Happy new… whatever…

Das alte Jahr endete, wie bei verdammt vielen anderen Menschen auch, durch das ausdauernde Überbacken mit Käse. (Fast) Alles ist mit Käse überbacken besser; der Genuss ethyltoxischer Getränke half aber auch ein bisschen dabei. Das neue Jahr begann, wie bei vielen anderen Menschen auch, wie Tage eben beginnen: aufstehen, frischmachen, anziehen, frühstücken, etc. Der Unterschied zwischen dem Leben am 31.12.xx und dem am 01.01.xx besteht im Datum – allein im Datum! Neujahrsspaziergang, Restevernichtung am Mittagstisch, und exzessives, Wohlstandsverwahrlosung zelebrierendes Gammeln rundeten das Programm sorgsam ab. Soweit im Südwesten nichts Neues.

Raclette der Stufe 3… es hat nicht alles auf den Tisch gepasst.

Ich war morgens zu früh aufgewacht. Mitnichten das, nach derartig käsigen prandialen Detonationen durchaus erwartbare Albdrücken trug jedoch daran Schuld. Vielmehr hatte der Gedankenzirkus unversehens geöffnet; und der Zirkusdirektor meiner privaten Hölle gab eine To-Do-Listen-Galavorstellung. Am 01.01 gegen 06:40 kann ich auf sowas echt verzichten. Es gemahnte mich daran, dass ich für ’22 viel auf dem Zettel habe. Vielleicht zu viel? Ich weiß es nicht. In dem Moment wirkte es allerdings so einschüchternd, dass ich mit einem Schweißausbruch da lag und gerne spontan in ein anderes Universum gewechselt wäre. Selbst Bogenschütze in der ersten Reihe in Helms Klamm wäre in Ordnung gewesen. Wie das mit SOLCHEN Wünschen halt so ist – ich blieb genau da liegen, wo ich war. Und durfte weiter meinen, sich eintrübenden Gedanken nachhängen.

Wir neigen immer in den ungünstigsten Momenten dazu, uns selbst zu martern; und zwar, weil Entspannung oft dafür sorgt, dass unser Gehirn anfängt, nach weiteren Gefahren zu suchen. In unseren Schlafzimmern gibt es nun aber nur in sehr seltenen Fällen noch Säbelzahntiger (und noch seltener greifen uns diese physisch an). Und weil wir heute zu wenig physisch existenzielle Gefahrenquellen haben (warum gehen Menschen wohl Bungee-Springen, Fallschirmspringen, Downhill-Biken, etc….?), werden dann die Dinge greifbar, die wir (unserer Wahrnehmung nach) nicht gut, nicht gut genug, oder sogar gar nicht hinbekommen haben – könnte ja zu Problemen in unserem privaten oder Jobumfeld führen! Und schreiben uns die Schuld natürlich immer selbst zu, damit das schlechte Gefühl auch schön mächtig bleibt. Dass objektiv Manches einfach deshalb liegen bleibt, weil wir weder vier Arme, noch 48h-Tage zur Verfügung haben, gerät dabei zumeist aus dem Blick. Zumal diese Marter ja für andere auch durchaus nützlich ist. Was würden unsere Chefs denn ohne Mitarbeiter machen, die bei unerledigten Dingen Scham empfinden.

Ich möchte an dieser Stelle mal eine Lanze für das Nicht-Schaffen brechen. Wir leben in einer Zeit, in der Arbeitsverdichtung, zumindest in manchen Gewerken, keine Ausnahme mehr bleibt, sondern vielmehr die Norm geworden ist. Sich selbst eingestehen zu können, dass es JETZT gerade zuviel ist, sollte von den Anderen als Zeichen der Stärke, nicht der Schwäche wahrgenommen werden. Meine Mitarbeiter und ich haben in den letzten Monaten diesbezüglich (subjektiv) jedes Limit gerissen. Woran ich tatsächlich niemand speziellem die Schuld geben könnte – oder wollte! Ich habe es allerdings offen nach außen kommuniziert. Mal schauen, wie die Nachlese dazu ausfällt. Ich kann an dieser Stelle allerdings zwei Dinge ganz klar sagen: ich schäme mich für nichts! Und ich sehe auch nichts, dass man mir vorwerfen könnte – mit der möglichen Ausnahme, dass ich nicht früher personellen Entsatz besorgen konnte. Aber das der Markt schwierig ist, hatte ich ja prophezeit.

Ich rede immer wieder davon, dass ich meine Prioritäten neu sortieren möchte. Im Großen und Ganzen habe ich das getan. Letztlich gibt es da gar nicht so viel, was man bedenken muss: die existenziellen Bedürfnisse moderner Zivilisationsmenschen (Unterkunft, Sanitäranlagen, Essen, Kleidung, etc.) müssen gestillt sein; insbesondere, wenn man Verantwortung für seine Familie trägt. Alles, was der so genannten “Selbstverwirklichung” dient, ist (so bitter das jetzt auch klingen mag) disponibel, nachgeordnet. Da ich meine abhängige Lohnarbeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht aufgeben kann – und, zumindest zu einem gewissen Anteil auch noch nicht aufgeben möchte, weil sie spannend ist – um meinen bekloppteren Ideen nachzugehen, werde ich wohl noch eine Weile Sklave der Notwendigkeiten sein. Wäre ich allein auf der Welt, sähe das tendenziell anders aus. Wie’s auch laufend wird – ich stelle fest, dass meine Energie langsam aber sicher zurückkehrt. Und mit Hummeln im Arsch kann es eigentlich nur besser werden. Vielleicht sogar gut. Denn, um noch einmal ein wahrhaftiges Bonmot zu Wort kommen zu lassen: “…wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!” Wir hören uns…

Auch als Podcast…

Countdown to Christmas #3

Hab ich übrigens mal erwähnt, dass ich Nerd bin? Also, so ein richtiger, Sci-Fi und Fantasy abfeiernder, Pen’n’Paper-Rollenspiel betreibender, manche abseitige Dinge des Lebens durchforschender Erz-Nerd und Alt-Gothic? Nun…, falls das bisher noch nicht erwähnt worden sein sollte (muhahahahaha…) – es ist einfach wahr! Und als solcher bin ich – selbstredend – natürlich auch Anime-Fan. Seit ca. 1990. Da war es noch sehr schwer, an diesen Stoff zu kommen. Ein paar Jahre später, als “Cowboy Bebop” dann rauskam, war Anime schon zu einem weithin bekannten Phänomen geworden; und der Konsum dieser Cartoons, mit ihrer, streckenweise durchaus gewöhnungsbedürftigen Dramaturgie und Optik, nichts allzu ungewöhnliches mehr. Ich müsste vermutlich nicht erwähnen, dass der Anime “Cowboy Bebop” hinter mir im Regal steht. Was viele andere Fans jetzt vermutlich verwundern wird, ist jedoch der Umstand, dass ICH über das frühzeitige Absetzen der Live-Action-Adaption auf Netflix enttäuscht und auch ein bisschen traurig bin.

Dass unterschiedliche Medien unterschiedliche Erzählstile fordern, habe ich an anderer Stelle schon mal ausgeführt. Dennoch möchte ich mich selbst an dieser Stelle zitieren: “An dieser Stelle ein kurzer Exkurs für all Jene, die sich immer wieder mit solchen Sätzen wie den Folgenden hervor tun: “Das Buch war viel besser als die Verfilmung!”, “So hatte ich mir meinen Lieblingscharakter überhaupt nicht vorgestellt!”, “Die haben die gute Geschichte ruiniert!”, “Das kam SO doch gar nicht im Buch vor!”, “DAS hätten die aber auch zeigen müssen!”. Kommen solche Bemerkungen bekannt vor? Nun das dürfte daran liegen, dass ein Buch und ein Film bzw. eine TV-Serie zwei vollkommen unterschiedliche Kunstformen sind, und auch dann nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben müssen, wenn sie die gleiche Geschichte behandeln. Beim Buch kann man sich die beschriebenen Orte, Personen und Sachverhalte in seinem Kopf so ausmalen, wie man Lust hat. Beim Film haben der Regisseur, Produzent, Setdesigner und die Schauspieler zusammen ihre Version der Geschichte entwickelt, um diese dann in Szene setzen und dem Zuschauer präsentieren zu können. Beide Vorgänge involvieren die Phantasie, nur dass beim Film die Phantasie Anderer in den Vordergrund tritt. Zumindest tut sie das vordergründig. Auch eine visuelle Erzählung kann allerdings die eigene Vorstellungskraft anregen. Man sollte also eine [neue] Verfilmung als eine andere Weise betrachten, wie die Grundgeschichte interpretiert werden kann. Dann kann man sich unnötig Atemluft verschwendendes Verfilmungsbashing schon von vorn herein sparen – zwei VERSCHIEDENE Kunstformen! Klar soweit…?”

Nun ist es so, dass eine Anime-Serie als Live-Action-Serie adaptiert wurde. Und man kann den Machern sicher so manches vorwerfen, aber sicherlich nicht, dass sie das Original nicht präzise studiert hätten. Und sie haben es zitiert. Aber eben nicht Wort für Wort. Denn dann wäre das Erlebnis sicherlich repititiv und redundant gewesen. Was ICH gesehen habe, war eine Adaption, die das Ur-Werk mit seinen unfassbar vielen eingebauten Gags, Schrullen, Anachronismen, und vor allem seiner, eher an die – uns oft fremd vorkommenden – kulturellen Gewohnheiten des fernöstlichen Publikums adaptierten Dramaturgie und Bildgestaltung sehr ernst nimmt; und dabei die Geschichte dennoch an einigen Stellen anders aufrollt. Man könnte einige der Action-Szenen als lahm charakterisieren. Man könnte sich darüber aufregen, dass Daniella Pineda als Faye Valentine nicht die ganze Zeit halb nackt rumrennt (oder aber, sich freuen, dass die Kostümdesignerin der völligen Objektifizierung des weiblichen Hauptcharakters einen Riegel vorgeschoben hat). Man könnte dieses und jenes am sonstigen Produktionsdesign bekritteln, und kommt trotzdem nicht zu dem Punkt, der viele andere eigentlich stört: man hat den Anime nicht eins zu eins verfilmt. Aber, wie verf***t langweilig wäre DAS denn gewesen? Was mich am meisten stört, ist allerdings, dass solche Produktionen heutzutage bereits lange vor dem Erscheinen totgeredet und totgeschrieben werden, weil viele Menschen offensichtlich mittlerweile glauben, irgendwelche “Kritiker” könnten besser beurteilen, was MIR gefällt, und was nicht! Das sind auch nur Menschen – und die meisten davon sind Feuilletonisten, weil sie für etwas ernsthafteres oder wichtigeres nicht getaugt haben! ICH hätte mehr von dieser Adaption gefeiert!

Warum ich über sowas Belangloses im Countdown bis Weihnachten rede? Ganz einfach: weil ich von den “schweren” Themen die Schnauze voll habe! Was gibt es denn zum Zustand unserer Welt und dem Fortgang der Pandemie noch großartig zu sagen, was Andere nicht schon gesagt hätten? Und noch dazu manche von denen sogar weit stärker, wortgewaltiger und treffender, als ich das je könnte. Wem Cowboy Bebop – egal, ob als Anime, oder als Live-Action – zu seicht, zu strange, zu bunt, zu wild, zu zahm, zu blöd oder zu sonstwas ist, sei Folgendes gesagt: es ist ein arschgeiler Ritt durch verschiedene Genres, der die üblichen Themen einer Heldenreise (Liebe, Eifersucht, Gier, Hass, Sucht, etc.) incl. Katharsis auf erfrischende Weise neu zitiert. Sci-Fi sei innovativer als Fantasy, haben irgendwelche Honks mal behauptet. Dem gehe ich die Tage auch noch nach. Einstweilen jedoch kann ich sagen, dass ICH anscheinend mal wieder eine vollkommen andere Show gesehen haben, als 90% der sogenannten “Kritiker” da draußen. Dann bin ich ich halt doch das Kind, das irgendwie anders ist – der NERD eben. Macht nix. Ich werde den Rest des Tages damit zubringen, rauszufinden, ob das Boostern bei mir auch knallt. Denn Heiligabend muss ich fit sein. Peace! Out!

Auch als Podcast…

Schreiben ist Leben!

Um es gleich vorweg zu schicken: für mich ist mein Schreiben auch (aber nicht nur) ein Vermittlungs-Prozess zwischen meinem ES und meinem ÜBER-ICH. Für diejenigen, welche mit Freud nicht so vertraut sind: das ES, das sind unsere Triebe, unsere Instinkte, unsere irrationalen, nicht prämeditierten Bedürfnisse; vielleicht könnte man bei verschiedenen Gelegenheiten auch sagen: unsere niederen Dämonen. Das ÜBER-ICH hingegen ist jene Sicherungs-Instanz, welche durch die Sozialisation, Erziehung, Imitationslernen zu jenem moralinsauren, ewig rationalen, erhobenen Zeigefinger erwächst, der unseren niederen Dämonen den Spaß verderben möchte; oder anders formuliert: unser innerer Kerkermeister. In der Mitte zwischen den niederen Dämonen und ihrem Kerkermeister sitzt der ärmste Tropf von allen: unser ICH, also jener fluide Prozess der ewigen Gleichgewichts-Suche, den wir gerne als Persönlichkeit bezeichnen; und von der wir fälschlicherweise so gerne annehmen, sie sei stabil… Tja, dumm gelaufen. Die Sicht ist hier bewusst dramaturgisch verzerrt und ironisch überspitzt, denn ganz so einfach ist es nun doch nicht. Aber für den Zweck dieses Posts mag diese Beschreibung vorerst genügen…

Ich fing an, über diese Fragen nachzudenken, als ich mit der Lektüre des abgebildeten Buches begann (ich bin noch nicht fertig, ist ein ganz schöner Wälzer…). Die Autorin stellt, unter Berücksichtigung verschiedener Perspektiven, Schreiben als einen Akt dar, der einerseits in die kreative Sphäre eingebettet ist, andererseits aber auch der Verwertungs-Logik des Marktes unterworfen wird; sofern man denn überhaupt an den Markt geht. Meine diesbezüglichen Erfahrungen sind ambivalent. Einerseits ist es schön, von einem größeren Personenkreis als der eigenen Familie oder den nahen Freunden rezipiert zu werden. Andererseits macht man relativ schnell die Erfahrung, dass man in den anderen Menschen den Bewertungsreflex auslöst – und selbstverständlich ist es für dieses mühsam kultivierte Pflänzchen names “Selbstwertgefühl” ein waschechtes Waterloo, wenn man dann die ersten (unvermeidlich) weniger schmeichelhaften Kritiken bekommt. Denn wie so vieles andere auch, sind die Meinungen über literarische Produkte Geschmackssache.

Es ist mir wichtig, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass ich die häufig angeführte Distinktion zwischen Hochkultur (und damit klassischer Literatur) und Populär-Kultur (und der damit assoziierten Trivila-Literatur) riesengroßen Käse finde. Nicht etwa, weil mir die Klassiker öde wären, sondern weil Kultur (wie schon so verdammt oft gesagt) ein fluider Prozess ist, ein dynamisches System, eine Verstetigung des Wandels, die damit im Kern ihres Seins jedweder ewig verehrenden Zurschaustellung von Kulturartefakten widersprechen müsste; aber wer bin ich schon… Ich ziehe es vor, jedwedes Kulturprodukt im Kontext seines Entstehungszeitraumes betrachten zu wollen. Damit entfällt auch ein nicht unerheblicher Teil dieser Wokeness-Debatten als unnötig, selbstreferentiell und arrogant. Wo “Kunstwerke” zur Stigmatisierung oder Benachteiligung beitragen, müssen diese immer kritisch kommentiert werden. Aber dächte ich den Wokeness-Gedanken in seiner heutigen Darreichungsform konsequent zu Ende, dürfte es auch keine kritisch kommentierte Ausgabe von “Mein Kampf” geben. Ich finde jedoch, dass man sich genau mit solchen Dingen bewusst auseinandersetzen sollte. Ich möchte hier an Adornos Diktum erinnern “[…] dass Auschwitz sich nicht wiederhole […]”

Ich bin weit davon entfernt, mein Schreiben als Kunst bezeichnen zu wollen, ganz sicher aber ist es ein komtemporäres Kulturartefakt. Das Publizieren in seiner Gesamtheit hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert. Manche Leute sprechen gerne von einer Demokratisierung des Literaturbetriebes, befeuert durch die wachsenden Möglichkeiten des Selfpublishings. Die Unabhängigkeit von der etablierten Verlagsbranche wird als Sieg über die Macht der Lektoren gefeiert. Ich sehe ehrlich gesagt eher eine Prekarisierung. Denn, wer Literatur verkaufen möchte (oder gar muss), um seine Existenz zu finanzieren, unterliegt plötzlich der oben bereits benannten Verwertungslogik und den (bei Bourdieu so treffend beschriebenen) Notwendigkeiten des Massengeschmackes. Und das vollkommen unabhängig davon, ob mit Verlagsvertrag, oder doch als Selbstverramscher bei einem kleinen Onlinekaufhaus mit Regenwaldnamen… Denn beim Selfpublishing mag zwar das unternehmerische Risiko überschaubar wirken – es liegt dennoch zu 100% beim Autor. Und nur die Wenigsten schaffen tatsächlich Margen, die sich lohnen. Mal davon abgesehen, dass die handwerkliche Qualität auf diesem Markt der literarischen Ich-AGs sehr inhomogen ist, und nicht selten im eher überschaubaren Rahmen bleibt.

Für mich ist es eine Mischung aus Hobby, Selbstverwirklichung, Storytelling-Übung und Ergotherapie, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ich bin kein leichtgläubiger Narr, der glaubt, dass ihm irgendwann die Verlage die Tür einrennen und alsbald danach Hollywood wegen der Filmrechte anklopft. Ich mache es zuerst, um wenigstens gelegentlich meinen inneren Kerkermeister austricksen zu können; und natürlich, weil ich irgendwann 2022 doch mal wieder was Eigenes veröffentlichen möchte, um herauszufinden, auf welchem Level ich denn nun tatsächlich stehe. Davor stehen aber noch einige andere Dinge an, die auf meiner Prioritäten-Liste höher angesiedelt sind. Wir werden sehen. Und wir lesen uns…

Auch als Podcast…

#zimbocompodcast

Die Gedanken treiben lassen…

In Anbetracht der gegenwärtigen Lage ist es Zeit, sich eines Zitates von Mark Twain zu erinnern: “Mensch: das einzige Lebewesen, das erröten kann. Es ist aber auch das einzige was Grund dazu hat.” Ich werde der Angelegenheit hier nur einen Paragraphen widmen, weil alle Argumente ausgetauscht, alle notwendigen Diskussionen geführt und alle sinnigen Angebote gemacht sind: WER BIS JETZT AUS EIGENEM ANTRIEB, UND OHNE JEDE MEDIZINISCHE NOTWENDIGKEIT FÜR SICH ODER FAMILIENMITGLIEDER DIE IMPFUNG GEGEN COVID VERWEIGERT, IST EINE ASOZIALE ARSCHTROMPETE! Ende der Durchsage! Wenn sich irgendjemand dadurch beleidigt fühlt, darf er mich gerne blocken oder sonstwas. Geht mit den Zwiebeln spielen, Schwurbler. Euch braucht eh keiner! Nachdem das nun für mich ein für alle Mal geklärt wäre – now to something completely different…

Wir steuern, einmal mehr, vollkommen unverschuldet auf Weihnachten zu. Auch hier hat die Politik nichts getan: Spekulatius und Lebkuchen gab’s schon im September. Das ist ja fast noch kränker, als diese öffentlichen Besäufnisse namens “Weihnachtsmarkt”. Vom Sodbrennen wegen des Glühweins mal abgesehen, dieses Jahr auch aus anderen Gründen Schwachsinn, da hin zu gehen. Wenn ich in Stimmung kommen will, schmücke ich meine Bude, und trinke selbstgemachten Glühwein. Ist eh besser. Scheiß auf das Sodbrennen. Aber auch andernorts ist der Konsumwahn auf vollen Touren. Heute ist dieser nervtötende, seit Wochen angekündigte Black Friday und ich frage mich immer noch, was diese Scheiße soll? Kriegen die Leute denn nicht mit, dass die Einzelhändler über das dritte und vierte Quartal langsam die Preise anheben, damit es zu Thanksgiving dann aussieht wie ein Schnäppchen?

Ich las heute auf Zeit Online ein Interview mit Gerald Hüther, diesem nervtötenden Neurodingensbummens, der immer meint, zu allem seinen Senf dazugeben zu müssen, Er könnte ruhig mal bei Würstchen bleiben, aber dieses Mal hat er zumindest einen halbwegs soliden Punkt gemacht: Konsum ist psychologisch wie eine Sucht. Seine Begründung ist abgedroschen (bei ihm findet immer alles zwischen Nucleus Accumbens, Amygdala und mesolimbischem System statt), die Folgen sind jedoch in der Tat real: je mehr man hat, desto mehr will man! Zumindest gilt das für einen nicht unerheblichen Teil der Menschen. Und, wenn ich mich mal so in meinem Büro umschaue, dann gebe ich zu, dass ich auch nicht unschuldig bin. Ich rede mich ja immer damit raus, dass ich Neues ausprobiere, und vieles in meinem Home-Office sich mittlerweile um Content-Production dreht. Was bedeutet, dass ein gewisser Professionalitätsanspruch auch gegenüber meinen Werkzeugen besteht. Zumindest in der Theorie.

Ich bin kein Streamer oder Youtuber. Jedenfalls nicht im klassischen Sinne. “Let’s Play” wäre bei meinen miserablen Reflexen vermutlich auch eher langweilig anzusehen. Ich produziere kommentierte Präsentationen und How-Tos für meinen Job, die Ausbildung von Rettungs- und Notfallsanitätern*innen. Ich blogge und gerne möchte ich auch wieder öfter podcasten. Ich habe zwei Argumente, die jedenfalls für mich alle anderen schlagen: Arbeitsergonomie und Wohlfühlen. Ich stehe einfach gerne an meinem überarbeiteten Tisch, um kreativ zu werden (natürlich sitze ich auch gerne dran, aber allein diese Wahl zu haben…). Nach meiner Wahrnehmung braucht es bestimmte Umgebungsparameter, um überhaupt kreativ werden zu können. Zum Wohlfühlen gehört dabei für mich die Ruhe. Diese Ruhe, wenn niemand einfach so in dein Büro gelatscht kommen kann. Unbezahlbar für meine Produktivität.

Und doch hadere ich natürlich mit meinem Konsum. Einerseits kann man sagen, ich habe die Binnenkonjunktur anheizen geholfen und somit zur Stabilisierung unserer Wirtschaft beigetragen. Andererseits habe ich meinen CO2-Footprint wieder angeheizt. Und bin selbst in die zuvor beschriebene Falle getappt. Und ich werde es nicht leugnen. Allerdings bin ich jetzt auch für den nächsten Lockdown und vermehrtes Home-Office gut gewappnet. Denn solange niemand eine Impfpflicht und einen echten Lockdown JETZT durchsetzt, wird der wieder verschleppt bis Ultimo und dauert dafür dann extra lange. Weil unsere Politiker immer noch meinen, in einer Pandemie müsse man auf die Umfragewerte, anstatt auf die Fakten achten. Was das bringt, hat die CDU (Gottseidank) gerade am eigenen Leib erfahren müssen.

Ganz ehrlich – ich bin noch nicht in Weihnachtsstimmung. Zum einen, weil der Stress nicht abreißt. Und zum anderen, weil mein Körper gerade nicht so möchte, wie ich. Ich gehe davon aus, dass er mir damit etwas sagen will – und bin dementsprechend mal zu Hause geblieben. Irgendwie kriegt man den Laden immer ans Laufen. Was Weihnachten betrifft: es kommt, wie es kommt. Gerne mit wenigen, ausgewählten (geimpften und getesteten) Familienmitgliedern und Freunden. Alles Andere findet sich, wenn es soweit ist. Ein bisschen Konsum muss dann doch noch sein, weil es einige wenige gibt, denen ich gerne etwas Schönes schenken möchte. Herr Hüther meinte hierzu, man schenkt ja doch nur, um sich selbst gut zu fühlen; um sich an den positiven Gefühlen der Beschenkten zu bedienen. Solange das ein Handel auf Gegenseitigkeit ist, der nicht vollkommen aus dem Ruder läuft, bin ich dabei, scheiß auf Herrn Hüther. In diesem Sinne – mittlerweile ist draußen Black Friday. Gehabt euch wohl.

Auch als Podcast…

#zimbocompodcast

Storytelling Reloaded…

So lange ich mich entsinnen kann, war Geschichtenerzählen ein wichtiger Teil meines Lebens. Als Knabe war ich enthusiastisch, aber nicht sonderlich gut darin. Als junger Adoleszenter war ich selbstüberzeugt, aber bestenfalls so lala. Mit der Zeit wurde es jedoch immer besser – und ich immer kritischer. Heutzutage kann ich zumindest eine Geschichte aus dem Stehgreif hinwerfen, und sie klingt üblicherweise sogar halbwegs plausibel. Das sind allerdings immer nur Snippets of Story, also quasi Appetithäppchen des Erzählens, oder Amuse-Gueule der Dichtkunst. Es ist eine vollkommen andere Hausnummer, einen Roman zu schreiben. Hab ich schon ausprobiert. Von den vielleicht zwei Dutzend angefangenen Manuskripten (eigentlich sind es ja Tastatuskripte, denn ich schreibe nur selten viel mit der Hand, weil meine Schrift grässlich ist!) haben es immerhin drei Romane und drei Bändchen mit Episodengeschichten in Druck und unter Menschen geschafft. Und die hatten immer was mit meiner sonstigen Profession zu tun, auch wenn es sich dabei um Werke der Fiktion handelte. Zudem habe ich sie zusammen mit einem anderen Autor verfasst…

Nun ringe ich mit mir und meinen Autoren-Instinkten. Denn der kleine Urlaub am Bodensee hat meine kreativen Kanäle freigeblasen; so sehr frei geblasen, dass das ursprüngliche Schriftstück nun seine zweite Überarbeitung hinter sich hat und jetzt ca. 13 Seiten mehr aufweist. Nicht übel für drei halbe Abende am Bildschirm. Hab im Urlaub ja auch noch was anderes zu tun. Aber so sehr ich auch den Wunsch verspüre, es fertig zu bringen (und dieses Buch hat jetzt aber auch gar nichts mit meinem Job zu tun, denn es ist ein Sci-Fi-Roman), hadere ich mit dem Gedanken, es zu veröffentlichen, wenn’s dann doch recht bald fertig werden sollte. Man malt sich in seinem Kämmerlein ja immer so komische Sachen aus: dass man mal ein Buch schreibt, das dann knallt, und richtig Kohle bringt. Man kann plötzlich vom Schreiben leben, dann kommt Hollywood wegen der Filmrechte, man macht einen auf J.K. Rowling und verbringt seinen Lebensabend auf einem eigenen Weingut in der Toskana. Träume sind Schäume, oder…?

Die Meersburg

Das setzt dann solche unguten Hätte-Hätte-Kaskaden im Kopf in Bewegung, die einen nirgendwo hin führen, denn in der Regel wird das Ergebnis (m)einer Veröffentlichung bei rund 90.000 Titeln pro Jahr vermutlich eher ernüchternd ausfallen. Drum bin ich dann auch so böse und denke mir “Den Scheiß will eh keiner lesen!”, dann tut’s nicht so weh, wenn das eben Gedachte hinterher wahr wird. Aber die Hoffnung! Wie war das doch gleich noch mit den Übeln, die aus Pandoras Büchse entfleucht und über die Menschen gekommen sind…? Sei’s drum, irgendwann muss ich diese Denke überwinden, und es einfach wagen. Also ein Buch veröffentlichen, dass ich ganz alleine geschrieben habe – und in dem (so gut wie) nix über den Rettungsdienst steht. Denn ein paar kleine Seitenhiebe auf den Sparwahn im Gesundheitswesen konnte ich mir auch im Genre Science-Fiction echt nicht verkneifen. Allerdings wird es wohl noch bis nächstes Jahr dauern, denn der November und Dezember werden arbeitstechnisch noch mal heftig. Da habe ich vermutlich kaum bis keine Zeit für meine aufwendigeren Hobbies.

Staatsweingut Meersburg

Womit eines der großen Dilemmata unserer Zeit angesprochen wäre: Arbeitsverdichtung, Stress, Anforderungen vs. Selbstbestimmung, Selbstenfaltung, Sinn. Manchmal kriege ich die vielen Kontrahenten unter einen Hut, im Moment jedoch gerade mal wieder nicht; einer der Gründe, warum ich (wie schon erwähnt, mit dem Segen meiner besten Ehefrau von allen) eine kurze Flucht angetreten habe. Eigentlich hatte ich nur Wandern, Knipsen, Lesen und Chillen im Hinterkopf, als ich mir die Location ausgesucht habe. Doch das Buch “Plot and Structure” von James Scott Bell, welches neulich schon mal hier Erwähnung fand, hat mir so richtig Lust gemacht, es anzugehen. Nachdem das Manuskript fast zwei Jahre unbearbeitet und ungesehen auf dem Massenspeicher meines Desktops vor sich hin gesintert hatte, brauchte es Überwindung und einen Anstoß, damit fortzufahren. Und die Anstrengung hat sich aus meiner Sicht gelohnt. Selbst wenn Andere hinterher sagen, dass es ihnen nicht gefällt – in erster Linie werde ich es zu Ende bringen, um mir zu beweisen, dass ich auch noch was anderes kann, als im Lehrsaal den Hemden-Ständer spielen…

Blick auf die Unterstadt

Ich mag meinen Job. Und ich nehme die Herausforderungen, die er mit sich bringt immer wieder gerne an. Ebenso gerne habe ich aber auch Wochenden oder Urlaube, um mal, mehr oder weniger ungehindert mein eigenes Ding machen zu können. Mal davon abgesehen, dass ich die Gemeinsamkeiten zwischen meinen Hobbies Storytelling / Pen’n’Paper-RPG und meiner pädagogischen Arbeit schon bei mehr als einer Gelegenheit herausgearbeitet habe. Womit ich zumindest die Gelegenheit bekomme, beim Storytelling in Übung zu bleiben. Nichtsdestotrotz fiebere ich schon jetzt, da ich noch am schönen Bodensee weile, schon dem Weihnachtsurlaub entgegen. Einige Stunden davon werde ich nämlich sicher in meiner Kammer sitzen, und an einem Buch schreiben. Seid jedoch versichert, bis dahin lesen wir uns noch öfter. Das hier sind schließlich keine Romane. Ich wünsche übrigens allseits abgefahrene Allerseelen – “All Hallows Eve” á la americaine kann mir gestohlen bleiben. Gute Nacht…

Zwischenruf N°1

Um’s kurz zu machen: Thea Dorn ist KEINE Philosophin. Die Frau ist Krimi-Autorin, Moderatorin und ziemlich unpassender Weise von sich selbst überzeugt. An dieser Stelle sei betont: Richard David Precht ist auch kein Philosoph! Er ist ein ganz ordentlicher Speaker und geschmeidig lesbarer Autor populärwissenschaftlicher Titel; aber zum Format eines Habermas oder Luhmann fehlen ihm dann doch ein paar Meilen. Schwamm drüber. Wenn man sich aber, wie Frau Dorn, zu solchen Aussagen versteigt, wie in dem hier lesbaren Meme, muss man zur Einordnung einfach mal kurz wissen: DIESE FRAU IST UNWICHTIG! Ich würde mich total freuen, wenn wir endlich, nach einem Jahr, mit einem gesamtgesellschaftlichen Dialog darüber begännen, wie wir mit dem Rest des Lebens in, um und nach der Pandemie umzugehen gedenken. Der zitierte Imperativ: “Hauptsache gesund und lang sei das Leben.” ist nämlich – hätte Frau Dorn das nur mal zu Ende gedacht – nichts weiter als eine Facette des kategorischen Imperativ, auf dem unsere gesamte Rechtsphilosophie fußt… und noch einiges mehr.

Was mich daran ärgert, ist nicht die Aussage an sich. Was mich daran ärgert ist, dass man Menschen in irgendwelche Studios lädt, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, dafür aber viel Meinung. So wie Frau Dorn. Natürlich ist das redaktionelles Kalkül. Wenn ich mir ein paar hübsche Dogmatiker in die Show hole, passiert wenigstens verbal was und die Leute erkennen die Insignifikanz des Formates nicht schon nach den ersten drei Minuten. Wenigstens in der Theorie. Man könnte argumentieren, dass den Dialog (oder auch mal den Streit) über kontroverse Themen anzuheizen eine Kern-Aufgabe öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei. Stimmt auch. Nur werden hier keine gesellschaftlichen Diskurse abgebildet (sofern denn überhaupt welche stattfinden), sondern medienwirksame Säue durch’s Dorf getrieben, so dass jeder mal seine fünf Minuten zum Aufregen hat. Wahnsinn, ich hol mir mal Popcorn…

Jetzt mal im Ernst: haben wir nix besseres zu tun, als Geld, Strom, Arbeitszeit, Schminke und erwärmte Luft zu verschwenden, damit ein paar Möchtegern-Feuilletonisten ihren Scheiß in unsere Wohnzimmer projizieren können? Vermutlich schon, dass will nur keiner sehen. Es wäre einfach ehrlich, wenn man das ganze nicht als Talkrunde mit gewissem Anspruch laufen ließe, sondern als das, was es eigentlich ist – verbalen Gladiatorenkampf. Dann dürften die Gäste auch mal mit Teilen der Einrichtung werfen, das ganze hätte also im Wortsinn Schmiss und die Zuschauer bekämen, wofür sie – wenn sie ehrlich wären – wirklich einschalten: geistlose Unterhaltung durch leidlich bekannte Mitmenschoiden. Schönen Sonntag.

Unvollendeter Sommer…

Das Herz ist mir schwer, die Feder jedoch leicht, 
im Wissen dass mancher Traum bleibt unerreicht.
Ich wünschte mir manchmal, nur wenig zu wissen,
dann müsste ich nicht die Leichtigkeit missen.

Die Freiheit, die einst meinen Geist beflügelt;
von den Eisen des Lebens nun flach gebügelt.
Doch ganz gleich wer, wie, wohin und auch warum?
Wenigstens macht all dies Sinnen mich nicht stumm!
So bleibt mir die Hoffnung auf waches Denken,
auf neue Chancen das eigene Schicksal zu lenken.
zu geben, zu leben, zu lieben, zu lehren.
Diesen Dingen werd ich niemals den Rücken kehren!

Klingt dir nicht nach Vergnügen, dafür nach Bürde?
Nimm's einfach als Prüfung und trag es mit Würde!
Aber nehmen würde ich, wenn's den Anderen denn recht,
auch ein kleines Stück Glück mir - das fänd ich gerecht.

Denn für Glück, ihr Menschen, da braucht es nicht viel.
einen lauschigen Ort, gute Freunde, Zeit für ein Spiel,
Speis, Trank und Staunen, vielleicht etwas Sonne,
doch auch Zeit zur Einkehr befördert manchmal die Wonne.

Auch wenn die Verse für andere Ohren gedrechselt klingen mögen, sind sie, zumindest für mich um nichts weniger wahr. Ich wünsche euch daher ein schönes Wochenende.

Einfach mal was schreiben…

Immer wieder tue ich mir diesen grandiosen Mist an und lese in solche Self-Publishing-Romane rein. Ja, diese Amazon-online-Grabbelkiste mit plüschig-generischen Fantasy- oder Science-Fiction-Covern, die zumeist mit dem Inhalt so viel zu tun haben, wie Rizinus-Öl mit Gaumenfreude. Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein und so. Es ist mitnichten so, dass ich nicht auch manchmal mit etwas Wortstuck um mich werfe, aber was die da so treiben… Wer jemals in eine bayrische Barockkapelle gegangen ist, kann mit dem Begriff “ZUVIEL” etwas anfangen. Das wirkt immer, als sei jemand mit ‘ner Badewanne voller Zuckerguss ausgerutscht und als er die folgende Malaise besah, dachte er sich einfach: “Bisschen Blattgold drauf, dann wird das schon…”

Genauso lesen sich viele dieser Self-Publishing-Dinger. Die Alternative ist eine extrem puristische Aneinanderreihung karger Subjekt-Prädikat-Objekt-Geschosse, die ein langsames, sprachliches Stakkato erzeugen. In beiden Fällen rahmt die Sprache die reichliche Verwendung jeweils Genre-typischer Versatzstücke. Wortkarge, düstere Helden und -innen, die gute Hure, der falsche Freund, der harte, aber wohlmeinende Lehrmeister, eine ganze Welt voller Neider, geheimnisvolle Kräfte (was bitte schön ist in einem Fantasy-Roman an Magie noch geheimnisvoll?), und so weiter und so fort.

Oder aber wir finden den bemüht hippen – wahlweise konstruierenden oder aber im Versuch der Dekonstruktion stecken bleibenden – Kultur-Kommentar eines, von der Realität erschöpften Möchtegern-Intellektuellen; den vielleicht/hoffentlich irgendein Bildungsbürger im Feuilleton dann hyped, weil’s ja ganz was Neues ist. Einziger Unterschied zum Autor, auf den sich der verlinkte Artikel bezieht – der ist schon erfolgreich. Viele Andere, die so gerne mal einen Meter Regal auf einer relevanten Buchmesse mieten würden, sind das nicht – und werden es auch nie sein. Ich wahrscheinlich übrigens auch nicht. Ich bin aber auch nicht davon abhängig, vom Feuilleton gehyped zu werden. Die sind dort doch eh alle so sehr mit ihrer eigenen Wichtigkeit befasst, dass sie die Welt “as is” doch gar nicht mehr erkennen können.

Klingt bitter? Vielleicht ein bisschen. Aber was mancher Möchtergern, aber auch einige hochgerühmte Bestseller-Autor da abliefern, klingt Scheiße, reizt kein bisschen die Sinne und regt auch nicht zum Nachdenken an. Denn wenn das Feuilleton irgendwas kann, dann dieses, ab der 5. Klasse des Gynmasiums eingeübte Überinterpretieren irgendwelcher – angeblich irgendwie relevanter – Stoffe. Ich schwöre, bei allem, was mir auch nur irgendwie heilig ist: Ich habe mich damit auch befasst. Und sogar recht erfolgreich. Doch bis heute will mir nicht in den Kopf, wie viel Subtext und verborgene Bedeutung mancher in einem Stück, Kapitel, Gedicht sehen will, das vielleicht vom Autor nach einer durchzechten Nacht mal eben hingerotzt wurde, weil der Abgabe-Termin unaufhaltsam näher rückte.

Wahrscheinlich bin ich einfach nur frustriert, weil ich nicht berühmt bin; aber mal ehrlich: wer glaubt schon, dass all diese versteckten Zeichen, die mancher Mensch in manchen Büchern sehen möchte, tatsächlich vom Autor intendiert waren? Wenn wir mal von Umberto Eco absehen. Der war Professor für Semiotik. Aber wenn tatsächlich Zeichen da wären, wer sagt, dass damit auch gemeint war, was wir heute denken, dass gemeint sein könnte. Insbesondere, wenn der Text in einer anderen Kulturepoche entstanden ist. Und NEIN; auch wenn die Historiker viel über vergangene Zeiten sagen können – wie’s damals wirklich war, was zählte und was nicht, bleibt häufig sehr vage. Womit auch die Interpretation eher ein Glücksspiel bleiben muss.

Ich – so ganz für mich – glaube daran, einfach mal zu schreiben. Oh, es gibt durchaus ein Storyboard, dramaturgische Erwägungen, Hintergründe für meine Figuren, welche Motivationen und Handlungsweisen erklären. Es gibt einen Stil, den ich pflege und bestimmte Genres, die mir mehr liegen als andere. Und auch, wenn ich zu Beginn des Artikels die Zunft der Self-Publisher für ihren gelegentlichen Mangel an Innovation gescholten habe, bin ich doch vermutlich in mancherlei Hinsicht kein Jota besser. Und doch würde ich mir wünschen, dass wir endlich mit dem dauernden, zwanghaften Interpretieren aufhören könnten und einfach tun, was die meisten wahrscheinlich wollen: die Geschichten erzählen, die sie selbst gerne hören würden. Zumindest mir geht es so.

Wenn dabei ab und zu eine relevante Geschichte abfällt, die nicht nur unterhält sondern auch zum Nachdenken anregt, ist das quasi ein Bonus. Nur auf eines sollten wir achten: nicht den 28. JRR-Tolkien-Aufguss einer Heldenreise als etwas vollkommen Neues verkaufen zu wollen. Damit wäre auch mir gedient. Und sucht euch mal bessere Cover-Artists. Die müssen nicht die Welt kosten. Aber wenn Cover und Buch irgendwas miteinander zu tun haben, macht das einfach mehr her. C U…

Auch zum Hören…

The italian tales n°10

TSCHAKKA! Ich hocke im Garten vor dem Appartamento, höre Musik und haue in die Tasten. Noise Cancelling Kopfhörer haben den Vorteil, dass man sich auf die Art von Beschallung konzentrieren kann, die man wünscht. Ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt habe, aber neben Metal, Punk, Crossover, Industrial, etc. höre ich auch sehr gerne – TADA! – 80s Wave, Synthpop und so’n Kram. Könnte an meinem Geburtsjahr liegen. Oder einfach daran, dass, zumindest gefühlt, kontemporäre Künstler vor allem recyceln, was andere vor ihnen schufen. Oder ich bin einfach ein Snob, dem man nix recht machen kann. Sucht’s euch aus.

Eigentlich versuche ich mich gerade in Stimmung zu bringen, um dem Ende meines aktuellen Solo-Buchprojektes näher kommen zu können. Es ist alles da. Das Storyboard ist nachgeschliffen. Die Protagonisten funktionieren, eine erste echte Klimax hat, zumindest aus meiner Sicht, den richtigen Drive. Die Situation ist kritisch, für alle alles in der Schwebe – an Spannung sollte also auch kein Mangel herrschen. Die Figuren sind aufgestellt und alles bereit, um Schach zu bieten. Und doch… nagt der Zweifel, ob es auch für ein Matt reichen wird. Auf Seite 260 von geplanten 340-350.

Ich habe das letzte Mal ernsthaft ungefähr Ende Juni dran arbeiten können und auch mit dem Abstand von fast sieben Wochen bin ich mit meiner Schreibe sehr zufrieden. Oft ist es so; man weiß, wohin der Zug fahren soll, aber irgendwie fließt das Mana nicht. Ich hatte ehrlich gesagt auch keine großen Hoffnungen gehegt, im Urlaub groß voran zu kommen. Vielleicht, weil man andere Dinge zu tun hat. Familie, Pool, Ausflüge, knipsen, selbst was lesen und schließlich Bloggen, was das Zeug hält. Und um eine längere Geschichte zu schreiben, braucht es vor allem zwei Dinge Ruhe und Zeit. Ich kann mich bei so viel Ablenkung nicht auf meine Figuren konzentrieren, in meiner eigenen Story versinken, das vor Augen sehen, was ich in dem Moment (be)schreibe und gleichzeitig alle Handlungs-Stränge zu einem ansehnlichen Stoff verweben.

Es mag Autoren geben, die per Copy/Paste ganze Welten erstehen lassen; wenngleich diese dann auch oft etwas beliebig und blass erscheinen mögen. Ich mag meine Welt! Ich habe eine groß angelegt Pen&Paper-Kampagne auf der Basis laufen, für die ich eigens eine Modifikation meines eigenen Regelwerkes geschrieben habe. Und ich will mehr als eine Geschichte erzählen, ohne dass es sich dabei anfühlt, als wenn ich selbst alles recyceln würde (=> kontemporäre Musik und Pop-Literatur sind sich da ähnlich). Ich habe also hochfliegende Pläne und die will ich mir nicht mit einem beschissenen Debut-Roman versauen. Ist also auch ein bisschen (selbst erzeugter) Druck dahinter.

Immerhin: ich habe nicht nur das Storyboard modifiziert sondern bei der Gelegenheit auch gleich noch das für den nächsten Story-Arc meiner Kampagne entwickelt. Believe it, or not: während ich bei meinem Buch-Projekt voll digital arbeite, finden sich meine Game-Notizen in einem verdammt altmodischen, in schwarzes Leder gebundenen Moleskine. Weil gelebte Ambivalenz und kleine Anachronismen mich immer wieder auf’s Neue zum Umdenken zwingen. Portierbarkeit ist dabei durchaus gelegentlich ein Problem. Was mich auch zu etwas zwingt: nämlich ein und dieselbe Sache von mehr als einem Blickwinkel aus zu betrachten. Manchmal kommt dabei durchaus Spannendes zu Tage. Manchmal könnte ich auch kotzen, wenn ein rein digital entstandener Absatz durch meine eigene Ungeschicklichkeit im Nirvana verschwindet. Wer weiß, wofür es manchmal schon gut war…

Ich habe also das eine oder andere, worauf ich mich freuen kann, wenn ich wieder nach Hause komme, was (leider) in wenigen Tagen der Fall sein wird. Aber die Zeit, sie bleibt halt nie stehen. Auch nicht, wenn’s schöner wäre. Besonders dann nicht. Ob ich mich noch mal mit einer italienischen Geschichte melde, weiß ich noch nicht. In jedem Fall habe ich eine Menge zum Erzählen in meinem Kopf und Herzen. Und nicht alles davon passt in meine Romane, oder mein Blog. Buona notte!

Schaffensprozess

Es ist ein offenes Geheimnis, dass kreatives Arbeiten bei vielen Leuten nach ähnlichen Mustern abläuft. Den wenigsten stürmen einfach drauf los und machen etwas; vielmehr ist es üblich, sich zunächst einen Plan zurecht zu legen. Nicht, weil wir Deutschen ohne Plan nix auf die Reihe bekämen, sondern weil – insbesondere bei etwas größeren Projekten – ich am Ende weniger Probleme habe, meine losen Enden einzufangen. Zuvorderst, wenn ich komplexe Geschichten erzählen möchte, ist es immer ratsam, sich ein Storyboard oder etwas ähnliches zu machen.

Bei mir geschieht das in Form einer Tabelle, die vier Spalten enthält:

  • Charakter: Hier findet sich zu jedem Hauptcharakter, aber auch zu den wichtigen Nebenfiguren eine kurze Beschreibung, welche die essentiellen Bestandteile der Persönlichkeit kurz einfängt.
  • Schlüsselszenen: Hier umreiße ich die Momente der Geschichte, an denen ein wichtiges Treffen oder eine wichtige Veränderung eines Hauptcharakters eintritt. Und tatsächlich nur die, bei denen mir von Anfang an klar ist, dass sie für den Verlauf der Erzählung geschehen müssen.
  • Nexuspunkte: Ganz einfach; wer begegnet wem wo und warum?
  • Konflikte: Hier finden sich neben den Problemen, welche einzelne Charaktere miteinander haben auch die Beschreibung ihrer jeweiligen Motivationen, weil sich in der Abgrenzung zu den anderen Teilnehmern einer Erzählung am besten heraus arbeiten lässt, warum Protagonisten und Antagonisten tun, was sie tun.

Da hab ich also, ziemlich am Beginn meines aktuellen Projektes (und es handelt sich NICHT um ein belletristisches Werk, das sich mit Rettungsdienst befasst, soviel darf ich sagen!) eine solche Tabelle entwickelt. Sie hängt an meinem Whiteboard im Arbeitszimmer und dann und wann werfe ich auch einen Blick darauf, um mich zu vergewissern, dass ich tatsächlich noch die Geschichte erzähle, die ich zu Beginn im Kopf hatte. Und stelle fest JA und NEIN…

Einerseits bewege ich mich entlang der beschriebenen Charaktere und ihrer Konflikte. Andererseits habe ich neue Elemente angefügt und andere weggelassen, schlicht, weil die Entwicklung der Figuren dies gebot. Überdies habe ich die Geschichte um ein paar Twists und Figuren angereichert, weil sie sonst zu schnell auserzählt gewesen wäre. Ich habe versucht, meinen Stil etwas einzuschränken. Der Meister des Schachtelsatzes hat versucht, nicht zu ausufernd zu schreiben. Doch ich schaffe es nicht stringent. Weil manche Dinge sich nicht so einfach in Subjekt – Prädikat -Objekt ausdrücken lassen. Trotzdem darf man nicht zu viel beschreiben, sonst lässt man der Fantasie des Lesers ja zu wenig Raum. Und das ist es, was für mich ein gutes Buch ausmacht. So viel zu geben, dass es eine Kohärente Idee von der Welt und den Figuren vermittelt; aber eben doch so wenig, dass jeder Leser theoretisch die Möglichkeit hat, sich ein Teil dazu zu denken.

Ich habe schon öfter über diesen Bias zwischen den Kunstformen Buch und Film referiert und es bleibt dabei – was ein Leser in seinem Kopf mit meiner Geschichte anstellt, kann ich kaum beeinflussen. Wohingegen ein Film einen großen Teil dieser Fantasie-Arbeit eliminiert, weil seine Macher sie vorweggenommen haben. Damit muss man leben.

Jedenfalls muss ich für meinen Teil feststellen, dass kreatives Schreiben stets eine Eigendynamik entwickelt und dass ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, meinen Instinkten zu folgen, wann immer ich das vorbeschriebene Terrain meiner Tabelle beim Schreiben verlasse. Und ich hoffe ehrlich, dass das Ergebnis irgendjemand interessiert. In diesem Sinne, bis die Tage.