A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part3

Und solche Spacken wollt ihr wählen? Die genauso weitermachen wollen, wie die Etablierten, nur noch ein bisschen rassistischer, ungerechter und heuchlerischer als bislang? Ja, total die gute Alternative, echt jetzt… Ja, es ist total einfach, unsere sozialen Probleme und Ängste auf Menschen zu projizieren, die hierherkommen, weil sie auf ein besseres Leben hoffen, mehr Sicherheit, ein funktionierendes Sozialsystem, Arbeit, etc. Man könnte vielen von denen vorwerfen, dass sie doch nach Hause gehen und dort helfen sollen, das eigene Land wiederaufzubauen, anstatt bei uns auf unsere Kosten leben zu wollen. Ja, natürlich sind da Verbrecher mit dabei, Typen, die sich durchschlawinern wollen, die absolut nicht hierher passen und die uns hier nichts nützen. Ungefähr in der gleichen Prozentzahl, wie wir solche eben schon hier haben, nur dass unser Verbrecher, Sozialschmarotzer und potentiellen Gefährder schon von jeher einen deutschen Pass haben.

Gutmensch! Islamversteher! Volksfeind! Linksgrün versiffter Möchtegern-Intellektueller! Ja aber hallo, bin ich alles. Nennt mich was ihr wollt, aber es ist eine sozialwissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass unsere jetzigen Probleme ihre Wurzeln in den 60ern des 20. Jahrhunderts haben, als man es verabsäumt hat, den Menschen, die man hierher zum Arbeiten einlud eine Perspektive für das Leben hier zu geben und ihnen keinerlei Chancen gab, sich in die Bundesdeutsche Gesellschaft zu integrieren. Das war kein Ding, so lange es genug Arbeit für alle gab. Jedoch waren diese Menschen in der absoluten Mehrzahl keine hochqualifizierten Fachkräfte, sondern arme, ungebildete Menschen vom Land, die hier in Deutschland die einmalige Chance bekamen, auch ohne anfänglich über viel Wissen und Können verfügen zu müssen gutes Geld zu verdienen und sich Existenzen zu schaffen. Die Fremde war für sie genau das: fremd. Gleich und gleich gesellt sich gern, weil es dem Individuum in der Fremde Sicherheit und Stabilität gibt, ein Gefühl von Heimat. Und heute, 50 Jahre später wundern wir uns, dass in unseren Großstädten Ghettos gewachsen sind, in denen wir als Einheimische kein Wort verstehen, uns fremd vorkommen und oft auch nicht willkommen sind. Was unser Politiker in 50 Jahren verbockt haben, kann NIEMAND in wenigen Monaten oder Jahren richten. Und dann kamen auch noch NEUE dazu…

Diese Neuen, nennen wir sie doch einfach mal Flüchtlinge, haben alles, was sie kannten hinter sich gelassen, um in eine neue, ungewisse Zukunft aufzubrechen. Die Vorstellungen, welche sie vom Empfang in Deutschland haben, dürften eher vage sein, da das Bild, welches man sich von einem anderen Land nur durch die zur Verfügung stehenden Medien machen kann kaum vollständig oder auch nur annähernd realistisch sein kann. Dann landen sie in unserem Apparat und werden wie Fallakten hin- und hergeschoben, auch mal vergessen, fallen durch’s Raster, entziehen sich dem Ganzen bewusst (entweder, weil sie Terroristen sind, oder weil sie schlicht Angst haben), oder lernen schnell, wie man aus den Mängeln und Problemen unserer hochgelobten Bürokratie Gewinn ziehen kann. Wer würde ihnen das verdenken – unsereins versucht ja auch Steuern zu sparen, wo es nur geht.

Und wieder macht die Politik die gleichen Fehler, einerseits, weil alles unter Zeitdruck geschehen musste (ich stehe zu Frau Merkels „Wir schaffen das“, aber diese eine Bemerkung war doch ein wenig unbedacht…) und andererseits, weil man sich nicht bereitgefunden hat, die notwendigen Ressourcen zügig und effektiv zur Verfügung zu stellen. Wenn ich die Worte „Haushaltskonsolidierung“ „schwarze Null“ und „Austerität“ noch mal hören muss, flippe ich aus, Herr Schäuble. Wir müssten JETZT investieren: zuerst in BILDUNG, dann in öffentliche Infrastruktur (ja auch in die Polizeien des Bundes und der Länder) und schließlich in die Entwicklungshilfe – dann könnten wir uns Rüstungsausgaben sparen. Anstatt sich mit den Händen im Schoß hinzusetzen und zuzuschauen, wie die Schwarmintelligenz und der Schwarmfleiß deutscher Bürgerinnen und Bürger die Probleme lösen, welche eine funktionierende Politik hätte lösen müssen und das so lange, bis die Menschen ausgelaugt waren, hätte man sofort, unbürokratisch und unprätentiös einschreiten und dort unterstützen müssen, wo es nötig war. Doch unser Geld fließt immer durch unendlich langsame, unflexible und nutzlose Apparate, ohne je seine volle Wirkung an der richtigen Stelle entfalten zu können; weil zu viele Opportunisten mit durchgefüttert werden, die in ihrem Leben noch nie ein echtes Stück Arbeit vollbracht haben…

Part 4 morgen

A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part2

Wenn es jedoch an das Überblicken größerer Sachzusammenhänge geht neigen wir dazu, unsere recht zielsicheren Instinkte von richtig und falsch über Bord zu werfen und stattdessen auf (zumeist selbsternannte) Experten zu hören, die uns in die eine oder andere Richtung zu lenken versuchen. Betrachtet man Politik vereinfachend und eher nüchtern, geht es immer nur darum, Mehrheiten für die eine oder andere Sichtweise zu beschaffen. Denn die Mehrheit sagt, wo’s langgeht.

In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass wir offenkundig dazu neigen, Menschen hinterher zu rennen, die ganz klar nicht unser, sondern ihr eigenes Bestes im Sinn haben. Wie könnte man es sich sonst erklären, dass das Wahlvolk wieder und wieder bei Parteien sein Kreuzchen macht, deren einzige Errungenschaft in den letzten drei Jahrzehnten die beschleunigte Umverteilung aller erwirtschafteten Werte von unten nach oben ist. Jede Regierung seit 1982 hat die Spreizung zwischen Arm und Reich verschärft, die Reichsten reicher, die Ärmsten ärmer und die Sozial- und Gesundheitssysteme weniger leistungsfähig, dafür aber für die Besitzer von Dienstleistungsunternehmen in diesem Sektor profitabler gemacht.

Es geht uns nicht besser! Oh ja, es ist viel mehr Geld da und eine beeindruckend große Zahl Menschen hat heute einen Job. Allerdings liegt die Arbeitslosenquote immer noch deutlich über der von 1982. Und wesentlich mehr Menschen als damals können von ihrem erwerbseinkommen nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das ist nämlich, was der Begriff „prekäre Arbeitsverhältnisse“ meint. Arbeiten zu gehen und dennoch nicht genug zum Leben zu haben. Ein durchschnittlicher Monat hat 21 Arbeitstage. Bei 8,88€/h Mindestlohn reden wir also von 1491,84€. Brutto! Das macht in Baden-Württemberg, wo ich wohne 1098, 54€ netto. Spätrömische Dekadenz, nicht wahr? Mal ehrlich, speziell alleinerziehende Mütter, die oft in solchen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, sollen davon ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder bestreiten? Ja, die leben bestimmt in Saus und Braus…

Diese knapp 1100 Ücken gibt so Mancher, der von oben auf die sozialen Probleme in unserem Land schaut an einem Abend für Schampus aus. Ich gönne jedem hart arbeitenden Boss seinen Schampus, sein Chalet, seinen Porsche. Auf diese Art von Diskussion will ich nicht hinaus. Denn er (sind ja fast immer noch alles Kerle) hat zumeist für seine Position studiert, hart gearbeitet und selbst einen schweren Weg gehen müssen. Aber ein System, dass die schaltenden und waltenden Eliten belohnt und gleichzeitig – zumindest subjektiv – jene bestraft, welche die tatsächliche Wertschöpfung schultern, wird uns in nicht allzu ferner Zukunft um die Ohren fliegen. Und das vollkommen zu Recht.

Doch zurück zu unserer Wahrnehmung. Anstatt also mal darüber nachzudenken, dass die etablierten Parteien uns immer wieder Versprechungen machen, die sie nicht halten und überdies Sozialsysteme demontiert haben, um neue Geschäftsmodelle für die neoliberalen Einflüsterer (Lobbyist sagt man, glaube ich, in gebildeten Kreisen) schaffen zu können, rennen wir entweder Mutti Merkels Gestrigen-Club hinterher, fühlen aus tradtitioneller Verpflichtung heraus mit Polter-Siggi und seinen planlosen Sozen, oder glauben tatsächlich, dass die AfD eine Kraft des Volkes sein könnte. Lest ihr eigentlich die Parteiprogramme? Ach so, halt… ihr lest ja nicht mal die Nachrichten, ich vergaß…

Die AfD will Frauen zum Kinderkriegen verpflichten (ade Gleichberechtigung – wie wohl Frau Dr. Petry selbst das findet?), unsere Kinder auf das klassisch deutsche Lebensmodell (Vater, Mutter, Kinder, etc.) verpflichten (keine gleichen Rechte für Andersdenkende oder sexuell anders orientierte mehr) und die Wirtschaft stärken, indem sie die Erbschaftssteuer abschaffen, die Märkte noch mehr deregulieren, etc. Ähm, ach und sie wollen mehr soziale Gerechtigkeit und lehnen TTIP ab…! Ja was denn nun?

Noch mal für alle zum Mitschreiben: wenn ich Märkte dereguliere und Regeln des Wirtschaftens liberalisiere (sagen wir mal den Kündigungsschutz lockere), dann bekommen wir amerikanische Wirtschaftsverhältnisse. Das aus dem Steelbelt mittlerweile der Rustbelt geworden ist, hat aber der eine oder andere schon gehört, oder? Zudem basiert unsere Wirtschaft zumindest im Moment auf einem Außenhandelsüberschuss; will heißen, uns geht es gut, weil wir so viel Zeug teuer ins Ausland verkaufen und weniges billig zurückkaufen. Das muss zwar mittelfristig tatsächlich anders werden, aber eine hastig eingeführte protektionistische Handelspolitik, wie sie Donald Trump gerade anstrebt, treibt die Wirtschaft in eine Rezession und damit Menschen in die Armut, denn unsere neoliberalen Superfreunde von der AfD werden kaum Mercedes oder Thyssen-Krupp die Zeche solcher Dummheiten zahlen lassen. Also wäre wieder Ottonormal-Dummkopf dran.

Part 3 morgen…

A cursed years‘ end – now quite a rant! – Part1

[Prä-Scriptum: Das hier wir ein, die nächsten Tage täglich fortgeführter Mehrteiler]

Menschenskind, Trump wird Präsident, wir werden alle verdammt noch mal untergehen!

War es dass, was ihr von mir hören wolltet? Tja, dann muss ich leider sagen, dass dies höchstwahrscheinlich nicht passieren wird, denn der Untergang unserer Zivilisation wäre verdammt schlecht für’s Geschäft – und Donald Trump liebt nichts mehr, als ein gutes Geschäft. Zumindest in der Hinsicht ist dieser hässliche, arrogante Vogel wirklich berechenbar. Und außerdem hat die republikanische Partei bewiesen, dass sie NICHT geschlossen hinter ihm steht. Wenn er also etwas anstellen sollte, dass nicht gut für die republikanische Agenda ist, dann werden sie ihn schon bremsen. Politik ist auch in den USA etwas komplizierter als „Der Präsident hat gesagt…!“.

Was allerdings passieren könnte, wäre eine Verkomplizierung der transatlantischen Beziehungen. Mit Sicherheit wird dieses Kind versuchen, seine Drohungen zum Thema „Bezahl-Nato-Partnerschaft“ zumindest teilweise in die Tat umzusetzen. Nun ja, wie soll ich sagen: ich kann es erwarten. Ich persönlich finde es unnötig und auch ein bisschen kindisch, immerzu öffentlich ungelegte Eier zu bebrüten. Aber es entspricht wohl unserem Zeitgeist, potentielle Säue durch virtuelle Dörfer zu treiben, getreu dem alten Motto „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten!“. Natürlich haben wir uns mittlerweile daran gewöhnt, den ganzen Tag auf allen Kanälen mit BLITZNEWS beregnet zu werden, deren Gehalt häufig gegen Null tendiert und bei deren Konsum dass bisweilen mangelhaft erscheinende journalistische Handwerk übel aufstößt. Aber muss man das tatsächlich einfach so hinnehmen?

Die Qualität dessen, was da im Internet – sogar auf eigentlich seriösen Portalen – umhergeistert, macht es nicht eben einfacher, ernst gemeinten Journalismus von Fake News zu unterscheiden. Immerhin reicht der Anblick einer professionell aufgemachten Webseite nicht mehr aus, um auf einen korrekten Inhalt der publizierten Themen schließen zu können. Eine hinreichend gute Seite kriege sogar ich hin und ich bin definitiv kein IT-Spezialist. Da jedoch das Nutzerverhalten sich häufig darin erschöpft, Überschriften zu lesen und sich den Rest zu denken, reicht die richtige Optik für einen Beschiss. Man könnte jetzt verlangen, dass die Leute halt richtig lesen sollen, aber mal ernsthaft: wer liest denn tatsächlich die Zeitung, so im Sinne von Textverständnis? Ich oute mich mal – ich überfliege häufig auch nur Titelzeilen und orientiere mich an den Schlagworten. Allerdings glaube ich von mir, ein halbwegs gutes Seriositäts-Radar entwickelt zu haben. Ich glaube zum Beispiel nicht an eine ernsthafte neurologische Erkrankung Hillary Clintons, oder einen Papst Franziskus, der Donald Trump unterstützt. Wenn etwas unglaubwürdig klingt, dann… ach Stopp, um nicht leichtgläubig zu sein bedarf es ja einer gewissen Bildung, oder?

Verflixt! Ja, ich glaube, dass es jede Menge Menschen gibt, die schlicht zu blöd dazu sind, als dass man sie als Bürger bezeichnen könnte! Gut… manche sind auch einfach nur zu unbedarft. Einfache Lösungen für komplexe Probleme standen schon immer hoch im Kurs, da kann man jeden erfolgreichen Diktator/Demagogen des 20. und 21. Jahrhunderts fragen. „Gib dem Volk einfache Antworten! Die komplizierten versteht es eh‘ nicht!“. Man mag diese Einstellung verstehen, aber sie wiederspricht einem der Grundgedanken unserer modernen Demokratie, nämlich der Idee vom mündigen Bürger, also einem Individuum, das informiert und bewusst auch über komplexe Sachverhalte des Zusammenlebens frei und nur seinem Gewissen verpflichtet entscheiden kann.

Das ist natürlich eine Idealvorstellung, der man nur schwerlich entsprechen kann, ist es doch schon schwierig, ohne Sachkenntnis über etwas so Einfaches wie das Abhalten oder Nichtabhalten einer Bundesgartenschau im eigenen Ort zu befinden. Dennoch ist der Kern der Idee vom mündigen Bürger insoweit wichtig und richtig, als er uns Verantwortung für Aspekte des Privaten und Sozialen überträgt, die unser erweitertes Umfeld betreffen. Man kann schwerlich abstreiten, dass wir für unser Tun und Lassen direkt verantwortlich sind und in aller Regel lernt man recht gut, mit dieser Verantwortung umzugehen. Immerhin sitzen wir nicht alle gelähmt von der Angst vor möglichen Entscheidungen da und setzen Spinnweben an. Zu Leben bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und die allermeisten von uns kriegen das im Detail auch ganz gut hin.

Part 2 morgen…

Angst ist ansteckend!

Manche Mechanismen sind wirklich einfach zu erklären: So wie sich Viren bei mangelhafter Hygiene sehr schnell in größeren Menschenansammlungen verbreiten, tun dies auch gewisse Emotionen; insbesondere Angst und Stress. Unsere Trieb- und Instinktausstattung, beheimatet im limbischen System, ist seit jenen Tagen, da wir im Lendenschurz und nur mit einem Holzstecken in der Hand Mammuts gejagt haben, zuerst darauf ausgelegt, mögliche Gefahren zu erkennen. Will heißen, unser Unterbewusstsein ist seit Jahrtausenden darauf getrimmt, alles und jeden darauf abzuchecken, ob’s Probleme geben könnte. Nun sind heutzutage existenzielle Bedrohungen zumindest für den zivilsationsgeschädigten Golo auf der Straße eher selten, wenn man es vermeidet, sich so dämlich anzustellen wie… oh, ja, ähm, so dämlich wie nicht wenige Andere: an Elektrik und Gasleitungen rumspielen, mit Kopfhörern im Straßenverkehr rumtaumeln, viel zu schnell Auto fahren, und manch anderes sind ja offenkundig voll im Trend. Aber wenn man von solchen Missachtungen der eigenen Sterblichkeit mal absieht, ist die Zahl unserer Fressfeinde doch eher überschaubar.

Da man sein Unterbewusstsein aber gar nicht abschalten kann, muss es sich irgendwie beschäftigen, was aber ohne tägliche Bedrohungslagen im normalen Umfeld dazu führt, dass es sich mit allem möglichen beschäftigt, egal ob nah oder fern, bekannt oder unbekannt, relevant oder irrelevant. Denkt man das zu Ende, verwundert es nicht, dass wir unbewusst überall Gefahren sehen und stets das Schlimmste erwarten – leider hoffen wir im Umkehrschluss nicht immer auf das Beste, wie das nämliche Sprichwort dies nahelegen würde. Und schon weiß man auch, warum Menschen sich vor Veränderung ängstigen. Routinen und Beständigkeit suggerieren uns Sicherheit und nur wer sich sicher fühlt, blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Doch genau diese Zuversicht ist es, die uns Pläne machen und an diesen arbeiten lässt. Ohne Glaube an eine sichere Zukunft verlieren jedoch alle Gewissheiten ihre Gültigkeit und die Angst macht sich breit. Diese Angst, einfach Alles zu verlieren.

Man könnte das jetzt als irrationalen Quatsch abtun und die Menschen mit Nachdruck darauf hinweisen, dass sie doch einfach mal nachdenken sollen, bevor sie sich von Ungewissheiten so weit ängstigen lassen, dass sie Alles über die Grundlagen des Zusammenlebens vergessen, bzw. verdrängen. Könnte man. Macht aber keinen Sinn! Die haben also Angst, dass ihr Leben schlechter werden könnte, weil jetzt Flüchtlinge ins Land gekommen sind. Messbar ist zwar noch nichts passiert, aber das allzu Fremde wird immer als Bedrohung interpretiert, also muss man dagegen vorgehen. Nun sind die Migranten keine Säbelzahntiger und heute gibt es zudem ein Strafgesetzbuch, dass Gewalt als Mittel zur Meinungsäußerung nicht mehr legitimiert. Folglich kann man die nur jagen und killen, wenn man auf die Regeln unseres Staates scheißt. Oder man hetzt, agitiert, verleumdet, mobbt, bedroht, aber immer schön so, dass es noch nicht strafbar ist – und wählt die Rechten, weil die ja machen, dass alles so bleibt, wie es immer war.

Ich verstehe, warum das so ist, weil ich mit Sozialpsychologie und Kommunikation ein wenig auskenne; aber ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass Menschen glauben, ihre Saturiertheit gegen Menschen verteidigen zu müssen, die alles zurückgelassen haben für die vage Hoffnung, dass es hier friedlicher sein möge. JA, es sind auch Arschlöcher dabei (Terroristen sind dumme, asoziale Arschlöcher und bekommen von mir keine eigene Bezeichnung mehr), JA, es sind Verbrecher dabei, JA, es sind Menschen mit einem anderen Kulturverständnis dabei – NEIN, es sind NICHT ALLE VERBRECHER, ARSCHLÖCHER, oder darauf aus, unsere Kultur zu vernichten. Was auch immer den Kern „unserer“ Kultur konstituieren mag.

Aber alle Rechten verfolgen eine im Kern neoliberale Agenda, welche die soziale Sicherheit der Mittelschicht untergräbt und nur den wirklich Reichen nutzt. Alle Rechten haben kein Interesse an sozialem Frieden und sozialer Sicherheit, weil eben Sicherheit und Zuversicht den Nährboden des Populismus vernichten; und keine Rechte Partei will sich selbst abschaffen. Kein Rechter wird dafür sorgen, dass alles so bleibt, wie es ist; vielmehr verfolgen alle Rechten ein Politik-Ideal, das Bürgerrechte einschränkt, freie Lebensentfaltung beschneidet und die Uhren in den Faschismus zurückdrehen möchte.
Ehrlich gesagt bin ich es satt, immer und immer wieder erklären zu müssen, warum die Alternative für Deutschland darin besteht, einfach die Ärmel hochzukrempeln und an der Gestaltung unserer Zukunft konstruktiv mitzuarbeiten, anstatt immer zu beklagen, das alles den Bach runtergeht. Wenn tatsächlich alles so sehr den Bach runterginge, wie das schon seit Jahren behauptet wird, müssten wir Kilometerlange Schlangen vor Suppenküchen haben, während sich in den Vorstädten Slums bilden und Menschen ohne Krankenversicherung elendig verrecken müssen, weil ohne Vorkasse nichts gemacht wird und… oh, stopp. Das waren ja die USA… Man mag mir meinen Populismus entschuldigen, aber mittlerweile glaube ich, dass die ewig gestrigen, anscheinend unbelehrbaren und gar nicht so unterschichtigen Klientel der AfD einfach auf genau die gleiche Art verbal (und falls notwendig auch sonst wie) vor den Koffer geschissen bekommen müssen, wie sie sich dies mir gegenüber erlauben.

Nein, man darf nicht einfach sagen, dass Politiker gehängt gehören. Nein, man kann nicht Migranten für die Probleme in unserem Land verantwortlich machen, wenn die Verantwortlichen jene Eliten sind, welche die Werktätigen in unserem Land mit dem mittlerweile totgerittenen Argument der Wettbewerbsfähigkeit in der globalisierten Welt immer wüster ausbeuten. Ach und…NEIN – IHR SEID NICHT DAS VOLK! IHR SEID NUR EIN HAUFEN DUMMER, IGNORANTER, BLINDER, TAUBER und ABSOLUT ASOZIALER EGOISTEN! Schämt euch in Grund und Boden, Pack!

Schluss für heute – ich komme wieder, bin wütend genug…

Miteinander? Umeinander? Gegeneinander?

Ich plaudere hier üblicherweise nicht über meine Arbeit, weil sie sensible Bereich berührt, die in einer öffentlichen Kommentierung nichts verloren haben. Doch um noch einmal auf das zu rekurrieren, was ich bereits gestern ausgeführt habe: ich laufe am Limit und einen gewissen Anteil daran hat auch das, was ich nun schildern möchte.

Im Rahmen meiner Arbeit gibt es einen Ort, an welchem es mir mittlerweile zunehmend schwerer fällt, meinen Dienst zu versehen. Einerseits, weil es dort ein paar Kollegen (bei weitem nicht alle, aber doch genug, um es problematisch zu machen) gibt, die ihre Arbeit nicht richtig erledigen und dann auch noch die Frechheit besitzen, sich in die meine einzumischen, weil sie meinen es besser zu können. Ich überlasse die Beurteilung meiner Verrichtungen zumeist anderen, weil Eigenlob stinkt und es zudem an dieser Arbeitsstelle Leute gibt, die das dort Verlangte tatsächlich besser können, als ich. Andererseits findet die Tätigkeit dort in einem unüberschaubaren Feld der Beliebigkeit statt, weil es bei vielen Detailfragen an sinnvollen Vorgaben mangelt und ein Management der Prozessqualität schlicht nicht stattfindet. Der daraus resultierende Umstand, das auf ein und denselben Sachverhalt von drei Kollegen drei vollkommen unterschiedliche Reaktionen erfolgen können, ist der Ergebnisqualität nicht unbedingt zuträglich.

Noch wesentlich problematischer ist aus meiner Sicht jedoch die, zumindest subjektiv gefühlt, vollkommene Führungslosigkeit. Es wird lediglich auf, von Außen vorgetragene Beschwerden reagiert, indem diese ungefiltert und unhinterfragt auf den jeweiligen Kollegen abgewälzt werden. Es gibt keine Rückendeckung, allerdings auch keinerlei regulierendes Eingreifen bei offensichtlichen Fehlern und kein sinnvolles Feedback hinsichtlich der geleisteten Arbeit. Vulgo bräuchte es niemanden, der in diesem Büro sitzt, es sei denn, man findet, der Job sei gut erledigt, wenn dauernd nichtssagende Tabellen und Aushänge generiert werden, die für das dort eingesetzte Personal weder einen strukturierenden Charakter, haben noch irgendwie sonst hilfreich sind.

Es versteht sich wohl von selbst, dass dieser Zustand höchst unbefriedigend ist, wenn man einen gewissen Anspruch an die Qualität der eigenen Arbeit stellt. Und den zu erfüllen, ist unter solchen Rahmenbedingungen nur sehr schwer möglich. Leider kann ich aus meiner Position nur sehr geringen Einfluss nehmen; selbst mein Dienstherr tut sich schwer, hier etwas zu ändern, das die dortige Arbeit in einer kooperativen Struktur besonderer Art erbracht wird und meine Mitarbeit darin gegenwärtig obligat ist.

Bisher habe ich damit dann und wann gehadert, wenn der Tag mal wieder besonders schlecht war, doch jetzt, da ich auch sonst unter erheblichem Druck stehe, ist meine diesbezügliche Frustrationstoleranz bei nahe Null angelangt. Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass irgend jemand wieder versucht auf meinem Rücken zu prokrastiniren, oder auf meine Kosten Scheiße baut und dann eskaliere ich, denn ich habe den Kanal von dem dort gezeigten Maß an Unprofessionalität endgültig voll.

Mal schauen, wie das ausgeht, ich wage derzeit keine Prognose.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

… dass ich so fertig bin? Ich wollte. Ich wollte es im Spätjahr ruhiger angehen lassen. Ich wollte mir eine Prokrastinationsmaschine kaufen. Ich wollte mich nicht forciert mit der Notwendigkeit befassen müssen, für meine Mutter so viele Dinge erledigen zu müssen, weil sie (leider nicht vollkommen unerwartet) ernsthaft krank geworden ist. Immerhin ist sie nun auf dem Wege der Besserung. Aber einen Menschen dieses Alters verpflanzen zu müssen, weil die eigenständige Erledigung des Haushaltes nicht mehr so funktioniert, was damit einher geht, zuvor das Einverständnis der Betroffenen einwerben zu müssen, ist ein langwieriger, zehrender und unbefriedigender Prozess. Das die anderen Verwandten mehr oder weniger offenkundig glauben, man hätte sonst ja nichts Besseres zu tun und daher auch die Pflicht, diese Unannehmlichkeiten abarbeiten zu müssen, macht es NICHT besser. Könnte daran liegen, dass Manche in mir immer noch ein Kind sehen. So ein Altersabstand zwischen Geschwistern kann lästig sein. Jedenfalls ist der Respekt für meine Probleme und Verpflichtungen nicht allzu ausgeprägt. Aber wir neigen ja alle dazu, uns um unser eigenes Zentrum zu drehen; ich mache da gewiss keine Ausnahme. Aber wenigstens etwas Verständnis wäre manchmal wohltuend.

Sich über so was zu beklagen, noch dazu öffentlich, ist vermutlich nicht die allerfeinste Art, aber das ist mir allmählich Wumpe, denn im Gegenzug fragt ja auch keiner, wie ich mit meinen ganzen anderen Verpflichtungen zu Rande komme. Und im Moment lässt sich mit Fug und Recht sagen: beschissen! In der Summe bin ich reif für die Insel – so reif, dass meine Gattin mir sagte, ich sollte mal dringend wieder alleine verreisen. Tja, nur leider kriege ich keinen Urlaub… Ich weiß, ich weiß, wir haben alle so unser Bündel zu tragen. Andere sind ärmer dran, als ich; sie kriegen weniger Kohle für mehr Arbeit, haben auch jede Menge Verantwortung, müssen sie sich um Verwandte kümmern, etc.; was fällt mir nur ein, so das Maul aufzureißen? Well, here comes, why: wenn ich nicht bald zur Ruhe komme, bin ich wieder zurück in 2014. Und ich habe keinen Bock, nochmal 18 Wochen krank zu sein, weil ich mental ausgebrannt bin.

Ich weiß also schon, was das alles bedeutet, aber ich habe keine Lösung und das steigert die Frustration noch zusätzlich. Sehenden Auges auf den Abgrund zu zu rennen, weil man einerseits eine Verpflichtung gegenüber seiner Familie, seinem Job und seinen sonstigen sozialen Kontakten verspürt und auf der anderen Seite zu ehrlich ist, um einfach mal krank zu machen, führt unweigerlich dazu, dass man sich aufreibt. Noch kompensiere ich recht gut, aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie lange noch. Es ist ja auch so, dass ich im Moment auf sehr hohem Niveau funktioniere, viele Probleme gelöst bekomme, tatsächlich auch kreativ sein kann  und alles in allem ziemlich gut voran komme. Aber der Preis ist hoch. Und wenn’s nicht doch noch schief gehen soll, muss ich irgendeines meiner Engagements reduzieren. Doch genau an diesem Punkt entsteht ein Dilemma. Scheidewege sind immer gut für Dilemmata und dies ist ein Scheideweg, denn eine Entscheidung wird getroffen werden müssen, denn ich bin nicht bereit, nochmal die Ochsentour zu gehen.

Wie auch immer ich der Sache begegnen werde: irgendwas oder irgendwer wird dabei auf der Strecke bleiben müssen. Und dafür  muss ich jetzt schon um Entschuldigung bitten, denn im Grunde meines Herzens bin ich eigentlich ein Troubleshooter und Caretaker. Gut gemeinte Ratschläge nehme ich übrigens auch in solchen Zeiten nur von Freunden an, Danke der Nachfrage. Vermutlich erklären diese Worte auch, warum von mir mal wieder über 10 Wochen nichts zu hören war, aber ich hatte da was zu verdauen. Allerdings sind mitnichten ich oder dieses Blog tot. Vielleicht wird das hier mal wieder mein Ventil. Fängt ja schon gerade so an.

Sorry für den persönlichen Scheiß! Bis die Tage…

Interpunktion = Interruption?

Ich wurde neulich auf einen Beitrag auf “Wired” aufmerksam gemacht, der sich darum dreht, dass das Beenden von Textnachrichten mit einem Punkt unaufrichtig sei. Das kann man als selbsternannter Vielschreiber, der selbst stets dem Versuch fröhnt, korrekte Interpunktion zu benutzen natürlich nicht so stehen lassen. Nun ist “Wired” zum einen ein Publikationsmedium, dass sich vor allem als Organ für Geeks und Nerds versteht und zum anderen ist bei weitem nicht Alles, was die selbsternannten Digital Natives dort von sich geben auch tatsächlich in der realen Welt ernst zu nehmen. Das liegt an der – durch einen teilweise fast blind wirkenden Technologieglauben verengten – auf die Wichtigkeit des Digitalen in unserem Leben ausgerichtete Sichtweise.

Allerdings beruft sich der Artikel auf eine einzelne psychologische Studie zweier kleinerer Fakultäten, die sich, dem Abstract nach auf Befragungen von Studenten stützt. Da ich ehrlich gesagt keine Lust habe, Elsevier für den Artikel einen Zwanni in den Rachen zu werfen, sei hier zum Thema Folgendes gesagt: ich muss mich hinsichtlich Anzahl und Herkunft der Befragten auf den Artikel in “Wired” verlassen; aber mit n=126 und somit deutlich kleiner 500 und einer nicht korrekt randomisierten Grundgesamtheit, wovon man bei einer Befragung an zwei amerikanischen Uni-Campi getrost ausgehen darf, kann man die Signifikanz der getroffenen Aussagen ebenso getrost in die Tonne treten, egal was für einen Korellationskoeffizienten diese Dösbattel berechnet haben wollen!

Just my five cents…

Interpunktion durch Unterbrechung des Satzes beim Senden von Textnachrichten? Punkte am Ende von Nachrichten wirken gestelzt, weil der Punkt keine Information außer einem Hinweis auf Arroganz transportiert? Habt ihr von eurer eigenen Wichtigkeit berauschten Möchtegernjournalisten bei “Wired” eigentlich den Knall gehört? Oder kauft ihr euch Romane, in denen es keine Satzzeichen gibt? Schreibt ihr vielleicht selbst ohne Satzzeichen?

Auch JEDE schriftlich niedergelegte Äußerung hat ebenso einen sozialen wie informativen Charakter. Das erste und zweite Axiom Watzlawicks verlieren ihre Gültigkeit auch beim geschriebenen Wort nicht! Weil jedoch verschiedene Subtextinformationen, wie etwa Sprachrhythmik, Tonfall, Gestus, Mimik, etc. beim Textvermittelten Kommunizieren fehlen, ist eine korrekte Strukturierung des Textes notwendig, um die Intentionen des Autors halbwegs verständlich zum Rezipienten zu befördern, auch wenn beim Empfänger Watzlawick ebenfalls gilt: denn der Empfänger macht die Nachricht. Diese Übermittlung funktioniert aber nur, wenn ich Syntax und Interpunktion sinnvoll einsetze, um die pragmatische Ebene meines Kommunikationsversuches zu verdeutlichen. Emoticons helfen hierbei oft nur sehr bedingt…

Also ihr Spacken bei “Wired”: Wenn tatsächlich irgendwelche amerikanischen Studenten ein einsames Satzzeichen als Hinweis auf die Arroganz des Absenders verstehen, ist das deren Problem, weil das Design der Studie keine Verallgemeinerungsfähigkeit beinhaltet. Man könnte es auch wissenschaftlich-handwerklich schlecht gemacht nennen; aber um sowas erkennen zu können, müsste man was von Sozialwissenschaften verstehen, nicht wahr? Wenn man aber eine, noch nicht durch den peer-review gelaufene, überdies schlecht designte Studie als Aufhänger benutzt, um nach einer weiteren Beschädigung unserer Sprache zu verlangen, ist das schlicht sinnentleert dumm!

So genannte Messenger als integraler Teil unserer modernen, sozialen Medien mögen den Nutzer zu einer verkürzten und zwangloseren Form des Kommunizierens anregen; das entbindet jedoch nicht von der Verpflichtung, auch dort wenigstens halbwegs die Regeln des Kommuizierens an sich zu achten. Wir lernen durch unsere Peers und wenn wir auch in ein paar Jahrzehnten noch halbwegs sinnvolle schriftliche Kommunikation erleben wollen, müssen wir auch selbsternannte Digital Natives daran erinnern, dass korrekte Interpunktion niemanden tötet, niemanden herabsetzt und gegenseitiges Verstehen erleichtert. Sprache als Ausdruck unseres Intellekts ist nämlich so ziemlich das Einzige, was uns vom Tier nachhaltig unterscheidet. Und da so viele junge Menschen so viel Zeit an ihren Smartphones, etc. zubringen, ist dort einer der Orte, an denen wir ihnen sinnvolles, zielgerichtetes, respektvolles Kommunizieren beibringen können und müssen. Und dazu gehört auch der korrekte Gebrauch der Grammatik; incl. Interpunktion!

Ich bin ein Digital Immigrant und ich glaube durchaus an die hilfreichen Seiten moderner Technologien; das ändert aber nichts daran, dass wir in Jahrtausenden mühsam erarbeitet Konventionen nicht nur deshalb unhinterfragt über Bord werfen sollten, weil es gerade hip ist. Vielleicht lernt auch ihr Superknaller bei “Wired” diesbezüglich mal noch ein bisschen was dazu, das wäre echt wohltuend…

Prosecco-Prokrastination

Es ist schon ziemlich fies, damit wieder aufhören zu müssen, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, jeden Abend bei angenehmen Temperaturen in einem mediterranen Garten vor einem alten Natursteinhaus zu sitzen und gemütlich ein Fläschchen Prosecco oder Rotwein wegzuziehen. Und noch bevor sich jetzt jemand berufen fühlt, zu einer Tirade bezüglich riskanten Konsums anzusetzen – niemand hatte gesagt, dass dieser Urlaub leicht sein würde… Ich weiß, was Alkoholismus bedeutet, danke der Nachfrage, ich habe einen nahen Verwandten, der, Gott sei’s gedankt, gegenwärtig seit ein paar Jahren trocken ist. Mein Bedarf an Derartigem ist gedeckt. Aber im Urlaub – insbesondere nach der abendlichen Bett-Verschiffung zweier sehr fordernder kleiner Kinder – ein wenig dem guten alten Bacchus zu huldigen, ist meines Erachtens ein lässliches Vergehen.

Es fiel mir, wie die Tage bereits angedeutet, recht leicht, in den Müßiggang-Modus zu schalten. Das bisherige Pensum dieses Jahr lässt das allerdings auch als wenig verwunderlich erscheinen. Ich ahne allerdings bereite, dass das Zurückschalten in den Normalmodus dieses Mal erheblich mehr Kraft brauchen wird, als sonst. Zu wissen, dass es KEINE Heinzelmännchen gibt, welche die Arbeit auf meinem Schreibtisch weggeaast haben, macht mich schon ein bisschen traurig. Ich hatte, wenn ich mich recht entsinne schon mal Auslassungen über Müßiggang und seine Berechtigung, wie auch seine Notwendigkeit zum Besten gegeben; hätte ich doch damals nur geahnt, dass das Maß der Notwendigkeit mit jedem vergehenden Jahr zunimmt. Zumindest fühlt es sich gerade so an.

Wenn man’s recht bedenkt, tragen durchaus viele Tarifverträge dem Umstand Rechnung, indem sie älteren Mitarbeitern mehr Urlaubstage zugestehen. Nun ist man allerdings mit 42 von dem Etikett „älterer Mitarbeiter“ noch weit entfernt. Und was manche Anteile meiner Arbeitsaufgaben angeht stehe ich ja auch mehr als im vollen Saft. Nur eine Sache, die zermürbt mich. Es gibt einen Arbeitsort, der ist gekennzeichnet durch mangelhafte Prozess-Organisation, fehlendes (medizinisches) Qualitätsmanagement, unausgegorene Aus- und Fortbildungskonzepte und nachgerade lausige Führungs-Personen. Ich werde hier nicht weiter im Detail elaborieren, aber wenn sich die Möglichkeit bietet, werde ich diesen Teil meiner Arbeit abgeben, ohne ihm eine Träne nachzuweinen. Jedoch die Aussicht, genau dort nach meinem Urlaub wieder tätig werden zu müssen, bereitet mir bereits jetzt Magenschmerzen; und ich bin weiß Gott nicht der Typ, der sich wegen Unlust krankmeldet. Anstatt Schwenzelenzia ist da eher „Augen-zu-und-durch!“ mein Stil.

Nun ist es so, dass es mich derzeit doch schon in den Fingern juckt, etwas Energie darein zu verwenden, die Umstände dort zu verbessern, da ich ja nicht weiß, wie mein eigentlicher Arbeitgeber in dieser Hinsicht zu verfahren bereit ist, was bedeutet, dass mein dortiger Einsatz eventuell noch eine Weile laufen könnte. Einzig, ich bin durch meine Zugehörigkeit zu einem bestimmten (kleinen) Anteil einer komplexen Institution in schlechter Position und manche meiner Einwürfe werden schlicht nicht gehört, oder man denkt halt, es besser zu können. Speziell im Bereich Ausbildung kann ich darüber nur lachen, denn davon verstehe ich – sorry, wenn das jetzt arrogant klingen mag – mittlerweile einfach deutlich mehr als irgendwelche, für fragwürdige Verdienste hochgelobten Rettungsassistenten oder freiwillige Feuerwehrleute; so sehr ich deren sonstige, individuelle Arbeit auch schätzen mag.

Ist schon blöd, wenn man solche Gedanken hegt, während man vor dem nämlichen Natursteinhaus sitzt und Prosecco schlürft. Es ist einfach nicht das Gleiche, als wenn man einfach nur ein heiteres Gespräch über vollkommen andere, vollkommen unernste Themen mit seiner Liebsten führt. Darum habe ich das alles hier aufgeschrieben, bin jetzt gerade dabei, mit diesen nervenden Gedanken abzuschließen, denn was man gar nicht, oder nur sehr langsam ändern kann, damit soll man nicht hadern, sonst braucht man mehr Prosecco zum Prokrastinieren…

Ich wünsche jedenfalls allen, die genauso wie ich in einem Job-Dilemma stecken, einen langen Atem und die gut ausgeprägte Fähigkeit, dennoch abschalten zu können, auf das wir gemeinsam Prosecco-Prokrastinieren können; natürlich darf ein jeder anstatt Prosecco gerne ein Hilfsmittel seiner Wahl einfügen. Arrividerci.

Auf der Suche

Das sind wir natürlich alle, immerzu und überall, nach diesem nach jenem und nach dem ultimativen Kick überhaupt, falls es sowas ohne, oder auch mit dem Einsatz (il)legaler, Bewusstseinserweiternder Mittel überhaupt geben kann. Auf der Suche ist ein Zustand, der, so er einmal in den Fokus unseres bewusst erlebten Daseins getreten ist, niemals mehr aufhört; zumindest soweit es mich betrifft. Ich suche jeden Tag nach irgendwas und damit sind beileibe nicht die Auswirkungen dieser typisch männlichen Tüddeligkeiten gemeint, die einen dazu nötigen, noch mal nachschauen zu müssen, wo die Brille, der Schlüsselbund, das Handy, das Notebook oder weiß der Teufel sonst was wohl abgeblieben sein könnten. Ich bin eher auf der Suche nach Ideen, wie man dies oder das besser machen könnte, nach Lösungen für Probleme, oder auch mal einer Möglichkeit, einen Streit beizulegen. Und manchmal suche ich einfach nur nach einem guten Grund morgens aufzustehen, wenn mein Körper doch lieber noch bis gegen elf gammeln würde. Wie war das noch mit dem Erwachsenwerden? Anscheinend bin ich doch erst ein Teenager…

Nun was das Letztere betrifft, flüstert mir mein vorgenannter Körper morgens eher was Anderes ins Ohr, aber im frommen Selbstbetrug – also der bewussten Abschaltung der Selbstreflexion zu Gunsten von Prokrastination, Schlemmen, Saufen und anderen Dummheiten – sind wir ja alle ganz gut, oder? Wie auch immer, Suche ist für mich keine kurzfristige Beschäftigung, sondern mehr so ein lebenslanger, desorientierter Dauerlauf. Und anscheinend bin ich mit diesem Problem nicht allein. Anders ist das allenthalben beobachtbare Wuchern von Ratgebern aller Art (besonders Bücher über Selbstoptimierung sind im Moment voll hip; Moment, ich muss kurz mal Brechen gehen) ist ein gutes Indiz dafür.

Ebenso wie die Blüte, welche Beurteilungsportale für Waren und Dienstleistungen aller Art zurzeit erleben dürfen. Das Web 2.00 in seiner wunderbarsten Form. Wenn man sich mal so richtig schlapp lachen möchte, liest man z.B. auf Amazon die Beurteilungen zu einem Film durch, zu dem man sich bereits selbst eine Meinung gebildet hat. Das funktioniert, egal, ob man das jeweilige Werk nun mag, oder nicht. Denn bekanntermaßen soll man nicht über Geschmack streiten, was hier allerdings in epischer Bandbreite stattfindet. Die schreiben teilweise über irgendwelchen, absolut unwichtigen Bogus so viel, das kann man schon fast als exaltiert betrachten. Ich habe tatsächlich auch schon aussagekräftige Rezensionen über technische Gadgets, oder aber Fachbücher gelesen, aber bei so genannten Machwerken der Unterhaltungskunst (Bücher, Filme, CDs, etc.) zählt für mich mittlerweile nur noch der Unterhaltungswert.

Aber natürlich gibt es noch andere Web-Orte des gegenseitigen Meinungsaustausches (die Leute kommen zu der Seite hin, sondern ihre Meinung und fühlen sich dabei gut!), zum Beispiel bei dem Buchungsportal, welches ich seit einigen Jahren für die Auswahl von möglichen Reisezielen für den sommerlichen Familienurlaub bemühe. Nun sind die Beschreibungen dieses Anbieters, gemessen an den eher mäßigen Standards der Reiseveranstalterzunft recht präzise und ich verfüge mittlerweile auch über einen guten Erfahrungsschatz bezüglich der bevorzugt bereisten Region Italiens, so dass die Bildung einer eigenen Meinung über ein potentielles Ziel auch ohne Kommentare anderer Reisender zumeist recht zielsicher gelingt. Dennoch lese ich mir manchmal auch ebendiese Einlassungen Weitgereister durch; und finde mich Kopfschüttelnd wieder.
Wer die Toskana schon mal bereist hat und dabei nicht in irgendwelchen Sternehotels eingekehrt ist, sondern, so wie meine Mischpoke und ich, in typischen Selbstversorger-Appartements, der weiß, dass diese in aller Regel einfach, aber zweckmäßig eingerichtet sind. Manches wirkt auf den ersten Blick unfertig oder einfach nur alt, vieles ungewohnt, weil dies eben ein anderes Land ist und mit Sicherheit findet man hier so gut wie nirgends eine voll ausgestattete Einbauküche, wie sie daheim die Küche ziert. Steht aber, so man des Lesens mächtig ist, alles in der zuvor erwähnten Beschreibung. Sich dann über die Küchenausstattung zu beschweren, ist dann doch ein bisschen Schizo, oder?

Ich hätte mir manchmal auch das Eine oder Andere anders gewünscht, aber ICH hatte noch keinen Vermieter, der auf Anfrage kleine Probleme nicht charmant zu lösen gewusst hätte. Einer hat mir sogar mal ein härteres Bett beschafft – wer Italien kennt, kennt auch die hiesigen Bettgestelle und die sind manchmal tatsächlich mörderisch, zumindest für mein Kreuz!

Ich glaube, manche meiner Landsleute sollten ihre Anspruchshaltung mal ein bisschen dämpfen, auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und vor allem akzeptieren, dass man andere Länder bereist um andere Menschen und Kulturen kennenzulernen. Wozu auch Akzeptanz für das typisch italienische Laissez-Faire im Umgang mit dem – typisch deutschen – Begriff „Akkurat“ gehört. Mir gefällt es hier, ich habe diesmal wirklich weniger als 12h gebraucht, um vollkommen entschleunigt zu werden. Und ich werde gewiss wieder nach Mittelitalien reisen – auf der Suche nach Ruhe, Gelassenheit, gutem Essen und rotem Wein. In diesem Sinne: Bienvenuto a godersi la vita!

Alles auf Anfang

Eigentlich bin ich immer, wenn ein Projekt sich dem Ende zugeneigt hat und dann nur noch die umherliegenden Utensilien von der vergangenen Geschäftigkeit zeugen ein bisschen depressiv verstimmt. Also im Sinne von ausgelaugt vs. ziellos. Neue Ziele stellen sich natürlich in einem geschäftigen Leben mehr oder weniger von selbst ein, ohne dass man ihnen hinterherrennen müsste. Jeder mit einem halbwegs fordernden Job, der mit ein wenig Verantwortung einher geht, weiß genau, wovon ich spreche. Weshalb gerade für solche Leute ein gesundes Gefühl für Work-Life-Balance eigentlich eine gute Sache wäre. Wenn sie denn wüssten, was dieser doch eher diffuse Begriff eigentlich meint.

Arbeitgeber erzeugen da immer gerne die romantische Vorstellung von offenen Arbeitsflächen, in denen sich jeder seinen Platz sucht, der gerade zu ihm passt, um dann auf seine Weise die gerade anstehenden Aufgaben erfüllen zu dürfen. Solche Bilder, wie sie auch gerne in Hochglanzmagazinen gezeigt werden, sind schlicht Bullshit, weil sie bewusst mehrere harte Faktoren der echten Welt ausblenden: a) arbeiten insgesamt nur recht wenige Menschen überhaupt in komfortablen, loftartigen Großraumbüros, b) ist die Notwendigkeit, sich immer wieder einen neuen Platz suchen zu müssen, den man sich zudem nicht personalisieren kann Stress, weil der persönliche Bezug zum Arbeitsplatz so unterdrückt wird und c) gibt es sehr wohl einen definierten Workload, der erledigt werden muss, so dass die freie Zeiteinteilung lediglich eine Illusion ist. Das vordergründige Kuscheligkeitsgefühl, dass sowieso nur wenige Arbeitgeber zu erzeugen verstehen wird somit durch eine Entgrenzung des persönlichen Arbeitsplatzes und eine Entfremdung vom Wert der eigenen Arbeitsleistung erkauft. Unter dem Strich müssen die Menschen in diesen Büros genauso ihr Soll erfüllen, wie die Malocher am Band – welches im Übrigen heute auch nicht mehr annähernd so aussieht, wie zu den streng tayloristischen Tagen Henry Fords.

Ich persönlich fände es ehrlich, wenn man offen sagte: in einem Arbeitsverhältnis schuldet der Arbeitgeber ein, der jeweiligen Leistung angemessenes Salär und eine Arbeitsförderliche Umgebung und der Arbeitnehmer schuldet seine Arbeitsleistung und Loyalität – in dem Sinne, nicht wider besseres Wissen gegen die Interessen seines Arbeitgebers zu handeln. Würden beide Seiten sich an diese Regeln halten, könnte Arbeiten sogar Spaß machen, doch leider gibt es auf beiden Seiten immer wieder Stoffel, die grundlegende Regeln des Miteinanders nicht verstanden haben. Was mittelfristig für Arbeitgeber sogar dumm ist, denn jeder, der eine Statistik lesen kann, dürfte wissen, dass zufriedene Mitarbeiter – vulgo solche, denen ihr Job Spaß macht – motivierter sind und dadurch eine bessere Arbeitsleistung bringen. Mitarbeiter zu demotivieren, indem man sie knechtet, ihnen schlechtes Werkzeug gibt, nicht auf ihren Input hört, oder sie mies bezahlt, ist also insgesamt auch schlecht für’s fiskalische Ergebnis. Aber soweit denken die meisten Menschen nicht, weil Tellerränder ja so verdammt hoch sind…

Was nun aber das Arbeitsförderliche, motivierende Umfeld angeht, so kann es einem passieren, dass man sich selbst ausbeutet, unter Preis verkauft, zu heiß und zu schnell brennt und sich damit kaputt macht. Ein schlechtes Arbeitsumfeld ist in dem Sinne sogar sicherer, weil man merkt, dass es schlecht für einen ist; ein zu Gutes hingegen verschlingt einen vielleicht, bevor man überhaupt zu dieser Erkenntnis gelangen kann – was im Ergebnis allerdings genauso beschissen ausgehen kann.

Ich selbst bin da, wo ich im Moment stehe zufrieden – sogar fast sehr zufrieden. Natürlich bedeutet dies, dass ich gemäß meinen eigenen Ausführungen als gefährdet gelten darf. Ich weiß, ich weiß… meine diesbezüglichen Lektionen sind noch relativ gut im Gedächtnis und ich hatte nicht vor, mich nochmal in eine Erschöpfungsdepression zu manövrieren. Das letzte Mal war schlimm genug. Allerdings stehe ich an einem Scheideweg. Mein Studium neigt sich, wie’s aussieht einem halbwegs erfolgreichen Ende zu (ein Schein fehlt noch, dann ist Abschlussarbeit angesagt) und natürlich muss ich mich besinnen, was ich damit anzufangen gedenke. Sicher ist, dass ich vielleicht noch 7, 8 gute Jahre fahren kann, spätestens dann will ich in einer gefestigten Position sein und ich sehe mich dabei definitiv NICHT weiterhin am unteren Ende der betrieblichen Nahrungskette. Was bedeutet, dass ich meinen Marktwert testen muss!

Nach dem letzten abgeschlossenen Projekt, dessen Beendigung mich, zu meiner eigenen Überraschung, nicht depressiv verstimmt hat, stehen schon weitere in den Startlöchern und auch angesichts dessen bin ich ruhig, ja sogar entspannt, denn mittlerweile bin ich in vielerlei Hinsicht gefestigt und weiß was ich alles kann – und was nicht. Diese hart erarbeiteten Gewissheiten bedeuten für mich, dass in mehr als einer Hinsicht alles auf Anfang steht. Einerseits im Mikrogeschäft meiner day-to-day-work, aber auch im Makrogeschäft meines Arbeitslebens in seiner Gesamtheit. Ich bin eigentlich einfach nur gespannt, welche Gelegenheit als nächste daherkommt. Ich bin bereiter, als je zuvor!