Writing Fiction #03 – …what to write?

Manchmal sind es eher kleine Wahrnehmungen, die größere Prozesse auslösen. Es gibt ja immer noch jede Menge Menschen die echt glauben, dass Inspiration etwas von Gott Gegebenes ist – und dass nur gewisse Menschen überhaupt Inspiration haben oder bekommen. Das ist völliger Quatsch, denn jede*r kann von den Wahrnehmungen, die er oder sie macht zu allem möglichen (aber auch zum unmöglichen) inspiriert werden. Das passiert manchmal völlig unerwartet, basiert aber stets darauf, dass wir uns mit unseren Ideen auch bewusst auseinandersetzen. Theoretisch steckt tatsächlich in jedem von uns eine Geschichte; es macht aber einen Unterschied, ob man sich regelmäßig mit dem Erzählen beschäftigt, oder nicht. Es macht auch einen Unterschied, womit ich mich sonst so den lieben langen Tag beschäftige. Schließlich macht es einen Unterschied, ob ich meine Wahrnehmung trainiere; Leute die blind durch ihren Alltag laufen werden wesentlich seltener von (guten) Ideen heimgesucht. Ich werde hier jetzt bewusst NICHT anfangen, berühmte Beispiele für Inspiration zu zitieren, weil es niemanden irgendwohin bringt, wenn er/sie sich dem Versuch hingibt, die Umstände zu reenacten, die irgendeine*n berühmte*n Autor*in jene Ideen finden ließen, die sie/ihn schließlich stinkreich gemacht haben. Denn, wir müssen alle verstehen, dass das, was für EINEN Menschen super funktioniert hat, bei anderen Menschen vielleicht nur ein Schulterzucken oder ein müdes Lächeln erzeugen wird. Wir alle haben unsere höchst eigenen Ideen-Quellen. Was jedoch jene, die regelmäßig inspiriert erscheinen von den vorgeblich uninspirierten unterscheidet, sind die Arbeit und Disziplin, welche in die Schöpfung zu investieren wir bereit sind – oder eben auch nicht.

Ich meine… ich selbst etwa habe neulich eine, für mich höchst faszinierende Idee dadurch gewonnen, dass ich auf Youtube eine kurze Doku über den Entstehungsprozess des Filmes Metropolis angeschaut hatte. Es dauerte vielleicht einen Tag und ich war voll in einem Schaffensprozess, weil ich plötzlich eine klare Vision von einer ganzen Welt vor Augen hatte, in welcher sich einerseits Motive der Filmhandlung spiegelten, andererseits aber auch das Filmemachen selbst Part einer größeren Geschichte sein würde. Und das klingt jetzt vielleicht für manche so, als wenn mir das dauernd passieren würde; als wenn man einfach nur eine Doku auf Youtube schauen müsste und BAMDIBAM – IDEE! Doch dies ist nicht der Fall! Ich hatte in den Monaten davor immer wieder viele, höchst verschiedene Ideen gewälzt und ich schreibe – wie hier bereits klar geworden sein dürfte – dauernd an irgendwelchen Konzepten, weil eine bloße Idee NICHT gleich eine Inspiration ist, aus der ein Konzept wachsen kann, welches eine ganze Geschichte zu tragen vermag. Also hatte ich, nachdem mich hier die Muse geküsst hatte, erst Mal eine Weile intensiv recherchiert, weil in den Untiefen meines Gedächtnisses vor allem visuelle Versatzstücke aus anderen Medien umher trieben, die mir instinktiv zu der Ursprungsidee zu passen schienen. Doch diese wiederzufinden und genau zu prüfen, kostete mich Zeit, Ich musste demnach erst mal eine Weile forschen und lesen, um diese alten Bilder wieder greifbar machen und mehr Stoff zusammentragen zu können. Dann musste ich schreiben, redigieren, korrigieren. Doch am vorläufigen Ende steht nun eine halbwegs reife Ausarbeitung eines neuen Pen’n’Paper-Settings (incl. angepasster Regeln), der ich überdies die Konzepte für einen weiteren Roman verdanke. Aber… vielleicht sollte ich erst mal eine der zwei unfertigen Geschichten beenden, oder…?

Was die vorangegangene Beschreibung zu illustrieren versucht, ist einerseits nicht weniger, als der, für jede*n von und notwendige und völlig individuell strukturierte Annäherungs-prozess an die Verdichtung einer bloßen idee zu einem Konzept – und der folgenden Arbeit, daraus dann ein Produkt zu machen, sofern das Konzept denn überhaupt dazu taugt; also, wie zuvor schon gesagt in der Lage ist, eine Geschichte zu tragen. Wir reden ja schließlich immer noch über das kreative Schreiben, nicht wahr. Es ist jedoch andererseits auch der beredte Hinweis, dass wir manchmal nicht kontrollieren können, wann und wodurch uns die wirklich guten Ideen kommen; dass wir jedoch gut beraten sind, mit dem Inspirations-Flow zu gehen und so viel Energie und Zeit wie notwendig zu investieren, um verstehen zu können, ob da gerade tatsächlich eine der wirklich guten Ideen angeklopft hat, die es wert ist, weiter verfolgt zu werden. Komme ich entlang des Weges zu der Auffassung, dass es eher doch nur ein dämliches Hirngespinst ist, kann ich das Ganze immer noch ad acta legen und mit anderen Dingen weitermachen. Doch wenn Faszination und Flow mich tragen, dann arbeite ich solange daran, bis diese Idee weitgehend fertig in einem Konzept konsolidiert ist, an dem ich zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt weiterarbeiten kann, weil alle essentiellen Parts schon existieren. Im Lauf der Zeit formiert sich durch diese Arbeit in uns eine individuelle Sensitivität für Ideen, die uns zielsicher immer wieder bei bestimmten Genres, Erzählfiguren, Charakteren, etc. landen lässt. Wir haben alle unsere Vorlieben – und die machen sich auch in unserer Kreativität bemerkbar.

WAS ich schreibe, ist folglich durch meine Wahrnehmung, meinen Geschmack, meine Sozialisation, oder anders gesagt meine Biographie zumindest informiert. Ich würde nicht von festgelegt sprechen wollen, da wir uns im Laufe des Lebens ja immer wieder für neue Dinge begeistern können; zumindest, sofern wir uns dies gestatten. Und ja – nicht jede*r Mensch bleibt hier im gleichen Maße kognitiv rege, interessiert und mental flexibel genug, um das Neue, Unbekannte, Andere begrüßen oder begreifen zu können. Ein hoch geschlossenes Weltbild macht einen folglich nicht zu einer kreativeren Person, sondern bewirkt eher das Gegenteil. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum über-konservative Menschen (Neo-Nazis, Nationalisten, Chauvinisten, Rassisten, etc.) so wenig kreativ und innovationsfähig sind. Für mich ist das Verschließen vor dem Anderen jedenfalls keine Option, weil es meine Kreativität behindern würde. Und weniger Kreativität macht für mich das Leben weniger lebenswert. Nun hat auch der dritte Teil Bedingungen des Schreibens untersucht. In Teil Vier werden wir dann endlich über den eigentlichen Prozess sprechen, wenngleich ein paar Dinge schon durchgeschienen sein mögen. In diesem Sinne noch einen schönen Samstagabend.

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°73 – Warum überhaupt gamen…?

Ich erinnere mich, irgendwann im Frühsommer 1989 im Zimmer eines Schulkameraden gesessen zu haben, der verzweifelt versuchte, mir zu erklären, was genau Pen’n’Paper ist. Und ich glaube, ich war nicht sofort “an Bord”. Es mangelte mir nämlich am Verständnis dafür, wie man DARAUS ein Spiel machen sollte. Wenige Sitzungen später hatte ich das jedoch raus und habe seitdem nie wieder wirklich damit aufgehört; wenn man mal von einem längeren, Burnoutbedingten Hiatus vor einigen Jahren absieht. Es dauerte damals nicht lange, bis ich instinktiv begriff, dass ich eigentlich schon immer Rollenspiele gespielt hatte. Wenn ich als Kind mit meinen kleinen Blech-und-Plaste-Autos spielte, baute ich dafür aus Papierschnipseln absurde Straßenlayouts (Los Santos lässt grüßen) und die imaginären Leute, welche diese Autos fuhren, hatten Namen, Jobs, ein Zuhause, etc. – und machten Dinge, die in der Gesamtschau stets eine Geschichte ergaben. Vielleicht keine sehr ausgefeilte Geschichte, aber manchmal hätte es vermutlich für das typische Drehbuch irgendeines wöchentlichen Police-Procedurals gereicht: der Coup/Gangster der Woche war jedenfalls meistens dabei. Und natürlich haben immer die “Guten” gewonnen. Man mag mir zurechnen, dass es in meiner Weltwahrnehmung damals noch nicht so viele Graustufen gab… Es gab einige, die damals zockten, manchmal hatten wir Runden von 12, 13 Leuten mit 2 Spielleitern zusammen. War schon cool. Aber viele (vermutlich die Meisten) hörten irgendwann damit auf. Das Leben kam dazwischen und irgendwann verlor es für sie wohl seinen Reiz, sich einmal die Woche in die Haut einer anderen Person zu kleiden, um Dinge zu tun, die man in der Realität niemals tun würde, Klamotten zu tragen, die man niemals tragen würde, cooler zu sein, als man jemals sein könnte…

Ich habe nie verstanden, wie man dieses Hobby NICHT weiterführen kann. Betrachtet man sich unsere Welt, dann unterliegen wir stets der Illusion, dass sich die Dinge um uns herum, ja vielleicht auch wir selbst, nicht, oder kaum ändern, weil unser direktes Umfeld sich häufig so langsam wandelt, dass man diese Nuancen erst wahrnehmen kann, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist. Und dann kommt man an diesem Gebäude vorbei und fragt sich, seit wann das da steht – oder man schaut mal genauer in den Spiegel. Diese Furchen rings um die Augen, die sind nämlich echt. Vor allem aber haben wir häufig die Wahrnehmung dass wir selbst nichts zur Änderung der Welt beitragen, oder gar Einfluss darauf nehmen könnten. Ich meine… wir gehen wählen in der Hoffnung, dass “unsere” Kandidaten auch unsere Interessen vertreten; nur um alsbald feststellen zu müssen, dass die vor allem ihre eigenen Interessen vertreten. Oder die Interessen jener Leute, die sie am besten bezahlen. Und das sind in jedem Fall NICHT wir. Es gibt mehrere Möglichkeiten, auf dieses Gefühl der Ohnmacht zu reagieren. Die Falsche ist übrigens, Leuten seine Stimme zu geben, die nach Schuldigen suchen, um diese punishen zu können (sprich Nationalisten und Neonazis), anstatt tatsächlich nach Lösungen zu suchen… aber das hier soll ja nicht zu politisch werden. Eine andere Möglichkeit ist, das Wenige, was man doch tun kann, um es irgendwie besser hinzukriegen auch tatsächlich zu tun. Und seinem Geist ab und an eine Pause von der wahrgenommenen Ohnmacht zu bieten. Womit wir wieder beim Pen’n’Paper wären. Denn meine Spielfigur muss nicht notwendigerweise – so wie ich selbst hier und jetzt – alles mögliche erdulden, sondern hat vielleicht die Chance etwas an den Umständen der eigenen Existenz zu ändern. Kann also Dinge tun, die ich niemals tun könnte, Klamotten tragen, die ich nie tragen würde, cooler sein, als ich es jemals könnte…

Der eine Teil des Reizes besteht – zumindest für mich – also darin, den erlernten Fatalismus gegenüber der realen Welt für eine Weile ablegen und Unglaubliches / Unmögliches tun zu dürfen. Der andere Aspekt ist, dass ich dabei Drama erforschen kann, ohne mich selbst wirklich dem Drama aussetzen zu müssen. Meine Spielercharaktere werden mit Dilemmata, mit Beziehungen, mit Entscheidungen, mit Fragen konfrontiert, die ich im Hier und Jetzt nicht beantworten muss, aber vermutlich auch nicht beantworten könnte. Ich musste noch nie jemanden aus dem Knast befreien, der drin saß, weil ich einen Fehler gemacht hatte. Ich stand noch nie vor der Entscheidung kämpfen und womöglich auch töten zu müssen, um überleben zu können (wenngleich ich weiß, dass es Menschen gibt, die diese Frage heute real beantworten müssen). Ich habe noch nie einen Zauber gewirkt und damit das Gefüge der Realität verändert (schlicht, weil Magie für uns nicht real ist). Und ich habe noch nie eine Menschenmenge mit meinen musikalischen Fähigkeiten begeistert (weil diese in echt eher begreenzt sind). Meine Charaktere tun solche Dinge – und noch viele andere – regelmäßig und ich erlebe dabei die Gedanken und Emotionen dieser anderen, fiktiven Person intensiv, weil ich das will. Weil es mir die Möglichkeit gibt, meine Empathie immer und immer wieder zu testen, ohne dass wirklich etwas auf dem Spiel stünde. Als Spieler fühle ich diese Dinge zumeist intensiver, denn als Spielleiter, weil ich in dem Moment, da ich am Kopfende des Tisches Platz nehme viele Aspekte im Auge behalten muss, die weit über das Verkörpern EINER Rolle hinausgehen. Trotzdem SPIELE ich auch als SL das Spiel; ich spiele sogar eine ganze Welt. Doch meine persönliche Immersion ist viel tiefer, wenn ich als Spieler am Tisch platznehmen und mich ganz auf meine EINE Rolle konzentrieren kann.

Ich game schon so lange, immer noch und vermutlich immer weiter, weil jemand anders sein zu können meine inneren Dämonen im Zaum hält und mir die Chance gibt, meine tiefe Verzweiflung, meine Wut und meine Trauer über den Zustand unserer Welt für eine Weile zu vergessen. Ab und an das Gefühl haben zu dürfen, dass “das Gute” auch mal gewinnen kann ist – wenngleich mir die vielen Graustufen unseres Daseins unterdessen nur allzu schmerzlich bewusst sind – Balsam für meine Seele. Wer würde sowas schon einfach sein lassen, wenn doch in jedem von uns, wie Eric Berne so richtig schrieb immer auch ein Kind-Ich steckt. (Berne, E. 2017, S. 37 ff.) Wie zur Hölle kann man es nicht fucking amazing finden, Dinge tun zu können, die ich real niemals tun könnte, Klamotten zu tragen, die ich nie tragen würde, cooler zu sein, als ich es jemals könnte… Pen’n’Paper ist für mich der größte Spaß, den man mit seinem Gehirn haben kann. Wer’s selbst ausprobieren möchte, darf mich jederzeit fragen. In diesem Sinne – always game on!

Auch als Podcast…
  • Berne, E. (2017): Spiele der Erwachsenen. Psycholgie der menschlichen Beziehungen. 17. Auflage. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch-Verlag.

Der verwirrte Spielleiter N°72 – Bedienungsanleitung?

Braucht man überhaupt eine? Als ich in das Spiel eingeführt wurde, so um den Sommer 1989 rum, da war das ein Prozess, der keinen Namen hatte; der überdies auch keinen Namen brauchte. Wir wussten nicht, was “Onboarding” ist. Es gab damals keine echten Starterboxen, die den Namen verdient hätten, keine Erklärbärvideos, keine Blogs, etc. Denn es gab kein Internet! Es gab ein paar wenige Rollenspielläden. Wenn du Glück hattest, wohntest du in der großen Stadt, wo die Wahrscheinlichkeit einen zu finden größer war. Es gab Spieler, Spielleiter und solche die – nicht durch die mangelhaften Erklärungsversuche der anderen Nerds abgeschreckt – es werden wollten. Es gab RPG-Conventions, wo man sich traf, austauschte und vor allem zockte. Und fertig! Die Welt war da recht überschaubar. Nicht nur, was Rollenspiel anging; aber ich schweife ab. Das Spiel wurde damals in Form einer Erzähltradition weitergegeben. Es gab zwar für verschiedene Systeme eine Unmenge Bücher und Kaufabenteuer, die einem Inspiration verschaffen konnten. Aber nur durch das Studium der Bücher war nicht klar, wie das Spiel funktionierte. Dazu bedurfte es stets einer Sache: Ausprobieren. Sich von den anderen, die schon spielten mitreißen lassen. Und dann dabei bleiben – oder es irgendwann ad acta legen. Ich habe neulich die recht erfrischende Erfahrung gemacht, dass jene, die schon damals zu den wahren Nerds gezählt hatten, auch heute noch dabei sind. Blicke ich auf jene Zeit zurück, so waren es die Erfahrungen in diesen vielen verschiedenen Spielrunden, denen ich beiwohnen, bzw. die ich spielleiten durfte, die meine Herangehensweise und mein Verständnis für das Spiel geprägt haben. Und wenn ich heute die Ehre und das Vergnügen habe, jemanden neu in das Spiel einführen zu dürfen, dann versuche ich vor allem jene ersten Erfahrungen zu nutzen, die ich damals gemacht habe. Denn man lernt das Spiel vor allem durch… SPIELEN. Es gibt jedoch ein ABER dazu.

Ich konsumiere heutzutage das eine oder andere Youtube-Video aus der TTRPG-Sphere; und ich muss manchmal den Kopf schütteln, wie leichtfertig so mancher Content-Creator die eigene – anektdotische – Erfahrung zur wahren Weisheit zu verklären neigt. Ich bin ehrlich verblüfft, mit welcher Anspruchshaltung manche Menschen durch die allwissende Müllhalde gurken. Und ich bemerke, dass TTRPG-Streaming zwar einerseits das Hobby neu belebt hat – auf der anderen Seite aber vielen (potentiellen) Spielern eine vollkommen überzogene Vorstellung davon vermittelt, wie es am Tisch aussehen und zugehen sollte. ICH bin weder ein professional voice-actor, noch benutze ich – bis heute! – eine echte Battlemap oder Minis. Es gibt viele Möglichkeiten, Szenarien lebendig werden zu lassen. Und… das Kämpfen ist nur EIN Teil des Spiels! Es sei denn du spielst DnD. Dann ist für so manchen der Kampf das Spiel. Viel Spaß dabei. Ja, viele TTRPGs können bis heute ihre Herkunft als “Kinder” des Tabletop-Wargaming kaum verleugnen. Wie gesagt, wenn’s den Leuten Spaß macht, bitteschön. Das sind auch die Aspekte, die man heutzutage am ehesten in Starterboxen oder im Internet findet. Optimale Subclasses und Builds für diese oder jene Charakterklasse, die zumeist auf optimalen Damage-Output ausgelegt sind, so gemäß dem Motto “Wie zerlege ich dem Spielleiter am schnellsten seine Abenteuer!” Dabei übersehen die Leute – geblendet von ihrer eigenen Powerfantasy – häufig, dass es die GESCHICHTE ist, die das Spiel im Kern zusammenhält und spannend macht. Es geht nicht darum, ob ich in der Lage bin, die Wächter des Ganghangouts in zwei Kampfrunden zu überwinden, sondern ob ich die Hinweise zusammenpuzzeln kann, warum ich überhaupt dahingefunden habe… nämlich, weil eine andere Gang mich gerade benutzt hat, um Rivalen aus dem Weg zu räumen. Das ganze Geballer und Gemetzel ist stets nur Mittel zum Zweck – um Spannung, um Drama zu erzeugen. Um dir Fragen zu stellen, die sich NICHT mit den Werten auf den Charakterblatt beantworten lassen.

Always working on something new…

Wird mein Charakter verhindern können, dass jemand anders für einen Fehler bezahlen muss, den ich gemacht habe? Werde ich einen Weg zurück nach Hause finden? Werde ich herausfinden, warum ich da überhaupt gelandet bin? Welche Rätsel warten noch auf mich? All das findet man im GESPRÄCH heraus! Natürlich sind dann und wann Würfel im Spiel, wenn es um die Frage geht, ob eine bestimmte Aufgabe gemeistert werden kann. Und ebenso natürlich lauern Konsequenzen, wenn etwas nicht klappt. Wenn ich mir bei neuen Spieler*innen etwas wünschen dürfte, dann wäre dies, dass sie Freude daran finden, sich in ihren Charakter hineinzuversetzen, um zu denken und zu handeln wie der Charakter – und mit den Konsequenzen ihres Tuns und Lassens umzugehen, wie ihr Char es tun würde. Das man dabei jemand anders sein kann, der über völlig andere Mittel zur Konfliktbewältigung verfügt, ist dabei aber nur ein Reiz des Spiels! Ein anderer ist die Übernahme anderer Rollen; also so tun als ob und “was-wäre-wenn”-Fragen beantworten. Doch das alles lernt man nur am Modell. Durch zu- und abschauen. Durch selber machen (scheitern inclusive). Durch Kommunikation und Interaktion. Denn Rollenspiel ist im Kern, wenn man den ganzen Regelcrunch mal wegpellt, ein soziales Spiel, dass sich nur im DIALOG realisieren kann. Im MITEINANDER! Ich habe neulich irgendwo auf Youtube jemanden gesehen, der sich darüber mockierte, dass die neue DnD-Starterbox den Spieler*innen nicht erklärt, wie das Spiel funktioniert. Und ich verstehe seinen Ansatz, dass potentielle Neulinge auf Grund der medialen Präsenz von “Stranger Things” und “Critical Role” und den ganzen anderen DnD-Apologeten dann über diese Starterbox stolpern mögen und dort hinsichtlich dieser Frage enttäuscht werden. Ich glaube jedoch auch, dass die Box, selbst wenn sie manche Dinge besser erklären würde, das Erlernen der Erzähltradition durch andere Nerds kaum ersetzen könnte; denn dazu braucht es die anderen Nerds. Braucht es also eine “Bedienungsanleitung” für TTRPGs? Ja, sicher – aber keine geschriebene. Auch wenn viele Rollenspielbücher dies heutzutage versuchen. Für mich geht nichts darüber, von einem erfahrenen Nerd mit offenem Geist an Bord geholt zu werden. In diesem Sinne – always game on!

Auch als Podcast…

Writing Fiction #01 – …where to begin?

Gleich vorneweg: einen Roman schreiben, einen Essay schreiben, einen Blogpost schreiben und ein TTRPG-Abenteuer schreiben, sind vier vollkommen unterschiedliche Dinge. Das eine sucht nach Antworten auf eine spezifische Frage, oder versucht, dem Leser dabei behilflich zu sein, für sich selbst die richtige Frage (oder Antwort) zu finden. Und bedient sich dafür einer logischen Struktur, die (hoffentlich) für Dritte nachvollziehbar ist. Unterhaltsamkeit mag hier ein Bestandteil sein – muss aber nicht unbedingt; das ist der Essay (“essayer” aus dem Französischen für “versuchen” mag einen Hinweis auf den Zweck solcher Texte geben.). Der Blogpost hingegen ist ein freies Medium: er kann ein Essay sein, ein Rant, ein Listicle, eine Selbstreflexion… oder wasauchimmer. Meine Schreibe hier zeigt das, wie ich glaube, recht anschaulich. Alles von den vorgenannten kam hier schon mal vor. Ich kennzeichne das auch nicht. Leser sollen das ruhig selbst herausfinden. Ein TTRPG-Abenteuer ist, so wie die meisten Blogposts eine eher kurze Textform. Zumindest, so wie ich das betreibe. Ich beschreibe in aller Regel “nur” wichtige Non-Player-Characters (NPCs), wichtige Locations, wichtige Gegenstände. Im heutigen Mainstream wird NPC gerne als negativ konnotierte Bezeichnung für Nebendarsteller im Leben des Protagonisten genutzt – der Protagonist ist man natürlich immer selbst! In meiner Wahrnehmung sind NPCs jedoch eigenständige Persönlichkeiten mit Zielen, Motivationen, No-Gos, Gefühlen… halt wie richtige Personen. Ähnliches gilt auch für die anderen u.U. wichtigen Bestandteile des Abenteuers. Denn im Pen’n’Paper entsteht die Geschichte durch die – oftmals unvorhersehbare – Art und Weise, in der die Spielercharaktere mit dieser Welt und den eben genannten Elementen darin interagieren. Ich kann ein und das gleiche Abenteuer mit drei verschiedenen Gruppen spielen und es wird drei Mal unterschiedlich ablaufen und ausgehen. Was aber bedeutet, dass ich mir über die Story vorher weniger Gedanken machen muss. Ich habe vielleicht eine vage Idee, wohin der Zug fahren KÖNNTE. Die muss aber nicht eintreffen. Der Roman hingegen ist hinsichtlich der Frage nach einer erzählten Geschichte ein GANZ ANDERES BIEST. Denn ich muss – durch die Augen eines Erzählers all das, was für den Verlauf wichtig ist greifbar machen. Und das am Besten auf eine Weise, die für die Leser*innen – kognitiv, vor allem aber auch emotional – nachvollziehbar bleibt…

…is paar Jahre her. Wir haben alle Fehler gemacht, die im Buch standen und noch ein paar mehr! Trotzdem war – und ist es immer noch – eine ziemlich geile Erfahrung!

Um diesen Prozess des Roman-Schreibens soll es hier in der Hauptsache gehen. Nun gibt es da draußen schon eine Menge YouTube-Kanäle, Blogs, etc., die ihr Geld damit verdienen, Menschen erklären zu wollen, wie man einen möglichst erfolgreichen Roman schreibt – oder auch mehrere. Content-Creator, die realistisch betrachtet versuchen, ambitionierten Hobby-Autoren eine (ihre) “Hit-Formel” aufzuoktroyieren; die jedoch zumeist lediglich eines schafft – Einheitsbrei! Denn, wann immer ein “junger” Autor (das Adjektiv bezieht sich hier bewusst auf die Dauer der Autoren-Karriere, nicht das Lebensalter der Person dahinter) anfängt, von einer ersten Veröffentlichung zu träumen, wird er/sie auch recherchieren, was andere vor ihm/ihr getan haben, um dieses hehre Ziel zu erreichen – vom Schreiben leben zu können! Ich träume davon auch – gelegentlich und nur sehr verhalten. Weil ich weiß, dass selbst die größten und bekanntesten Romanciers oft von Glück und Zeitgeist abhängig waren. Erst, wenn der eigene Name eine Marke geworden ist, verkaufen sich die Bücher dauerhaft gut. Und an diesen Punkt kommt so gut wie keiner von denen, die es versuchen! SO GUT WIE KEINER! Egal, wie viele Ratgeber-Videos sie sich anschauen mögen. Denn der Content wird heutzutage von den Lektoren nach Verkaufbarkeit durch Massengeschmack kuratiert. Deshalb wird das hier auch keine Ratgeberreihe. Sondern ein nachdenklicher Blick auf Prozesse. Auf Kreativität und Textarbeit. Auf Vorbereitung und Improvisation. Auf Mut und Angst. Auf Flow und Blockade. Auf Inspiration und Resilienz. Denn auch, wenn viele sich zum Schreiben berufen fühlen mögen, reflektieren die Wenigsten wirklich das WARUM. Aber das WARUM steht am Anfang jedes Textes! Ich setzte mich heute Vormittag an diese Tastatur und begann diesen Text zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich gebe einen Einblick in meine Erfahrungen, Ideen, Quellen. Jedoch nicht mit dem Anspruch, das irgendjemand das wichtig oder nachahmenswert finden muss. Mir genügt das Wissen, dass irgendjemand es nützlich finden KÖNNTE. Denn ich WEISS mit Gewissheit um den Wert meiner Worte. Aber oft – und dieses Geständnis bereue ich nicht – weiß ich bei den ersten Tastenhüben noch nicht, wohin mich der Text tragen wird. Denn ich denke ebenso gerne mit der Tastatur, wie mit dem Stift. Ich ergründe meine eigenen Emotionen und Kognitionen, während die Worte schon auf den Bildschirm oder die Notizbuchseite fließen. Was sich gut anfühlt – weil das WARUM klar ist.

Wenn ich also einen Roman zu schreiben beginne, dann gibt es einen Grund, warum DIESE Geschichte erzählt werden will. Das ist MEIN WARUM. Ob dieses Warum irgendjemanden berührt, oder nicht, ist zunächst völlig einerlei. Natürlich bin ich nicht frei von dem Wunsch, dass auch Andere meine Texte gut finden mögen; so viel Eitelkeit muss dann schon sein. Aber sehr oft genügt mir die Befriedigung, mir etwas von der Seele, von der Brust, aus dem Kopf geschrieben zu haben, einfach, weil es an der Zeit dazu war. Und das Gute daran ist, dass ich mir damit reichlich Übung verschaffe, denn beim Schreiben ist es so – man wird nur besser darin, wenn man es dauernd tut. Ich schaffe pro Jahr einige Hundert Seiten Text in unterschiedlichsten Genres – gewiss nicht so viel, wie professionelle Autoren, die damit tatsächlich ihr Geld verdienen. Aber ich schaffe diese paar Hundert Seiten (manchmal auch mehr) seit JAHRZEHNTEN. Will heißen – ich habe meine 10.000h bis zur Skill-Perfection zumindest theoretisch schon lange zusammen. Doch beim Schreiben gilt man – wie bei so vielen anderen Dingen auch – fälschlicherweise nur dann als Meister, wenn man einen gewissen Grad an Bekanntheit erlangt hat; oder damit Kohle verdient. Das ist mir aber wirklich und ehrlich einerlei. Ich möchte Menschen durch meine Texte kognitiv und emotional berühren; und es ist mir ziemlich Wumpe, ob es viele oder wenige sind, die ich so erreiche. Solange ich irgendjemandem etwas Gutes mitgeben konnte, habe ich mehr geschaffen, als viele Andere in ihrem ganzen verdammten Leben! Und ich WEISS, dass meine Schreibe schon den einen oder anderen Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, vielleicht auch zum Weinen gebracht hat. [EXKURS: Ich weiß übrigens auch, dass es Menschen gibt, die meine – auch verbal verfügbare – Wortgewalt fürchten, weil sie sich in ihrer Autorität bedroht fühlen. Denen kann ich nur sagen: hört mir einfach zu, denkt WIRKLICH über meine Worte nach und versteht, dass ich niemandem was Böses will. Ich will einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen! EXKURS ENDE] Ob die Feder wirklich mächtiger ist als das Schwert, wird wohl die Geschichte entscheiden müssen. Aber wenn es nach mir ginge, so brächte meine Feder vielleicht den einen oder anderen dazu, das Schwert niederzulegen und etwas vernünftigeres mit seiner Zeit anzufangen. Mich würde es jedenfalls freuen. Vielleicht würde so jemand anfangen, nach seinem WARUM zu suchen…? Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Hello darkness, my old friend… again!

Gedanken sind oft auf Kreisbahnen unterwegs. Sie sind ein bisschen so wie Karma und kommen immer wieder zu uns zurück. Aber, wie das mit Kreisbahnen so ist, manchmal dauert ein Umlauf länger. Astronomisch ist das nix ungewöhnliches. Unser nächster, weiter außen gelegener Nachbar, an dem die Menschen schon seit Urzeiten ein großes Interesse haben (für die, die’s noch nicht kapiert haben – der Mars), hat zum Beispiel eine Umlaufzeit um die Sonne von 687 Tagen. Oder knapp 1,9 Erdenjahren. Manche müssen halt aber auch mehr Strecke machen. Im Gegensatz zum Neptun ist der Mars allerdings noch recht flott. Neptun braucht für einmal rum knapp 165 Jahre. Aber zurück zu Gedanken. Die brauchen in aller Regel nicht so lange wie Planeten. Meistens. Nun bin ich aber tatsächlich über Ideen gestolpert, die ich vor knapp 9 Jahren schon hatte. Irgendwie überrascht und entsetzt es mich zu gleichen Teilen, wie aktuell diese immer noch sind. Es ging mir damals um das Gift des Dogmas und der Propaganda, welches den öffentlichen Diskurs so furchtbar toxisch hatte werden lassen. Schaue ich mich heute um, muss ich leider attestieren, dass es noch schlimmer geworden ist. Als ich diesen Gedanken hier das erste Mal formulierte war das Diktum der “Alternativen Fakten” von dieser Alt-Right-Blödwachtel Kelleyann Conway gerade frisch in der Welt. Heute schämen sich diese Drecks-Ami-Faschos im und rings um das Weiße Haus für gar nix mehr und beschimpfen, diffamieren und beleidigen einfach jeden, der ihnen zu wiedersprechen wagt. Wo sind Emmerichs’ Aliens, wenn man die mal braucht? Na ja, sich darüber noch aufzuregen ist in etwa so hilfreich, wie ein Besuch in der nächstgelegenen Confiserie für eine aktuelle Diät. Und es tut mir, angesichts meiner gegenwärtigen mentalen Verfassung auch nicht gut. Dennoch komme ich nicht umhin, andere Implikationen entdeckt zu haben, über die nachzudenken sich tatsächlich lohnt. Wenigstens für mich selbst. Ich hatte damals über den Song “Sound of Silence” von Simon & Garfunkel sinniert; zur Erinnerung hier noch mal die letzten Zeilen:

And the people bowed and prayed
To the Neon God they made
And the sign flashed out its warning
In the words that it was forming
And the sign said
“The words of the prophets are written on the subway walls
And tenement halls
And whispered in the sounds of silence"
Aus "The sound of silence" - Simon & Garfunkel 1964

Ich weiß auch nicht, warum ich immer wieder über diesen Begriff “Neon God” stolpere? Ich meine… ja, semiotisch ist es einfach zu erklären. Das Bild als symbolisches Zeichen nimmt einen Bedeutungsüberschuss gegenüber dem abgebildeten Gegenstand auf. Es geht nicht einfach um eine Neonreklame, weil diese eben ein so mächtiges, so weitgreifendes Sinnbild für alles ist, was in unserer Welt heute falsch läuft; und offenkundig auch 1964 am falsch laufen war. Sinnbild des Konsummaterialismus, der ewigen Verfügbarkeit von allem, der Macht der Äußerlichkeiten gegenüber “inneren Werten”. Eine stets leuchtende Oberfläche, die alle Verderbtheit, alle Abgründe, alle Mängel einer Gesellschaft einfach mit dem süßen Sirenengesang der Ablenkung überdeckt. Es wäre aber auch möglich, dass ich aus der Perspektive des ewigen Storytellers den Aspekt des Zeichens in der Düsternis interessant finde. Dieses tonlose Versprechen auf Trost und Sicherheit in einer Welt, die vollkommen verrückt zu werden scheint. Das Auge des Sturms, das mich vor dem frei drehenden Ende der Geschichte beschützt. Ah… wieder Francis Fukuyama, der 1989 das Ende der Geschichte prognostoziert hatte, indem er vorhersagte, dass sich alsbald überall Demokratie und Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild durchsetzen würden. Hat ja super funktioniert, Francis. Bravo, du selbstgefälliger Depp. Vielleicht hättest du mal darüber nachdenken sollen, dass sich “Das Ende der Geschichte” in jedem vergehenden Augenblick neu erfindet, da wir stets verwirrt und ängstlich auf die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde starren müssen. Ein wenig dekonstruktivistische Demut, so ein kleiner Hauch echte postmoderne Philosophie hätte deinem Denken ganz gut getan, Francis. Aber was weiß ich kleiner Wicht schon. Außer dass kein Begriff nur negativ oder nur positiv konnotiert ist. Bedeutung ist, was wir durch unsere Interpretation immer wieder neu daraus machen. An jedem gottverdammten Tag sind wir dazu aufgerufen, nicht nur das Ende der Geschichte sondern auch uns selbst neu zu erfinden. Und über allem leuchtet der Neon God höhnisch und fragt mich: “Was soll es heute, sein mein kleiner zerdenkender Freund: Existenzialismus? Nihilismus? Dekonstruktivismus? Irgendwas anderes…?” Und ich schaue verzweifelt die Zeichen an und weiß es nicht. Zumindest nicht oft…

Letzthin habe ich mich dafür entschieden, das Zeichen nur als Zeichen sehen zu wollen und mich einfach der Kreativität zu widmen. Etwas Whatever-Punk, wenn Punk doch für mich stets der Begriff für den Versuch des Ausbruchs aus konventionellen Denkmustern, Verhaltensweisen, normierter Subsistenz war. Ich bin also kreativ, habe – wie so oft – eine andere Form von Punk für mich entdeckt und lasse meinen Ideen freien Lauf. Es gibt im Moment nichts, was ich sonst tun könnte, um meine Situation zu verbessern. Das Englische kennt einen Begriff für mein derzeitiges Gefühl: “stuck in a rut”. Gefangen in einer nervtötenden, mich nicht erfüllenden, meine Kräfte aufzehrenden Routine, aus der ich derzeit keinen Ausweg sehe, der nicht irgendwas zerbrechen würde, was mir wichtig ist. Also geht es vorwärts. Immer nur vorwärts. Also schaue ich hoch zu meinem Neon God, der momentan aus Genre-Filmen zu mir herunterleuchtet – und ich erschaffe: ein neues TTRPG-Setting. Buchideen. Alles Mash-Up und Remix bereits vorhandener Geschichten. Denn alle Geschichten existieren ja schon. Und doch ist diese Re-Creativity so viel besser als meine sonstige (Arbeits)Realität. Also halte ich daran fest. Denn auf nur spärlich durch Neon erleuchteten Straßen, im Schatten der steinernen Türme, am Boden einer neuen Stadt lauern neue Geschichten. Willkommen im Wochenende.

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°71 – Systemagnostisch…?

Ich habe neulich mal nachgeschaut… mein erster Entwurf für ein eigenes Regelwerk ist von 1991 oder so. Ich habe also angefangen, selbst TTRPGs zu schreiben, als ich noch ein Anfänger-Nerd war (quasi ein Spieler Level 2, gegenüber dem Spielleiter Level 36, der ich heute bin). Und es sind im Laufe der Zeit einige Entwürfe dazugekommen. Schlussendlich ist schon vor ein paar Jahren ein Regelwerk daraus geworden, welches es meinen Spielern und mir erlaubt, cineastisch die Sau rauszulassen, ohne dauernd befürchten zu müssen, aus Versehen die Spielercharaktere kaputt zu machen. Das ist mein ganz persönlicher Geschmack, wenn ich hinter dem SL-Schirm Platz nehme; ich mag meine Stories und die daraus resultierenden Aktionen meiner Spieler gerne “larger than life”. Inclusive gelegentlicher Stunts, die wir im Hollywood Action-Kino (Fremdscham inclusive) als über dem Limit empfinden, aber trotzdem feiern würden. Als Spieler hingegen nehme ich die Dinge zumeist, wie sie kommen. Spielleiter haben nämlich höchst unterschiedliche Vorstellungen davon, wie cineastisch, grounded, grimdark, heroic, etc. Geschichten sich entwickeln sollen. Ich würde behaupten wollen, dass viele Spieler und Spielleitungen heute einen starken Fokus auf charaktergetriebenes Spiel und vor allem auch auf die Entwicklung der Spielercharaktere haben. Insbesondere auch der eigenen. Was aber nicht bedeutet, dass jede*r dafür die gleichen Maßstäbe anlegt, oder auf die gleiche Art versucht, dies zu befördern. Ich selbst spiele gerade in einer frischen Science-Fantasy-Kampagne. Und nach kurzer Zeit war unser SL zu der Auffassung gelangt, dass Starfinder 2e ein nerviges Regelwerk ist. (An dieser Stelle sei bemerkt: er hat vollkommen Recht. Alles von Paizo schwimmt gefühlt irgendwie immer noch auf DnD 3e und 3.5 rum – wenn man mehr Crunch möchte, muss man schon bis zu Rolemaster zurückgehen…) Und so sind wir bei Savage Worlds gelandet. Das Regelwerk ist schlank, schnell – und deutlich tödlicher als die meisten D20-Systeme (inclusive meinem eigenen). Und das ist okay. Weil unser SL auf dem Standpunkt steht, dass Aktionen Konsequenzen haben müssen – und Ingame-Erfahrung nicht nur den Charakterbogen formt, sondern auch das Charakterspiel informieren sollte. Allright!

Nun ist es so, dass man Charaktere niemals verlustfrei von einem Regelwerk in ein anderes portieren kann. Vor allem nicht von einem deftig Crunch-lastigen Regelschwergewicht wie Starfinder in ein, auf Geschwindigkeit ausgelegtes Meta-System wie Savage Worlds. Die Schwierigkeit bestand darin, die Chars so neu zu bauen, dass die Essenz der ursprünglichen Figuren erhalten bleiben würde. Das erwies sich als Herausforderung. In der Folge haben wir das eine oder andere gebullshittet. Was wiederum dazu führt, dass wir jetzt irgendwie auch nicht mehr Savage Worlds as written spielen, sondern mit einem recht umfangreichen Hausregelkonvolut. Aber hey, was solls… Wenn man so lange zockt wie ich und auch nicht unbedingt ein Powergamer ist (also jemand, der seine Chars krankhaft optimiert, um etwa den Damage-Output zu steigern), dann liest man Regelwerke und Charaktere nicht mehr wortwörtlich, sondern metaphorisch. Und kann in der Folge den Wesenskern eines Chars aus dem einen Regelwerk herausnehmen und in einem anderen mit den dort verfügbaren Optionen neu bauen. Ist Übungssache. Man darf dabei nur nicht an der Idee kleben, ALLES aus dem Ursprungs-Regelwerk eins zu eins umsetzen zu wollen, sondern sollte vielmehr Spaß daran finden, den coolen Kram aus dem neuen System zu nutzen, um die Idee des Charakters anders zu verwirklichen. Und das kann richtig Laune machen. Denn es geht beim Pen’n’Paper-Hobby – aus meiner Sicht – in allererster Linie darum, gemeinsam Geschichten zu erzählen und dabei gemeinsam Spaß zu haben. Das beinhaltet, dass man sich darüber absprechen muss, was okay ist und was nicht (remember Session Zero?). Was jedoch nichts daran ändert, dass es sehr unterschiedliche Auffassungen von Spaß gibt. Manche Leute sind ihre ganze Gaming-Historie hindurch vollkommen zufrieden damit, alles zu killen, was zu beschreiben der Spielleiter die Freundlichkeit besitzt… inclusive aller NSCs. Okay, so murder-hobo as much, as you like. Andere wünschen sich eine Welt, die halbwegs realistisch auf die Aktionen der Spieler reagiert, auch wenn das für die Chars Schmerzen bedeuten kann. Manche Spieler lieben Charaktere, die darauf ausgelegt sind, die anderen am Tisch zu kitzeln. Solange man dabei keine Red Flags reißt… okay, von mir aus. Zumeist ist für jeden was dabei. Und wenn nicht… es gibt andere Spielrunden…

Weder als Spieler, noch als Spielleiter habe ich mich dabei jedoch jemals auf EIN Regelwerk festgelegt. Einerseits, weil viele Systeme eine jeweils höchst eigene Welt mitbringen, in der oft einer oder mehrere Aspekte genug faszinieren, um es mal ausprobieren zu wollen. Findet man raus, dass es doch nicht so geil ist, kann man ja was Anderes machen. Oder, wie hier eben durchexerziert, nimmt man die Welt, die einem gefällt mitsamt Kampagne und transponiert sie auf ein anderes Regelwerk, weil das mitgelieferte Regelwerk nicht das liefert, was man sich vorstellt. Was ich mit all dem sagen möchte, ist Folgendes: Regeln sind IMMER nur eine Krücke. Eine Sprache, die mit gebrochener Syntax und daher oft löchriger Semantik versucht, verschiedene Ideen unterschiedlicher Personen zu Genre, Setting, Metaplot und dynamischer Corestory so greifbar zu machen, dass fiktive Personen in einer fiktiven Welt eine fiktive Geschichte mit fiktiven Fertigkeiten dahingehend zu beeinflussen versuchen können, dass sie am Ende eine für alle Seiten befriedigende – fiktive – Auflösung dieser Geschichte erleben können. What a beautiful brainfuck! Dass jede denkbare Mechanik dabei immerzu unfertig bleiben MUSS, liegt in der sozial-dynamischen Natur dieses Spiels. Wer mit dieser inhärenten Ambivalenz nicht gut umgehen kann, wird an so manchem Tisch nicht viel Spaß haben. Es sei denn, man ist bei Railroaders unter sich; also, spult eine vom Spielleiter vorgefertigte Geschichte ab. Da kann ich aber nicht so drauf. Ich WILL, dass meine Chars ihre Spuren auf den Welten hinterlassen, die sie besuchen. Ob das dann am Ende große oder kleine Spuren sind, ist egal; aber ich will durch meine Spielfigur Selbstwirksamkeit erleben dürfen. Sonst werde ICH nicht glücklich. Was aber natürlich auch bedeutet, dass ich dann mit dem Echo der Welt klarkommen muss. Ich komme aber nun zu dem Schluss: aller Gamedesignerei zum Trotze bin ich systemagnostisch. Meine eigenen Spielercharaktere, aber auch meine Welten, Szenarien, Artefakte und vor allem die NSCs darin lösen sich stets alsbald von irgendwelchen Statblocks und werden… irgendwie lebendig. Nur in den Köpfen der Spieler am Tisch. Aber genau DAS ist es – DAS ist Rollenspiel; und DAS braucht im Grunde nur ein – allen am Tisch genehmes – Regelwerk, um Konflikte irgendwie auflösen zu können. Powerfantasies von omnipotenten überoptimierten Maschinen (“Mary Sue” und “Gary Stu”-Charaktere) machen übrigens irgendwann keinen Spaß mehr. Davon habe ich mich gelöst und solange ich noch Ideen habe, mache ich weiter. Im Moment sieht es jedenfalls nicht danach aus, als wenn ich in meiner Lebensspanne irgendwann davon lassen werde. Daher – always game on!

Auch als Podcast…

Wollen? Ja! – Können? Weiß nicht…

Wenn ich das Gefühl habe, dass nichts, was ich hier und jetzt erschaffen könnte es wert wäre, erschaffen zu werden, soll ich es dann einfach sein lassen? Oder soll ich mich zum kreativen Akt nötigen. Soll ich ernsthaft versuchen die Creatio zu erzwingen? Kann man die denn überhaupt erzwingen? Ich meine, wir entwickeln ein ziemlich gutes Gefühl dafür, was interessant, was schön, was wertvoll ist, lange bevor wir die Fähigkeiten entwickeln, etwas derartiges zu erschaffen. 10.000h bis zur Perfektionierung eines Skills. Ich weiß aber schon in Jahr Eins von Zehn, wie es eigentlich klingen, aussehen, sich anfühlen sollte. Diese große Diskrepanz zwischen Wissen und Wollen auf der einen, Erfahrung und Können auf der anderen Seite ist es, die Lernende – aber auch Kreative – nicht selten verzweifeln lässt. Und dabei ist es egal, ob’s um den Job geht, den ich als Berufsfachschullehrer unterrichte, oder meine Hobbies wie Schreiben, Knipsen, etc. Manchmal hast du das Gefühl, nicht auf diesen Berg steigen, nicht dieses Hindernis überwinden, nicht dieses kleine Ziel erreichen zu können, obwohl es nur darum geht, es einfach zu tun. Aber… was ist schon “einfach”? Denn für mich ist das nur ein Wort, dass so banal, so erreichbar, so verlockend klingt, weil es die Wahrheit immerzu hinter einem Schleier aus trügerischem Nebel und Sirenengesang verbirgt. Nichts ist wirklich einfach, wenn dich deine Zweifel, Erschöpfung, Depression oder einfach nur die Erwartungen Anderer fest im Griff haben. Wenn dir der Takt deines Daseins keine Luft zum atmen lässt und dich immer und immer wieder mit Aufgaben zumüllt, die dir selbst nutzlos, nervtötend und nichtig erscheinen. Wie sollte ich DAS mal so eben geschmeidig überwinden? Indem ich einfach auf diese Tastatur hämmere, bis die Worte irgendwann einen Sinn ergeben…?

Fun fact: die Antwort auf die eben gestellte Frage lautet JA! Man muss bereit sein, dass was man eben zu tun angetreten ist, zu verkacken. Und zwar wieder und wieder. Jedes einzelne Mal verkackt man ein bisschen weniger; zumindest, wenn man bereit ist, sich mit seinen Niederlagen auseinanderzusetzen. Man nennt diesen Prozess, der uns dabei immer besser werden lässt, reflektierte Praxis. Das Konzept des “reflective practitioner” geht auf den amerikanischen Philospophen Donald A. Schön zurück. Aber darum soll es hier nicht gehen. Das Problem dabei ist Folgendes: man braucht dafür Kraft. Viel Kraft. Und an der mangelt es mir letzthin. Die verschiedenen Gründe dafür habe ich, zumindest in meiner Wahrnehmung, in einigen anderen Posts schon hinreichend beschrieben. Was nichts daran ändert, dass ich mich in meinem ureigensten Rückzugsraum zur Gewinnung neuer mentaler und sozialer Energie – nämlich dem möglichst zweckfreien Ausleben meiner Kreativität – gerade bedroht fühle. Und deshalb mit allen Mitteln Freiräume zu schaffen suche, die es mir ermöglichen sollen, nicht vollkommen durchzudrehen. Ich habe in letzter Zeit unterschiedlichste Dinge ausprobiert, die mir helfen sollen, meinen creative spirit zu konservieren, auch wenn die Zeiten für meine Seele gerade alles andere als schön sind. Allein sich eingestehen zu müssen, dass man nicht unbreakable ist, dass man auch mal Ruhe und Hilfe braucht, dass man Dinge ruhen lassen, Aufgaben abgeben und sich selbst vielleicht sogar – zumindest teilweise – neu erfinden muss, ist eine höllische Aufgabe!

Und jetzt? Ja, jetzt fehlen mir irgendwie die Worte, um meine Gefühle auszudrücken. Die Tage hat mich ein sehr guter alter Freund gefragt, wie es mir geht. Einer, der sich NIE mit einem “Muss ja…” zufrieden gibt. Einer, der aus eigener Anschauung weiß, wie ungestüm die ureigensten Dämonen von Zeit zu Zeit sein können. Ich konnte die Frage nicht wirklich sinnhaft beantworten. Es kam eher ein inkohärentes Gestammel aus meinem Munde, was jetzt NICHT meinen typischer Modus der verbalen Äußerung darstellt. Eben jetzt, da ich zur Abwechslung mal schmerzhaft ehrlich zu mir sein möchte, muss ich gestehen, dass ich immer noch keine kohärente Antwort habe. Ich spüre, es muss sich was ändern. Ich habe also ein Gefühl von Unruhe, wahrscheinlich Unzufriedenheit. Ich meine auch wieder Wut zu spüren; weil mich kleine Dinge derzeit so schnell und nachhaltig die Contenance verlieren lassen, dass cholerisch es kaum beschreibt. Gleichzeitig müde zu sein klingt zwar komisch, aber… ich kann mich nicht richtig bewegen, bin ich doch entsetzlich leer und ausgelaugt. Ich glaube, ich habe, in Ermangelung meines sonstigen Esprits das Portmanteau “erwütend” benutzt, war – und bin bis jetzt – jedoch mit dieser Schöpfung nicht zufrieden, weil sie das gegenwärtig durchlebte emotionale Spektrum nicht mal im Ansatz abdeckt. Aber was soll man machen? Irgendeinen Namen braucht das Kind. Hier stehe ich nun, ich armer Tor und bis so depressiv als wie zuvor. Immerhin… ich schaffe es wohl zumindest hier und jetzt, meine Gedanken weitgehend verständlich auszudrücken. Das ist doch schon mal was. Einzig beim Zocken war ich dieser Tage ich selbst und habe echte Freude verspürt. Davon hätte ich so gern so viel mehr…

Doch morgen, ja morgen, da klopft die neue Woche an 
und macht schon Sorgen, soweit ich mich entsann.
Sie dräut und wogt, wie ein Gewitter,
beim bloßen Denken dran wird mir die Seele bitter.
Lust auf diesen Kampf kann ich nicht verspüren.
Und sollt' mich der Weg doch woanders hinführen,
Ich liefe soweit mich meine Füße trügen
egal, ob nach Italien, oder bis auf Rügen.
Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°70 – end of the line…?

Ich habe eben mal nachgeschaut. Ich schreibe hier auf diesem Blog seit bald 13 Jahren. Fast von Anfang an natürlich auch über mein Hobby N°1, das Pen’n’Paper-Rollenspiel. Obwohl es NIEMALS das Ziel gewesen war. Doch wie so oft im Leben, wenn die kreativen Energien verarbeitet werden wollen (auch beim Schreiben), ist am Anfang nicht unbedingt klar, wie das Ergebnis aussehen wird, weil es verdammt nochmal der Prozess ist, der uns wahrhaft interessiert. Herauszufinden, wie etwas funktioniert das uns neue Möglichkeiten eröffnet, das uns zeigt wie wir uns ausdrücken können, wie wir etwas über uns selbst herausfinden und mitteilen können… und darüber, wie das mit diesen ganzen anderen komischen Menschen da draußen funktioniert. Wenn man – wie zum Beispiel ich – ein extravertierter Introvertierter ist, wird der kreative Ausdruck oft zur einzigen Verbindung, über die man sich WIRKLICH mit Anderen austauschen und auch like-minded weirdoes finden kann. Ja, ich habe einen Job, ja ich ich bin anerkannter Experte darin und verdiene damit nicht nur meine Brötchen, sondern betrachte diese Tätigkeit sogar als Berufung. Aber die Wahrheit über mich…? Deren Musik spielt in einem ganz anderen Theater! Der Sani, der Schulleiter, der Lehrer, der Kollege – alles nur hochfunktionale Bedienoberfläche und Notwendigkeit. Der Geschichtenerzähler, der Barde, der Horfnarr – DAS bin ich. Durch und durch.

Immer mehr wird mir klar, wie sehr ich mich an meine beruflichen Funktionen als Sinnstifterin geklammert habe, ohne jemals auch nur im Ansatz verstehen zu können, dass dieses Monster namens Gesundheitswesen meine Seele irgendwann vollends verschlingen wird, um die dampfenden Reste auf den Friedhof der Wohlmeinenden zu scheißen, die von den Arschlöchern unserer Welt immerzu ausgenutzt werden – die bigotten, arroganten, neidischen, besserwisserischen, auf ihre eigene Karriere fixierten Arschgeigen, die man zudem auch noch viel zu oft auf sogenannten Führungspositionen findet. Ich weiß schon lange, wie das alles funktioniert und trat dennoch an, um als Antithese gegen diesen Mist anzukämpfen. Nur um herauszufinden, dass ich dabei drauf und dran bin, mich selbst zu verlieren. Ich stehe 5 Millisekunden vor einem Burnout und weiß nicht, wie es enden wird. Klingt mies? Ist es auch! Aber… das hier ist immer noch ein “Verwirrter Spielleiter”-Post, also wollen wir zum eigentlichen Thema zurückkehren, oder… Was ich jetzt sagen möchte, werden vermutlich nur die wenigen verstehen, die Pen’n’Paper tatsächlich so intensiv leben, lieben, so verstehen und so nutzen, wie ich es tue; und bei weitem nicht alle die zocken, tuen es mit dieser Leidenschaft. Ich habe schon des öfteren erwähnt, dass das Spiel mich auch durch die dunklen Stunden begleitet hat. Dass es mir heute beinahe wie eine selbstinduzierte Therapie hilft, nicht vollkommen durchzudrehen. Doch die Wahrheit ist: der ganze Eskapismus löst natürlich nicht die zu Grunde liegenden Probleme. Er überdeckt sie lediglich für eine Weile. Das macht’s zumindest für eine kurze Zeit erträglicher, weil Probleme, Sorgen, etc. hinter Dinge zurücktreten, die zwar auch Drama, Konflikte und Herausforderungen enthalten… allerdings Drama, Konflikte und Herausforderungen, welche ich mir selbst aussuche, die ich mitgestalten kann und die zumeist auf irgendeine, durchaus befriedigende Art aufgelöst werden können. Manchmal sogar mit Happy-End. Aber ziemlich oft mit einer Geschichte, an die man sich gerne erinnert. So wie an seine Lieblingsbücher oder Filme, nur dass man selbst Mitautor war.

Welcome to the uncanny valley – the most unusual bard…

Aber die Realität kommt in jeder Nacht von Sonntag auf Montag zurück, ringt mich nieder, lässt mich schlecht schlafen, fordert mich heraus, gibt keine Ruhe und ruft immerzu nach Lösungen. Lösungen, die es entweder (noch) nicht gibt, oder die viel Kraft kosten. Mehr Kraft, als ich noch habe. Das ist die berufliche Seite, die mich auszehrt. Doch dazu kommt, dass ich auch ein Forever GM bin, also derjenige, der sich immerzu Welten, Geschichten, Charaktere und ihre Dramen ausdenkt. Und ich werde nicht behaupten, dass ich das nicht mit großer Leidenschaft und Hingabe täte. Doch ich stelle fest, dass ich im Moment VIEL, VIEL, VIEL mehr daran interessiert bin, einfach nur meine eigenen Charaktere zu spielen und die Verantwortung für die ganzen Welten sein zu lassen. Weil aus dem Hobby, dass mich vor meiner Arbeit retten soll, sonst irgendwie noch mehr Arbeit wird, die mich irgendwann in den Abgrund reißt, wenn ich nicht endlich auf die Bremse trete! Und trotzdem biete ich gerade weiteren Menschen an, für sie zu spielleiten. Einfach weil Leute für das Spiel zu begeistern, selbst wenn es mich anstrengt, immer noch um Klassen besser ist, als sich immerzu mit meiner Arbeit beschäftigen zu müssen, die derzeit bestenfalls noch Broterwerb ist. Eine Notwendigkeit auf die ich, bekäme ich die Chance dazu, SOFORT verzichten würde. Na ja, das wird wohl eh nicht passieren. Aber das mit dem weniger Spielleiten und mehr selbst spielen… DAS habe ich in der Hand. Auch wenn es mir ehrlich weh täte, meine Spieler zu enttäuschen. Aber im Moment… im Moment stehe ich vor der Entscheidung, einfach so weiterzumachen und damit unweigerlich vollkommen ins Aus zu laufen, oder mich für eine Weile auf das zu konzentrieren, was mir WIRKLICH Freude bereitet und wenigstens dieses wichtige bisschen Entspannung verschafft, um nicht völlig durchzudrehen: einfach nur selbst spielen. Gerade jetzt wird mir klar, dass es eigentlich nur einen Weg gibt. Der wird jedoch unweigerlich zu Enttäuschungen führen. Wie ich damit umgehen kann, weiß ich nocht nicht, aber selbst jetzt gilt immer noch – always game on!

Auch als Podcast…

Addicted to gaming…?

Ich sitze hier an einem Samstagnachmittag im späten Januar vor meinen Bildschirmen und frage mich einmal mehr, ob ich gerade Zeit verschwende, oder einfach nur mein Leben lebe. Der Tag bisher bestand daraus, mit meiner Familie nicht allzu zeitig zu frühstücken, danach hat jeder ein bisschen Seins gemacht; irgendwie muss der Huzzle und Buzzle der Woche ja von einem abfallen. Irgendwann bin ich in die Küche und habe Essen aufgesetzt (Gulasch braucht ja vor allem Übung und Geduld), um während des Garvorganges ein paar KM in der Sonne spazieren zu gehen. Die Welt ringsum, so scheint es, spielt unterdessen gerade mal wieder verrückt, was ja an sich nichts Ungewöhnliches mehr ist. Das hat sie vermutlich auch früher schon getan. Heute kriegts nur jeder gleich mit. Aber irgendwie… ja irgendwie kratzt mich das alles gerade nicht. Könnte an meiner Depression liegen, die mich schon seit einem halben Jahr wieder besucht – und offensichtlich Gefallen an der Einrichtung meines Kopfes gefunden hat. Steht ja auch genug Futter rum: Stress, Ärger, Sorgen… alles von der Arbeit mitgebracht. Tatsächlich, jedenfalls fühle ich das so, ausschließlich von der Arbeit! Da ist es wenig verwunderlich, dass ich mich an diesem langsam dunkler werdenden Samstag-Nachmittag lieber mit Kram beschäftige, der mir Ablenkung verschafft und Freude bereitet. Kram, der mit dem aktuellen Zustand unserer realen Welt NICHTS zu tun hat. Also… zumindest nicht vordergründig. Doch dazu später mehr.

Ich sitze hier also und arbeite am Kampagnenjournal meiner neuesten Spielrunde. Ich darf mal wieder selbst zocken und die Geschichte fesselt mich. Könnte daran liegen, dass sich die Spieler und der Spielleiter gegenseitig die Bälle zuspielen und das Ganze so zu einer höchst kreativen Übung in kollaborativem Storytelling wird. Ich hatte in meinem letzten Post über die Verwendung von visuellen Medien in der Szenenbeschreibung gesprochen und hier ist es so, dass nicht nur der SL das tut, sondern auch manche Spieler ihren Input geben. Z. B. ich, weshalb ich gerade mit generativer KI rumbastele, um meine Ideen vom Look and Feel dieser frisch entdeckten Welt und ihrer Herausforderungen greifbarer zu machen. Und gleichzeitig das Spiel für mich selbst weiter zu spielen, wie ich es erst kürzlich im letzten Post beschrieben hatte. In den Augen mancher Menschen, wie etwa des ausschließlich zahlenfixierten aktuellen Kanzloiden, verschwende ich damit vermutlich tatsächlich gerade Zeit, die ich doch viel lieber für Wertschöpfung verwenden sollte. Das Problem ist nur – der Kanzloide kann mich mal am Arsch lecken! Ich schöpfe unter der Woche schon mehr als genug Wert. Aber wenn die vereinbarte Arbeitszeit rum ist, dann schöpfe ich lieber durch spielerisches Ausleben meiner Kreativität Kraft, um durch die Runden im Hamsterrad nicht vollständig auszubrennen und durchzuknallen. Und das bedeutet für mich, zu zocken – FUCK YEAH! Pen’n’Paper ist meine Leidenschaft, denn es gibt KEIN anderes Hobby, bei dem man soviel Spaß mit seinem Verstand und seiner Fantasie haben kann! Ob ich eventuell eine gewisse Abhängigkeit vom Zocken entwickelt habe? Möglich wär’s. Falls ja, ist diese allerdings ungefähr genauso beschaffen, wie die aller halbwegs klugen Menschen von halbwegs intelligenten Gesprächen; irgendwann hat man nämlich einfach keinen Bock mehr, sich mit Idioten abgeben zu müssen. Und von denen rennen da draußen ja nun mehr als genug rum…

Addicted to gaming? Ich nehme diese Diagnose sogar mit Stolz an und empfinde sie mehr als Auszeichnung, denn als Stigma, beweist sie doch, dass ich mir auf meine ganz spezielle Art einen gesunden Anteil meines inneren Kindes erhalten habe. Es könnte aus meiner Sicht wahrlich schlimmer kommen. Ich darf immer wieder neue Welten erforschen und mich Herausforderungen stellen, die mit erkennbaren Zielen verknüpft sind, welche einen befriedigenden Endzustand erreichen können. Etwas, das im realen Leben so gut wie nie eintritt, weil vor der Arbeit nach der Arbeit vor der Arbeit ist und die Wäsche-, Geschirr- und Rechnungsberge die mächtigsten Endgegner aller Zeiten bleiben. Davor möchte, wie ich glaube, jeder Mensch dann und wann entfliehen; Pen’n’Paper-Zocker tun dies halt auf eine sehr spezielle Art. Doch… so ganz verschwindet der Bezug zu unserer realen Welt auch im Spiel niemals. Denn die Themen und Erzählfiguren, welcher wir uns im Spiel bedienen, sind stets ein Spiegel der Realität – handeln unsere Geschichten doch oft von Bösewichten, die aus einer Überzeugung heraus handeln, dieses oder jenes für ein bestimmtes Ziel tun zu müssen. “Die schlimmsten Verbrechen werden aus den besten Absichten begangen.” ist vermutlich eine ziemlich präzise Beschreibung dessen, was unsere Welt im Kern antreibt. Putin, Trump, Netanyahu anybody…? Und das ist in den Spielwelten auch greifbar. Allerdings mit dem Unterschied, dass WIR dabei Figuren spielen, die an diesen Bedingungen durch ihr Tun etwas zu ändern vermögen. Wenngleich sie dafür oft einen hohen – fiktionalen – Preis zahlen müssen. Aber ohne Drama, ohne Spannung, ohne Konflikt gibt’s halt keine guten Geschichten. Damit die Geschichten wahrhaftig gut werden, braucht es halt den Input aller Beteiligten. Weshalb am Wochenende manche Stunde dafür drauf geht, unsere Stories weiter zu entwickeln. In diesem Sinne – always game on! And never forget the WHY…!

Der verwirrte Spielleiter N°69 – hybride Spielleitung…?

Wann immer Geschichten erzählt werden, ist unsere Phantasie gefragt. Denn erst in der einsamen Innenwelt unseres Kopfes wird eine erzählte Geschichte “wahr”, indem Bilder entstehen, welche unser je individuelles Verständnis dieser Story reflektieren. Auch beim Storytelling spielt der Konstruktivismus also eine Rolle. Denn Phantasie beschreibt den kreativen Akt, sich eine (zumeist bildliche) Vorstellung von dem zu machen, was wir gerade hören. Nun ist mein Hobby N°1 – das Pen’n’Paper-Rollenspiel – heutzutage immer noch ähnlich strukturiert, wie vor 20, 30, 40 Jahren: Es gibt eine (in einem anderen Post viel ausführlicher beschriebene) Sequenz aus: Situationsbeschreibung (SL) – Statement of Intent (Spieler) – Interpretation und Beurteilung (SL) – Würfeln (Spieler) – Erzählung der Ergebnisse (SL und Spieler), die weitestgehend immer wieder gleich ist. Wobei allerdings ein Aspekt heutzutage häufiger diskutiert wird, nämlich die Notwendigkeit des Würfelns. Also wann, wie oft und wofür man denn nun würfeln lässt, weil verkackte Würfe doch den Fortgang der Geschichte stören würden. Kann man geteilter Meinung drüber sein, denn “Failing Forward” kann auch Spaß machen. Doch strukturell ist es immer noch ähnlich zu früher, wenngleich die Geschichten heutzutage etwas “erwachsener” sind… was auch immer DAS heißen mag. Was sich allerdings in meiner Wahrnehmung ändert, ist die Art und Weise, auf welche die Situationsbeschreibung durchgeführt wird, die ja schließlich unsere Phantasie anregen soll! Früher haben wir ausschließlich das “Theatre of the mind” genutzt, also verbales Erzählen, leicht unterstützt durch Musik oder Ambience, bei manchen Leuten Raumdeko und vielleicht gelegentlich mal ein analoges Handout, um visuelle Stimmung zu erzeugen und gleichzeitig Infodumps zu transportieren. Doch heute…? Nun, heute wird die Situationsbeschreibung häufig zu einem Medienspektakel…

Ich meine das gar nicht despektierlich. Seit jedoch das Internet uns SLs eine Vielzahl an verfügbaren visuellen Stimuli liefern kann, nutzen wir diese nur zu gern, in dem Versuch, die Bilder aus UNSEREN Köpfen in die der ANDEREN zu transportieren, um so ein “Shared Model” jener Welt zu erschaffen, in der wir uns gemeinsam bewegen wollen. Das hat allerdings früher mal so, mal so funktioniert, weil es natürlich nicht zu jeder meiner Ideen ein passendes Bild gab. Bei Unterhaltungsliteratur ist es vollkommen in Ordnung, wenn selbst die Hauptcharaktere eher vage beschrieben sind, damit alle Konsumenten sie als Identifikationsfigur (oder auch als etwas anderes…) nutzen können. Doch bei TTRPGs sind gemeinsame Ideen von Orten und NPCs oftmals essentiell, da diese “Shared Imagery” Entscheidungen der Spieler beeinflussen kann! Es macht nämlich einen erheblichen Unterschied, ob ein angesagter Sprung 4m oder 20m in die Tiefe führt, wie überhaupt mögliche Wege hinein in ein Objekt und wieder hinaus aussehen, ob der Anblick des Monsters, welches gerade angegriffen werden soll vielleicht Hinweise auf dessen Stärke gibt (NEIN, ich verwende KEIN Monster Manual; meine Spieler sollen sich verdammt nochmal schwitzend fragen, womit sie es zu tun haben, anstatt in einem dämlichen Buch rumzublättern…); und ob ich diese Gegenstände, die zu looten ich gerade angesagt habe wirklich anfassen würde, wenn ich vorher ein Bild gesehen hätte… Und da kommt- zumindest bei machen Gruppen – heutzutage generative KI ins Spiel. Ich hatte vor ein paar Monaten von meinem, retrospektiv betrachtet eher frustrierenden Versuch berichtet, mit ChatGPT als SL zu spielen. Hier noch mal zum Mitschreiben: wenn man einen gewissen Anspruch an die Sache hat, kannste das einfach knicken. Wofür das Gedöns jedoch tatsächlich unterdessen taugt, ist die Erstellung von Visuals (sowohl Bilder als auch kurze Videos), die wesentlich besser meine Vorstellungen des Geschehens und der Welt wiedergeben, als es irgendwelche zusammengeklaubten Bildchen aus dem Internet je könnten – und zwar unabhängig davon, ob ich dies als Spieler oder Spielleiter tue.

Es steht außer Frage, dass dabei unter Umständen auch massenweise AI-Slop entstehen kann. Der Unterschied von Shared Imagery zur Anreicherung der eigenen Spielerfahrung zu dem AI-Slop, der teilweise irgendwelche Plattformen im Netz flutet, ist allerdings, dass die Bilder, die ich für mein Spielsitzungen erarbeite – egal, ob ich dort als Spieler oder als SL agiere – nur für mich und vielleicht den Rest der Gruppe gedacht sind! Und dass sie mir tatsächlich helfen, meine Vorstellung von bestimmten Charakteren, Szenen und Szenarien weiter zu entwickeln. Indem ich mit dem Chatprompt interagiere und meine Beschreibung immer weiter raffiniere, weil so gut wie nie der “First Shot” schon passt, befasse ich mich mit den Spielinhalten. Weil ich diese ja möglichst präzise beschreiben muss. Aus der Meta-Perspektive spiele ich damit also schon das Spiel. Und habe hinterher, mit etwas Glück auch noch ein vorzeigbares Ergebnis erzeugt, welches der Pflege eines “Shared Model” der Spielwelt dient. Wem das jetzt zu enthusisastisch klingt, den kann ich leicht beruhigen. Es gibt ein paar sinnvolle Use-cases für solche digitalen Augmentierungen des Spiels. Genauso gibt es aber ein paar Aspekte, bei denen ich niemals generative KI einsetzen würde. Etwa bei der Entwicklung meiner Geschichten, der Core-Story, des Meta-Plots, der Herausforderung des individuellen Spielabends. Die denke ich mir immer noch selbst aus. Ebenso wie meine Spielercharaktere und NPCs. Aber um ein passendes Abbild mancher Chars zu erzeugen, oder um mir Szenen zu vergegenwärtigen, ist es grandios.

Man muss das nicht tun. Auch im 21. Jahrhundert genügt das “Theatre of the mind” theoretisch immer noch vollkommen; allerdings stelle ich letzthin fest, dass es einige Spieler und SLs gibt, denen gerade taktische Szenarien leichter fallen, wenn sie ein visuelles Äquivalent haben. Mein eigenes Regelwerk nutzt, im Gegensatz zu anderen am Markt, kein tactical Battlegrid und keine Minis. Doch auch ich arbeite heute einerseits immer noch mit einfachen, analogen visuellen Medien, welche on-the-fly-Visualisierung des Terrains und anderer Aspekte zulassen (etwa meine Glasplatte mit Kreidestiften für schnelle Karten am Tisch). Weil mir selbst für kurze Sitzungen der Aufwand mit digitalen Karten einfach zu viel ist. Andererseits aber sind Virtual Table-Tops (VTTs), Distanzsitzungen via Conferencing-Tool, etc. heutzutage nicht mehr wegzudenken. Ebensowenig wie die Arbeit mit generativer KI. Ich bin also ein hybrider Spielleiter; und immerzu auf der Suche nach einer noch geschmeidigeren Lösung. Denn eines darf jede mögliche Technik am Spieltisch auf keinen Fall tun: wichtiger sein als das Spiel und seine Teilnehmer selbst! Jede Technik, gleich wie archaisch oder modern darf nur einem Zweck dienen – die Spielerfahrung für die Menschen am Tisch verbessern! Denn ansonsten kille ich den Spaß. Und DER steht immer noch im Mittelpunkt. In diesem Sinne – always game on!