Um es gleich vorweg zu nehmen – ich weiß, wie sich ein echter Burnout oder eine ausgewachsene Erschöpfungsdepression anfühlen aus eigener leidvoller Erfahrung. Und es käme mir nie in den Sinn, das verharmlosen zu wollen. Dazu war die Erfahrung mit 18 Wochen Arbeitsunfähigkeit, Wiedereingliederung und dem resultierenden Arbeitgeber-Wechsel auf Grund der mangelnden Unterstützung nach dem Zusammenbruch einfach zu schmerzhaft. Aber ich habe meinen Weg heraus gefunden und bin heutzutage wenigstens in der Lage, nur am Rande der emotionalen Katastrophe entlang zu fahren, ohne vollends wieder hineinzufallen. Nachdem dies gesagt ist, kommt eine wichtige Feststellung: Spielleiter-Burnout ist ETWAS VOLLKOMMEN ANDERES, als ein echter Burnout. And here comes, why: man bemerkt irgendwann, zumeist am Anfang eher unterschwellig, dass die Leichtigkeit des Zockens langsam aber sicher aus dem Raum verschwindet. Dass einem die Sitzungen eher wie Arbeit, denn wie Freizeit vorkommen. Dass das Produzieren von Content zu einer Aufgabe wird, die mehr und mehr Energie verschlingt, als sie das Leben zuvor bereichert hat. Ich hatte irgendwann mal geschrieben, dass auch die Vorbereitung des Spiels für mich bereits zum Spielen des Spiels gehört; das war wohl sehr lange meine Wahrheit und wird dies auch gewiss bald wieder sein. Nur im Moment… da bin ich selbst leer. Aber das betrifft derzeit nur einen Teil meines Lebens. Zweifelsohne einen wichtigen, aber es gibt auch noch andere. Ein echter Burnout würde alle Aspekte des Lebens mit in seinen Strudel ziehen. Diese Erkenntnis könnte für manche Menschen wichtig sein. Sie ist es in jedem Fall für mich. Ich glaube unterdessen erkannt zu haben, dass die Art und Weise, auf welche mich meine Arbeit auslaugt, meine kreativen Kapazitäten beschädigt. Und das kann ich natürlich nicht einfach laufen lassen. Ich hatte auch schon einmal gesagt, dass TTRPGs für mich nicht einfach bloß ein Hobby sind, sondern ein Teil meines Lebens, den ich auf keinen Fall verlieren will, weil mein Nerddom und meine zweckfreie Kreativität Teile meiner Persönlichkeit sind, die ich nicht missen möchte, nicht missen werde! Aber… es ist nur EIN Teil von mehreren. Und Besserung könnte in Sicht sein.

Austrocknende kreative Quellen haben unterschiedliche Ursachen. Eine davon kann sein, dass man in einem anderen Lebensbereich gerade so sehr gefordert ist, dass beinahe die ganze schöpferische Energie dort aufgebraucht wird; ob dies zu Erfolgen führt, oder nicht, ist dabei vollkommen gleichgültig. Ist derAkku leer, ist er leer und wird ohne ein passendes Ladegerät auch nicht wieder voll. Was so ein Ladegerät sein könnte, dazu kommen wir später noch. Eine andere mögliche Ursache ist, das man von seinen eigenen Geschichten nicht mehr gepackt wird. Das passiert einerseits, wenn die Ideen, mit denen man an eine Geschichte herangeht zu Erwartungen heranwachsen, die man anderen aufzuoktroyieren versucht. Das nennt man dann Railroading und es ist für beide Seiten nicht erquicklich, weil die Spieler die Erwartung der SL an den Verlauf der Geschichte niemals erfüllen können; zumal es keine Erwartung an die Spieler geben sollte. Zumindest keine eng gefasste. Es könnte aber andererseits auch sein, dass man sich in seiner eigenen Geschichte nicht mehr wohlfühlt, weil man sich in eine Ecke erzählt hat, in der man die eigenen Erwartungen an das Spiel, welches man seinen Spielern bieten möchte, nicht mehr erfüllen kann. Oder man hat das Interesse an dieser Geschichte verloren, weil sie schon so lange dahin plätschert. Natürlich gibt es Kampagnen, die über Jahre hinweg fresh bleiben… aber irgendwann ist jede Geschichte auserzählt und eine weitere Staffel drehen zu wollen, macht dann keinen Sinn mehr. Hast du aber bis zu diesem Punkt nicht zu Ende erzählt, wird es schwer. Nur sehr wenige Kampagnen kommen überhaupt zu einem befriedigenden Ende. Insbesondere, weil die Bedeutung des Terminus “befriedigendes Ende” für jeden Beteiligten etwas anderes bedeuten kann. Manchmal aber auch einfach, weil nach 6 – 8 Sitzungen Schluss ist und man schlicht nirgendwohin gelangen konnte.
Die Erwartungen der Spieler sind dabei so vielfältig, wie die der SL. Manche wollen, dass sich ihr Char entwickeln, einen Eindruck hinterlassen, seine Welt mitgestalten kann. Andere sind absolut zufrieden damit, einfach nur dabei zu sein und ab und zu was Cooles reißen zu können. Manche tauchen sehr tief in die Innenwelt ihres Chars ab und andere benutzen ihn eher wie eine Spielfigur. Oder irgendwas dazwischen. Jede Art das Spiel zu spielen ist legitim – solange sie den anderen am Tisch nicht zu sehr auf die Nerven geht. Denn das Ziel ist ja, das ALLE ihren Spaß haben können. Mir geht es letzthin so, dass mir zwar noch eine Geschichte einfiel. Aber… ich habe mich in meinen eigenen Ideen verheddert, habe dazu angefangen potentiell schwierige Erwartungen zu entwickeln und musste bald feststellen, dass weder die Art, wie sich das Zusammenkommen der Runde entwickelte (Präsenz vs. Teilhybrid, vs. Virtuell) noch die Art, wie meine Spieler an die Dinge herangehen mich noch in irgendeiner Art zufrieden zurückließ. Ich wurde fuchsteufelswild – schon über das Setting in unserem heimatlichen Wohnzimmer, aber auch über manche Art zu spielen, über soziale Aspekte, schließlich darüber, dass irgendwie gefühlt immer alles Organisatorische auch an mir hängen blieb – und brach nach vier Sitzungen vollkommen entnervt ab. Das ist jetzt etwa drei Monate her. Und bislang merke ich leider nicht, dass meine Lust, dieses Spiel wieder aufzunehmen, in dass ich zuvor durchaus eine Menge Vorbereitung investiert hatte, in nennenswertem Umfang zurückgekehrt wäre. Weil ich genau sehe, was passieren würde. Ich würde versuchen, aus verstreuten Scherben ein neues Diorama zu bauen, ohne dass mein Herz mit dabei wäre. Denn abseits meines Ärgers über dieses Spiel ist da noch etwas Anderes: meine Akkus sind immer noch leer.
Ich nutze derzeit als Ladegrät, um irgendwann wieder Lust auf das Spielleiten, Lust auf und Ideen für neue Geschichten zu bekommen momentan jene zwei Runden, in denen ich einfach spielen darf. In denen ich experimentieren, meinen Affekten manchmal ganz kurz ihren Lauf lassen und Ideen entwickeln darf, ohne dass ich gleich eine ganze Welt im Auge behalten müsste. In meinem Kopf sind immer noch ganze Welten – aber derzeit wird meine Energie, wie bereits erwähnt von einem anderen Sektor meines Daseins abgezogen. Und ich muss diesen Teil erst wieder in den Griff bekommen, bevor ich daran gehen kann, neue Kampagnen zu starten – oder eine momentan tot darniederliegende wiederbeleben zu wollen. Diese Kraft kann ich erst aufbringen, wenn meine Arbeit nicht mehr so viel Energie verbraucht. Wie ich das anstellen will (und werde), ist nicht Teil dieser Geschichte. Fall sie dennoch eine Moral haben sollte, wäre das wohl Folgende: wenn das Pen’n’Paper-Hobby ein so integraler Bestandteil des eigenen Lebens, der eigenen Persönlichkeit geworden ist, dann beeinflusst das alles Andere mit. Und ich stelle gerade fest, dass meine derzeitige Unfähigkeit, eigene Geschichten zu erzählen mich tieftraurig zurücklässt – und es damit noch schwerer macht, eigene Geschichten zu erzählen. Deshalb helfen die Geschichten anderer SLs mir gerade enorm, wieder auf mich selbst klarzukommen – wahrscheinlich wissen diese anderen SLs nicht, wie viel mir das wirklich bedeutet; und warum ich letzthin beim Zocken manchmal wunderlich geworden bin. Aber ich habe das Gefühl, dass es bergauf geht. Kleines Stück für kleines Stück. Daher gilt auch dieses Mal wieder – always game on!













