Writing Fiction #03 – …what to write?

Manchmal sind es eher kleine Wahrnehmungen, die größere Prozesse auslösen. Es gibt ja immer noch jede Menge Menschen die echt glauben, dass Inspiration etwas von Gott Gegebenes ist – und dass nur gewisse Menschen überhaupt Inspiration haben oder bekommen. Das ist völliger Quatsch, denn jede*r kann von den Wahrnehmungen, die er oder sie macht zu allem möglichen (aber auch zum unmöglichen) inspiriert werden. Das passiert manchmal völlig unerwartet, basiert aber stets darauf, dass wir uns mit unseren Ideen auch bewusst auseinandersetzen. Theoretisch steckt tatsächlich in jedem von uns eine Geschichte; es macht aber einen Unterschied, ob man sich regelmäßig mit dem Erzählen beschäftigt, oder nicht. Es macht auch einen Unterschied, womit ich mich sonst so den lieben langen Tag beschäftige. Schließlich macht es einen Unterschied, ob ich meine Wahrnehmung trainiere; Leute die blind durch ihren Alltag laufen werden wesentlich seltener von (guten) Ideen heimgesucht. Ich werde hier jetzt bewusst NICHT anfangen, berühmte Beispiele für Inspiration zu zitieren, weil es niemanden irgendwohin bringt, wenn er/sie sich dem Versuch hingibt, die Umstände zu reenacten, die irgendeine*n berühmte*n Autor*in jene Ideen finden ließen, die sie/ihn schließlich stinkreich gemacht haben. Denn, wir müssen alle verstehen, dass das, was für EINEN Menschen super funktioniert hat, bei anderen Menschen vielleicht nur ein Schulterzucken oder ein müdes Lächeln erzeugen wird. Wir alle haben unsere höchst eigenen Ideen-Quellen. Was jedoch jene, die regelmäßig inspiriert erscheinen von den vorgeblich uninspirierten unterscheidet, sind die Arbeit und Disziplin, welche in die Schöpfung zu investieren wir bereit sind – oder eben auch nicht.

Ich meine… ich selbst etwa habe neulich eine, für mich höchst faszinierende Idee dadurch gewonnen, dass ich auf Youtube eine kurze Doku über den Entstehungsprozess des Filmes Metropolis angeschaut hatte. Es dauerte vielleicht einen Tag und ich war voll in einem Schaffensprozess, weil ich plötzlich eine klare Vision von einer ganzen Welt vor Augen hatte, in welcher sich einerseits Motive der Filmhandlung spiegelten, andererseits aber auch das Filmemachen selbst Part einer größeren Geschichte sein würde. Und das klingt jetzt vielleicht für manche so, als wenn mir das dauernd passieren würde; als wenn man einfach nur eine Doku auf Youtube schauen müsste und BAMDIBAM – IDEE! Doch dies ist nicht der Fall! Ich hatte in den Monaten davor immer wieder viele, höchst verschiedene Ideen gewälzt und ich schreibe – wie hier bereits klar geworden sein dürfte – dauernd an irgendwelchen Konzepten, weil eine bloße Idee NICHT gleich eine Inspiration ist, aus der ein Konzept wachsen kann, welches eine ganze Geschichte zu tragen vermag. Also hatte ich, nachdem mich hier die Muse geküsst hatte, erst Mal eine Weile intensiv recherchiert, weil in den Untiefen meines Gedächtnisses vor allem visuelle Versatzstücke aus anderen Medien umher trieben, die mir instinktiv zu der Ursprungsidee zu passen schienen. Doch diese wiederzufinden und genau zu prüfen, kostete mich Zeit, Ich musste demnach erst mal eine Weile forschen und lesen, um diese alten Bilder wieder greifbar machen und mehr Stoff zusammentragen zu können. Dann musste ich schreiben, redigieren, korrigieren. Doch am vorläufigen Ende steht nun eine halbwegs reife Ausarbeitung eines neuen Pen’n’Paper-Settings (incl. angepasster Regeln), der ich überdies die Konzepte für einen weiteren Roman verdanke. Aber… vielleicht sollte ich erst mal eine der zwei unfertigen Geschichten beenden, oder…?

Was die vorangegangene Beschreibung zu illustrieren versucht, ist einerseits nicht weniger, als der, für jede*n von und notwendige und völlig individuell strukturierte Annäherungs-prozess an die Verdichtung einer bloßen idee zu einem Konzept – und der folgenden Arbeit, daraus dann ein Produkt zu machen, sofern das Konzept denn überhaupt dazu taugt; also, wie zuvor schon gesagt in der Lage ist, eine Geschichte zu tragen. Wir reden ja schließlich immer noch über das kreative Schreiben, nicht wahr. Es ist jedoch andererseits auch der beredte Hinweis, dass wir manchmal nicht kontrollieren können, wann und wodurch uns die wirklich guten Ideen kommen; dass wir jedoch gut beraten sind, mit dem Inspirations-Flow zu gehen und so viel Energie und Zeit wie notwendig zu investieren, um verstehen zu können, ob da gerade tatsächlich eine der wirklich guten Ideen angeklopft hat, die es wert ist, weiter verfolgt zu werden. Komme ich entlang des Weges zu der Auffassung, dass es eher doch nur ein dämliches Hirngespinst ist, kann ich das Ganze immer noch ad acta legen und mit anderen Dingen weitermachen. Doch wenn Faszination und Flow mich tragen, dann arbeite ich solange daran, bis diese Idee weitgehend fertig in einem Konzept konsolidiert ist, an dem ich zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt weiterarbeiten kann, weil alle essentiellen Parts schon existieren. Im Lauf der Zeit formiert sich durch diese Arbeit in uns eine individuelle Sensitivität für Ideen, die uns zielsicher immer wieder bei bestimmten Genres, Erzählfiguren, Charakteren, etc. landen lässt. Wir haben alle unsere Vorlieben – und die machen sich auch in unserer Kreativität bemerkbar.

WAS ich schreibe, ist folglich durch meine Wahrnehmung, meinen Geschmack, meine Sozialisation, oder anders gesagt meine Biographie zumindest informiert. Ich würde nicht von festgelegt sprechen wollen, da wir uns im Laufe des Lebens ja immer wieder für neue Dinge begeistern können; zumindest, sofern wir uns dies gestatten. Und ja – nicht jede*r Mensch bleibt hier im gleichen Maße kognitiv rege, interessiert und mental flexibel genug, um das Neue, Unbekannte, Andere begrüßen oder begreifen zu können. Ein hoch geschlossenes Weltbild macht einen folglich nicht zu einer kreativeren Person, sondern bewirkt eher das Gegenteil. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum über-konservative Menschen (Neo-Nazis, Nationalisten, Chauvinisten, Rassisten, etc.) so wenig kreativ und innovationsfähig sind. Für mich ist das Verschließen vor dem Anderen jedenfalls keine Option, weil es meine Kreativität behindern würde. Und weniger Kreativität macht für mich das Leben weniger lebenswert. Nun hat auch der dritte Teil Bedingungen des Schreibens untersucht. In Teil Vier werden wir dann endlich über den eigentlichen Prozess sprechen, wenngleich ein paar Dinge schon durchgeschienen sein mögen. In diesem Sinne noch einen schönen Samstagabend.

Auch als Podcast…

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