Writing Fiction #4 – … how to write action?

Um es gleich nochmal vorweg zu schicken: es nutzt absolut nichts, den Schaffensprozess einer anderen Person zu kopieren, wenn man sich irgendwann tatsächlich ans kreative Schreiben macht, weil einen die eigenen Biographie vollkommen andere stilistische und inhaltliche Entscheidungen treffen lässt, als die Person, die man gerade kopiert. Ich kann also nicht die Herangehensweise irgendeines bekannten Autors nachahmen und hoffen, so auf die Erfolgsspur zu kommen, weil ich a) durch die Erfahrungen meines bisherigen Lebens unter vollkommen anderen Voraussetzungen schreibe und b) mich vermutlich für vollkommen andere Genres und Erzählfiguren interessiere und c) möglicherweise bereit bin, Dinge zu beschreiben, die jener kopierte Autor niemals beschreiben würde; oder aber umgekehrt. Die Art und Weise, wie eine Szene sich entwickelt, hängt also zuvorderst von den Vorlieben der schreibenden Person ab. Beispiel: Wenn ich etwa ein großer Fan von klassischem Action-Kino bin und es total feiere, wenn man die Kinetik der Kämpfe vor dem Bildschirm regelrecht fühlen kann, dann werden möglicherweise in meinen Geschichten ablaufende Action-Szenen zumindest versuchen, diese Kinetik beschreibend einzufangen. Was nicht unbedingt einfach ist. Vor allem aber werden meine Bücher überhaupt solche Szenen enthalten, weil mir dieser Aspekt der Geschichte wichtig ist. Damit ist jedoch noch nichts darüber ausgesagt, inwiefern Action zu einem Selbstzweck werden kann, anstatt tatsächlich das Drama, bzw. die Spannung in meiner Story zu befördern. Ich bin übrigens jemand, der die Kinetik und die Situation gerne mit Worten einzufangen versucht. Nicht immer erfolgreich, was mich nicht davon abhält, es dennoch zu versuchen.

Ihr Herz pumpte wild, während sie hastig hochkam, um sich in eine Türnische zu drücken. Diese zwei waren nicht so gut, wie sie es vom Syndikat in Erinnerung hatte. Die waren überhaupt nicht Surmenjows Stil. Dann hörte sie ein Sirren. Es kam rasch näher. Zu rasch für sorgfältige Sensoren-Arbeit. Das Monomesser bohrte sich ins Schloss und sie warf sich so weit ins Zimmer, wie sie nur konnte, als direkt an der Tür etwas detonierte.

Miranda war auf das Sofa gestürzt und hatte es dabei mitgerissen. Es dauerte endlose Zehntelsekunden, sich der Tür zuzuwenden und die nutzlos gewordene Kapuze runterzuziehen, denn die Combogranate hatte nicht nur die Tür samt Zarge atomisiert, sondern auch die integrierte Technik ihrer leichten Panzerung überladen.

Der erste kam ebenso tief um die Ecke, wie sie gerade eben und eröffnete ohne Zögern das Feuer. Sie hechtete über das Bett, diesmal ohne einen weiteren Treffer einzustecken und blieb rücklings liegen. Schritte kamen schnell näher, einer sprang auf das Bett, genau in ihre Salve.

Die Yugima Lightning war eine schwere Plasmapistole. Aus Kernschussweite war ihre Durchschlagskraft berüchtigt. Den hier würde man nicht mehr befragen können. Mit der anderen Hand warf sie das Monomesser nach dem zweiten und er war so dumm, diesem Angriff auszuweichen. Die zweite Salve entleibte auch diesen Gegner.

Die Frage, die sich hier stellt ist, wie viel Detail ich brauche, um einen Sachverhalt plastisch erscheinen zu lassen und wie viel Detail ich will, um meinem persönlichen Stil gerecht zu werden? Action-Szenen sind deshalb ein gutes Beispiel, weil sie sehr plastisch zeigen, wie stark Brutalität, Grausamkeit, explizite Bilder, etc. in meiner Erzählung zum Tragen kommen. Also… ob Leben in dieser Geschichte nichts oder nur wenig wert sind (ein Hinweis auf die interne soziale Logik der Welt, die ich beschreiben will) , wie aus- und eindrücklich ich die grausigeren Aspekte von Action schildere (sind mir Splatter- und Schockeffekte wichtig?), wie mächtig meine Protagonisten sind (bestehen sie die Kämpfe mit Leichtigkeit, oder ist jeder einzelne Sieg hart erkauft?) und wie heroisch/gerecht sie kämpfen (gibt es Gnade und Zurückhaltung, oder zermetzeln sie alles, was nicht bei drei aus dem Raum ist?). Action, bzw. deren Vorhandensein sagt also nicht nur etwas über das Genre aus, sondern deren Qualität erzählt auch viel über die Protagonisten, die sozialen Verhältnisse und die innere Logik meiner Erzählwelt. Es sei denn, ich schreibe Action nur, weil ich gerade Bock habe, Action zu schreiben. Dann kann das Ganze u. U. schnell in Langeweile oder Überforderung kippen. Action, nur um Action zu zeigen, funktioniert im Kino (bzw. in allen visuellen Medien), weil ich sehr viel Bewegung und Drama in wenig Screen-Time packen kann, Als Zuschauer kann ich diverse Aspekte gleichzeitig sehen und hören. Im “Theatre of the mind”, welches ich beim Lesen im Kopf entstehen lasse, ist das wesentlich schwieriger, weil Worte allein nicht so schnell so viele Informationen transportieren können. Das bedeutet, dass ich den Kontext der Auseinandersetzung schaffen muss, bevor diese beginnt. Und ich tue gut daran, auch im Text mit klassischem Center-Framing zu arbeiten, also die Szene komplett zu zeigen, um den Raum, die Stellung der Gegner zueinander und den eigentlich Austausch von Gewalt unmissverständlich beschreiben zu können. Wer wissen will, wie Center-Framing aussieht, schaut sich “Mad Max – Fury Road” oder “The Raid” an. Das vollkommene Fehlen von Center-Framing, erzeugt durch eine Brechreiz erregende Fülle von Schnitten in kürzester Zeit sieht man in diversen neueren Action-Filmen; insbesondere, wenn die Hauptdarsteller schon ein recht reifes Alter erreicht haben und sich einfach nicht mehr so schnell bewegen können…

Kommen wir zurück zum eigentlichen Punkt: wie schreibe ich Action? Es beginnt damit, dass ich eine Idee davon brauche, was in dieser Szene Anfangs- und Endpunkt sein werden. Was in den Sekunden oder Minuten Handlung dazwischen passiert, muss nicht zwingend schon vorher festgelegt sein. Wenn ich eine Action-Szene schreibe, weiß ich aber stets, wo ich starte und wo ich enden will. Der Weg dahin wird eigentlich immer – on the fly – durch die Unzahl an visuellen Medien oder anderen Büchern determiniert, die ich in meinem Leben schon konsumiert habe. Natürlich kopiere und remixe ich Dinge, die andere schon mal gemacht haben. Das tut jeder Autor. Was ich aber ebenfalls vorher wissen muss, ist, was diese Szene für die Gesamtgeschichte bewirken soll: steigere ich die Spannung, indem entweder Protagonisten oder Antagonisten gewinnen? Gebe ich einen Einblick in die Psyche der Protagonisten oder Antagonisten? Löse ich die Spannung der Geschichte auf – in die eine (Lysis) oder andere (Katastrophe) Richtung? Wo auf meinem Regeldrama-Kontinuum befinde ich mich gerade? Ich muss das nicht unbedingt explizit auzfschreiben, also etwa in einem Storyboard oder einer Plotübersicht (ich verwende dafür eine Tabelle, welche die Charaktere, die Schlüsselszenen, die Nexuspunkte und die Konflikte benennt). Ich halte das jedoch auch für geübte Autoren für eine ganz gute Idee, denn man verliert sich manchmal allzu leicht im Dickicht der fiktiven Charaktere und ihrer Beziehungen… Ich hatte zu Anfang gesagt, dass man nicht den Prozess eines anderen Autors kopieren soll und dazu stehe ich immer noch. Aber ich habe ein paar Tips, die ich zum Schluss nochmal zusammenfassen möchte:

  • Kenne Startpunkt und gewünschten Endzustand deiner jeweiligen Szene.
  • Sei dir darüber im Klaren, was die Action über deine Welt aussagen soll (soziale Verhältnisse, Qualität, Grausamkeit und Regelmäßigkeit der Gewalt, Verhältnis der Protagonisten zu Gewalt?).
  • Habe eine klare Vorstellung davon, wie alle Charaktere miteinander interagieren (kenn also die Charaktere, ihre Verbindungen, ihre Konflikte, ihre Motive).
  • Finde deinen eigenen Stil, Action zu beschreiben – oder aber deinen eigenen Weg, die Beschreibung von Action in deinen Geschichten elegant zu umgehen.
  • Schreibe so viele Szenen wie möglich, auch gerne ohne Kontext, um herauszufinden, was dir liegt – und was nicht. Und gib dich NICHT mit dem First Draft zufrieden!

So. Das war’s für heute. Ich wünsche einen guten Start in die neue Woche und viel Spaß, falls ihr zum Schreiben kommen solltet.

Auch als Podcast…

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