Ein revolutionärer Akt…?

Einen Hügel auf verschlungenen Pfaden hinunter zu gehen, ist keine Revolution. Einen Hügel in einem Sessellift hinaufzufahren eigentlich auch nicht. Es sei denn, man hat wie ich Höhenangst und macht es trotzdem. Okay… der Begriff “Revolution” mag übertrieben sein; nennen wir es lieber ein Aufbegehren. Ein Aufbegehren gegen die eigenen Grenzen. Einen großen Schritt aus der eigenen Komfortzone hinaus in die wahre Welt, die sich einen Dreck darum schert, wie es uns gerade geht, ob wir immer noch im Rahmen definierter Parameter funktionieren können, oder ob wir einverstanden sind mit dem, was gerade rings um uns herum passiert. Manchmal braucht es ein Symbol, um begreifen zu können, dass wir all dem trotzdem nicht ausgeliefert sind. Dass unsere Taten – genauso wie unser Unterlassen – ihre Wirkung entfalten; nur bei weitem nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Für mich ist der Sessellift ein solches Symbol, weil er mich daran gemahnt, dass wir so gut wie immer die Wahl haben, uns unseren Ängsten zu stellen, anstatt unser Leben von Ihnen bestimmen zu lassen. Sich einer einzelnen Phobie zu stellen, mag für viele Menschen da draußen jetzt nicht nach irgendeinem Erfolg klingen, doch mich kostete es endlose Überwindung, aus der bloßen Idee eine Handlung zu generieren – und ohne die beste Ehefrau von allen, wäre ich unterwegs wahrscheinlich trotzdem schreiend aus dem Sessel gesprungen. Ich darf hier und jetzt versichern: das ist nicht passiert und wir sind hinterher ganz manierlich den Hügel wieder runterspaziert… okay, gefühlt eher gekraxelt, denn der Fußweg zu Tal war doch recht uneben. Keine Sprünge – keine Verletzungen.

Nun hat diese Handlung für mich Symbolcharakter gewonnen, die für die meisten Anderen keine nennenswerte Herausforderung darstellt, weil sie meine Angst nicht teilen. Aber was ist mit den Dingen, den Sachverhalten, die diesen anderen Menschen vermutlich Angst machen? Finden die den Mut, sich dem zu stellen? Haben die dabei auch Hilfe? Und was ist, wenn sie sich dem nicht stellen? Wird dann aus dem retrospektiv betrachtet doch leicht zu bezwingenden Hügel irgendwann ein unüberwindlicher Berg? Was ist, wenn wir gar nicht mehr nur über Ängste reden, sondern über Überzeugungen, die nicht aus Wissen, sondern im Gegenteil aus Gefühlen, Unwissen und vielleicht auch Manipulation entstanden sind? Und die dazu führen, dass man Menschen hasst, die einem objektiv betrachtet nichts getan haben? Ach… das ist doch ein viel zu weit hergeholtes Gedankenspiel. Kann man sich ja gar nicht ausmalen, dass Menschen lieber nach jemandem suchen, den sie für ihre Situation beschuldigen und hassen können, anstatt nach Lösungen für die Probleme zu suchen, die ihnen derzeit subjektiv das Leben sauer machen. Es ist doch vollkommen unrealistisch, dass Menschen sich derart von ihren Ängsten und Vorurteilen vereinnahmen lassen, dass es ihnen nicht mehr möglich ist, zu erkennen, dass das Gegenüber auch nur ein Mensch ist, der lediglich nach einem Weg durch dieses miese Spiel namens Leben sucht…? Im krassen Gegensatz zu mir begreifen diese Menschen es vermutlich als revolutionären Akt, ihren blinden Hass auf einen Wahlzettel zu erbrechen, anstatt sich die Frage zu stellen, ob es nicht vielleicht doch sinnvoll sein könnte, sich mit den tatsächlichen Problemen unserer Zeit wie dem Klimawandel, den Hitzeschäden und unseren gesamtgesellschaftlichen Antworten darauf zu befassen, anstatt dem Gefühl nachzugeben, dass wenn ich jemanden wähle, der mir die 30er des vergangenen Jahrhunderts verspricht, ich die “gute alte Zeit” zurückbekomme, in der alles einfacher war…?

Es gab und gibt keine “gute alte Zeit”. Und dereinst wird man festgestellt haben, dass sich auch in der Zukunft keine “gute alte Zeit” verbarg. Man wird aber wissen, dass, wenn man seinen unreflektierten, unherausgeforderten Ängsten folgt und die 1930er wählt, man die 1930er bekommt – inklusive politischer Säuberung, Jagd auf alle die anders aussehen, die Welt anders wahrnehmen, anders glauben, anders lieben. Wer die Diktatur wählt, weil seine Angst ihm angeblich den Weg zum klaren Denken versperrt, kann trotzdem nicht von der Schuld für das freigesprochen werden, was dann unausweichlich folgen wird. Sie – die AfD – haben es angekündigt. Sie wollen auf die Gräber der Anderen – die sie hassen wollen, weil sie sie einfach nicht verstehen können – pissen, auf diesen Gräbern tanzen. Gräbern, die sie selbst ausheben werden! Aber selbst, wenn es sich so anfühlt, als wenn die Angst manche unserer Taten diktieren müsste – wir haben IMMER die Wahl, ob wir der Angst nachgeben; oder ob wir uns unseren Ängsten stellen und versuchen, herauszufinden, ob das, was uns Angst macht denn wirklich so schlimm, so bedrohlich, so unmöglich aushaltbar ist? Um zu der Erkenntnis gelangen zu können, dass genau das NICHT der Fall ist. Es mag einem den Puls hochtreiben – aber sich dem auszusetzen, was einem Angst macht, oder was einem nicht passt führt eigentlich immer dazu, dass man sich selbst etwas eingestehen muss, nämlich die Begrenztheit der eigenen Wahrnehmung. Es gibt immer mehr zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu erfahren, zu verstehen. Wenn man es nur zulässt. Denjenigen, die noch unentschlossen sind sage ich Folgendes: Tut mir einen Gefallen morgen und macht euer Kreuz nicht bei den Blauen, weil ihr euch vor etwas Unbekanntem fürchtet oder etwas Neues nicht versteht! Dafür gibt es bessere Lösungen. Wir hören uns bald wieder.

Und denen, die so oder so die AfD wählen, weil sie davon überzeugt sind, die neuen Herrenmenschen zu sein: fahrt zur Hölle, dreckiges Faschistenpack und nehmt dabei alles mit, was auch nur im Entferntesten an euch erinnert! Hass gebiert Hass – Gewalt gebiert Gewalt. Wir werden euch jagen, denn mit den Intoleranten kann es KEINE Toleranz geben!

Auch als Podcast…

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