Writing Fiction #6 – Let’s talk about genre…

Wenn man sich die aktuelle Weltlage ansieht, könnte man meinen, dass William Gibsons “Neuromancer”-Trilogie so langsam Wirklichkeit wird. Dass wir am Beginn des Cyberpunk-Zeitalters stehen – alle dystopischen Aspekte inclusive, wie Massenarbeitslosigkeit und Armut, Allmacht der Konzerne mit Politikern als Marionetten, Kriege rein aus Gründen wirtschaftlicher Interessen und eine breite Öffentlichkeit, die durch Unterhaltung mittels technologischer Gimmicks sediert wird, um sich ja nicht zu informieren und zu involvieren. Das alte Sprichwort, dass die Realität die besten (jedoch zumeist auch die absurdesten) Geschichten schreiben würde, scheint sich einmal mehr zu bewahrheiten. Doch so finster der Zustand der Welt auch sein mag, je mehr die soziale Kälte um sich greifen mag – immer werden Menschen sich Geschichten erzählen. Vielleicht, um sich vor eben jener Finsternis und Kälte zu schützen, oder wenigstens für eine begrenzte Zeit davon ablenken zu können. Eskapismus an sich ist weder dumm, noch ignorant, noch verwerflich, sondern alllzu oft die letzte Mauer, welche wir um den Garten unserer mentalen Gesundheit ziehen können. Das ist einer der Gründe, warum Menschen Geschichten BRAUCHEN! Ein anderer ist, dass jede Erzählung etwas über den Erzählenden ausspricht, dass möglicherweise Zuhörer*innen oder Leser*innen anspricht – und so manchmal Brücken baut, wo vorher die Einsamkeit geherrscht hat. Gemeinsames Verstehen kann gemeinsames Verständnis erzeugen, welches widerum die Basis für ein sinnvolles menschliches Miteinander bildet. In welches Gewand sich die Geschichte dabei kleidet – also, in welcher Art von Erzählumgebung mit ihren je eigenen Figuren, Formalismen, Arche- und Stereotypen, Bildern, Charakteren wir uns befinden mögen – ist eigentlich einerlei. Zumindest insofern, als dass eine Aussage über bzw. Kritik am Zustand der Welt, oder eine Idee für ihre Entwicklung, initiiert durch Charaktere, die sich auf eine Heldenreise begeben und sich dabei verändern in jedem denkbaren Erzählkontinuum möglich ist. Welche Welt oder welche Charaktere sich wohin entwickeln, bleibt damit natürlich offen. Es macht durchaus einen Unterschied, ob ein historischer Roman sich an den damals tatsächlich vorgefundenen sozialen Umständen orientiert, oder ob ich eine Welt erfinde, die nach anderen Regeln funktioniert. Doch im Kern drehen wir uns stets um zutiefst menschliche Themen. Genre klassifiziert damit vor allem die erzählerischen Rahmenbedingungen meiner Geschichte. Und es sorgt, mit Blick auf das zuvor Gesagte für ein gemeinsames Verstehen. Denn jedes übergeordnete Genre hat seine eigenen Topoi, welche von den Nutzern des Genres erkannt, verstanden und in aller Regel auf Seiten der Rezipienten auch erwartet werden. Oder einfacher gesagt: Generic Fantasyland braucht eine Taverne…

Häufig wird der Begriff Genre synonym verwendet mit einem Label, dass ich auf meine Geschichte klatschen kann, um diese für eine bestimmte Zielgruppe attraktiv zu machen. Und weil bestimmte Zielgruppen großen Hunger auf sehr spezielle Themen entwickelt haben, trenden dann solche Dinge wie “Young Adult Fantasy”; wobei das ein Meta-Genre ist, welches Bücher mit Jugend- oder Coming-of-Age-Themen zusammenfasst, die sich in so gut wie jedem Subgenre von Fantasy oder Sci-Fi bewegen können. Wenn wir Grimdark mal außen vorlassen… Ähnlich verhält es sich mit “Romantasy” oder “Spicy Romantasy”. Das alles sind Klassifizierungen, die auf ein spezielles Inhaltsgefüge hinweisen und bei potentiellen Leser*innen bestimmte Erwartungen wecken (sollen). Etwa in einem “Spicy Romantasy”-Buch werden der geheimnisvoll-schroff-abweisende aber furchtbar attraktive lone-wolf-style männliche Protagonist und die unverstandene, sowie noch unvollendete chosen-one-type girlboss weibliche Protagonistin irgendwann miteinander schnackseln. Je spicy, desto früher, desto öfter und desto expliziter beschrieben. Früher nannte man das übrigens Erotik-Roman. Es hat sich allenthalben ein Standard-Archetypen-Repertoire herausgebildet, welches die erwartungsfrohe Leserschaft in aller Regel nicht enttäuscht. Mit den sich ändernden Modalitäten der Lesestoffauswahl der potentiellen Kunden (Stichwort: Booktok) ändert sich auch der Buchmarkt. Um relevant bleiben zu können, werden heutzutage der Backcatalogue und das aktuelle Portfolio vieler Verlage deutlich dynamisch zielgruppenorientierter ausgerichtet. Das hat in etwa die gleichen Folgen wie in Hollywood: Massen immer wieder gleichartiger, semantisch und sprachlich extrem leichtgewichtiger Kost mit AI-generierten Covern fluten entweder die Kinosäle, oder aber die Regale der Kettenbuchhandlungen. Denn im Grunde genommen erleben wir gerade die Groschenromanisierung der Unterhaltungsliteratur. Es soll sich bitte niemand mehr über “Perry Rhodan” oder “John Sinclair” lustig machen.

Eigentlich sollte “Genre” als Begriffl für die Klassifizierung verschiedener idealtypischer Aspekte einer Gruppe einander ähnlicher Texte stehen; ähnlich meint hier, wie bereits oben erwähnt bestimmte Themen, Erzählfiguren, Archetypen, Erzählumgebungen. Wenn ein Steampunkroman plötzlich in einer spätmittelalterlichen Fantasywelt spielt, wenn der lone-wolf male protagonist einer spicy romantasy der völlig überdrehte, unattraktive Nerd ist, wenn in einer Hard-Science-Fiction-Geschichte plötzlich Drachen auftauchen und wenn die Auserwählte eigentlich der Bösewicht ist, wird es zumindest hochgezogene Augenbrauen geben; und vielleicht auch keine allzu guten Verkaufszahlen. Denn… heute ist Genre nicht mehr wirklich eine thematisch-semantische Einordnungskategorie, die auf übergeordnete Themen verweist, sondern nur noch ein Verkaufsargument: “Schau her, Kunde: auf dem (AI-Slop)Cover sind zwei sehr attraktive Wesen abgebildet und der Einband sagt “spicy”… willst du nicht wissen, wann, wo und wie die miteinander poppen?” Menschliche Themen in Büchern zu behandeln würde bedeuten, dass Charaktere schwierige Entscheidungen in dem Bewusstsein treffen müssen, dass ihr Tun und Lassen Konsequenzen hat. Dass sie an solchen Entscheidungen wachsen – aber auch zerbrechen – können. Dass eine Heldenreise kein gleichmäßig-langweiliges Bezwingen aller Herausforderungen ist, dass manchmal (aber nicht immer) ein Plottwist okay ist und das Protagonisten sterben können – bitte nur nicht so wahl- und sinnlos, wie bei George R. R. Martin… Und das Drama nicht notwendig melodramatisch sein muss. K-Drama ist schon in der Flimmerkiste anstrengend – im Buch brauche ich sowas nicht. Legt man also sein Genre vorher fest? Nö… die Geschichte, welche sich durch mich erzählen lassen will legt fest, in welchem Genre ich mich bewege. Wenn ich das Gefühl habe, etwas erzählen zu wollen, dass in unserer realen Welt hier und jetzt nicht passieren könnte, dann schreibe ich das. Ob am Schluss jemand das Label “High Fantasy”, “Dark Fantasy”, “Cyberpunk”, “Dieselpunk”, “Steampunk”, “Sci-Fi”, “Horror” oder gar “Spicy Romantasy” draufklebt, ist mir einerlei. Denn zuallererst muss die Erzählung wachsen, muss ich austesten, welche Welt es für diese Geschichte braucht; damit ich menschliche Themen unterbringen kann. Mein Label entsteht unterdessen ganz von selbst.

Auch als Podcast…

KAMPFAUFRUF!

Was für ein Sommer? Ich meine, hohe Temperaturen, langanhaltende Trockenheit, gelegentliche Extremgewitter… all das hatten wir schon mal. Vielleicht nicht in den 1970ern, in denen ich geboren wurde – wohl aber seit dem Jahr 2000. Ich hatte neulich darüber gesprochen, dass mich das furchtbar geängstigt hatte, weil der Hitzestress mich über Tage beinahe komplett schlaflos zurückließ. Dieses entsetzliche Gefühl steckt mir nach wie vor in den Knochen. Doch genau jetzt sind es andere Aspekte, die mich erheblich umtreiben. Während wir normalen Menschen halt nachts schwitzen müssen und tagsüber fast schmelzen, treffen Politikoide Entscheidungen, die man bestenfalls als hinterfotzige Lobbyistenscheiße bezeichnen kann. Man zersägt unser Gesundheitswesen, man fickt Arbeitnehmerrechte, man beschimpft diejenigen, die man gerade kaputt macht auch noch und lacht sich in sein Fäustchen mit dem erhobenen Zeigefinger, während man sein Schäfchen ins Trockene bringt. Was mich dabei am allermeisten irritiert, ist der Umstand, das solche verkommenen, durch und durch korrupten, völlig empathiefreien Flachorgeln wie Friedrich Merz anscheinend sogar glauben, was sie da in irgendwelche Mikrofone stammeln. Anders kann man sich nicht erklären, dass er immer noch mit solchem Brustton der Überzeugung von seinen politischen Projekten spricht – oder aber der Arm seiner Lobbyisten steckt so tief in seinem Arsch, dass er sich wie eine Handpuppe bewegen lässt und man auch die, eh nur rudeimentär arbeitsfreudige Mimikmuskulatur fernsteuern kann. Beide Vorstellungen sind allerdings ein wenig gruselig. Ich weiß noch nicht genau, was ich selbst insgesamt zu tun gedenke – aber eine Sache ist mir definitiv wichtig: wir brauchen einen Generalstreik! JETZT! Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit dem aktuellen Politikkurs unseren folgenden Generationen irgendetwas Gutes tun! Und ich glaube auch nicht, dass ich meinen Töchtern in ein paar Jahren noch in die Augen schauen kann, wenn ich jetzt nicht etwas Substantielles unternehme, um diesem völligen Kapitalismus-Müll mit allem entgegenzutreten, was ich aufbringen kann. Doch wie stellt man das an – einen Generalstreik? Ich habe die vage Vorstellung, meinen Aufruf soweit wie möglich streuen zu wollen, in der Hoffnung dass es irgendjemand wahrnimmt und genug Leute verstehen, was tatsächlich das Problem ist: nämlich dass die aktuellen Reformpakete a) dafür sorgen, dass die medizinische Versorgung in Deutschland schlechter wird, ohne jedoch an den richtigen Stellen zu sparen, b) Arbeitnehmerrechte in unzulässiger Weise eingeschränkt werden, c) man wieder einmal bei der Rente alle über einen Kamm schert, außer die Beamten d) die soziale Ungleichheit weiter befeuert wird, anstatt die richtigen Leute (große Vermögen und Fiatgeld-Schleudern) zu besteuern und e) mit diesem riesigen Murks auch noch den Faschos in die Karten spielt. Ich wünschte wirklich, das sommerliche Hitze und Trockenheit meine einzigen Sorgen wären. Doch dem ist nicht so. Zusammengenommen mit dem, was gerade ansonsten in unserem Land passiert, drohen mir noch viele weitere schlaflose Nächte.

Ich betrachte das aus mehreren Blickwinkeln. Zunächst einmal als Mitarbeiter im Gesundheitswesen, der sieht, dass durch die gesetzliche Deckelung der Budgets der Rettungsdienst in seiner Funktionsfähigkeit bedroht ist, weil steigende Energie-, Material-, Raum-, Fahrzeug- und Personalkosten recht schnell zur Stilllegung von Rettungsmitteln führen werden, wenn diese Aspekte nicht mehr refinanzierbar sind. Gemeinnützige HiOrgs dürfen kein Kapitalvermögen aufbauen und die Möglichkeiten, die steigenden Kosten durch andere Tätigkeitsfelder quer zu finanzieren sind sehr begrenzt. Dann bin ich aber auch Patient; und die massiven Einsparungen bei der Psychotherapie betreffen mich zukünftig ganz persönlich. Was wird mit mir und meiner Depression, falls ich mir nicht mehr Hilfe suchen kann, wenn es schlimm wird? “Darf” ich dann sozialverträglich frühableben, um Rente zu sparen? Was ist mit anderen chronisch Erkrankten? Warum unterstellt man Menschen mit Krankheit faul zu sein? Ich bin manchmal krankgeschrieben (im Mittel etwa so viel, wie meine Altersgenossen); und ansonsten klotze ich meine Arbeit weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Nicht selten mehr, als eigentlich vereinbart. Apropos Rente… mein Renteneintritt wurde gerade um ein knappes Jahr nach hinten verschoben. Was soll das? Ich zahle seit 1993 regelmäßig ein, war nie einen Tag arbeitslos und nur einmal länger krank. Warum bestraft man Leute wie mich für die, seit Jahrzehnten ignorierten Folgen der Demographie und die Unfähigkeit, Tax the Rich endlich umzusetzen. Kleine Erinnerung an die 50er und 60er: Dwight D. Eisenhower, überzeugter Republikaner – und keinesfalls verdächtig, Sozialgeschenke verteilen zu wollen – hat in seiner Antszeit die höchsten Vermögenssteuern mitverantwortet, welche die Welt je gesehen hat: 92%. Und warum? Weil er verstanden hatte, dass eine zu große soziale Ungleichheit (wie wir sie derzeit in der BRD haben) mit Kapitalkonzentration zu abnehmender Gesamtwirtschaftsleistung und wachsender Armut führt. Und damit zu höheren Sozialkosten für den Staat, an denen dieser naturgemäß zu sparen versuchen wird. Schließlich bin ich Berufspädagoge, dem es zunehmend schwerfällt, den jungen Leuten eine positive Haltung zu unserem Job (dem Rettungsdienst), zu den Herausforderungen und den Perspektiven zu vermitteln, wenn eine unionsgeführte Regierung gerade die Zukunft der normalen Menschen in diesem Lande an die Konzerne verschachert, um bei uns einen Kapitalismus im Endstadium zu installieren, wie die USA ihn schon haben: Hire&Fire-Heuschreckenkapitalismus, in welchem die Arbeitnehmer*innen bis auf’s Blut ausbeutet werden und man ihnen dann auch noch erzählt, die Migranten seien Schuld. Und die Faschos? Die stehen lächelnd daneben und verkaufen den Leichtgläubigen das Gefühl, dass sie alles besser machen würden, während sie insgeheim bereits den Abriss der Demokratie und die Hochzeit mit dem Großkapital planen. Nochmal zur Erinnerung: US-Banken haben vor und während des 2. Weltkrieges Geschäfte mit und für die Nazis abgewickelt. Denn auch für die Faschisten stinkt Geld nicht – und für das Kapital sind die Faschisten gut, weil sie deregulierte Märkte, entrechtete Massen und damit mehr Profit bringen.

Lasst uns dazu NEIN sagen! Lasst und gegen diesen Wahnsinn auf die Straße gehen! Lasst uns dieser lobbyistenhörigen, rückwärtsgewandten, die Bürger nach Strich und Faden bescheißenden Gurkentruppe, die so tut, als wenn sie regieren würde eine klare Absage erteilen – und lasst es uns so tun, dass die Faschisten, die in den Startlöchern stehen, alles nur noch schlimmer zu machen, KEINE CHANCE BEKOMMEN, an die Hebel der Macht zu gelangen! Darum noch mal: GENERALSTREIK! JETZT! Diese sogenannten Reformen richten die arbeitende Bevölkerung, das Gesundheitswesen und die Rente endgültig zugrunde – zugunsten gieriger, nimmersatter Bonzen und zum Schaden aller anderen im Lande. Lasst uns das nicht einfach so hinnehmen. Wenn es je einen Moment gab, in dem Deutschland aufstehen muss, dann jetzt!

Auch als Podcast…

Ach du liebes Lieschen – Politik für Almans…?

Da gibt’s diese Leute, die in einem Atemzug deklamieren, dass man ja gar nicht mehr alles sagen dürfe, um dann im nächsten irgendeinen vollkommen verkommenen, rassistischen, mysogynen, verschwörungsideologischen oder sonstwie extrem widerlichen Quatsch rauszuhauen; jedesmal begleitet von einem “das wird man doch wohl noch sagen dürfen!”. Und wenn man ihnen widerspricht, kehren sie SOFORT zurück zum ersten Atemzug, um sich als missverstandenes, geknechtetes, entrechtetes Opfer “des Systems” oder “der da oben” darzustellen. Ohne jemals äußern zu können, was sie denn damit wirklich meinen. Dazu gleich mehr. Übrigens ist das einzige, was hier was passiert, dass Meinungsfreiheit keine Einbahnstraße ist. Wenn du Nazi-Scheiße laberst, werde ich dich IMMER darauf hinweisen, dass du diesen Dreck hier nicht absondern sollst, weil an deinem Geseiere NICHTS eine legitime Meinungsäußerung darstellt. Denn zunächst einmal ist Rassisimus keine legitime Meinungsäußerung – ja nicht mal eine Meinung, sondern eine Ideologie, die darauf abzielt, andere zu unterdrücken, um sich selbst besser stellen zu können; wenn wir so wollen, der Schoolyard-Bully in Möchtegern-Erwachsen. Du willst etwas für dich? Das nennt man Egoismus! Und das andere diesem Egoismus Grenzen setzen, solltest du eigentlich schon als Kind gelernt haben. Aber weiter. Mysogynie ist keine Meinung, sondern schlichtes Leugnen unseres Grundgesetzes (Art. 3, Abs. 2). Und DEIN FRAGILES MACHO-EGO muss halt einfach eingehegt werden. Wenn du dich durch eine starke Frau bedroht fühlst, dann entwickle dich einfach weiter. Haben viele andere auch geschafft. Dann dieser ganze Verschwörungsmythen-Kram. Du darfst ALLES mögliche behaupten. Im Internet und in real life auf der Straße. Aber du darfst nicht erwarten, dass wir alle akzeptieren, wenn du vollkommenen Quatsch mit Soße, wie diesen Q’anon-Müll, Flatearther-Kram, Reptiloiden, dass Impfungen Autismus erzeugen würden, Reichsbürger-Lügen oder ähnliches von dir gibst. Denn all diese Dinge lassen sich sehr leicht auseinandernehmen. Wenn du das glauben WILLST ist das okay – es gibt auch Leute, die an das fliegende Spaghettimonster glauben. Wobei ich ja denke, DIE meinen das ironisch, aber.. du bist unironisch einfach nur nervtötend dumm, wenn du alle Gegenbeweise in den Wind schlägst und versuchst, anderen Menschen deinen Glauben so lange ins Gesicht zu schlagen, bis sie dir Recht geben. Dass “Überzeugung” immer noch so funktioniert, wie bei den Katholiken im Südamarika des 15. Jahrhunderts… oder bei den Amis im Kuwait und im Irak. Funfact – das hat noch nie so richtig funktioniert. Steck dir deine Dogmen also dahin, wo die Sonne nicht scheint, Nachbar!

Kommen wir auf “das System” zurück. Wir in Deutschland hier leben weitgehend alle im gleichen. Nennt sich Kapitalismus. Haste wahrscheinlich schon mal probiert und warst vielleicht erfolgreich, vielleicht auch nicht. Ich verrate dir etwas über den Kapitalismus: er belohnt stets die Skrupellosen, Rücksichtslosen, Unempathischen und Unethischen am stärksten. Denn der freie Markt, auf dem sich Anbieter und Nachfrager als freie Wesen begegnen, um einen Handel zum beiderseitigen Vorteil abzuschließen, ist eine Legende. Angebot und Nachfrage erzeugen automatisch ein Machtgefälle, dass im nicht-regulierten Kapitalismus schamlos ausgenutzt wird. Du hast doch bestimmt auch von den völlig überteuerten Motelzimmern während der Fußball-WM in den USA gehört, oder? Und du rennst gerade einer Partei hinterher, die in ihrem Wesenskern ultra-neoliberal ist und den Profiteuren des Kapitalismus, also den Skrupellosen, Rücksichtslosen, Unempathischen, Unethischen noch mehr Macht verschaffen möchte. Das will die CDU/CSU übrigens auch, nur dass die dabei nicht mit der Brechstange vorgehen. Das aktuelle AfD-Parteiprogramm S. 75, Abs. 11.4 fordert die Abschaffung der Erbschafts- und Vermögenssteuer. Instrumente, die dazu da sind, soziale Ungleichheit nicht noch weiter eskalieren zu lassen, als sie das eh schon ist (sucht euch die Informationen zum Gini-Koeefizienten zur Vermögensverteilung doch bitte einfach selbst raus). Und gleichzeitg Instrumente, welche die AfD eigentlich bitter nötig brauchen würde, um all die anderen Dinge gegenfinanzieren zu können, die das eher rückwärtsgewandte Familienbild der Partei zu zementieren helfen sollen – sollte ihnen jemals die Machtergreifung gelingen (und ja, ich weiß, der Begriff ist polemisch). Da kann man sich ausrechnen, was nicht passieren wird… ach ja, Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen. Man muss ja erst die Großspender bedienen und sein Schäflein mit Nebeneinkünften zusätzlich zur Abgeordnetendiät ins Trockene bringen. Denn, wie Lobbyismus funktioniert, hat die AfD schon lange begriffen und hält ihre Hände oft noch eifriger auf, als die sogenannten Altparteien.

“Das wird man doch wohl noch sagen dürfen” ist die Monstranz derer, die für sich uneingeschränkte Meinungsfreiheit reklamieren, jedoch keine Lust haben, sich mit dem gesellschaftlichen Diskurs auseinander zu setzen, den diese Meinung unter Umständen hervorruft. Denn Rassismus, Chauvinismus, Mysogynie, Geschichtsklitterung, “altenative Fakten” und Verschwörungsideologie mögen in den Augen jener, die sich nach einfachen Antworten auf die Fragen einer immer komplizierter werdenden Welt sehnen, legitime Meinungen sein – für die Demokraten sind sie es NICHT! Und wenn man Unfug in die Welt setzt, darf man sich nicht wundern, wenn man Shitstorms erntet. Das große Problem dabei ist, dass die Grenze dessen, was gesagt werden kann dabei immer weiter nach rechts in Richtung ungebremster Hassrede verschoben wird. Vor ein paar Jahren fings es an mit “kleinen Paschas”und “Kopftuchmädchen” und manchem anderen – alles herabwürdigend gemeint – und insbesondere die CDU/CSU hat sich den Sprachduktus der AfD angeeignet (siehe Migranten beim Zahnarzt, Herr Merz!), weil sie hoffte, konservative Wählerstimmen zurückzuholen. Gemäß Franz-Josef Strauss’ altem Diktum, dass es keine rechte Kraft neben der CDU/CSU geben darf. Hat ja super funktioniert…

Das Problem hat zwei Seiten: auf der einen ist die neo-faschistische Symbolpolitik, die Fakten völiig ausklammert, um Gefühle und vor allem Ressentiments bedienen zu können. Und auf der anderen Seite die offensichtliche polit-handwerkliche Unfähigkeit der Altparteien, die Herausforderungen in unserem Lande WIRKLICH anzugehen. Wo wurden denn Probleme gelöst? Steuern? Immer noch werden Kapitaleinkünft bevorteilt und Lohneinkommen geschröpft. Immer noch traut sich niemand, die Vermögensschere ein wenig weiter zu schließen. Renten? Oh dear don’t start me please…! Gesundheit und Soziales? Anstatt wegweisende Projekte flächendeckend einzuführen, Pharmausgaben zu reduzieren, die Prävention und die Präklinik zu stärken und Patientenströme tatsächlich effizient zu managen (was zunächst Investitionen braucht) wird überall bei Leistungen der Rotstift angesetzt. Da fühlt man sich als Bürger so richtig gehört. Bildung? Bildungspolitik machen in Deutschland Dilletanten mit Parteibuch (sogenannte Kultusminister) anstatt Fachleute. Und billig muss es sein – kleiner Hinweis von einem erfahrenen Berufsbildner: gute (Aus)Bildung kostet! Punkt! Energie? Außenpolitik? Ich könnt noch eine Weile weitermachen. Auch ich fühle mich verschaukelt – insbesondere als Sozialdemokrat.

Will heißen – die Leute fühlen sich verarscht. Und dann kommt jemand daher und gibt den Leuten das Gefühl, es besser zu machen. Auch wenn die Substanz unter diesem Gefühl völlig anders aussieht, als das, was verkauft wird. Aber verkaufen – DAS können die blauen Rattenfänger. Inhaltlich stellen? Die Inhalte sind zusammengeklauter Kokolores aus den 30ern – 50er des vergangenen Jahrhunderts. In der Hinsicht müsste sich Friedrich Merz eigentlich wohlfühlen, entspricht doch vieles davon offenkundig seinem eigenen Weltbild. Man muss die Blaubraunen mit offenen Emotionen stellen, sie mit ihren eigenen Waffen schlagen: Mahnwachen und Fackelzüge vor den Wohnungen ihrer Vertreter. Ihnen in jeder Diskussion ihre Falschheit um die Ohren schlagen, bis sie bluten, jedes bisschen Dreck ans Licht zerren und ausschlachten, bis es weh tut – und währenddessen das Verbotsverfahren ans Laufen bringen. Ich fordere: VERBOTSVERFAHREN JETZT! Lasst sie uns aus allen Parlamenten treiben, bevor sie 2033 eine Symbolwahl betreiben können. Nieder mit dem Faschismus! Nieder mit den Neo-Nazis. ¡No pasarán! Ach… und übrigens… schönen Start in eine “glorreiche” neue Woche.

Auch als Podcast…