Nichts mehr beweisen müssen?

Nebliger Sonntagvormittag. Ein Spaziergang am Fluss offenbart nichts, was ich nicht schon zuvor gewusst hätte: Ich mag Nebel! Es ist nur ein Wetterphänomen und doch wohnt dem Schleier, welcher die Welt wenigstens für eine kurze Weile wegdämpft ein Zauber inne, den ein Introvertierter wie ich gar nicht genug schätzen kann. Die Zahl der Menschen, welche vorhin – wie auch ich – der eher unbequemen Witterung getrotzt haben, war überraschend groß. Dennoch fand ich lange Abschnitte meines Weges ganz für mich alleine vor – so wie ich es mag! Es gab heute nicht allzu viele Gedanken zu denken. Einfach nur vorwärts, Schritt für Schritt. Das genügt manchmal. Gestern habe ich unterdessen geknipst, doch heute bin ich einfach nur… gewesen. Sich selbst vollkommen genug sein zu können, ist ein Privileg, welches viele Menschen offensichtlich nicht (mehr) wirklich schätzen können. Woran das liegen mag, kann ich nicht wissen, ein Zusammenhang mit der ubiquitären Verfügbarkeit der ganzen Welt mittels der ewig präsenten Taschenwanze mag hier jedoch eine Rolle spielen. Sei’s drum. Ich spazierte, nichts passierte. Einzig ein sanfter Hauch von Wehmut durchzog meinen Geist. Wehmut ob der Tatsache, dass ich vermutlich in den nächsten Tagen nicht dieser erquicklichen Solitude werde frönen können, weil mein Terminkalender mal wieder zumindest subjektiv überquillt. Und so manches davon wird furchtbar nerven, weil es mit meinem Job zu tun hat. Habe ich letzthin eigentlich schon mal erwähnt, dass ich den Kanal vollhabe…? Nun ja, nicht von allem; aber halt so manchem, was im Moment drückt.

Abwärts oder Aufwärts…?

Ich habe neulich in einem Gespräch mit Vorgesetzten einige wessentliche Dinge benannt, um die ich mich nicht mehr kümmern müssen möchte. Nicht, weil ich faul geworden wäre, sondern weil sich offenbart hat, dass diese Dinge weder etwas zum Erfolg der Institution beitragen, welcher ich derzeit vorstehe, noch ich dort irgendetwas von dem ausrichten kann (oder noch will), was andere Menschen sich davon erhoffen. Ich bin – wie es nun scheint – doch nicht für die Politik gemacht. Folglich ziehe ich mich daraus nun zurück. Man könnte konstatieren, dass dies eine Niederlage wäre, weil ich eigentlich mal angetreten war, etwas zu verändern, dieses Ziel aber einfach nie zu erreichen vermochte. Doch… wer definiert Sieg oder Niederlage? Es gibt dieses Diktum dass die Geschichte stets von den Siegern geschrieben würde. Die für mich relevanten Fragen dabei wären: was kennzeichnet einen Sieg oder eine Niederlage denn tatsächlich? Wer macht diese Zuschreibung? Und aus welchen Gründen? Ich will mal so sagen: ich bin davon überzeugt, nur selten das Falsche getan zu haben! Vielleicht manchmal zu wenig; zumindest dann, wenn der Auftrag und die Zieldefinition unklar waren; und das passierte ziemlich oft! Vorsicht ist trotzdem so gut wie immer besser als Nachsicht. Das was ich getan habe, tat ich jedoch immer nach bestem Wissen und Gewissen. Ich lasse mir da von NIEMANDEM etwas vorwerfen. Wenn es jedoch Menschen gibt, die sich zu Höherem berufen fühlen und glauben, das alles besser zu können als ich – nur Mut! ICH werde mich nicht in den Weg stellen. An anderer Stelle entfalten meine Fähigkeiten und meine (unterdessen leider begrenzte) Energie ihre Wirkung eh besser… zum Beispiel im Lehrsaal. Auch das ist ein Ergebnis verschiedener Reflexionsprozesse der vergangenen Wochen: mich wieder auf meine Kernkompetenzen besinnen. Da gilt wahrhaftig: weniger ist mehr.

"Alles Wesentliche wurde schon gesagt, aber da niemand zuhört, muss man immer wieder von vorne anfangen."

André Gide (Nobelpreisträger Literatur 1947)

Ich denke, dass dieses Zitat meine beruflichen Bemühungen der letzten Jahre ganz gut beschreibt. Mittlerweile habe ich jedoch die Schnauze voll davon, immer wieder den Rufer in der Dunkelheit zu spielen. Ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, in welchen Dingen ich Recht habe – und die Zeit hat bewiesen, wo ich mich irrte. Welches von beiden überwiegt, mögen andere beurteilen wollen – ICH bin jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass sich beides mindestens die Waage hält. Nennt dies Arroganz, wenn ihr mögt, aber da lasse ich nicht mit mir diskutieren, denn bei Bedarf kann ich es belegen… Kurzum – ich muss nichts mehr beweisen! Also werde ich auch nichts mehr beweisen, sondern einfach meinen Job machen und nur noch bei Bedarf erklären, was ich wie und warum tue, oder auch lasse. Wem das nicht passt, der möge sich zum Teufel scheren, oder nach einem passenden Ersatz für mich suchen. Viel Spaß dabei. Unterdessen versuche ICH, mir mehr Zeit für Spaziergänge zu nehmen. Sie müssen gar nicht immer durch den Nebel führen, denn ich mag auch die Sonne und den blauen Himmel. Doch was nutzt es mir, mich vom Wetter runterziehen zu lassen, wenn (fast) jedes Ding seine eigene Schönheit hat. So auch der Nebel, wenn er es meinem Geist doch erlaubt, sich in Schweigen zu hüllen und einfach nur zu sein. Und genau das werde ich für den Rest dieses Sonntags tun – einfach nur sein. Denn Morgen geht der Huzzle-Buzzle wieder von vorne los… euch einen gediegenen Start in die neue Woche.

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 4)

Ist nun schon ein paar Wochen her, aber die Frage treibt mich immer noch um. Oder schon wieder. Da sich die Umstände nur sehr langsam ändern, ist DAS eine Frage des aktuellen Blickwinkels. Was mir aber immer mehr bewusst wird, ist mein verzweifeltes Bemühen, die Kontrolle über meinen kreativen Output wiederzuerlangen. Für eine ganze Weile herrschte Funkstille. Anstatt etwa mal wieder die Kamera in die Hand zu nehmen und loszuziehen, verdödelte ich meine Tage mit Doomscrolling und anderem Quatsch, wöhrend ich mir durchaus glaubhaft zu versichern versuchte, dass entweder das Wetter zu schlecht, mein Körper zu müde, mein Ideenreichtum derzeit nicht verfügbar sei, oder ich wichtigeres zu tun hätte. Ausreden gibt es ja in großer Fülle und Varietät. Ich begriff unterdessen meine Ausflüge in die Kreativität abseits meiner beruflichen Tätigkeit als… ja wie soll ich sagen… als Prokrastination. Doch ich kann nun voller Überzeugung versichern – das ist Quatsch! Ich musste der Wahrheit ins Auge blicken: Kreativität ist für mich Lebenssinn – jeder Verzicht schadet mir sehr! Ich hatte mich in der Illusion eingerichtet, dass ich immerzu FUNKTIONIEREN müsse, bin irgendwelchen falschen Ideen von wichtig und unwichtig hinterhergelaufen, habe gedacht, ich könnte Dinge bewegen, die von vielen anderen einfach nicht bewegt werden wollen. Doch da lag ich falsch! Und die einzig richtige Reaktion darauf ist, diese Illusionen zu vergessen, mich wieder auf mich selbst, meine Stärken und meine Leidenschaften zu besinnen. Darin liegt zumindest ein Teil der Heilung, die ich nach diesem ganzen Mist brauche. Und kreatives Handeln, gleich welche Ausprägung es auch jeweils nehmen mag, ist eine meiner größten Leidenschaften. Insbesondere, das Knipsen.

Ich nenne es Knipsen, weil ich mir echt nicht anmaßen möchte, tatsächlich fotografieren zu können. Ich bin ein ambitionierter Hobbyist, kenn mich ein bisschen aus und versuche aus meiner Ausrüstung was rauszuholen. Aber zuvorderst geht es mir überhaupt nicht um die Vorzeigbarkeit irgendwelcher Ergebnisse, sondern um das, was der Prozess der Kreativität mit MIR macht. Wenn ich also spazieren gehe und endlich mal wieder der Idee folge, meine Kamera mitzunehmen, dann beschränke ich mich dabei oft auf eine (sehr) kleine Ausrüstung. Eine Linse, deren Abbildungsmöglichkeiten mich eher einschränken. Ich gehe nun durch diese Welt, besuche Orte, die ich zu kennen glaube und manchmal klickt es – nicht zuerst der Auslöser, aber meine Wahrnehmung, weil ich Orte und Gegenstände auf neue Art zu sehen lerne. Ich sehe zuerst mit meinen Augen und überlege, wie meine Kamera diesen Moment wohl ablichten wird. Ich probiere, gehe vor, gehe zurück, gehe in die Hocke und wenn das gewählte Objektiv es zulässt, verändere ich auch die Brennweite. Noch interessanter wird es allerdings, wenn ich nur eine Festbrennweite mitnehme. Das verlangt wesentlich tiefgreifendere gestalterische Überlegungen und Stunts. Doch wenn ich auf die Beschränkungen meiner Technik zurückgeworfen bin, erfahre ich oft spannende Details über die Dinge und Orte, erspüre Texturen mit dem Auge. Das Bild, welches dabei entsteht, zeigt nie einfach nur den abgebildeten Gegenstand, weil jeder Betrachter die jeweilige Abbildung mittels seiner Empfindungen mit einem Bedeutungs-überschuss auflädt. Oder um es semiotisch auszudrücken: es besteht niemals eine echte, unmittelbare Beziehung zwischen dem Ding an sich (oben im Bild z. B. der Kopf eines Begrenzungspfahls mit Sperrketten) und seiner Abbildung. Jeder, der das sieht, wird mit einer eigenen Interpretation an das Bild herantreten: Waren die Wassertropfen warm oder kalt? Regnete es noch? Fühlt sich die Lackierung so glatt an, wie sie hier aussieht? Kenne ich die Umgebung, auch wenn der Hintergrund im Bokeh weichgezeichnet ist…?

Doch darüber mache ich mir tatsächlich während der eigentlichen Entstehung jedes Bildes überhaupt keine Gedanken, weil bei den vielen Aufnahmen, die während eines solchen Spazierganges entstehen vorher gar nicht klar sein kann, welche davon etwa später hier in meinem Blog Verwendung finden – und welche als digitale Kopien ein langes, ungesehenes Leben in Dunkelheit fristen werden. Im Moment der Entstehung fließen meine Emotionen, mein gestalterischer Wille und mein (begrenztes) technisches Können mit der Kamera in einem einzigartigen, unwiederholbaren Prozess zusammen, an dessen Ende ein – wie auch immer geartetes – Bild steht, dass all diese Aspekte einfängt. Und damit auch für mich zu einem semiotischen Katalysator wird, weil ich selbst DIESES EINE BILD ja auch mit einem Bedeutungsüberschuss auflade, wenn ich es eine Weile später betrachte. Was ich im Moment der Aufnahme gefühlt, gedacht, getan habe vermengt sich mit dem, was ich im Moment der neuerlichen Betrachtung gerade denke, fühle, tue; wodurch sich auch für mich der semiotische Kreis schließt. Denn, wann immer ich mir die alten Aufnahmen anschaue, kann ich vorher nicht wissen, wie mein aktueller Kontext gerade aussieht und was die heutige Betrachtung mit mir machen wird. Oft sind das nur kleine Dinge, wie ein Schmunzeln, eine hochgezogene Augenbraue, ein Gefühl der Irritation, warum ich das SO geknipst habe und nicht anders. Aber ab und zu wird aus dem bloßen Akt der Betrachtung eine emotionale Achterbahnfahrt par excellence. Es ist für mich diese, dem Hobby Fotografie innewohnende Spannung, die den Reiz ausmacht. Nicht jeder Spaziergang erzeugt spannende Aufnahmen. Wobei man wohl nie so genau wissen kann, welche Bilder später einmal spannend werden können. Aber das ist Zufall, wie so vieles andere im Leben auch. Und vielleicht ist es genau diese Zufälligkeit – die Möglichkeit unerwarteter Ergebnisse – die den kreativen Prozess für mich so wichtig macht. Ich möchte mich dann und wann vom Leben noch positiv überraschen lassen können. Mal schauen, was das Rest-Wochenende diesbezüglich noch mit sich bringt. Einen schönen Samstagabend wünsche ich…

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°70 – end of the line…?

Ich habe eben mal nachgeschaut. Ich schreibe hier auf diesem Blog seit bald 13 Jahren. Fast von Anfang an natürlich auch über mein Hobby N°1, das Pen’n’Paper-Rollenspiel. Obwohl es NIEMALS das Ziel gewesen war. Doch wie so oft im Leben, wenn die kreativen Energien verarbeitet werden wollen (auch beim Schreiben), ist am Anfang nicht unbedingt klar, wie das Ergebnis aussehen wird, weil es verdammt nochmal der Prozess ist, der uns wahrhaft interessiert. Herauszufinden, wie etwas funktioniert das uns neue Möglichkeiten eröffnet, das uns zeigt wie wir uns ausdrücken können, wie wir etwas über uns selbst herausfinden und mitteilen können… und darüber, wie das mit diesen ganzen anderen komischen Menschen da draußen funktioniert. Wenn man – wie zum Beispiel ich – ein extravertierter Introvertierter ist, wird der kreative Ausdruck oft zur einzigen Verbindung, über die man sich WIRKLICH mit Anderen austauschen und auch like-minded weirdoes finden kann. Ja, ich habe einen Job, ja ich ich bin anerkannter Experte darin und verdiene damit nicht nur meine Brötchen, sondern betrachte diese Tätigkeit sogar als Berufung. Aber die Wahrheit über mich…? Deren Musik spielt in einem ganz anderen Theater! Der Sani, der Schulleiter, der Lehrer, der Kollege – alles nur hochfunktionale Bedienoberfläche und Notwendigkeit. Der Geschichtenerzähler, der Barde, der Horfnarr – DAS bin ich. Durch und durch.

Immer mehr wird mir klar, wie sehr ich mich an meine beruflichen Funktionen als Sinnstifterin geklammert habe, ohne jemals auch nur im Ansatz verstehen zu können, dass dieses Monster namens Gesundheitswesen meine Seele irgendwann vollends verschlingen wird, um die dampfenden Reste auf den Friedhof der Wohlmeinenden zu scheißen, die von den Arschlöchern unserer Welt immerzu ausgenutzt werden – die bigotten, arroganten, neidischen, besserwisserischen, auf ihre eigene Karriere fixierten Arschgeigen, die man zudem auch noch viel zu oft auf sogenannten Führungspositionen findet. Ich weiß schon lange, wie das alles funktioniert und trat dennoch an, um als Antithese gegen diesen Mist anzukämpfen. Nur um herauszufinden, dass ich dabei drauf und dran bin, mich selbst zu verlieren. Ich stehe 5 Millisekunden vor einem Burnout und weiß nicht, wie es enden wird. Klingt mies? Ist es auch! Aber… das hier ist immer noch ein “Verwirrter Spielleiter”-Post, also wollen wir zum eigentlichen Thema zurückkehren, oder… Was ich jetzt sagen möchte, werden vermutlich nur die wenigen verstehen, die Pen’n’Paper tatsächlich so intensiv leben, lieben, so verstehen und so nutzen, wie ich es tue; und bei weitem nicht alle die zocken, tuen es mit dieser Leidenschaft. Ich habe schon des öfteren erwähnt, dass das Spiel mich auch durch die dunklen Stunden begleitet hat. Dass es mir heute beinahe wie eine selbstinduzierte Therapie hilft, nicht vollkommen durchzudrehen. Doch die Wahrheit ist: der ganze Eskapismus löst natürlich nicht die zu Grunde liegenden Probleme. Er überdeckt sie lediglich für eine Weile. Das macht’s zumindest für eine kurze Zeit erträglicher, weil Probleme, Sorgen, etc. hinter Dinge zurücktreten, die zwar auch Drama, Konflikte und Herausforderungen enthalten… allerdings Drama, Konflikte und Herausforderungen, welche ich mir selbst aussuche, die ich mitgestalten kann und die zumeist auf irgendeine, durchaus befriedigende Art aufgelöst werden können. Manchmal sogar mit Happy-End. Aber ziemlich oft mit einer Geschichte, an die man sich gerne erinnert. So wie an seine Lieblingsbücher oder Filme, nur dass man selbst Mitautor war.

Welcome to the uncanny valley – the most unusual bard…

Aber die Realität kommt in jeder Nacht von Sonntag auf Montag zurück, ringt mich nieder, lässt mich schlecht schlafen, fordert mich heraus, gibt keine Ruhe und ruft immerzu nach Lösungen. Lösungen, die es entweder (noch) nicht gibt, oder die viel Kraft kosten. Mehr Kraft, als ich noch habe. Das ist die berufliche Seite, die mich auszehrt. Doch dazu kommt, dass ich auch ein Forever GM bin, also derjenige, der sich immerzu Welten, Geschichten, Charaktere und ihre Dramen ausdenkt. Und ich werde nicht behaupten, dass ich das nicht mit großer Leidenschaft und Hingabe täte. Doch ich stelle fest, dass ich im Moment VIEL, VIEL, VIEL mehr daran interessiert bin, einfach nur meine eigenen Charaktere zu spielen und die Verantwortung für die ganzen Welten sein zu lassen. Weil aus dem Hobby, dass mich vor meiner Arbeit retten soll, sonst irgendwie noch mehr Arbeit wird, die mich irgendwann in den Abgrund reißt, wenn ich nicht endlich auf die Bremse trete! Und trotzdem biete ich gerade weiteren Menschen an, für sie zu spielleiten. Einfach weil Leute für das Spiel zu begeistern, selbst wenn es mich anstrengt, immer noch um Klassen besser ist, als sich immerzu mit meiner Arbeit beschäftigen zu müssen, die derzeit bestenfalls noch Broterwerb ist. Eine Notwendigkeit auf die ich, bekäme ich die Chance dazu, SOFORT verzichten würde. Na ja, das wird wohl eh nicht passieren. Aber das mit dem weniger Spielleiten und mehr selbst spielen… DAS habe ich in der Hand. Auch wenn es mir ehrlich weh täte, meine Spieler zu enttäuschen. Aber im Moment… im Moment stehe ich vor der Entscheidung, einfach so weiterzumachen und damit unweigerlich vollkommen ins Aus zu laufen, oder mich für eine Weile auf das zu konzentrieren, was mir WIRKLICH Freude bereitet und wenigstens dieses wichtige bisschen Entspannung verschafft, um nicht völlig durchzudrehen: einfach nur selbst spielen. Gerade jetzt wird mir klar, dass es eigentlich nur einen Weg gibt. Der wird jedoch unweigerlich zu Enttäuschungen führen. Wie ich damit umgehen kann, weiß ich nocht nicht, aber selbst jetzt gilt immer noch – always game on!

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Erwachsen bilden N°55 – Inseln bauen…

Wer aufhört, zu lernen, der hört auf, sich weiterzuentwickeln und wird irgendwann von der Welt überrollt, weil diese niemals aufhört sich zu verändern. Könnte man auf diese kleinen Papierchen drucken, die man in Gückskeksen findet. Da steht üblicherweise nicht allzu viel Gehaltvolles drauf, trotzdem ist die Aussage im Kern wahr. Wenn es irgendwas gibt, worauf ICH mich verlassen kann, dann MEINE intrinsische Motivation immer wieder etwas Neues lernen zu wollen. Doch, Motivation ist KEINE natürliche, in jedem Menschen reichlich und bedingungslos vorkommende Ressource. Motivation ist an unser Belohnungssystem gekoppelt und stark davon abhängig, wie intensiv wir in unserem täglichen Handeln Sinn, Selbstwirksamkeit, Anerkennung und soziale Eingebundenheit erfahren dürfen. Eigentlich ist das alles ein alter Hut, denn die Self-Determination-Theory von Decy und Ryan wurde ja schon 1993 veröffentlicht; und ihre Richtigkeit wurde danach noch mehrmals bestätigt. Jedoch scheint die Erkenntnis, dass man durch eigenes pädagogisches Handeln die eben genannten Aspekte entweder fördern oder behindern kann, noch lange nicht bei jeder Lehrperson angekommen zu sein. Und darum geht es ja gerade: nämlich, dass wir Menschen, deren (berufliche) Entwicklung uns anvertraut ist, dazu anleiten und motivieren sollten, aus eigenem Antrieb weiterlernen zu wollen. Mir geht es dabei mitnichten um Beschäftigungsfähigkeit oder Arbeitsmarktwert erworbener Kompetenzen, sondern darum, dass das eigene Menschsein insgesamt davon profitiert, sich selbst weiterzuentwickeln; am besten aus eigenem Antrieb. Denn es macht das Leben… reichhaltiger. Jene Menschen, die in Bildung nur eine Funktion sehen, Arbeitskräfte – und damit Bruttoinlandsprodukt – zu erzeugen, wie etwa unser Kanzloide, der ja letzthin uns allen unterstellt, zu wenig für die Wirtschaftskraft unserer glorreichen Exportnation zu tun, unterschlagen sowohl die Notwendigkeit des Anpassungslernens, als auch die Möglichkeiten, die sich durch stetige persönliche Weiterentwicklung eröffnen. Und diese findet NICHT ausschließlich in beruflichen Kontexten statt.

Ich hatte hier vor mittlerweile fast zwei Jahren über das Thema “Verhaltensänderung durch pädagogische Intervention” geschrieben; und über die Schwierigkeiten, die ich damit hatte – und immer noch habe – eine derart komplexe Meta-Betrachtung griffig darzustellen. Denn, genau so etwas möchte ich erreichen, wenn ich meine Auszubildenden dahin zu führen versuche, dass sie den Sinn und Wert eigenständigen Weiterlernens verstehen können. Und ich scheitere mit diesem Unterfangen immer noch zu oft. Nicht selten baue ich Inseln des Wissens, schaffe es aber nicht zur nächsten Stufe, also zum vernetzten Denken zu kommen. Bei rein medizinisch-fachlichen Themen mag das noch verhältnismäßig oft gelingen, aber spätestens, wenn wir an die Dimension der gesellschaftlichen Bedeutung des eigenen Berufsbildes kommen und vor allem der Frage, in welche Richtung sich diese denn entwickeln könnte, kommt es oft zu einer Vollbremsung. Weil irgendwann zuvor die unsäglich ewiggestrige Struktur unseres allgemeinbildenden Schulwesens und manche darin vorzufindende Lehrpersonen den bleibenden Eindruck vermittelt haben, dass man immer nur bis zur, bzw. für die nächste Klausur lernen muss, weil das ganze Zeug eh keine lebensweltlich-praktische Relevanz hat. Wie ausgesprochen traurig. Mir ist dabei bewusst, dass es Menschen gibt, die von sich sagen, dass ihnen das Lernen als solches schwer fällt. Ich entgegne diesen Leuten gerne, dass sie vermutlich nur noch nicht IHREN passenden modus operandi für’s Lernen gefunden haben. Und wir versuchen ja auch, dieses Problem im berufsfachschulischen Unterricht anzugehen. Mit welchselndem Erfolg. Denn sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale erst einmal ausgeprägt, muss man sie sehr oft, sehr intensiv und vor allem aus unterschiedlichen Blickwinkeln in Frage stellen, um die Person zu einem Umdenken bewegen zu können. Und dafür fehlt leider allzu oft die Zeit…

Zunächt die Inseln zu bauen ist der erste Aspekt; also das notwendige (Fach)Wissen in eine, zur Selbstaneignung passende Form zu bringen, zu präsentieren und dabei uno acto auf die Bedürfnisse der Lernenden situationsadäquat zu reagieren. Wir nennen diesen Vorgang übrigens Unterrichtsgespräch, wohingegen die Unwissenden “Frontalunterricht” schreien. Witzigerweise verlangen alle Schüler*innen danach. Nur um dann nach einigen Tagen zugeben zu müssen, dass die dabei transportierte Stofffülle sie mal wieder erschlagen hat. Der goldene Mittelweg ist aber auch nicht einfach zu finden… Die Vernetzung der dabei entstandenen (Wissen)Inseln ist die Kunst, an der wir Lehrenden in der Folge nicht eben selten verzweifeln müssen, weil dieser Prozess noch viel mehr von der Motivation und Mitarbeit der Lernenden abhängig ist, als das Unterrichtsgespräch. Und… Motivation ist, wie eben bereits besprochen ein wunder Punkt des Gesamtsystems. John Hattie hat in seinen Untersuchungen immer wieder gezeigt, dass es dabei vor allem auf die Lehrperson ankommt – und ihre Fähigkeit, die Lernenden abzuholen, zu begeistern, zu fördern, aber eben auch zu fordern. Hier würde sich theoretisch die Spreu vom Weizen trennen lassen, wenn wir tatsächlich Pädagogen für alle Sektoren des Bildungswesens Sach-, Fach- und Sozial-Adäquat ausbilden würden. Was leider bis heute NICHT passiert! Viel zu oft treffe ich auf Menschen, die vielleicht zwar einen Titel, aber keinerlei charakterliche oder fachliche Eignung haben. Also träume ich zunächt weiter davon, irgendwann die kognitiven Inseln, welche zu erzeugen mir unterdessen leicht fällt, noch besser miteinander zu vernetzen und die jungen Leute wirklich zum Blick über den Tellerrand zu bringen. Morgen ist Montag und ich fange an, eine noch recht kleine Insel größer zu machen. Wenigstens das wird gelingen. Auch wenn ich besser niemandem erzähle, dass ich erst heute zum Vorbereiten meines Unterrichtes gekommen bin; jeder von uns muss sich immer wieder seines Wissens und Könnens neu versichern. Irgendwann – so hoffe ich wenigstens – werden auch meine Schüler*innen dies verstehen. Bis dahin gebe ich mein Bestes und wünsche euch da draußen einen guten Start in die neue Woche.

Auch als Podcast…