Beannachtaí na hÉireann N°12 – Keepsakes

Die Heimstadt der Lieben und meiner Wenigkeit ist ein ziemliches Durcheinander. Könnte daran liegen, dass Menschen drin leben. Könnte auch dran liegen, dass manche dieser Menschen es mit dem Thema aufräumen nicht so genau nehmen. Könnte ebensogut auch daran liegen, dass diese Menschen dauernd an irgendwas rumexperimentieren, basteln, bauen, wasweißichen. Und schlussendlich daran, dass sie aus dem Urlaub immer wieder irgendsoein Zeuch mitschleppen, dass die Funktion eines Andenkens erfüllen soll. Nun ist es nach meiner Erfahrung so, dass die allermeisten Andenken bei Erblicken am Reiseort kurz angestaunt, ja sogar angeschmachtet werden, um dann unrühmlich in eine Tüte gestopft davon geschleppt zu werden. Zunächst noch häufiger beachtet müssen sie dann aber irgendwann für die Rückreise eingepackt werden; bei UNS gibt es zum Glück ja keine Gewichtsbegrenzung für das Handgepäck – außer dem oberen Beladelimit des Fahrzeuges. Das mag anderen anders gehen. Nach dem Auspacken zu Hause allerdings werden die Sachen (mit Glück) in einem Regal zu verstauben, oder (mit Pech und wahrscheinlicher) in irgendeinem Karton zu landen, der Jahre später, wenn einen mal wieder die Aufräumwut packt, in den Müll fliegt. Ganz, ganz selten nimmt man dabei das ehemalige Objekt der Begierde noch mal zur Hand, erlebt diesen “Ach ja, damals…”-Moment… und dann fliegt es zumeist trotzdem. Eines der traurigeren Kapitel unseres heißgeliebten Konsummaterialismus’.

Natürlich entwickelt man zu einigen, ausgewählten Stücken unter Umständen über die Zeit eine besonderes Verhältnis. Aber die eigentliche Funktion, sich an einen schönen Ort, einen besonderen Tag, ein erhebendes Erlebnis erinnern zu wollen, geht zumeist in der industriell geformten Beliebigkeit der Objekte verloren. Denn irgendein 1000fach verkaufter Nippes, den ich mir in einem Souvenirgeschäft mal eben mitnehme, hat natürlich mit zeitlichem Abstand ungefähr genausoviel Bezug zu mir und meinen Gefühlen für den Ort oder das dort Erlebte, wie der Sitz in der Straßenbahn, auf dem ich morgens am ersten Tag nach dem Urlaub meinen Allerwertesten postiere. Is also für den Arsch. Ich wanderte dieser Tage durch einen reizenden Ort, ganz hier in der Nähe und selbstverständlich gibt es auch dort Shops, die sich hauptsächlich an Touris richten. Ich richtete, nachdem ich das sonstige Angebot mit der üblichen Ernüchterung studiert hatte, meine Schritte noch flugs zum örtlichen Buchhändler, ohne irgendetwas besonderes zu erwarten – und erblickte doch tatsächlich im Schaufenster ein paar gebrauchte Graphic Novels, die stante pede mein Interesse erregten. Ich hab sie für einen lachhaften Preis mitgenommen – allerdings nicht, ohne mit der reizenden älteren Dame, welche das Geschäft führt, einen netten Plausch über dies und das – und natürlich auch Graphic Novels – geführt zu haben. Das ist eine nette Erinnerung, der ich lange gedenken werde; und bei der ich nebenbei noch was über den Ort und die Leute gelernt habe. Und dass es offensichtlich noch andere Interessenten gab. Haha, zu spät, ihr Zögerlichen… 😉

Die Tage stand jemand an unserem Auto und offenbarte freimütig, dass er dereinst in unserer Heimatstadt studiert habe, aber jetzt hier lebe. Und er meinte, nachdem ich von Rundreise gesprochen hatte, die irische Kultur, dass seien nicht die alten Steine, oder die faszinierende Landschaft, sondern vor allem die Menschen, die hier leben. Natürlich ist das für jedes Land der Welt gültig, aber wenn ich eines über die Iren gelernt habe, dann, dass sie auf ihre Geschichte verdammt stolz sind und, dass das Land die Historie und die Menschen (mit)geformt hat. Und ich suche mir auch im Urlaub gerne aus, mit wem ich einen Plausch führen möchte und wem eher nicht; zu viele Sozialkontakte sind derzeit noch nicht so gut für mich. Daher sind für mich jedoch optische Zeugnisse unserer Reisen (also die vielen Fotos, die ich mache), zumindest für mich, die besten Keepsakes. Zumal sie im Zeitalter der Digitalfotografie nur dann irgendwo irgendwas anderem Platz wegnehmen, um sich als Staubfänger andienen, sofern ich mir die Mühe mache, sie auszudrucken. Das passiert zumeist nur im Kleinformat für meine privaten Journale, die ich ansonsten von Hand vollschmiere. Fallen die jemals dereinst einem Archäologen in die Hand, wird er einen Doktor der Kritzologie zum Entziffern hinzuziehen müssen. Für mich gilt, dass Andenken am besten durch einen selbst gestaltet werden und nicht durch nutzlosen Konsum. Meine Graphic Novels werde ich trotzdem genießen. Euch ein schönes Wochenende.

Beannachtaí na hÉireann N°11 – We’re in for nasty weather…

Habt ihr auch schon mal so eine Bewertung eines Urlaubsdomizils gelesen, wo jemand hart abwertet, weil das Wetter nicht so gut war, wie gewünscht? Habt ihr euch dann auch schon mal gefragt, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Person in den Himmel kommt, denn selig sind ja die, die geistig arm sind…? Als wenn mein Ferienhaus irgendwas für das regionale Wetter könnte. Aber hey, Menschoide bewerten ja auch Restaurants schlecht, weil man zu Hause das Schnitzel günstiger haben könnte. [EXKURS: Eine Bewertung soll abbilden, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung ein gewisses Qualitätsniveau hat. MICH selbst interessieren dann nicht irgendwelche Kontextfaktoren, sondern inwiefern DIESES Produkt oder DIESE Dienstleistung den gängigen Anforderungen entspricht. Und die Sternchen symbolisieren umgekehrt proportional zu Schulnoten, was Phase ist; 5 Sterne sind also eine 1+, ein Stern eine 5 (also mangelhaft). Und ein “Mangelhaft” hat etwas nur verdient, wenn das Ding selbst die Anforderungen nicht hinreichend erfüllt. Nicht jedoch, wenn der Paketbote dumm ist, oder der Händler teurer als andere, oder ich von einer Sache etwas erwarte, was diese Sache PER DEFINITIONEM nicht leisten kann. EXKURS ENDE]. Wir – also meine Lieben und ich – sind ja nun derzeit in Irland, spezifisch im County Kerry, also an der südwestlichen Spitze der grünen Insel. Hier hat es – dank des Golfstroms – das mildeste Klima; allerdings ist es ebenfalls die regenreichste Region des Landes. Sowas weiß man übrigens, BEVOR man irgendwo hinreist. Ich hatte mich also NICHT auf einen Sommersonnestrandurlaub eingestellt, sondern auf wilde Landschaft, alte Steine und evtl. Abende am Kaminfeuer. Oder, wie der Bootskapitän, der uns nach Innisfallen Island gefahren hat mit einem Schmunzeln meinte: “Yeah, in Kerry it rains twice a week. The first time three days, and the second time four days…”

Um’s kurz zu machen – ja wir haben Regen gesehen, und auch sonst recht viele Wolken. Ebenso aber auch blauen Himmel mit hinreichend Sonne und Temperaturen immer so um die 20°C, die sich meist jedoch eher wie 25°C anfühlen. Oder anders gesagt – ideales Ausflugswetter. Also haben wir Ausflüge gemacht. Und wenn das Wetter dies mal nicht zulässt, ist unser Cottage heimelig genug, es auch drinnen auszuhalten. (das da oben ist übrigens NICHT unser Cottage, sonder eines der Gemäuer auf Innisfallen…). Um auf die geistig armen zurückzukommen… es war noch nie meins, mich nutzlos untätig auf dem waagrechten Human-Grill liegend Niedertemperaturgaren zu lassen. Zumal das Fett leider dabei nicht unten raustropft. Und nachdem ich die Tage über die demütige Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit im Angesicht der hierorts überall erlebbaren Naturgewalten referiert hatte, sei nun angefügt, dass auch meine Kreativität erheblich profitiert. Wenn ich quasi ein bisschen dazu gezwungen bin, mich mit wenigen Dingen zu beschäftigen – mit denen dafür aber umso intensiver – ist es nur eine Frage der Zeit, bis etwas Brauchbares entsteht. Insofern möchte ich mich über den Regen, der heute immer wieder über Kenmare Bay und unserem Häuschen niedergeht in keiner Weise beklagen. Vielleicht ist es einfach so, dass das eigenen Anspruchsdenken der größtmögliche Feind ist. Allzu oft glauben wir, dass uns irgendetwas zusteht, einfach weil. Allzu oft fühlen wir uns um irgendetwas betrogen, weil die Dinge nicht so laufen, wie gewünscht; wahlweise ist daran die Politik schuld, der Vatikan, die Illuminaten, die Reptiloiden, irgendeine andere Weltverschwörung, oder einfach nur “…die da oben111!!!111!”. Kleiner Tipp: so geschwätzig und blöd, wie die allermeisten Menschen sind, wäre es schlicht unmöglich irgendeine Hollywoodreife Verschwörung auch nur für drei Stunden aufrechtzuerhalten…

Lasst uns kleinere Brötchen backen und die Dinge einfach so nehmen wie sie sind. Lasst uns ein bisschen fatalistischer sein. Lasst uns nicht gleich alles zur Katastrophe erklären, nur weil wir gerade nicht bekommen haben, was wir wollen. Lasst uns etwas genügsamer sein und das schätzen lernen, was wir bekommen. Ich rede nicht davon, Ungerechtigkeit laufen zu lassen. Aber ich rede davon, dass wir alle einfach immerzu, von allem, sofort und viel zu viel wollen. Immer nur haben wollen; aber möglichst nichts geben. Darum gebe ich euch heute eine Aufgabe: tut irgendjemandem etwas Gutes, ohne nach einer Belohnung zu fragen! Erfreut euch an einem kleinen Augenblick! Setzt euch hin (und sei es nur für fünf Minuten) und denkt darüber nach, was am heutigen Tage das Schlimmste war – und was das Beste! Schreibt eure Gedanken auf einen Zettel und hebt ihn irgendwo auf. Und dann macht das in Zukunft öfter. Es wird euch die Augen öffnen, wenn ihr nur wollt. Schönen Tag noch…

In Transit…

Ich habe keine Seemannsbeine. Aber wenn man vom europäischen Festland auf die Insel Irland reisen möchte, bleiben – so man nicht auf Umwege steht – ungefähr zwei Möglichkeiten: Fähre oder Fliegen. Es ist nicht so, dass ich Fliegen per se nicht mag, aber a) isses halt schon arg wenig umweltfreundlich und b) schwierig, den ganzen Schamott ins Handgepäck zu schmuggeln, den meine Mischpoke und ich so im Urlaub mitzuschleifen pflegen. Ohne näher darauf eingehen zu wollen, aber… oft geht die Gepäckraum-Abdeckung nicht mehr zu. Dennoch ist der eigene Wagen für uns die geeignete Lösung. Also saß ich, während ich diese Zeilen schrieb auf dem Oberdeck der “W. B. Yeats” in Diensten von Irish Ferries und blinzelte in die, immer noch kraftvolle Augustsonne – und unsere Karre stand vier Decks tiefer. Die anderen Teile der Familie stromerten irgendwo an Bord umher – wahrscheinlich im Restaurant – und ließen es sich auf individuelle Weise gut gehen, während in der Ferne die Kanalinseln sichtbar wurden. Ich jedoch lümmelte hier unterdessen auf dem Boden rum, wie so ein Bettelstudent, sinnierte über dies und das und schaute Menschen beim Menschsein zu.

Es ist faszinierend, wie der Mikrokosmos Passagierschiff ein bedingungsloses Dazwischen schafft. Denn während wir mit guten 17,5 Knoten eher gemächlich durch den Ärmelkanal pflügten, entfaltete sich überall ein unvermeidliches Panorama des ungefiltert sozialen. Kleine und große Dramen, Liebe, völlige Entkopplung wie auch Hektik können nirgendwo hin; denn über Bord gehen wäre eine sehr krasse und vermutlich endgültige Option. Also lebten alle (zwangsweise) im hier und jetzt. Die mangelhafte Qualität des Bord-WLans trug das ihre dazu bei. Sind Menschen auf sich selbst zurückgeworfen, geschehen mitunter… interessante Dinge. Ich werde jetzt keine Geschichten aus dem Bordrestaurant erzählen. Manche könnten es zwar wert sein, mich interssiert hieran aber vor allem die Metabetrachtung. Denn es warf in mir die Frage auf, wie ich mich gerade fühlte. Vorgestern bin ich noch mit einem Boot durch die Kanäle Brügges gefahren – nun, einen Tag später trug mich ein Schiff durch die See nach Eire. Und wenn ich ehrlich sein soll – es fühlte sich VERDAMMT gut an. Ich möchte behaupten, zum ersten Mal seit Monaten wahrhaftig bei mir selbst gewesen zu sein. Ich zu sein ist nicht immer schön, wie hier bereits sattsam beschrieben wurde. Die Schatten sind noch nicht weg. Aber sie schmerzen weniger. Ein Fortschritt.

Ich hatte erst sehr kürzlich davon gesprochen, dass mein Geld mir (und meinen Lieben) heutzutage vor allem Erlebnisse kauft. Das hier ist so ein Erlebnis. Neue Dinge zu sehen (oder evtl. schon bekannte Dinge neu zu sehen) macht mir mein Leben lebenswert. Ich stelle immer mehr fest, dass ich mich nach mehr Zeit für meine eigenen Ideen, Projekte – mein eigenes Leben – sehne. Vor diesem Hintergrund ist etwas wie das hier eigentlich unbezahlbar; auch, wenn es sicher nicht billig ist. Doch es lässt mich auch – einmal mehr – an der gefährlichen Systemfrage lecken: bin ich wirklich da, wo ich hin will? Mache ich wirklich dass, was ich will? Darauf kann es allerdings keine abschließende Antwort geben, denn… Sind wir nicht dauernd “in transit”? Unterwegs von dem, was eben noch war, hin zu dem, was noch nicht festgeschrieben ist, noch nicht festgeschrieben sein kann, weil es uns stets hinter der Mauer der nächsten Sekunde verborgen liegt? “Panta Rhei” (alles fließt) mag einer der Glückskekse der Philosophie sei ; aber dort und zu der Zeit stimmte er. Für mich. Für alle anderen an Bord der “W. B. Yeats”. Die Fahrt endete, wie geplant und erwartet gegen 10.45 am Montagmorgen in Dublin. Und auch, wenn die eben beschriebenen Prozesse der Veränderung subtiler Natur sein mögen – ICH war nicht mehr der Gleiche, der in Cherbourg abgefahren ist. Denn “in transit” flossen meine Gedanken frei und formten dabei Sein neu… Wir hören uns.

Der verwirrte Spielleiter N°66 – Gaming with myself

Ich habe, teils weil ich mich, bedingt durch eine depressive Episode auf nichts besseres konzentrieren konnte, teils weil ich seit Monaten dauerunterspielt bin (eine Runde pro Monat mag anderen genügen, für mich ist das knapp unter meinem spielerischen Existenzminimum), noch mal darauf eingelassen, mit ChatGPT als DM zu spielen. Und weil es dafür halt das meiste Referenzmaterial online gibt, entschied ich mich für DnD 5e als Basis. Die physischen Bücher stehen seit Jahren im Schrank und werden nur höchst selten genutzt, weil wir zumeist mit anderen Regelwerken arbeiten (derzeit Dragon Age, Starfinder und mein eigenes). Lag also nahe, es nochmal auf diese Art zu probieren, nachdem der letzte Versuch eher durchwachsen gelaufen war. Ich gehe an sowas zumeist mit eher geringen Erwartungen und vor allem forensischem Interesse ran, weil ich, obschon halbwegs geübt im Umgang mit LLMs (dem, was der Volksmund halt so als KI bezeichnet), wie gesagt beim ersten Mal nach kurzer Zeit eher ernüchtert von dem Vorhaben abließ. Dieses Mal etablierte ich relativ früh einige Anforderungen und ließ mich ansonsten überraschen. Eine kurze Vorbemerkung noch – ich habe die komplette Konversation auf Englisch geführt. Warum erkläre ich später. And so, without much further adoe, here is, what happened:

  • Setting: ChatGPT entschied sich dafür, ein Kampagnensetting zu designen, welches stark auf meine Charakterklasse zugeschnitten ist. Es orientiert sich bislang oft an “Generic Fantasyland”, was aber aus meiner Sicht für eine “shared vision” der Spielumgebung kein Nachteil ist. Das mit dem Zuschnitt auf meine Klasse ist natürlich schon schön, wurde mit der Zeit jedoch etwas redundant, so dass ich die Maschine daran erinnern musste, dass diese Welt auch noch andere Dinge enthält, als Barden (ja, ich kanns nicht lassen. Aber keine Sorge, mein Char ist nicht stereotypisch promisk und nymphoman). Insgesamt war es bisher aber durchaus stimmig und auch stimmungsvoll. Allerdings schwurbelt dieser spezielle DM bei seinen Beschreibungen gelegentlich schon arg umher…
  • Crunch: ohweiohwei… ich hatte echt noch keinen DM, der so oft irgendwas bullshittet, meine Agency missachtet, weil er jetzt einfach durcherzählen will, es meinem Char im gleichen Atemzug trotzdem (zu) einfach macht, Regeln vergisst oder welche erfindet, wenn er Bock drauf hat. Zumindest anfangs… allerdings reagiert die Maschine auf meine Richtigstellungen umgehend und angemessen. Auch verliert die Maschine bei Kämpfen mit mehreren Kombatanten schnell den Überblick über Initiativereihenfolge und Positionen. Aber auch hier – ein kurzer Hinweis und es fuppt wieder! Regeln werden dann sauber befolgt. Es war aber schon ein Stück Arbeit, verschiedene Regelaspekte immer wieder klarzustellen und deren Einhaltung einzufordern… aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass es unterdessen geschmeidiger klappt. Und… lebendige DMs in der realen Welt machen auch jede Menge Fehler; ask me… 😉
  • Story: Natürlich gibt es Anleihen aus verschiedenen verfügbaren Medien und es tauchen bekannte narrative Figuren auf (gleich als erstes mal eine Damsel in Distress als Falle für mich). Dennoch macht ChatGPT hier vieles richtig: Hot Start (AUS einer Taverne), Tone of Voice (NPC-charaktergerecht), Story Mood (düster, mysteriös, bedrohlich), alles wird sofort mit Namen benannt, und es gibt (zumeist sinnvolle) Antworten auf alle Fragen. Wir wollen des Lobes hier nicht zu voll werden, denn natürlich ist vieles Hausmannskost (schon mehr als einmal dagewesen) und manche Erzählfiguren wiederholen sich, insbesondere bei NPC-Interaktionen. Und… ChatGPT hat manchmal digitale Amnesie, wodurch Inkonsistenzen im Erzählkontinuum entstehen können, wenn man nicht gleich interveniert. Aufmerksames Lesen ist also King! Dennoch hat man den Eindruck, einen DM vor sich zu haben, der gerne erzählt. Und einiges habe ich (mit menschlichen DMs) auch schon schlechter erlebt.
  • Technik: nach einer Weile wird der Thread langsam, weil sich ChatGPT anscheinend zumindest kursorisch gegenliest (wir reden allerdings von 200+ Seiten Din-A4. Und die kommen ratzfatz zusammen). Ich bin dazu übergegangen, dann einen Textdump zu ziehen, mir eine Campaign-Bible erstellen zu lassen, alles in einen neuen Thread zu laden (PDF) – und die Maschine nochmal ein bisschen zu erziehen; denn bestimmte “Verhaltensweisen” ergeben sich bei längeren Threads aus der bisherigen Konversation. Da muss man beim Umstellen auf einen neuen Thread nicht nur die Story rekapitulieren. Ich konnte hier zwischen GPT 4o und 5 bislang übrigens keine erheblichen Unterschiede hinsichtlich des Handlings und der Textqualität feststellen.

Wenn ich die Erfahrung mit einem Wort zusammenfassen müsste, so lautete dieses: befriedigend. Nicht mal im Sinne einer Schulnote, aber hinsichtlich der Möglichkeit eine Stelle zu kratzen, die schon eine Weile juckt – nämlich selbst wieder mehr spielen zu wollen. Und ich tat das in Englisch – also der Muttersprache von ChatGPT – weil mein Kalkül war, dass es dort lyrisch wertvollere Beiträge zum Spiel liefern würde. Und die Maschine hat mich diesbezüglich nicht ettäuscht. Natürlich ist das nur Rollenspielmethadon, denn nichts kann die interpersonale Dynamik am Spieltisch ersetzen. Aber als Snack für zwischendurch werde ich das beibehalten. Vielleicht kann ich ein paar Ideen ja sogar selbst als SL verwerten. Wenn ihr Fragen habt – nur Mut. Und ansonsten – always game on.

Auch als Podcast…

New Short #01 – …and more?

Als ich dieser Tage so durch meine Hood ging, mit der Beute meines mittäglichen Ausfluges zum asiatischen Spezialitäten-Restaurants in der Tasche, kam ich – nicht zum ersten Mal in diesem Leben – an jenem Schild vorbei, welches da stolz verkündet “Feinkost and more”. Und manchmal setzen solche Kleinigkeiten unerwartete Denkkaskaden in Gang, denn… WAS ZUM HENKER IST DIESES “MORE”? Ich meine, wenn ich in Frankreich durch einen Ort gehe, dann steht auf einem Schild möglicherweise “Gaspard et Fils – Boucher”. Und das ist dann ‘ne Metzgerei, aber sicher nicht “more”; von was denn auch? Jagdbedarf? “More”, wortwörtlich übersetzt mit “mehr” verweist üblicherweise auf einen Überschuss, etwas anderes, etwas zusätzliches, dass nicht auf den ersten Blick sichtbar wird – und damit auf das Versprechen, dass man HIER an DIESEM Ort mehr bekommt, als das, was vordergründig in der Auslage umhersintert. Nun ist es aber eher unwahrscheinlich, dass sich hinter jedem “more” ein Speakeasy, eine Schattenbank, ein Bordell, ein Spielcasino oder eine Vermittlungsagentur für Auftragskiller verbirgt. Zumindest in meiner Hood fände ich das seltsam. Ist hier einfach nicht das Klientel dafür. Da kenn ich andere Gegenden… Was also soll dieses verf****e “and more” auf diesem Schild? Bieten die Heimservice an? Kann man hinten im Laden neben Feinkost auch noch einen recht einfachen Haarschnitt erwerben, wenn man das Passwort “Prinz Eisenherz”sagt? Sägen die einem Holz zu, oder verchecken die “vom Laster gefallene” Ikea-Ersatzteile?

Aus meiner Sicht ist diese – nutzlose – Floskel das Deppen-Postscriptum der eigenen Geschäftsbeschreibung. Also in etwa analog zum Deppen-Apostroph in “Andrea’s Haarstudio”, welcher nicht etwa auf einen Friseurladen hinweist, der von einer Andrea betrieben wird, sondern zuvorderst auf mangelhafte Kenntnis der Muttersprache. Der von ihr betriebene Laden müsste “Andreas Haarstudio” heißen, wohingegen “Andreas’ Haarstudio” korrekterweise auf einen männlich gelesenen Betreiber hinweisen würde. Please, learn the difference! Dieses “…and more” ist einfach nur billigstes Möchtegern-Marketing-Sprech aus dem legendären Handbuch “Bullshit-Gelaber für Dummies”. Es weckt durch seine Offenheit unnötige – und zumeist dann auch noch unerfüllbare – Erwartungen an ein “besonderes Shopping-Erlebnis”, ohne die so entstehende Ambivalenz mit Gehalt füllen zu können. So, wie man nie hungrig einkaufen gehen sollte, darf man ein “…and more” einfach NIEMALS für bare Münze nehmen. In 95% aller Fälle hat der Schreiber nicht nachgedacht, in 4,9% aller Fälle hat er versucht nachzudenken und kam leider dennoch zum falschen Ergebnis… und in 0,1% der Fälle kann ich hier vielleicht tatsächlich doch Geld waschen oder einen Killer für Erbtante Frieda anheuern. Ich würd aber nicht drauf wetten, dass das Angebot was taugt, wenn der Anbieter so eine gequirlte Bullen-Scheiße auf sein Ladenschild schreibt.

Machen wir’s kurz: lasst dieses selten dämliche “…and more” einfach weg und besinnt euch auf die Kernkompetenzen eures Geschäftes. ICH mag kleine Läden mit überschaubarem, aber dafür qualitativ ansprechendem Angebot. Ich wünsch euch einen schönen Tag… und mehr…!

Auch als Podcast…

Kreativ begrenzt…?

Etwas machen! Etwas NEUES machen! Der Wunsch, schöpferisch tätig zu sein wohnt – zumindest in meiner Wahrnehmung – nicht jedem Menschen inne. Muss er aber auch nicht, solange es nur genug von uns gibt, deren intrinsische Motivation über das bloße Besorgen des Notwendigen zur reinen Subsistenz hinausweist. Roboten, damit Essen auf dem Tisch steht, man ein Obdach und Kleidung hat, die vor dem Unbill der Umwelt schützen und etwas Unterhaltung, um sich vom gelegentlichen Elend durch das Roboten ablenken zu können, ist dennoch für niemanden von uns vom Tisch. Aber der Kreislauf des Kapitalismus verlangt von den allermeisten keine, oder nur sehr wenig Kreativität, keine Innovation, sondern lediglich Problemlösen im Rahmen definierter Parameter. Oft sind die darum entwickelten Arbeits-Vermeidungs-Strategien die höchste Form von Leistung, die man realistischerweise erwarten darf. Aber das Roboten in einem eng begrenzten Rahmen, das kriegen die Allermeisten allermeistens auch irgendwie hin. Das “irgendwie” im letzten Satz mag hierbei auf die Qualität des Hinkriegens hinweisen… MIR genügt es jedoch nicht, im Rahmen definierter Parameter zu “funktionieren”. Sprach ich nicht erst neulich von Leidenschaft? Von meiner ersten und größten Leidenschaft, dem Geschichtenerzählen? Vermutlich ein Tun, dass zumindest dann und wann ein wenig Kreativität fordern könnte. Allerdings sprach ich auch von Scheitern; und damit gleichsam von den Hindernissen, mit denen Kreativität zu kämpfen hat…. oder? Oder könnte es nicht vielleicht doch so sein, dass Hindernisse und Beschränkungen uns erst dazu anregen, etwas wirklich interessantes entstehen zu lassen?

Letzthin habe ich mich neu mit der Frage nach der Quelle meiner Inspiration auseinandergesetzt und bin dabei unter Anderem über ein Youtube-Video gestolpert, welches sich mit eben der Frage befasste: was machen Begrenzungen und Hindernisse mit unserer Kreativität? Spannend fand ich die hier gewonnene Erkenntnis, dass solche Herausforderungen diese eher steigern; undzwar durch die ihnen innewohnende Notwendigkeit, originelle Lösungen für ungeahnte Probleme finden zu müssen. Konfrontiert mit dem Mangel an Ressourcen wie Raum, Zeit oder Geld, eingeschränkt durch die verfügbare Technik (oder den Ausfall derselben) wird einfaches Problemlösen plötzlich oft genug zu einer eigenen Kunstform. Würde man immerzu aus den Vollen schöpfen können, jedes Problem sofort mit einer Reay-Made-Solution bombardieren können, wäre ein kreativer Prozess in etwa so, wie der durchschnittliche Schulweg irgend so eines behelikopterten Bonzen-Kindes in Hamburg: planiert von Mamas überteuertem SUV! Keine Anstrengung, keine Herausforderung, keine Notwendigkeit zur Kooperation – und damit absolut nix gelernt. Denn der Fond von so einem Möchtegern-Leistungsträger-Panzer ist das Sinnbild der Komfortzonen-Couch. Du wirst einfach über alle möglichen Hindernisse hinweg getragen. Doch erst, wenn du auf etwas stößt, dass dich bremst, dass dich irritiert, dass dich dazu zwingt, zur Seite zu gehen oder mit dem Klettern anzufangen, setzt du dich wirklich mit deiner Umwelt auseinander. Wenn man kreativ sein bzw. werden möchte, darf man niemals damit anfangen, immerzu die gleiche alte Antwort auf neue Fragen geben zu wollen. Man muss jede Herausforderung zu ihren jeweiligen Bedingungen annehmen und analysieren, um sie begreifen und bearbeiten zu können. Kreativität ist Lernen ist Kreativität. Und das strengt an! Das muss man wollen!

Welcher Art meine Beschränkung der Mittel in irgendeinem kreativen Prozess auch sein mag; ich sollte diese nicht von vornherein als Zeichen begreifen, es sein zu lassen, sondern so oft es geht als Ansporn sehen, neue Wege zu suchen; denn das Sprichwort “Not macht erfinderisch!” gilt nicht nur für Autowerkstätten im Südsudan. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es leicht, sich von auftauchenden Hindernissen entnerven, entmutigen, gar ganz vom Vorhaben abringen zu lassen. Das, was einen dann noch vorwärts treiben kann, ist intrinsische Motivation, kreativ sein zu wollen, etwas schaffen zu wollen und darum bereit zu sein, mit dem zu arbeiten was man hat – und das, was man nicht hat positiv auf den Prozess wirken zu lassen. Diese Motivation ist, wie bereits oben gesagt, keine Ressource, die jedem Menschen in gleichem Maße zur Verfügung steht. Und das ist auch okay so, denn kreativ sein zu MÜSSEN, weil es einem halt wichtig ist, kann gelegentlich durchaus mit Schmerzen verbunden sein. Dieser Drang entsteht meist aus einer inneren Ideenfülle, die manche von uns in sich tragen und die sich einen Weg nach draußen suchen MUSS, damit man nicht bald das Gefühl bekommt, wertlos zu sein, weil man keine dieser Ideen in die Tat umsetzt. Und dann rennt man halt oft in die vielen Fallen auf dem Weg; wobei es für die meisten einen Walk-Around gibt. Ich habe kein Geld für teure Software oder die “richtigen” Geräte? Für viele Projekte genügen frei verfügbare Programme und ein Mittelklasse-Smartphone / Tablet. Das Wichtigste ist, damit zu üben und sich mit den technischen Möglichkeiten und Grenzen auch wirklich vertraut machen. Ich habe nicht die passenden Hintergründe / Sets für meine Ideen zur Verfügung? Dann geht man raus, sucht nach den passenden Sets und probiert so lange, bis es passt. Ich bin mit meiner Schreibe nicht zufrieden? Meine Texte wirken nicht so, wie ich mir das wünsche? Da hilft nur eines: schreiben, schreiben, schreiben… dann lesen und noch mal schreiben! Kreativität ist ein Muskel, den man regelmäßig trainieren muss, um besser werden zu können. Und dann braucht man immer noch die richtigen Sparringspartner. Menschen, die einem sagen, wenn ein Projekt oder Produkt der eigenen kreativen Bestrebungen schlicht Scheiße ist.

Kreative Grenzen entstehen meist nur dort, wo ich sie entstehen lasse. Die einzige, wahre kreative Begrenzung, die sich dauerhaft meinen Fähigkeiten zur Problemlösung entzieht, ist ein extrinsisch erzeugter Mangel an Zeit, sich mit den verfolgten Ideen und Projekten zu den eigenen Bedingungen auseinandersetzen zu können. Denn an der Notwendigkeit, das existenziell Notwendige zu beschaffen, kommt keiner von uns vorbei. Wie dem auch sei – jene, die ihre Ideen in die Welt gesetzt sehen wollen, weil sie davon überzeugt sind, dass diese Ideen es wert sind, von anderen wahrgenommen und diskutiert zu werden, finden immer irgendeinen Weg. Denn sie MÜSSEN einen Weg finden, um nicht irgendwann an sich selbst zu verzweifeln. Also sitze ich hier und schreibe weiter… schönes Wochenende.

Auch als Podcast…

Absurdistan ist zurück N°4 – In der Tugend-Haft…?

Dem Denken zufolge könnte es eine Folge des Denkens sein, denkend zu handeln, sofern das Handeln dem Denken folgte. Würde man – bei Lichte betrachtet – Licht in die Dinge bringen, so hätte man erleuchtete Dinge und könnte das denkende Handeln dem Licht in den Dingen folgen lassen, so dass das Handeln dann – dieser Denke zufolge – eine Folge des Lichtes wäre, dass man denkend in die Dinge gebracht hat. Solcherlei Gedanken fröhnend saß der Protagonist auf dem Balkone, welcher, an die Küche angliedernd, jedoch nicht einem Gliedertier gleich geformt, sich dem Hofe zum Süden hin zuneigend und dabei den Blick auf eine grüne Oase freigebend aus einer gewissen Höhe die Metaperspektive auf die Dinge zulässt – so dass die Betrachtung bei Lichte, sofern das UNTEN noch am Tage in Augenschein genommen wird, zu einer erhellenden, gleichwohl passiven Handlung wird, da man den Dingen hierorts situiert nicht allzu schnell allzu nah kommen kann, außer man sprünge hinunter. Was unweigerlich mit schweren Verletzungen einherginge. So lädt der Balkon also, Kraft seiner Struktur und Funktion zu kontemplativer Untätigkeit ein, wenn man sich diesem nicht gerade mit einem Buch oder ähnlichem bewaffnet nähert, um wenigstens dem Geiste etwas Arbeit zu verschaffen; wenn schon der Körper in einem Gartenstuhle umherfläzt.

Das Lesen als letzter Endgegner der ubiquitär auftretenden, unwissenden, ignoranten, ja nachgerade narzisstischen Selbstgefälligkeit, welche allzu viele Wesen, die sich wohl lieber nicht mit den Komplikationen einer halbwegs umfassenden Bildung behelligen lassen mochten, wie eine Monstranz vor sich her tragen; eine wunderschöne Vorstellung, dass Läuterung so einfach sein könnte. Allerdings sind eben jene, die es am allerbittersten nötig hätten, dieser besonderen Kulturtechnik oft hoch abhold. Einzig schreiben können sie wohl. Dies zwar nur mit Mühe, weil bezüglich Interpunktion, Ortographie und Grammatik oft mehr als nur der letzte Schliff vermisst gemeldet werden muss. Dafür wird vieles leider ohne jede Not in die Welt getragen, trotzden so manche Absonderung doch besser vom Beginne her im Orkus des Ungesagten verborgen bliebe. Ach weh, der Schmerz… Das Auge liest, der Geist bedenkt, im Schmerze sich das Hirn verrenkt, denn klar ist bereits nach kurzer Weile: die Blödheit scheint aus jeder Zeile. Nun könnte man sich einer Replik befleißigen, doch der Wohlbelesene erbt, mit dem intensiven Studium vergesellschaftet oft auch eine gewisse Scham, sich genauso unbedacht öffentlich zu entblöden, wie diese Urheber so mancher televerbaler Pein. Sollte man sich denn wirklich auf das quasi kaum noch existente Niveau solch dreister (Selbst)Reflexionsverweigerer begeben, nur um seinen Punkt zu machen? Und wären die überhaupt in der Lage, aus ihrem Dunning-Kruger’schen Tal der selbst-induzierten Kognitions-Verweigerung heraus einem echten Argument zu folgen? Derlei darf bezweifelt werden.

Was am Ende bliebe, wäre die Erkenntnis, dass die eigene Tugendhaftigkeit – nämlich, sich dem eben vorausgeeilten Argumente folgend besser NICHT mit gewetztem Schwerte ins Getümmel auf dem Marktplatz des selbstgefälligen Nicht-Austausches, besser bekannt als Antisocial Media zu werfen – einen damit gleichsam in eine Tugend-Haft nimmt; denn der Reflex, diesen Cretins mal so richtig zeigen zu wollen, was eine Harke ist, bleibt ebenso bestehen, wie die unfassbar dumme Angewohnheit, an Black-Friday-Super-Sales zu glauben. Lernt, Preisentwicklungstabellen zu lesen, ihr Deppen. Der einzig historisch relavante schwarze Freitag war der 25.10.1929, und der löste immerhin eine globale Wirtschaftskrise aus. An den heutigen Black Friday zu glauben, löst hingegen bestenfalls eine familiäre Diskussion um die eigene leere Kasse aus… Solchen gedanklichen Schleifen zu folgen, löst manchmal erhebliche Verwirrung aus, daher fliegen wir zurück zum eigentlichen Thema: dem beinahe ununterdrückbaren Reiz, sich in dämliche Diskussionen einmischen zu wollen, weil man wirklich glaubt, man könne Menschen mit der Kraft des besseren Argumentes davon überzeugen, etwas Dummes zu unterlassen. Ein flüchtiger Blick auf das Weltgeschehen könnte einen hierbei eines Besseren belehren, aber dazu müsste man sich kognitiv weit genug strecken können, um einen Blick über die Wälle des eigenen Dunning-Kruger hinweg zu erhaschen. Das bedarf jedoch der Anstrengung und des Willens, die eigene Meinung überhaupt in Frage stellen zu wollen – und passiert daher nicht. Immer wieder tappt der Protagonist selbst in diese Falle und ist hinterher ob der Beschränktheit der eigenen Weisheit auf sich selbst wütend.

Wahrheit kann eine Tugend sein, allerdings ist Wahrheit allzu oft nur die EIGENE Wahrheit. Weisheit wäre eine Tugend, wenn sie einem denn hülfe, jene Situationen zu erkennen, in denen eine Intervention – gleich welcher Art – sich lohnen könnte und sich geschickt an jenen vorbei zu lavieren, die nur Nerven und Zeit kosten, einen jedoch bestenfalls vor das Licht am Ende des Tunnels führen, welches hupt und schnell näher kommt. Denn wer sich in Gefahr begibt, kommt darin – zumindest im übertragenen Sinne – recht oft um… Auch wenn es gerecht und überdies sehr befriedigend wäre, so manchem Kognitionsverweigerer aus den Weiten des Menschoid-Seins in den Antisocial Media mal so richtig in realiter eine mitzugeben, die sich gewaschen hat. Derlei bleibt einem jedoch zumeist verwehrt, da vom Staate bei Sanktionsandrohung verboten. Da Schlagen, Schießen und Stechen also ausfallen müssen, bleibt einem nichts anderes übrig, als wenigstens ab und an aus seiner Tugend-Haft auszubrechen und wenigstens verbal ein paar armselige Würstchen zu grillen; dabei immer schön darauf achtend, dass aus der Tugend-Haft keine echte Haft werden kann. Am Ende bleibt den Aufrechten ja doch immer nur noch das eine: In diesem Sinne, macht mal hinne – Nazis jagen an freien Tagen. Wir sehen uns…

Auch als Podcast…

Absurdistan ist zurück N°3 – …dahin gerafft

Bisweilen – und in diesem Falle gerne eher seltener denn öfter – mag es wohl vorkommen, dass die Gesundheit nicht ganz so tut, wie sie bestimmungsgemäß eigentlich sollte. Das Leben des Protagonisten, angefüllt mit allerlei Aufgaben dieser oder jener Natur, von denen manche doch eher Geschäftigkeit vortäuschender Tand sein mögen, wurde unerwartet, dafür aber nichtsdestowenigertrotz nachhaltig disruptiert. Es erheitert tatächlich eben jetzt ungemein, ein Verb aus einem Anglismus zu konstruieren, welches es noch gar nicht gibt; und im Übrigen auch nicht geben müsste, da man “disruptieren” auch mit “stören” ersetzen könnte, wenn man denn ein Apologet der altmodischen Sprachlehre wäre. Doch… da die “Disruption”, jenes sich geradezu anbiedernde Wort-Liebchen all dieser Möchtgern-Entrepreneure mit ihren ebenso illusionären wie substanzlosen Ideen und Plänen nun mal, wie manche Kreise wohl sagen würden, “der heiße Scheiß” ist, bleibt dem Verfasser dieser Zeilen gar nichts anderes übrig, als beim Anblick heißer Scheiße nicht ins Würgen zu verfallen, sondern einfach fortzufahren mit seinem Tun… dem Schreiben von der Disruption, welche ihn befiel. Und die hattes es in sich – oder, eigentlich hatte man es eher alsbald außer sich, wobei abwechselnd beide menschlichen Hauptöffnungen dem Gott Lokus mit geradezu fließender Inbrunst huldigend für die Abfuhr des Inneren sorgten… Also des inneren Abfalls. Wobei der – auch ohne Brechdurchfall – bei nicht wenigen Individuen weniger stofflich, aber leider nicht vollkommen wirkungslos, oral geschehen kann. Hierorts sagt man dazu wohl “Dumm gebabbelt is glei”…

Pausen vom täglichen Tun mögen unter verschiedenen Gesichtspunkten ihre Vorteile haben; aus Sicht des Lohn- und Brotgebers sicher den Erhalt der Arbeitsfähigkeit; wie effektiv diese auch immer beschaffen sein mag. Für den Protagonisten sind solche Unterbrechungen normalerweise durchaus positiv konnotiert, sofern sie nicht gerade mit einer, unter Extrembedingungen erwungenen Nahrungskarenz einher gehen. Da gewinnt ein hier doch gelegentlich verwendetes Diktum eine völlig neue Bedeutung, wenn es doch diesmal heißen musste “man konnte gar nicht so viel Fressen wie man kotzen musste!” Nun ja, auch solche Intermezzi haben – wie der Begriff “Zwischenspiel” völlig korrekt nahelegt – dem Himmel, oder wem auch sonst sei Dank, alsbald ein Ende. Dieses Mal blieb es bei einem kurzen, aber dennoch schwächenden Besuch, welcher den Protagonisten am zweiten Tage geradezu dazu nötigte, Lektüre zur Hand zu nehmen, da andere Tätigkeiten nicht in Betracht kamen. Das Liegen, wiewohl ansonsten dem Nachtschlafe zugeordnete Notwendigkeit und gelegentliche, liebliche Begleitung des Müßiggangs kann, abhängig von der Qualität der Bettstatt, der physischen Konstitution des liegenden Körpers und der Dauer der Horizontalität sein Willkommen allerdings durchaus überdauern. Vulgo – irgendwann schmerzte des Schreibenden Rücken, so dass eine dringliche dauerhafte Aufrichtung in die sitzende Position unumgänglich wurde. Nun kann man wirklich Vieles im Sitzen tun. Aber man sollte es vermutlich unterlassen, dabei allzu viel Liebe und Zeit auf elektronische Endgeräte – oder besser, die mittels ihres Daseins vermittelten Ablenkungen vom wahren Leben – zu verwenden, wenn es auch Bücher gibt.

Oh ja… jene Konvolute bedruckten Papiers, zusammengehalten von arkanen Künsten (und zumeist etwas Leim), gestaltet mit ikonographischer Hingabe (manchmal auch etwas, das diese zumindest imitieren sollte), kuratiert für EIN spezielles Erlebnis – und mit etwas Glück sogar kognitiv nicht vollkommen substanzfrei. Da der Protagonist des Tsundoku – also des Erwerbs unterschiedlichster Lektüre, die nicht immer sofort verschlungen wird – durchaus zumindest ein bisschen schuldig ist, herrschte also keinerlei Mangel an Lesbarem. Auch wenn der Körper noch nicht wieder 100% Willens ist, bleibt der Geist hungrig. Es begab sich, dass gleich drei Bücher ein freundliches Auge fanden und folgerichtig begonnen wurden. Keines davon ist natürlich jetzt schon gelesen, aber zumindest eines davon ist faszinierend genug, um es zu empfehlen (siehe Ende des Artikels), da die Autorin sich auf erfrischende Weise mit der Frage befasst, wie wir mit einer der menschlichsten Eigenschaften überhaupt umgehen sollen – unserer Fehlbarkeit! Und weil dem Schreiber letzthin – nicht ganz ohne Intention – der Satz, das Fehler nicht (immer) schlimm, sondern (sehr oft) Lernanlässe seien, recht häufig über die Lippen gekommen ist, sollte nun das Wissen rings um diese Erkenntnis noch einmal ein wenig vertieft werden. Da unterdessen die Symptome der unfreundlichen Intestinal-Verstimmung langsam abklingen, bleibt ja wieder Zeit sich mit anderen Formen von Scheiße zu befassen; oder besser, der Suche nach Möglichkeiten, deren Auftreten so gut wie möglich zu verhindern. In diesem Sinne… nach dem dahingerafft werden muss man sich wieder aufraffen. Gehabt euch wohl.

Auch als Podcast…
  • Edmondson, A. (2023): Right kind of wrong. How the best teams use failure to succeed. Peguin Books. ISBN 978-1-847-94378-1

Absurdistan ist zurück N°2 – Erfolgversprechend…

“Ich bin…” spricht jener “… zum Erfolge verpflichtet, daher gewährt mir die Bitte, gebt mir ein paar Berichte, bis ich endlich versteh, was ich eigentlich verrichte!” Der Schiller – so sollte man wohl hoffen – wird dem Autor irgendwann vergeben können, auch wenn diese (V)Ferse mehr Archill gebühren, als einem Dichterfürsten. Ort der Tragödie – nicht nur dieser einen, sondern auch manch anderer – war (oder ist immer noch) ein Raum, welcher, gemeinhin herkömmlich der Bildung gewidmet, so doch gelegentlich auch der Introspektion der Bildenden dienen mag und somit nicht nur gemeinhin, sondern auch gemeinerweise dem Arbeitsumfelde zuzurechnen sei. Jener Sphäre der angeblichen Selbstverwirklichung, die doch nur dem Zwecke dient, jene 30 (oder hoffentlich mehr) Silberlinge zu erwerben, welcher es bedarf, um zu den anderen Zeiten – jenen freien, ACH SO FREIEN Stunden der Nichtnotwendigkeit, der Muße, des Spiels, des Sanges und der leiblichen Freuden nicht bei Luft und Liebe allein darben zu müssen. Doch, oh weh, der Verrat an sich selbst geht noch weiter, denn damit das Leben unter dem Joch jenes diabolischen Handels – gebunden durch den Mephistopheles der Abhängigkeit, im Volksmunde auch “Arbeitsvertrag” geheißen – uns nicht allzusehr drücken möchte, schufen wir uns die Legende von diesem ominösen “Sinn des Lebens”, um diese sogleich mit der ganz und gar hinterhältigen Idee zu vergiften, abhängige Lohnarbeit sei eine Möglichkeit zur Selbstverwirklichung; ja nun, wenn Autofahren Naturschutz sein soll und Homöopathie Medizin, können wir uns gleich noch einer weiteren Selbstlüge bedienen, nicht wahr. Doch, ach es ging ja nicht um die mentale Rahmung des Seins – von Fachleuten auch “Framing” genannt, denn Anglizismen schaffen nicht nur Schismen; manchmal sind sie einfach griffiger; wobei Griffigkeit, abseits des Küchenmessers allzu oft überbewertet wird. Nein, vielmehr geht es um Erfolg… oder das , was wir, bei Lichte betrachtet oder auch mal unter dem Mantel der Selbst- und Fremdbenebelung verborgen, stolz wie eine Monstranz vor uns hertragend, manchmal aber eher im Fahrwasser unserer überbordenden Bescheidenheit mitschwimmen lassend als positives Ergebnis unseres Tuns und Lassens erleben. Und da kannst du aber mal was erleben…!

…oder auch nicht! Denn eben in dieser lichtdurchfluteten Kemenate des Lehrens und Lernens sitzend und von Gleichgesinnten – oder zumindest gleichartig Malochenden – umgeben musste der Autor hinter, ob der supranasalen Anstrengung gerunzelter Stirne erkennen, dass es ihm an einem Sentiment des “Erfolges” nur allzu häufig mangelt. Dies soll, und das ist nicht leichthin gesagt, zum Anlasse dienen, sich mit Verve der Belebung der eigenen Affekte zu widmen. Denn wenngleich subjektiv offenkundig nicht durchlebt so werden objektiv doch sehr wohl Erfolge realisiert, die durchaus der eigenen Erbauung dienlich sein dürfen, Potzblitz! “Doch…” ertönt, Hörnerschall gleich ein erster, gar nicht so träger Gedankenfetzen aus den bislang somnambulen Tiefen des limbischen Hirnkellers “…wie geht derlei vonstatten? Reicht es” so fuhr die helle Stimme aus der Tiefe fort “… es einfach zu wollen, um ‘gut drauf zu kommen’…?” Hey, Amygdala, du kannst vielleicht selten dämliche Fragen stellen! Da kommt dem Schreiber unvermittelt ein Zitat von berühmten Ökonomen John Maynard Keynes in den Sinn “Die größte Schwierigkeit der Welt besteht nicht darin, Leute zu bewegen, neue Ideen anzunehmen, sondern alte zu vergessen!” Ja wunderbar, die Runzeln auf der Stirn können sich nach unten verkrümeln und sich in die freudigeren Fältchen um die Augen verwandeln – denn mit der Mimik wandelt sich auch das Gemüt – Lächeln macht einen glücklicher. Hinfort mit der Laudatio auf die Abgründe des Lebens; weg mit dem ständigen Kontemplieren über den eigenen Wert und Zweck, wenn doch schon lange erkannt ist, dass sich der eigene Wert im Lehren und Lernen unterdessen verwirklicht – und somit gleichsam der eigene Zweck geworden ist. In den Orkus mit den ständigen Zweifeln – und endlich herbei mit aufrechtem Rücken, erhobenem Haupt und der Erkenntnis, dass man sich auch mal selbst feiern darf – nein sogar muss!! Wie aber derlei angemessen begehen? Wie ERFOLG für sich selbst begreifbar machen?

Für den Schreiber dieser Zeilen beginnt die Reise, damit “NEIN” zu sagen. NEIN zu jenen, die alles, was man tut oder auch lässt angreifen, kleinreden, sich selbst ans Revers heften, oder zu einem ausschließlichen Teamerfolg erklären wollen. Ja, Teams sind immer stärker als Einzelkämpfer. Aber in der Mitte jedes erfolgreichen Teams, gibt es einen Nukleus, ohne den alles auseinanderbricht, weil es das Handeln dieser einen Person ist, welches ALLES zusammenhält. Nimmst du diese Figur weg, bricht der Rest in relativ kurzer Zeit sang- und klanglos in sich zusammen. Dessen muss man sich gelegentlich erinnern. Dann wird es auch wieder möglich, eigene Erfolge zu fühlen; und angemessen zu feiern. “Aber, aber, mein Freund…” höre ich nun eine andere, dunklere Stimme aus dem amygdaloiden Vorratskeller für die harten Dämpfer “… nicht gleich arrogant werden!” Da erreichst du den Autor zu spät, lieber Geist der kommenden Weihnacht. Denn der Volksmund lässt schon lange vernehmen, dass Bescheidenheit die höchste Form der Arroganz sei. Das stimmt natürlich nur, wenn man diese allen Leuten auch überdeutlich unter die Nase reibt: “Sehr her ICH bin bescheiden…” . Aber es ist schon wahr – dieses anstrengende Austarieren zwischen Höhenflug und Absturz führt wohl gelegentlich dazu, dass man nivelliert und lieber weder das Eine noch das Andere fühlen möchte, weil Hochmut bekanntlich vor dem Fall kommt; und emotionale Bruchlandungen stets das Zeug haben, einen nachhaltig zu beschädigen! Aber keine Sorge – hier wird nicht so hoch geflogen, dass die Federn sich von den Flügeln lösen könnten. Ikarus bleibt auf niedriger Flughöhe. Nur ein BISSCHEN höher als letzthin. Weil er sich das wert ist. Weil er sich das wert ein MUSS. Und… was seid ihr euch wert? Schönes Wochenende.

Der verwirrte Spielleiter N°62 – Encounter Design

Wenn ich mich hinsetze und antagonistische Begegnungen für die nächste Sitzung mit meinen Spielern entwerfe, dann blättere ich üblicherweise nicht durch ein “Monster Manual” oder irgendeine andere Sammlung von vordefinierten Kreaturen. Oh, ich kenne und besitze solche Bücher durchaus, sogar zu verschiedenen Regelwerken – ich benutze sie nur allerbestenfalls als Inspiration für meine eignen kranken Ideen. Könnte natürlich daran liegen, dass ich schon seit Jahrzehnten beinahe ausschließlich auf Basis meines eigenen Homebrew-Systems leite. Das ist allerdings nicht der Hauptgrund, denn die Leitfrage, die ich mir immer stelle, ist nicht, wie die Chars meiner Spieler mit dem fertig werden, was ich ihnen vor den Latz knalle – sondern, ob es MIR Spaß machen wird, diese Kreaturen zu spielen! Pen’n’Paper ist vieles: zuvorderst eine Möglichkeit, narrativ in andere Welten einzusteigen, jemand anders sein zu können als man selbst ist, Dinge tun zu können, die man selbst nie tun könnte (oder wollte… jetzt mal ernsthaft – wer hätte schon WIRKLICH Lust, sich mit Vampiren, Aliens oder einer Drogendealergang zu kloppen, hm…?) – sich also in Eskapismus zu üben. Pen’n’Paper ist aber auch Problemlösen – und zu den am häufigsten verwendeten Problemen gehören im Storytelling seit der Antike nun mal Antagonisten. Was wäre etwa ein Krimi ohne einen guten Bösewicht (Oh – eine contradictio in adjecto… wie nett). Nun ist mein Regelwerk NICHT auf das taktische Zerkloppen von Monstern ausgelegt. JA – es gibt ein Kampfsystem, JA – es wird auch bei uns gekämpft, NEIN – es gibt keine ausufernden Taktik-Regeln, sondern vor allem “theatre of the mind”. Wenngleich auch an meinem Tisch manchmal eine Art Battlemap und Minis benutzt werden. Minis sind einfach dope as hell!

Mir geht es vor allem um die Motivation und Ziele der Antagonisten. Das sind bei mir keine 2-dimensionalen Wegwerfartikel, wenngleich es natürlich Minions gibt, bei denen man keinen zweiten Gedanken darauf verschwenden muss, ob es okay ist, die zu killen. Manche Kreaturen sind einfach durch ihre Natur böse oder durch ihre Fremdartigkeit so sehr ihren Instinkten unterworfen, dass man mit ihnen nicht rational verhandeln kann. Dieses Etikett tragen sie dann allerdings zumeist auch sehr offen vor sich her. Die Haupt-Antagonisten hingegen sind üblicherweise voll entwickelte, dreidimensionale Charaktere – und ich folge dabei recht häufig meiner individuellen Überzeugung, dass der Mensch das schlimmste Monster ist, welches sich die Natur ausdenken konnte (man darf im Fantasy-Bereich für “Mensch” aber auch gerne mal eine andere humanoide Spezies einsetzen). Wenn es um diese Wesen und ihre Geschichten geht, so lasse ich meiner Fantasie gerne freien Lauf. Bei mir geht das so: In diesem dämmrigen Zustand zwischen Bewusstsein und Traum, wenn man gerade im Begriff ist, vom einem in den anderen Zustand hinüber zu gleiten, lassen Richtung und Thema der eigenen Träume sich manchmal beeinflussen. Es sind diese Momente, in denen mir wirklich gute Ideen kommen. Zumeist habe ich mir allerdings vorher visuelle Inspirationen geholt, indem ich z. B. durch Pinterest (c) oder irgendeinen anderen visuellen Aggregator gesurft bin. Oft ist es so, dass unterdessen ein spezielles Bild mich anspringt und in meinem Kopf in der Folge nach und nach eine Geschichte zu der gezeigten Person oder Kreatur entsteht. Und beim Übergang ins Traumland setzt sich dann alles zusammen. Manchmal habe ich aber auch sofort eine Idee, die ich zu Papier bringe. Auf diese Weise füllen sich meine Notizbücher.

Es ist weder notwendig, meine Methode zu kopieren, noch nach irgendwelchen CR-Werten in Monstermanualen zu schauen. Das in manchen Regelwerken abgedruckte “Creature Ranking” kannst du nämlich in der Pfeife rauchen, wenn die Würfel deiner Spieler während der Sitzung heiß wie Lava oder kalt wie flüssiger Stickstoff sind. Die Action-Economy ist regelseitig auf durchschnittliche Würfelergebnisse zugeschnitten, weil wir alle an Gauß’sche Normalverteilungen glauben. Nur… unsere Würfel interessieren sich manchmal einen Scheiß für Gauß! Drei bis vier naturelle 20er zerstören ein Encounter, drei bis vier naturelle 1er deine Gruppe – zumindest mit etwas Pech. Und wer findet einen Total Party Kill schon lustig, außer denen, die NICHT dabei waren…? Manchmal muss man nachlegen, manchmal muss man die Bremse anziehen – was absolut NICHTS daran ändert, dass DEINE Encounter nur spaßig sind, wenn DEINE Kreaturen und Antagonisten DIR als Spielleitung Spaß machen. Wenn deine Spieler dann auch noch kreative Wege finden, die Mistviecher und ihre Meister zu bezwingen, steht einem wirklich guten Spieleabend nichts mehr im Wege… Klang das jetzt ein bisschen so, als wenn bei uns auch nur Monster-Slaying läuft? Tja, sagen wir mal so – Antagonisten treten einem nicht nur auf dem Schlachtfeld gegegnüber. Auch so genannte Social Encounters können es in sich haben: vermeintliche Feinde werden zu Verbündeten oder gar Freunden; und umgekehrt. Die Methode zur Erschaffung aller NSCs bleibt immer die gleiche – es geht um die, eventuell krasse Geschichte hinter der Figur und den coolen Scheiß, den diese deswegen u. U. drauf hat. Make them as memorable as possible!

Und vergesst dabei bitte nicht, dass das Terrain wie ein Mitspieler ist. Nutzt Räume, oder auch das Gelände nach allen taktischen Regeln der Kunst – aber gebt euren Spielern die Chance, dies auch zu tun. Und bedenkt, dass die meisten Spielrunden sich ohne einen SEHR deutlichen Hinweis NIEMALS taktisch zurückziehen werden, weil sie stets glauben, IHR würdet die Encounter von vorn herein so balancen, dass ihre Chars diese überstehen bzw. gewinnen können. Sagt ihnen in aller Deutlichkeit, dass diese Annahme Bullshit ist! Denn selbst, wenn man das als SL versuchen würde… vier naturelle 1er und verkackte Death-Saves und der Abend läuft vollkommen anders als geplant. Sagt ihnen, dass IHR Spaß haben wollt, und daher eure Antagonisten im Zweifel als Asskicker designed habt, und dass diese NSCs überdies keine Ahnung haben, dass sie Figuren in einem Spiel sind. Die agieren, um zu gewinnen, genau wie die Chars! Sobald die Spieler DAS verstanden haben, fangen sie vielleicht irgendwann an, über ihre Handlungen VORHER nachzudenken. Und sich über mögliche Konsequenzen ihres Handelns Gedanken zu machen. Derweilen designe ich mal die nächsten Encounter – immer wissend, dass Encounterdesign nicht nach dem Initiative-Wurf endet, wie Matt Colville immer so schön sagt. In diesem Sinne – always game on!

Auch als Podcast…