Repost in english N°1

Is There a Version That Comes with Motivation…?

Originally published in german, Nov. 10th, 2024

“You just have to get up one more time than life knocks you down!” Yet another generic fortune-cookie slogan—one of those sayings that seems to fit almost any situation while somehow remaining strangely hollow. After all, we haven’t even defined what it actually means to be “knocked down,” let alone what it means to “get back up.” Granted, it’s probably obvious that this isn’t meant literally, because in some of the situations where life knocks you down, you may indeed need an ambulance.

But let’s stick with those two concepts for a moment. It quickly becomes clear that being knocked down is really a metaphor for failing in our actions—failure that dampens our momentum and slows our progress. So what, then, does getting back up mean? I’d argue that it lies in the lessons we draw from those experiences and apply to what we do next.

But where does the motivation to continue come from if our expectation of self-efficacy has just been shattered? We’ve just screwed something up, and chances are we already know it. Yet instead of briefly reflecting on how to do better next time, we all too often have a tendency to dramatize these situations far beyond what they deserve.

Yesterday I wrote about failure, and I genuinely try to live with these inevitable incidents of existence the way I described them: as partial failures on the path forward that come with built-in opportunities for growth. If that’s true, then failure usually doesn’t have to be a major drama. Yes, there are situations that feel like the proverbial Walk to Canossa. But I’m not a king, and very few of my problems have anything to do with popes. We simply make life much harder for ourselves than it needs to be, and in doing so we end up hurting ourselves by turning every molehill into a mountain.

Wouldn’t it be better to occasionally let things be, take some of the pressure off, and give ourselves—and the situation—the time and space to develop?

I’m certainly not advocating indolence. My life, my work, and everything that comes with them are far too important to me for that. But especially in my professional life, I’ve met far too many people who react so defensively to objective criticism that any meaningful discussion about the actual issue becomes impossible. They cannot—or perhaps do not want to—distinguish between having a specific action criticized and having their personality criticized. Those are two very different things.

Part of the reason lies in the mechanism I described yesterday. But another major factor is the rather unfortunate incentive and reward systems that exist in many workplaces, including my own.

It is useful to distinguish between three kinds of behavior:

a) Risk-averse behavior, which should be encouraged because it reduces the probability of mistakes. It doesn’t eliminate them—but it does reduce them.

b) Risk-affine behavior, which should prompt a discussion about behavioral adjustments. This is often where a lack of problem awareness becomes visible, something that can usually be improved through education and training.

c) Reckless behavior, which deserves immediate consequences. Whether additional training still has any realistic chance of success is something that has to be decided on a case-by-case basis.

Most of us, by the way, move back and forth between the first two categories. Mistakes still happen every single day.

Whether I’m motivated to admit my own mistakes and learn from them, however, is inversely proportional to the likelihood of being metaphorically stripped naked, tied to a three-meter pole in front of company headquarters, and publicly whipped for reporting an error. A workplace where that likelihood is extremely low is what we usually call a healthy error culture. Once again, this is where the difference between a boss and a leader becomes obvious.

Motivation usually arises when we can associate the outcomes of our own actions with positive experiences. I mentioned self-efficacy earlier. It simply feels great to nail what you’re trying to do. Naturally, it doesn’t feel nearly as good when you mess it up.

The real art lies in helping people take something valuable away from their failures anyway. That’s what keeps them from walking away—and what allows us to grow together. In that context, it’s incredibly important for anyone in a leadership or teaching role to remain approachable—that is, to remain human. Own your own mistakes and lead by example. Describe and evaluate the consequences of mistakes as objectively as possible.

Most of the time, there is no need for drama. Perhaps there should be a joint effort to understand what went wrong so it can be prevented in the future—but punishment is rarely the answer. Punishment pushes people away, even when they’re exactly the people you need most.

But as I said yesterday, we still have a long road ahead before a truly healthy culture of learning from mistakes becomes the norm.

With that in mind, I wish you all a great start to the new week.

Der verwirrte Spielleiter N°75 – Spielleiter-Burnout

Um es gleich vorweg zu nehmen – ich weiß, wie sich ein echter Burnout oder eine ausgewachsene Erschöpfungsdepression anfühlen aus eigener leidvoller Erfahrung. Und es käme mir nie in den Sinn, das verharmlosen zu wollen. Dazu war die Erfahrung mit 18 Wochen Arbeitsunfähigkeit, Wiedereingliederung und dem resultierenden Arbeitgeber-Wechsel auf Grund der mangelnden Unterstützung nach dem Zusammenbruch einfach zu schmerzhaft. Aber ich habe meinen Weg heraus gefunden und bin heutzutage wenigstens in der Lage, nur am Rande der emotionalen Katastrophe entlang zu fahren, ohne vollends wieder hineinzufallen. Nachdem dies gesagt ist, kommt eine wichtige Feststellung: Spielleiter-Burnout ist ETWAS VOLLKOMMEN ANDERES, als ein echter Burnout. And here comes, why: man bemerkt irgendwann, zumeist am Anfang eher unterschwellig, dass die Leichtigkeit des Zockens langsam aber sicher aus dem Raum verschwindet. Dass einem die Sitzungen eher wie Arbeit, denn wie Freizeit vorkommen. Dass das Produzieren von Content zu einer Aufgabe wird, die mehr und mehr Energie verschlingt, als sie das Leben zuvor bereichert hat. Ich hatte irgendwann mal geschrieben, dass auch die Vorbereitung des Spiels für mich bereits zum Spielen des Spiels gehört; das war wohl sehr lange meine Wahrheit und wird dies auch gewiss bald wieder sein. Nur im Moment… da bin ich selbst leer. Aber das betrifft derzeit nur einen Teil meines Lebens. Zweifelsohne einen wichtigen, aber es gibt auch noch andere. Ein echter Burnout würde alle Aspekte des Lebens mit in seinen Strudel ziehen. Diese Erkenntnis könnte für manche Menschen wichtig sein. Sie ist es in jedem Fall für mich. Ich glaube unterdessen erkannt zu haben, dass die Art und Weise, auf welche mich meine Arbeit auslaugt, meine kreativen Kapazitäten beschädigt. Und das kann ich natürlich nicht einfach laufen lassen. Ich hatte auch schon einmal gesagt, dass TTRPGs für mich nicht einfach bloß ein Hobby sind, sondern ein Teil meines Lebens, den ich auf keinen Fall verlieren will, weil mein Nerddom und meine zweckfreie Kreativität Teile meiner Persönlichkeit sind, die ich nicht missen möchte, nicht missen werde! Aber… es ist nur EIN Teil von mehreren. Und Besserung könnte in Sicht sein.

Austrocknende kreative Quellen haben unterschiedliche Ursachen. Eine davon kann sein, dass man in einem anderen Lebensbereich gerade so sehr gefordert ist, dass beinahe die ganze schöpferische Energie dort aufgebraucht wird; ob dies zu Erfolgen führt, oder nicht, ist dabei vollkommen gleichgültig. Ist derAkku leer, ist er leer und wird ohne ein passendes Ladegerät auch nicht wieder voll. Was so ein Ladegerät sein könnte, dazu kommen wir später noch. Eine andere mögliche Ursache ist, das man von seinen eigenen Geschichten nicht mehr gepackt wird. Das passiert einerseits, wenn die Ideen, mit denen man an eine Geschichte herangeht zu Erwartungen heranwachsen, die man anderen aufzuoktroyieren versucht. Das nennt man dann Railroading und es ist für beide Seiten nicht erquicklich, weil die Spieler die Erwartung der SL an den Verlauf der Geschichte niemals erfüllen können; zumal es keine Erwartung an die Spieler geben sollte. Zumindest keine eng gefasste. Es könnte aber andererseits auch sein, dass man sich in seiner eigenen Geschichte nicht mehr wohlfühlt, weil man sich in eine Ecke erzählt hat, in der man die eigenen Erwartungen an das Spiel, welches man seinen Spielern bieten möchte, nicht mehr erfüllen kann. Oder man hat das Interesse an dieser Geschichte verloren, weil sie schon so lange dahin plätschert. Natürlich gibt es Kampagnen, die über Jahre hinweg fresh bleiben… aber irgendwann ist jede Geschichte auserzählt und eine weitere Staffel drehen zu wollen, macht dann keinen Sinn mehr. Hast du aber bis zu diesem Punkt nicht zu Ende erzählt, wird es schwer. Nur sehr wenige Kampagnen kommen überhaupt zu einem befriedigenden Ende. Insbesondere, weil die Bedeutung des Terminus “befriedigendes Ende” für jeden Beteiligten etwas anderes bedeuten kann. Manchmal aber auch einfach, weil nach 6 – 8 Sitzungen Schluss ist und man schlicht nirgendwohin gelangen konnte.

Die Erwartungen der Spieler sind dabei so vielfältig, wie die der SL. Manche wollen, dass sich ihr Char entwickeln, einen Eindruck hinterlassen, seine Welt mitgestalten kann. Andere sind absolut zufrieden damit, einfach nur dabei zu sein und ab und zu was Cooles reißen zu können. Manche tauchen sehr tief in die Innenwelt ihres Chars ab und andere benutzen ihn eher wie eine Spielfigur. Oder irgendwas dazwischen. Jede Art das Spiel zu spielen ist legitim – solange sie den anderen am Tisch nicht zu sehr auf die Nerven geht. Denn das Ziel ist ja, das ALLE ihren Spaß haben können. Mir geht es letzthin so, dass mir zwar noch eine Geschichte einfiel. Aber… ich habe mich in meinen eigenen Ideen verheddert, habe dazu angefangen potentiell schwierige Erwartungen zu entwickeln und musste bald feststellen, dass weder die Art, wie sich das Zusammenkommen der Runde entwickelte (Präsenz vs. Teilhybrid, vs. Virtuell) noch die Art, wie meine Spieler an die Dinge herangehen mich noch in irgendeiner Art zufrieden zurückließ. Ich wurde fuchsteufelswild – schon über das Setting in unserem heimatlichen Wohnzimmer, aber auch über manche Art zu spielen, über soziale Aspekte, schließlich darüber, dass irgendwie gefühlt immer alles Organisatorische auch an mir hängen blieb – und brach nach vier Sitzungen vollkommen entnervt ab. Das ist jetzt etwa drei Monate her. Und bislang merke ich leider nicht, dass meine Lust, dieses Spiel wieder aufzunehmen, in dass ich zuvor durchaus eine Menge Vorbereitung investiert hatte, in nennenswertem Umfang zurückgekehrt wäre. Weil ich genau sehe, was passieren würde. Ich würde versuchen, aus verstreuten Scherben ein neues Diorama zu bauen, ohne dass mein Herz mit dabei wäre. Denn abseits meines Ärgers über dieses Spiel ist da noch etwas Anderes: meine Akkus sind immer noch leer.

Ich nutze derzeit als Ladegrät, um irgendwann wieder Lust auf das Spielleiten, Lust auf und Ideen für neue Geschichten zu bekommen momentan jene zwei Runden, in denen ich einfach spielen darf. In denen ich experimentieren, meinen Affekten manchmal ganz kurz ihren Lauf lassen und Ideen entwickeln darf, ohne dass ich gleich eine ganze Welt im Auge behalten müsste. In meinem Kopf sind immer noch ganze Welten – aber derzeit wird meine Energie, wie bereits erwähnt von einem anderen Sektor meines Daseins abgezogen. Und ich muss diesen Teil erst wieder in den Griff bekommen, bevor ich daran gehen kann, neue Kampagnen zu starten – oder eine momentan tot darniederliegende wiederbeleben zu wollen. Diese Kraft kann ich erst aufbringen, wenn meine Arbeit nicht mehr so viel Energie verbraucht. Wie ich das anstellen will (und werde), ist nicht Teil dieser Geschichte. Fall sie dennoch eine Moral haben sollte, wäre das wohl Folgende: wenn das Pen’n’Paper-Hobby ein so integraler Bestandteil des eigenen Lebens, der eigenen Persönlichkeit geworden ist, dann beeinflusst das alles Andere mit. Und ich stelle gerade fest, dass meine derzeitige Unfähigkeit, eigene Geschichten zu erzählen mich tieftraurig zurücklässt – und es damit noch schwerer macht, eigene Geschichten zu erzählen. Deshalb helfen die Geschichten anderer SLs mir gerade enorm, wieder auf mich selbst klarzukommen – wahrscheinlich wissen diese anderen SLs nicht, wie viel mir das wirklich bedeutet; und warum ich letzthin beim Zocken manchmal wunderlich geworden bin. Aber ich habe das Gefühl, dass es bergauf geht. Kleines Stück für kleines Stück. Daher gilt auch dieses Mal wieder – always game on!

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Reality bites

Als ich in der Nacht auf Donnerstag Bauschschmerzen bekam, dachte ich mir schon beim Betasten, dass dies keine angenehme Erfahrung würde. Als es morgens immer noch nicht besser war und ich mich stante pede zu meiner Hausarztpraxis begab, ahnte ich wohl, dass dies ein “interessanter” Tag werden könnte. Als ich dann eine Einweisung nebst Diagnose in der Hand hatte, war mir klar, dass “interessant” das falsche Adjektiv war. “Beängstigend” traf es eher. Ich landete eine gute Stunde später im Krankenhaus meiner Wahl, in bequemer Gehentfernung zur Heimstatt. In der Notaufnahme erkannte man mich (bin ja lange genug in unserer Stadt Rettung gefahren) und kurze Zeit später war ich schom in der passenden Fachabteilung. Blutentnahme, Untersuchung, Anamnese, Aufklärung – alles lief wie am Schnürchen. Von da an ging alles ziemlich schnell. Sogar so überraschend schnell, dass ich mich noch im Untersuchungszimmer ins Flügelhemdchen zwängen musste, um dann auf dem Flur ins Bett umgeladen und direkt in den OP-Bereich gefahren zu werden. Dort erwarteten mich schon wieder bekannte Gesichter, was meine wachsende Umruhe ein wenig zu dämpfen vermochte. Ich bekam meine Dosis des bekannten Spruches “Medizin macht nur am stumpfen Ende des Werkzeugs Spaß!” zur Abwechslung mal selbst zu spüren. Sufenta, Propofol (ja, DAS Zeug), schon war ich weg – und gefühlte Sekunden später höre ich die durchaus noch vertrauten Töne eines Aufwachraumes. Und auch hier wurde ich freundlich und umsichtig behandelt. Alles in allem eine befriedigende Erfahrung – auch wenn die Narkose mir bis in die Abendstunden in den Knochen stecken sollte, Erbrechen inklusive. Nichtsdetotrotz lief mein erstes eigenes Rodeo mit dem Endotrachealtubus ziemlich zufriedenstellend.

Ums kurz zu machen, am nächsten Morgen – also heute – sah die Welt schon ganz okay aus. Wenngleich der operierte Bereich noch schmerzt, überwiegt die Gewissheit, dass man sich der Sache kompetent angenommen hatte. Ich durfte bereits nach Hause. Die nächsten Tage gehören der Rekonvaleszenz, denn ich darf erst mal nix heben, Aufstehen, Hinsetzen und langes Sitzen schmerzt noch und ich habe in meinem Büro keine Chaiselongue, von der aus ich meine Geschäfte führen könnte oder wollte. Also mal etwas mehr rumliegen, nicht zu schwer essen und echt Fünfe gerade sein lassen. Ich weiß nicht, ob mein Körper mir damit was sagen wollte. Ich habe jedoch die Vermutung, dass die Botschaft lauten könnte: hör auf, dich dauernd für Dinge verantwortlich machen zu lassen, die nicht in deiner Verantwortung liegen. Hör auf, es vor allem den Chefs Recht machen zu wollen und immerzu in der Sache zurückzustecken. Hör auf, dir Dinge aufbürden zu lassen, die Andere tragen müssten. Hör auf, mehr mit der Firma verheiratet zu sein, als mit der besten Ehefrau von allen. Als ich da gestern in die OP-Vorbereitung geschoben wurde, da war mir sehr mulmig. Vielleicht, weil dieses übergeordnete Gefühl der eigenen Hilflosigkeit, wie ich es schon neulich während der Hitzewelle erlebt hatte sofort wieder präsent war. Ich hatte keine Chance, in eine echte Panikattacke zu kommen, weil mir die Medis vorher das Gehirn ausgeknipst haben und ich danach erstmal auf mich selbst wieder klarkommen musste. Keine Sorge (für manche zur großen Sorge): ich bin immer noch der Gleiche. Jetzt, während ich diese Zeilen tippe und mein Bauch da, wo operiert wurde noch etwas zieht – vielleicht auch etwas mehr – stelle ich fest, dass ich immer noch diese Frage im Herzen trage: bin ich an der richtigen Stelle. Oder sind es doch nur meine Loyalität zu meinem Team und meine Sturheit, mich nicht von den egoistischen Narren in meinem Arbeitsumfeld verjagen lassen zu wollen, die mich noch an Ort und Stelle halten? Loyalität gegenüber der Firma… wie fühlt sich das an? Ich durfte übrigens letzthin feststellen, dass ich bei weitem nicht der Einzige bin, dem die erratischen, sachgrundlosen Marotten mancher Protagonisten in Leitungspositionen gehörig auf die Nerven gehen. Und ich bin NICHT der Einzige, der deshalb immer wieder, immer noch über’s Gehen nachdenkt. Warum landen auf bestimmten Leitungspositionen immerzu zahlenfixierte Machtmenschen?

Ich habe nur ein Leben, ich habe nur eine Gesundheit und ich habe eigentlich nicht das geringste Interesse, eines oder gar beides für einen Laden zu Markte zu tragen, der mir all die Mühen, all die Schmerzen und all den unnützen Stress noch nicht mal angemessen dankt. Stattdessen muss ich, heute Mittag kaum zu Hause angekommen, anstatt mich auf der Couch von eimner OP erholen zu können eine Diskussion über ein Projekt führen, dass eigentlich schon weitestgehend geplant war! Und soll – zum wiederholten Male – erklären, warum das Raumangebot für die Einrichtung, der ich vorstehe denn so groß sein muss. Ich habe es unterdessen satt, so satt, immer und immer wieder erklären zu müssen, dass gute Aus-, Fort- und Weiterbildung drei Kernressourcen braucht: a) empathische Ausbilder mit fundiertem Fachwissen, humanistischer Haltung und der Fähigkeit zu führen, b) Zeit, die jungen Leute reifen zu lassen und c) ausreichend Platz, um dies in einem lernförderlichen Ambiente tun zu können. Streicht man eines davon zusammen, wird das Ergebnis IMMER schlechter. Aber die einzigen KPIs, die manche Menschen wohl verstehen wollen sind m²-Kosten, Bauinvestitionen und Umsätze. Die waren jedoch schon solide gerechnet. Immer wieder bin ich daran beteiligt, etwas zu planen und immer wieder kommt ein wandelnder Rotstift daher und streicht gute Ideen zusammen, bis selbst das Minimum noch erkämpft werden muss. Das geht so nicht weiter. Aber ich habe es kommen sehen. Nachdem ich das erste Mal gehört hatte, dass schon wieder über solche Dinge diskutiert wird, war mir klar, dass auch dieses Projekt sterben wird. Zumindest ist das meine aktuelle Wahrnehmung. Momentan kann mich nicht mal die Erwartung des herannahenden Urlaubes trösten, weil Europa vermutlich Ende nächster Woche noch einmal im Hitzechaos versinkt und ich beim besten Willen nicht weiß, wie ich das mit meinem dann möglicherweise immer noch schmerzenden Bauch aushalten soll. Wie soll man sich erholen, wenn nirgendwo Erholung zu finden ist. Wie soll man gleichmütig bleiben, wenn man dauernd als Fußabtreter genutzt wird. Wie soll man da an Körper und Geist wieder gesund werden – und bleiben. ich weiß es nicht. Und ich bin’s ehrlich gesagt satt, schon wieder nach neuen Antworten suchen zu müssen. Ich kann nur noch hoffen, dass sich die Dinge zur Abwechslung mal in die richtige Richtung drehen – beim Wetter und in manchen Köpfen. Schönes Wochenende.

Auch als Podcast…

Beziehungs-Weise…?

Es gibt da diese Zahl. Die sogenannte “Dunbar-Zahl”, die auf Forschungen des Psychologen Robin Dunbar zurückgeht und die beschreibt, wie viele soziale Beziehungen wir kognitiv zu unterhalten im Stande sind. Das Theorem wird immer wieder diskutiert. Aber nehmen wir mal an, Dunbar würde mit seinen Betrachtungen Recht behalten, dann wären das ca. 150 Connections, die wir halbwegs im Auge behalten können. Wobei davon 5 Personen unseren engsten Kreis darstellen, 15 Personen (jeweils die Vorgenannten inkludierend) unseren Freundeskreis, 50 unser aktives Netzwerk und 150 unseren weiteren Bekanntenkreis. Alles was darüber hinausgeht, wird sehr schnell sehr anstrengend. Für mich selbst ist schon alles, was sich im Kreis der weiteren Bekannten bewegt oft ZU ANSTRENGEND; ohne dass diese Menschen irgendetwas Besonderes dazu tun müssten. Die bloße Anwesenheit genügt. Meine morgendlichen Spaziergänge am Fluss während der Wochenenden sind ja keine Neuigkeit mehr, doch heute Morgen bemerkte ich, wie sehr mich die keuchenden Jogger, die in Scharen an mir vorbei dümpelten richtiggehend angestrengt haben. Hätte ich einen Wunsch freigehabt, dann wäre dies ein völlig menschenentleerter Korridor von 50 Metern rings um mich herum gewesen. Wie das Schicksal das angestellt hätte, wäre mir ziemlich egal gewesen. Natürlich wurde dieser Wunsch nicht erfüllt, also wanderte ich weiter und zeigte demonstratives Desinteresse, wann immer mir Menschen subjektiv zu nah kamen. Das triggerte in mir ein paar Gedankenspiralen zum Thema Beziehungen. Nicht DIESE Art von Gedanken, wo ein Mann meines Alters seine Paarbeziehung in Frage stellt, sich eine Jüngere zu suchen beginnt, ein wildes neues Hobby startet und das ganze als Midlife-Crisis deklariert, ganz so, als wenn DAS eine legitime Begründung für derart verantwortungslosen Blödsinn wäre. Ne, ne… das überlasse ich Anderen und mache mich dann darüber lustig! Ich arbeite lieber an der Beziehung zu meiner besten Ehefrau von allen (und im Gegensatz zu Ephraim Kishon, der diesen Begriff geprägt hat, habe ich bis heute auch nur eine Person, auf welche diese Bezeichnung zutrifft; nicht drei, so wie er…). Insofern ist das Brauchtum, als Zeichen der Liebe Vorhängeschlösser an Brücken zu hängen für mich KEIN Kitsch, soll es doch das Fortbestehen symbolisieren. Ist bestenfalls baustatisch problematisch, wenn es so viele werden wie an der Deutzer Brücke. Kann man jedesmal sehen, wenn der Zug in den Hauptbahnhof in Köln einrollt. Aber DAS ist eine andere Geschichte…

Ich kam stattdessen zuerst auf “Du” und “Sie” als Ansprache in sozialen Beziehungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht mehr ganz taufrisch bin, dass ich solch altmodische Unterscheidungen tatsächlich noch treffe. Es irritiert mich nämlich immer noch im ersten Moment, wenn ich von Menschen, die mir bis dato unbekannt waren geduzt werde; ohne dass ich sie dazu aufgefordert hätte. Es ist nicht so, dass das “Du” in meinem Leben selten vorkäme. Allerdings gibt es manchmal ein paar organisatorische Verständnisprobleme zwischen den Kommunikationsteilnehmern. Die Mitglieder meines Teams und auch alle Schüler dürfen mich mit “Du” ansprechen. Manche verstehen jedoch nicht, dass die relative Vertrautheit dieses Personalpronomens nicht bedeutet, dass wir stets gleich sind. Wir sind dies, insofern wir alle Menschen sind und ich generell Menschen auf Basis dieser einen Gemeinsamkeit einen Vertrauensvorschuss gebe: ich behandle sie alle gleich menschlich. Wir sind jedoch nicht gleich, wenn es um die Erfüllung meiner Funktionsaufgaben geht. Ich muss nämlich Regeln aufstellen und auf deren Einhaltung pochen. Ich muss manchmal in der Folge Verhalten bewerten und ggfs. auch sanktionieren. Ich muss die Lernfortschritte – oder auch deren Ausbleiben – messen und bewerten. Und ich muss manchmal auch schlicht “NEIN” sagen. Und wenn der Chef “NEIN” sagt, ist das genau so ein kompletter Satz, wie bei deiner Mutter! Get over it! Ein “Du” auf absoluter Augenhöhe ist nur maximal den ersten 15 aus Dunbars Zahl vorbehalten. Dennoch macht dass “Du” mich auch unter den eben genannten Einschränkungen für die anderen Menschen nahbarer. Es senkt die Schwelle, mich evtl. auch wegen heiklerer Problematiken oder Herausforderungen anzusprechen. Es erlaubt so allen Beteiligten einen leichteren Zu- und Umgang miteinander und ist überdies im Gesundheitswesen auf der Teamebene der soziale Goldstandard.

Das “Sie” hingegen ist für mich nur vordergründig einfacher: es signalisiert nach außen zumeist automatisch professionelle Distanz und gegenseitigen Respekt, beschränkt allerdings die Beziehung, auf welche es verweist auf’s rein Geschäftliche. In Wahrheit jedoch ist das “Sie” eine Maske, hinter der wir unsere Vorbehalte, unsere glatte Ablehnung, unsere Kontrapositionen, unseren Mangel an echtem Respekt und unsere wahre Meinung hinter einem – allzu oft falschen – Lächeln verbergen und so tun, als wenn alles in Butter wäre. Das “Sie” ist der Maßanzug unter den Personalpronomen. Und so wie der Maßanzug ist es nicht selten eine Lüge, weil es die wahre Natur der Dinge unter reinen Äußerlichkeiten verbirgt. Zumindest tut es das nicht eben selten. Es mag natürlich Menschen geben, die das Sie tatsächlich respektvoll und als sinnvollen sozialen Distanzmarker benutzen. Sei diesen Leuten unbenommen. Ich habe dabei immer sehr ambivalente Gefühle. Ich mag das “Du” mehr und verwende es – unter Beachtung der vorbeschriebenen Einschränkungen – sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext viel lieber als das “Sie”. Eine noch vertrautere Ansprache ist nur dem innersten 15-Kreis vorbehalten. Und natürlich im besonderen meiner besten Ehefrau von allen. Wenngleich wir in vielen Situationen Masken tragen und auch mit unseren Allernächsten nicht JEDES Geheimnis teilen, bleibt doch die Basis einer gesunden Beziehung Vertrauen in- und Respekt füreinander. Auch – vor allem – wenn’s mal schwierig wird. Ich habe auf dem Bild da oben übrigens kein Vorhängeschloss dazu gehängt… hatte keines dabei. Tut euch einen Gefallen und reflektiert eure Beziehungen. Arbeitet an denen, die es wert sind – und kappt die, die euch auf Dauer beschädigen werden. Manchmal muss man Brücken auch niederbrennen. In diesem Sinne – startet schön in was auch immer euch ab morgen wieder erwarten mag…

Auch als Podcast…

What about happiness? (Part 8)

Immer dieses inszeniert-arrogante Geseiere über die “kleinen Dinge im Leben”, die man doch voller Achtsamkeit genießen muss! Ja, ja Selbstverwirklichungs-Dinkeldörte und Stylehipster-Jean-Yves – schon recht, ihr habt’s voll drauf mit dem Leben und so. Und jetzt verschwindet mit eurem öko-getradeten Matcha-Latte bitte auf eurem Holland-Lastenrad aus meinem Sichtfeld, sonst muss ich furchtbar KOTZEN bei so viel sorgfältig kuratiertem, selbstgefälligem Narzissmus! Quinoa ist übrigens NICHT nachhaltig. Wo war ich…? Ach ja, mal wieder beim Glücklichsein… oder besser hoffentlich bald glücklicher Werden. Ich kann berichten, dass ich mich, um der existenziellen Sicherheit und meines Teams Willen, dazu entschlossen habe, genau dort zu bleiben, wo ich bin und auch weiter genau die Position auszufüllen, die ich bislang bekleidete – obschon manche Menschen mich offensichtlich zu gerne von exakt dieser Position entsorgt gesehen hätten. Man kann natürlich versuchen, dass als Schutz des Mitarbeiters zu verkaufen – oder aber wir nennen es beim wahren Namen: verbandspolitische Machtspielchen, weil ich halt nicht so leicht zu steuern bin wie Andere. Is mir egal, wie man es nennt. So einfach wird man mich nicht los. Und weil die nächste Runde so sicher kommt, wie das Amen in der (evangelischen) Kirche, lege ich bereits meine Munition bereit. Damit ist dieses Thema für MICH zunächst geschlossen, denn ich habe auch so eine Menge Dinge zu erledigen, danke der Nachfrage. Ob mich das jetzt glücklicher macht? Sagen wir mal so – ich fühle eine beinahe tödliche Ruhe bezüglich meiner Arbeit und den Dingen, mit denen ich dort konfrontiert bin. Vermutlich habe ich nun endgültig emotional damit abgeschlossen. Ich erwarte keine Entschuldigung für subjektiv erlittenes Leid mehr, sondern mache einfach nur meinen Job; und zwar auf hohem Performancelevel! Und intern äußere ich sehr präzise und sehr deutlich, was ich über wen denke! Wenig davon ist schmeichelhaft…

Glücklichsein hat was mit Coping-Strategien zu tun, also Mechanismen, die einem helfen, aufkommenden Stress zu verarbeiten, bzw., Resilienz-Ressourcen (wieder) aufzubauen. Was soll ich sagen: ich lasse meinen Ärger raus (hier und auch bei bestimmten Personen). Ich habe ein paar sehr enge soziale Bindungen, die mir helfen, mich selbst und die Dinge, die mich anfechten zu reflektieren; und auch mal zu re-framen. Ich nutze meine kreativen Hobbies, um mir positive Selbstwirksamkeitserfahrungen zu verschaffen, welche die Batterien wieder auffüllen sollen. Ich beschäftige mich aktiv immer wieder mit dem, was mich aufregt. Und doch genügt es noch nicht. Wahrscheinlich bräuchte es eine längere Auszeit, weil mein Akku auch nach einem langen Wochenende bestenfalls bei drei von fünf Balken steht. Nach einem Urlaub vielleicht bei vier… Fünf Balken habe ich schon EWIG nicht mehr erlebt. Natürlich bin ich mit meinen Problemen nicht allein, aber seien wir doch mal ehrlich – die allermeisten anderen Menschen interessieren mich ebenso einen Scheiß, wie ich sie. Also hören wir doch mit dem verlogenen Whataboutism auf und sagen wie es ist: ich funktioniere paradoxerweise mit drei oder auch nur einem von fünf Balken immer noch besser als sehr viele ander mit mehr Energie. Warum? Weil ich unterdessen gelernt habe, in dem was ich tue verfickt viel effizienter zu sein als Andere! Get over it, bro – you ain’t on my level, and maybe you’ll never be! Dieses bisschen Arroganz gönne ich mir hier und jetzt! Aber vielleicht wäre es für meine Gesamtgesundheit besser, wenn ich leichter bräche? Keine Ahnung Weil das aber nicht so ist, schleppe ich mich von Weekend zu Weekend, von Urlaub zu Urlaub, von Sitzung zu Sitzung, von Tag zu Tag. Das klingt jetzt schlimmer, als es tatsächlich ist, denn es tut nicht allzu weh; wahrscheinlich sind manche Rezeptoren schon lange abgestorben. Doch – ich schaffe mir immer wieder Gelegenheiten, auszubrechen, etwas Schönes, Spannendes, Inspirierendes, Belustigendes zu erleben, was dann doch über eine gewisse Zeit hilft.

Ich war am letzten Sonntag – ja einem DIESER heißen Tage – abends in der Stadt unterwegs, um zu knipsen. Ich kam irgendwann zu einen recht zentralen Ort und am Ufer des Neckar sinterten ein paar, auf den ersten Blick ziemlich abgerissene aussehende Gestalten auf einem Weg umher, die aus einer Boombox recht laut Techno hörten. Mir fiel zuerst der eine auf, der rücklings auf dem Weg lag und ich dachte von Ferne, vielleicht bräuchte er Hilfe. Doch während ich näher kam wurde mir klar, dass er gerade nur seinen erweiterten Bewusstseinszustand genießen wollte. Ich würde mal schätzen, dass ‘ne schöne Ladung Acid oder so im Spiel war. Also ging ich weiter auf eine Fußgängerbrücke, die mich immer wieder als Ausgangspunkt für Fotomotive anzieht. Und irgendwie merkte ich, dass der Techno meine Füße bewegen wollte. Ich höre unterschiedlichste Formen von Musik und verschiedene elektronische Stile gehören definitiv zu meinen bevorzugten Genres. Ich fand das lustig und wenn’s nicht so verflucht heiß gewesen wäre, hätte ich alter, dicker Mann mich definitiv mehr zu den Klängen bewegt. Die Musik begleitete mich die ganze Zeit, während ich rings um die Brücke knipste – und irgendwie machte das den Abend gleich noch mal besser. Es war eine Fotosession und zugleich auch ein bisschen wie Ausgehen. Wenngleich meine Disco-Zeiten schon ein paar Tage zurückliegen mögen. Es sind solche – stets unerwarteten – Erlebnisse, die für mich das Salz in der Suppe meines Lebens sind. Die mir helfen, mich selbst wieder zu grounden und akzeptieren zu können, dass es auch für mich noch Fun and Games gibt. Dass ich meine Arbeit stets an ihrem Ort zurücklassen und nicht weiter darüber nachgrübeln muss. Dass ich doch viel freier bin, als ich das manchmal empfinde. Und das eine meiner wichtigsten Resilienz-Ressourcen meine Fähigkeit ist, mich auch – immer noch – auf das Unerwartete einlassen zu können! Zumindest manchmal. Einfach weniger erwarten und mehr treiben lassen. Werde ich ab jetzt wieder häufiger versuchen. In diesem Sinne, ein schönes Wochenende im Flow…

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Writing Fiction #6 – Let’s talk about genre…

Wenn man sich die aktuelle Weltlage ansieht, könnte man meinen, dass William Gibsons “Neuromancer”-Trilogie so langsam Wirklichkeit wird. Dass wir am Beginn des Cyberpunk-Zeitalters stehen – alle dystopischen Aspekte inclusive, wie Massenarbeitslosigkeit und Armut, Allmacht der Konzerne mit Politikern als Marionetten, Kriege rein aus Gründen wirtschaftlicher Interessen und eine breite Öffentlichkeit, die durch Unterhaltung mittels technologischer Gimmicks sediert wird, um sich ja nicht zu informieren und zu involvieren. Das alte Sprichwort, dass die Realität die besten (jedoch zumeist auch die absurdesten) Geschichten schreiben würde, scheint sich einmal mehr zu bewahrheiten. Doch so finster der Zustand der Welt auch sein mag, je mehr die soziale Kälte um sich greifen mag – immer werden Menschen sich Geschichten erzählen. Vielleicht, um sich vor eben jener Finsternis und Kälte zu schützen, oder wenigstens für eine begrenzte Zeit davon ablenken zu können. Eskapismus an sich ist weder dumm, noch ignorant, noch verwerflich, sondern alllzu oft die letzte Mauer, welche wir um den Garten unserer mentalen Gesundheit ziehen können. Das ist einer der Gründe, warum Menschen Geschichten BRAUCHEN! Ein anderer ist, dass jede Erzählung etwas über den Erzählenden ausspricht, dass möglicherweise Zuhörer*innen oder Leser*innen anspricht – und so manchmal Brücken baut, wo vorher die Einsamkeit geherrscht hat. Gemeinsames Verstehen kann gemeinsames Verständnis erzeugen, welches widerum die Basis für ein sinnvolles menschliches Miteinander bildet. In welches Gewand sich die Geschichte dabei kleidet – also, in welcher Art von Erzählumgebung mit ihren je eigenen Figuren, Formalismen, Arche- und Stereotypen, Bildern, Charakteren wir uns befinden mögen – ist eigentlich einerlei. Zumindest insofern, als dass eine Aussage über bzw. Kritik am Zustand der Welt, oder eine Idee für ihre Entwicklung, initiiert durch Charaktere, die sich auf eine Heldenreise begeben und sich dabei verändern in jedem denkbaren Erzählkontinuum möglich ist. Welche Welt oder welche Charaktere sich wohin entwickeln, bleibt damit natürlich offen. Es macht durchaus einen Unterschied, ob ein historischer Roman sich an den damals tatsächlich vorgefundenen sozialen Umständen orientiert, oder ob ich eine Welt erfinde, die nach anderen Regeln funktioniert. Doch im Kern drehen wir uns stets um zutiefst menschliche Themen. Genre klassifiziert damit vor allem die erzählerischen Rahmenbedingungen meiner Geschichte. Und es sorgt, mit Blick auf das zuvor Gesagte für ein gemeinsames Verstehen. Denn jedes übergeordnete Genre hat seine eigenen Topoi, welche von den Nutzern des Genres erkannt, verstanden und in aller Regel auf Seiten der Rezipienten auch erwartet werden. Oder einfacher gesagt: Generic Fantasyland braucht eine Taverne…

Häufig wird der Begriff Genre synonym verwendet mit einem Label, dass ich auf meine Geschichte klatschen kann, um diese für eine bestimmte Zielgruppe attraktiv zu machen. Und weil bestimmte Zielgruppen großen Hunger auf sehr spezielle Themen entwickelt haben, trenden dann solche Dinge wie “Young Adult Fantasy”; wobei das ein Meta-Genre ist, welches Bücher mit Jugend- oder Coming-of-Age-Themen zusammenfasst, die sich in so gut wie jedem Subgenre von Fantasy oder Sci-Fi bewegen können. Wenn wir Grimdark mal außen vorlassen… Ähnlich verhält es sich mit “Romantasy” oder “Spicy Romantasy”. Das alles sind Klassifizierungen, die auf ein spezielles Inhaltsgefüge hinweisen und bei potentiellen Leser*innen bestimmte Erwartungen wecken (sollen). Etwa in einem “Spicy Romantasy”-Buch werden der geheimnisvoll-schroff-abweisende aber furchtbar attraktive lone-wolf-style männliche Protagonist und die unverstandene, sowie noch unvollendete chosen-one-type girlboss weibliche Protagonistin irgendwann miteinander schnackseln. Je spicy, desto früher, desto öfter und desto expliziter beschrieben. Früher nannte man das übrigens Erotik-Roman. Es hat sich allenthalben ein Standard-Archetypen-Repertoire herausgebildet, welches die erwartungsfrohe Leserschaft in aller Regel nicht enttäuscht. Mit den sich ändernden Modalitäten der Lesestoffauswahl der potentiellen Kunden (Stichwort: Booktok) ändert sich auch der Buchmarkt. Um relevant bleiben zu können, werden heutzutage der Backcatalogue und das aktuelle Portfolio vieler Verlage deutlich dynamisch zielgruppenorientierter ausgerichtet. Das hat in etwa die gleichen Folgen wie in Hollywood: Massen immer wieder gleichartiger, semantisch und sprachlich extrem leichtgewichtiger Kost mit AI-generierten Covern fluten entweder die Kinosäle, oder aber die Regale der Kettenbuchhandlungen. Denn im Grunde genommen erleben wir gerade die Groschenromanisierung der Unterhaltungsliteratur. Es soll sich bitte niemand mehr über “Perry Rhodan” oder “John Sinclair” lustig machen.

Eigentlich sollte “Genre” als Begriffl für die Klassifizierung verschiedener idealtypischer Aspekte einer Gruppe einander ähnlicher Texte stehen; ähnlich meint hier, wie bereits oben erwähnt bestimmte Themen, Erzählfiguren, Archetypen, Erzählumgebungen. Wenn ein Steampunkroman plötzlich in einer spätmittelalterlichen Fantasywelt spielt, wenn der lone-wolf male protagonist einer spicy romantasy der völlig überdrehte, unattraktive Nerd ist, wenn in einer Hard-Science-Fiction-Geschichte plötzlich Drachen auftauchen und wenn die Auserwählte eigentlich der Bösewicht ist, wird es zumindest hochgezogene Augenbrauen geben; und vielleicht auch keine allzu guten Verkaufszahlen. Denn… heute ist Genre nicht mehr wirklich eine thematisch-semantische Einordnungskategorie, die auf übergeordnete Themen verweist, sondern nur noch ein Verkaufsargument: “Schau her, Kunde: auf dem (AI-Slop)Cover sind zwei sehr attraktive Wesen abgebildet und der Einband sagt “spicy”… willst du nicht wissen, wann, wo und wie die miteinander poppen?” Menschliche Themen in Büchern zu behandeln würde bedeuten, dass Charaktere schwierige Entscheidungen in dem Bewusstsein treffen müssen, dass ihr Tun und Lassen Konsequenzen hat. Dass sie an solchen Entscheidungen wachsen – aber auch zerbrechen – können. Dass eine Heldenreise kein gleichmäßig-langweiliges Bezwingen aller Herausforderungen ist, dass manchmal (aber nicht immer) ein Plottwist okay ist und das Protagonisten sterben können – bitte nur nicht so wahl- und sinnlos, wie bei George R. R. Martin… Und das Drama nicht notwendig melodramatisch sein muss. K-Drama ist schon in der Flimmerkiste anstrengend – im Buch brauche ich sowas nicht. Legt man also sein Genre vorher fest? Nö… die Geschichte, welche sich durch mich erzählen lassen will legt fest, in welchem Genre ich mich bewege. Wenn ich das Gefühl habe, etwas erzählen zu wollen, dass in unserer realen Welt hier und jetzt nicht passieren könnte, dann schreibe ich das. Ob am Schluss jemand das Label “High Fantasy”, “Dark Fantasy”, “Cyberpunk”, “Dieselpunk”, “Steampunk”, “Sci-Fi”, “Horror” oder gar “Spicy Romantasy” draufklebt, ist mir einerlei. Denn zuallererst muss die Erzählung wachsen, muss ich austesten, welche Welt es für diese Geschichte braucht; damit ich menschliche Themen unterbringen kann. Mein Label entsteht unterdessen ganz von selbst.

Auch als Podcast…

KAMPFAUFRUF!

Was für ein Sommer? Ich meine, hohe Temperaturen, langanhaltende Trockenheit, gelegentliche Extremgewitter… all das hatten wir schon mal. Vielleicht nicht in den 1970ern, in denen ich geboren wurde – wohl aber seit dem Jahr 2000. Ich hatte neulich darüber gesprochen, dass mich das furchtbar geängstigt hatte, weil der Hitzestress mich über Tage beinahe komplett schlaflos zurückließ. Dieses entsetzliche Gefühl steckt mir nach wie vor in den Knochen. Doch genau jetzt sind es andere Aspekte, die mich erheblich umtreiben. Während wir normalen Menschen halt nachts schwitzen müssen und tagsüber fast schmelzen, treffen Politikoide Entscheidungen, die man bestenfalls als hinterfotzige Lobbyistenscheiße bezeichnen kann. Man zersägt unser Gesundheitswesen, man fickt Arbeitnehmerrechte, man beschimpft diejenigen, die man gerade kaputt macht auch noch und lacht sich in sein Fäustchen mit dem erhobenen Zeigefinger, während man sein Schäfchen ins Trockene bringt. Was mich dabei am allermeisten irritiert, ist der Umstand, das solche verkommenen, durch und durch korrupten, völlig empathiefreien Flachorgeln wie Friedrich Merz anscheinend sogar glauben, was sie da in irgendwelche Mikrofone stammeln. Anders kann man sich nicht erklären, dass er immer noch mit solchem Brustton der Überzeugung von seinen politischen Projekten spricht – oder aber der Arm seiner Lobbyisten steckt so tief in seinem Arsch, dass er sich wie eine Handpuppe bewegen lässt und man auch die, eh nur rudeimentär arbeitsfreudige Mimikmuskulatur fernsteuern kann. Beide Vorstellungen sind allerdings ein wenig gruselig. Ich weiß noch nicht genau, was ich selbst insgesamt zu tun gedenke – aber eine Sache ist mir definitiv wichtig: wir brauchen einen Generalstreik! JETZT! Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit dem aktuellen Politikkurs unseren folgenden Generationen irgendetwas Gutes tun! Und ich glaube auch nicht, dass ich meinen Töchtern in ein paar Jahren noch in die Augen schauen kann, wenn ich jetzt nicht etwas Substantielles unternehme, um diesem völligen Kapitalismus-Müll mit allem entgegenzutreten, was ich aufbringen kann. Doch wie stellt man das an – einen Generalstreik? Ich habe die vage Vorstellung, meinen Aufruf soweit wie möglich streuen zu wollen, in der Hoffnung dass es irgendjemand wahrnimmt und genug Leute verstehen, was tatsächlich das Problem ist: nämlich dass die aktuellen Reformpakete a) dafür sorgen, dass die medizinische Versorgung in Deutschland schlechter wird, ohne jedoch an den richtigen Stellen zu sparen, b) Arbeitnehmerrechte in unzulässiger Weise eingeschränkt werden, c) man wieder einmal bei der Rente alle über einen Kamm schert, außer die Beamten d) die soziale Ungleichheit weiter befeuert wird, anstatt die richtigen Leute (große Vermögen und Fiatgeld-Schleudern) zu besteuern und e) mit diesem riesigen Murks auch noch den Faschos in die Karten spielt. Ich wünschte wirklich, das sommerliche Hitze und Trockenheit meine einzigen Sorgen wären. Doch dem ist nicht so. Zusammengenommen mit dem, was gerade ansonsten in unserem Land passiert, drohen mir noch viele weitere schlaflose Nächte.

Ich betrachte das aus mehreren Blickwinkeln. Zunächst einmal als Mitarbeiter im Gesundheitswesen, der sieht, dass durch die gesetzliche Deckelung der Budgets der Rettungsdienst in seiner Funktionsfähigkeit bedroht ist, weil steigende Energie-, Material-, Raum-, Fahrzeug- und Personalkosten recht schnell zur Stilllegung von Rettungsmitteln führen werden, wenn diese Aspekte nicht mehr refinanzierbar sind. Gemeinnützige HiOrgs dürfen kein Kapitalvermögen aufbauen und die Möglichkeiten, die steigenden Kosten durch andere Tätigkeitsfelder quer zu finanzieren sind sehr begrenzt. Dann bin ich aber auch Patient; und die massiven Einsparungen bei der Psychotherapie betreffen mich zukünftig ganz persönlich. Was wird mit mir und meiner Depression, falls ich mir nicht mehr Hilfe suchen kann, wenn es schlimm wird? “Darf” ich dann sozialverträglich frühableben, um Rente zu sparen? Was ist mit anderen chronisch Erkrankten? Warum unterstellt man Menschen mit Krankheit faul zu sein? Ich bin manchmal krankgeschrieben (im Mittel etwa so viel, wie meine Altersgenossen); und ansonsten klotze ich meine Arbeit weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Nicht selten mehr, als eigentlich vereinbart. Apropos Rente… mein Renteneintritt wurde gerade um ein knappes Jahr nach hinten verschoben. Was soll das? Ich zahle seit 1993 regelmäßig ein, war nie einen Tag arbeitslos und nur einmal länger krank. Warum bestraft man Leute wie mich für die, seit Jahrzehnten ignorierten Folgen der Demographie und die Unfähigkeit, Tax the Rich endlich umzusetzen. Kleine Erinnerung an die 50er und 60er: Dwight D. Eisenhower, überzeugter Republikaner – und keinesfalls verdächtig, Sozialgeschenke verteilen zu wollen – hat in seiner Antszeit die höchsten Vermögenssteuern mitverantwortet, welche die Welt je gesehen hat: 92%. Und warum? Weil er verstanden hatte, dass eine zu große soziale Ungleichheit (wie wir sie derzeit in der BRD haben) mit Kapitalkonzentration zu abnehmender Gesamtwirtschaftsleistung und wachsender Armut führt. Und damit zu höheren Sozialkosten für den Staat, an denen dieser naturgemäß zu sparen versuchen wird. Schließlich bin ich Berufspädagoge, dem es zunehmend schwerfällt, den jungen Leuten eine positive Haltung zu unserem Job (dem Rettungsdienst), zu den Herausforderungen und den Perspektiven zu vermitteln, wenn eine unionsgeführte Regierung gerade die Zukunft der normalen Menschen in diesem Lande an die Konzerne verschachert, um bei uns einen Kapitalismus im Endstadium zu installieren, wie die USA ihn schon haben: Hire&Fire-Heuschreckenkapitalismus, in welchem die Arbeitnehmer*innen bis auf’s Blut ausbeutet werden und man ihnen dann auch noch erzählt, die Migranten seien Schuld. Und die Faschos? Die stehen lächelnd daneben und verkaufen den Leichtgläubigen das Gefühl, dass sie alles besser machen würden, während sie insgeheim bereits den Abriss der Demokratie und die Hochzeit mit dem Großkapital planen. Nochmal zur Erinnerung: US-Banken haben vor und während des 2. Weltkrieges Geschäfte mit und für die Nazis abgewickelt. Denn auch für die Faschisten stinkt Geld nicht – und für das Kapital sind die Faschisten gut, weil sie deregulierte Märkte, entrechtete Massen und damit mehr Profit bringen.

Lasst uns dazu NEIN sagen! Lasst und gegen diesen Wahnsinn auf die Straße gehen! Lasst uns dieser lobbyistenhörigen, rückwärtsgewandten, die Bürger nach Strich und Faden bescheißenden Gurkentruppe, die so tut, als wenn sie regieren würde eine klare Absage erteilen – und lasst es uns so tun, dass die Faschisten, die in den Startlöchern stehen, alles nur noch schlimmer zu machen, KEINE CHANCE BEKOMMEN, an die Hebel der Macht zu gelangen! Darum noch mal: GENERALSTREIK! JETZT! Diese sogenannten Reformen richten die arbeitende Bevölkerung, das Gesundheitswesen und die Rente endgültig zugrunde – zugunsten gieriger, nimmersatter Bonzen und zum Schaden aller anderen im Lande. Lasst uns das nicht einfach so hinnehmen. Wenn es je einen Moment gab, in dem Deutschland aufstehen muss, dann jetzt!

Auch als Podcast…

Ach du liebes Lieschen – Politik für Almans…?

Da gibt’s diese Leute, die in einem Atemzug deklamieren, dass man ja gar nicht mehr alles sagen dürfe, um dann im nächsten irgendeinen vollkommen verkommenen, rassistischen, mysogynen, verschwörungsideologischen oder sonstwie extrem widerlichen Quatsch rauszuhauen; jedesmal begleitet von einem “das wird man doch wohl noch sagen dürfen!”. Und wenn man ihnen widerspricht, kehren sie SOFORT zurück zum ersten Atemzug, um sich als missverstandenes, geknechtetes, entrechtetes Opfer “des Systems” oder “der da oben” darzustellen. Ohne jemals äußern zu können, was sie denn damit wirklich meinen. Dazu gleich mehr. Übrigens ist das einzige, was hier was passiert, dass Meinungsfreiheit keine Einbahnstraße ist. Wenn du Nazi-Scheiße laberst, werde ich dich IMMER darauf hinweisen, dass du diesen Dreck hier nicht absondern sollst, weil an deinem Geseiere NICHTS eine legitime Meinungsäußerung darstellt. Denn zunächst einmal ist Rassisimus keine legitime Meinungsäußerung – ja nicht mal eine Meinung, sondern eine Ideologie, die darauf abzielt, andere zu unterdrücken, um sich selbst besser stellen zu können; wenn wir so wollen, der Schoolyard-Bully in Möchtegern-Erwachsen. Du willst etwas für dich? Das nennt man Egoismus! Und das andere diesem Egoismus Grenzen setzen, solltest du eigentlich schon als Kind gelernt haben. Aber weiter. Mysogynie ist keine Meinung, sondern schlichtes Leugnen unseres Grundgesetzes (Art. 3, Abs. 2). Und DEIN FRAGILES MACHO-EGO muss halt einfach eingehegt werden. Wenn du dich durch eine starke Frau bedroht fühlst, dann entwickle dich einfach weiter. Haben viele andere auch geschafft. Dann dieser ganze Verschwörungsmythen-Kram. Du darfst ALLES mögliche behaupten. Im Internet und in real life auf der Straße. Aber du darfst nicht erwarten, dass wir alle akzeptieren, wenn du vollkommenen Quatsch mit Soße, wie diesen Q’anon-Müll, Flatearther-Kram, Reptiloiden, dass Impfungen Autismus erzeugen würden, Reichsbürger-Lügen oder ähnliches von dir gibst. Denn all diese Dinge lassen sich sehr leicht auseinandernehmen. Wenn du das glauben WILLST ist das okay – es gibt auch Leute, die an das fliegende Spaghettimonster glauben. Wobei ich ja denke, DIE meinen das ironisch, aber.. du bist unironisch einfach nur nervtötend dumm, wenn du alle Gegenbeweise in den Wind schlägst und versuchst, anderen Menschen deinen Glauben so lange ins Gesicht zu schlagen, bis sie dir Recht geben. Dass “Überzeugung” immer noch so funktioniert, wie bei den Katholiken im Südamarika des 15. Jahrhunderts… oder bei den Amis im Kuwait und im Irak. Funfact – das hat noch nie so richtig funktioniert. Steck dir deine Dogmen also dahin, wo die Sonne nicht scheint, Nachbar!

Kommen wir auf “das System” zurück. Wir in Deutschland hier leben weitgehend alle im gleichen. Nennt sich Kapitalismus. Haste wahrscheinlich schon mal probiert und warst vielleicht erfolgreich, vielleicht auch nicht. Ich verrate dir etwas über den Kapitalismus: er belohnt stets die Skrupellosen, Rücksichtslosen, Unempathischen und Unethischen am stärksten. Denn der freie Markt, auf dem sich Anbieter und Nachfrager als freie Wesen begegnen, um einen Handel zum beiderseitigen Vorteil abzuschließen, ist eine Legende. Angebot und Nachfrage erzeugen automatisch ein Machtgefälle, dass im nicht-regulierten Kapitalismus schamlos ausgenutzt wird. Du hast doch bestimmt auch von den völlig überteuerten Motelzimmern während der Fußball-WM in den USA gehört, oder? Und du rennst gerade einer Partei hinterher, die in ihrem Wesenskern ultra-neoliberal ist und den Profiteuren des Kapitalismus, also den Skrupellosen, Rücksichtslosen, Unempathischen, Unethischen noch mehr Macht verschaffen möchte. Das will die CDU/CSU übrigens auch, nur dass die dabei nicht mit der Brechstange vorgehen. Das aktuelle AfD-Parteiprogramm S. 75, Abs. 11.4 fordert die Abschaffung der Erbschafts- und Vermögenssteuer. Instrumente, die dazu da sind, soziale Ungleichheit nicht noch weiter eskalieren zu lassen, als sie das eh schon ist (sucht euch die Informationen zum Gini-Koeefizienten zur Vermögensverteilung doch bitte einfach selbst raus). Und gleichzeitg Instrumente, welche die AfD eigentlich bitter nötig brauchen würde, um all die anderen Dinge gegenfinanzieren zu können, die das eher rückwärtsgewandte Familienbild der Partei zu zementieren helfen sollen – sollte ihnen jemals die Machtergreifung gelingen (und ja, ich weiß, der Begriff ist polemisch). Da kann man sich ausrechnen, was nicht passieren wird… ach ja, Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen. Man muss ja erst die Großspender bedienen und sein Schäflein mit Nebeneinkünften zusätzlich zur Abgeordnetendiät ins Trockene bringen. Denn, wie Lobbyismus funktioniert, hat die AfD schon lange begriffen und hält ihre Hände oft noch eifriger auf, als die sogenannten Altparteien.

“Das wird man doch wohl noch sagen dürfen” ist die Monstranz derer, die für sich uneingeschränkte Meinungsfreiheit reklamieren, jedoch keine Lust haben, sich mit dem gesellschaftlichen Diskurs auseinander zu setzen, den diese Meinung unter Umständen hervorruft. Denn Rassismus, Chauvinismus, Mysogynie, Geschichtsklitterung, “altenative Fakten” und Verschwörungsideologie mögen in den Augen jener, die sich nach einfachen Antworten auf die Fragen einer immer komplizierter werdenden Welt sehnen, legitime Meinungen sein – für die Demokraten sind sie es NICHT! Und wenn man Unfug in die Welt setzt, darf man sich nicht wundern, wenn man Shitstorms erntet. Das große Problem dabei ist, dass die Grenze dessen, was gesagt werden kann dabei immer weiter nach rechts in Richtung ungebremster Hassrede verschoben wird. Vor ein paar Jahren fings es an mit “kleinen Paschas”und “Kopftuchmädchen” und manchem anderen – alles herabwürdigend gemeint – und insbesondere die CDU/CSU hat sich den Sprachduktus der AfD angeeignet (siehe Migranten beim Zahnarzt, Herr Merz!), weil sie hoffte, konservative Wählerstimmen zurückzuholen. Gemäß Franz-Josef Strauss’ altem Diktum, dass es keine rechte Kraft neben der CDU/CSU geben darf. Hat ja super funktioniert…

Das Problem hat zwei Seiten: auf der einen ist die neo-faschistische Symbolpolitik, die Fakten völiig ausklammert, um Gefühle und vor allem Ressentiments bedienen zu können. Und auf der anderen Seite die offensichtliche polit-handwerkliche Unfähigkeit der Altparteien, die Herausforderungen in unserem Lande WIRKLICH anzugehen. Wo wurden denn Probleme gelöst? Steuern? Immer noch werden Kapitaleinkünft bevorteilt und Lohneinkommen geschröpft. Immer noch traut sich niemand, die Vermögensschere ein wenig weiter zu schließen. Renten? Oh dear don’t start me please…! Gesundheit und Soziales? Anstatt wegweisende Projekte flächendeckend einzuführen, Pharmausgaben zu reduzieren, die Prävention und die Präklinik zu stärken und Patientenströme tatsächlich effizient zu managen (was zunächst Investitionen braucht) wird überall bei Leistungen der Rotstift angesetzt. Da fühlt man sich als Bürger so richtig gehört. Bildung? Bildungspolitik machen in Deutschland Dilletanten mit Parteibuch (sogenannte Kultusminister) anstatt Fachleute. Und billig muss es sein – kleiner Hinweis von einem erfahrenen Berufsbildner: gute (Aus)Bildung kostet! Punkt! Energie? Außenpolitik? Ich könnt noch eine Weile weitermachen. Auch ich fühle mich verschaukelt – insbesondere als Sozialdemokrat.

Will heißen – die Leute fühlen sich verarscht. Und dann kommt jemand daher und gibt den Leuten das Gefühl, es besser zu machen. Auch wenn die Substanz unter diesem Gefühl völlig anders aussieht, als das, was verkauft wird. Aber verkaufen – DAS können die blauen Rattenfänger. Inhaltlich stellen? Die Inhalte sind zusammengeklauter Kokolores aus den 30ern – 50er des vergangenen Jahrhunderts. In der Hinsicht müsste sich Friedrich Merz eigentlich wohlfühlen, entspricht doch vieles davon offenkundig seinem eigenen Weltbild. Man muss die Blaubraunen mit offenen Emotionen stellen, sie mit ihren eigenen Waffen schlagen: Mahnwachen und Fackelzüge vor den Wohnungen ihrer Vertreter. Ihnen in jeder Diskussion ihre Falschheit um die Ohren schlagen, bis sie bluten, jedes bisschen Dreck ans Licht zerren und ausschlachten, bis es weh tut – und währenddessen das Verbotsverfahren ans Laufen bringen. Ich fordere: VERBOTSVERFAHREN JETZT! Lasst sie uns aus allen Parlamenten treiben, bevor sie 2033 eine Symbolwahl betreiben können. Nieder mit dem Faschismus! Nieder mit den Neo-Nazis. ¡No pasarán! Ach… und übrigens… schönen Start in eine “glorreiche” neue Woche.

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