpft. Descartes wird ja immer mit seinem “ergo cogito, ergo sum” “Ich denke, also bin ich.” zitiert. Mir wäre die aus seinen Texten ableitbare Ergänzung zu “dubito, ergo cogito, ergo sum” wichtig, also zu “Ich ZWEIFLE, also denke ich, also bin ich.” Die erste Voraussetzung für einen halbwegs gelingenden Umgang mit dieser verdrehten, verrückten, unlogischen, absolut subjetiv-emotional aufgstellten Menschheit wäre also aus meiner Sicht, KRITISCH zu bleiben und SELBST zu denken. Sich bitte NICHT die Dogmen anderer zu eigen zu machen und vor allem nicht den Rattenfängern mit den vermeintlich einfachen Lösungen hinterherzulaufen; für die sind nämlich immer nur die anderen (die Fremden, die sozial Schwachen, die Frauen, die Politiker, die Eliten, die…) Schuld. Niemals jedoch kämen sie auf die Idee, ihr eigenes Denken und Handeln zu hinterfragen… schaut euch die Selbstgewissheit der Nazis doch mal an. Kein vernünftiger Mensch ist sich seiner selbst so verdammt sicher. Weil wir Menschen fehlerbehaftete Wesen sind und bleiben. Lasst uns doch mal gemeinsam auf die Suche nach besseren Erkenntnissen gehen. Bis die Tage…

  • Beiner, R. (1992): Hannah Arendt. Lectures on Kant’s political philosophy. Chicago: The University of Chicago Press.
  • Sandel, M. ( 2013): Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun. Ungekürzte Ausgabe , 2. Auflage. Berlin: Ullstein Taschenbuch.

Stuck in the middle N°1 – about politics…

Es ist ein Allgemeinplatz, dass man derzeit mit Blick auf den Zustand der Welt gerade verzweifeln könnte; zumindest, wenn man ein humanistisch, ökologisch und sozial denkendes und fühlendes Lebewesen ist. Ich glaube ja, dass es genau diese Dinge sind, die Nazis und harten Neoliberalen fehlen. Bei denen ist das grundlegend in jedem Menschen vorhandene Bedürfnis, ein friedliches und sinnstiftendes Miteinander gestalten zu wollen durch narzisstische Egomanie ersetzt worden. Abgeschmeckt wird diese höchst eklige blaubraungelbschwarze Suppe dann noch mit einem ordentlichen Schuss Dogmatismus, weil andere Meinungen ja kein Existenzrecht haben. Obenauf schwimmen solche Menschoide wie Lindner, Buschmann, Merz, Söder, Weidel, Chrupalla, etc., die alles dazu tun a) andere herabzusetzen, um die eigene Macht zu steigern (das nennt man gemeinhin übrigens “Die Gesellschaft spalten” oder “x-bashing”), b) Themen zu setzen, die uns nicht wirklich weiter bringen (immer nur “Migration” – habt ihr noch nie was von “Klima” gehört?) und c) Angst zu verbreiten vor Dingen und Menschen, die nicht bedrohlich sind, um (a) und (b) realisieren zu können. Man könnte das Ganze als innenpolitisches Kampfschach verstehen. Wer Donald Kagans “On the origins of war and the preservation of peace” gelesen hat, könnte wissen, dass es drei Hauptgründe gibt, in einen Krieg zu ziehen: Angst, Stolz und Eigennutz. Angst davor, dass sich etwas ändern könnte, oder anders gesagt die Angst “alter Mächte” von neuen, anderen Mächten abgelöst zu werden (Altparteien, die in Bedeutungslosigkeit verschwinden; SPD anybody?). Stolz auf die eigene Geschichte und der unbedingte Wunsch, diese Geschichte als Blaupause für die weitere Zukunft verabsolutiert zu sehen (Dogmatismus und vor allem Nationalismus, vertreten durch dessen politische Apologeten, vulgo die AfD aber auch Teile der CDU/CSU). Eigennutz, der eigentlich keinem “Volksvertreter” vollkommen fremd zu sein scheint (wenngleich Mitglieder mancher Parteien auch fragwürdigen Nebeneinkünften gegenüber offener zu sein scheinen, wie die Transparenzregister nahelegen). Angst, Stolz und Eigennutz sind die Motoren unserer Politik heutzutage, so wie sie das schon immer waren. Man kann Demokratie dranschreiben, aber im Kern bleibt es ein Geschäft, wie jedes andere auch; mit Gewinnern, Verlierern, Opportunisten, Idealisten, Betrügern und ehrlichen Häuten…

Ich unterstelle, das vielen Menschen diese Dinge klar sein könnten. Wer des Lesens und des halbwegs klar Denkens mächtig ist, kann sich all diese Dinge selber schon lange gedacht haben. Ich halte mich selbst für durchschnittlich intelligent und dennoch stelle ich immer wieder fest, dass viele Menschen rings um mich herum von derart beengenden Wahrnehmungs- (und damit auch Denk-) Filtern im Würgegriff gehalten werden, dass es schon fast an Absurdität grenzt. Manchen Menschen könnte man einen russischen Panzer in ihrer Straße präsentieren, der gerade die Häuserzeile zu Klump schießt und sie würden immer noch stammeln “…aber Sarah hat gesagt…”. Die MAGA-Jünger in den USA werden, wenn sie so weitermachen, erst dann verstehen, was sie sich und ihrem Land gerade angetan haben, wenn die eigene Nationalgarde sie in einem Stadion in Käfige sperrt (wer erinnert sich noch den Thriller “Ausnahmezustand” mit Bruce Willis und Denzel Washington?). Was wird nach dem 23.02.2025 sein? Werden wir in einem anderen Deutschland aufwachen, weil Friedel Merz, der Mittelstands-Macker doch keinen Mörtel für die Brandmauer mehr hat…? ANGST. STOLZ. EIGENNUTZ. Wann immer wir eine Wahl haben, tun wir gut daran, nicht nur unsere eigenen Motive zu reflektieren, sondern auch die jener, denen unsere Stimme zu geben wir möglicherweise gerade geneigt wären. Gestern sagte eine liebe Freundin, dass sie sich gerne mit der besten Ehefrau von allen und mir über die Optionen zur kommenden Wahl unterhalten würde, weil sie im Moment das Gefühl hat, einen Sparringspartner zu benötigen, um zum “richtigen” Kreuzchen zu kommen. Zuerst fühlte ich mich ein bisschen geschmeichelt, weil jemand offensichtlich meiner Meinung einen gewissen Wert beimisst. Aber passiert nicht genau das Gleiche auch an den Orten, welche wir stets nur zu gerne als “Echokammern” bezeichnen; und in diesem Fall ist der Begriff immer negativ konnotiert, weil wir den Menschen innerhalb dieser Echokammern unterstellen, dass SIE auf der falschen Seite stehen würden – genauso, wie diese Leute im Umkehrschluss Menschen wie MICH oft als linksgrünversifft titulieren; was ich ja auch bin – UNDZWAR MIT STOLZ! Aber der Mechanismus, der dieser Dichotomie, dieser Spaltung innert unserer Gesellschaft zu Grunde liegt, scheint mir der Gleiche zu sein: ANGST, den Status Quo zu verlieren (vulgo, meinen Besitzstand nicht wahren zu können, also ABZUSTEIGEN), STOLZ auf eine gute alte Zeit (die es objektiv nie gegeben hat; sie hat sich nur besser angefühlt, weil man die ganzen Konflikte mangels weltweiten Informationsflusses nicht SEHEN konnte – die waren aber schon immer da!) und EIGENNUTZ (ALLES zu tun, um jedewede Veränderung zu verhindern – und damit auch jene Veränderungen, die wir so dringend brauchen).

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Für mich ist unsere Gesellschaft schon lange in einem kalten Bürgerkrieg angekommen. Wir schmieren lediglich an jedem Tag der vergeht neuen Rostschutz auf die Stellen, an denen die schöne Farbe allzu heftig abblättert. Und der Grund ist ganz einfach: weil das Regime des Konsummaterialismus, dass uns hier in Mitteleuropa seit dem Ende des zweiten Weltkrieges die längste Friedensphase ever beschert hat überall sonst auf der Welt soviel Schaden anrichten konnte, dass wirklich ALLES auf dem Spiel steht. Doch es gibt Leute, die zwar nach Veränderung rufen, SICH SELBST ABER NICHT ÄNDERN WOLLEN! Die einfach wollen, dass es ungestört so weiterläuft, als wenn nix wäre – selbst wenn das halbe Dorf im Zweijahrestakt von “Jahrhunderthochwassern” weggeschwemmt wird, während zwei Monate später die Ernte auf den Äckern verdorrt und die Lebensmittelpreise immer weiter steigen. Das Spiel ist aber noch nicht zu Ende, wir können noch ein paar schöne Rebounds landen und das Ding drehen – aber nur, wenn wir NICHT so weitermachen wie bisher. Ich habe ANGST, dass wir eine CDU/CSU-dominierte Regierung bekommen, welche den Menschen immer noch verspricht, dass der Klimawandel, oder ein trumpisiertes Amerika, oder ein putinisiertes Russland an der Nato-Ostflanke ihnen schon nicht wehtun werden. Ich wäre STOLZ, wenn wir tatsächlich mal eine Regierung zu Stande brächten, die ECHTE zukunftsorientierte Politik macht. Und mein EIGENNUTZ wäre befriedigt, wenn ich daran mitgewirkt hätte, meinen Kindern eine Zukunft zu hinterlassen, die lebenswert ist. Denn noch ist dazu Zeit. ANGST, STOLZ und EIGENNUTZ können zweifellos Krieg verursachen – sie können aber auch als Motoren für Frieden und Zukunft dienen, wenn WIR SIE neu denken. Hat noch jemand Lust mitzudenken…? Ich wünsche euch was, bis bald…

  • Kagan, D (1995): On the origins of war and the preservation of peace. New York: Anchor Books, Division of Random House.

Der Irre-lefant…

Manche Menschen neigen dazu, sich selbst sehr wichtig zu nehmen. Oftmals viel wichtiger, als sie es eigentlich sind. Das liegt einerseits daran, dass Posten und damit vermeintlich einhergehende Macht einer bzw. einem allzu leicht den Wunsch einflüstern, diese “Macht” auch benutzen zu wollen. Der Fehler hierbei liegt darin, dass ein Machtgebrauch in den allermeisten Fällen zunächst durch diejenigen, über die Macht ausgeübt werden soll legitimiert werden muss, damit ein solches Machtdifferential überhaupt funktionieren kann; immerhin leben wir hier nicht in Nordkorea. Dort macht der Gebrauch einer Kalaschnikow als spürbares Symbol eines real existierenden Machtanspruchs die, der Demokratie üblicherweise zugerechnete Suche nach Mehrheiten und Konsens natürlich vollkommen nutzlos. Andererseits ist es eine der grundlegenden Funktionen unseres sozialen Miteinanders, nach Anerkennung durch die Anderen zu trachten; sich zu wünschen auf diese spezielle Art “gesehen” und gewertschätzt zu werden, die besorgt, dass wir uns so wunderbar selbstwirksam fühlen und glauben, wirklich Kontrolle über Wohl und Wehe unserer Existenz ausüben zu können. Muhahahahahahaha – ja, die uns allen innewohnende Kontrollillusion ist schon ein Arschloch sondergleichen. Das trifft mich als Führungskraft ebenso, wie als unerschütterlichen Left-Wing-Sozialdemokraten. Und trotzdem hält sich meine Verzweiflung irgendwie immer noch in Grenzen!

Ich finde unsere menschliche Resilienz gegen die Tatsache, dass wir das “Dahinter” jener unüberwindbaren Grenze der nächsten Sekunde weder heuristisch, noch spirituell, noch technisch oder sonstwie antizipieren können immer noch und immer wieder unglaublich faszinierend; und gleichsam unglaublich dumm. Wir einfachen Menschlein GLAUBEN doch wirklich immerzu, in die Zukunft schauen, ja diese sogar mitgestalten zu können – jedoch liegt das Schicksal unserer Welt (und damit auch unsere Zukunft) immer häufiger in den Tremorgeschüttelten Händen alter, kranker, seniler, im Besten Falle jedoch sehr sturer Männer, deren “beste Absichten” darin bestehen, ihre Macht um jeden Gottverdammten Preis erhalten zu wollen; nicht durch das “Prinzip Konsenz”, sondern durch das “Prinzip Kalaschnikow”, dafür steht die Abkürzung PK und nicht etwas für Parteikongress… An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich die Faschisten-Muttis Meloni, Weidel und Le Pen so sehr in den Dienst einer Agenda gestellt haben, dass ich sie ob ihrer Haltung, ihres Gestus, ihrer Äußerungen und Handlungen noch als weiblich lesen könnte; das zeigt sich höchstens dann, wenn sie die “Waffen einer Frau” instrumentalisieren, um zu bekommen, was sie unbedingt ebenso sehr wollen, wie ihre männlichen Faschisten-Kollegen: Macht!

Man könnte nun an diesen Wahrnehmungen verzweifeln, ja sich vielleicht sogar resigniert aus dem öffentlichen Markt der Meinungen zurückziehen und warten, was als nächstes passiert. Oder man legt sich Dachlatten (mind. 40x40mm), Kabelbinder, Plastikplane, Schaufeln, Handbeile, Brandbeschleuniger und anderes hilfreiches Material ans Lager, für den leider nicht absolut unwahrscheinlichen Fall, dass diese Feinde der Menschlichkeit wirklich jemals bei uns an die Macht kommen sollten. Bis es jedoch soweit wäre, sind sie argumentativ überall zu bekämpfen, wo die Medusa des Faschismus eines ihrer hässlichen Häupter erhebt – immer schön dran denken: den Kopf nicht abtrennen, sondern einfach nur zu Brei schlagen; natürlich jedoch nur verbal… Und was meine andere Rolle als Pädagoge, wie auch als Führungskraft angeht, so ist es meine Aufgabe, Menschen dazu zu ermächtigen, selbst denken und auf Basis der dabei gefundenen Erkenntnisse handeln zu können. Selber denken zu können war schon immer ein Motor für demkokratische, vor allem aber auch für humanistische Prozesse; denn eigentlich ist ein humanistisches Menschenbild die weitesgehend unausweichliche Konsequenz ernsthaft tiefgründigen Philosophierens über unser Dasein und dessen Zweck. Denn wenn man das – aus meiner Sicht vollkommen nutzlose – Streben nach Reichtum (und damit vor allem nach Macht über andere) einmal beiseite legt, bleibt nur noch eines: ein sinnstiftendes Miteinander zu pflegen! Worin sich dieses am Ende für jede*n von uns konstituiert, ist mir einerlei. Gründet Vereine und repariert, was auch immer ihr in die Finger kriegt: Technik, Beziehungen, Menschen, euren Kiez, whatever. Ihr werdet nur zum Irre-Lefant, wenn ihr euch von den ganzen bösen Menschoiden da draußen irre machen lasst und daraus den (unzulässigen) Schluß zieht, dass euer Denken, Tun und Lassen nicht relevant wären. Menschen dazu zu bringen, sich mit solcher – POSITIVER – Denke zu beschäftigen ist MIR Lebenszweck geworden!

Und den Faschisten sage ich: ¡Los fascistas no pasarán! ¡No pasarán!

Ich wünsche euch ein verf***t schönes Wochenende.

Auch als Podcast…

From Hell – a little tale about dys-democracy!

Am Ende des Tages schreiben so viele Leute über das, was da am Wahlsonntag in Sachsen und Thüringen passiert ist, dass ich meinen Senf eigentlich nicht mehr dazu geben müsste. Aber “eigentlich” ist einer der Endgegner, an denen wir genausowenig vorbeikommen, wie am Wäscheberg, wenn sich das werte Auditorium entsinnen möchte… Und ich finde, dass ein Aspekt mindestens ebenso unterbelichtet geblieben ist, wie die Wahlentscheidung pro AfD. Adolf Höcke hat sich inszeniert und die AfD (Arbeitsgemeinschaft für Demokratie-feindlichkeit) hat leider ihre antisocial-media-Arbeit so richtig gut gemacht. So gut, dass über 40% Jungwähler ihr Kreuz bei diesem Faschistengeschmeiss gemacht haben! Und der EINZIGE Grund dafür ist, dass unser Bildungssystem es immer und immer wieder vergeigt, Trends in das Klassenzimmer zu holen, junge Menschen da zu packen, wo sie tatsächlich unterwegs sind und den sogenannten Bildungs-Kanon einfach mal Kanon sein zu lassen. Nehmt bitte endlich mal Folgendes zur Kenntnis: Bildung und Kultus sind NICHT Ländersache! Bildung und Kultus müssen von Menschen organisiert werden, die verstehen, wie ihre Zielgruppen ticken, ohne dabei grundlegende Ideale aus den Augen zu verlieren – niemals jedoch von irgendwelchen Hobos, die ausschließlich wegen des Parteiproporzes in Ämter gehievt werden, um von dort dann ihr Ahnungs- und Talentlosigkeitsinduziertes Unheil verbreiten zu dürfen. Gell, Frau Eisenmann und Frau Schopper…? Kann solche selbstgefälligen Idioten als Kultusminister bitte mal irgendjemand entsorgen; und am besten einen nicht geringen Teil der Ministerialbeamten gleich mit.Parteipolitiker und Verwaltungsjuristen haben nämlich in den allermeisten Fällen von Bildung so viel Ahnung, wie Schweine vom Fliegen!

Anstatt die Lebensrealität des frühen 21 Jahrhunderts einfach mal zur Kenntnis zu nehmen und Medienanalyse, Medienkritik und Mediennutzung so nachhaltig in den Unterricht zu integrieren, dass die Schüler*innen auch etwas von dem zur Kenntnis zu nehmen bereit wären, worüber da gesprochen wird, arbeitet man sich vielerorts immer noch an einem Curriculum aus der Steinzeit ab – und wundert sich dann, dass die derart Beschallten abschalten oder sich mit anderem Schall ablenken, um in den Pausen sodann schallend über die Realitätsferne ihrer Lehrer zu lachen… Ja, kann man so machen. wenn man aber nun wenigstens gelegentlich neuere Studien liest, könnte einem klar sein, dass die Gen-Z heutzutage nicht mal mehr googelt, sondern TikTokt, um sich Infos zu besorgen. Und wer ist jetzt auf TikTok noch mal besonders präsent? Ach ja – die Faschos, stimmt ja…! Ja so ein Mist aber auch. Ganz ehrlich: auch ICH habe schon als 14-, 15-jähriger nicht verstanden, wozu es gut sein soll, Gedichte interpretieren zu können. Vermutlich deshalb habe ich auch alles vergessen. Das Einzige, was mir von damals noch präsent ist, sind die Begriffe Jambus, Daktylos und Trochäus; aber wie diese Versmaße noch mal genau gingen…? Es hat mein Leben (und das war bis in meine 20er Prä-Internet) in KEINSTER WEISE beeinflusst. Genausowenig, wie die interpretation, der “Leiden des jungen Werther”. Ich habe schon lange Depressionen und weiß daher heute worum es da geht, aber dieser dämlichen Pussy aus dem Buch habe ich trotzdem von Herzen den Tod gewünscht! Wir versuchen junge Menschen von HEUTE mit Material von GESTERN für die Fragen von MORGEN fit zu machen und wundern uns, das alles den Bach runtergeht? Ja, kann man schon so machen, aber dann wird’s halt Scheiße; von der Farbe her passt es ja schon!

Die Antisozialen Medien haben eine Aufmerksamkeitsökonomie geschaffen, die viele von uns Gen-Xern nur unzureichend verstehen. Eines kann einem aber klar werden: so geht es nicht weiter! Interesse an Kunst und Kultur wecke ich nicht, indem ich den Leuten immer wieder das Gleiche serviere. Die Künstler von damals (etwa Da Vinci) haben ihre Werke nicht geschaffen, damit 550 Jahre später Massen daran vorbeigeschleust werden, damit diese enkulturalisiert werden – das funktioniert sowieso nicht. Denn Menschen suchen sich selbst aus, welche Kulturartefakte für sie relevant und damit interessant sind. Es mag den einen oder anderen jetzt irritieren, aber die subjektiven Ziele des Individuums verändern sich im Lebenslauf ganz von selbst. Und so ist es auch mit Schule. Ich kann nicht erwarten, dass Inhalte von gestern oder gar vorgestern die Kids hooken, selbst wenn diese mit Methoden von heute präsentiert werden. Fehlt der Bezug zur aktuellen Lebensrealität, funktioniert das einfach nicht. Und diesen Bezug herzustellen, ist vielen sogenannten Pädagogen offenkundig nicht gegeben; ich erlaube mir diese Kritik als einer, der selbst Pädagoge ist und vage versteht, wie Bezugsherstellung funktioniert.

Was ist also in Sachsen und Thüringen passiert? Ganz einfach: junge Menschen, die sehr wohl sehen und verstehen können, dass unsere Gesellschaft heute reale Probleme hat, bekommen auf TikTok vermeintlich schnelle Lösungen präsentiert, sind aber auf Grund ihrer Bildung und Erziehung (oder beser des Mangels daran) – und natürlich auch auf Grund ihrer Jugend – nicht in der Lage, differenziert zu sehen, dass Faschisten einen nirgendwohin führen, außer ins Verderben. Ihr haltet das für zu sehr vereinfacht? DANN ERKLÄRT MIR, WAS TATSÄCHLICH PASSIERT IST? Bis irgendjemand mit einer besseren Erklärung um die Ecke kommt, bleibe ich dabei, dass unser Bildungssystem gerade scheitert; und dass die verpopulistisierten (und teilverblödeten) Marktfetischisten von der Käsepartei (FDP heißen die glaube ich) auch noch Investitionen in Bildung kaputtsparen wollen, weil ihre Lobbyisten von solchen Investitionen keinen direkten Return of Investment generieren können. Ich kann verstehen, dass man die Ampel nicht gut findet. Ich finde sie vor allem wegen des kleinsten Lichtes nicht gut. Aber das war mit einem narzisstischen Idioten wie Christian Lindner als Finanzminister auch nicht anders zu erwarten. Genug geschimpft. Starten wir in eine tolle neue Woche und hoffen, dass die Blauen trotzdem NICHTS zu melden haben werden. Adieu!

Auch als Podcast…

Benvenuti nelle Marche N°3 – Hitzige Klassenfragen…?

Ich las heute morgen einen Artikel, der sich mit der Frage beschäftigte, wie man angesichts wachsender Auswirkungen des Klimawandels – vulgo: es wird im Sommer früher, länger und intensiver heiß – mit sozialen Unterschieden umgehen soll. Und insinuiert dabei, dass ein niedrigerer sozioökonomischer Status automatisch mit größeren Belastungen einher ginge. Das ist so schlicht nicht richtig, da etwa die Verfügbarkeit von Klimaanlagen am Arbeitsplatz mitnichten mit dem Gehalt der arbeitenden Personen korrelliert, sondern mit der Bereitschaft oder Fähigkeit des Arbeitgebers welche zu installieren. Und gerade am Arbeitsplatz, wo wir Lebenszeit gegen Geld tauschen, wünscht sich er Arbeitgeber ja, dass wir konzentriert und produktiv sind. Dass Hitze an sich bereits eine gesundheitliche Belastung darstellt und die Leistungsfähigkeit negativ beeinflusst, darf als Tatsache geltenzu klären ist die Frage, wie viel der Mensch aushalten können muss. Und da sind wir bei einem gesellschaftlichen Aushandlungsprozess, der noch lange nicht zu Ende geführt ist. Da stellen sich immer noch genug Leute hin und bramabarsieren irgendwas von “stellt euch nicht so an ihr Pussies, früher sind wir bei jeder Hitze arbeiten gegangen”, “Was für ein Klima-Wandel? Das ist doch nur Wetter!”, “Typische Gen-Z-Probleme, die sind alle nur zu Faul zum Schuften!” oder aber der Klassiker “Was interessieren mich eure Armut – ich hab ‘ne Klimaanlage!”. Ja, Arschlöcher wachsen anscheinend immer noch auf sehr prall gefüllten Bäumen; und irgendein Depp lässt immer das Türchen zur Streu-Arschloch-Wiese offen, damit die rausgelangen und unnötig die Welt mit ihrem verbal-kognitiven Abraum verpesten können… Schönen Dank für NIX!

In der Tropfsteinhöhle ist es immer schön kühl => idealer Arbeitsplatz für alle?

Wie der Titel dieses Posts verrät, weilen meinen Lieben und ich derzeit nicht daheim, sondern im Urlaub in Italien. Wir sind mit dem eigenen Auto hergekommen, einem Diesel. Selbst wenn man Lebenszyklusemissionen für ein älteres Fahrzeug umrechnet, ist es noch lange nicht so gut, wie ein Elektroauto. Immerhin arbeitet es aber derzeit effizient, weil vollbesetzt. Wobei wir derzeit ein unfreiwilliges Downgrade auf einen Kleinwagen haben. Dazu zu anderen Zeit mehr. So oder so: für das, was eine Flugreise nach Italien an Emissionen vrebraucht hätte, könnten wir hier ein halbes Jahr rumfahren. Das Gebäude, in welchem wir wohnen, ist ein altes Natursteinhaus, das keine Klimaanlage hat, aber aus meiner Sicht auch keine braucht, da selbst bei sehr hohen Außentemperaturen (wir hatten die Tage immer mal wieder 37°C!) die Innenräume angenehm bis erträglich temperiert bleiben. Nun könnte man wieder einmal sagen, dass ich gerade so einen typischen Bildungsbürgerurlaub der gehobenen Mittelschicht abfeiere; aber wenn man ein bisschen sucht, vergleicht und nicht nur auf das erstbeste (oder – schlechtetese) “Billich Willich!”-Angebot anspringt, ist das jetzt nix, was sich recht viele andere nicht auch leisten könnten. Wenn man halt am Ballermann zum Human-Grillwürstchen werden will, ist das nur eine weitere eigene Lebensentscheidung von vielen. Entlastung schaffen muss man indes für jene, die sich einen Urlaub schlicht nicht leisten können – entweder indem wir über deutlich höhere Mindestlöhne, veränderte Transferleistungen oder eine wesentlich lebenswertere Umgestaltung des urbanen Raumes an sich reden!

Um’s kurz zu machen – wir werden nicht umhin kommen, mehr zu klimatisieren, damit wenigstens in Schulen, sowie an bestimmten Arbeitsplätzen wie Krankenhäusern und Altenheimen Patienten und MItarbeitende nicht weiterhin so stark zu Schaden kommen. Solche Klimaanlagen muss man mit erneuerbaren Energien betreiben und so nicht zum Treiber der Klimakrise werden lassen. Gleiches gilt für Menschen, die sich Klimaanlagen für den privaten Bereich leisten können und wollen – der Betrieb mit Photovoltaik oder wasauchimmer muss dann obligat vorgeschrieben sein. Worüber wir aber dringend diskutieren müssen, sind autofreie, weitesgehend bodenentsiegelte Innenstädte und neue Arten zu bauen, um Städte nicht – wie das heute der Fall ist – zu riesengroßen Schamottsteinen zu machen, welche die tagsüber gespeicherte Hitze nachts schön kontinuierlich abgeben, um ihre Bewohner sous-vide zu garen. Und hier ist der Gesetzgeber ultimativ gefragt. Denn vernünftiges Verhalten im Angesicht der drohenden Katastrophe ist offenkundig von den allermeisten Menschen nicht zu erwarten. “Was, ihr wollt mir meinen vollkommen überdimensionierten Carburator verbieten, mit dem ich alleine ins Geschäft fahre, weil ich mich dann wie King/Queen of the Road fühlen kann? NIEMALS!” (ja, es gibt auch genug unvernünftige Frauen, nur so am Rande). Tja, Jungs und Mädels die Antwort lautet: weil ihr unnötig Ressourcen verschwendet, eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellt, den Menschen in der Stadt Platz wegnehmt und ihre Luft verpestet . DESHALB! “Wieso soll die Flugreise nach Malle jetzt so teuer sein? Kann man denn nicht makl mehr Urlaub machen, wie man will…!”. Doch, doch ihr dürft Urlaub machen. Aber ihr solltet zwei, nein besser drei Mal darüber nachdenken, wie viele Ressourcen ihr dafür verschwenden wollt.

Und dann waren da noch die Menschen, die weite Strecken pendeln müssen. Oder wollen? Oder doch müssen? So ganz klar ist das nämlich nicht. Aber auch auf dem platten (oder hügeligen) Land gibt es noch jede Menge Möglichkeiten, den ÖPNV weiterzuentwickeln. Und niemand will irgendwem das Auto verbieten. Aber es muss viel kleiner, sparsamer, effizienter gehen, als derzeit. Die Dinger sind Gebrauchsgegenstände, keine Statussymbole – GEHT DAS ENDLICH MAL IN EURE DICKSCHÄDEL? Und wir müssen endlich davon Weg, das individuelle Kraftfahrzeug (am besten auch noch Verbrenner) als Nonplusultra von vorne und von hinten staatlicherseits zu subventionieren. Ob das einen gewaltigen Umbau der Gesellschaft erfordert? OH JA! Ob das nur mit dem Einverständnis und der Vernunft der Bürger gehen wird? OH NEIN! Welche Vernunft meint ihr? Die oben beschriebene? Ja, ne, is klar; schönen Dank auch! Ja, mag sein, dass die Ressourcen im Umgang mit den steigenden Temperaturen in einigen wenigen Situationen eine Klassenfrage sind – vor allem aber sind sie eine Bildungsfrage und eine Frage kluger Politikgestaltung; und das meint nicht mehr, immerzu auch dem letzten Depp alles noch transparent erklären müssen zu glauben, sondern sinnvolle Fakten zu schaffen, weil es JETZT verdammt nochmal notwendig ist. Ich wünschte mir nur ein einziges Mal eine Legislatur, in der Probleme tatsächlich angegangen werden, ohne immerzu auf den Proporz am Ende der Legislatur zu schielen. Und Medien, die verstehen, wann es besser ist die Fresse zu halten, anstatt duarend eine neue Sau durch’s Dorf zu treiben. Ach, wär des schee! Schönen Tag noch.

Echt männlich N°0 – …wer bist du denn?

Mit “Männlichkeit” ist es wie mit “Identität” oder “Heimat” – der Begriff kann niemals unabhängig von der eigenen (Er)Lebenswelt diskutiert werden. Was ICH als männlich wahrnehme, ist immer durch Sozialisation, Erziehung, Medienkonsum, kurz gesagt durch Biographie aufgeladen. Mit Biographie ist das ja auch so eine Sache: man nimmt eine Lebensgeschichte oft erst als eine hörenswerte Erzählung wahr, wenn das biologische Alter der erzählenden Person eine gewisse Zahl überschritten hat. Ganz so, als wenn das Alter ein Wert an sich wäre. Ist es aber nicht, denn es gibt da draußen so viele Menschen, die konsistent 50+ Jahre immer alles auf die gleiche Art erledigen – 50+ Jahre lang falsch! Und ja, ich erlaube mir diese normative Festlegung. Denn ein kurzer Blick in die aktuellen wissenschaftlichen Diskusionen zeigt sehr klar, dass ein Handeln, welches andere Menschen willentlich herabsetzt, erschöpfliche Naturressourcen um des egoistischen Spaßes Willen nutzfrei vergeudet und alles Andere der konsumkapitalistischen Prämisse ewigwährenden Wachstums unterordnet, ein falsches Handeln ist! “Es gibt kein richtiges Leben im falschen!”

Kehren wir zum Begriff “Männlichkeit” zurück. Wenn ICH hier nun darüber rede, so wird das Gesagte zunächst MEINE individuelle Sicht auf die Angelegenheit wiedergeben. Ich versuche zwar verschiedene Blickwinkel einzunehmen; wir wissen aber alle (hoffentlich) gut genug, dass der menschliche Modus das Machen von Fehlern von vornherein beinhaltet. Ergo wird meine Sicht der Dinge nicht friktionsfrei auf andere Individuen übertragbar sein. Dennoch erlaube ich mir gelegentlich normative Einlassungen, weil ich meine Meinung zumindest für informiert und ausgewogen genug halte, in einem erweiterten Diskus als Grundlage zu dienen. So arrogant bin ich dann halt doch… Ich bilde unter anderem Ausbilder aus. Und eine der wichtigsten Aufgaben bei der Aus- und Fortbildung von Ausbildern ist, sie immer wieder daran zu erinnern, wie Wahrnehmung, Persönlichkeit, Verhalten und Lernen miteinander zusammenhängen; erinnern deswegen, weil nicht wenige Menschen die Basics zum Ausbilden mitbringen. Und zwar in Form von Haltung, Empathie, Integrität und guter Affektkontrolle. Betrachte ich Männlichkeit nun aus dem Blickwinkel des Ausbilders, so kann man diese als Mischung verschiedener Persönlichkeitsfaktoren gemäß des Big-Five-Model aus der Sozialpsychologie charakterisieren; wobei wichtig ist, dass der Schieberegler zwischen den beiden Polen niemals ganz auf 0 oder 1 steht, sondern fast immer irgendwo dazwischen. Und das es neben einer starken auch eine überstarke (u.U. pathologische) Ausprägung geben kann, so wie es neben einer schwachen Ausprägung eine überschwache (ebenfalls u.U. pathologische) geben kann:

schwach ausgeprägt   -vs-   stark augeprägt

Offenheit für Erfahrungen:
konservativ, vorsichtig -vs- erfinderisch, neugierig

Gewissenhaftigkeit:
unbekümmert, nachlässig -vs- effektiv, organisiert

Extraversion:
zurückhaltend, reserviert -vs- gesellig

Verträglichkeit:
wettbewerbsorientiert -vs- kooperativ, freundlich, mitfühlend

Neurotizismus:
selbstsicher, ruhig -vs- emotional, verletzlich

Wichtig an dieser Stelle ist, dass ICH Männlichkeit nicht per se als “gut” oder “schlecht” betrachte, sondern mich zuerst nur für die Beschreibung der jeweiligen Ausprägungen interessiere. Da spricht dann der deskriptive Sozialwissenschaftler in mir. Das bestimmte Ausprägungskombinationen von verschiedenen Menschen – wie auch mir – als “gut” oder “schlecht” wahrgenommen werden, ist allerdings eine Tatsache. Vielleicht, weil bestimmte Ausprägungskombinationen stets ein Verhalten erzeugen, dass je nach eigener Disposition als mehr oder weniger kompatibel zum Eigenen wahrgenomnmen wird. Wenn ich mich selbst als empathischen und zurückhaltenden Mann sehe, dann wird mir ein Andrew Tate immer zuwieder sein. Ist übrigens der Fall, weil dieser misogyne, chauvinistische, arrogante Menschoid seinen unerträglichen Müll immer noch in die Weite des Internets erbrechen kann. Was soll man da sagen…? Jedenfalls beschäftigt MICH die Frage, was für ein Mann ich BIN, was für einer ich SEIN MÖCHTE und ob diese beiden Beschreibungen (schon) etwas miteinander zu tun haben erheblich. Ich habe zwei Töchter, die gerade in einer Welt aufwachsen, in welcher junge Männer anscheinend wieder einen reaktionären Schritt zurück Richtung 50er Jahre zu tun bereit sind, weil sie sich vom Feminismus bedroht fühlen. Die Folgen kann man insbesondere auf TikTok beobachten, wo junge Männer von teilweise auch noch rechten Rattenfängern in die toxische Maskulinität geführt werden.

Ich könnte ja jetzt sagen: aber ich bin anders. Vielleicht stimmt das auch. Weiß nicht so genau, woran ich das festmachen würde. Was ich weiß, ist aber Folgendes: der Gedanke, dass gerade Teile einer ganzen Generation durch den Gebrauch von antisocial media dazu verführt werden, die gesellschaftliche Uhr wieder zurückdrehen zu wollen, hin zum oldschool-Patriarchat, erschreckt mich. Denn eben dieses Patriarchat hat uns in der Vergangenheit neben einigen bahnbrechenden Erfindungen leider auch Kriege, Elend, Staatsterror von Rechts und Links und einen Amok laufenden Konsumkapitalismus beschert. Ich als white middle-aged cis-gender male habe davon genug. Ich wäre bereit für was anderes. Dieses Andere wird aber bedroht durch solche Entwicklungen, wie sie die verlinkten Studien beschreiben. Kästner hat ja immer gesagt: “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!” In diesem Sinne muss ich als Pädagoge wohl etwas dagegen tun. Und ich beginne daher diese neue Serie. Und vielleicht muss ich doch auf TikTok, so schwer mir das auch fällt. Hat jemand noch ein paar gute Ideen, was man tun könnte? Ich würde mich freuen, von euch zu hören. Einstweilen – schönen Samstag Abend noch.

Habe ich schlechte Laune, weil…

…ich links bin, wie ein Artikel auf ZON dieser Tage insinuiert (die guten Sachen sind wie immer ja leider hinter der Paywall)? Ach ich weiß nicht. Dazu müsste man ja erst mal schlechte Laune haben. Ich geb zu, dass ich bin oft wütend bin – eigentlich immer. Daher mein Lieblingszitat von Bruce Banner aus dem ersten Avengers-Film. Und dieses dauernde Wütendsein kommt von meinem immer wieder getriggerten Gerechtigkeit-Empfinden. Schaut euch doch als Humanisten mal die Welt an, wie sie heute ist – da kann man ja gar nicht anders, als wütend zu werden. Das ist, was mich immer wieder mit den sogenannten “Leistungsträgern”, diesen selbsternannten Königen des Ausnützens der Umstände aneinander geraten lässt. Diese arroganten, opportunistischen Flitzpiepen, die nur deswegen “Erfolg” haben, weil sie das System auf die richtige Art zu spielen gelernt haben und dabei frecherweise auch noch so tun, als wenn sie mit ihren blutigen Händen die schöne neue Welt aus der Wiege heben würden… KOTZEN KÖNNTE ICH! Erfolg meint für diese Nichtsnutze nichts anderes, als Kohle zu zocken, bis die Zukunft für unsere Kinder endgültig verspielt ist. Konsummaterialismus bis zum Erbrechen. Hauptsache ICH kann mein neues Tech-Dings rumzeigen. Wirklich nutzen tut die Dinger ja eh so gut wie niemand; dazu muss man nämlich smart sein…!

Man könnte meine letzten Worte nun doch als schlechte Laune missinterpretieren. Aber das stimmt so einfach nicht. Vielmehr ist es eine Mischung aus der bereits beschriebenen Wut und einer gehörigen Portion Realismus, ohne sich jedoch von beidem ins Bockshorn jagen zu lassen. Denn tatsächlich bin ich nicht der Typ dazu, allzu lange in die Vergangenheit zu schauen. Schaut man nämlich zu lange hin, schaut sie irgendwann zurück! Von einer besseren Vergangenheit zu träumen macht also in etwa so viel Sinn, wie Sandfegen in der Sahara. Daher richtet sich mein Blick üblicherweise nach vorn, denn die Zukunft lässt sich noch gestalten. Und das ist es, was ich zu tun versuche, indem ich einer Arbeit nachgehe, die ich für ziemlich sinnvoll erachte. Eine wachsende Menge junger Menschen für die Arbeit im Gesundheitswesen (präzise: im Rettungsdienst) auszubilden, hat für mich nämlich einen nachhaltigen Charakter. Diese Ausbildung noch weiter zu entwickeln ebenso. Wenigstens nachhaltiger, als manch Anderes. Vielleicht bin ich da ein wenig selbstgefällig, aber das darf man sich aus meiner Sicht gestatten, wenn man einen Beitrag zur existenziellen Sicherheit der Gesellschaft leistet!

Der Artikel auf ZON endet mit der Feststellung, dass die Linken immer (noch) Hoffnung haben. Nur die Schlussfolgerung des Autors ist falsch, denn wir Linken haben haben deswegen keine schlechte Laune; wir verstehen nur wesentlich besser als jeder Konservative und auch jeder (sogenannte) Liberale, dass uns die bewusste Gestaltung der chaotischen Dynamik jenes Prozesses, den wir Kultur, Gesellschaft, den öffentlichen Raum zu nennen belieben durch die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde verwehrt bleibt; ja verwehrt bleiben muss! Und das lässt einen manchmal demütig aussehen. Demut mit Trauer oder schlechter Laune zu verwechseln ist indes einfach, da keiner von uns so ein Display auf der Stirn hat, welches unsere wahren Gedanken und/oder Gefühle offenbart (für mich übrigens eine überaus gruselige Vorstellung, wäre ich mit so einem Ding am Hirn doch schon so oft irgendwo rausgeflogen). Und was die Nazis anbelangt – die verstehen nicht mal den Begriff Dynamik, geschweige denn, dass sie akzeptieren könnten, dass die Dinge nun mal im Fluss sind. Damit sind sie so manchen Konservativen allerdings ziemlich ähnlich. Zum Beispiel unserem guten alten Mittelstands-Blackrocker Merz (muhahaha), dem sein unfassbar Fünfziger-eskes Welt-, Frauen- und Menschenbild bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus den Bügelfalten trieft. Alter, wenn diese Null tatsächlich mal ein Kanzler wird, werde ich wieder viel mehr politisches zu schreiben haben. Denkt daher bitte immer daran – eine NULL VERZEHNFACHT eure Probleme!

Also, noch mal zum mitnotieren: ich habe keine schlechte Laune, weil ich links bin! Ich bin auch nicht wütend, weil ich links bin. Ich bin links und wütend, weil man als Humanist, der an die Gleichberechtigung aller Menschen glaubt nichts anderes sein kann! Schreibt euch das hinter die Ohren. Und momentan habe ich gar keine schlechte Laune, weil meine Welt sich gerade ein wenig entspannt hat und ich sogar wieder Zeit und Energie gewinne, Projekte zum Abschluss zu bringen. Manches wird zwar noch dauern, der herannahende Urlaub wird mich jedoch auch dafür entschädigen. Aber bis dahin hören wir uns noch ein paar Mal. in diesem Sinne – macht ma hinne!

Auch als Podcast…

Bienvenue en Alsace N°3 – die Heimat lässt nicht locker!

Ich sehe das Ende meiner kurzen Auszeit nahen und auch, wenn ich – einmal mehr – öfter als erwünscht von der Arbeit behelligt wurde, weil das Leben nun mal nicht stehenbleibt, nur weil ich wandern gehen möchte, war es bislang eine runde Angelegenheit. Ich habe heute keine allzu tiefschürfenden Gedanken, sondern lediglich noch ein paar Bilder – gefolgt von einem kurzen Kommentar zur aktuellen politischen Lage, den ich mir einfach nicht verkneifen kann.

Hier nun also eine kurze politische Einlassung, auch wenn ich das eigentlich nicht mehr tun wollte. Da die Einschränkung aber von Anfang an im Satz steckte – here comes: Es mag schon sein, dass es der gängigen Rechts-Auslegung eines Verwaltungsgerichtes entspricht, der AfD eine “Demonstration” auf dem Marktplatz in Mannheim zu gestatten, weil das Recht auf freie Meinungsäuerung und Versammlungsfreiheit von der Verfassung garantiert werden. Und weil man in einer Demokratie nun mal auch divergente Meinungen dulden muss und – NEIN ZUM TEUFEL! MUSS MAN NICHT UM JEDEN PREIS! Denn die Kundgebung an jenem Ort, an dem ein mutmasslicher Islamist letzten Freitag eine gesichert Islam-feindliche Kundgebung angegriffen und dabei tragischer Weise einen zur Hilfe eilenden Polizisten getötet hat, wird von diesem blau-braunen Mob, diesem faschistoiden Krebsgeschwür, dass sich selbst auf die Fahnen geschrieben hat, unsere Demokratie von innen zu zerlegen mit Sicherheit dazu genutzt werden, dass Opfer dieses jungen Mannes zu entehren! Was dieser Polizist tat, geschah in diesem viel zu schnellen Moment im besten Sinne Voltaires, der da sagte: “Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen!” Er würde aber sicher NICHT zustimmen, dass sein Tod für Faschisten-Zwecke zum Märtyrertum bastardisiert wird! In einer Stadt mit so vielen Kulturen, einer lebendigen, wehrhaften Zivilgesellschaft und einer aktiven Antifa kann man das resultierende Ende heute Abend kommen sehen! Und das Gericht wird hinterher sagen: das konnte ja keiner ahnen. Ein Schelm wer was Böses dabei denkt. Aber der kritische Blick zeigt, dass unsere Jurisdiktion bei weitem nicht so unabhängig oder unparteiisch ist, wie sie dies sein müsste. Die Bundesregierung hat sich zur möglichen Einschränkung von Art. 5 und Art. 8 GG übrigens erst neulich geäußert! Ich kann also nicht annähernd so viel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich an diesen Mist denke. Einlassung ENDE!

So, genug geschimpft. Das Wochenende steht vor der Tür. Genießt es, denn ICH werde das auch tun! Ab Montag greift nämlich der Wahnsinn wieder um sich. Hat irgendjemand noch ein paar Milligramm Motivation, die ich borgen könnte? Ansonsten bleibt leider morgen Vormittag nur noch zu sagen: À bientôt Alsace. Ich komme wieder!

Auch als Podcast…

Stolz, Vorurteil und … Boomboxen…?

Vorweg: ich tat heute Vormittag meiner Bewegungspflicht Schuldigkeit und spazierte ein Stück durch einen nahegelegenen Park mitten im urbanen Raum. Und als ich diesen so enterte, sah ich dort eine Ansammlung jungmittelalter Menschen, die zwei Bollerwagen bei sich führten und sich eben anschickten, den Park ebenso entern zu wollen, wie ich. Auf einem der Bollerweagen thronte: eine BOOMBOX! Also ein Apparat, groß wie ein achtjähriges Kind, was mich eine gewisse Leistungsfähigkeit befürchten ließ. Ich suchte folglich schnell das Weite, während meine Gedanken sich formten. Boomboxen sind spätkapitalistische Versatzstücke öffentlich ausgetragener Befindlichkeiten! Auf den Satz komme ich später zurück. Vor allem aber sind sie eine perfide Einladung zum ubiquitär ermöglichten Eskapismus auf Kosten Dritter. Als ich vorbeiging lief irgendein slowbass-lastiger Psytrance-Verschnitt oder so was; hätten diese Knallchargen allerdings auch noch Taylor Swift abgefeiert, hätte es möglicherweise mehrere Tote gegeben, darunter mindestens eine Boombox, groß wie ein achtjähriges Kind… Ich meine, ich gehe in diesen Park wegen der Ruhe, der Erholung – und vor allem, um möglichst wenig Menschen begegnen zu müssen. Je tiefer man hineinläuft, umso sicherer kann man sich sein, dass die Besucherdichte meinen Beifall findet. Aber so ein Krachmonster lässt sich weithin vernehmen. Und selbst, wenn’s meine Mukke wäre – beim Waldspaziergang EINFACH NEIN!

Heute ist der 01.05, Tag der Arbeit, also der Tag an dem manche Menschen immer noch auf Kundgebungen und Demonstrationen gehen, wie einst die sozialistischen Straßenkämpfer. Oder aber, sie nutzen die Gelegenheit zum “Vatertags-Vorglühen” und ziehen mit einem Bollerwagen voller Krach und Schnaps durch den Stadtpark. Beides ist mir fremd, denn auf die Kundgebungen kann ich nicht gehen, weil ich dort die bürgerliche Existenz riskieren könnte, die ich über Jahrzehnte so mühevoll aufgebaut habe; denn sollte dort auch nur ein dummer Nazi auftauchen…! Will mal so sagen: ICH stehe auf dem Standpunkt, dass Typen, die mit Fackeln vor die Häuser demokratischer Politiker ziehen und überall nur ihren Hass auf alles Fremde verbreiten (und denen ist so ziemlich alles fremd, was nicht in ein sehr dünnes Buch mit sehr großen Buchstaben passt) weder Zurückhaltung, noch Respekt für ihre “Meinung” (Faschismus ist nämlich keine Meinung, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!) oder gar Freundlichkeit verdient haben – sondern vielmehr ordentlich eine auf’s Maul. IMMER UND ÜBERALL! Und deshalb gehe ich nicht an öffentliche Orte, an denen mir welche in krawallbereit begenen könnten, denn das gäbe Putz! Und mit der Boombox durch den Stadtpark? Wann habt ihr SPACKOS verlernt, euch gesittet daheim oder in einer Bar zu besaufen und dabei nicht der ganzen Umwelt mit euren akkustischen Absonderungen auf den Sack zu gehen? Jesses, nervt des…!

So eine Boombox ist im Prinzip das Gleiche wie ein Laubbläser: sie bewegt unnützerweise etwas von Punkt A nach Punkt B, macht dabei einen Höllenlärm und verschwendet überdies Energie! Ein Laubbläser pustet einfach Blätter von nach A nach B, die man mit einem Rechen genausogut hätte zusammenklauben können, stinkt, dröhnt und nervt damit alle Umstehenden; außer den braintoten Typ mit dem Gehörschutz. Eine Boombox bewegt Schall von A nach B und nervt damit – SAFE – mindestens einen (unterschiedlich großen) Teil der Umstehenden. Die Verwandtschaft ist also offenkundig. Außerdem vermittelt ihre Hauptaufgabe, Schall überall hinzubringen zumindest mir laut und deutlich diese spät-kapitalistische Egalheit: ballers raus, egal wann und wo du bist, nach dir die Sintflut! Es ist irgendwann in den letzten Jahren anscheinend in Mode gekommen, den Satz: “Das Private ist politisch!” in “Das Private ist öffentlich!” umzudeuten. Das dabei ein gesellschaftlich-politischer Aushandlungsprozess auf einem öffentlichen Marktplatz der Meinungen, den die erste Variante beschreiben sollte, genau NICHT gemeint ist, sondern vielmehr das ungefilterte Hinaustrompetenwollen der eigenen Meinung, gleich wie unfundiert und blödsinnig diese auch sein mag, hat die eine oder andere sehr unangenehme Auswirkung auf unser Miteinander. Und das nicht nur am Ersten Mai! Für mich ist die Boombox daher auch ein Sinnbild für Dogmatismus! Sie trompetet all das, was ihr Besitzer sich wünscht hinaus in die Welt. Bei einem Blogpost, Threadpost in einem Forum oder einem Youtube-Video kann man einfach wegklicken… aber im Stadtpark…? Insofern ist sie geeignet, den Stolz des Besitzers genauso zu verteilen (seht her, was für tolle Dinge ich höre – SPEI – WÜRG – KOTZ), wie dessen Vorurteile (seht her, ICH habe Geschmack usw.).

“Aber, aber, das sind doch alles nur Unterstellungen. Du kannst doch gar nicht wissen, was in deren Köpfen vorgeht!” murmelt mal wieder irgendjemand in beinahe unhörbarer Lautstärke in den Tiefen des Saales. JA mag sein, dass ich hier etwas unterstelle. Und zwar aus dem kühlen Grunde, dass es unhöflich, aufdringlich und nervtötend ist, von fremden Menschen mit irgendeiner Scheiße beschallt zu werden, die mich davon abhält, meinen Spaziergang im Park erholsam finden zu können. Oder (für die Spätmerker) anders formuliert: KATEGORISCHER IMPERATIV MOTHERFUCKER! Das Private kann des Öfteren politisch sein, aber es sollte nicht ungefiltert öffentlich werden, weil ICH einen Scheiß auf EUER exaltiertes Bedürfniss zur Selbstentfaltung gebe, solange ihr MEIN weniger exaltiertes nicht im Ansatz respektieren könnt. Also lasst die verschissene Boombox zu Hause, unterhaltet euch wie normale Menschen und sauft BITTE, BITTE nur so viel, wie ihr auch vertragt. MICH musste man nur ein einziges Mal nach Hause tragen, danach wusste ich halbwegs wie’s läuft. Ob mich sowas aufregt? Ja klar, ich bin schließlich immer wütend, wie ihr mittlerweile wissen könntet. Und jetzt noch viel Spaß mit dem Rest dieses “Feiertages” – Quiet Out!

Auch als Podcast…

If I could save time in a bottle…

Wann ist DAS passiert? Wann ist WAS passiert? Hat irgendjemand mitbekommen, dass es passiert ist? Ist es wirklich passiert? Kann man nicht revidieren, dass ETWAS passiert ist? Wenn niemand da war, als es passiert ist, ist es dann wirklich passiert. Wenn ICH nicht dabei war, wie konnte es dann passieren? Passiert nicht gerade schon wieder etwas – ohne mich? Kann’s sein, dass gerade jemand mein Gehirn passiert hat…? Ich denke ich könnte noch ein Weile weitermachen, nur um ein paar Menschen die Gehirnwindungen mit passiertem Wort-Matsch zuzukleistern. Ungefähr so, wie Antisocial Media das den ganzen verfickten Tag über tut. Du schaust in irgendjemandes Account und siehst Bilder, bei deren Entstehung du SO VERDAMMT GERNE dabei gewesen wärst – einfach, weil die optische Verarschung namens Post-Bildchen so aussieht, als ob es toll, fun, chill, cool oder sonstwas gewesen wäre. Glaubt eigentlich irgendjemand, dass diese blöden Bilder etwas abbilden, dass der Realität auch nur nahe kommt? In dem Moment, da deine Netzhaut gereizt wird und sich das Bild in deinem visuellen Kortex wieder zusammensetzt, um an die sekundäre und tertiäre Sehrinde weitergereicht zu werden, unterliegt es bereits einer Interpretations-Leistung, weil diese höheren Sehzentren mit Wiedererkennungsmerkmalen arbeiten; also Abbildern von Erinnerungen! Und dabei werden natürlich auch diese Erinnerungen und die damit verknüpften Emotionen wieder nach oben gespült. Ist das ganze noch mit anderen Sinnesreizen verknüpft, brauchen wir zum Film auch schon Taschentücher, anstatt Nachos und Popcorn…

Today…

Neben Film und Fernsehen sind viele Instagramm-/TikTok-/Sonstwas-Posts extra dazu hergestellt, um a) aus der täglichen Masse an Content herauszustechen, b) Emotionen zu wecken und c) so zu verkaufen! Kapiert’s doch endlich: erfolgreiche Antisocial-Media-Kanäle sind einfach nur Konsumfallen. Aber selbst private Konten mit lediglich ein paar Hundert Followern haben so viel kuratierten Content, dass Originalität bestenfalls ein Abfallprodukt ist; und Authentizität meist ein Fremdwort. Die Channel-Chabos tun das, weil sie halt nach Aufmerksamkeit gieren, und jeder eine verfluchte Taschenwanze zur Hand hat, die es vermeintlich so einfach macht, mit dem Rest der Welt in Kontakt zu treten (wer ohne Sünde ist… ich nehme mich da nicht aus, nur dass ihr’s wisst!). Dabei verstecken wir uns alle doch nur hinter unseren Avataren und dem Bild, von welchem wir uns wünschten, dass Andere es von uns hätten. Leben im Konjunktiv! Und trotzdem… trotzdem scrollen wir uns tot, auf der Suche nach dem einen positiven Second-Hand-Kick, weil wir tief drin WISSEN, was die richtigen Bilder und Videos mit uns machen können. Klingt das nach besten Voraussetzungen für eine Sucht? Tja, dann habt ihr’s ja begriffen. Ich könnte diesen Post jetzt also mit einem Schulterzucken abschließen und ein schicksalsergebenes “Is halt so” in meinen Bart seufzen. Oder wir reden noch ein bisschen darüber, warum das jederpersons Problem ist…. wollen wir?

Wenn Klick-hurende Instafluenzien, die irgendwelchen Kosmetik-Dreck, Fast Fashion, Billigschmuck, oder anderen, ranzigen Ein-Euro-Scheiß aus China bewerben der Kern des Problems wären, könnte man einfach Werbung auf Antisocial Media einschränken und fertig. Wird nur keiner tun, weil die betreibenden Konzerne damit ihr Geld verdienen. Meta, Alphabet und wie sie alle heißen, sind nur so groß geworden, weil die Werbung verkaufen. Und ja, auch die meisten Influenzeranzien sind einfach nur Webetreibende, die damit einen Haufen Geld verdienen, dass sie anderen Menschen Zeug verkaufen, dass JENE mit Geld bezahlen müssen, dass sie nicht haben, um es Anderen auf Social Media zu zeigen, die das überhaupt nicht interesssiert, weil DIESE viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Wer hier keinen Teufelskreislauf erkennen kann, soll doch bitte noch mal in die Grundschule! Doch die “Werbung”, die den größten Schaden anrichtet, ist jene für Feindbilder, welche die gezielte Verrohung unserer Sprache zum Ziel hat, betrieben durch die verdammten Faschisten, die eine langsame Drift unserer Gesellschaft anstreben; hin zu Kälte, Indifferenz oder gleich unverhohlenem Hass auf alles und jeden, den/die als anders wahrgenommen werden. “Das wird man jetzt doch wohl noch sagen dürfen” ist dabei der Code, der darauf hinweist, dass jetzt etwas gesagt wird, dass man NICHT SAGEN KÖNNEN DÜRFTE, weil es nur dazu geamcht ist, irgendjemand aus dem breiten Spektrum derer, die als anders wahrgenommen werden zu verletzen, herabzuwürdigen, zu beleidigen oder sonstwie zu schädigen! PFUI TEUFEL!

Der überbordende Gebrauch von Antisocial Media macht uns indifferent gegenüber solchen Dingen. Denn es wird immer mehr Menschen einfach egal, das es andere Meinungen als die eigene geben könnte, weil die tatsächliche Macht des Wortes durch den unnötigen Konsum so vieler nutzloser Worte bis zur Unkenntlichkeit verwässert wird. Die eigene Meinung entsteht dann nicht mehr, wie es eigentlich richtig wäre, aus Wissen und Bedenken, sondern ganz und gar aus Gefühlen, die sich auf Antisocial Media so wunderbar erzeugen und steuern lassen. Das ist es, was der Begriff “alternative Fakten” tatsächlich meint – nämlich Fakten durch Emotionen zu ersetzen, die viel leichter manipulierbar sind. Gesellschaften verändern sich auf dem Marktplatz des Diskurses, den wir “Öffentlichkeit” zu nennen pflegen. Und dieser Marktplatz verändert sein Gesicht gerade hin zu einem Truppenübungsplatz, auf dem die Faschos schon mal ein bisschen Stechschritt üben, damit sich die Plebs wieder dran gewöhnen kann, dass es bald ein Viertes Reich geben wird. Oder was denkt ihr, was Typen wie Höcke wollen? Es würde unsere Leben reicher, authentischer, achtsamer und nachhaltiger machen, wenn wir auf dieses Antisocial-Media-Ego-Gewichse endlich ganz verzichten könnten. Und verbietet bitte endlich diese unerträglichen Influenzeranzien: insbesondere Fast-Fashion ist gelebte Umweltzerstörung, fördert Sklavenarbeit im globalen Süden und ist ein Treiber der Klimakrise. ALSO WEG DAMIT! Und was man mit der ganzen Zeit anfangen könnte, die man dann nicht mehr damit verschwendet, um auf seine überteuerte Taschenwanze zu glotzen. Dann müsste man sie auch nicht in einer Flasche aufheben. Friert wohl, denn es ist Winterwunderwochenende…