Werte-Gemeinschaft – Part V

Eigentlich wollte ich heute über die vielbeschworene, aller Abneigung gegen rechte Thesen zum Trotz dennoch durchaus existente Bedrohung durch den Islamismus reden. Aber manchmal reagieren die Leute tatsächlich auf das, was ich äußere und wenn dies auf gehaltvolle Weise geschieht, ist mir das auch die Zeit wert, hier darüber zu meditieren. Doch zunächst das Zitat (es wurde nur um der Handhabbarkeit Willen ein wenig gekürzt):

„Wir werden in der nächsten Zeit Veränderungen erleben, die wir uns nicht wünschen. Die Migranten werden nicht aus Nächstenliebe ins Land gelassen, es ist das zukünftige Prekariat, das den Mindestlohn von 8,50 Euro sprengen wird und für kleines Geld für die Reichen in der Republik arbeiten wird.
Es sind 100 Tausende von Menschen im Land die nicht erfasst sind, da sie sich nicht in die staatlichen Auffanglager begeben haben. Die Politik wird mit Straßensperren / Checkpoints reagieren, wir werden bei einer Fahrt von Mannheim über den Rhein nach Ludwigshafen unsere Ausweise zeigen müssen, damit die Menschen nachträglich registriert werden. Es wird ein Europa der Grenzen werden… […] Das ist nicht mein Europa. Ich bezeichne mich als Europäer mit der Heimat Kurpfalz und einem deutschen Pass. Ich liebe es vom Nordkap bis Süditalien ohne Ausweis zu fahren. Und diese Freiheit möchte ich nicht verlieren“

Was hier geäußert wird, habe ich an dieser Stelle schon einmal angeschnitten und auch ich sehe die große Gefahr, dass die Zuwanderer sozialversicherungspflichtige Arbeits-verhältnisse sprengen und den ohnehin schon prekären Arbeitssektor noch weiter in Bedrängnis bringen. Sicher reibt sich der eine oder andere Arbeitgebervertreter schon die Hände bei dem Gedanken, endlich noch ein Chalet in der Schweiz kaufen zu können – die liefern ja auch nicht aus, wenn’s hier dann irgendwann hart auf hart kommt. Aber ebenso sehr glaube ich daran, dass viele dieser Menschen willig und fähig sind, sich in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren und produktiv in unserem Wirtschaftssystem mit zu arbeiten, egal wie gerecht oder ungerecht es zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch sein mag. Unser Problem ist, dass Staatsministerin Aydan Özoğuz, unsere Bundesbeauftragte für Migration heute nichts weiter ist, als ein Feigenblättchen für die bislang extrem mangelhafte Fähigkeit unserer Politik, sich den Fängen ihrer neoliberalen Einflüsterer zu entziehen und endlich Geld in die Förderung und Bildung von Migranten zu stecken, anstatt sie in einem Bildungssystem, welches durch vielfältige soziale Mechanismen Kinder aus „gutem Hause“ viel zu oft automatisch bevorzugt, immer und immer wieder gegen unsichtbare Wände laufen zu lassen.

Unsere bundesweit tätige Kaffeehausmafia der Industrie-Lobbyisten weiß sehr genau, dass sich ein Prekariat nur dann im Griff und für die dreckigen, schlecht bezahlten Jobs bei der Stange halten lässt, wenn diese Menschen keine Alternativen, keine Hoffnung, keine Visionen haben; die meisten von ihnen müssten diese erst von jemandem gezeigt bekommen. Und was für die „alten Migranten“ gilt, hat sich bei den neuen kaum verändert. Solange auch kleine Privatanleger glauben, mit Aktienfonds für das Alter vorsorgen zu müssen, wird sich allerdings nichts an der geringen Nachhaltigkeit und kurzfristigen Gewinnorientierung der Unternehmen ändern, die ihre Manager quasi wie eine selbst erfüllende Prophezeiung vor sich her treibt: „Du musst dieses Quartal mindestens 7% Kapitalrendite erwirtschaften, um die Anleger zufriedenzustellen!“ Dass diese Margen auf dem Rücken derer erwirtschaftet werden, die glauben, vom System zu profitieren ist für mich persönlich die wahrhaft bitterste Ironie des Schicksals überhaupt! Doch es gäbe Wege, dem entgegen zu stehen, wenn man nur endlich von der Couch hoch käme!

Was aber nun Europa betrifft: das Gespenst des wieder erstarkenden Nationalismus weht durch Europa seit vor dem Beginn der internationalen Finanzkrise 2009. Dass sich nicht so mancher schon lange wieder aus der Staaten-Union verabschiedet hat, liegt doch nur an den mannigfaltigen Bezügen aus Brüssels Honigtöpfen, welche die Kosten der Krise ein wenig gedämpft haben. Anstatt aber die richtigen Schlüsse aus der Krise zu ziehen und dem Neoliberalismus endgültig den Rücken zu kehren, die Finanzmärkte zu regulieren und die Verursacher die Zeche zahlen zu lassen, hat man nach der Privatisierung der Gewinne die Kosten sozialisiert und auf uns alle abgewälzt. Doch anstatt zu begreifen, dass das Problem global ist, begann man noch vehementer mit dem Finger auf andere zu zeigen, woran die jeweiligen nationalen Medien so gut wie immer Mitschuld tragen – auch hier in Deutschland.

Auch ich möchte ein Europa ohne Schranken, einen Kontinent, ein Bündnis von Staaten in welchem ich mich frei bewegen, äußern und arbeiten kann! Auch ich fühle mich als Europäer mit kurpfälzischem Wohnsitz und deutschem Pass, aber so lange der Idee von Europa immer wieder mit der Idee nationaler Selbstbestimmtheit begegnet wird, welche aus dem Gedanken erwächst, dass es tatsächlich bei irgendeinem der europäischen Staaten so etwas wie eine gemeinsame nationale Identität, eine gemeinsame nationale Geschichte, ein gemeinsames nationales Schicksal gibt, dass auch unabhängig von Nachbarn – und damit von Europa – Gültigkeit und Legitimität besitzt, werden wir davon nur träumen können! Europa beginnt in den Herzen und solange Politiker mehr auf ihre Wahlergebnisse und ihre Verbindungen zu den Lobbyisten schielen, anstatt tatsächlich an einer gemeinsamen Agenda zu arbeiten, wird es auch immer nur ein Traum bleiben. Und so lange es ein Traum bleibt, was uns dazu zwingt, das Flüchtlingsproblem zunächst nur hier bei uns lösen zu können, fällt uns Deutschen die schwierige Aufgabe zu, zu zeigen, wie man es richtig macht. Ob wir das schaffen können? Ja, wir können – aber nur, wenn möglichst viele mitmachen!

Werte-Gemeinschaft – Part IV

Heimat als Wertegemeinschaft gemeinsam gestalten! Dieser Traum ist gegenwärtig zu schön, um wahr sein zu können; die Vielzahl der aktuellen Probleme bedeutet, dass zuerst einmal alles im Notfallmodus funktioniert, um wenigstens halbwegs Herr der Lage werden zu können. Es ist zwar nicht verkehrt, die Ärmel hochzukrempeln und ans Werk zu gehen, zeugt aber auch davon, dass einerseits die sich anbahnende Flüchtlingswelle nicht richtig eingeschätzt wurde und andererseits, als man hätte wissen können (und müssen), dass es richtig rund gehen würde, man die Öffentlichkeit nicht davon in Kenntnis gesetzt hat. Man hat sich sogar selbst belogen, den Kopf in die Hände gelegt und wie ein kleines Kind gesagt: „was ich nicht sehen kann, das existiert nicht“. Und das war dumm, sogar sehr dumm!

Das organisatorische Chaos, welches im Moment an der Flüchtlingsfront herrscht hat mehrere Ursachen. Zuvorderst die chronische Unterfinanzierung vieler Kommunen, die für die Erstaufnahme, Registrierung, Unterbringung, medizinische Versorgung, Unterrichtung und noch manches mehr zuständig sind und erst mit großer Verzögerung und in immer noch zu geringem Rahmen mit den hierfür dringend nötigen finanziellen Ressourcen unterstützt werden. Dann die ebenso chronisch unterfinanzierten Hilfssysteme des Bundes und der Länder. Es kann nicht angehen, dass man eine noch monatelang absehbar problematische Situation auf die Schultern derer abwälzt, die sowieso schon am Limit laufen. Einsatzeinheiten des Katastrophenschutzes sind weder personell noch materiell dafür geeignet, auf lange Sicht Flüchtlingserstversoger zu spielen. Und schließlich die – habe ich erwähnt, dass das so eine Art roter Faden ist – chronisch unterfinanzierten Polizeien der Länder und des Bundes. Man kann nicht jahrzehntelang den öffentlichen Dienst auf Verschleiß fahren und Spitz auf Knopf kalkulieren, ohne dass sich das irgendwann rächt. Aber auch das hat der dumme, alte Schwabe noch immer nicht kapiert.

Die Situation verlangt nach klarer Kante. Aber nicht der klaren Kante der Sofortabschiebung (was auch immer das bei der Bräsigkeit deutscher Beamtenapparate wohl zu bedeuten hat), der Transitzonen (willkommen in Bayrisch-Guantanamo) und der Sachleistungen anstatt Bargeld (ja klar, die kommen alle nur wegen des Geldes…); sondern vielmehr einer klaren Ansage aus Berlin, wann wie und wo gebaut wird, wie viele Lehrer, Sozialarbeiter, medizinischen Fachangestellten und Ärzte für Erstaufnahmestellen vom Bund bestallt werden, sowie Sachbearbeiter für die Ämter und Polizisten für den Sicherstellungsauftrag. Für all diese Bereich gibt es durchaus Fachkräfte am Markt, die aber von der Industrie nicht mehr angefragt werden, weil sie denen zu alt oder zu teuer sind. Ein Land wie unseres, in dem überall über Fachkräftemangel gejammert wird, leistet sich schon seit Jahren einen Brain-Drain durch krankhafte Verjüngungsmaßnahmen an allen Ecken und Enden, der uns mit Sicherheit mehr als nur ein paar Euro gekostet hat und kosten wird, weil in harter Arbeit erworbene Handlungspraxis einfach für wertlos erklärt wird. Diesen Menschen könnte man leicht eine neue Chance im Bereich der Flüchtlingsarbeit bieten. Der Bedarf ist so groß, dass man mit Sicherheit tausende Menschen ganz rasch wieder in Lohn und Brot bringen könnte. Ich könnte mir vorstellen, dass dem Herrn Weise, der nun ja mit der Agentur für Arbeit und dem Bundesamt für Migration beide Schlüsselstellen in der Hand hat, schon ein paar Ideen gekommen sind.

Einzig dafür notwendig wäre eine Gesetzesinitiative, die zunächst einmal offiziell klärt, was schon lange jeder weiß, nämlich dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und dies auch bleiben wird. Und die überdies die Rahmenbedingungen schafft, in denen eine – dringen gebotene – Professionalisierung der Flüchtlingsarbeit in allen Fachbereichen und auf allen Ebenen bis hinunter zu den kleinsten einzelnen Kommunen, die Asylsuchende aufnehmen schnell und effektiv ermöglicht wird. Der Bund hat im Artikel 73 des Grundgesetzes die Basis dafür, es bedarf dafür lediglich des politischen Willens! Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Länder und Kommunen dem Bund für eine zeitweise Entlastung sehr dankbar währen. Man kann ein solches Gesetz ja so gestalten, dass es Übergangsfristen vorsieht, nach denen die jeweiligen Zuständigkeiten wieder ortsnah übergeben werden. Eine Karenz von sagen wir drei Jahren, gefolgt von einer dreijährigen Staffelung schaffte genug Zeit, sich vor Ort organisatorisch und personell zu konsolidieren.

Die ersten paar Jahre müsste sich Herr Schäuble entweder von der schwarzen Null verabschieden, oder aber unnötige Steuergeschenke an die Falschen abbauen; danach aber, wenn die schnelle und präzise Abarbeitung eines stetigen Zustromes einerseits die Spreu vom Weizen trennt (vulgo uns Terroristen und Unbelehrbare vom Hals hält) und andererseits eine gewisse Zahl hier tatsächlich eine neue Heimat gefunden und sich ein neues Leben aufgebaut hat (und damit auch konsumiert und Steuern zahlt) wird sich die Investition lohnen. Denn nochmal: wir brauchen jedes Jahr einen positiven Einwanderungssaldo, um die rapide Überalterung der Bevölkerung aufzufangen, sonst gibt es irgendwann niemanden mehr, der uns im Alter pflegen könnte, geschweige denn jemanden, der das dafür notwendige Geld in die Solidarkassen einzahlen könnte. Und das sich unsere Kultur dabei ändern könnte… Nun, das tut sie schon immer, doch dass wir dabei einen islamischen Gottesstaat auf unserem Boden erben könnten, ist doch ein wenig weit hergeholt. Doch dazu morgen noch einmal mehr.

Werte-Gemeinschaft – Part III

Natürlich war das etwas überspitzt gestern, andererseits bin ich nicht der einzige, der auf diese Art argumentiert. Die Tage hatte jemand ein Bild des zerbombten Aleppo gepostet, mit dem Untertitel versehen, dass es gute Gründe gebe, Syrien zu verlassen. Die Antwort waren Bilder von verschiedenen deutschen Städten 1945, geschmückt mit dem – hier sinngemäß wiedergegebenen – Hinweis, dass unsere Leute aber dageblieben wären und die Scheiße wieder geflickt hätten. Na ja, wohin hätten sie auch gehen können, nachdem zum Beispiel alle östlichen Nachbarn die auf ihrem Territorium lebenden Volksdeutschen in Flüchtlingstrecks gezwungen oder sie gleich „entsorgt“ hatten. Immerhin war dieser Krieg aber auch schon vorbei. Für die Menschen aus Syrien gilt, der Krieg ist nicht vorbei! Nein, im Gegenteil führt die eigene Regierung Krieg gegen ihr Volk (ich nenne das auch Terrorismus) und die Menschen haben, Gott sei Dank, Alternativen. Sie können ihr Land verlassen. Weil aber rings um sie herum in der arabischen Welt nur failed states oder autoritäre Regimes zu finden sind, fliehen sie nach Europa. Würde ich auch so machen, wenn ich könnte. Aber das ist nicht, worum es hier im Kern geht.

Es geht im Kern vielmehr um die Frage, wie viel Leid ich zu Hause schon erlebt oder noch zu erwarten habe, wenn ich mich auf einen gefahrvollen Weg mache, mich dem Risiko des Ertrinkens, Verhungerns, Erstickens, Verdursten, ermordet Werdens aussetze, nur um am Ende dieser schier endlosen Wanderung mit nichts als den Kleidern am Leib und einem Handy (der einzigen verbliebenen Verbindung zu Familie und Freunden) in einer Lagerhalle abgesetzt zu werden; umgeben von Anderen, denen wie mir nur die Hoffnung auf die Gnade einer, zumindest dem Anschein nach seelenlosen Bürokratie bleibt, welche in Verbindung mit der Präsenz von Sicherheitsleuten und Polizisten sicher verdammt bedrohlich wirkt. Und schon bin ich wieder gefangen in einem System, in einem Wettkampf um Ressourcen und die Anerkennung meiner Verzweiflung. Zu viel Tränendrüse? Ja dann redet doch mal mit den Menschen, anstatt sie einfach nur hängen zu wollen!

Der Kern berührt die Frage nach Heimat. Was einen dazu bewegt sie zu verlassen, oder sie wortwörtlich mit Blut zu verteidigen. Ich habe gestern implizit erklärt, dass unsere Gesellschaft keinen anderen Wert anerkennen würde, als den des Geldes. Das ist zwar nicht vollkommen erlogen, es ist aber auch nur eine Seite der Medaille. Selbstverständlich gibt es jede Menge Menschen – gegenwärtig würde ich sogar vermuten, dass es die Mehrzahl ist – welche die Flüchtlinge bei uns begrüßen und ihnen helfen. Sie tun dies aus den unterschiedlichsten Motiven. Manche aus religiöser Nächstenliebe, manche weil es einfach ihr Job ist, manche weil sie sich etwas davon versprechen und wieder andere, weil sie sich moralisch dazu verpflichtet fühlen. Und manche helfen, weil es von ihnen erwartet wird, obwohl sie es eigentlich gar nicht wollen und Zweifel daran haben, ob das alles so richtig ist. Was das nun mit Heimat zu tun hat? Nun die Heimat ist da, wo das Herz ist und auch wenn viele Zuwanderungsgegner das wahrscheinlich erst mal in Abrede stellen wollen, auch die Menschen, die da kommen fühlen so. Sie haben eine Heimat aufgegeben, weil es dort einfach nicht weiterging und kommen jetzt hierher mit dem Wunsch, wenigstens auf Zeit bei uns eine neue Heimat zu finden. Jeder, der schon mal einen lieb gewonnenen Ort aufgeben musste, kann dieses Gefühl nachempfinden; das Gefühl zu vermissen und trotzdem weitermachen zu müssen.

Ja, nicht wenige haben keine Vorstellung davon, was sie hier erwartet, dass die BRD vom Paradies doch noch ein Stückchen weit weg ist und sind deswegen, aber auch wegen der Unterbringung und der Anfeindungen frustriert und wütend und traurig. Wäre ich auch. Aber unsere Heimat bietet genug Platz und Chancen für noch ein paar mehr, wenn wir es nur endlich verstehen könnten, dass wir miteinander gegen die Ungerechtigkeiten zu streiten haben, die unsere „Eliten“ uns jeden Tag auferlegen. Keiner hier muss Angst haben, weniger abzubekommen, weil jetzt mehr Asylanten zu uns kommen. Die Undemokraten konstruieren einen Kampf um mehr Verteilungsgerechtigkeit auf dem Rücken jener, die sie noch schwächer wähnen, als sich selbst, nämlich der Migranten.
Heimat ist, wo das Herz ist und tatsächlich schlägt mein Herz für Deutschland, aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies nur dem glücklichen Zufall zu verdanken ist, dass ich hier geboren wurde. Ich bin stolz auf mein Land, weil es einen weiten Weg gegangen ist und sich besser entwickelt hat, als viele andere. Aber in erster Linie bin ich stolz auf die Mitbürger, die Heimat nicht mit Nationalität verwechseln, sondern wissen, dass wir das Glück der Geburt im Sinne der Solidarität und der Menschenwürde mit anderen zu teilen verpflichtet sind. Die Nationalität ist nur ein künstliches Konstrukt, erschaffen um die Untertanen auf den Dienst am Vaterland zu verpflichten. Heimat jedoch ist das Gefühl der Liebe zu dem, was man am Ort seines Lebens zusammen mit allen für alle erschafft – und das Wissen um die Vergänglichkeit dieser Schöpfung.

Werte-Gemeinschaft – Part II

Erinnern wir uns an folgenden Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für diejenigen, die ihn nicht kennen (und sich dafür verdammt nochmal schämen sollten), es ist der erste Satz, Artikel eins, Absatz eins unserer Verfassung. Über das, was diese Worte meinen, könnte man doch trefflich streiten, nicht wahr? Klar scheint jedoch zu sein, dass jeder Mensch gemeint ist – und nicht etwa nur die Bürger unseres Staates – doch darüber, worin sich die Würde eines Menschen konstituiert, muss man reden dürfen? Oder? Eigentlich nicht, sie meint den unhintergehbaren Wert des Individuums an und in sich selbst. Und damit im Sinne des Satzes den Wert jedes Individuums – sofern es diesen Wert nicht selbsttätig verwirkt.

Was dieser rechtsphilosophische Exkurs soll? Nun, wenn unsere Verfassung den Wert jeden Individuums als Institut ohne Bedingung anerkennt, müssen wir wohl darüber diskutieren, was unsere Werte sind und wie viel sie uns wirklich bedeuten. Denn wenn irgendetwas über die Kultur unserer Gesellschaft ausgesagt werden kann, dann doch durch die Regeln, denen sich die in ihr lebenden Menschen verpflichtet fühlen? Was ist denn der Kern unserer durch „die Invasoren“ bedrohten Kultur? Das Christliche vielleicht?

[Achtung JETZT Polemik]

Ähm, jetzt mal so ganz ehrlich, die Nächstenliebe der meisten Menschen erschöpft sich in ein paar lumpigen Euro im Kollektenbeutel, die ein, zwei Mal, die man im Jahr in der Kirche ist. Oder in einer voll Steuerabzugsfähigen Spende an irgendeine NGO. OK, vielleicht unsere Kunst? Ja, und was genau ist das jetzt, unsere Kunst? Die Wallfahrtskirche in Altötting, Schloss Neuschwanstein, die Wartburg, der Zwinger, die Reichsfeste Cochem, die Musik von Bach, von Orff, oder doch lieber von Kraftwerk, die Werke von Gerhart Richter, Oskar Polke, der Bauhausstil, oder vielleicht die sogenannte Populärkunst unserer Tage? Ja was denn nun? Eine Kunst gibt es NICHT und sich auch nur einen Teil allen Kunstschaffens zu erarbeiten, ist eine Lebensaufgabe, die überdies die wenigsten meiner Zeitgenossen überhaupt interessiert! Also doch unsere rechtsstaatliche Ordnung, unsere Art, Gesellschaft zu organisieren. Und was ist das übergeordnete Prinzip allen ordnungsstaatlichen Wirkens seit 1946? Ja genau die soziale Marktwirtschaft. Wohlfahrt für (möglichst) alle durch ein solidarisch finanziertes Versicherungssystem. Oder anders gesagt: Alles lässt sich am Ende darauf herunterbrechen, dass irgendjemand für alles bezahlen muss! Willkommen im Kapitalismus!

Die besorgten Bürger und ihre Sympathisanten haben Angst, dass ihnen weniger bleibt, weil die Unterbringung, Versorgung und Unterrichtung von vielleicht 1,5 Millionen Flüchtlingen dieses Jahr einen Haufen Geld kosten wird. Einige Milliarden. Wahrscheinlich deutlich mehr als die 6, die man bisher eingeplant hat und denen zum Trotz unser idiotischer Schwabe, der eigentlich wissen sollte, wie sich ein Angriff auf einen selbst anfühlt, an seiner schwarzen Null festhalten will. Wo er dafür einspart, kann man sich ja denken. Mit Sicherheit jedoch nicht an den Milliarden-Geschenken, welche unsere Politik schon seit Jahrzehnten an die Wirtschaft macht, zum Beispiel in Form von Steuervergünstigungen, Mondpreisen für Arzneimittel, direkten Subventionen (siehe Braunkohle), immer noch vollkommen unzureichend regulierten Finanzmärkten – und nicht zuletzt offener Lobbyarbeit in Europa für die Automobilhersteller. Und wie wird es gedankt, dass all dies aus UNSERER HÄNDE ARBEIT bezahlt wird? Indem die Industrie und ihre Kaffeehausmafia aus „Beratern“ und „Interessenvertretern“ immer noch mehr verlangt!

Ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 EUR, der nicht mal zum Leben reicht, ist nicht bezahlbar? Vielleicht für Kleingewerbetreibende, die sich im Würgegriff der Konzernindustrie befinden, aber bei großen Unternehmen? Einen Scheiß, sage ich und es gibt direkt in Deutschland genug Beispiele, die das Gegenteil beweisen. Die Gier gewisser Leute ist nicht mehr lange bezahlbar, ohne dass wir eine humanitäre Katastrophe erleben werden, ohne dass noch irgendein Flüchtling extra dazukommen müsste. Wir haben in unserem Land Geld zum Scheißen, es liegt nur in den falschen Händen, den Händen so genannter Eliten, die längst jedes Maß und jeden Realitätssinn verloren haben…

Wenn also irgendjemand meint, dass er jetzt die Zeche für die Flüchtlinge bezahlen muss, dann liegt er damit vollkommen richtig, denn in einem Solidarsystem bezahlen nun mal alle für alle. Nehmen wir für einen Augenblick an, dass einer von denen, die sich gerade so unflätig ereifern nächste Woche einen Schlaganfall erleidet; dann bezahlen wir alle für ihn mit, wenn er plötzlich nicht mehr erwerbsfähig ist und überdies pflegebedürftig. Glaubt wirklich einer von euch, dass ICH gerne die Zeche für so einen Scheiß-Stammtisch-Paroleur bezahlen möchte? Natürlich nicht, aber ziehe ich deswegen los und fackele seine Wohnung ab, eventuell sogar mit ihm drin? Ebenso natürlich nicht, weil ich dem Umstand zum Trotz, das mir seine Gesinnung nicht passt ich seine Würde als Individuum achte (siehe Grundgesetz) und mich im Gegensatz zu unseren Eliten auch immer noch dem Solidaritätsprinzip verpflichtet fühle! Also, Schwamm drüber brauner Bruder, ich zahl auch für deine Sondenkost…

Werte-Gemeinschaft – Part I

Da kommen Fremde, die bedrohen unsere Art zu leben und kosten unser Geld! Da wird im Internet schwadroniert, dass man sofort Maßnahmen zum Schutz unserer Grenzen ergreifen müsste und dass wir überdies schnellere Abschiebeverfahren, Tansitzonen und Grenzzäune bräuchten. Dass viele von denen die da kommen überhaupt nicht integrationsfähig oder –willig sind. Dass überall im Land die Kriminalitätsraten bereits jetzt explodieren würden und dass die Politik in wirklich allem auf ganzer Linie versagt hätte. Und überhaupt!

Darauf wird von diesen Menschen, deren Argumente, objektiv betrachtet durchaus nicht von der Hand zu weisen sind von ihren Gegenübern eine sachliche Debatte verlangt; und dann passiert leider etwas sehr dummes: statt Fakten zu zücken beginnt man mit Stereotypen wie etwa der Nazikeule auf das (zumeist virtuelle) Gegenüber einzudreschen, anstatt die Argumente pro Zuzug aufzubringen, die es in großer Zahl gibt und die so schwer gar nicht zu finden und zu vertreten sind. Aber genau DAS findet im öffentlichen Diskurs immer noch nicht statt, immer noch stehen sich auf der einen Seite die „Gutmenschen“ und auf der anderen die „Nazis“ unversöhnlich gegenüber, obwohl bei objektiver Betrachtung die Standpunkte oft gar nicht so weit auseinander liegen. Warum also nicht mal beides aufdröseln, dachte ich mir…

Ich verstehe, dass man Sorge darum hat, dass die derzeit unkontrollierte Zuwanderung eine Menge Probleme mit sich bringt, die insgesamt bedrohlich wirken können. Auch ich denke mir gelegentlich „Man, man, man, ist es wirklich so schwer unsere Sitten zu erlernen, sie einfach zu akzeptieren und sich erstmal friedlich in sein Schicksal zu fügen, bis wir Ordnung in das Chaos kriegen?“ Warum muss ich dauernd Rettungswagen in Flüchtlingsunterkünfte schicken, nur um da Sozialfeuerwehr zu spielen, weil das System mit diesem Ansturm einfach nicht zu Rande kommt? Warum sind diese Typen auch noch gewalttätig gegeneinander, obwohl doch so viele von ihnen vor Gewalt geflohen sind? Warum haben die teilweise so ein Anspruchsdenken? Auch ich werde von Stereotypen, Vorurteilen, einem diffusen Angstgefühl und Anflügen von Xenophobie heimgesucht, da macht euch mal keine Gedanken. Wer beruflich damit zu tun hat, findet es schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr so toll, dieses euphorisch eingerautete „Wir schaffen das!“ Klar schaffen wir das, aber zu welchem Preis für mich, für meine Kinder, für jeden von uns? JA, ich habe auch Zweifel und Sorgen, aber nur an seinen Zweifeln und Sorgen wächst der Mensch wahrhaftig! Nehmt dies als Kalenderblattspruch und rahmt es euch ein!

Ich will, dass all jene, die in diesen Tagen solche Angst haben vor dem Flüchtlingsansturm sich daran erinnern, warum unser Land für uns eine so gute Heimat ist, warum diese anderen Menschen auch davon träumen, sich hier eine Zukunft aufbauen zu können – und was es tatsächlich bedeutet ein Deutscher zu sein. Denn gerade eine Rückbesinnung auf die Tugenden, die unser Land nach dem Krieg und Terror durch die Nazi-Herrschaft wieder groß gemacht haben könnte helfen zu verstehen, dass Angst das Letzte ist, was uns jetzt hilft! Sie treibt uns zu den Rattenfängern, Heilsversprechern und Unheilspropheten, die nur eines im Sinn haben: sich selbst groß zu machen auf Kosten der Schwachen, die keine Liga, keine Lobby und auch keine Macht haben. Denn all diese besorgten Bürger, die so eifrig unsere Kultur, unsere Heimat, unseren Wohlstand gegen „die Invasoren“ verteidigen wollen, übersehen dabei geflissentlich, dass ihr Tun die Basis unseres Zusammenlebens ad absurdum führt. Doch eins nach dem anderen! In den nächsten Tagen erscheint eine Serie von Artikeln, die sich mit den Dingen befasst, die uns vermeintlich als Nation einen und die es angeblich so vehement zu verteidigen gilt. Es ist mir, nachdem ich in letzter Zeit immer mehr Bullshit lesen musste ein Bedürfnis, noch einmal ausführlich darzulegen, wie ich denke und was das konkret bedeutet. Und weil das zu viel Content für einen Artikel ist, gibt’s eben mehrere. Also in diesem Sinne bis morgen.

Wer braucht schon Blogger?

Es entsteht – übrigens auch durch Zutun „der Medien“ – oft das Missverständnis, dass jeder Blogger so eine Art Bürgerjournalist sei, der sich nur sein Themengebiet selbst abstecke. Das ist, mit Verlaub riesengroßer Unfug, denn die „Arbeit“ der allermeisten Onlinetagebuchscheiber erfüllt kaum den Qualitätsanspruch, den man üblicherweise an Journalismus erhebt; dies bedeutet allerdings nicht, dass umgekehrt alle „echten“ journalistischen Angebote diesem Anspruch genügen würden. Es ist schwieriger geworden, Qualität zu finanzieren, weil viele Online-Angebote im Informationsbereich den Anschein erwecken, Qualität sei für lau zu haben. Doch eine anständige Recherche, der Zugang zu nichtöffentlichen Quellen, halbwegs vernünftiges Bildmaterial und ein fundiertes Wissen um den korrekten Gebrauch und die Wirkung von Sprache – also die Handwerkzeuge, die man benötigt, um ein gewisses Niveau überhaupt erzeugen zu können – verbrauchen Ressourcen; und die kosten Geld.

Speziell Zeitungsredaktionen sind gerade durch die Konkurrenz im Web unter Druck geraten. Viele haben dies bejubelt und im Wildwuchs „unabhängiger Informationsangebote“ im Netz einen großen Schritt zur weiteren Demokratisierung unserer Welt, zu digitaler globaler Informations- und Meinungs-Freiheit wahrnehmen wollen. Und in ihrem Freudentaumel vollkommen übersehen, dass einerseits viele dieser kleinen Plattformen so unabhängig gar nicht sind – viele Blogger lassen sich für ihre Artikel und Reviews nämlich bezahlen und manche leben von den Clicks, die für sie Werbeeinnahmen generieren, womit sie sich allerdings kaum mehr von den anderen Medienangeboten unterscheiden. Andererseits hat diese neue Konkurrenzsituation zu einer qualitativen Verschlechterung mancher herkömmlicher journalistischer Angebote geführt, denn schwindende Einnahmen haben den Druck erhöht, schnell viel Content produzieren zu müssen, um für die Werbung attraktiv bleiben zu können. Und schließlich mangelt es vielen neuen Medienschaffenden an den oben benannten grundlegenden Werkzeugen und Fertigkeiten. Es braucht halt doch etwas mehr zum Journalist-Sein, als ein bisschen Computer-Kung-Fu und ein loses Mundwerk.

Nun ist derjenige, welcher sich hier ereifert selbst kein ausgebildeter Journalist und man könnte jetzt doch mit Fug und Recht behaupten, dass ich deshalb meine Klappe zu halten hätte, oder? Nö, kann man nicht, denn einerseits behauptete ich nie, Journalist zu sein, obschon ich auch in Print-Medien schon veröffentlicht habe – sowohl journalistisch als auch Prosa – und ich verfüge zumindest über eine sozialwissenschaftliche Grundbildung. Tatsächlich aber ist dieser Blog für mich, wie bereits neulich erwähnt, eine Mischung aus Ergotherapie, Mittel der sozial-politischen Willensäußerung und Lehrveranstaltung (auch für Unbelehrbare). Doch selbst mit diesen Einschränkungen funktioniert es auch als Ort des Journalismus, so man diesem das Recht auf Meinungsäußerung des Autors zugesteht, was ja in den Stilformen der Kolumne und des Kommentars durchaus erlaubt ist, sofern man es gut sichtbar als solchen kennzeichnet. In diesem Sinne ist mein Blog auch journalistisch. Aber eben nicht nur.

Doch bevor man mich der Selbstbeweihräucherung bezichtigen kann, oder mir vorwirft, dass ich die allzu häufig einfach nur pathetischen Schreibversuche mancher Mitblogger hier böse verunglimpfe, komme ich lieber zu dem Punkt, den ich heute eigentlich machen will: auch wenn in der Tat vieles Mist ist, was in der Blogosphäre veröffentlicht wird, rechtfertigt doch die steigende Zahl wertig gemachter und auch inhaltlich wertvoller Angebote die Behauptung, dass die Bloggerei den Journalismus weiter gebracht hat. Denn mittlerweile schaut sich so manche Redaktion Tricks und Ideen bei den Bloggern ab und erweitert somit – ganz im Sinne des Kunden – ihr Kenntnis- und Fertigkeits-Portfolio. Und DAS kann doch eigentlich nur im Sinne des Konsumenten sein, nicht wahr?

Wirklich gut gemachte Blogs mit einem gewissen Anspruch erzählen die Geschichten dort weiter, wo der Mainstream, aus welchen Gründen auch immer, nicht weiter machen kann oder will und tragen so zu einer weiterführenden Pluralisierung unserer Medienlandschaft bei – und zu einer Ermächtigung der Zivilgesellschaft, indem Dinge zu Tage treten können, die „man“ lieber unausgesprochen gelassen hätte. Und mehr Transparenz bedeutet mehr Bürgermacht! Dass durch das Bloggen an sich die globale Demokratisierung befördert wird, kann ich allerdings nicht sehen, weil solche Blogs nur in Gesellschaften gedeihen können, die schon nach demokratisch-rechtsstaatlichen Prinzipien funktionieren. In autokratischen Staaten muss das Klima des Diskurses erst entstehen, welches die Hinterfragung von Protagonisten, Zielen und Funktionen der Macht erst möglich macht. Und bis es soweit ist, landen systemkritische Blogger im Knast. Man sollte sich überdies davor hüten, jemanden, der ein System kritisiert zum heldenhaften Demokaten zu stilisieren, nur weil er das System kritisiert. Der bekannte russische Dissident Alexej Nawalny zum Beispiel hat in vielen Äußerungen eine geistige Nähe zum rechten Nationalismus offenbart, die ihn nicht unbedingt als lupenreinen Demokaten ausweist; obwohl, wenn man die Definition Gerhard Schröders zu Grunde legt…

Um zur Eingangsfrage zurück zu kommen: wir alle können Blogger gebrauchen. Wir können jene, die Unfug fabrizieren als abscheckendes Beispiel gebrauchen, uns von jenen, die einfach nur unterhalten wollen auf eskapistische Ausflüge mitnehmen lassen und von denen, die wirklich etwas zu sagen haben, können wir lernen. Doch mit den Bloggern ist es im Moment wie in der Frühzeit der großen Tageszeitungen; so mancher da draußen verbreitet seine – unter Umständen äußerst fragwürdige – Meinung, ohne dass man zwischen Fakt und Tendenz ohne weiteres unterscheiden kann. Randolph William Hearst hat so einen Krieg ausgelöst. Daher gilt es, auch und gerade bei Blogs, allzeit kritisch zu bleiben. Denn richtig gebraucht/konsumiert sind sie – zumindest meines Erachtens – eine Bereicherung unserer Medienlandschaft. Au Revoir!

Neo-Nazi-Notiz

Ich hatte ja eigentlich vor, mich mit all den lustigen Menschen auseinanderzusetzen, die da teilweise überraschend, teilweise aber auch durchaus erwartet angefangen haben, braunen Dreck zu teilen, zu liken, oder gar selbst zu fabrizieren. Doch wie das im Leben mit guten Vorsätzen so ist, habe ich nun doch angefangen, Leute auf Facebook zu kicken, schlicht weil, wie ein lieber Kollege es so schön gesagt hat, „man im „realen Leben“ schon genug akustischen Dünnschiss ertragen muss. Da spar ich mir doch den visuellen.“ Eigentlich ist dem Wenig hinzuzufügen. Ich habe aber auch ihm gegenüber schon erwähnt, dass ich mich doch ein wenig davor fürchte, dass wenn zum Beispiel Facebook-Nutzer Leute aus ihren Freundeslisten kicken, die Nazi-Müll teilen, diese dann halt einfach nur noch untereinander bzw. miteinander kommunizieren und so eine Art braune Parallelgesellschaft im Netz entstehen könnte. Vermutlich ist das schon lange passiert, aber man muss deren Wachstum ja nicht unbedingt noch befördern. Wie dem auch sei, jetzt sah ich mich auch genötigt, den Druck auf mich selbst etwas zu reduzieren.

Alles in allem orientiere ich mich dabei daran, als wie intim ich eine Onlinefreundschaft erachte. Und bei den allermeisten ist das nicht in sonderlich großem Maße der Fall. Bei solchen „casual online acquaintances“, die man heutzutage in den social media auf unterschiedlichste Art sammeln kann, fällt es somit nicht besonders schwer, per Mausklick Bekanntschaft aufzukündigen. Allerdings ist es als Geste gegenüber dem Gekickten so gut wie gar nichts wert, denn tatsächlich ist sowas kein ernst zu nehmendes Statement, es dient lediglich dem Schutz der eigenen Nerven. Wie anfangs bereits erwähnt dachte ich, ich könnte mit dem Stress umgehen, aber dem ist mitnichten so! Oder besser gesagt, ich habe nicht die Zeit, oder die Motivation, mich mit so vielen „Problemfällen“ auf einmal zu befassen. Also fing ich an, auszusortieren…

Doch wenn man einmal damit anfängt, steht man ganz rasch vor neuen Problemen, weil man dann plötzlich damit befasst ist, Freundeslisten zu sortieren und die einzelnen Posten neu zu bewerten, um den Ausschuss entsorgen zu können. Also ist es eigentlich egal, ob ich mit den Spacken vom rechten Rand diskutiere, oder sie abserviere – Arbeit habe ich auf jeden Fall damit. Und zwar mehr, als ich je haben wollte. Womit ich beim finalen „so oder so“ wäre: Ich komme an Neo-Nazi-Notizen einfach nicht vorbei, egal ob ich sie anschreibe, oder sie kicke; denn für beides muss ich erst von ihrer Blödheit Notiz nehmen…

Sonne im Herzen?

Die letzten schönen Tage des Jahres galoppieren an uns vorbei, senden nochmal Sonne und halbwegs angenehme Tagestemperaturen, die einen zum Rausgehen animieren und Gelegenheit bieten, etwas Wohlgefühl zum Überstehen des hierorts unausweichlich herannahenden Schmuddelherbstes und Winters zu tanken. Ich bin eigentlich trotz der Hitze, die das Arbeiten tatsächlich schwerer macht, schon immer eher ein Sommermensch gewesen, ich fühle mich da ein bisschen wie eine Pflanze. Allerdings ist meine Photosynthese die Bereitstellung von Glückshormonen, wie man das im Volksmund so nennt. Bahnt sich die dunkle Jahreszeit ihren Weg durch den Kalender, spüre ich ebenso unausweichlich, wie’s mir ein wenig schwerer wird mit dem Wohlgefühl, dem Lächeln, dem Weitermachen an sich. Früher habe ich das nicht so gemerkt. Heute allerdings wird mir schmerzlich bewusst, wie sehr ich die langen Sommerabende brauche, um meine mentalen Batterien aufzutanken.

Unser Gehirn ist permanent damit beschäftigt, uns Streiche zu spielen, uns die Realität, wie sie eigentlich von blanken Zahlen repräsentiert wird vollkommen anders erleben zu lassen, verschoben und verdreht bis zu einem Punkt, da unser Bild von der Welt nur noch wenig mit ihrer wahren Beschaffenheit zu tun hat. Das erlebt man beim Diskurs über alle möglichen Themen, aber auch wenn man mal zu etwas recherchiert, von dem man fest der Meinung war, zu wissen worum es geht. Mit meinen Gefühlen ist das nicht anders. Nüchtern betrachtet geht es mir gut: ich habe eine wunderbare Familie, tolle Freunde und ein Heim, wo ich mich zu Hause fühle, habe einen festen Job, der unser Auskommen sichert, komme mit den Zielen, die ich mir selber gesteckt habe gut voran und werde fast überall respektiert und als der angenommen, der ich bin. Nach messbaren Parametern ist alles OK! Und doch…

…und doch spüre ich meine Dämonen. Sie waren schon immer da, mein ganzes Erwachsenenleben hindurch; vermutlich auch schon in meiner Jugend, das kann ich heute allerdings nur noch schwer nachvollziehen. Aber erst, wenn man mal knietief durch die Scheiße gewatet ist, kann man die Bedeutung mancher kleiner Zeichen richtig deuten, ahnen dass es noch lange nicht vorbei ist, nie vorbei sein kann; weil ein kleiner, zumeist sorgsam versiegelter Teil von mir diese selbstzerstörerische Macht der Depressionen niemals ablegen wird. Ich weiß das, doch wissen und begreifen sind so oft zwei paar Stiefel.

Es gibt eine Menge Dinge, an denen ich immer wieder ein Stück weit genesen, mich erholen, Kraft sammeln kann, aber mit meinem Temperament ist es in letzter Zeit wieder wie beim Hulk: „Ich bin wie ein blank liegender Nerv…“. Ich mag dieses Zitat, denn es erinnert mich stets daran, wie viel Kraft es mich an manchen Tagen kostet, den ganzen Arschgeigen, denen ich auf die eine oder andere Art begegne nicht einfach meine Meinung zu sagen, oder ihnen eine zu langen, sofern sie physisch präsent sind. SO VIEL KRAFT! Es ist nicht meine Art, anderen meine Probleme aufzubürden, auch wenn ich weiß, dass es ein paar wenige Menschen in meinem Leben gibt, zu denen ich jederzeit mit jedem Scheiß kommen kann, wenn es nicht mehr anders geht.

Doch es geht anders! Das ist einer der Gründe, warum ich dieses Blog pflege. Zwar nicht so regelmäßig, wie es das verdient hätte, aber immerhin finde ich immer wieder den Weg hierher, um die Welt um mich herum und die Art, wie ich sie erlebe offen zu reflektieren. Es drückt nicht nur meine Persönlichkeit aus, sondern hilft mir zudem, meine Gedanken zu ordnen. Irgendwie mache ich meine Leser damit zumindest dahin gehend zu meinen Therapeuten, dass sie meine Gedanken anhören – ob sie diese teilen, ist dabei zunächst für meinen ergotherapeutischen Nutzen unerheblich. Daher an dieser Stelle Danke für’s Zuhören, auch wenn es manchmal schwer fallen mag. Überdies – und da regt sich stets der Pädagoge in mir – pflege ich natürlich die Hoffnung, den einen oder anderen zum Nachdenken und zum offenen Umgang mit vielen gesellschaftlichen Themen anzuregen. Dieser Doppelsinn ist es, der mir schon in mancher Stunde ohne Sonne Frieden und Zufriedenheit geschenkt hat. Ich hoffe nur, dass ich vor lauter, lauter in der dunklen Zeit wieder regelmäßiger zum Scheiben komme; auch damit ich diesen Effekt erleben darf. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen und erfolgreichen Herbst.

Bild-ung?

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, zumindest wenn Betrachter und Schöpfer „die gleiche Sprache sprechen“. Das mit der Sprache ist allerdings so’ne Sache. Bildsprache ist genau wie jede andere Form von Kommunikation eine Angelegenheit, die einen gemeinsamen Zeichensatz, also einen Code voraussetzt, den alle Beteiligten kennen müssen, damit einander Verstehen gelingen kann. Die Kunst der Bildgestaltung beinhaltet also wesentlich mehr, als Blende, Belichtung, ISO, etc. einstellen zu können. Ein Objekt, oder auch eine Person so dazustellen, dass die Darstellung einen Sinn enthält, der über das bloß Gezeigte hinausgeht, also einen für möglichst viele andere erfahrbaren Bedeutungsüberschuss zu erzeugen, ist die wahre Kunst; zumindest in meiner Lesart.

Nun ist ein gemeinsamer Code, welcher die Interpretation dieser Bedeutung erlaubt ausdrücklich KEINE Frage von Bildung! Es geht einfach nur darum, die gleiche Sprache zu sprechen. Ob es dabei um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Jugend- oder Subkultur geht, oder die, weitesten teils rein enzyklopädische Wissensbasis des Bildungsbürgertums, welches sich – meines Erachtens zu Unrecht – als Spitze kulturellen Schaltens und Waltens versteht, ist vollkommen unerheblich; man muss lediglich Zeichen auf einer gemeinsamen Interpretationsbasis erkennen und nutzen können. Und auch abseits der Domänen klassischer humanistischer Bildung ist hierzu unter Umständen eine erhebliche kognitive Leistung von Nöten.

Gerade die sozialen Medien im Internet erzeugen heute mit teilweise rasender Geschwindigkeit eine Fülle neuer Formen, deren Decodierung für den nicht initiierten Betrachter oftmals nicht, oder nur teilweise möglich ist. Bedauerlicherweise kann dieser Umstand auch als eine Art Chiffre für diejenigen herhalten, die auf dem digitalen Weg fragwürdige oder auch illegale Botschaften verbreiten wollen. Schnell zu lernen, was hier genau übermittelt wird, erfordert dabei sowohl von den Strafverfolgern als auch von jedem, der verantwortungsbewusst mit dem Medium Internet umgehen können will einen aktiven Lernprozess und auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Subtexten zeitgenössischer Bildsprache. Menschen, die ihre Botschaften im oberflächlich Harmlosen verpacken, können den unbedarften Nutzer nämlich schnell in einen Dialog verwickeln, dem zumindest junge, wenig gefestigte Menschen nicht gewachsen sind. Dies ist einer der Prozesse, die zur Radikalisierung durch das Internet führen. Die Ästhetik des Djihad wirkt dabei zunächst eher unverfänglich, exotisch, verwirrend, aber auch verheißungsvoll und zieht so die leider allzu häufig eher wenig reflektierten Konsumenten unter Umständen schnell in ihren Bann.

Den Umgang mit Bildsprachen zu vermitteln ist somit ein, auch aus aufklärerischer Sicht notwendiger Teil von Bildung, der absolut nichts mit der Anhäufung enzyklopädischen Wissens zu tun hat, sondern vielmehr mit der Vermittlung der Fähigkeit sowohl klassische als auch zeitgenössische Bilder decodieren zu können. Kein einfaches, wohl aber ein lohnendes Unterfangen, nicht nur aus künstlerisch-ästhetischer Sicht, sondern auch aus pädagogischer und kultureller. Denn wenn man Kultur als einen Prozess begreift, also etwas, das in Bewegung ist, dann sind alle Ausdrücke von Kultur – darunter auch das, was wir Kunst nennen – auch im natürlichen Wandel begriffen. Akzeptiert man diese Sichtweise, muss man sich immer wieder auf neue Wahrnehmungen einlassen, auf neue Interpretationen und Ausdrucksformen.

Für mich ergibt sich daraus eine spannende Ambivalenz: zum einen spricht es den Lehrer in mir an, up to date zu bleiben, selbst neue Formensprachen rasch und präzise interpretieren zu erlernen, um adäquat darauf reagieren zu können. Auf der anderen Seite steht meine Kreativität zur Disposition; auch sie muss sich weiter entwickeln, denn sonst werde ich mir selbst langweilig. Und meinen Lesern wahrscheinlich auch. Also immer schön weiter lernen, nicht nur um diejenigen erkennen zu können, die das Internet für sinistere Zwecke ausnutzen, sondern auch, weil vieles Neue spannend ist und einen auf mehr als eine Art weiter bringen kann.

Schaffen wir das?

Um’s gleich deutlich vorweg zu nehmen: ich bin immer noch der Meinung, dass diese Frage positiv beantwortet werden sollte. Nicht etwa, weil ich eine Rosarote Brille trage, die meinen Realitätssinn abschaltet, wie ein Bekannter es auf Facebook dieser Tage so schön geschrieben hat, sondern weil unsere Leistungsfähigkeit mitnichten ihre Grenzen erreicht hat; vielerorts hat man ja erst angefangen, richtig aufzudrehen. Der Bekannte orakelt von Bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die wir zu erwarten hätten, weil die Gewaltkriminalität um ein Vielfaches zugenommen habe. Ich hab das an Hand der aktuellen Zahlen aus Baden-Württemberg mal kurz gegengerechnet. Wenn man davon ausgeht, dass die Zahl krimineller Delikte insgesamt ohne Flüchtlingszuzug auf dem gleichen Niveau geblieben wäre, hätten durch Flüchtlinge verübte Straftaten (wir sprechen allerdings nur von eröffneten Ermittlungsverfahren – wie viele davon tatsächlich strafwürdig im Sinne des StGB sind, bleibt abzuwarten) eine Steigerung von 0,3% im Ländle zur Folge. Ja, das ist wirklich schlimm. Genauer gesagt drei Tausendstel von einem Vielfachen… Tatsächlich hat die Zahl krimineller Delikte von 2013 nach 2014 im Ländle um 3,2% zugelegt und stagniert auf gleichbleibend hohem Niveau. Also ich sehe mich jetzt geradezu von kriminellen Kosovaren überrannt – ihr auch?

Butter bei die Fisch, das Argument ist Bullshit. Die Behauptung, dass die Kriminalität in der BRD wegen der Flüchtlinge explodieren würde, ist an den Haaren herbei gezogene, rechte Panikmache. Sonst nix. Ja, die Polizei schiebt Überstunden, aber nicht, weil sie dauernd den durch unsere Einkaufsmeilen marodierenden Mob in Schach halten muss, sondern weil sie damit zu tun hat, den Personentransfer durchs Bundesgebiet zu kontrollieren, Asylbewerberunterkünfte vor rechter Gewalt zu schützen und die vielen Menschen die da kommen zumindest ein Stück weit auf Gefährderpotentiale abzuklopfen – was ich im Übrigen absolut legitim finde, da die Gefahr, dass mit den Flüchtlingen auch Terroristen ins Land sickern könnten zumindest nicht vollkommen von der Hand zu weisen ist. Es ist nur so: wenn schon ein gut organisiertes, hoch entwickeltes Gemeinwesen wie das unsere hierbei gelegentlich den Überblick verliert, glaubt dann wirklich irgendjemand, dass Abu Bakr al-Baghdadi und seine verlotterten Mopedfahrer mit Kalaschnikows wirklich einen Masterplan haben, den kein Sicherheitsdienst der Welt zu durchschauen vermag? Die können soziale Medien, ein bisschen Hacken, Schmuggel, Menschenhandel, Sklaverei, aber auch die IS-Führer haben keine Wahrsagekugeln. Und da haben wir schon wieder Bullshit!

Ohne Zweifel ist es an der Zeit, Geld in die Hand zu nehmen und zunächst mal für mindestens zwei bis drei Jahre dauerhafte Strukturen zu schaffen, um all jene zumeist ehrenamtlichen Helfer, die langsam aber sicher ohne vernünftige Unterstützung an ihre Limits gelangen werden zu entlasten, neue Arbeitsplätze (was man durchaus als schnellen positiven Nebeneffekt betrachten könnte) und halbwegs würdige Verhältnisse für die Flüchtlinge zu schaffen, was übrigens einen großen Teil der sozialen Spannung aus den Unterkünften nehmen würde – und damit auch gut für die Kriminalstatistik wäre. Denn man kann wohl kaum annehmen, dass man Menschen, für die unser Land ein sehnsüchtig erwarteter Hort der Freiheit und des Friedens war einfach in solchen Löchern wie den LEAs und BEAs zusammenpferchen und sie weitestgehend sich selbst überlassen kann, ohne dass es dabei zu Stress kommt; viel Stress auf vielen Ebenen, denn eine solche Behandlung reduziert, so sie konsequent fortgesetzt wird, die Compliance dieser Menschen gegenüber dem System, dass sie so beschissen behandelt recht bald auf nahe Null. Doch wir brauchen diese Menschen!

Ja, verdammt noch eins, prügelt es euch endlich in den Kopf – ohne einen Nettozuzug von 450.000 bis 500.000 Menschen PRO JAHR bis 2030 werden wir unseren Wohlstand nicht halten können, weil eine Wirtschaft ohne qualifizierte Mitarbeiter alsbald zu schrumpfen beginnt. Und mit ihr Löhne, Gehälter und über Steuern finanzierte staatliche Leistungen. Wer tatsächlich glaubt, bei Hartz IV wären wir schon am unteren Limit, der hat keine Ahnung von den Tücken der Demographie und grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhängen; ganz einfach gesagt: mehr Rentner (weil die geburtenstarken Jahrgänge der 60er langsam älter werden) + weniger Werktätige (weil die Jahrgänge danach geburtenschwach waren) = weniger Fachkräfte = Abzug von Produktion etc. aus der BRD = Absinken der Wirtschaftsleistung = weniger Geld in den Sozialkassen = Armut (und zwar für große Teile der Bevölkerung), weil Transferleistungen gekürzt oder gleich ganz gestrichen werden müssen. Weniger Rente, Stütze, Kindergeld, Steuervergünstigungen, etc. Wollt ihr das wirklich? Das wäre nämlich unsere Zukunft, wenn die Faschos sich durchsetzen könnten.

Schaffen wir das? Ich sage ja – aber nur zusammen. Einerseits weil ich an den Willen der meisten Menschen hier glaube, es richtig machen zu wollen. Andererseits weil ich sehe, dass die Politik langsam aber sicher in Bewegung kommt. Und schließlich, weil es keine Alternative gibt. Ein einziges Mal hätte Frau Merkel ihr Lieblingswort ungestraft nutzen können – positiver Zuzugssaldo und daraus erwachsend die Pflicht zur Integration der Flüchtlinge ist alternativlos; es sei denn man akzeptiert eine europaweite humanitäre Katastrophe und die aus einer nationalistisch motivierten Abschottung resultierende Verarmung unserer Nation in jeder Hinsicht als akzeptable Alternativen. Schönen Tag noch…