What about happiness (Part 6) meets New Work 26!

Heute Morgen, als ich trotz Wochenende ein bisschen arbeiten musste, fragte mich ein alter Weggefährte, wie es mir gerade ginge. Ich sagte sinngemäß, dass meine Depression seit ca. 9 Monaten wieder kicken würde (was der Wahrheit entspricht), dass ich daher derzeit einen Therapeuten aufsuche (was ebenfalls korrekt ist) und dass ich dächte, langsam über den Peak zu sein – worüber ich mir mir ehrlich gesagt noch nicht im Klaren bin. Ich glaube eigentlich nicht, dass das wahr ist. Aber mit Depression ist das so eine Sache: es gibt verschiedene Typen und verschiedene Darreichungsformen. Bei mir ist es vielleicht eine hochfunktionale Depression, für die es jedoch, auf Grund der noch nicht ausreichenden Befundlage in der Forschung keinen Diagnoseschlüssel gibt. Es geht mir aber auch gar nicht so sehr um ein Label für meinen Zustand. Wir Menschen suchen ja immerzu nach griffigen Schlagworten, um verschiedene Aspekte unseres Selbst, unseres Lebens, unserer Arbeit unserer Befindlichkeiten den Anderen einfacher beschreiben zu können. In der Hoffnung dass es a) irgendeine Sau interessiert und b) dann auch Verstehen oder gar Verständnis erzeugt. Klappt, wenn ich so auf meine persönliche Erfahrung zurückblicke mal so, mal so. Aber ganz ehrlich, mir sind – bis auf wenige Ausnahmen – diese Anderen vollkommen schnuppe. ICH will verstehen, was mit MIR los ist. Und fertig. Denn wenn ich bis hierher eines festgestellt habe, dann dass ich mir sehr wohl auch mal selbst genug sein kann. Ist auch so eine Sache: ich bin eigentlich oft lieber allein. Der soziale Umgang mit größeren Gruppen erschöpft mich recht schnell. Eigentlich keine gute Voraussetzung für jemanden, der eine Bildungseinrichtung im Gesundheitswesen leitet und dabei regelmäßig selbst im Lehrsaal steht. Dennoch kann ich performen. Kann den Austausch gestalten, sobald ich in der Bütt stehe und empfinde manchmal sogar Freude daran, jungen Menschen als Reflexionsfläche für ihr Wachstum dienen zu können. Nur um danach JEDES MAL in ein Loch zu fallen. Irgendso ein Psychoheini hat dafür auch ein neues Label gefunden, aber ich weigere mich, mir das Etikett “otrovertiert” aufkleben zu lassen, weil mache Aspekte einfach nicht stimmen… Wie gesagt, Label sind mir egal.

Um auf den alten Weggefährten zurückzukommen: solche, durchaus ehrlich gemeinten Nachfragen werfen mich jedes Mal in Denkschleifen, von denen ich mir nicht sicher bin, dass die irgendwohin führen (können). Ich meine, ja verdammt, ich bin ein großer Freund ehrlicher Selbstreflexion. Ich weiß aber auch, dass man bei übertriebener Intensität direkt die Vorhölle der Selbstzerfleischung geraten kann. Und da will ich nicht hin. Dafür habe ich noch viel zu viel auf meiner Liste von Dingen, die ich gerne noch sehen, hören tun, erleben, schmecken möchte. Trotzdem bemerke ich immer noch die Freudlosigkeit, einen Mangel an Selbstwertgefühl (obwohl ich WEISS, was ich kann und wer ich bin) und gelegentliche Episoden, in denen ich aller Dinge überdrüssig bin. Es ist ehrlich gesagt anstrengend, jeden Morgen aufzustehen, die Maske des Machers aufzusetzen, für andere stark zu sein und neue Wege zu finden, wo andere nur Sackgassen und Risiko sehen – wenn ich mich doch innendrin so entsetzlich leer fühle. Hey… ich schreibe diese Zeilen an einem Samstagvormittag, während aus dem Bluetoothspeaker auf meinem Schreibtisch Musik ertönt, die ich mag, draußen die Sonne scheint und sich am Rande meines Bewusstseins eine Aura von Gemüsereis und gebratener Lammhüfte positioniert. Objektiv geht es mir gut! Ich habe im Gegensatz zu sehr vielen Anderen keine existentiellen Sorgen (außer ein paar idiotischen Autokraten als Mächtigen dieser Welt – und ja Fritze: du führst dich auch auf wie ein idiotischer Autokrat!). Ich habe ein paar sehr tolle Menschen in meinem direkten Lebensumfeld. Und auch, wenn mein Job mich in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht an den Rand und manchmal auch darüber hinaus getrieben hat, bin ich immer noch nicht bereit, die Flinte ins Korn zu werfen. Vielleicht ist das der Fehler? Vielleicht ist das der Grund, warum es mir schlecht geht? Dennoch gibt es Entwicklungen, die mich diesbezüglich Hoffnung schöpfen lassen. Aber… was hat das alles nun mit Happiness zu tun?

Ich glaube mittlerweile für mich herausgefunden zu haben, dass Happiness, dass Glück oder Erfüllung, oder weiß der Geier, wie man es nennen will, daraus entsteht, dass man lernt, Dinge zu akzeptieren, an denen man eh nichts ändern kann. Damit meine ich explizit nicht Nazis. Die MUSS man zu ändern versuchen, oder sie bekämpfen, vertreiben oder ihnen auf’s Maul geben, bis sie aufgeben. Diese Energie MUSS investiert werden, egal, wie depressiv ich werde. Aber… ganz ehrlich, bei der Arbeit… Scheißegal, wie oft irgendjemand Loyalität, Gute Wege und was-weiß-ich-nicht-noch-alles beschwört – für deinen AG ist Loyalität allzuoft eine Einbahnstraße – die bei DIR startet. Dein AG nimmt dich nicht in den Arm und tröstet dich, wenn es dir gerade dreckig geht. Dein AG will nicht wirklich wissen, dass du gerade nicht zu 100% funktionieren kannst, weil du krank bist, sondern ab wann du wieder 110% Leistung für 90% Gehalt geben kannst. Dein AG ist NIEMALS dein Freund, sondern IMMER nur eine Instanz, bei der du Lebenszeit gegen Geld eintauschen MUSST. Dein AG mag vordergründig ein freundliches Gesicht und warme Worte für dich haben, aber am Ende geht es immer nur um Zahlen, Zahlen, Zahlen. Am Ende des Tages bist du nur eine Nummer: austauschbar, stetiger Kosten-Nutzen-Betrachtung unterworfen und nur gut behandelt, solange du lieferst. Wenn du das verstanden hast, wirst du langsam freier. Weil du dir genau überlegst, wofür du deine Energie einsetzt, welche Kämpfe du kämpfst und ab wann es Zeit ist, Segel zu setzen, um neue Küsten zu erforschen. Ich habe es hier schon ein paar Mal gesagt: wenn ich könnte, wie ich wollte, keine Verpflichtungen hätte, würde ich was vollkommen anderes machen – weil es mir verdammt noch mal viel besser täte als mein jetziger Job. Aber ich HABE Verpflichtungen, die ich ernst nehme. Und ich empfinde echte Loyalität für mein Team und die mir anvertrauten Schüler*innen. Also habe ich angefangen, Grenzen zu setzen. Momentan weiß man noch nicht so genau, was man davon halten soll. Aber ich bin noch nicht fertig mit dem Grenzen setzen. Nochmal ganz ehrlich: selbst wenn ich mich damit der Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt aussetze: ein paar dieser lächerlichen Figuren, die mir seit Jahren auf die Eier gehen bekommen dieses Jahr ganz sicher noch ihr Fett weg. Vielleicht bin ich danach wieder fähig, mehr Freude zu empfinden. Gute, altmodische RACHE hat schon so ihre Reize. Ich wünsche ein sonniges Wochenende… und ein viel sonnigeres Gemüt, als ich eines habe…

Auch als Podcast…

Gott, bin ich männlich…?

Ich denke, ehrlich gesagt, nicht oft über die Frage nach, ob ich männlich bin. Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, war ich zumindest noch männlichen Geschlechts. Aber was bedeutet das schon? Ich bin aufgewachsen in einer Zeit (den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts), als dümmliche Blondinen-Witze, das Seite-Eins-Girl auf dem (leider) extrem reichweitenstarken Boulevardblättchen BLUT – ähm, ich meine natürlich BILD – und Oben-Ohne-Kalender in der Werkstatt noch die Regel waren. Ich bekam demnach eine unhealthy dose of Alltagssexismus von Kindesbeinen an serviert. Und natürlich habe ich auch meinen ungesunden Anteil an den dämlichen Sprüchen gerissen und mich manchmal aufgeführt wie ein egoistischer Arsch, weil das damals jeder “Kerl” so gemacht hat. Gottseidank fing ich irgendwann an, die Dinge zu hinterfragen. Spätestens, seit ich Pen’n’Paper als meinem Lieblingshobby nachgehe, habe ich auch angefangen, mit dem Thema Rollenübernahme zu experimentieren. Das und vor allem der Umstand, dass mein Interesse für die Sozial- und Geisteswissenschaften schon früh geweckt wurde, führten dazu, dass ich irgendwann mit Sexismus immer weniger anfangen konnte; und das, obwohl ich damals dann in einem noch ziemlich männerlastigen Milieu gearbeitet habe. Der Rettungsdienst in der 90ern war zum größten Teil eine Spielwiese für eisenharte Macho-Sanis… oder diejenigen, die sich (meist zu Unrecht) für welche hielten. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann begann ich wohl zu verstehen, dass derartiges dummes, stereotypes Verhalten auf lange Sicht niemanden irgendwohin bringt. Dass meine beste Ehefrau von allen sich von mir noch nie irgendwas Dummes hat gefallen lassen, tat sein Übriges.

Wenn ich mich heute so umsehe, dann erschrecke ich. Ich erschrecke, wenn ich sehe, dass in Umfragen ein nicht unerheblicher Anteil (wir reden von einem DRITTEL!) der befragten jungen Männer Gewaltanwendung als legitimes Mittel zum Erreichen von Dominanz innerhalb heterosexueller Beziehungen sieht. WHAT! THE! FUCK! Warum habt ihr DUMMEN KINDER völlig vergessen, dass Männer und Frauen – rein rechtlich – gleichberechtigt sind? Warum glaubt überhaupt irgendein Kerl, dass es legitim sei, sich in einer Beziehung gegegnüber irgendwem mit Gewalt durchzusetzen? Und nein… nur der Umstand, dass Gruselgestalten wie Andrew Tate in den asozialen Medien höchst präsent sind und dort ein völlig absurdes Frauenbild, Misogynie und toxische Männlichkeitsideale predigen, trägt nicht allein daran Schuld, dass wir hinsichtlich der Emanzipation gerade einen reaktionären Rollback in die 50er und 60er des vergangenen Jahrhunderts erleben. Wobei mich das Aufkommen der sogenannten Tradwifes als Randphänomen des Reaktionismus schon mehr als nur ein bisschen irritiert. Ich erschrecke darüber, dass auch politische Strömungen, die man noch vor einigen Jahren als evtl. insgesamt konservativer, aber ansonsten den demokratischen Werten und damit auch der Emazipation verpflichtet wahrgenommen hätte, heute mit einer derartig gestrigen Propaganda um die Ecke kommen, dass es einem die Schuhe auszieht. Sorry, aber die CDU/CSU mit ihrem “Heimchen muss an den Herd”-Blackrock-Mittelstands-Kanzloiden Fritze “damals war die Welt noch in Ordnung” Merz kann ich als demokratische Kraft nicht mehr ernst nehmen! Das ist keine Kunst – das kann weg. Auf den Müllhaufen der Geschichte, zusammen mit seinen Blaubraunen Freunden aus AFF-DE-istan. Widerliches, reaktionäres, dem eigenen Volk ein Feind seiendes, antidemokratisches Geschmeiß, angetriebenen lediglich vom niedersten aller Instinkte: Gier! Vor allem Gier auf Macht. Aber ich schweife gerade mal wieder ab.

Es ist heutzutage en vogue, dass am einen Ende des Diskussionsspektrums Leute über “toxische Maskulinität” sprechen, die einfach keine Ahnung haben, was Maskulinität im 21. Jhdt. bedeuten könnte oder müsste, sondern einfach nur – oft um des Clickbait oder des eigenen Dogmas Willen – (junge) Männer bashen; oft genug ohne NOT und ohne zu wissen, was sie den jungen Leuten damit antun.. Und am anderen Ende toben sich jene Männer aus, die das unterdessen widerlegte Märchen vom Alpha-Wolf (in freier Wildbahn ist das Verhalten ein vollkommen Anderes), dem einsamen Entscheider, dem Macher, dem Macho immer wieder und immer wieder aufkochen, um sich und andere darüber hinwegtäuschen zu können, dass sie im Grunde ihres Herzens einfach nur verängstigte Würstchen sind, die andere (vor allem Frauen) unterdrücken MÜSSEN, um sich so wenigstens ein bisschen Selbstwertgefühl verschaffen zu können. Und dazwischen? Da liegt, wie so oft heutzutage, ein Niemandsland voll scharfer Shitstorm-Minen, die nur darauf warten, dass irgend so ein Fuzzi daher kommt und fragt, ob es auch anders geht! By the way… geht es eigentlich auch anders? Spaß beiseite. Junge Männer – oder besser Jungs, die sich für solche halten – haben in der beschriebenen Situation keine wirklich sinnvolle Wahl. Doch die eigene Maskulinität kann sich nur im spielerisch-ambivalenten Messen mit Anderen entwickeln. Väter leisten hierbei heutzutage oft keinen sehr guten Dienst. Und die anderen zur Verfügung stehenden Idole? Tja… die heißen manchmal Andrew Tate und manchmal nicht. Zweifelsohne müssen Männer und Frauen sich auf mannigfaltige Art ausprobieren können, um sich selbst finden zu können. Maskulinität ist für jeden Mann Teil seiner Persönlichkeit! Aber was macht einen Mann denn nun männlich?

Sagen wir mal so: darüber kann und sollte man streiten. Männer dürfen gerne stark sein, wenn sie ihre Stärke nutzen, um etwas sinnvolles zu erschaffen, humanistische Haltung und Werte weitergeben, oder ihre Lieben vor Unheil schützen. Was einen Mann aber in keinem Fall männlich macht sind: Misogynie und Chauvinismus bis hin zur tatsächlichen Ausübung von Gewalt gegen Frauen! Das Verlangen nach Dominanz in Paarbeziehungen! Das Ignorieren oder Negieren der eigenen Verantwortung für eine gelingende Beziehung – oder Erziehung, sofern man Kinder in die Welt gesetzt hat! Das Durchsetzen der eigenen Bedürfnisse um jeden Preis! Das alles macht einen bestenfalls zu einem ekelerregend machomäßigen, egoistischen Stück Scheiße, dass besser alleine in einer Höhle im Wald wohnen sollte, ohne jemanden mit seiner vollkommen verqueren Ideologie auf den Sack oder die Eierstöcke zu gehen! Wie man dahin kommt? Wir könnten mit dem ernsthaften Versuch anfangen, für unsere Kinder und Jugendlichen eine Onlinewelt zu schaffen, die wenigstens weitgehend frei von misogynen, chauvinistischen, rassistischen, faschistischen und sonstwie menschenverachtenden Inhalten ist… Das wäre doch schon mal was. Und ansonsten ist es eine Aufgabe ALLER Eltern, ihren Kindern jeden Tag die humanistische, demokratische und emanzipatorische Haltung vorzuleben, die es braucht, damit aus Jungen starke, anständige, selbstbewusste Männer werden, die es nicht nötig haben, überhaupt irgendwen zu unterdrücken. Diese Feststellung führt gerade dazu, dass ich mich grusle, denn vielen da draußen gebricht es ja gerade an diesen Werten. Also muss ich selbst ran! Alles andere hilft nix. In diesem Sinn – Frohe Ostern. Und denkt immer daran: man(n) kann auch ohne dicke, bunte Eier männlich sein…

Auch als Podcast…

Writing Fiction #02 – In style!

“You develop taste, long before you develop skill” Matt Colville sagte das vor mittlerweile über sechs Jahren in einem seiner Videos. Und ich hatte noch nicht gleich verstanden, was das für mich bedeuten sollte. Heute weiß ich: man entwickelt, wenn man viel liest, zuerst ein sehr feines Sensorium für Stil, für semantischen Gehalt, für Satz- und Textaufbau; eben für all diese Dinge, die ausmachen, ob man einen Text mag, oder nicht. Nicht jeder Autor spricht einen dabei an, selbst wenn dieser alle Ratschläge aus dem Youtube-Lektoren-Handbuch gewissenhaft umgesetzt hat. Denn der offenkundige Versuch, servil um die vermeintlichen “Lesegewohnheiten” dieses oder jenes Publikums herum zu scharwenzeln mag vielleicht irgendwelche Easy-Reading-Opfer zum Kauf veranlassen. Es killt jedoch auch die Seele der eigenen Schreibe. Natürlich kippt niemand einfach so den First Draft eines Textes in die Welt. Aber seinen Text polieren zu wollen, um dieses oder jenes Kriterium zu erfüllen, macht zumeist weder den Autor glücklich, noch ist es eine Garantie, so erfolgreich zu werden, dass man davon leben kann. Es geht in allererster Linie darum, etwas zu schreiben, dass einem selbst gefällt! Dass dabei auch ausdrückt, was in einem selbst gerade gesagt werden möchte! Dass einen selbst als Mensch reflektiert! Dass die eigene Geschichte so erzählt, wie man sie auch woanders als auf dem bedrucktem Papier oder dem digitalen Display erzählen würde. All diese Aspekte bewusst beim eigenen Schreiben erleben zu können, bedarf jedoch der Übung; oder vereinfacht gesagt: ihr müsst schreiben, schreiben und noch mal schreiben, um besser schreiben zu können. So wie bei allen anderen Skills auch! Ich habe folglich sehr viele Texte geschrieben, die NIEMALS irgendjemand zu Gesicht bekommen wird, weil sie alle Fehler machen, die man in einem Text machen kann: sie nehmen einem die Fantasie, weil sie zu viel erklären. Sie ersticken in ihren eigenen Klischees, und hantieren mit Charakteren, die anstatt eigenständiger Figuren bloße Schablonen sind, die sich überdies nicht entwickeln. Sie mixen Genreaspekte, die man besser nicht mixen sollte. Sie arbeiten mit Deus Ex Machina und Zufällen, die ich keinem Serienautor heute noch abnehmen würde. Und so weiter und so fort. Jeder Mensch, der sich mit dem Schreiben etwas ernsthafter befasst, besitzt irgendwann einen reich gefüllten Giftschrank des Unlesbaren. Und jetzt kommt auch noch KI dazu…

Was mich persönlich in diesem Zusammenhang am meisten abschreckt, ist der Umstand, dass mittlerweile Bücher auf den Markt drängen, die so offenkundig mit Hilfe der Chatbots von Large Language Models (dass, was wir blöderweise künstliche Intelligenz nennen) erzeugt wurden, dass man sich fragen muss, wann irgendjemand endlich OpenAI und dieses ganze andere Tech-Bro-Geschmeiß aus den Faschistischen Staaten von Amerika so derbe zu Rechenschaft zieht, dass sie für den Rest ihres Lebens beim Scheißen Schmerzen haben… Die haben Texte geklaut – und tun dies immer noch – und ihre kackfreundlichen Algorithmen verwursten und verunstalten die Textfragmente, mit denen man sie “trainiert” hat auf so grauenhaft uninspirierte Weise, dass man sich ehrlich zu wünschen beginnt, künftig nur noch Grundschüleraufsätze lesen zu müssen! Die wurden wenigstens von einem Menschen geschrieben. Nur noch mal zum Mitschreiben für all die Trottel, die das noch nicht verstanden haben: KI kann keine Creatio ex nihilo! Diese beherrschen nur Menschen! ALLES, was KI produziert, ist ein Mash-Up., Re-Mix oder schlicht nur ein unverschämter Klau von Dingen, die MENSCHEN ZUVOR ERSCHAFFEN HABEN! Merkt euch das – und wenn ihr ein Buch verkaufen wollt, dann schreibt es gefälligst selbst! Und nur, um das an dieser Stelle klarzustellen – ich selbst nutze auch KI. Ich habe sogar ein Bezahl-Abo. Ich nutze dieses beruflich, um Fachtexte analysieren und mir einfache repitive Aufgaben abnehmen zu lassen, bei denen es keine Probleme mit Datenschutz, Betriebsgeheimnis, Kultursensibilität und halluzinierenden Chatbots gibt. Und privat vor allem, um Bilder für meine Game-Settings im TTRPG-Hobby zu bearbeiten. So gut wie nix davon findet man dann im, eh schon überaus AI-Slop-reichen Netz wieder. Und ganz gewiss lasse ich meine Geschichten oder Blogposts, wie etwa auch diesen Text hier NICHT von KI schreiben…

Den eigenen Stil zu finden ist ein Teil dessen, was durch das stetige Schreiben-Üben quasi en passant passiert. Jeder von uns hat eine innere Stimme, die sich auf eine spezielle Art äußert. Viele dieser Stimmen mögen zuerst ähnlich klingen, aber Wortschatz, Wortwahl, Sprechrhythmus, Satzbau und -länge, humorige Anteile, Blumigkeit oder Direktheit – eben all das, was einen Schreibstil im Kern ausmacht, variiert von Person zu Person erheblich, wenn man genau hinschaut. Und festigt sich eben erst mit der Menge der geschriebenen Texte und der damit einhergehenden Erfahrung. Stil ist somit einerseits eine Frage von individueller biographischer Realität und zwangsweise ebenso ein prozessuales Konstrukt, wie die ganze (erwachsene) Persönlichkeit. Andererseits aber abhängig von beständiger Übung und reflektierter (Selbst)Kritik. In diesem Spannungsfeld emergiert etwas, dass keine Maschine bislang erreichen kann: echtes, kreatives Schreiben! Wenn dieser Text also irgendeinen Sinn hat, dann den, nicht nur nach dem eigenen Warum zu suchen (das war Part 01 dieser neuen Serie), sondern auch nach der eigenen Stimme. Erst wenn wir diese beiden Elemente für uns selbst beisammen haben, können wir uns dem eigentlichen Prozess des Schreibens zuwenden, der – und damit erteile ich dem Thema “Ratgeber” erneut eine Absage – hier aus meiner Warte beschrieben wird! Ob das irgendjemandem nutzt? Keine Ahnung. Wir werden sehen. (F)rohen Karfreitag noch…

Auch als Podcast…

Der verwirrte Spielleiter N°72 – Bedienungsanleitung?

Braucht man überhaupt eine? Als ich in das Spiel eingeführt wurde, so um den Sommer 1989 rum, da war das ein Prozess, der keinen Namen hatte; der überdies auch keinen Namen brauchte. Wir wussten nicht, was “Onboarding” ist. Es gab damals keine echten Starterboxen, die den Namen verdient hätten, keine Erklärbärvideos, keine Blogs, etc. Denn es gab kein Internet! Es gab ein paar wenige Rollenspielläden. Wenn du Glück hattest, wohntest du in der großen Stadt, wo die Wahrscheinlichkeit einen zu finden größer war. Es gab Spieler, Spielleiter und solche die – nicht durch die mangelhaften Erklärungsversuche der anderen Nerds abgeschreckt – es werden wollten. Es gab RPG-Conventions, wo man sich traf, austauschte und vor allem zockte. Und fertig! Die Welt war da recht überschaubar. Nicht nur, was Rollenspiel anging; aber ich schweife ab. Das Spiel wurde damals in Form einer Erzähltradition weitergegeben. Es gab zwar für verschiedene Systeme eine Unmenge Bücher und Kaufabenteuer, die einem Inspiration verschaffen konnten. Aber nur durch das Studium der Bücher war nicht klar, wie das Spiel funktionierte. Dazu bedurfte es stets einer Sache: Ausprobieren. Sich von den anderen, die schon spielten mitreißen lassen. Und dann dabei bleiben – oder es irgendwann ad acta legen. Ich habe neulich die recht erfrischende Erfahrung gemacht, dass jene, die schon damals zu den wahren Nerds gezählt hatten, auch heute noch dabei sind. Blicke ich auf jene Zeit zurück, so waren es die Erfahrungen in diesen vielen verschiedenen Spielrunden, denen ich beiwohnen, bzw. die ich spielleiten durfte, die meine Herangehensweise und mein Verständnis für das Spiel geprägt haben. Und wenn ich heute die Ehre und das Vergnügen habe, jemanden neu in das Spiel einführen zu dürfen, dann versuche ich vor allem jene ersten Erfahrungen zu nutzen, die ich damals gemacht habe. Denn man lernt das Spiel vor allem durch… SPIELEN. Es gibt jedoch ein ABER dazu.

Ich konsumiere heutzutage das eine oder andere Youtube-Video aus der TTRPG-Sphere; und ich muss manchmal den Kopf schütteln, wie leichtfertig so mancher Content-Creator die eigene – anektdotische – Erfahrung zur wahren Weisheit zu verklären neigt. Ich bin ehrlich verblüfft, mit welcher Anspruchshaltung manche Menschen durch die allwissende Müllhalde gurken. Und ich bemerke, dass TTRPG-Streaming zwar einerseits das Hobby neu belebt hat – auf der anderen Seite aber vielen (potentiellen) Spielern eine vollkommen überzogene Vorstellung davon vermittelt, wie es am Tisch aussehen und zugehen sollte. ICH bin weder ein professional voice-actor, noch benutze ich – bis heute! – eine echte Battlemap oder Minis. Es gibt viele Möglichkeiten, Szenarien lebendig werden zu lassen. Und… das Kämpfen ist nur EIN Teil des Spiels! Es sei denn du spielst DnD. Dann ist für so manchen der Kampf das Spiel. Viel Spaß dabei. Ja, viele TTRPGs können bis heute ihre Herkunft als “Kinder” des Tabletop-Wargaming kaum verleugnen. Wie gesagt, wenn’s den Leuten Spaß macht, bitteschön. Das sind auch die Aspekte, die man heutzutage am ehesten in Starterboxen oder im Internet findet. Optimale Subclasses und Builds für diese oder jene Charakterklasse, die zumeist auf optimalen Damage-Output ausgelegt sind, so gemäß dem Motto “Wie zerlege ich dem Spielleiter am schnellsten seine Abenteuer!” Dabei übersehen die Leute – geblendet von ihrer eigenen Powerfantasy – häufig, dass es die GESCHICHTE ist, die das Spiel im Kern zusammenhält und spannend macht. Es geht nicht darum, ob ich in der Lage bin, die Wächter des Ganghangouts in zwei Kampfrunden zu überwinden, sondern ob ich die Hinweise zusammenpuzzeln kann, warum ich überhaupt dahingefunden habe… nämlich, weil eine andere Gang mich gerade benutzt hat, um Rivalen aus dem Weg zu räumen. Das ganze Geballer und Gemetzel ist stets nur Mittel zum Zweck – um Spannung, um Drama zu erzeugen. Um dir Fragen zu stellen, die sich NICHT mit den Werten auf den Charakterblatt beantworten lassen.

Always working on something new…

Wird mein Charakter verhindern können, dass jemand anders für einen Fehler bezahlen muss, den ich gemacht habe? Werde ich einen Weg zurück nach Hause finden? Werde ich herausfinden, warum ich da überhaupt gelandet bin? Welche Rätsel warten noch auf mich? All das findet man im GESPRÄCH heraus! Natürlich sind dann und wann Würfel im Spiel, wenn es um die Frage geht, ob eine bestimmte Aufgabe gemeistert werden kann. Und ebenso natürlich lauern Konsequenzen, wenn etwas nicht klappt. Wenn ich mir bei neuen Spieler*innen etwas wünschen dürfte, dann wäre dies, dass sie Freude daran finden, sich in ihren Charakter hineinzuversetzen, um zu denken und zu handeln wie der Charakter – und mit den Konsequenzen ihres Tuns und Lassens umzugehen, wie ihr Char es tun würde. Das man dabei jemand anders sein kann, der über völlig andere Mittel zur Konfliktbewältigung verfügt, ist dabei aber nur ein Reiz des Spiels! Ein anderer ist die Übernahme anderer Rollen; also so tun als ob und “was-wäre-wenn”-Fragen beantworten. Doch das alles lernt man nur am Modell. Durch zu- und abschauen. Durch selber machen (scheitern inclusive). Durch Kommunikation und Interaktion. Denn Rollenspiel ist im Kern, wenn man den ganzen Regelcrunch mal wegpellt, ein soziales Spiel, dass sich nur im DIALOG realisieren kann. Im MITEINANDER! Ich habe neulich irgendwo auf Youtube jemanden gesehen, der sich darüber mockierte, dass die neue DnD-Starterbox den Spieler*innen nicht erklärt, wie das Spiel funktioniert. Und ich verstehe seinen Ansatz, dass potentielle Neulinge auf Grund der medialen Präsenz von “Stranger Things” und “Critical Role” und den ganzen anderen DnD-Apologeten dann über diese Starterbox stolpern mögen und dort hinsichtlich dieser Frage enttäuscht werden. Ich glaube jedoch auch, dass die Box, selbst wenn sie manche Dinge besser erklären würde, das Erlernen der Erzähltradition durch andere Nerds kaum ersetzen könnte; denn dazu braucht es die anderen Nerds. Braucht es also eine “Bedienungsanleitung” für TTRPGs? Ja, sicher – aber keine geschriebene. Auch wenn viele Rollenspielbücher dies heutzutage versuchen. Für mich geht nichts darüber, von einem erfahrenen Nerd mit offenem Geist an Bord geholt zu werden. In diesem Sinne – always game on!

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°58 – Ich bin erstaunt!

Ich hatte in der abgelaufenen Woche zugleich die Bürde und das Privileg, einer Klasse, die gerade ins zweite Lehrjahr kommt einen ersten, dennoch tiefgreifenden Einblick in eine nicht ganz leichte Kost geben zu dürfen: psychosoziale und psychiatrische Notfälle im Rettungsdienst. Mit Blick auf meine eigene diesbezügliche Krankheitsgeschichte war mir dabei allerdings ein Mü unwohl; was ich übrigens auch gegenüber meinem Therapeuten erwähnte. Er meinte jedoch, dass jemand, der selbst betroffen sei, aus einer Perspektive maximaler Glaubwürdigkeit agieren könne. Ich kann, auch wenn ich heutzutage sehr oft andere Aufgaben übernehme, sehr wohl unterrichten. Doch es gab ein paar Aspekte, die mir Kopfzerbrechen bereiteten. Zum einen musste ich, weil mal wieder mit viel zu wenig Zeitressourcen ausgestattet, auf die Materialien eines Kollegen zurückgreifen. Die habe ich zwar für meine individuellen Dozentenbedürfnisse umgestrickt, dennoch steckte auch darin noch viel Arbeit, denn man muss, sofern man anderer Leute Content nutzt, den Stoff trotzdem selbst noch einmal so tief durchdringen, dass man zumindest die meisten Fragen – ja auch die ungewöhnlichen – ohne große Umschweife beantworten kann. Okay… challenge accepted. Ein zweiter Punkt war ein recht umfangreicher Vortrag zum Thema Depressionen… und einer zum Suizid. Mir wurde einmal mehr bewusst, dass Menschen, die in diesem Job arbeiten, selbst deutlich gefährdeter sind, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, als die ganzen Menschen mit Jobs, in denen man nicht mit Not, Elend, Tod und noch vielen anderen negativen Erlebnissen konfrontiert wird. Ich musste da also durch, ohne mich selbst oder meine Schüler*innen zu triggern. Und schließlich musste ich die Erwartung der jungen Leute dämpfen, hinterher wirklich in allen Situationen sofort eine Lösung parat zu haben. Daher war ich heute sehr positiv überrascht, als mir ein paar von ihnen im Plenum offenbarten, verstanden zu haben, dass ein Hauptzweck der Übung vor allem in der Sensibilisierung für eine Materie bestand, deren Betroffene uns NotSans im Umgang sehr viel Geduld abverlangen, deren soziales Stigma inclusive aller möglichen Vorurteile nach wie vor enorm präsent ist. Und denen helfen zu können oft genug durch ein hierin lausig schlecht aufgestelltes Gesundheitswesen, zumeist mangelnde medizinische Selbstkompetenz und das Störfeuer Dritter verhindert wird.

Ich durfte feststellen, dass die Selbstreflexion, die ich stets während meines Unterrichtes einfordere hier stattgefunden hat. Vielleicht, weil ich an einigen Stellen zumindest versucht habe, auch auf mögliche eigene Betroffenheit einzugehen. Vielleicht, weil der eine oder die andere auch über eigene Erfahrungen verfügt. Vielleicht, weil es erst die erste Woche des Schulblocks war. Da ist man meist noch reativ frisch im Kopf. Ganz gleich, welchem Aspekt ich das zuschreiben möchte – aus meiner Sicht war die Woche damit ein voller Erfolg. Wir haben viel Wegstrecke gemacht und keine Motivation vernichtet. Wären meine Arbeitswochen immer so, wäre ich vermutlich letzthin nicht in ein so tiefes Loch gefallen. Doch da ich meine zeitlichen, emotionalen und kognitiven Ressourcen stets zwischen verschiedenen Baustellen aufteilen muss, anstatt mich auf eine bewusst konzentrieren zu können, bleibt mir diese Genugtuung allzu oft verschlossen. Daher feiere ich das jetzt gerade ein wenig. Ulkig ist im Zusammenhang mit dieser Woche im Lehrsaal übrigens der Umstand, dass eine der Schülerinnen mich irgendwann fragte, was das immer für komische Bilder wären, mit denen ich meine Präsentationen oft einleite? (Ja, damit bin ich ertappt: ich benutze Powerpoint(c). Ich versuche allerdings, meine Präsentationen nicht als diese, so weit verbreiteten Textwüsten zu gestalten, welche der Frankfurter Allgemeinen alle Ehre machen würden…) Ich sagte ihr sinngemäß, dass ich wohl relativ häufig ein paar Schritte zu weit dächte und meine Metaphern daher vielleicht nicht für jeden Betrachter funktionieren würden. Das ist der eine Teil der Wahrheit. Der andere: Präsentationen, die nur mit unserer Coporate Identity daher kommen, sehen für mich einfach stinklangweilig aus. Ich möchte ja beim Präsentieren auch Spaß haben. Dennoch möchte ich mir hier kurz die Mühe machen, zu erklären, was ich bei der Auswahl einiger Fotos gedacht und gefühlt habe:

Und damit sei euch ein schönes Wochenende gewünscht!

Auch als Podcast…

Writing Fiction #01 – …where to begin?

Gleich vorneweg: einen Roman schreiben, einen Essay schreiben, einen Blogpost schreiben und ein TTRPG-Abenteuer schreiben, sind vier vollkommen unterschiedliche Dinge. Das eine sucht nach Antworten auf eine spezifische Frage, oder versucht, dem Leser dabei behilflich zu sein, für sich selbst die richtige Frage (oder Antwort) zu finden. Und bedient sich dafür einer logischen Struktur, die (hoffentlich) für Dritte nachvollziehbar ist. Unterhaltsamkeit mag hier ein Bestandteil sein – muss aber nicht unbedingt; das ist der Essay (“essayer” aus dem Französischen für “versuchen” mag einen Hinweis auf den Zweck solcher Texte geben.). Der Blogpost hingegen ist ein freies Medium: er kann ein Essay sein, ein Rant, ein Listicle, eine Selbstreflexion… oder wasauchimmer. Meine Schreibe hier zeigt das, wie ich glaube, recht anschaulich. Alles von den vorgenannten kam hier schon mal vor. Ich kennzeichne das auch nicht. Leser sollen das ruhig selbst herausfinden. Ein TTRPG-Abenteuer ist, so wie die meisten Blogposts eine eher kurze Textform. Zumindest, so wie ich das betreibe. Ich beschreibe in aller Regel “nur” wichtige Non-Player-Characters (NPCs), wichtige Locations, wichtige Gegenstände. Im heutigen Mainstream wird NPC gerne als negativ konnotierte Bezeichnung für Nebendarsteller im Leben des Protagonisten genutzt – der Protagonist ist man natürlich immer selbst! In meiner Wahrnehmung sind NPCs jedoch eigenständige Persönlichkeiten mit Zielen, Motivationen, No-Gos, Gefühlen… halt wie richtige Personen. Ähnliches gilt auch für die anderen u.U. wichtigen Bestandteile des Abenteuers. Denn im Pen’n’Paper entsteht die Geschichte durch die – oftmals unvorhersehbare – Art und Weise, in der die Spielercharaktere mit dieser Welt und den eben genannten Elementen darin interagieren. Ich kann ein und das gleiche Abenteuer mit drei verschiedenen Gruppen spielen und es wird drei Mal unterschiedlich ablaufen und ausgehen. Was aber bedeutet, dass ich mir über die Story vorher weniger Gedanken machen muss. Ich habe vielleicht eine vage Idee, wohin der Zug fahren KÖNNTE. Die muss aber nicht eintreffen. Der Roman hingegen ist hinsichtlich der Frage nach einer erzählten Geschichte ein GANZ ANDERES BIEST. Denn ich muss – durch die Augen eines Erzählers all das, was für den Verlauf wichtig ist greifbar machen. Und das am Besten auf eine Weise, die für die Leser*innen – kognitiv, vor allem aber auch emotional – nachvollziehbar bleibt…

…is paar Jahre her. Wir haben alle Fehler gemacht, die im Buch standen und noch ein paar mehr! Trotzdem war – und ist es immer noch – eine ziemlich geile Erfahrung!

Um diesen Prozess des Roman-Schreibens soll es hier in der Hauptsache gehen. Nun gibt es da draußen schon eine Menge YouTube-Kanäle, Blogs, etc., die ihr Geld damit verdienen, Menschen erklären zu wollen, wie man einen möglichst erfolgreichen Roman schreibt – oder auch mehrere. Content-Creator, die realistisch betrachtet versuchen, ambitionierten Hobby-Autoren eine (ihre) “Hit-Formel” aufzuoktroyieren; die jedoch zumeist lediglich eines schafft – Einheitsbrei! Denn, wann immer ein “junger” Autor (das Adjektiv bezieht sich hier bewusst auf die Dauer der Autoren-Karriere, nicht das Lebensalter der Person dahinter) anfängt, von einer ersten Veröffentlichung zu träumen, wird er/sie auch recherchieren, was andere vor ihm/ihr getan haben, um dieses hehre Ziel zu erreichen – vom Schreiben leben zu können! Ich träume davon auch – gelegentlich und nur sehr verhalten. Weil ich weiß, dass selbst die größten und bekanntesten Romanciers oft von Glück und Zeitgeist abhängig waren. Erst, wenn der eigene Name eine Marke geworden ist, verkaufen sich die Bücher dauerhaft gut. Und an diesen Punkt kommt so gut wie keiner von denen, die es versuchen! SO GUT WIE KEINER! Egal, wie viele Ratgeber-Videos sie sich anschauen mögen. Denn der Content wird heutzutage von den Lektoren nach Verkaufbarkeit durch Massengeschmack kuratiert. Deshalb wird das hier auch keine Ratgeberreihe. Sondern ein nachdenklicher Blick auf Prozesse. Auf Kreativität und Textarbeit. Auf Vorbereitung und Improvisation. Auf Mut und Angst. Auf Flow und Blockade. Auf Inspiration und Resilienz. Denn auch, wenn viele sich zum Schreiben berufen fühlen mögen, reflektieren die Wenigsten wirklich das WARUM. Aber das WARUM steht am Anfang jedes Textes! Ich setzte mich heute Vormittag an diese Tastatur und begann diesen Text zu schreiben, weil ich etwas zu sagen habe. Ich gebe einen Einblick in meine Erfahrungen, Ideen, Quellen. Jedoch nicht mit dem Anspruch, das irgendjemand das wichtig oder nachahmenswert finden muss. Mir genügt das Wissen, dass irgendjemand es nützlich finden KÖNNTE. Denn ich WEISS mit Gewissheit um den Wert meiner Worte. Aber oft – und dieses Geständnis bereue ich nicht – weiß ich bei den ersten Tastenhüben noch nicht, wohin mich der Text tragen wird. Denn ich denke ebenso gerne mit der Tastatur, wie mit dem Stift. Ich ergründe meine eigenen Emotionen und Kognitionen, während die Worte schon auf den Bildschirm oder die Notizbuchseite fließen. Was sich gut anfühlt – weil das WARUM klar ist.

Wenn ich also einen Roman zu schreiben beginne, dann gibt es einen Grund, warum DIESE Geschichte erzählt werden will. Das ist MEIN WARUM. Ob dieses Warum irgendjemanden berührt, oder nicht, ist zunächst völlig einerlei. Natürlich bin ich nicht frei von dem Wunsch, dass auch Andere meine Texte gut finden mögen; so viel Eitelkeit muss dann schon sein. Aber sehr oft genügt mir die Befriedigung, mir etwas von der Seele, von der Brust, aus dem Kopf geschrieben zu haben, einfach, weil es an der Zeit dazu war. Und das Gute daran ist, dass ich mir damit reichlich Übung verschaffe, denn beim Schreiben ist es so – man wird nur besser darin, wenn man es dauernd tut. Ich schaffe pro Jahr einige Hundert Seiten Text in unterschiedlichsten Genres – gewiss nicht so viel, wie professionelle Autoren, die damit tatsächlich ihr Geld verdienen. Aber ich schaffe diese paar Hundert Seiten (manchmal auch mehr) seit JAHRZEHNTEN. Will heißen – ich habe meine 10.000h bis zur Skill-Perfection zumindest theoretisch schon lange zusammen. Doch beim Schreiben gilt man – wie bei so vielen anderen Dingen auch – fälschlicherweise nur dann als Meister, wenn man einen gewissen Grad an Bekanntheit erlangt hat; oder damit Kohle verdient. Das ist mir aber wirklich und ehrlich einerlei. Ich möchte Menschen durch meine Texte kognitiv und emotional berühren; und es ist mir ziemlich Wumpe, ob es viele oder wenige sind, die ich so erreiche. Solange ich irgendjemandem etwas Gutes mitgeben konnte, habe ich mehr geschaffen, als viele Andere in ihrem ganzen verdammten Leben! Und ich WEISS, dass meine Schreibe schon den einen oder anderen Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, vielleicht auch zum Weinen gebracht hat. [EXKURS: Ich weiß übrigens auch, dass es Menschen gibt, die meine – auch verbal verfügbare – Wortgewalt fürchten, weil sie sich in ihrer Autorität bedroht fühlen. Denen kann ich nur sagen: hört mir einfach zu, denkt WIRKLICH über meine Worte nach und versteht, dass ich niemandem was Böses will. Ich will einfach nur in Ruhe meinen Job machen dürfen! EXKURS ENDE] Ob die Feder wirklich mächtiger ist als das Schwert, wird wohl die Geschichte entscheiden müssen. Aber wenn es nach mir ginge, so brächte meine Feder vielleicht den einen oder anderen dazu, das Schwert niederzulegen und etwas vernünftigeres mit seiner Zeit anzufangen. Mich würde es jedenfalls freuen. Vielleicht würde so jemand anfangen, nach seinem WARUM zu suchen…? Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Was, schon so lange…?

Beziehungen sind etwas höchst kompliziertes. Insbesondere, wenn sie zeitlich signifikant über eine hitzige Nacht und ein genuscheltes “…aber der Kaffee war okay…” hinausgehen. Ich meine, wenn man sich – vor allem in den Unterhaltungsmedien – aufmerksam umsieht, wird einem da sehr häiufig ein völlig unrealistisches Bild der Dinge gezeichnet. Da ist von ewig währender Verliebtheit über absurde Personen-Konstellationen und unmögliche Schwüre bis hin zur Selbstaufgabe einer beteiligten Partei alles dabei, was eine Beziehung u.U. richtig ungesund macht. Und nur, um das gleich vorweg klarzustellen: ich habe weder ein Patentrezept noch irgendeine geheime Formel. Warum die beste Ehefrau von allen und ich auch nach Jahrzehnten immer noch ein Paar sind, ist uns beiden selbst zwar nicht ganz so schleierhaft, wie externen Beobachtern. Aber ich darf hier versichern, dass weder Magie, noch Geld oder irgendwelche Leichen im Keller eine Rolle spielen. Wenn irgendetwas als ausschlaggebender Faktor für den “Erfolg” unserer Ehe – was auch immer das sein soll – gelten darf, so ist es die richtige Mischung aus Nähe und Distanz. Aus Neugier und Ignoranz. Aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Aus Reden und Schweigen. Und vielleicht noch aus manchem mehr, denn Langzeitbeziehungen sind wie ein Tanz, bei dem Takt, Tempo und Instrumentierung immer wieder wechseln.

…unter Mistelzweigen…?

Nähe und Distanz dynamisch wechseln zu können, wenn man entweder einander oder aber seine Ruhe, bzw. etwas Quality-Time mit anderen Menschen braucht, ist eine Kunst. Denn nicht immer wird auf den ersten Blick klar, was gerade angesagt ist. Manchmal muss man auch erst für sich selbst herausfinden, dass man genau jetzt für sich (oder mit anderen) sein möchte, anstatt mit dem “significant other” irgendwas zu unternehmen; oder auch nur Zeit zu verbringen. Herauszufinden, in welche Richtung es gerade geht, bedarf der Neugier. Wer nicht fragt, bleibt dumm sagt schon die Sesamstraße. Manche vergessen das wohl. In jedem Fall bleibt man stets dazu aufgerufen, neugierig auf seine*n Partner*in zu bleiben. Denn wir verändern uns im Laufe des Lebens auf vielfältige Weise. Interessen kommen und gehen. Bekanntschaften und Freundschaften kommen und gehen. Auf beiden Seiten. Das zu akzeptieren, brauche ich manchmal auch Ignoranz; und zwar im Sinne eines nicht immer auf kleine Fehler, Probleme, Macken eingehens, sofern diese keine signifikante Bedrohung darstellen, sondern lediglich nervtötend sind. Anfangs mögen es die Unterschiede sein, die uns aufeinander anziehend wirken lassen. Doch auf Dauer sind es Gemeinsamkeiten, die den Kitt einer Beziehung bilden – aber eben, wie alles andere auch, dem ständigen Wandel des Lebens unterworfen sind. Wir kommen also um das Reden nicht herum. Aber auch, wenn Kommunikation natürlich der Schlüssel zum Erfolg bezüglich sehr vieler Aspekte des Lebens ist, kann Schweigen die bessere Lösung sein. Herauszufinden, wann ich reden und wann besser schweigen sollte, bleibt allerdings über die gesamte Lebensspanne (einer Beziehung) hinweg eine kritische Aufgabe, die mitnichten immer erfolgreich gemeistert wird… Manchmal ist der schlimmste Gegner von gut gemacht eben gut gemeint.

So gehen die beste Ehefrau von allen und ich manchmal auf doch sehr unterschiedlichen Hochzeiten tanzen – im übertragenen Sinne, denn geheiratet hat in unserem Umfeld schon eine Weile keiner mehr. Doch auf Grund divergierender Interessen, unterschiedlicher Arten, die eigene Kreativität auszuleben und eines nicht immer auf eitel Sonnenschein gepolten Geistes brauchen wir beide gelegentlich Freiräume, Zeit für uns selbst, Ruhe. Genauso, wie wir auch Nähe, Austausch und gemeinsame Aktivitäten brauchen. Aber alles zu seiner Zeit. Und vielleicht ist ein weiterer Aspekt, dass ich zumindest stets versuche, meinen fair share an der Carework zu erledigen. Zu meiner Schande muss ich gestehen: nicht immer so umfänglich, wie ich wohl sollte. Aber ich bleibe dran! Blicke ich zurück, so sehe ich, dass wir uns beide mehrfach sehr grundlegend geändert haben. Durch die Geburten unserer Töchter. Durch einschneidende berufliche Veränderungen. Durch die Erkenntnis, dass die menschliche Psyche ein fragiles Konstrukt sein kann. Durch Erfahrungen mit Menschen von früher, die wir einst Freunde genannt hatten; aber auch durch Erfahrungen mit neuen Menschen, die wir heute Freunde nennen. Und durch das Nachsinnen über das, was dies alles mit uns gemacht hat. Unten am Fluss hat jemand auf einen Container ein Tag mit einem Symbol und zwei Textfragmenten gespayed: “Temet Nosce” – “Erkenne dich selbst!” und “Panta Rhei” – “Alles fließt!”. Mir fallen kaum passendere Worte ein, um diesen Text zu beenden… außer vielleicht die Bitte an jene, die dies lesen mögen, in ihren Beziehungen stets offen für das Neue und neugierig auf die Veränderung zu bleiben – in der Welt, in uns selbst und in unserem Gegenüber. Auf bald.

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°57 – …warum eigentlich noch?

Ich ertappe mich in letzter Zeit immer häufiger bei dem Gedanken, dass meine Arbeit nicht wirklich eine Wirkung zeigt – oder wie man auf Neu-Denglisch sagt: keinen Impact hat. Nun ist der “Impact” von Bildungsarbeit aber auch reichlich schwer zu messen. Ich habe immer wieder gesagt, dass man mit den Kennzahlen aus der Betriebswirtschaft hier nicht allzu weit kommt. Weil Bildung zwar uno-acto verzehrt wird, jedoch zumeist ihre tatsächliche Wirkung erst mit erheblichem Zeitverzug entfaltet. Zumindest in der beruflichen Bildung ist das so. Ob wir den Azubis durch unser pädagogisches Handeln Recht getan haben, zeigt sich nicht wirklich im Moment des Examens. Weil ein Staatsexamen eine – notwendig alles verzerrende – Momentaufnahme ist, die manchmal so gut wie nichts über jene Entwicklung aufzeigt, die eine bestimmte Person in drei Jahren Ausbildung gemacht, oder eben auch nicht gemacht hat. Über die eigene Verantwortung für den Bildungserfolg habe ich hier schon häufiger gesprochen. Wir haben es dabei trotzdem mit Einflüssen durch Tagesform, durch unterschiedlichste mentale Blockaden, durch äußere Umstände zu tun, auf die man oft nur wenig Einfluss nehmen kann. Als Prüfender kann ich nur versuchen, bestmögliche, faire Bedingungen zu schaffen – und dann ist es trotzdem immer noch schwierig, dass Ergebnis von drei Jahre Arbeit durch 10 Einzelprüfungen sichtbar machen zu wollen. Doch die Verwaltungsjuristen sagen, dass man das so machen muss, weil alles andere nicht rechtssicher abbildbar wäre. Ich wage zu widersprechen, aber das interessiert halt keine Sau. Und so schließt sich der Kreis zum eingangs Gesagten – denn ich vermisse den Impact, den machen zu können ich irgendwann aufgebrochen war. Jedoch nicht nur, weil es mir nicht gelungen ist, an den rechtlichen Rahmenbedingungen nennenswert etwas zu ändern, oder Innovationen zu platzieren. Sondern vor allem, weil ich das Gefühl gewonnen habe, dass auch die Subjekte meines pädagogischen Handelns oft gar kein Interesse haben, sich auf meine Bemühungen einzulassen. Und von den struktur-organisatorischen Knüppeln zwischen den Beinen will ich gar nicht wieder anfangen. In der Hölle schmoren sollen die ganzen Arschlöcher, die gute Arbeit mit Gewalt kaputtzumachen versuchen.

Klare Struktur… eine wahre Wohltat…?

Ich weiß nicht recht, wie ich das sagen soll, aber… irgendwie fehlt mir die Motivation, mich wieder in die Bütt zu stellen und im Lehrsaal zu arbeiten. Selbst der Umstand, dass es sich um eines meiner Herzensthemen handelt, dass ich demnächst darstellen soll, vermag im Moment kaum, meine Melancholie zu unterdrücken. Wenn man immerzu da sitzt und sich nur fragt, ob es eigentlich überhaupt irgendjemanden gibt, den man positiv beeinflussen konnte, auf seinem Weg vorangebracht oder wenigstens ein wenig geholfen hat, wird es schwer. Früher, da wusste ich immer relativ genau, ob ich jemandes Leben berührt hatte. Als Rettungsassistent und später Notfallsanitäter kam ich so unmittelbar an Wohl und Wehe anderer dran, dass es manchmal schwer zu ertragen war. Aber es war auch… ja, regelrecht schön zu wissen, dass man hatte helfen können. So wie es einen auf der anderen Seite immer wieder gefordert hat, wenn man nicht zusammen mit dem Team und dem Patienten als Sieger vom Platz gehen konnte… in beiden Fällen war die Erfahrung DIREKT. Aber heute? Ja, heute tue ich viele Dinge, bei denen mir häufig völlig unklar ist, ob sie überhaupt eine Rolle im Gesamtgefüge spielen, einen Unterschied machen, irgendwem irgendetwas bringen. Man nennt das wohl einen Verlust an Sinnhaftigkeit – und natürlich korreliert das mit meiner Depression, die es sich aktuell noch ein bisschen bequemer gemacht hat und mit einem subjektiv unendlichen Vorrat Chips und Popcorn ausgestattet auf der Couch in meinem Hinterkopf lümmelt und mir dabei zuschaut, wie ich verzweifelt versuche, mich selbst wieder auf die Reihe zu bekommen. Aber… was ist das überhaupt, dieses mystische “sich selbst auf die Reihe bekommen”, “mit sich klarkommen”, “sich mal zusammenreißen”, pipapo…? Findet man das im Wald, oder gibt’s das auf Rezept in der Apotheke?

Ich stelle diese Frage hier übrigens nicht rhetorisch, oder als Stilmittel für eine spannende Textstruktur! Ich habe wirklich keine Antwort darauf. Nur das verdammte Gefühl von Leere! Und den unbedingten Wunsch, an dieser höchst unbefriedigenden Situation alsbald etwas verändern zu können. Es ist ja auch nicht so, dass ich so unfassbar tief im Jammertal der Tränen stecken würde, dass nichts mehr geht – ich fühle nur einfach nichts mehr von dem, was ich tue. Ich gehe halt roboten. Ich performe täglich – immer noch auf erschreckend hohem Niveau – auch wenn ich am liebsten schreiend davonlaufen würde. DAS konnte ich schon immer gut. Es sind nach wie vor die Dinge, die ich in meiner Freizeit tuen kann, die mich irgendwie über Wasser halten. Nur ab und zu habe ich positive Erlebnisse im Job, die mich wieder aufbauen. Kleine – manchmal auch größere – Siege. Veranstaltungen, die richtig gut laufen und bei denen die Teilnehmenden mir etwas Gutes zurückgeben. Herausforderungen, die ich überwinden kann. Und Anfechtungen, die ich kalt lächelnd abwehre. Und doch – richtig feiern kann ich das alles im Moment nicht. Ich würde mich in meiner Arbeit gerne mal wieder so richtig über etwas freuen können! Ich bin davon überzeugt, dass mir das wirklich helfen würde. Aber ich weiß nicht, was dazu nötig ist. Und genau deswegen mache ich vermutlich immer weiter – obwohl mir das nicht gut tut – WEIL ich nach so einer Gelegenheit suche und mein Unterbewusstsein mich anscheinend immer noch glauben macht, dass ich noch irgendwem irgendwas beweisen müsste. Z, B meinen Wert. WAS DEFINITIV NICHT DER FALL IST! Denn tatsächlich kann ich – zumindest rational – meinen eigenen Wert unterdessen ziemlich genau benennen, ohne dabei ein Jahressalär als Bezugssgröße heranziehen zu müssen. Nur eben nicht emotional…

Also… warum eigentlich noch? Warum eigentlich in meiner Freizeit Unterricht vorbereiten für Menschen, die noch nicht mal das Wort “Danke” richtig aussprechen können? Warum eigentlich sich immer wieder auf Diskussionen einlassen müssen über Dinge, die glasklar sind? Warum eigentlich Menschen Rede und Antwort stehen müssen, die weder verstehen worum es in meiner Arbeit im Kern geht, noch bereit sind, sich auf meine diesbezüglichen Argumente einzulassen? Warum eigentlich sich in einen Zwirn klemmen, der die Essenz meiner Persönlichkeit lediglich verdeckt, um irgendwelchen verfickten “Konventionen” gerecht zu werden? Warum eigentlich die Anklagen von Menschen aushalten müssen, die selbst viel zu wenig für ihren Erfolg getan haben und nun Anderen die Schuld dafür geben wollen? Warum eigentlich… weitermachen? Mal sehen, was für Antworten die kommende Woche mit sich bringt. Ich kann’s kaum erwarten…

Auch als Podcast…

In the long run…

Als ich 14 oder 15 war und Wünsche hatte, die über mein damaliges Taschengeldniveau deutlich hinausgingen, verschaffte mir mein Vater die Möglichkeit, ohne große Umstände selbst Geld zu verdienen. Ich ging dann in vielen Ferienzeiten malochen, während Andere andere Dinge taten. Es ist nicht so, dass ich keine Freizeit gehabt oder mein Leben nicht genossen hätte. Ich habe nur einfach einen Teil meiner Freizeit dafür geopfert, mir etwas leisten zu können. Nix besonderes, einfach nur mein kleines Stück Freiheit. Und mit der Zeit wurde daraus eine Gewohnheit. Was dazu führte, dass ich mir manchmal Dinge leisten konnte, ohne irgendwen danach fragen zu müssen, aber oft arbeiten musste, wenn ich anderes hätte tun können. Nachdem ich dann 1993 mein Abitur gemacht hatte, ging ich erst mal wieder ein halbes Jahr jobben, weil ich meine Studien-Pläne nicht so stringent vorangetrieben hatte, wie geplant; vielleicht wusste ich im Herzen auch schon, dass ich mit Menschen besser kann, als mit Maschinen. Obschon Menschen mich gleichsam immerzu anstrengen. Also landete ich im Zivildienst; im Rettungsdienst, um genau zu sein. Eine Entscheidung, die mein Leben erheblich beeinflusst hat, denn noch heute bin ich diesem Berufsfeld treu. Wenn auch in anderer Funktion als früher. Ich arbeitete 8-, 12- und 24-Stundendienste, war nie faul, hab mich weiterentwickelt und immer wieder was dazu gelernt. Im Lauf der Jahre kamen so einige Zusatzqualifikationen dazu. Doch immer noch fühlte ich mich nicht angekommen. Ich sah, dass andere Leute vorankamen, weil sie Chefs in den Arsch krochen. Eine Fähigkeit, die ich (gottseidank oder leider) nie entwickelt habe.

Also studierte ich nebenher – allerdings ohne Unterstützung oder gar Freistellung durch meinen damaligen Arbeitgeber – Bildungswissenschaft. Der alte AG hat mir damals sogar Steine in den Weg gelegt, garniert mit den unsterblichen Worten, “dass hier keine Extrawürste gebraten würden”. Ich habe einige wenige Male in den Jahren nach einer Dienstplanänderung gefragt… Wenn also jemand wissen möchte, ob ich den Laden als Arbeitgeber empfehlen könnte? Nein! Zumindest da, wo ich war, war’s früher ein kleinkarierter Saftladen, der sich NULL um das Wohlergehen oder die Entwicklung seiner Mitarbeiter*innen gekümmert hat. Dort Menschlichkeit zu bekommen, war damals ein Abenteuer, um die Catchphrase mal umzudeuten. Ich hoffe für die Kollegen, dass es heute besser geworden ist. Schwamm drüber. Ich bin dann da weg. Als mich mein damaliger Chef nach dem “Warum” fragte, habe ich nicht wirklich geantwortet. Ich wollte einfach nur meine Ruhe. Bei meiner Antwort auf die Frage, was denn noch auf meinem Zähler stünde (12 Tage Urlaub und ca. 170h Mehrstunden, was damals eher die Regel denn die Ausnahme war) wurde er ‘n bisschen blass. War im Jahr des Wechsels ein schönes 14. Monatsgehalt. Ich schloss meinen Bachelor ab, meine Aufgaben änderten sich und ich arbeitet weiter zu viel. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, jemals weniger als 120% geliefert zu haben. Oft mit, manchmal aber auch ohne gleichwertige Vergütung. Also habe ich, während ich schon in eine neue Aufgabe mit Leitungsposition und mehr als genug Arbeit gerutscht war, noch eben ein Masterstudium in Erwachsenenbildung absolviert. Nicht in Regelstudienzeit, aber trotzdem recht erfolgreich. Die Gehaltsstufe stimmte danach dann für mein Empfinden.

Doch niemand schien in den letzten Jahren so recht ernst nehmen zu wollen, wer ich bin, was mir wichtig ist, was ich kann (und was nicht) und an welchen Zielen ich arbeite. Ich meine, objektiv könnte ich fünfe gerade sein lassen. Ich bin damals zu einem recht guten Rettungsassistenten und später Notfallsanitäter geworden. Ich war ein verdammt guter Disponent für integrierte Leitstellen. Und ich bin – ohne arrogant klingen zu wollen – ein verdammt noch mal exzellenter Pädagoge. Doch das alles steht weit hinter meinen wichtigsten Lebensleistungen zurück: seit über drei Jahrzehnten glücklich mit der besten Ehefrau von allen zusammen und überdies mit zwei Töchtern gesegnet zu sein, die mich (obwohl unterdessen 13 und 17 Jahre alt) für einen gar nicht mal so üblen Vater halten. DAS müssen die dämlichen Möchtegern-Alphamales da draußen erst mal hinkriegen! Trotzdem merke ich den Zahn der Zeit; und das dauernde, nagende Gefühl, noch irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Zeigen zu müssen, dass ich mindestens genauso gut oder vielleicht auch besser bin, als andere. Was objektiv vollkommener Quatsch ist. Ich habe überdies diese verfickte protestantische Arbeitsethik in meinen Adern, die mich erst mal liefern lässt, bevor ich etwas fordere. Die mich in aller Ruhe hinter den Kulissen tun lässt, was wichtig und richtig ist, ohne darüber viel zu reden. Ich war auch nie ein Dampfplauderer, der seine Erfolge so lange schönreden kann, bis alle es glauben und ihn befördern. Peter-Prinzip bei der Arbeit. Ist halt nicht mein Stil. Was bleibt also? Dass ich hier sitze und erkennen muss, mich nutzlos immer wieder darüber geärgert zu haben, dass man mir nicht zuhören wollte, obwohl meine Argumente gut waren (und immer noch sind). Dass andere sich meine Erfolge ans Revers geheftet haben. Das man dann – kurz vor letztem Weihnachten – geglaubt hat, mich zu irgendwas nötigen zu können.

Zum ersten Mal habe ich in dem Moment meine Zähne wirklich gezeigt. Und jetzt ist etwas zerbrochen. Etwas, dass vermutlich nicht mehr geflickt werden kann. Das ich im Grunde meines Herzens aber auch gar nicht mehr flicken will. Ich habe Grenzen aufgezeigt und, um mich selbst zu schützen, Dinge von mir gewiesen und mich frei gemacht von Aufgaben, von denen ich noch vor kurzem dachte, sie seien unverzichtbar. Doch Einfluss interessiert mich jetzt nicht mehr. Die Belange meines aktuellen AG interessieren mich nicht mehr wirklich. Meine persönliche Entwicklung interessiert mich. Und die ist zum allerersten Mal in meinem beruflichen Leben nicht mehr an 120%, an MÜSSEN um jeden Preise, an liefern und dann fordern geknüpft. Sondern an das, was MIR gut tut! Ich habe 37 Jahre lang ununterbrochen Gas gegeben – und jetzt habe ich keinen Bock mehr darauf. Ich hatte gestern geschrieben, dass ich nicht so recht aus meiner Situation könnte, ohne irgendwas zu zerbrechen, das mir wichtig wäre. Stellt sich – nach einem längeren, in Gedanken versunkenen Spaziergang am Fluss heute Morgen – raus, dass ich mittlerweile doch bereit bin. Dinge zu zerbrechen. Und es wird gewiss nicht meine Familie sein. Die Zukunft bleibt offen. ‘cos, in the long run, you always got to make new decisions upon directions. Schönen Samstag.

Auch als Podcast…

Hello darkness, my old friend… again!

Gedanken sind oft auf Kreisbahnen unterwegs. Sie sind ein bisschen so wie Karma und kommen immer wieder zu uns zurück. Aber, wie das mit Kreisbahnen so ist, manchmal dauert ein Umlauf länger. Astronomisch ist das nix ungewöhnliches. Unser nächster, weiter außen gelegener Nachbar, an dem die Menschen schon seit Urzeiten ein großes Interesse haben (für die, die’s noch nicht kapiert haben – der Mars), hat zum Beispiel eine Umlaufzeit um die Sonne von 687 Tagen. Oder knapp 1,9 Erdenjahren. Manche müssen halt aber auch mehr Strecke machen. Im Gegensatz zum Neptun ist der Mars allerdings noch recht flott. Neptun braucht für einmal rum knapp 165 Jahre. Aber zurück zu Gedanken. Die brauchen in aller Regel nicht so lange wie Planeten. Meistens. Nun bin ich aber tatsächlich über Ideen gestolpert, die ich vor knapp 9 Jahren schon hatte. Irgendwie überrascht und entsetzt es mich zu gleichen Teilen, wie aktuell diese immer noch sind. Es ging mir damals um das Gift des Dogmas und der Propaganda, welches den öffentlichen Diskurs so furchtbar toxisch hatte werden lassen. Schaue ich mich heute um, muss ich leider attestieren, dass es noch schlimmer geworden ist. Als ich diesen Gedanken hier das erste Mal formulierte war das Diktum der “Alternativen Fakten” von dieser Alt-Right-Blödwachtel Kelleyann Conway gerade frisch in der Welt. Heute schämen sich diese Drecks-Ami-Faschos im und rings um das Weiße Haus für gar nix mehr und beschimpfen, diffamieren und beleidigen einfach jeden, der ihnen zu wiedersprechen wagt. Wo sind Emmerichs’ Aliens, wenn man die mal braucht? Na ja, sich darüber noch aufzuregen ist in etwa so hilfreich, wie ein Besuch in der nächstgelegenen Confiserie für eine aktuelle Diät. Und es tut mir, angesichts meiner gegenwärtigen mentalen Verfassung auch nicht gut. Dennoch komme ich nicht umhin, andere Implikationen entdeckt zu haben, über die nachzudenken sich tatsächlich lohnt. Wenigstens für mich selbst. Ich hatte damals über den Song “Sound of Silence” von Simon & Garfunkel sinniert; zur Erinnerung hier noch mal die letzten Zeilen:

And the people bowed and prayed
To the Neon God they made
And the sign flashed out its warning
In the words that it was forming
And the sign said
“The words of the prophets are written on the subway walls
And tenement halls
And whispered in the sounds of silence"
Aus "The sound of silence" - Simon & Garfunkel 1964

Ich weiß auch nicht, warum ich immer wieder über diesen Begriff “Neon God” stolpere? Ich meine… ja, semiotisch ist es einfach zu erklären. Das Bild als symbolisches Zeichen nimmt einen Bedeutungsüberschuss gegenüber dem abgebildeten Gegenstand auf. Es geht nicht einfach um eine Neonreklame, weil diese eben ein so mächtiges, so weitgreifendes Sinnbild für alles ist, was in unserer Welt heute falsch läuft; und offenkundig auch 1964 am falsch laufen war. Sinnbild des Konsummaterialismus, der ewigen Verfügbarkeit von allem, der Macht der Äußerlichkeiten gegenüber “inneren Werten”. Eine stets leuchtende Oberfläche, die alle Verderbtheit, alle Abgründe, alle Mängel einer Gesellschaft einfach mit dem süßen Sirenengesang der Ablenkung überdeckt. Es wäre aber auch möglich, dass ich aus der Perspektive des ewigen Storytellers den Aspekt des Zeichens in der Düsternis interessant finde. Dieses tonlose Versprechen auf Trost und Sicherheit in einer Welt, die vollkommen verrückt zu werden scheint. Das Auge des Sturms, das mich vor dem frei drehenden Ende der Geschichte beschützt. Ah… wieder Francis Fukuyama, der 1989 das Ende der Geschichte prognostoziert hatte, indem er vorhersagte, dass sich alsbald überall Demokratie und Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild durchsetzen würden. Hat ja super funktioniert, Francis. Bravo, du selbstgefälliger Depp. Vielleicht hättest du mal darüber nachdenken sollen, dass sich “Das Ende der Geschichte” in jedem vergehenden Augenblick neu erfindet, da wir stets verwirrt und ängstlich auf die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde starren müssen. Ein wenig dekonstruktivistische Demut, so ein kleiner Hauch echte postmoderne Philosophie hätte deinem Denken ganz gut getan, Francis. Aber was weiß ich kleiner Wicht schon. Außer dass kein Begriff nur negativ oder nur positiv konnotiert ist. Bedeutung ist, was wir durch unsere Interpretation immer wieder neu daraus machen. An jedem gottverdammten Tag sind wir dazu aufgerufen, nicht nur das Ende der Geschichte sondern auch uns selbst neu zu erfinden. Und über allem leuchtet der Neon God höhnisch und fragt mich: “Was soll es heute, sein mein kleiner zerdenkender Freund: Existenzialismus? Nihilismus? Dekonstruktivismus? Irgendwas anderes…?” Und ich schaue verzweifelt die Zeichen an und weiß es nicht. Zumindest nicht oft…

Letzthin habe ich mich dafür entschieden, das Zeichen nur als Zeichen sehen zu wollen und mich einfach der Kreativität zu widmen. Etwas Whatever-Punk, wenn Punk doch für mich stets der Begriff für den Versuch des Ausbruchs aus konventionellen Denkmustern, Verhaltensweisen, normierter Subsistenz war. Ich bin also kreativ, habe – wie so oft – eine andere Form von Punk für mich entdeckt und lasse meinen Ideen freien Lauf. Es gibt im Moment nichts, was ich sonst tun könnte, um meine Situation zu verbessern. Das Englische kennt einen Begriff für mein derzeitiges Gefühl: “stuck in a rut”. Gefangen in einer nervtötenden, mich nicht erfüllenden, meine Kräfte aufzehrenden Routine, aus der ich derzeit keinen Ausweg sehe, der nicht irgendwas zerbrechen würde, was mir wichtig ist. Also geht es vorwärts. Immer nur vorwärts. Also schaue ich hoch zu meinem Neon God, der momentan aus Genre-Filmen zu mir herunterleuchtet – und ich erschaffe: ein neues TTRPG-Setting. Buchideen. Alles Mash-Up und Remix bereits vorhandener Geschichten. Denn alle Geschichten existieren ja schon. Und doch ist diese Re-Creativity so viel besser als meine sonstige (Arbeits)Realität. Also halte ich daran fest. Denn auf nur spärlich durch Neon erleuchteten Straßen, im Schatten der steinernen Türme, am Boden einer neuen Stadt lauern neue Geschichten. Willkommen im Wochenende.

Auch als Podcast…