What about happiness N°10 – what about “Erwachsen bilden”…?

„Auf niedrigem Niveau stabil“. Das ist ein Satz, den ich meinem Leben selbst schon häufiger gesagt habe. Meist im Zusammenhang mit Patienten, an deren Versorgung ich beteiligt gewesen war; Patienten, die unterdessen dem Tode näher gewesen waren, als dem Leben. Man trifft solche Fälle gelegentlich. Wenn man das allerdings als Antwort auf die Beschreibung der eigenen psychischen Befindlichkeiten hört, macht einen das hellhörig. Denn gerade fühlt es sich für mich eigentlich anders an. Wenn man irgendeinen Grund zum Nölen sucht, findet man ja immer was; insbesondere, da man mit über 50 morgens wenigstens ein paar Schmerzpunkte fühlen sollte, denn sonst ist man halt tot… Aber bin ich jetzt wirklich immer noch nur auf niedrigem Niveau? Ich weiß es nicht, denn ich kann mich nicht mehr erinnern, wie sich ein weitestgehend sorgenfreies Leben anfühlt. Das hatte ich zuletzt vermutlich mit Anfang bis Mitte 20. Seitdem hat sich vieles geändert. Ich bin meiner Sterblichkeit bewusster geworden, was allerdings bei zunehmendem Alter als normal betrachtet werden muss. Das Endgame kommt halt langsam, aber unweigerlich näher. Ich trage viel mehr Verantwortung als früher. Oder besser: ich bin mir dieser bewusster geworden. Ich habe mehrfach die Fragilität meiner wichtigsten Energieressource, nämlich meiner Kreativität erlebt. Anders gesagt, mir ist bewusst geworden, dass ich diese Ressource besser pflegen muss, ebenso, wie meinen Körper. Wenn man genau hinsieht, ist da also ein Muster: Bewusstsein. Und das Ironische daran ist, dass mich das alles nicht so stören würde, wenn ich ein dummer Mensch wäre. Dumme Menschen glauben an einfache Lösungen, suchen Schuldige anstatt Verbesserung und wählen Faschisten, weil die ihnen das befriedigende Gefühl vermitteln, die gute alte Zeit zurückbringen zu können, die es nie gegeben hat. Und die Macht, die Welt nach dem eigenen Bilde zu gestalten; wie rassistisch, misogyn und kleingeistig dieses auch immer sein mag. Ach, irgendwie klingt das verfickt armselig – dann bleibe ich doch lieber intelligent und depressiv.

Ich bin im Moment körperlich erschöpft, weil meine Physis nicht so mitmacht, wie ich mir das wünschen würde. Dagegen sind Bewegung, Medizin und weniger Futtern gewachsen. Aber meine Psyche? Es fühlt sich besser an als noch vor ein paar Wochen. Ich würde es jetzt nicht als Hochgefühl beschreiben, aber ich bin produktiv, performant und nehme mir trotzdem meine Freiräume, um nicht wieder zu schnell und zu heiß zu brennen. Das man manche Baustellen nicht von jetzt auf gleich erledigt bekommt, weiß ich und habe daher von Sprint auf Marathon umgeschaltet. Mit dem Ergebnis, dass sich fast alles weniger belastend anfühlt; außer die Arschlöcher bei der Arbeit, aber die kriege ich schon noch klein. Einzig mein Schlaf bereitet mir Sorge. Allerdings nicht unbedingt, weil ich nachts zu viel grübelnd wachliegen würde. Das passiert mir – wie so vielen anderen Menschen auch – durchaus halbwegs regelmäßig. Das durch den Job regelhaft erzwungene Frühaufstehen fickt mich jedoch wesentlich härter. Der Wecker und ich werden in diesem Leben definitiv keine Freunde mehr. Aber Dauer-Home-Office mit täglichem Ausschlafen würde mich wahrscheinlich irgendwann aus Ermangelung fester Strukturen auch wahnsinnig machen. Okay, wenn man alles zusammennimmt, ist es vielleicht kein hohes Niveau, aber ich möchte wenigstens darauf bestehen, dass es auch kein niedriges Niveau ist. Das anzuerkennen wäre nämlich auch nicht gut für meine Motivation. Immerhin spüre ich derzeit meine Kreativität ganz langsam, aber sicher wieder auf ein für mich normales Niveau zurückkehren. Und diese Entwicklung darf ich auf keinen Fall dämpfen, sonst geht’s wieder in die Abwärtsspirale.

Ich verspüre zwar immer noch keine gesteigerte Lust auf soziale Interaktion abseits dessen, was ich mir selbst aussuchen darf. Aber immerhin kann ich insbesondere im Lehrsaal trotzdem meine Aufgaben erfüllen, auch wenn das derzeit manchmal viel mehr Kraft kostet als gesund ist. Was mich dabei fasziniert, ist Folgendes: wenn ich merke, dass die Teilnehmenden mitziehen, in das Lernen einsteigen, vielleicht sogar Spaß haben, bin ich zwar am Ende auch gewissermaßen sozial erschöpft, aber trotzdem erfüllt. Erfüllt durch das Feedback und das gute Gefühl, Menschen etwas Sinnvolles mitgeben zu können. Gerade diese Woche habe ich neue Mentoren ausgebildet und da funktionierte das ganz ausgezeichnet. In den NotSan-Klassen kam dieses Gefühl in letzter Zeit nur selten auf, weil ich oft den Eindruck habe, dass die Schüler*innen den Unterricht wie ein Netflix-Abo (oder besser: Job-Flix-Abo) betrachten; sie erwarten anstrengungsfreies Infotainment, werden aber von mir gemeinerweise zum (Mit)Arbeiten aufgefordert und haben dann noch nicht mal die Möglichkeit, in eine andere Show zu wechseln, was manche offenkundig frustriert. Ich zweifle immer wieder daran, dass einigen von denen irgendjemand vorher gesagt hat, wie fordernd die Ausbildung sein würde… Was aber im Umkehrschluss bei mir zu Frustration führt, weil ich zugegebenermaßen keine Kraft und auch kein Interesse mehr habe, uninteressierten, undankbaren und oft auch unsozialen Kindern im Gewande erwachsener Menschen Wissen häppchenweise in den Mund legen zu müssen. Wer nicht lernwillig ist, keine Leistungsbereitschaft und kein Interesse zeigt, scored dann am Ende halt nicht. Ist nicht meine Schuld, wenn Azubioide sich allzu gerne in der Opferrolle sehen.

Ich würde gerne so manches an der Ausbildung ändern, aber auch als Schulleitung steht es mir nicht zu, Dinge zu tun, die so gesetzlich nicht vorgesehen sind. Wie etwa völlig andere Prüfungsmodalitäten (Stichwort „Portfoliobewertung“) oder generelle, zeit- und sachgemäße Änderungen des Curriculums. Und so muss ich mich immer wieder mit Dingen arrangieren, die ich nicht optimal, manchmal sogar regelrecht beschissen finde. Denn hier verbinden sich meine mentalen Befindlichkeiten und mein Job: an der Grenzfläche zwischen kreativen Gestaltungsmöglichkeiten und starren strukturellen wie auch organisatorischen Vorgaben von Staat, Mitbewerbern und Arbeitgeber. Mein inneres Kind würde gerne noch viele Methoden und Gadgets ausprobieren, spielerischer arbeiten, doch der erwachsene Anteil meiner Selbst (das ist übrigens der depressive Typ!) muss immerzu auf die Bremse drücken – auch weil er weiß, dass selbst das mächtigste pädagogische Feuerwerk den Job-Flix-Abonnenten im Publikum bestenfalls ein Schulterzucken und ein Resting-Bitch-Face entlocken würde. Denn das Problem mit dem Lernen liegt nicht auf meiner Seite! Nun, da ich das weiß, muss ich nochmals bekräftigen: ich stehe besser da als nur auf niedrigem Niveau stabil! Und DAS macht mich dann doch ein bisschen glücklich. Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Die MUKENNS-Partei – Mit Uns Kommt Es Nicht Noch Schlimmer!

IDEE: eine Partei, welche sich den folgenden Prinzipien verpflichtet:

  • Ökologische Verantwortung: wir müssen die Frage beantworten, in was für einer Welt wir zukünftig leben wollen. Wir brauchen wirksame Maßnahmen für den Hitzefolgenschutz und gegen die fortwährende Klimaerwärmung mit den daraus folgenden Extremwetter-Ereignissen. Welche das sind, hängt von den anderen Prinzipien mittelbar und unmittelbar ab. Sicher ist aber, dass die fortwährende Verfeuerung fossiler Brennstoffe für Mobilität und Energiegewinnung KEINE Alternative für die Zukunft darstellt! Das bedeutet auch, dass wir uns damit abfinden müssen, dass unser individueller Energie- und Ressourcen- Verbrauch und damit unsere Reisereichweite kleiner werden müssen und sich unser Leben insgesamt verändern wird. Ohne diese Anpassungen geht es nicht! Parteien, die etwas anderes behaupten, lügen auf Kosten der Zukunft unserer Kinder!
  • Verminderung der sozialen Ungleichheit: es geht nicht ohne eine Veränderung / Anhebung der Vermögens- und Erschaftssteuern. Die Welt braucht keine Milliardäre, die mit ihrem Geld politische Gestaltungsmacht kaufen und dann nach Gutdünken darüber bestimmen, wer, bzw. ob überhaupt irgendjemand an ihrem Reichtum partizipieren darf. Entgegen den Legenden bedeutete dies NICHT, Leistung zu bestrafen. Und es beträfe auch nicht normal verdienende Mittelstandsfamilien. Hört endlich auf, Menschen in abhängiger Lohnarbeit zu erzählen, dass Vermögenssteuern sie ärmer machen würden – das ist unredlich! Hierrein fällt auch der Schutz der Arbeitnehmerrechte, welche insbesondere CDU/CSU (mit Hilfe der SPD) und AfD derzeit zu demontieren versuchen!
  • Keine Lobbyistenzugänge mehr: das Modell des Korporatismus ist in Deutschland zu einer ausschließlichen, ständigen Vertretung von reinen Wirtschaftsinteressen degeneriert! Gesellschaftliche Kreise abseits der besitzenden Eliten sowie ökologische, soziale und Gesundheits-Themen aus Sicht der Bürger*innen finden kaum noch politisches Gehör. Dies muss beendet werden. Ebenso müssen zukünftig alle Parlamentarier ihre Einkünfte vollumfänglich transparent offenlegen! Und schließlich müssen ALLE politischen Amtszeiten auf maximal zwei Legislaturperioden begrenzt werden! Das gilt auch für die Ämter innerhalb von MUKENNS!
  • Bessere allgemeine und berufliche Bildung: Zugang zu Bildung und den daraus zwingend resultierenden Lebens- und Teilhabe-Chancen ist ein Menschenrecht! Wir brauchen ein allgemeinbildendes Schulwesen, dass ALLEN Kindern die Entfaltung ihrer Potentiale und Talente ermöglicht, anstatt auch im frühen 21. Jhdt. immer noch nach preußischem Modell durch zwangsweise Einpassung in ein überkommenes Normenkorsett funktionierende Untertanen erzeugen zu wollen. Zur Erreichung dieses Ziels ist eine umfangreiche Ausweitung der Investitionen in Infrastruktur, Personalschlüssel und Pädagogenausbildung zwingend erforderlich. Dies betrifft auch die Qualifikation der Ausbilder*innen in den Berufsschulen, Berufsfachschulen und Ausbildungsbetrieben.
  • Medizinische Versorgung: Die Krankheit oder Verletzung eines Menschen darf kein Anlass für andere Menschen sein, damit Renditen erwirtschaften zu können. Die Kosten für Personal und Ressourcen müssen auskömmlich gedeckt sein und die Versorgung muss dort stattfinden, wo diese sinnvoll ist; dieser Ort heißt oft NICHT Krankenhaus. Das Gesundheitswesen muss Menschen gesund machen, bzw. gesund erhalten und darf nicht dem Zweck dienen, für Dritte Sharehoolder-Value zu erzeugen. Die hohe Zahl der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland muss verkleinert werden – dies spart Verwaltungskosten, die auf Grund unnötiger Mehrfachvorhaltung entstehen. Die Zahl der psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten – insbesondere der ambulanten – muss ausgebaut und auskömmlich finanziert werden.
  • Gesteuerte Zuwanderung: sich der Erkenntnis zu verschließen, dass unser Land nunmehr seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist, wäre dumm. Und volkswirtschaftlich ist eine konstante Immigration auf Grund der stagnierenden Geburtenraten auch notwendig. Bester Hebel für eine schnellere Integration in den hiesigen Arbeitsmarkt ist der verpflichtende zügige Erwerb hinreichender Sprachkenntnisse. Ohne diese sind alle weiteren Maßnahmen wirkungslos. Diese, wie derzeit praktiziert, dem – weitestgehend trotz privatwirtschaftlichen Betriebes unterfinanzierten – quartären Bildungssektor zu überlassen, produziert immer wieder schlechte Ergebnisse; diese Aufgabe muss in das allgemeinbildende Schulwesen integriert werden. Gleichwohl gilt es – abseits der bestehenden Regelungen zum Asyl für Verfolgte – sinnvolle Maßnahmen zur Kontrolle von Immigrations-Bewegungen zu ergreifen. Dabei sind Grenzkontrollen lediglich wirkungslose Symbolpolitik. Hierzu sind andere Ansätze notwendig, wie etwa das Trockenlegen der Schlepper-Kriminalität und neue Formen nicht-paternalistischer Entwicklungshilfe, um Emmigrationsanreize in den Herkunftsländern zu senken. Darüber, wie viel Einwanderung und “fremde Kultur” unser Land denn verkraften kann, braucht es allerdings einen neuen gesellschaftlichen Konsens.
  • Mehr Basis-Demokratie: das Modell des permanenten Bürgerdialoges, wie dieser in der Region Ostbelgien betrieben wird, könnte auch in Deutschland zumindest auf kommunaler und regionaler und Länder-Ebene eine Blaupause für mehr echte Bürgerbeteiligung sein, ebenso wie der vermehrte Einsatz von Plebisziten, wobei eine Festlegung des Quorums die jeweilige Wichtigkeit der Entscheidung per Menge Wahlberechtigter wiederspiegeln sollte. Inwieweit solche Modelle auch auf Bundesebene funktionieren können, muss umgehend Gegenstand einer wirklich ergebnisoffenen Prüfung werden.
  • Anti-imperialistische Außenpolitik: der Kontakt zu autokratischen Regimes muss auf den diplomatischen Austausch begrenzt werden; insbesondere gegenüber Russland. Hier dürfen wirtschaftliche Interessen in keinem Fall über die Notwendigkeiten der weiteren Eindämmung des um sich greifenden Imperialismus verschiedener Staaten gestellt werden! Hinweis: wiewohl das Existenzrecht des Staates Israel ausdrücklich bekräftigt wird und Antisemitismus, ebenso wie jegliche Form von Rassismus und Mysogynie innerhalb dieser Partei und ihrer Wähler*innen keinen Platz haben, muss Kritik an den Handlungen der israelischen Staatsführung, sofern diese sachlich vorgetragen wird, jederzeit möglich sein! Man kann seine historische Verantwortung duch die Schoa vollumfänglich anerkennen und einen gleichberechtigten Partner dennoch darauf hinweisen, dass er sich gerade außerhalb jeder völkerrechtlichen Legitimation bewegt. Antisemitismus und politischer Diskurs sind zwei unterschiedliche Dinge!
  • Säkulare Orientierung: MUKENNS bekennt sich zur strikten Trennung von Kirche und Staat, wobei “Kirche” hier jedwede Organisation eines Glaubensbekenntnisses inkludiert. Dabei gilt auch, dass alle nach wie vor gültigen Sonderrechte der in Deutschland tätigen christlichen Kirchenorganisationen auf den Prüfstand müssen.
  • Geschlechter-Gleichstellung: MUKENNS bekennt sich zur Gleichstellung von Frau, Mann und anderen biologisch wie sozial zugeschriebenen Geschlechtsidentitäten. Deren fortwährende Ungleichbehandlung abzubauen und idealerweise völlig aufzulösen, gehört damit zu ihren ausdrücklichen Zielen.

Dies ist eine weiter ausformulierte Schnapsidee, die neulich im Rahmen einer politischen Diskussion am Arbeitsplatz geboren wurde. Dass der Name nicht wirklich griffig ist, war von Anfang an Teil des Konzeptes. Doch aus dem eher satririsch motivierten Gedanken wird unterdessen eine fixe Idee, die zu verfolgen es vielleicht wert sein könnte. Insbesondere, wenn ich die skandierenden Faschos mit ihren Wahlergebnissen sehe… Was denkt ihr?

Auch als Podcast…

Quotes for a dirty old man reworked…

I’ve been dipping into Charles Bukowski again. He was a few years younger than I am now when he began to achieve a certain degree of literary success with his column “Notes of a Dirty Old Man.” Unconventional, violent, below the belt, sometimes taking a roundabout route to make a point – his stories were never easy reading! Sometimes they would meander through several subjects in a single sentence. I read him as a disillusioned humanist.

Which reminds me: isn’t it strange how we’re constantly trying to see ourselves through other people’s eyes, or through their particular lens? Being at peace with yourself, simply not giving a shit about what other people think every now and then, doing your own thing – that was never MY THING.

I mean, seriously, these days I have to make less of an effort to acknowledge bullshit with a shrug and a “Yeah, if you say so…”, intended to convey my at least partially benevolent indifference. The less close I am to someone, the easier it is to shrug it off. And then there are those moments when complete strangers manage to trigger me. For fuck’s sake…

Yes… this is AI. I know… I couldn’t constrain myself…

Presumably, there’s a particular breed of people who simply never get too old for a bit of good old-fashioned troublemaking. I think one aspect of this is having convictions. Incidentally, the difference between a conviction and a dogma, as I see it (mind you, I’m not claiming this to be universally applicable!), is that a conviction is based on insight and understanding, whereas a dogma is based on emotion. Another difference is that a conviction remains open to change in the light of new or different insights, while a dogma becomes increasingly impervious to facts.

There is, therefore, a distinction between defending a well-founded conviction – even vehemently and with considerable verbal force – and the largely empty rhetoric of dogmatism. And unfortunately, I can’t deny it: dogmatists trigger me time and again because they’re incapable of thinking beyond the limits of their own horizons. Even if you stood them on top of the Kalmit, instead of seeing the Upper Rhine Plain stretching out before them, all they’d see would be trees…

Another characteristic of the respectable old troublemaker (and troublemaking sisters are, of course, equally welcome!) is a restless mind. When you’re interested in too many things and spread your attention too widely, you sometimes inevitably end up in a state of unsatisfied arousal (speaking in purely platonic terms!), simply because a single human lifetime is far too short for so many interests. At least if you’re equipped with an average intellect.

What’s more, a restless mind makes you susceptible to all sorts of stupid shit, such as depression, because you simply experience things more intensely. I can’t really explain it, but it feels a bit like looking up into the sky on a dazzlingly bright summer’s day without sunglasses. There’s too much light! Like trying to listen to a bird in a crowded square. There’s too much noise! Like trying to focus on a single emotion while a demonstration is raging all around you. There are too many (negative) emotions. Sometimes, there’s simply too much of everything…

I’ve learned to live with it. And most of the time, it works out OK. Not always, but at least most of the time.

Sometimes, though, life is like reading Bukowski – there’s simply too much life crammed into life. And you can’t escape it, either, because the train keeps rolling, the machine demands to be fed, and everyone is waiting for you to do your fucking job. After all, you only have one job – to function, so that everything else can function too, because we all have to function together.

Is that what life is? Being reduced to a function? Doesn’t exactly sound like freedom.

I mean, objectively speaking, we live in one of the wealthiest, freest, safest, and best-organized countries on Earth. Sure, we have our problems too: social and economic inequality, structural racism, a lack of commitment to environmental protection, selfishness, narcissism, and a few other -isms – BUT, on average, we’re a damn sight better off than a very large percentage of the world’s population. (People always seem conveniently to forget just how well democracy can work whenever it suits the enemies of democracy.)

So what is it, then, that makes so many people so unhappy and dissatisfied?

On the one hand, there’s certainly that one major problem: inequality. Our system disproportionately favors guys like me. On the other hand, a kind of existential anxiety has spread throughout society. The increasing individualization and fragmentation of our society have placed more responsibility on the individual: “YOU have to figure out how to get YOUR life together all by yourself! Oh, and by the way – from now on, YOU have to do it even faster!”

The pressure is wearing people down.

To simply sit down at a typewriter with a beer, as Bukowski did back in ’68, and give the good Lord the middle finger, at least in literary terms, is a luxury hardly anyone can afford these days. Instead, we have to achieve more and more just to be able to afford the things we’re supposed to be able to afford.

The treadmill of turbo-capitalism.

That’s what’s fucking me harder and harder (pardon my French)!

I love my work as a school principal, as a lecturer, as a project developer, as a mentor – but even here, there’s this constant pressure to produce results. And the measurability of what I do simply cannot be assessed in monthly financial statements; it can only REALLY be judged over the course of several years. For the people from the distant realm of Fiscalia (the controllers), that’s a nightmare!

And yet, much to my own surprise, I’m becoming more and more of a businessman myself.

Nevertheless, I’m still searching, almost desperately, for a way to reconcile the creative dreamer within me with the workhorse bound to the demands of reality.

Anyone got any advice for me…?

Auch als Podcast…

What about happiness N°9 – flight of the procastinator

Ich ertappe mich letzthin vermehrt dabei, meine eigentlich kostbare Zeit mit Dingen zu vertändeln, die ich üblicherweise verdamme – Doomscrolling und Konsorten. Ich weiß gar nicht, warum das so ist, aber… Stopp! Ich weiß, warum das so ist. Instant-Befriedigung. Dopamin-Kick für mein Depressionsgeschädigtes Gehirn. Ablenkung von all den Sorgen, Herausforderungen und Konflikten, die das Erwachsenenleben so mit sich bringt. Was einmal mehr die Frage aufwirft, was “erwachsen” denn bedeutet? Ich meine… wo sind die Benefits? Ich habe Verantwortung zu tragen, mich auch Arschlöchern gegenüber höflich zu verhalten, meine Rechnungen pünktlich zu bezahlen, und einen nicht unerheblichen Teil meines Lebens mit Arbeit zu verbringen. Ein alter Freund sagte neulich zu mir, es wäre doch mal an der Zeit, die Früchte meiner Anstrengungen zu ernten – vulgo, einen Gang zurück zu schalten und das Erreichte zu konsolidieren. Das sagt sich einfach, ist aber ziemlich schwer. Denn einerseits gibt es, wenn man weiter oben auf der Leiter steht, immer Kritiker und Neider. Andererseits lässt mich mein Geist nicht zur Ruhe kommen, weil ich auf der Suche nach dem verfickten Optimum bin; obwohl ich weiß, dass es so was nicht geben KANN! In meiner Position disponiert man seine Arbeitstage selbst – und irgendwie finde ich immer irgendwas zu tun. Ich fühle mich immerzu vorwärts getrieben, denn Stillstand ist für mich gleichbedeutend mit einer Niederlage. Ich WILL den Anderen gerne einen Schritt voraus sein. Was mir manchmal auch gelingt. Aber das bedeutet, nicht einfach so abschalten zu können. There’s always something on my mind. Manchmal wird mir das alles zu viel. Dann versuche ich mich abzulenken. Und weil ich genau weiß, dass ein Buch zumindest für mich NICHT sofort den gleichen Effekt erzielen kann… Doomscrolling.

Ich bin in einer Schleife gefangen, denn jedes Mal, wenn ich auf dem – übrigens ziemlich bequemen – Pilotensessel des “flight of the procrastinator” Platz nehme, bemerke ich nach ein paar Minuten Engelchen und Teufelchen, die auf meinen Schultern Platz genommen haben, um mich von links und rechts mit leisen Verlockungen und garstigen Kommentaren zu bedenken: “komm schon, nur noch ein bisschen weiter, die nächsten neunundrölfzig Posts sind bestimmt auch noch interessant” vs. “kannste jetzt mal deinen faulen Arsch vom Sofa erheben und was Sinnvolles machen, du Trottel?” Needless to say, the devil almost always wins… Darüber, was ich als sinnvolle Beschäftigung erachte, könnten kontroverse Meinungen vorhanden sein, denn Lesen, Schreiben, Nachdenken, Spazierengehen und Zocken haben bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich guten oder schlechten Leumund. Ich würde es so sehen wollen: wenn ich meinem Arbeitgeber jede Woche zwischen 45 und 50h (zuzüglich An- und Abfahrt) meines Lebens widme, dann muss ich in meiner Freizeit nichts mehr für die Arbeit tun. Wenn ich etwa lese, dient dies oft meinem eudämonischen Trieb, mich weiterentwickeln zu wollen. Das ist aber keine Arbeit. Wenn ich schreibe, befriedigt das mein Bedürfnis, meine Gedanken, Ideen, Erkenntnisse sichtbar zu machen – gleich ob das nun viele oder wenige interessiert. Wenn ich spazierengehe ist das ein Teil meines verzweifelten Versuches, wieder etwas gesünder zu leben. Nachdenken passiert mir einfach, weil ich nicht blind, taub und dumm durchs Leben zu gehen versuche. Aber Zocken… also… Spielen? Das machen doch nur Kinder, oder…?

Ich könnte jetzt irgendwelche Statistiken zitieren, wo ca. 45 – 50% meiner Alterskohorte (Gen X) mehr oder weniger regelmäßig Video- oder Computerspiele spielen. Natürlich fallen da auch die ganzen Handygame-Zocker rein. Aber selbst wenn wir die rausnähmen, gäbe es immer noch Millionen Gen-Xer, von denen nicht wenige Hardcore-Konsolen- oder PC-Gamer sind. Und ja… ich habe jede Play Station seit der Generation Eins besessen und ausgiebig bespielt. Die Fanboys mögen mir bitte vom Halse bleiben. Dazu kommt meine seit Jahrzehnten ungebrochene Liebe für Pen’n’Paper-Rollenspiel. Aber ist all das nun wirklich Prokrastination? Der Definition nach nicht unbedingt, denn zu prokrastinieren würde ja bedeuten, dass man Zeit vertändelt, WEIL man – zumeist unbewusst – andere, durchaus wichtige Dinge aufschieben will. Und… dieses Gefühl des Aufschiebens erlebe ich eigentlich nur, wenn ich in einer Doomscroll-Schleife versinke. Was mich dabei traurig und wütend zugleich macht ist… ich weiß das alles und kann es dennoch nicht abstellen! Ich komme letzthin nachmittags oder abends häufig erschöpft von der Arbeit nach Hause und suche dann sofort nach einer einfachen Möglichkeit abzuschalten – möglichst schnell zu vergessen. Und hier wird es weird. Denn… ich wüsste nicht warum. Denn im Moment scheinen die Dinge – abseits des, in großen Unternehmen üblichen Grundrauschens an Bosheit, Dummheit und Gleichgültigkeit – ganz gut zu laufen. Ich konnte verschiedene Dinge ausgliedern, meine Pläne funktionieren und viele Aspekte meiner Arbeit machen sogar Spaß. Irgendwas in mir drin ist anscheinend immer noch kaputt.

Wenn ich tippen müsste, ist es wohl die einsetzende Angst vor dem Älterwerden. Das alles – vor allem aber meine Physis – in Bälde den Bach runtergeht und ich nicht mehr auf die Art werde leben können, auf die ich leben möchte. Dabei hätte ich doch noch genug Zeit, dem derart dräuenden Lebensabschnitt diesen Schrecken zu nehmen. Wenn ich doch nur häufiger von der Couch hochkäme! Den Begriff “Teufelskreislauf” habt ihr doch auch schon mal gehört, oder…? Nun…, alles Jammern nutzt nichts, denn die Erkenntnis ist da und der einzige Weg, diesem Doomscroller-Procrastinator-Scenario den Schrecken zu nehmen ist… tadaah… den Arsch von der Couch hochzukriegen. Klingt ja einfach. Derzeit bin ich unhappy, weil ich nicht die notwendige Energie finde, die Dinge anzugehen – weil es weniger Energie verbraucht, nicht nach dieser zusätzlichen Energie zu suchen und sich stattdessen hinterher selbst zu hassen; my kind of Depression in a nutshell. Ob ich das alleine hinkriege, weiß ich nicht. Ihr werdet es erfahren. Wenn aber irgendjemand JETZT – also nach diesem Blogpost – das Handy weglegt, um etwas ECHTES zu tun, würde mich das riesig freuen. In diesem Sinne, macht ma hinne. Wir hören uns.

An endless summer…

Mannomann, war Kindsein geil! Die Sommerferien kamen einem vor wie ein endloses Abenteuer. Vielleicht auch deswegen, weil der größte Abenteuerspielplatz direkt vor unserer Haustür lag. Ich musste also nicht allzuweit gehen/fahren, um Spaß haben zu können. Ja, meine Eltern hatten jetzt nie so viel Kohle übrig, dass wir groß ins Ausland gefahren wären, aber es gab dennoch schöne Urlaube, in denen ich das eine oder andere erlebt habe; und einiges von Deutschland gesehen. Irgendwann, so mit 17 hatte ich jedoch eigene Wünsche und bemerkte alsbald, dass meine Eltern nicht bereit waren, mir diese Ideen, wie etwa meine erste Auslandsreise zu finanzieren. Ich jobbte, seit ich 14 war relativ häufig und hatte folglich trotzdem keine Probleme, mir selbst was zu leisten. Und meine Eltern legten mir auch keine Steine in den Weg. Aber irgendwie änderte sich meine Wahrnehmung von freier Zeit, Ferienzeit, Urlaub dadurch. Da war damals immer noch diese unbeschwerte Freiheit, doch ich ahnte bereits früh, dass man sich als Erwachsener diese Freiheit durch Arbeit erkaufen musste. Damals hat mich das tatsächlich nicht besonders gejuckt, denn ich empfand als junger Kerl auch die Arbeit irgendwie als Abenteuer. Ich bin einer von diesen komischen Gen-X-Typen, die einen gewissen proletarischen Stolz auf die von Ihnen erbrachte Leistung empfinden konnten; insbesondere, wenn diese in Zahlen darstellbar war. Auch heute noch bin ich durchaus stolz darauf, wenn ich etwa ein Projekt abschließen kann, oder wenn Unterricht funktioniert hat, oder wenn ich sehe, dass jene Pläne, die ich seit geraumer Zeit verfolge, langsam Früchte tragen. Die Leichtigkeit ist allerdings perdu. Ich bemerke den Preis – also die Arbeit – wesentlich intensiver, als die Freiheit, welche er mir von Zeit zu Zeit zu erkaufen vermag. Vielleicht mag ich meine Arbeit nicht mehr? Ich weiß es nicht wirklich; aber wie ein Abenteuer, dass zu erleben wert ist, fühlt es sich schon eine geraume Zeit nicht mehr an.

Das Kind in mir erinnert sich an endlose Tage, laue Abende, Fahrten ins Schwimmbad, an den Rhein oder an den See. An das Grillen, später an die vielen TTRPG-Runden, die wir in meinem ehemaligen Zuhause gespielt haben. An gute Zeiten. An das Gefühl, sich in jede Richtung entwickeln zu können, alles tun und die Welt erobern zu können. Selbst nachdem ich irgendwann in der harten Realität des Berufslebens angekommen war, spürte ich so gut wie nie den Druck, der mir heutzutage das Schaffen sauer macht. Ich hab damals meine beste Ehefrau von allen kennengelernt. Sie war und ist meine erste große Liebe und… es hält immer noch. Wir sind unterdessen zu anderen Menschen geworden, als diese jungen Wilden, die damals so mache Verrücktheit unternommen haben. Und dennoch fühlt sich das immer noch richtig an. Was sich nicht mehr richtig anfühlt, ist der endlose Sommer. Ich meine – seien wir realistisch, für den 8-, 10, 13-Jährigen fühlten sich diese Sommer so lang an, weil die relative Länge im Vergleich zur bisherigen Lebenserfahrung tatsächlich viel größer war, als für den heute 52-jährigen. Aber das ist nicht das Einzige, was sich geändert hat. Ich empfinde die Hitze wesentlich stärker – weil sie stärker geworden ist. Ich hatte nur wenig Ahnung von Ozonloch, Klimaerwärmung, saurem Regen mit Waldsterben (das war in der 80ern ein Riesenthema), etc., bevor ich einen Physiklehrer bekam, der mir all diese Aspekte näher brachte. Irgendwie habe ich seitdem einen Knacks. Nicht wegen des Physiklehrers, sondern weil mir nach und nach bewusst wurde, wie fragil diese Welt ist, wie beschissen wir Menschen aus niedersten Beweggründen mit ihr umgehen – und was das für mich als Mensch eines Tages bedeuten würde – was es JETZT für mich bedeutet. Ich denke, ich bin eine linksgrüne Zecke, weil es in meinen Augen keine andere Hoffnung für diesen Planeten gibt, als dass wir alle linksgrüne Zecken werden. Mit anderen Worten – es mangelt mir an Hoffnung.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich mag den Sommer immer noch. Ich mag die endlosen Abende. Ich mag es, mit meiner Kamera knipsend durch die untergehende Sonne, die blaue Stunde und das erste Dunkel der Nacht zu stromern. Ich mag es, meine langen Bahnen durch Seen und Flüsschen zu ziehen. Ich mag lange Spaziergänge oder Wanderungen. Ich bin einfach gerne draußen unterwegs. All das ist in der dunkel-kalten Jahreshälfte nicht in der Form möglich, die mir wirklich Spaß macht. Aber auch hier ist die unbeschwerte Freiheit weg, ersetzt durch das Gefühl, an allem, was in den nächsten Jahrzehnten an Unbill für die Menschheit folgt, schuld zu sein. Was vollkommener Quatsch ist – zumindest in endgültiger Eindeutigkeit. Wenn überhaupt, war bzw. bin ich nur ein sehr kleines Teil in einem sehr großen System namens Gesellschaft. Und unterdessen tue ich, was mir möglich ist, um dem Klimawandel zu begegnen. Wenn ich so aus dem Fenster schaue, dann frage ich mich, wann es sich wie ein “normaler” Spätsommer oder Herbst anfühlen wird, während tief in mir die Angst steckt, dass wir schon in einem endless Summer angekommen sind. Das Kind in mir schaut hinaus und denkt sich “Ei der Daus – ich war im Spetember noch schwimmen!” Der Erwachsene hingegen – was auch immer mich für diesen Status qualifizieren mag – erinnert sich daran, schon früher im Jahr wegen der unglaublichen Temperaturen aus der Stadt geflohen zu sein, weil er es nicht mehr ausgehalten hat. An einem Wochenende fuhr ich hinaus in den Odenwald, an einem anderen in den Pfälzerwald und suchte mir schattige Plätzchen, wo man den Tag halbwegs verleben und seinen Gedanken nachhängen konnte. Nur um feststellen zu müssen, dass diese Gedanken finster wurden. So ist das, wenn man an einer Depression leidet – manchmal überwältigen und lähmen dich diese negativen Emotionen so hart, dass du kaum mehr leben willst. Es dauert dann stets lange, bis man sich des Umstandes erinnert, dass man sein Leben auch selbst in die Hand nehmen kann.

Dass man etwa der Politik Beine machen kann – wenn wir nur viele sind. Dass man seine eigenen Lebensumstände beeinflussen kann – wenn man beginnt, Optionen zu denken, anstatt nur der Angst zu folgen. Dass das unbeschwerte Kind, das die allermeisten von uns einst waren, noch irgendwo da drin schlummert, bereit sich diesem Abenteuer Leben zu stellen – und so den Dingen jeden Tag neu zu begegnen, wie es möglich und sinnvoll ist. Man muss sich nur daran erinnern, dass der endless summer auch Freude bereit hält, dass es diese schönen Dinge gibt, die zu erhalten man lediglich seinen Arsch hochkriegen und gegen das Andere kämpfen muss. Dass man mit dieser Aufgabe nicht alleine ist. Und dass die Zukunft – allem Gezänk und aller Bosheit zum Trotz – ein Weg ist, dessen Karte noch nicht fertig geschrieben wurde. Denn… schreiben müssen wir diese selbst. Und das jeden Tag neu. Gegen die Dummheit, gegen die Gleichgültigkeit, gegen die Angst, gegen die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde. Mit frischen Ideen, Hoffnung, Mut und Miteinander. Dann lässt sich die Angst vor dem endless summer auch als Erwachsener aushalten. Dann wird das Leben auch wieder zu einem Abenteuer, dass zu erleben wert ist. Wir sehen uns, da draußen, im Abenteuer…

Auch als Podcast…

New Work N°27 – oldschool workethics…?

Ich nehme wahr, dass eine nicht unerhebliche Zahl an Artikeln in den Medien um die immergleichen Themen kreist: ist die Gen Z fauler, als andere Alterskohorten vor ihr? Und meine Standardantwort lautet: NEIN! Allerdings ist eine gewisse Differenzierung von Nöten, um zu verstehen, wie ich – allen Unkenrufen zum Trotze – zu dieser Einschätzung komme. Und es beginnt, wie so oft, mit den Lebensumständen, unter denen man vom Kindes- und Jugendalter in die Adoleszenz – und damit zumeist auch ins Erwerbsleben – übertritt. Wir Menschen neigen ja dazu, die eigenen Erfahrungen als allgemeingültig zu verabsolutieren; wenn man sich also auf eigene Erfahrungen beruft, oder noch besser auf “jemanden, den man kennt”, sind die daraufhin folgenden Ausführungen ziemlich häufig mit äußerster Vorsicht zu genießen, es sei denn der Autor der jeweiligen Worte lässt sich dazu herab, den anekdotischen Charakter seiner “Evidenz” ebenso öffentlich zu reflektieren. Wenn ich nun also kurz beschreibe, wie ich diesen Übergang erlebt habe, weiß ich, dass ich im Anschluss besser noch ein paar Fakten dazu tue. Ich wurde 1974 geboren (als eines von ca. 805.500 Kindern) und erlebte meine Kindheit und Jugend in relativer “Wahrnehmungs-Enge”, den es gab damals ein paar Fernsehkanäle, auf Papier gedruckte Zeitungen und ich musste erst 19 werden, bevor das World-Wide-Web in Deutschland zur privaten Nutzung freigegeben wurde. Man war zur Informationsbeschaffung, wie auch zur Weitergabe von eigenen Ergüssen auf Spezialisten angewiesen; wir waren nicht dauernd online, denn wir wussten damals noch nicht mal, was online dereinst sein würde! Mein Übergang ins Arbeitsleben bestand daher zunächst in Ferienjobs, die ich so ab 14 Jahren aufwärts erst von meinem Vater und später von meinem älteren Bruder vermittelt bekam. Maloche in der Produktion und als ungelernter Strippenzieher auf dem Bau. Meine Zivildienststelle habe ich mir dann selbst besorgt, nachdem ich auch meine Verweigerung selbst besorgt hatte. (ja 1992 wurde man noch gemustert und musste vor eine Kommission aus “grauen Herren” treten). Dieser Zivildienst zeigte mir ein völlig anderes Betätigungsfeld als das, in welches ich eigentlich hatte eintreten wollen (Verfahrenstechnik); ich verstand, dass ich – gegen alle Kapriolen meines Hirns – doch besser mit Menschen als mit Maschinen umgehen konnte. Blaulichtfahren war nur ein first incentive, der Rest passierte ganz anders.

Die direkt an den Zivildienst als Rettungssanitäter anschließende Rettungsassistenten-Ausbildung habe ich damals noch aus eigener Tasche bezahlt. Nach dem Aufbau-Lehrgang ging es in die klinischen Praktika und dann in eine betriebliche Anschlusslehrstelle, die man sich ebenfalls selbst besorgen musste. Man kann also sehen, dass es ein paar Hürden gab, die ich zu überwinden hatte, um überhaupt im Erwerbsleben richtig ankommen zu können. Das ist heute anders – zumindest in meinem Gewerk. Man bewirbt sich auf die angestrebte Lehrstelle und sofern man genommen wird, kümmern sich Betrieb und Berufsfachschule um alles Organisatorische. Man muss nur jeden Tag pünktlich erscheinen und seine eigene Motivation (und am Besten sein Hirn) mitbringen. Für meine Anschlusslehrstelle half mir wiederum Vitamin B: ich wusste, wen man anrufen konnte. Ich rief an. 75 Minuten nach einem dieser Anrufe saß ich in einem 60 KM entfernten Büro. 120 Minuten nach dem Anruf hatte ich einen Vertrag und bekam sogar ein Auszubildendengehalt – was damals für Rettungsassistenten im Praktikum NICHT überall üblich war! Für meine erste Festanstellung schrieb ich dann so 50 – 60 Bewerbungen, die man damals noch per Post verschickte und irgendwann (vielleicht) Antwort bekam. Ich landete bei einem Arbeitgeber, von dem ich mir sicher sein kann, dass mein zukünftiger Chef meinen ehemaligen Chef bei der HiOrg, in welcher ich meinen Zivildienst abgeleistet hatte mal eben informell gefragt hat, “ob der Kerl was taugt?” – BEVOR ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. In einer Welt, in der noch ziemlich viele Andere mit mir um die Jobs konkurrierten (die extrem große Boomer-Generation war ja nur einen Tick vor mir unterwegs), weil die Wirtschaft nach der Wiedervereinigung 1990 ziemlich in der Krise steckte, gab es neben halbwegs guten Noten nur wenige Hebel, um an sichere Jobs zu kommen: Performance (erst schuften, dann verhandeln) Resilienz (auch mal runterschlucken, was einem gerade nicht passt) und Beziehungen (jemanden kennen, der jemanden kennt) verschafften einem einen guten Leumund, der einem zum Job verhalf.

Weil die Geburtenzahlen nach 1990 zu sinken begonnen hatten und heute auf deutlich niedrigerem Niveau stagnieren (2005 als letztes Gen-Z-Jahr kommt gerade mal noch auf knapp 686.000), ist die Zahl der Konkurrenten niedriger geworden. Demografie ist aber nur ein Aspekt. Die Entwicklung des Internets und speziell der sozialen Medien ist ein weiterer wirkmächtiger Faktor hinsichtlich der Sozialisierung junger Menschen. Unsere Fenster zur Welt sind VIEL, VIEL größer geworden. Unsere Möglichkeiten, sich mit Menschen von überall auf dem Globus auszutauschen sind – mit Blick aus dem Jahr 1993, als ich Abitur gemacht habe – unfassbar. Ebenso wie unsere Möglichkeiten, Informationen zu erhalten. Ich musste noch lernen, wie man mit einem Bibliotheks-Handapparat zur Recherche umgeht. Heutzutage werfe ich die Suchmaschine meiner Wahl an und bekomme in Sekunden (leider allzu häufig von LLMs schon kuratierte) Ergebnisse ausgespien, für deren mechanisches Zusammentragen ich früher Tage und Wochen der Recherche gebraucht hätte. Der Fluss der Informationen ist schneller. Allerdings ist auch die interessengeleitete Kuratierung der Informationsflüsse schneller geworden. Social Engineering durch Fake News, oder “alternative Fakten”, wie die rechten Trumpeltiere das zu nennen belieben, ist zu einer konstanten Bedrohung der Informationssicherheit geworden. In der Folge kursiert ein Mist im Netz, bzw. auf antisocial media, der sehr seltsame Blüten treibt. All das hat auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt, bzw. insbesondere auf junge Menschen, die gerade in dieser ankommen. Wir kommen jetzt in den Bereich wo die ersten Gen-Alphas demnächst in der Arbeitswelt ankommen, die keine Ahnung mehr haben, wie ‘n Wählscheibentelefon aussieht, oder welchen Wert es hat, dass das einmal auf Papier gedruckte Wort nicht mehr nachträglich verändert werden kann.

Ich bin groß geworden mit bestimmten Sicherheiten, in einer überschaubaren Welt mit leicht zu dekodierenden sozialen Standards. Als ich, gerade fertiger Rettungsassistent, meine erste Einarbeitungsschicht auf dem RTW bei meinem neuen Arbeitgeber fuhr, wurde ich morgens vom Kollegen mit den legendären Worten “Bischd du aach Assi?” begrüßt. Was so viel hieß wie “Fertig ausgebildet?”; aber auch “Bereit für diese Hood?” Ich sagte einfach “Hajo!” und damit war die Beer geschält! Heutzutage kommen die jungen Leute in einer Welt mit der Arbeit in Berührung, die nur noch wenige Sicherheiten oder gar Gewissheiten bietet. Und damit in ein Umfeld, dass einen noch höheren Konformitätsdruck erzeugt, als das früher für mich der Fall war. Du läufst heutzutage auf Schritt und Tritt Gefahr, von Taschenwanzen eingefangen und ins Netz gespieen zu werden. Egal was du tust. Und JEDE*R hat eine Meinung zu dem, was da auf dem Taschenwanzenbildschirm zu sehen ist. Von meinen “Missetaten” gibt es keine Videos – und das ist auch verdammt gut so! Die meisten jungen Leute sind nicht fauler, als andere Generationen vor ihnen; und die haben auch ihre Faulenzer hervorgebracht. Die jungen Leute sind jedoch aufmerksamer gegenüber dem Bullshit, der tendenziell an Arbeitsplätzen passiert. Sie sind, zumindest in den Branchen, in denen derzeit nach wie vor ein Arbeitnehmermarkt herrscht, eher bereit, aus dem, was sie als Bullshit empfinden Konsequenzen zu ziehen, oder Dinge für sich selbst einzufordern, weil sie den Hebel dazu haben. Und sie lassen sich weniger knechten, weil sie WISSEN, dass sie, egal wie sehr sie den Buckel krumm machen, nicht mehr dahin kommen können, wo Boomer und Gen-Xer hingekommen sind; außer sie erben eine nenneswerte Summe.

Ich muss meiner Absage an das 2.500 Jahre alte sokratische und platonische Diktum, dass die Jugend von heute “tyrannisch” wäre allerdings auch eine Prise Kritik an den jungen Menschen von heute beifügen. In einer Hinsicht sind nämlich manche, mit denen ich in der beruflichen Bildung arbeite tatsächlich fauler – nämlich, wenn es um das Verlassen der Komfortzone, also dass sich-selbst-um-etwas-bemühen geht. Ich stelle unterdessen häufig fest, dass für Aufgaben, die eigentlich dazu gedacht sind, dass die Schüler*innen sich mit einem Sachverhalt selbstständig und selbstTÄTIG auseinandersetzen sollen, LLMs zum Einsatz kommen, weil man halt keine Lust hat, sich mit dem Thema selbst auseinander zu setzen, oder aber ernsthaft glaubt, dass dazu das einmalige Durchlesen des, durch das LLM kuratierten Textes genügt. Selbst durchdenken? Fehlanzeige. Das zeigt sich dann oft genug auch in den Prüfungsleistungen. Wer sich früh angewöhnt, sich Fachwissen wirklich selbst zu erarbeiten, scored IMMER besser. Bei den anderen heißt es dann: Männer/Frauen wie wir – knapp bestanden mit vier… oder in einem halben Jahr wieder antreten. Und es ist nicht so, dass wir ihnen das nicht REGELMÄSSIG demonstrieren würden, dass die dauerhafte Nutzung von LLMs kurz- und mittelfristig zu SCHLECHTEREN kognitiven Leistungen führt. Da haben wir noch ein paar dicke Bretter zu bohren. Aber dass die jungen Leute generell faul wären, kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil bemerke ich bei nicht wenigen echte oldschool workethics. Und.. sie müssen sich ja auch nicht so ausbeuten lassen, wie das bei mir und vielen meiner Altersgenoss*innen der Fall war. Das Abendland wird jedenfalls nicht an der Gen Z oder der Gen Alpha untergehen. Wenn, dann schon eher an der ewiggestrigen Politik mancher Boomer, Gen-Xer und Millenials! In diesem Sinne – lasst euch auch in der neuen Woche nicht knechten. Der Fotzenfritz soll erst mal selbst einen ordentlichen Job hinkriegen…

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°76 – …tödlich…?

Du würfelst auf eine Tabelle und da steht “Schlimme Dinge: Du bist tot, tot, tot!” Also weg mit dem Charakter und mal eben einen Neuen aus dem Hut zaubern. Ich kenne allerdings nicht wenige Spieler, die sich genau damit schwer tun, mal eben einen neuen Charakter aus dem Hut zu zaubern. Nicht, weil sie weniger kreativ wären als andere (obwohl das auch vorkommen mag), oder weil diese spezielle secondary world nicht so zu ihnen spricht; zu manchen spricht offenkundig gar keine secondary world und sie versuchen einfach immer wieder einen Jack-of-all-Trades zu bauen, um sich dann zu ärgern, wenn andere Chars in deren Spezialisierungen einfach viel stärker sind. Zumeist geht es darum, dass die Fülle der Optionen und die Frage nach der Passung von Char und secondary world eine spezielle Art von Entscheidungsparalyse erzeugen, die es den Spielern verunmöglicht, mal eben den bislang gesponnenen Faden neu aufzunehmen und anders neu einzusteigen. Und nicht wenigen bereitet allein die Möglichkeit, den eigenen Charakter final verlieren zu können ziemliches Kopfzerbrechen. Weswegen der Charaktertod – zumindest in manchen Gaming-Communities – offensichtlich zu einem relativ seltenen Ereignis geworden zu sein scheint. In diesen ersten Sätzen klingen ein paar Dinge an, zu dene ich gerne etwas spezifischer werden würde: da ist zum einen die Frage, ob ein Charakterleben wenig oder viel wert ist? Ob ich mich dem Versprechen verschreibe, mit den selben Charakteren eine Geschichte von Alpha bis Omega auszuerzählen? Oder ob ich sie auch dann über die Klinge springen lasse, wenn es narrativ wenig befriedigend ist, einfach weil die Würfel es diktieren? Ob der Spieler mit einem Charakter an den Tisch gekommen ist, der zum aktuellen Spiel passt, oder versucht, eine Fantasie auszuleben, die im Kontext dieser secondary world nicht funktioniert? Und schließlich, ob ich den Bodycount überhaupt kalibrieren kann, ohne sichtbar in die innere Logik meiner Welt eingreifen zu müssen? Puh… das ist ‘ne große Menge Punkte, nicht wahr…?

  • 1) Narrativ oder Ausgewürfelt? Jeder Tisch spielt anders. Das ist eine Binsenweisheit, die heutzutage umsomehr gilt, als sich immer wieder Diskussionslinien ausbilden; undzwar entlang der Frage, ob ich als Spielleiter mit dem Versprechen starte, meinen Spielern – und vor allem ihren Charakteren – eine komplette Kampagne zu bieten? Also ein komplettes Narrativ? Seien wir ehrlich: die meisten “Kampagnen” sterben nach 6 – 8 Sitzungen klaglos den Unlust-, den Termin oder den Streit-Tod. Aber nehmen wir mal an, zwei Jahre später läuft diese Kampagne immer noch und ist vielleicht sogar ein Stück weit gediehen. Jetzt entsteht eine Situation, in der Leben auf dem Spiel stehen. Haben die Charaktere dann “Plot-Armor”; sind also zu wichtig für die Geschichte, um zu sterben? Wie weit bin ich als SL bereit zu gehen, um einen Char am Leben zu erhalten, der eigentlich der Logik nach tot, tot, tot sein müsste? Lasse ich wirklich die Würfel entscheiden, oder nudge ich das Schicksal in eine spezielle Richtung (a.k.a. “fudging dice”), wohl wissend, dass so mancher narrative Kunstgriff viel zu sehr nach Deus Ex Machina aussieht? Und… über wessen Geschichte reden wir eigentlich? Eine Vision, die ich als SL entwickelt habe, bevor ich mit dem Leiten anfing oder das, was aus meinen Vorarbeiten durch das Spiel geworden ist? Respektiere ich die Player Agency, auch dann, wenn eine Spieler-Entscheidung dumm ist, oder der Spieler seinen Char sehenden Auges ins Unheil laufen lässt, weil es dem Drama dient? Denn die zweite Diskussionslinie, die hier eine Rolle spielt ist die Frage…
  • 2) Ist die Spielleitung Storyteller, oder nicht? Aus meiner Sicht ist die SL genau so lange Storyteller, als es um die Welt und deren Reaktionen auf die Aktionen der Spielercharaktere geht. Ich lasse den Plotbus vorfahren, indem ich eine Welt und den zugehörigen Metaplot entwickle, innerhalb dessen die Spieler dann so viel Unfug treiben können, wie sie für richtig halten, ohne die innere Logik dieser Welt völlig zu zerbrechen. Ich wende die Ereignisse nur dann, wenn ich denke, dass es eine zulässige Reaktion der Welt auf das Handeln der Spieler ist. Alles Andere wäre Railroading – und das mag ich weder als Spieler, noch als Spielleitung. Nicht ich als SL erzähle die Geschichte, sondern meine Spieler und ich erzählen, ausgehend von meinem Prolog GEMEINSAM die Geschichte weiter. Ohne, dass ich vorher weiß, wohin der Zug genau fahren wird, oder was dabei alles passiert. Das erfordert von mir als SL allerdings auch ein Maß an Flexibilität und Improv, dass nicht jede SL aufzubringen bereit oder fähig ist. Und das soll keine Wertung darstellen. Wir alle haben uns schon mehr als einmal des Overpreppings schuldig gemacht. Für mich ganz persönlich ist Campaign- und Session-Prep auch “das Spiel spielen” – und trotzdem muss ich loslassen können, wenn meine Spieler dann einen anderen Weg gehen. Ich spiele niemals gegen meine Spieler, sondern immer mit ihnen. Wir müssen uns nur darauf einigen, dass alle die innere Logik dieser Welt und die Regeln dieses Spiels respektieren; ingame wie outgame.
  • 3) Passt mein Charakter ins Spiel? Natürlich darf man spielen, worauf man Lust hat. Sofern man mit einem Konzept antritt, dass die Welt und ihre Regeln respektiert. Ein Cyberpunk in einem Fantasysetting? Ein Spacemarine in der Urban Fantasy? Ein Erzmagier in einer Space Opera? Kann man alles machen, sofern die Prämisse des Spiels Raum für solche Ansätze lässt UND die anderen Spieler sowie die Spielleitung bereit sind, mitzumachen. Ansonsten ist NEIN ein ganzer Satz! Das waren jetzt zwar etwas überzogene Beispiele, aber im DnD Dragonlance Setting gab es z. B. die Spezies der “Kender”, die als Spielercharaktere ein feuchter Traum für die “Ich spiele doch nur meinen Charakter”-Wangrods war, weil sie keinen Begriff von dein und mein haben… DIE PASSEN IN KEINE WELT, IN DER ICH SPIELLEITE! Ein weiteres Problem sind Spieler mit Main-Character-Syndrome. Das Spiel dreht sich um alle Charaktere. Wir alle sind manchmal kleine Spotlighthuren – ich bin da schuldig in allen Punkten der Anklage – aber das ist keine Entschuldigung dafür, anderen ihr Spotlight abspenstig machen zu wollen; oder sich darüber zu ärgern, wenn das eigene Charakterkonzept keine Freude bereitet, weil der Jack-of-all-Trades zwar alles ein bisschen kann, aber nix so gut, wie die jeweiligen Spezialisten… macht euch Spezialisten, die in ihrem Fach echt was reißen können, Goddamnit. Ich rede damit nicht dem Min-Maxing das Wort. Obschon das Optimieren des eigenen Chars völlig okay ist, wenn alle anderen das auch machen. Wenn ich maximal de-optimierte Charaktere will, spiele ich “Paranoia”…
  • 4) Wie ist meine secondary world angelegt? Damit meine ich nicht unbedingt das Genre oder Setting – wobei Cosmic Horror mir eine Idee davon vermitteln sollte, dass mein Char alsbald in einem Asylum oder auf dem Friedhof landen wird – sondern die Frage nach dem verwendeten Regelwerk und der Idee, die damit durch mich als Spielleitung verfolgt wird. Es gibt Regelwerke, die sich eher für’s Narrative eignen, solche, die ziemlich rules-heavy taktisches Ressourcen-Management simulieren und solche, bei denen Low-Level-Chars auf Grund der Startwerte Dime a Dozen sind. Aber das ist alles nur Optik. Die tatsächliche Frage ist, wie ich als Spielleitung die Regeln im Spiel umsetze; also, ob ich diese von vorn herein modifiziere (Houserules), sklavisch achte oder auch mal biege (dice fudge), wenn’s mir in den Kram passt. Viele Gruppen machen heutzutage eine Session Zero – und hinterher sind die Spieler sowie die SL trotzdem überrascht, dass es nicht läuft wie gedacht, weil Menschen das gesprochene und geschriebene Wort unterschiedlich interpretieren können. Wichtig ist, dass zuvor getroffenen Übereinkünfte von BEIDEN Seiten eingehalten werden. Sonst wird es unglaubwürdig und der Spielspaß leidet.

Ob meine Kampagnen tödlich sind? Zumeist eher nicht. Und ich möchte hier zu Protokoll geben, dass es NICHT daran liegt, dass ich den Charakteren keine wahrhaft mächtigen Herausforderungen oder Gegner entgegenstellen würde. Das tue ich und manchmal wird es dann auch knapp. Ich gebe meinen Spielern jedoch eigentlich immer die Chance, sehr starke Charaktere aufzubauen. Damit ist es ein klarer Fall von selbst schuld! Aber wenn ich ehrlich bin – ich könnte vorher nicht sagen, ob eine Kampagne tödlich ist, oder nicht. Denn das ist nicht die Metrik, nach der ich meine Spielwelten oder Plots aufbaue. Ich denke mir eine Grundgeschichte aus, gebe ihr Farbe, indem ich wichtige Parteien sowie die sie jeweils vertretenden NPCs ausarbeite und dann ungelöste oder länger eingeschlafene Konflikte dazugebe, die nun – nach einem auslösenden Vorfall – ihrer Auflösung harren. Für wen das wann und auf welche Art tödlich endet…? Keine Ahnung, das weiß ich auch erst hinterher! Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, welchen Eindruck von immanenter Gefahr ich meinen Spielern vermittle; irgendwie sind sie meistens beinahe übervorsichtig und vergoofen dann trotzdem, woraufhin es lustig wird. Ich werde nie den Moment vergessen, wo irgendjemand das magische Wort “Vampir” sagte und die Gruppe binnen kürzester Zeit fluchtartig die Stadt verlassen hatte. Ob ich wohl einmal zu oft gesagt habe, dass Vampire in meinen Kampagnen echte Monster sind…? Was solls. In jedem Fall sollte aus meiner Sicht eine Kampagne niemals Plot-Armor enthalten. Denn ohne Action, Risiko und Gefahr entsteht kein Drama, ohne Drama entsteht kein Spannung und ohne Spannung entsteht anstatt Spielspaß Langeweile. Und wer langweilt sich schon gern, wenn es auch noch andere nette Freizeitaktivitäten gibt…? In diesem Sinne: always game on – with potentially deadly encounters!

Auch als Podcast…

Ein revolutionärer Akt…?

Einen Hügel auf verschlungenen Pfaden hinunter zu gehen, ist keine Revolution. Einen Hügel in einem Sessellift hinaufzufahren eigentlich auch nicht. Es sei denn, man hat wie ich Höhenangst und macht es trotzdem. Okay… der Begriff “Revolution” mag übertrieben sein; nennen wir es lieber ein Aufbegehren. Ein Aufbegehren gegen die eigenen Grenzen. Einen großen Schritt aus der eigenen Komfortzone hinaus in die wahre Welt, die sich einen Dreck darum schert, wie es uns gerade geht, ob wir immer noch im Rahmen definierter Parameter funktionieren können, oder ob wir einverstanden sind mit dem, was gerade rings um uns herum passiert. Manchmal braucht es ein Symbol, um begreifen zu können, dass wir all dem trotzdem nicht ausgeliefert sind. Dass unsere Taten – genauso wie unser Unterlassen – ihre Wirkung entfalten; nur bei weitem nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Für mich ist der Sessellift ein solches Symbol, weil er mich daran gemahnt, dass wir so gut wie immer die Wahl haben, uns unseren Ängsten zu stellen, anstatt unser Leben von Ihnen bestimmen zu lassen. Sich einer einzelnen Phobie zu stellen, mag für viele Menschen da draußen jetzt nicht nach irgendeinem Erfolg klingen, doch mich kostete es endlose Überwindung, aus der bloßen Idee eine Handlung zu generieren – und ohne die beste Ehefrau von allen, wäre ich unterwegs wahrscheinlich trotzdem schreiend aus dem Sessel gesprungen. Ich darf hier und jetzt versichern: das ist nicht passiert und wir sind hinterher ganz manierlich den Hügel wieder runterspaziert… okay, gefühlt eher gekraxelt, denn der Fußweg zu Tal war doch recht uneben. Keine Sprünge – keine Verletzungen.

Nun hat diese Handlung für mich Symbolcharakter gewonnen, die für die meisten Anderen keine nennenswerte Herausforderung darstellt, weil sie meine Angst nicht teilen. Aber was ist mit den Dingen, den Sachverhalten, die diesen anderen Menschen vermutlich Angst machen? Finden die den Mut, sich dem zu stellen? Haben die dabei auch Hilfe? Und was ist, wenn sie sich dem nicht stellen? Wird dann aus dem retrospektiv betrachtet doch leicht zu bezwingenden Hügel irgendwann ein unüberwindlicher Berg? Was ist, wenn wir gar nicht mehr nur über Ängste reden, sondern über Überzeugungen, die nicht aus Wissen, sondern im Gegenteil aus Gefühlen, Unwissen und vielleicht auch Manipulation entstanden sind? Und die dazu führen, dass man Menschen hasst, die einem objektiv betrachtet nichts getan haben? Ach… das ist doch ein viel zu weit hergeholtes Gedankenspiel. Kann man sich ja gar nicht ausmalen, dass Menschen lieber nach jemandem suchen, den sie für ihre Situation beschuldigen und hassen können, anstatt nach Lösungen für die Probleme zu suchen, die ihnen derzeit subjektiv das Leben sauer machen. Es ist doch vollkommen unrealistisch, dass Menschen sich derart von ihren Ängsten und Vorurteilen vereinnahmen lassen, dass es ihnen nicht mehr möglich ist, zu erkennen, dass das Gegenüber auch nur ein Mensch ist, der lediglich nach einem Weg durch dieses miese Spiel namens Leben sucht…? Im krassen Gegensatz zu mir begreifen diese Menschen es vermutlich als revolutionären Akt, ihren blinden Hass auf einen Wahlzettel zu erbrechen, anstatt sich die Frage zu stellen, ob es nicht vielleicht doch sinnvoll sein könnte, sich mit den tatsächlichen Problemen unserer Zeit wie dem Klimawandel, den Hitzeschäden und unseren gesamtgesellschaftlichen Antworten darauf zu befassen, anstatt dem Gefühl nachzugeben, dass wenn ich jemanden wähle, der mir die 30er des vergangenen Jahrhunderts verspricht, ich die “gute alte Zeit” zurückbekomme, in der alles einfacher war…?

Es gab und gibt keine “gute alte Zeit”. Und dereinst wird man festgestellt haben, dass sich auch in der Zukunft keine “gute alte Zeit” verbarg. Man wird aber wissen, dass, wenn man seinen unreflektierten, unherausgeforderten Ängsten folgt und die 1930er wählt, man die 1930er bekommt – inklusive politischer Säuberung, Jagd auf alle die anders aussehen, die Welt anders wahrnehmen, anders glauben, anders lieben. Wer die Diktatur wählt, weil seine Angst ihm angeblich den Weg zum klaren Denken versperrt, kann trotzdem nicht von der Schuld für das freigesprochen werden, was dann unausweichlich folgen wird. Sie – die AfD – haben es angekündigt. Sie wollen auf die Gräber der Anderen – die sie hassen wollen, weil sie sie einfach nicht verstehen können – pissen, auf diesen Gräbern tanzen. Gräbern, die sie selbst ausheben werden! Aber selbst, wenn es sich so anfühlt, als wenn die Angst manche unserer Taten diktieren müsste – wir haben IMMER die Wahl, ob wir der Angst nachgeben; oder ob wir uns unseren Ängsten stellen und versuchen, herauszufinden, ob das, was uns Angst macht denn wirklich so schlimm, so bedrohlich, so unmöglich aushaltbar ist? Um zu der Erkenntnis gelangen zu können, dass genau das NICHT der Fall ist. Es mag einem den Puls hochtreiben – aber sich dem auszusetzen, was einem Angst macht, oder was einem nicht passt führt eigentlich immer dazu, dass man sich selbst etwas eingestehen muss, nämlich die Begrenztheit der eigenen Wahrnehmung. Es gibt immer mehr zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu erfahren, zu verstehen. Wenn man es nur zulässt. Denjenigen, die noch unentschlossen sind sage ich Folgendes: Tut mir einen Gefallen morgen und macht euer Kreuz nicht bei den Blauen, weil ihr euch vor etwas Unbekanntem fürchtet oder etwas Neues nicht versteht! Dafür gibt es bessere Lösungen. Wir hören uns bald wieder.

Und denen, die so oder so die AfD wählen, weil sie davon überzeugt sind, die neuen Herrenmenschen zu sein: fahrt zur Hölle, dreckiges Faschistenpack und nehmt dabei alles mit, was auch nur im Entferntesten an euch erinnert! Hass gebiert Hass – Gewalt gebiert Gewalt. Wir werden euch jagen, denn mit den Intoleranten kann es KEINE Toleranz geben!

Auch als Podcast…